..., als ich da in Port Vila auf den Highway nach links abbiegen wollte, aber nicht wie ein vernünftiger Vanuatuer einfach in den Straßenverkehr reingrätschte, sondern eine Lücke abwarten wollte. Plötzlich fuhr der große weiße Pick-up um mich herum mitten in den Straßenverkehr, und erst da sah ich, dass das die Polizei war. Nun, wenn die das können,
dann kann ich das schon lange (auch wenn ich sehr dadurch unterstützt wurde, dass der Wagen von links dann für mich anhielt ...). Jo, dann war ich auch auf dem Highway ... (Und die Polizisten haben nur gelacht, wie sie da hinten auf der Pick-up-Ladefläche standen [!] und der Fahrer an mir vorbeifuhr ...)
Ich war heute Morgen ziemlich früh wach - kein Wunder, ich war gestern auch sehr früh im Bett gewesen, der faule Tag hatte mich schläfrig gemacht. Dementsprechend gut konnte ich um 5.30 Uhr (!) aufstehen, um mir den Sonnenaufgang anzuschauen ... Im Bad stellte ich fest, dass der Schwärmer, der gestern Abend an mir hochgekrabbelt war, bevor ich ihn abschütteln konnte, auf dem Spiegel komische Spuren hinterlassen hat - naja, sowas kommt in den Tropen halt vor.
Der Sonnenaufgang war schick, aber noch schicker war - natürlich - der Einzug des glorreichen SC Freiburg ins Europapokalfinale. Meine Schwägerin und mein Bruder tickerten ebenso wie einige andere liebe Freundinnen, ich verfolgte den Kicker-Ticker und zum Schluss noch das Ganze im Audiostream des SWR. Hat mich nur ein paar Monate meines Lebens gekostet, aber sonst passt das ja wunderbar.
Um kurz nach 8 Uhr verließ ich den Beach Club und setzte mich ins Auto. Ich fuhr in Richtung Port Vila, machte unterwegs schon die ersten Fotos, weil die Sonne schon draußen war (herrlich), teilweise blieb ich einfach auf der Straße stehen, weil eh minutenlang kein Auto kam. Am erstbesten Geldautomaten (in einem kleinen Kaff, Geldautomaten haben sie hier wirklich viele, sehr löblich) hielt ich an, hob (viel zu viel) Geld ab, kaufte dringend benötigtes Wasser und einen Ananassaft und fuhr dann weiter in Richtung Hauptstadt.
Google Maps leitete mich recht gut durch Port Vila, sodass ich um kurz nach 9 Uhr auf dem Parkplatz direkt neben dem Hauptmarkt zum Stehen kam. Die 70 Cent Parkgebühr drückte ich auch ab, passte schon. Der Blick von dort auf die Bucht ist schon einmal sehr, sehr schön, der Hauptmarkt - geschädigt vom Erdbeben 2024 - kleiner als gedacht.
Ich lief nach hinten zu den Essensständen, aber die boten nicht das an, was ich wollte, nämlich Laplap. Nach ein paar Runden (Früchte gibt es in dem Markt noch und nöcher) fragte ich halt eine von den Tanten hinten explizit nach Laplap, und die schickte bzw. führte mich nach vorne.
Da saßen ein paar Damen, die hatten da auch was auf dem Tisch, aber meine KI hatte mir gesagt, dass ich das Laplap direkt aus der Bananenblatt-"Verpackung" nehmen solle, dann sei es ganz frisch. Jo, die gab's da aber nicht, die hatte nur - mutmaßlich ältere - von gestern in Folie. Jetzt war mir aber alles egal, also bestellte ich ein so'n Ding mit Hühnchen, setzte mich an den bereitstehenden Tisch und fing an, mit den Händen zu essen ... Laplap besteht aus Brotfrucht, Banane (das hatte ich nicht), Taro oder Yams, das in eine Paste gekocht wird und dann mit dem Löffel - oder Tortenheber ... - portioniert wird; dazu kann man Fleisch oder Fisch nehmen, man kann es aber auch sein lassen ...
Lecker war's, aber nicht so ein richtiger Hochgenuss; vielleicht wage ich mich morgen noch einmal nach Port Vila, mal sehen, dann aber etwas später (meine KI hatte erst gemeint, dass 9.30 Uhr bis 10.30 Uhr perfekt sein; nach meiner Rückkehr meckerte ich ein bisschen, weil es noch nicht frisches Laplap gab, da meinte die KI, dass es erst ab 11 Uhr oder so am besten sei ... wiedewiedewitt, und so ...) ...
Das Laplap hatte mich entgegen der KI-Vorhersage noch nicht soooo satt gemacht, also versuchte ich noch ein Tuluk. Das war noch im Bananenblatt eingepackt, das war Maniok gefüllt mit Hackfleisch, das war heiß und das war seeeeehr lecker. Wenn ich nochmal genau so vor der Wahl stünde, würde ich mir zwei oder drei dieser Tuluk nehmen und wäre glücklich ...
Nun hatte ich aber gut gefrühstückt und fuhr - wieder kam ich beim Linksabbiegen kaum aus der Einfahrt raus, weil ich noch zu viel Schiss habe hier - ein paar Meter weiter zum deutschen Honorarkonsulat. Da stand aber ein Lieferwagen davor, sodass ich den Gummiadler zu spät sah und noch eine Runde drehen musste; dabei passierte mir die Geschichte mit der Polizei, und dann stand ich nach abermaligem Abbiegen auch da in der Einfahrt. Da die Straße aber eng war und viele Menschen da waren und ich mich nicht komplett zum Brot machen wollte, schoss ich nur aus dem Auto heraus das Foto vom deutschen (und österreichischen!) Honorarkonsulatsschild (der gleiche Typ ist also Honorarkonsul für Deutschland und für Österreich) und fuhr weiter.
Nun bog ich an der Einmündung nach rechts ab, das ging schneller. (Achso, Vanuatu ist der einzige pazifische Staat auf meiner Reise, in dem man rechts fährt. Dementsprechend habe ich im Auto auf der Windschutzscheibe einen großen Aufkleber "keep right" stehen, damit die Australier, Neuseeländer, Fidschianer und sonstwas daran denken, dass sie rechts fahren müssen, weil das ja alles Linksfahrländer sind. Der Autovermietungstyp stellte aber schnell fest, dass ich ja [Kontinental-]Europäer sei und daher kein Problem haben dürfte ... Und die Statistik, in welchen Ländern ich schon gefahren bin, kommt noch, wird aber schwierig, weil ich das bei manchen Ländern gar nicht mehr genau weiß, ob meine Ma oder ich da gefahren ist ...)
Ich gedachte nun, im Uhrzeigersinn die Insel Éfaté (so mit Akzenten auf Französisch) zu umfahren - und geriet auf eine Piste, die ziemlich wild zwischen wunderbar glatt und Schlagloch an Schlagloch wechselte. Das geht ja alles noch, blöd ist es nur, wenn auf einer wunderbar glatten Straße plötzlich ein Riesenloch auftaucht (siehe Tansania letztes Jahr). Da musste ich dann doch aufpassen wie ein Schießhund, weil ich auch von der ziemlich guten Straße zwischen Port Vila und meiner Unterkunft getäuscht worden war. Ja, da gibt es auch Schlaglöcher, aber nicht so brutale Abschnitte und vor allem weniger von diesen Überraschungseiern ...
Ich fuhr also sehr stark aufpassend weiter, fand aber die Einfahrt zu den Mele-Wasserfällen trotzdem nicht, weil die wohl auch versteckt liegt; joa, Wasserfälle hab ich aber eh schon einige gesehen, das passt dann schon. Ich fuhr aber unmittelbar danach einen steilen Berg hoch und musste meinen armen Automatik-Suzuki da ziemlich quälen, damit er da hochkomme; das klappte aber schlussendlich, passte also.
"Wunderbar" ist die korrekte Beschreibung für die Fahrt, sobald man sich an die Schlaglöcher gewöhnt hat und sich traut, mal für Millisekunden die Augen von der Straße zu nehmen: Efate (ich bleibe jetzt - vielleicht - bei der englischen Schreibweise) ist unfassbar grün, Palmen, andere Bäume, alles ist sooo grün - nur die Kühe, die ab und zu in eingezäunten Weiden grasen, die sind nicht grün (und die Straße auch nicht).
Auch nicht grün sind die Menschen, die einem hier ab und zu zuwinken (und man sollte laut Reiseführer tunlichst zurückwinken!) - das ist alles sehr, sehr freundlich hier, das macht schon Spaß, das muss ich sagen. Ich habe mich vorgestern und gestern vom Aussehen der Menschen her fast wie in Papua-Neuguinea gefühlt, das ist aber wenig überraschend, weil das hier - wie in Papua-Neuguinea - Melanesier sind, und die haben - alles natürlich im Mittel - offenbar dunklere Hauttöne als die Polynesier und die Mikronesier.
Ich tuckerte da mit 30-60 Sachen durch die Gegend, wurde gar nicht sooo häufig überholt (dafür fahren hier zu wenig Autos, höhö); ich habe mehr (Klein-)Busse gesehen als gedacht, auch weiter weg von Port Vila, aber ich bereue es trotzdem nicht, mir das Auto gemietet zu haben, denn diese Inselumrundung heute wäre schwerlich möglich gewesen mit Bussen, und schon gar nicht so, dass ich schon wieder gemütlich um 13.30 Uhr zurück im Hotel bin - und gelohnt hat sie sich definitiv, diese Inselrundfahrt.
Ich fuhr nach vielleicht einer Stunde Fahrt auch am "World War II Relics Museum" vorbei, parkte auch, nachdem ich kurz gedreht hatte, wurde gleich freundlich vom Inhaber begrüßte, ging dann aber doch nicht rein, sondern fotografierte nur von außen. Der Inhaber fragte auch, wo ich herkäme, und auf die Antwort "Germany" meinte er dann, "ah, you were on the other side!" Jo, das ist wohl wahr, auch wenn wir Deutschen im Pazifik glücklicherweise nicht auch noch so massiv die Finger im Spiel hatten ...
Weiter ging es durch etliche Dörfer, aber auch über offene Strecke, bis ich schließlich an der Ostküste wieder ans Meer kam.
Die Strände hier sind offenbar nicht so richtig Allgemeingut, sondern den Dorfgemeinschaften wird zugestanden, für die Bewirtschaftung der Strände Eintritt zu verlangen; das geht dann aber schnell in die mehreren Euro (1.000 VUV, also 7 Euro, sind keine Seltenheit), und das finde ich dann nicht so grandios.
Überhaupt ist Vanuatu schon ziemlich touristisch, kein Wunder, es ist ja auch sehr schön, und die Australier und Neuseeländer haben das offenbar auch schon herausgefunden, drei Stunden von ihnen entfernt. Das führt dann aber halt auch dazu, dass die Menschen hier - und da ist ihnen wahrscheinlich auch kein Vorwurf zu machen - dann halt auch versuchen, Geld zu verdienen. Für die blaue Lagune müsste ich 1.500 VUV, also 10,50 Euro, Eintritt zahlen; das überlege ich mir nochmal ... Morgen ist ja auch noch ein Tag, und nur ein paar Kilometer von mir entfernt ist ein schöner Sandstrand, der wohl "nur" 500 VUV kostet (3,50 Euro, und auch das nur, wenn jemand da ist ...). Angesichts der Tatsache, dass ich eh zu viel Geld abgehoben habe, könnte man das sogar machen.
Ich schließe im Moment nicht aus, dass ich morgen - ich habe noch genug Puffer in meinen 400 erlaubten Kilometern drin, glaube ich - noch einmal nach Port Vila fahre, mir da zwei, drei Tuluks fürs Mittagessen hole, die an dem schönen Sandstrand mir einverleibe und danach noch ein paar Stunden hier im Hotel mache (und vielleicht sogar einmal schnorchle) - jo, das klingt gar nicht so schlecht. (Ausgeschlafen wird aber auf alle Fälle!)
Nach meiner Rückkehr parkte ich jedenfalls - wie ich fand - unglücklich, aber die Chefin meinte, das passt schon; na gut ... Ich ging ins Zimmer, dann an die Bar, belohnte mich mit einer Hopfenkaltschale und einem amerikanischen Zuckergetränk, saß dann vor meiner Bude zum Blogschreiben und ging noch einmal schwimmen.
Ich war gerade auf dem Weg aus dem Wasser, als mich so ein Fisch in die Wade biss ... Vor lauter Schreck - oder auch vor Lachen - fiel ich um und rettete mich auf die unterste betonierte Stufe, da saß ich noch ein bisschen, wurde noch einmal in den Oberschenkel gezwickt und kam dann - stehenderweise - mit der Chefin ins Gespräch.
Sie berichtete, dass ein Pärchen einmal wegen des "Lärms" (=Meeresrauschen!) abgereist sei; ich sagte ihr auch, dass mir das Ding hier sehr gut gefalle, auch wenn ich am Anfang unsicher war, ob das hier ohne Klimaanlage funktioniert (Spoiler: tut es sehr gut). Die Anlage ist echt klasse, weil man zusammenkommen kann, wenn man will, aber das keineswegs muss, wenn man es nicht will, und es gibt so viele Orte, wo man seine Ruhe haben kann, natürlich nicht zuletzt auf dem wunderbaren Ausguck auf der (kleinen) Landzunge ...
Die Zeitverschiebung von (hier) neun Stunden (in Tonga waren es elf, in Neuseeland zehn) ist fast perfekt, um mit der Heimat zu telefonieren: Wenn meine Ma ins Bett geht, stehe ich gerade auf, und andersherum - so erwischen wir uns immer, das ist sehr praktisch und wird auch für den Rest der Reise in der Südsee so bleiben.
Nachdem die Chefin und ich uns verquatscht hatten, ging ich duschen und mich rasieren (Letzteres war dringend nötig), bekam dann das leckere Abendessen, das mir die Bedienung empfohlen hatte (etwas im Wok Kurzgebratenes, war völlig okay, wenn auch nicht so landestypisch wie Tuluk), und sitze jetzt hier bei meinem ... Rauschen in der Starlink-Leitung ... Bierchen draußen und höre dem "Lärm"(=Meeresrauschen) zu ... Heute (Freitag Abend) sind auch mehr Leute da, sodass die nicht schon um 19 Uhr letzte Runde zu machen scheinen ...
Das war ein schöner Tag, ich habe nicht so viele
Sehenswürdigkeiten im engeren Sinn besucht, aber trotzdem (finde ich) viel erlebt. Und das Schöne war, dass ich immer noch den Tag morgen habe - und da kann ich machen, was ich will, bevor es dann am Sonntag zurückgeht nach Auckland. Ich bin gespannt auf die wacklige Route Port Vila (Vanuatu) - Honiara (Salomonen) - Brisbane - Auckland mit zwei knappen Anschlüssen, ob a) ich und b) mein Gepäck mitkommt, aber das werde ich am Sonntag Abend berichten ...
Jetzt erstmal ein paar Fotos (soweit aus dem Auto, natürlich bei stehendem Gefährt und ausgeschaltetem Motor, hust) - häh, ist das jetzt wirklich in Reihenfolge?!
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| Unterwegs in Vanuatu I |
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| Unterwegs in Vanuatu II |
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| Hauptmarkt in Port Vila |
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| Laplap (schmeckt wirklich besser, als es aussieht!) |
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| Eingepacktes Tuluk |
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| ... und ausgepackt |
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| Honorarkonsulat |
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| Weltkriegsmuseum |
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| Wasserfall unterwegs |
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| Auch nochmal unterwegs |
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| Man soll es nicht glauben, ich war heute unterwegs ... |
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| Danach aber war ich schwimmen ... |
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| Und über das Kreuz des Südens freue ich mich als Nordhalbkugler immer sehr ... |