Der Flug war nicht so richtig fantastisch, der B-Sitz ist einfach Mist. Wenigstens wollte mein A-Mensch nicht ständig raus (genauer gesagt: gar nicht), und beim Schlafen haben wir uns gegenseitig geboxt, A, B und C, aber das lässt sich halt nicht vermeiden. Jedenfalls habe ich nicht viel geschlafen, aber dafür viel Musik gehört und den Flug über die Mongolei, Russland und Estland verfolgt. Nach dem Start um 0.26 Uhr chinesischer Zeit landeten wir um 5.32 Uhr in Frankfurt und mussten dort erst einmal lange Wege gehen bis zur Einreisekontrolle; ich reiste mit Personalausweis ein, das wollte ich mal wieder ausprobieren ...
Am Gepäck stand ich ewig, weil die Anlage noch nicht gut austariert ist: Dass mit der Lichtschranke geprüft wird, ob das Band frei ist, ist ja gut und schön, aber wenn da trotz großer Lücken nur ein Koffer reingeschossen wird, staut sich das dann irgendwann total. Ich schob die Koffer ein bisschen ineinander, ein Mann verstand wenigstens, was ich vorhatte, das ist mehr als normal; irgendwann nach langer, langer Zeit kam mein Koffer dann endlich, den Zoll überstand ich, den früheren Zug verpasste ich, weil nicht einmal mehr auf die Verspätung der Bahn Verlass ist, aber so konnte ich vom Flughafen bis Freiburg durchfahren.
In Neustadt holte meine Ma mich ab, und zu Hause stieg ich erstmal unter die Dusche. Herrlich!
Jetzt sitze ich schon wieder im Zug nach Freiburg, und diesen Blogeintrag werde ich wahrscheinlich erst im ICE nach Essen vollenden, denn ich habe einigermaßen vor, das Fazit heute schon zu schreiben. Falls irgendwann aber nur noch Zeichensalat erscheint, bin ich auf der Tastatur eingeschlafen ...
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Joa, Fazit: Das war eine absolut runde Reise, das muss ich sagen, da ist nur sehr wenig schiefgegangen und sehr viel gutgegangen, ich habe wahnsinnig viel gesehen, viel (zu viel) gegessen, tolle und interessante Menschen kennengelernt, kurzum: Es war eine großartige Reise.
Shanghai habe ich von einer ganz anderen Seite kennengelernt als bei der Studienreise 2001 und auch 2016, als ich mich übers Ohr hauen ließ. Ich habe diesmal sehr viel zielstrebiger auch die Kulinarik aufgesucht (zielstrebiger, nicht zwingend zielstrebig) und habe mich auf ein, zwei Sachen konzentriert anstatt wie ich ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend zu rasen; das lag sicherlich auch daran, dass ich nach den Nachtflügen hundemüde war und mir jeweils ein Zimmer genommen hatte, das ich dann auch nutzen wollte. Insgesamt ist China natürlich noch immer oder immer weiter anders als der Westen, das fängt mit der Zensur an und hört natürlich mit den ganz anderen Apps (Stadtplan, Chats, Bezahlung) nicht auf; andererseits merkt man aber auch und gerade in Shanghai, dass der Westen eine große Anziehungskraft ausübt, wenn ich mir so die Boutiquen in der French Concession so anschaue. Gerade diese French Concession gestern (gestern!) hat mich echt beeindruckt, das hatte ich so von Shanghai nicht erwartet. Also, Shanghai bleibt immer wieder mal ein Reiseziel, und wenn ich wieder mal so einen günstigen Flug nach Ozeanien schieße, gehe ich wieder aus dem Flughafen raus und gucke mir die Stadt an.
Auckland war meine Basis, und als Erstes muss ich das Flughafenhotel loben: Das mit dem Shuttle klappte hervorragend, der war auch pünktlich und verlässlich; aber auch das Hotel selbst ist wunderbar, natürlich, das ist und bleibt ein Flughafenhotel, aber bietet damit eben auch viele Annehmlichkeiten. Die Bierpreise sind grausam, aber das ist halt Neuseeland, und ansonsten waren die echt alle superfreundlich, auch mit meinen Verwahrungs- und Gepäckempfangswünschen. "Superfreundlich" gilt auch für ganz Auckland - selbst in der Großstadt dankt man beim Rausgehen dem Busfahrer, und dafür wartet der auch mal oder erklärt dem Touristen den Weg, wunderbar.
Auckland und das "Umland", auch das mit Fähren zu erreichende, ist großartig, gar keine Frage. Fähre fahre ich ja besonders gerne, und das geht hier wunderbar. Die Ausfahrten nach Hobsonville und ganz besonders nach Waiheke waren ganz großartig, auch wenn ich mich da - ähnlich wie in Shanghai - überfressen habe ... Das waren in Auckland wieder sehr schöne Tage.
So, Tonga, da habe ich jetzt lange genug darauf herumüberlegt. Tonga ist anscheinend das am seltensten von Touristen besuchte Land dieser Reise gewesen, und das merkt man, nicht zuletzt an dem wirklichen und spürbaren Interesse an dem Ausländer, den es in ihr Land verschlägt. Ins Gespräch kam ich am Ende dann doch meist mit den Neig'schmeckten, ob das die Taxifahrerin aus Kiribati oder Bo, die Wirtin mit den deutschen Wurzeln, oder Havea, mein Italo-Tongaer, waren, aber die alle haben mir einen Teil ihrer (Wahl-)Heimat gezeigt, den ich mit normalen Taxifahrern oder so nicht erlebt hätte. War es clever, mich am ersten Abend gleich einmal am alkoholreichen Quizabend zu beteiligen? Jein - ich wäre auch ohne die Chefin heimgekommen, so angetrunken war ich auch wieder nicht, aber vor allem hätte ich am nächsten Morgen nicht so dringend Frühstück gebraucht und wäre daher Havea nicht begegnet. Der Typ war der absolute Glücksfall für Tonga und eigentlich auch für die ganze Reise; diese Stunden mit ihm waren so aufschlussreich, so spannend, ich habe so viel gelernt und gesehen von Tonga und insbesondere von der Insel Tongatapu. Ich bin immer noch ernsthaft traurig, dass es wegen des schlechten Wetters nicht mit dem gemeinsamen Abend geklappt hat, aber wenn ich mal wieder im Südpazifik bin, schreibe ich ihm, so wie ich ihm auch das Versprechen abgenommen habe, dass er sich meldet, wenn er in Europa ist. Tonga war schon einmal - vor allem dank ihm - großartig.
In Tonga war ich zu kurz, dafür war ich in Vanuatu relativ lang, aber das war völlig in Ordnung. Klar, ich war nur in Efate und da auch im Beach Club (der natürlich nicht billig, aber klasse war; es war am Anfang gewöhnungsbedürftig, alle Türen unabgeschlossen zu lassen, aber das klappte wunderbar), aber ich hatte mein Auto und war daher - anders als in Tonga - mobil. Diese Mobilität war mir am ersten Tag wurscht, als ich einfach mal einen Faultag brauchte, aber an den beiden anderen vollen Tagen in Vanuatu nutzte ich das Auto sehr, schon allein, um nach Port Vila zu fahren und mir Tuluk zu kaufen. Aber auch die Inselrundfahrt über sehr unterschiedlich gute Straßenverhältnisse war spannend, gerade weil ich eine saftige Selbstbeteiligung bei der Autovermietung hatte; aber das waren die Einzigen, die rund um die Uhr verfügbar waren - und das klappte auch perfekt! Und am Ende hat es mir im Beach Club bei den verrückten Australiern doch der Sitzplatz auf der Landzunge gefallen, der Blick aufs Meer tagsüber und vor allem der Blick auf den Nachthimmel - das war großartig und schon jetzt einer meiner Lieblingsorte.
Nach Vanuatu kam die komplett wilde Aktion mit den Salomonen (und Brisbane), wo ich binnen 50 Minuten einreiste, durch den Zoll marschierte, vom Ankunfts- zum Abflugterminal wanderte, mir dort am Check-in die nächsten Bordkarten holte, durch die Sicherheitskontrolle und die Passkontrolle vagabundierte und am Ende weit nach dem zweiten Final Call ans Gate gestürzt kam, nur um die Tante dort völlig tiefenentspannt zu sehen ...
Meine Tasche ist übrigens nicht in Honiara wegen des knappen Umstiegs hängengeblieben, nein, die wurde gar nicht aus dem Flieger bugsiert und landete dementsprechend in Port Moresby. Von dort kam sie mit einer Air-Niugini-Flug nach Brisbane und von dort mit Qantas nach Auckland, wie ich heute bei einer genaueren Untersuchung der Tags an der Tasche festgestellt habe.
Damit hat die Tasche nur 47.351 Kilometer zurückgelegt (da fehlen die Cookinseln) - mein Koffer (der ja auf der ersten Südpazifikexpedition im Hotel in Auckland stand) hat nur 42.475 Kilometer geschafft, während mein Rucksack, den ich immer am Mann hatte, jetzt weitere 52.006 Kilometer auf dem Buckel hat.
Der Einstieg in die Cookinseln war nicht so genial mit der langsamen Einreise und den unkommunikativen Vermietern, aber ab Tag 2 war alles super - das Essen, der Strand, das Schnorcheln, das Trinken natürlich auch, die Busfahrten, dann hat es Spaß gemacht. Highlights waren natürlich das Bite Time und die Schildkröten beim Schnorcheln, aber insgesamt merkst du halt den Cookinseln, dass das die Kanaren Neuseelands sind, mit der touristischen Infrastruktur, mit allem. Doch, auch dort hat es mir schlussendlich gut gefallen, gerade weil ich hier für kleines Geld wirklich gut um Rarotonga herumkam.
Ich sag ja: ganz runde Reise!
Dazu beigetragen hat tatsächlich auch die künstliche Intelligenz, wobei ich da drei Anlaufstellen ausprobiert habe: in Vanuatu vor allem den Copilot von Microsoft, später auch Gemini von Google und ab und zu auch MetaAI von der Facebook/WhatsApp-Dachgruppe. Der Copilot und Gemini haben mir da am besten gefallen, MetaAI funktioniert halt per WhatsApp, was gerade im Flieger (wenn man denn WLAN hat) einfacher ist ...
Da kamen tatsächlich ganz gute Sachen dabei heraus, gerade Gemini hat mir in Shanghai viele gute Sachen gesagt; das verwende ich weiter. Der Copilot ist auch nicht verkehrt gewesen, aber hat - im Rückblick - gefühlt nicht immer so ganz so zielgerichtet geantwortet wie erhofft. Es bleibt aber, glaube ich, eine gute Idee, verschiedene Systeme zu testen, gerade weil auch Gemini dann heute, als ich spaßeshalber die Probe aufs Exempel machte und für meinen Heimatort Empfehlungen haben wollten, so eine grottige Grütze anbot, dass ich mich frage, wie viel Glück ich in Shanghai gehabt habe, dass ich nicht überfallen oder ins Meer gelatscht bin ...
In Zukunft werde ich die KI aber für die Reiseplanung voraussichtlich deutlich intensiver nutzen, denn gerade, wenn man Daten hat (und das werde ich in Zukunft über die eSIMs praktisch immer haben), kann man da schon sehr praktisch in Echtzeit Sachen nachfragen, die einem ein normaler Reiseführer (egal, ob gedruckt oder elektronisch) halt nicht so schnell und mundgerecht herauskurbelt - ob das am Ende dann alles stimmt, ist eine andere Frage, aber wenn man nicht nach eher kleineren Städten im Schwarzwald fragt, kommt da meist was Gutes bei raus.
Die Reise war aber auch eine echte kulinarische Erlebnisreise - und das habe ich so sehr genossen. Wenn ich allein unterwegs bin (oder mit meiner Ma), muss ich halt nicht auf, sagen wir, recht beschränkte Vorstellungen, wie gutes Essen aussehen sollte, Rücksicht nehmen oder glauben, Rücksicht nehmen zu müssen (wobei sich das jetzt sowieso erledigt hat). Und so konnte ich dann in Shanghai schonmal mit Xiaolongbao (Teigtaschen) anfangen, in Auckland auch leckeres Fish & Chips genießen, aber dann in Tonga loslegen mit Ota Ika (roher Thunfisch in Limettensaft), in Vanuatu Laplap (nicht gaaanz so meins, dieses gebackene Püree mit Fleisch oder Fisch drauf) und Tuluk (himmlisches Hackfleisch in Maniokummantelung) probieren, auf den Cookinseln dann wieder Ika Mata (so ähnlich wie Ota Ika in Tonga) und Sashimi und Thunfisch-Carpaccio und Wahoo und schließlich in Waiheke zartestes Lamm, auch wieder rohen Thunfisch und schließlich Austern schlemmen, bevor ich mich in Shanghai mit Shengjianbao und Großmutters Schweinebauch endgültig überfressen habe. Großartig, ganz, ganz großartig!
Die Biere kannst du übrigens überall auch trinken, da war nix dabei, wo ich gesagt hätte: "Finger weg!" Tsingtau in China ist sowieso gut, in Neuseeland gibt es ganz viele tolle Craft Beers oder sowas Ähnliches, aber auch in Tonga, Vanuatu und auf den Cookinseln (gerade dort mit der eigenen Brauerei!) gibt es so wunderbare Biere, dass man keine neuseeländischen oder gar internationalen Großbrauereien braucht. Wieso jemand freiwillig Heineken trinkt, während es tolle Fassbiere daneben gibt, werde ich eh nie, also wirklich nie verstehen.
Spannend war die unterschiedliche Bargeld-/Kreditkartenkultur: In Shanghai, also in China, musste ich mich erst an das Bezahlen mit WeChatPay und so gewöhnen. Wenn man das aber erstmal gefressen hate, geht das super - und du kannst damit halt überall zahlen, jeder kleine Straßenstand hat einen QR-Code oder scannt deinen QR-Code ab. Wichtig ist halt nur, dass man Internet hat (über die eSIM), sonst funktioniert die Verifizierung nicht.
In Neuseeland wurde ich - ich hatte auf den Cooks (zu) viel Bargeld abgehoben - fast schräg angeschaut, wenn ich mit Bargeld bezahlt habe, weil da auch praktisch alles mit Kreditkarte (wenn auch öfter mit Aufschlag) geht, und zwar natürlich mit unseren Kreditkarten. Das klappt natürlich auch bei Bussen, Bahnen und Fähren - da braucht man keine gesonderte Fahrkarte mehr, das Handy ist die Fahrkarte.
In Tonga war das noch ein wenig anders, ja, da wäre Kreditkarte an vielen Stellen gegangen, aber hier hatte ich schon sehr deutlich das Gefühl, dass Bargeld noch weiter verbreitet ist als in Neuseeland oder China.
Gleiches gilt auch für Vanuatu, wo es in den Märkten - glaube ich - gar nicht mit Kreditkarte gegangen wäre. Die Hotels und so konnte ich schon mit Karte zahlen - und wie es im Supermarkt aussah, weiß ich gar nicht mehr genau, aber tendenziell geht da Karte auch öfter als nicht.
Auf den Cookinseln schließlich geht Kartenzahlung auch in ganz vielen Fällen - große Ausnahmen sind der Busverkehr (da geht - angeblich - nur Bargeld, auch wenn die Kartenleser haben) und der Nachtmarkt, wobei da die touristisch frequentierteren Stände auch schon Karte nehmen. Im Bite Time und bei Charlie und im Trader Jacks ging Kreditkarte ganz selbstverständlich.
Das war also die Shanghai-Ozeanien-Tour - zwischen dem 17. März und dem 3. Mai war ich in nur 48 Tagen auf sechs Kontinenten, in Südamerika (Guyana), in Nordamerika (Curaçao und Aruba), in Europa natürlich, in Afrika (Burkina Faso), in Asien (China) und in Ozeanien (Neuseeland, Tonga, Vanuatu, Salomonen, Cookinseln) - da müsste ich mal eruieren, ob ich das schon einmal in so kurzer Zeit geschafft habe ...
Für dieses Jahr ist jetzt erst einmal kein neues Land mehr fest geplant; das kann sich aber noch ändern - ein bisschen Urlaub habe ich noch. Der Pazifik wird es dieses Jahr wahrscheinlich nicht mehr, das ist halt schon recht weit, sodass ich da durchaus gerne zwei oder drei Wochen machen will, und die habe ich dieses Jahr nicht mehr.
Ein bisschen Europa kommt mit Belgrad und zweimal Budapest und vielleicht Istanbul und so, aber ich werde über die weiteren Reisen mit größter Sicherheit berichten.
Das war's jetzt erstmal - Shanghai-Ozeanien ist rum ...
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