Hinweis 2026:
Dieser Blogeintrag gehört zur Serie "Vorwärts in die Vergangenheit - Berichte von damals", in der ich zeitgenössische Reiseberichte veröffentliche, die nur sehr behutsam redaktionell bearbeitet wurden. Meinen Senf aus heutiger Sicht will ich nur dazugeben, wenn mir das erforderlich scheint, damit man den Hintergrund besser versteht.
Ein Parallelprojekt "Vorwärts in die Vergangenheit - Erinnerungen an frühe Reisen" umfasst Erinnerungen und Erinnerungsfragmente an frühere Reisen, die aber aus heutiger Sicht beschrieben sind.
Der vorliegende Reisebericht wurde im Juli/August 2000 verfasst und im September 2026 veröffentlicht. Auf eine Überschrift wurde verzichtet, da es eine solche im Originaltext nicht gibt.
Samstag, 5. August 2000 - Lakselv (Norwegen) - 14. Tag - 2630 km von Zuhause entfernt
Heute sind wir hier angekommen und müssen sagen, dass wir begeistert sind - wieder einmal - und zwar von Gegend und Unterkunft.
Wir waren zunächst wieder einmal sehr früh in Rovaniemi losgefahren und haben dann in Ivalo in Nordfinnland am Inarisee gefrühstückt. Unser Versuch, bei einem tollen Blockhüttenhotel ein Frühstück einzunehmen, schlug fehl, denn außer einem kleinen Hund war niemand erreichbar. Das Frühstück in dem Hotel in Ivalo wiederum war aber spitze. Es ist in Finnland insgesamt üblich, einen Festpreis zu bezahlen (in der Regel 30 Finnmark pro Person) und sich dann unbegrenzt vom Buffet bedienen zu können. Dort saßen auch einige Deutsche, u. a. ein Elternpaar mit jugendlichem BVB-Fan, den Mama und Papa gleich einmal anquatschten und dem BVB für die Saison 2000/2001 alles Gute zu wünschen - wobei ich mich da bereits verzogen hatte. Kurz nach dem Frühstück hielten wir bei einem Ausläufer des Inarisees an. Dort sprang Mama ins (selbst nach eigenen Bekunden) eiskalte Wasser und war danach frisch wie ein Otter, während Papa und ich die Karte studierten. Kurz danach auf der Strecke ging ein wolkenbruchartiger Regenfall nieder, während Mama in einem weiteren Souvenirgeschäft schnupperte. Nach dem Regenguss kam sie zurück - natürlich wieder ohne Einkäufe getätigt zu haben.
Danach ging es dann über Berg- und Talstraßen zur finnisch-norwegischen Grenze, vor der uns eine sehr sympathische Finnin mit der Begründung herauswinkte, sie wolle im Auftrag des finnischen Staates eine Befragung unter Reisenden durchführen. Wir gaben bereitwillig Auskunft. Auch wir hatten Fragen bezüglich des Lebens in Finnland an die sehr gut Deutsch sprechende junge Frau, die sie ebenfalls sehr freundlich und ausführlich beantwortete. Papa in seiner Großzügigkeit versprach ein Souvenir, das Mama und ich aber erst im Kofferraum suchen mussten. Erst nach einigen Durchwühlen der Taschen hatten wir die Kirschwasserfläschchen gefunden. Danach ging es - ohne jegliche Kontrolle - über die Grenze zu Norwegen.
Das Benzin ist hier um einiges teurer als im auch so schon teuren Finnland (auch hier wäre zu vermerken, dass das Benzin in Mittelfinnland am billigsten ist [6,63 FIM = 2,18 DM], während es in Helsinki [6,99 FIM = 2,30 DM] und in Nordfinnland [7,60 FIM = 2,50 DM] noch teurer ist - das macht in der Spitze pro Liter fast 32 deutsche Pfennig aus). Bei der Frage nach einem guten Restaurant kurz nach der Grenze wurden wir wieder nach Finnland zurückverwiesen - „gut und preiswerter“. Wir fuhren allerdings weiter nach Norwegen hinein und überholten einige Radfahrer, die wir später bei einer Rast als Deutsche erkannten.
Wir fuhren nach einem kurzen Imbiss weiter in Richtung Lakselv und fanden dort schnell unsere Jugendherberge, bei der allerdings niemanden antrafen - die Türen waren auf, das Haus sah gut aus, Mama mit ihrem guten Geschmack konnte uns schon im Voraus sagen, dass wir hier gut aufgehoben seien.
Zur Zeitüberbrückung fuhren weiter in das gemäß ADAC-Karte „stark zersiedelte“ Städtchen von Lakselv kamen. Wir mussten um ein paar Ecken kurven, bis wir den kleinen Stadtkern gefunden hatten. Geld wir nur mit Kreditkarte, Papa ließen wir vor dem Supermarkt zum Kaffee sitzen, den er allerdings erst bekam, als wir wieder zurückkamen und Mama kurz vor Toreschluss noch Brot, Wurst, Bananen und Getränke für das heutige Abendbrot kaufen konnte.
Zurück in der Jugendherberge bekamen wir unser Blockhaus wieder einmal mittels „Hände-und-Füße-Sprache“ mit ein paar Brocken Englisch gemischt zugewiesen. Die Unterkunft ist zwar nicht ganz so geräumig und toll wie in Lapinlahti, doch sind wir hiermit trotzdem sehr zufrieden (sogar mit Kühlschrank im Zimmer) und außerdem entschädigt die Umgebung für etwaige Mängel. Mama hatte die Wohnung schnell im Griff und häuslich eingerichtet. Ein See vor der Haustür (den Mama gleich wieder bearbeitete), zur Verfügung stehende Kanus, Blaubeeren en gros und eine wunderbare Plattform ins flache und sehr klare Wasser. Schnee auf den Bergen und das reine Felsmassiv im Hintergrund - fühlen wir uns hier wie auf einer grünen Insel.
Außerdem trafen wir die Radfahrer von der Raststätte wieder, die hier die Nacht verbringen.
Kaum waren wir über der Grenze, hatte sich auch schon die ganze Landschaft geändert. In Finnland war es noch größtenteils flache Tundra, während es hier in Norwegen hügelige, fast gebirgige Gegenden mit starkem Grünbewuchs gibt, die anderorts wieder reinen Felscharakter haben. Die Straßen jedoch waren auf beiden Seiten der Grenze sehr gut - auch hier hatten wir den Eindruck, dass die Hauptstraßen sehr ordentlich sind und lediglich sehr häufig Abzweigungen nur geschottert sind. Die Zukunft wird hier auch noch makadamisierte Straßendecken erfordern.
Die Uhr mussten wir hier wieder eine Stunde zurückstellen auf Mitteleuropäische Zeit.
Morgen wollen wir ans Nordkapp und - wenn die Zeit es zulässt - nach Hammerfest, wohingegen am Montag bei schönem Wetter ein Faultag an unserem See hier geplant ist.
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