Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Mittwoch, 27. Juli 2022

Fast 48 Stunden Warten

 ... auf die Buchungsbestätigung für meine nächste Reise (wenn nicht vorher noch was Spontanes passiert, aber dazu später mehr) musste ich ertragen, denn am Sonntag Morgen hatte ich mich endlich dazu durchgerungen, den (teuren) Flug in die Mongolei für meinen Urlaub zu buchen. Das klappte auch alles ganz gut, ich gab meine Kreditkarteninformationen ein, musste in der App die Abbuchung bestätigen - und bekam dann eine Fehlermeldung, dass mit der Buchung etwas nicht geklappt habe. Öhm ...

Ich schrieb an den Chatdienst von MIAT, der mongolischen Fluggesellschaft, bekam aber auch nach Stunden keinen Antwort, ich schrieb an die E-Mail-Adresse des angeblich rund um die Uhr erreichbaren Callcenters und bekam keine Antwort, und irgendwann am Montag Morgen, als die Mongolen ihre normale Arbeitszeit hinter sich gebracht hatten und auch da nichts geklappt hatte, ließ ich alle Hoffnung fahren, dass das mit der Buchung noch was werden würde, denn die entsprechenden Tarife gab es nicht mehr, und der Flug kostete jetzt 50 % mehr als noch am Sonntag.

Um mein Geld machte ich mir wenig Sorgen, das würde ich mir zurückbuchen lassen, da war meine Kreditkartenbank immer sehr auf Zack, aber schade fand ich es trotzdem ...

Am Dienstag Morgen entstieg ich auf der Arbeit dem Fahrstuhl, schaute noch einmal auf mein Handy - und fand die Buchungsbestätigung vor, fast 48 Stunden nach der Buchung, das ist auch ein neuer (Negativ-)Rekord, aber mir war es egal.

Nun fliege ich also am 27. August nachmittags von Frankfurt mit einem Direktflug nach Ulan Bator (oder Ulaanbaatar, wenn man - wie die Wikipedia - den mongolischen und nicht den russischen Namen verwendet) und komme dort nach zehn Stunden Flug am 28. August morgens (aufgrund der Zeitverschiebung) an.

Ich habe sieben Nächte in Ulan Bator, denn am 4. September geht es um 10 Uhr morgens zurück, und ich lande neuneinhalb Stunden später um 13.30 Uhr deutscher Zeit wieder in Frankfurt. Dann schaue ich, dass ich zügig nach Hannover zurückkomme, denn Freunde kommen am 4. September zu Besuch, denen zeige ich am 5. September, dem Montag, auch noch das bisschen von der Stadt, das ich kenne, denn an dem Tag habe ich noch Urlaub.

Was genau ich in diesen sieben Tagen mache, werde ich noch ausbaldowern, aber da sowohl mein Mongolisch als auch mein Russisch eher nicht so fantastisch sind, werde ich wahrscheinlich - neben ein paar Tagen in Ulan Bator - eine drei-, vier- oder fünftägige geführte Rundreise, mitsamt Jeepfahrt und Übernachtung in Jurten, machen, die Preise sind nicht ganz so brutal wie befürchtet ...

Die Mongolei wird also mein 147. Land und das vierte neue dieses Jahr, nach dem Dominikanischen Republik, den Seychellen und Jamaika, und wahrscheinlich wird dann auch kein neues mehr hinzukommen im Jahr 2022. Die 150 mache ich dann hoffentlich nächstes Jahr voll, aber erst einmal freue ich mich auf vergorene Stutenmilch und Teigtaschen mit Hammelfleisch in der Mongolei ...

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Davor könnte, mit Glück und Spucke, noch ein Kurztrip nach England kommen, wenn - ja wenn - erstens Deutschland heute Abend das Halbfinale gewinnt und ich zweitens noch Karten bekomme. Bedingung Nr. 1 wird ja wohl zu erfüllen sein, aber Bedingung Nr. 2 könnte - gerade, weil England gestern ins Finale gekommen ist - eng werden. Naja, vielleicht gibt es noch Karten für den zweiten Finalgegner, und vielleicht sind nicht ganz so viele Deutsche spontan bereit, nach England aufzubrechen, um den deutschen Frauen beim (hoffentlich) neunten EM-Titel zujubeln zu können. Flüge nach England sind unfassbar teuer, sodass ich wahrscheinlich mit dem Zug nach Aachen und von dort mit dem Flixbus führe, oder aber ich kriege meine Ma doch noch spontan überzeugt, mit dem Auto nach Calais und durch den Tunnel zu fahren, aber das besprechen wir heute ab der 75. Minute, wenn die Entscheidung wirklich ins Haus steht. Falls alles nicht klappt, wegen Bedingung 1 oder Bedingung 2, dann bin ich am Wochenende eben beim Schlossfest in Bonndorf, was auch keineswegs verkehrt wäre, denn das Bier beim TuS und der Käse bei den Franzosen ist immer wieder lecker.

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Das Wochenende läutete ich nach einem Kundentermin in Frankfurt schon am Donnerstag Abend ein, aber nicht so wie vermutet. Mein ursprünglicher Plan fiel coronabedingt nämlich ins Wasser, weil mein Gastgeber fürs Wochenende am Donnerstag Morgen noch positiv war, sodass ich noch in der Nacht (und nachdem ich den deutschen Viertelfinalsieg in Frankfurt geschaut hatte) zurück nach Hannover fuhr und um 5.30 Uhr ins Bett fiel. (Die Nachtzüge waren gerammelt voll, sodass ich zwischen Göttingen und Hannover sogar stehen musste, unfassbar.)

Nach kurzem Schlaf nutzte ich den Urlaubstag aber dazu, in die Kristalltherme nach Seelze zu fahren. Endlich mal wieder ging es in die Sauna, und die Saunen dort waren sehr schick, vor allem der - riesige - "Welfen-Saal" mit 120 Plätzen, in dem die Saunameister ganz schön einheizten. Der Schlussaufguss in der "Dr.-Eisenbart-Sauna" war jetzt nicht so heiß wie bei 105 Grad befürchtet, auch wenn ich nicht auf der obersten Stufe saß (davor hatte ich dann schon ein bisschen Schiss), aber alles in allem war das in Saunen recht warm.

Nicht so ganz warm war es dagegen in den Thermalbecken, die waren gasmangelbedingt schon deutlich heruntergeregelt, ob es nun das Solebecken mit 12 % Salzgehalt oder das mit 3 % oder aber das Natronbecken war (Letzteres war noch am wärmsten). In ebendiesem Natronbecken gammelte ich auch zwei Stunden am Stück im Halbschlaf herum, bis ich genau Natronwasser geschluckt hatte, weil irgendjemand wieder Wellen geschlagen hatte. Gegen 19 Uhr verließ ich die Sauna und ward am Freitag Abend und Samstag Morgen nicht mehr gesehen.

Auch am Sonntag war ich faul, bis ich dann am Abend endlich mal an einen der Kiesteiche hier in Ricklingen wanderte (zwanzig Minuten) und in den Dreiecksteich watete. Bei wunderbaren 23 Grad Wassertemperatur war es da ziemlich voll, aber das tat dem Badevergnügen nun überhaupt keinen Abbruch, das war herrlich und werde ich nicht zum letzten Mal genossen haben.

Ein eher unspektakuläres Foto vom Dreiecksteich sei angefügt, aber es war keineswegs so leer dort am Sonntag!

Idylle am Dreiecksteich fast ohne Menschen

Sonntag, 17. Juli 2022

"A stout of Guinness, please!" "A big one?"

Und erst da fiel mir auf, was für einen granatenmäßigen Quatsch ich bestellt hatte, denn natürlich wollte ich ein "pint of Guinness" haben, also ein großes Guinness, denn ein "Stout" ist ein - so sagt es die Wikipedia - "opakes, tiefdunkles, obergäriges Bier", und demzufolge ist ein Guinness ein Stout. Wenn ich also das nächste Mal "ein Pils Rothaus, bitte" bestelle, weiß der geneigte Leser (und insbesondere der Schnitzer-Wirt!), dass ich wahrscheinlich seit 24 Stunden wach bin und einfach noch größeren Quatsch erzähle als ohnehin schon ... (Denn zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass ich das Ganze um 29 Uhr meiner Zeit, also heute Morgen um fünf Uhr morgens ohne großartigen Schlaf, bestellt hatte.)

Wider Erwarten hatte ich alle Utensilien, die ich mitnehmen wollte, in meinen Stoffbeutel eingepackt, und alle Utensilien, die ich im im Hotel untergestellten Rucksack lassen wollte, auch in selbigen. Flucherei gab es gestern Morgen trotzdem, weil ich die Haltestelle für den Bus zum Flughafen nicht fand, und als ich sie sah, war auch schon der Bus da, sodass ich diesen verpasste. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als die, keine Ahnung, 1.000 Meter zum Flughafen mit einer anderen Busverbindung (mit einmaligem Umsteigen!) zu überbrücken, und zur Belohnung geriet ich beim Umsteigen an ein Hundchen (naja, nein, es war ein Hund), der besonders eifrig sein Frauchen bewachen wollte und mich entsprechend lautstark anbellte. Am Ende war der Hund aber friedlich, als wir gemeinsam in den Bus einstiegen ...

Am Flughafen kam ich etwa zweieinhalb Stunden vor Abflug an, sprintete in Richtung Sicherheitskontrolle, hatte mich auf stundenlange Warterei eingestellt und war am Ende so schnell durch die Sicherheitskontrolle wie selten in meinem Leben: Die haben halt in Hamburg alle Kontrollspuren offen, auch die Business-Class-Spur, und da werden die Leute gut und schnell durchgeschleust, alles bestens. Am Ende wird Hamburg noch - Gott bewahre! - mein neuer Leib- und Magen-Flughafen. (Kann jemand mal bitte in Wiesbaden-Mitte nach der Dame gucken, die gerade vor Lachen vom Stuhl fällt?)

Meine Lounge war allerdings noch zu (die öffnet samstags erst um 10 Uhr, Saftladen!), sodass ich ein Salami-Brötchen an einem Stand kaufte und danach darauf wartete, dass die Ausreisekontrolle endlich aufmacht. Als die offen war, lief ich zügig durch die elektronische Kontrolle und setzte mich an einen - der in Hamburg knapp bemessenen - Akkuladepunkte, denn es war ja eine meiner großen Sorgen gewesen, dass mir irgendwann der Akku aus geht.

Der Flug nach Stansted war entspannt, am Ende saßen wir - der Mensch auf A setzte sich zu seiner Freundin, sodass ich mich auf A setzte und mein B-Platz freiblieb - in Business-Class-Belegung, sehr angenehm, denn sonst sind die Sitze bei Ryanair ja schon arg eng. Die Besatzung trug keine Masken, zwei Drittel der Passagiere ebenfalls nicht, ich selbst ... mache keine Aussage.

Ich guckte weiter "Stranger Things", guckte auf den niederländischen und den britischen Strand, und sehr bald waren wir schon gelandet. Die Einreise ging am Automaten - wie immer im Vereinigten Königreich - sehr fix, und um kurz vor 11 Uhr war ich in England eingereist. Ich hatte erstmal Mittagessenhunger, den ich bei Burger King stillte (überhaupt war das ein überaus gesundes Wochenende mit ausgewogener Ernährung, frischem Heilwasser und ausreichend Schlaf, höhö), dann lief ich die paar Schritte zum Busbahnhof und setzte mich dort in den Warteraum.

Dort zelebrierte eine junge Britin (die wird Anfang 20 gewesen sein) britische Höflichkeit auf ganz besonders absurde Weise: Es gab zwei Steckdosen, und sie lud ihr Handy ebenfalls auf, allerdings steckte ihr Stecker in der von ihr weiter entfernten Steckdose. Also steckte ich meinen Stromstecker (ich hatte sogar an einen Adapter gedacht!) in die ihr nähere Steckdose, woraufhin sie mich warnte, dass das Ding einen mechanischen Wackelkontakt hätte. Das konnte ich direkt bestätigen, also ließ ich es gut sein, denn ich hatte noch gut Saft im Akku. Wenige Minuten später steckte sie ihren Stecker dann um in den mit dem Wackelkontakt, lud mich (dringend!) ein, meinen Handystecker in die "gute" Steckdose zu drapieren, und hielt in der Folge ihren Stecker in einer schon vom Hingucken schmerzhaften Haltung mit der Hand über die Schulter fest.

Ich guckte mir das Schauspiel fünf Minuten an, dann konnte ich das nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, zog meinen Stecker raus und bat sie eindringlich, zugunsten meines Seelenfriedens doch bitte mit dem Aufladen in der Weise fortzufahren, die sie vor meinem Eintreffen praktiziert hatte. Sie blieb regelrecht stur, meinte, sie hätte zwei Arme, um diese in der unbequemen Haltung abzuwechseln, und weigerte sich, ihren Stecker umzustecken. Na gut, ich seufzte, steckte mein Handy wieder ein und beließ es dabei ... Vielen, vielen Dank für diese übergroße Freundlichkeit unter Inkaufnahme körperlichen Schäden!

Ich überbrückte die knapp zwei Stunden Wartezeit mit meiner Serie, dann lief ich mal raus, suchte die - am Flughafen-Busbahnhof kostenfreie! - Toilette auf und stellte mich dann, als der Bus pünktlich kam, in die kurze Schlange. Meine Fahrkarte wurde vom Fahrer gescannt, dann durfte ich mir einen Platz aussuchen. Aus unerfindlichem Grunde schalten die National-Express-Fahrer die Steckdosen immer erst nach Aufforderung an, aber sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt nahm mir jemand die Aufgabe ab, sodass ich mein Handy zumindest auf der Hinfahrt wunderbar voll aufgeladen halten konnte.

Es ging durch von Getreidelandwirtschaft geprägte südenglische Landschaft zwischen London, Cambridge und Oxford, durch wunderschöne Städtchen wie Harlow, Hertford und Hetfield, am Flughafen Luton wurde auch Zwischenstation gemacht, und nach kurzweiligen zweieinhalb Stunden Aus-dem-Fenster-Gucken kam ich sehr entspannt am Busbahnhof in Milton Keynes an. 

Von EM war hier genau nitschewo zu spüren, der Bus in die Innenstadt kam ewig nicht, die Busse aus der Innenstadt waren verwirrend beschriftet (nämlich mit "Innenstadt"), am Ende machte ich mich zum Brot, indem ich dem ersten Bus, der tatsächlich in die Stadt fuhr, übertrieben theatralisch anzeigte, dass er anhalten möge ... Der Fahrer wird sich auch gefragt haben, was für ein Idiot da einsteigt, aber er verkaufte mir die Fahrkarte in die Stadt ohne Beanstandung.

Nach zwanzig Minuten kamen wir am Bahnhof Milton Keynes an, und ich strebte sofort zum dort befindlichen Fanfest. Pickepackevoll ... sieht anders aus, aber es gab Bier (eins trank ich), vom (deutschen) Fanclub Nationalmannschaft sackte ich mir eine Deutschland-Flagge ein, aber dann entschied ich mich, vergleichsweise früh zum Stadion zu fahren.

Ich hatte mir noch auf der Überlandfahrt nach Milton Keynes die Shuttle-Bus-Fahrkarte gekauft, aber das war - jedenfalls in gewisser Weise - ein Fehlkauf: Kein Mensch kontrollierte die Fahrkarten, und ich bezweifle, dass alle oder auch nur die meisten Leute, die da in den Bus einstiegen, eine solche hatten. Aber sei's drum, ich hatte meine Fahrkarte und meinen Seelenfrieden, und 5,50 Pfund machen mich jetzt auch nicht arm.

Die Damen vom FC Penzing (nicht "Pätzing", wie ich zunächst verstanden hatte) sangen eifrig, insbesondere das inzwischen berühmt-berüchtigte "Layla", mit großer Inbrunst und im steten Bemühen, die Töne zu treffen ... Aber auch so tiefschürfendes deutsches Liedgut wie - ich hoffe, ich kriege das noch zusammen - "Meine Freundin, die kann Blasen, Blasen, Blasen ... nicht vertragen und ist so eng-, eng-, enge Schuhe nicht gewohnt." führten dazu, dass ich einigermaßen froh war, dass viele von den Deutschland-Fans Briten waren, die hoffentlich kein Deutsch verstanden ...

Der zehnminütige Fußmarsch zum Stadion (ich bin einigermaßen sicher, dass diese lange Strecke insbesondere für nach dem Spiel dafür sorgen soll und sorgt, dass sich da alles ein bisschen entzerrt) wurde auch überstanden, und ich bin immer noch begeistert, wie entspannt und freundlich die Ordner alle waren. Da gibt es in Deutschland oft so richtige Miesepeter, hier hatte jeder ein Lächeln im Gesicht ...

Ein Lächeln im Gesicht hatte ich definitiv auch im Gesicht, als ich - superschnell - durch die Einlasskontrolle gekommen war und meinen Platz im Stadionrund aufgesucht hatte - so ein Stadionbesuch ist einfach immer großartig.

Jetzt war ich aber zwei Stunden vor Anpfiff im Stadion und genehmigte mir ein erst einmal ein Bierchen: Die Bars (die alkoholische Getränke verkaufen) sind - fast verschämt - hinter Sichtschutzen, und du darfst in englischen Stadien - das ist wohl gesetzlich geregelt - die alkoholischen Getränke nicht auf die Galerie und schon gar nicht in die Schüssel mitnehmen. Ich sprach einen Ordner an, da kam gleich ein zweiter hinzu (ausnahmsweise war ich wirklich überhaupt nicht aggressiv!), und die erläuterten mir die Gesetzeslage, aber so richtig verstehen, wieso es diese Regelung gibt, konnte ich immer noch nicht: Wenn ich mir in den sichtgeschützten Bereichen einen hinter die Binde kippe und dann - ohne Alkohol in der Hand, aber rotzbesoffen - im Stadion Ärger mache, ist doch auch keinem geholfen ... Aber gut, ich muss ja nicht alles verstehen, sodass ich das Bierchen austrank und dann an einen (offenen) Stand ging, um mir eine Cola und einen - übrigens recht leckeren - Cheeseburger zu holen.

Das Ganze (Bier, Cola, Burger) wiederholte ich noch einmal, denn ich hatte Hunger und merkte das Bier, und noch immer hatte ich keinen einzigen Penny britischen Bargeldes transferiert - in den Bussen kann man wohl noch bar zahlen, aber es ist nicht so richtig erwünscht, doch im Stadion geht mit Bargeld gar nichts mehr.

Jetzt war ich gestärkt, um den Rest des Aufwärmens zu beobachten, und dann ging es auch schon los mit den Hymnen (nun war ich dran, schief zu singen).

Joa, zum Spiel gibt es nicht viel zu sagen, außer dass die Deutschen mit ihren zahlreichen Großchancen nach meinem Geschmack arg fahrlässig umgingen. Ja, klar, 3:0 gewonnen, alles gut und schön, aber Deutschland war so drückend überlegen, dass das 1:0 schon deutlich vor der 40. Minute hätte fallen müssen. Auch wenn es nicht mehr um wirklich etwas ging, war ich keineswegs entspannt, gab Anweisungen an die Spielerinnen, dass Frau Voss-Tecklenburg stolz auf mich gewesen wäre, und auch an die Schiedsrichterin, aber meistens hörten sie alle nicht auf mich ... (Aber wenn Frau Däbritz das liest: Bitte beim Torschuss nicht immer auf die gegnerische Torhüterin zielen, das könnte helfen ...)

Das hat richtig Spaß gemacht, zwischenzeitlich saß auf meinem Platz mal wieder ein grinsendes Honigkuchenpferd, nämlich immer dann, wenn ich mir klarmachte, dass ich hier gerade für ein paar Stunden nach England geflogen war, um dieses wunderbare Spiel hautnah im Stadion zu verfolgen.

Für das Mitjohlen bei der La Ola reichte meine Stimme Mitte der zweiten Halbzeit schon nicht mehr aus, aber fürs Aufstehen und Armehochreißen schon ... Eine so lange Welle mit so vielen Umläufen habe ich noch nicht erlebt, auch wenn das natürlich immer ein schlechtes Zeichen für die Spielqualität ist ...

Am Ende blieb ich noch ein bisschen im Stadion, um die Spielerinnen zu beklatschten, die fanden meine gesammelten Vorschläge während des Spiels wohl gut, denn sie klatschten zurück, und als alle alle beklatscht hatten, verließ ich das Stadion.

Auf dem Weg zum Shuttlebus kaufte ich noch zum Rabattpreis von fünf Pfund (und bar!) einen Schal zur Erinnerung an dieses Spiel zwischen "Finland Women" und "Germany Women", dann machte ich mich auf den beschwerlichen Fußweg zurück. Unter der Brücke stand auf einmal alles, aber das lag daran, dass zwei (zwei!) Ordner einfach nur mit großer Freundlichkeit die nachströmenden Fans ab und zu anhielten, damit es beim eigentlichen Einstieg kein so großes Gedränge gibt. Da hielt sich auch jeder dran, da waren keine Ordnerkette und keine Wellenbrecher nötig, sondern einfach nur zwei freundliche Menschen, die vernünftig mit den Fans sprachen - großartig! (Und ja, beim Fußball der Frauen ist die Vollidiotendichte schon deutlich geringer als beim Fußball der Männer, aber trotzdem!)

Der Shuttlebus fuhr und kam wenige Minuten vor meinem ersten möglichen (nunmehr stündlich fahrenden) Bus zurück zum Busbahnhof an. Ich entschied mich (ich hatte jetzt auch genug Bier getrunken und hatte keine große Lust auf Siegesfeier), den gleich zu nehmen, und kam am Ende zweineinhalb Stunden vor Abfahrt am Busbahnhof an.

Die Situation dort empfand ich als kalt, aber in keinster Weise bedrohlich, da saß zunächst nur ein Sicherheitsmensch herum - später gab es wohl noch einen Vorfall, denn plötzlich standen sechs, sieben Polizisten da an den Bussteigen herum, aber auch die sprachen vernünftig mit zwei, drei Männern, die da unterwegs waren - am Ende war da anscheinend auch wieder alles gut (falls überhaupt etwas schlecht gewesen sein sollte).

Ich guckte in der angenehm temperierten Wartehalle weiter meine Serie, machte den Akku dann doch alle, hatte zum Glück meine Fahrkarte auf mein Diensthandy transferiert, sodass ich dem Fahrer beim - ebenfalls pünktlichen - Eintreffen des Busses auf diesem die Fahrkarte zeigen wollte, aber der wollte sie gar nicht sehen, sodass ich einfach so in den Bus einstieg. 

Der Bus war recht voll, ein - Entschuldigung - Riesenarschloch hörte Musik so dermaßen laut (auf Kopfhörer, aber immer noch in fünf Reihen Entfernung hörbar), dass erst eine Mitreisende und dann der Busfahrer ihn aufforderten, das Ding auszustellen, die zweite Warnung (vom Busfahrer) fruchtete dann, dann war a Ruh'.

Zwischen Luton und Stansted schlief ich dann doch ein, für ein Stündchen oder so, ehe ich kurz vor dem Flughafen Stansted aufwachte, als wir - um 4.20 Uhr! - im Stau standen ... Nach der Ankunft stürmte ich - ich hatte ja doch "nur" zwei Stunden für die Sicherheitskontrolle, das war der einzige wirklich knappere Anschluss - zur Sicherheitskontrolle, geriet zweimal in die Welle neu eingerichteter Kontrollen und war dann auch ziemlich schnell durch.

Im Terminalbereich war die Hölle los, Menschen saßen auf dem Boden, meine Lounge hatte auch schon kapituliert und den Zugang beschränkt, auf der Toilette gab es - selbst bei den Männern, und das habe ich selten erlebt - Schlangen (und nicht nur drei Leute, sondern, als ich herauskam, 30, 40 Meter!), unfassbar, unfassbar ...

Ich hatte aber relativ früh eine Anzeige bekommen, dass ich zum Gate 45 sollte, direkt daneben war eine Bar, wo ich um kurz nach 5 Uhr schon ein Guinness bekam, ich boardete als einer der Letzten, saß unbequem auf dem B-Sitz und war froh, dass der Flug auch recht kurz war (70 Minuten waren es am Ende ungefähr).

Inzwischen beherrscht die Hamburger Bundespolizei es auch, den Knopf zur Freigabe der elektronischen Einreise zu drücken, sodass ich selbst da nichts mehr zu meckern hatte, ebenfalls unglaublich. Der Zoll wollte ebenfalls nichts von mir, also fuhr ich mit dem Bus zum Hotel von Freitag Nacht, holte meinen Rucksack ab, erwischte noch den Bus zurück zum Flughafen, fuhr mit der S-Bahn (im Fahrstuhl runter zur S-Bahn wäre ich fast steckengeblieben, und auf der Gleisebene ging die Fahrstuhltür nicht auf ...) zum Hauptbahnhof, verpasste dort fast den Ausstieg, stieg in den ICE ein, fluchte, weil an allen Plätzen "ggf. reserviert" stand - Saftladen! -, war dann aber beruhigt, als der Schaffner durchsagte, dass alle Reservierungen ungültig seien ...

Jetzt bin ich zwischen Hamburg und Hannover und werde gegen 12.20 Uhr in Hannover sein. Dann werde ich noch kurz brunchen, dann nach Hause fahren, duschen, Zähne putzen und mich - wahrscheinlich - ins Bett legen ...

Eine verrückte, wunderbare, unglaublich kurzweilige kleine Reise war das, das hat sehr großen Spaß gemacht, jetzt muss Deutschland nur noch Europameister werden, aber gelohnt hat sich die Reise so oder so ...

Unterwegs in England

Fanfest

... mit Fanclub-Bus

Stadion zwei Stunden vor Anpfiff

Hymnen

Fußball

Freitag, 15. Juli 2022

Das Übliche

... habe ich in den letzten Stunden in Hamburg gemacht: Erst kam ich zu spät mit der Bahn an (aber da ich schon einigermaßen zeitig Feierabend gemacht hatte, war das verschmerzbar), fuhr deswegen bis nach Altona durch, stieg dort in den Bus 150 durch den Elbtunnel nach Finkenwerder, stieg dort auf die Fähre 62 zu den Landungsbrücken, latschte von Brücke 1 zu Brücke 10, genoss dort Fischbrötchen (diesmal Backfisch und Matjes, Matjes wie immer himmlisch, Backfisch auch lecker), fuhr mit dem Elbtunnelaufzug runter und sofort wieder hoch (sehr schön!) und begab mit dann per S-Bahn und Bus zu meinem Motel One.

Dem sehr freundlichen Check-in folgte der kurze Gang aufs Zimmer, jetzt sitze ich in der Motel-One-typischen Lounge, gucke auf dem Handy Fußball und schreibe diese Zeilen.

Mal gucken, wie das morgen alles wird, mit dem ... - ah, da fällt mir ein, ich sollte noch einchecken! -, also, mit der Sicherheitskontrolle, dem Flug, der Einreise, dem Finden des Busses in Stansted, der Busfahrt mit dem National Express, wie ich vom Busbahnhof in Milton Keynes zum Stadion komme, wie ich nach dem Spiel dann wieder zum Busbahnhof komme, ob die zwei Stunden in Stansted reichen, um die Sicherheitskontrolle dort zu durchlaufen (hoffentlich!), und ob ich daran denke, den Rucksack, den ich morgen früh hier im Hotel lasse, dann übermorgen früh nach der Rückankunft wieder abzuholen, aber das werden die interessierte Leserin und der interessierte Leser am Sonntag hoffentlich alles mitbekommen. (Das setzt natürlich voraus, dass ich den Rechner wieder habe, den ich auch hier im Hotel lasse ...)

Ich bin gar nicht einmal unglücklich, dass es in dem Spiel morgen um nichts mehr geht, weil Deutschland schon als Gruppensieger durch und Finnland schon ausgeschieden ist, da kriege ich hoffentlich nicht bei jeder Szene im deutschen Strafraum einen Herzkasper, aber auch darüber werde ich berichten ...

Ich habe ein bisschen Sorge, ob ich mein Handy immer wieder aufgeladen kriege, denn da werden nicht nur meine Bordkarten für Hin- und Rückflug, sondern auch meine Eintrittskarte drauf sein, und während ich die Bordkarten relativ unproblematisch auf mein Diensthandy transferiert kriege, geht das mit der Eintrittskarte, für die ich extra die UEFA-App herunterladen musste und die per Bluetooth mit der Eintrittsschleuse zu kommunizieren scheint, eben wohl nicht so einfach ... Andererseits wird es am Flughafen und in den Bussen und sonstwo hoffentlich USB-Ladebuchsen geben, sodass ich recht hoffnungsfroh bin, dass das alles funktioniert.

Ich werde morgen nur mit Stoffbeutel reisen, da ich einerseits ins Stadion nur eine Tasche der Größe DIN A4 mitnehmen darf (so weit kriege ich den Beutel zusammengefaltet ...) und andererseits keine richtige Auskunft hinsichtlich einer Gepäckaufbewahrung gefunden habe. Also werde ich alles am Leib tragen, und dann wird das hoffentlich alles glattgehen ... 

Das wird, wenn ich mich recht entsinne, das zweite Länderspiel der deutschen Frauen, das ich besuche - das erste war mal ein Qualifikationsspiel Schweiz gegen Deutschland in Schaffhausen, da haben die Deutschen fast die Gesangshoheit im Stadion übernommen ob der Nähe Schaffhausens zum "grossen Kanton" ... Apropos Gesangshoheit: Ja, Milton Keynes ist eines der größeren Stadien bei dieser EM, aber es ist trotzdem schade, dass es zumindest vor ein paar Tagen nach Karten für das Spiel morgen gab. Naja, muss ich halt ein bisschen lauter singen, man wird mich schon hören ...

Die heutige Fischbrötchenkombination, mit dem obligatorischen Astra

Sonntag, 10. Juli 2022

Wir müssen uns einen Bahnfahrer als glücklichen Menschen vorstellen

Okay, Albert Camus hat das nicht über einen Reisenden (mit der Deutschen Bahn), sondern über Sisyphus gesagt, aber ebenso wie dieser immer wieder den Stein den Berg hinaufrollt, nur um ihn wieder herunterrollen zu sehen, steige ich immer wieder in den Zug, nur um verspätet (oder gar nicht) anzukommen.

Dieses Wochenende wollte ich in Stuttgart und Umgebung bei meiner Schwägerin und meinem Bruder verbringen, und entsprechend ließ ich mich von meiner Mutter am Freitag Abend nach Rötenbach fahren, damit ich noch früher losmusste und vor allem die Ecke über Neustadt sparte.

Schon in Villingen musste ich rennen, weil der Zug natürlich Verspätung aufgeladen hatte. Ein Soldat hielt mir freundlicherweise die Zugtür offen, nur war bei dem Vollsprint mein Rucksack aufgegangen, sodass ich etwas aus meinem Rucksack verlor - ich hoffe, das wiedergefunden und abgegeben, so ein Mist aber auch!

Beim nächsten Halt der Bahn in Schwenningen fiel ein aussteigender Fahrgast irgendwie um, ich habe das nicht gesehen, aber auf einmal kam die Ansage vom Lokführer, dass der Zug aufgrund "des Vorfalls" erst einmal stehen bleiben würde - auf Gleis 2 käme ein Ersatzzug. Alle Mal raus, zum anderen Gleis, nur um fünf Minuten später vom Lokführer wieder zurückbeordert zu werden, weil er jetzt doch führe ... Oh Mann!

Der Anschluss in Rottweil wäre jetzt natürlich auch knapp geworden, nur wurde eine Minute vor Ankunft meines Zuges (und planmäßiger Abfahrt der Verbindung nach Stuttgart) angesagt, dass der Zug heute ausfalle. Freunde, wollt ihr mich alle verarschen?!

Auf der BahnApp war natürlich nichts angeschrieben, an den Gleisanzeigen auch nichts, plötzlich war der Zug auf der Gleisanzeige weg, ebenso plötzlich wurde er Minuten später mit 45 Minuten Verspätung angegeben. In der Zwischenzeit hatte ich aber schon entnervt aufgegeben und mit meiner Mutter abgesprochen, dass sie mich wieder in Rötenbach abholt. Ich wollte es am Samstag noch einmal versuchen.

Meine Mutter machte am Samstag Morgen Hektik, aber wir kamen eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges in Rottweil an (nix mit Rötenbach, nix mit Villingen, fast hätte sie mich gleich nach Stuttgart gebracht ...). Der Zug gestern fuhr dann einigermaßen pünktlich, war aber gerammelt voll, ich hatte zum Glück einen Sitzplatz auf einer Fensterbank, stieg dann in Herrenberg aus, hatte einen Plan, stieg dementsprechend am Stuttgarter Hauptbahnhof in eine andere S-Bahn um und war schon fast guter Dinge, als die inzwischen deutschlandweit in den Nachrichten verbreitete Oberleitungsstörung am Stuttgarter Hauptbahnhof mir in die Quere kam.

Ich saß zwischen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt zwischen allen Stühlen, weil ich auch nicht aus dem Zug herauskam, wir saßen eine Stunde oder so, bis wir schließlich weiterfuhren, in Fellbach verpasste ich natürlich den Bus um eine Minute, kam aber irgendwann mit zwei Stunden Verspätung (bei zwei Stunden Fahrt!) bei Schwägerin und Bruder an.

Heute Morgen war immer noch nichts gut in Stuttgart, sodass die beiden mich freundlicherweise nach Bietigheim-Bissingen brachte, wo ich gerade noch den Regionalexpress nach Würzburg noch gerade so erwischte, obwohl Google mich und in der Folge ich meinen Bruder auf die falsche Seite des Bahnhofs gelotst hatte ... Ich fand sogar einen Platz im gerammelt vollen Regionalexpress, erwischte im gerammelt vollen Würzburger Bahnhof (Platz da!) den ICE nach Hamburg und sitze jetzt hier - entspannt - im noch vergleichsweise leeren Zug.

In Fulda kamen wir gerade zwanzig Minuten zu früh an, ich kann das alles gar nicht mehr fassen, was die Bahn fabriziert, es ist unglaublich. (Da wir aber zu früh sind, können wir noch nicht an den Bahnsteig, sodass das alles auch nicht wirklich viel bringt, aber es ist wirklich unfassbar.)

Mal sehen, ob ich wirklich gut in Hannover ankomme, bestimmt schaltet sich aufgrund der langen Standzeit in Fulda das Betriebssystem des Zuges ab und muss erst wieder langwierig hochgefahren werden, aber noch habe ich Hoffnung ...

Das Wochenende, nachdem ich erst einmal angekommen war, war ganz großartig: Mein Bruder hatte seine Spezial-Paella (mit acht Knoblauchzehen drin ...) gekocht, aber ich war noch nicht oft in den Genuss gekommen, weshalb ich mich besonders darauf freute - und ich wurde nicht enttäuscht. Dazu tranken wir ein bisschen Wein, und das Unheil nahm seinen Lauf ...

Wir fuhren mit der Stadtbahn (die fuhr noch im Gegensatz zur S-Bahn und war entsprechend brechend voll, wir hatten Glück, weil wir an der Abfahrtshaltestelle in Fellbach einstiegen) in die Stuttgarter Innenstadt und liefen über den "Hamburger Fischmarkt in Stuttgart". Dort wurden Fischbrötchen und Bier verzehrt, jetzt hatte ich endgültig genug Alkohol konsumiert, sodass es nach einem nichtalkoholischen Absacker am Schlossplatz wieder in einer - überraschend leeren - Stadtbahn über Untertürkheim zurück nach Fellbach ging.

Auf dem heimischen Balkon schlief ich fast ein, verschmähte auch den Magenbitter und verzog mich ins Bett ...

Mein Magen war heute Morgen völlig fit, denn er freute sich schon auf das wie immer hervorragende Frühstück mit Piccolöchen und Kakao und Salami und Ei und Saft, und dann ging es auch schon zum Bahnhof in Bietigheim-Bissingen.

Wenn einer eine Reise tut und so, ja klar, alles gut, und so ein Oberleitungsschaden kann natürlich passieren, aber, Freunde der Sonne, in den letzten Wochen ist immer irgendetwas passiert, und dann kommt man irgendwann nicht mehr umhin, systematisches Versagen auf ganzer Linie festzustellen.

Ich finde es völlig richtig, dass man versucht, den Menschen das Zugfahren schmackhaft zu machen, aber wenn das so mit dermaßener Regelmäßigkeit völlig gegen den Baum geht, konterkariert man dieses ehrenwerte Ziel natürlich in brutalstmöglicher Weise. Schade ...

Es gibt ein Foto des Autors mit gierigem Blick auf die Paellapfanne (gar nicht gestellt, neihein), aber das muss ich den Lesern leider vorenthalten, es ist viel zu peinlich ...

Dienstag, 5. Juli 2022

Ein krankes Geburtstagskind

 ... sorgte dafür, dass ich schon am Samstag anstatt erst am Sonntag wieder in den Schwarzwald kam. Der Freitag Abend in Wiesbaden war aber wunderbar (ich kam mit kaum einer Stunde Verspätung an, also fast pünktlich), und ich konnte ein lecker Guinness (jaha, genau, höchstens, maximal eins) und lecker Steak im Sherry verdrücken. Der Abend mit den beiden Damen war so wunderbar und entspannt, wie ein Freitag Abend sein soll, und am Samstag machte ich mich nach sehr leckerem Frühstück dann gemütlich auf in den Schwarzwald.

Ich regte mich mal wieder über die Bahn auf, die es schaffte, den Zug fast (aber eben nur fast) noch wie angepeilt für mich in Freiburg zur Ankunft zu bringen, aber dann doch vor dem Bahnhof stehenzubleiben, sodass ich die S-Bahn hoch nach Neustadt mit Anschluss nach Bonndorf um wenige Sekunden verpasste. (Dass da eine S-Bahn auch nicht auf einen Eurocity wartet, ist noch die nächste großartige Leistung der Bahn, aber ich schweife ab ...)

Ich schmeiße dem Verein ja sehr viel Geld in den Rachen, aber im letzten Monat kam ich gefühlt nie pünktlich an, und so musste meine Mutter dann doch das Auto anwerfen und mich in Neustadt abholen, weil wir um 17 Uhr schon im Schnitzer verabredet waren. Öhm, ja, Schnitzer, Mantel des Schweigens und so.

Jedenfalls war der stinkfaule Sonntag dringend nötig.

Stinkfaul war ich aber am Mittwoch keineswegs gewesen, denn ich fuhr - Kopf freikriegen und so - mit der Bahn nach Burgdorf und lief von dort in Richtung Celle, und dabei durch die sogenannte Celler Heide. So richtig Heide, wie ich mir das vorstelle, war das irgendwie noch nicht (aber womöglich ist meine Vorstellung auch nicht richtig), aber trotzdem war es bei gutem Wetter ein schöner (langer) Abendspaziergang, bis ich schließlich in Ehlershausen wieder in die Bahn zurück nach Hannover einstieg. Noch eine Etappe, dann bin ich Celle, dem Tor zur Südheide, und dann gucken wir mal, ob ich dieses Jahr schon zur Heideblüte in selbiger bin.

Auch heute Abend war ich nicht untätig, sondern stieg in den Bus nach Stühlingen, stieg dort am (früheren?) Bahnhof aus und lief schnurstracks in Richtung Zoll. Die Brücke über die Wutach überquerte ich, war also schon in der Schweiz, und lief dann über ein Brückchen und hoch in den Wald. Ich kürzte praktisch ein bisschen ab, denn ich lief nicht durch Schleitheim hindurch, sondern von Oberwiesen direkt in Richtung Hohbrugg, und selbst die steileren Abschnitte überstand ich gut auf dem sehr schönen Rad-/Wanderweg.

Ich lief vorbei an Weizenfeldern und an (schüchternen) Sonnenblumen, ich sah in diese wunderschöne Ebene des Klettgau, musste am Schluss noch ein bisschen querfeldein, kam aber am mit meiner Mutter abgemachten Treffpunkt in Siblingen ungefähr zehn Minuten vor ihr an. Das war eine wunderbare Wanderung gewesen, mit zwei neuen (Schweizer) Gemeinden, vielleicht mache ich noch eine Querverbindung Stühlingen-Schaffhausen, das könnte man in ein bis zwei Wanderungen erreichen. Aber das gucken wir mal ...

Am Wochenende geht es zu meiner Schwägerin und meinem Bruder in die Nähe von Stuttgart und zum Hamburger Fischmarkt (in Stuttgart!), und von dort fahre ich dann nach Hannover, denn übernächstes Wochenende geht es ja von Hamburg aus nach London und weiter nach Milton Keynes zur EM. Mal sehen, ob ich mir für den Freitag noch ein Zimmer in Hamburg buche, aber dann versacke ich womöglich wieder auf der Reeperbahn-Parallelstraße beim Hermann, das muss ich noch abwägen.

Fotos von den beiden Wanderungen habe ich natürlich auch, mal gucken, ob die geordnet ankommen. Natürlich nicht:

Niedersachsen: Mühle

Schweiz: Schüchterne Sonnenblumen

Niedersachsen: Celler Heide

Schweizer Dramatik

Deutschland/Schweiz: Skulptur auf der Grenze, Brücke über die Wutach

Niedersachsen: Otze

Schweiz: Blick auf den Randen

Samstag, 25. Juni 2022

16 in 24

Nein, das ist nicht das neue Lotto-Format, sondern die Schnapsidee, die ich an diesem Wochenende verfolgt habe - soviel zum erholsamen Wochenende nach einer anstrengenden Arbeitswoche, aber das wird den erfahrenen Blogleser ja eher nicht überraschen.

Ich machte heute früh Feierabend und fuhr nach Hamburg zu obligatorischen Matjes- (und heute mal wieder Krabben-)Brötchen essen. Unterwegs kam mir die Idee, dass ich ja eigentlich heute die schon seit einiger Zeit angedachte Alle-Bundesländer-in-24-Stunden-Tour machen könnte.

Der Zug nach Hamburg hatte - wie sollte es anders sein? - Verspätung, sodass ich nicht so ganz wahnsinnig viel Zeit hatte, um zur Hafenstraße in St. Pauli zu fahren, aber am Ende reichte es, um gemütlich ein Astra und zwei Brötchen zu verdrücken, ehe ich mit Bus und Regionalbahn über Lübeck (da war die Hölle los!) nach Herrnburg tuckerte.

Zum ersten Mal in den 16 Monaten, in denen ich jetzt eine Bahncard 100 habe, war ich damit in Mecklenburg-Vorpommern, das war auch das letzte Bundesland, das ich noch nicht besucht hatte.

Ich hielt mich eine knappe halbe Stunde in Mecklenburg-Vorpommern auf, denn um 20.44 Uhr sollte es schon zurückgehen, um 20.49 Uhr fuhr der Zug tatsächlich ab, und um 20.50 Uhr überquerten wir die Grenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, womit meine 24 Stunden zu laufen begannen.

Nach dem Umsteigen in Lübeck kamen wir um 21.42 Uhr (52 Minuten nach Start der Uhr) in Hamburg und damit im dritten Bundesland der Reise an. Ich fuhr vom Hauptbahnhof nach Altona, um mir dort - der Zug fuhr in Altona los - einen guten Platz zu sichern. Es war ruhig, bis zum Hamburger Hauptbahnhof, als eine hochgradig unkoordinierte Schulklasse den Waggon enterte, erstmal komplett unqualifiziert in der Gegend herumstand, jetzt aber wenigstens - ich habe laut Musik in den Ohren - die Musik nicht übertönt ...

Um 23.03 Uhr (2:13 h nach Start der Uhr) kamen wir in Niedersachsen (Land Nr. 4) an, um 23.36 Uhr (ich war 2:46 h unterwegs) in Bremen (Land Nr. 5). Dort stiegen die spanischsprachigen Menschen, die mir gegenüber saßen und sich auch nicht wirklich leise unterhalten hatten, aus, sodass ich wieder die Beine ausstrecken konnte.

Um 23.53 Uhr waren wir wieder in Niedersachsen, fuhren um 0.22 Uhr für eine Minute durch Nordrhein-Westfalen (Land Nr. 6), nur um gleich wieder nach Niedersachsen zu fahren, denn der nächste Stopp war in Osnabrück. Um 0.52 Uhr waren wir dann endgültig in Nordrhein-Westfalen, und es ging durch die diversen Großstädte dieses Bundeslandes bis nach Köln.

Dort hätte ich mich eigentlich entscheiden müssen, ob ich bis Koblenz im Zug sitzen bleibe (der Zug blieb in Köln erst einmal planmäßig 45 Minuten stehen) oder in den (schnelleren) ICE nach Frankfurt umsteige. Das Umsteigen würde ein bisschen knapp werden, und so kam es auch, weil wir pro Haltestelle (mit zehn Minuten Fahrt dazwischen) ein bis zwei Minuten verloren, sodass der ICE nach Frankfurt nicht wartete.

Ich blieb also in "meinem" ICE sitzen bis Koblenz, und was nachts im ICE abgeht, ist wirklich spannend: Erst kam ein Mann mit einem Dreirad rein, setzte sich zu mir an den Tisch, zog sich die Schuhe aus, ließ dabei das Dreirad im Gang herumstehen, ging dann weiter mit seinem Dreirad, aber ohne Schuhe, kam dann aber, wohl, nachdem er das Dreirad verstaut und einen besseren Platz gefunden hatte, wieder zurück und holte seine Schuhe. Währenddessen standen wir, weil die - in diesem Zug zahlreich vertretenen - DB-Security-Leute wohl einen Fahrgast aus dem Zug beförderten. Ich habe nicht mitbekommen, worum es ging, aber in dieser Dichte habe ich das tagsüber nicht oft erlebt ...

Der Rauswurf fand kurz vor der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz statt, sodass wir erst um 4.35 Uhr und somit nach sieben Stunden und 45 Minuten seit Beginn der Zeitmessung in Rheinland-Pfalz und dem 7. Land heute ankamen.

Im Morgengrauen ging es ein kleines Stück am Rhein entlang (das sah sehr schön aus), und als ich in Koblenz um kurz nach fünf Uhr ausstieg, war es da schon richtig hell. Ich frühstückte sehr gesund mit Spezi und Fleischkäsebrötchen, wanderte ein bisschen auf dem Bahnhofsvorplatz herum und setzte mich dann schon bald in den bereitstehenden Regionalexpress nach Saarbrücken. 

Die Fahrt im jedenfalls nicht überfüllten Zug entlang von Mosel und Saar war auch heute wieder ganz wunderbar, was der Rotzbesoffene, der mit einer angebrochenen Flasche Champagner in den Zug getorkelt kam und ihn bald wieder verließ, vielleicht nicht ganz so eindeutig (oder aber doppelt!) wahrgenommen hat ...

Der Zug pendelte zwischen einer Minute zu früh und einer Minute zu spät, sodass ich den normalerweise nicht ganz bequemen Anschluss in Saarbrücken auf den ICE dann doch sehr bequem erreichte. (Achso: Saarland, Land Nr. 8, erreicht um 8.01 Uhr!)

Mit dem ICE ging es dann nach Kaiserslautern (Wiedereinreise nach Rheinland-Pfalz so gegen 9.21 Uhr), und dort warteten Jessi und Christian auf mich. Wir hatten uns seit März nicht mehr gesehen, dementsprechend freute ich mich, dass die beiden die spontane Aktion mitmachen konnten. "Aktion", denn ich wurde nicht nur mit Brezeln, Bier und Wasser versorgt, sondern die beiden begleiteten mich auch in der S-Bahn nach Mannheim. Im Rhein ist die Landesgrenze zu Baden-Württemberg, und dieses Land Nr. 9 wurde um 11.08 Uhr erreicht.

Wir verabschiedeten uns in Mannheim, die beiden fuhren zurück nach Kaiserslautern, ich setzte mich in den Zug zum Frankfurter Flughafen. Ich Held hatte es beschrien, indem ich Jessi und Christian gesagt hatte, dass die Bahn bisher (seit Beginn des 24-Stunden-Zeitraums) sogar halbwegs okay unterwegs gewesen wäre - jetzt waren nämlich Personen im Gleis. Na super ...

Wir kamen mit Verspätung in Mannheim und ich hatte in Frankfurt zwischenzeitlich 0 Minuten zum Umsteigen. In Hessen kam ich um 11.40 Uhr an (Land Nr. 10), in Frankfurt am Flughafen um kurz nach 12 Uhr, und ich musste den Bahnsteig wechseln. Ich lief zügig, lief an etlichen noch blockierten Türen vorbei und kam schließlich im Bordbistro zum Sitzen, weil sonst alles voll war ... 

Um 12.39 Uhr kamen wir in Bayern, also, öhm, in Franken an, sodass das Bundesland Nr. 11 erreicht war, und das 15 Stunden und 49 Minuten nach dem offiziellen Startzeitpunkt.

Im Bordbistro ließ ich es mir mit Cola und Bierchen recht gut gehen, auch wenn der Mann mit dem Hammer mich schon sehr intensiv suchte. Den Anschluss in Würzburg hätte ich mit Rennen und so vielleicht erreicht, aber dann hätte ich auch das zweite Bier herunterstürzen müssen, das wollte ich nicht mehr. Daher blieb ich bis Nürnberg im Zug sitzen, aß dort noch "3 im Weggla", also drei Nürnberger Rostbratwürstchen, und schlenderte mit dem Brötchen in der Hand zum Gleis. Dort fuhr gerade ein (früherer) Zug nach Erfurt ein, und da ich in Erfurt zum einen eh umsteigen musste und zum anderen dann wieder einen Wursttag veranstalten könnte, stieg ich in den früheren Zug ein.

Ich fand auch in diesem Zug einen guten Sitzplatz, allerdings war der Zug ein bisschen verspätet, sodass es nicht für eine Thüringer Bratwurst am Erfurter Bahnhof reichte. Der Freude über das 12. Land heute (15.54 Uhr, nach 19 Stunden und vier Minuten) tat das aber definitiv keinen Abbruch.

In Erfurt stieg ich in den letzten Zug der Rekordfahrt ein (von Erfurt nach Berlin; die Fahrt von Berlin zurück nach Hannover am Schluss ist jetzt schon außer Konkurrenz), und die vital statistics lauten:

  • Sachsen-Anhalt, Land Nr. 13, erreicht um 16.44 Uhr, nach 19 Stunden und 54 Minuten
  • Sachsen, Land Nr. 14, erreicht um 17.03 Uhr, nach 20 Stunden und 13 Minuten 
  • (nochmal Sachsen-Anhalt)
  • Brandenburg, Land Nr. 15, erreicht um 18.16 Uhr, nach 21 Stunden und 26 Minuten 
  • Berlin, Land Nr. 16 (juchhe!), erreicht um 18.38 Uhr, nach 21 Stunden und 48 Minuten
Bescheuert? Klar! Aber auch total cool, das hat wirklich Spaß gemacht, natürlich auch, weil Jessi und Christian sich so kurzfristig zum (stückweisen) Mitfahren entschieden haben ... Richtig viel habe ich natürlich nicht gesehen, vor allem - logisch - in der Nacht, aber auch tagsüber habe ich - gerade nach dem Urteil des US-Supreme Court gestern - ab und zu mal auf den Rechner und nicht auf die Landschaft geguckt (und Blog wollte ich ja auch noch - quasi live - schreiben!).

In Berlin habe ich noch - bei total schwülem Wetter - dem Kanzleramt einen Besuch abgestattet, aber meinen üblichen Spaziergang abgekürzt und bin von der U-Bahn-Station Bundestag zurück zum Hauptbahnhof gefahren (eine Currywurst habe ich in Berlin aber natürlich verspeist!).

Jetzt bin ich auf dem Heimweg nach Hannover, da komme ich in knapp zwei Stunden an, und dann dusche ich erst einmal zwei Stunden, glaube ich, heiß und kalt und alles durcheinander ...

Ein paar Fotos gibt es dann doch:

Startpunkt in Herrnburg, Mecklenburg-Vorpommern, gestern, 20.49 Uhr

Saar oder Mosel, weiß ich nicht mehr genau (1)

Kurz vor Leipzig: Das habe ich heute gemacht

Berlin, Bundestag, U-Bahn

Saar oder Mosel, weiß ich nicht mehr genau (2)

Dienstag, 21. Juni 2022

"Es geht mir gut"

So lautet eines der bekannteren Lieder von Marius Müller-Westernhagen (so bekannt, dass sogar ich es kenne), und es wird wohl höchste Zeit, dass ich hier Entwarnung gebe, denn ich habe doch ein paar mehr treue Leserinnen und Leser als gedacht. Eigentlich war dieser Blog ja gedacht, einst 2009, für meine Mutter, meine Schwägerin und meinen Bruder, damit die verfolgen können, was ich so anstelle in der Weltgeschichte, inzwischen lesen nicht nur (aktuelle und ehemalige) Kolleginnen und Kollegen mit, sondern auch der immer mal wieder hier erwähnte Schnitzer-Wirt (bzw. dessen Frau) und einige der Damen, die morgens mit meiner Mutter zum Frühschwimmen antreten.

Also, nachdem viele Leserinnen und Leser besorgt bei meiner Mutter oder bei mir nachgefragt haben: Es geht mir gut, und insbesondere geht es meinem Fuß wieder gut. Ich war zwar die letzten Tage nicht wandern (was bei der Hitze auch sonst nicht so wahnsinnig clever gewesen wäre, denke ich), und ich war noch nicht einmal in der Schweiz, aber ich habe meine Ersatzoma und meine Ma am Samstag in "Die Halde" in Oberried, in der Nähe des Schauinsland, entführt, auf dass wir da lecker essen. Und lecker gegessen haben wir definitiv!

Damit wir alle etwas Gutes trinken konnten, fuhren die Damen mit dem am Vortag nach meiner Ankunft aus Hannover noch am Bahnhof in Rötenbach aus dem Automaten gelassenen Neun-Euro-Ticket mit mir mit dem Bus von Bonndorf nach Neustadt, dann mit der S-Bahn hinunter nach Kirchzarten und schließlich mit dem Bus wieder hoch zur Halde.

Als Vorspeise gab es für meine Ma einen leckeren Salat, für mich ein gar fantastisches Forellentatar. Zur Hauptspeise wurden Atlantik-Wolfsbarsch, Zwiebelrostbraten und Rehnüssle verspeist, und zum Dessert gab es Schwärzwälder Kirschtorte, Zitroneneis mit Wodka und einen ertrunkenen Espresso, was auf Italienisch als "Espresso Affogato" viel besser klingt, denn da war Espresso, eine Kugel Vanilleeis und ein Whiskey-Likör drinnen.

Da es ein ganz unsägliches Freiburger Biergesöff gab - das gan ter selber trinken, der Braumeister! -, stiegen wir um auf Rosé (ich, Wein, jawoll!), der von Tannenzäpfle beim Umstieg in Kirchzarten auf dem Hin- und Rückweg umrahmt wurde ... (Zäpfle schmeckt nämlich, und Bier git Kraft!)

Der Heimweg war ein mittelprächtiges Abenteuer, denn nach dem Beinahe-Hitzschlag in Kirchzarten (die Halde liegt auf angenehmen 1.100 Metern, da waren es keine 36 Grad wie unten im Tal!) fiel der angepeilte Zug aus (kaputt!) - wir fuhren dann mit dem nächsten Zug nach Seebrugg anstatt nach Neustadt, stiegen dort in den Bus nach Rothaus um und dort dann wieder mit diesem saumäßig engen Anschluss (auch wenn der Bus eh wartet) nach Bonndorf.

Wir stiegen am Rathaus aus, verspeisten noch einen Absacker im "Kranz" und hatten dann glücklicherweise den Sonntag zum Erholen, mit Schwimmen und leckerem Frühstück im Schwimmbad und dem Seriengucken im Bett - herrlich!

Jetzt bin ich auf dem Weg nach Hannover, am Wochenende will ich mich ein bisschen erholen, wobei das bedeuten kann, dass ich ein bisschen in der Gegend herumfahre (vielleicht an die Ostsee, vielleicht nach Zittau ins deutsch-polnisch-tschechische Dreiländereck, denn in Polen und Tschechien war ich dieses Jahr noch nicht ...), mal sehen ...

Am Wochenende danach bin ich bei Wiesbaden zu einem Geburtstag eingeladen und plane, am Vorabend mal wieder das Sherry unsicher zu machen, am Wochenende darauf bin ich in zum Fischmarkt in Stuttgart (und bei Schwägerin und Bruder zu Besuch), am 16./17. Juli dann in England, das Wochenende darauf in Kaiserslautern und am letzten Juli-Wochenende zum weltberühmten Bonndorfer Schlossfest.

Freunde kommen Anfang September zu Besuch, und die Woche davor will ich eigentlich nochmal weg - Flüge sind ziemlich teuer, Usbekistan/Tadschikistan ginge, aber Tadschikistan will im Moment noch PCR-Tests bei Ein- und Ausreise, Malawi auch, und da sind die Flüge richtig teuer, noch teurer ist fast nur die Mongolei, Gabun ginge, aber da würde meine Ma gerne mit wegen Elefanten und Gorillas, das muss ich ein bisschen schieben, und so gibt es kein richtiges coronatestfreies, neues, einigermaßen günstig erreichbares Land im Moment, aber ich hoffe, dass sich das noch kurzfristig ändert ...

Joa, und dann naht fast schon wieder der Jahresabschluss, da wird - außer vielleicht einem Budapest-Wochenende zum Baden oder einem Istanbul-Trip zum Fährefahren - nicht so wahnsinnig viel sein mit Urlaubmachen, aber dann muss ich womöglich ein paar Tage wieder nach 2023 mitnehmen ... Das werde ich aber bestimmt berichten.

Samstag, 11. Juni 2022

Ein mühsames Geschäft

... war es heute (und das ist dann aber auch der letzte Jammer-Eintrag), von Brüssel nach Hannover zu kommen, aber da ich diese Zeilen im Zug nach Hannover vorschreibe, hoffe ich, dass da nicht mehr zu viel schiefgehen wird.

Erst einmal muss ich ein großes Lob loswerden, an die Freunde von TUIfly Belgium. Wie sich sowohl die Bodencrew in Montego Bay als auch die Flugbesatzung um mich gekümmert haben, mit Rollstuhl, mit Schmerztabletten, das war super. Ich spiele gern Ekel Alfred, wenn mir was nicht passt, aber dann muss ich auch mal loben, wenn Leute die berühmt-berüchtigte "Extrameile" gehen. Dass nicht alles hundertprozentig geklappt hat, dass sie mich dann beim Boarding kurzzeitig vergessen haben (aber dann kamen schnellstens gleich zwei Rollstühle angefahren ...) und dass, wenn ich keinen Assistenzdienst in Brüssel bestelle, natürlich auch keiner da ist, alles geschenkt, bei dieser Kurzfristigkeit, mit der wir alle operieren mussten. Mir kommt es hier auf das Erkennen der Notlage an, und das fing bei der jungen Bodenpersonaltante in Montego Bay an und hörte gar nicht mehr auf. Jetzt hätte ich fast ganz dick aufgetragen und was vom "Glauben an die Menschheit" erzählt, so viel Tränendrüse muss nun auch wieder nicht sein, aber so in die Richtung ging es dann schon, auch wegen des glatzköpfigen, tätowierten Belgiers, der mir bei der Gepäckausgabe mit dem Koffer helfen wollte, und der jungen Russin, die mir den Koffer in den Zug wuchtete. Herzlichen Dank!

Beim nochmaligen Lesen des gestrigen Blogeintrags ist mir aufgefallen, dass man den möglicherweise so missverstehen könnte, dass ich Rollstuhlfahrer insgesamt für lächerlich hielte - keineswegs war das meine Absicht! Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, wie hilflos ich mich fühlte, weil ich keinen einzigen Schritt schmerzfrei gehen konnte, und das alles wegen so eines blöden geschwollenen Knöchels.

Nachdem ich mich also beim Boarding in die Reihe gestellt hatte und mit meinem Humpeln und meinem leidenden Gesichtsausdruck (ja, jetzt zelebriere ich das auch ein bisschen, bin ja schließlich ein Mann!) die Check-in-Tante zur Frage, ob ich der "wheelchair passenger", also der Rollstuhl-Passagier, sei, veranlasst hatte, nachdem dann blitzschnell aus allen (naja, aus zwei Richtungen) Rollstühle angefahren kann, nachdem ich beim Boarding gesagt bekam, ich müsse nicht in meine hinterletzte Reihe, sondern könne mir - der Flieger sei leer, das sah beim Auswählen der Sitzplätze gar nicht so aus - eine Reihe aussuchen, kam ich dann in einer schönen Dreierreihe am Flügel zum Sitzen. Hier konnte ich mich ausbreiten, hier lag ich mal in die eine Richtung (Beine angewinkelt), mal in die andere Richtung (auch hier Beine angewinkelt), mal saß ich gegen die Wand des Flugzeuges gelehnt (aber leider auch gegen die nicht hochklappbare Außenrückenlehne), es war die zweite schlechte Nacht in Folge, aber am Ende schlief ich - die Augen auf meine eigene Rückenlehne gerichtet - sogar ein oder zwei Stunden. Glaube ich. Und werde mich morgen auch deswegen kaum bewegen können. Glaube ich.

Ich bekam dank der freundlichen Flugbegleiterin zwei Paracetamol-Tabletten verpasst, mit denen es ein bisschen besser wurde, aber 2 x 500 mg Paracetamol im Abstand von sieben Stunden hauen bei mir Ochsen halt auch nicht so richtig rein.

Als wir dann gelandet waren, war eben die nicht bestellte Assistenz auch nicht da, die Damen boten mir an, eine zu bestellen, aber das könne dauern, und am Ende - sportlicher Ehrgeiz und so, ich Vollidiot - entschied ich mich, es einfach zu probieren.

Ich hätte es sein lassen sollen, denn als ich an der Passkontrolle ankam, schwitzte ich wie ein - welches Tier hatte ich heute noch nicht? - Kamel, dass ich mich wunderte, nicht wegen Corona-Verdachts rausgezogen zu werden. Die elektronische Einreise der Belgier und ich werden keine Freunde mehr, denn wieder musste der Grenzer mich manuell freigeben, aber das ging wenigstens schneller als bei der Ausreise, dann humpelte ich weiter zur Gepäckausgabe.

Eine sehr freundliche Frau sprach mich an und bot mir an, noch etwas zu trinken zu holen für mich, aber ich lehnte dankend ab, lief zur Gepäckausgabe, als mein Koffer auch schon in Sicht kam. Ich fluchte und humpelte zum Gepäckband, der tätowierte Glatzkopf fragte mehrfach auf Flämisch, ob ich Hilfe bräuchte, aber am Heben liegt das Problem ja an sich nicht, wie ich feststellte.

Der Zoll wollte nix von mir (dann wäre ich, glaube ich, auch vollends zusammengebrochen), und nach zwei weiteren Erholungspausen kam ich am Ticketautomaten an.

Aus unerfindlichen Gründen war es günstiger, die Fahrt Flughafen - Brüssel-Nord und Brüssel-Nord - Aachen (ab Aachen fuhr ich wieder mit der Bahncard 100) getrennt zu buchen, so sparte ich am Ende mindestens fünf Euro, auch wenn ich für die kurze Strecke immer noch genug bezahlte.

Ich verließ mich auf die Gleisanzeige der (deutschen) Bahn-App und war verlassen, aber da war ich vielleicht auch ein bisschen selbst schuld, denn dass die fremde Gleisanzeigen aktualisieren, kann man vielleicht nicht erwarten. Also musste ich wieder mit dem Fahrstuhl von Gleis 3 hoch, zum Gleis 1 fahren und dann mit dem Fahrstuhl runter. Aua.

Das Einsteigen in den Zug klappte mit Hilfe der (vielsprachigen) Russin gut, aber als ich dann in Brüssel-Nord ausstieg, streikte alles. Der rechte Fuß - geschwollen, aua; der linke Oberschenkel - überbeansprucht, aua. Ich stand da, kam nicht vor und nicht zurück und überlegte, mich einfach auf den Boden zu legen und zu warten, was passiert. (Jetzt kann ich darüber lachen, aber in dem Moment war mir definitiv nicht nach Lachen.)

Ich humpelte also zum Aufzug, lief in der Unterführung zum anderen Aufzug und fuhr hoch. Da war zum Glück eine Bank in erreichbarer Entfernung, und auf die setzte ich mich für die folgende Stunde. Ich sah den ICE, mit dem ich fahren wollte, auf dem Hinweg nach Brüssel-Süd und erkannte, dass meine Position strategisch günstig am Ende des Zuges sein würde.

Der Zug kam pünktlich, ich erwischte auch den Einstieg ganz gut, das passte alles, und ich fand auch einen Platz. Bei Überschreiten der deutschen Grenze zog ich mir auch die Maske an, und bis Köln ging alles glimpflich.

In Köln kamen wir auch nahe bei den Aufzügen zum Stehen (da hatte ich bisher einigermaßen Glück gehabt), und ich wollte noch in die Apotheke am Kölner Hauptbahnhof. Nur, die fand ich nicht auf Anhieb. Der Humpelotto humpelte aber weiter, und siehe da: "Apotheke"!

Die Apothekerin fragte - anders als die Stewardess im Flieger - nicht nach Allergien und Alkoholkonsum in den letzten Stunden, sondern drückte mir einfach Ibuprofen in die Hand und ließ mich in Ruhe (danke!). Ich lief - im Kölner Bahnhof ist ein kleiner Anstieg, den man als normaler Fußgänger gar nicht wahrnimmt, aber für mich war das heute fast der Mount Everest - zu meinem Gleis, das gerammelt voll war, weil gerade eine Regionalbahn angekommen war.

Ich fand dann aber auch einen Sitzplatz am Gleis und später in der Bahn auch, nur war der "ggf. freigeben" und natürlich kam da einer, der kurzfristig reserviert hatte. Ich hatte meinen Koffer schon ins Gepäckfach über den Sitzen gewuchtet (das Heben war ja nicht das Problem, an den Armen habe ich ja nix), da blieb er auch, denn ich verzog mich ins nahegelegene Bordbistro und blieb hier praktisch bis Hannover. Ich trank hier erstmal Wasser, Cola und Apfelschorle im Akkord und bestellte am Schluss noch eine Currywurst, die keine Offenbarung war, aber auch nicht furchtbar.

Inzwischen schlugen die beiden Ibuprofens auch ganz gut an, sodass ich mich langsam, auch noch humpelnd, aber nicht mehr mit diesen Monsterschmerzen zur Stadtbahn begab und mich dann von der Haltestelle auch noch in die Wohnung bugsierte. Einmal musste ich aufpassen, dass ich nicht rücklings von der Treppe purzle - das hätte gerade noch gefehlt -, aber auch diese Situation überstand ich (nach heute fühle ich mich fast unbesiegbar, höhö).

Zwischenzeitlich hat jetzt auch der Familienrat getagt und mir eine formelle Rüge ausgestellt, aber das war mir grad egal, denn ich ging erstmal duschen, schockfrostete den Fuß und jetzt sitze ich hier im Wohnzimmer, Fuß hoch, mal sehen, wann aus dem Elefantenfuß wieder ein menschlicher wird.

Oh Mann, das war heute wieder eine wirkliche Achdorf-Aktion, der Schnitzer-Wirt sagt: "Der fliegt nie wieder." Aber damit liegt der Schnitzer-Wirt ziemlich sicher falsch, denn schon in fünf Wochen geht es nach England zur Frauen-EM (wenn mir nicht das prognostizierte Sommerchaos an den Flughäfen in die Quere kommt).

Es war aber, wenn vom etwas unschönen Heimflug absieht, eine wunderbare Reise - ich habe viel von Jamaika gesehen, nicht nur die Strände, sondern auch die unglaublich grünen Landschaften in der Inselmitte und das moderne Kingston, ich habe - sehr bewusst - viel jamaikanisches Essen zu mir genommen und es nie bereut, ich habe viel jamaikanische Musik erlebt und über sie erfahren (auch auf dem Rückflug hatte ich die meiste Zeit Bob Marley im Ohr).

Das war richtig, richtig schön - und es gibt ja noch so viel zu sehen: Schnorcheln war ich nicht einmal, in den Blue Mountains war ich nicht, in Kingston auch nicht in den alten Stadtbezirken, Ocho Rios und viele andere, für ihre schönen Strände bekannten Ortschaften müsste ich mir nochmal angucken. Das Fortkommen mit Knutsford war wunderbar, die Busse fahren pünktlich, man kommt - außer bei dem Unwetter auf dem Weg nach Negril - pünktlich an, das WLAN funktioniert meist, Stecker gibt es meist ebenso im Bus, das ist richtig gut, mit denen zu reisen (auch wenn ich mir durchaus zutrauen würde, in Jamaika auch selbst zu fahren, sooo schlecht sind die Straßen nicht).

Ich werde nach dieser Erfahrung zukünftig mehr darauf achten, Schmerztabletten in den Kulturbeutel zu packen (ist auch eine Auflage des Familienrates), dann klappt das auch mit den Heimflügen ... (Und ich bin richtig froh, morgen noch einen freien Tag zu haben, weil ich jetzt zwei Nächte nicht wirklich gut gepennt habe.)

Over and out für Jamaika, war wirklich sehr schön. 

Freitag, 10. Juni 2022

Komplett lächerlich

... kam ich mir heute vor, denn ich ließ mich tatsächlich im Rollstuhl durch den Flughafen transportieren - mein Fuß tut so dermaßen weh, dass ich nicht wirklich auftreten kann, es ist zum Heulen. Für den Weg vom Bett ins Bad habe ich gefühlt fünf Minuten gebraucht, und weil ich Intelligenzbestie weder Schmerztabletten dabei habe noch eine Apotheke gefunden habe, tut das halt weiterhin weh.

Den Abschlussschwimm und das Frühstück habe ich dementsprechend heute Morgen abgeblasen, weil ich sonst nicht fertig geworden wäre, und zu allem Überfluss war das Wasser in der Dusche nur die ersten drei Sekunden wirklich kalt, dann wurde es - egal, in welcher Position der Temperaturhebel war - deutlich wärmer, sodass das auch nicht richtig Kühlung versprach.

Die Leute, egal ob im Hotel, mein Taxifahrer, die Leute vom und im Bus oder die Leute am Flughafen, waren alle zuckersüß und sorgten sich - glaube ich - ernsthaft um mich, Herrje, selbst die Taxifahrer am Flughafen guckten mich zerknirscht an ... Beim Aussteigen war ich zu allem Überfluss noch über meine eigenen Flipflops (andere Schuhe kriege ich heute nicht über den rechten Fuß gezogen) gestolpert und dachte, ich hätte die zerstört, aber ein freundlicher Taxifahrer baute den verunfallten Flipflop wieder zusammen ...

Alles in allem also ein sehr unglücklicher Abschluss der Reise, aber ich bin trotz allem zuversichtlich, dass ich es überleben werde, und das letzte Mal in der Karibik schwimmen werde ich gestern hoffentlich auch nicht gewesen sein.

Jetzt sitze ich am Flughafen, habe mir dooferweise den Rollstuhl abnehmen lassen, sodass ich ziemlich immobil bin, aber ich hoffe, dass ich im Flieger dann doch ein bisschen schlafen und mich erholen kann. Achso, schlafen konnte ich heute Nacht im Hotel kaum, nicht nur des Fußes wegen, sondern auch, weil so ein bekloppter Vogel die ganze Zeit eine Partnerin oder einen Partner anlocken wollte und alle drei Sekunden ein Piepen von sich gab ...

Ein bisschen zu lachen hatte ich heute aber doch:


Ein Kandidat für den Darwin Award

... war ich heute, aus vielerlei Gründen. Der Darwin Award ist ein sarkastischer Preis für jene unglücklichen Zeitgenossen, die sich durch ihre besonders doofen Aktionen aus dem Genpool zurückziehen, indem sie bei diesen Verrichtungen entweder ihr Leben oder zumindest ihre Zeugungsfähigkeit verlieren.

Jedes Kind weiß, dass man sich bei Gewitter möglichst ins Gebäude zurückziehen und keinesfalls schwimmen gehen soll. Joa, was macht der blitzgescheite Autor heute, als er (im Zimmer) hört, dass es erst kracht (Donner, kein Schuttabladen, wie ich zuerst dachte) und dann regnet? Ja, klar, er wirft sich in die Fluten des tropischen Gewitters und geht ins Meer schwimmen!

Ich war tatsächlich der Ansicht, dass der Donner von einer Baustelle nebenan kam, und das mit dem Schwimmen im Regen und dem Spaß daran habe ich ja schon öfter erklärt. Aber als es dann, während ich im Meer war, weiter donnerte (und so viel Schutt kann es gar nicht geben), entstieg ich dann doch zügig den Fluten, zog mich wieder an und ging zurück auf mein Zimmer. Held, Mann ey!

Der Tag heute begann schon nicht gut, denn als ich heute aufwachte, tat mir der Fuß mal wieder weh. Ich werde in den letzten Tagen zu wenig getrunken haben, zudem hatte ich mir meine Kontaktlinse zerrupft, aber das erst einen Tag später gesehen, Entzündungen über Entzündungen in meinem Körper, da stimmt die Gicht im Fuß halt mit ein.

Ich humpelte also zum Frühstück, aß lecker Callaloo (das ist wirklich lecker, vor allem mit den Beilagen, auch wenn es einzeln ein wenig gewöhnungsbedürftig schmeckt), trank viiiiel Wasser und wieder ein Ginger Beer, ging wieder ins Zimmer, holte mein Zeug und machte es mir - jetzt doch - am Strand gemütlich.

Ich lag da im Schatten unter dem großen Baum, das Handtuch über meine Beine gezogen (weil doch ein bisschen Sonne durch die Baumwipfel kam), und daddelte auf dem Handy, zog mir aber - als das alle war - auch die Kappe ins Gesicht und versuchte, ein bisschen zu dösen.

Zwischendurch humpelte ich mal ins Meer, etliche Jamaikaner nahmen Anteil an meinen Schmerzen, eine Frau empfahl mir ihr Hausmittel (Ingwer, Essig und noch etwas, was ich nicht verstand), ich legte mich aber wieder auf die Liege und hielt still.

Nachdem ich dann von der Darwin-Award-Aktion wider Erwarten gesund ins Zimmer zurückgekommen war, wollte ich eben eigentlich noch einmal schwimmen gehen, aber den Weg ans Meer und zurück sparte ich mir. Ich duschte (lange, heiß und kalt) und ging zum Abendessen.

Das alles kann ich hier so entspannt schreiben und das Abendessen gleich noch beschreiben, weil ich endlich entdeckt habe, wie dieser sch....öne Adapter funktioniert: Da ist ein zu drehendes Teil an dem Teufelsding, dessen Öffnung man auf den zu verwendenden Steckertyp einstellen muss, und, siehe da, plötzlich klappte es auch mit dem Aufladen des Computers und des anderen Handys. (Mein privates Samsung-Handy kann ich über die sehr praktischen USB-Stecker, die in allen drei Hotels vorhanden waren, aufladen, das Dienst-iPhone ist sich für so etwas ja zu fein ...)

Das Abendessen war lecker, ich bestellte einen gegrillten Fisch, der war lecker und hatte genau die richtige Größe. Den Heimweg schaffte ich unter Schmerzen, mal sehen, was das morgen so gibt ...

Morgen geht es um 9 Uhr mit dem Bus zurück nach Montego Bay, um 15.35 Uhr geht mein Flieger, sodass ich am Samstag Morgen planmäßig um 8.30 Uhr in Brüssel ankommen sollte. Angepeilt ist der Zug nach Brüssel-Nord um 10.13 Uhr, wo ich dann ausreichend Zeit zum Umsteigen in den ICE nach Köln haben müsste. Von Köln geht es dann nach Hannover, wo ich - wenn alles klappt ... - um 15.28 Uhr ankäme. Mal sehen, was das wird ...

Strand von der Invalidenliege aus

Callaloo (das Grünzeug) mit zweierlei Bananen, Festival und so Gedöns


Donnerstag, 9. Juni 2022

Ein fauler Tag am Strand

 ... ist so ganz uncharakteristisch für den 1111. Blogeintrag - Schnapszahl, juchhe! -, aber das war es heute - wobei, so wahnsinnig viel am Strand war ich gar nicht, ich habe zum Teil auch einfach die Kühle in meinem Zimmer genossen, weil der Himmel zwar bedeckt war, aber die Sonnenschirme schon alle belegt waren am Strand, da wollte ich nichts riskieren, und das war auch gut so, glaube ich ...

Das Abendessen gestern Abend war sehr lecker, ich aß Fischfilet auf jamaikanische "Escovitch"-Art, was wohl eine besondere Art der Marinade ist. Lecker war's jedenfalls, und auch sehr reichhaltig, so reichhaltig, dass ich darauf noch zwei Cocktails verdrückte, die auf die sehr appetitlichen Namen "Mudslide" ("Schlammlawine") und "Dirty Banana" ("Dreckige Banane") hörten, aber sehr lecker waren.

Heute Morgen hatte ich ein bisschen Kopfweh, und ich bin nicht sicher, ob das an zu vielen Cocktails, zu wenig Wasser oder zu viel Klimaanlage lag, jedenfalls habe ich heute Abend keinen Alkohol mehr getrunken, wobei ich es heute Mittag mit drei Bier wahrscheinlich auch nicht so wahnsinnig klug angestellt habe ...

Das Frühstück war auch gut, es gab endlich Akee mit Salzfisch, joa, nicht verkehrt, morgen probiere ich etwas anderes, dann ging ich schwimmen und pendelte zwischen Meer und Zimmer hin und her. Ich aß in der benachbarten 24-Stunden-Kneipe mit guten (aber wenigen) Bewertungen gut und teuer zu Mittag und kam am späten Nachmittag bei tiefhängenden Wolken wieder an den Strand und blieb, keine Ahnung, wahrscheinlich eine Stunde im Meer und sinnierte über Gott und die Welt nach (nicht "Gold und die Welt", wie ich eben fast wieder eine meiner Stilblüten produziert hätte ...).

Natürlich musste ich noch zu Abend essen, es gab noch einmal Jerk Chicken, das war aber gut und viel, aber jetzt bin ich trotzdem halbwegs früh im Bett, und das ist auch okay so.

Morgen wird das nochmal so ein Gammeltag, und dann geht es ja - leider ... - schon wieder in Richtung Europa.

Akee mit Salzfisch

Mittwoch, 8. Juni 2022

Taxifahrer sauer, ich sauer, App schuld

So lässt sich die Situation heute Morgen zusammenfassen, nachdem ich den Fehler gemacht hatte, mit dem Uber zum Überlandbus kutschiert werden zu wollen. Die Uber-App verband mich mit einem lokalen Anbieter, was nicht ungewöhnlich ist, zeigte mir dann aber als Abholpunkt eine Bushaltestelle an der Hauptstraße an. Da fluchte ich schon einmal, weil ich meinen Koffer nicht gern die 100 Meter da hoch ziehen wollte, in der schon um 8.30 Uhr nicht unbeträchtlichen Hitze. Jetzt hatte ich das Teil aber nunmal gebucht, also marschierte ich da hoch, wurde von mindestens drei Taxis angehupt, ob ich mitfahren wolle, und stand dann an der Haltestelle doof in der Gegend herum.

Ständig klingelte mein Telefon, mein Fahrer versuchte mich wohl zu erwischen, aber da jede Minute mich 1,50 Euro gekostet hätte (bei drei, vier Euro für die Fahrt), ignorierte ich die Anrufe, zumal die jamaikanischen Taxifahrer gerne mal anzurufen scheinen, um sich zum dritten Mal rückzuversichern, dass die Zeit stimmt. Der Typ kam und kam nicht, also guckte ich dann - nach dem fünften Anruf - doch mal, ob er am Tor meiner Unterkunft steht. Ja, klar, natürlich stand er.

Er gestikulierte wild in meine Richtung, ich gestikulierte wild zurück, das Streitgespräch blieb in der Lautstärke leicht erhöht, aber zivilisiert, und am Ende, als ich drin saß, und wir das Problem eruierten, waren wir uns einig, dass die App Mist gebaut hatte. "Work in progress" sei hier vieles in Jamaika bei solchen App-Anbindungen, also noch ein bisschen Baustelle das alles, und vermutlich kannte die App die Straße zu meiner Unterkunft nicht, sodass sie mir den Abholpunkt anzeigte, während der Fahrer genau wusste, wie er zu meiner Unterkunft kommt.

Am Ende verstanden wir einander, gaben uns die Hand und ich stiefelte zu meiner Busgesellschaft.

Der Check-in ging reibungslos, nur gab mir die Dame keinen Stift, um den Kofferanhänger auszufüllen, sodass ich beim Beladen des Busses dann doch rausgezogen wurde, mir einen Stift von einer Mitpassagierin leihen musste, und auf den Anhänger irgendetwas draufkritzelte, was im Notfall kaum jemand als meinen Namen und meine Telefonnummer hätte entziffern können.

Ich hatte im Kopf gehabt, dass wir auf der Südseite der Insel nach Negril fahren würden, aber es kann sein, dass sie uns mit dem Bus nach Montego Bay zusammengelegt haben, denn in den Bus musste ich umsteigen, auf dass ich am Flughafen in Montego Bay in einen anderen Bus nach Negril umsteigen möge. (Mein Gepäck wurde aber in Montego Bay ohne mein Zutun umgeladen, von daher war mir das fast wurscht.)

Es ging die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg zurück, über diese unglaublich grüne und durchaus gebirgige Insel, das Wetter war heute (zumindest auf der Strecke) gut, es regnete praktisch nicht, aber man merkte, dass Werktag war, denn wir kamen etwas später als am Sonntag am Ziel (heute in Montego Bay) an. (Unterwegs hörte ich jede Menge Bob-Marley-Reggae und danach noch ein bisschen von dem, was Amazon Music für Ska und Dancehall hält.) Wir Leute nach Negril mussten eine Viertelstunde auf den Bus warten, in dem gab es weder Stecker noch funktionierendes WLAN (anders auf dem ersten Teil der Strecke im anderen Bus), sodass ich das Samsung-Gedudel meines Handys in Endlosschleife anhörte, um die Amerikaner hinter mir nicht hören und vor lauter lautstark geäußerter Gottesgläubigkeit erwürgen zu müssen.

Auf der Strecke von Montego Bay nach Negril fing es praktisch sofort nach der Abfahrt an zu regnen, und zum Teil waren das ganze Sturzbäche, die vom Himmel fielen. Entsprechend langsam ging es verkehrsmäßig voran, sodass wir mit 30, 45 Minuten Verspätung in Negril ankamen.

Mein Taxifahrer war von dem Geschäft, was er mit mir machte, wenig begeistert, obwohl ich für die 500 Meter zum Hotel gutes Geld bezahlte (aber eben nicht den Preis, den er hatte haben wollen), aber wenigstens war ich einmal so klug gewesen, die Strecke nicht laufen zu wollen.

Als ich ankam, standen schon wieder zwei Gruppen vor mir und ich dachte mir, dass das ja heiter werden könne, als schon ein Mensch von der Rezeption mit Klemmbrett unter dem Arm angetrabt kam, meine Daten abglich, meinen Pass kopierte, während ich die Formulare ausfüllte, mir Schlüssel und Handtuchkarte zulieferte und am Ende ein fettes Lob für diesen sehr schnellen und sehr geschickten Check-in-Prozess kassierte - seht ihr, Jamaikaner, so wird das gemacht!

Mein Zimmer im ersten Stock ist wunderbar, mit abnehmbarem Duschkopf (und gerade so erträglichem Wasserdruck), alles wunderbar, aber ich hielt mich nicht lang auf, sondern ging erstmal an den Strand. Dort trank ich unter einem wunderbaren schattigen Baum zwei Bier, an der Reaktionsgeschwindigkeit können sie noch arbeiten, sonst hätte ich vielleicht in der Zeit auch drei Bier getrunken, aber dass jemand so schnell ein Bier verdrückt, kennen die vielleicht gar nicht ...

Danach ging ich noch kurz schwimmen, wurde von einem alten Gesellen angesprochen, ob ich ein bisschen Ganja, also Gras, kaufen will, ich lehnte ab mit der (wahren) Aussage, dass mein Vater vom Rauchen gestorben sei (dass mein Vater wahrscheinlich nie im Leben Marihuana geraucht hat, muss der Typ ja nicht wissen), und überraschenderweise ließ er mich danach auch sofort in Ruhe ...

Das Wasser ist herrlich hier am angeblichen sieben Meilen langen Strand, hier gefällt es mir schon einmal auf Anhieb.

Jetzt bin ich geduscht und gehe gleich zum Abendessen auf der Terrasse am Strand, nebenan ist noch eine Bar mit Musik, vielleicht trinke ich dort den Absacker, aber darüber berichte ich morgen.

Unterwegs im Inselinneren

Negril: Blick aufs Meer

Strand nach links

... und Strand nach rechts