Und weil das so gut geklappt hat, fahren wir auch im Juli zusammen aus dem ungarisch-slowakischen Grenzgebiet bis nach Berlin - das wird bestimmt auch sehr interessant.
Als ich am Freitag in Halle ankam, war auch der Bub gerade aus der Ferienfreizeit gekommen und wusste nach meinem Eindruck noch nicht so recht, was er von der - natürlich mit seinen Eltern abgesprochenen - Aktion am Samstag halten sollte, aber als wir am Samstag dann aufbrachen, musste ich ihn nicht zum Zug zerren ...
Natürlich fiel der angepeilte erste Zug schon gleich einmal aus, sodass wir kurzentschlossen die Reihenfolge (ursprünglich wollten wir Polen-Tschechien machen) einfach umdrehten und erst einmal Tschechien ins Visier nahmen.
Die erste Etappe führte uns nach Dresden, und schon früh schauten wir uns - der Bub ist ja schon ein halber Mathematiker - Aufgaben aus der Kombinatorik und verschiedene Zahlensysteme an: Wenn E im Hexadezimalsystem eine Ziffer ist, steigen die meisten Menschen ja schon aus, aber der Bub stellte prompt fest, dass ich mich verrechnet hatte und die Ziffer E eigentlich die Ziffer F hätte sein müssen - touché!
In Dresden vergewisserte ich mich beim Reisezentrum noch, dass ich den Bub auch tatsächlich kostenfrei auf allen Schienenprodukten mitnehmen darf; die Google-KI hatte mich da am Morgen ziemlich stur verunsichert ...
So ging es in den trilex in Richtung Liberec, und kurz vor Ebersbach fuhren wir schon - vom Bub handgestoppte 37,05 Sekunden lang - durch den (tschechischen) Fugauer Zipfel. In Ebersbach wurden die Grenzsteine erkundet, versicherungsrechtliche Fragestellungen erörtert ("Was passiert, wenn man auf der Grenze ein anderes Auto anfährt?") und ein kleines strafprozessuales Proseminar durchgeführt ("Welches Gericht ist zuständig, wenn ein Mensch in Deutschland und ein Mensch in Tschechien steht und von dem auf der Grenze stehenden Baum beiden der gleiche Ast auf den Kopf fällt?") - zuvor hatten wir im Zug schon über die deutsch-deutsche Teilung und die größte territoriale Ausdehnung Preußens gesprochen ...
Den kurzen Weg nach Zittau schafften wir und auch den Anschluss nach Krzewina Zgorzelecka. Die erste Einreise nach Polen verschliefen wir beide ein bisschen (auch weil die Neiße da sehr schmal ist), aber die 42-sekündige Wiedereinreise nach Deutschland wurde wieder gestoppt. In Krzewina Zgorzelecka stiegen wir aus und überquerten die Grenze nach Ostritz, wobei der Bub feststellte, dass sowohl auf dem polnischen als auch dem deutschen Grenzpfosten die gleiche Nummerierung vorlag - das war mir noch nie aufgefallen, und dort war ich schon öfter gewesen ...
Ostritz ist sehr, sehr schön, aber auch sehr leer - Wirtshäuser gibt es selbst um den wunderschönen Marktplatz nicht mehr, sodass uns nichts übrig blieb, als jeweils ein großes Softeis als Mittagessen zu verspeisen. Auf dem Rückweg zum Haltepunkt in Krzewina Zgorzelecka liefen wir der polnischen Grenzpolizei in die Arme, aber die machte auch nur Mittagspause und ließ uns unbehelligt - ich hatte sowohl den Ausweis des Bubs als auch die Vollmacht der Eltern dabei, sodass das alles kein Problem gewesen wäre, aber so war es mir noch lieber ...
Der Zug nach Görlitz war verspätet, sodass wir kurzzeitig überlegten, doch über Zittau zurückzufahren; der Plan wurde verworfen. Wir stiegen in den Zug nach Görlitz ein, verpassten den Anschluss dort aber deutlich und fuhren weiter nach Cottbus. Dort erwischten wir - allerdings auch nur mit zügigem Laufen - noch den Anschluss nach Lübben im Spreewald, aber dort hatten wir ein bisschen Zeit, sodass ich dem Bub noch zeigen konnte, dass man dort nicht nur Deutsch, sondern auch Sorbisch spricht und schreibt.
Die vorletzte Etappe führte uns nach Berlin ans Südkreuz, und von dort fuhren wir mit dem ICE ohne Zwischenhalt zurück nach Halle, während wir uns im Bordbistro eine Zitronenlimo (ich) und ein Bier (er) gönnten - höhöhöhö. Dafür wurden wir von den Bordbistro-Damen sogar zu Lieblingsgästen erklärt ...
Kurz nach unserer Ankunft in Halle wurde die Aufzeichnung des Champions-League-Finales gestartet, dazu gab es wunderbares (aber wie immer auch viel zu viel ...) Sushi - so endete ein wunderbarer Tag mit einem neuen Land (Nr. 8) für den Bub ...
Heute Morgen ging es dann zeitig nach Leipzig, denn dort trafen wir uns mit einer weiteren Studienfreundin von mir, deren Mann und deren Tochter. Diese Studienfreundin hatte ich geschätzt seit zehn oder 15 Jahren nicht mehr gesehen, aber wie immer bei meinen engeren Freunden war es sofort wie früher - ganz herrlich!
Nach dem langen Frühstück (Gerüchten zufolge verzehrte ein gewisser Blogautor auch einen Frühschoppen) machten wir noch einen kleinen Stadtspaziergang zum Hauptbahnhof, denn dort wollte ich noch - im sechsten Bundesland - meine neue Bahncard 100 kaufen. Das tat ich, bevor wir gemeinsam wieder in Richtung Halle aufbrachen.
Am Flughafen Leipzig/Halle stieg ich aber dann aus, weil ich da besser meinen IC nach Hannover erwischte - und in selbigem sitze ich jetzt.
Das war ein großartiges Wochenende, wie immer in und um Halle - vielen Dank und bis zum nächsten Mal!
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| Die Neiße gestern zwischen Krzewina Zgorzelecka und Ostritz |
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| Leipzig, Markt, heute Morgen |
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| Thomaskirche, Leipzig |
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| Der Bub war in Tschechien! |




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