Hinweis 2026:
Dieser Blogeintrag gehört zur Serie "Vorwärts in die Vergangenheit - Berichte von damals", in der ich zeitgenössische Reiseberichte veröffentliche, die nur sehr behutsam redaktionell bearbeitet wurden. Meinen Senf aus heutiger Sicht will ich nur dazugeben, wenn mir das erforderlich scheint, damit man den Hintergrund besser versteht.
Ein Parallelprojekt "Vorwärts in die Vergangenheit - Erinnerungen an frühe Reisen" umfasst Erinnerungen und Erinnerungsfragmente an frühere Reisen, die aber aus heutiger Sicht beschrieben sind.
Der vorliegende Reisebericht wurde im Juli/August 2000 verfasst und im September 2026 veröffentlicht. Auf eine Überschrift wurde verzichtet, da es eine solche im Originaltext nicht gibt.
Mittwoch, 26. Juli 2000 - Sarkau/Lesnoje (Russland) - 4. Tag - 1166 km von Zuhause entfernt
Heute sind wir in abenteuerlicher Manier die gut 200 km von Danzig ans Kurische Haff hierher nach Sarkau gefahren. Nachdem wir in Danzig zunächst eine unfreiwillige Stadtrundfahrt gemacht hatten, fuhren wir über Elbing zur Grenze nach Braunsberg. Dort benötigten wir für das Überqueren der Grenze unerwartet wenig Zeit, obwohl die russischen Zöllner und Grenzbeamten uns teilweise unsinnig lange aufgehalten hatten (man kann sagen: Dienst nach Vorschrift (!) - langes Warten im Auto vor der Zollkontrolle etc.).
Nach dem Durchfahren der Stadt Königsberg (Kaliningrad) (enttäuschend für uns hinsichtlich Wiederaufbau - Vorbild Danzig mit z. T. abgrundtiefen Schlaglöchern) (Mama legte häufig Generalstopps ein, wir waren froh, als wir Königsberg verlassen konnten - Papa sagte: „Alte deutsche Stadt - aber jetzt wirklich tiefstes Russland“) mussten wir, bevor wir die Kurische Nehrung befahren durften, eine Gebühr von DM 36,00 entrichten. Papa sprach von „moderner Wegelagerei“, Mama schimpfte wie ein Rohrspatz.
Als wir allerdings nach einigem Suchen im richtigen, eigentlich falschen Hotel ankamen (das ursprüngliche ist noch in sehr altem Zustand und befindet sich im Umbau) und danach in dieses eigentlich vorgesehene Hotel zum Essen gingen, überraschte uns das Preisniveau angenehm: für ein recht gutes Mittagessen zahlten wir zusammen nur 350 Rubel, weniger als 30 Mark - so viel kosten in Deutschland normalerweise allein Getränke, die wir hatten.
Danach gingen wir daran, schöne Badeplätze für morgen zu finden (die weitaus größeren sind an der Ostsee, nicht am Haff) und haben zwei sehr schöne Plätze gefunden, an denen nur sehr wenig Leute badeten. Wir wurden an unser geliebtes Fuerteventura erinnert, müssen aber sagen, dass diese Art von Abenteuerurlaub uns bis jetzt sehr viel Freude macht - sogar der „Alte“ ist zufrieden.
Allerdings finden wir es traurig, dass der russische Staat, der so sehr Devisen haben möchte, potentielle Touristen auf diese Art und Weise abschreckt und ausnimmt (Visumzwang, Gebühr für das Befahren der Kurischen Nehrung, schlechter Straßenzustand).
Kommentar 2026:
Das mit dem Hotel muss ich erläutern: Wir hatten über ein Reisebüro in einem Gasthaus ein Zimmer gebucht, das sah aber wirklich baufällig aus, sodass meine Eltern sich weigerten, dort auch nur das Zimmer anzuschauen. Im gleichen Ort hatten wir ein modernes Hotel gesehen, in das wir uns nun einquartierten, und an der Rezeption verlief das alles unerwarteterweise völlig unproblematisch. Auf die Frage nach einer Abendessengelegenheit wurden wir wieder in das Gasthaus verwiesen, das im Innenraum gar nicht so furchtbar aussah. Dort saß die Chefin gerade mit Wörterbuch und versuchte, uns einen Brief zu schreiben, dass das Gasthaus noch im Umbau sei und wir im Hotel im Ort - dort, wo wir gerade eingecheckt hatten - unterkommen würden. Erst jetzt war auch ich beruhigt, weil wir die Unterkunft im Voraus bezahlt hatten und ich Sorge hatte, dass wir noch einmal - jetzt für das andere Hotel - zahlen müssten.
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| Vater und Sohn auf dem Weg zum Strand |

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