… habe ich theoretisch irgendwann mal, sollte man meinen; trotzdem stand ich heute Abend an der Stelle (und vor allem auf der Straßenseite), an der der Gegen-Uhrzeigersinn-Bus mich rausgeschmissen hatte, und wartete dort auf den Im-Uhrzeigersinn-Bus. Der kam auch angerauscht, aber eben von der anderen Straßenseite. Ich Trottel nahm also die Beine in die Hand und erwischte den Bus gerade noch; ich vermute, ich war nicht der erste Vollidiot, dem das passiert ist, denn der Fahrer tat so, als ob nichts gewesen wäre, obwohl er extra noch ein, zwei Sekunden auf mich warten musste ... Grandios, wirklich!
Nunja, der zweite Eindruck von den Cookinseln, oder vielmehr von Rarotonga, der Hauptinsel hier, war jetzt nicht soooo schlecht wie der erste Eindruck gestern. Natürlich war ich sehr früh wach, obwohl ich erst spät ins Bett gekommen war, natürlich musste ich unbedingt raus und so latschte ich im Schlafanzug aus meiner "Villa" und ging ans Meer. Joa, schon au schön, hätte ein früherer Bundestrainer gesagt. Der Strand ist wunderschön, wenn auch mit Felsen überzogen, und das Wasser sah sehr, sehr flach aus - ich habe eine Luftaufnahme gesehen, und anscheinend ist beim Nord(ost)teil der Insel das Riff relativ nah am Land gelegen, sodass es zwischen Riff und Land keine schöne Badezone gibt. Dementsprechend habe ich mich hier auch nicht ins mehr oder weniger kühle Nass getraut.
Erst einmal duschte ich aber und lief dann in Richtung Bus, als ich meinen Vermietern in die Arme lief. Das US-amerikanische Pärchen hatte zuletzt in den USA auf Maui gelebt, ist inzwischen um die 80 und überspielte meinen (dezenten) Hinweis auf die ausbleibenden E-Mail-Antworten einfach. Soso ... Böse Menschen scheinen mir das aber nicht zu sein, und so hielten wir ein wenig Smalltalk. Dann wollte ich aber auf den Bus.
Der Hinweis von meiner Vermieterin, dass die Busse aufgrund der Benzinpreise aktuell kostenfrei wären, stimmt so nur für die Cookinsulaner selbst; die Touristen kriegen zwar nur eine Ermäßigung, aber die änderte mein Kalkül deutlich: Der Preis einer Tageskarte blieb bei 20 Dollar (10 Euro), aber die Zehn-Fahrten-Karte kostet nur noch 25 statt 35 Dollar - und damit entschied ich mich erst einmal für die Zehn-Fahrten-Karte.
Der Bus kam verspätet, ich stieg ein, zahlte und fuhr dann ganz gemütlich die halbe Stunde mit um die Insel, drei Viertel des volles Weges. Das Innere der Insel ist richtiggehend bergig (und unglaublich grün), die Ringstraße ist auch unglaublich grün, und im Vergleich zu Tonga oder Vanuatu ist das hier total touristisch - überall Hotels und Ferienwohnungen, Autovermietungen, kleine Restaurants, schon schick, aber das geht halt nur dank des (wunderbaren und ausreichend leistungsfähigen) Bussystems, das hier werktags im und gegen den Uhrzeigersinn stündlich die Insel umrundet (auch wenn der Gegen-Uhrzeigersinn-Bus schon am späten Nachmittag seinen Dienst einstellt).
Ich kam - ich hatte den Bus so gegen 9.20 Uhr genommen - um kurz vor 10 Uhr in Avarua an und wanderte erst einmal ein bisschen durch die Geschäfte. Die Cookinseln haben 15.000 Einwohner, Avarua 5.000, aber dafür gibt es hier richtig viele Geschäfte. Ich wanderte erst zur von Havea empfohlenen Kneipe, die war aber noch nicht auf, dann googelte ich nochmal, stutzte, schaute auf und sah da vis-à-vis an dem Haus einen Gummiadler kleben - ich hatte das deutsche Honorarkonsulat entdeckt. Juchhe! Das ließ ich mir natürlich nicht nehmen und stiefelte dorthin. Ich machte wieder Grinsekatze-Selfies und auch ein Dokumentationsbild, dann hatte ich aber Hunger und lief ans andere Ende der Strandpromenade zu einer Ansammlung von kleinen Imbissständen.
Dort hatte ich mir über Google einen ausgesucht, ich hatte die Wahl zwischen (u.a.) Ika Mata (dem in Zitronensaft gegarten Fisch) oder Thunfisch-Sashimi oder einer Kombination aus beiden. Letzteres kostete 11 Euro, wurde bestellt und verzehrt - ganz hervorragend, ganz fantastisch! In dem Moment war ich mir sicher, dass, wenn das Essen so gut bleibt, die Cookinseln und ich vielleicht doch noch Freunde werden könnten ...
Ich guckte mir noch das Gelände eines Marktplatzes an, der am Samstag ganz toll sein muss - leider sitze ich am Cookinseln-Samstag schon in Shanghai in der Metro, aber dafür gibt es morgen - relativ in der Nähe meiner Bude - einen Nachtmarkt - und den werde ich unsicher machen!
Ich lief wieder zurück in Richtung "Busbahnhof", die von Havea empfohlene Kneipe war jetzt auf, und ich musste doch dieses Cookinseln-Bier probieren, das - wie ich später herausfand - nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird. Jo, drei Bier später lief ich da wieder raus, nachdem ich den Blick aufs Meer sehr genossen hatte.
Ich erreichte den Bus um 13.30 Uhr (gegen den Uhrzeigersinn) und hatte mich ausgekäst, an welchen Strand ich denn einmal zum Schwimmen gehen wollte. Die Wahl fiel auf den Titikaveka Beach, und da sollte es eine schöne Kneipe geben.
Im Bus wurden allerlei Witzchen gerissen; der Fahrer war gut drauf, die Fahrgäste auch, ich lief auch da erst in die falsche Richtung, merkte das aber schnell und landete bei Charlie's on the beach ... (Spoiler: Hier blieb ich fünf Stunden.)
Ich bekam den Hinweis, dass ich Essen jetzt gleich bestellen solle, die Küche schließe; ich wollte aber gar nix zu essen, aber auch nicht mit Bier weitermachen, also trank ich Nu und bekam eine Kokosnuss mit einem Glas darunter (damit die Kokosnuss nicht wegrollt). Damit marschierte ich die paar Schritte runter an den Strand - und genoss den Blick und auch den Nachmittag. Der Blick auf dieses Türkis der Lagune, der wunderbare Strand mit der Palme, die wie gemalt ins Bild ragte, das war schon richtig, richtig schön. Nach der zweiten oder dritten Kokosnuss zog ich mir dann aber mal die Turnschuhe aus und lief barfuß ein paar Schritte in Richtung einer Sandback (im Uhrzeigersinn …). Unterwegs stieg ich von Jeans-Shorts auf Badehose um, packte meine sieben Sachen in meinen Rucksack und ging ins Wasser (hier auf den Cookinseln kannste dein Zeug liegen lassen, da kommt nix weg …).
Das Wasser war tiefer als gedacht, es war wunderbar, es war jetzt schon 15 Uhr und nicht mehr die üble Sonnenbrandgefahr - es war sehr, sehr schön, das muss ich schon sagen.
Nach der dritten Kokosnuss chattete ich mit der KI von Google (man sieht, ich führe hier im Urlaub einige Feldversuche durch) und die empfahl mir, keine weitere Kokosnuss zu trinken. Auf meine Frage, ob ich dann auf Bier umsteigen sollte, bekam ich ein vorsichtiges, aber eindeutiges Ja. Jo, und dann folgte ich der KI (da konnte sie nicht falschgelegen haben, höhö). Als es auf den Sonnenuntergang zuging, überlegte ich noch, ob ich nochmal in die Stadt fahre oder ob ich hierbleiben sollte. Ich entschied mich für Letzteres, bestellte mir dann um 17 Uhr das Fischsandwich, das hier beim Charlie angeblich ganz großartig sein sollte - jo, und bekam dann für zehn Euro zwei riesige panierte Fischfilets (Google und ich einigten uns darauf, dass das ein Wahoo gewesen sein müsse - das war kein Jubelschrei, so heißt der Fisch) in einem Brötchen, und als ich das verspeist hatte, war ich a) satt und b) mit den Cookinseln schon ziemlich endgültig versöhnt.
Ich schaute auf der Tracking-App, die ich mir heruntergeladen hatte, nach, wo der Bus war, weil der jetzt schon ein bisschen in Verzug geraten war, entschied mich dagegen, einen der Strandhunde da unten zu streichen, der mich da schon den ganzen Tag liebevoll angegrinst hatte (der russische Junge knuddelte den Wauz richtiggehend, das war schön zu sehen), sondern ging schonmal hoch und verließ dann die Bar, als der Bus im Anmarsch war.
Jo, als ich dann eingestiegen war (s.o.), ging es durch die dunkle Nacht zurück nach Avarua (abends fährt ja nur der Im-Uhrzeigersinn-Bus, sodass ich den langen Weg wählen musste) und dort - ohne erneutes Zahlen - bis zu meiner Bude. Für meinen Vordermann ging es noch ein bisschen weiter, der war nämlich auch beim Charlie gewesen, hatte aber seine Tasche vergessen und musste noch einmal eine Runde drehen. Der Fahrer sagte ihm aber sofort, dass er beim Charlie auf ihn warten würde, bis er die Tasche wieder habe - so läuft das hier auf den Cooks. (Achso, bei dem Hotel, wo der Typ aussteigen wollte, weht neben etlichen anderen auch die Bundesflagge - sehr löblich!)
Jetzt bin ich hier in meiner Bude, es ist 21.18 Uhr. Morgen will ich gerne schnorcheln gehen, aber das sollte wegen Flut und UV-Einstrahlung wohl doch erst am Nachmittag sein; und um 17 Uhr will ich ja pünktlich am Nachtmarkt sein, damit die ganzen guten Sachen noch da sind. Schauen wir mal, wie wir das angestellt kriegen, aber erstmal versuche ich morgen wirklich auszuschlafen.
Das passt schon hier, das wird die Leserin und der Leser hoffentlich gemerkt haben; ich habe heute jedenfalls nicht geschaut, ob ich vielleicht doch schon heute wieder zurückfliegen kann, aber die drei Tage hier sind ja doch eher kurz …
Achso: Das habe ich gestern vergessen, passt aber heute immer noch, denn heute habe ich es noch ein paar Meter weiter östlich geschafft - ich habe hier mit 159° 44' westlicher Länge (also schon wieder auf der Westhalbkugel) den östlichsten Punkt meines Lebens erreicht. Möglicherweise wird das noch einmal ein paar Meter weiter, wenn ich beim Schnorcheln noch auf eine der kleinen Inseln rüberkomme, aber das gucken wir dann mal.
Auch von morgen werde ich berichten (inschallah), und bis dahin gibt es viele Fotos zu bewundern. Die lade ich aber erst im Nachgang hoch, im Moment greifen wohl zu viele in den Resorts aufs Internet zu, sodass sich alles knubbelt.
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