Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Donnerstag, 27. August 2026

Ein Herzensprojekt und "vorwärts in die Vergangenheit"

Das ist die Bilanz der letzten Abende, an denen ich mit der künstlichen Intelligenz (in dem Fall meistens dem Copilot) ausgeheckt habe, was man so in meinem Blog-und-Länderzählungs-Kosmos noch so anstellen könnte (und nein, ich habe auch soziale Kontakte, gestern zum Beispiel war ich mit einer Kollegin und einem Ex-Kollegen unterwegs, aber lassen wir das), und ich will natürlich der werten Leserin und dem werten Leser nicht vorhalten, was sich dahinter verbirgt.

Fangen wir mit dem noch nicht so ausgegorenen Projekt an, nämlich dem "vorwärts in die Vergangenheit" (weil das Herzensprojekt wahrscheinlich ein bisschen mehr Platz in Anspruch nehmen wird, da bin ich am Ende womöglich erschöpft - oder schon in Freiburg angekommen, denn im Zug dorthin sitze ich gerade): Den Blog habe ich ja im Sommer 2009 angefangen zu schreiben, als ich mit Marcel nach Aserbaidschan und wieder zurück (teils mit meiner Ma gefahren bin). Die Aserbaidschan-Reise war ja aber nicht die erste Reise meines Lebens, und auch nicht die erste bekloppte.

Davor gab es an verrückte(re)n Reisen mindestens

  • die erste Fünf-Länder-Tour 1998 mit meiner Ma über Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande,
  • die erste Mittelosteuropareise 1999 mit meinen Eltern über Slowenien, Kroatien, Ungarn, die Slowakei, Tschechien und Polen,
  • die Ostseeumrundung 2000 mit meinen Eltern über Polen, die russische Oblast Kaliningrad, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark,
  • die große Balkantour 2004 mit meinen Eltern über Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, das damals noch zum Staat Serbien und Montenegro gehörende Montenegro, Albanien, Mazedonien, Griechenland, einen kurzen Einreiseversuch in die Türkei, über Bulgarien, Rumänien, Serbien und Ungarn,
  • die Interrailtour 2004 mit ebendem Studienfreund, mit dem ich 2009 den Blog eröffnet habe, über Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Türkei, wieder Bulgarien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Italien und die Schweiz,
  • die kleine Balkantour 2005 mit meinen Eltern über Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina nach Montenegro und wieder zurück,
  • die Karpatentour 2008 mit meiner Ma über Polen, die Ukraine, Moldau, Rumänien, Ungarn und die Slowakei,
  • die Kosovotour 2008 mit meiner Ma über Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Serbien, Kosovo, Ungarn, die Slowakei und Österreich,
  • die Nordamerikatour 2009 mit Studienfreunden von New York über die Niagarafälle, Toronto und Detroit nach Chicago, von dort über Washington und Philadelphia wieder zurück nach New York,
  • die Südasientour 2009 nach Indien, Nepal und Dubai,
Dazu kommt sicherlich noch die eine oder andere Reise, die man nicht zwingend als verrückt bezeichnen muss (aber kann!), so etwa die Gibraltar-Ausfahrt 1998, der Marrakesch-Ausflug 1999, die beiden China-Reisen 2001, die Andorra-Reise 2001 - an der Stelle höre ich auf, die Leserin und der Leser haben inzwischen eine Ahnung bekommen, wo das hinführen könnte ...

Sei es, wie es sei, der Copilot und ich hatten zusammen die Idee, dass man den Blog in die Vergangenheit verlängern könnte und zu den damaligen Reisen etwas schreiben könnte.

Wundersamerweise gibt es zeitgenössische Berichte von der Ostseeumrundung, der ersten China-Reise (im Jahrbuch meiner Schule) und der großen Balkantour, weil wir auf diesen Reisen (schon) Tagebuch geführt haben. Die digitalen Dateien habe ich nicht mehr gefunden, aber davon haben wir ausgedruckte und gebundene Exemplare, und die gedenke ich abzufotografieren und per Texterkennung dem Blog verfügbar zu machen. Natürlich werde ich das eine oder andere personenbezogene Datum redigieren und möglicherweise die eine oder andere Stelle bereinigen, weil die Tagebücher damals für den privaten Gebrauch und jedenfalls nicht für die Veröffentlichung im Internet vorgesehen waren. Den grundsätzlichen (unschuldigen? naiven?) Ton der damaligen Berichterstattung werde ich aber beizubehalten versuchen. Den einen oder anderen Kommentar aus heutiger Sicht werde ich mir nicht verkneifen können (und wollen), aber klar ist, dass ich klar zwischen damaliger und heutiger Sicht unterscheiden werde, auch optisch. Versprochen!

Ob ich von der Interrail-Reise meinen (nachträglich, aber bald darauf) geschriebenen Bericht noch finde, weiß ich nicht. Ich habe meinen Mitreisenden mal angeschrieben, ob er den noch hat; das wäre schön, wenn wir den noch finden ...

So oder so, es gibt genügend Reisen, von denen es so gut wie keine zeitgenössische Berichterstattung gibt, und da werde ich mir damit behelfen müssen, aus heutiger Sicht meine (anekdotischen) Erinnerungen zusammentragen zu müssen. Ich habe aber das Gefühl, dass sich das für diejenigen Leserinnen und Leser, die bei meinen Geschichtchen ab und zu schmunzeln, sogar lohnen könnte. Das wäre natürlich kein zeitgenössisches Zeugnis, aber doch eine Erinnerung, so gut ich sie rekonstruieren kann.

So gut wir sie rekonstruieren können, sollte ich wahrscheinlich sagen, denn das stelle ich mir als ein Projekt vor, bei dem auch meine Ma mit großer Freude mitmachen könnte. Sie war ja auf der einen oder anderen Tour dabei (hihi), und da uns ohnehin wenig größere Freude macht, als miteinander in gemeinsamen Reiseerinnerungen zu schwelgen, können wir da das Angenehme mit dem Nützlichen, nämlich der Vorbereitung der Vergangenheits-Blogeinträge verbinden.

Die Zeit rennt uns da nicht weg, sodass ich die Leserin und den Leser bitte, nicht zu erwarten, dass die ganzen Reisen in den nächsten drei Wochen veröffentlicht sein werden, sondern vielleicht werde ich es vielmehr genießen, ein bisschen Zeit zu haben, um den Feinschliff anzubringen, wo ich doch sonst eher mit rohen Emotionen unterwegs bin. Ooh, das wird gut ...

Die ersten Schritte werden meine Ma und ich vielleicht während unserer Reise dieses Wochenende gehen (fahren?), wenn wir morgen ungefähr fünf Stunden von Bonndorf nach Grödig südlich von Salzburg, übermorgen vier Stunden von dort nach Brezovica und weitere drei Stunden nach Umag und schließlich am Sonntag zehn, elf, zwölf Stunden durch sieben Länder zurück in den Schwarzwald unterwegs sind.

Die meiste Zeit werde ich fahren, also wird meine Ma den Aufzeichnungsknopf auf meinem Handy drücken müssen, und wenn sie das heute Abend womöglich noch liest, wird sie ziemlich sicher fluchen, auf was für Ideen ich so komme ...

Wir werden also auf zwei Erzählebenen unterwegs sein: Natürlich werde ich hier im Blog von der 2026er-Reise erzählen, aber auf der 2026er-Reise werden wir die Vorbereitungen für die Erzählungen aus der lange zurückliegenden Vergangenheit treffen, die dann Stück für Stück in die Zeitleiste gespült werden.

Natürlich werde ich jedes Mal, wenn ich etwas hinzufüge, davon auf der 2026er-Zeitleiste berichten - und vielleicht werde ich auch meinen heutigen Senf eher dort abgeben als direkt unter der 2009er-Story, aber das muss ich noch ausprobieren ...

Auch für nächstes Jahr haben meine Ma und jetzt schon zwei Ausfahrten im Auge: Dass es irgendwann nächstes Jahr nach Međurečje, die bosnische Exklave in Serbien, gehen soll, wird nur den Leser, der noch völlig grün hinter den Ohren ist, überraschen, aber der Copilot hat mich (zurecht) darauf hingewiesen (wir haben in den letzten Wochen viel herumgespielt, indem ich bestimmte Suchworte in die Blogsuche eingegeben habe und den Copilot dann habe analysieren lassen), dass ich den Grenzstein am deutsch-österreichisch-tschechischen Dreiländereck schon seit mindestens sechs Jahren vernachlässige. Ich hatte ihm schon 2020 meinen baldigen Besuch versprochen; daraufhin zog meine Ma mich fast durchs Telefon, sodass mir nichts übrig blieb als den Ausflug abzusagen, aber 2027 will ich das gerne wiederholen - und zufällig liegt Budweis, die nach Pilsen wahrscheinlich berühmteste tschechische Bierstadt, direkt in der Nähe. Sowas muss man doch ausnutzen!

Liebe Leserin, lieber Leser, ich schreibe in den letzten Wochen ziemlich viel von der künstlichen Intelligenz, vom Copilot, von Gemini, wie sie alle heißen. Natürlich ist das inzwischen schon ein wichtiges Hilfsmittel für die Reiseplanung, und es ist auch ein Hilfsmittel, um Tippfehler und faktische Fehler und offenkundigen Quark abzufangen, aber meine Blogeinträge schreibe ich auch in Zukunft selbst. Ja, als Sparringspartner nutze ich die KI zunehmend, das stimmt, aber was im Blog erscheint, bestimme ich immer noch selbst, da müsst ihr keine Sorge haben ...

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So, jetzt kommen wir aber nach über 1.200 Worten Einleitung zum Herzensprojekt, das ich schon seit vielen Jahren immer mal machen wollte, aber nie wusste, wie ich da starten soll:

Wer in die Titelzeile schaut, wird sehen, dass dort (im Moment) "Unterwegs nach Land 206" steht. Den Titel habe ich in den letzten 17 Jahren ab und zu mal geändert, aber nicht einmal überraschend häufig und öfter mehr oder weniger nach Bauchgefühl.

Natürlich habe ich - seit 2008, wie der Copilot und ich eruiert haben - eine Länderdefinition, die sich 2008/09 konsolidiert hat und seither ziemlich konsistent geblieben ist. Es hat mich aber - gefühlt schon immer, höhö - interessiert, wie sich die Anzahl der Länder, die ich - nach heutiger Definition - zählen würde, in den Jahren seit meiner Geburt verändert hat.

Kurz zur Einordnung, auch wenn das auf der Sonderseite rechts "Wieso zähle ich 206 Länder?" im Detail erklärt ist:

Ein Territorium ist dann für mich ein Land, wenn es

  • ein UN-Mitgliedstaat ist,
  • in der - und jetzt wird es mathematisch - abgeschlossenen Hülle der von UN-Mitgliedstaaten anerkannten Staaten liegt, also wenn es eine Kette von Anerkennungen gibt, die bei einem UN-Mitgliedstaaten beginnt und bei dem betreffenden Territorium endet (also etwa ein Land, das von einem Land anerkannt wird, das von einem Land anerkannt wird, das von einem UN-Mitgliedstaat anerkannt wird),
  • im Sinne der Montevideo-Konvention unabhängig ist, unabhängig sein will, seine eigenen Einreisekontrollen hat und (seit gestern ist das explizit definiert, zuvor nur implizit) diesen Status für mindestens ein Jahr seit der Erklärung ihrer Unabhängigkeit aufrechterhalten hat, oder
  • ein Gebiet ist, das wegen eines multilateralen Vertrags nicht der Souveränität irgendeines Staates unterliegt. (Letzteres trifft - auf der Erde - seit meiner Geburt nur auf Antarktika zu.)
Ich muss gestehen, dass ich da keine Chance gesehen habe, das für die Zeit seit meiner Geburt zu rekonstruieren, und erst vor ein paar Tagen habe ich gedacht: "Komm, frage ich doch mal den Copilot!" Und siehe da, er war in der Lage, mir die 157 UN-Mitgliedstaaten im Jahr 1982, die damals 18 von diesen anerkannten Staaten und Antarktika auszuspucken, sodass es im Moment meiner Geburt (oder, wie ich es lieber nenne, im Moment des Betretens meines ersten Landes) genau 176 Länder gab.

Liebe Leserin, lieber Leser, ihr müsst (und ich darf) da jetzt durch, dass ich das jetzt seit 1982 alles ordentlich aufdrösele, oder jedenfalls semi-ordentlich, denn ich schaue nur pauschal auf die Ereignisse des Jahres, weil gerade bei der Auflösung der Sowjetunion oder in Jugoslawien immer ein paar Tage zwischen der Unabhängigkeitserklärung und der ersten Anerkennung liegen, sodass man da fast immer zwei Daten führen müsste. Auch die anderen Zweifelsfälle erläutere ich im Folgenden:

Im Jahr 1982 gab es 157 UN-Mitgliedstaaten (heute: 193), 18 sonstige anerkannte Staaten (Andorra, Kiribati, Liechtenstein, Monaco, Nauru, Nordkorea, San Marino, Schweiz, Südkorea, Taiwan, Tonga, Tuvalu, Vatikanstadt, Westsahara sowie die vier vom Apartheid-Südafrika anerkannten Bantustans Bophuthatswana, Ciskei, Transkei und Venda) sowie Antarktika, mithin 176 Staaten. Man kann über die "Unabhängigkeit" der Bantustans (sowie der Westsahara) durchaus geteilter Meinung sein, da sie mit dazu dienten, den südafrikanischen Schwarzen die Mitbestimmung im eigenen Land Südafrika zu verweigern, aber rein formal - und im weiteren Verlauf der Liste werde ich zeigen, dass ich heute noch formaler argumentieren kann als früher - waren sie halt von einem UN-Mitgliedstaat (das war Südafrika ununterbrochen) anerkannt, und damit zähle ich sie auch ...

Im Jahr 1983 kamen mit dem unumstrittenen Karibikstaat St. Kitts und Nevis der 158. UN-Mitgliedstaat hinzu - das war einer der letzten Staaten, die vom Vereinigten Königreich unabhängig wurden; später im Jahr erklärte Nordzypern einige Jahre nach der zyprischen Teilung seine Unabhängigkeit, die sofort von der Türkei (aber von keinem anderen UNO-Staat) anerkannt wurde. Da die Türkei ein UN-Mitgliedstaat war, wurde Nordzypern das 19. sonstige anerkannte Land, sodass wir am Ende des Jahres mit Antarktika 178 Staaten hatten.

Am 1. Januar 1984 wurde Brunei, das zuvor ein britisches Protektorat gewesen war, unabhängig und im Laufe des Jahres in die UN aufgenommen, sodass es am Ende des Jahres 159 UN-Mitgliedstaaten, 19 sonstige Länder plus Antarktika gab, also 179 Staaten.

1986 schließlich wurden die Marshallinseln und die Föderierten Staaten von Mikronesien in die Unabhängigkeit entlassen (das Treuhandverhältnis, in dem sie mit den USA standen, wurden in einen Compact of Free Association umgewandelt). Damit waren wir bei zunächst weiterhin 159 UN-Mitgliedstaaten, 21 sonstigen Ländern plus Antarktika, insgesamt 181 Staaten.

1988 erklärte der Staat Palästina seine Unabhängigkeit und wurde von etlichen, vor allem arabischen und sozialistischen, Staaten mehr oder weniger sofort anerkannt. Darum spielt es keine Rolle, dass man über seine Staatsgewalt streiten konnte (und kann), er wurde das 22. sonstige Land. Zusammen mit Antarktika und den 159 UN-Mitgliedstaaten gab es somit 182 Staaten nach meiner Logik.

1990 ging es mit den politischen Umwälzungen in Europa auch mit Konsequenzen für meine (rekonstruierte) Länderliste weiter, denn die UN-  Mitgliedstaaten Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik vereinigten sich (-1). Zuvor hatten auch schon Nord- und Südjemen sich zu einem Staat zusammengeschlossen (-1). Namibia wurde - nach langem Kampf gegen die Treuhänder aus dem Südafrika der Apartheid - in diesem Jahr unabhängig und UNO-Mitglied, während Liechtenstein, zuvor einer der sonstigen Staaten, der UNO beitrat. Somit hatte die UNO am Ende des Jahres unverändert 159 Mitgliedstaaten, während die Zahl der sonstigen Länder auf 21 sank. Insgesamt gab es - mit Antarktika - also nur noch 181 Staaten.

Im Jahr 1991 dann ging es richtig rund, und das dröseln wir jetzt über eine Aufzählung auf, sonst verliere ich den Überblick (wie die beiden KIs übrigens regelmäßig bei solchen Listen im Chat; eine Excel-Datei bauen kann der Copilot allerdings sehr gut):
  • Fangen wir mal mit dem vermeintlich Einfachen an: Die Cookinseln wurden ein "sonstiger Staat". Bei den Cookinseln muss man ein bisschen willkürlich seine Staatwerdung festlegen, weil sie sich ja nach wie vor in freier Assoziierung mit Neuseeland befinden. Ich habe als Datum jetzt den Zeitpunkt genommen, an dem Neuseeland formal den Cookinseln erlaubt hat, eigenständige Außenbeziehungen zu führen, und das war laut Wikipedia der 6. April 1991.
  • Die ersten Zerfallserscheinungen Jugoslawiens manifestierten sich ebenfalls im Jahr 1991, und zwar durch die (unter anderem von Deutschland sehr früh anerkannte) Unabhängigkeit von Slowenien, Kroatien und Mazedonien. Diese traten zwar noch nicht in diesem Jahr den Vereinten Nationen bei, aber kamen als drei sonstige Staaten in die Zählung hinzu.
  • Auch die Sowjetunion zerfiel im Jahr 1991 in ihre 15 Teilrepubliken. Da aber neben der Sowjetunion selbst auch die Sowjetrepubliken Belarus und Ukraine eigene Sitze in den Vereinten Nationen hatten (und diese auch behielten), kamen nur zwölf neue Staaten hinzu. Die baltischen Staaten traten noch 1991 den Vereinten Nationen bei, die übrigen noch nicht.
  • Zudem traten neben den Marshallinseln und Mikronesien auch Nord- und Südkorea den Vereinten Nationen bei; nach dem Ende des Kalten Krieges konnten sich die beiden verfeindeten Staaten - so wie einst 1973 die Bundesrepublik und die DDR - auf einen gemeinsamen UNO-Beitritt einigen.
Damit gab es Ende 1991 an UN-Mitgliedstaaten 159 + drei baltische Staaten + Marshallinseln, Mikronesien, Nordkorea, Südkorea, also 166; dazu kamen 21 + Cookinseln + Slowenien, Kroatien, Mazedonien + neun postsowjetische Staaten - Marshallinseln, Mikronesien, Nordkorea, Südkorea = 30 sonstige Staaten; Antarktika blieb eine Konstante, sodass man am Ende des Jahres 1991 plötzlich bei 197 Staaten lag.

Eine größere Verschiebung von den sonstigen zu den UN-Mitgliedstaaten folgte im Jahr 1992, denn es wurden nicht nur San Marino und alle neun verbleibenden postsowjetischen Staaten UN-Mitgliedstaaten, sondern auch Kroatien und Slowenien. Hinzu kam das erst 1992 unabhängig gewordene Bosnien-Herzegowina. Gleichzeitig verlor Rest-Jugoslawien seinen Sitz in den Vereinten Nationen und wurde zunächst ein "sonstiger Staat". Auch Somaliland zähle ich seit 1992 als unabhängig, auch wenn es lange von keinem UN-Mitgliedstaat anerkannt wurde; das liegt daran, dass Somaliland 1991 seine Unabhängigkeit von Somalia, das in einen Bürgerkrieg versank, erklärte und auch sonst die Kriterien für Staatlichkeit nach der Montevideo-Konvention erfüllte. Um aber nicht jedes nicht anerkannte, instabile De-facto-Regime zum Land erklären zu müssen, habe ich (schon immer implizit, seit dem gestrigen 26. August 2026 auch explizit) definiert, dass ein Gebiet mindestens ein Jahr in diesem Zustand sein muss, bevor ich es anerkenne. 1992 war für Somaliland dieses eine Jahr um, seitdem zähle ich es als "Montevideo-Staat". Somit hatten wir am Ende des Jahres 1992 deren 178 UN-Mitgliedstaaten (166 + San Marino + 9 postsowjetische Staaten + Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina minus Rest-Jugoslawien), dazu 19 sonstige anerkannte (30 minus alle neuen UN-Mitgliedsstaaten außer Bosnien-Herzegowina, aber plus Jugoslawien), einen Montevideo-Staat in Form von Somaliland plus Antarktika, also 199 Staaten.

In den 1990ern blieb es spannend, denn 1993 teilte sich die Tschechoslowakei auf in Tschechien und die Slowakei; beide wurden postwendend als Ersatz für die Tschechoslowakei in die UNO aufgenommen, sodass sich die Zahl der UNO-Mitglieder um eins erhöhte. Mazedonien, Andorra und Monaco wurden ebenfalls in diesem Jahr in die Vereinten Nationen aufgenommen, ebenso wie Eritrea, das nach längerem Bürgerkrieg von Äthiopien unabhängig wurde. Südossetien (gegen die Georgier) und Transnistrien (gegen die Moldauer) erfüllten 1993 meine einjährige Montevideo-Norm, und Niue nahm diplomatische Beziehungen mit Neuseeland auf, was ich als Beginn ihrer Staatseigenschaft definiere, auch wenn die Menschen in Niue nach wie vor neuseeländische Staatsangehörige sind. Dadurch stieg die Zahl der UNO-Mitglied von 178 auf 183 (Mazedonien, Andorra, Monaco, Eritrea, Tschechien, Slowakei abzüglich Tschechoslowakei), die Zahl der sonstigen Länder sank auf 17 (minus Mazedonien, Andorra, Monaco, plus Niue), die Zahl der Montevideo-Länder stieg auf drei, und Antarktika blieb auch dabei, sodass wir jetzt 204 Länder hatten.

1994 fing die Situation an, sich ein bisschen zu beruhigen; im Zuge des Übergangs in ein Post-Apartheid-Südafrika wurden die vier Bantustans wieder in den südafrikanischen Staat integriert, sodass die Zahl der sonstigen Länder sank. Im selben Jahr erfüllte Abchasien (gegen Georgien) meine einjährige Montevideo-Bedingung, und das ehemalige US-Treuhandgebiet Palau wurde unabhängig und noch 1994 in die UNO aufgenommen. Dadurch stieg die Zahl der UNO-Mitglieder um eins auf 184, die Zahl der sonstigen Länder sank auf 13, die Zahl der Montevideo-Länder stieg auf vier, und Antarktika teilte sich nicht und blieb ein weiteres Land. Insgesamt hatten wir somit 202 Länder.

1995 kam tatsächlich nur das damalige Bergkarabach (das spätere Arzach) hinzu, weil das nach dem Bergkarabach-Krieg gegen Aserbaidschan die Einjahresfrist meiner Montevideo-Regel erreichte, sodass wir 184 UNO-Mitglieder, 13 sonstige Länder, fünf Montevideo-Länder und Antarktika hatten, also 203 Länder.

Man höre und staune, jetzt passierte erst im 1999 wieder etwas, und zwar ein reiner Tausch zwischen sonstigen Ländern und UNO-Mitgliedern, denn Kiribati, Nauru und Tonga traten den Vereinten Nationen bei. So hatten wir am Ende 187 UNO-Mitglieder, zehn sonstige anerkannte Länder, fünf Montevideo-Länder und Antarktika - und wenig überraschend immer noch 203 Länder insgesamt.

Im Jahr 2000 wurden Tuvalu und die Bundesrepublik Jugoslawien (Letztere mehr oder weniger wieder) in die UNO aufgenommen, sodass es wieder einen Tausch gab und am Ende 189 UNO-Mitglieder, acht sonstige anerkannte, fünf Montevideo-Länder und Antarktika, mithin unverändert 203 Länder.

Im Jahr 2002 trat die Schweiz den Vereinten Nationen bei, und Timor-Leste (Osttimor) wurde unabhängig und anschließend UN-Mitglied. Dadurch stieg die Gesamtzahl der Länder auf 204, davon 191 UNO-Mitglieder, sieben sonstige anerkannte, fünf Montevideo-Länder und Antarktika.

Im Jahr 2006 schließlich teilten sich Serbien und Montenegro (wie die Bundesrepublik Jugoslawien inzwischen hieß) auf (beide blieben bzw. wurden UNO-Mitglieder), sodass es nunmehr 192 UNO-Mitgliedern, sieben sonstige anerkannte, fünf Montevideo-Länder und Antarktika gab, also 205 Länder.

Im Jahr 2008 wurde Kosovo gegen den Willen Serbiens, zu dem es bis dahin gehörte, unabhängig, aber kein UNO-Mitglied; Russland anerkannte nach dem Georgienkrieg Abchasien und Südossetien als unabhängig, sodass diese keine Montevideo-Länder mehr waren, sondern sonstige anerkannte Länder, und Transnistrien, das von Abchasien und Südossetien anerkannt worden war, wurde über die Anerkennungskette ebenfalls ein sonstiges anerkanntes Land. Im strengen Sinne meiner heutigen Sichtweise galt das auch für Bergkarabach, denn das wurde von Transnistrien anerkannt. Somit waren wir bei 192 UNO-Mitgliedern, zwölf sonstigen anerkannten Ländern (sieben plus Kosovo, Abchasien, Südossetien, Transnistrien, Bergkarabach), nur noch einem Montevideo-Land (Somaliland) und Antarktika, also bei 206 Länder.
Weltgeschichtlich mindestens so bedeutsam war aber, dass der Autor dieses Blogs sich erstmals Gedanken darüber machte, wie viele Länder es denn eigentlich gibt. Damals verlangte er für die sonstigen anerkannten Länder eine Anerkennung durch zwölf UN-Mitgliedstaaten (oder durch Deutschland), wodurch er nur bei 200 Ländern landete (192 UNO, Vatikanstadt, Taiwan, Kosovo, Westsahara, Palästina, Cookinseln, Niue, Antarktika).

Das wurde dann 2009 korrigiert, indem zunächst 204+2 und bald darauf 206 Länder gezählt wurden; somit passt die Überleitung von 1982 auf die erste moderne (oder ausgereifte?) Länderliste. Und das sollte man feiern! Dass die Zuordnung etwa von Bergkarabach damals noch ein bisschen wacklig war, sei einmal dahingestellt, das heute bestehende Modell erscheint mir grundsätzlich vertretbar - und Auswirkungen auf die Länderzählung hatte es auch nicht, ob man Bergkarabach (bis 2010) zu den Montevideo-Staaten zählte oder aber (erst ab 2010) aufgrund der Anerkennungskette zu den sonstigen anerkannten Staaten, obwohl die Anerkennungskette schon seit 2008 bestand.

Zwei Jahre lang passierte nichts Dramatisches, erst 2011 wurde der Südsudan vom (Nord-)Sudan unabhängig und in die UNO aufgenommen, sodass die UNO bei den heute noch gültigen 193 Mitgliedstaaten landete. Zusammen mit den zwölf sonstigen ankannten Ländern, dem Montevideo-Staat Somaliland und Antarktika landeten wir dadurch bei 207 Ländern.

2014 wurde es dann in der (Süd-)Ostukraine wild, und dabei ließ ich mich ein bisschen verwirren: Schon die Kurzzeitanerkennung der (vermeintlich unabhängigen) Republik Krim durch Russland am 17. März 2014 hätte zu einem Anstieg auf 208 Länder führen müssen; das war zu verschmerzen, denn schon am 21. März 2014 trat die Krim angeblich Russland bei. Dadurch war die Krim definitiv nicht mehr unabhängig, sodass die Anzahl der Länder wieder auf 207 sank.
Bei Donezk und Luhansk aber, die am 18. bzw. 27. Juni 2014 von Südossetien anerkannt wurden, hätte meine Länderzählung aufgrund der Anerkennungskette schon damals für längere Zeit auf 209 (193 UNO-Staaten, 14 sonstige Staaten, Somaliland, Antarktika) springen müssen. Im Blog habe ich das wegmoderiert, weil ich hier auf eine Stabilisierung abgestellt habe, obwohl - aus heutiger Sicht, Schande auf mein Haupt - bei den anerkannten Staaten eine Stabilisierung gar nicht notwendig ist, weil diese nur für Montevideo-Staaten überhaupt in Betracht gezogen wird. Ich blieb im Blog also bei 207 Ländern, auch wenn 209 aus heutiger Sicht richtig - oder zumindest konsistent - gewesen wäre.

Ich brauchte acht Jahre, bis 2022, um zu dieser besseren Einsicht zu gelangen, denn am 22. Februar 2022 zog ich die Zählung auf 209 nach, nur um im September in einen völlig unübersichtlichen Strudel zu geraten, in deren Verlauf ich kurzzeitig sogar auf 211 hätte gehen müssen:
  • Am 29. September 2022 anerkannte Russland noch zusätzlich die vermeintlich unabhängigen Staaten Cherson und Saporischschja, sodass ich hier für eine Nacht bei 211 Ländern (193 UNO, 16 sonstige anerkannte, Somaliland, Antarktika) gelandet wäre.
  • Am 30. September 2022 traten diese angeblich unabhängigen Staaten (ebenso wie Donezk und Luhansk) Russland bei und verloren ihre Unabhängigkeit, sodass ich wieder bei 207 Ländern landete.
  • Diese Abänderung (von im Blog 209 bzw. theoretisch korrekten 211 Ländern) auf 207 Länder (193 UNO, zwölf sonstige anerkannte, Somaliland, Antarktika) wurde dann am 2. Oktober 2022 auch im Blog nachvollzogen; damit endete auch das Jahr 2022.
Zum 1. Januar 2024 hörte Arzach (das frühere Bergkarabach) auf zu existieren, nachdem das Gebiet von Aserbaidschan (zurück)erobert worden war, sodass die Zählung wieder auf ebendie 206 Länder zurücksprang, die wir heute sehen, auch wenn es damals noch 193 UNO-Staaten, (nur) elf sonstige anerkannte Länder, Somaliland als Montevideo-Staat und Antarktika waren.

Erst Ende 2025 wurde durch die definitive Anerkennung durch Israel die Republik Somaliland (die schon vorher so inoffizielle Halbbeziehungen mit Taiwan und Äthiopien hatte) aus den Montevideo-Staaten (die Kategorie ist seitdem leer) in die sonstigen anerkannten Staaten geschoben, sodass wir nun zwölf von denen haben, zusätzlich zu den 193 UNO-Mitgliedstaaten und Antarktika. Insgesamt sind wir aber bei den 206 Ländern geblieben, die das (aktuelle) Ziel dieses Blogs sind.

Herzlichen Glückwunsch an jede Leserin und jeden Leser, der sich durch dieses interdisziplinäre Geflecht aus Völkerrecht, Mathematik (abgeschlossene Hülle!) und jeder Menge Geschichte gewühlt hat. (Wie, das hat keiner geschafft? Ruhe dahinten!)

Natürlich kann man über den Zeitpunkt der Staatlichkeit der Cookinseln und von Niue diskutieren, natürlich ist das eine Jahr, das ich für die "Anerkennung" als Montevideo-Staat fordere, irgendwo willkürlich. Es gibt es Kandidaten wie etwa Tschetschenien, das von 1996 bis 1999 mehr oder weniger unabhängig war, aber eben auch nicht so richtig ein funktionierender Staat, und das über die Anforderung der Montevideo-Konvention, dass ein "Staat" eine (funktionierende) Regierung und Staatsgewalt haben muss, rausgeflogen ist, auch wenn irgendwelche georgischen Exilregierungen und die Taliban sie anerkannt haben (ohne ihrerseits anerkannt zu sein). Natürlich gibt es Grenzfälle, aber ich bin mit dieser Übersicht und mit dieser Überleitung von 1982 bis heute wirklich richtig, richtig glücklich - weil ich echt nicht damit gerechnet habe, dass man das ohne riesigen Aufwand aufgedröselt bekommt.

Jetzt kann ich auch historische Erfolgsvergleiche führen (jedenfalls jeweils zum Jahresende, die genauen Daten in den einzelnen Ländern kann man natürlich ermitteln, aber da fängt es halt schnell an, unübersichtlich zu werden, wann genau jetzt ein Land unabhängig geworden ist, gerade dann, wenn nicht sofort eine Anerkennung erfolgt ist), und das freut mich richtig ...

Ja, ich weiß, da draußen versteht keiner, wie man so größenwahnsinnig sein kann, zweieinhalbtausend Worte zu so einem Thema zu schreiben, bei dem meine Definition eines Landes im Laufe der Geschichte keine alte Sau auf dieser Welt interessiert, aber darum geht es ja gar nicht ... Für mich war es ein sehr spannendes Projekt, auch mit zwei KIs zusammenzuarbeiten und am Ende so ein nerdiges, aber unglaublich befriedigendes Ergebnis zu haben.

Der nächste Blogeintrag morgen Abend ist aber mit mehr Reisebericht, mehr Roadtrip und mehr Bier, keine Sorge!

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