Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 29. August 2026

Wie in Lausheim

Das war meine Vorwarnung an meine Mutter, dass die Enklave in Brezovica wahrscheinlich so spektakulär sein würde, denn - ohne den Stühlingern zu nahezutreten zu wollen - soooo spannend ist Lausheim wirklich nicht.

Irgendwie war es keine so geniale Idee gewesen, auf nüchternen Magen drei Bier zu trinken, denn heute Morgen hatte ich ein klitzekleines bisschen Kopfweh. Die Dusche tat Wunder, und noch mehr Wunder tat das großartige Frühstück in unserem wirklich großartigen Hotel, mit jeder Menge Rührei und Lachs und Grapefruit-Saft und Espresso, das war richtig, richtig gut …

Nach dem guten Frühstück fuhr ich schon einmal Tanken, und meine Ma überquerte kurz darauf die fünfspurige Straße, um zu mir zu stoßen.

Danach ging es - mit viel Stau, leider - in Richtung Tauerntunnel und von dort zum Karawankentunnel. Die Beschilderung am Karawankentunnel war absolut verbesserungsfähig (und das ist jetzt die Altersmilde nach ein paar Bier in Umag intus, sonst hätte ich deutlich deftigere Vokabeln verwendet): Normalerweise ist ganz links die Flex-Spur für die Vorbereiteten (wie mich), die sich bei der österreichischen Autobahngesellschaft angemeldet haben und direkt durch die Mautstelle durchfahren können. Am Karawankentunnel gilt das aber nicht (da ist jede Spur Flex), sodass wir völlig unnötig im Stau auf der linken Spur standen - echt nicht so großartig. Als ich das dann endlich einsah und auf die Mittelspuren wechselte, ging zwar die Flex-Bezahlung schnell voran, aber hinter der Mautstelle war trotzdem brutaler Stau, weil die von sechs Spuren (!) auf eine verengten, da die eine Röhre saniert wird - ganz großartig, denn so verloren wir mindestens eine Dreiviertelstunde bis Stunde ...

Als wir dann in Slowenien waren, ging es einigermaßen voran, auch wenn keine alte Sau die vermeintlich (aber nur vermeintlich) für Lkws reservierte Kriechspur benutzte; so fuhr ich an etlichen Helden vorbei, die auf der Mittelspur ausharrten ... Tja ...

Ein kleines Stückchen fuhren wir durch Ljubljana, und die erste Raststätte, die wir aufsuchen wollten, war so gerammelt voll, dass wir weiterfuhren. Kurz vor der Abfahrt von der Autobahn hielten wir aber dann doch, tranken einen Kaffee (ja, auch ich trank einen Espresso), wobei die Toilettengebühr komplett gegengerechnet wurde (vorbildlich!), und in Novo Mesto ging es von der Autobahn herunter.

Google Maps wollte uns mit der Kirche ums Dorf leiten; als ich das bereinigt hatte, waren wir plötzlich viel schneller am avisierten Ziel. Und das war großartig, gerade weil man so überhaupt gar nix sah: keinen Grenzstein, nicht einmal eine Vermarkungsmarkierung, gar nicht ....

Wir kamen ja aus Slowenien und hielten kurz auf kroatischem Gebiet; ab hier fuhr meine Mutter, weil ich auf Google Maps und Openstreetmap verfolgen wollte, wo genau wir gerade waren. Wir hielten direkt vor einer kleinen Kapelle, die großteils in Slowenien, aber auch ein bisschen in Kroatien stand; ich identifizierte die Änderung im Straßenbelag als Grenze zwischen Kroatien und Slowenien - dementsprechend wurden dort Fotos gemacht. Ich führte meine Mutter falsch, sodass wir kurzzeitig im nicht-exklavischen Kroatien waren; dort drehten wir um und fuhren wieder zurück.

Wir bogen an der Kapelle nach rechts ab, meine Ma fuhr über immer enger werdende Straßen in Richtung Kroatien. Die Schranke an dem Feldweg war oben, sodass wir einfach weiterfuhren, auf kroatischem Gebiet kam uns ein Traktor entgegen, sodass wir auf den Rasen ausweichen mussten, danach ging es weiter den Berg hoch - meine Ma konnte kaum sehen, wo wir hinmussten, weil ich Ochse den Fahrersitz so weiter heruntergedrückt hatte, dass sie kaum übers Lenkrad gucken konnte, aber ich versicherte ihr, dass ich schon brüllen würde, wenn jemand käme ...

Schließlich kamen wir - auf kroatischem Gebiet, mitten im Wald - auf eine größere Straße, fuhren diese entlang, kamen an einer offiziellen slowenischen Grenzübergangsstelle vorbei, die aber verwaist war, und dahinter parkten wir.

Ich lief auf die kleine Straße dort, direkt vors Tor einer Einfahrt, denn diese Einfahrt war wohl schon Gebiet der zweiten kroatischen Exklave, ich lief weiter auf der Straße, die gehört angeblich auch zu Kroatien, das alles, bis ich einigermaßen sicher war, dass ich auch in der zweiten kroatischen Exklave ordnungsgemäß eingereist war. Juchhe - alle Ziele des heutigen Tages erreicht!

Wir fuhren weiter, noch einmal durch die unumstrittene kroatische Exklave, dort wechselten wir auch wieder den Fahrersitz, und anschließend fuhren wir über Novo Mesto und Ljubljana zurück. Insgesamt wäre das für jeden normalen Menschen wahrscheinlich ein bisschen enttäuschend gewesen, weil wir nicht einmal einen Grenzstein gesehen haben, aber mit Openstreetmap und Google Maps wusste ich stets, wo wir waren, und dass ich in den Exklaven war - das war sehr euphorisierend! Wie? Was? Ruhe dahinten!

Nach gefühlt 30 Grenzübertritten in 20 Minuten, einschließlich komischer Feldwege und Ausweichen ins Gras, war es nun auf der slowenischen Autobahn - meistens, aber das war mir nach dem Enklavenerlebnis wurscht - ein Vergnügen zu fahren, außer wenn irgendwelche Slowenen meinen Kofferraum besichtigen wollten, weil ich nur die zulässige Höchstgeschwindigkeit fuhr - kurz: Ich regte mich öfter ziemlich auf ...

Kurz vor Koper verließen wir die slowenische Autobahn, fuhren noch ein Stück über die slowenische Landstraße, überquerten ungehindert die kroatische Grenze und kamen so gegen 17.15 Uhr in Umag an. Ich parkte auf dem offiziellen (kostenfreien!) Parkplatz; wir luden das Auto aus und latschten mit Rollkoffer und restlichem Gepäck die zehn Minuten zu unserer Unterkunft mitten in der Altstadt.

Nach WhatsApp-Rücksprache mit der angegebenen Telefonnummer klingelte ich, uns wurde geöffnet, Mutter ist mit der Bude - gerade im Vergleich zur Nacht zuvor - nicht soooo glücklich gewesen, zumal sie eine steile Treppe hoch musste, aber am Ende war sie, glaube ich, auch einigermaßen einverstanden mit der Unterkunft.

Ich guckte mich kurz um, lief die 50 Meter zum (Stein-)Strand, ging zurück ins Zimmer, holte meine Badehose und lief in altem Hemd, Badehose und Adiletten zum Strand. Ich sah, dass es rechts einen Rollstuhlzugang gab, aber den Rest des Ganzen erzähle ich im Stile eines Sportreporters:

Im Rahmen des internationalen Judoländerkampfes kam es heute im kroatischen Umag zum Finalkampf zwischen der kroatischen Lokalmatadorin, der Rollstuhlrampe, und dem deutschen Herausforderer EBBJena. Nach einem vorsichtigen Beginn, in dem sich der Herausforderer langsam gegen die Rollstuhlrampe vortastete, lockte die Rollstuhlrampe diesen auf den schlüpfrigen, abschüssigen Teil der Matte. Der Herausforderer stellte noch fest, dass die Rampe glitschiiiiiiiii ..., da hatte die Rampe ihren Heimvorteil genutzt und einen Fußfeger angesetzt. Der Herausforderer lag käferartig auf dem Rücken und hatte also mit einem Ippon verloren. Dem Herausforderer war es wurscht, denn er krabbelte unter dem Applaus der zahlreich anwesenden Zuschauer weiter in Richtung Meer und genoss den Schwimm im Mittelmeer.

Auf dem Weg aus dem Wasser forderte die Lokalmatadorin den Urlauber zum Rückkampf heraus, doch diesmal konnte der Deutsche den Kampf mit der Kroatin trotz einiger Wackler unentschieden halten.

Der Herausforderer trug nach eigener Aussage nur einige wenige Schürfwunden davon, die von der mütterlichen Sanitäterin versorgt wurden.

 Nach dem Lecken der Wunden und der Dusche verließen meine Ma und ich unsere Bude und machten einen ganz kurzen Spaziergang durch die Altstadt von Umag. Am Ende landeten wir - wenig überraschend - in einer Kneipe mit Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer; dort saßen wir sehr gut und aßen Pulpo und Thunfischsteak ...

Es gab das eine oder andere Mutter-Sohn-Scharmützel, aber der Abend kann so schlecht nicht gewesen sein, denn am Ende wackelten wir ganz gemütlich zurück zu unserer Bude. Jetzt sitzen wir in der Kneipe direkt neben der Haustür, haben noch den letzten Cocktail genossen und gehen gleich ins Bett.

Wir freuen uns schon auf den morgigen Sieben-Länder-Tag - gute Nacht!

Mutmaßliche Grenze zwischen Slowenien (vorne) und Kroatien (hinten)

Kapelle (großteils in Slowenien, kleiner Teil in Kroatien)

Grenzbrücke zwischen Slowenien und Kroatien

Mitten im Wald im Grenzgebiet (da kam kein Traktor mehr entgegen)

Willkommen in Kroatien

Ortsausgang slowenisches Brezovica

Hafen von Umag

Am Steinstrand von Umag

Campanile von Umag

Pulpo zum Abendessen

Thunfischsteak zum Abendessen

Der Mond

Getränke zum Abendessen (Auswahl)

Umag

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen