So sagten die Schiedsrichter das gestern immer an - beim Davis-Cup scheint es so zu sein, dass der Spielstand grundsätzlich zuerst mehr oder weniger in der Landessprache und dann auf Englisch genannt wird.
Das sorgte bei den Schiedsrichtern für kaum verständliche Ansagen, sodass ich erst verstand, dass die Zuschauer bitte die Plätze schnell einnehmen mögen, als sie das Ganze noch einmal auf Englisch wiederholten, aber "funfzehn - dreisig" hat man schon verstanden ... Und fürs Bemühen gibt es definitiv eine Eins!
Ich hatte von vorgestern auf gestern schlecht geschlafen, wahrscheinlich führten die Kriegspommes noch Rückzugsgefechte in meinen Eingeweiden, aber das größere Problem war, dass ich so zügig zum Bahnhof hechtete, dass ich vergaß, ausreichend zu trinken und ausreichend Getränke mitzunehmen.
Ich hatte gestern nicht meinen beinahe mit meinem Körper zusammengewachsenen Rucksack dabei (den hätte ich nicht in die Arena mitnehmen dürfen, weil zu groß), sondern nur einen Jutebeutel, und da drin hatte ich nur die eine 0,5-l-Flasche, die ich in die Arena würde mitnehmen dürfen.
Der ICE nach Bielefeld fuhr leidlich pünktlich, ebenso wie der Bus nach Halle (Westf.). Ja, ich bin einer von IHNEN!
In Halle stieg ich eins vor dem Bahnhof aus, weil ich noch einen kleinen Bummel durch das 20.000-Einwohner-Städtchen machen wollte - und ich war positiv überrascht, da gibt es doch das eine oder andere hübsche Fachwerkhaus, das kann man sich durchaus mal anschauen.
Ich kaufte mir noch eine Spezi und marschierte dann zur Arena, die aber erst um 12 Uhr öffnen sollte - die Schlange war jedoch um 11.45 Uhr schon ziemlich lang. Ich stellte mich ans Ende der Schlange, anders als manche andere Menschen, Jung wie Alt, die vom Parkplatz kamen und einfach in die Schlange rückten. Wenn mir die Generation der 70-Jährigen nochmal was von Anstand erzählen will, erzähle ich denen von gestern - unglaublich ... (Und nein, die sahen nicht so gebrechlich aus, dass sie zusammengeklappt wären, wenn sie sich hinten eingereiht hätten.)
Der Einlass auf das Arenagelände klappte angenehm zügig, das muss ich loben, eine größere Versicherung verteilte eifrig Kappen (die nahm ich natürlich auch mit), dann aß ich eine Bratwurst, ein Fischbrötchen und trank eine niedrige einstellige Anzahl von Bieren sowie eine weitere Spezi.
Ich hätte noch einmal auf die Toilette gehen sollen, denn nachdem ich die Stufen in den Oberrang hochgestiegen war, stellte ich fest, dass es da oben keine sanitären Einrichtungen gab. Hmpf. Ich entschied mich nach zehn Minuten an meinem Platz, noch einmal abzusteigen, zumal die Treppenhäuser für meinen Block zunächst noch gesperrt waren und ich mich durch gefühlt ein Viertel des Umlaufs kämpfen musste, um überhaupt zu einem Mundloch zu kommen.
Das Publikum war eindeutig "tennisig", die Atmosphäre war ganz anders als bei einem Fußballspiel, irgendwie waren die Leute, wie soll ich sagen, schicker, viele ältere Leute waren dabei (auch solche, die sich nicht vordrängeln, selbst wenn es so ein Hallodri am Fischbrötchenstand auch noch einmal versuchte, bevor er von der eigenen Familie zurückgepfiffen wurde ...), und bei den Aufschlägen und während der Ballwechsel war a Ruh: Die Arena war nicht voll, 11.500 Menschen passen angeblich rein, 8.000 waren wohl da, aber so schlagartig, wie die still wurden, wenn die Spieler (beider Mannschaften!) zum Aufschlag ansetzten, das war echt beeindruckend.
Zwischen den Ballwechseln aber war da durchaus Stimmung, das fand ich schon schick, mir taten am Ende die Hände vom Klatschen richtiggehend weh; ein paar Kinder riefen immer mal wieder "Let's go, Zverev, let's go" (für meinen Geschmack kam das immer einen Ticken zu spät, aber die Halle ließ es sich nicht nehmen, immer noch zweimal rhythmisch zu klatschen danach).
Vor dem ersten Match hatte es noch einen offiziellen Hinweis des Weltverbandes gegeben, so nach dem Motto, dass es zwar okay, wenn die Menge beim Davis-Cup partisan, also parteiisch, sei, aber fair müsse es schon sein, und das klappte auch wirklich sehr gut ...
Dass Alexander Zverev seine Partie relativ souverän gewann, auch wenn der junge Kroate echt gut war, und dass Daniel Altmaier seine Partie relativ deutlich verlor, obwohl er im ersten Satz sogar das erste Break gemacht hatte, kann man in den Nachrichten nachlesen; es stand also nach dem ersten Tag 1:1, heute kommen nochmal ein Doppel und zwei weitere Einzel.
Aber ein paar Sachen sind mir aufgefallen, und die will ich zum Besten geben:
Es gibt noch Linienrichter, aber da wird auch schon so weit rationalisiert, dass der Linienrichter, der beim Aufschlag auf die richtige Länge achten muss, nach jedem zweiten Aufschlagspiel von der einen Platzhälfte zur anderen rüberlatschen muss, und im Tiebreak nach jedem zweiten Punkt.
Um den ganzen Platz herum waren je vier Handtuchhalter verteilt, und für jedes Land gab es jeweils einen - darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht, aber bei der Vorstellung, dass man versehentlich den Schweiß vom Gegner in sein Gesicht schmiert, schüttelt es mich noch heute ... Pfui!
Die Mundlöcher von den Aufgängen in die Halle werden nur während der Seitenwechselpausen geöffnet, und wer den Seitenwechsel verpasst, muss am Mundloch stehend warten bis zum nächsten Seitenwechsel. Erst dann dürfen die Leutchen (und zwar "quickly, please!") zu ihren Plätzen huschen ...
Und das eine Ballmädchen zupfte sich nach jedem Lauf ihre Kappe zurecht, nach jedem!
Insgesamt fand ich die Organisation der Ballkinder aber echt spannend zu sehen - so rollen die Netz-Ballkinder die Bälle bewusst hinter die Kinder, die dem Aufschläger gerade die Bälle angeben, damit die angebenden Kinder nicht gestört werden und trotzdem, nachdem der Aufschläger abgenickt hat, schnell die Bälle aufnehmen können. Und notfalls gibt auch ein Netz-Ballkind den Ball an, wenn den anderen Kindern die Bälle ausgegangen sind oder der Aufschläger halt ihn anguckt - das funktioniert echt klasse ...
Nach dem Ende des zweiten Matches sah ich, dass die Bahn nach Bielefeld, die ich eigentlich schon abgeschrieben hatte, verspätet war, sodass ich sie doch noch erwischen konnte, also machte ich mich auf zum Bahnhof in der Nähe der Halle. Trotz großen Andrangs erwischte ich noch einen Sitzplatz, den ich bis Bielefeld nicht wieder hergab (es muss ja einen Vorteil haben, einer von IHNEN zu sein).
(Wie, ich dürfte gar nicht erwähnen, dass ich zu IHNEN gehöre, also zu denen, die behaupten, dass es Bielefeld gebe, obwohl das gar nicht stimmt? Dass ich so die Bielefeld-Verschwörung ad absurdum führe? Ach, papperlapapp!)
In Bielefeld erwischte ich einen verspäteten ICE nach Hannover, der nochmal mehr Verspätung auflud, weil er in Bielefeld wartete, weil in Wunstorf, kurz vor Hannover, angeblich Betrunkene im Gleis waren, aber insgesamt war ich doch überraschend früh, gegen 21 Uhr, daheim - und ging zügig ins Bett ...
Fotos von gestern (danach geht es mit heute weiter!)
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| Keine Erdbeeren wie in Wimbledon - nur Bratwurst und Bier ... |
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| Netzmesser und Platzwischer |
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| Hymnen |
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| Zverev schlägt auf |
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| Nochmal Hymnen, jetzt mit Arena |
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| Davis-Cup! |
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| Halle (Westf.), vom Lindenplatz |
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Heute Morgen war ich dann überraschend früh ausgeschlafen und ging entspannt duschen. Ich fuhr zum Bahnhof und erwischte einen früheren ICE, aus dem ich in Gelsenkirchen aussteigen und von dort mit der Regionalbahn weiter nach Oberhausen fahren sollte.
Da ich mit dem Gastgeber ausgemacht hatte, dass er mich so gegen 12 Uhr in Oberhausen am Hauptbahnhof abholt, hatte ich ein bisschen Zeit, um mich beim Umsteigen noch ein wenig in Gelsenkirchen umzuschauen ...
Ich hätte es besser gelassen ...
Nun bin ich aus bonusfamiliären Gründen der Stadt Gelsenkirchen schon ganz grundsätzlich in herzlicher Abneigung verbunden (heja BVB - Schlacke 05 und so ...), aber Gelsenkirchen ist trotzdem furchtbar. Ja, okay, es hat geregnet, aber das machte es nur noch schlimmer ...
Bei der Männer-Fußball-EM 2024 hatten alle Austragungsstädte im offiziellen Logo ein Wahrzeichen: die Frankfurter ihren Römer, die Kölner ihren Dom und die Berliner das Brandenburger Tor. Für Gelsenkirchen war das Musiktheater Bestandteil des Logos, und weil mir das gar nix sagte, fuhr ich heute einfach mal hin ...
Die Busfahrt klappte recht gut, aber es ging halt auch an echt unschönen Stellen vorbei. Die Georgskirche, an der wir abbogen, war sogar noch recht ansehnlich - aber als wir am Musiktheater ankamen, dachte ich nur: "Leute, ehrlich?!"
Mag sein, dass das Ding innen schön ist und die Musik bzw. das Theater drinnen ganz toll, aber von draußen ist jedes Sparkassengebäude fast schöner anzusehen ... Und sowas ist Wahrzeichen?
Ja, die Farbgestaltung (blau-weiß) tut ihr Übriges zu dem negativen Eindruck, aber mir blieb nichts anderes übrig, als schleunigst den Rückzug nach Oberhausen anzutreten. Wenigstens funktioniert die Stadtbahn ganz gut, auch wenn die Synchronisierung mit Google Maps unterirdisch war (aber daran ist vielleicht Gelsenkirchen nicht zwingend allein schuld).
Ich nahm den ICE nach Offenburg (!), stieg aber nach elf Minuten Fahrt in Oberhausen aus und wurde abgeholt.
Die Feier war ganz großartig, sehr, sehr freundliche Menschen diese Ruhrgebietler - das hat richtig Spaß gemacht.
Jetzt sitze ich im ICE zurück nach Hannover (das Gastgebertaxi hat mich nach Duisburg gefahren, damit ich den Zug noch erwische ...) und freue mich über das sehr gelungene Wochenende, zumal die Deutschen auch noch im Davis-Cup gewonnen haben ...
Dokumentation des Grauens (peinlicherweise hält mein Zug jetzt gerade in Gelsenkirchen - Ironie des Schicksals):
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| Musiktheater Gelsenkirchen |
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| ... in ganzer, frontaler, öhm, "Schönheit" ... |
Gucken wir mal, wie diese Lösung funktioniert - wohlmeinende Kommentare, Hinweise und Vorschläge nehme ich gerne entgegen.




















































