Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Mittwoch, 2. August 2000

Nordlandreise 2000 - 2. August 2000

Hinweis 2026:

Dieser Blogeintrag gehört zur Serie "Vorwärts in die Vergangenheit - Berichte von damals", in der ich zeitgenössische Reiseberichte veröffentliche, die nur sehr behutsam redaktionell bearbeitet wurden. Meinen Senf aus heutiger Sicht will ich nur dazugeben, wenn mir das erforderlich scheint, damit man den Hintergrund besser versteht.

Ein Parallelprojekt "Vorwärts in die Vergangenheit - Erinnerungen an frühe Reisen" umfasst Erinnerungen und Erinnerungsfragmente an frühere Reisen, die aber aus heutiger Sicht beschrieben sind.

Der vorliegende Reisebericht wurde im Juli/August 2000 verfasst und im September 2026 veröffentlicht. Auf eine Überschrift wurde verzichtet, da es eine solche im Originaltext nicht gibt.

Mittwoch, 2. August 2000 – Lapinlahti (Finnland) – 11. Tag – 2085 km von Zuhause entfernt

Heute haben wir einen geruhsamen Tag verbracht. Eigentlich wollten wir in Iisalmi den Markt aufsuchen, um die von Mama geliebten Fischchen zu bekommen. Aber leider fanden wir weder dort noch in einem anderen Ort auf dem Weg einen Markt, geschweige Fische. Ein Elchchen fanden wir auch keins (es kam leider keines „angelatscht“ [O-Ton Mama]).

Unterwegs sahen wir in Iisalmi auch noch den Konvoi des Bikerinnentreffens, das hier in der Nähe stattfindet und zu dem die deutschen Frauen angereist waren, die wir gestern getroffen haben. So etwas haben wir noch nie erlebt, das waren mindestens 200 Motorräder hintereinander (das finnische Fernsehen bringt heute Abend darüber einen Bericht und die Frauen lassen sich die Kassette nach Deutschland nachschicken).

Da die Straße zu dem zweiten vermeintlichen Markt nicht makadamisiert war, konnte Papa aufgrund der Durchschüttelung seiner Eingeweide seine Notdurft ablassen. Schließlich sind wir nach Lapinlahti in die Stadt gefahren und haben Papa zuliebe sämtliche Cafés des Ortes (im Ganzen zwei) aufgesucht, damit er endlich Kaffee und Kuchen bekam.

Als wir dann wieder in unserem Luxusbungalow ankamen, ging Papa ins Bett für ein Nickerchen, während Mama und ich unsere Badestelle für den (hoffentlich wettermäßig schöneren) morgigen Tag zu suchen. Wir fanden eine ganz nette einige hundert Meter von unserem Bungalow entfernt.

Beim anschließenden Saunabad gab es für uns einige Überraschungen: Die Finnen (zumindest die, die wir hier gesehen haben) benutzen beim Saunagang keine Handtücher, sie sitzen mit „blankem Arsch“ (O-Ton Vatter) auf den Holzbänken. Was in Deutschland zum Hinauswurf führen würde, ist hier offenbar gang und gäbe.

Gestern hatten wir die Möglichkeit einer Familiensauna gehabt, weil wir mutterseelenallein waren, heute haben die deutschen Bikerinnen und eine finnische Familie unser Idyll gestört. Wir waren irgendwie traurig (besonders Papa), dass Mama fremdgehen musste, da hier - wie gestern schon gesagt - die Sauna streng nach Geschlechtern getrennt ist.

Außerdem waren der finnische Vater und sein Sohn offenbar beim ersten Saunagang nur sehr kurz (zwei, drei Minuten, sagt Papa) in der Sauna, haben aber dafür dann beim zweiten Gang mittels geringen, aber häufigen Aufgüssen eine Bullenhitze in der Sauna erzeugt - allerdings erst, nachdem Papa weg war.

Abgesehen davon, dass Mama und Papa mich heute Morgen viel zu früh aus dem Bett geworfen haben, war sonst nichts Besonderes.

Wir haben aber heute gehört, dass die Jugendherberge in Rovaniemi nicht sehr gut sein soll. Da wir allerdings nur einen Tag da sind, wird uns das wahrscheinlich nicht so viel ausmachen, selbst wenn wir uns auf dieses Hörensagen verlassen würden (unser jetziges Quartier ist sowieso nicht zu erreichen, und damit finden wir uns ab).

Die Jugendherberge in Lakselv soll schon wieder besser sein, allerdings scheint es 20 km vom Nordkap entfernt eine weitere, ganz neue JuHe zu geben, die allerdings in keinem Jugendherbergsverzeichnis steht, die wir uns aber bestimmt einmal ansehen werden.

Wenn man in Jugendherbergen unterwegs ist, trifft man die unterschiedlichsten Menschen und tauscht Erfahrungen und Meinungen aus über die unterschiedlichsten Dinge. Man sollte aller Sprachen mächtig sein.

Insgesamt fällt uns auf, dass bei weitem nicht alle Finnen so gut Englisch sprechen wie man es allgemein von Nordländern erwartet.

Mit Tante haben wir heute Morgen telefoniert, [meine beiden Brüder] haben wir wieder nur am Anrufbeantworter erwischt.

Kommentar 2026:

Eine Kassette, liebe jüngeren Leserinnen und Leser, war ein physisches Speichermedium für Musik oder (hier) Videos, so'n großer quaderförmiger Klotz, den man in den Videorekorder, ein Gerät zur Wiedergabe auf dem Fernseher, geschoben hat.

Zwischen Makadamisieren und Asphaltieren gibt es einen Unterschied, den aber nur mein Vater kannte, der aber bestand auf "makadamisiert".

Meine ältere Bonusoma, stets (nur) "Tante" genannt, ist 2012 gestorben; schön, hier noch einmal von ihr als Ziel unseres Anrufs zu lesen. Bei meinen Brüdern habe ich die Namen redigiert.

Dienstag, 1. August 2000

Nordlandreise 2000 - 1. August 2000

Hinweis 2026:

Dieser Blogeintrag gehört zur Serie "Vorwärts in die Vergangenheit - Berichte von damals", in der ich zeitgenössische Reiseberichte veröffentliche, die nur sehr behutsam redaktionell bearbeitet wurden. Meinen Senf aus heutiger Sicht will ich nur dazugeben, wenn mir das erforderlich scheint, damit man den Hintergrund besser versteht.

Ein Parallelprojekt "Vorwärts in die Vergangenheit - Erinnerungen an frühe Reisen" umfasst Erinnerungen und Erinnerungsfragmente an frühere Reisen, die aber aus heutiger Sicht beschrieben sind.

Der vorliegende Reisebericht wurde im Juli/August 2000 verfasst und im September 2026 veröffentlicht. Auf eine Überschrift wurde verzichtet, da es eine solche im Originaltext nicht gibt.

Dienstag, 1. August 2000 - Lapinlahti (Finnland) - 10. Tag - 2085 km von Zuhause entfernt

Heute sind wir in Lapinlahti angekommen und sind sehr begeistert von der hiesigen Jugendherberge, die hier den Namen eines Vier-Sterne-Bungalow-Hotels verdient hätte.

Heute waren wir gegen vier Uhr aufgestanden und schon gegen fünf Uhr losgefahren. Nach einer unfreiwilligen, abermaligen und nicht uninteressanten Stadtrundfahrt durch Helsinki kamen wir über Lahti und Mikkeli schließlich nach Kuopio hierher. Unser Frühstück nahmen wir gegen sieben Uhr in einer Raststätte ein, die durch ein reichhaltiges Buffet überzeugte - es ist hier so üblich, dass man einen festgelegten Frühstückspreis bezahlt und sich dann am Buffet bedienen kann. Das Frühstück kostete 30 Finnmark pro Person, also 10 DM und war wirklich gut. Danach fuhren wir über die Nationalstraße 5 beinahe durchgehend bis nach Kuopio, wo wir den Markt besuchten - finnische Märkte haben seit Helsinki auf uns eine besondere Anziehungskraft: Erbsen zum Puhlen für meine Mama, Himbeeren für mich, Wurst für Papa, Blaubeeren und Pfifferlinge fürs Auge, Sardinen zum Puhlen für Mama, frischen Fisch aus der Pfanne für den Magen usw.

Als wir nach einigem Suchen in der hiesigen Jugendherberge ankamen und wegen der Sucherei schon unruhig waren (die Lehrerinnen in der hiesigen Schule wussten nichts von einer Jugendherberge [!]), war die Überraschung und Freude umso größer, wie wir sahen, dass wir hier ein besseres Appartement als in so manchem Großstadthotel haben.

Die eigentliche Jugendherberge befindet sich im Hauptgebäude (einem ehemaligen Herrenhaus) einer Kunstakademie, wobei diese nur in den Sommermonaten als JuHe fungiert. Unser Appartement ist ein Reihenbungalow. Er besteht aus insgesamt drei Zimmern und Kochgelegenheit, wobei wir allerdings nur zwei Zimmer benutzen können, zwei einzelnen WCs und Dusche. Der Boden ist mit Parkett ausgelegt. Die Kiefernholzeinrichtung - so stellt man sich finnische Holzverarbeitungen vor - einzig die Haupteingangstüre klemmt stets. Insgesamt ist hier - in Finnland - für uns ungewöhnlich, dass die Verriegelungen auf die andere als die von uns gewohnte Seite zu drehen sind - auch auf den Toiletten etc.

Als wir dann ankamen und bezahlten (Geld mussten wir erst umtauschen, da hier keine Kreditkarten angenommen werden und auch die EC-Karten bei den Geldautomaten versagen), baten die drei Rezeptionistinnen uns an, Sauna und Schwimmbad (übrigens auch Fitnessraum) kostenfrei zu benutzen (dafür bekamen sie gleich drei Kirschwasser - ob die jetzt wohl schon besoffen sind?). Wir nutzten dieses Angebot schließlich auch, Papa machte erstmals seit seiner Krankheit im Dezember einen Saunagang und hatte anfänglich viel Angst und auch ich nahm nach einigen Jahren wieder ein Saunabad.

Wir waren in der Sauna ganz allein, sodass wir die in Finnland typische Trennung von Männlein und Weiblein umgehen konnten. Während Mama und Papa noch einen dritten Gang machten, planschte ich ein wenig im Schwimmbad - ich habe jetzt noch rote Augen vom Chlor.

Leider verdirbt uns das Wetter den vollends gelungenen Ausklang dieses Tages - außer, dass unser Auto mal wieder gewaschen ist. Mama und ich wollten eigentlich noch zu einem nahe gelegenen Badeseechen (damit ziehen wir Mama immer auf), aber der See muss bis morgen warten, denn Wasser haben wir bei diesen sintflutartigen Regenfällen genügend von oben.

Der [eine Typ in Bonndorf] ist ein Spinner: Das Ungeziefer, von dem er fantasiert hat, es fresse einen selbst bei seinem dreistündigen Aufenthalt in Helsinki auf, bestand für uns bis jetzt aus einer lästigen Fliege - scheinbar geht Ungeziefer nur an ständig Besoffene.

Wir haben hier die deutschen Motorradfahrerinnen getroffen, die wir schon in Helsinki gesprochen haben.

Nach 500 km Fahrt sind sie zur gleichen Stunde im gleichen Supermarkt.

--- Uns kommt es nach kaum 1 ½ Wochen so vor, als ob wir schon seit vielen Wochen unterwegs wären - so viele Eindrücke und Erlebnisse haben wir schon hinter uns; wir beginnen, die Japaner zu verstehen, die nach zwei Wochen Europa-Crashkurs nicht mehr wissen, wo sie am Anfang waren.

Kommentar 2026:

Auch hier habe ich aus Gründen des Datenschutzes einen Namen redigiert.

Die Erbsen gab es laut Auskunft meiner Ma in kleinen Holzkistchen in Größen zu einem halben oder einem ganzen Liter.

Mein Vater hatte Silvester 1999/2000 eine schwere Lungenentzündung gehabt, die sogar verhindert hatte, dass er zur Beerdigung meiner Oma mitfahren konnte, die am 4. Januar 2000 gestorben war.