Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Freitag, 18. September 2026

Kriegspommes und eine Bami-Scheibe

Das war heute mein Abendessen in Hengelo in den Niederlanden - und es war echt sehr lecker (und auch lekker)!

Trotz eines sehr intensiven Arbeitstages machte ich trotzdem einigermaßen früh Schluss und fuhr mit einem ziemlich vollen ICE bis nach Bad Bentheim. Dort stieg ich, weil die BC100 im ICE nicht bis nach Hengelo gilt, das Deutschlandticket (das in der BC100) integriert ist, in der Regionalbahn aber sehr wohl, in ebendiese Regionalbahn um. Eigentlich wollte ich nur nach Oldenzaal, aber da ich dort nicht entspannt etwas zu essen bekommen hätte, blieb ich doch bis Hengelo im Zug, denn dort war das Stadtzentrum in wenigen Minuten Fußweg zu erreichen.

Als ich in Hengelo ausstieg, stolperte ich aus dem Bahnhof direkt auf den Jahrmarkt. Ich widerstand der Versuchung, einmal in der Drehschiffschaukel mitzufahren, und steuerte schnurstracks auf die zuvor ausgeguckte Kneipe zu. Dort verstand ich das Konzept nicht so richtig, weil man durchaus auch am "Kiosk" Essen bestellen und dann dort vor Ort essen kann. Das kapierte ich aber erst, als ich schon da saß und auf mein Essen (zum Mitnehmen) wartete. Das dauerte ein bisschen, sodass ich es - fast - bereute, kein Bierchen bestellt zu haben, aber das ist auch mal völlig okay so …

Friet oorlog also, "Pommes Krieg" oder "Kriegspommes", sind Pommes mit Mayo, Zwiebeln und einer Erdnusssoße - und am Ende sieht das alles, wenn man es richtig macht, auf dem Teller aus, als ob ein Krieg stattgefunden hätte. Eine bamischijf dagegen ist ein, wie Gemini es ausdrückte, Produkt der niederländisch-indonesischen Fusionsküche, denn das sind indonesische Bami-Nudeln, die in eine typisch niederländische bulettenartige Hülle frittiert werden.

Ich nahm das Paket also mit, weil ich es eigentlich am Bahnhof essen wollte, um notfalls noch mit einer halben bamischijf in der Hand in den Zug springen zu können, sah dann aber, dass ich noch genug Zeit hatte, um das Ganze auf einer Bank mitten auf dem Jahrmarkt zu verzehren.

Es waren wirklich auffällig viele Kleinkinder in Hengelo unterwegs, die ließen mich aber in Ruhe und ich sie, während ich die sehr ordentliche Portion verspeiste. Die Kriegspommes waren völlig okay und mit der Erdnusssoße durchaus interessant, die Bami-Scheibe fand ich aber richtig, richtig lecker - die Kombination aus Nudeln, ein bisschen scharf, und der Panade außenherum war echt klasse. Das esse ich wieder, wenn ich in den Niederlanden bin.

Nach exakt einer Stunde und 28 Minuten in den Niederlanden (deutlich länger als heute Morgen geplant) war ich nun auf dem Weg nach Rheine, denn der ICE, den ich in Bad Bentheim erwischen wollte, fiel aus und der Ersatz-ICE fuhr erst ab Rheine. Es war so ein bisschen unklar, ob der ICE, der da ohne Zielanzeige stand, tatsächlich unserer sei - nach ein paar Minuten Warten draußen war's mir zu blöd und ich setzte mich rein. Siehe da: Es ist mein Zug, und ich bin zuversichtlich, so gegen 22 Uhr in Hannover aufzuschlagen.

Morgen geht es dann zum Davis-Cup nach Halle (Westf.), da freue ich mich schon richtig drauf. Ich hab mir auch spontan noch einen (generischen) Deutschlandschal bestellt; der wurde mir wenig überraschend nicht geklaut, obwohl der Amazon-Bote das Paket auf den Briefkasten stellte. Ich hasse es ja wie die Pest, mit einem - z. B. - Fußballschal zum Handball oder Hockey zu gehen, ich hasse es auch, mit einem Männer-Fußballtrikot zu einem Frauen-Fußballspiel zu gehen, aber dieser ganz billige (im wahrsten Sinne des Wortes) Deutschlandschal ohne Sportartbezug, der gefällt mir ...

Und am Sonntag geht es dann noch einmal auf Fahrt, ins Ruhrgebiet, da bin ich zu einer Taufe eingeladen.

Da ich heute einen aktuellen Eintrag geschrieben habe, gibt es - das habe ich jetzt so beschlossen mit 1:0 Stimmen im Blogautorenausschuss - keinen Retro-Blogeintrag. Dementsprechend sind nur folgende zwei Einträge hinzugekommen:

27. Juli 2000 - Aufenthaltstag in Lesnoje (Russland)
28. Juli 2000 - Fahrt von Lesnoje über Litauen nach Jurmala (Lettland)

Auch diese beiden Einträge sind über den Sprung in den Juli 2000 zu erreichen:


Bamischijf

Bamischijf oben und friet oorlog unten, noch in halbwegs geordneter Formation


Dienstag, 15. September 2026

Spontan nach Halle

... fahre ich ja nicht sooo selten, aber da geht es meist um Halle (Saale). Nach Halle (Westf.) fahre ich dagegen am Samstag zum ersten Mal: Ich hatte erst vor ein paar Tagen festgestellt, dass am Samstag und Sonntag die deutschen Tennis-Männer ihre Davis-Cup-Qualifikation gegen Kroatien spielen, und heute habe ich mir noch eine Karte für durchaus bezahlbare 42 Euro besorgt. Ich sitze zwar hinter dem Platz, aber wenigstens erspare ich mir so das typische Hin- und Herdrehen des Kopfes und habe stets den ganzen Platz im Blick ...

Ich bin sehr gespannt auf die Stimmung beim Davis-Cup, auch wenn ich keinen Vergleich habe, wie es normalerweise bei Tennisturnieren zugeht, weil ich noch keines besucht habe bisher. Aber auch das kann man ja nachholen, wenn mir das am Samstag gefällt.

Ich werde die ersten beiden Einzel sehen, und Stand jetzt ist noch nicht klar, ob Alexander Zverev für Deutschland mitspielen wird oder nicht - am Ende ist mir das aber fast wurscht, denn wenn Deutschland spielt, spielt Deutschland ...

Nun "erfordert" es meine Zwei-Wochen-Herausforderung ja, dass ich bis Montag mal wieder eine Staatsgrenze überquere. Eigentlich hatte ich - ich bin am Sonntag im Ruhrgebiet zu einer Taufe eingeladen - vor, dafür den Samstag zu verwenden. Das klappt jetzt aber halt nicht, und ich hatte mir schon überlegt, dass ich dann eben am Freitag Abend in Richtung Frankfurt (Oder) fahre und dort über die Grenze hüpfe.

Irgendwie hatte ich die Entfernung nach Bad Bentheim überschätzt und dafür die Häufigkeit der Verbindungen in die Niederlande unterschätzt, denn das kann man durchaus mal nach Feierabend machen. So werde ich also am Freitag voraussichtlich so gegen 16 Uhr in Richtung Niederlande fahren, in Oldenzaal oder Hengelo aus der Regionalbahn aussteigen, in die Gegenbahn einsteigen und wieder zurück nach Hannover zuckeln. Hier sollte ich gegen 22 Uhr wieder ankommen. 

Eine ähnliche Pendelei mache ich am Samstag, denn es sind nur eineinhalb Stunden nach Halle (Westf.), das hatte ich mir irgendwie auch langwieriger vorgestellt ...

Und auch am Sonntag werde ich von Hannover aus zur Taufe fahren und anschließend wieder zurück, so jedenfalls mein Plan heute. Auf diese Weise spare ich mir zwei Übernachtungen und habe dann fast schon wieder die Gelage von Sonntag und gestern drin, die ich mir gegönnt hatte: zunächst am Sonntag zwischen meinen beiden Wahldiensten (und das war nötig, weil ich bis kurz nach 23 Uhr im Dienste der Demokratie unterwegs war und als Schriftführer noch die Niederschriften der Kommunalwahlen zum Wahlamt gebracht hatte) bei lecker Steak in der List und gestern beim neu eröffneten Vietnamesen bei mir um die Ecke. Beide Male sehr gut, gestern mit dem "weiteren Kollegen" - darüber mokiert er sich immer so schön -, das war ganz wunderbar ...

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In den letzten Tagen sind auch schon mehr Einträge in der - wie ich sie jetzt nenne - Retro-Blog-Serie zur Nordlandreise 2000 erschienen, und zwar die ersten Etappen aus dem Schwarzwald bis nach Kaliningrad (oder, wie ich es damals nannte: Königsberg):

23. Juli 2000 - Fahrt von Bonndorf nach Bremsdorf (Brandenburg)
24. Juli 2000 - Fahrt von Bremsdorf nach Danzig (Polen)
25. Juli 2000 - Aufenthaltstag in Danzig
26. Juli 2000 - Fahrt von Danzig nach Lesnoje (Russland)

Mit dem Klick auf den folgenden Link kommt man auf alle bisher veröffentlichten Artikel für Juli 2000:

Freitag, 11. September 2026

Saure-Gurken-Zeit

... ist bei mir ja immer so zwischen September und Dezember, weil es da auf der Arbeit sehr intensiv wird. Klar, ab und zu kommt mal so 'ne Bangladesch-Reise um die Ecke, aber das ist eher selten. Viel häufiger gibt es im dritten Tertial Planungsposts - und ich hoffe, dass ich auch den einen oder anderen Buchungspost veröffentlichen kann (Palau zum Beispiel, gell, Mutter?).

Nun empfinde ich keinen Zwang, Content für die Leserinnen und Leser zu erzeugen, denn dieses Ding hier ist mindestens so sehr Reisetagebuch für mich wie es Reisebericht für diejenigen Menschen in meiner Familie, unter meinen Freunden und Bekannten (und vielleicht dem einen oder anderen Unbekannten, der hier reinstolpert und womöglich hängengeblieben ist) ist, die mitbekommen wollen, was ich so auf Tour anstelle ...

Aber in der Zeit, in der ich wenig Echtzeit-Reisen mache, kann ich ja das Schöne mit dem Nützlichen verbinden, denn ich habe für die Nordlandtour im Jahr 2000 die Aufbereitung für diesen Blog fast abgeschlossen. Nur noch kleinere Textstellen müssen begutachtet werden, und vielleicht kommt das eine oder andere Foto dazu, das ich in den nächsten Tagen noch aus dem analogen Reisetagebuch fotografieren und hier in den Blog einbauen will. Das wiederum ist aber nicht der (Haupt-)Grund, wieso ich gerade im natürlich wieder verspäteten Zug in den Schwarzwald sitze, aber ein kleines bisschen Freude, dieses erste Teilprojekt jetzt beginnen und in einigen Wochen abschließen zu können, ist schon dabei ... Auf diese Weise sichere ich nicht nur den Inhalt auf einer einzigen Plattform, sondern kann vielleicht auch dem einen oder anderen Menschen eine kleine Freude machen, wenn er liest, wie wir damals angefangen haben, die Reise-Komfortzone zu verlassen und uns ins Abenteuer zu stürzen. 

Ich werde voraussichtlich alle ein bis zwei Tage einen der 32 Tagebucheinträge aus der Reise, die meine Mutter, meinen Vater und mich vom 23. Juli bis zum 22. August 2000 durch Polen, die russische Oblast Kaliningrad, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark wieder zurück nach Hause führte, veröffentlichen.

Dieses erste Teilprojekt "Nordlandreise 2000" (auch bekannt als "Ostseeumrundung 2000") basiert auf den tatsächlichen, zeitgenössischen Tagebucheinträgen, die meine Eltern und ich abends zusammengeschustert haben, aber es könnten auch weitere Teilprojekte kommen, bei denen ich mich nur aus heutiger Sicht an damalige Reisen erinnere; auch das soll dazu dienen, das gesammelte Reisearchiv möglichst an einer Stelle zu haben (in der Hoffnung, dass Blogspot nicht irgendwann mal die Grätsche macht ...).

Heute geht es mit dem Eintrag vom Vorabend der Abreise, also dem Eintrag vom 22. Juli 2000, los. Die Einträge kann man finden, indem man rechts auf der Jahresleiste auf das Jahr 2000 klickt; ich werde aber dann, wenn es sich ergibt und ich doch mal einen Blogeintrag schreibe, auf die seit dem letzten Blogeintrag veröffentlichten Tagebucheinträge verlinken ...

Fangen wir also an:


Viel Freude beim Lesen!

Sonntag, 6. September 2026

Sattgefahren

... habe ich mich heute auf der Fähre, ich habe sogar gelegentlich auf der Fähre aufs Handy geschaut, weil ich wieder so wunderbar viel auf dieser wunderbaren Fähre saß und so großartig viel von Istanbul und vom Bosporus gesehen habe - es war großartig!

Heute Morgen wurde erst einmal ausgeschlafen, ich hatte - fahrlässig, wie ich war - keinen Wecker gestellt, war aber trotzdem kurz vor acht Uhr wach. Ich stand auf, duschte und ging hoch zum Frühstück. Diesmal blieb ich drinnen, nicht wegen der Möwen (jedenfalls nicht primär), sondern weil die Tische draußen alle belegt aussahen. Ich aß wieder ein paar Börek und ein Ei, dazu Brot, heute fand ich auch, wo die Säfte standen, das Hotel war einfach, aber wunderbar, kann schon sein, dass ich wieder hierherkomme (aber nicht mit älteren Menschen, denn die Wendeltreppe ist immer noch nicht so schön ...).

Ich checkte aus und stellte meinen Rucksack an die Rezeption, dann lief ich runter zur Fähre (wie ein richtiger Istanbuler über rote Ampeln!), erwischte noch eine nach Karaköy und setzte mich an Deck. Wie immer war der Blick auf Istanbul, auf Sultanahmet, auf den asiatischen Teil, auf Galata ganz toll - ach Freunde, guckt es euch doch selbst an!

In Karaköy latschte ich - auf Umwegen, den Straßenübergang, an dem ich das Auto fast umgerannt hätte, haben sie mit einem Zaun abgesperrt, da werden noch ein paar Ochsen wie ich in Autos gerannt sein - zur Talstation des Tünel und fuhr mit der zweitältesten U-Bahn der Welt hoch zur İstiklal Caddesi. Fast wäre ich mit der nostalgischen Straßenbahn gefahren, stattdessen folgte ich dem Rat der Google-KI und wollte mit der Metro ins Geschäftsviertel fahren. Da die nächste Metro dorthin aber erst in 15 Minuten kam, die in die Gegenrichtig aber gerade einfuhr, fuhr ich mit dieser meiner Metro entgegen.

Dabei fuhr ich über das kurze offene Stück übers Goldene Horn, und ich muss sagen, das ist neben der Metro in Sydney mit Blick auf die Hafenbrücke einer der großartigen Metroausblicke der Welt - so, so schön! (Nicht so schön waren die Leutchen, die laut Latino-Musik anhatten; die Türkin mir gegenüber, ihr Freund und ich grinsten uns nur schief an ...)

An der (einen) Universität stieg ich aus und gleich wieder in die Gegenmetro ein; wieder ging es übers Goldene Horn und diesmal landete ich in Levent.

Jo, Geschäftsviertel gut und schön, aber Wolkenkratzer habe ich schon bedeutendere gesehen, und mehr auf einem Fleck. Da hielt es mich dementsprechend nicht lange, sondern ich fuhr mit dem Bus (!) in Richtung Beşiktaş. Nach kurzem Suchen fand ich - von der anderen Seite als gestern - wieder die Fährstation, musste aber noch ein Stück nach links, denn ich wollte nach Üsküdar.

Ich erwischte noch eine etwas frühere Fähre, fuhr vielleicht zehn Minuten mit großartigem Blick auf die Brücke und landete in Üsküdar. Wieder stieg ich in den (vollen) Bus um, denn ich wollte nach - und den Namen dieses Stadtviertels kann ich mir ums Verrecken nicht merken - Kuzguncuk. Während der Fahrt drehte ich mich (ich hatte einen Stehplatz) um, denn ich wollte auf den Bosporus gucken - fast verpasste ich deswegen auch meinen Ausstieg.

Ich lief die ganz wunderbare Straße vom Bosporus hinauf, eine sehr schöne Allee, ein Kneipchen am anderen, kaum Ausländer - herrlich!

Jetzt hatte ich aber doch ein Hüngerchen, und die Google-KI hatte mich in ein Fischlokal am Bosporus gejagt. So richtig sagte mir das aber nicht zu, die Karte erschien unvollständig, und da wollte ich nicht unbedingt Lehrgeld bezahlen, auch wenn der Blick auf die Brücke sicher großartig war.

Stattdessen geriet ich in eine sehr gut bewertete, kleine Gaststätte im ersten Stock, die Chefin begrüßte mich in sehr gutem Englisch (!), meinte aber, dass das Essen noch fünf bis zehn Minuten brauche - keine Sorge, gute Frau, ich bin im Urlaub ...

Jemand brachte schließlich das Essen, und sie erläuterte mich bei jedem der gut zehn vorbereiteten Gerichte, was das war. Ich wählte drei aus, trank dazu Beyoğlu-Cola und -Ginger Ale, bei dem der Clou ist, dass die Flasche aussieht wie der Galataturm ...

Das Essen bestand (laut Google-KI) aus
  • Enginar - eine mit Kartoffeln und sonstigem Gemüse gefüllte Artischoke, kalt, okay, aber nicht fantastomanisch,
  • Karni Yarik - eine mit Hackfleisch gefüllte Auberginenhälfte, aber nicht gebraten, sondern weich geschmort - sehr, sehr lecker, und schließlich
  • Etli Tas Kebabı - Rindfleiusch mit Kartoffeln in einer Tomatensauce, und das, meine Damen und Herren, war ganz, ganz großartig ...
Da hat es mir richtig gut gefallen und richtig gut geschmeckt, ich habe nicht zu wenig bezahlt, aber das war mir völlig egal, denn ich fand es da echt gemütlich ...

Ich fuhr mit dem Bus zurück nach Üsküdar, und die nächste Fähre von dort ging nach Aşiyan, die nahm ich, denn so fuhr ich ein schönes Stück auf dem Bosporus (Fährefahren gefällt mir, gell?!). Beim Einsteigen setzte der Muezzin ein, und Fährefahren über den Bosporus, während der Muezzin ruft, das ist doch Istanbul in Reinform - herrlich! Nach einer halbstündigen Fahrt ging ich an Land und stieg gleich wieder ein, denn ich wollte jetzt doch noch aufs Goldene Horn.

Neben mir setzten sich ein Österreicher und sein türkischer Freund hin, und als wir abfuhren, stutzten sie, weil wir in Richtung Stadt fuhren - sie wollten eigentlich weiter den Bosporus hoch und waren einfach ins falsche Schiff eingestiegen ... Jo ...

Die Fahrt von Üsküdar über den Bosporus und das Goldene Horn hoch war - wie sollte es anders sein - großartig, und an der Endstation in Eyüp stieg ich aus. Überraschenderweise stieg ich nicht sofort wieder ein, denn eine halbe Stunde später fuhr eine Fähre direkt nach Kadıköy, und die wollte ich nehmen, denn so musste ich nicht mehr irgendwo umsteigen.

Die Zeit nutzte ich, um einen kleinen Spaziergang durch das spürbar konservative Eyüp zu machen. Ich lief zur dortigen Moschee, die wohl zu den bedeutendsten des Islam zählt, da war viel los, ich lief noch ein bisschen durch den Stadtteil, ehe ich wieder zur Fähre musste.

Die letzten 50 Minuten Fährfahrt in Istanbul standen an, und wohlbehalten kam ich in Kadıköy an. Ich ging zum Hotel, holte mein Gepäck und lief dann in eine von der Google-KI empfohlene Fischgaststätte. Dort aß ich einen ganz wunderbaren Spieß mit Brasse, trank dazu Bierchen und Rakı, aß noch Katmer, einen leckeren Nachtisch, und ging schließlich geraden Schrittes zur Metro.

Die fuhr ordnungsgemäß, die Sicherheitskontrollen am Eingang zum Flughafen und am Eingang zu den Gates überstand ich problemlos, die Passkontrolle ebenfalls - und jetzt sitze ich in der Nähe der Gates neben Türkinnen und Türken, die nicht nüchterner sind als ich, würde ich wetten ...

Um 22.25 Uhr türkischer Zeit (21.25 Uhr deutscher Zeit) soll mein Flieger gehen, um 0.40 Uhr sollen wir in Hannover landen, und dann werde ich mich irgendwie nach Hause durchschlagen, notfalls mit einem Uber.

Das war ein wunderbarer zweiter Tag in Istanbul - ich habe eben auf der Fähre schon die Abschiedsstrophe meiner Ode an Istanbul angestimmt. Ich bin ziemlich sicher, dass ich wiederkomme ... (Und jetzt ist gleich der Akku alle ...)

Kadıköy ist kein Geheimtipp mehr

Brassenspieß

Ortaköy und Brücke

Essen in Kuzguncuk

Kuzguncuk 

Kuzguncuk 

Erste Brücke und Bosporus

Levent

Nostalgische Straßenbahn 


Samstag, 5. September 2026

'n bisschen eskaliert

... ist mein Frühschoppen heute auf der Galatabrücke möglicherweise, aber nur ein klitzekleines bisschen. Was willste machen? Die Musik war gut, die Ober waren freundlich und nicht einmal unbedingt auf Beschiss aus, ich konnte auf den Bosporus und auf die Fähren und auf viele, viele Menschen gucken, die da unten entlangliefen, irgendwann wurde ich gewahr, dass es dort auch Fischdöner, also Balık ekmek, gibt, und zwar zu einem für dort und insbesondere im Vergleich zum teuren Bier sehr akzeptablen Preis, jo, und dann kam eins zum anderen ...

Der Flug war sehr entspannt, die Schweiztürkin (?) neben mir rutschte kurz vor dem Start um 21.24 Uhr Schweizer Zeit auf den freien C-Platz, sodass der Mittelplatz frei war, ich guckte zweieinhalb Serienepisoden und schaute auf das nächtliche Belgrad, bevor wir um 0.43 Uhr Ortszeit (23.43 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Freitag) in Istanbul landeten. Wir fuhren ein bisschen auf dem Flughafen herum, kamen dann aber am Finger zu stehen, die Einreise ging einigermaßen zügig, auch wenn mein Grenzer natürlich wieder der Allerlangsamste war und bei meinem Vordermann sogar den Führerschein sehen wollte (!). Entsprechend genervt-geschäftsmäßig war ich unterwegs, er dann auch, und irgendwann hatte ich meinen Stempel im Pass und zog von dannen.

Eigentlich hatte die Metro um 1.30 Uhr schon aufgegeben, als ich so gegen 1.21 Uhr durch den Zoll war, aber am Schluss schaffte ich es doch mit einigen Minuten Puffer, weil ich die Länge des Weges etwas überschätzt hatte und weil meine Kollegin, der ich meine Istanbulkart mitgegeben hatte, als die im Frühjahr hier war, noch ein bisschen was übriggelassen hatte. Wenn ich da noch an den Geldautomaten gemusst hätte, um die aufzuladen, wäre es sehr knapp geworden.

Die knapp einstündige Metrofahrt nach Kadıköy überstand ich im Honigkuchenpferd-Status, nicht nur, weil ich die Metro geschafft hatte, sondern weil ich endlich wieder in Istanbul war. Als ich an der Endhaltestelle ausstieg und den (falschen) Ausgang nahm, endete ich am Fährhafen mit Blick auf die nächtlichen Schiffe und den nächtlichen asiatischen Bahnhof - und war glücklich ...

Auch um 2.30 Uhr war in Kadıköy noch jede Menge los, eine Männergruppe sang an einem kleinen Platz hemmungslos schief ein Ständchen, und in meinem Hotel war auch noch jemand da. Mein Zimmer im dritten Stock ist okay, nicht herausragend, aber für zwei Nächte reicht es bestens, insbesondere wegen der Existenz eines abnehmbaren Duschkopfs und einer Klimaanlage ...

Ich stellte den Wecker auf 7.30 Uhr, kuschelte noch bis 8 Uhr und ging dann duschen. Das Frühstück gibt es auf der Dachterrasse, und ich setzte mich nach draußen, auch wenn ich keinen Hut aufhatte (aber ich war schon eingeschmiert).

Ich war sofort ans Buffet gegangen, stellte aber am Tisch fest, dass ich Besteck (und Tee) vergessen hatte, und lief noch einmal rein. Als ich zurückkam, waren irgendwie weniger Pommes auf meinem Teller als vorher - die Frau am Nebentisch grinste mich an, entpuppte sich als Deutschtürkin und meinte, eine Möwe habe mir die Pommes geklaut ... Sowas auch!

Beim zweiten Gang zum Buffet (aber erst da) fiel mir der Aushang ins Auge, dass man sein Essen genau deswegen nicht unbeaufsichtigt lassen möge, aber da war es halt schon zu spät.

Das Frühstück war türkisch, mit Ei und Börek und diesem wunderbaren Spaghetti-Käse, den ich sowieso immer gerne in der Türkei esse, und Tee, das schmeckte sehr lecker, da komme ich wieder morgen früh ...

Jetzt aber ging ich - mit Zwischenstopp im Zimmer, um meinen leeren (Tages-)Rucksack zu holen - schnurstracks zur Fähre. Die große Fähre um 9 Uhr hatte ich gerade verpasst, aber die kleine Fähre um 9.10 Uhr erwischte ich entspannt. Und es war wie immer: Als ich auf der Fähre saß, setzte schlagartig Entspannung ein - herrlich!

Wir fuhren pünktlich ab und tuckerten ganz gemütlich die 20 Minuten in Richtung Europa, am asiatischen Bahnhof vorbei, den Blick auf die Blaue Moschee und die (eingerüstete) Hagia Sophia genoss ich ebenso wie den auf den Topkapı-Palast und den Galataturm und den Bosporus überhaupt - immer wieder so, so schön!

Wir fuhren unter der Galatabrücke durch, ich entschied mich spontan, in Karaköy auszusteigen, und lief zur Straßenbahn. Die erwischte ich, aber sie zeigte nur Eminönü an. Es gab ungewöhnlich viele Ansagen in der Bahn, und anders als sonst, wenn die Bahn nur nach Eminönü fährt, stand nicht schon der weiterführende Zug bereit ... Als dem Verhalten der Mitreisenden schloss ich (und eine englischsprachige Guidin meinte das auch zu ihrer Truppe), dass es irgendeine Streckenstörung gebe - also machte ich mich auf Schusters Rappen auf den weiteren Weg - ich wollte zur Hagia Sophia.

Ich lief ein bisschen querstraßein, und das war eine gute Entscheidung, weil ich in (schöne) Ecken kam, in denen gewesen zu sein ich mich nicht erinnern kann; touristisch, ja, klar, aber schon au schön, wie man im Schwarzwald sagt. (Achso: Dass ich gestern schrieb, "meine Mutter fahre zu", sorgte für Rückfragen - das ist wohl ein Alemannismus [das Wort gibt es wirklich], denn wenn meine Mutter zufährt, heißt das, dass sie losfährt. Vielleicht hatten sie doch recht in Hannover, dass sie an meinem "Guten Morgen" erkennen konnten, dass ich nicht von dort stamme, obwohl ich auf mein Hochdeutsch eigentlich einigermaßen große Stücke halte ...).

In Gülhane stieß ich bei meinem Abenteuerspaziergang aber auf die Straßenbahngleise und lief danach den altbekannten Weg hoch zu Hagia Sophia und Blauer Moschee. Ich ging in beide nicht rein (es war heiß!), sondern lief zu in Richtung des Großen Basars. Eigentlich wollte ich wie immer zum Hof der Süleymaniye-Moschee, aber in den Basar wollte ich doch kurz rein - zum Dank verwirrte er mich, und ich lief zur falschen Seite wieder raus, sodass ich, um zur Süleymaniye zu kommen, noch einmal ums Karrée laufen musste.

Den Blick von der Süleymaniye-Moschee fand ich wie immer ganz herausragend schön, auch weil ich fantastisches Wetter erwischt hatte (abgesehen davon, dass ich schwitzte wie ein Biber). Im Gegensatz zu den beiden Amerikanerinnen vor mir wusste ich, dass ich bergab wollte (die wollte zum Großen Basar und liefen falsch), ein Müllauto sorgte für Verkehrschaos (und ich trug womöglich ein bisschen dazu bei, weil ich eifrig im Weg herumlief, aber ich wollte halt den Berg runter), am Ende verlief ich mich, aber da ich hier meine tolle eSIM habe, konnte ich mich über Google Maps wieder orientieren.

Ich ging kurz in den Gewürzbasar, der Typ aus Schwäbisch Gmünd war heute nicht da, ich wollte aber eh nix kaufen, also ging ich runter in Richtung Eminönü und kaufte unterwegs ein Simit. Normalerweise teile ich das brüderlich mit den Möwen, aber erstens hatten die mir heute Morgen schon mein Essen geklaut, und zweitens entschied ich mich, vorsätzlich in eine Touristenfalle zu laufen.

Ich setzte mich nämlich in eine der Kneipen auf der Galatabrücke - und genoss den Blick auf den Bosporus und die Fähren und überhaupt. Bier ist in Istanbul immer teuer, da besonders, aber mir war es für meinen Frühschoppen (es war 11.30 Uhr) ziemlich wurscht. Der Ober klärte mich sogar auf, dass sie zwei Karten haben: eine mit zwei Biergrößen (0,3 l und 0,5 l) und eine zweite mit drei Biergrößen (zusätzlich noch 0,7 l). Die Preisgestaltung ist abenteuerlich, denn der Unterschied zwischen 0,3 l und 0,5 l ist gering, der zwischen 0,5 l und 0,7 l riesig, so riesig, dass es teurer pro Volumeneinheit ist, das ganz große Bier zu bestellen als das kleine; in jedem Fall hätte er meine Bestellung "groß" (in Bezug auf die erste Karte) als "groß" in Bezug auf die zweite Karte auslegen können (in betrügerischer Absicht, und ich unterstelle, dass das da auch gelegentlich passiert), aber heute waren die da alle lieb - zunächst (okay, der Spannungsbogen ist ein bissel viel, aber bissel ist okay) ...

Jetzt saß ich da und konnte nicht anders, Gott helfe mir. Das erste Bier war richtig, richtig lecker, und an der Ordnungszahl kann man erkennen, dass auch ein zweites Bier (öhm, mindestens) konsumiert wurde. Es war aber auch zu spannend, da zu sitzen und den Menschen (durchaus auch etliche Türken!) zuzugucken, wie sie da in der Gegend herumliefen.

Der arme Anquatscher war ziemlich erfolglos, einmal grinste ich ihn auch schief an, er grinste noch schiefer zurück, aber in so eine Touristenfalle gehen halt nicht so viele Menschen. Wobei ich das "Touristenfalle" schon relativieren muss, denn auf einmal legten sie einen Beizettel zur Speisekarte auf, nachdem es Balık Ekmek gab, und das kam so rechtzeitig, dass ich zusätzlich noch eine Cola bestellen konnte. (Wie? Auch noch ein Bier? Fake News!)

Auch die beiden türkischen Freundinnen oder Schwestern, die hereingekommen waren, die eine mit ihrem Sohn, tranken ein Bier und aßen Fischdöner, aber als sie aufbrachen, stellte ich mit Erschrecken fest, dass sie ihre Biere gar nicht ausgetrunken hatten. Wo gibt's denn sowas? Naja, okay, vielleicht war das auch der Schreck gewesen, weil plötzlich eine Angelleine von einem der Angler oben auf der Brücke sich in unser Lokal verirrte und da festhing. Der Köder muss sehr knapp an den dreien vorbeigeflogen sein. Nun, die Leine wurde mit einem Feuerzeug durchtrennt (Strafe muss sein) und dann wieder freigelassen.

Ich hatte im Gewürzbasar ein Foto gemacht und in den Status gestellt, und das Bild weckte bei einem der Kollegen von der 2020er-Reise Erinnerungen an ebendiese Tour und an unsere eine Kollegin, die auch mit dabei war und Anfang dieses Jahres völlig überraschend gestorben war. Wenn jemand gesagt hätte, dass ich noch ein Bier auf sie trinken müsste, wäre sie das gewesen - und ich fand es da halt auch echt gemütlich ...

Am Ende wollte ich zahlen, und dann passierte etwas, wo ich wieder nicht weiß, ob die Herrschaften einen echten Fehler gemacht haben, unfähig waren, Schlawiner oder Betrüger, denn auf meiner Rechnung standen fünf Bier, eine Cola und zwei Fischdöner (ja, ich hatte nach dem ersten Hüngerchen noch eins und brauchte ja ein bisschen Grundlage und die sahen wirklich sehr gut aus; dafür verzichte ich heute Abend auch auf eine Vorspeise oder so ...).

Nun war mir der ältere, schnauzbärtige Ober eigentlich sehr sympathisch (so sympathisch, dass ich überlege, ob ich in die Reihe der Schnauze aufnehme - Schnauz I und II waren ja in Griechenland auf der großen Balkantour 2004, Schnauz III in Zypern 2011 gewesen; andererseits war bei allen bisherigen Schnauzen meine Ma mit dabei, von der muss ich mir jedenfalls Genehmigung einholen ...), und die Beanstandung wurde auch sofort akzeptiert, sodass Schnauz [IV, unter Vorbehalt] dann auch ein ordentliches Trinkgeld bekam und auf die Frage, ob ich morgen wiederkäme, auch kein festes Nein. Gucken wir mal.

Jo, danach schleppte ich mich auf die Fähre nach Üsküdar, genoss die Überfahrt, stellte dort fest, dass die Fähre aufs Goldene Horn, die ich eigentlich nehme wollte, erst in einer Dreiviertelstunde fahren würde, fuhr stattdessen nach Beşiktaş, genoss die Fährfahrt, kaufte mir da noch ein Simit, futterte es (allein) auf, weil da auch nicht alle paar Minuten was weiter nach Kadıköy fuhr, schließlich aber fuhr die Fähre, wenig überraschend genoss ich auch diese Fährfahrt (herrlich!) und kam dann in Kadıköy an ungewohnter Stelle an (die Fähre Beşiktaş-Kadıköy mit dieser Gesellschaft hatte ich wahrscheinlich noch gar nie genommen ...). Achso: Und auch hier - wie oft in Istanbul - sah ich oft Freundinnen, von denen die eine Kopftuch und die andere kein Kopftuch, aber dafür ein Trägertop trug, scheint hier zu funktionieren, irgendwie.

Ich lief einen unbekannten Weg hoch, auch viele, viele schöne Kneipen - und begegnete vielen Fußballfans: Heute Abend spielt Fenerbahçe gegen Beşiktaş, was ich natürlich erst heute Morgen geschnallt habe. Als eines der großen Stadtderbys ist das Spiel natürlich ausverkauft, und ich brauchte auch erstmal ein bisschen Pause, sodass ich mich jetzt dagegen entschieden habe, auf dem Schwarzmarkt noch an Karten kommen zu wollen ...

Ich ging stattdessen in meine Bude, erholte mich ein bisschen, hörte noch ein bisschen Bundesligaradio (das geht ja auch außerhalb Deutschlands bzw. des EWR) und gehe jetzt gleich noch gemütlich zum Hamsi (oder zumindest da in die Nähe). Ich glaubte, heute Abend Appetit auf ein bisschen Fleisch zu haben, den Fischdöner und mich verbindet ja so ein bisschen eine Hassliebe, ich mag ihn sehr, aber der Salat da drauf und manchmal vielleicht auch der Fisch mögen meinen Magen nicht immer ganz so sehr - mir geht es gut, alles bestens, aber vielleicht musste es heute Abend nicht schon wieder Fisch sein ... (Wie, am Bier soll's liegen? Kann ja gar nicht.)

Als es dunkel wurde, verließ ich meine Bude und entschied mich, erst einmal noch eine Nachtfährenfahrt zu machen (letzte Nacht war ich zu spät dran, und morgen muss ich dann schon am Flughafen sein). Ich lief also runter nach Kadıköy, stieg auf die (verspätete) Fähre nach Karaköy und Eminönü, blieb einfach auf der Fähre und fuhr wieder zurück. Das Lichtermeer von Istanbul ist halt einfach immer schön ...

Ich hätte fast einen Hähnchen-Döner verspeist, lief hoch zum Hamsi, hatte aber immer noch keinen richtigen Hunger und traf am Ende die einzig richtige Entscheidung ... Wie? Zum Hamsi? Neihein, ich lief zu Migros, kaufte da etwas zu trinken für die Nacht, holte mir noch ein Eis auf die Hand und bin jetzt schon im Zimmer und gehe einigermaßen zeitig ins Bett ...

Das war ein schöner Tag. Gute Nacht!

Wieso sind die Fotos denn auf einmal, nach Jahren, in der richtigen Reihenfolge?!

Fressgass in Europa

Wilma vor Blauer Moschee

Hagia Sophia (eingerüstet)

Blick vom Hof der Süleymaniye-Moschee

Gewürzbasar

Simit, für mich allein

Efes, auch für mich allein

Fischdöner

Hitchcock was hier

Mädchenturm

Istanbul by night

Galatabrücke und Süleymaniye-Moschee

Freitag, 4. September 2026

Ein Hoch auf die Schweiz

Das, liebe Freunde insbesondere vom Stuttgarter Flughafen, muss ich jetzt wirklich einmal loswerden: Zum wiederholten Male in Zürich war ich innerhalb von zehn Minuten nach dem Aussteigen aus dem Auto im sicheren Bereich und also schon durch die Sicherheitskontrolle durch. Ich habe es eben noch einmal darauf ankommen lassen und alles im Rucksack gelassen - was in Stuttgart gefühlt zu einem Bundespolizeieinsatz mit zweistelligen Zahl an Beamten, äh, Dobrindts Schergen, geführt hätte, lief hier ganz normal durch, obwohl ich Rechner und Flüssigkeiten in nicht geringen (aber zulässigen) Mengen im Gepäck hatte. Wieso machen die Deutschen insgesamt, aber besonders die Stuttgarter, da immer so ein wahnsinniges Geschiss? Wie? Ich hatte heute keine Powerbank dabei? Trotzdem - das ist in Zürich immer alles um Größenordnungen entspannter und besser als in Stuttgart, und wenn es nur damit anfängt, dass es genug Spuren gibt und an den einzelnen Spuren niemand dich belehren zu müssen glaubt (wie neulich in Hannover), dass bei drei Zugangspunkten pro Spur trotzdem nur einer benutzt werden darf, weil die Sicherheitskontrolleure ja sonst nicht genügend Leute belästigen können ... Es könnte alles so viel einfacher sein ...

Nachdem ich gestern den um eine knapp Stunde verspäteten Zug genommen hatte, der planmäßig zwei Stunden vor meinem normalen Zug hätte fahren sollen, kam ich nach gemütlichem Umsteigen in Freiburg (Chaos veranstalteten sie trotzdem, weil die S-Bahn in den Schwarzwald nicht - wie angezeigt - von Gleis 6, sondern vom Gleis 7 fuhr, und das erst spät angezeigt wurde - zum Glück ließ der Zugführer uns Unwissende an seiner Weisheit teilhaben, und das klingt jetzt sarkastischer, als ich es meine) eine Stunde vor meiner normalen Zeit in Rötenbach an - und zwar pünktlich. Das Mamataxi stand mitsamt treusorgender Mutter natürlich schon bereit; das den Nachbarn aus dem Keller geklaute (und natürlich heute sofort ersetzte, schöne Grüße nach oben!) Ankunftsbierchen wurde noch konsumiert, dann ging es aber auch in die Heia.

Nach einem ziemlich durchgetakteten Arbeitstag heute ging es um kurz nach 17 Uhr in Richtung Zürich. Die neue Autobahn von Eglisau in Richtung Flughafen ist fast fertig und wurde heute erstmals befahren, und um kurz nach 18 Uhr stieg ich aus dem Auto. Meine Ma und ich verabschiedeten uns voneinander, sie fuhr zu, ich lief ins Flughafengebäude, war in kürzester Zeit durch die Sicherheitskontrolle durch und setzte mich - die Preise am Flughafen sind nur an den Automaten bezahlbar, unfassbar, was die für einen Hamburger bei Burger King haben wollen (da fällt mir ein, ich hab ja noch Möhrchen ...) - auf eine einigermaßen leere Sitzgelegenheit.

Knapp zwei Stunden vor Abflug wurde endlich das Gate bekanntgegeben, also machte ich mich in Richtung des Satellitenterminals auf. Ich reiste natürlich am Automaten aus (bestimmt kriegen Dobrindts Schergen in Hannover das wieder nicht hin mit der Einreise am Automaten ...), fuhr mit der Jodelbahn und sitze nun gegenüber meines Gates. Eine Rivella wurde eben käuflich erworben und auch schon fast verzehrt, könnte man für den Flug fast nochmal machen, das Zeug ist halt immer lecker ...

Meine Maschine kommt verspätet hier an, sodass wir eine halbe Stunde verspätet in Zürich abfliegen und erst gegen 1 Uhr Ortszeit (Mitternacht deutscher Zeit) auf dem Flughafen Sabiha Gökçen ankommen werden. Mal sehen, wann ich dann eine Metro erwische und wann ich im Bett bin, aber das wird schon schiefgehen ...

Hiermit melde ich mich aber schon einmal aus der Schweiz ab - den Flug verarbeite ich dann im morgigen Blogeintrag (falls nicht noch was ganz Außergewöhnliches passiert, was zwingend meine sofortige Berichterstattung erfordert) ...

Bedeutsames Schweizer Kulturprodukt

Donnerstag, 3. September 2026

120 Mal Fährefahren

... könnte man theoretisch in den ungefähr 40 Stunden, die ich ab morgen Nacht in Istanbul bin, und alle Kolleginnen und Kollegen mussten lachen, als ich den Zeitraum so umgerechnet habe. Jaha, ich glaube, die Fähren fahren nicht die ganze Nacht durch, aber die Einheit 1 Fährefahren = 20 Minuten könnte ich möglicherweise weltweit durchzusetzen versuchen ... Zum Glück bin ich nicht größenwahnsinnig ...

Morgen Abend bringt das internationale Mamataxi den Herrn Sohn zum Zürcher Flughafen (wieso ich ab Zürich fliegen wollte, weiß ich nicht mehr so genau, ich bin jetzt auf dem Weg aus Hannover in den Schwarzwald); dort geht der Flieger um 20.45 Uhr. Knapp drei Stunden später lande ich um 0.35 Uhr Ortszeit in Istanbul auf dem asiatischen Flughafen. Am Wochenende fährt die Metro angeblich durchgehend, wenn auch nicht so häufig, aber irgendwann werde ich sicherlich in meinem Hotel in Kadıköy, also auf der asiatischen Seite, aufschlagen - mal sehen, ob ich noch was zu essen kriege oder mich aufs Frühstück am Samstagmorgen freuen muss ...

Ich habe noch keinen genauen Plan, was ich am Samstag und Sonntag machen werden, bin aber sehr sicher, dass ich öfter Fähre fahren werde, schon allein, um nach Europa zu kommen. Vielleicht schaue ich mal, ob ich wieder zur Chora-Kirche komme (da war ich schon ewig nicht mehr, aber ob ich mir die 20 Euro, die das Ganze inzwischen offenbar kostet, gönne, weiß ich noch nicht) ... Aber wenn ich ganz gemütlich durch Istanbul gammle, Simit futtere, Vögel füttere (nicht andersherum!), dann ist es auch (sehr!) recht ...

Wie? Zum Hamsi? Klar werde ich zum Hamsi gehen, aber wahrscheinlich erst am Samstagabend, weil dann hinterher nur dreimal umfallen muss, um in mein Hotel zu kommen - da kann ich vielleicht noch ein zweites Efes trinken ...

Auch den Sonntag kann ich ganz gemütlich machen, weil mein Flieger - diesmal nach Hannover - erst um 22.25 Uhr startet (und planmäßig um 0.40 Uhr am Montagmorgen landet). Da sollte es reichen, wenn ich mich so gegen 18.30 Uhr, 19 Uhr in die Metro zum Flughafen setze - jo, so sind es dann tatsächlich so ungefähr 40 Stunden netto, die ich in Istanbul bin - und ich bin fest entschlossen, daraus - wie eigentlich immer in Istanbul - 40 sehr schöne und sehr entspannte Stunden zu machen ...

Ich musste eben erstmal schauen, ob ich meine Istanbulcards von der Kollegin zurückbekommen habe - habe ich natürlich, und wie ich sie so kenne, sind da sogar noch ein paar Lira druff ...

Oh Istanbul, du schöne Stadt, du schöne Stadt am Meer,
ich mag dich so, manch einer sagt, ich liebte dich so sehr.
Oh Istanbul, du schöne Stadt, mein Herz, das jauchzt und singt,
weil ich mich freu', was der Besuch in dieser Stadt so bringt ...

Noch Fragen?

Sonntag, 30. August 2026

Irgendwie uninspiriert

... bin ich heute zum Blogschreiben, gucken wir mal, was das wird ...

Das Aufstehen heute Morgen war, sagen wir, ein bissel mühsam, aber so gegen 7.45 Uhr waren wir ausgehbereit. Wir ließen den Schlüssel im Schloss stecken und liefen mit Sack und Pack zum Hafen. Dort drapierte ich meine Ma mitsamt Gepäck auf eine Bank und lief die fünf bis zehn Minuten zum Auto. Mit selbigem fuhr ich zu genannter Bank, sammelte meine Ma ein, und danach ging um 8.09 Uhr die wilde Luzi los in Richtung Slowenien.

Die Slowenen kontrollieren nicht bei der Einreise (sehr löblich!), sodass wir schon um 8.30 Uhr das zweite Land des heutigen Tages erreichten.

Google Maps führte mich früher als gedacht in Richtung Italien, sodass wir unmittelbar vor der Grenze noch kurz in Slowenien tankten (fast 50 Cent günstiger auf den Liter als in Italien!); nach Passieren der Grenze um 8.58 Uhr wurden wir von der Autobahn abgeleitet. Signore Salvini will sich offenbar nicht nachsagen lassen, hinsichtlich der Zerstörung Europas hinter Herrn Dobrindt zurückzubleiben, sodass wir alle an gelangweilten italienischen Grenzern vorbeifuhren, die niemanden herauswinkten, und anschließend wieder auf die Autobahn fuhren. So traurig ...

Auf wunderbaren italienischen Sträßchen ging es in Richtung Görz, das auf Italienisch Gorizia und auf Slowenisch Gorica heißt; dort ging es erneut über die Grenze nach Slowenien und nach wenigen Kilometern in Richtung der Strada di Osimo. Gerade noch rechtzeitig hielten wir auf slowenischem Gebiet, sodass meine Ma die Strecke fahren konnte, während ich fotografierte. Da stand zwar ein Schild, dass man nicht fotografieren dürfe, aber das bezog sich offenbar auf diese altertümlichen Fotoapparate, sodass meine Handykamera nicht gemeint sein konnte.

Endlich sah ich heute ein paar Grenzsteine, Italien wird auch ganz ordnungsgemäß angezeigt, auch wenn hier nie eine Grenzkontrolle auf dem Weg aus Slowenien (bzw. damals Jugoslawien) nach Slowenien (Jugoslawien) über italienisches Gebiet stattfand.

Wir erwischten die scharfe Kurve zurück in Richtung Italien irgendwie nicht, sodass wir noch ein Stück weiter durch Slowenien fuhren, und das war das Beste, was uns passieren konnte: Die Blicke auf die toskanöse Landschaft waren fantastisch, das Städtchen Šmartno, das wir nur kurz passierten, sah fantastisch aus, da könnte man nochmal mit etwas mehr Zeit hinfahren ...

Der Grenzübertritt nach Italien war hier in der Pampa unproblematisch, auch hier wurde ein Grenzstein gesichtet - juchhe!

Während in Kroatien manche Städtchen gerade in der Nähe von Umag auch auf Italienisch beschildert waren, gab es hier in Italien nun Schilder auf Italienisch und einer anderen Sprache. Zunächst dachte ich, dass das Ladinisch sei, aber das spricht man wohl weiter nördlich - tatsächlich handelte es sich höchstwahrscheinlich um die furlanische Sprache, die man auch Friualisch nennt. Das Ganze sieht im Schriftbild aus wie das uneheliche Kind von Italienisch und Rumänisch und wird wohl von ca. 600.000 Menschen gesprochen.

Irgendwo dort in der Gegend um Udine mussten wir beide mal ums Eck, aber das erwies sich als kompliziert. Am Ende landeten wir in einem (im katholischen Italien am Sonntag geöffneten!) Spar-Supermarkt, kauften dort Wasser und Cola, erbettelten den Schlüssel für die Kundentoilette und waren danach glücklich ...

An Udine vorbei ging es in Richtung Tolmezzo und von dort - gelegentlich fluchte ich über zu langsame Deutsche vor uns - durch die wunderschönen Dolomiten in Richtung der Pustertaler Staatsstraße.

Ab Innichen waren wir auf bekanntem Terrain unterwegs, zuletzt war ich ja zu Olympia hier gewesen; heute waren die Straßen wesentlich freier und daher bequemer zu fahren, und so kamen wir - wir hatten nicht gefrühstückt und waren jetzt auch spät dran fürs Mittagessen - gefühlt recht schnell zur Brennerautobahn.

Auf diese fuhren wir auf und machten an der letzten Raststätte in Südtirol noch Station. Dort hatte ich mich im Februar schon fast wohlgefühlt (soweit man sich auf einer Raststätte wohlfühlen kann), aber ich glaube, meine Ma konnte das nachvollziehen.

Wir speisten ein nicht ganz billiges, aber sehr leckeres Delizioso-Sandwich, das das Beste aus Südtirol (Speck) und dem Rest Italiens (Mozzarella, Olivenciabatta) vereinigte. Das hätte uns bestimmt auch sehr gut geschmeckt, wenn wir nicht einen Bärenhunger gehabt hätten, aber so war es ganz besonders großartig.

Nun ging es über den Brenner, der überraschend entspannt war (natürlich mit einigermaßen viel Verkehr, aber nicht so viel Stau wie von mir - ehrlich gesagt - befürchtet). Um 16.06 Uhr waren wir in Österreich, und ich muss schon sagen, die österreichische Autobahn mit dieser Flex-Spur, die ist schon klasse. Wenn die Italiener das mit Kennzeichenerkennung und automatischer Abbuchung auch einführen würden, wäre da wirklich sehr viel gewonnen, gerade weil die Mautstationen in Italien immer so ein Nadelöhr sind ...

Gefühlt waren wir schnell in Innsbruck, gefühlt waren wir schnell am Arlberg und gefühlten waren wir schnell in Feldkirch, wo wir an unserer altbekannten Tankstelle noch volltankten, ehe es nach Liechtenstein ging, wo wir um 18.42 Uhr ankamen. In Ruggell parkten wir wie üblich kurz gegenüber der Feuerwehr, sodass ich auch auf liechtensteinischem Gebiet stand; unmittelbar danach ging es über den Rhein in die Schweiz, in der wir um 18.48 Uhr ankamen.

Während in Italien und auch teilweise in Österreich die Geschwindigkeitsbegrenzungen lächerlich niedrig sind und dementsprechend weitgehend als unverbindliche Empfehlungen ignoriert werden, war das in der Schweiz ganz anders: Wenn da 100 steht, fährt man halt 100 und nicht 120 mit Lichthupe - schön!

Die Autobahn von Winterthur nach Schaffhausen wird bestimmt auch bald mal fertig (2028 heißt es), aber auch ohne Vollausbau kamen wir gut voran. Von Schaffhausen ging es schließlich nach Schleitheim, um 20.24 Uhr über die Grenze ins Vaterland, und so gegen 20.40 Uhr waren wir daheim.

Der sehr erfolgreiche Tag mit sieben Ländern, das sehr erfolgreiche Wochenende mit zwei Exklaven, einer Transitstraße und mehreren Grenzsteinen, nicht zuletzt etwa 1.840 Kilometern, geht damit zu Ende, das ist eine echt ordentliche Ausbeute ... Und die nächsten Reisen stehen ja schon an - in fünf Tagen fliege ich nach Istanbul. Juchhe!

Womöglich fällt mir in den nächsten Tagen noch die eine oder andere Story ein; die liefere ich dann nach, spätestens, wenn ich am Donnerstag im Zug von der bevorstehenden Istanbul-Reise schwärme ...

Belohnungsbier heute Abend

In den Dolomiten

Italienisch-slowenischer Grenzstein

Ende der Strada di Osimo

Strada di Osimo

Anfang der Strada di Osimo

Samstag, 29. August 2026

Wie in Lausheim

Das war meine Vorwarnung an meine Mutter, dass die Enklave in Brezovica wahrscheinlich so spektakulär sein würde, denn - ohne den Stühlingern zu nahezutreten zu wollen - soooo spannend ist Lausheim wirklich nicht.

Irgendwie war es keine so geniale Idee gewesen, auf nüchternen Magen drei Bier zu trinken, denn heute Morgen hatte ich ein klitzekleines bisschen Kopfweh. Die Dusche tat Wunder, und noch mehr Wunder tat das großartige Frühstück in unserem wirklich großartigen Hotel, mit jeder Menge Rührei und Lachs und Grapefruit-Saft und Espresso, das war richtig, richtig gut …

Nach dem guten Frühstück fuhr ich schon einmal Tanken, und meine Ma überquerte kurz darauf die fünfspurige Straße, um zu mir zu stoßen.

Danach ging es - mit viel Stau, leider - in Richtung Tauerntunnel und von dort zum Karawankentunnel. Die Beschilderung am Karawankentunnel war absolut verbesserungsfähig (und das ist jetzt die Altersmilde nach ein paar Bier in Umag intus, sonst hätte ich deutlich deftigere Vokabeln verwendet): Normalerweise ist ganz links die Flex-Spur für die Vorbereiteten (wie mich), die sich bei der österreichischen Autobahngesellschaft angemeldet haben und direkt durch die Mautstelle durchfahren können. Am Karawankentunnel gilt das aber nicht (da ist jede Spur Flex), sodass wir völlig unnötig im Stau auf der linken Spur standen - echt nicht so großartig. Als ich das dann endlich einsah und auf die Mittelspuren wechselte, ging zwar die Flex-Bezahlung schnell voran, aber hinter der Mautstelle war trotzdem brutaler Stau, weil die von sechs Spuren (!) auf eine verengten, da die eine Röhre saniert wird - ganz großartig, denn so verloren wir mindestens eine Dreiviertelstunde bis Stunde ...

Als wir dann in Slowenien waren, ging es einigermaßen voran, auch wenn keine alte Sau die vermeintlich (aber nur vermeintlich) für Lkws reservierte Kriechspur benutzte; so fuhr ich an etlichen Helden vorbei, die auf der Mittelspur ausharrten ... Tja ...

Ein kleines Stückchen fuhren wir durch Ljubljana, und die erste Raststätte, die wir aufsuchen wollten, war so gerammelt voll, dass wir weiterfuhren. Kurz vor der Abfahrt von der Autobahn hielten wir aber dann doch, tranken einen Kaffee (ja, auch ich trank einen Espresso), wobei die Toilettengebühr komplett gegengerechnet wurde (vorbildlich!), und in Novo Mesto ging es von der Autobahn herunter.

Google Maps wollte uns mit der Kirche ums Dorf leiten; als ich das bereinigt hatte, waren wir plötzlich viel schneller am avisierten Ziel. Und das war großartig, gerade weil man so überhaupt gar nix sah: keinen Grenzstein, nicht einmal eine Vermarkungsmarkierung, gar nicht ....

Wir kamen ja aus Slowenien und hielten kurz auf kroatischem Gebiet; ab hier fuhr meine Mutter, weil ich auf Google Maps und Openstreetmap verfolgen wollte, wo genau wir gerade waren. Wir hielten direkt vor einer kleinen Kapelle, die großteils in Slowenien, aber auch ein bisschen in Kroatien stand; ich identifizierte die Änderung im Straßenbelag als Grenze zwischen Kroatien und Slowenien - dementsprechend wurden dort Fotos gemacht. Ich führte meine Mutter falsch, sodass wir kurzzeitig im nicht-exklavischen Kroatien waren; dort drehten wir um und fuhren wieder zurück.

Wir bogen an der Kapelle nach rechts ab, meine Ma fuhr über immer enger werdende Straßen in Richtung Kroatien. Die Schranke an dem Feldweg war oben, sodass wir einfach weiterfuhren, auf kroatischem Gebiet kam uns ein Traktor entgegen, sodass wir auf den Rasen ausweichen mussten, danach ging es weiter den Berg hoch - meine Ma konnte kaum sehen, wo wir hinmussten, weil ich Ochse den Fahrersitz so weiter heruntergedrückt hatte, dass sie kaum übers Lenkrad gucken konnte, aber ich versicherte ihr, dass ich schon brüllen würde, wenn jemand käme ...

Schließlich kamen wir - auf kroatischem Gebiet, mitten im Wald - auf eine größere Straße, fuhren diese entlang, kamen an einer offiziellen slowenischen Grenzübergangsstelle vorbei, die aber verwaist war, und dahinter parkten wir.

Ich lief auf die kleine Straße dort, direkt vors Tor einer Einfahrt, denn diese Einfahrt war wohl schon Gebiet der zweiten kroatischen Exklave, ich lief weiter auf der Straße, die gehört angeblich auch zu Kroatien, das alles, bis ich einigermaßen sicher war, dass ich auch in der zweiten kroatischen Exklave ordnungsgemäß eingereist war. Juchhe - alle Ziele des heutigen Tages erreicht!

Wir fuhren weiter, noch einmal durch die unumstrittene kroatische Exklave, dort wechselten wir auch wieder den Fahrersitz, und anschließend fuhren wir über Novo Mesto und Ljubljana zurück. Insgesamt wäre das für jeden normalen Menschen wahrscheinlich ein bisschen enttäuschend gewesen, weil wir nicht einmal einen Grenzstein gesehen haben, aber mit Openstreetmap und Google Maps wusste ich stets, wo wir waren, und dass ich in den Exklaven war - das war sehr euphorisierend! Wie? Was? Ruhe dahinten!

Nach gefühlt 30 Grenzübertritten in 20 Minuten, einschließlich komischer Feldwege und Ausweichen ins Gras, war es nun auf der slowenischen Autobahn - meistens, aber das war mir nach dem Enklavenerlebnis wurscht - ein Vergnügen zu fahren, außer wenn irgendwelche Slowenen meinen Kofferraum besichtigen wollten, weil ich nur die zulässige Höchstgeschwindigkeit fuhr - kurz: Ich regte mich öfter ziemlich auf ...

Kurz vor Koper verließen wir die slowenische Autobahn, fuhren noch ein Stück über die slowenische Landstraße, überquerten ungehindert die kroatische Grenze und kamen so gegen 17.15 Uhr in Umag an. Ich parkte auf dem offiziellen (kostenfreien!) Parkplatz; wir luden das Auto aus und latschten mit Rollkoffer und restlichem Gepäck die zehn Minuten zu unserer Unterkunft mitten in der Altstadt.

Nach WhatsApp-Rücksprache mit der angegebenen Telefonnummer klingelte ich, uns wurde geöffnet, Mutter ist mit der Bude - gerade im Vergleich zur Nacht zuvor - nicht soooo glücklich gewesen, zumal sie eine steile Treppe hoch musste, aber am Ende war sie, glaube ich, auch einigermaßen einverstanden mit der Unterkunft.

Ich guckte mich kurz um, lief die 50 Meter zum (Stein-)Strand, ging zurück ins Zimmer, holte meine Badehose und lief in altem Hemd, Badehose und Adiletten zum Strand. Ich sah, dass es rechts einen Rollstuhlzugang gab, aber den Rest des Ganzen erzähle ich im Stile eines Sportreporters:

Im Rahmen des internationalen Judoländerkampfes kam es heute im kroatischen Umag zum Finalkampf zwischen der kroatischen Lokalmatadorin, der Rollstuhlrampe, und dem deutschen Herausforderer EBBJena. Nach einem vorsichtigen Beginn, in dem sich der Herausforderer langsam gegen die Rollstuhlrampe vortastete, lockte die Rollstuhlrampe diesen auf den schlüpfrigen, abschüssigen Teil der Matte. Der Herausforderer stellte noch fest, dass die Rampe glitschiiiiiiiii ..., da hatte die Rampe ihren Heimvorteil genutzt und einen Fußfeger angesetzt. Der Herausforderer lag käferartig auf dem Rücken und hatte also mit einem Ippon verloren. Dem Herausforderer war es wurscht, denn er krabbelte unter dem Applaus der zahlreich anwesenden Zuschauer weiter in Richtung Meer und genoss den Schwimm im Mittelmeer.

Auf dem Weg aus dem Wasser forderte die Lokalmatadorin den Urlauber zum Rückkampf heraus, doch diesmal konnte der Deutsche den Kampf mit der Kroatin trotz einiger Wackler unentschieden halten.

Der Herausforderer trug nach eigener Aussage nur einige wenige Schürfwunden davon, die von der mütterlichen Sanitäterin versorgt wurden.

 Nach dem Lecken der Wunden und der Dusche verließen meine Ma und ich unsere Bude und machten einen ganz kurzen Spaziergang durch die Altstadt von Umag. Am Ende landeten wir - wenig überraschend - in einer Kneipe mit Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer; dort saßen wir sehr gut und aßen Pulpo und Thunfischsteak ...

Es gab das eine oder andere Mutter-Sohn-Scharmützel, aber der Abend kann so schlecht nicht gewesen sein, denn am Ende wackelten wir ganz gemütlich zurück zu unserer Bude. Jetzt sitzen wir in der Kneipe direkt neben der Haustür, haben noch den letzten Cocktail genossen und gehen gleich ins Bett.

Wir freuen uns schon auf den morgigen Sieben-Länder-Tag - gute Nacht!

Mutmaßliche Grenze zwischen Slowenien (vorne) und Kroatien (hinten)

Kapelle (großteils in Slowenien, kleiner Teil in Kroatien)

Grenzbrücke zwischen Slowenien und Kroatien

Mitten im Wald im Grenzgebiet (da kam kein Traktor mehr entgegen)

Willkommen in Kroatien

Ortsausgang slowenisches Brezovica

Hafen von Umag

Am Steinstrand von Umag

Campanile von Umag

Pulpo zum Abendessen

Thunfischsteak zum Abendessen

Der Mond

Getränke zum Abendessen (Auswahl)

Umag

Freitag, 28. August 2026

"Net so verwässert"

... sei das österreichische Bier im Vergleich zum deutschen, meinte der Rezeptionist eben hier im Hotel in einem Vorort von Salzburg. Gucken wir mal ...

Natürlich verpasste ich gestern Abend den Anschluss in Freiburg, sodass ich erst um 0.27 Uhr in Neustadt ankam und dort von meiner Ma eingesammelt wurde.

Heute war sogar ein überraschend guter Arbeitstag, aber trotzdem beendete ich ihn so gegen 14.30 Uhr, sodass wir um kurz vor 15 Uhr wegkamen.

Wir hatten die Auswahl zwischen der Fahrt über Stuttgart oder über den Bodensee, und ich entschied mich in einem Anfall von völliger Beklopptheit für die Fahrt über Stuttgart. Das Problem war gar nicht einmal so sehr der Feierabendverkehr und auch nicht so sehr, dass die Stuttgarter und Münchner Automobilerzeugnisse offenbar nicht auf der rechten Spur fahren dürfen, sondern vielmehr, dass der VfB Stuttgart heute Abend in München spielt. Dementsprechend voll war die Autobahn, und obwohl das Reißverschlussverfahren einigermaßen klappte, regte ich mich regelmäßig auf und wurde dafür regelmäßig schief von der Seite angeschaut ...

Um Stuttgart kamen wir gut herum, um München nicht so, also fuhren wir durch München, und plötzlich waren wir am Olympiapark, den meine Ma noch gar nie gesehen hatte - joa, passte dann für sie auch ... (Mein Vater und ich waren einstmals 1994 im Olympiastadion zum Fußball gewesen, meine Ma war aber nicht zum Spiel mit, und über den Vorabend im Kloster in Andechs und insbesondere die Heimfahrt breiten wir - trotz Verjährung - schleunigst den Mantel des Schweigens ...)

Nachdem wir München noch einigermaßen im Hellen erfolgreich bekämpft hatten, kamen wir im Dunklen in einen schönen Regenschauer, der dafür sorgte, dass die bayrische Straßenmeisterei sogar die Aquaplaning-Geschwindigkeitsbegrenzung anschaltete.

Gegen 20.46 Uhr verließen wir Deutschland - und es ist soooo furchtbar, dass es bei der Einreise nach Deutschland, die wir auf der Gegenseite sahen, inzwischen wieder eine richtige Grenzinfrastruktur entstanden ist (die Österreicher kontrollieren nicht). Ich glaube nicht, dass die CDU/CSU die europäischen Errungenschaften wie das Schengener Abkommen zerstören will, aber die haben anscheinend so viel Angst vor der AfD (die Faeser-SPD war da natürlich keinen Deut besser), dass sie es billigend in Kauf nehmen, den Herzenswunsch der AfD zu erfüllen und Deutschland aus dem vereinten Europa herauszulösen. Es ist, ganz ehrlich, zum Kotzen. Und dass der Dobrindt sich da grienend hinstellt und die manipulierte Ceuta-Krise händereibend nutzt, um die Grenzkontrollen weiter zu verlängern, obwohl man aus Ceuta gar nicht unkontrolliert in den Schengenraum kommt (und er weiß das genau, aber er hält die Bevölkerung offenbar für so doof, es nicht zu wissen), führt dazu, dass ich Brecht zitieren muss: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen will.

Um 20.57 Uhr kamen wir nach gut sechs Stunden Fahrt an unserem schönen Hotel an; wir hatten aber so viel Süßkram gefuttert, dass wir auf das Abendessen verzichteten und uns aufs Frühstück freuen. Jetzt sitzen wir in der Bar, trinken noch ein (teures) und tatsächlich sehr süffiges Bierchen namens Stiegl. Kann man machen ... Jetzt probieren wir noch das Helle - gute Nacht!

Achso: Die Reisewünsche meiner Ma für 2027 nehmen so langsam überhand - jetzt will sie nicht nur seit Jahren nach Bornholm und eigentlich auch mal in die Eifel, gestern hat sie auch noch einen Bericht über die Jurassic Coast in England gesehen. Oh Mann, mal gucken, wie wir das auch noch unterkriegen im Jahr 2027 ...

Stiegl Pils