Auf dieser Seite beschreibe ich die bestehenden europäischen Enklaven und Exklaven sowie die außereuropäischen Enklaven und Exklaven, die ich in meinem Leben besucht habe.
Dabei ist eine Enklave im Staat A ein Gebiet eines fremden Staates B, das vollständig vom Staat A umgeben ist. Eine Exklave des Staates C hingegen ist ein Teilgebiet von C, zu dem der (Land-)Zugang aus dem Hauptgebiet des Staates C nur über Gebiet von fremden Staaten möglich ist.
Der Einschub "(Land-)" fängt an, den Unterschied in der Definition einer Exklave im engeren und im weiteren Sinne zu definieren. Im Folgenden nenne ich ein Teilgebiet eine Exklave, wenn
- das Teilgebiet vollständig von fremdem Hoheitsgebiet (inkl. Hoheitsgewässer) umgeben ist oder
- das Teilgebiet über Land vom Hauptgebiet grundsätzlich erreichbar ist, aber dabei nur über fremdes Hoheitsgebiet.
Enklave bzw. Exklave werden zum einen aus Sicht des umschließenden Staates bzw. des umschlossenen Gebietes beschrieben: Büsingen ist also eine Enklave in der Schweiz, aber eine deutsche Exklave, denn es ist deutsches (Teil-)Gebiet, das vollständig von der Schweiz umgeben ist.
Zum anderen ist nicht jede Enklave gleichzeitig eine Exklave und umgekehrt: San Marino ist beispielsweise eine Enklave in Italien, aber da es sich um das vollständige Staatsgebiet handelt, ist es keine Exklave (weil kein Teilgebiet).
Die malawische Insel Likoma im Malawisee etwa ist eine malawische Exklave und eine Enklave in Mosambik, weil sie zwar über Land gar nicht erreicht werden kann (es ist ja eine Insel), aber vollständig von fremdem (mosambikanischem) Hoheitsgebiet umgeben ist.
Das Kaliningrader Gebiet hingegen ist eine russische Exklave, aber keine Enklave, da es nicht vollständig vom Gebiet eines fremden Staates umgeben ist. Und es ist auch nur deswegen eine Exklave, weil es zwar über Land von Moskau aus erreicht werden kann, aber nur über fremdes Hoheitsgebiet.
Umgekehrt ist Französisch-Guayana keine französische Exklave nach meiner Definition, weil es erstens nicht von fremdem Hoheitsgebiet vollständig umgeben ist, zweitens aber vom französischen Mutterland aus schon gar nicht über Land erreicht werden kann.
Das macht immer wieder Spaß, eigene Definitionen so zu bauen, dass sie zu meinem Sprachgebrauch passen, aber so müsste es ungefähr hinhauen. (Verbesserungsvorschläge werden aber gerne genommen ...)
Was gibt es denn jetzt für Enklaven und Exklaven? Ich gehe sie in der (ungefähren) Reihenfolge meines Besuchs durch, aber gliedere sie auch thematisch, gucken wir mal, was das wird:
Die unabhängigen Staaten
Es gibt genau drei unabhängige Staaten, die vollständig von einem anderen Staat umgeben sind und damit Enklaven in diesen anderen Staaten sind, und natürlich war ich in allen drei schon. Das sind San Marino und die Vatikanstadt (beide 1998 erstmals besucht, beides Enklaven in Italien) sowie Lesotho (2010 besucht, Enklave in Südafrika).
Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Exklaven-Definition 1998, im zarten Alter von 15 Jahren, noch nicht so scharf gewesen wäre wie oben, aber was eine Enklave ist, wusste ich wahrscheinlich schon, als ich mit meinen Eltern an der italienischen Adria Urlaub machte. Dem Besuch in Rom mitsamt der Vatikanstadt folgte - auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin - der Besuch in San Marino. Ja, da stand das zwölfte besuchte Land im Vordergrund, nicht die Eigenschaft als Enklave, aber das macht ja nix - der Tatbestand war erfüllt.
Dementsprechend war völlig klar, dass 2010 während der WM-Reise nach Südafrika auch Lesotho besucht werden muss, zumal das sehr praktisch fast auf dem Weg nach Durban zum Australien-Spiel lag. Die Story, wie wir kurz anhielten, plötzlich ein paar Kinder aus dem Feld neugierig auf uns zukamen und schnellstens mit Malbüchern von der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen ausgerüstet wurden, habe ich damals anscheinend gar nicht erzählt - Schande auf mein Haupt! Jedenfalls war am 13. Juni 2010 dieser selbstgestellte Spezialauftrag, alle souveränen Enklavenstaaten zu besuchen, schon erfüllt, bevor ich so richtig wusste, dass er überhaupt existiert ...
Ehemalige Sowjetunion
Auf dem früheren Gebiet der Sowjetunion gibt es etliche Exklaven und Enklaven, und während die während der Sowjetzeit relativ bedeutungslos waren, wurden sie mit der Unabhängigkeit der Sowjetrepubliken umso virulenter.
Im Fergana-Tal zwischen Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan gibt es mehrere Enklaven, von denen ich aber noch keine einzige besucht habe, auch weil das Fergana-Tal nicht als der sicherste Ort der Welt gilt (und die Grenzsituation trägt sicherlich auch ihr Scherflein dazu bei).
Auch noch nicht war ich in Sankowo-Medweschje, das ist ein ehemaliger kleiner russischer Weiler, umgeben von Belarus und damit zumindest in Europa - und dort werde ich so schnell auch nicht hinkommen, nicht nur wegen Russland und Belarus, sondern vor allem, weil das Örtchen unbewohnt ist, nachdem es durch die radioaktive Wolke aus Tschernobyl verstrahlt wurde.
Der Nordteil des früheren Ostpreußen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg dem sowjetischen Staat einverleibt, und innerhalb dessen als Oblast Kaliningrad der Russischen Sowjetrepublik. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieb dieses Gebiet bei Russland - und wurde von meinen Eltern und mir im Rahmen unserer Ostseeumrundung im Jahr 2000 auch besucht. Das war unsere erste richtige Osteuropaerfahrung, und sie war für mich schon beeindruckend, so mit richtig scharfen Grenzen, mit dem Gasthaus, das im Umbau war, woraufhin wir ins nächstbeste Hotel verfrachtet wurden, in dem wir vorsorglich schon eingecheckt hatten (was für ein Zufall!), mit den ganz furchtbaren Straßen, mit dem Bernsteinsammeln am Ostseestrand.
Jo, und zwischen Armenien und Aserbaidschan gibt es (völkerrechtlich) etliche Exklaven, die aber im Rahmen der diversen Grenzscharmützel zwischen den beiden Staaten faktisch bereinigt wurden - völkerrechtlich bleiben es Enklaven, praktisch werden sie vom jeweiligen Besatzer wie das umgebende Gebiet behandelt. Während meiner Reisen durch Armenien 2013 und 2024 kam ich ja durch einige völkerrechtlich aserbaidschanische Gebiete, in denen man gar nicht merkte, dass man Armenien verlassen haben soll, und eines dieser Gebiete ist eine Enklave, die heißt auf Aserbaidschanisch Kərki und auf Armenisch Tigranaschen. Jo, und dort bin ich 2013 auf dem Weg nach Bergkarabach und 2024 auf dem Weg zum Sevansee durchgefahren - war auch beeindruckend, gerade weil die Umgehungsstraße ziemlich gut ist - und die Straße im Ort katastrophal ...
Belgien
Belgien ist dafür, dass es ein so kleines Land ist, an einer weit überproportional hohen Anzahl an Enklaven und Exklaven beteiligt.
Das berühmteste Beispiel (wenn Enklaven-/Exklavensituationen berühmt sein können) ist sicherlich Baarle-Hertog/Baarle-Nassau, wo sich Belgien und die Niederlande so ineinander verkeilt haben, dass die Grenzen durch Häuser und Wohnzimmer gehen. Insgesamt gibt es dort, wenn man dem Wikipedia-Artikel glauben darf, 30 Enklaven inkl. Gegenenklaven (also eine Enklave in einer Enklave), und natürlich war ich dort schon, unter anderem mit meiner Ma.
Fünf weitere Enklaven in Belgien steuert Deutschland bei, denn die Trasse der Vennbahn ist belgisches Staatsgebiet; jenseits der Vennbahn gibt es aber einige deutsche Örtchen (in einem Fall ist das ein einzelnes Grundstück), und diese sind Exklaven der Bundesrepublik. In jeder einzelnen dieser fünf Exklaven war ich schon, und wenn es bedeutete, auf dem kleinen Grundstück über den Bach zu springen und mich zwischen Baum und Grenzstein zu quetschen. Umzäunt war da nix, also war es kein Hausfriedensbruch, höhö ...
Schweiz
Auch die Schweiz hat zwei Enklaven, und die deutsche Exklave Büsingen hat meine spezielle Sammelleidenschaft für dieses Thema (und definitiv auch für Grenzsteine) entfacht (mein Vater war nach seinem Schlaganfall 2001 zur Reha, und auf dem Weg zu ihm musste ich durch Büsingen ...). Büsingen ist Schweizer Zolleinschlussgebiet, gehört also zollrechtlich zur Schweiz; deswegen gibt es da auch keine Zollkontrollen zwischen Büsingen und der Schweiz.
Die andere Enklave in der Schweiz heißt Campione d'Italia, ist - wenig überraschend - italienisches Staatsgebiet und im Jahr 2020 auch durch meine Anwesenheit geadelt worden. Sonst war es damals trotz der Lage am Luganersee irgendwie ein bisschen trostlos, fand ich, nachdem das Casino pleitegegangen war ...
Spanien
Da fällt mir auf, dass auch Spanien ein paar Exklaven besitzt (selbst nach meiner Definition), und zwar eine, die gleichzeitig Enklave in Frankreich ist und Llívia heißt. Dieses Örtchen besuchten wir 2023 im Rahmen der kleinen Andorra-Reise, nachdem mir die Existenz dieser Enklave in den Pyrenäen gerade noch rechtzeitig zur Reiseplanung aufgefallen war (da wurde auch leckeres Essen gekauft, dieses mit einem Messer aus dem französischen Supermarkt geschnitten und dann in Frankreich verspeist).
Aber auch Ceuta ist, wenn man meine Definition fast ad absurdum weiterführt, eine spanische Exklave. Französisch-Guayana ist keine französische Exklave, weil man über Land nicht aus dem Mutterland dorthin kommt, und nach Ceuta fährt man auch immer mit der Fähre oder fliegt mit dem Hubschrauber (hihi), aber man könnte theoretisch auch über Land hinkommen, eben von Madrid aus durch (zum Beispiel) Frankreich, Deutschland, Polen, die Ukraine, Rumänien, Bulgarien, die Türkei, Syrien, Israel, Ägypten, Libyen, Algerien und Marokko. Wie, das macht keiner? Ach ne?! Trotzdem erfüllt Ceuta (wie im Übrigen auch Melilla) die Definition - hier hatte keiner davon gesprochen, dass man auf dem gleichen Kontinent bleiben muss, wenn man über Land unterwegs ist ...
Ex-Jugoslawien
Aber auch auf dem Gebiet des früheren Jugoslawien gibt es zwei Gebiete, in denen es Enklaven gibt. Brezovica Žumberačka und Brezovica pri Metliki stehen ja jetzt mit meiner Ma an; hier haben sich auch die Katasterämter in die Haare bekommen, was zu mindestens einer, vielleicht auch einer zweiten kroatischen Exklave geführt hat.
Und der bosnische Weiler Međurečje, der von serbischem Staatsgebiet umgeben ist, fehlt mir auch noch - da komme ich schon auch noch irgendwann hin, und wenn ich einen Urlaubstag für den Roadtrip opfern muss ...
Restliche Welt
Auch im Rest der Welt gibt es Enklaven und Exklaven, Alaska ist sicherlich die größte (Exklave) davon, jedenfalls nach meiner Definition. Die USA haben aber auch noch einige weitere Exklaven (Point Roberts dürfte nach Alaska eine der bekannteren sein), bei denen man Teile des US-Gebiets auf dem Landweg nur über Kanada erreichen kann. Auch in den südamerikanischen Flüssen gibt es - wie im Malawisee - ab und zu die Situation, dass eine Insel zu Land A (meist Argentinien) gehört, diese aber vollständig von Hoheitsgewässern eines anderen Landes umgeben ist.
Cabinda ist eine angolanische Exklave, da zwischen den beiden Gebieten noch ein Stückchen der Demokratischen Republik Kongo liegt.
Indien und Bangladesch haben ihre riesige Anzahl von gegenseitigen En-/Exklaven (da gab es sogar eine dritter Ordnung - also eine Enklave in einer Enklave in einer Enklave) vertraglich weitgehend bereinigt, da gibt es nur noch eine Enklave.
Oman hat auch ein paar Exklaven, in die man über Land nur durch Gebiet der Vereinigten Arabischen Emirate kommt, da gibt es sogar eine Enklave zweiter Ordnung, also emiratisches Gebiet umschlossen von omanischem Gebiet umschlossen von emiratischem Gebiet.
Auf Zypern gibt es einige Ortschaften (und ein Kraftwerk!), die zur Republik Zypern gehören, aber vom Gebiet der Souveränen Basen umgeben sind, und ich könnte mich ohrfeigen, dass wir die 2011, als wir mit dem Auto in Zypern unterwegs waren, nicht einfach mal alle mitgenommen haben, aber damals war mein Enklavenradar noch nicht so feinjustiert. Schade, schade ...
Jo, und Osttimor hat auch noch ein Gebiet, in das man über Land nur über indonesisches Gebiet kommt.
Liebe Leserin, lieber Leser, man sieht schon, ein bisschen was steht auch in der Hinsicht noch auf der Bucket List ...
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