Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Dienstag, 5. Mai 2026

Ich hatte eigentlich einen Plan

... für heute, aber dadurch, dass ich gestern so riesigen Spaß hatte, dass ich das in einem Absatz dreimal (!!!) geschrieben habe, war ich heute Morgen nicht so gaaaaaanz wunderbar herausragend megafit ...

Von "Ausschlafen" würde ich jetzt nicht reden, aber ich quälte mich erst um kurz nach 8 Uhr aus dem Bett und belebte meine müden Lebensgeister mit einer schönen Dusche. Das Wasser, das ich noch hatte, schmeckte so überhaupt gar nicht, und außerdem war es Wasser, ich brauchte jetzt dringend etwas mit Geschmack, und am besten ein ordentliches Frühstück dazu.

Ich guckte in Google Maps rein und sah wenige Gehminuten von meinem doch recht abgelegenen Hotel entfernt ein sehr gut bewertetes Café. Ich zog mich an und marschierte dort hin.

Dass so ein wunderbares Teil hier mitten im Wohngebiet steht, hätte ich wirklich nicht erwartet! Das sah nicht nur gut aus, die hatten auch (ohne dass man nach dem Passwort überhaupt nur fragen musste) superschnelles Internet, und das Big Breakfast, das ich bestellte, war auch lecker, wenn ich auch nicht so richtig wusste, wozu die Majo gehören sollte ... Ich futterte mich durch Spiegelei, Wurst, Bacon, Toast, Bohnen und Bananen durch und trank dazu Cola. Danach ging es mir besser.

Ich war schon vor dem Frühstück mit einem, wie sich herausstellte, Italo-Tongaer ins Gespräch gekommen, der ebenfalls ein gesundes Frühstück mit Fanta einnahm, und wir redeten (wieder einmal) über Gott und die Welt, vor allem aber über Tonga. Irgendwann kamen Freunde von ihm, unter anderem ein ehemaliger Präsident des tongaischen Rugbyverbandes (wobei gefühlt jeder hier ein Freund von Havea, so heißt der Kerl, ist), der zum Einstieg als Antwort auf meine Aussage, dass ich aus Deutschland käme, erstmal meinte, dass ich dafür ja auch nix könne ... Hihi. So wunderbar (wirklich!) lustig ging das mit den dreien weiter, ich verhandelte kurzzeitig per WhatsApp mit den Taxifahrern von gestern, was eine Fahrt zu den kulturellen Stätten im Osten der Insel kosten würden, die 170 Pa'anga (ca. 60 Euro) kamen mir irgendwie ein bisschen wenig vor, weil die gestern von mindestens 200, eher mehr, gesprochen hatten, und irgendwie war ich jetzt nicht so ganz sicher, ob sich das lohnen würde. Der eigentliche Plan war ja gewesen, das Ganze mit dem Bus zu absolvieren, aber dieser Zug, äh, Bus war nun abgefahren - hin wäre ich wahrscheinlich auch noch am späteren Vormittag gekommen, aber zurück wäre es wohl schwierig geworden.

Jetzt war ich auch schon ein bisschen mit den drei Jungs versackt (naja, "Jungs" ist übertrieben, Havea wird 50 dieses Jahr, und der Ex-Präsident war noch älter - glaube ich), sodass ich mich auf einen geruhsamen Tag einstellte, vielleicht mit einem kleinen Spaziergang in die Stadt und (unvernünftigerweise!) dem Karoake-Abend im Billfish. (Übrigens war allen dreien, als die Rede vom hangover aufkam, völlig klar, dass ich im Billfish versackt sein müsse. Bo, die Besitzerin, soll auch irgendwie mit der Besitzerin des WLAN-losen Restaurants verwandt sein, so unterschiedlich können Menschen aus einer Familie sein ...)

Ich hatte meine Coladosen reingebracht und wollte mich gerade verabschieden, als Havea meinte, dass er sowieso irgendwie über die Insel fahren müsse zu seinem quarry (ich kannte das Wort tatsächlich nicht, es handelt sich um einen Steinbruch), da könne er mich auch mitnehmen und mir die Insel zeigen.

Das ließ ich mir nun nicht entgehen, und das war eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre. Vorab: Es war absolut großartig, ich habe soooo viel über Tonga erfahren, ich habe all das gesehen, was ich von einem Taxifahrer hätte haben wollen, und ich habe unfassbar viel gelacht, das war soooo schön (und gleich gehen wir womöglich nochmal aus, ich konnte mich noch nicht erkenntlich zeigen, die 200 Pa'anga, 80 Euro, die ich fürs Taxi einkalkuliert hatte, werden definitiv in die Kolonne geworfen, siehe aber unten). Und nein, ich hatte nullkommanull das Gefühl, dass das in einer Bangladesch-Situation enden könnte; wenn das heute Abend nicht noch komplett schiefgeht, hat mein Gefühl auch da nicht getrogen.

Wir waren kaum losgefahren, noch in Nuku'alofa und gerade an der britischen und neuseeländischen Hochkommission vorbeigefahren, als Havea mir sagte, dass hier irgendwo auch die deutsche Botschaft sein muss. Sprach's, und wir fuhren am Honorarkonsulat vorbei. Ich fragte, ob wir kurz anhalten könnten, konnten wir, und so ist wieder einmal ein wunderbares Grinsekatzebild unter dem Gummiadler entstanden. (Und hier wurde ich nicht fast verhaftet!)

Nun ging es, vorbei an äußerst fruchtbaren Äckern und Urwald, in Richtung Südküste. Da zeigte Havea mir zuerst einen (großen) Brandungsschlot und dann (von oben) einen wunderbaren Strand, an den man aber nur mit einem Fußmarsch bergab kommt; dafür ist da halt kein Mensch. Wobei, heute war an keinem Strand, an dem wir waren, überhaupt jemand ...

Wir fuhren in Richtung Südosten, kamen zum (ich vermute) Fua'amtu-Strand, und wenn das Wetter besser gewesen wäre (heute war es wieder bewölkt und zudem sehr windig), wäre hier sicherlich ein Südsee-Traumstrand, wie er im Buche steht, zu beschreiben gewesen; so war er nur sehr, sehr schön! (Das fanden die Trauernden offenbar auch, die hier an diesem wunderschönen Fleckchen Erde einen Friedhof aufgemacht haben. Havea erzählte, dass die Familien oft einmal an den Gräbern säßen und dort zusammen grillen [!] würden; ich interpretierte das so, dass man sich da halt den verstorbenen Angehörigen nahe fühle ...)

Wir sprachen über seine und meine Familie, seine Lebensgeschichte (und auch darüber, dass er als "Mischlingskind" einer Tongaerin und eines Europäers durchaus keine gänzlich unproblematische Kindheit hatte), ganz sachte über Korruption und verschwundene Sitten, es war total spannend, seine Analysen als Tongaer mit langer Auslandserfahrung zu hören über dieses Land, auch darüber, dass man hier zur Arbeit auftauche oder aber eben nicht (im Steinbruch war nur einer von zwei Baggern besetzt, und natürlich hatte er selbst offenbar heute auch nicht so wahnsinnig viel zu tun, sodass er dem Ausländer sein Land zeigen konnte), es war sehr, sehr interessant - und sooo lustig ...

Ich wagte kaum zu hoffen, dass wir noch die ganze Ostküste mitnehmen würden, über die ich mit dem Taxifahrer verhandelt hatte, aber genauso kam es: Wir bogen (wie immer für mich relativ plötzlich) ab und standen am Zugang zur Anahulu-Höhle. Hier musste ich 20 Pa'anga, etwa 7 Euro, Eintritt abdrücken, hatte dann aber die unglaubliche Höhle für mich allein - unglaublich! Ich rannte mir zu meiner großen Überraschung beim ziemlich tiefen Einlass nicht die Birne an, bekam dann aber den Mund auch nicht mehr zu, vor lauter Stalaktiten, die da - nicht richtig üppig beleuchtet, ich musste ab und zu meine Handy-Taschenlampe zur Hilfe nehmen, um den Weg etwas auszuleuchten - aus der Decke ragten. In dem kleinen Pool am Ende der Höhle kann (und darf) man anscheinend sogar schwimmen, nur hatte ich heute natürlich keine Badehose dabei, weil das alles so spontan kam; aber damit hätte ich heute sowieso nicht gerechnet.

Havea war ein wenig erstaunt und schmunzelte, weil ich schon nach 20 Minuten wieder da war; entweder habe ich was verpasst oder er hat mich ein bisschen veräppelt. Zuzutrauen wäre ihm Letzteres auf alle Fälle ...

Weiter ging es zum "Stonehenge des Südpazifik", dem Ha'amonga 'a Maui. Das ist ein Trilith, also ein aus drei Steinen bestehender Bogen, der wohl um das Jahr 1200 gebaut wurde; in der Nähe steht auch der Maka Fa'akinanga. An diesem Stein soll der Herrscher gestanden (oder auf diesem gegessen?) und sich aus Sorge um Attentate die Untertanen in schöner Entfernung vom Leib gehalten haben - joa. Alles in allem wäre ich, glaube ich, ein wenig enttäuscht gewesen, wenn ich dafür die Taxikosten ausgegeben hätte, weil das soooooo atemberaubend - ähnlich wie in Stonehenge - nun auch wieder nicht ist.

Auch die antiken Königsgräber (wenn das denn so stimmt) in Mu'a, sogenannte langi, haben wir gesehen, darunter das anscheinend größte namens Paepae o Tele'a. Auch da erkennt man - außer der durchaus anerkennenswerten Monumentalität - als Laie nicht sooo wahnsinnig viel, auch wenn diese Anlagen bald womöglich zum Weltkulturerbe zählen könnten.

Jetzt war es schon 14.30 Uhr, sodass wir zurück nach Nuku'alofa fuhren; um 15 Uhr schmiss Havea mich an meinem Apartment raus - es regnete jetzt kurzzeitig richtig heftig, überhaupt ist es hier heute sehr windig -, nachdem ich vorgeschlagen hatte, dass wir uns heute Abend noch einmal treffen, allein schon, damit ich mein tongaisches Geld los werde.

Ich muss noch meinen Transfer morgen organisieren (der Besitzer meines Hotels ist natürlich auch ein Freund von Havea, aber geschäftlich will er mit dem eher nix zu tun haben, erzählte er mir während der Fahrt ...), aber das wird schon werden; eingecheckt habe ich auch schon, die Kommunikation mit der Mietwagenfirma läuft ziemlich gut, und morgen komme ich dann also in mein 170. Land, wenn alles gutgeht.

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So, jetzt habe ich das auch mit dem Transfer geklärt, das passt morgen ...

Zwischenzeitlich habe ich versucht, eine Abendessen-"Kantine" in der Nähe zu finden, aber dafür war ich entweder zu doof oder die Google-Maps-Karte war falsch; mir sind gefühlt 20 Hunde nachgelaufen, einer hat mich sogar berührt (nix Schlimmes!), aber die bellen dann immer so laut - ich will doch gar nicht von euch! (Und die Straßenbeleuchtung ist hier auch nicht so gut, ich hatte dann wieder das Handy mit Taschenlampe im Anschlag ...)

Havea hat mir jetzt für den Abend abgesagt, der hatte genug vom Einholen der Boote bei dem mittelprächtigen Sturm, der hier gerade über die Insel weht, aber dann habe ich mal den ersten Tag der Reise ohne Alkohol, das wird auch nicht schaden. (Und ich habe gerade so ein australisches Ingwer-"Bier" getrunken; das hatte ich mit Uli schon immer verzehrt, das ist echt lecker!)

Es ist nur ein bisschen schade, dass ich mich nicht so richtig erkenntlich zeigen kann nach diesem tollen Tag heute, aber vielleicht komme ich ja mal wieder nach Tonga (mit dir, Ma?), und dann quatsche ich ihn auch wieder an ... (Apropos, Ma: Auch Havea hat mir Palau empfohlen ... Und von den Cookinseln schwärmen sie hier alle - ich bin sehr gespannt!) In jedem Fall also: Malo, Havea, vielen, vielen Dank!

Jetzt chatte ich ausführlich mit der künstlichen Intelligenz und hole mir dessen 85%-Antworten für Fragen zu den künftigen Tagen ab; das passt inzwischen meistens deutlich besser als noch vor zwei Jahren, aber hundertprozentig trauen werde ich dem Ding so bald nicht.

Achso, man spricht Tonga nicht - wie ich es bisher gemacht habe - "Ton(g)-ga" aus, sondern das ng wie in "länger"; irgendetwas war anders, wenn ich den Leuten hier zuhörte, aber ich konnte das erst heute Morgen identifizieren. Jetzt hab ich's und werde das auch so weitertragen ... 

Fotos dieses wunderbaren Tages - leider habe ich keins von Havea gemacht ...

Versteckter Strand im Süden

Da musste die Grinsekatze sich natürlich hinstellen und Foto machen

Anahulu-Höhle

Dringend benötigtes Frühstück

Unterwegs in Tonga

Meeresloch

Nochmal Höhle

... und nochmal!

"Stonehenge des Südpazifik"

Blick auf den alten Königsthron
Königsgräber

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