Hinweis 2026:
Dieser Blogeintrag gehört zur Serie "Vorwärts in die Vergangenheit - Berichte von damals", in der ich zeitgenössische Reiseberichte veröffentliche, die nur sehr behutsam redaktionell bearbeitet wurden. Meinen Senf aus heutiger Sicht will ich nur dazugeben, wenn mir das erforderlich scheint, damit man den Hintergrund besser versteht.
Ein Parallelprojekt "Vorwärts in die Vergangenheit - Erinnerungen an frühe Reisen" umfasst Erinnerungen und Erinnerungsfragmente an frühere Reisen, die aber aus heutiger Sicht beschrieben sind.
Der vorliegende Reisebericht wurde im Juli/August 2000 verfasst und im September 2026 veröffentlicht. Auf eine Überschrift wurde verzichtet, da es eine solche im Originaltext nicht gibt.
Donnerstag, 27. Juli 2000 - Sarkau/Lesnoje (Russland) - 5. Tag - 1166 km von Zuhause entfernt
Heute war zwar kein besonders schöner Tag (vom Wetter her), aber trotzdem sind Mama und ich ein Stück entlang der Ostsee gelaufen, wobei Mutter beim Bernsteinsammeln ausflippte. Aber von Anfang an: Beim Frühstück brauchten wir zum Bestellen einer zusätzlichen Tasse Kaffee einen Übersetzer, da die Bedienung weder Deutsch noch Englisch konnte. Danach machten wir uns auf zur alten „Königsberger Sommerfrische“ Rossitten, das inzwischen als russisches Rybacij völlig verwahrlost und heruntergekommen „tiefstes Russland“ (O-Ton Vatter) ist. Wir haben vor der dortigen, jetzt russisch-orthodoxen Kirche ein Kreuz mit der Inschrift „Den ehemaligen Bürgern Rossitten“ gesehen, wobei wir nicht wissen, wann dieses aufgestellt wurde.
Ein Glück, dass unsere geplagten Stoßdämpfer bald Linderung erfahren. Wir sind danach noch bis zur russisch-litauischen Grenze gefahren, haben aber dann umgekehrt. Anschließend sind wir zum Mittagessen in das Lokal gefahren, in dem wir auch gestern waren, wobei wir herausgefunden haben, dass die hiesige Rezeptionistin die Tochter des Gasthauses Gellian ist. Wir freuen uns, dass junge russische Menschen zusammenstehen und sicherlich bis in einigen Jahren eine vernünftiges Gasthaus unterhalten. [Papa und Mama sind ganz verwundert, wie schön die russischen Mädchen - genau wie die polnischen - sind.] Für ein gutes Mittagessen bezahlten wir heute rund 40 Mark (mit Getränken, die bei uns nicht gerade sparsam verbraucht werden). Danach sind Mama und ich zu besagtem Strandspaziergang, während Papa im Hotel ein wenig geschlafen und das Zimmer gehütet hat - genauso wie er es mit dem Auto machte, wenn Mama und ich Bademöglichkeiten ausgekundschaftet haben - dabei ist gestern sogar einmal die Alarmanlage angegangen. Heute hatten wir sogar noch eine Gesamtkilometerschnapszahl - unser Auto ist heute 33.333 km alt geworden.
Gerade eben waren wir noch zum Abendessen und haben wahrscheinlich für eine hiesige Delikatesse (Aal süß-sauer mit Backpflaumen) 190 Rubel, also gut 16 Mark bezahlt - und das war mit Abstand das teuerste Gericht auf der Karte.
Morgen fahren wir weiter gen Norden und kommen ins Baltikum. Dann werden wir wieder die MEZ anwenden können, von der wir erst heute Morgen gemerkt, dass sie hier nicht gilt, weil wir zum Frühstück eine Stunde zu spät gekommen sind (hier gilt OEZ).
Nun noch einige kulturelle Beobachtungen: Die Russen haben ihre Kalt- und Warmwasserhähne teilweise anders herum als in Deutschland; wenn sie in einem Restaurant sind, bestellen sie ihr Essen und gehen danach wieder und kommen erst wieder, wenn die Zeit um ist.
Kommentar 2026:
Die eckigen Klammern stehen im Original, und das ist auch gut so. Distanzierung olé, und zwar schon damals ...
Es war wahrscheinlich an dem Abend, dass wir - wir bekamen immer Aal in Soße, egal, worauf wir in der Karte (mit kyrillischer Schrift) zeigten - einmal gebratenen Aal haben wollten. Also ging meine Mutter mit in die Küche (!), nahm eine Pfanne und zeigte darauf - die Leute in der Küche nickten eifrig, wir warteten freudig ... und bekamen wie immer den Aal in Soße ...
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| Echte Empörung meiner Ma - und der Finger auf der Linse war auch wütend ... |

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