Natürlich wachte ich heute erst gegen 11 Uhr auf, und natürlich entschied ich mich, nach Hamburg zu fahren, und natürlich buchte ich noch in der Stadtbahn zum Hauptbahnhof die Eintrittskarte, denn wenn die Freiburgerinnen schonmal im hohen Norden spielen und man eine sehr gute Karte für relativ kleines Geld (21 Euro) kriegen kann, dann muss man das machen ... So, jetzt habe ich aber genug in kursiver Schrift geschrieben.
Ich erwischte die Stadtbahn, die ich angepeilt hatte, gerade noch, erwischte auch den Schweizer Eurocity-Express nach Hannover, der war wie immer Grütze (die Raumaufteilung des ICE finde ich fast optimal, das muss ich wirklich sagen, über die Pünktlichkeit müssen wir nicht reden, klar), aber wenigstens kam ich fast pünktlich in Hamburg an.
Ich wollte mein Gepäck am Hauptbahnhof schon einschließen, damit ich ohne Rucksack beim Stadion aufschlagen könnte, aber bei der einen Schließfachanlage war eine größere Schlange, und die andere ist anscheinend im Umbau. Mist war's.
Der Blogautor denkt ja aber gerne in Optionen, und so plante ich um, indem ich anpeilte, mein Gepäck in Altona am dortigen Fernbahnhof einzuschließen; das würde dann zwar nach dem Spiel noch ein bisschen knapper mit dem wunderbaren ICE von Hamburg nach Hannover (und nur bis Hannover, dort ist Endstation, dementsprechend ist der schön leer), aber das sah nicht ganz unmachbar aus.
Ich nahm mein Gepäck also mit, fuhr von der neuen Haltestelle der Buslinie 2 (direkt auf der Brücke über die Bahngleise, nicht mehr auf der Längsseite) wie üblich zur Hafenstraße in St. Pauli und strebte in die Brücke 10 (die muss ich demnächst, wenn ich meine Restaurantempfehlungen überarbeite, auch mal aufnehmen ...). Die Schlange unten war länglich, aber oben war nix los; naja, es wäre nix los gewesen, wenn beiden Kurpfälzerinnen vor mir den Verkehr nicht maßlos lange aufgehalten hätten.
Ich mein, es nervt ja schon, wenn jemand sich nicht ausgekäst kriegt, ob er Cola oder Cola Zero haben will, aber wenn man das dann auch noch in diesem gräuslichen Christian-Wörns-Gedächtnisdialekt macht, dann verdrehe ich hörbar die Augen. Höhö.
Naja, nachdem sie dann auch noch getrennt gezahlt hatten, konnte der Mann vor mir endlich seine Getränke bestellen und danach kam ich dran, um mein Astra (vom Fass!) und mein Matjes- und mein Makrelenbrötchen zu bestellen. Ich konnte mich wieder nicht entscheiden, was besser ist, aß erst vom einen ein bisschen, dann das andere auf, um zum Schluss den Rest des ersten Brötchens zu verspeisen - herrlich! Und das alles mit Blick vom "Oberdeck" der Brücke 10 auf die Elbe - das war echt schön, zumal das Wetter mitspielte: Ab und zu kam sogar die Sonne raus, aber ansonsten pustete das ein bisschen - wirklich richtig schick ...
Ich schlenderte - auf dem Oberdeck - zur Brücke 3, denn von da wollte ich mit der Fähre 62 nach Finkenwerder und von dort mit dem Bus durch den neuen Elbtunnel nach Altona fahren. Auf die erste Fähre kam ich aber wegen des immensen Andrangs nicht, aber für die zweite Fähre eine Viertelstunde später stand ich strategisch geschickt und bekam einen Sitzplatz an Deck.
Die Ein-Frau-Wiesbaden-Mitte-Fraktion grinst immer so schief, wenn ich betone, dass ich Hamburg ja eigentlich gar nicht mag, aber dann immer erzähle, wie schön das Fischbrötchenessen und das Fährefahren in ebendiesem Hamburg ist, und auch heute kriege ich das Grinsen nicht aus ihrem Gesicht, denn die Fährfahrt rüber nach Finkenwerder war sehr, sehr schön ...
In Finkenwerder hatte ich jetzt aber gerade den Bus verpasst, sodass ich ja quasi auf die Fähre 64 nach Teufelsbrück musste und also mich noch ein bisschen der Gischt, die gelegentlich an Deck spritzte, aussetzen musste - "bemitleidenswerter Knopf" schrieb ich ihr, das führte zu einem breiten Grinse-Emoji. Frechheit!
Mit Bus und S-Bahn schlug ich mich nach Altona durch, erwischte dort tatsächlich noch ein freies Schließfach, stellte sicher, dass ich alles im Schließfach hatte, was dort sein sollte, und alles am Mann, was am Mann sein sollte, und stiefelte dann zurück zur S-Bahn.
Ich entschied mich spontan, noch ein Stück über Stellingen, den S-Bahnhof fürs Stadionshuttle hinauszufahren, weil ich Zeit hatte und noch meinen nördlichsten Punkt in Deutschland in diesem Jahr erreichen wollte (Wie, ich ein Spinner? Na warte!). Den erreichte ich, indem ich bis zur ersten Station in Schleswig-Holstein fuhr, dort - in Krupunder - ausstieg (ich kann sicher sagen, dass ich dort noch nie war, jedenfalls nicht auf dem Bahnsteig) und in den Gegenzug einstieg.
Ich stieg in Stellingen aus, überlegte, ob ich die eineinhalb Kilometer zum Stadion laufe, entschied mich dann doch für den Shuttlebus (ich musste ja eruieren, wie lange der braucht und so!) und war natürlich viel zu früh am Stadion.
Ich stellte mich in die Schlange für den Einlass, fragte zwei, keine Ahnung, 17-Jährige hinter mir, ob das mein Eingang sei, die duzten mich - und ich war glücklich. Ich fühle mich immer so furchtbar alt, wenn ich gesiezt werde, wo ich doch immer meine, ich wäre erst 29, auch wenn Fremd- und Eigenwahrnehmung da wirklich nicht übereinanderzubringen sind ...
Nun denn, das Stadion wurde etwas vorfristig geöffnet, wie immer beim Fußball der Frauen war das alles ganz entspannt und friedlich, auch wenn ich mich auf der Suche nach der Männertoilette in den Hamburger Fanblockbereich verlief (mitsamt Freiburg-Schal, wohlgemerkt). Die erste Bratwurst konnte ich nur bar bezahlen, beim Bier verrechnete sich der Bezahlcomputer, oder die Hamburger Mathematik ist leicht anders, denn bei einem Bierpreis von 5,50 Euro und 2 Euro Becherpfand musste ich 7,80 Euro bezahlen ... Naja, sei's drum, ich ging ins Stadion und war erstmal zufrieden, denn mein Platz war wirklich Mitte-Mitte.
Offenbar haben sie nicht genug VIP-Tickets mit Fress und Sauf losgekriegt, sodass Plätze auf der VIP-Tribüne frei blieben (also dort, wo die VIPs sich hinsetzen, wenn sie "Stadionatmosphäre" haben wollen und nicht von der Lounge aus schauen wollen), und die haben sie halt dann in den freien Verkauf gegeben. Da könnte ich öfter sitzen, das war schon schick, muss ich sagen ...
Das Spiel war so durchaus unterhaltsam, auch wenn ich ob der Fehlpassdichte öfter verzweifelte, Freiburg ging in der zweiten Halbzeit dank eines direkt verwandelten Freistoßes mitsamt Fehler der Torfrau in Führung, Hamburg glich aber kurz darauf mit einem schönen Heber aus, und der 1:1-Endstand war okay, denke ich ...
Nach dem Spiel eilte ich zügig zum Shuttlebus, erwischte den noch, erwischte die angepeilte S-Bahn, stieg in Altona aus, löste mein Gepäck aus, erwischte sogar eine S-Bahn früher zum Hauptbahnhof und hatte wirklich gut Zeit, um meinen Zug, der schon da stand, zu suchen und zu betreten. Jetzt sitze ich im relativ leeren Zug und bin zufrieden, denn ich war heute erstmals seit vielen, vielen Jahren im Volksparkstadion, ich war am nördlichsten Punkt in Deutschland in diesem Jahr, erstmals in diesem Jahr in Schleswig-Holstein, ich hatte zwei Fischbrötchen, bin Fähre gefahren und komme - wenn nicht noch ein Unglück geschieht - auch einigermaßen früh ins Bett (gestern hatten wir ja dann doch so viel Verspätung, dass ich meinen Anschluss in Hannover verpasste und doch erst um halb zwei in der Bude war) ... Passt für heute.
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| Lecker Fischbrötchen (Makrele, l., und Matjes) |
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| Aida auf der Elbe |
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| Elbe von der Fähre |
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| Nördlichster Punkt in Deutschland dieses Jahr |
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| Voll war das Stadion mit 3.005 Zuschauern wirklich nicht ... |
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| Aber dafür gab's einen Regenbogen |






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