Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Mittwoch, 20. Mai 2015

Fresstour

Joah, anders kann man die Aktion heute nicht bezeichen. Aber lecker war's. Nur saßen wir dann am Abend beim Absacker im Café und konnten kein Essen mehr riechen ...

Ich habe heute Nacht sehr komisch geschlafen: Ich war ja schon um 20 Uhr im Bett, ehe ich irgendwann 1.30 Uhr aufwachte. Kommt mal vor, aber normalerweise schlafe ich dann Minuten später wieder ein. Es wurde 2 Uhr, 3 Uhr, 4 Uhr. Kein Schlaf in Sicht. Offenbar bin ich dann doch nochmal eingepennt, denn plötzlich war es kurz vor 10 Uhr ...

Naja, also standen wir mal auf. Das Frühstück bestand aus einer (sehr schmackhaften) Banane, ich sprang kurz unter die Dusche. Abmarsch.

Es ging wieder zur U-Bahn-Station Bugis und von dort in Richtung Flughafen, in Richtung Ostküste. An einem Zwischenbahnhof stiegen wir aus und suchten uns einen Bus aus, der uns - meiner Meinung nach - zumindest in die Nähe des ersten Zieles der heutigen kulinarischen Weltreise bringen sollte. Naja, den Busfahrer scherte meine Meinung wenig, sodass wir zur Schadenvermeidung dann irgendwann an der East Coast Road ausstiegen und ein paar Minuten in Richtung Westen liefen.

Das Lokal, das ich ansteuerte, ist bekannt für sein Laksa, das ist eine cremige Suppe mit weißen Nudeln, Garnelen und allerlei anderem Zeugs (Bild siehe unten) und außerdem eines der (vielen) singapurischen Nationalgerichte. Das Laksa war lecker und zum Glück nicht einmal wirklich scharf. Doch, könnte man öfter essen.

Weiter ging es, diesmal im Bus, diesmal in die richtige Richtung, sodass wir "nur noch" ein paar Querstraßen in Richtung Strand mussten, ehe wir am East Coast Lagoon Centre aufschlugen. Hierbei handelt es sich auch um ein Hawker Centre, also so ein Teil mit vielen Tischen und fast noch mehr Essensständen darumherum, wo man sich einfach hinsetzt und sich von den Ständen aussucht, was man haben will. Das Besondere hierdran ist, dass das hier ein Freiluft-Foodcourt ist, was speziell dann angenehm ist, wenn man - wie hier - nur wenige Meter vom Meer entfernt sitzt und gelegentlich eine hochwillkommene kühle Brise herüberweht.

Zunächst staunten wir ob des Blicks auf die Dutzenden von Schiffen, die da geduldig in Sichtweise auf die Einfahrt in den Hafen warteten. Entsprechend der Anzahl der Schiffe ist das da keineswegs ein Badestrand, sodass wir uns zurück zu unserer heutigen Hauptbeschäftigung begaben: Essen. Wir machten einen Satay-Stand als unsere erste Anlaufstation aus. Im ersten Durchgang waren wir nicht so richtig mutig und bestellten (Mindestbestellung: 10 Spieße à 70 Singapur-Cent, also etwa 45 Eurocent pro Spießchen) Hühnchen, Rind und Lamm (okay, ein bisschen mutig war zumindest das Lamm schon). Dazu gab es lecker Erdnusssoße. "Yammy", wie der Amerikaner sagt. Wir wurden mutiger, ließen das Lamm weg und nahmen dafür Tripe, was ich vom Geschmack her für Bauchspeck hielt. In Wirklichkeit waren es aber - wie ich eben in der Wikipedia nachlas - Kutteln, die ich in Deutschland gekocht nicht anrühren würde, aber gebraten war das wirklich sehr schmackhaft.

Nach dem Genuss eines Bieres ließ ich Chilli Crab für heute Chilli Crab sein (morgen ist auch noch ein Tag) und wir probten auch hier den Abgang. Wider Erwarten fanden wir relativ - relativ! - schnell den Bus zurück zur U-Bahn, sodass wir schließlich an der dritten und letzten Station der heutigen Tour ankamen, am Old Airport Road Food Centre. Das heißt wirklich so.

Auch hier gab es von Meeresfrüchten über Chinesisch bis hin zu verschiedenen Saftständen sehr viel gutes Essen und Trinken. Wir entschieden uns dann für Meeresfrüchte mit einem sehr guten Fisch, mit Garnelen, Tintenfisch und gebratenen Austern. War durchaus essbar, aber wir hatten heute schon so viele Sachen gegessen, die noch leckerer waren, dass es da Abzüge in der B-Note für das Old Airport Road Food Centre gab. (In der A-Note gab es für die gebratenen Bananen noch satte Zuschläge ...)

Wir fuhren heim und kehrten wieder im Blu Jaz ein, wo wir gestern schon Station gemacht hatten. Happy Hour war zwar schon vorbei, aber trotzdem bekam Uli zwei Gläser Rotwein zum Preis von einem, und wir sahen nicht wegen der Biere, die wir vorher schon verzehrt hatten, schon doppelt!

Den finalen Abschluss des Tages machte der Schwimm im Hotelpool mit wieder einmal tollem Ausblick auf einen Teil der hellerleuchteten Skyline von Singapur inklusive Singapore Flyer (einem Riesenrad) und Marina Bay Sands.

So, und jetzt steht schon die letzte Übernachtung in diesem Hotel hier an. Morgen müssen wir bis um 12 Uhr ausgecheckt haben, dann werden wir uns noch ein bisschen umgucken, uns vielleicht nochmal in Chinatown herumtreiben, ehe wir so gegen 21 Uhr in Richtung Flughafen aufbrechen werden. Ich plane, am Flughafen noch zu duschen, aber wir werden wahrscheinlich eh frühestens kurz vor Mitternacht einchecken können, da unser Flieger erst um 1.45 Uhr am Freitag Morgen abfliegt. In 36 Stunden sind wir schon in Sydney.

Singapur, ich komme wieder (jaja, ich weiß, auf dieser Reise allein noch dreimal), aber auch danach werde ich keinen Bogen um diese Stadt machen, auch wenn sie mir zum Leben viel zu heiß und mit gefühlt 110 % Luftfeuchtigkeit viel zu schwül ist ...

Katong Laksa

Kleines Hindu-Tempelchen nahe der East Coast Road

Satay-Spieße

East Coast Lagoon: Freiluft-Hawker Centre mit Blick aufs Meer

Dienstag, 19. Mai 2015

Gewürzparanoid

Die Salsa in Granada in Nicaragua hat Uli ziemlich kirre gemacht. Zur Erinnerung: Das war der "Rest" Salsa, den wir über den Reis schütteten und nach dessen Genuss wir die Nerven im Mund mehrere Minuten lang nicht mehr spürten ...

So kirre, dass irgendein Gewürz, was damals in der Salsa drin war (wer micht kennt, weiß, dass es völlig sinnlos ist, zu fragen, welches Gewürz das denn sein könnte), sie seither verfolgt. Im Flieger war das anscheinend schon im Essen drin und auch heute beim Inder in Little India. Leider mag sie dieses Gewürz nicht, was ihr dann das Essen ein bisschen vermiest. Nicht so schön. Wir werden bis zur Identifikation des Gewürzes des Grauens das indische Essen ein bisschen meiden. In den Hawker Centres ist das ja nicht so schwierig, weil man genug Auswahl hat; und im Zweifel esse ich das halt auf, da opfere ich mich gerne.

Wir hatten heute Morgen also ausgeschlafen und machten uns so gegen 10 Uhr auf in Richtung U-Bahn. Wir suchten in dem an "unsere" U-Bahn-Station angrenzenden Einkaufszentrum den Keller, fanden ihn aber erst nach einer langwierigeren Suche, weil man vom Erdgeschoss manchmal nur ins zweite Kellergeschoss mit dem Aufzug fahren konnte und dabei das erste Kellergeschoss übersprang. Naja, am Ende hatten wir es gefunden und nahmen bei einer dafür bekannten Kette ein typisches singapurisches Frühstück ein: Es bestand aus Teh (Tee mit Milch und Zucker), Kaya Toast (dunkler Toast mit Zuckerbutter) und - für mich - runny eggs, Eier, die leicht angekocht sind, sodass das Eigelb relativ fest ist, während das Eiweiß halt wegläuft (deswegen runny). Das Ganze bekommt man in der Schale serviert. Geschmeckt hat es jedenfalls.

Danach stiegen wir in die U-Bahn und fuhren zur U-Bahn-Station "Little India". Auch wenn man sich bei der Auffahrt mit der Rolltreppe nicht gleich an Delhi erinnert fühlt (dafür ist es weder dreckig genug noch stinkt es ausreichend, und ich mag Delhi inzwischen ja eigentlich fast ...), so fallen einem die ganzen Hindi-Beschilderungen genauso ins Auge wie die chinesischen in Chinatown. Schon in der U-Bahn fiel der höhere Anteil an ethnischen Indern auf.

Wir liefen ein bisschen in Richtung eines Tempels, und gerade, als ich nochmal nachgucken wollte, weil der so langsam kommen musste, fiel Uli auf, dass wir direkt davor standen ... Von außen waren die Verzierungen schon beeindruckend, drinnen - nach dem Ablegen des Schuhwerks - war das nochmal mindestens genauso interessant. Den Leuten ist es völlig schnuppe, ob und wo man fotografiert, das war schick.

Nach dem Besuch im Tempel guckten wir uns weiter in Little India um und entschieden uns dann - es war inzwischen 12.30 Uhr - für ein im Reiseführer genanntes Restaurant. Dort waren wir die Ersten (blieben es aber nicht) und verspeisten eine Art Gemüseintopf mit bösem Gewürz (Uli), ein Fisch-Curry (ich; sehr lecker, wenn auch gut scharf) und dazu Käse-Knoblauch-Naan, das himmlisch war. Wirklich himmlisch. Auch wenn wir jetzt zwei Tage Ruhe vor aufdringlichen Menschen haben, weil wir so nach Knoblauch stinken ...

Zurück ging es wieder zur Station Little India, und Minuten später waren wir wieder in Singapur angeboten. Die Welt wird wirklich immer kleiner. Wir stiegen am Clarke Quay aus der U-Bahn, bekamen von der Hitze wieder - wie meine Ma sagt - einen "Schlag mit der Wichsbürscht" und liefen am Singapore River entlang. Wow: Hier stehen also die Wolkenkratzer, die wir gestern Abend von der Brücke in Marina Bay gesehen hatten. Wir liefen in Richtung Mündung des Singapore River und kamen schließlich zum Merlion, dem Wahrzeichen Singapurs. Dieses Viech, was halb Löwe, halb Meerjungfrau ist, spuckt Wasser. Die Aussichtsplattform, von der man dem Ding zugucken kann, bietet auch noch einmal einen tollen Blick auf die Wolkenkratzer und, wenn man sich umdreht, auf das Marina Bay Sands (diesen Hotelkomplex mit drei Wolkenkratzer, auf dem nochmal ein Schiff obendruff sitzt), und das angrenzende ArtScience-Gebäude (eine geöffnete Lotusblüte). Achja, bei halber Drehung hat man einen Blick auf das Esplanade, den Theaterkomplex mit der Außenhaut einer Durianfrucht ...

Nach erfolgreichem Schnappschussschießen liefen wir - verschwitzt waren wir jetzt eh - zurück in Richtung Hotel, fuhren noch zwei Stationen U-Bahn und machten dann auf dem Heimweg in einem anscheinend nicht unbekannten Jazz-Café Pause. Bier lecker, Wein lecker, "Snow in Singapore", weil die Bäume ihre Früchte abwarfen und uns beschmissen ...

Den Abschluss des Tages bildete das Erholungsbad im Hotelpool. Es ist jetzt noch nicht einmal halb acht, aber wir sind k.o. und werden heute wahrscheinlich recht früh schlafen. Morgen wollen wir vielleicht ein bisschen eher aufstehen, um der Hitze vielleicht ein wenig zuvorzukommen. Obwohl, eigentlich ist es ja eh wurscht, ob du um 9 Uhr bei 27° C oder um 10 Uhr bei 28° C schwitzt, weil du um 13 Uhr eh wieder bei 32° C denkst, du bist frisch aus der Dusche gestiegen.

Morgen geht es vielleicht an die Ostküste zum Krabbenessen, aber wir werden uns sicherlich wieder ein wenig treiben lassen.

Tempel in Little India von außen ...

... und von innen


Cavenagh Bridge in der Innenstadt (!) von Singapur

Marina Bay Sands (rechts) und ArtScience (links)

Esplanade

Downtown mit Merlion

Montag, 18. Mai 2015

Es. Ist. Heiß.

Heiß. Schön. Toll. Wunderbar. Atemberaubend. Beeindruckend. (Wollte gerade "Atembedruckend" schreiben.) Achso, lecker ist es. Und heiß. Schwül. Heiß und schwül.

So, meine Ersatzoma und meine Ma brachten uns dann um 12 Uhr so langsam in Richtung Flughafen, nachdem bei uns das Packen alles ein bisschen langwieriger war als gedacht und wir gerade so rechtzeitig fertig wurden.

Am Züricher Flughafen ließen die beiden uns dann raus und wir machten eine mittelprächtige Weltreise zu Fuß, ehe wir am im Umbau befindlichen Airport einchecken konnten. Check-in war entspannt, unsere Plätze hatte ich ja schon reserviert. Alles in Ordnung.

Wir reisten aus dem Schengenraum aus, fuhrten mit der Jodelbahn unter dem Rollfeld durch und kamen an unserem Gate an. Da standen noch zwei Polizisten mit einer herrenlosen Tennisschlägertasche, am Ende nahmen sie sie - nach einigen Beratungen - einfach mit ins Fundbüro. Explodiert ist da meines Wissens jedenfalls nichts.

Am Flieger war allerdings irgendeine Klappe nicht so ganz funktionstüchtig, was zu einer etwa einstündigen Verspätung führte, über die wir - das muss ich sagen - allerdings vorbildlich auf dem laufenden Stand gehalten wuren. Flug alles gut, zwei Filme geguckt, tatsächlich kein Bier getrunken ...

In Katar war der Umstieg auch ganz okay, auch wenn hier ebenfalls recht lange Strecken zu überwinden waren. Der Abflug nach Singapur war ziemlich pünktlich, wir kamen sogar etwas zu früh an, ich hatte noch einen weiteren Film geguckt und sogar eine Stunde, naja, relativ am Stück die Augen zu ...

Die Einreise war, als wir mit dem Skytrain dann endlich an der Einreise waren, superschnell abgefertigt, was uns aber keinen echten Vorteil einbrachte, da das Gepäck relativ lange auf sich warten ließ. Wir entschieden uns, doch mit der U-Bahn in Richtung Hotel zu fahren, was aus zweierlei Gründen ein Fehler war: Erstens konnte ich am U-Bahnhof keine Touristen- oder Dauerkarte kaufen, weshalb ich wieder hoch zum Terminal 2 musste und die holte. Zum anderen hatten wir einen nicht gar so langen, aber doch zehnminütigen Laufweg vor uns und waren danach vollkommen nassgeschwitzt, als wir im - eisgekühlten - Hotel ankamen.

Nach dem Check-in gingen wir erstmal an den Pool, in dem wir schwammen und dabei eine tolle Aussicht auf einige Wolkenkratzer in Downtown Singapur hatten. Nach dem Genuss von Bier und Wein, was wir uns wirklich verdient hatten, ging ich kurz duschen, ehe wir uns wieder zur U-Bahn-Station in unserer Nähe kämpften. In der U-Bahn ist es wenigstens schön kühl ...

Wir fuhren nach Chinatown. Als wir die Rolltreppe hochfuhren, fühlten wir uns in Peking oder Shanghai, das war sehr beeindruckend. Wir gingen durch die Smith Street, die als "Food Street" beworben wird, und tatsächlich gab es da einen Freiluft-Food-Court mit vielen Ständen, die von Meeresfrüchten bis gebratenes Schwein viele chinesische Sachen feilboten.

Da dort aber eher touristenorientiert gearbeitet wurde, gingen wir ein paar Meter weiter zum Maxwell Food Centre, in dem eher die Einheimischen essen. Und, ja, es ist sehr, sehr lecker dort. Links und rechts der Passage liegen kleine Essens- und Getränkestände, in der Mitte stehen Tische. Und dann setzt sich einer hin, einer geht zu den verschiedenen Ständen und bestellt Essen und Trinken. Sehr praktisch, sehr lecker und - nicht nur für Singapurer Verhältnisse - sehr, sehr billig. Wir aßen Gyoza (mit Garnelen und Huhn gefüllte Teigtaschen) und dazu noch eine Portion gebratenen Reis mit ein paar Shrimps. Alles in allem zahlten wir fürs Essen knapp zehn Euro. Das Bier für 4,50 € reißt das natürlich dann wieder ein bisschen heraus, aber dafür bekommt man 0,633 Liter ...

Wir gingen durch ein paar Hinterhöfe zum nächstgelegenen U-Bahnhof (sicher fühlen wir uns hier sehr) und fuhren zwei Stationen zum Marina Bay Sands, einem der größten und architektonisch sicher beeindruckendsten Hotel der Welt. Uns, oder vielmehr mich, zog es zum Casino. Wow. Das ist unfassbar, mehrere Fußballfelder groß, in zwei Etagen, und es wird Roulette, Würfelroulette, Black Jack, einarmiger Bandit und was weiß ich noch alles gespielt. Als Ausländer kommt man umsonst rein, ein Singapurer muss 100 Singapur-Dollar (etwa 65 Euro) zahlen, um einen Tag (!) spielen zu dürfen.

Der erste Roulette-Tisch und ich wurden nicht so richtig Freunden, aber immer mit dem letzten Einsatz erzielte ich Gewinn. Oben im rauchfreien Bereich war es dann besser, und ich konnte durch kluges und konzentriertes Spiel aus 50 Singapur-Dollarn 100 machen. Schön.

Wir hatten aus dem Schweißdesaster von heute Mittag nichts gelernt und gingen zu Fuß vom Marina Bay Sands zurück zum Hotel. Dabei überquerten wir auf einer Fußgängerbrücke, die an sich schon sehr toll gestaltet ist, den Singapore River. Von der Brücke hat man einen unglaublich schönen Blick auf die Skyline von Singapur. Das wird morgen noch bei Tag erkundet.

Jetzt war ich eben zum zweiten Mal duschen, fühle mich viel besser und gehe gleich ins Bett. Es war ein sehr anstrengender, aber auch ein wunderbarer Tag. Ich bin sehr gespannt auf morgen und die nächsten Tage, auf Little India, auf den Singapore River, auf die Innenstadt.

Jetzt ist aber erstmal schlafen angesagt, hier ist es schon halb eins ...

Vorne Hotelpool, hinten Skyline

Im Maxwell Fod Centre

Lecker Happahappa

Im Casino

Blick auf die Skyline
 

Freitag, 15. Mai 2015

Von den blauen Bergen kommen wir

... uns're Lehrer sind genau so doof wie wir. Selige Zeiten ...

Die letzten Tage habe ich für meine Prüfung gelernt, aber zur, sagen wir, Entspannung bin ich mal ein bisschen genauer in die Reise-Feinplanung eingestiegen.

Unser (erstes) Hotel in Singapur liegt ziemlich gut, an der Marina Bay, einem Landgewinnungsprojekt, nicht so arg weit entfernt von den altehrwürdigen Sehenswürdigkeiten von Singapur, nicht weit von Little India und in fußläufiger Entfernung zum Marina Bay Sands und den umliegenden Parks. Das Marina Bay Sands ist ein Hotelkomplex und schon als solcher ob seiner Größe und Architektur wohl ziemlich sehenswürdig. Oben drauf gibt es einen riesigen Infinity Pool, den wir aber nicht benutzen können (nur für Hotelgäste), aber in den Casino-Komplex werden wir bestimmt mal einfallen ... In dem Park daneben stehen einige überdimensionale "Bäume" im Supertree Glove, das sieht auf Fotos auch ziemlich interessant aus.

Daneben werden wir uns wohl in den diversen Hawker Centres dem Essen hingeben, auch wenn Chinatown ein bisschen weiter von unserem Hotel weg ist, aber es gibt ja eine U-Bahn, die ganz gut funktionieren soll. Schauen wir mal, was wir da so alles essen. Apropos Essen: Die Durianfrucht werden wir wahrscheinlich auch mal probieren müssen. Sie wird zwar auch "Stinkfrucht" genannt, weil sie wohl nicht so lecker riecht, der Geschmack soll aber unvergleichlich süß sein. Ich bin gespannt, ob wir das über uns bringen. Der Transport der Frucht ist in der U-Bahn wegen ihres Duftes im Übrigen verboten (wenigstens gibt es keine Strafe, wenn man es doch tut ...).

Ansonsten werden wir uns treiben lassen und gucken, dass wir uns während der Mittagswärme irgendwo in klimatisierten Bereichen oder am Pool die Zeit vertreiben.

Die Artikelüberschrift kommt daher, dass es in der Nähe von Sydney ein Gebirge namens "Blue Mountains" (Blaue Berge) gibt. Man kommt dorthin mit dem Vorortzug von Sydney aus ganz gut. Ich tendiere im Moment dazu, dass wir uns eine Opal-Karte kaufen (eine Chipkarte, mit der man sich in Bussen und Bahnen ein- und aussticht und die dann den korrekten Betrag abbucht). Man könnte aber auch eine Netzkarte kaufen, die eine Woche gültig ist. Vom Betrag her werden sich die beiden Karten bei unserem Reiseprofil nicht viel nehmen: Wir werden jeweils rund 50 Euro hinblättern müssen, könnten aber dann mit allen Bussen, Straßenbahnen, Zügen und auch diversen Fähren durch Sydney, in den Norden bis Newcastle, in den Süden bis nach Nowra und eben in den Westen bis in die Blauen Berge fahren. Zusätzlich nimmt der Flughafen für den Zugang zum dortigen U-Bahnhof noch mal 13 Dollar pro Fahrt, was auch 8 oder 9 Euro sind. Die Sydneysiders nehmen es auch von den Lebenden ...

Meine Buchungsseite hat mir heute Morgen noch eine E-Mail geschrieben, dass mein Hotel in Sydney keine Vorautorisierung der Kreditkarte vornehmen konnte. Das ist kein wirkliches Wunder, weil ich bei der Buchung im Dezember eine meiner alten Kreditkarten angegeben hatte. Ich konnte denen aber - binnen 24 Stunden - meine neue Kreditkartennummer geben und habe zwei Stunden später die Bestätigung erhalten, dass nun die Buchung wieder bestätigt ist.

Zwischen dem Rückflug aus Bali und dem Heimflug haben wir ja noch eine Übernachtung in Singapur. Die Lage unseres Hotels ist zwar eigentlich ganz gut, nicht weit von Chinatown weg, aber ich bin nicht sicher, ob es so sinnvoll ist, sich eigentlich nur zum Schlafen das Taxi vom Flughafen nach Chinatown und dann wieder zum Flughafen zu bemühen. Möglicherweise werden wir da noch einmal umbuchen, aber das hat ja noch Zeit ...

Achso, Zeit: Wir werden größtenteils sechs Stunden Zeitunterschied haben, und zwar in Singapur, in Kuala Lumpur und auf Bali. Das heißt, wenn es hier in Deutschland 12 Uhr mittags ist, werden wir schon 18 Uhr haben. Nur in Sydney werden es acht Stunden Unterschied sein, dort wird es dann also 20 Uhr sein.

Morgen fahre ich aber erst einmal nach Köln zu meiner Prüfung, morgens hin und mittags zurück. Vom Frankfurter Flughafen aus geht es dann weiter in Richtung Freiburg und hoch in den Schwarzwald. Morgen Abend feiern wir Abschied, und wie ich uns kenne, wird es nicht bei einer Hopfenkaltschale bleiben ... Am Sonntag werden wir dann so gegen 12 Uhr, 12.30 Uhr von meiner Ma zum Flughafen in Zürich gebracht werden, ehe unser Flieger um 16 Uhr geht. Um 22.45 Uhr Ortszeit (21.45 Uhr deutscher Zeit) sind wir in Doha, von wo wir um 2.25 Uhr morgens (1.25 Uhr deutscher Zeit) weiterfliegen. Am Montag Nachmittag kommen wir schließlich um 15.15 Uhr singapurischer Zeit (9.15 Uhr deutscher Zeit) an. Ich tippe mal, dass wir nach unserer Ankunft am Hotel erstmal in den Pool hüpfen ...

Der nächste Bericht dürfte also aus Asien kommen, vielleicht aus Katar, aber wahrscheinlicher erst aus Singapur.

Sonntag, 10. Mai 2015

T minus 7

In sieben Tagen oder 168 Stunden sitze ich im Flieger von Zürich nach Doha. Zunächst muss ich am Samstag noch eine Prüfung in Köln schreiben, aber ich hoffe, dass ich das auch überstehe.

Am Sonntag geht es also mit Qatar Airways von Zürich über Doha nach Singapur. Ich bin gespannt auf den neuen Flughafen in Doha, 2013 war ich ja noch auf dem "alten" aus- und eingesteigen. Wir haben keinen übermäßig langen Aufenthalt, sodass es zum Umsteigen problemlos reichen sollte, aber trotzdem nicht langweilig wird.

In Singapur kommen wir nächsten Montag am Nachmittag an und werden uns erst einmal ins Hotel bringen lassen, wahrscheinlich mit dem Taxi.

Im Moment sieht es so aus, dass wir jeweils zwei kleine Gepäckstücke mitnehmen, von denen man eines ggf. auch als Handgepäck verwenden kann, damit wir nicht überall das ganze Gepäck mitnehmen müssen. In Singapur kann man anscheinend am Flughafen relativ günstig das Zeug auch für ein paar Tage verwahren lassen.

Das werden wir am 22. Mai früh morgens schon einmal in Anspruch nehmen, weil wir dann mit Scoot, einem Billig-Ableger von Singapore Airlines, nach Sydney fliegen. Die Nacht werden wir durchmachen, da wir schon am 21. Mai mittags aus dem Hotel auschecken.

In Sydney kommen wir dann am 22. Mai mittags an und werden uns in meinem 100. Land sicherlich erst einmal eine Kneipe suchen, um das gebührend zu begießen ...

Am 23. Mai ist unser Sporttag (Aussie Rules Football und Rugby) und die restlichen Tage werden wir in Sydney und möglicherweise Umgebung ganz bestimmt auch gewinnbringend verbummeln können.

Am 27. Mai geht es mittags zurück nach Singapur, wo wir um 19 Uhr ankommen. Hier werden wir uns ein bisschen beeilen müssen, weil wir einreisen, danach zum Bus (oder ins Taxi) zur Grenze müssen, ausreisen und nach Malaysia einreisen und schließlich von der Grenze über die Fußgängerüberführung zum Zug kommen, der um 23.35 Uhr in Johor Bahru in Malaysia abfährt.

Am 28. Mai werden wir dann frühmorgens in Kuala Lumpur ankommen. Dort haben wir praktisch zwei volle Tage, weil wir am 29. Mai erst um 18 Uhr wieder zurück fahren. Diese Strecke machen wir dann im Superduperluxusbus, den ich gestern gebucht habe; da bin ich auch mal gespannt, ob der wirklich so gut ist wie es klingt.

Für die Strecke braucht man vier, fünf Stunden, sodas wir am späten Abend in Singapur sein dürften. Wieder werden wir ins Taxi (oder auch in die Metro) springen und zum Flughafen fahren, schließlich geht um 4 Uhr unser Jetstar-Flieger nach Bali, und davor müssen wir ja das eine Gepäckstück am Flughafen auslösen und das andere hinterlegen. Das wird auch ein spannender Tag werden, denke ich.

In Denpasar kommen wir dann um 7 Uhr an, werden uns unser indonesisches Visum besorgen und uns dann zum Hotel bringen lassen. Mal sehen, wie fit wir nach den Tagen in Singapur, Sydney und Kuala Lumpur noch sind, ob wir nur noch Badetage machen oder uns doch einen oder zwei Tage im sicherlich auch sehenswerten Bali den einen oder anderen Tempel anschauen.

Am 3. Juni fliegen wir dann abends zurück von Bali nach Singapur, wo wir noch einmal eine Nacht verbringen, ehe es am 4. Juni dann am Nachmittag wieder in Richtung Doha geht. Am 5. Juni werden wir früh morgens in Zürich landen und dann erstmals seit fast drei Wochen wieder europäischen Boden unter den Füßen haben.

Ich bin sehr gespannt auf die Straßenhändler in Singapur und ihr Essen, auf das Opernhaus, die Hafenbrücke, Sport und Kneipen in Sydney, auf die Petronas Towers in Kuala Lumpur, auf die Tempel und auf die Strände auf Bali.

Wir werden allein nach Singapur insgesamt viermal ein- und ausreisen (aus Doha, aus Sydney, aus Malaysia und aus Bali). Zum Glück brauchen wir weder für Singapur noch für Malaysia ein Visum. Für Australien braucht man formal ein Visum, aber das habe ich schon vor Wochen online beantragt: Für Europäer geht das ziemlich problemlos und ist vor allem kostenlos. Einzig für Indonesien benötigen wir ein richtiges Visum, aber das erhalten wir bei der Einreise auf Bali für auch noch erträgliche 35 Dollar. Stempel im Pass wird's also genug geben ...

Mein Bruder hatte eine gute Idee, weil er mit meinen Reisen so ein bisschen den Überblick verliert: Er machte den Vorschlag, dass ich einen Kurzüberblick über die anstehenden Reisen in die Kopfzeile einbaue. Gesagt, getan. Jetzt kann jeder, nicht nur die NSA, sehen, wo es demnächst hingeht ...

Mittwoch, 6. Mai 2015

Bald zurück nach Israel ich will

Da unser Heimflugtag am 4. Mai auch gleichzeitig Star-Wars-Tag war (May the Fourth be with you ...), diese grammatikalisch sonderliche Überschrift. Aber das ist ja nichts Neues bei mir ....

Unser Hauswirt rief uns ein Taxi, das nach einer Viertelstunde kam (er hat wohl ein bisschen Provision eingesackt) und uns sicher zum Flughafen fuhr. Naja, "sicher" würde meine Mutter nicht unterschreiben, denn die Taxifahrer in Israel findet sie, Achtung - Monster-Wortspiel, nicht ganz koscher. Die fahren ihr alle irgendwie ein bisschen zu schnell und zu wild. Naja, 110 Sachen bei 70er-Beschränkung ist zugegebenermaßen auch nicht mehr im Toleranzbereich.

Die Einfahrtskontrolle in den Flughafen überstanden wir in Sekundenschnelle, auch wenn ich Leute mit Gewehren immer noch ein bisschen grenzwertig finde. Am Flughafengebäude wurden wir gar nicht kontrolliert, der Self-Check-in ging problemlos, die anschließende Sicherheitsbefragung nach dem Einstieg mit "mother and son?" ebenfalls, sodass wir wenige Minuten nach Betreten des Flughafens schon eingecheckt und unser Gepäck geoffdroppt hatten. Vor zwei Jahren gab es noch vor dem Check-in eine Gepäckkontrolle, in der man gerne mal zur Einzeldurchsuchung rausgezogen wurde. Inzwischen gibt's die nicht. Die Personen-Sicherheitskontrolle ging ebenfalls unheimlich fix, nicht einmal habe ich die Sprengstoffbürste gesehen. Danach waren wir auch schon ausgereist, indem wir bei der Passkontrolle unser "Exit Permit" erhielten (keine Stempel mehr in Israel!) und eine Sperre überwanden, indem wir das Exit Permit über den Barcodeleser hielten.

Und jetzt saßen wir da zweieinhalb Stunden vor Boarding im wirklich sehr angenehm temperierten Abflugbereich, meine Ma trank noch einen Kaffee, ich eine heiße Schokolade, ehe ich schonmal zum Gate ging und sie einen kurzen Rundgang durch die Duty-Free-Geschäfte machte. Die Zeit am Gate ging überraschend schnell um und wir kamen fast genau pünktlich weg.

Bis auf einen etwas nervigen Extrawurst-Besteller hinter uns war der Flug völlig entspannt, wir hatten unterwegs sogar einen tollen Blick auf Istanbul und dann auf das wunderschön grüne Deutschland.

Bei der Passkontrolle wollten uns der Flughafen Frankfurt und die Bundespolizei demonstrieren, dass auch sie Chaos veranstalten können. Der Versuch war von größtem Erfolg gekennzeichnet: Die elektronischen Kontrollen dort sind noch nicht in Betrieb, und als völlig überraschend zwei Flüge gleichzeitig ankamen, waren zu wenig Kontrollstellen besetzt. Die Schlange wurde dann in so einen Zickzack-Parcours gebändigt. Kurz bevor wir dran waren, wurde aber auf einmal eine zweite Schlange geöffnet, was bei den Umstehenden nachvollziehbarerweise zu größerem Unmut führte. Unfassbar. Dass die Deutschen besonders effizient wären, wird nach dieser Einreiseerfahrung so schnell kein Ausländer glauben ...

Naja, wir erwischten kurz vor dem Bahnstreik noch eine S-Bahn, ließen uns vom Wiesbadener Hauptbahnhof heimfahren und nahmen dann pünktlich den auf "Tel Aviv" reservierten Tisch im Sherry & Port ein: Die Kellnerin hatte uns bei unserem Skype-Reservierungsanruf nicht so richtig verstanden ...

Ach Leute, Israel ist so toll. Seit 2011 war ich immer alle zwei Jahre dort. So lange, also bis 2017, will ich eigentlich nicht mehr warten, mal gucken, wann ich mal wieder einen günstigen El-Al- oder sonstigen Flug erwische.

Jetzt mache ich gerade ein paar Tage Stippvisite auf der Arbeit, dann ist noch eine Prüfung und am 17. Mai sitze ich schon wieder im Flieger von Zürich nach Singapur mit Umsteigen in Doha. Ich bin schon sehr gespannt auf mein 99., 100., 101. und 102. Land ...

Jetzt ist aber erstmal Fußball. Auf geht's, FCB ...

Montag, 4. Mai 2015

Pustekuchen

Nix da Jerusalem, nix da Haifa, vielmehr Tel Aviv am Strand. So hieß es auch gestern.

Jaja, ich weiß, es gibt in Israel so viel zu sehen, und wir verbringen zwei Tage am Strand. Wie kann man nur? Och, indem man sich wieder in den Pavillon setzt, wieder 12 Schekel für die Strandstühle abdrückt, wieder Schawarma und Falafel zum Frühstück isst, wieder ein stilles Wasser ("Goldstar" heißt hier das beliebteste stille Wasser) trinkt, danach ein Eis isst, ein paar Jerry Cottons liest und ab und zu schwimmen geht.

Ich hatte mich nach dem allmorgendlichen Schwimm schon geduscht und war bereit, mich in den Bus nach Jerusalem zu stürzen, als ich mich plötzlich umentschied, doch wieder an den Strand ging und da irgendwie versackt bin. Es ist auch einfach zu schön.

Gegen Mittag brachen wir dann vom Strand auf, meine Ma duschte und wir nahmen den Bus zum alten Hafen von Tel Aviv, der inzwischen sehr schön auf Freizeitpark gemacht ist, mit vielen Restaurants, Bistros und Kneipen, mit wunderbarem Blick aufs Meer (und weniger wunderbarem Blick auf eine Fabrik), mit Flugzeugen, die gefühlt wenige Meter über einem auf den kleineren Flughafen von Tel Aviv, Sde Dov, einsegeln. Dort aßen wir in einem hochgelobten Restaurant; und das Lob erhält das Restaurant Boya völlig zu recht. Nach sehr leckerem Focaccia und einem Eisbergsalat mit Speck (!) bzw. einem Blumenkohl mit Tomaten bekam meine Ma Garnelen in einer Ouzo-Soße mit Strauchtomaten und Stangensellerie, während ich einen Roten Trommler mit Linsen und einer Tomatensalsa verspeiste. Hervorragend, und für Tel Aviver Verhältnis mit 108 Schekel (25 Euro) sogar noch ziemlich preiswert. Das Bier für 8 Euro hat's dann halt wieder rausgerissen mit dem Preis ...

Bei der Busfahrt zurück erwischte ich dann den richtigen Ausstieg (anders als bei der Hinfahrt, wo wir dann noch zwanzig Minuten zurücklaufen mussten, weil ausgerechnet dort nicht alle paar Meter eine Haltestelle war ...), sodass wir zeitnah den Absacker bei Molly Bloom's zu uns nehmen konnten. Anschließend ging es über die Strandpromenade heim.

Joa, und heute Morgen machten wir unseren Abschlussschwimm, sind jetzt geduscht, frühstücken gleich noch lecker Schawarma und lassen uns dann zum Flughafen bringen. Wir werden uns ein Taxi gönnen ...

Over and out, der nächste Blogeintrag dann wahrscheinlich aus Deutschland, allerspätestens aus Singapur ...

Sonntag, 3. Mai 2015

Einfach nur faul

... waren wir gestern, sodass ich sogar den Blogeintrag habe hintenrunter fallen lassen.

Wir gingen schwimmen, sicherten uns dann zwei Strandstühle unter einem Pavillon (für jeweils 6 Schekel das Stück, also etwa 1,40 €) und fingen an zu lesen. Ich holte uns dann zwei Schawarma und zwei Kaltgetränke in Flaschen (was eigentlich verboten ist, die Polizei hat nachher ein paar Leute mit einer Schnapsflasche ziemlich angepflaumt, was aber auch mehr am Schnaps als an der Flasche liegen könnte ...), die wir genüsslich verzehrten.

Wir gingen nochmal schwimmen, ich las zwei Jerry Cottons. Schöööööön. Schreibe ich zwar jeden Tag hier, ist aber so - schööööön.

Zwischendurch ging ich mal kurz aufs Zimmer und half vier Jungs, indem ich ihnen - am Sabbat - den Wasserkocher anschaltete, was sie nicht tun wollten/konnten/durften/whatever. Busse fuhren übrigens keine gestern und der Autoverkehr war merklich verringert, sonst hat man - abgesehen von wenigen geschlossenen Restaurants - hier in Tel Aviv überhaupt nichts vom Sabbat gemerkt. In Jerusalem dürfte das deutlich anders ausgesehen haben.

Man merkt, der Tag war nicht sonderlich strukturiert, weil wir einfach nur am Strand waren und zwischen unserem Pavillon, dem Meer und dem Falafel-Mann hin- und herpendelten.

Trotz Schatten und viel Cremerei entschieden wir uns dann ob zunehmender Rotbräune, so gegen 14 Uhr das Zimmer aufzusuchen. Nach Wiederherstellung der Ausgehfähigkeit machten wir genau das: Ausgehen.

Wir marschierten zu Mike's Place und fragten, ob sie Bundesliga zeigen. Nope. Dann ging's zu Molly Bloom's Pub, die zeigten auch keine Bundesliga. Wir hatten jetzt schon wieder ein Hüngerchen, ließen uns also trotzdem bei Molly nieder, aßen lecker Roastbeef und Corned Beef und panierte Pilze. Hmmmm. Dazu tranken wir stilles Wasser, klar.

Auf dem Heimweg guckten wir nochmal bei Mike's Place vorbei, weil die wenigstens die Bayern zeigen wollten, da war aber der "satellite down", sodass wir es bei zwei stillen Wassern beließen und heimwegs gingen.

Der Blick auf das abendliche Tel Aviv-Jaffa, auf die Strandpromenade: Immer, wenn ich in Istanbul bin, denke ich, Istanbul ist meine Lieblingsstadt; immer, wenn ich in Tel Aviv bin, denke ich das von Tel Aviv. Einfach schön.

Jetzt ist es gleich 8 Uhr hier, wir gehen auf alle Fälle gleich schwimmen. Vielleicht wäre es nicht ganz so clever für mich, den Tag nochmal am Strand zu braten, vielleicht fahre ich tatsächlich nochmal hoch nach Jerusalem. Mal gucken, entscheide ich gleich während des Duschens sehr spontan.

Strandpromenade

Strand

Freitag, 1. Mai 2015

Röcke

... viele Röcke und viele schwarze Anzüge haben wir heute gesehen, denn wir haben eine Stippvisite nach Jerusalem unternommen.

Gestern Abend bekam ich noch einen ziemlichen Schreck, weil ich, als ich mein Handy auf das israelische Netz freischaltete, auf einmal zwei SMS bekam, dass wir unsere Fahrräder nicht ordnungsgemäß zurückgegeben hätten. Ohje. Ich zog mich also schnell an, ging runter an den Stand, wo wir die Fahrräder abgegeben haben, keine Fahrräder mehr da. Mist! Aber wenigstens kam ich auf die Idee, zu gucken, ob ich neue ausleihen kann (weil man nur neue Fahrräder ausleihen kann, wenn man die alten abgegeben hat). Das ging, sodass ich nun davon ausgehe, dass die SMS sich auf doch schon abgeschlossene Ausleihvorgänge bezogen, in denen wir drei Sekunden später die Fahrräder "richtig" abgegeben haben. Trotzdem war das ein ganz schöner Schreck.

Gut schlafen konnte ich trotzdem, da ich - wie meine Ma - ziemlich k.o. war. Weil wir gestern früh ins Bett gegangen waren, waren wir heute Morgen entsprechend früh wach. Auf in die Fluten, die ebenso wie gestern Abend durchaus wellig waren. Soooooooooo schön. Speziell, wenn man dann vom Meer oder vom Strand aus diesen fantastischen Blick auf Alt-Jaffa hat. Meine Ma versteht inzwischen, wieso ich so begeistert von Israel im Allgemeinen und Tel Aviv im Besonderen bin.

Nach dem Duschen gingen wir zu unserer Bushaltestelle, verpassten den ersten Bus zum Busbahnhof, weil der Kassierer im Supermarkt, in dem ich zwei Flaschen Wasser kaufte, unglaublich, wirklich unglaublich langsam war, aber erwischten dann wenigstens den zweiten Bus. Im labyrinthartigen Busbahnhof von Tel Aviv fanden wir die Verkaufsstelle für die Fahrkarten nach Jerusalem trotzdem recht schnell (und auch einen Verkaufsstand von sehr leckerem Brot und leckeren Teilchen, der ganz speziell meine Ma begeisterte) und ab ging die einstündige Fahrt durch ein zunächst flaches fruchtbares, danach hügeliges recht bebautes Gebiet. Als unser Busfahrer sein armes Gefährt ziemlich bergauf quälte, waren wir fast schon in Jerusalem und hatten unterwegs ein Zipfelchen des Westjordanlandes, zumindest in den Grenzen von 1967, durchfahren. Merken tut man das nicht.

Am Busbahnhof in Jerusalem stiegen wir aus und sprangen Minuten später in die Buslinie 1, die uns - auf Umwegen - direkt zum Eingang zur Klagemauer fuhr, die eigentlich einfach nur "Westmauer" heißt, weil die Juden an der Mauer keineswegs klagen, sondern einfach nur beten. Sei's drum. Wie schon vor zwei Jahren ist die Westmauer sehr, sehr, sehr beeindruckend. Meine Kippa kam mal wieder zum Einsatz, aber ohne Schirmmütze war die Sonne zu drückend, mit Kippa und Schirmmütze war's zu warm, sodass ich am Ende nur mit meiner Sparkassen-Schirmmütze durch die Gegend lief. War ja auch eine Kopfbedeckung ...

Nach dem Besuch an der Westmauer liefen wir ein wenig durch die Altstadt von Jerusalem, die zur Mittagszeit am Freitag recht leer war: Viele (muslimische) Händler und viele (muslimische) Käufer waren offenbar zum Mittagsgebet, sodass da kaum Gedränge war: sehr angenehm. Ebenfalls sehr angenehm war, dass die (wenigen) Händler einen dann auch nicht doof von der Seite anquatschten, sondern in Ruhe gucken ließen. Meine Ma kaufte zu akzeptablem Preis eine kleine blau-weiße Schale, eher wir wieder zurück zur Klagemauer gingen.

Den heutigen Tag hatte ich als Ausflugstag wieder einmal extrem clever gewählt, weil man am Freitag nicht auf den Tempelberg kommt, weil das Freitagsgebet auch in Jerusalem am Freitag stattfindet. Illigenzbestie, ich ...

Naja, vielleicht fahre ich für 4,50 € pro Strecke am Sonntag nochmal hoch nach Jerusalem, man ist ja in einer Stunde von Busbahnhof zu Busbahnhof, das kann man schon mal machen.

Wir fuhren wieder vom Dungtor zurück zum Busbahnhof und fuhren wieder - wie auf dem Hinweg - durch Viertel, in denen eine beachtliche Anzahl von orthodoxen Juden lebt: Ich habe erst in der Innenstadt die erste Frau mit einer Hose gesehen, ansonsten trägt da jede, aber wirklich jede Frau, einen Rock, der zumindest die Knie bedeckt. Männer ohne Kippa sind genauso rar gesät wie Frauen in Hosen, denn fast jeder trug diese orthodoxe Standarduniform aus weißem Hemd und schwarzer Hose, viele dazu ein schwarzes Sakko oder gar einen Mantel; jeder trug natürlich eine Kippe oder einen dieser breitkrempigen Hüte, sehr viele auch Schläfenlocken. Hallo, ich bin in Jerusalem! Es ist aber manchmal ziemlich lustig, einen Zehnjährigen in diesen Klamotten zu sehen, das sieht dann wirklich ein bisschen übertrieben aus, aber wem's gefällt ...

Die Central Bus Station von Jerusalem ist nicht ganz so labyrinthartig wie die von Tel Aviv, sodass wir relativ schnell die Ticketstation und dann auch den Ausgang zum Bus nach Tel Aviv fanden. Wieder waren wir eine gute Stunde unterwegs, und diesmal sanken unsere Köpfe auch ab und zu gen Scheibe.

Von der Bushaltestelle an der Allenby-Straße ging es schnurstracks in Richtung Strandkneipe, schließlich hatten wir Hunger und Durst. Lecker Schawarma und lecker Tintenfisch wechselte den Besitzer, dazu gab's Hopfenkaltschalen in jeweils doppelter Ausführung, und der Blick auf den Strand gab's dazu, zwar nicht gratis, aber fast. Ach Leute, Tel Aviv ist einfach soooooooo schön. Und daran ändern auch die vielen französischsprachigen Menschen, die um einen herum sitzen, nichts ...

Ich führte meine Ma zum Schluss dann noch zu Molly Bloom's, einem Irish Pub in der Nähe des King-David-Hotels, wo wir noch einen Absacker zu uns nahmen, ehe wir jetzt wieder - für Tel Aviv relativ früh - im Bettchen sind.

Morgen ist Sabbat, also nix da mit Irgendwohinfahren, also ganz in Ruhe faulenzen. Wird auch toll.

Jetzt noch ein paar Fotos:
Strand in Tel Aviv

Blick auf Jaffa

In der Altstadt von Jerusalem

Blick auf die Westmauer (Klagemauer), rechts im Bild die Al-Aksa-Moschee

Donnerstag, 30. April 2015

Fertig mit der Welt

... bin ich, aber es war so schön heute.

Meine Ma war auch erst so gegen 9 Uhr wach, sodass wir uns um 9.45 Uhr - ich ungeduscht - aus der Wohnung begaben und an den Strand gingen. Heute gab es sogar eine weiße Flagge am Strand, das heißt, es waren Bademeister da und es herrschte Schwimmerlaubnis. Schööööööööön. Obwohl wir nur ein paar Minuten im Wasser waren, holte ich mir - wie ich heute Abend feststellen mussten - einen leichten Sonnenbrand. Naja, ich Flachlandtiroler bin wohl noch nicht so an die Sommersonne gewöhnt, denn hier ist es zwar nicht heiß, aber durchaus sehr angenehm warm.

Danach ging es duschen und anschließend zum Schawarma-Mann bei uns auf der Straßenecke zum Mittagessen. Meine Ma verspeiste leckeres Schawarma (sowas wie ein Döner), ich ein sehr schmackhaftes Falafel (Kichererbsen-Bällchen im Fladenbrot). Wirklich sehr lecker, auch wenn wir da wieder feststellen mussten, dass Tel Aviv nicht gerade billig ist.

Ebenfalls nicht billig waren die, öhem, drei Biere, die wir am Strand verspeisten, zusammen mit ein paar Calamari, die wir tranken. Aber auch hier muss man natürlich sagen, dass man das Flair, am Strand zu sitzen, den Leuten beim (Sonnen-)Baden zugucken zu können und einfach Urlaub zu machen, durchaus mitbezahlt, und zwar nicht zu knapp. Sei's drum. Vielleicht geht's morgen wieder dorthin ...

Wir speisten ein Eis (von dem ich nicht mehr ganz so begeistert war wie von dem an gleicher Stelle vor zwei Jahren) und mieteten uns dann eines dieser Tel-Aviv-Fahrräder. Mit dem ersten Rad wäre ich gepflegt auf die Schnauze gefallen, weil das Ding nach ein paar Metern ohne Vorwarnung bremste, aber da ich es erstmal ein paar Meter über die Ampel schieben musste, bemerkte ich diese unbedeutende technische Schwäche und konnte das Teufelsding umtauschen.

Naja, und dann fuhr ich erstmals seit zwei Jahren wieder Fahrrad. Sagen wir so, ich schwitzte ein kleines bisschen, aber nicht völlig übertrieben, als wir in Alt-Jaffa ankamen. Wir machten, weil wir inzwischen merkten, dass wir vom ganzen Nichtstun heute ziemlich k.o. waren, nur einen kurzen Bummel über den weltberühmten, aber jetzt schon im Schließen begriffenen Flohmarkt von Jaffa, ehe wir uns zurückmachten und nach dem Kauf von Flüssigkeit schon sehr früh im Hotelzimmer verschwanden. Das Hotelzimmer wird heute nicht mehr, dafür aber morgen recht früh für den Weg zum Strand verlassen. Mal sehen, ob es dann doch morgen nach Haifa geht oder ob wir drei Tage am Stück faul in Tel Aviv herumlungern.

Wir hören gerade den Fliegern über uns beim Landeanflug zu und werden heute offenkundig nicht mehr sehr alt. Ich werde morgen berichten ...

El Al-les gut

Boah, sorry für dieses "Wortspiel", aber nach dem grandiosen, hochverdienten, gar nicht vom Schiedsrichter oder irgendwelchen Stollen abhängigen Sieg des BVB gestern und den zwei Bier in Mike's Place heute Abend kriege ich es nicht besser hin ...

So, ich war die letzten zweieinhalb Tage betrieblich in Würzburg; hat Spaß gemacht. Heute Nachmittag fuhr mich eine Kollegin dann an den Frankfurter Flughafen, wo meine Ma und ich uns - nach einigen Wirrungen - schließlich gefunden haben. Da war es 15.15 Uhr. Unser El-Al-Flug ging um 19.30 Uhr, die El Al empfiehlt, vier Stunden vor Abflug am Check-in zu sein. Diese Empfehlung kann man - zumindest in Frankfurt - getrost vergessen: Dreieinhalb Stunden vor Abflug kommt so langsam mal der Sprengstoffsuchhund mit seinem Herrchen, dreieinviertel Stunden vorher kommt dann die Polizei (mit so richtigen Gewehren im Arm und Blick von oben, dass da ja kein Attentäter unerschossen reinkommt) und drei Stunden vorher fangen die Leutchen von El Al dann mit dem Check-in an.

Der Check-in war völlig harmlos. Ja, die fragen (wie viele Ami-Fluggesellschaften) ab, ob wir den Koffer selbst gepackt haben (ja!) und Päckchen von sonstwem dabeihaben (nein!). Unsere Antwort auf die Frage, wohin wir zuletzt gemeinsam unterwegs waren (Kasachstan) sorgte für kleineren Aufruhr, aber nach drei, vier Minuten waren wir durch diese Sicherheitsbefragung durch. Have a nice flight.

Der eigentliche Check-in ist dann wie bei jeder anderen Fluggesellschaft auch.

Wir waren natürlich viiiiiiiiel zu früh dran, gingen aber trotzdem schon durch die Passkontrolle und versuchten dann erfolglos, einen der vielen aufgestellten, aber funktionsunfähigen Getränkeautomaten zu bestechen, doch zu funktionieren. Saftladen in Frankfurt!

Unser Gate war - natürlich - noch nicht offen, sodass wir uns mit Gummibärchen über Wasser hielten. Das Gate öffnete um 18 Uhr, die Kontrolle war so wie immer, nichts Besonderes, selbst das Duty-free-Parfüm meiner Mutter in der versiegelten Packung war - so soll es natürlich auch sein - überhaupt kein Problem.

Überraschenderweise wurde ich nicht einmal zur Sprengstoffkontrolle herausgezogen, sodass wir nach den finalen Bordkartenchecks entspannt gegen 18.30 Uhr am Gate saßen.

Liebe Leute, es kann ja sein, dass die mich dieses Mal nicht als potenziellen Gemeingefährder (alleinreisender Mann zwischen 20 und 45), sondern als komischen Kauz, der mit seiner Mama verreist (was übrigens, wie ich nicht müde werde zu betonen, sehr schön ist ...), behandelt haben. Und, ja, die Kontrollen sind - ein bisschen - strenger als bei anderen Fluggesellschaften. Aber Sorgen muss man sich - zumindest nach dieser Erfahrung - überhaupt nicht machen, mit El Al zu fliegen. Jedenfalls erschießen die einen nicht gleich, wenn man seine Antworten so schlecht "abgesprochen" hat wie wir ...

Es gab dann eine "Jüdische Allgemeine" vor dem Abflug, das Boarding war fix, die Maschine nicht mehr ganz brandneu (kein sitzeigenes Entertainmentprogramm), aber recht bequem (noch so schöne dicke Sitze), die Stewardessen und Stewards waren sehr freundlich und brachten ausreichend häufig Wasser, das Essen war ganz okay. Alles in allem kann man mit El Al sehr gut fliegen, vor allem, wenn der Preis stimmt.

Der Flug ging gefühlt leidlich schnell vorbei. Wir landeten gegen halb eins israelischer Zeit (halb zwölf des Vortages deutscher Zeit). Die Einreise ging nicht ganz so fix, vor allem, weil die die Zielgruppe umstellten (von Ausländer auf Israelis), als wir schon in der Schlange standen und die bekloppten Russen vor uns dann die ganzen Israelis vorließen. Wir wechselten die Schlange und kamen schnell voran.

Unsere Grenzerin beäugte unsere Pässe (meine Ma: Algerien, ich:Emirate, Oman, Katar, Bahrain) ziemlich lange, und ich hatte den Eindruck, dass sie überlegt, uns in die Spezialkontrolle zu geben, aber am Ende bekamen wir unsere Pässe zurück und waren damit - völlig unproblematisch - nach Israel eingereist.

Unser Gepäck kam auch bald, wir gingen durch den Zoll, hoben im dritten Versuch erfolgreich Geld ab und setzten uns dann ins Taxi zu unserem Hotel. Knapp 40 Euro ärmer waren wir, als wir dort ankamen, aber Israel ist halt nicht gerade billig, und Taxis in der Nacht schon mal gerade gar nicht. Unser Hotel ist eher ein Hostel, aber das Zimmer mit Bad ist in Ordnung, zumal wir dreißig Sekunden vom Strand weg sind.

Wir hielten uns nicht lange im Zimmer auf, sondern gingen zu Mike's Place neben der US-Botschaft, stellten uns zwei Goldstar rein und wurden dann rausgekehrt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal in einer der bekanntesten Kneipen Israels "last customer" wäre. Hat geklappt heute ...

Nun ist es hier 3.30 Uhr, ich sitze auf dem Bett und gleich schlafe ich. Morgen, so haben wir uns eben auf dem Heimweg entscheiden, wird ausgeschlafen und mal Urlaub gemacht. Nix Haifa, nix Jerusalem, sondern Strand in Tel Aviv und Jaffa. Das wird schön. Morgen. Äh, heute ...

Gute Nacht!

Mittwoch, 15. April 2015

Schön war's

... in der Bundeshauptstadt, auch wenn ich gesundheitlich ein paar Schrammen davongetragen habe. Aber das wird schon wieder werden.

Ein leckeres Abendessen gab es bei der Mutter einer der beiden Damen aus Thüringen, ehe wir relativ tot in unsere Betten fielen.

Nach gutem Frühstück am Samstag ging es ins Jüdische Museum, das hochinteressant war. Die Achsen des Exils und des Holocaust waren sehr beeindruckend, speziell der Holocaust-Turm, ein unbeheizter und kaum beleuchteter Turm mit glatten Betonwänden, in dem ich ein paar Sekunden alleine war, waren bedrückend und spannend zugleich.

Die Dauerausstellung ist sehr gut gemacht. Ich muss gestehen, dass ich über die deutsch-jüdische Geschichte im Mittelalter nicht so richtig wusste. Die Hochburgen Mainz, Speyer und Worms, aus denen die Juden schon im späten Mittelalter vertrieben wurden, müssen wirkliche Zentren der jüdischen Kultur in Mitteleuropa gewesen sein.

Es gibt aber - neben den Diskriminierungen, denen die Juden bis, naja, eigentlich bis vor wenigen Jahrzehnten und womöglich auch in Deutschland zum Teil noch heute unterworfen waren - auch viele heitere Teile der Ausstellung, sei es die Batman-Kippa, sei es der Automat mit koscheren Gummibären (die schmecken übrigens total anders als unkoschere Gummibären, vollkommen klar ...).

Wir aßen am Gendarmenmarkt bei einem zu teueren Italiener und machten uns dann zu Fuß auf zum Brandenburger Tor, das nach wie vor sehr schön ist. Ebenfalls schön finde ich, wie ich, glaube ich, schon einmal Ende 2011 hier im Blog geschrieben hatte, das Holocaust-Mahnmal. Das sahen offenbar auch die Gruppen von Schülern so, die auf den äußeren Stelen ein Picknick veranstalteten und im Stelenfeld zum Teil Verstecken spielten. Dass da nicht (mehr) von Ordnungskräften eingegriffen wird, finde ich gut.

Einem Besuch am Potsdamer Platz und dem Sony-Center folgte die Heimfahrt zum Abendessen. Danach ging es ins Kabarett in die "Distel" im Admiralspalast. Auch wenn nicht jeder Witz zündete, gefiel mir der politische Witz der drei Schauspieler sehr gut. Ich bekam zwar am Anfang gleich einmal - im wahrsten Sinne des Wortes - mein Fett weg (da passiert, wenn man in der dritten Reihe sitzt), aber selbst das war wirklich lustig.

Am Sonntag Morgen ging es dann vom Hauptbahnhof zu Fuß am Kanzleramt vorbei zum Reichstag, wo wir den Zugang zur Kuppel gebucht hatten. Die Sicherheitskontrollen sind ziemlich streng geworden im Vergleich zu damals, als ich zuletzt da war, aber der Ausblick von der Dachterrasse und aus der Kuppel auf Berlin ist und bleibt toll.

Ich verabschiedete danach meine Damen, verbummelte noch ein Stündchen am Alexanderplatz und fuhr dann auch mit dem Bus zurück zum Flughafen Tegel. Um 23 Uhr am Sonntag Abend war ich daheim.

Schön war's, anstrengend war's, toll war's. Berlin ist immer eine Reise wert.
Roboter, der die Tora schreibt, im Jüdischen Museum

Gendarmenmarkt

Brandenburger Tor

Holocaust-Mahnmal

Reichstagskuppel

Freitag, 10. April 2015

Berlin

So, jetzt sitze ich mal wieder am Flughafen (schööön ...) und warte auf meinen Flieger nach Berlin, der in knapp zwei Stunden aufgerufen werden sollte. Ich habe heute relativ früh Schluss auf der Arbeit gemacht und bin zum Flughafen. Ich habe mein (Hand-)Gepäck nicht geoffdroppt (oder wie man das grammatikalisch korrekt auf Deutsch ausdrückt), sondern bin mit Sack und Pack durch die Sicherheitskontrolle, um in Berlin nicht viel Zeit zu verlieren, während ich auf mein Gepäck warte.

Das ging ganz gut, wenn man davon absieht, dass ich zum zweiten Mal binnen neun Tagen zum Sprengstoffscreening rausgezogen wurde. Naja, als alleinreisender Mann zwischen 20 und 45 Jahren kann einem sowas wahrscheinlich mal passieren ...

In Berlin treffe ich mich mit zwei Freundinnen, die aus Thüringen anreisen, für ein hoffentlich schönes Wochenende. Ich bin sehr gespannt auf meine Bundeshauptstadt; ich war schon ein paar Jahre nicht mehr richtig in Berlin, da gibt es bestimmt wieder viel zu sehen.

"Öfter haben" könnte man den Notausgang. Das habe ich im letzten Post zweimal nacheinander geschrieben. Sorry dafür! Folgerichtig habe ich gestern unsere Plätze für die El-Al-Flüge nach und aus Tel Aviv gebucht: Sie liegen am Notausgang. Juchhe. Wir fliegen zwar nur vier, viereinhalb Stunden, aber trotzdem ist das sicherlich keine schlechte Sache.

Joa, und da ich jetzt am Flughafen sitze und Zeit habe (was ein ziemlich angenehmes Gefühl ist), kann ich auch noch ein paar Sätze zu Astana schreiben.

Astana war sehr beeindruckend, die Architektur war zum Teil direkt futuristisch, und sie hat mir sehr gut gefallen. Nun stehe ich ja eigentlich durchaus auf moderne Architektur und kann mir gerade nicht erklären, wieso es mir in Dubai am Anfang nicht so gut gefallen hat, aber vielleicht ist auch Dubai eine von diesen Städten, die ich ein zweites Mal besuchen musste, um mich an sie zu gewöhnen. Die Menschen dort sprachen zwar in der Regel nicht so gut Englisch und unser Russisch ist ja, wie der regelmäßige Blogleser weiß, eher berüchtigt als berühmt, aber trotzdem haben wir uns auch dort mit Händen, Füßen und - dank des fast überall verfügbaren WLANs - Google Translate ganz gut verständigen können: Astana ist halt als Verwaltungshauptstadt auf Expats eingestellt, und so waren wenigstens viele Speisekarten auch auf Englisch verfügbar.

Herr Nasarbajew, der Führer der Nation, taucht an allen möglichen und unmöglichen Stellen auf, und das liegt wahrscheinlich nicht nur daran, dass Ende des Monats die Präsidentschafts-"Wahl" dort stattfindet. Wahlkampf im eigentlichen Sinne gibt es nicht (wer würde denn gegen den großen Nasarbajew antreten wollen?), aber damit genug Leutchen zur Wahl gehen, wird halt daran erinnert ...

Der Busverkehr in Astana ist relativ gut organisiert, sodass man selbst als sprachunkundiger Ausländer dort ganz akzeptabel herumkommt, wenn man sich vorher ein bisschen informiert und eine der (vielen) Bushaltestellen erwischt, an denen ein Plan mit den Buslinien eingezeichnet ist. Über den Preis von 45 Cent pro Fahrt müssen wir ohnehin nicht sprechen; die Busse sind leidlich modern, nur manchmal leider überfüllt, aber eine U-Bahn vermisst man dort - jedenfalls noch - nicht. Und Arbeitsplätze gibt es im Bus auch genug: Es gibt den Fahrer und den allgegenwärtigen Schaffner, der den Fahrpreis abkassiert. Sprechen muss man mit dem ja nicht, weil alle Preise gleich sind. Passt schon.

Doch, auch nach dieser Reise gilt mal wieder: Schön war's, aber ein bissel kurz.

Montag, 6. April 2015

Notausgang

So, wir standen heute Morgen um 1 Uhr kasachischer Zeit auf, also um 21 Uhr gestern deutscher Zeit. Furchtbar. Dafür waren wir schon gegen 2 Uhr fertig und konnten auschecken. Meine Ma bekam vom Nachtdienst noch einen Kaffee, während ich meine Cola aus der Minibar noch bezahlte.

Ich hatte gestern vergessen, noch einzuchecken, was ich schnell nachholte, als wir an der frischen Luft standen und auf das Taxi warteten, welches ziemlich pünktlich kam. Schneller als gedacht waren wir nach einer Viertelstunde am Flughafen, wir konnten auch schon gleich einchecken und waren dann schon fertig. Die Passkontrolle gestaltete sich im Vorfeld ein wenig nervenaufreibend, weil ich unsere Migrationskarten verlegt hatte (sie waren schon in der Manteltasche, während ich sie in meiner Reisetasche suchte), aber sie fanden sich auch wieder - Gott sei Dank ...

Danach saßen wir an dem ziemlich modernen Flughafen in Astana und warteten auf das Boarding, das pünktlich anfing. Es stellte sich heraus, dass ich genau den richtigen Zeitpunkt zum Einchecken abgepasst hatte (höhö), weil wir nämlich Sitze am Notausgang bekamen: Die Beinfreiheit war fantastisch. Könnte man öfter haben. Ein kleiner Nachteil bestand darin, dass wir die Tischen aus der Armlehne hochklappen mussten, und die Konstruktion war offenbar eher für schmale kasachische Frauen denn für Typen wie mich gedacht. Naja, Bauch einziehen half ein bisschen ...

Die sechseinhalb Stunden Flug gingen relativ fix vorbei, auch wenn ich nicht richtig schlafen konnte und wieder ein paar Jerry Cottons vernichten musste. Es war schön, dass der Typ am Fenster einmal aufstehen konnte, wenn er wollte, ohne uns hochscheuchen zu müssen ... Notausgang kann man öfter mal haben, finde ich.

Nach Ankunft in Kiew dauerte die Sicherheitskontrollschlange ewig, sie war auch ein wenig unkoordiniert, und ich bin immer noch der Meinung, dass durch die Bakterien, die man aufgrund des Schuheausziehens auf sich zieht, mehr Menschen umkommen als durch irgendwelche Schuhbomber, aber es hilft ja nix. Dieses Themas muss sich endlich ein Wissenschaftler annehmen, sonst wird das doch nichts. Argh.

Naja, auch der Flug von Kiew nach Frankfurt ging fix. Wir wurden direkt am Flieger von der Bundespolizei begrüßt, die Einreise ging dann auch schnell (wieder einmal kaum ein Mensch an der elektronischen Einreise), die S-Bahn kam. Wir verbrachten nicht viel Zeit in meiner Wohnung, um 15.10 Uhr hatten wir das erste Bierchen vor uns stehen.

Ich weiß, dass ich immer noch ein Iran-Fazit schuldig bin und dass ich das immer verschoben habe; da kommt es jetzt auch nicht mehr darauf an, wenn ich das Astana-Fazit auch verschiebe. Die nächsten Tage kommt da was, denke ich, hoffe ich, glaube ich, meine ich ...

Jetzt geht es ins Bett, in Astana ist es schon fast 23 Uhr.

Sonntag, 5. April 2015

Versöhnung und so

Heute haben wir - dieses Mal frühstückten wir italienisch (meine Ma) und russisch (ich), wieder sehr lecker - uns erst einmal das Riesenzelt angeschaut, das wir von unserem Zimmer aus immer sahen: Das größte Zelt der Welt mit einer Grundfläche von zehn Fußballfeldern beherbergt ein riesiges Einkaufszentrum und einen Wasserpark. Wir kamen um kurz vor zehn Uhr da an und stellten fest, dass das Ding "erst" (am Sonntag!) um 10 Uhr öffnet. Wir schwammen dann mit dem Strom in die Mall rein, guckten uns um, suchten - sehr langwierig - den Wasserpark, nur um festzustellen, dass 50 € Eintritt für uns doch ein bisschen viel waren, zumal wir uns noch ein bisschen was von der Stadt angucken wollten. Vielleicht waren es auch "nur" 35 Euro, aber so gut ist weder mein Kasachisch noch mein Russisch, dass ich das hätte auseinanderhalten können ...

In einem Ladengeschäft wurden wir noch von zwei Kasachinnen auf Englisch angesprochen, wo wir denn herkämen und was wir hier machten, weil sie ihr Englisch ein bisschen ausprobieren wollten. Nach einem schönen Gespräch verließen wir das Zelt und machten uns auf zum Baiterak.

Dabei kamen wir an dem Riesenhaus mit Bogen vorbei, das wir vor lauter Sonne (hier war tatsächlich drei Tage Sonnenschein, als wir hier waren) kaum richtig fotografieren konnten. Wir liefen an den Parkanlagen dieser Hauptachse von Zelt bis Präsidentenpalast vorbei und stiegen am Baiterek wieder in den Bus Nr. 21, um zur Pyramide, vielmehr dem Palast des Friedens und der Versöhnung, zu fahren.

Dieser Palast war menschenleer und erst nach Aufforderung erschloss sich uns, dass wir eine Führung mitmachen mussten. Naja, wir waren zu dritt: die Reiseführerin, meine Ma und ich ... Die Dame führte uns durch den Opernsaal, den ägyptischen Saal, den Trachtensaal (die "deutsche Tracht" besteht aus Janker und Dirndl) bis hoch zum Hauptkonferenzraum, von dem aus man einen fantastischen Ausblick auf die Hauptstadt hat. Sehr toll, auch wenn man die Führung eigentlich nicht wirklich braucht.

Wir verließen das Ding wieder und gingen an die frische, aber kalte Luft (öffentliche Gebäude sind hier in Astana grundsätzlich völlig überheizt), ehe wir uns entschieden, schon gegen sehr frühem Nachmittag wieder in unsere Gaststätte von gestern zu fahren.

Dort aßen wir - wieder - sehr gut, heute war es Rindfleisch- bzw. Pferdeschaschlik, zu dem wir - wieder - das leckere einheimische Line-Brew-Bier konsumierten. Es war trotzdem noch hell, als wir in Richtung Bushaltestelle gingen und in Richtung Hotel fuhren, wo wir noch einen (öhm ...) Absacker in Form von Wodka und Bier nahmen.

Es ist jetzt 20 Uhr, noch fast hell, aber wir sind schon im Bett, weil wir morgen um 2.30 Uhr zum Flughafen gefahren werden.

Gefallen hat es uns hier, die meisten Menschen waren zurückhaltend bis freundlich, alles schön. Wer sich für Architektur interessiert, kann gerne hierher kommen; man sollte nur nicht damit rechnen, dass die Preise anders sind als westlich. Die Busfahrt vielleicht noch, aber Hotel und Essen in einem für Westler "schönen" Lokal kosten ungefähr das Gleiche wie bei uns; wenn die Qualität stimmt - wie im Line Brew -, ist das aber unseres Erachtens auch in Ordnung.

Over and out, morgen geht's wieder gen Heimat. Israel ist nicht mehr lange hin: weniger als vier Wochen ...
Zelt von außen ...

... Zelt von innen

... und die Pyramide, der Palast des Friedens und der Versöhnung

Samstag, 4. April 2015

Gaul, medium, bitte

Das gab's heute Abend zum Essen, und es war zwar nicht billig, aber dafür sehr, sehr lecker.

Aber von Anfang an: Mein Wecker warf mich um 6 Uhr aus dem Bett (2 Uhr deutscher Zeit!), damit ich aufstehen möge und an den Flughafen fahre. Ich stand auf, duschte nicht (grässlich), zwängte mich in die verschwitzten und getragenen Klamotten von vorgestern und gestern und machte mich auf zur Rezeption. Google Translate sei Dank verstand die Rezeptionistin im zweiten Versuch, was ich von ihr wollte: Sie sollte am Flughafen anrufen und fragen, ob mein Gepäck da sei. Die Nachricht war positiv, sodass ich mich aus dem Hotel die 20 Meter zur Bushaltestelle begab und auf den Bus Nr. 12 zum Flughafen wartete.

Der kam nach einigen Minuten, war pickepackevoll, was sich aber in Flughafennähe immer weiter besserte, bis ich schließlich gegen Schluss sogar einen Sitzplatz bekam. Ich stiefelte zur Flughafeninformation, die rief jemanden an; der Typ begrüßte mich mit Handschlag, ließ sich meinen Reklamationszettel aushändigen und ging weg. Zwei Minuten später erschien er wieder und zerrte unseren Koffer des Horrors hinter sich her: Genau das gleiche schwarze Stück Kofferplastik, das wir schon in Algier so sehnlich erwartet hatten.

Ich quittierte den Empfang, holte noch eine Cola und war gerade wieder an der Bushaltestelle, als der Bus Nr. 12 zurück auch schon kam. Ich zahlte doppelt (für mich und für den Koffer), was ich bei 45 Cent Fahrpreis verschmerzen konnte und fuhr wieder in Richtung Hotel zurück. Ich stieg versehentlich eine Station zu früh aus und zog den Koffer die paar Meter hinter mir her: Meine Ma war glücklich, als sie schwarzes Plastik sah ... Ich ging duschen und wir gingen frühstücken. Das Frühstück war nicht üppig, aber lecker, und gegen 10 Uhr brachen wir auf.

Für teuer Geld kauften wir im gegenüberliegenden Supermarkt noch Sonnenschutzcreme (es ist wirklich strahlender Sonnenschein hier), ehe wir uns entschieden, die paar Stationen zum Baiterek, dem Turm hier in der Innenstadt,  mit dem Bus zu fahren: Wir würden heute noch genug laufen ... Wir stiegen aus und guckten uns den Chupa Chups, wie die Astanaer den Baiterek angeblich nennen, weil er wie ein Lolli aussieht, an. Wir fuhren - für akzeptable 2,50 € - auch in die Aussichtsplattform hoch, von wo der Blick auf die Stadt durchaus interessant ist: Architektonisch ist dieses Astana schon ein spannendes Stückchen Erde. Das passt vielleicht nicht alles so ganz harmonisch zusammen, aber modern trifft auf modern, das passt dann meistens schon.

Durch fast menschenleere Straßen gingen wir, fast nur begleitet vom Wind, der uns kalt um die Ohren pfiff, in Richtung Präsidentenpalast. Auch diese Mischung aus Weißem Haus und Reichtagsgebäude ist ganz ansehnlich, zumal das Teil vom Parlamentsgebäude und was weiß ich noch für anderen offiziellen Bauten eingerahmt wird.

Nach dem umständlichen Suchen einer Post ging es zurück zum Baiterek, von wo aus wir den Bus Nr. 21 nahmen, um auf die andere Flussseite zu gelangen. Dort guckten wir uns einen Moscheeneubau, die Kunsthochschule (deren Gebäude wir eine unregelmäßige Suppenschüssel aussieht) und noch das eine oder andere Schmuckstück an, ehe wir - da wir eigentlich nur auf die Toilette wollten - im Nationalmuseum landeten.

Joa, ganz schick, die Ausstellungen über die Geschichte Astana, Kasachstans, über moderne Kunst und irgendwelchen Goldschmuck der Leute, die hier in den letzten drei-, viertausend Jahren gelebt haben. Kann man sich mal angucken. Die Ausstellung über die kasachische Geschichte seit der Unabhängigkeit lobt die hochdemokratische Entwicklung, die sich daran zeigt, dass es überhaupt gar keinen, niemals nicht, unter gar keinen Umständen, definitiv nicht vorhandenen Personenkult um Herrn Nasarbajew, den Präsidenten seit mehr als zwanzig Jahren, gibt. Dass es in dieser demokratischen Gesellschaft nur eine, naja, sagen wir, nennenswerte Partei gibt, die natürlich in dem Programm des Nationalmuseums auch namentlich erwähnt wird, ist da nur folgerichtig, schließlich muss ja in einer Demokratie der Staat schon sagen dürfen, wen man wählen sollte ... Meinungsfreiheit und so.

Das Museum selber ist natürlich - wie so vieles in Neu-Astana - hochmodern, Touchscreens über Touchscreens, eine Lichtshow mit der Stadtentwicklung. Wirklich auch lobenswert ist, dass praktisch alles auf Englisch angeschrieben ist.

Dafür, dass wir nur auf die Toilette wollten, ließen wir uns mit gut zweieinhalb Stunden ziemlich viel Zeit. Anschließend ging es, wieder mit Linie 21, zurück in die Stadt und weiter zu einem Restaurant, das ich mir in den letzten Tagen ausgesucht hatte, um meine Ma auf mein 98. Land einzuladen.

Das Line Brew ist durchaus zu empfehlen: Die Preise sind zwar absolut westlich, aber angefangen mit dem Bier und den Oliven schmeckte alles sehr, sehr gut, und das Pferdesteak, das ich hatte, war vorzüglich. Die Bierpreise hier (Hausbrauerei) waren ebenfalls westlich und nicht mehr norwegisch, sodass wir doch noch ein zweites (öhem, möglicherweise auch ein wenig mehr) Bier gönnten.

Danach ging es ein paar Schritte zurück zur Bushaltestelle, wieder in den Bus 12 und ab ins Hotel. Jetzt sind wir rechtschaffen müde, können leider nicht das Dortmund-Spiel gucken, weil der Sender hier das viel spannendere Spiel Fiorentina-Sampdoria vorzieht, und werden dementsprechend wahrscheinlich in wenigen Minuten schlafen.

Morgen gucken uns weiter in der Stadt um, ehe es dann, huch, übermorgen sehr zeitig schon wieder gen Heimat geht.

Ich habe mich inzwischen entschieden, dass es mir hier eigentlich ganz gut gefällt, das passt schon.
Baiterek

Präsidentenpalast

Kunsthochschule

Moschee; rechts Säule für die Helden des Vaterlandes, speziell natürlich für Herrn Nasarbajew

Freitag, 3. April 2015

Über Land

Joa, wir haben viel aus dem Fenster geguckt, relativ häufig aber auch mit geschlossenen Augen: Wir waren vielleicht doch ein klitzekleines bisschen kaputt von der Reise ...

Um 10.30 Uhr ging unser Zug und wir fuhren durch die weiße Winterlandschaft, die relativ schnell nach der Ausfahrt aus Astana ziemlich menschenleer wurde. Gelegentlich stand noch ein Strommast in der Gegend herum, aber sonst war da einfach nur Steppe.

Um 13.45 Uhr kamen wir in Karaganda an, guckten uns ein wenig in dem Städtchen um und gingen dann in ein Buffet-Restaurant, wo wir ganz gut zu Mittag aßen: Meine Ma aß eine Art Lasagne, während ich zwei Hackfleischbällchen mit Kartoffelzeugs zu mir nahm; dazu wurde eine Mirinda verzehrt.

Nach dem Verlassen des Lokals wurden wir von einem Taxifahrer in ein Gespräch verwickelt. Der Taxifahrer ließ sich nicht davon abhalten, dass wir kein Wort Kasachisch oder Russisch verstanden und er kein Wort Englisch oder Deutsch sprach. Irgendwann waren wir bei Angela Merkel und Helmut Kohl angelangt und irgendwie bei der Wiedervereinigung, aber was der Typ so wirklich von uns wollte, erschloss sich uns überhaupt nicht.

Um 15.30 Uhr ging der Zug zurück und um 18.40 Uhr waren wir wieder in der kasachischen Hauptstadt. Der Bus Nr. 12 fährt gar nicht vom Hauptbahnhof ab, sodass wir nach ein bisschen Herumfragen ein paar Schritte zum Balletttheather gingen, die erste 12 verpassten, aber zwanzig Minuten später die nächste gut erwischten. Eine Busfahrt kostet hier 90 Tenge, das sind 45 Cent, das Ganze ist also durchaus bezahlbar.

Wir stiegen aus dem Bus aus und waren dreißig Sekunden später in unserem Hotel: sehr praktisch. Das Hotel ist ein bisschen schwülstig, aber in einem ganz akzeptablen Sinne, und der Ausblick aus unserem Zimmer auf den Turan prospekt und einige der hochmodernen Bauten ist den nicht ganz billigen Hotelpreis durchaus wert.

Wir gingen noch kurz in die Bar, tranken das einzige Bier vom Fass, das sie hatten, (ein "Spaten" aus München), zahlten dafür norwegische Preise und sind nun wieder im Zimmer. Irgendwie behelfen wir uns für die Nacht mit dem Bademantel als Schlafanzug und solchen Späßen, ehe ich morgen dann relativ zeitig mal das Hotel am Flughafen anrufen lassen und dann zum Flughafen fahren will, um unseren Koffer abzuholen. Wird hoffentlich werden.

Bis dahin: Gute Nacht!
Unterwegs in Kasachstan

Hauptbahnhof von Astana