2. Mai, 22.52 Uhr Ortszeit, am Gate für den Flug nach Auckland (konnte ich aber gerade eben erst hochladen, bin soeben in Auckland gelandet; Blog dafür folgt ...)
… machen sie hier in China, manches ist gleich gut wie im Westen, manches besser (die Metro ist klasse und günstig - ich habe 2,25 Euro für eine Tageskarte bezahlt heute), manches ist weniger gut - die "Great Firewall of China", die große Internetsperre, macht mir zu schaffen, denn nicht nur der Spiegel und der Guardian sind gesperrt, sondern auch Google - und ohne Google ist vieles schwierig in meinem Alltag. Für Google Maps habe ich einen akzeptablen Ersatz gefunden (auch wenn ich da keine Karten speichern kann, aber die wichtigsten Kartenteile waren auch so verfügbar), bezahlen kann ich mehr oder weniger gut mit der WeChatPay-App (nur brauche ich dafür Internet, weil ich manchmal den Kauf mit einer PIN bestätigen muss, und wenn ich kein Internet habe, ist das schwierig; WLAN kriegt man hier auch nicht an jeder Ecke, und wenn, dann ist es - insbesondere für die westlichen Seiten - brutal langsam) oder öfter auch mit der normalen Kreditkarte. WhatsApp funktioniert wider Erwarten doch, aber nur mit Text und auch da - gefühlt - nur nach Prüfung, ob die Nachricht für China akzeptabel ist …
So, fangen wir aber mal am Anfang an: Ich war gerade in den Flieger eingestiegen, als der Mensch auf dem C-Platz neben mir seinen Platz einnehmen wollte; ich bedeutete ihm, mich reinzulassen - joa, und dann kam keiner mehr. Ich konnte mein Glück kaum fassen, aber wir hatten für den zehneinhalbstündigen Flug (Start um 14.44 Uhr, Landung um 7.19 Uhr - 1.19 Uhr deutscher Zeit) einen freien Mittelplatz - herrlich!
Ich schlief gerade am Anfang relativ viel (dafür ist ein Fensterplatz ja schon gut …), guckte den ersten Teil von Zootopia (den zweiten hatte ich vor Wochen schon in einem anderen Flieger gesehen) und einen chinesischen Science-Fiction-Film, und alles in allem verging der Flug - es war über Schweden, Russland und die Mongolei gegangen - recht schnell. Ich saß direkt am Flügel und hatte daher beim Landeanflug nicht den allerbesten Blick, aber das war nicht schlimm, weil wir ja die Nacht durchflogen.
Die Einreise hier am modernen Shanghaier Flughafen (vor ziemlich genau 25 Jahren war ich zuerst hier gewesen) war problemlos; der Erwerb der Tageskarte für die Metro nicht ganz: Ich hatte zuerst die Servicestation übersehen und wollte was am Automaten kaufen, da wollte mir auch einer helfen, aber das klappte nicht, aber er wies mir den Weg zur Servicestation. Da bekam ich - ich versuchte es mit WeChatPay - tatsächlich meine Tageskarte, ging durch die (oberflächliche) Sicherheitskontrolle und fuhr - eine halbe Stunde, anfangs überirdisch, bald aber unterirdisch - bis zur Station Tangzhen, denn da war mein Hotel.
Ich suchte meinen Ausgang, kam ans Tageslicht und war irgendwie irritiert, denn das wirkte hier so gar nicht wie China in meiner Vorstellung. Ja, okay, da waren sehr viele Menschen offenkundig ostasiatischer Abstammung und alles war auf Chinesisch beschildert, aber sonst hätte das auch ein Viertel irgendwo in Europa sein können: Nix von engen Gässchen, aber in dem Viertel auch nicht riesige Hochhäuser, sondern ganz normal mit Essensläden an der Metro, ein Basketballplatz war auch da, ich lief über eine kleine Brücke und sah schon mein Hotel.
Ich kam an, streckte denen meine Übersetzungsapp entgegen, die Tante sprach aber ganz gut Englisch, ich konnte sogar schon ins Zimmer, um 9 Uhr! Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, ging hoch - großes Zimmer, großes Bett, schönes Bad, was will ich mehr? Ich putzte erstmal die Zähne und brach dann aber in die Stadt auf.
An der Metrostation bekam ich eine Fehlermeldung angezeigt, ich solle zur Servicestation gehen, aber die gab es da nicht. Irgendwann sah ein Wachmann, dass ich da wie Falschgeld in der Gegend rumstand, nahm mich mit an das Drehkreuz, bedeutete mir - wortlos -, die Karte draufzulegen, wieder kam die Fehlermeldung, aber er zeigte auf das grüne Licht und meinte, ich solle einfach durchgehen. Jo, das klappte auch, na dann … (Heute Abend funktionierte das übrigens auch an der Stelle problemlos.)
Jetzt wurde die Metro in Richtung Innenstadt voll, ich entschied mich einigermaßen spontan, an der Kreuzungsstation Lujiazui aus der Linie 2 in die Linie 14 umzusteigen (weite Wege!) und kam schließlich an der Yuyuan Garden Station raus. Hier sieht es aus, wie man sich China vorstellt, dementsprechend sind hier unfassbar viele Touristen unterwegs (hauptsächlich übrigens chinesische), hier ist es eng, hier ist die berühmte Zickzackbrücke, die ich - glaube ich - jedes Mal in Shanghai besuche. Dieses Viertel ist halt echt schön, war mir aber viel zu voll, und außerdem wollte ich noch Fähre fahren und was essen.
Die berühmte Xiaolongbao-Gaststätte (für diese Teigtaschen) ist so beliebt, dass sie da zum Anstehen Sitzbänke eingerichtet haben, das war mir aber immer noch zu voll, sodass ich durch den schönen Gucheng-Park (irgendwie war Blütenfest gerade, vielleicht war deswegen besonders voll) in Richtung Bund schlenderte. Den Ausblick auf die Hochhäuser drüben in Pudong genoss ich auch dieses Mal, aber auf die Fähre rüber nach Pudong - die ich eigentlich vorhatte - wollte ich doch nicht, weil da eine riesengroße Schlange war - die Fähre kostet halt auch nur 2 Yuan, also 25 Cent, und schön soll es da auch sein, dementsprechend voll ist es eben.
Stattdessen lief ich den Bund hoch und bog dann ins alte Kolonialviertel ab (auch wunderbare Bauten, auch hier denkst du nicht, dass du in Shanghai bist) und stieg an der Nanjing Road (East) in die Metro. Ich fuhr nur eine Station bis zur Umstiegsstation von eben, fand mit Mühe die Kette, zu der ich wollte - die haben auch Xiaolongbao, die werden auch hochgerühmt, hier kamen auch viele Chinesen hin (und kaum Ausländer), aber hier war etwas leerer. Die Karte war auf Englisch, und die Bedienungen sprach es auch ein bisschen, und ich probierte mich mal durch die Karte durch: Ich aß Xiaolongbao mit Schwein (das sind die üblichen), auch welche mit Trüffel (auch sehr lecker) und dann noch welche mit Schwein und "hairy crab meat", die waren nicht ganz billig (75 Yuan, über neun Euro für sechs Stück), aber die waren sehr, sehr lecker. Dazu futterte ich noch Schweine-Spare Ribs und stellte fest, dass man bei denen das, was die Chinesen bei Garnelen machen (ungeschält rin in den Mund und dann die Schalen wieder ausspucken), auch machen muss. Den ersten Knochen zerkaute ich noch, bis ich die Bruchteile rausnahm, dann entfernte ich mit Zunge und Zähnen die Fleischteile vom Knochen und nahm den Knochen wieder raus aus dem Mund, und die Knorpel zerkaute ich einfach so - lecker war's, insbesondere, nachdem ich herausgefunden hatte, wie's geht, aber die Xiaolongbao sind noch besser …
Beim Bezahlen ging das mit der WeChatPay schief, weil ich eben offline war und nicht die PIN eingeben konnte, am Ende zahlte ich mit Kreditkarte - und bekam das auch wirklich nicht doppelt abgebucht … Passte alles, aber ohne Internet war ich da aufgeschmissen, auch weil das WLAN des Einkaufszentrums mir keine PIN ausspuckte, nachdem ich meine Telefonnummer eingegeben hatte. Jetzt kam aber der Mann mit dem Hammer (die zwei Tsingtao-Biere werden meinen Standort verraten haben) und ich fuhr zurück zum Hotel. Ich duschte nicht einmal, sondern fiel gleich ins Bett und schlief mehr oder weniger gut bis 20.30 Uhr durch, als mein Wecker ging.
Ich duschte (herrrrrrrlich!), packte meinen Rucksack zusammen, checkte aus (die Rezeptionistin war etwas überrascht, dass ich um 21 Uhr auschecken wollte …) und lief wieder zu meiner Metrostation. Es ging wieder eine halbe Stunde zurück zum Flughafen, dort ging es in die Sprengstoffkontrolle (immer ein paar Leute werden gesammelt, allen wird am Körper und am Gepäck was abgestrichen, dann muss man kurz warten, und wenn alles gut ist, dürfen alle weiter …). Ausreise und Sicherheitskontrolle waren problemlos, mit der Bahn ging es zum Satelliten und jetzt sitze ich hier am Gate - gleich wird geboardet …
Das war ein wunderbarer Tagestrip in Shanghai mit gutem Essen, einem wunderbaren Hotel, sehr angenehmen Metrofahrten. Dieses Herumgerotze auf der Straße gibt es fast nicht mehr, Masken tragen auch nicht mehr viele Menschen, mit Englisch kommt man einigermaßen weit (mein Chinesisch ist ja wirklich nicht gut, war es nie, und es ist noch schlechter geworden, bis auf xiexie - danke - kriege ich nicht viel vernünftig hin …), das gefällt mir hier, gerade weil es sich - trotz der Andersartigkeit im Detail - gar nicht mehr so brutal anders anfühlt. Das mag daran liegen, dass ich mehr von der Welt gesehen habe seit 2001, aber ich meine auch, dass gerade Shanghai wirklich westlicher geworden ist … Schön hier, und wenn sie jetzt irgendwann das Internet nicht mehr so zensieren, wird es noch besser!
Impressionen aus Shanghai - Auckland kommt gleich ...
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| Frühlingsfest |
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| Altstadt |
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| ... mit vielen Menschen |
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| Zickzackbrücke |
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| Tor zu den Yuyuan-Gärten |
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| Noch mehr Menschen! |
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| Sehr viele Menschen |
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| Schöner Park mit Blick auf die Hochhäuser |
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| Xiaolongbao |
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| Spare Ribs |
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| Bier |
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| Kirche |
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| Kolonialgebäude |
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| Bund |














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