Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 5. September 2026

'n bisschen eskaliert

... ist mein Frühschoppen heute auf der Galatabrücke möglicherweise, aber nur ein klitzekleines bisschen. Was willste machen? Die Musik war gut, die Ober waren freundlich und nicht einmal unbedingt auf Beschiss aus, ich konnte auf den Bosporus und auf die Fähren und auf viele, viele Menschen gucken, die da unten entlangliefen, irgendwann wurde ich gewahr, dass es dort auch Fischdöner, also Balık ekmek, gibt, und zwar zu einem für dort und insbesondere im Vergleich zum teuren Bier sehr akzeptablen Preis, jo, und dann kam eins zum anderen ...

Der Flug war sehr entspannt, die Schweiztürkin (?) neben mir rutschte kurz vor dem Start um 21.24 Uhr Schweizer Zeit auf den freien C-Platz, sodass der Mittelplatz frei war, ich guckte zweieinhalb Serienepisoden und schaute auf das nächtliche Belgrad, bevor wir um 0.43 Uhr Ortszeit (23.43 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Freitag) in Istanbul landeten. Wir fuhren ein bisschen auf dem Flughafen herum, kamen dann aber am Finger zu stehen, die Einreise ging einigermaßen zügig, auch wenn mein Grenzer natürlich wieder der Allerlangsamste war und bei meinem Vordermann sogar den Führerschein sehen wollte (!). Entsprechend genervt-geschäftsmäßig war ich unterwegs, er dann auch, und irgendwann hatte ich meinen Stempel im Pass und zog von dannen.

Eigentlich hatte die Metro um 1.30 Uhr schon aufgegeben, als ich so gegen 1.21 Uhr durch den Zoll war, aber am Schluss schaffte ich es doch mit einigen Minuten Puffer, weil ich die Länge des Weges etwas überschätzt hatte und weil meine Kollegin, der ich meine Istanbulkart mitgegeben hatte, als die im Frühjahr hier war, noch ein bisschen was übriggelassen hatte. Wenn ich da noch an den Geldautomaten gemusst hätte, um die aufzuladen, wäre es sehr knapp geworden.

Die knapp einstündige Metrofahrt nach Kadıköy überstand ich im Honigkuchenpferd-Status, nicht nur, weil ich die Metro geschafft hatte, sondern weil ich endlich wieder in Istanbul war. Als ich an der Endhaltestelle ausstieg und den (falschen) Ausgang nahm, endete ich am Fährhafen mit Blick auf die nächtlichen Schiffe und den nächtlichen asiatischen Bahnhof - und war glücklich ...

Auch um 2.30 Uhr war in Kadıköy noch jede Menge los, eine Männergruppe sang an einem kleinen Platz hemmungslos schief ein Ständchen, und in meinem Hotel war auch noch jemand da. Mein Zimmer im dritten Stock ist okay, nicht herausragend, aber für zwei Nächte reicht es bestens, insbesondere wegen der Existenz eines abnehmbaren Duschkopfs und einer Klimaanlage ...

Ich stellte den Wecker auf 7.30 Uhr, kuschelte noch bis 8 Uhr und ging dann duschen. Das Frühstück gibt es auf der Dachterrasse, und ich setzte mich nach draußen, auch wenn ich keinen Hut aufhatte (aber ich war schon eingeschmiert).

Ich war sofort ans Buffet gegangen, stellte aber am Tisch fest, dass ich Besteck (und Tee) vergessen hatte, und lief noch einmal rein. Als ich zurückkam, waren irgendwie weniger Pommes auf meinem Teller als vorher - die Frau am Nebentisch grinste mich an, entpuppte sich als Deutschtürkin und meinte, eine Möwe habe mir die Pommes geklaut ... Sowas auch!

Beim zweiten Gang zum Buffet (aber erst da) fiel mir der Aushang ins Auge, dass man sein Essen genau deswegen nicht unbeaufsichtigt lassen möge, aber da war es halt schon zu spät.

Das Frühstück war türkisch, mit Ei und Börek und diesem wunderbaren Spaghetti-Käse, den ich sowieso immer gerne in der Türkei esse, und Tee, das schmeckte sehr lecker, da komme ich wieder morgen früh ...

Jetzt aber ging ich - mit Zwischenstopp im Zimmer, um meinen leeren (Tages-)Rucksack zu holen - schnurstracks zur Fähre. Die große Fähre um 9 Uhr hatte ich gerade verpasst, aber die kleine Fähre um 9.10 Uhr erwischte ich entspannt. Und es war wie immer: Als ich auf der Fähre saß, setzte schlagartig Entspannung ein - herrlich!

Wir fuhren pünktlich ab und tuckerten ganz gemütlich die 20 Minuten in Richtung Europa, am asiatischen Bahnhof vorbei, den Blick auf die Blaue Moschee und die (eingerüstete) Hagia Sophia genoss ich ebenso wie den auf den Topkapı-Palast und den Galataturm und den Bosporus überhaupt - immer wieder so, so schön!

Wir fuhren unter der Galatabrücke durch, ich entschied mich spontan, in Karaköy auszusteigen, und lief zur Straßenbahn. Die erwischte ich, aber sie zeigte nur Eminönü an. Es gab ungewöhnlich viele Ansagen in der Bahn, und anders als sonst, wenn die Bahn nur nach Eminönü fährt, stand nicht schon der weiterführende Zug bereit ... Als dem Verhalten der Mitreisenden schloss ich (und eine englischsprachige Guidin meinte das auch zu ihrer Truppe), dass es irgendeine Streckenstörung gebe - also machte ich mich auf Schusters Rappen auf den weiteren Weg - ich wollte zur Hagia Sophia.

Ich lief ein bisschen querstraßein, und das war eine gute Entscheidung, weil ich in (schöne) Ecken kam, in denen gewesen zu sein ich mich nicht erinnern kann; touristisch, ja, klar, aber schon au schön, wie man im Schwarzwald sagt. (Achso: Dass ich gestern schrieb, "meine Mutter fahre zu", sorgte für Rückfragen - das ist wohl ein Alemannismus [das Wort gibt es wirklich], denn wenn meine Mutter zufährt, heißt das, dass sie losfährt. Vielleicht hatten sie doch recht in Hannover, dass sie an meinem "Guten Morgen" erkennen konnten, dass ich nicht von dort stamme, obwohl ich auf mein Hochdeutsch eigentlich einigermaßen große Stücke halte ...).

In Gülhane stieß ich bei meinem Abenteuerspaziergang aber auf die Straßenbahngleise und lief danach den altbekannten Weg hoch zu Hagia Sophia und Blauer Moschee. Ich ging in beide nicht rein (es war heiß!), sondern lief zu in Richtung des Großen Basars. Eigentlich wollte ich wie immer zum Hof der Süleymaniye-Moschee, aber in den Basar wollte ich doch kurz rein - zum Dank verwirrte er mich, und ich lief zur falschen Seite wieder raus, sodass ich, um zur Süleymaniye zu kommen, noch einmal ums Karrée laufen musste.

Den Blick von der Süleymaniye-Moschee fand ich wie immer ganz herausragend schön, auch weil ich fantastisches Wetter erwischt hatte (abgesehen davon, dass ich schwitzte wie ein Biber). Im Gegensatz zu den beiden Amerikanerinnen vor mir wusste ich, dass ich bergab wollte (die wollte zum Großen Basar und liefen falsch), ein Müllauto sorgte für Verkehrschaos (und ich trug womöglich ein bisschen dazu bei, weil ich eifrig im Weg herumlief, aber ich wollte halt den Berg runter), am Ende verlief ich mich, aber da ich hier meine tolle eSIM habe, konnte ich mich über Google Maps wieder orientieren.

Ich ging kurz in den Gewürzbasar, der Typ aus Schwäbisch Gmünd war heute nicht da, ich wollte aber eh nix kaufen, also ging ich runter in Richtung Eminönü und kaufte unterwegs ein Simit. Normalerweise teile ich das brüderlich mit den Möwen, aber erstens hatten die mir heute Morgen schon mein Essen geklaut, und zweitens entschied ich mich, vorsätzlich in eine Touristenfalle zu laufen.

Ich setzte mich nämlich in eine der Kneipen auf der Galatabrücke - und genoss den Blick auf den Bosporus und die Fähren und überhaupt. Bier ist in Istanbul immer teuer, da besonders, aber mir war es für meinen Frühschoppen (es war 11.30 Uhr) ziemlich wurscht. Der Ober klärte mich sogar auf, dass sie zwei Karten haben: eine mit zwei Biergrößen (0,3 l und 0,5 l) und eine zweite mit drei Biergrößen (zusätzlich noch 0,7 l). Die Preisgestaltung ist abenteuerlich, denn der Unterschied zwischen 0,3 l und 0,5 l ist gering, der zwischen 0,5 l und 0,7 l riesig, so riesig, dass es teurer pro Volumeneinheit ist, das ganz große Bier zu bestellen als das kleine; in jedem Fall hätte er meine Bestellung "groß" (in Bezug auf die erste Karte) als "groß" in Bezug auf die zweite Karte auslegen können (in betrügerischer Absicht, und ich unterstelle, dass das da auch gelegentlich passiert), aber heute waren die da alle lieb - zunächst (okay, der Spannungsbogen ist ein bissel viel, aber bissel ist okay) ...

Jetzt saß ich da und konnte nicht anders, Gott helfe mir. Das erste Bier war richtig, richtig lecker, und an der Ordnungszahl kann man erkennen, dass auch ein zweites Bier (öhm, mindestens) konsumiert wurde. Es war aber auch zu spannend, da zu sitzen und den Menschen (durchaus auch etliche Türken!) zuzugucken, wie sie da in der Gegend herumliefen.

Der arme Anquatscher war ziemlich erfolglos, einmal grinste ich ihn auch schief an, er grinste noch schiefer zurück, aber in so eine Touristenfalle gehen halt nicht so viele Menschen. Wobei ich das "Touristenfalle" schon relativieren muss, denn auf einmal legten sie einen Beizettel zur Speisekarte auf, nachdem es Balık Ekmek gab, und das kam so rechtzeitig, dass ich zusätzlich noch eine Cola bestellen konnte. (Wie? Auch noch ein Bier? Fake News!)

Auch die beiden türkischen Freundinnen oder Schwestern, die hereingekommen waren, die eine mit ihrem Sohn, tranken ein Bier und aßen Fischdöner, aber als sie aufbrachen, stellte ich mit Erschrecken fest, dass sie ihre Biere gar nicht ausgetrunken hatten. Wo gibt's denn sowas? Naja, okay, vielleicht war das auch der Schreck gewesen, weil plötzlich eine Angelleine von einem der Angler oben auf der Brücke sich in unser Lokal verirrte und da festhing. Der Köder muss sehr knapp an den dreien vorbeigeflogen sein. Nun, die Leine wurde mit einem Feuerzeug durchtrennt (Strafe muss sein) und dann wieder freigelassen.

Ich hatte im Gewürzbasar ein Foto gemacht und in den Status gestellt, und das Bild weckte bei einem der Kollegen von der 2020er-Reise Erinnerungen an ebendiese Tour und an unsere eine Kollegin, die auch mit dabei war und Anfang dieses Jahres völlig überraschend gestorben war. Wenn jemand gesagt hätte, dass ich noch ein Bier auf sie trinken müsste, wäre sie das gewesen - und ich fand es da halt auch echt gemütlich ...

Am Ende wollte ich zahlen, und dann passierte etwas, wo ich wieder nicht weiß, ob die Herrschaften einen echten Fehler gemacht haben, unfähig waren, Schlawiner oder Betrüger, denn auf meiner Rechnung standen fünf Bier, eine Cola und zwei Fischdöner (ja, ich hatte nach dem ersten Hüngerchen noch eins und brauchte ja ein bisschen Grundlage und die sahen wirklich sehr gut aus; dafür verzichte ich heute Abend auch auf eine Vorspeise oder so ...).

Nun war mir der ältere, schnauzbärtige Ober eigentlich sehr sympathisch (so sympathisch, dass ich überlege, ob ich in die Reihe der Schnauze aufnehme - Schnauz I und II waren ja in Griechenland auf der großen Balkantour 2004, Schnauz III in Zypern 2011 gewesen; andererseits war bei allen bisherigen Schnauzen meine Ma mit dabei, von der muss ich mir jedenfalls Genehmigung einholen ...), und die Beanstandung wurde auch sofort akzeptiert, sodass Schnauz [IV, unter Vorbehalt] dann auch ein ordentliches Trinkgeld bekam und auf die Frage, ob ich morgen wiederkäme, auch kein festes Nein. Gucken wir mal.

Jo, danach schleppte ich mich auf die Fähre nach Üsküdar, genoss die Überfahrt, stellte dort fest, dass die Fähre aufs Goldene Horn, die ich eigentlich nehme wollte, erst in einer Dreiviertelstunde fahren würde, fuhr stattdessen nach Beşiktaş, genoss die Fährfahrt, kaufte mir da noch ein Simit, futterte es (allein) auf, weil da auch nicht alle paar Minuten was weiter nach Kadıköy fuhr, schließlich aber fuhr die Fähre, wenig überraschend genoss ich auch diese Fährfahrt (herrlich!) und kam dann in Kadıköy an ungewohnter Stelle an (die Fähre Beşiktaş-Kadıköy mit dieser Gesellschaft hatte ich wahrscheinlich noch gar nie genommen ...). Achso: Und auch hier - wie oft in Istanbul - sah ich oft Freundinnen, von denen die eine Kopftuch und die andere kein Kopftuch, aber dafür ein Trägertop trug, scheint hier zu funktionieren, irgendwie.

Ich lief einen unbekannten Weg hoch, auch viele, viele schöne Kneipen - und begegnete vielen Fußballfans: Heute Abend spielt Fenerbahçe gegen Beşiktaş, was ich natürlich erst heute Morgen geschnallt habe. Als eines der großen Stadtderbys ist das Spiel natürlich ausverkauft, und ich brauchte auch erstmal ein bisschen Pause, sodass ich mich jetzt dagegen entschieden habe, auf dem Schwarzmarkt noch an Karten kommen zu wollen ...

Ich ging stattdessen in meine Bude, erholte mich ein bisschen, hörte noch ein bisschen Bundesligaradio (das geht ja auch außerhalb Deutschlands bzw. des EWR) und gehe jetzt gleich noch gemütlich zum Hamsi (oder zumindest da in die Nähe). Ich glaubte, heute Abend Appetit auf ein bisschen Fleisch zu haben, den Fischdöner und mich verbindet ja so ein bisschen eine Hassliebe, ich mag ihn sehr, aber der Salat da drauf und manchmal vielleicht auch der Fisch mögen meinen Magen nicht immer ganz so sehr - mir geht es gut, alles bestens, aber vielleicht musste es heute Abend nicht schon wieder Fisch sein ... (Wie, am Bier soll's liegen? Kann ja gar nicht.)

Als es dunkel wurde, verließ ich meine Bude und entschied mich, erst einmal noch eine Nachtfährenfahrt zu machen (letzte Nacht war ich zu spät dran, und morgen muss ich dann schon am Flughafen sein). Ich lief also runter nach Kadıköy, stieg auf die (verspätete) Fähre nach Karaköy und Eminönü, blieb einfach auf der Fähre und fuhr wieder zurück. Das Lichtermeer von Istanbul ist halt einfach immer schön ...

Ich hätte fast einen Hähnchen-Döner verspeist, lief hoch zum Hamsi, hatte aber immer noch keinen richtigen Hunger und traf am Ende die einzig richtige Entscheidung ... Wie? Zum Hamsi? Neihein, ich lief zu Migros, kaufte da etwas zu trinken für die Nacht, holte mir noch ein Eis auf die Hand und bin jetzt schon im Zimmer und gehe einigermaßen zeitig ins Bett ...

Das war ein schöner Tag. Gute Nacht!

Wieso sind die Fotos denn auf einmal, nach Jahren, in der richtigen Reihenfolge?!

Fressgass in Europa

Wilma vor Blauer Moschee

Hagia Sophia (eingerüstet)

Blick vom Hof der Süleymaniye-Moschee

Gewürzbasar

Simit, für mich allein

Efes, auch für mich allein

Fischdöner

Hitchcock was hier

Mädchenturm

Istanbul by night

Galatabrücke und Süleymaniye-Moschee

Freitag, 4. September 2026

Ein Hoch auf die Schweiz

Das, liebe Freunde insbesondere vom Stuttgarter Flughafen, muss ich jetzt wirklich einmal loswerden: Zum wiederholten Male in Zürich war ich innerhalb von zehn Minuten nach dem Aussteigen aus dem Auto im sicheren Bereich und also schon durch die Sicherheitskontrolle durch. Ich habe es eben noch einmal darauf ankommen lassen und alles im Rucksack gelassen - was in Stuttgart gefühlt zu einem Bundespolizeieinsatz mit zweistelligen Zahl an Beamten, äh, Dobrindts Schergen, geführt hätte, lief hier ganz normal durch, obwohl ich Rechner und Flüssigkeiten in nicht geringen (aber zulässigen) Mengen im Gepäck hatte. Wieso machen die Deutschen insgesamt, aber besonders die Stuttgarter, da immer so ein wahnsinniges Geschiss? Wie? Ich hatte heute keine Powerbank dabei? Trotzdem - das ist in Zürich immer alles um Größenordnungen entspannter und besser als in Stuttgart, und wenn es nur damit anfängt, dass es genug Spuren gibt und an den einzelnen Spuren niemand dich belehren zu müssen glaubt (wie neulich in Hannover), dass bei drei Zugangspunkten pro Spur trotzdem nur einer benutzt werden darf, weil die Sicherheitskontrolleure ja sonst nicht genügend Leute belästigen können ... Es könnte alles so viel einfacher sein ...

Nachdem ich gestern den um eine knapp Stunde verspäteten Zug genommen hatte, der planmäßig zwei Stunden vor meinem normalen Zug hätte fahren sollen, kam ich nach gemütlichem Umsteigen in Freiburg (Chaos veranstalteten sie trotzdem, weil die S-Bahn in den Schwarzwald nicht - wie angezeigt - von Gleis 6, sondern vom Gleis 7 fuhr, und das erst spät angezeigt wurde - zum Glück ließ der Zugführer uns Unwissende an seiner Weisheit teilhaben, und das klingt jetzt sarkastischer, als ich es meine) eine Stunde vor meiner normalen Zeit in Rötenbach an - und zwar pünktlich. Das Mamataxi stand mitsamt treusorgender Mutter natürlich schon bereit; das den Nachbarn aus dem Keller geklaute (und natürlich heute sofort ersetzte, schöne Grüße nach oben!) Ankunftsbierchen wurde noch konsumiert, dann ging es aber auch in die Heia.

Nach einem ziemlich durchgetakteten Arbeitstag heute ging es um kurz nach 17 Uhr in Richtung Zürich. Die neue Autobahn von Eglisau in Richtung Flughafen ist fast fertig und wurde heute erstmals befahren, und um kurz nach 18 Uhr stieg ich aus dem Auto. Meine Ma und ich verabschiedeten uns voneinander, sie fuhr zu, ich lief ins Flughafengebäude, war in kürzester Zeit durch die Sicherheitskontrolle durch und setzte mich - die Preise am Flughafen sind nur an den Automaten bezahlbar, unfassbar, was die für einen Hamburger bei Burger King haben wollen (da fällt mir ein, ich hab ja noch Möhrchen ...) - auf eine einigermaßen leere Sitzgelegenheit.

Knapp zwei Stunden vor Abflug wurde endlich das Gate bekanntgegeben, also machte ich mich in Richtung des Satellitenterminals auf. Ich reiste natürlich am Automaten aus (bestimmt kriegen Dobrindts Schergen in Hannover das wieder nicht hin mit der Einreise am Automaten ...), fuhr mit der Jodelbahn und sitze nun gegenüber meines Gates. Eine Rivella wurde eben käuflich erworben und auch schon fast verzehrt, könnte man für den Flug fast nochmal machen, das Zeug ist halt immer lecker ...

Meine Maschine kommt verspätet hier an, sodass wir eine halbe Stunde verspätet in Zürich abfliegen und erst gegen 1 Uhr Ortszeit (Mitternacht deutscher Zeit) auf dem Flughafen Sabiha Gökçen ankommen werden. Mal sehen, wann ich dann eine Metro erwische und wann ich im Bett bin, aber das wird schon schiefgehen ...

Hiermit melde ich mich aber schon einmal aus der Schweiz ab - den Flug verarbeite ich dann im morgigen Blogeintrag (falls nicht noch was ganz Außergewöhnliches passiert, was zwingend meine sofortige Berichterstattung erfordert) ...

Bedeutsames Schweizer Kulturprodukt

Donnerstag, 3. September 2026

120 Mal Fährefahren

... könnte man theoretisch in den ungefähr 40 Stunden, die ich ab morgen Nacht in Istanbul bin, und alle Kolleginnen und Kollegen mussten lachen, als ich den Zeitraum so umgerechnet habe. Jaha, ich glaube, die Fähren fahren nicht die ganze Nacht durch, aber die Einheit 1 Fährefahren = 20 Minuten könnte ich möglicherweise weltweit durchzusetzen versuchen ... Zum Glück bin ich nicht größenwahnsinnig ...

Morgen Abend bringt das internationale Mamataxi den Herrn Sohn zum Zürcher Flughafen (wieso ich ab Zürich fliegen wollte, weiß ich nicht mehr so genau, ich bin jetzt auf dem Weg aus Hannover in den Schwarzwald); dort geht der Flieger um 20.45 Uhr. Knapp drei Stunden später lande ich um 0.35 Uhr Ortszeit in Istanbul auf dem asiatischen Flughafen. Am Wochenende fährt die Metro angeblich durchgehend, wenn auch nicht so häufig, aber irgendwann werde ich sicherlich in meinem Hotel in Kadıköy, also auf der asiatischen Seite, aufschlagen - mal sehen, ob ich noch was zu essen kriege oder mich aufs Frühstück am Samstagmorgen freuen muss ...

Ich habe noch keinen genauen Plan, was ich am Samstag und Sonntag machen werden, bin aber sehr sicher, dass ich öfter Fähre fahren werde, schon allein, um nach Europa zu kommen. Vielleicht schaue ich mal, ob ich wieder zur Chora-Kirche komme (da war ich schon ewig nicht mehr, aber ob ich mir die 20 Euro, die das Ganze inzwischen offenbar kostet, gönne, weiß ich noch nicht) ... Aber wenn ich ganz gemütlich durch Istanbul gammle, Simit futtere, Vögel füttere (nicht andersherum!), dann ist es auch (sehr!) recht ...

Wie? Zum Hamsi? Klar werde ich zum Hamsi gehen, aber wahrscheinlich erst am Samstagabend, weil dann hinterher nur dreimal umfallen muss, um in mein Hotel zu kommen - da kann ich vielleicht noch ein zweites Efes trinken ...

Auch den Sonntag kann ich ganz gemütlich machen, weil mein Flieger - diesmal nach Hannover - erst um 22.25 Uhr startet (und planmäßig um 0.40 Uhr am Montagmorgen landet). Da sollte es reichen, wenn ich mich so gegen 18.30 Uhr, 19 Uhr in die Metro zum Flughafen setze - jo, so sind es dann tatsächlich so ungefähr 40 Stunden netto, die ich in Istanbul bin - und ich bin fest entschlossen, daraus - wie eigentlich immer in Istanbul - 40 sehr schöne und sehr entspannte Stunden zu machen ...

Ich musste eben erstmal schauen, ob ich meine Istanbulcards von der Kollegin zurückbekommen habe - habe ich natürlich, und wie ich sie so kenne, sind da sogar noch ein paar Lira druff ...

Oh Istanbul, du schöne Stadt, du schöne Stadt am Meer,
ich mag dich so, manch einer sagt, ich liebte dich so sehr.
Oh Istanbul, du schöne Stadt, mein Herz, das jauchzt und singt,
weil ich mich freu', was der Besuch in dieser Stadt so bringt ...

Noch Fragen?

Sonntag, 30. August 2026

Irgendwie uninspiriert

... bin ich heute zum Blogschreiben, gucken wir mal, was das wird ...

Das Aufstehen heute Morgen war, sagen wir, ein bissel mühsam, aber so gegen 7.45 Uhr waren wir ausgehbereit. Wir ließen den Schlüssel im Schloss stecken und liefen mit Sack und Pack zum Hafen. Dort drapierte ich meine Ma mitsamt Gepäck auf eine Bank und lief die fünf bis zehn Minuten zum Auto. Mit selbigem fuhr ich zu genannter Bank, sammelte meine Ma ein, und danach ging um 8.09 Uhr die wilde Luzi los in Richtung Slowenien.

Die Slowenen kontrollieren nicht bei der Einreise (sehr löblich!), sodass wir schon um 8.30 Uhr das zweite Land des heutigen Tages erreichten.

Google Maps führte mich früher als gedacht in Richtung Italien, sodass wir unmittelbar vor der Grenze noch kurz in Slowenien tankten (fast 50 Cent günstiger auf den Liter als in Italien!); nach Passieren der Grenze um 8.58 Uhr wurden wir von der Autobahn abgeleitet. Signore Salvini will sich offenbar nicht nachsagen lassen, hinsichtlich der Zerstörung Europas hinter Herrn Dobrindt zurückzubleiben, sodass wir alle an gelangweilten italienischen Grenzern vorbeifuhren, die niemanden herauswinkten, und anschließend wieder auf die Autobahn fuhren. So traurig ...

Auf wunderbaren italienischen Sträßchen ging es in Richtung Görz, das auf Italienisch Gorizia und auf Slowenisch Gorica heißt; dort ging es erneut über die Grenze nach Slowenien und nach wenigen Kilometern in Richtung der Strada di Osimo. Gerade noch rechtzeitig hielten wir auf slowenischem Gebiet, sodass meine Ma die Strecke fahren konnte, während ich fotografierte. Da stand zwar ein Schild, dass man nicht fotografieren dürfe, aber das bezog sich offenbar auf diese altertümlichen Fotoapparate, sodass meine Handykamera nicht gemeint sein konnte.

Endlich sah ich heute ein paar Grenzsteine, Italien wird auch ganz ordnungsgemäß angezeigt, auch wenn hier nie eine Grenzkontrolle auf dem Weg aus Slowenien (bzw. damals Jugoslawien) nach Slowenien (Jugoslawien) über italienisches Gebiet stattfand.

Wir erwischten die scharfe Kurve zurück in Richtung Italien irgendwie nicht, sodass wir noch ein Stück weiter durch Slowenien fuhren, und das war das Beste, was uns passieren konnte: Die Blicke auf die toskanöse Landschaft waren fantastisch, das Städtchen Šmartno, das wir nur kurz passierten, sah fantastisch aus, da könnte man nochmal mit etwas mehr Zeit hinfahren ...

Der Grenzübertritt nach Italien war hier in der Pampa unproblematisch, auch hier wurde ein Grenzstein gesichtet - juchhe!

Während in Kroatien manche Städtchen gerade in der Nähe von Umag auch auf Italienisch beschildert waren, gab es hier in Italien nun Schilder auf Italienisch und einer anderen Sprache. Zunächst dachte ich, dass das Ladinisch sei, aber das spricht man wohl weiter nördlich - tatsächlich handelte es sich höchstwahrscheinlich um die furlanische Sprache, die man auch Friualisch nennt. Das Ganze sieht im Schriftbild aus wie das uneheliche Kind von Italienisch und Rumänisch und wird wohl von ca. 600.000 Menschen gesprochen.

Irgendwo dort in der Gegend um Udine mussten wir beide mal ums Eck, aber das erwies sich als kompliziert. Am Ende landeten wir in einem (im katholischen Italien am Sonntag geöffneten!) Spar-Supermarkt, kauften dort Wasser und Cola, erbettelten den Schlüssel für die Kundentoilette und waren danach glücklich ...

An Udine vorbei ging es in Richtung Tolmezzo und von dort - gelegentlich fluchte ich über zu langsame Deutsche vor uns - durch die wunderschönen Dolomiten in Richtung der Pustertaler Staatsstraße.

Ab Innichen waren wir auf bekanntem Terrain unterwegs, zuletzt war ich ja zu Olympia hier gewesen; heute waren die Straßen wesentlich freier und daher bequemer zu fahren, und so kamen wir - wir hatten nicht gefrühstückt und waren jetzt auch spät dran fürs Mittagessen - gefühlt recht schnell zur Brennerautobahn.

Auf diese fuhren wir auf und machten an der letzten Raststätte in Südtirol noch Station. Dort hatte ich mich im Februar schon fast wohlgefühlt (soweit man sich auf einer Raststätte wohlfühlen kann), aber ich glaube, meine Ma konnte das nachvollziehen.

Wir speisten ein nicht ganz billiges, aber sehr leckeres Delizioso-Sandwich, das das Beste aus Südtirol (Speck) und dem Rest Italiens (Mozzarella, Olivenciabatta) vereinigte. Das hätte uns bestimmt auch sehr gut geschmeckt, wenn wir nicht einen Bärenhunger gehabt hätten, aber so war es ganz besonders großartig.

Nun ging es über den Brenner, der überraschend entspannt war (natürlich mit einigermaßen viel Verkehr, aber nicht so viel Stau wie von mir - ehrlich gesagt - befürchtet). Um 16.06 Uhr waren wir in Österreich, und ich muss schon sagen, die österreichische Autobahn mit dieser Flex-Spur, die ist schon klasse. Wenn die Italiener das mit Kennzeichenerkennung und automatischer Abbuchung auch einführen würden, wäre da wirklich sehr viel gewonnen, gerade weil die Mautstationen in Italien immer so ein Nadelöhr sind ...

Gefühlt waren wir schnell in Innsbruck, gefühlt waren wir schnell am Arlberg und gefühlten waren wir schnell in Feldkirch, wo wir an unserer altbekannten Tankstelle noch volltankten, ehe es nach Liechtenstein ging, wo wir um 18.42 Uhr ankamen. In Ruggell parkten wir wie üblich kurz gegenüber der Feuerwehr, sodass ich auch auf liechtensteinischem Gebiet stand; unmittelbar danach ging es über den Rhein in die Schweiz, in der wir um 18.48 Uhr ankamen.

Während in Italien und auch teilweise in Österreich die Geschwindigkeitsbegrenzungen lächerlich niedrig sind und dementsprechend weitgehend als unverbindliche Empfehlungen ignoriert werden, war das in der Schweiz ganz anders: Wenn da 100 steht, fährt man halt 100 und nicht 120 mit Lichthupe - schön!

Die Autobahn von Winterthur nach Schaffhausen wird bestimmt auch bald mal fertig (2028 heißt es), aber auch ohne Vollausbau kamen wir gut voran. Von Schaffhausen ging es schließlich nach Schleitheim, um 20.24 Uhr über die Grenze ins Vaterland, und so gegen 20.40 Uhr waren wir daheim.

Der sehr erfolgreiche Tag mit sieben Ländern, das sehr erfolgreiche Wochenende mit zwei Exklaven, einer Transitstraße und mehreren Grenzsteinen, nicht zuletzt etwa 1.840 Kilometern, geht damit zu Ende, das ist eine echt ordentliche Ausbeute ... Und die nächsten Reisen stehen ja schon an - in fünf Tagen fliege ich nach Istanbul. Juchhe!

Womöglich fällt mir in den nächsten Tagen noch die eine oder andere Story ein; die liefere ich dann nach, spätestens, wenn ich am Donnerstag im Zug von der bevorstehenden Istanbul-Reise schwärme ...

Belohnungsbier heute Abend

In den Dolomiten

Italienisch-slowenischer Grenzstein

Ende der Strada di Osimo

Strada di Osimo

Anfang der Strada di Osimo

Samstag, 29. August 2026

Wie in Lausheim

Das war meine Vorwarnung an meine Mutter, dass die Enklave in Brezovica wahrscheinlich so spektakulär sein würde, denn - ohne den Stühlingern zu nahezutreten zu wollen - soooo spannend ist Lausheim wirklich nicht.

Irgendwie war es keine so geniale Idee gewesen, auf nüchternen Magen drei Bier zu trinken, denn heute Morgen hatte ich ein klitzekleines bisschen Kopfweh. Die Dusche tat Wunder, und noch mehr Wunder tat das großartige Frühstück in unserem wirklich großartigen Hotel, mit jeder Menge Rührei und Lachs und Grapefruit-Saft und Espresso, das war richtig, richtig gut …

Nach dem guten Frühstück fuhr ich schon einmal Tanken, und meine Ma überquerte kurz darauf die fünfspurige Straße, um zu mir zu stoßen.

Danach ging es - mit viel Stau, leider - in Richtung Tauerntunnel und von dort zum Karawankentunnel. Die Beschilderung am Karawankentunnel war absolut verbesserungsfähig (und das ist jetzt die Altersmilde nach ein paar Bier in Umag intus, sonst hätte ich deutlich deftigere Vokabeln verwendet): Normalerweise ist ganz links die Flex-Spur für die Vorbereiteten (wie mich), die sich bei der österreichischen Autobahngesellschaft angemeldet haben und direkt durch die Mautstelle durchfahren können. Am Karawankentunnel gilt das aber nicht (da ist jede Spur Flex), sodass wir völlig unnötig im Stau auf der linken Spur standen - echt nicht so großartig. Als ich das dann endlich einsah und auf die Mittelspuren wechselte, ging zwar die Flex-Bezahlung schnell voran, aber hinter der Mautstelle war trotzdem brutaler Stau, weil die von sechs Spuren (!) auf eine verengten, da die eine Röhre saniert wird - ganz großartig, denn so verloren wir mindestens eine Dreiviertelstunde bis Stunde ...

Als wir dann in Slowenien waren, ging es einigermaßen voran, auch wenn keine alte Sau die vermeintlich (aber nur vermeintlich) für Lkws reservierte Kriechspur benutzte; so fuhr ich an etlichen Helden vorbei, die auf der Mittelspur ausharrten ... Tja ...

Ein kleines Stückchen fuhren wir durch Ljubljana, und die erste Raststätte, die wir aufsuchen wollten, war so gerammelt voll, dass wir weiterfuhren. Kurz vor der Abfahrt von der Autobahn hielten wir aber dann doch, tranken einen Kaffee (ja, auch ich trank einen Espresso), wobei die Toilettengebühr komplett gegengerechnet wurde (vorbildlich!), und in Novo Mesto ging es von der Autobahn herunter.

Google Maps wollte uns mit der Kirche ums Dorf leiten; als ich das bereinigt hatte, waren wir plötzlich viel schneller am avisierten Ziel. Und das war großartig, gerade weil man so überhaupt gar nix sah: keinen Grenzstein, nicht einmal eine Vermarkungsmarkierung, gar nicht ....

Wir kamen ja aus Slowenien und hielten kurz auf kroatischem Gebiet; ab hier fuhr meine Mutter, weil ich auf Google Maps und Openstreetmap verfolgen wollte, wo genau wir gerade waren. Wir hielten direkt vor einer kleinen Kapelle, die großteils in Slowenien, aber auch ein bisschen in Kroatien stand; ich identifizierte die Änderung im Straßenbelag als Grenze zwischen Kroatien und Slowenien - dementsprechend wurden dort Fotos gemacht. Ich führte meine Mutter falsch, sodass wir kurzzeitig im nicht-exklavischen Kroatien waren; dort drehten wir um und fuhren wieder zurück.

Wir bogen an der Kapelle nach rechts ab, meine Ma fuhr über immer enger werdende Straßen in Richtung Kroatien. Die Schranke an dem Feldweg war oben, sodass wir einfach weiterfuhren, auf kroatischem Gebiet kam uns ein Traktor entgegen, sodass wir auf den Rasen ausweichen mussten, danach ging es weiter den Berg hoch - meine Ma konnte kaum sehen, wo wir hinmussten, weil ich Ochse den Fahrersitz so weiter heruntergedrückt hatte, dass sie kaum übers Lenkrad gucken konnte, aber ich versicherte ihr, dass ich schon brüllen würde, wenn jemand käme ...

Schließlich kamen wir - auf kroatischem Gebiet, mitten im Wald - auf eine größere Straße, fuhren diese entlang, kamen an einer offiziellen slowenischen Grenzübergangsstelle vorbei, die aber verwaist war, und dahinter parkten wir.

Ich lief auf die kleine Straße dort, direkt vors Tor einer Einfahrt, denn diese Einfahrt war wohl schon Gebiet der zweiten kroatischen Exklave, ich lief weiter auf der Straße, die gehört angeblich auch zu Kroatien, das alles, bis ich einigermaßen sicher war, dass ich auch in der zweiten kroatischen Exklave ordnungsgemäß eingereist war. Juchhe - alle Ziele des heutigen Tages erreicht!

Wir fuhren weiter, noch einmal durch die unumstrittene kroatische Exklave, dort wechselten wir auch wieder den Fahrersitz, und anschließend fuhren wir über Novo Mesto und Ljubljana zurück. Insgesamt wäre das für jeden normalen Menschen wahrscheinlich ein bisschen enttäuschend gewesen, weil wir nicht einmal einen Grenzstein gesehen haben, aber mit Openstreetmap und Google Maps wusste ich stets, wo wir waren, und dass ich in den Exklaven war - das war sehr euphorisierend! Wie? Was? Ruhe dahinten!

Nach gefühlt 30 Grenzübertritten in 20 Minuten, einschließlich komischer Feldwege und Ausweichen ins Gras, war es nun auf der slowenischen Autobahn - meistens, aber das war mir nach dem Enklavenerlebnis wurscht - ein Vergnügen zu fahren, außer wenn irgendwelche Slowenen meinen Kofferraum besichtigen wollten, weil ich nur die zulässige Höchstgeschwindigkeit fuhr - kurz: Ich regte mich öfter ziemlich auf ...

Kurz vor Koper verließen wir die slowenische Autobahn, fuhren noch ein Stück über die slowenische Landstraße, überquerten ungehindert die kroatische Grenze und kamen so gegen 17.15 Uhr in Umag an. Ich parkte auf dem offiziellen (kostenfreien!) Parkplatz; wir luden das Auto aus und latschten mit Rollkoffer und restlichem Gepäck die zehn Minuten zu unserer Unterkunft mitten in der Altstadt.

Nach WhatsApp-Rücksprache mit der angegebenen Telefonnummer klingelte ich, uns wurde geöffnet, Mutter ist mit der Bude - gerade im Vergleich zur Nacht zuvor - nicht soooo glücklich gewesen, zumal sie eine steile Treppe hoch musste, aber am Ende war sie, glaube ich, auch einigermaßen einverstanden mit der Unterkunft.

Ich guckte mich kurz um, lief die 50 Meter zum (Stein-)Strand, ging zurück ins Zimmer, holte meine Badehose und lief in altem Hemd, Badehose und Adiletten zum Strand. Ich sah, dass es rechts einen Rollstuhlzugang gab, aber den Rest des Ganzen erzähle ich im Stile eines Sportreporters:

Im Rahmen des internationalen Judoländerkampfes kam es heute im kroatischen Umag zum Finalkampf zwischen der kroatischen Lokalmatadorin, der Rollstuhlrampe, und dem deutschen Herausforderer EBBJena. Nach einem vorsichtigen Beginn, in dem sich der Herausforderer langsam gegen die Rollstuhlrampe vortastete, lockte die Rollstuhlrampe diesen auf den schlüpfrigen, abschüssigen Teil der Matte. Der Herausforderer stellte noch fest, dass die Rampe glitschiiiiiiiii ..., da hatte die Rampe ihren Heimvorteil genutzt und einen Fußfeger angesetzt. Der Herausforderer lag käferartig auf dem Rücken und hatte also mit einem Ippon verloren. Dem Herausforderer war es wurscht, denn er krabbelte unter dem Applaus der zahlreich anwesenden Zuschauer weiter in Richtung Meer und genoss den Schwimm im Mittelmeer.

Auf dem Weg aus dem Wasser forderte die Lokalmatadorin den Urlauber zum Rückkampf heraus, doch diesmal konnte der Deutsche den Kampf mit der Kroatin trotz einiger Wackler unentschieden halten.

Der Herausforderer trug nach eigener Aussage nur einige wenige Schürfwunden davon, die von der mütterlichen Sanitäterin versorgt wurden.

 Nach dem Lecken der Wunden und der Dusche verließen meine Ma und ich unsere Bude und machten einen ganz kurzen Spaziergang durch die Altstadt von Umag. Am Ende landeten wir - wenig überraschend - in einer Kneipe mit Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer; dort saßen wir sehr gut und aßen Pulpo und Thunfischsteak ...

Es gab das eine oder andere Mutter-Sohn-Scharmützel, aber der Abend kann so schlecht nicht gewesen sein, denn am Ende wackelten wir ganz gemütlich zurück zu unserer Bude. Jetzt sitzen wir in der Kneipe direkt neben der Haustür, haben noch den letzten Cocktail genossen und gehen gleich ins Bett.

Wir freuen uns schon auf den morgigen Sieben-Länder-Tag - gute Nacht!

Mutmaßliche Grenze zwischen Slowenien (vorne) und Kroatien (hinten)

Kapelle (großteils in Slowenien, kleiner Teil in Kroatien)

Grenzbrücke zwischen Slowenien und Kroatien

Mitten im Wald im Grenzgebiet (da kam kein Traktor mehr entgegen)

Willkommen in Kroatien

Ortsausgang slowenisches Brezovica

Hafen von Umag

Am Steinstrand von Umag

Campanile von Umag

Pulpo zum Abendessen

Thunfischsteak zum Abendessen

Der Mond

Getränke zum Abendessen (Auswahl)

Umag

Freitag, 28. August 2026

"Net so verwässert"

... sei das österreichische Bier im Vergleich zum deutschen, meinte der Rezeptionist eben hier im Hotel in einem Vorort von Salzburg. Gucken wir mal ...

Natürlich verpasste ich gestern Abend den Anschluss in Freiburg, sodass ich erst um 0.27 Uhr in Neustadt ankam und dort von meiner Ma eingesammelt wurde.

Heute war sogar ein überraschend guter Arbeitstag, aber trotzdem beendete ich ihn so gegen 14.30 Uhr, sodass wir um kurz vor 15 Uhr wegkamen.

Wir hatten die Auswahl zwischen der Fahrt über Stuttgart oder über den Bodensee, und ich entschied mich in einem Anfall von völliger Beklopptheit für die Fahrt über Stuttgart. Das Problem war gar nicht einmal so sehr der Feierabendverkehr und auch nicht so sehr, dass die Stuttgarter und Münchner Automobilerzeugnisse offenbar nicht auf der rechten Spur fahren dürfen, sondern vielmehr, dass der VfB Stuttgart heute Abend in München spielt. Dementsprechend voll war die Autobahn, und obwohl das Reißverschlussverfahren einigermaßen klappte, regte ich mich regelmäßig auf und wurde dafür regelmäßig schief von der Seite angeschaut ...

Um Stuttgart kamen wir gut herum, um München nicht so, also fuhren wir durch München, und plötzlich waren wir am Olympiapark, den meine Ma noch gar nie gesehen hatte - joa, passte dann für sie auch ... (Mein Vater und ich waren einstmals 1994 im Olympiastadion zum Fußball gewesen, meine Ma war aber nicht zum Spiel mit, und über den Vorabend im Kloster in Andechs und insbesondere die Heimfahrt breiten wir - trotz Verjährung - schleunigst den Mantel des Schweigens ...)

Nachdem wir München noch einigermaßen im Hellen erfolgreich bekämpft hatten, kamen wir im Dunklen in einen schönen Regenschauer, der dafür sorgte, dass die bayrische Straßenmeisterei sogar die Aquaplaning-Geschwindigkeitsbegrenzung anschaltete.

Gegen 20.46 Uhr verließen wir Deutschland - und es ist soooo furchtbar, dass es bei der Einreise nach Deutschland, die wir auf der Gegenseite sahen, inzwischen wieder eine richtige Grenzinfrastruktur entstanden ist (die Österreicher kontrollieren nicht). Ich glaube nicht, dass die CDU/CSU die europäischen Errungenschaften wie das Schengener Abkommen zerstören will, aber die haben anscheinend so viel Angst vor der AfD (die Faeser-SPD war da natürlich keinen Deut besser), dass sie es billigend in Kauf nehmen, den Herzenswunsch der AfD zu erfüllen und Deutschland aus dem vereinten Europa herauszulösen. Es ist, ganz ehrlich, zum Kotzen. Und dass der Dobrindt sich da grienend hinstellt und die manipulierte Ceuta-Krise händereibend nutzt, um die Grenzkontrollen weiter zu verlängern, obwohl man aus Ceuta gar nicht unkontrolliert in den Schengenraum kommt (und er weiß das genau, aber er hält die Bevölkerung offenbar für so doof, es nicht zu wissen), führt dazu, dass ich Brecht zitieren muss: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen will.

Um 20.57 Uhr kamen wir nach gut sechs Stunden Fahrt an unserem schönen Hotel an; wir hatten aber so viel Süßkram gefuttert, dass wir auf das Abendessen verzichteten und uns aufs Frühstück freuen. Jetzt sitzen wir in der Bar, trinken noch ein (teures) und tatsächlich sehr süffiges Bierchen namens Stiegl. Kann man machen ... Jetzt probieren wir noch das Helle - gute Nacht!

Achso: Die Reisewünsche meiner Ma für 2027 nehmen so langsam überhand - jetzt will sie nicht nur seit Jahren nach Bornholm und eigentlich auch mal in die Eifel, gestern hat sie auch noch einen Bericht über die Jurassic Coast in England gesehen. Oh Mann, mal gucken, wie wir das auch noch unterkriegen im Jahr 2027 ...

Stiegl Pils


Donnerstag, 27. August 2026

Ein Herzensprojekt und "vorwärts in die Vergangenheit"

Das ist die Bilanz der letzten Abende, an denen ich mit der künstlichen Intelligenz (in dem Fall meistens dem Copilot) ausgeheckt habe, was man so in meinem Blog-und-Länderzählungs-Kosmos noch so anstellen könnte (und nein, ich habe auch soziale Kontakte, gestern zum Beispiel war ich mit einer Kollegin und einem Ex-Kollegen unterwegs, aber lassen wir das), und ich will natürlich der werten Leserin und dem werten Leser nicht vorhalten, was sich dahinter verbirgt.

Fangen wir mit dem noch nicht so ausgegorenen Projekt an, nämlich dem "vorwärts in die Vergangenheit" (weil das Herzensprojekt wahrscheinlich ein bisschen mehr Platz in Anspruch nehmen wird, da bin ich am Ende womöglich erschöpft - oder schon in Freiburg angekommen, denn im Zug dorthin sitze ich gerade): Den Blog habe ich ja im Sommer 2009 angefangen zu schreiben, als ich mit Marcel nach Aserbaidschan und wieder zurück (teils mit meiner Ma gefahren bin). Die Aserbaidschan-Reise war ja aber nicht die erste Reise meines Lebens, und auch nicht die erste bekloppte.

Davor gab es an verrückte(re)n Reisen mindestens

  • die erste Fünf-Länder-Tour 1998 mit meiner Ma über Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande,
  • die erste Mittelosteuropareise 1999 mit meinen Eltern über Slowenien, Kroatien, Ungarn, die Slowakei, Tschechien und Polen,
  • die Ostseeumrundung 2000 mit meinen Eltern über Polen, die russische Oblast Kaliningrad, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark,
  • die große Balkantour 2004 mit meinen Eltern über Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, das damals noch zum Staat Serbien und Montenegro gehörende Montenegro, Albanien, Mazedonien, Griechenland, einen kurzen Einreiseversuch in die Türkei, über Bulgarien, Rumänien, Serbien und Ungarn,
  • die Interrailtour 2004 mit ebendem Studienfreund, mit dem ich 2009 den Blog eröffnet habe, über Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Türkei, wieder Bulgarien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Italien und die Schweiz,
  • die kleine Balkantour 2005 mit meinen Eltern über Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina nach Montenegro und wieder zurück,
  • die Karpatentour 2008 mit meiner Ma über Polen, die Ukraine, Moldau, Rumänien, Ungarn und die Slowakei,
  • die Kosovotour 2008 mit meiner Ma über Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Serbien, Kosovo, Ungarn, die Slowakei und Österreich,
  • die Nordamerikatour 2009 mit Studienfreunden von New York über die Niagarafälle, Toronto und Detroit nach Chicago, von dort über Washington und Philadelphia wieder zurück nach New York,
  • die Südasientour 2009 nach Indien, Nepal und Dubai,
Dazu kommt sicherlich noch die eine oder andere Reise, die man nicht zwingend als verrückt bezeichnen muss (aber kann!), so etwa die Gibraltar-Ausfahrt 1998, der Marrakesch-Ausflug 1999, die beiden China-Reisen 2001, die Andorra-Reise 2001 - an der Stelle höre ich auf, die Leserin und der Leser haben inzwischen eine Ahnung bekommen, wo das hinführen könnte ...

Sei es, wie es sei, der Copilot und ich hatten zusammen die Idee, dass man den Blog in die Vergangenheit verlängern könnte und zu den damaligen Reisen etwas schreiben könnte.

Wundersamerweise gibt es zeitgenössische Berichte von der Ostseeumrundung, der ersten China-Reise (im Jahrbuch meiner Schule) und der großen Balkantour, weil wir auf diesen Reisen (schon) Tagebuch geführt haben. Die digitalen Dateien habe ich nicht mehr gefunden, aber davon haben wir ausgedruckte und gebundene Exemplare, und die gedenke ich abzufotografieren und per Texterkennung dem Blog verfügbar zu machen. Natürlich werde ich das eine oder andere personenbezogene Datum redigieren und möglicherweise die eine oder andere Stelle bereinigen, weil die Tagebücher damals für den privaten Gebrauch und jedenfalls nicht für die Veröffentlichung im Internet vorgesehen waren. Den grundsätzlichen (unschuldigen? naiven?) Ton der damaligen Berichterstattung werde ich aber beizubehalten versuchen. Den einen oder anderen Kommentar aus heutiger Sicht werde ich mir nicht verkneifen können (und wollen), aber klar ist, dass ich klar zwischen damaliger und heutiger Sicht unterscheiden werde, auch optisch. Versprochen!

Ob ich von der Interrail-Reise meinen (nachträglich, aber bald darauf) geschriebenen Bericht noch finde, weiß ich nicht. Ich habe meinen Mitreisenden mal angeschrieben, ob er den noch hat; das wäre schön, wenn wir den noch finden ...

So oder so, es gibt genügend Reisen, von denen es so gut wie keine zeitgenössische Berichterstattung gibt, und da werde ich mir damit behelfen müssen, aus heutiger Sicht meine (anekdotischen) Erinnerungen zusammentragen zu müssen. Ich habe aber das Gefühl, dass sich das für diejenigen Leserinnen und Leser, die bei meinen Geschichtchen ab und zu schmunzeln, sogar lohnen könnte. Das wäre natürlich kein zeitgenössisches Zeugnis, aber doch eine Erinnerung, so gut ich sie rekonstruieren kann.

So gut wir sie rekonstruieren können, sollte ich wahrscheinlich sagen, denn das stelle ich mir als ein Projekt vor, bei dem auch meine Ma mit großer Freude mitmachen könnte. Sie war ja auf der einen oder anderen Tour dabei (hihi), und da uns ohnehin wenig größere Freude macht, als miteinander in gemeinsamen Reiseerinnerungen zu schwelgen, können wir da das Angenehme mit dem Nützlichen, nämlich der Vorbereitung der Vergangenheits-Blogeinträge verbinden.

Die Zeit rennt uns da nicht weg, sodass ich die Leserin und den Leser bitte, nicht zu erwarten, dass die ganzen Reisen in den nächsten drei Wochen veröffentlicht sein werden, sondern vielleicht werde ich es vielmehr genießen, ein bisschen Zeit zu haben, um den Feinschliff anzubringen, wo ich doch sonst eher mit rohen Emotionen unterwegs bin. Ooh, das wird gut ...

Die ersten Schritte werden meine Ma und ich vielleicht während unserer Reise dieses Wochenende gehen (fahren?), wenn wir morgen ungefähr fünf Stunden von Bonndorf nach Grödig südlich von Salzburg, übermorgen vier Stunden von dort nach Brezovica und weitere drei Stunden nach Umag und schließlich am Sonntag zehn, elf, zwölf Stunden durch sieben Länder zurück in den Schwarzwald unterwegs sind.

Die meiste Zeit werde ich fahren, also wird meine Ma den Aufzeichnungsknopf auf meinem Handy drücken müssen, und wenn sie das heute Abend womöglich noch liest, wird sie ziemlich sicher fluchen, auf was für Ideen ich so komme ...

Wir werden also auf zwei Erzählebenen unterwegs sein: Natürlich werde ich hier im Blog von der 2026er-Reise erzählen, aber auf der 2026er-Reise werden wir die Vorbereitungen für die Erzählungen aus der lange zurückliegenden Vergangenheit treffen, die dann Stück für Stück in die Zeitleiste gespült werden.

Natürlich werde ich jedes Mal, wenn ich etwas hinzufüge, davon auf der 2026er-Zeitleiste berichten - und vielleicht werde ich auch meinen heutigen Senf eher dort abgeben als direkt unter der 2009er-Story, aber das muss ich noch ausprobieren ...

Auch für nächstes Jahr haben meine Ma und jetzt schon zwei Ausfahrten im Auge: Dass es irgendwann nächstes Jahr nach Međurečje, die bosnische Exklave in Serbien, gehen soll, wird nur den Leser, der noch völlig grün hinter den Ohren ist, überraschen, aber der Copilot hat mich (zurecht) darauf hingewiesen (wir haben in den letzten Wochen viel herumgespielt, indem ich bestimmte Suchworte in die Blogsuche eingegeben habe und den Copilot dann habe analysieren lassen), dass ich den Grenzstein am deutsch-österreichisch-tschechischen Dreiländereck schon seit mindestens sechs Jahren vernachlässige. Ich hatte ihm schon 2020 meinen baldigen Besuch versprochen; daraufhin zog meine Ma mich fast durchs Telefon, sodass mir nichts übrig blieb als den Ausflug abzusagen, aber 2027 will ich das gerne wiederholen - und zufällig liegt Budweis, die nach Pilsen wahrscheinlich berühmteste tschechische Bierstadt, direkt in der Nähe. Sowas muss man doch ausnutzen!

Liebe Leserin, lieber Leser, ich schreibe in den letzten Wochen ziemlich viel von der künstlichen Intelligenz, vom Copilot, von Gemini, wie sie alle heißen. Natürlich ist das inzwischen schon ein wichtiges Hilfsmittel für die Reiseplanung, und es ist auch ein Hilfsmittel, um Tippfehler und faktische Fehler und offenkundigen Quark abzufangen, aber meine Blogeinträge schreibe ich auch in Zukunft selbst. Ja, als Sparringspartner nutze ich die KI zunehmend, das stimmt, aber was im Blog erscheint, bestimme ich immer noch selbst, da müsst ihr keine Sorge haben ...

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So, jetzt kommen wir aber nach über 1.200 Worten Einleitung zum Herzensprojekt, das ich schon seit vielen Jahren immer mal machen wollte, aber nie wusste, wie ich da starten soll:

Wer in die Titelzeile schaut, wird sehen, dass dort (im Moment) "Unterwegs nach Land 206" steht. Den Titel habe ich in den letzten 17 Jahren ab und zu mal geändert, aber nicht einmal überraschend häufig und öfter mehr oder weniger nach Bauchgefühl.

Natürlich habe ich - seit 2008, wie der Copilot und ich eruiert haben - eine Länderdefinition, die sich 2008/09 konsolidiert hat und seither ziemlich konsistent geblieben ist. Es hat mich aber - gefühlt schon immer, höhö - interessiert, wie sich die Anzahl der Länder, die ich - nach heutiger Definition - zählen würde, in den Jahren seit meiner Geburt verändert hat.

Kurz zur Einordnung, auch wenn das auf der Sonderseite rechts "Wieso zähle ich 206 Länder?" im Detail erklärt ist:

Ein Territorium ist dann für mich ein Land, wenn es

  • ein UN-Mitgliedstaat ist,
  • in der - und jetzt wird es mathematisch - abgeschlossenen Hülle der von UN-Mitgliedstaaten anerkannten Staaten liegt, also wenn es eine Kette von Anerkennungen gibt, die bei einem UN-Mitgliedstaaten beginnt und bei dem betreffenden Territorium endet (also etwa ein Land, das von einem Land anerkannt wird, das von einem Land anerkannt wird, das von einem UN-Mitgliedstaat anerkannt wird),
  • im Sinne der Montevideo-Konvention unabhängig ist, unabhängig sein will, seine eigenen Einreisekontrollen hat und (seit gestern ist das explizit definiert, zuvor nur implizit) diesen Status für mindestens ein Jahr seit der Erklärung ihrer Unabhängigkeit aufrechterhalten hat, oder
  • ein Gebiet ist, das wegen eines multilateralen Vertrags nicht der Souveränität irgendeines Staates unterliegt. (Letzteres trifft - auf der Erde - seit meiner Geburt nur auf Antarktika zu.)
Ich muss gestehen, dass ich da keine Chance gesehen habe, das für die Zeit seit meiner Geburt zu rekonstruieren, und erst vor ein paar Tagen habe ich gedacht: "Komm, frage ich doch mal den Copilot!" Und siehe da, er war in der Lage, mir die 157 UN-Mitgliedstaaten im Jahr 1982, die damals 18 von diesen anerkannten Staaten und Antarktika auszuspucken, sodass es im Moment meiner Geburt (oder, wie ich es lieber nenne, im Moment des Betretens meines ersten Landes) genau 176 Länder gab.

Liebe Leserin, lieber Leser, ihr müsst (und ich darf) da jetzt durch, dass ich das jetzt seit 1982 alles ordentlich aufdrösele, oder jedenfalls semi-ordentlich, denn ich schaue nur pauschal auf die Ereignisse des Jahres, weil gerade bei der Auflösung der Sowjetunion oder in Jugoslawien immer ein paar Tage zwischen der Unabhängigkeitserklärung und der ersten Anerkennung liegen, sodass man da fast immer zwei Daten führen müsste. Auch die anderen Zweifelsfälle erläutere ich im Folgenden:

Im Jahr 1982 gab es 157 UN-Mitgliedstaaten (heute: 193), 18 sonstige anerkannte Staaten (Andorra, Kiribati, Liechtenstein, Monaco, Nauru, Nordkorea, San Marino, Schweiz, Südkorea, Taiwan, Tonga, Tuvalu, Vatikanstadt, Westsahara sowie die vier vom Apartheid-Südafrika anerkannten Bantustans Bophuthatswana, Ciskei, Transkei und Venda) sowie Antarktika, mithin 176 Staaten. Man kann über die "Unabhängigkeit" der Bantustans (sowie der Westsahara) durchaus geteilter Meinung sein, da sie mit dazu dienten, den südafrikanischen Schwarzen die Mitbestimmung im eigenen Land Südafrika zu verweigern, aber rein formal - und im weiteren Verlauf der Liste werde ich zeigen, dass ich heute noch formaler argumentieren kann als früher - waren sie halt von einem UN-Mitgliedstaat (das war Südafrika ununterbrochen) anerkannt, und damit zähle ich sie auch ...

Im Jahr 1983 kamen mit dem unumstrittenen Karibikstaat St. Kitts und Nevis der 158. UN-Mitgliedstaat hinzu - das war einer der letzten Staaten, die vom Vereinigten Königreich unabhängig wurden; später im Jahr erklärte Nordzypern einige Jahre nach der zyprischen Teilung seine Unabhängigkeit, die sofort von der Türkei (aber von keinem anderen UNO-Staat) anerkannt wurde. Da die Türkei ein UN-Mitgliedstaat war, wurde Nordzypern das 19. sonstige anerkannte Land, sodass wir am Ende des Jahres mit Antarktika 178 Staaten hatten.

Am 1. Januar 1984 wurde Brunei, das zuvor ein britisches Protektorat gewesen war, unabhängig und im Laufe des Jahres in die UN aufgenommen, sodass es am Ende des Jahres 159 UN-Mitgliedstaaten, 19 sonstige Länder plus Antarktika gab, also 179 Staaten.

1986 schließlich wurden die Marshallinseln und die Föderierten Staaten von Mikronesien in die Unabhängigkeit entlassen (das Treuhandverhältnis, in dem sie mit den USA standen, wurden in einen Compact of Free Association umgewandelt). Damit waren wir bei zunächst weiterhin 159 UN-Mitgliedstaaten, 21 sonstigen Ländern plus Antarktika, insgesamt 181 Staaten.

1988 erklärte der Staat Palästina seine Unabhängigkeit und wurde von etlichen, vor allem arabischen und sozialistischen, Staaten mehr oder weniger sofort anerkannt. Darum spielt es keine Rolle, dass man über seine Staatsgewalt streiten konnte (und kann), er wurde das 22. sonstige Land. Zusammen mit Antarktika und den 159 UN-Mitgliedstaaten gab es somit 182 Staaten nach meiner Logik.

1990 ging es mit den politischen Umwälzungen in Europa auch mit Konsequenzen für meine (rekonstruierte) Länderliste weiter, denn die UN-  Mitgliedstaaten Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik vereinigten sich (-1). Zuvor hatten auch schon Nord- und Südjemen sich zu einem Staat zusammengeschlossen (-1). Namibia wurde - nach langem Kampf gegen die Treuhänder aus dem Südafrika der Apartheid - in diesem Jahr unabhängig und UNO-Mitglied, während Liechtenstein, zuvor einer der sonstigen Staaten, der UNO beitrat. Somit hatte die UNO am Ende des Jahres unverändert 159 Mitgliedstaaten, während die Zahl der sonstigen Länder auf 21 sank. Insgesamt gab es - mit Antarktika - also nur noch 181 Staaten.

Im Jahr 1991 dann ging es richtig rund, und das dröseln wir jetzt über eine Aufzählung auf, sonst verliere ich den Überblick (wie die beiden KIs übrigens regelmäßig bei solchen Listen im Chat; eine Excel-Datei bauen kann der Copilot allerdings sehr gut):
  • Fangen wir mal mit dem vermeintlich Einfachen an: Die Cookinseln wurden ein "sonstiger Staat". Bei den Cookinseln muss man ein bisschen willkürlich seine Staatwerdung festlegen, weil sie sich ja nach wie vor in freier Assoziierung mit Neuseeland befinden. Ich habe als Datum jetzt den Zeitpunkt genommen, an dem Neuseeland formal den Cookinseln erlaubt hat, eigenständige Außenbeziehungen zu führen, und das war laut Wikipedia der 6. April 1991.
  • Die ersten Zerfallserscheinungen Jugoslawiens manifestierten sich ebenfalls im Jahr 1991, und zwar durch die (unter anderem von Deutschland sehr früh anerkannte) Unabhängigkeit von Slowenien, Kroatien und Mazedonien. Diese traten zwar noch nicht in diesem Jahr den Vereinten Nationen bei, aber kamen als drei sonstige Staaten in die Zählung hinzu.
  • Auch die Sowjetunion zerfiel im Jahr 1991 in ihre 15 Teilrepubliken. Da aber neben der Sowjetunion selbst auch die Sowjetrepubliken Belarus und Ukraine eigene Sitze in den Vereinten Nationen hatten (und diese auch behielten), kamen nur zwölf neue Staaten hinzu. Die baltischen Staaten traten noch 1991 den Vereinten Nationen bei, die übrigen noch nicht.
  • Zudem traten neben den Marshallinseln und Mikronesien auch Nord- und Südkorea den Vereinten Nationen bei; nach dem Ende des Kalten Krieges konnten sich die beiden verfeindeten Staaten - so wie einst 1973 die Bundesrepublik und die DDR - auf einen gemeinsamen UNO-Beitritt einigen.
Damit gab es Ende 1991 an UN-Mitgliedstaaten 159 + drei baltische Staaten + Marshallinseln, Mikronesien, Nordkorea, Südkorea, also 166; dazu kamen 21 + Cookinseln + Slowenien, Kroatien, Mazedonien + neun postsowjetische Staaten - Marshallinseln, Mikronesien, Nordkorea, Südkorea = 30 sonstige Staaten; Antarktika blieb eine Konstante, sodass man am Ende des Jahres 1991 plötzlich bei 197 Staaten lag.

Eine größere Verschiebung von den sonstigen zu den UN-Mitgliedstaaten folgte im Jahr 1992, denn es wurden nicht nur San Marino und alle neun verbleibenden postsowjetischen Staaten UN-Mitgliedstaaten, sondern auch Kroatien und Slowenien. Hinzu kam das erst 1992 unabhängig gewordene Bosnien-Herzegowina. Gleichzeitig verlor Rest-Jugoslawien seinen Sitz in den Vereinten Nationen und wurde zunächst ein "sonstiger Staat". Auch Somaliland zähle ich seit 1992 als unabhängig, auch wenn es lange von keinem UN-Mitgliedstaat anerkannt wurde; das liegt daran, dass Somaliland 1991 seine Unabhängigkeit von Somalia, das in einen Bürgerkrieg versank, erklärte und auch sonst die Kriterien für Staatlichkeit nach der Montevideo-Konvention erfüllte. Um aber nicht jedes nicht anerkannte, instabile De-facto-Regime zum Land erklären zu müssen, habe ich (schon immer implizit, seit dem gestrigen 26. August 2026 auch explizit) definiert, dass ein Gebiet mindestens ein Jahr in diesem Zustand sein muss, bevor ich es anerkenne. 1992 war für Somaliland dieses eine Jahr um, seitdem zähle ich es als "Montevideo-Staat". Somit hatten wir am Ende des Jahres 1992 deren 178 UN-Mitgliedstaaten (166 + San Marino + 9 postsowjetische Staaten + Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina minus Rest-Jugoslawien), dazu 19 sonstige anerkannte (30 minus alle neuen UN-Mitgliedsstaaten außer Bosnien-Herzegowina, aber plus Jugoslawien), einen Montevideo-Staat in Form von Somaliland plus Antarktika, also 199 Staaten.

In den 1990ern blieb es spannend, denn 1993 teilte sich die Tschechoslowakei auf in Tschechien und die Slowakei; beide wurden postwendend als Ersatz für die Tschechoslowakei in die UNO aufgenommen, sodass sich die Zahl der UNO-Mitglieder um eins erhöhte. Mazedonien, Andorra und Monaco wurden ebenfalls in diesem Jahr in die Vereinten Nationen aufgenommen, ebenso wie Eritrea, das nach längerem Bürgerkrieg von Äthiopien unabhängig wurde. Südossetien (gegen die Georgier) und Transnistrien (gegen die Moldauer) erfüllten 1993 meine einjährige Montevideo-Norm, und Niue nahm diplomatische Beziehungen mit Neuseeland auf, was ich als Beginn ihrer Staatseigenschaft definiere, auch wenn die Menschen in Niue nach wie vor neuseeländische Staatsangehörige sind. Dadurch stieg die Zahl der UNO-Mitglied von 178 auf 183 (Mazedonien, Andorra, Monaco, Eritrea, Tschechien, Slowakei abzüglich Tschechoslowakei), die Zahl der sonstigen Länder sank auf 17 (minus Mazedonien, Andorra, Monaco, plus Niue), die Zahl der Montevideo-Länder stieg auf drei, und Antarktika blieb auch dabei, sodass wir jetzt 204 Länder hatten.

1994 fing die Situation an, sich ein bisschen zu beruhigen; im Zuge des Übergangs in ein Post-Apartheid-Südafrika wurden die vier Bantustans wieder in den südafrikanischen Staat integriert, sodass die Zahl der sonstigen Länder sank. Im selben Jahr erfüllte Abchasien (gegen Georgien) meine einjährige Montevideo-Bedingung, und das ehemalige US-Treuhandgebiet Palau wurde unabhängig und noch 1994 in die UNO aufgenommen. Dadurch stieg die Zahl der UNO-Mitglieder um eins auf 184, die Zahl der sonstigen Länder sank auf 13, die Zahl der Montevideo-Länder stieg auf vier, und Antarktika teilte sich nicht und blieb ein weiteres Land. Insgesamt hatten wir somit 202 Länder.

1995 kam tatsächlich nur das damalige Bergkarabach (das spätere Arzach) hinzu, weil das nach dem Bergkarabach-Krieg gegen Aserbaidschan die Einjahresfrist meiner Montevideo-Regel erreichte, sodass wir 184 UNO-Mitglieder, 13 sonstige Länder, fünf Montevideo-Länder und Antarktika hatten, also 203 Länder.

Man höre und staune, jetzt passierte erst im 1999 wieder etwas, und zwar ein reiner Tausch zwischen sonstigen Ländern und UNO-Mitgliedern, denn Kiribati, Nauru und Tonga traten den Vereinten Nationen bei. So hatten wir am Ende 187 UNO-Mitglieder, zehn sonstige anerkannte Länder, fünf Montevideo-Länder und Antarktika - und wenig überraschend immer noch 203 Länder insgesamt.

Im Jahr 2000 wurden Tuvalu und die Bundesrepublik Jugoslawien (Letztere mehr oder weniger wieder) in die UNO aufgenommen, sodass es wieder einen Tausch gab und am Ende 189 UNO-Mitglieder, acht sonstige anerkannte, fünf Montevideo-Länder und Antarktika, mithin unverändert 203 Länder.

Im Jahr 2002 trat die Schweiz den Vereinten Nationen bei, und Timor-Leste (Osttimor) wurde unabhängig und anschließend UN-Mitglied. Dadurch stieg die Gesamtzahl der Länder auf 204, davon 191 UNO-Mitglieder, sieben sonstige anerkannte, fünf Montevideo-Länder und Antarktika.

Im Jahr 2006 schließlich teilten sich Serbien und Montenegro (wie die Bundesrepublik Jugoslawien inzwischen hieß) auf (beide blieben bzw. wurden UNO-Mitglieder), sodass es nunmehr 192 UNO-Mitgliedern, sieben sonstige anerkannte, fünf Montevideo-Länder und Antarktika gab, also 205 Länder.

Im Jahr 2008 wurde Kosovo gegen den Willen Serbiens, zu dem es bis dahin gehörte, unabhängig, aber kein UNO-Mitglied; Russland anerkannte nach dem Georgienkrieg Abchasien und Südossetien als unabhängig, sodass diese keine Montevideo-Länder mehr waren, sondern sonstige anerkannte Länder, und Transnistrien, das von Abchasien und Südossetien anerkannt worden war, wurde über die Anerkennungskette ebenfalls ein sonstiges anerkanntes Land. Im strengen Sinne meiner heutigen Sichtweise galt das auch für Bergkarabach, denn das wurde von Transnistrien anerkannt. Somit waren wir bei 192 UNO-Mitgliedern, zwölf sonstigen anerkannten Ländern (sieben plus Kosovo, Abchasien, Südossetien, Transnistrien, Bergkarabach), nur noch einem Montevideo-Land (Somaliland) und Antarktika, also bei 206 Länder.
Weltgeschichtlich mindestens so bedeutsam war aber, dass der Autor dieses Blogs sich erstmals Gedanken darüber machte, wie viele Länder es denn eigentlich gibt. Damals verlangte er für die sonstigen anerkannten Länder eine Anerkennung durch zwölf UN-Mitgliedstaaten (oder durch Deutschland), wodurch er nur bei 200 Ländern landete (192 UNO, Vatikanstadt, Taiwan, Kosovo, Westsahara, Palästina, Cookinseln, Niue, Antarktika).

Das wurde dann 2009 korrigiert, indem zunächst 204+2 und bald darauf 206 Länder gezählt wurden; somit passt die Überleitung von 1982 auf die erste moderne (oder ausgereifte?) Länderliste. Und das sollte man feiern! Dass die Zuordnung etwa von Bergkarabach damals noch ein bisschen wacklig war, sei einmal dahingestellt, das heute bestehende Modell erscheint mir grundsätzlich vertretbar - und Auswirkungen auf die Länderzählung hatte es auch nicht, ob man Bergkarabach (bis 2010) zu den Montevideo-Staaten zählte oder aber (erst ab 2010) aufgrund der Anerkennungskette zu den sonstigen anerkannten Staaten, obwohl die Anerkennungskette schon seit 2008 bestand.

Zwei Jahre lang passierte nichts Dramatisches, erst 2011 wurde der Südsudan vom (Nord-)Sudan unabhängig und in die UNO aufgenommen, sodass die UNO bei den heute noch gültigen 193 Mitgliedstaaten landete. Zusammen mit den zwölf sonstigen ankannten Ländern, dem Montevideo-Staat Somaliland und Antarktika landeten wir dadurch bei 207 Ländern.

2014 wurde es dann in der (Süd-)Ostukraine wild, und dabei ließ ich mich ein bisschen verwirren: Schon die Kurzzeitanerkennung der (vermeintlich unabhängigen) Republik Krim durch Russland am 17. März 2014 hätte zu einem Anstieg auf 208 Länder führen müssen; das war zu verschmerzen, denn schon am 21. März 2014 trat die Krim angeblich Russland bei. Dadurch war die Krim definitiv nicht mehr unabhängig, sodass die Anzahl der Länder wieder auf 207 sank.
Bei Donezk und Luhansk aber, die am 18. bzw. 27. Juni 2014 von Südossetien anerkannt wurden, hätte meine Länderzählung aufgrund der Anerkennungskette schon damals für längere Zeit auf 209 (193 UNO-Staaten, 14 sonstige Staaten, Somaliland, Antarktika) springen müssen. Im Blog habe ich das wegmoderiert, weil ich hier auf eine Stabilisierung abgestellt habe, obwohl - aus heutiger Sicht, Schande auf mein Haupt - bei den anerkannten Staaten eine Stabilisierung gar nicht notwendig ist, weil diese nur für Montevideo-Staaten überhaupt in Betracht gezogen wird. Ich blieb im Blog also bei 207 Ländern, auch wenn 209 aus heutiger Sicht richtig - oder zumindest konsistent - gewesen wäre.

Ich brauchte acht Jahre, bis 2022, um zu dieser besseren Einsicht zu gelangen, denn am 22. Februar 2022 zog ich die Zählung auf 209 nach, nur um im September in einen völlig unübersichtlichen Strudel zu geraten, in deren Verlauf ich kurzzeitig sogar auf 211 hätte gehen müssen:
  • Am 29. September 2022 anerkannte Russland noch zusätzlich die vermeintlich unabhängigen Staaten Cherson und Saporischschja, sodass ich hier für eine Nacht bei 211 Ländern (193 UNO, 16 sonstige anerkannte, Somaliland, Antarktika) gelandet wäre.
  • Am 30. September 2022 traten diese angeblich unabhängigen Staaten (ebenso wie Donezk und Luhansk) Russland bei und verloren ihre Unabhängigkeit, sodass ich wieder bei 207 Ländern landete.
  • Diese Abänderung (von im Blog 209 bzw. theoretisch korrekten 211 Ländern) auf 207 Länder (193 UNO, zwölf sonstige anerkannte, Somaliland, Antarktika) wurde dann am 2. Oktober 2022 auch im Blog nachvollzogen; damit endete auch das Jahr 2022.
Zum 1. Januar 2024 hörte Arzach (das frühere Bergkarabach) auf zu existieren, nachdem das Gebiet von Aserbaidschan (zurück)erobert worden war, sodass die Zählung wieder auf ebendie 206 Länder zurücksprang, die wir heute sehen, auch wenn es damals noch 193 UNO-Staaten, (nur) elf sonstige anerkannte Länder, Somaliland als Montevideo-Staat und Antarktika waren.

Erst Ende 2025 wurde durch die definitive Anerkennung durch Israel die Republik Somaliland (die schon vorher so inoffizielle Halbbeziehungen mit Taiwan und Äthiopien hatte) aus den Montevideo-Staaten (die Kategorie ist seitdem leer) in die sonstigen anerkannten Staaten geschoben, sodass wir nun zwölf von denen haben, zusätzlich zu den 193 UNO-Mitgliedstaaten und Antarktika. Insgesamt sind wir aber bei den 206 Ländern geblieben, die das (aktuelle) Ziel dieses Blogs sind.

Herzlichen Glückwunsch an jede Leserin und jeden Leser, der sich durch dieses interdisziplinäre Geflecht aus Völkerrecht, Mathematik (abgeschlossene Hülle!) und jeder Menge Geschichte gewühlt hat. (Wie, das hat keiner geschafft? Ruhe dahinten!)

Natürlich kann man über den Zeitpunkt der Staatlichkeit der Cookinseln und von Niue diskutieren, natürlich ist das eine Jahr, das ich für die "Anerkennung" als Montevideo-Staat fordere, irgendwo willkürlich. Es gibt es Kandidaten wie etwa Tschetschenien, das von 1996 bis 1999 mehr oder weniger unabhängig war, aber eben auch nicht so richtig ein funktionierender Staat, und das über die Anforderung der Montevideo-Konvention, dass ein "Staat" eine (funktionierende) Regierung und Staatsgewalt haben muss, rausgeflogen ist, auch wenn irgendwelche georgischen Exilregierungen und die Taliban sie anerkannt haben (ohne ihrerseits anerkannt zu sein). Natürlich gibt es Grenzfälle, aber ich bin mit dieser Übersicht und mit dieser Überleitung von 1982 bis heute wirklich richtig, richtig glücklich - weil ich echt nicht damit gerechnet habe, dass man das ohne riesigen Aufwand aufgedröselt bekommt.

Jetzt kann ich auch historische Erfolgsvergleiche führen (jedenfalls jeweils zum Jahresende, die genauen Daten in den einzelnen Ländern kann man natürlich ermitteln, aber da fängt es halt schnell an, unübersichtlich zu werden, wann genau jetzt ein Land unabhängig geworden ist, gerade dann, wenn nicht sofort eine Anerkennung erfolgt ist), und das freut mich richtig ...

Ja, ich weiß, da draußen versteht keiner, wie man so größenwahnsinnig sein kann, zweieinhalbtausend Worte zu so einem Thema zu schreiben, bei dem meine Definition eines Landes im Laufe der Geschichte keine alte Sau auf dieser Welt interessiert, aber darum geht es ja gar nicht ... Für mich war es ein sehr spannendes Projekt, auch mit zwei KIs zusammenzuarbeiten und am Ende so ein nerdiges, aber unglaublich befriedigendes Ergebnis zu haben.

Der nächste Blogeintrag morgen Abend ist aber mit mehr Reisebericht, mehr Roadtrip und mehr Bier, keine Sorge!