Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 29. September 2024

"In der Schweiz könnten die Straßen nicht besser sein"

Heute mal wieder als Fast-live-Blog ...

Man merkt, so ein bisschen Traumabewältigung war auf dieser Tour bei meiner Mutter und mir dabei, auch wenn der zitierte Satz von Christian stammt. Die Fahrt heute in Richtung Tirana war nämlich ganz wunderbar, denn die Hauptstraßen sind in der Regel ziemlich neu und bestens asphaltiert.

In der Nacht hatte es ziemlich gewittert, sogar die Sicherung haute es heraus, während ich im Bad war, aber am Morgen war der Blick auf Korfu dann aufgrund der klaren Luft ganz herausragend. Wir machten uns fertig und brachen gegen 7.30 Uhr auf.

Wieder ging es auf unsere Einbahnstraße von Strandpromenade, wieder ging es in die richtige Richtung - das betone ich so, weil Google Maps uns bei der Anreise falsch herum in die Einbahnstraße geschickt hatte, aber das fiel uns glücklicherweise auf, sodass wir nach einem längeren Umweg dann richtigherum in die Einbahnstraße eingefahren waren. Insgesamt ist Maps hier in Albanien nicht immer so richtig ganz voll zuverlässig ...

Wir fuhren um die Bucht von Saranda herum und dann auf die Schnellstraße, die gelegentlich zur veritablen Autobahn wurde, in Richtung Fier, Durrës und schließlich Tirana. Unterwegs machte ich aus dem Auto heraus ein paar hübsche Bilder von der albanischen Berglandschaft, und als in wir Richtung Tirana kamen, hatten wir so viel Zeit, dass wir noch einmal kurz in die Stadt hineinfuhren.

Die Einfallsstraße nach Tirana war nicht mehr "mein Tirana", das ich von 2004 und 2009 kannte, denn die Straßen waren sehr gut, und auf beiden Straßenseiten waren moderne Verkaufstellen, von Mercedes bis hin zu Möbeln. Die Fahrerfahrung, die Christian in Tirana machen durfte, entsprach dann aber doch zu einem ziemlich großen Teil noch meinen Erwartungen, denn die Tiranaer fahren immer noch wie die Bekloppten. Aber auch passt jeder auf, naja, fast jeder, denn wir haben heute in Tirana tatsächlich vergleichsweise viele Unfälle gesehen.

Apropos Unfallgefahr: Mitten in der Autobahnausfahrt stand (stand!) ein Hochzeitskorso und wartete wohl noch auf Nachzügler, mit schick gekleideten Leuten, die gewissermaßen mitten auf der Straße standen - unfassbar!

Kurz vor dem Flughafen standen wir länger im Stau, gaben das Auto auf einem völlig chaotischen Mietwagenrückgabeflughafen ab und liefen zum Flughafen. Jessi und Christian mussten und meine Ma und ich müssen noch an den Check-in-Schalter, denn so modern Albanien geworden ist, mobile Bordkarten werden hier am Flughafen nicht akzeptiert - auch das ist wirklich unglaublich, aber leider wahr.

Weil wir unsere ausgedruckte Bordkarte aber auch erst zweieinhalb Stunden vor Abflug abholen können, gingen Jessi und Christian schon durch die Sicherheits- und Passkontrolle, denn sie werden (jedenfalls planmäßig) schon abgeflogen sein, bevor unser Schalter überhaupt öffnet.

Achja, gestern standen wir unter einem Olivenbaum und probierten mal eine Olive vom Baum: Jo, das Ding ist so bitter, wie sie alle sagen ... Pfui Deibel, ich esse in Zukunft wieder die aus dem Glas ...

Das war des Blogposts erster Teil, der zweite folgt, wenn wir (hoffentlich) im letzten Interregioexpress des Tages von Basel nach Erzingen sitzen, kurz bevor wir unser Auto wieder in Empfang nehmen.

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Joa, die Grenzkontrolleure der Schweiz (und Frankreichs!) könnten aber definitiv besser sein, es ist immer wieder eine Katastrophe in Basel ...

Die Ausgabe der gedruckten Bordkarte klappte problemlos und ging einigermaßen schnell, aber die komplett absurde (und völlig beschissene) Pointe des Ganzen ist, dass alle Gerätschaften am Flughafen in Tirana dafür eingerichtet sind, mobile Bordkarten zu scannen - und auf das Papierdokument kam auch kein Stempel drauf. Das ist einfach nur und ausschließlich Bürokratieerzeugung, und das wirft wirklich kein gutes Licht auf Albanien, so beeindruckt wir von der Entwicklung des Landes in den letzten 15 bis 20 Jahren waren und sind.

Das Beste ist ja, dass nach der Sicherheitskontrolle (die ebenfalls insofern absurd ist, als dass man an jedem anderen Flughafen sein Köfferchen in diese Wannen packen muss und es hier nicht darf!) eine elektronische Ausreisekontrolle stattfindet, die wunderbar und schnell funktioniert. Auch der Gate-Bereich ist grundsätzlich ziemlich modern, wenn auch ein kleines bisschen unterdimensioniert - deswegen verstehe ich dieses Bordkarten-Ausgedrucke noch viel weniger ...

Wir kamen mit größerer Verspätung los, hatten ziemlichen Gegenwind und kamen mit einer halben Stunde Verspätung am Gate an. Das wäre noch alles machbar gewesen, wenn am Baseler Flughafen die elektronische Einreisekontrolle oder zumindest mehr als drei Spuren geöffnet gewesen wäre - denn nach (zum Glück!) uns kam noch ein Flieger aus Prishtina an.

Es ist mir unbegreiflich, wieso ausgerechnet am Basler Flughafen, der ja den Vorteil hat, zwei Grenzpolizeien (die französische und die schweizerische) kontrollieren lassen zu können, die Organisation der Grenzkontrolle deutlich schlechter funktioniert als an den Flughäfen, an denen nur eine Grenzpolizei zuständig ist. So verpassten wir den Bus, den wir hätten erreichen müssen, um den Anschluss nach Erzingen am Badischen Bahnhof zu erreichen. So eine Scheiße, ganz ehrlich! Bitte, liebe Leserinnen und Leser, lasst die Finger vom Basler Flughafen, jedenfalls wenn man dort aus- oder einreisen müsste - die können es halt ganz einfach nicht.

Nun haben wir (bzw. hat meine Ma) ja sehr liebe Nachbarn, und die kontaktierten wir in unserer Not. Wir kommen wenigstens noch nach Waldshut, dort holen die beiden uns ab und kutschieren uns dann zu unserem Auto in Erzingen, auf dass wir dann im Konvoi nach Hause fahren. Vielen Dank auch an dieser Stelle an die Schnitzer-Wirtsleute!

Unterwegs in Albanien I
Unterwegs in Albanien II

Samstag, 28. September 2024

Eine schlechte Straße in Albanien gefunden

... haben wir heute, aber da mussten wir uns wirklich anstrengen ...

Heute Morgen gingen Jessi, meine Ma und ich schwimmen, während Christian unsere Sachen bewachte und ein paar Fotos schoss. Nach dem Duschen und dem Frühstück in unserer gestrigen Frühstücksgaststätte ging es in Richtung Süden.

Wir machten eine kleine Stadtrundfahrt in Ksamil, dem Haupttouristenort hier an der albanischen Südküste, befanden "unser" Saranda aber für mindestens genauso so schön und fuhren noch ein bisschen weiter in den Süden nach Butrint. Dort war die Hölle los, sodass wir keinen Parkplatz bekamen und dementsprechend auch nicht das dortige Weltkulturerbe anschauen konnten.

Machte nichts, wir fuhren zurück und dann ein wenig durch die albanischen Berge, tankten unterwegs - Kreditkartenzahlung war zwar angeschrieben, aber das Kreditkartengerät wollte nicht so wie wir - und fuhren dann auf die Parallelstraße zu der Straße, auf der wir gestern in Richtung Gjirokastra gefahren waren.

Kurz hinter Delvina wurde die Straßensituation aber - ganz im Gegensatz zum Rest der hier befahrenen Straßen, die waren nämlich völlig akzeptabel bis wunderbar - relativ schlagartig ziemlich schlecht. Nach wenigen hundert Meter drehten wir und fuhren ganz gemütlich zurück nach Saranda.

Dort aßen wir in einer Pizzeria wunderbare Pizza - alles andere war aus, die machen in den kommenden Tagen zu -, machten einen kleinen Spaziergang an der Strandpromenade, ich brach nach der Hälfte ab und lief zurück ins Zimmer, in dem meine Ma und ich uns auf einen letzten Strandgang vorbereiteten. Jessi und Christian kamen, wir gingen ans Meer, schwammen (eine herrliche Abkühlung) und saßen dann gemütlich oben auf dem Balkon, mit leckerem Salat und Bier und Fanta.

Morgen geht es zurück nach Tirana und dann für Jessi und Christian über Belgrad nach Frankfurt, für meine Ma und mich nach Basel, und am Montag beginnt wieder der Ernst des Lebens ...

Ein paar Fotos gibt's auch von heute, aber das war heute eher ein Spazierfahren- und Schwimmtag ...

Blumen unterwegs

Berglandschaft mit Olivenbäumen

Die letzte schlechte Straße Albaniens

Kurz vor Butrint

Freitag, 27. September 2024

Sehr lecker riecht es

... selbst auf dem Balkon unserer Ferienwohnung, denn Jessi und Christian sind am Kochen. Die Hilfe meiner Mutter wird nicht benötigt, ich habe Küchenbetretungsverbot (außer zum Bierholen), und ich freue mich schon sehr auf das (frühe) Abendessen ...

Heute war (und ist) ein wunderbarer Tag, wir haben sehr großes Glück mit dem Wetter, die Wolken am Himmel kann man an ein bis zwei Händen abzählen, und heute Morgen stachen meine Ma und ich sogar in See. Naja, okay, wir wackelten über den Kiesstrand und begaben uns dann ins Adriatische Meer - meine Ma fand es warm, ich fand es jedenfalls nicht kalt, sodass wir beide sehr zufrieden und auch gut erfrischt aus dem Wasser kamen.

Danach wurde geduscht, und wir gingen in einen nahegelegenen Laden zum Frühstück, das wir in Omelette-Form einnahmen. Christian holte das Auto, wir stiegen zu, und dann ging es zunächst in Richtung des Blue Eye.

Das Blue Eye ist die Quelle des Flusses Bistricë, und das Ganze ist aufgrund der Klarheit des Wassers eine sehr große Touristenattraktion. Das sieht man an der sehr großen Parkinfrastruktur, auch wenn die Abwicklung noch immer etwas behelfsmäßig ist, aber Parkgebühren (drei Euro für drei Stunden) nehmen sie wie die Großen.

Wir liefen ein paar Meter bis zum Eingang, mussten dort 50 Cent Eintritt bezahlen und schauten erst einmal auf den Stausee. Meine Ma nahm das Züglein, das zum Blue Eye fuhr, während Jessi, Christian und ich an der Uferstraße zu Fuß liefen.

Nach einem Spaziergang von, keine Ahnung, zwanzig Minuten landeten wir am Blue Eye - meine Ma kam zeitgleich mit dem Züglein an, sodass wir gemeinsam dieses wirklich unglaublich und kristallklare Wasser bewundern konnten. Schick!

Zurück fuhren wir alle mit dem Züglein und machten uns dann - niemand wollte unseren Parkschein sehen, den ich extra erkämpft hatte - auf in Richtung Gjirokastra.

Meine Ma ist definitiv mit Albanien versöhnt, nicht nur wegen des leckeren Essens gestern Abend und des Meers, sondern auch, weil die Straßen inzwischen zwischen völlig in Ordnung und wunderbar wechseln. Unterwegs hielten wir kurz an einer Tankstelle, mussten bar bezahlen, weil das Kreditkartengerät nicht funktionierte, aber dann ging es weiter in die "steinerne Stadt".

Wir parkten direkt unterhalb der Burg - wahrscheinlich nicht im Halteverbot, da standen aber auch genug andere Autos, und außerdem ließen wir meine Ma als Bewacherin im Auto (die wollte das Kopfsteinpflaster nicht mehr hochlatschen) ...

Wir drückten vier Euro Eintritt pro Person ab, genossen - nach ein paar Treppenstufen und dem Klettern aufs Dach der Burg - den Blick auf die Altstadt von Gjirokastra, ich bekam feuchte Hände, weil da oben nix abgesperrt war und es ein paar Meter vertikal nach unten ging.

Auch auf die andere Seite der Burg marschierten wir, ein Auto kam uns auf dem Burggelände entgegen, um das zu fotografieren, verletzte ich das - ohnehin völlig missachtete - Fotografierverbot, wir guckten uns noch die Bühne und den (sehr hübschen) Uhrturm an, danach ging es wieder - über sehr schöne Bergsträßchen mit tollen Ausblicken - in Richtung Adriaküste.

Wir kauften in Saranda noch fürs Abendessen ein, und jetzt sitzen meine Ma und ich auf dem Balkon und erzählen, während Jessi und Christian am Kochen sind - uns geht es wunderbar!

Brücke zum Blue Eye

Blue Eye

Züglein zum Blue Eye

Burg von Gjirokastra

Bild mit feuchten Händen geschossen

Auto im Kanonengang der Burg

Blick auf die Altstadt von Gjirokastra

Uhrturm auf der Burg

Abenddämmerung gestern Abend

Donnerstag, 26. September 2024

"Dry or you die"

Der Ober brachte heute Abend tatsächlich einen trockenen Weißwein für Jessi, Christians "Drohung" zeigte also offenbar Wirkung ... (Weniger Wirkung zeigte sie beim Versuch, Fassbier, Espresso, Tiramisu und Seezunge zu bestellen - irgendwie war da heute viel kaputt, aber das Essen, das wir bestellen konnten, war sehr lecker - und die Kartenzahlmaschine funktionierte auch!)

Der Flug gestern Abend von Stuttgart nach Belgrad war ein bisschen verspätet, kam aber recht pünktlich an, trotzdem war das Umsteigen ein bisschen hektisch, weil die "Last Call" anzeigten, während wir noch auf dem Weg zum Flieger waren - wir waren dann auch als Letzte im Bus, aber der stand noch eine ganze Weile, dann gingen die Türen zu und wir fuhren zu einer Turboprop-Maschine.

Mit der ging es - mit maximal 450 km/h - nach Albanien, die Einreise ging an der elektronischen Einreise sehr fix, und auch der Fußweg zum Hotel war erträglich, selbst für meine Ma. Wir kamen wenige Sekunden vor Jessi und Christian an (deren Flieger war verspätet gewesen), konnten einchecken, bekamen aber an der Lobbybar nichts mehr zu trinken. In der Minibar waren nur zwei Bier, sodass Jessi und Christian losstiefelten an die Tankstelle und dort Bier einkauften.

Naja, sagen wir, wir trennten uns um 3 Uhr, der Wecker klingelte um 7 Uhr und mir ging es nicht so richtig gut ... Wir gingen frühstücken, ich brauchte Frischluft, eine Ibuprofen tat Wunder - und die Dusche auch -, Jessi und Christian holten das Mietauto, und schon ging es auf die wilde Jagd.

Naja, so wild war die Jagd nicht, denn die Straßen in Albanien sind inzwischen richtig, richtig gut. Bei der Auffahrt auf die Autobahn nach Durrës war zwar die Schranke zu, und es saß eine Dame im Häuschen, aber die eröffnete uns, dass die Autobahn - noch - kostenfrei sei, dann ging die Schranke hoch, und wir fuhren auf die (wunderbare) Autobahn ... Meine Ma war fast fassungslos, wie gut die Straßen sind!

Unser erstes Ziel war Berat mit seiner Burg. Wir parkten unterhalb der Burg, der Einweiser kriegte einen Euro, die Burg selbst kostete keinen Eintritt, meine Mutter wurde nach dem Aufstieg auf eigenen Wunsch auf einer Bank platziert, und Jessi, Christian und ich machten eine mittelgroße Burgrunde.

Die unebene Treppe war definitiv für ältere und behinderte Menschen nichts, obwohl die so beschildert war. Da oben war es wirklich schön, weil wir auch tolle Ausblicke auf die umliegende Ebene und die Stadt Berat hatten.

Weiter ging es in Richtung Vlora und von dort an der teilweise wunderschönen Küstenstraße (die aber öfter auch ins Landesinnere mit sehr ansehnlichen Berglandschaften führt) entlang in Richtung Saranda.

Google Maps kann man in Saranda den Hasen geben, erst wurden wir verkehrt herum in eine Einbahnstraße gelotst, das umfuhren wir, dann wurden wir in einen engen Hotelparkplatz gelotst, mussten auf einem Bierdeckel wenden (Super-Christian, olé!), das klappte nur, weil die Stoßstange des geparktes Autos zwischen das Rad und unseren Kotflügel passte - Millimeter waren entscheidend!

Wir fanden nach der Rettung einen guten Parkplatz, aber suchten dann nach unserem Apartment. Das klappte erst im x-ten Ansatz bei einer, öhm, nicht wahnsinnig hilfreichen "Assistentin" der Vermieterin, aber jetzt haben wir ein wunderbares Apartment mit Blick auf Strand und Meer, es ist herrlich!

Wir kauften Getränke und Chips ein, marschierten dann aber zur Feier des Tages in die nahegelegene Kneipe, dort aßen wir sehr gut (auch wenn wir nicht alles bekamen, und das, was wir bekamen, kam wild durcheinander), jetzt sitzen wir mit Bierchen - und einer Fanta für mich - auf dem Balkon und gehen womöglich bald ins Bett ...

Morgen geht es zum Blue Eye, einem angeblich kristallklaren See, und wahrscheinlich nach Gjirokastra - aber erst einmal wollen zumindest meine Ma und ich ins Meer schwimmen gehen ...

Berat

Orthodoxe Kirche

Blick auf Berat

Unterwegs in Albanien I

Unterwegs in Albanien II

Blick vom Balkon auf Strand und Meer

Burg von Berat

Minarett auf der Burg von Berat

Mittwoch, 25. September 2024

Mit dem Deutschlandticket zum Flughafen

... fahren wir heute, und bisher klappt das sogar überraschend gut (ich will es nicht beschreien, deshalb lade ich den Blog erst hoch, nachdem wir wirklich gut am Stuttgarter Flughafen angekommen sind). Am frühen Nachmittag wurde ich vom Chef nach Albanien gejagt, also fuhren meine Ma und ich nach Erzingen und von dort - durch die Schweiz! - nach Singen. Dort erwischten wir problemlos den IC nach Stuttgart, und da der fürs Deutschlandticket freigegeben ist, darf auch meine Mutter mit dem fahren, nachdem ich ihr Anfang des Monats für den September ein solches Deutschlandticket gekauft hatte.

In eineinhalb Stunden kommen wir in Böblingen an und steigen dort in den Schienenersatzbus zum Flughafen um, sodass wir knapp zwei Stunden vor Abflug ankommen müssten. Um 21 Uhr geht der Flieger nach Belgrad, den sollten wir erwischen, um dann nach Umstieg dort heute Nacht in Tirana anzukommen.

Morgen geht es dann nach hoffentlich gutem Frühstück mit dem Mietauto über Durrës und Vlora auf der Küstenstraße in Richtung Saranda. Mal gucken, ob wir noch einen kleinen Abstecher nach Berat einlegen, dann wird die Fahrt aber womöglich fast ein bisschen lang ... Das entscheiden wir spontan, denke ich - überhaupt wird das hoffentlich wirklich ein Erholungsurlaub, denn der Winter wird lang ...

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Wir sind tatsächlich mit ganz wenig Verspätung in Böblingen angekommen und am Flughafen mit dem Schienenersatz-Expressbus sogar überpünktlich.

Die Sicherheitskontrolle ging einigermaßen zügig, aber hinter der Sicherheitskontrolle ist hier in Stuttgart alles recht eng. Zwei Flüge wurden nebeneinander abgewickelt (was immer wieder beknackt ist, weil sich da eine Menschentraube bildet), unsere Ausreise (Belgrad ist ja nicht im Schengen-Raum) dauerte auch ewig, auch wenn ich meine Ma vorschickte mit dem Gepäck und ich uns noch je ein Bierchen und etwas zu futtern kaufte.

Der Grenzer erkannte sogar, dass einige Minute vor mir schon eine andere Person mit meinem Nachnamen durchgegangen war, aber als ich sagte, dass das meine Ma war, war er zufrieden. 

Jetzt sind wir hier im Gate-Bereich und warten auf das Boarding.

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Im Zug waren drei Lehrerinnen im Ruhestand miteinander ins Gespräch gekommen, und die erzählten über den Gang hinweg so laut irgendwelchen Mist, dass das ganze Großraumabteil von Zeit zu Zeit ob ihrer Ansichten mit den Augen rollte. So etwas bitte nicht machen!

Alles in allem war das aber eine völlig entspannte Anreise, und das mit der Bahn!

Wir freuen uns jetzt sehr und sind sehr gespannt auf Albanien, das meine Ma ja erstmals wieder seit 20, ich erstmals wieder seit 15 Jahren (ach Herrje, das war ja die erste Reise dieses Blogs!) besuchen.

Nächster Blog morgen aus Albanien!

Samstag, 21. September 2024

Von Berlin nach Zürich mit Umsteigen in Bangladesch

So hat Christian meine Reiseplanung für das lange Wochenende am Reformationstag zusammengefasst, und bevor jemand auf die Idee kommt, mir mitzuteilen, dass das eine völlig bescheuerte Vorgehensweise ist, will ich mitteilen, dass ich das selbst weiß ...

Ich war die letzten Wochen und Monate um Reisen herumscharwenzelt, um Burkina Faso und Mali, um Burundi und die Komoren und auch um Bangladesch und Myanmar. Am Ende war es jetzt die vergleichsweise optimale Flugverbindung (und die Tatsache, dass die Betreiber der Visum-Webseite für Burkina Faso nicht in der Lage sind, mich ein Einfach-Einreisevisum beantragen zu lassen), dass ich Bangladesch gebucht habe.

Am 29. Oktober fahre ich aus dem Schwarzwald nach Hannover und arbeite am 30. Oktober dort. Abends geht es nach Berlin, und um 22.50 Uhr fliege ich mit Condor (!) nach Dubai. Dort komme ich am 31. Oktober um 8.10 Uhr Ortszeit (5.10 Uhr deutscher Zeit) nach 6 Stunden und 20 Minuten Flugzeit an. In Dubai habe ich fünfeinhalb Stunden Aufenthalt - vielleicht fahre ich wirklich mal an den Creek oder ans Meer, das entscheide ich spontan.

Um 13.55 Uhr (10.55 Uhr deutscher Zeit) geht es schon wieder weiter nach Dhaka, und dort komme ich nach weniger als fünf Stunden Flug um 20.40 Uhr Ortszeit (15.40 Uhr deutscher Zeit) auch an. Ich hoffe, dass das Hotel mir einen Hoteltransfer organisiert, sonst muss ich mich halt selbst ins Getümmel werfen.

Zurück geht es am 2. November um 19 Uhr (14 Uhr deutscher Zeit) mit Zwischenladungen in Dubai und Istanbul Sabiha Gökçen. In Dubai lande ich um 0.30 Uhr am 3. November (21.30 Uhr deutscher Zeit am 2. November) und fliege um 5 Uhr (2 Uhr deutscher Zeit) weiter, in Istanbul lande ich um 9.05 Uhr (7.05 Uhr deutscher Zeit) und hebe um 11.55 Uhr (9.55 Uhr deutscher Zeit) wieder ab. In Zürich lande ich schließlich um 13.10 Uhr und werde von meiner Mutter abgeholt - danke schon einmal!

Der Flugpreis für dieses lange Wochenende ist völlig absurd, da will ich am liebsten gar nicht drüber reden, aber so langsam muss ich mir die Länder halt auf diese Weise zusammensuchen, das wird in der Zukunft nicht wirklich besser werden. Dafür ist das wirklich sehr gut aussehende Drei-Sterne-Hotel in Dhaka sehr, sehr günstig (30 Euro die Nacht), das gleicht den Flugpreis dann fast schon ein bisschen aus. Ein Visum verlangen die Bangladescher auch von mir, aber das kriege ich bei Einreise als "visa on arrival" und muss dafür 51 Dollar (oder 51 Euro) abdrücken.

Alles in allem wird das ein teures Wochenende, aber da das Auswärtige Amt derzeit sowieso vom Besuch abrät, ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn ich nur zwei Tage dort bin (soviel zu "abenteuerfreudig, aber nicht lebensmüde"). Und wenn ich an so Aktionen wie nach London zum Football oder nach Israel denke, dann ist das im Vergleich auch nicht billig gewesen - und jeweils kein neues Land.

Sei's jetzt drum, ich bin sehr gespannt darauf, das Gewusel in der größten Stadt Bangladeschs zu erleben, der Rikscha-Kapitale der Welt ... Das wird sehr interessant!

So also wird Bangladesch mein 161. Land - und dann fehlen nur noch 45. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber es wird hoffentlich noch lange nicht verhungern ...

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Am 13. September war ich wieder einmal kurz am Wiizemersteg, dadurch ist die Zwei-Wochen-Uhr neu gestartet worden und ich musste nicht vor dem anstehenden Albanien-Urlaub noch einmal in die Schweiz ...

Jo, Albanien ist jetzt im sehr, sagen wir, kurzweiligen September ein bisschen plötzlich gekommen, aber meine Ma und ich freuen uns schon sehr auf ein paar Tage am Strand mit Jessi und Christian. Am Mittwoch fahren wir mit dem Deutschland-Ticket, das ich meiner Ma für den September besorgt habe, nach Stuttgart und fliegen über Belgrad nach Tirana. Dort kommen wir am frühen Donnerstagmorgen an ...

Mit dem Mietauto geht es in den Süden Albaniens, dort haben wir eine Ferienwohnung - das wird auch ganz hübsch, glaube ich ... Am Sonntag, dem 29. September geht es dann aber schon wieder mit dem Auto zurück nach Tirana, und meine Ma und ich fliegen direkt nach Basel. Die Freunde von der Fluggesellschaft haben uns unsere Flugzeiten ein wenig nach hinten verlegt, sodass wir in Basel einigermaßen zügig zum Bus aufbrechen sollten, um noch nach Erzingen zu kommen, wo wir am Mittwoch unser Auto abstellen wollen.

Ich werde - wie immer - berichten ...

Dienstag, 10. September 2024

Zerquetscht in Düsseldorf

... werden irgendwann einmal mal Menschen werden, denn die Einlasssituation am Stadion in Düsseldorf ist - jedenfalls, wenn man mit der Stadtbahn kommt - katastrophal. Es ist schon schlimm genug, dass eineinhalb Stunden vor dem Spiel nur jede Viertelstunde eine Bahn in Richtung Stadion fährt, die natürlich gerammelt voll ist (und am Ende drängeln sie eine Sekunde vor Türöffnung alle zur Tür, dass ich mal einen Brüller loslassen musste ...). Es ist völlig lächerlich, dass mehr als eine Stunde nach Spielende noch Menschenmassen darauf warten, dass die Straßenbahnen sie abtransportieren können (dass dann noch eine Bahn mit Bremsschaden liegen bleibt, ist unglücklich, passt aber natürlich ins Bild). Aber es ist richtiggehend gefährlich, dass nach Ankunft einer Bahn ein einziger (enger) Zugang zum Stadion offen ist, an dem sich alles drängt und staut - unglaublich. Danach, wenn man diesen vorsätzlichen Engpass überwunden hat, ist jede Menge Platz - vielleicht bin ich einfach zu blöd, das hochintelligente System zu verstehen, aber eins weiß ich: So eine schlechte Transportsituation habe ich beim Fußball schon lange nicht mehr erlebt, und in Europa schon gar nicht ...

Ich war am Freitag Abend sehr früh ins Bett gegangen, weil ich kaputt von der Woche war und mir das Wochenende vorher vielleicht auch noch in den Knochen steckte. Dementsprechend früh war ich am Samstag wach - ich entschied mich, schon einmal zum Bahnhof zu fahren, und wenn ich schon so früh dran war, konnte ich auch gleich nach Venlo fahren, dann würde meine Zwei-Wochen-Uhr wieder neu starten.

Gesagt, getan - ich stieg in den ICE in Richtung Düsseldorf, verließ denselben aber bereits wieder in Hamm, um in den Regionalexpress nach Venlo einzusteigen. Ich bekam, wie schon neulich eingeübt, einen Sitzplatz, den ich die ganze Fahrt nicht wieder hergab. Nach der Einreise in die Niederlande um 14.01 Uhr sah ich, dass in Venlo schon am Bahnhof ein Riesenandrang war, sodass ich zunächst sitzenblieb und einfach zurückfahren wollte ...

Irgendwann dachte ich dann doch, dass es doch schön wäre, wenn ich zumindest mal die Gräten auf niederländischem Boden hätte, also stieg ich kurz aus, aber an einer Tür, an der ein paar Leute standen ... Da das blöd ausgesehen hätte, einfach nur den Fuß rauszustellen, lief ich auf dem Bahnsteig zur nächsten Tür und kam gerade noch in Zug zurück, bevor mir dieser fast vor der Nase weggefahren wäre. Natürlich war in der Zwischenzeit mein schöner Platz weg, aber ich bekam noch einen Sitzplatz, sodass ich am Schluss problemlos wieder in Düsseldorf eintrudelte.

Ich war zum frühen Abendessen bei einem sehr guten Chinesen verabredet, und nach einem Absacker ging es in der Sardinenbüchse von Stadtbahn zum Stadion. Die Beschilderung im Stadion ist auch Mist - also bitte nicht nach Düsseldorf gehen, wenn man entspannt zum Fußball möchte!

Das Spiel war am Ende natürlich grandios, die Stimmung war auch nicht schlecht, auch wenn das in Stuttgart - aber das war auch EM - ein ganzes Stück besser war. Nach dem Spiel blieb ich extralange im Stadion sitzen, weil ich jede Menge Zeit hatte, aber das half alles nix, weil die Düsseldorfer Verkehrsbetriebe das alles nicht gebacken bekamen. Irgendwann lief ich an einem Nebeneingang raus und zäumte das Pferd von hinten auf ... Nachdem ich das Schauspiel von einer Fußgängerbrücke eine gute Stunde begutachtet hatte, lief ich ich an der stadionabgewandten Seite der Haltestelle einfach die Treppe herunter und konnte sofort in die nächste Bahn einsteigen (mit Sitzplatz), auch sehr clever gemacht das alles ...

Ich nahm schon einen früheren Zug nach Köln, setzte mich dort auf einem abgelegenen Gleis auf eine Bank und surfte ein bisschen sinnlos im Internet. Auf dem Gleis eins weiter saßen ein Mann  mit Deutschland-Malerhut und zwei Schwarze auf einer Bank und unterhielten sich prächtig - nicht alle Menschen sind Deutschland-Malerhüten sind offenbar Nazis ...

In einem nicht vollen Zug ging es nach Frankfurt (mitten in der Nacht), in einem ziemlich leeren Zug dann nach Freiburg, und die einzigen Schlafminuten wurden durch die Schaffnerin beendet - Fahrkartenkontrolle (die erste am ganzen Tag!). Mist war's ... Von Freiburg fuhr ich fast nahtlos hinauf in den Schwarzwald und mit dem ersten Bus des Tages nach Bonndorf.

Nach leckerem Frühstück bei Muttern ging es ins Bett, um 19 Uhr war ich zum Football wach, aber dann ging es auch gleich wieder ins Bett ...


Hymnen

Choreo

Dienstag, 3. September 2024

So bekloppt schön

... war die völlig verrückte Tour am Wochenende, das glaubt einem ja keiner, weil es natürlich sehr anstrengend klingt (und war), aber dieses Glücksgefühl - gepaart mit ziemlich/völliger (?) Erschöpfung - das war schon großartig.

Die ganze Zeit wollte ich erwähnen, dass Nina nicht nur zum ersten Mal in ihrem Leben in Luxemburg war (reisen Sie mit dem Autor, dann erleben Sie was!), sondern dass es auch der erste Tag war, an dem sie in fünf Ländern war (Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Belgien, Niederlande) - ich kriege sie alle angefixt (wobei das bei ihr nicht mehr wirklich nötig war) ...

Die Auswertung der Zeitstempel ergibt folgende Verteilung der Länder:
  • Deutschland: 17 Stunden, 40 Minuten
  • Schweiz: 2 Stunden, 48 Minuten
  • Belgien: 2 Stunden, 14 Minuten
  • Luxemburg: 34 Minuten
  • Liechtenstein: 13 Minuten
  • Polen: 12 Minuten
  • Niederlande: 7 Minuten
  • Österreich: 6 Minuten
  • Frankreich: 3 Minuten
  • Tschechien: 2 Minuten
  • Italien: 1 Minute
Jo, Deutschland ist halt lang und breit ...

Der nördlichste Punkt der Reise war am Bahnhof in Cottbus, der südlichste beim Start am Splügenpass in Italien, der westlichste Punkt war am Autobahndreieck bei Neufchâteau in Belgien und der östlichste Punkt bei Görlitz gegen Ende der Tour.

Google behauptet, dass die Gesamtstrecke 1.160 Kilometer mit dem Zug und 625 Kilometer mit dem Auto war (wobei die Anreise zum Splügenpass und die Rückfahrt von Neugersdorf da nicht enthalten sind), das ist schon recht ordentlich ...

Am liebsten wäre mir natürlich gewesen, wenn ich um 23.55 Uhr im Vollsprint vom Bahnhof in Ebersbach in Richtung Tschechien gerast wäre, um dann mit einem beherzten Hechtsprung eine Sekunde vor Mitternacht tschechisches Gebiet zu erreichen, aber auch so war das ja knapp genug und trotzdem sehr, sehr schön ...

Ich bastle eifrig weiter an Touren, nach der 15-Länder-Tour mit der Studienfreundin und zweien ihrer Kinder habe ich noch etwas im Auge, das wären dann 16 Länder (plus Bosnien-Herzegowina), aber da wäre dann ein (sogar zeitlich passender Flug) von Kattowitz nach Eindhoven im Angebot ... Spinnerei? Ja, klar!

So, ein paar Fotos gibt es auch, auch wenn die keinen Schönheitspreis gewinnen werden, fürchte ich (und durcheinander sind sie auch noch, seufz ...):

Deutsch-tschechischer Grenzstein an der Spree

Liechtensteinisch-österreichische Grenze

Start am Splügenpass

Einreise Österreich

Schweizerisch-deutsche Grenze

Über die Mosel nach Luxemburg

Kurzauftritt in Frankreich

Danach nach Belgien

... und in die Niederlande

Da waren wir womöglich schon in Polen

Und das Grande Finale ...

Frühschoppen in Berlin auf dem Rückweg

Ha, ich hatte die französischen drei Minuten Luxemburg zugeschlagen, das muss natürlich korrigiert werden ...

Sonntag, 1. September 2024

Jede Menge Endorphine

... habe ich gestern Abend ausgeschüttet, als ich da auf meinem Bänkchen in Ebersbach saß, der Hund dann auch mal irgendwann ruhig war und ich das Ziel des Tages erreicht hatte. (Da kam noch eine Gruppe Tschechinnen an mir vorbei, die alle ein Stühlchen mit sich herumtrugen und wohl von einer Feier in Deutschland zurück nach Tschechien liefen - das Schengener Abkommen ist halt schon was Tolles!)

Nach einer halben Stunde oder so brach ich dann auch auf, denn ich wollte ja noch zu mindestens einer Spreequelle wandern. Ich überquerte - jetzt war der 1. September und also meteorologischer Herbst - abermals die deutsch-tschechische Grenze und wanderte über großteils einigermaßen beleuchtete Sträßchen von Jiříkov (Georgswalde) in Richtung Neugersdorf.

Es war gar nicht mal so ganz warm gestern Abend, sodass ich - wenn ich während der Wanderung mal ein Päuschen in einer Bushaltestelle machte -  allenfalls von der Wanderung, aber nicht von der Witterung schwitzte.

Hinter der Tankstelle überquerte ich die tschechisch-deutsche Grenze bzw. lief auf dem Grenzweg bis zur Spree und danach durchs Wohngebiet zur Spreequelle, die ich im Dunkeln kaum fand. Insgesamt war das selbst für mich, der ich mich für einigermaßen unerschrocken halte, alles in allem etwas gruselig - ich hatte zwei Handys mit Taschenlampenfunktion dabei, sonst wäre es wirklich schwierig geworden ...

Die Spreequelle im Dunkeln ist nicht so richtig beeindruckend, aber im Hellen sieht der Pavillon ganz bestimmt ansehnlicher aus. Ich setzte mich jedenfalls dort auf eine Bank, blieb eine Dreiviertelstunde oder so (ich hatte ja wirklich viiiiiel Zeit) und brach dann so gegen 3 Uhr auf zum Bahnhof.

Der Weg da in Neugersdorf ist ja richtig gruselig, weil man gefühlt in den Wald reinlatscht, die Straße wird Kopfsteinpflaster, aber irgendwann sieht man hinter dem Lost Place Bahnhof die beleuchteten Bahnanlagen und dann weiß man, man ist richtig ...

Am Bahnhof verbrachte ich auch wieder ein, eineinhalb Stunden und dann kam endlich der fast pünktliche Regionalexpress nach Dresden. Ich fuhr durch bis Dresden Hbf, kaufte dort Speis und Trank ein, das ich verzehrte und setzte mich dann in den tschechischen IC nach Berlin.

Der wollte nicht so richtig, sodass wir aufgrund eines technischen Problems am Zug verspätet loskamen und ich in Berlin den ursprünglich geplanten und auch den Plan B verpasste. Plan C beinhaltete einen Frühschoppen mit Currywurst und Bier, und dann fuhr ich mit dem ICE nach Hannover, mit der Stadtbahn nach Hause und ging nach kurzem Zwischenstopp im Bad zum Zähneputzen (dringendst notwendig) ins Bett.

Vor zwei Stunden bin ich aufgewacht, habe mir zu Essen bestellt, ein bisschen Nachrichten geschaut und gedenke, jetzt wieder ins Bett zu gehen.

Fotos und Fazit und viel Statistik morgen oder so (und hier in Hannover bellt auch ein Hund) ...

Samstag, 31. August 2024

Experiment Live-Blog - 10 (oder 11) Länder an einem Tag

Dieses Wochenende versuche ich einmal, (mehr oder weniger) live zu bloggen - mal gucken, ob das was wird ... Ausnahmsweise verändert sich der Blogeintrag also im Laufe des Wochenendes, ohne dass ich das explizit erwähne.

30. August, 23.41 Uhr
So, jetzt stehen wir auf der italienischen Seite des Splügenpasses, nachdem wir um genau 16.16 Uhr aufgebrochen waren. Um 16.49 Uhr waren wir - nachdem wir uns in Bonndorf (!) vor lauter gegenseitiger Verwirrung noch verfahren hatten - schließlich in die Schweiz eingereist, dann ging es über den Zürcher Autobahnring, der noch recht voll war, am Südufer des Zürichsees und später am Südufer des Walensees entlang in Richtung Chur. Von dort wurde der San Bernadino angepeilt, und weil ich vor lauter Arroganz das Navi abstellen ließ, um Akku zu sparen, war ich kurzzeitig nicht ganz sicher, ob wir überhaupt wie geplant in Splügen landen würden. Kurz vor der Zeit, zu der ich geparkt und das Navi wieder angeworfen hätte, erschien aber Splügen auf den Wegweisern - puh ...

In Splügen fuhren wir ab und den inzwischen fast bekannten Weg zum Splügenpass hinauf. Heute war viel los, ständig hatte ich jemanden vor oder hinter mir, aber irgendwann hatte ich mich eingegroovt, sodass wir problemlos zum Pass selbst kamen. Dort wurde der Grenzstein noch im Hellen fotografiert, danach ging es zehn Kehren oder so herunter nach Montespluga. Der Versuch einer Tischreservierung war fehlgeschlagen, aber im dritten von drei Restaurants bekamen wir noch etwas zu essen, und das war gar nicht schlecht. Meine Ma aß eine Forelle zu ihrem Bier, ich hatte Hirschgulasch zu meinem Chinotto, denn ich musste ja noch fahren.

Wir tranken noch je einen Espresso, danach ging es gegen 21.30 Uhr wieder die paar Kehren hinauf zum Splügenpass, wo wir die Neuverfilmung von "Susi und Strolch" anschauten. Jetzt haben wir noch ein bisschen Sternbilder geguckt (hier oben ist keine Lichtverschmutzung, wenn ich nicht gerade meinen Laptop aufgeklappt habe und Blog schreibe), und in kaum zwanzig Minuten werde ich den Kalendertag 31. August 2024 - wie einst den 14. Mai 2022 - am Grenzstein einläuten ...

31. August, 4.44 Uhr
Der Zug hat soeben die Türen geöffnet - um 4.47 Uhr soll es losgehen. Ich Held hatte mir die Abfahrtszeit falsch eingeprägt (4.52 Uhr oder gar 4.57 Uhr), aber zum Glück waren wir recht früh in Bonndorf und dann auch zügig in Neustadt, nachdem ich geduscht hatte.

Um genau 0 Uhr stand ich am italienisch-schweizerischen Grenzstein und begann den Tag der Tage mit einem Fuß in Italien (Land Nr. 1 heute) und einem in der Schweiz (Land Nr. 2 heute). Danach ging es, hopp, hopp, zurück ans Auto (in Italien), und um 0.01 Uhr überquerten wir die Grenze in die Schweiz. Auf angemessen ruhigen Straßen ging es über Chur nach Bendern in Liechtenstein (Einreise um 1.16 Uhr in Land Nr. 3 des heutigen Tages). Dort verfuhren wir uns beim Versuch, eine angeblich gesperrte Straße zu umfahren, aber zum Glück nur ganz leicht, und um 1.29 Uhr waren wir in Österreich (Land Nr. 4 heute) gelandet.

Wie üblich, höhö, fuhren wir in Nofels durchs Wohngebiet und dann wieder in die Schweiz, in der wir um 1.35 Uhr ankamen (den Fuß hatte bis dahin aber in allen fünf Ländern auf dem Boden gehabt, am italienisch-schweizerischen Grenzstein sowie an der liechtensteinisch-österreichischen Grenzplakette). Jetzt ging es über die ziemlich leere Autobahn mit konstant 120 km/h nach Schaffhausen und um 3.08 Uhr in Stühlingen über die Grenze nach Deutschland (Land Nr. 5 heute).

Um 3.22 Uhr waren wir daheim, ich ging duschen, putzte die Zähne und wechselte die Klamotten - und um 3.57 Uhr ging es in Richtung Neustadt. Dort stand ich um 4.32 Uhr am Bahnsteig, die Putzleute waren noch unterwegs, aber dann ging es pünktlich los - wäre beim ersten Zug des Tages auch ein bisschen peinlich gewesen ...

31. August, 6.17 Uhr
Ich will es ja nicht beschreien, aber im Moment sieht es so aus, als ob mein ICE pünktlich oder minimal verspätet in Karlsruhe ankommen sollte, sodass ich den Anschluss nach Kaiserslautern erreichen müsste. Kann das etwa wahr sein - eine pünktliche Bahn, wenn man sie gerade braucht? Würde das womöglich auch für die zweite Bahn-Etappe (von Aachen nach, öhm, Ostdeutschland) gelten? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Eine gute Freundin und eifrige Leserin fragte, ob ich die Tour nicht anstatt an einem Kalendertag in 24 Stunden machen könnte. Abgesehen davon, dass ich gar nicht sicher bin, dass das etwas bringen würde, wäre das eine andere Disziplin. Wieso ich bei den unabhängigen Staaten auf den Kalendertag gegangen bin und bei den Bundesländern damals vor zwei Jahren auf 24 Stunden, weiß ich gar nicht so genau (wahrscheinlich wäre es da mit dem Zug wirklich nicht an einem Kalendertag gegangen, oder es lag an der damaligen Spontaneität), vielleicht liegt es daran, dass das in meiner Länderliste einfach "schöner" aussieht, wenn alle Länder am gleichen Tag besucht worden sind ...

Apropos Disziplinen: Ich habe eine neue Disziplinenklasse erfunden - x Länder in möglichst kurzer Zeit. Den Rekord für fünf Länder habe ich heute wohl unterboten - bisher müsste er (von 2022) bei 3 Stunden, 16 Minuten gestanden haben - seit heute liegt er bei 3 Stunden, 8 Minuten und umfasst damals wie heute Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Deutschland. Das könnte man sicher noch optimieren, indem man von Liechtenstein aus durch Österreich direkt nach Lindau fährt, aber die Story schreiben wir an einem anderen Tag ...

31. August, 7.52 Uhr
Es könnte sein, dass ich - man halte sich fest - nach drei Zugrelationen praktisch pünktlich (!) an meinem Ziel ankomme. Wir fahren gerade in Neustadt an der Weinstraße weg, eben habe ich das Hambacher Schloss zum ersten Mal mit Verstand gesehen, in einer guten halben Stunde bin ich planmäßig in Kaiserslautern.

Madame Oberstreberin ist, ausweislich ihres Live-Standorts, natürlich schon in Kaiserslautern, ich hoffe nur, die bekommt auf dem Kurzfristparkplatz am Bahnhof keinen Strafzettel, wenn sie da so ewig steht ...

Gleich geht's lohos - mal gucken, ob ich im Auto mal kurz ein Fragment von mir gebe oder ob es erst in Aachen wieder so weit ist, aber im Moment sind wir auf Kurs, Madame, der Zug und ich ...

31. August, 12.49 Uhr
Juchhe - nach einem ziemlichen Schweinsgalopp sitze ich jetzt im (frühen) Zug, der mir die Option lässt, Polen und Tschechien zu besuchen ... Ich müsste zwar vier- oder fünfmal umsteigen, aber dann hätte ich wenigstens den Rekord auf elf geschraubt - und in Hannover komme ich ohnehin erst am Sonntag Vormittag an, egal, was ich fabriziere ... Entschieden ist noch nichts, aber die Option besteht - ich bin selbst gespannt, wie das ausgeht ...

Ich war vorfristig in Kaiserslautern - zum zweiten Mal in wenigen Tagen, unglaublich! Ich traf meine liebenswerte Chauffeurin auf Anhieb, und danach wir das Kofferraumschloss besiegt und getankt hatten, ging es auf große Tour.

Irgendjemand (womöglich eine bestimmte Frau Mutt..., äh, eine unbekannte Person) hatte in ihrer unnachahmlichen Art während des Fallenlassens des Handys heute Morgen die Funktion eingestellt, die Autobahnen vermeiden sollte. Nachdem ich das gemerkt und behoben hatte, passte die angezeigte Fahrtzeit bis Frankreich dann auch.

Um 9.36 Uhr überfuhren wir auf hoher Brücke die Mosel, waren kurz im deutsch-luxemburgischen Kondominium, aber dann auf eindeutig luxemburgischem Gebiet - Land Nr. 6 am heutigen Tag war erreicht.

Wenige Minuten später fuhren wir von der Autobahn, bogen nach Frankreich ab, drehten vor der (französischen) Kirche und parkten kurz in Frankreich, um den Grenzstein zu beglotzen. Nach getaner Arbeit - Aufenthalt in Frankreich, Land Nr. 7, von 9.46 Uhr bis 9.49 Uhr, ging es zurück auf die luxemburgische Autobahn. Wir fuhren - Google sei Dank - ein bisschen Zickzack, kamen aber um 10.13 Uhr in Belgien an. Land Nr. 8 heute war damit auch gebongt.

Zeitweise war die belgische Autobahn gähnend leer, aber kurz vor dem Zwischenziel Niederlande verschworen sich alle Belgier gegen uns: Gefühlt alle Autobahnen wurden einspurig mit entsprechender Staubildung und die Landstraße in Richtung Vaals war auch gesperrt.

Also fuhren wir durch das sehr schöne Städtchen Theux durch und erwischten auf Schleichwegen wieder den Anschluss an unser Ziel.

Nina verpasste die belgisch-niederländische Grenze, sodass wir schon in den Niederlanden drehen mussten und kurz einen Feldweg okkupierten. Ich machte ein Foto vom Grenzstein, dann ging es - nach abermaligem Drehen aufgrund Drehwurms - endgültig in die Niederlande hinein (12.27 Uhr).

Mit dem Land Nr. 9 ist der Rekord von 2022 schon einmal eingestellt - juchhe!

Um 12.34 Uhr waren wir in Aachen und mithin in Deutschland - um 12.44 Uhr warf Nina mich am Hauptbahnhof raus und machte sich auf die Heimfahrt nach Wiesbaden. Vielen, vielen, vielen Dank für die wunderbare Fahrt, liebe Nina! Am Ende wurde es aufgrund der Sperrung ein wenig hektisch, aber das hat angesichts der Umstände perfekt geklappt!

Jetzt im Moment ist der Plan der folgende: Umsteigen in Köln Hbf, Frankfurt (Main) Hbf, Dresden Hbf und Görlitz, Heraushüpfen aus dem Zug in Krzewina Zgorzelecka (Polen) um 22.37 Uhr, Ankunft in Zittau um 22.55 Uhr und dann entweder Taxi oder Wandersprint nach Tschechien, um definitiv vor Mitternacht in Tschechien zu landen ...

Mal gucken, wann der Mann mit dem Hammer kommt, im Moment fühle ich mich ziemlich fit, aber das wird sich voraussichtlich noch ändern. Und außerdem muss alles passen - im Moment habe ich aufgrund Verspätung in Frankfurt neun Minuten zum Umsteigen, das würde noch fast sicher reichen, aber das Verspätungsmanagement der Deutschen Bahn erweist sich ja regelmäßig als hochagil ...

Ich werde berichten - und irgendwann auch mal Fotos einbauen ...

31. August, 15.35 Uhr
Den ursprünglichen Anschluss in Frankfurt (Main) habe ich natürlich nicht geschafft, weil wir zur schon bestehenden Verspätung noch eifrig zusätzliche aufgebaut haben - und zu allem Überfluss der Anschlusszug in Frankfurt eingesetzt wurde, also pünktlich losfuhr.

Ich habe jetzt aber einen um mehr als eine Stunde verspäteten ICE erwischt, bei dem ich in Leipzig und Cottbus nach Zittau umsteigen könnte. Allerdings hätte ich in Cottbus nur acht Minuten zum Umsteigen - und ich muss eine Entscheidung hinsichtlich des Umsteigens ja schon in Leipzig treffen (wo ich mehr als genug Zeit zum Umsteigen habe) ... (Denn von Cottbus käme ich dann heute nicht mehr nach Frankfurt/Oder - Mist isses!)

Naja, notfalls nehme ich den letzten Zug von Cottbus nach Görlitz und wandere vom dortigen Bahnhof nach Polen hinüber ... Das wäre dann die zeitlich knappste Variante und ergäbe auch nur zehn Länder, aber wenigstens würde ich nicht wie der Esel enden, der sich nicht zwischen den beiden gleich schönen Heuhaufen entscheiden kann und am Ende verhungert.

Im Moment tendiere ich also dazu, in Leipzig umzusteigen und in Cottbus zu hoffen, den Anschluss zu erwischen - dann hätte ich noch eine reelle Chance auf die elf Länder, aber es müsste dann schon mit dem Teufel zugehen, wenn ich nicht zumindest die Zehn-Länder-Marke erwischen würde. Aber der Teufel fährt bekanntlich mit der Deutschen Bahn - noch habe ich drei Stunden Zeit zum Abwägen (oder zum Schlafen ...).

31. August, 19.08 Uhr
So, jetzt gehe ich ins Risiko - ich sitze im Regionalexpress nach Cottbus und hoffe, dass der pünktlich abfährt und - vor allem - pünktlich ankommt, damit ich meinen Anschluss nach Zittau erwische. In dem Falle würde ich unterwegs in Krzewina Zgorzelecka in Polen kurz aus- und wieder einsteigen und idealerweise in Zittau dann in die Bahn nach Ebersbach/Sachsen einsteigen.

In Ebersbach - so der Plan - ginge es dann nach Tschechien. Nach einer kurzen Jubelfeier würde dann eine kleine Wanderung durch Tschechien nach Neugersdorf folgen, weil es in der Nähe des dortigen Bahnhofs gleich zwei Spreequellen gibt. Irgendwie so würde ich die gut fünf Stunden verbringen, bis um 5.18 Uhr dann die erste Bahn führe, die mich dann mit Umsteigen in - ich glaube, Dresden und Berlin - zurück nach Hannover bringen würde.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, und jetzt sollten wir so langsam losfahren. Klappt das? Na gut, etwas weniger als 30 Sekunden lasse ich gelten. Ándale!

31. August, 20.46 Uhr
Hochspannung, meine Damen und Herren, Hochspannung! Der Anschluss in Cottbus wird eng - die Hoffnung stirbt, wie man weiß, zuletzt, und noch bin ich zuversichtlich - Daumen drücken!

31. August, 21.07 Uhr
Polsko, nadchodzę - das heißt, auf Polnisch, "Polen, ich komme" ... Ich sitze im Zug nach Zittau, der Regionalexpress hat zwischen Finsterwalde und Cottbus noch ein paar Minuten aufgeholt, sodass der Anschluss dann doch recht unproblematisch zu erreichen war.

Zwischendurch war aus heiterem Himmel eine zehnminütige Verspätung angezeigt gewesen, die hatte sich dann genauso schnell wieder in Luft aufgelöst, aber die Zugteilung klappte nicht ganz so wie gewünscht, sodass ich zeitweise nur eine Minute zum Umsteigen gehabt hätte ...

Jetzt ist aber alles gut - wir halten jetzt an jeder Milchkanne und dann in Görlitz, und danach geht es über die Neiße nach Polen.

Ich will ja jedes Land zumindest mal betreten, also werde ich in Polen in bekannter Manier aus dem Zug hüpfen und schnell wieder reinhüpfen (und dieses Mal hoffentlich nicht dabei stolpern!).

Ich fühle mich mindestens angetrunken, dabei bin ich stocknüchtern, ich habe nicht einmal ein Feierbier eingekauft, wenn es tatsächlich mit den elf Ländern klappt, aber irgendwo wird mir bei der geplanten Wanderung vielleicht eine geöffnete Tankstelle begegnen ...

31. August, 23.01 Uhr
Alles, was jetzt kommt, ist Kür!

Um 22.35 Uhr war der Zug auf polnischem Territorium, um 22.38 Uhr hatte ich meine Gräten auf polnischem Boden (und eine Sekunde später wieder im Zug, fettes Grinsen, einerseits vor Glück, andererseits vor lauter Peinlichkeit ob dieser besonders verrückten Aktion) - Land Nr. 10 und damit die neue persönliche Bestleistung ist gefallen, und ich habe noch 59 Minuten!

Ich sitze jetzt im (leicht) verspäteten Zug in Richtung Dresden-Neustadt, werde aber in Ebersbach/Sachsen aussteigen und etwa zehn Minuten bis zur tschechischen Grenze gehen - und dann, liebe Leserinnen und Leser, werde ich bei ungefähr zwanzig verbleibenden Minuten an diesem wunderbaren Tag elf verschiedene Staaten an einem einzigen Kalendertag besucht haben!

31. August, 23.43 Uhr
Es ist vollbracht!

Vor sieben Minuten habe ich die deutsch-tschechische Grenze überquert, nachdem ich in Ebersbach ausgestiegen und die paar Schritte zur Grenze gelaufen war, unter dem Gebell eines Hundes, der mich schon im Juli, als ich zuletzt hier in Ebersbach war, angebellt hatte ...

Elf Länder - Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Polen und Tschechien - an einem einzigen Kalendertag - halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt, aber das hat mir heute richtig, richtig, richtig Spaß gemacht ...

Die Fahrt mit meiner Ma hoch über den Splügenpass, das leckere Abendessen, die unglaublicherweise praktisch komplett pünktliche Zugfahrt nach Kaiserslautern, die Stunden mit Nina im Auto, die an längst vergangene Tage im Sherry erinnert haben, das war wunderbar! Die weniger pünktlichen und deutlich nervenaufreibenderen Zugfahrten der vierten Etappe heute Nachmittag, die sind jetzt vergessen, denn ich habe mein Ziel erreicht - alles ist gut, alles ist bestens.

Halleluja!

Jetzt erhole ich mich erstmal hier auf einem Bänkchen in Ebersbach und dann spaziere ich ein bisschen in Richtung der Spreequellen, damit ich morgen früh dann ganz gemütlich um 5.18 Uhr (oder so) die Bahn nach Dresden nehmen kann ...

Donnerstag, 29. August 2024

33 Minuten zu früh

... war ich am vergangenen Samstagabend am Stuttgarter Hauptbahnhof, der Schaffner der Deutschen Bahn war selbst völlig ungläubig.

Die Anreise nach Hannover am Vorabend (Freitag) war einigermaßen glimpflich verlaufen, auch wenn ich meine Ma bitten musste, mich nach Rottweil zu bringen, weil die Baustelle zwischen Rastatt und Baden-Baden für mindestens eineinhalb Stunden Verzögerung gesorgt hätte. In Stuttgart hatte ich dadurch ewig Zeit zum Umsteigen, die ich nutzte, um in einem Biergarten im Schlossgarten ein Bier zu trinken.

Das Pfandsystem dort ist katastrophal - normalerweise kannst du, wenn du ein zweites Bier bestellst, das Glas an der Ausgabestelle abgeben. Das ging dort nicht, sondern ich musste gefühlt 150 Meter laufen, um das Ding abzugeben. Danach musste ich mich neu anstellen, wurde wieder weggeschickt und machte dann meinen Unmut mehr als deutlich - so ein Saftladen, unfassbar.

Nun denn, ich fuhr dann von Stuttgart nach Hannover durch und war nach Mitternacht in meiner Bude. Das Aufstehen am nächsten Morgen war entsprechend schwierig, aber ich erwischte die Stadtbahn und auch den ICE, auch wenn ich mich besser in den leereren Zugteil gesetzt hätte, weil ich mich sowieso entschied, schon in Hamm in die Regionalbahn umzusteigen. Das war eine meiner klügeren Ideen, denn so hatte ich in der Bahn, die auf Düsseldorf und dann auch noch einmal auf Venlo zu voller wurde, immer meinen wunderbaren Sitzplatz ...

In Venlo kam ich pünktlich an, traf meinen Kumpel aus Budapester Zeiten, wir landeten wieder im De Klep, tranken lecker Bierchen, und um 17 Uhr ging ich zur Bahn, um über Düsseldorf in Richtung Schwarzwald zu fahren. Ich nahm einen früheren Zug, der eine Minute früher als mein ursprünglich angepeilter Zug in Stuttgart hätte ankommen sollen, zwischendurch sah das eher weniger gut aus, aber am Ende kamen wir wohl deutlich schneller als gedacht durch eine Baustelle und waren also viel zu früh in Stuttgart.

Die Anschlüsse nach Rottweil und Villingen klappten auch, und so war ich um halb eins im Auto meiner Ma und um halb zwei im Bett, sodass ich am Sonntag ganz gemütlich ausschlafen konnte.

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Am 15. August, ja, ich weiß, ist schon ein bisschen her, war ich in Hamburg zum Fischbrötchenessen und kam da mit einem französischen Pärchen ins, naja, "Gespräch" ist zu viel gesagt, weil deren Deutsch nicht wesentlich besser als mein Französisch war, aber fast hätte ich den beiden ein Bier spendiert (ja, jeweils eins!), als Dankeschön für die wunderbare Stimmung bei den Olympischen Spielen in Paris ... Die beiden waren aber im Aufbruch, sodass ich mich dann auch schnell zum Aufbruch entschied und noch den früheren Zug nach Hannover erwischte - war eine kurze Stippvisite in Hamburg ...

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Am Montag der vergangenen Woche war ich mit meiner Ma noch kurz am Wiizemersteg, weil a) ich der Deutschen Bahn nicht traute, dass ich wirklich am Samstag in die Niederlande käme und b) sie zum Penny wollte. Das machten wir, und so hatte ich auf alle Fälle genug Puffer, um die Zwei-Wochen-Serie in jedem Fall am Laufen zu halten, selbst wenn ich die Reise in die Niederlande wieder hätte abbrechen müssen ...

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So, und morgen geht es dann am frühen Abend in Richtung Splügenpass. Ich wollte in Montespluga einen Tisch reservieren, das scheint nicht geklappt zu haben, gucken wir mal, ob wir da irgendwo etwas zu essen bekommen ...

Um Mitternacht jedenfalls es über die italienisch-schweizerische Grenze, dann durch die Schweiz mit kurzem Abstecher nach Liechtenstein und Österreich in den Schwarzwald gehen. Wenn ich genug Zeit habe, dusche ich noch, bevor ich mit dem Zug nach Kaiserslautern aufbreche.

Dort sammelt mich eine Ex-Kollegin ein, die ihre erste große Ausfahrt mit ihrem neuen Autochen nach Luxemburg, Frankreich, Belgien und die Niederlande macht, bevor sie mich in Aachen aus dem Auto wirft.

Je nach Zeit und Lust und Laune entscheide ich mich, ob ich direkt nach Berlin und von da nach Frankfurt/Oder fahre, um in Słubice mit Polen als zehntem Land an dem Kalendertag einen neuen Rekord einzustellen - oder ob ich gleich versuche, elf Länder zu besuchen, aber das würde zugtechnisch eng werden, und außerdem müsste ich dann in Zittau oder Ebersbach fünf bis sechs Stunden herumbringen - da weiß ich nicht, ob ich das dann noch will ...

Ich werde jedenfalls berichten, auch hier im Blog, spätestens, wenn ich dann am Sonntag wieder in Hannover eingetrudelt bin, denn dort verbringe ich die nächste Woche, ehe es zum Fußball in Düsseldorf geht und danach wieder in den Schwarzwald.

Mittwoch, 14. August 2024

Angefixt vom Handball

... bin ich offenbar ein bisschen, denn ich habe gestern eine Karte für die zweite Handball-WM in Folge gebucht. Die WM der Männer findet 2025 in Norwegen, Dänemark und Kroatien statt, und da praktischerweise schon ausgelost ist, wer wo spielt, muss ich nur nach Dänemark fahren, um (hoffentlich) ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

Der Spielplan ist - das Turnier ist in der zweiten Januarhälfte - ein wenig unpraktisch für mich, weil ich da noch besonders intensiv arbeiten muss und nicht einfach mal so einen Tag freinehmen kann. Ich riskiere daher jetzt ein bisschen was, um am einzigen Samstag, an dem ein Deutschland-Spiel stattfinden müsste, zu erwischen, denn ich habe ein Hauptrundenspiel gebucht.

Nun gibt es vor der Hauptrunde eine Vorrunde, aber aus der kommen drei von vier Mannschaften weiter, und ich bin einigermaßen zuversichtlich, dass die Silbermedaillengewinner von Olympia nicht gegen Tschechien, Polen und die Schweiz verlieren. Die drei Mannschaften aus der Gruppe A landen dann - zusammen mit den drei besten Teams der dänischen Gruppe - in der Hauptrundengruppe I, und die spielt am 25. Januar ihren letzten Spieltag aus, bevor es dann in die K.o.-Runde geht.

Die Chance besteht also, dass es an dem Tag noch um etwas geht, und das ist ja dann doch immer recht spannend ...

Am Freitag Abend fahre ich von Hannover nach Flensburg, dann ist schon einmal ungefähr der halbe Weg geschafft, dort übernachte ich und fahre dann am Samstagmorgen - voraussichtlich mit dem Zug - nach Herning. Eine Unterkunft dort habe ich auch schon gebucht, mit einer sehr freundlichen (und wahnsinnig schnell auf meine Anfrage antwortenden) Vermieterin. Vom Bahnhof zur Unterkunft und von der Unterkunft zur Halle kann ich zu Fuß laufen (und das am Tag, jedenfalls hin!), das hört sich auch gut an.

Noch nicht ganz sicher bin ich, dass es sich um Tageskarten handelt, aber es kann eigentlich gar nicht anders sein (sonst hätte das besser beschrieben sein müssen), und die Tatsache, dass ich den letzten freien Sitzplatz (!) bekommen habe, spricht auch eher dafür, dass Dänemark an dem Tag spielt - für knapp 110 Euro würde ich dann drei Spiele sehen, das finde ich - gerade nach den 243 Euro für ein Olympia-Halbfinale - dann fast angenehm ...

Ob ich dann am 26. Januar, dem Sonntag, in den Schwarzwald durchstarte, entscheide ich möglicherweise sogar spontan, da gucken wir mal, und zwar auch abhängig davon, wie das Wetter ist, weil ich doch erst nachts im Schwarzwald ankäme.

Nach der WM 2023 in Kattowitz (Vorrunde) wird das also meine zweite WM in Folge und überhaupt, da freue ich mich jetzt schon drauf, zumal das die erste fest gebuchte Auslandsreise für 2025 ist. Ist ja schließlich schon August, da wird es so langsam Zeit ...

Samstag, 10. August 2024

Ein Wolff und (womöglich) ein Wildschwein

... sind mir in den letzten 24 Stunden begegnet, und bei Andreas (Andy) Wolff ist das zweite "f" kein Tippfehler, sondern der Hexer heißt halt so. Das Wildschwein, das mich angegrunzt hat (jedenfalls klang es so), begegnete mir bei meiner Wanderung durch die belgische Nacht zwischen Welkenraedt (Welkenrath) und Kelmis, aber dazu gleich mehr ...

Die Zugfahrten auf dieser Olympia-Reise standen unter keinem guten Stern; es hätte alles so einfach sein können, bis Mannheim war es das auch (abgesehen davon, dass ich das Hockey-Finale aufgrund des absolut beschissenen WLANs der Deutschen Bahn und der absolut beschissenen Netzqualität in Deutschland nur mit einem Stream schauen konnte, der nach drei Sekunden für dreißig Sekunden oder mehr neu bufferte), ach, was sag ich, bis kurz vor Bonn klappte alles recht gut. Ja, der Zug hatte schon ein bisschen Verspätung aufgeladen, aber das ist ja Standard für die Bahn.

Kurz vor Bonn verbesserte (?!) die Bahn aber erneut ihren haushohen Rekord im Vogelabschießen. Erst sagte die Zugchefin, die sich wahnsinnig lustig vorkam, durch, dass die Baustelle am Bonner Hauptbahnhof "überraschend" gekommen sei und man daher in Bonn-Beuel halten würde. Soweit, so schlecht, aber machbar ... Das viel größere Problem war, dass wir kurz vor der nordrhein-westfälischen Grenze stehenbleiben mussten, weil der sog. Fahrplan fehlte, also die Genehmigung für den Zug, über Bonn-Beuel anstatt über den Hauptbahnhof zu fahren. Wir standen geschlagene eineinhalb Stunden auf dem Fleck, bis dieses bekloppte Dokument vorlag und wird weiterfahren konnten. Unfassbar, selbst für einen leidgeprüften Bahnfahrer, unfassbar ... Am Ende kam ich statt gegen Mitternacht um 2.30 Uhr in Duisburg an. Die Kappe Schlaf, die ich mir holen wollte, würde kleiner ausfallen, ich dachte noch, dass ich da ja fast nach Hannover hätte fahren können, da hätte ich nicht viel weniger geschlafen. Nun denn, ich checkte einigermaßen zügig beim Nachtportier ein, verrichtete die notwendigsten Dinge im Bad und versuchte dann weniger erfolgreich, schnell einzuschlafen.

Der Wecker rappelte um 7 Uhr, ich kam von ganz weit her, war aber wach, ging mich in der sehr akzeptablen Dusche in einem sehr akzeptablen Zimmer frischmachen und checkte aus, nicht ohne den Großteil meines Gepäcks im Hotel abzugeben, nachdem ich ausdrücklich gesagt hatte, dass ich die Sachen erst heute Morgen abholen würde. Das war alles kein Problem, also machte ich mich auf nach Köln, um dort meinen ICE International nach Brüssel zu erwischen.

Das klappte pünktlich (!), war aber kein großes Wunder, denn mein Beförderer hieß nicht Deutsche Bahn, sondern National Express, großes Lob!

Es stellte sich heraus, dass ich alles richtig gemacht hatte, denn mein Zug, den ich in Hannover nehmen wollte (und der innerhalb von drei Stunden einzige) hatte dermaßen Verspätung, dass ich meinen Anschluss in Köln verpasst hätte. So wanderte ich gemütlich von meinem National Express zum ICE, bestieg denselben - und wir fuhren pünktlich ab!!!

Ich wollte der Bahn schon fast zu dieser Meisterleistung gratulieren, als wir geschätzt 300 Meter hinter dem Kölner Hauptbahnhof erstmal zehn Minuten standen - die Verspätung wurde bis Brüssel noch ausgebaut, Bahn eben ...

Der Zug war nicht so gerammelt voll, sodass ich nach zweimaligem Umziehen wieder auf meinem Platz, aber diesmal ohne Nebenfrau, zum Sitzen kam. Die Fahrt war ganz entspannt, und in Brüssel fand ich das TGV-Gleis problemlos. Dort ging die Chose aber los, denn die falschen Wagenstandsanzeigen hat die Deutsche Bahn durchaus nicht exklusiv. Der TGV fuhr in umgekehrter Wagenreihenfolge, was zu ziemlichem Kuddelmuddel am Bahnsteig führte.

Am Ende hatte ich meinen Sitz, gab den bis Lille nicht wieder her, in Lille stieg der halbe Zug aus (mindestens), und ich entschied mich, vom Bahnhof Lille Europe zum Bahnhof Lille Flanders zu wandern. Von dort fuhr ich mit der Metro (ich hatte eine Chipkarte mit zwei Fahrkarten erworben) in Richtung Stadion.

Den fünfzehnminütigen Fußweg überstand ich gut, es gab Essen und Trinken und Straßenkünstler und Fanbemalungen, und direkt am Stadion gab es eine ganze Fress- und Saufgass mit ganz unterschiedlichem Bier- und Snackangebot. Ja, das Bier kostete 8 Euro (der halbe Liter), aber es gab nicht nur laffes französisches "Pils", sondern auch durchaus etliche Craft Beers, mein zweites Bier war ein Kirschbier, das sehr lecker, aber mit 7,5 % auch sehr alkoholhaltig war, sodass ich nach dem Genuss (wirklich!) einer riesigen (wirklich!) und leckeren (!) Portion Pommes für gerade einmal fünf Euro dann in Richtung Stadion ging.

An der Sicherheitskontrolle wurde mir mein Deo abgenommen, weil ja alle Woche mindestens zwei Vorfälle in den Medien sind, dass böse Attentäter mit Deo und Feuerzeug ganze Stadionblocks abfackeln. Die Franzosen waren bisher so entspannt bei Olympia, das war jetzt sehr schade, dass dieser sehr positive Eindruck ein bisschen geschmälert wurde - und für meine Reisegenossen versprach das auch unangenehm zu werden (Spoiler: Ich kaufte mir dann nach dem Spiel in Lille noch ein Deo, alles bestens ...).

Ein bisschen geladen ging ich ins Stadion (das ist ja wirklich das Fußballstadion in Lille, sodass ich nicht von "Halle" schreiben will), aber als ich meinen Platz sah, war ich fast noch angespannter: Ich saß dem Zeitnehmer fast auf dem Schoß und direkt hinter dem Technischen Kommissar (oder wie der heißt, der stand mir bei manchem Anwurf in der Sicht) - ein grandioser Platz, ein Sprung, und ich wäre auf der Platte gewesen (und dann von den Ordner umgetacklet worden ...), obwohl ich mit einem Platz etwas höher gerechnet hatte ...

Vor dem Spiel kam der offizielle Zeugwart und jemand fragte ihn, ob er ein Foto mit dem Spielball machen dürfte. Durfte er, und die Gelegenheit ließ selbst ich mir nicht entgehen - da gibt es nun also Bildmaterial eines Honigkuchenpferdes mit offiziellem Halbfinal-Ball - juchhe!

Als die deutschen Spieler ins Stadion kamen, wurden sie erst einmal ausgepfiffen (wegen des deutschen Sieges gegen Frankreich im Viertelfinale), und ich dachte, das könne ja heiter werden (ich fand das aber auch total geil, und die Spieler vermutlich auch, mit der Aussicht, gegen die ganze Halle zu spielen). Am Ende waren die Franzosen aber vor allem an einem guten Spiel interessiert, und das lieferten die beiden Mannschaften.

Ich saß in einem kleinen deutschen Block, zwischen einem Franzosen mit Gesamtgesichtsbemalung in deutschen Farben (sein Vater war entsprechend Spanien zugetan) und einem Deutschen, der die letzten zwei Wochen in Paris verbracht und sich angeguckt hat, was ging ...

Ja, Freunde, es war grandios, es wurde geklatscht, es wurde gejubelt, es wurde gepfiffen und gebuht (ich buhte gerade einen spanischen Angriff aus, als sich eine Französin schräg vor mich umdrehte, mich angrinste, ich grinste zurück, und danach guckten wir uns immer wieder mal belustigt an ...) - und beim dem Wembley-Tor in Lille wurde meinerseits dem Schiedsrichterpaar vor uns (keine fünf Meter entfernt) mit fester Stimme zugerufen, dass das ein "obvious goal", ein offensichtliches Tor war. Konnte ich natürlich überhaupt nicht sehen, aber versuchen kann man es ja mal ... (Und "Je ne regrette rien" wurde natürlich auch wieder gesungen - nach dem zwei Bier sang ich sogar die französischen Untertitel mit - ich glaube, zur Belustigung der Franzosen um mich herum ...) 

Leute, so'n Handballspiel, gerade eines, das knapp ist und in dem es um was geht, das ist nix für mich alten Mann. Ich war nach dem Sieg, der irgendwie ein bisschen antiklimaktisch kam (es wurde nicht einmal "Finale, oho" angestimmt, weil es zunächst zu knapp war und danach alle fertig waren ...), weil die Spanier den Ball nicht ins Spiel kriegten in den letzten Sekunden, völlig ausgelaugt - Andreas Wolff wurde natürlich lautstark bejubelt (mehrere Kollegen schrieben mir "Jawolff" ...), und dann wurden wir relativ zügig aus der Halle gekehrt, klar, das zweite Halbfinale stand an ... 

Völlig erschöpft lief ich zurück zur U-Bahn-Station, meine zweite Fahrt wurde aus unerfindlichen Gründen nicht erkannt, aber da das Englisch des Kontrolleurs nicht so gut war, sagte er zügig, "c'est bon", und ich durfte durch - keine Ahnung, was da los war, denn ich hatte tatsächlich zwei Karten gekauft und war nur einmal durch die Kontrolle durchgelaufen ...

Es ging zurück nach Lille Flandres, von dort lief ich wieder zum Bahnhof Lille Europe, kaufte noch Cola und Deo ein und setzte mich dann in den Wartebereich (mit Strom, denn das war gestern meine Hauptsorge, dass mir irgendwann der Strom ausgeht für mein Handy, auf dem alle Fahrkarten draufwaren).

Der Zug aus Straßburg kam pünktlich, wir stiegen alle ein (Wagenstandsanzeige wieder Mist), aber dann ging eine geschlagene Stunde ... nix voran. Auf Französisch wurde ein Grund erläutert (wahrscheinlich fehlte auch hier der Fahrplan ...), aber das verstand ich nicht wirklich, und mit einer Dreiviertelstunde Verspätung fuhr der TGV los.

Mein Umstieg in Brüssel würde jetzt seeehr knapp werden, also rannte ich denen nach Amsterdam hinterher, spurtete die Rolltreppe hoch ... und sah meinen Zug nach Lüttich noch abfahren - der hatte nämlich nicht gewartet, im Gegensatz zum (früheren) Zug nach Amsterdam. So ein Mist!

Das Problem war nicht, nach Lüttich zu kommen, das Problem war, von dort nach Herzogenrath in Deutschland zu kommen, um von da über Duisburg in Richtung Hannover aufzubrechen.

Der Typ von der belgischen Eisenbahngesellschaft war maximal unhilfreich, meinte, dass die Verspätung des TGV nicht ihr Problem sein (war es natürlich doch, weil ich die Fahrkarte durchgehend bei der SNCB gebucht hatte) und dass ich mich an die Kollegen in Lüttich wenden solle, wenn ich dort mit dem Zug eine Stunde später ankäme.

Ich fluchte hörbar, weil ich schon - richtig - vermutete, dass ich in Lüttich niemanden mehr antreffen würde, aber ich überlegte mir auf der Fahrt (natürlich kommt genau dann kein Schaffner, wenn man einen braucht) einen Plan A und dann einen Plan B: Plan A war, bis Welkenraedt, der Endstation des Zuges nach Lüttich, durchzufahren und dann ein Taxi nach Aachen zu nehmen. Plan B war so ähnlich, nur fiel mir ein, dass es im Aachener Verkehrsverbund ja Nachtbusse nach Kelmis, keine zehn Kilometer von Welkenraedt entfernt, gab, die ich mit dem Deutschlandticket bzw. der Bahncard 100 nutzen konnte.

In Lüttich kaufte ich mir noch ein Ticket bis nach Welkenraedt (normalerweise wäre ich von Lüttich über Maastricht nach Herzogenrath gefahren, andere Strecke also) und versuchte dann, dort ein Taxi zu kriegen. Das erste Unternehmen ging ran und legte gleich wieder auf, das zweite hatte eine Tonbandansage, ich versuchte Geld abzuheben, aber die Geldautomaten sind in nachts verschlossenen Vorräumen (völlig beknackt, aber wahrscheinlich haben die niederländischen Geldautomatensprenger in Belgien auch ihr Unwesen betrieben), der erste Taxifahrer, der nochmal dran ging, wollte Bargeld und 20 Euro würden nicht reichen, aber ich vermute, dass er auch dann eine Ausrede gefunden hätte, wenn ich 50 Euro dabeigehabt hätte ...

Nun stand ich da in Welkenraedt, sieben Kilometer von der rettenden Nachtbushaltestelle entfernt - den Nachtbus um 2.03 Uhr würde ich nicht kriegen, aber wenn ich zügig wandern würde, bekäme ich den um 3.03 Uhr womöglich noch. Also, auf, auf, Kameraden, ich lief des Nachts durch (kleine) Wälder und an Feldern vorbei, Taschenlampe am Handy im Anschlag, Google Maps auf dem anderen Handy (das Datennetz in Belgien ist übrigens noch beschissener als in Deutschland, furchtbar - und sorry für das sehr deutliche Deutsch heute ...). Unterwegs grunzte und quietschte es im Busch, ich habe eben mit meiner Ma eruiert, dass das eine Bache (eine Wildsau, Biologie 1, weißte Bescheid!) mit Frischlingen gewesen sein könnte, da hatte ich womöglich Glück, dass das Vieh nicht auf mich losging - ich nahm Reißaus und lief noch ein bisschen schneller. Ich rechnete hoch, meinte, es müsse reichen, und als ich um zwölf vor drei auf die Hauptstraße einbog, wurde ich sicherer, dass ich den Bus erwische. Tatsächlich stand ich fast zehn Minuten vor Abfahrt an der Bushaltestelle, der Bus kam pünktlich, wir überfuhren die belgisch-deutsche Grenze und ich sah, dass es, wenn ich am Alten Posthof ausstiege und sehr zügig zum Hauptbahnhof laufen würde, vielleicht noch die S-Bahn erwische würde, mit deren Hilfe ich insgesamt eine knappe Stunde früher in Hannover sein würde.

Es war ein wahrer Hindernisparcours, eine steile Treppe hoch, aber ich war eine Minute vor Abfahrt der S-Bahn (geschwitzt hatte ich auf der Wanderung schon, da war das zusätzliche Schwitzen vom schnellen Aachener Stadtlauf auch wurscht) und glücklich. Ein ziemlich zerstörter Betrunkener, der sein Handy verloren hatte, wurde von den Ticketkontrolleuren aufgeschrieben, direkt mir gegenüber, ich stieg in Köln-Deutz um (unglaublich, was da um halb fünf am Samstag schon los ist!) und landete ziemlich pünktlich in Duisburg.

Beim Nachtportier, bei dem ich am frühen Freitagmorgen eingecheckt hatte, holte ich mein Gepäck ab, begab mich wieder zum Hauptbahnhof und stieg in den leeren ICE nach Berlin ein. Ich pennte unterwegs mal ein, wurde vom Schaffner zwecks Fahrkartenkontrolle geweckt, blieb dann wach, fuhr mit der Stadtbahn in meine Bude und ging nach Zähneputzen (es war so eklig) ungeduscht (auch eklig, aber wurscht) ins Bett.

Ich schlief eineinhalb Stunden, dann ging ich duschen und bin jetzt auf dem Weg nach Wiesbaden, um mich mit zwei Ex-Kolleginnen beim Weinfest zu treffen - da freue ich mich schon richtig drauf.

Das war ein chaotisches Wochenende, aber ein sportlich sehr erfolgreiches (sowohl für die deutsche Handballnationalmannschaft als auch für mich, mit acht Kilometern Speed-Wandern), es hat ganz großen Spaß gemacht in Lille, die Deutsche Bahn ist Mist, aber die anderen Eisenbahnen sind es auch, ich habe es überlebt, und heute Abend komme ich hoffentlich noch gut nach Hannover, auch wenn die vorläufige Reiseplanung schon wieder verspricht, interessant zu werden (mit Aussteigen an der Messe und Straßenbahnfahrt in die Stadt ...).

Ich freue mich sehr auf einen Gammelsonntag morgen, ich werde mir den Wecker auf 13 Uhr für das Handballfinale stellen und den Sonntag im Schlafanzug bleiben, glaube ich ... 

Fotos so durcheinander wie ich:

Zeitnehmertisch (davor potenzieller Tackle-Ordner)

Alfreð nervös

Finale, oho!

Umsteigen in Köln bei der Anreise

Hymnen

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