Nuku'alofa, im Hotel, 14.08 Uhr Ortszeit (3.08 Uhr deutscher Zeit)
Da war jetzt die KI tatsächlich mal nützlich: Mir waren gestern am Flughafen die Person, die uns die Schalter für die Biosicherheitskontrolle zugewiesen hat, und heute ein Fluggast aufgefallen, die mir - nach westlichem Verständnis - als trans erschienen; und zwei Transpersonen binnen zwei Tagen sehe ich (bewussterweise) in Deutschland im Alltag eher selten. Der
Copilot (die KI von Microsoft) hat mir aber eben erklärt, dass solche in Tonga als
fakaleitī bezeichneten Männer sich eher nicht nach westlichem Verständnis als trans empfinden, sondern - ich beabsichtige jetzt aber auch nicht, hier ein Gender-Studies-Proseminar durchzuführen, dazu bin ich auch überhaupt gar nicht qualifiziert -
nur (?) eine Frauen
rolle einnehmen.
Das ist hier im Südpazifik offenbar - auch nach der extrem erfolgreichen christlichen Missionierung - gesellschaftlich schon immer anerkannt gewesen, und diese Menschen scheinen, wenn man dem Copilot glauben darf, beide klassischen Geschlechterrollen zu unterlaufen, indem sie sich mehr "herausnehmen" können als Frauen, aber eben auch nicht zu Männern in Konkurrenz stehen. Das ist ja alles ein semantisches Minenfeld, aber so verstehe ich es halt - wer es besser weiß, darf gerne dazwischengrätschen. Spannend finde ich das auf alle Fälle ...
Der Wecker heute Morgen war grausam, auch weil ich gefühlt gerade erst eingeschlafen war. Seit dem verpassten Ausflug in Südkorea bin ich ja bei so frühem Aufstehen (gerade in übermüdetem Zustand) immer ein wenig ängstlich, und den Flug wollte ich auf gar keinen Fall verpassen. Jedenfalls stand ich fix auf, duschte, packte meine 77 Sachen zusammen, checkte aus, nachdem ich auch meine Essensrechnung von gestern bezahlt und meinen großen Koffer untergestellt hatte, und wartete auf den Bus.
Eine andere Passagierin und ich wurden - ich nahm den Bus eins früher, weil ich gestern Abend nicht für meinen Flug heute Morgen hatte einchecken können - zum Terminal kutschiert, in dem schon eine Menge los war, morgens um halb fünf.
Ich musste in die Check-in-Schlange (sonst geht hier sehr vieles automatisiert), weil ich Air New Zealand nachweisen sollte, dass ich ein Anschlussticket aus Tonga heraus habe (da fliege ich ja mit Fiji Airways). Ein sehr freundlicher Mann nahm sich meiner an, und schon war meine Tasche eingecheckt.
Die Schlange zur Passkontrolle war relativ lang, aber da die meisten hier durch die elektronische Ausreise gehen können, ging das auch relativ fix. Die Sicherheitskontrolle ging fix - und ich bin immer wieder überrascht, dass mein mit Flüssigkeiten und Elektronik vollgestopfter Rucksack inzwischen doch häufiger nicht zur Nachkontrolle rausgezogen wird ...
Ich lief zum Gate, kaufte noch Cola (die brauchte ich jetzt dringend, mir war an der Sicherheitskontrolle fast ein bisschen drümelig geworden) und wartete dann ab, dass ich als Allerletzter (!) an Bord gehen konnte. Ich saß auf einem wunderbaren Gangplatz mit freiem Mittelplatz, nur das WLAN ging nicht, aber ansonsten ist Air New Zealand schon richtig schick - und ich bin heute wohl das erste Mal mit Air New Zealand geflogen, wenn ich es richtig sehe ...
Den 180. Längengrad habe ich verpasst, aber rekonstruktiert, dass wir den so gegen 9.25 Uhr tongaischer Zeit passiert haben müssten (Start war um 7.17 Uhr neuseeländischer, Landung um 11.03 Uhr tongaischer Zeit); wir waren noch zwei Warteschleifen geflogen (habe ich auch schon lange nicht mehr erlebt), deswegen waren wir etwas verspätet.
Ich ging einigermaßen zügig aus dem Flieger raus (da ist Reihe 6 sehr praktisch), und das war gut so, weil für die Ausländer nur eine Frau für die Passkontrolle zuständig war und das dauerte ein wenig ...
Mein Gepäck kam an (auf einem Direktflug ist noch kein Gepäckstück verlorengegangen, aber ich will es nicht beschreien ...), der Zoll wollte gar nix von mir (obwohl ich wegen meiner Badehosen sicherheitshalber angekreuzt hatte, dass ich Klamotten dabei habe, die beim Wassersport genutzt wurden ...) und schon war ich in Tonga final eingereist. Land Nr. 169 - juchhe!!
Mein Hotel hatte die Fahrerin nicht geschickt, aber zufällig war die Frau, die normalerweise vom Hotel beauftragt wird, da, sodass sie beim Hotel anrief und bestätigt bekam, dass sie mich ins Hotel bringen soll. Irgendwie wirkt das in dem Hotel alles nicht so richtig monsterprofessionell.
Die Fahrt mit der Frau aus Kiribati (die einen Tongaer geheiratet hat) war ganz großartig, wir sprachen über Gott und die Welt, vor allem natürlich über Tonga: Die vielen Hunde hier auf der Straße sind teils Straßenhunde, teils gehören die aber irgendwohin, haben jedoch Freigang, und es gibt hier viele Chinesen (es machte den Eindruck, dass es ihr zu viele sind).
Insgesamt war das eine ganz gemütliche Fahrt, hier rast man nicht, sondern zuckelt mit 50 über die gar nicht einmal schlechte Straße; oft begleitet die Polizei einen Leichenzug, und dann fährt man links ran (hier ist Linksverkehr), auch um dem Verstorbenen Respekt zu bekunden (so war mein Verständnis).
Als wir im Hotel ankamen, wurde ich sehr freundlich begrüßt (freundlich sind die Menschen hier definitiv!) und bekam das beste Zimmer mit weitem Blick über die Lagune. Bei der Bezahlung haben sie einen etwas unfreundlichen Kurs angewendet und auf diese Weise die Taxikosten für den Flughafentransfer, die sie "versehentlich" mit angeboten hatten, wieder ein bisschen reingeholt. Bisschen saftladig ist das schon, aber bei dem wirklich akzeptablen Zimmer ist mir das jetzt auch wurscht, aber auf die Idee, die Fahrten jetzt doch noch einmal abzurechnen, sollen sie bitteschön nicht kommen!
So, den ersten Teil des Blogs habe ich jetzt bis ca. 14 Uhr geschrieben gehabt, jetzt habe ich mich eingecremt, ein bisschen hydriert und breche demnächst mal in die Stadt auf. Nuku'alofa gilt als Hauptstadt-Dorf, mal sehen, was ich vom königlichen Palast (Tonga ist ein Königreich) und von der Hafenpromenade am Ende sage. Zurück geht es vermutlich mit dem Taxi, nachdem ich an der Waterfront gegessen habe, aber das gucken wir dann mal ...
(Achso, und ich hatte gestern Abend ja jetzt doch ein Auto für Vanuatu gebucht; da kam heute die Buchungsbestätigung ... Das wird ein teurer Spaß, aber das wäre es auch mit dem Taxi geworden, und so kann ich wenigstens mal die Ringstraße fahren.)
Ach komm, ich mache jetzt hier einen Liveblog draus und lade schonmal hoch ... Update folgt dann am Abend (also am Vormittag deutscher Zeit)
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| Blick aus dem Flieger auf Nuku'alofa |
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| Blick aus meinem Hotelzimmer auf die Lagune |
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22.13 Uhr, nach einem wunderbaren Abend in der Billfish Bar
Boah, Freunde, ich habe so richtig schön gemütlich einen sitzen, nach dem großartigen Abend in der Bar. Dabei war die nur dritte Wahl, weil meine erste Wahl komplett zu und die zweite Wahl, nunja, alles getan hat, um mich nicht da zu behalten ...
Ich lief dann so gegen 14.30 Uhr los und wurde erstmal nach wenigen hundert Metern von einem Hund angebellt. Eine Autofahrerin fuhr gerade aus ihrer Parklücke, fragte, ob ich Hilfe oder eine Mitnahmegelegenheit bräuchte, ich verneinte dankbar und lief weiter. Nach einer, sagen wir, Dreiviertelstunde durch dörfliche Straßen, auf denen mir viele Hunde und etliche Schweine begegneten, kam ich so langsam in den Ortskern von Nuku'alofa. Ich hob - beim zweiten Versuch, die Gebühren wurden nicht niedriger - relativ viel Geld ab und lief dann zum königlichen Palast, den man völlig problemlos fotografieren kann (von außen). Danach lief ich zurück und an der Hafenpromenade (sehr schön!) entlang bis zur anvisierten Gaststätte.
Nunja, die war allerdings sowas von geschlossen, das war sehr schade. Auf dem Weg hatte ich aber eine schöne Gaststätte gesehen, auf der anderen Straßenseite, also nicht direkt am Meer, aber das sollte nicht schaden, weil ich eh noch sehr früh dran war für den Sonnenuntergang und dieser letztlich auch von den Wolken verdeckt wurde.
Ich machte den (großen) Fehler, schon zu bestellen, bevor ich nach dem WLAN-Passwort fragte. Letzteres wurde mir nämlich verweigert mit Hinweis darauf, dass das nur für Hotelgäste herausgegeben werde. Das, liebe Leserinnen und Leser, ist natürlich eine komplett und vollständig idiotische Herangehensweise, als ob ich meinen zwei Stunden dort so viele Daten absaugen würde. Ich war sehr geladen und wollte die Managerin sprechen, nur war diese - komischerweise - abwesend.
Sehr, sehr schade - denn das Essen dort war wirklich herausragend! Ich aß 'Ota 'ika, in Kokosmilch fermentierten Thunfisch, und danach nochmal ein Thunfischsteak auf Kartoffelstampf mit gebratenen Ananas obendruff. Und gerade die gebratenen Ananas passten - für mich überraschend - ganz hervorragend gut zum Thunfisch.
Ich würde das Ding wärmstens Herzens empfehlen, wenn die nicht solche Idioten wären - mir ein WLAN-Passwort zu geben, hätte sie genau gar nix gekostet, und wahrscheinlich wäre ich morgen wieder dort gelandet, so haben sie nicht nur einen Kunden für morgen verloren, sondern haben auch eine - schlechte - Google-Bewertung abbekommen ...
Das war echt ärgerlich, und weil ich noch Lust auf ein Bier hatte, blieb ich nicht sitzen, sondern lief ich ein paar Schritte weiter in eine nicht ganz so grandios bewertete Bar. Auch die hatten keinen WLAN, aber da war's zumindest nicht explizit als "Gast-WLAN" gekennzeichnet; daher sei's drum ...
Ich hatte gerade mein zweites Bier intus, als die Aufbauarbeiten für das Pubquiz in die Endphase gingen. Ich versuchte erfolglos, mich einer australischen oder US-amerikanischen Truppe anzuschließen (der eine Typ meinte, er hätte 76 Länder besucht und würde normalerweise bei sowas gewinnen, er war dementsprechend von meinen nunmehr 169 Ländern ziemlich beeindruckt), aber da kam noch einer dazu, sodass die zu fünft waren.
Am Ende kamen wir in einer Vierergruppe, bestehend aus der Wirtin, dem Sponsor für diese Charity-Veranstaltung, einer gebürtigen Australierin und mir, zusammen - und ich hatte ganz, ganz großen Spaß ...
Wir wurden Vorletzte, aber das war - sorry - scheißegal, denn wir hatten riesigen Spaß. Gefühlt gab jeder eine Runde, die Wirtin ließ noch ein paar Pommes und Frühlingstollen und Wontondinger antanzen, das war ganz super, es hat mir riesigen Spaß gemacht.
Am Ende fuhr mich Bo, die einen deutschen Nachnamen hat, weil ihr Urgroßvater anno achtzehnhundertapfelputz hier eingewandert ist, sogar noch in meine Bude, und morgen ist Karaoke - nicht auszuschließen, dass ich wieder da lande ...
Das war ein ganz wunderbarer Abend, erst das gute Essen bei katastrophaler WLAN-Dienstleistung, dann der großartige Abend in der Bar, das war herrlich, wenn auch unerwartet und nicht geplant. Morgen, denke ich, schlafe ich erstmal ein kleines bisschen aus, und schaue dann, ob ich zum "Stonehenge des Südpazifik" komme. Vielleicht mache ich auch morgen schon den ersten echten Ruhetag hier, das entscheide ich spontan ...
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| Einheimisches Bier, gebraut in Neuseeland |
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| 'Ota 'ika |
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| Zufahrt zum Hafen |
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| Königlicher Palast |
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| Flagge von Samoa |
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| Ich glaub, mein Schwein pfeift! |
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| Friedhof in Samoa |
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| Thunfischsteak auf Kartoffelstampf mit gegrillten Ananas |