Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 18. September 2011

Angekommen

So, wir sitzen gerade in einer schönen Lounge am Flughafen von Nassau auf den Bahamas, gleich geht es nach Eleuthera. Sorry, dass ich diesen Eintrag erst so spät schreibe, aber ich habe heute Nacht wenig Schlaf bekommen und wollte nicht irgendwelchen Murks schreiben ...

Gestern Morgen ging es nach dem vergeblichen Warten auf ein erneutes Erscheinen einer Rundschwanzseekuh in Richtung Miami Beach. Dort kamen wir gegen 11 Uhr, konnten aber leider noch nicht einchecken. Also machten wir uns auf den Weg in Richtung Ocean Drive und Strand, der zum Glück nur zwei Straßen entfernt war. Wir wanderten ein bisschen am Strand entlang, der sehr schön war. Allerdings war der Sand schweineheiß ... Nach dem leicht dekadenten Genuss von ein paar Austern und eines Seafood-Salats fuhren wir Richtung Miami-Innenstadt. Dabei fing das Debakel mit dem öffentlichen Nahverkehr in Miami an ...

Der Bus, mit dem wir fahren wollten, kam und kam nicht; ein anderer hielt (korrekterweise) nicht an unserer Haltestelle. Wir waren schon so weit, ein Taxi zu nehmen, als dann endlich die Linie M kam. Die Fahrer wechseln in Miami nicht, weil man das Geld in so einen Automaten werfen muss. Argh. Wir stiegen aus und fuhren mit dem (kostenlosen; einziger Lichtblick im Miami-Dade-ÖPNV) Metromover ein wenig in der Innenstadt herum. Sehr beeindruckend auch hier die Hochhäuser samt Skyline.

Danach brachte ich meine Ma zum Busbahnhof, von wo aus sie wieder in Richtung Hotel fuhr, während ich das Abenteuer auf mich nahm, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem Sport-Großereignis zu fahren: Ich wollte zum College-Football der Miami Hurricanes gegen die Ohio State Buckeyes. Meine Metrorail kam eine halbe Stunde verspätet, der Bus, in den ich umstieg, in etwa auch. Auf halber Strecke wurden wir wegen Überfüllung aus dem Bus geworfen (der nächste kam wirklich eine Minute später ...), am Stadion kam ich aber pünktlich an.

Die Kartenabholung ging ausnahmsweise problemlos, das Spiel war toll. Auch wenn das Sunlife Stadium nicht komplett ausverkauft war, sind 66.279 Zuschauer ja auch nicht schlecht ... Bemerkenswert fand ich, dass links neben mir ein Ohio- und rechts neben mir ein Hurricanes-Fan saßen und die völlig entspannt miteinander diskutierten. Überhaupt war wenig Polizei und überhaupt kein Gepöbel zu sehen oder zu hören.

Miami gewann durch zwei Touchdowns im ersten Quarter mit 24:6, die Stimmung war gut, auch wenn ich wahrscheinlich Baseball oder Eishockey bevorzugen würde ...

Danach begann das "Martyrium". Den Weg zurück zur Bushaltestelle fand ich problemlos, ahnte aber Schreckliches, als ich den Stau auf unserer Seite gepaart mit den sehr kurzen Grünphasen sah. Der Bus hätte um 23.15 Uhr fahren sollen (ich hatte darauf spekuliert, dass ich bei meiner Ankunft gegen 22.40 Uhr noch den Bus von 22.37 Uhr erwische, Pustekuchen). Gegen 23.30 Uhr kam da irgendetwas mit Warnblinklicht: Der Bus war dermaßen überfüllt, dass die Fahrerin (nachvollziehbarerweise) niemanden mehr reinließ.

Dass in eineinhalb Stunden nach einem Großereignis genau null öffentliche Verkehrsmittel vom Stadion aufbrechen, die auch Passagiere aufnehmen, hätte ich jetzt fast als Dritte-Welt-Zustand bezeichnet. Ich tue es nicht, weil ich die Entwicklungsländer nicht beleidigen möchte.

Gegen 0 Uhr sprach eine Mitwartende per Handy mit einem Busfahrer und meinte daraufhin, dass heute kein Bus mehr führe. Spätestens jetzt löste sich unsere aus zwei Dutzend Menschen bestehende Leidensgemeinschaft auf. Wir zogen in alle Richtungen und suchten Taxis. Ich erwischte schließlich eines, das mich dann wohlbehalten nach South Beach brachte ...

Schlaf bekam ich nicht mehr viel, weil wir schon um fünf Uhr wieder aufstehen mussten, weil unser Flug um neun Uhr ging. Auschecken, die Abholung des Autos und die Abgabe bei Avis gingen problemlos, beim Einchecken nahmen sie uns für "Übergepäck" 25 Dollar ab, weil mein Handgepäck angeblich zu groß war. Ärgerlich, vor allem, weil bei uns im Flieger dann etliche mit ähnlich großen Handgepäck unterwegs waren. Argh.

Der Flug hierüber war gut, die Einreise unnötig kompliziert (Rückflugticket vorzeigen, zum ersten Mal wurde dieser Einreisewisch tatsächlich untersucht, sehr ungewöhnlich ...), dafür ging es beim Zoll schnell. Das Wiedereinchecken ging dann auch einigermaßen fix, auch wenn unsere Schalterdame ein wenig vor sich hin döste, ehe sie uns nach einem Anschiss ihres Chefs dann sehr freundlich bediente ...

Bilder gibt es später/morgen, weil ich das Datenkabel im Koffer habe.

Noch ein paar Beobachtungen:

Während des vergeblichen Wartens auf das Manatee (die Seekuh) sah meine Ma wenigstens drei Delfinchen vorbeischwimmen ...

Ein bisschen muss ich zum Coupon-Unwesen schreiben. Die Amerikaner verbrauchen eine Unmenge Papier, um irgendwelche Coupon-Hefte zu durchforsten, wie man ein paar Dollar sparen kann. Besonders absurd wird es, wenn man vor der Kasse einer Attraktion Couponhefte findet, in denen man für diese Attraktion einen Rabatt bekommt. Wenn sie einfach von sich aus den Rabatt gewähren würden, könnte man jede Menge Papier sparen ...

Nach den sporadischen Kurzeinwürfen zur Bierkunde mal eine Zusammenfassung. Die großen amerikanischen domestic beers (Budweiser, Miller, Coors, Samuel Adams) sind kalt (!!) durchaus genießbar, deswegen kommen sie auch immer in kleinen Flaschen ... Wirklich lecker sind die microbreweries, die öfter ein sehr leckeres, wenn auch geschmacklich manchmal ungewohntes Bier brauen. Mexikanisches Bier haben wir konsequent gemieden, nicht weil es nicht schmecken würde, sondern weil wir das in Mexiko trinken wollen, irgendwann einmal. Und jetzt haben wir hier ein Kalik vor uns stehen, das ein bahamaisches (?) Pils ist und auch durchaus gut trinkbar.

Samstag, 17. September 2011

In den Everglades

Bevor wir das vergessen: Gestern haben wir beim Schwimmen an unserem Hotelstrand plötzlich ein Riesenviech gesehen. Meine Ma stürmte aus dem Wasser und guckte, was das war. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Seekuh handelte. Bei genauerem Hinsehen wurde deutlich, dass *nicht* ich gemeint war.

Heute Morgen ging es dann nach leichtem Frühstück in Richtung der Everglades. Nach ungefähr einer Stunde Fahrt kamen wir an die Einfahrt des Nationalparks, wo wir für 10 Dollar (für das Auto) Einlass für sieben Tage gewährt bekamen.

Die Fahrt in Richtung der Stadt Flamingo ist beeindruckend. Von einer fast steppenartig aussehenden Sumpflandschaft geht der Blick über in immer dichtere Mangrovenwälder. Toll. Wir kamen in Flamingo an der Südspitze der Everglades heraus und fuhren dort ans Meer. Auch wenn die Hitze wieder einmal unmenschlich war (selbst wenn man sich so langsam daran gewöhnt!), war der Blick hinaus aufs Meer toll. Flamingo selbst ist nicht so prickelnd, deshalb fuhren wir zügig zurück.

Wir hielten an zwei kurzen (500-Meter-)Wanderweglein, wurden auf dem ersten von Moskitos fast aufgefressen und steuerten dann eine Alligator-Farm an.

Zunächst schauten wir bei der Alligator-Fütterung zu, dann ging es aufs Airboat. Das Fahrt mit dem Luftkissenboot gehört zu den Highlights unserer bisherigen Reise. Nicht nur sahen wir Alligatoren in freier Laufbahn, sondern fuhren auch einigermaßen schnell durch die Everglades, vollständige Drehungen eingeschlossen. Sehr schön ...

Die Schlangenshow hinterher, wo jeder (der wollte) die Schlange auf den Arm nehmen konnte, war ebenfalls toll, auch wenn manche Dame Reißaus nahm ...

Schließlich waren wir wieder in unserem Lokal von gestern Abend zum Essen: Diesmal gab es Conch Chowder für meine Ma und Conch Fritters für mich als Vorspeise sowie einen Yellowfish für meine Ma und eine Seafood Combo für mich als Hauptspeise. Sehr lecker! Schließlich versackten wir wieder in unserem Paradise Pub direkt gegenüber unseres Hotels.

Ein sehr gelungener Tag! Morgen geht es nach Miami Beach und zum Football, übermorgen auf die Bahamas.

Bilder: Mangrovenwald in den Everglades, Pinienwald in den Everglades, Baby-Alligatoren

Freitag, 16. September 2011

Sweet Caroline

Leider (?) geht mir "Sweet Caroline" aus dem Fenway Park nicht mehr aus dem Kopf. Selbst meiner Ma hat es beim Baseball richtig gut gefallen. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass wir am 26. oder 27. September nochmal zum Baseball gehen, diesmal in New York ...

Heute haben wir ausgeschlafen! Das hieß für mich, dass meine Ma gegen 8.30 Uhr mit lautem Getöse die Balkontür auf- und zumachte. Danach kämmte ich mich, zog mein Unterhemd von gestern, eine Badehose und Flip Flops an (ja, ich!), und auf ging es zum Strand. Toll! Unser Hotel hat einen kleinen, aber feinen Strand, und als ich ins Wasser stieg, fühlte es sich wie Badewanne an. Sehr angenehm warm, richtig schön. Nach ein paar Minuten (wir wollten frühstücken und in Richtung Key West) entstieg ich den Fluten wieder, ging duschen und mit meiner Ma in den Frühstücksraum. Endlich gab es mal Rührei ...

Gegen 10.30 Uhr starteten wir über den Overseas Highway (US Route 1, die wir schon in Maine befahren hatten) in Richtung Mile 0, also Key West. Der Overseas Highway ist eine architektonische Meisterleistung, die ihre Krönung in einer sieben Meilen langen, treffend "Seven Mile Bridge" benannten Brücke findet. Gelegentlich sieht man die zur Fußgängerzone umgebauten ersten Autobrücken ...

Wir parkten in Key West ziemlich zentral und gingen die Duval Street herunter. Natürlich kamen wir bei Sloppy Joe's vorbei. Wir ließen diese Kultkneipe jedoch links liegen, gingen erstmal zur Mile 0 der US Route 1 und dem (angeblich) südlichsten Punkt der kontinentalen Vereinigten Staaten. Danach ging es kurz zum Strand ("No top - no problem", und das in den USA!) und wieder in die Duval Street. Das "Lazy Gecko" neben Sloppy Joe's ist auch schön, die zeigen auch Baseball und haben einen sehr leckeren "Fish Dip" ...

Es war heiß heute, sehr heiß. Ich trug sogar Shorts und verzichtete auf das Unterhemd (wer mich kennt, weiß, was das bedeutet!), aber trotzdem war es heiß. Da half auch mein Hut und die frisch erworbene Sonnenbrille nicht wirklich weiter. Es war (hatte ich das erwähnt?) heiß, sehr heiß. In Key West wunderten wir uns, ob in Deutschland noch jemand ist, denn so viele Deutsche auf einem Fleck findet man selbst zuhause nicht gar so oft. Ein Laden warb sogar mit "DEUTSCH SPRECHEN HIER" (sic!).

Gegen Nachmittag ging es dann nach Hause. Abgesehen von einem lebensmüden Radfahrer, der mich zu einer mittelprächtigen Vollbremsung zwang, war nur der Ausblick auf die Keys atemberaubend.

Das Abendessen nahmen wir im "Fish House" am Mile Marker 102.3 (da es hier nur eine Hauptstraße, nämlich die US Route 1, gibt, werden häufig Adressen einfach als zum Teil imaginäre Mile-Marker-Daten angeben) ein. Wow! Wir waren von der Hitze geschafft und aßen "nur" jeweils zwei Vorspeisen. Die Conch Chowder (Muschelsuppe) war fantastisch, der Shrimpscocktail sehr, sehr lecker. Die gebackenen Tintenfische waren phänomenal, der ganz (!) leicht angebratene Thunfisch absolut unbeschreiblich. Dort essen wir morgen Abend wieder. (Das Bier aus zwei local microbreweries war ebenfalls sehr lecker.)

Den Absacker nahmen wir im uns gestern schon ans Herz gewachsenen "Paradise Pub" in Form von jeweils zwei Budweiser. Danach wankten wir an einem im Dunkeln stehenden und auf Verkehrssünder wartenden Sheriff-Streifenwagen vorbei in Richtung unseres Hotels.

Einige Beobachtungen: Zum Frühstück gibt es immer, zu späteren Mahlzeiten nicht selten Einweggeschirr. Das mag zwar einfach zu händeln sein für Gäste und Angestellte, sehr umweltfreundlich ist es nicht.

Das Hampton Inn in Boston zeichnete sich durch eine für die USA unerhörte Errungenschaft aus: einen abnehmbaren Duschkopf. Alleine dafür gibt es in der Hotelbewertung die Maximalpunktzahl.

Dass die Autos hier riesig sind (die Dame unserer Autovermietung wollte uns in Anbetracht unserer Koffer lieber ein größeres Auto anbieten, wobei unsere fünftürige Limousine mit für europäische Verhältnisse monstergroßem Kofferraum völlig ausreichte, zumal diese als "Kleinwagen" angeboten wird ...), muss wohl nicht extra erwähnt werden; erwähnungswert ist aber, dass manche Arizonaer oder Texaner (oder wo auch immer sie herkommen mögen) nicht selten mit einem Wohnmobil unterwegs sind, an dessen Anhängerkupplung dann ein nicht gerade kleines Auto angehängt ist. Man muss ja auch auswärts standesgemäß in die Stadt fahren können.

Dass wir, die wir die 500 m zum Restaurant laufen (damit ich auch guten Gewissens etwas trinken kann) auf der fußgängerunfreundlichen US Route 1 nicht überfahren werden, ist nur dem "Crazy-Europeans"-Bonus zu verdanken ...

Bilder: Unser Hotelstrand; der Overseas Highway; unbekannter Europäer in Vollvermummung; unbekannter Europäer am angeblich südlichsten Punkt der kontinentalen USA; Beginn der US Route 1

Donnerstag, 15. September 2011

Heute keine Fotos

Ja, heute habe ich überhaupt keine Fotos gemacht ...

Nach einem einigermaßen leckeren Frühstück in Boston ging es schon um 6.30 Uhr in Richtung New York auf die Interstate. Rhode Island wurde als 18. US-Bundesstaat begrüßt, Connecticut noch einmal mit unserer Anwesenheit beehrt. Da wir am Ende so viel Zeit hatten, fuhren wir noch nach Long Island und guckten uns Long Beach und Atlantic Beach mal kurz an.

Die Atlantic-Beacher spinnen aber auch ein bisschen: Offiziell sind der Strand und die Strandpromenade nur für "Atlantic Beach Residents" zugänglich ... Soviel zur Touristenfreundlichkeit ...

Wir fuhren jedenfalls weiter zum Flughafen, gaben problemlos unser Auto ab und fuhren dann zum Terminal. Dort checkten wir bei einer sehr freundlichen Dame ein, gerieten dann aber in der Sicherheitskontrolle an eine weniger freundliche Dame, die auf unserem Deo das "Entzündbar"-Symbol entdeckte und uns deshalb die Mitnahme desselben im Handgepäck verbot. Naja, darunter zu leiden hatten allenfalls unsere Mitreisenden ...

Nach dem Genuss eines Bieres an der Flughafenbar zu gesalzen gesalzenen Preisen ging unser Flieger ziemlich pünktlich gegen 15.40 Uhr in Richtung Fort Lauderdale. Das Flugzeug war, ähem, fast leer, sodass wir bequem sitzen konnten. Die Koffer kamen zügig, der Shuttlebus zu den Autovermietungen kam bald nach unserem Eintreffen an der Haltestelle. Ebenso fix war die Abwicklung der Autoanmietung, sodass wir mit unserem roten Chevy den Flughafen schon gegen 19.30 Uhr verließen.

Der Stadtverkehr durch Miami war zu ertragen, auch wenn ich meiner Ma manchmal ein wenig fix unterwegs war. Schlussendlich wollte ich aber auch ins Hotel und ins Bett.

Das Hotel fanden wir ganz gut, nur war es gegen 21.30 Uhr schwierig geworden, einen Ort zur Essensaufnahme zu finden. Wir versuchten es dennoch im Pub direkt gegenüber. Das Pub war leer, die Bedienung am Anfang noch ein wenig müde-entgeistert-genervt (was sich aber besserte!). Jedenfalls bekamen wir das unvermeidliche Budweiser und auch Chicken Wings bzw. einen Burger zum Abendessen. Nach zwei weiteren Budweisern gingen wir zurück ins Hotel, wo wir nun sitzen und schreiben und gleich ins Bett gehen.

Morgen geht es (nach Ausschlafen [!] und möglicherweise ein bisschen Im-Meer-Planschen) dann nach Key West. Bis morgen!

Mittwoch, 14. September 2011

Let's go, Red Sox!

Heute Morgen waren wir noch in Maine. Unfassbar ...

Wir waren beide so gegen fünf Uhr wach und begaben uns gegen halb sechs aus den Betten, um pünktlich nach dem Frühstück um 7 Uhr in Richtung Boston aufzubrechen. Wieder ging es über die US-Route 1 vorbei an wunderschönen Seen und Wäldern, durch die sehr schöne Landschaft Maines, bis wir schließlich über die Interstates 295, 95 und 93 in Richtung Boston fuhren. Inzwischen haben wir auch verstanden, dass bei den E-Pass-Systemen "gelb" auch heißen kann, dass man durchfahren kann/soll ...

In Boston ging es dann über die Brücke und unter die Innenstadt in einen Tunnel, der hier umgangssprachlich "The Big Dig" genannt wird, ehe wir unser Hotel schnell fanden und sogar schon gegen 11 Uhr einchecken konnten. Nach den notwendigen Aufräumarbeiten gingen wir in Richtung der U-Bahn und blieben bei einem schönen Lokal hängen, wo wir Chicken Wings bzw. ein Thunfisch-Sandwich mit Speck sowie zwei Bier verdrückten. Die U-Bahn fanden wir schließlich und fuhren nach Downtown. Dort hüpften wir in eine Stadtrundfahrt, die uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bostons näher brachte und praktischerweise auch eine Hafenrundfahrt beinhaltete. Boston wird in der Zukunft auch mal näher (und ausgiebiger!) betrachtet ...

Danach war es dann auch schon fast Zeit, zum Fenway Park aufzubrechen. Die Stimmung rund um das Stadion war toll, fast europäisch-fußballerisch ... Endlich musste ich mal wieder meine ID vorzeigen, um zu beweisen, dass ich älter als 21 bin. Nach zwei Bieren (einem Budweiser Light und einem Bass Pale Ale, Zweiteres durchaus lecker, Ersteres kalt genießbar) machten wir uns dann die paar Meter auf zum Stadion.

Der Eingang ging problemlos (wie in Europa beim Fußball mit Taschenkontrolle bei meiner Ma) und bald saßen wir auf unseren Plätzen hier im altehrwürdigen Fenway Park. Leider verdeckte eine Säule unseren Blick auf die erste Base, aber den Rest des Spielfeldes konnte man umso besser sehen.

Nach der Gedenkminute an die 9/11-Opfer und der kanadischen und US-Hymne begann schließlich das Spiel, das die Red Sox nach Anfangsschwierigkeiten mit 18:6 (!) gewannen. Wenn meine Baseballkenntnisse mich nicht völlig trüben, ist das selbst für Baseball ein ziemlich hohes Ergebnis. Jedenfalls war es sehr viel interessanter als gedacht (und ich war vorher durchaus gewarnt worden ...)!

Insgesamt drängt sich, auch wenn beide Sportarten völlig verschieden sind, der Vergleich mit dem Fußball in Europa ein bisschen auf, jedenfalls war die Stimmung sehr gut. Nach einem Spaziergang durch einen Park (zum Glück ausreichend andere Fans um uns herum) liegen wir nun (gegen Mitternacht) im Bett, weil es morgen schon zeitig Richtung New York gehen soll.

Bilder: Skyline von Boston vom Schiff aus, USS Constitution (das älteste noch in Benutzung befindliche Kriegsschiff der Welt), vor dem Fenway Park, im Fenway Park bei der Hymne, Spielsituation gegen Spielende

Dienstag, 13. September 2011

Ein richtiger Urlaubstag

Heute haben wir einen einigermaßen geruhsamen Urlaubstag verbracht und die Seele bei gutem Essen und Blick über den Hafen von Rockland baumeln lassen ...

Unser Water Man's Lobster (die State Route 73 von Rockland aus nach Süden, etwa 10 Minuten, dann ausgeschildet) war heute ja leider zu, sodass wir die etwa fünf Minuten weiter südlich (auch an der State Route 73) gelegenen Miller's Lobster Co. auskundschaften wollten. Die Company liegt direkt auf einem Steg und ist von drei Seiten vom Meer umgeben, nur leider haben sie dort die Lobstersaison am 5. September (dem Labor Day) beendet.

Wir fuhren also unverrichter Dinge nach Rockland zurück und hatten dort die Auswahl zwischen zwei Bars mit Blick auf den Hafen. Wir entschieden uns für die richtige Bar: Das Archer's hatte sehr gute, äh, alles, Shrimpscocktail, Austern, Haddock (Schellfisch), Tintenfisch und andere Meeresfrüchte in einem wunderbar leichten Ausbackteig ...

Zurück im Hotel genossen wir die Aussicht auf das Meer und die Wälder, während wir in der Sonne saßen. Weil heute Morgen auch mein Handyakku schlappgemacht hatte, fuhren wir gegen Abend noch einmal nach Camden (ins Fresh nahe der Bayview Street), wo wir eine Kleinigkeit zu Abend aßen (d. h. ein Hummer für meine Mutter und ausgebackene Muscheln für mich), bevor es schließlich wieder heim ins Hotelchen ging, wo wir jetzt ein Bierchen (Samuel Adams) schlürfen.

Heute haben wir nicht so viele Meilen abgerissen, was aber dem Urlaubsvergnügen ganz und gar keinen Abbruch tat.

Wir bedauern sehr, dass wir Maine morgen in Richtung Boston verlassen müssen, wären gerne länger geblieben und haben dem Bundesstaat bereits unsere baldige Wiederkehr angedroht ...

Dazu trägt auch die fast sprichwörtliche Freundlichkeit der Amerikaner bei. Weil unser Auto beim Abschließen immer hupt, entschuldige ich mich gelegentlich bei Umstehenden, was fast regelmäßig zu mittelprächtigen Gesprächen führt ("How are you?" "Fine. How are you?" "Have a nice day." etc.), weil alle sich angesprochen fühlen und grüßen.

Begeistert ist meine Ma von der amerikanisch-kleinstädtischen Atmosphäre mit kleinen, putzigen, höchstens zweistöckigen, weißen Holzhäusern.

Überraschend ist für uns immer noch, dass viele Bedienungen etc. ein wenig Deutsch sprechen ("Tschuss", "Ouf Weedersayen", "Jawoll"), weil insbesondere die älteren Damen oft mit ihren Soldatenmännern in "Ludwigsbörg" oder so stationiert waren.

Bilder: Blick auf den Hafen von Rockland, die Main Street in Camden

Montag, 12. September 2011

Mein Handy war in Kanada ...

Naja, zumindest war es im kanadischen Netz. Wir waren jedoch nicht in Kanada, auch wenn wir an drei Grenzübergängen unmittelbar vorbeifuhren ...

Nach einem etwas üppigeren Frühstück heute Morgen fuhren wir gegen 8 Uhr in Richtung Acadia-Nationalpark und der kanadischen Grenze auf der US-Route 1 entlang. Und ja, wir waren wieder einmal von unserem Reiseziel begeistert. Der Blick schweifte abwechselnd über Meeresarme und Waldlandschaften, einfach und wirklich sehr, sehr schön. In Maine sind wir hoffentlich nicht das letzte Mal!

Kurz vor der kanadischen Grenze überlegten wir uns gegen 12 Uhr, dass eine Weiterfahrt nach Saint John, die sicher noch einmal zwei Stunden gekostet hätte, vielleicht doch nicht so sinnvoll wäre. Eastport als die östlichste Stadt der USA würde doch auch ausreichen. Also fuhren wir nach Eastport, gerieten in ein Piratenfestival und aßen dort "Lobstah Roll" und "Crab Roll", also Brötchen mit Hummer bzw. Krabben -- sehr lecker und durchaus bezahlbar hier in Maine. Achja, danach verdrückten noch eine Portion wirklich frischer Fish & Chips.

Wir machten uns dann auf den Heimweg, vorbei an der Seenplatte im südlichen Maine, und kamen gegen 17.30 Uhr an unsere gestern schon beglückte und beglückende Lobsterbar, wo wir ebenfalls das "Lobster Roll" versuchten und für sehr lecker befanden. Schließlich endete der Abend so wie gestern, in der Kneipe mit jeweils drei leicht nach Rosmarin schmeckenden Bieren.

Maine ist toll. Abgesehen von der sehr entspannten Fahrweise (kein Wunder, wenn man legal höchstens knapp über 90 km/h fahren darf) sind auch die Menschen sehr freundlich, auch wenn unser "Labstah"-Mensch nicht verstand, dass wir "Lobster" haben wollten ... Akku gleich alle, weil Adapter vergessen ...

Bilder: Maine, Lobster Roll

Sonntag, 11. September 2011

Der Kampf gegen den Hummer

Er wurde gewonnen, der Kampf gegen den Hummer ...

Nach einem etwas kargen Frühstück in Vernon, Connecticut, brachen wir heute Morgen gegen 7 Uhr wieder auf: Beide hatten wir nicht gut und nicht lange geschlafen und waren spätestens um 6 Uhr putzmunter; daher entschieden wir uns dann recht zügig zum Aufbruch.

Es ging über die Interstate 84 zurück auf die 91 und auf dieser durch Massachusetts (US-Bundesstaat Nr. 14) nach Vermont (Nr. 15). Dort machten wir am Visitor Center Station und tranken etwas, bevor es weiter über landschaftlich sehr schöne Straßen durch New Hampshire (Nr. 16) ging. Maine (Nr. 17) begrüßte uns dann in Kittery schon mit vielen Hummerlokalitäten.

Wir entschieden uns, noch ein Stückchen zu fahren und kamen nach ein paar Verirrungen gegen 14 Uhr an dem avisierten Ziel an, nur um eine zwanzig Meter lange Schlange vor der Lokalität zu sehen. Diese lag jedoch in der Tat sehr, sehr schön. Da wir aber noch zweieinhalb Stunden von unserem Übernachtungsziel (für die nächsten drei Nächte) entfernt waren, ließen wir die Schlange Schlange sein und fuhren weiter. Die US-Route 1 ist sehr schön, wenn man nicht gerade im Stau steht ...

Gegen 17 Uhr erreichten wir schließlich Rockport und unser hiesiges Hotel, checkten bei der ein wenig Deutsch sprechenden Rezeptionistin ein und brachen sogleich zur der uns empfohlenen Hummerbude auf.

Dort verdrückten wir jeder einen Hummer mit zerlassener Butter und bekamen im Kampf mit dem Viech gelegentlich ein wenig tierisches Eiweiß ab. Zwei Amerikaner, die meine Ma um Rat gefragt hatte, erläuterten uns die Feinheiten des Hummerknackens. Wir waren nach dem Genuss des Hummers überraschend satt. Da es von dort zu unserem Hotel aber ein Stückchen war und es dort insgesamt kein Bier gab, fuhren wir zum Hotel zurück, um uns zu Fuß eine Kneipe zu suchen.

Dies gelang dank der Hilfe unserer Rezeptionistin sehr gut, sodass wir uns gegen 19 Uhr auf den Fußweg auf dem Seitenstreifen der US-Route machten. Unsere beiden Amerikaner vom Hummeressen erspähten uns, hielten an und fragten besorgt, ob es uns verrückten Europäern gutgehe, weil wir da auf dem Seitenstreifen spazierten. Nach unserer Versicherung, dass dem so sein, fuhren sie einigermaßen beruhigt weiter.

In der Kneipe schließlich gab es heimisches Ale, das zweite schmeckte nach Rosmarin (!). Drei Biere später gingen wir zurück in unser Hotel und sind nun im Begriff, uns in die Horizontale zu begeben.

Unglaublich, dass wir erst zwei Tage unterwegs sind, wir haben schon so viel erlebt. Morgen geht es wahrscheinlich in den Acadia-Nationalpark.

Bilder: Hummer am Meer vorher, Meer, Hummer nachher

Samstag, 10. September 2011

Gut angekommen in Connecticut

So, wir soeben gut in Vernon im US-Bundesstaat Connecticut angekommen und haben sogar schon gut zu Abend gegessen.

Nach einer kurzen Umleitung auf dem Weg vom Schwarzwald zum Züricher Flughafen kamen wir fast pünktlich an. Die bei Delta schon gewohnte Sicherheitsbefragung ging einigermaßen problemlos, der Check-in fast. Die Delta-Mitarbeiterin hat uns großzügigerweise ein leichtes Übergepäck von 1,6 kg in dem einen Koffer (das durch Untergepäck im anderen mehr als ausgeglichen wurde!) erlassen. Naja, alles gut gegangen.

Die Ausreisekontrolle aus der Schweiz ging gut, nur meine Mutter erntete eine (scherzhafte!) Ermahnung vom Grenzer, dass die Südbadener doch das Reklamieren über den Züricher Fluglärm einstellen mögen, wenn sie selbst ab Zürich fliegen ...

Am Flughafen tranken wir dann das erste Bierchen, ehe es in den Flieger ging. Der Flug war durch drei Filme gut bewältigt, ein wenig gewackelt hat es, aber ansonsten war alles problemlos. Die Einreise in die USA ging fix, der Grenzer wollte nicht mal alle Fingerabdrücke von mir, die waren wohl schon im System ... Anschließend ging es durch den Zoll (ebenso problemlos) und dann mit dem AirTrain zur Autovermietung. Nach geringen Problemen (ich hatte den Kollegen bei der Autovermietung falsch verstanden und suchte im Fuhrpark unser Auto, während das aber vorgefahren wurde) verließen wir New York nur leicht gehindert durch einige Staus in Richtung Norden. Über die Interstates 678, 95, 91 und schließlich 84 erreichten wir im Feierabend- und Wochenendverkehr unser Hotel in Vernon, Connecticut (meinem 13. US-Bundesstaat).

Der Hotel-Check-in schlug grundsätzlich fehl, weil unsere Vorausbuchung nicht (mehr) im System vorhanden war. Allerdings waren ohnehin noch Zimmer frei, sodass wir eines davon ergattern konnten. Direkt neben an war das einfallsreich benannte "Vernon Diner", in dem wir gegen 21.30 Uhr eintrudelten. Es gab lecker Sandwich bzw. Burger und dazu (Bierkunde!) ein sehr, sehr leckeres und süffiges Ale namens Red Hook. Sehr zu empfehlen, sowohl das Diner als auch die Burger als auch das Bier. Zum Abschluss gab es ein bisschen Small Talk mit den Kassiererinnen und echtes Lob von uns.

Unser Hotel ist nicht ganz so berühmt, es müffelt ein bisschen und die Balkontür geht nicht auf (bzw. nur unter Gewaltanwendung, und dann geht sie nicht mehr zu ...). Aber morgen geht es ja schon weiter.

Wir hoffen, dass wir mit unserem Hotel in Maine, in dem wir immerhin drei Tage logieren werden, ein wenig mehr Glück haben (wobei das hier jetzt wirklich nicht dramatisch furchtbar ist!). Jetzt bin ich erstmal froh, meine Kontaktlinsen herauszubekommen.

Morgen geht es über Massachusetts (US-Bundesstaat Nr. 14), Vermont (15) und New Hampshire (16) nach Maine (17). Das wird schön, vor allem, wenn mir die Kontaktlinsen bei der Fahrt nicht mehr so brennen, dass ich fast nix mehr sehe.

Uns geht es gut. Als Beweisfoto unser Abendessen.

Freitag, 9. September 2011

Los geht's ...

Heute Morgen geht es los in Richtung New York. In eineinviertel Stunden werden wir von einer Bekannten abgeholt und nach Zürich gebracht. Um 13.55 Uhr geht es dann mit einem Delta-Flug zum JFK-Flughafen in New York. Dort übernehmen wir ein Auto und werden noch etwa zweineinhalb Stunden bis nach Vernon in Connecticut fahren. Connecticut wird mein 13. US-Bundesstaat sein ...


Die letzten Tagen waren ebenfalls sehr schön. Das 6:2 gegen Österreich am Freitag auf Schalke werde ich ganz so schnell nicht vergessen. Von Osnabrück, wo ich eine Studienkollegin besucht habe, war ich sehr positiv überrascht. Während meines zweitätigen Aufenthaltes dort sind wir dann auch zum Hermannsdenkmal und zu den Externsteinen gefahren. Ebenfalls nicht unbeeindruckend!

Am Sonntag ging es dann nach Nimwegen in den Niederlanden. Der Abend mit meinem Schulfreund in einer sehr schönen Kneipe im Stadtzentrum, wo ich schon im April versackt war, war wieder einmal sehr angenehm. Davor hatte es noch sehr leckere Fritten in einer dafür anscheinend überregional Pommesbude gegeben.

Am Montag ging es nach Den Haag. Die Straßenbahnfahrt zum Jugoslawien-Tribunal war eine mittlere Stadtrundfahrt und vermittelte sehr ansehnliche Eindrücke des Regierungssitzes der Niederlande. Ich war gerichtstechnisch ein wenig vom Pech verfolgt, weil der Karadžić-Prozess "closed session" war. Stattdessen besuchte in einer Vier-Personen-Zuschauerzelle zusammen mit einer Irin den Stanišić-Župljanin-Prozess, bevor der sich nach zwanzig Minuten vertagte. Auf dem Weg zum Ausgang lief ich den Richtern über den Weg ...

Stattdessen fuhr ich wieder in den Internationalen Strafgerichtshof, verfolgte abermals den Katanga-Chui-Prozess und wollte danach zum Bemba-Prozess. Auch hier hatte ich Pech, denn der war an dem Tag schon um 11 Uhr unterbrochen worden. Also wartete ich, bis das Confirmation of charges hearing gegen Ruto, Kosgey und Sang anfing, das ich inmitten einer deutschen Schulklasse verfolgte. Nach den eineinhalb Stunden der ersten "Session" brach ich dann auf, weil ich noch zweieinhalb Stunden Fahrt vor mir hatte.

Ich fuhr ein wenig in den südlichen Niederlanden im Seich herum, kam dann aber einigermaßen zeitig am verabredeten Ort mit meiner Mutter zusammen. Wir aßen sehr gut in ihrem/unserem Hotel und versackten mit einem uns völlig unbekannten Pärchen ...

Am Dienstag schließlich ging es über Venlo/Niederlande (Einkaufen), Belgien (Fritten essen und wieder vergeblich unsere schöne Kneipenstraße von 1998 suchen), Luxemburg und Frankreich zurück nach Deutschland.

Der Mittwoch und der Donnerstag standen im Zeichen des Heimatbesuches.

Ab heute wird die Berichterstattung hoffentlich wieder ein wenig ausgiebiger.

Bilder: Arena auf Schalke, Hermannsdenkmal, Externsteine, Rathaus in Osnabrück

Dienstag, 19. Juli 2011

Freiheitsstatue gesichert

So, die Tour zur Freiheitsstatue ist nun gesichert, nach einem eineinhalbwöchigen Hin und Her: Delta hatte mir vorletzten Sonntag eine E-Mail geschickt, dass sich unsere Abflugzeiten geändert hätten: Anstatt am 27. September um 22 Uhr sollten wir nun an diesem Tag schon um 12.30 Uhr vom Flughafen JFK nach Atlanta fliegen und dort um 16.30 Uhr die Maschine nach Zürich nehmen. Offenbar war unser Direktflug von JFK nach Zürich gestrichen worden.

Damit wäre unsere Tour zur Freiheitsstatue, die ohnehin schon zeitlich eng war, ganz offenkundig hinfällig gewesen. Eine geharnischte E-Mail folgte, die kurz darauf wirklich freundlich und zuvorkommend beantwortet wurde; ich möge mich doch bitte an eine deutsche Nummer wenden und dort um eine Änderung des Fluges ersuchen. Da ich nicht die kostenpflichtige 0180er-Nummer anrufen wollte, versuchte ich es dann in den letzten Tagen zweimal mit E-Mails, bis mir mitgeteilt wurde, dass man eine solche Änderung leider nicht per E-Mail machen könne, sondern nur telefonisch.

Klar, Delta, ihr könnt mir eine Flugänderung per E-Mail mitteilen, aber ich kann das nicht ...

Meine Ma und ich hatten uns inzwischen geeinigt, dass wir einfach einen Tag dranhängen würden. Zudem wollte ich fragen, ob wir schon den frühen Flug um 8 Uhr von New York nach Atlanta nehmen könnten: So hätten wir noch etwa sechs Stunden Aufenthalt in Atlanta, was für den Besuch des Coca-Cola-Museums reichen sollte. Heute Morgen rief ich also die 0180er-Nummer an, bezahlte knapp zwei Euro, konnte aber schließlich Erfolg verbuchen: Nun fliegen wir am 28. September morgens von New York nach Atlanta und nachmittags dann von Atlanta nach Zürich, wo wir morgens um acht Uhr oder so ankommen ...

Alles in allem eine ärgerliche Episode, aber die Freundlichkeit der Damen bei Delta ist halt doch geeignet, einigen Unmut abzumildern. Wir freuen uns, in 52 Tagen geht es los ...

Freitag, 8. Juli 2011

Zypern, Freiheitsstatue, Land 207

So, ich habe schon mal, ein wenig voreilig, den Titel des Blogs geändert. Ab morgen, dem 9. Juli 2011, werden es 207 Länder sein, die es zu erreichen gilt, denn der Südsudan wird morgen unabhängig und ist auch schon (heute!) von der Bundesrepublik anerkannt worden. Daher auch der neue Erläuterungsteil. Allerdings steht der Südsudan so bald nicht auf meiner To-do-Liste, auch wenn er sicherlich irgendwann daraufrutschen wird.

Achja, was ich noch sagen wollte:

Vom 24. bis 31. Dezember 2011 bin ich auf Zypern (73. Land nach den Bahamas). Wir, also meine Mutter und ich, entfliehen wie üblich dem Weihnachtsstress und fliegen von Berlin über Zürich (billiger so als direkt ab Zürich ...) nach Larnaka, wo wir ein Auto übernehmen werden (ein weiteres Land, in dem man links fährt). Wir haben eine schöne Wohnung in den zyprischen Bergen, wo wir die eine Woche verbringen werden. Natürlich wird es einen Ausflug nach Nordzypern (74. Land nach den Bahamas und [Süd-]Zypern) geben; ich weiß nur noch nicht, ob mit dem Auto oder ohne, da unser Autovermieter (natürlich) schreibt, dass Fahren in Nordzypern auf eigene Gefahr ist, weil der Versicherungsschutz aus der Republik (Südzypern) dort nicht gilt. Und auch das Vereinigte Königreich werde ich auf dieser Tour besuchen, genauer gesagt das Überseegebiet der Souveränen Basen Akrotiri und Dhekelia. Das wird mein zweites britisches Überseegebiet sein (nach Gibraltar 1998).

Und am 27. September haben wir, sozusagen als Abschluss aus den USA, einen Blick aus der Krone der Freiheitsstatue. Für den Eintritt von drei Dollar (zusätzlich zur Fährüberfahrt für 13 Dollar) dürfen wir eine zusätzliche Sicherheitskontrolle über uns ergehen lassen, dafür aber den hoffentlich tollen Blick aus Miss Libertys Kopfschmuck auf die Skyline von Manhattan bewundern. Danach geht es aber fix zur Fähre, zur U-Bahn und schließlich zum Flughafen.

Samstag, 28. Mai 2011

Bahamas statt Nordkorea

Anstatt nach Nordkorea geht es diesen Sommer in die Vereinigten Staaten und auf die Bahamas. Auch nicht schlecht, denke ich ...

Da mein avisierter Reisepartner mir für Nordkorea leider hat absagen müssen, kam mein Plan B zum Tragen, der zwei langgehegte Wünsche meiner Mutter miteinander verbindet: Hummeressen in Maine und Schwimmen auf der Bahamas-Insel Eleuthera.

So werden wir am 9. September in Zürich abfliegen und nachmittags in New York am John-F.-Kennedy-Flughafen eintreffen. Danach geht es etwa zweieinhalb Stunden in Richtung Maine, ehe wir kurz hinter Hartford, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Connecticut, Nachtquartier nehmen werden.

Am darauffolgenden Tag, dem 10. September, geht es nach Rockport in Maine, wo wir für die nächsten drei Tage unsere Basis haben werden. Auf dem Weg dorthin und von dort aus werden wir sicherlich den Lobster-Restaurants an der Küste Maines den einen oder anderen Besuch abstatten.

Am 13. September geht es morgens nach Boston (schweineteure Hotels!), wo am Abend das Baseballspiel der Major League Baseball (MLB) zwischen den Boston Red Sox und den Toronto Blue Jays im weltberühmten Fenway Park stattfindet (Nicht gekannt? Nicht so schlimm ...). Jedenfalls ist das das älteste noch in Nutzung befindliche Baseballstadion in den USA und seit 2003 ununterbrochen ausverkauft; zum Glück konnte ich früh Karten bestellen ...

Am 14. September fahren wir morgens in Richtung New York, von wo wir am Nachmittag in Richtung Florida fliegen. Kurz vor 20 Uhr sind wir vermutlich in Fort Lauderdale. Die nächsten drei Tage verbringen wir im südlichen Florida und werden sicherlich Miami und die Everglades, möglicherweise auch Key West besuchen.

Am 18. September schließlich geht es von Fort Lauderdale über Nassau nach Governor's Harbour auf Eleuthera; dort werden wir unser drittes Mietauto auf der Tour nehmen. Unser Hotel ist ein paar Meilen südlich dieses Flughafens; eine Woche werden wir dort verbringen.

Hoffentlich werden wir gut erholt sein, wenn wir am 25. September den Heimweg antreten: Zunächst geht es von Governor's Harbour über Nassau wieder nach Fort Lauderdale, wo wir vom Hotel abgeholt werden. An meinem Geburtstag, dem 26. September, steht der Rückflug von Fort Lauderdale nach New York auf dem Programm. Danach werden wir wahrscheinlich irgendwo in Manhattan auf meinen Geburtstag anstoßen.

Am 27. September geht es dann spätabends ab New York wieder zurück nach Zürich, wo wir am 28. September ankommen.

Die Bahamas werden planmäßig mein 72. Land werden. Die Zahl der bisher besuchten US-Bundesstaaten wird von 12 auf 18 steigen und ich werde ein Spiel der dritten großen Profiliga in den USA besuchen, nachdem ich 2009 schon beim Basketball (NBA) und beim Eishockey (NHL) war. Mal sehen, wie die Amis ihren national pastime zelebrieren.

Montag, 11. April 2011

IStGH in Oranje

Auch wenn der Besuch in den Niederlanden mich dem 206. Land nicht näherbringt, war er hochinteressant.

Nach dem Start um 12 Uhr in Jena fuhren wir über Kassel, das Ruhrgebiet und Venlo nach Nimwegen, wo wir gegen 20 Uhr eintrafen. Da wir nach der langen Fahrt Durst hatten, gingen wir in eine Kneipe in der Nähe der Wohnung unseres Schulfreundes und tranken ein Bier. Es handelte sich um ein Brand aus Maastricht, also ein niederländisches Bier, das süffig, sogar ein klein wenig süß und in jedem Fall durchaus trinkbar war. Als unser Schulfreund dann kam, wechselten wir die Kneipe und versackten leider ganz schön arg.

Um zwei Uhr gingen wir ins Bett, um sieben Uhr ging es wieder weiter, da wir um 9.30 Uhr zur Verhandlung beim Internationalen Strafgerichtshof sein wollten. Nach guter Fahrt im gar nicht so schlimmen niederländischen Berufsverkehr kamen wir gegen 8.45 Uhr an einem Park-and-Rail-Parkplatz an und begaben uns von dort in Straßenbahn (der Fahrer wollte kein Geld von uns haben ...) und zu Fuß in Richtung des Reguluswegs in Den Haag. Zunächst erwischten wir den falschen, weil Personaleingang und wurden um das Gebäude herumgeschickt, wo man uns schließlich Einlass gewährte. Die Sicherheitskontrolle war normal, aber niemand wollte - wie angekündigt worden war - unsere Ausweise oder sonst etwas sehen. Überhaupt waren die IStGH-Leute sehr entspannt und das Gebäude sehr übersichtlich. Im Foyer gibt es neben einer Information und Schließfächern auch einen Getränkeautomaten, mit dem Aufzug geht es in die Zuschauergallerien der Gerichtssäle, die übereinander liegen.

Wir erwischten zunächst die Verhandlung gegen Germain Katanga and Mathieu Ngudjolo Chui, zwei Kongolesen, die sich etlicher Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben sollen. Die Zuschauergallerie ist schalldicht vom Gerichtssal getrennt, sodass man das Geschehen im Gerichtssaal akustisch über Kopfhörer (englisch/französisch) und ein drahtloses Empfangsgerät, in das man die Kopfhörer einstöpselt, verfolgen muss, alles in allem sehr praktisch. Ein Zeuge der Verteidigung befand sich gerade im Kreuzverhör durch den Ankläger. Obwohl es um Details ging (es wurde mehrfach durchgekaut, wieviele Tage vor dem Angriff auf die Stadt der Zeuge den Angeklagten im Hauses eines Pfarrers getroffen habe, ob er mit ihm gesprochen oder ihn nur gesehen habe etc.), war es gar nicht einmal uninteressant, vor allem, weil man ja nebenbei noch die Angeklagten (einer von ihnen hätte dem Ankläger fast den Vogel gezeigt), die Richter vor ihren Doppelbildschirmen und die Gerichtsdiener beobachten konnte. Als die Verhandlung in die Pause ging, fragten wir nach dem zweiten Gerichtssaal, wurden in den vierten Stock geschickt und hatten Pech, weil kurz nach unserer Ankunft die dort verhandelnde Kammer ebenfalls Pause machte.

Wir gingen in die Lobby, begegneten dem deutschen IStGH-Richter (auch ein Richter an einem Internationalen Gerichtshof könnte sich ruhig bedanken, wenn man ihm die Tür aufhält!) und stöberten ein wenig in den Informationsmaterialien. Wir hüpften noch einmal in die erste Verhandlung und bei deren Unterbrechung gingen wir auch etwas essen. Der Internationale Strafgerichtshof liegt in einem Industriegebiet, sodass wir einige Zeit laufen mussten, ehe uns ein McDonald's rettete. Nach dem Verspeisen eines Burgers ging es zurück zum Gericht und wieder in die Verhandlungen. Als gegen 13.30 Uhr beide Verhandlungen vorerst endeten, begaben wir uns in die Lobby, da um 14.30 Uhr das erste Erscheinen von drei Kenianern vor dem IStGH angesetzt war. Ich hatte ein paar Tage vorher in einer E-Mail um Kartenreservierung gebeten und nach einigem Gewurschtel stellte sich heraus, dass wir keine Karten gekriegt hatten. Wir wurden aber gebeten, auf Rückläufer zu warten und hatten auch Glück: Am Ende waren noch sicher ein gutes Dutzend Plätze unbesetzt. Leider saßen wir nur im Oberrang und konnten nur die Richter direkt sehen, während wir für einen Blick auf die Anklage oder die Angeklagter auf die Videobildschirme zurückgreifen mussten. Das Prozedere war recht gut verständlich, sodass wir in den eineinhalb Stunden der Verhandlung wirklich viel mitnehmen konnten. Nach dem Ende dieser Verhandlung ging es letztmals in den anderen Gerichtssaal, um noch das Ende der Verhandlung im Lubanga-Fall zu erleben. Gegen 16 Uhr verließen wir den Internationalen Strafgerichtshof, liefen zum Auto zurück (dreiviertel Stunde Weg) und fuhren in Richtung Rotterdam, um nach Nimwegen zurückzukommen.

Nach kurzem Weg überkam uns jedoch die Schnapsidee, noch zum Fußball nach Alkmaar zu fahren. Unser Schulfreund, der arbeiten musste, konnte schlussendlich leider nicht mitkommen, sodass wir nur zu zweit viel zu früh in Alkmaar ankamen und uns Karten kaufen wollten. Der Kartenkauf für Fußballspiele in den Niederlande ist bürokratisch bis zum Gehtnichtmehr: Man muss eine Klubkarte beantragen (zwei Wochen vorher und mit Ausweiskopie), um dann die eigentliche Eintrittskarte kaufen zu können. Sprich, wir konnten keine Karten kaufen. Das begründete man mit Sicherheitsvorkehrungen. Nunja. Auf mehrmaliges Nachfragen schließlich fand sich doch noch die Möglichkeit, dass wir mit der Klubkarte eines der Kartenverkäufer eine Karte kaufen konnten (allerdings mussten sie unsere Ausweise kopieren!). Immerhin kamen wir so an unsere Karten. Um der Absurdität die Krone aufzusetzen, wird man aber am Zugang zum Stadion dann nicht mehr nach verbotenen Gegenständen durchsucht. Die spinnen, die Holländer!

Die Stimmung im mit 16.500 Zuschauern fast ausverkauften Stadion war recht gut, auch wenn die gelegentliche Mischung aus Metal und Karnevalsmusik ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Das Spiel war von mittelprächtigen Niveau und ging nach zwei verwandelten Elfmetern 1:1 aus. Auffällig war, dass die Spieler in der Eredivisie Freistöße in aller Regel sehr schnell ausführen; ansonsten wird im Wesentlichen so gespielt wie in Deutschland. Gegen 0.30 Uhr kamen wir wieder nach Nimwegen, wo uns unser Schulfreund mit einem Mitbewohner erwartete. Es wurde vier Uhr und der mitgebrachte Kasten Bier zu mehr als der Hälfte geleert.

Am nächsten Morgen, ähm, naja, eher Mittag, standen wir gegen 13 Uhr auf und verließen kurz darauf das Haus, um einen kurzen Stadtbummel durch Nimwegen zu machen. Nimwegen wurde im Zweiten Weltkrieg ziemlich zerbombt, sodass die heutige Innenstadt nur recht wenige sehr alte Gebäude beherbergt. Das Wetter war herrlich und die Stadt in ihrer Modernität auch ganz ansehnlich. Gegen 16 Uhr betraten wir eine Kneipe, um den plötzlichen Tod zu genießen: "Mort Subite", so heißt das belgische Lambic-Bier, das wir schon am ersten Abend ausgiebig getrunken hatten. Der Brauprozess ist, wenn ich meinen Schulfreund richtig verstanden habe, eine Mischung aus dem Pils- und dem Weizenbrauprozess, und das daraus resultierende Bier hat eine sehr fruchtige Note, die in Richtung Mango geht. Wirklich sehr lecker. Dementsprechend verließen wir rund sechs Stunden und insgesamt 30 Bier später die Kneipe und fanden Unterschlupf in einer flämischen Gaststätte, die uns trotz eigentlich schon geschlossener Küche noch drei leckere Steaks zauberte. Auch dieser Abend war wieder gelungen, wenn auch alkoholreich und lang ...

Am nächsten Tag fiel das Aufstehen trotzdem etwas leichter, und kurz vor zehn Uhr kamen wir los. Wir holten noch eine Bekannte unterwegs in der Nähe des Ruhrgebiets ab und waren gegen 16.30 Uhr wieder in Jena.

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich in den Niederlanden übernachtet, zum ersten Mal habe ich einen Internationalen Strafgerichtshof live erlebt; beide Erfahrungen würde ich gerne irgendwann demnächst mal wiederholen ...

Mittwoch, 30. März 2011

Bierkunde im Nahen Osten

Die so beliebte Bierkunde hatte ich vergessen, deshalb wird sie nachgeholt:

In Ägypten gab es Luxor-Bier aus der Flasche und (gegen Ende unseres Urlaubs) Sakara-Bier aus dem Zapfhahn. Wenn es kalt ist, kann man das Bier sogar durchaus trinken, es schmeckt nur ein wenig wässrig. Wenn das Bier warm ist (und das war es in den ersten Tagen, bis wir den Obern klargemacht hatten, dass wir unser Bier kalt wünschen), dann schmeckt es wirklich überhaupt gar nicht ...

In Bethlehem haben wir das Taybeh-Bier aus Ramallah im Westjordanland getrunken. Das wiederum ist sehr süffig, fast schon wieder (zu) süß. Angeblich wird es sogar nach deutschem Reinheitsgebot gebraut (steht auf der Flasche), aber dann ist da eine ganze Menge Malz reingekommen ...

Israelisches Bier haben wir nicht probiert; das wird aber hoffentlich in absehbarer Zeit einmal nachgeholt ...

Freitag, 25. März 2011

Die heilige Stadt

Gestern waren wir in Israel und im Westjordanland. Es war toll, aber auch anstrengend, und gefroren haben wir auch noch ...

Um 1.15 Uhr holte uns unser Bus ab, mit dem wir bis zur ägyptisch-israelischen Grenze fahren wollten. Daher waren wir am Abend zuvor schon um 18 Uhr ins Bett gegangen und hatten zu schlafen versucht. Während meiner Mutter das eher nicht so gut gelang, holte ich mir doch die eine oder andere Runde Schlaf ab. Wir wurden, nachdem wir aus vier oder fünf weiteren Hotels (unserer Hotelkette) andere Mitreisende aufgenommen hat, von unserer Reiseleiterin begrüßt. Ehe wir das vergessen: Die Frau war toll. Sie hat alles erklärt, was es zu erklären gab -- und öfter auch noch weit darüber hinaus ... So erklärte sie uns auf dem Rückweg, der israelische Stempel sei der Stempel, auf dem das heutige Datum so sehen sei ... Wir kamen an die ägyptische Grenze; unsere Reiseleiterin hatte uns schon darauf vorbereitet, dass wir den Bus wechseln müssen, und so stiegen wir aus dem Bus aus und liefen Richtung ägyptischer Grenzstation. Erst mussten wir durch eine Sicherheitskontrolle, mein Handy piepte, sonst alles okay, die Passkontrolle war problemlos. Am Schluss (am Ende des Niemandslandes, das natürlich keines war) kam die ägyptische Endkontrolle, wo ein ägyptischer Grenzer das Brötchen einer Mitreisenden beschlagnahmte. Das sollte wohl ein Scherz sein, lustig war es jedenfalls für die Dahinterstehenden nicht wirklich.

Die israelische Grenze kam, und vor der hatte uns unsere Reiseleiterin ein wenig Angst gemacht: Es würden zufällige gelbe Sticker auf den Pass verteilt, woraufhin man eine Sonderbefragung bekäme; die bekäme man auf alle Fälle, wenn man Flaschen im Gepäck habe, so in der Art. Eine ältere Frau fragte daraufhin die Reiseleiterin, was passiere, wenn man an der Grenze abgewiesen werde ...

Die Wahrheit lag natürlich auf dem Platz: Die Israelis waren von Anfang bis Ende tiefenentspannt, ausgerechnet die Harmloseste von uns bekam einen solchen gelben Sticker, was sich aber als völlig problemlos herausstellte, und kein Mensch wollte Wasserflaschen untersuchen. Am Schluss bei der Passkontrolle wollten sie mich noch als Französisch-Dolmetscher anstellen, was ich aber mit Verweis auf meine mangelnde Französisch-Kenntnisse ablehnen musste. Wir stiegen am anbrechenden Tag in den bereitstehenden israelischen Bus
und es ging über Eilat in die Negev-Wüste. Der erste Zwischenstopp fand gegen 8.30 Uhr am Toten Meer statt. Wir konnten uns umziehen und ins nicht ganz so kühle Nass springen. Die 31 % Salzgehalt machten sich beim Einsteigen ins Wasser nicht so anders als im Roten oder irgendeinem anderen Meer, aber als man sich dann Rücken voraus auf die Wasseroberfläche legte (ja, "auf"), war das definitiv anders. Natürlich hatten wir von den lustigen Schwimmversuchen im Toten Meer gehört, aber das dann selber zu spüren, wenn man glaubt, dass man ein Luftpolster um den Körper hat, ist noch einmal ganz anders ... Das Hauptproblem ist, dass die Füße bei einem Schwimmversuch in der Luft schweben und nicht wirklich einsetzbar sind ... Nach dem Duschen saßen wir noch ein bisschen am Toten Meer, dem "niedrigsten nicht von Wasser oder Eis bedeckten" Punkt der Welt bei 422 Meter unter (!) dem Meeresspiegel, bevor es weiterging in Richtung Jerusalem. Wir sahen kurz aus dem Bus die Festung von Masada und die Höhlen von Qumran, bis wir über einen unscheinbaren Checkpoint ohne Stopp von meinem 70. Land (Israel) in mein 71. Land fuhren (Palästina, Genaueres siehe in meiner Erläuterung). Dann ging es an Jericho, der "ältesten Stadt der Welt", vorbei nach Jerusalem und dort zunächst auf den Ölberg.

Wir standen etwas in Wind und Regen, womit kaum einer gerechnet hatte, und blickten auf die Altstadt von Jerusalem mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee sowie der Grabeskirche, wir blickten auf den Ort des jüngsten Gerichts und ließen uns erklären, dass die Grabstellen, die am Tag des jüngsten Gerichts dem Gerichtsort am nächsten liegen, für bis zu 1 Million Dollar verkauft werden. Es könnte ja sonst sein, dass man bis zu vierzig Jahre auf das jüngste Gericht warten müsse ...

Anschließend ging es mit dem Bus ein kurzes Stück in Richtung dieser Altstadt, wo wir ausstiegen und unsere erste Station besuchten: Die Westmauer, im Deutschen eher bekannt als Klagemauer. Endlich konnte ich meine Kippa aus Prag mal am lebenden Objekt tragen, und die Klagemauer ist durchaus beeindruckend, auch wenn ich mir das alles, mal wieder, etwas anders und ein wenig bombastischer vorgestellt hatte. Im Endeffekt ist es genau das, was es sein soll: ein Ort des Gebets. Ein paar Schritte weiter ist man dann in einer anderen Welt: Man sieht
kaum mehr einen Mann mit Kippa, dafür ganz viele Frauen mit Kopftuch - ja, der Übergang von der jüdischen Klagemauer zur arabischen Altstadt ist zwar durch eine Sicherheitsschleuse überwacht (wie auch der Eingang, den wir zur Klagemauer genutzt hatten), aber auch dort ist die Kontrolle sehr entspannt gewesen. Und das alles, obwohl erst am Tag zuvor ein Anschlag auf den Jerusalemer Busbahnhof mal wieder ein Menschenleben gekostet hatte.

Die Jerusalemer Altstadt ist durchaus mit der in Aleppo oder in Damaskus zu vergleichen, von Baustrukturen her und auch von der Unaufdringlichkeit der Händler: sehr angenehm. Den Kreuzweg haben die beiden syrischen Städte natürlich nicht zu bieten, auch wenn die meisten jesus-"historischen" Stätten in Jerusalem, wie unsere Reiseleiterin dankenswerterweise zu betonen nicht müde wurde, eben nur in Anführungszeichen "historisch" sind: Die sind alt, aber stammen aus dem 15. oder 12. und manchmal aus dem 4. Jahrhundert, aber höchstwahrscheinlich ist Jesus nicht wirklich genau dort gestorben, wo er gestorben sein soll (zumal es zwei Grabeskirchen gibt), und den Kreuzweg ist er so wahrscheinlich auch nicht gegangen.

In ihrer sprituellen Bedeutung ist die Grabeskirche aber natürlich nicht zu unterschätzen, und es bleibt ein Erlebnis, wenn man am "Grab" Jesu steht (wir hatten gestern Glück, die Schlangen waren nicht so lang). Durchaus beeindruckend. Durchaus beeindruckend war auch die anschließende Fahrt von Jerusalem nach Bethlehem. Die nur acht Kilometer lange Strecke führt von Israel in ein Gebiet der Zone A der palästinensischen Autonomiegebiete, das heißt, in ein Gebiet, in dem die Palästinenser offiziell sowohl Verwaltungs- als auch Sicherheitshoheit haben. Das hat zur Folge, dass Bethlehem, das rundherum an Gebiete der Zone C grenzt (besetzte Gebiete des Westjordanlands, die aber unter israelischer Verwaltungs- und Sicherheitshoheit stehen), eingemauert (einschließlich Graffiti wie an der Berliner Mauer) und zu einem (naja, unsere Reiseleiterin ist Polin und darf das sagen) "Ghetto" geworden ist.

Dort aßen wir zu Mittag und besichtigten anschließend die Geburtskirche. Hier soll tatsächlich historisch-authentisch der Geburtsort Jesu liegen, der mit einem Stern markiert ist, an dem man persönliche Gegenstände weihen kann. In der Grotte dort stand auch die Krippe Jesu. Nach einem weiteren hochinteressanten Vortrag über die wechselreiche Geschichte der Geburtskirche, die zweimal eher zufällig der Zerstörung entging, gingen wir zum Bus zurück und fuhren in Richtung Jerusalem. Wir mussten wieder durch den Checkpoint durch, und da dieser ausschließlich von Israel kontrolliert wird, war das Herauskommen aus Bethlehem weitaus schwieriger als das Hineinkommen: Wir standen eine knappe Stunde, bis zwei gerade volljährige Soldaten mit Uzi in den Bus marschierten, unsere Pässe sehen wollten und uns dann durchwinkten. Und trotzdem, alles ziemlich entspannt und keineswegs so strikt wie ich befürchtet hatte ...

Die Heimfahrt war anstrengend lang, wir kamen gegen 23.30 Uhr an die Grenze. Die israelische Ausreise war noch einfacher als die Einreise, und die Ägypter hatten ein neues Spiel, das da hieß: Pässe einsammeln und alle miteinander im Kabuff abstempeln anstatt am Passkontrollhäuschen wie üblich. Naja, ein neues Spiel halt. Die "Genehmigung zum Verlassen der Grenzzone" erhielt unser Bus (mehrere Unterschriften notwendig) und gegen drei Uhr kamen wir an unserem Hotel an.

Ohne eine Minute unnötiger Verzögerung lagen wir im Bett.

Wieder einmal sind wir uns einig, dass wir uns Jerusalem im Besonderen und Israel im Allgemeinen noch einmal in Ruhe angucken, denn gestern war das ein wenig gedrängt. Außerdem hat's geregnet und war kalt, was vor allem die Mädels im Bus schwer traf ... Schon beeindruckend, die heilige Stadt für Juden, Christen und Moslems ...

Bilder: Badende im Toten Meer, Blick auf Jerusalem, Klagemauer, Geburtskirche, israelisch-palästinensische Sperrmauer

Dienstag, 22. März 2011

Auf nach Jerusalem

So, wir sind Samstag Abend gegen 22 Uhr in Zürich abgeflogen und kamen gegen 3 Uhr ägyptischer Zeit in Sharm-el-Sheikh an. Dort gingen Einreise und Verschiffung in den Bus recht schnell, sodass wir gegen 4.30 Uhr im Zimmer waren. Meine Mutter fing an zu räumen, während ich schon schlief, und als die Sonne aufging, begann sie die Anlage zu erkunden, während ich weiterschlief.

Gegen 11 Uhr schmiss sie mich laut rumpelnd aus dem Bett, und wollte mir die sehr schöne Anlage zeigen. Hm, acht Pools, drei Einstiege zum Korallenriff vor dem Hotel, viele Liegen in einer sehr großen Anlage, deren Größe man aber nicht so richtig merkt. Meine Mutter schwärmt von den Palmen und sonstigem Gesträuch, von Affenbrotbäumen und Jacaranda-Bäumen, Benjaminus ficus wächst in Baumhöhe.

Unser täglicher Tagesablauf ist von Essen, Trinken und Schwimmen/Schnorcheln geprägt, ich komme endlich dazu, ein paar von meinen Jerry Cottons zu lesen.

Ich hatte bei dem günstigen Preis unseres Urlaubs immer mit einem Haken gerechnet, bisher habe ich ihn nicht gefunden, und ich bin zuversichtlich, dass das so bleibt.

Am Donnerstag geht es nach Jerusalem, das wird sicherlich eine etwas anstrengendere Fahrt, zumal wir schon um 1.15 Uhr (!) abgeholt werden.

Die Fischli hier am Hotel-Korallenriff sind einfach toll: Schnorcheln ist doch was Schönes ...

Ich werde von Jerusalem berichten ...

Sonntag, 20. Februar 2011

Mal wieder Erholung

Jaja, ich weiß, kaum daheim, schon wieder was gebucht, aber dieses Mal wird das wirklich Erholung: Soeben habe ich im Auftrag meiner Mutter einen Ägypten-Urlaub zu ihrem Geburtstag gebucht. Was?! Ägypten?! Jetzt?! Ja, gerade jetzt, weil wir ein Fünf-Sterne-Hotel (das nach den Beurteilungen nicht wirklich fünf Sterne, sondern eher vier bieten soll) für einen ziemlichen Spottpreis bekommen, all inclusive. Und das Auswärtige Amt rät von Urlaubsreisen ans Rote Meer ausdrücklich nicht ab (sonst hätten wir das nicht gebucht).

Wir fliegen zu unwirtlichen Flugzeiten (nachts) von und nach Zürich (das erste Mal, dass ich ab Zürich fliege) am 19. März abends weg und kommen am 27. März morgens wieder an.

Damit ein klein wenig Sightseeing stattfindet und weil Ausflüge nach Kairo oder so im Moment nicht gerade auf unserer Agenda stehen, wollen wir gucken, ob wir das "gesparte" Geld in Ausflüge nach Bethlehem/Jerusalem und/oder Petra investieren, wären immerhin alles neue Länder für mich (Palästina, Israel, Jordanien ...). Aber die können wir nur vor Ort buchen.

Zwei Fragen gibt es noch zu klären: Die erste ist die, ob wir uns von Freunden nach Zürich an den Flughafen fahren lassen (eine Stunde Autofahrt von Zuhause) oder ob wir unser Auto in Zürich unterstellen. Ich plädiere gegenwärtig noch für Ersteres, mal sehen, wie wir das organisieren.

Die andere Frage ist die des Visums: Für Ägypten braucht man ein Visum, das bei Einreise rund 20 Euro kostet, allerdings nicht, wenn man "nur" auf dem Sinai ist (und zum Beispiel -- wie wir -- keine Ausflüge nach Kairo oder so plant), dann wäre das Sinai-only-Visum kostenlos. Da wir bei Ausflügen nach Israel/Palästina oder nach Jordanien ja nicht ins Nicht-Sinai-Ägypten fahren, denke ich eigentlich, dass wir nur das Sinai-only-Visum bräuchten (und das halt zwei- oder dreimal). Andererseits braucht man anscheinend, wenn man beim Schnorcheln das Sinai-Gebiet verlässt (und das geht wohl ziemlich schnell), dann wieder ein volles ägyptisches Visum. So'n Mehrfacheinreisevisum beim Konsulat kostet 32 Euro und wird zügig (drei Tage) ausgestellt, kann also gut sein, dass wir uns auf die sichere Seite begeben.

Da der Israel-Ausflug den Grenzübertritt im Bus von Taba nach Eilat vorsieht, wäre mein Pass für manche arabische Länder definitiv "verbrannt". Das wäre doof, weil er noch bis 2020 gültig ist, andererseits kann man ja als Deutscher einen Zweitpass kriegen, und ob die 59 Euro dann bei einer größeren Arabien-Reise so wahnsinnig ins Gewicht fielen, ist wieder die andere Frage.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Vom Winde verweht

Nach kurzem und etwas hektischem Frühstück in Bergen verabschiedeten Andreas und ich uns vorgestern Morgen gegen 8.05 Uhr; er ging los, ich fuhr in Richtung Supermarkt und stand erst einmal ein paar Minuten auf dem Parkplatz, um das sacken zu lassen: Andreas weg ... Sicher werde ich noch das eine oder andere Mal mit Blick auf die Abendgestaltung denken: "Mal sehen, was Andreas heute so vorhat." Nur um mich dann zu erinnern, dass er nicht in Jena ist. Argh.

Der Supermarkt hatte natürlich zu und so nutzte ich die Zeit, die Sachen in Ruhe einzupacken, die ich in der Nacht auf der Fähre brauchte, und die Sachen auszupacken, die ich nicht brauchte und die daher im Kofferraum zurückbleiben konnten. Ein paar Postkarten in den Schwarzwald waren noch zu schreiben, und da ich danach ohnehin nichts Besseres zu tun hatte, fuhr ich in die Stadt. Ich musste nur noch einen Briefkasten finden (es lag einer nicht weit von meinem Check-in entfernt), dann hatte ich im wahrsten Sinne des Wortes Freizeit. Die nutzte ich, um die Check-in-Schlange aufzumachen und las auf meinem tollen neuen Smartphone den aktuellen Spiegel, den ich mir am Samstag Abend noch heruntergeladen hatte. Pünktlich um 11.30 Uhr ging der Check-in los, alles kein Problem, ich sollte in die Spur 2 fahren und dort warten. Spur 2 fand ich, aber den Wartepunkt nicht wirklich. Jedenfalls kam mir eine Gabelstaplerfahrerin in die Quere, die mir mit Handzeichen bedeutete, dass ich an der Linie da vorne hätte warten müssen. Nach erneuter Rückfrage drehte ich um und wartete an bewusster Linie: Ja, da waren irgendwelche Fahnen zu sehen, auf denen man mit Muße und gutem Willen "Fjordline" lesen konnte, aber ein Stopp-Schild oder ein "Please wait here for boarding" wäre schon nicht schlecht gewesen.

War ja aber schließlich egal, ich führte die Prozession auf die Fähre an und fuhr im Schritttempo hinter dem Einweiser hinterher, der mir dann schließlich bedeutete, auf dem Streifen zwischen zwei Spuren auf dem Schiff stehen zu bleiben. Wahrscheinlich würden nicht so viele Autos mitfahren diese Nacht. Ich stieg aus, ging auf die Kabinendecks und fand recht zügig meine Kabine, die zwar nicht riesengroßgeräumig, aber völlig ausreichend war, mit eigenem WC, eigener Dusche und einigem Waschbecken. Doch, ganz in Ordnung.

Die erste Zeit verbrachte ich auf dem Achterdeck und verfolgte die Ausfahrt der MS Bergensfjord aus dem Hafen von Bergen. Wir passierten einige Fjorde mit atemberaubender Landschaft. Einige Male schaute ich auf die Karte, die im Schiff ähnlich wie diese Positionsanzeige im Flugzeug verfügbar war, und dachte: "Durch die enge Passage will der durch?!" Aber meist waren dann doch noch ein paar Meter (oder ein paar hundert?) Platz zwischen dem Schiff und dem Ufer.

Gegen Abend wurde ich überraschenderweise recht müde und ging nach dem Genuss eines Sandwiches gegen 20 Uhr ins Bett. Den Zwischenstopp in Stavanger bekam ich kaum mit, nur die laute Ansage durchs Schiffsradio, dass man nun mal auslaufen werde, war nicht zu überhören. Gestern Morgen ging um 7 Uhr mein Wecker, ich stand auf, machte mich fertig, begab mich aufs Achterdeck und sah -- Schnee. Es war in der Nacht wohl einigermaßen stürmisch und kalt gewesen, jedenfalls blies der Wind mich fast um (und ich wiege ja nicht gerade 40 Kilo) und ich verzog mich zügig wieder unter Deck. Die geschätzte Ankunftszeit stand irgendwo bei 13 Uhr (planmäßig war 9 Uhr) und so ergab auch die Durchsage von wegen "schlechtem Wetter" in Stavanger nun einen Sinn.

Ich legte auf dem Schiff zwischen Achterdeck, Kabine, Rezeption (mit Ortsanzeige) und diversen Cafeterias wahrscheinlich ein paar Kilometer zurück, aber nichtsdestotrotz war es sehr angenehm, mal so auf der Fähre zu reisen. Geschlafen habe ich zwar nicht ganz so gut, weil das Schiff im Sturm ganz schön geknarzt und gequietscht hat und auch das ständige Auf und Ab dem Schlaf einer gewohnheitsmäßigen Landratte wahrscheinlich eher abträglich ist, aber als ich dann aufgestanden war und das Schiff öfter mal lustig dröhnte, weil es mit Karacho in eine Welle hineingefahren war (gefolgt von einem schönen Achterbahngefühl im Bauch), war es schon wieder toll.

Gegen 13 Uhr durfte man dann hinunter aufs Autodeck, sodass ich mein Gepäck dorthin wuchtete und gegen 13.20 Uhr Gewehr bei Fuß stand, um das Parkdeck zu verlassen. Ziemlich genau um 13.45 Uhr durfte ich, wieder als Erster, von der Fähre und auf dänisches Festland fahren. Ein Zoll war nicht zu sehen, also fuhr ich auf die Autobahn und in Richtung Süden.

In Süddänemark fing dann ein wenig Schneefall an ... Liebe Dänen, ihr könnt ganz bestimmt ganz vieles richtig toll, aber Autofahren mit drei Schneeflocken am Straßenrand, das könnt ihr nicht. Jedenfalls muss man nicht mit Tempo 80 minutenlang die Überholspur blockieren, wenn die Straße völlig frei ist.

Ja, vor Hamburg wurde das Schneegestöber dann immer dichter und es wurde richtig glatt, da kann man dann nicht einmal mehr 80 fahren, das sehe ich ein. Jedenfalls stand ich geschätzte zwei Stunden in und um Hamburg im Stau, ehe ich bei Burger King mein verspätetes Abendessen einnahm und danach weitere drei Stunden über dann zum Glück weitgehend freie (von Schnee und von Verkehr) Autobahnen nach Jena fuhr, ehe ich dort um Punkt 0.01 Uhr das Auto auf dem Eichplatz abstellte. Es waren ja nur insgesamt knapp sieben Stunden Verspätung ...

Danach legte ich mich ins Bett und schlief wie ein Stein bis heute Morgen.

Sonntag, 13. Februar 2011

Fløyen, Bryggen und Bergenhus

So, heute haben wir wieder einigermaßen ausgeschlafen, haben dann in Ruhe gefrühstückt und sind dann wieder in die Stadt gefahren.

Zunächst sind wir mit der Fløibanen, einer Seilbahn, auf den Fløyen gefahren, einen der Bergener Hausberge. Von dort oben hat man, wenn man nicht auf den ungestreuten Wegen ausrutscht wie ich heute, einen wunderbaren Ausblick auf Bergen und seinen Fjord.

Nach der Rückfahrt nach unten machten wir einen Spaziergang durch die Bergenhus-Festung. Leider war es schon zu spät, sodass wir nur noch zwanzig Minuten für die Ausstellungen gehabt hätten. Ein weiterer Grund, zügig wieder nach Bergen zu kommen ...

Wir liefen an meiner Fährablegestelle für morgen vorbei und erkundeten, wann ich wo zu sein habe. Ich glaube, ich weiß es jetzt. Die Fährablegestelle ist ganz in der Nähe des Stadtteils Bryggen, der früher die Hafenanlage der Hanse war. Weltkulturerbe, und zwar völlig zu Recht ... Von dort gingen wir wieder in die Innenstadt und suchten ein Irish Pub, das Rugby zeigt, was wir auch fanden. Andreas ging zur Kirche, ich machte einen Spaziergang, ehe wir gegen 19 Uhr zum Abendessen in ein recht gutes Lokal gingen. Sehr lecker!

Gut gesättigt machten wir uns auf den Heimweg. Jetzt geht's ins Bett ...

Wenn ein Bier "nur" sieben Euro kostet ...

Gestern waren wir vor allen Dingen einkaufen. Dabei mussten wir uns an die norwegischen Preise gewöhnen: Ja, sie sind ziemlich hoch ...

Erst einmal schliefen wir in Ruhe aus; das hatten wir nach dem Tag davor auch redlich verdient. Nach einem Lebensmitteleinkauf und anschließendem Brunch fuhren wir in zwei Elektronikmärkte, da Andreas mal schauen wollte, was so ein Rechner kostet. Unter, naja, 5.000 Kronen (ca. 630 Euro) geht praktisch gar nichts, und 12.000-Kronen-Rechner (1.500 Euro) werden offenkundig auch gekauft ... Kleidung dagegen kostet etwa so viel wie in Deutschland, Lebensmittel sind auch nicht gerade billig.

Der Klassiker ist natürlich Bier: Wir haben sehr intensiv gesucht; im Supermarkt kostet das billigste Bier 34 Kronen pro Liter, das sind 4,30 €, bzw. 17 Kronen für die 0,5-l-Dose, also 2,15 €. Die große Flasche Jägermeister kostet im Spirituosengeschäft etwa 60 € ...

Jedenfalls fuhren wir dann im Bus in die Stadt, das sind etwa 15 Minuten Fahrt. Eine Fahrkarte kostet 25 Kronen, umgerechnet 3,15 €, also auch nicht gerade billig.

Der Stadtspaziergang in Bergen ist einfach schön: Die Innenstadt ist recht geräumig mit großen, weitläufigen Plätzen und schicken kleinen Gässchen. Der Gang zum Hafen mit dem Blick auf den historischen Stadtteil Bryggen ist selbst im Dunkeln noch sehr schön, und jetzt freue ich mich darauf, das auch mal im Hellen zu sehen.

Wir haben dann noch ein bisschen Fußball in einem Irish Pub geguckt (ein Pint Guinness für 11 Euro ...) und sind noch ein wenig herumgewandert.

Doch, wenn die Preise nicht so abartig wären, würde man sich sehr wohlfühlen hier, so kann man sich "nur" wohlfühlen. Werde demnächst berichten, wie das Sightseeing war.

Freitag, 11. Februar 2011

Einfach total bescheuert ...

... war es, was Andreas und ich seit gestern Morgen gemacht haben, aber andererseits auch sehr lustig: Gestern um 10.16 Uhr starteten wir in Jena zu unserer Monstertour von fast 2.000 km über Fehmarn, die Öresund-Brücke und Oslo nach Bergen in Norwegen brachte.

Andreas fuhr die gesamte Strecke bis Puttgarden auf Fehmarn, wo wir nach ziemlich genau fünf Stunden und knapp über 600 Kilometern gegen 15.20 Uhr ankamen und die Fähre um 15.45 Uhr nehmen konnten. Es ist und bleibt (für mich) unfassbar, wieviele Autos und LKWs auf so ein Schiffchen passen. Wir kauften uns ein Sandwich als spätes Mittagessen (für mehr als fünf Euro) und ließen uns an Deck ein wenig den Wind um die Nase wehen, ehe wir schon eine knappe Dreiviertelstunde später wieder von Bord fahren konnten. Andreas war zum ersten Mal in Dänemark, ich zum ersten Mal seit dem Jahr 2000.

Nach eindreiviertel Stunden war der Spaß in Dänemark aber auch schon wieder vorbei; wir ließen uns von unserem Navigationssystem, das uns einige "Freude" bereitete, nicht verwirren und fuhren über die Öresund-Verbindung zwischen Kopenhagen und Malmö. Nach einem Zwischenstopp bei McDonald's in Schweden ließ Andreas mich zum ersten Mal ans Steuer und ich fuhr über gut ausgebaute, aber leider ziemlich geschwindigkeitsbegrenzte Autobahnen in Schweden nach Norwegen hinein, wo uns kein Zoll stoppte (anders als bei der Einreise von Dänemark nach Schweden, wo ein Zöllner uns ins Auto guckte) ...

Um 23.23 Uhr reisten wir nach Norwegen ein, und unser Navigationssystem wollte uns über eine Fährverbindung südlich von Oslo um die norwegische Hauptstadt herumlotsen. Mein Plan war aber, durch Oslo hindurchzufahren und auf die E16 in Richtung Bergen zu kommen. Den Kampf zwischen Navigationssystem und mir gewann ich, auch wenn wir einen kurzem Umweg in Richtung Trondheim zu überstehen hatten. Beim Umdrehen war die Übergangsstrecke nicht geräumt, und zum ersten Mal auf der Tour wurde es glatt, aber dafür gleich richtig ...

Kurz hinter Oslo tankten wir zum zweiten Mal und wechselten wieder das Steuer, ehe das Navigationssystem uns knapp drei Stunden zum Umdrehen bewegen wollte, weil es eine angeblich schnellere Route nach Bergen gab als die, die ich über Google Maps bestimmt hatte. Wir wechselten in kürzeren Abständen noch einmal den Steuermann, aber gegen drei Uhr wurde ich mir meiner Fahrweise auch zunehmend unsicherer, zumal die Strecke zwischen Oslo und Bergen praktisch nur Landstraße ist. Wir parkten auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums und versuchten zu schlafen (nachdem ich mir mit im Schnee gewaschenen Händen die Kontaktlinsen herausgenommen hatte -- die meisten Tankstellen machen um 23 Uhr zu), was in einem vollgepackten Auto für zwei nicht ganz kurze Kerls nicht so einfach ist, insbesondere dann, wenn es kalt wird im Auto, wenn der Motor aus ist, und irgendwann der Schneepflug den Parkplatz freipflügen will. Andreas fuhr ein kurzes Stück weiter bis auf einen "richtigen" Parkplatz an der Straße, wo wir bei laufendem Motor ein wenig schliefen. Um 6.30 Uhr ging der Wecker los, und ich hatte allerlei kapitalen Unfug geträumt und war noch nicht wirklich fit. Andreas ging es besser, und so fuhren wir in den überraschend frühen Sonnenaufgang.

Was wir sahen, war traumhaft: Norwegen ist auch und gerade im Winter fantastisch; ein paar Bilder sollten Beweis dafür sein ... Die Kilometeranzeige nach Bergen ging immer weiter nach unten, bis ich schließlich gegen Mittag unser Auto durch Bergens Tunnels zu Andreas' neuer Arbeitsstätte bringen konnte. Apropos Tunnel: Auf der Strecke zwischen Oslo und Bergen sind ein paar Dutzend Tunnelkilometer zu überwinden, die Krönung ist der 24,5-Kilometer-Lærdalstunnel, der längste Straßentunnel der Welt, aber alle sind großartige Ingenieurleistungen ...

Andreas bekam seine neue Arbeitsstätte und seine neuen Kollegen vorgestellt: Er hat ein sehr schickes Büro mit Fensterfront zum Fjord hin, sehr, sehr schön. Danach fuhren wir zu seinem von der Firma gestellten Appartment: Ähm, ebenfalls wow. Eine schöne, große Einliegerwohnung, vollmöbliert, sogar mit Waschmaschine. Hier wird er sich, glaube ich, wohlfühlen.

Bergen hat uns mit ungewöhnlichem Wetter empfangen: Strahlendblauer Himmel über strahlendblauem Fjord, das ist schon toll.

Jetzt haben wir beide geduscht und wollen in Richtung Stadt aufbrechen, da Andreas ein wenig außerhalb, aber fünf Minuten zu Fuß von seiner Firma entfernt wohnt.

Die Hinfahrt war verrückt, aber sehr schön: Eine der schneebedeckten Straßen zwischen Oslo und Bergen, heute Morgen auf dieser Strecke, die Einfahrt in den 24-km-Tunnel und nochmal heute Morgen auf der Strecke Oslo-Bergen