… habe ich mich heute in den Straßen der ehemaligen "French Concession", dem ehemals französischen Schutzgebiet hier in Shanghai, gefühlt - das hatte mit seinen Platanenalleen, seinen hippen Barista-Cafés und den kleinen Street-Food-Ständen ein, naja, irgendwie unchinesisches Feeling. Ich kann mich so gar nicht erinnern, hier schon einmal gewesen zu sein, obwohl ich jetzt zum mindestens dritten Mal in Shanghai bin, aber da hat es mir wirklich sehr gut gefallen!
Der Flug war okay, ich saß in der letzten Reihe, aber die war trotzdem verstellbar, und wir hatten so weit hinten nur zwei Plätze nebeneinander; neben mir saß eine junge Chinesin mit wirklich riesigem Schminkkoffer, und der wurde vor der Landung auch durchaus gewinnbringend eingesetzt. Naja, elf Stunden Flug sind nie so richtig grandios toll, aber mit Kung Fu Panda 4 und relativ viel Schlaf ging das auch rum. Um 0.59 Uhr papua-neuguineiischer Zeit (da waren wir nahe Papua-Neuguinea) überquerten wir den Äquator, damit ist meine 18. Südhalbkugel-Reise auch in den Büchern …
Die Einreise in Shanghai war wie immer einigermaßen problemlos, auch weil wir Deutschen im Vergleich zu den Türkinnen vor mir vergleichsweise wenig gefragt werden - aber die elektronische Einreiseanmeldung sollte man haben, sonst steht man da ein bisschen unqualifiziert in der Gegend herum.
Ich kaufte mir noch schneller als bei der ersten Visite hier die Tageskarte für die Metro für wieder einmal lächerliche 2,25 Euro, dann ging es auch schon zum Hotel, wo ich gegen 6.30 Uhr aufschlug (ich hatte die erste Metro des Tages erwischt). Einchecken konnte ich noch nicht, wie mir per Übersetzungs-App beigebracht wurde, aber meinen Rucksack abstellen konnte ich. Das tat ich und brach - mit frisch auf der Gästetoilette geputzten Zähnen, aber ohne Sonnencreme, dafür mit Hut und unwilliger Powerbank - auf ins Abenteuer Shanghai 2026 II.
Erste Station des heutigen Tages war das deutsche Generalkonsulat, und der Weg dorthin von der Metrostation Shanghai Library war schon großartig (auch wenn mich die eine KI komplett falsch schicken wollte). Der Weg war so toll, weil der schon in der French Concession war und also platanengesäumt, und das Generalkonsulat selbst ist - ebenso wie viele Bauwerke dort - ein wunderschöner alten Kolonialbau. Auch durfte ich ungestört zwei Fotos schießen, ohne meinerseits gleich erschossen zu werden - sehr gut!
Danach leitete die KI mich in die Wulumuqi Road. Und ja, dort ist es schön - eine Essensbude an der anderen, dazwischen auch wieder Barista-Cafés und europäisch oder amerikanisch anmutende kleine Boutiquen, das war schon schön dort.
Überhaupt konnte mich die KI (zur Verwendung derselben auf dieser Reise werde ich im Fazit sicherlich etwas schreiben!) heute nur leiten, weil ich mir eine sogenannte eSIM zugelegt hatte. Wenn man von "sogenannter eSIM" schreibt, macht man es sowieso falsch, weil die Kenner bei "sogenannt" abwinken und an "sogenannte Smartphones" denken, und die Nicht-Kenner eh nicht wissen, was gemeint ist. Sei's drum: Für ziemlich wenig Geld (zwei US-Dollar für Neuseeland, vier US-Dollar hier für China) kann man sich bei irgendwelchen Großhändlern Datenpakete für ein Land kaufen und das dort verwenden für WhatsApp, für Google, für diverse KIs. Das besonders Praktische hier in China ist, dass meine eSIM offiziell eine Karte aus Hongkong ist, und die umgeht alle Sperren der Great Chinese Firewall, also der Internetzensur hier in der Volksrepublik. Google, Spiegel, CNN geht alles in China eigentlich nicht, über die eSIM ist das gar kein Problem (deswegen sind die eSIM-Verkaufsseiten ihrerseits in China gesperrt, d.h. du musst die eSIM zwingend vor Einreise kaufen und dann hier in China aktivieren). Das habe ich jetzt auf der Reise erstmals großflächig genutzt, weil mein vorheriges privates Handy uralt war und dementsprechend noch nicht eSIM-fähig. Mit meinem neuen Gerät klappt das wunderbar - das werde ich öfter machen …
Auch öfter gemacht habe ich heute dann die Zahlung mit WeChatPay. Hatte ich mich in der Wulumuqi Road erst noch nicht getraut, mich da einfach an einen Tisch zu setzen und über den QR-Code zu bestellen (und als ich mich getraut hatten, fingen sie gerade an mit Aufräumen, da bin ich schon auch schnell weg), und auch nicht getraut, an so einem Straßenstand mit den QR-Codes zu bezahlen. Ich fuhr mir dann noch ein bisschen Mut in der U-Bahn an, stieg zwei Stationen weiter aus und lief ein paar Schritte (immer noch unter Platanen) zu einer relativ bekannten Kette für Shengjianbao. Xiaolongbao hatte ich ja schon probiert auf dem Hinweg, das waren Teigtaschen, die gekocht waren, Shengjianbao ist so ähnlich, aber die sind unten angebraten und daher auf der Unterseite fest.
Erstmal kam aber das Abenteuer Bestellen: Ich lief rein in das Ding und setzte mich an einen Tisch. An jedem Platz ist ein QR-Code, den scannt man mit (z. B.) der WeChat-App, einer App wie WhatsApp, die aber intern auch eine Bezahloption hat; die muss man natürlich vorher freigeschaltet haben, indem man sie etwa mit einer westlichen Kreditkarte verbindet. Danach bekommt man - ein paar Cookies muss man freigeben (das kam nur auf Chinesisch, auweia) - die Karte angezeigt, die entweder schon auf Englisch ist oder die man sich automatisiert übersetzen lassen kann (die Englisch-Deutsch-Übersetzung ist Mist …). Danach wählt man sein Essen aus und sein Getränk, klickt auf Bezahlen, muss dann seinen vorher eingerichteten Bestätigungscode eingeben und dann verbindet sich die WeChatPay-App mit deiner Bank, bucht das ab und bestätigt dem Restaurant nicht nur die Bestellung, sondern auch gleich die Bezahlung. Ungelogen 15 Sekunden später hatte ich meine Shengjianbao auf dem Tisch stehen, auch das Getränk kam bald und meine Suppe ebenso.
Diese Shengjianbao sind - ebenso wie die Xiaolongbao - echte Zungenbrenner (und -brecher, jaha), obendruff sind die schön weich, da muss man reinbeißen in die mit Sesam und nochwas bestreute Kappe. Dann soll man die Saft aussaugen (idealerweise auf einem Löffel, damit da nichts verloren geht) und dann isst man die auf. Wenn man einfach so reinbeißt, spritzt man bis zum nächsten Tisch - und verbrennt sich die Zunge. Joa, ich wurde sowohl beim Bestellen als auch beim Essen beobachtet, aber als sie gemerkt haben, dass ich das mit dem Bestellen hinkriege - anfangs mit ein bisschen Mühe -, war das alles wunderbar - und wenn du dir nicht gerade die Nase schnäuzt, kannst du in China beim Essen eh nix falsch machen? Schlürfen? Muss man! Zu Tisch liegen? Klar! Schlabbern? Dafür gibt's Taschentücher en masse.
Ich war verfressen und hatte vergessen, dass ich ja noch Schweinebauch in einer anderen Gaststätte probieren wollte, also bestellte ich noch einmal vier Shengjianbao, diesmal mit Schweinefleisch und jeweils einer Garnele drin, und noch (kalte) Wonton mit einer - wie sich herausstellte - Erdnusssoße. Auch das war beides sehr, sehr lecker - und insgesamt zahlte ich keine zehn Euro …
Ich stand auf und verließ das Etablissement (das macht man hier so, man hat ja bezahlt) und lief in Richtung der Nanchang Road. Die gilt als das Herz der French Concession, und ich verstand auch sehr schnell, wieso: Auch hier sind viele Platanen, auch hier sind viele Boutiquen, aber irgendwie fühlt sich das noch konzentrierter an als vorher in der Wulumuqi Road. Kurzum: Es war herrlich!
Ebenso herrlich (und gut!) war der Hinweis meines KI-Reiseführers, dass ich den Fuxing Park aufsuchen möge, gerade an einem Sonntag. Ich bin jetzt nicht so der riesengroße Park-Fan, aber das ist ein absolutes Muss. Ob das jetzt der Central Park von Shanghai ist, das sei einmal dahingestellt, aber als ich da reinkam, kam ich erst einmal an einem riesigen Blumenbeet vorbei, das und im Hintergrund die Wolkenkratzer, das ist schon einmal ein schönes Bild. Aus den Weiten des wunderbar grünen Parks kam Musik, also lief ich in die Richtung. Dabei lief ich einen überdachten Weg entlang, an dessen Rand viele Bänke standen, auf denen viele Menschen saßen und sich unterhielten. Die Musik wurde immer lauter - und vielstimmiger … Da standen ältere Menschen und sangen so etwas Ähnliches wie Karaoke, und auf der anderen Seite einer wunderschönen Blumenanlage tanzten (ganz vorwiegend ältere) zu alter chinesischer, alter klassischer und modernerer Musik - zur Belustigung jüngerer Chinesen und aller Ausländer. Aber das war kein Auslachen, sondern ein "Süßfinden", wie die Leute da in aller Ruhe tanzten, während ich sie umtanzte, weil ich da durch wollte … Dieser Fuxing Park ist echt wunderschön!
Weiter ging es aus dem Park heraus und dann in die nächste Metrostation rein. An der Nanjing Road, der Haupteinkaufsstraße von Shanghai, kam ich raus - und wurde das erste Mal von Schleppern behelligt: "You want Shopping?" "Bu yao" - ich will nicht!
Mir war wieder eingefallen, dass ich noch unbedingt Großmutters Schweinebauch versuchen wollte, also lief ich in Richtung der kleinen Kette, die das anbietet, nur um den Standort leer vorzufinden. Sie waren umgezogen, die Dachterrasse, in der ich ein Bier trinke wollte, hatte eh noch nicht auf, also lief ich im Schatten, jetzt war es warm und sonnig geworden und ich nicht eingeschmiert, in die neue Großmutter-Location. Da stand auch eine Schlepperin davor, die sich richtiggehend freute, einen Ausländer eingefangen zu haben; ich bekam einen Tisch in einem modernen Restaurant in der zweiten Etage, nichts mit Street Food, das war ein richtiges Restaurant.
Ich bestellte über die WeChatPay-App (anders als ich China-Experte musste der einzige andere Ausländer zum Zahlen mit an die Kasse vortappen - Anfänger, höhö!) meinen Schweinebauch (Ruhe dahinten!), Bier gab es auch, wunderbar, auch das wurde bestellt, und dann futterte ich da die große, für China mit 11 Euro nicht billige Portion auf - und war tatsächlich sehr zufrieden (einmal stöhnte ich sogar kurz). Man sollte die Soße über den Reis (den ich für 3 Yuan, also 38 Cent, dazubestellt hatte) gießen und das dann genießen, aber da streikte mein Bauch endgültig - Überfressalarm!
Ich versuchte, das Ganze mit einem zweiten Bier zu beheben, das klappte nicht, also ging ich und fuhr heim ins Hotel. Dort konnte ich schon einchecken und war umgehend im Bett.
Um 20.20 Uhr klingelte der erste Wecker, um 20.30 Uhr der zweite, um 20.50 Uhr stand ich schließlich auf, duschte (herrlich!), checkte aus, lief zur Metro, die einigermaßen leer war, latschte zur Sprengstoffkontrolle, überstand selbige, lief - inzwischen kenne ich mich ja wieder aus in Shanghai - zur Bordkartenkontrolle, reiste aus, ging durch die Sicherheitskontrolle, fuhr mit dem Bähnchen und sitze jetzt hier am Gate - in zehn Minuten soll das Boarding beginnen, mal sehen, was das wird …
Das war noch einmal ein wunderbarer Abschlusstag in Shanghai mit (zu) viel gutem Essen - mein Flieger geht um 0.15 Uhr chinesischer Zeit (18.15 Uhr am Sonntag deutscher Zeit) und soll um 6.05 Uhr in Frankfurt landen. Ich hoffe, um 11.39 Uhr in Rötenbach zu sein, um noch kurz duschen zu können, bevor es dann nach Essen geht. Darüber werde ich morgen berichten und vielleicht auch schon in Fazit schaffen, lang genug im Zug sitze ich ja, aber mal gucken, ob ich ein bisschen Schlaf nachholen muss, wenn ich da auf dem B-Sitz eingeklemmt sitze …
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| Abschied von Auckland |
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| Generalkonsulat in Shanghai |
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| French Concession |
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| Kalte Wonton mit Erdnusssoße (unten links der QR-Code) |
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| Shengjianbao |
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| Platanen in der French Concession |
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| Fuxing Park |
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| Schweinebauch mit hartgekochten Eiern |
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| Fuxing Park I |
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| Fuxing Park II |
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| Fuxing Park III |

























































