... bin ich heute Abend in Aruba, weil ich zu blöd gewesen war, mir den Fahrplan des Flughafenbusses zu merken oder - noch besser - herunterzuladen, obwohl ich an mehreren Stellen freies WLAN hatte; und dann hatte ich einen Bus abfahren lassen, der mich hingebracht hätte, weil ich die Busnummer falsch in Erinnerung hatte. Auch das war verhäfelt in diesem so verhäfelten Urlaub, aber im Großen und Ganzen war heute für mich ein schöner Ausflugstag.
Dieser hatte allerdings nicht so schön begonnen, nämlich mit dem schon angekündigten Wecker um 3.25 Uhr. Die Abfahrtszeit 4 Uhr hielt ich trotzdem ein, und es ging über menschenleere Straßen in Richtung Flughafen. Dort stellte ich das Auto schon am Ankunftsbereich ab (zahlte dafür am Ende elf Euro für den Tag, das lasse ich mir gefallen, dafür, dass ich am Schluss fünfzig Schritte vom Zollausgang zum Auto hatte) und wanderte gemütlich zum eiskalt temperierten Check-in-Bereich.
Dort stellte ich mich in die Schlange, hätte ich gar nicht gemusst, denn in Curaçao kann man mit mobiler Bordkarte an Bord gehen (anders als in Aruba am Abend). Die Ausreise ging heute bei der Grenzerin, die ganz überrascht war, dass ich sie in der hiesigen Sprache, Papiamento, grüßte ("bon dia" kriege ich aber gerade noch hin), die Sicherheitskontrolle war auch noch leer, aber irgendeine Verzögerung gab es trotzdem, denn wir kamen erst um 6.53 Uhr in die Luft, und das, obwohl das bei heute Morgen 14 Fluggästen in der kleinen Twin Otter wirklich schnell ging mit dem Boarden.
Bei dem Ding guckt man den Piloten bei der Arbeit zu, weil es zum Cockpit nur einen Durchgang gibt, nicht einmal eine Tür; ich fand es total spannend, mal wirklich zu hören, wie die Checkliste abgearbeitet wird, das Ding ist im Flug ohrenbetäubend laut, es war klasse.
Nach etwa 35 Minuten Flug kamen wir in Aruba an, die Einreise ging auch fix, aber ich hatte nur großes (US-)Geld und musste das, so entschied ich mich schließlich, erstmal klein machen. Also kaufte ich ein Wasser und eine Cola am Flughafen und hatte jetzt Kleingeld für den Bus. Allein: Der fuhr mir vor der Nase weg.
Mir blieb nix übrig, als mich an die Straße zu stellen, als ein Minibus aufblinkte - er hielt an, ich fragte den Fahrer, ob er nach Oranjestad führe, das tat er, also stieg ich ein. Auch hier war es gar kein Problem, mit US-Dollar zu zahlen (obwohl Aruba eine eigene Währung hat), und so kam ich in der Wilhelminastraat raus.
Von da lief ich ein paar Schritte zu Hafen und hörte plötzlich die niederländische Nationalhymne. Nanu, was ist denn hier los? Es stellte sich heraus, dass heute Flaggentag war, und zwar sogar ein besonderer, denn vor 50 Jahren wurde die Flagge Arubas erstmals gehisst. (Hinzu kommt, dass Aruba seit 40 Jahren eigenständiger Teil des Königreichs der Niederlande ist.)
Achso, ja, passt hier: Ich weiß nicht, ob ich es schon einmal geschrieben habe, aber das Königreich der Niederlande besteht aus vier formal gleichberechtigten Teilen, nämlich den Niederlanden (großteils in Europa) und den karibischen landen (Ländern) Aruba, Curaçao und Sint Maarten. Bei den Niederlanden schreibe ich "großteils in Europa", weil drei kleinere karibische Inseln, nämlich Bonaire, Saba und Sint Eustatius, formal zu den Niederlanden (als Teilstaat des Königreichs) gehören. Jo, und in allen vier Ländern des Königreichs war ich seit heute - juchhe!
Ich guckte kurz den Feierlichkeiten zu, kam dann - auf Spanisch! - ins Gespräch mit Tony, der mir die Unterschiede zwischen den Menschen aus Aruba und aus Curaçao erläutern wollte - am Ende waren wir der gemeinsamen Ansicht, dass man das Leben genießen sollte -, dann lief ich ein paar Schritte zum Busbahnhof.
So langsam wurde mir klar, dass Feiertag ist, denn das Busbüro war geschlossen; daher konnte ich auch keine Tageskarte kaufen. Dementsprechend fuhren die Busse auch nach dem ausgedünnten Wochenendfahrplan, aber - nach dem Einkauf von Aruba-Souvenirs, auch um mehr Kleingeld zu haben - erwischte ich direkt einen Bus zum Arashi Beach. Dort wollte ich hin.
Wir fuhren am Eagle Beach und am Palm Beach vorbei, unglaublich weißer Sand, unfassbar schön - und dann war ich fast ein wenig enttäuscht, weil nach Norden hin die Strände rauer, felsiger, steiniger wurden ... Ich bereute fast, nicht schon früher ausgestiegen zu sein, als ich am - schon zu relativ früher Morgenstunde - proppenvollen Arashi Beach ankam: Ich bereute nicht mehr ...
So wie Aruba stellt man sich die Karibik vor, und da oben war es richtig hübsch. Nach einem Missverständnis zwischen Bedienung und mir aß ich mein Frühstück aus Pastechi (Teigtaschen mit, in meinem Fall, Fleischfüllung) und Orangenschaft, bevor ich - um mich herum wurden schon um 9.30 Uhr Cocktails verzehrt! - an das Bier aus Aruba namens Balashi herantraute: Jo, kann man trinken, das Mango Balashi muss aber nicht unbedingt sein.
Ich zahlte, stellte meinen Rucksack auf einen Stehtisch, hoffte, dass er nicht geklaut würde (wurde er nicht) und stieg in die türkisen, aber gar nicht so brutal warmen Fluten: Es war herrlich, endlich, endlich im Meer zu schwimmen und mich von den Wellen dahintreiben zu lassen.
Nach ein paar Minuten war aber auch wieder gut, ich entstieg den Fluten, ließ mich lufttrocknen - und ging wieder in die Bar. Hier trank ich Cola, versuchte, die leeren Becher und die leeren Dosen vor dem Wind zu bewahren, das ging regelmäßig in die Hose, ich aß noch einen Fischburger mit einer Art Mais-Pommes, das isst man hier wohl öfter, und brach dann mit dem 13.30-Uhr-Bus auf.
Ich fuhr bis zum Eagle Beach, schaute aber, dass ich mir nicht vollends die Beine verbrenne und stolperte erst einmal in eine - auf Google furchtbar schlecht bewertete - Bar. So schlimm fand ich die jetzt, ehrlich gesagt, nicht einmal, der Blick auf den schneeweißen Strand war toll, auch die Toilette war sehr ordentlich - vielleicht kann das Essen nix, aber das habe ich da nicht probiert.
Ich zog weiter, in die dritte und letzte Strandbar des Tages, auch da war es schön, auch da war es warm und windig, sodass ich mich in den Schatten verzog und den lieben Gott einen guten Mann sein ließ. Kostenfreies WLAN gab es da auch, das passte, und um 16.45 Uhr wollte ich den Bus zum Busbahnhof kriegen. Das passte gut, ich setzte mich am Busbahnhof auf eine Bank, verwechselte dann die L2 und die L2A, sodass ich die L2 fahren ließ (weil ich dachte, nur die L2A führe zum Flughafen), und bekam zunehmend Sorge, dass es jetzt knapp werden könnte, wenn ich nicht jetzt loslaufe zum Flughafen.
Ich wechselte die Flipflops in meine festeren Schuhe um, lief mit meiner gestern gekauften orangefarbenen Curaçao-Badehose durch Oranjestad (und wurde von zwei Niederländern gefeiert ...), zunächst durch die Innenstadt, dann durch ein eher Wohnviertel. Auf dem Cricket-Feld (oder so) wurde der Nationalfeiertag begangen, und nach einer guten Stunde Wanderung kam ich - verschwitzt wie ein Biber - am Flughafen an.
Der Check-in (ich brauchte ja eine physische Bordkarte) klappte gut, die Ausreise und die Sicherheitskontrolle waren auch kein Problem, und so saß ich schließlich am Gate A. Ein - ich glaube - relativ hohes politisches Tier (ich konnte den Mann aber nicht identifizieren) war heute Morgen schon mit mir nach Aruba geflogen (mutmaßlich zu den Feierlichkeiten) und flog auch jetzt wieder zurück, diesmal ging es im Dunkeln die etwa 35 Minuten zurück nach Curaçao, und heute Abend kamen wir sogar früher weg und dementsprechend früh an.
Ich durfte - schlussendlich - auch wieder durch die elektronische Einreise und war schon sehr fix komplett durch Zoll und alles durch. Leider, denn unsere Koffer standen nicht in der Gegend herum, und bei der Gepäckermittlung war sonst auch keiner mehr zu sehen ...
Ich fuhr also - in Badehose und verschwitztem Hemd - nach Hause in unsere schöne Unterkunft, und morgen (nein, jetzt schon heute!) wird dieser Tag gefeiert wie immer, ganz egal, ob unser Gepäck kommt oder nicht!
Meine Ma war derweil hier in ebendieser Unterkunft, ging auch einmal schwimmen und war zufrieden, auch wenn sie meinte, dass die Wellen relativ stark gewesen seien. Das muss ich morgen früh mal mit ihr erkunden ...
Wie erwartet auch heute nichts zum Fazit für Guyana, dafür aber ein paar Fotos von heute:
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| Kleiner Mitgenießer |
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| ... am Eagle Beach |
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| Arashi Beach ist auch schön |
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| Bierkunde musste auch sein |
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| Feierlichkeiten I |
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| Feierlichkeiten II |
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| Blick ins Cockpit |
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| ... und in die Kabine |
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| In Curaçao durfte ich Fotos machen, in Aruba nicht ... |