Reisen über die Datumsgrenzen führen zu ganz neuartigen Verrenkungen in der deutschen Grammatik, aber es ist halt korrekt so … Hier ist es jetzt (wieder) Sonntag Abend, es ist kurz vor Mitternacht und ich habe 22 Stunden verloren (oder gewonnen, da weiß ich nie, wie herum man das "richtig" sagt, weil alle anderen immer andersherum denken als ich …). Jedenfalls ist es jetzt bei mir, wenn es in Deutschland 18 Uhr ist, 6 Uhr des gleichen Tages (in Neuseeland wäre es 4 Uhr des nächsten Tages) - wir gewöhnen uns alle daran, und in drei Tagen ist es schon wieder anders.
Der erste Eindruck der Cookinseln, das muss ich schon sagen, war bescheiden. Die Einreise dauerte ewig und war - gerade für eine vermeintliche Tourismushochburg - übertrieben penibel mit Vorzeigen des Weiterreisetickets und der Unterkunftsbestätigung. Ich musste sogar nachweisen, dass ich diese Einreisegenehmigung für Neuseeland habe, obwohl ich gerade von da gekommen war (und die Grenzer wissen dürfen, dass Deutsche in Neuseeland visumfrei einreisen dürfen). Das führte in Verbindung damit, dass zwei Flieger gleichzeitig aus Auckland angekommen waren, natürlich dazu, dass wir ewig in der Schlange standen - das war in Tonga deutlich erträglicher, in Vanuatu auch, selbst auf den Salomomen ging das zügiger und in Neuseeland sowieso. Jo, die Einreise ist jedenfalls schonmal kein Pluspunkt für die Cookinseln.
Damit das hier aber jetzt maximal verwirrend wird, fangen wir am besten heute Morgen an: Ich habe zwar nicht wirklich ausgeschlafen und war um 7 Uhr wach, aber es war trotzdem ganz schön, in Auckland nicht sofort irgendwohin sprinten zu müssen. Ich duschte in aller Ruhe und ging dann runter, um mal zu gucken, was das Frühstücksbüffet für 17 Euro konnte - die Antwort ist, und das wird in dem Hotel niemanden überraschen: eine ganze Menge. Ich wollte viel mehr ausprobieren, aber konnte irgendwann nicht mehr, nachdem ich mich durch Rührei mit Speck, Würstchen, roten Bohnen und Toast, Schakschuka, Gyoza, Quiche (jeweils natürlich nur Versucherle!), Früchte, Quarkteilchen, Joghurt und eine leckere Süßspeise gefuttert hatte - da brauchte ich bis heute Abend wirklich nichts mehr essen … (Das mit dem Frühstück mache ich wieder, ich komme ja nochmal in das Hotel, diesmal für zwei Nächte vor dem Rückflug.)
Danach ging ich noch einmal aufs Zimmer und checkte dann um kurz vor 11 Uhr aus, um mit dem Shuttle um 11.15 Uhr zum Flughafen zu fahren. Der war um kurz nach halb zwölf am Flughafen, ich spazierte zum Check-in, konnte noch nicht einchecken (erst drei Stunden vorher), setzte mich noch einmal auf eine Bank, checkte dann am Automaten ein (alles ganz unproblematisch) und ging schon sehr früh durch die gähnend leere Ausreise- und die ziemlich leere Sicherheitskontrolle. So leer war die Sicherheitskontrolle, dass sie ganz genau checkten, aber obwohl mein Rucksack ausgesondert wurde, wurde er nach der zweiten Ansicht doch gleich durchwunken, ohne dass ich etwas auspacken musste …
Ich setzte mich gleich ans Gate und kaufte dort schon einmal meine eSIM für die Cookinseln (alles schien geklappt zu haben, hier auf den Cookinseln ging aber nix, weil ich die erst hätte aktivieren müssen - joa, zeigte aber natürlich schon Netz und alles Mögliche an …). Wir boardeten leicht verspätet und kamen auch mit zwanzig Minuten Verspätung oder so weg (das war schon vorher angekündigt worden), ich saß neben einem tschechischen Pärchen, ich verfolgte den Flug recht intensiv (verpasste aber sowohl die Überquerung des 180. Längengrades als auch des 172,5-ten Längengrades, der hier regelmäßig als "Datumsgrenze" gezogen wird; die Datumsgrenze ist natürlich nicht wirklich nach geografischen Koordinaten gezogen, sondern wird implizit von den Ländern durch Bestimmung ihrer Zeitzone bestimmt, aber 172° 30' W scheint zwischen Neuseeland und Niue/den Cookinseln üblich zu sein), und um 21.18 Uhr am Sonntag (9.18 Uhr am Montag in Deutschland) landeten wir.
Ich hätte nie gedacht, dass der Zoll/die Biosecurity mal vernünftiger ist als die Grenzer, aber hier auf den Cookinseln ist es so, denn nach den komischen Grenzern und dem Aufsammeln meines Koffers (der kam natürlich an, obwohl ich die Banderole höchstselbst drumgefummelt hatte …) kam ich ungeschoren durch den Zoll.
Ich hatte die gaaanz leise Hoffnung, dass meine Unterkunft gemerkt hätte, was sie für Mist gebaut hat, und mir einen Fahrer geschickt hätte; dem war aber nicht so … Die Auswahl an Taxis war auch begrenzt (zwei), aber ich lief glücklicherweise einem Taxifahrer in die Arme, der zehn Zentimeter höher, aber sonst so gebaut war wie ich, und der mich unter seine Fittiche nahm: Er müsse zwar noch auf zwei Leute warten, die ein Taxi vorbestellt hätten, aber mit denen könne er mich mitnehmen, und die beiden Chinesen und die Dreiergruppe da hinten auch noch.
Ich glaube, das war den Vorbestellern am Ende nicht so recht, aber so machte der Typ halt mit vier Parteien statt einer einen Umsatz von 100 statt 25 Neuseeland-Dollar - cleveres Kerlchen, und mir war's recht.
Nach 15, 20 Minuten Fahrt kamen wir an meine Unterkunft, und der Fahrer half mir sogar noch, meine Bude zu finden; ich scheine nicht der Erste zu sein, der ziemlich verloren in dieses Ding hier reinstolpert. Wenigstens stand an meiner Villa in der zweiten Reihe mit seitlichem Meerblick mein Name, da war ich schonmal einigermaßen beruhigt, dass zumindest die Buchung angekommen war. Wieso keine alte Sau auf meine Anfragen reagiert hat, erschließt sich mir aber weiterhin nicht.
Meine Villa hat zwei Badezimmer, davon eins mit einer Dusche mit abnehmbaren Duschkopf (diese werde ich nutzen, auch wenn ich im anderen Bad auf Toilette gehe, weil das an mein Schlafzimmer anschließt), Ventilatoren sind auch zwei vorhanden, ich hoffe, das gefällt mir hier - ich war auch kurz am Meer, das hörte sich jedenfalls ganz gut an. Mal sehen, wie das hier morgen früh aussieht. (Achso, und das WLAN kostet auch extra, da versuche ich jetzt erstmal mit meinen 10 GB klarzukommen, die in meinem Datenpaket drin sind - nix gibt's mit Bingewatching von Serien, höhö ...)
Ich hatte auf der Anfahrt eine Tankstelle gesehen, die noch offen war, und die 150 Meter dorthin lief ich. Ich kaufte Wasser, Chips (Nervennahrung brauchte ich jetzt doch ...) und so'n Ingwer-Bier ein. Richtiges Bier hätte ich auch gekauft, aber hier darf am Sonntag (und es ist ja noch Sonntag) kein Bier verkauft werden ... Jo, da ist auch so richtig eine Metallstange vor den Kühlschränken mit dem Bier drin!
Danach lief ich - mit meiner Mutter telefonierend, das Datennetz funktionierte jetzt dank der Intervention der Damen an dem Verkaufsstand in der Ankunftshalle - zurück in meine Bude und fing an, mich so gaaaanz langsam mit diesem meinem 172. Land zu versöhnen.
Es ist jetzt gerade Mitternacht vorbei, ich werde noch das Nötigste an meinen Statistiken aktualisieren, aber dann gehe ich auch ins Bett und werde morgen sowieso nicht abwarten können, mir den Strand anzugucken ... In dieser Villa gibt es zwar Sonnencreme (das ist gut, meine geht bald aus, ebenso wie die Zahnpasta), aber kein Shampoo und keine Zahnpasta (das ist alles in meiner Tasche, von der ich immer noch nicht genau weiß, wo sie ist ...), da werde ich morgen (jetzt: heute) nach dem Strandgucken gleich mal in die Tankstelle zum Einkaufen gehen, und ab 9 Uhr darf ich auch Bier für den Sundowner einkaufen ...
Also, Land Nr. 172 ist geschossen, Begeisterung sieht erst einmal anders aus, aber erfahrungsgemäß kommen so Länder und ich dann auch irgendwann doch gut miteinander aus ...
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| Bier gibt's hier am Sonntag keines |
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| Abendrot unterwegs |
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| Flughafen Auckland vom Flieger aus |



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