Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Mittwoch, 20. Juni 2018

Fotos aus Israel, Palästina und Serbien

Jaffa von Tel Aviv aus

Coole Konstruktion in Jaffa

Das Tote Meer
Begrüßung des Sabbat
  

In der Altstadt von Jerusalem

Bahái-Tempel in Haifa

Verkündungskirche, Nazareth

Verkündungskirche

See Genezareth



Von der Grabeskirche ...

... nochmal Grabeskirche in die ...

Geburtskirche in Bethlehem mit ...

... der Geburtsstätte Jesu

Downtown Jerusalem

Festung in Belgrad

Save und Donau

Festungsmauern
Die Fotos stehen hier mit freundlicher Genehmigung von Christian - die beiden haben mir ein sehr hübsches Fotobuch geschenkt (das machen die beiden bei ihren Reisen offenbar immer so), vielen Dank auch an dieser Stelle noch einmal!

Freitag, 15. Juni 2018

Ceterum censeo

Zarte 14 Lenze hatte ich auf dem Buckel (naja, versicherungsmathematisch waren es schon 15), als ich das letzte Mal in Tunesien war, damals auf der Insel Djerba. Die Autoausfahrt zur legendären Fata Morgana brach meine Mutter ab, weil meine beiden Neffen und ich uns nur hinten im Auto herumfläzten, während sie uns durch die Pampa fuhr - da hatte sie dann irgendwann keine Lust mehr drauf.

Nun saßen meine Mutter und ich gestern in einer der drei Lokalitäten, an denen ich normalerweise Reisen buchen (im Büro, höhö, in meiner Wohnung oder im Sherry & Port), tranken ein Bierchen und buchten unsere diesjährige Weihnachtsreise - es geht am 22. Dezember mit der Alitalia über Rom nach Tunis und am 26. Dezember zurück.

Wir hatten Tunis, Beirut, Tiflis, Tel Aviv und Kairo in der Verlosung, und weil Tunis neben Beirut die Stadt ist, in der ich noch nicht war, haben wir uns für Tunis entschieden. Der Barkeeper erklärte uns zum wiederholten Male für verrückt, aber ich freue mich sehr auf Karthago ("ceterum censeo Carthaginem esse delendam", sprach der Lateiner und meinte, dass Karthago zerstört werde müsse, was die Römer dann ziemlich gründlich taten ...), und in Tunis selbst wird man sich sicher auch das eine oder andere ansehen können.

Seit 2010 waren wir an Weihnachten nicht mehr daheim, und nach Vilnius, Zypern, Brüssel, St. Malo, Algier, Marseille, Belfast und Sarajevo wird nun eben zum zweiten Mal eine nordafrikanische Großstadt von uns zu Heilig Abend beglückt. Das wird schön ...

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Bilder aus Israel hängen noch ein bisschen, weil ich die 7 Gigabyte große gepackte Datei nicht aufkriege mit meinen bescheidenen technischen Mitteln. Christian wird mir in den nächsten Tagen wahrscheinlich einen USB-Stick mitbringen, da sollte sogar ich das hinbekommen ...

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In acht Tagen bin ich schon fast am Flughafen, denn am nächsten Samstag um 20.20 Uhr geht mein Flieger nach Belgrad, wo ich dann in meinen Flieger nach Moskau umsteigen werde. Das wird auch schön ...

Dienstag, 12. Juni 2018

Blitzeinschlag bei der Betankung

... wäre, glaube ich, kein guter Abschluss einer Urlaubsreise, und das sah offenbar auch Air Serbia so. Weil das für uns vorgesehene Flugzeug an seinem vorherigen Abflugsort angeblich wegen eines Gewitters nicht betankt werden konnte, hatten wir gut zwei Stunden Verspätung und kamen dementsprechend erst gut zwei Stunden später als geplant, gegen 21.30 Uhr, in Frankfurt an.

Die Gepäckausgabe dauerte ewig, aber dann kamen unsere Gepäckstücke ziemlich zügig, sodass ich - nach einer kurzen Verabschiedung - noch die S-Bahn nach Wiesbaden schaffte. Um 23 Uhr war ich zu Hause und einige Zeit danach im Bettchen.

Schön war's in Tel Aviv, am Toten Meer, in Jerusalem, in Haifa, in Nazareth, am See Genezareth, in Bethlehem und schließlich in Belgrad, interessant war es in Israel und Palästina und Serbien, lecker das Essen, gut (und zahlreich ...) die Biere ...

In elf Tagen geht es schon wieder weiter, der Juni hat es ein bisschen in sich, denn am 23. Juni fliege ich abends mal wieder nach Belgrad und vor dort weiter nach Moskau - ich bin schon wieder sehr gespannt.

Montag, 11. Juni 2018

Total aberwitzig

... war ich heute unterwegs, jedenfalls war die Einsteigetante am Flughafen in Tel Aviv dieser Ansicht.

Nach diesem Kaltstart fangen wir dort an, wo man eine schön linear strukturierte Erzählung anfangen sollte: nämlich in der Mitte. Wir sitzen gerade in Belgrad am Flughafen und warten auf das Boarding unseres Fluges nach Frankfurt.

Wir waren gestern doch einigermaßen zeitig im Bett, sodass ich doch zu vier oder fünf Stunden Schlaf kam. Der Wecker um 1.45 Uhr war trotzdem nicht das, was ich mir unter einem entspannten Morgen vorstelle. Sei's drum, wir waren um 2.30 Uhr fertig, setzten uns ins Auto und fuhren in Richtung Flughafen.

Die Fahrt war ereignislos, außer dass der ein oder andere Wagen mit Warnblinklicht auf den Strandstreifen zwischen Autobahn und Ausfahrt stand und keiner wusste, was der da will. Wir tankten noch (mit einigen Schwierigkeiten aufgrund der ausschließlich hebräischen Beschriftung) voll und gaben dann das Auto ab. Um 3.45 Uhr waren wir im Abflugbereich und damit ein bisschen früh dran - sorry ...

Nach dem letzten Raucherausflug stellten wir uns in die Schlange zur Sicherheitsbefragung. Die Sicherheitsfachtante dort gehört gefeuert, denn sie schätzte ausgerechnet Christian, der eine Stunde später einem armen, unschuldigen Mann, der ihm den Stuhl ins Kreuz gerammt hatte, aber ganz ordentlich die Meinung geigte, die harmlose Sicherheitskontrolle, während Jessi darunter leiden musste, dass die Dame sie offenbar für meine Freundin hielt und sie daher meine Sonderbehandlung auch mitbekam.

Am Ende war das Schlimmste an der Sonderbehandlung, die heute auf Sprengstoffe ausgerichtet war (nicht mal dort musste man übrigens Schuhe ausziehen), dass Christian uns danach den ganzen Tag lang mit der Erwähnung seiner vermeintlichen Harmlosigkeit beglückte. Dass er aufgrund seines fast biblischen Alters einfach nicht mehr in die Terroristenzielgruppe fiel, mochte er doch nicht so recht glauben ...

Am Gate ging alles nicht ganz so megazügig, aber da stand eine Maschine rum, mit der man an manchen Flughäfen (wenn sie nicht gesperrt ist), selbst die Bordkarte auf den Kartenleser legt und dann durchgeht. Das machte ich also dort, was für die israelische Check-in-Tante wohl der absurdeste Gedanke war, den man auf diesem Planeten haben kann: Da könne ja jeder kommen und sich selbst boarden - ja, junge Dame, genau für so etwas steht so ein Gerät doch da ...

(Und wenn sie es aus Sicherheitsgründen, etwa weil sie Namen auf dem Reisepass mit dem Namen auf der Bordkarte abgleichen will - was sie aber nicht tat! -, möchte, dass man bei ihr boardet, dann muss sie das Gerät halt ausschalten, denn so war das ""Missverständnis" ihr Fehler und nicht meiner ...)

Der Flug war dann ziemlich ereignislos (soweit ich davon etwas mitbekam, denn ich hatte gefühlt zwei Drittel der Zeit die Augen zu), und quasi pünktlich kamen wir auch noch an. Die Einreise ging sehr schnell, aber den Bus in die Stadt hatten wir trotzdem verpasst, sodass wir in Ruhe mit Getränkekaufen und Rauchen und Erzählen die Zeit verbummelten, bis der Bus kam.

Wir fuhren mit dem Bummelbus also durch die Vororte von Belgrad und stiegen kurz hinter der Brücke über die Save aus. Ein kurzer Fußmarsch vorbei an der österreichischen Botschaft folgte, und dann betraten wir den Kalegmedan-Park. Wir umrundeten die Festung, machten Fotos vom Zusammenfluss von Save und Donau, schauten uns ein paar Festungstore an und kamen dann in der Manufaktura zum Sitzen.

Das Essen war sehr lecker und - gerade nach den israelischen Preisen - sehr, sehr bezahlbar: Es wurde ein Mixed Grill für zwei Personen und ein Karadjordje-Steak (eine Art Cordon Bleu) verdrückt, dazu wurde Bier konsumiert. Den Abschluss des Mittagessens bildete ein Eis, gefolgt von einem Spaziergang zur Bushaltestelle.

Bus 72 kam pünktlich, und wir waren viel zu früh wieder am Flughafen. Ob wir jetzt drinnen oder draußen saßen, war uns egal, also reisten wir aus (bekamen diesmal - anders als im März - einen Ausreisestempel) und setzten uns in den Wartebereich.

Gleich geht es zum Boarding und danach fliegen wir - wenig überrachend - heim. Restlicher Bericht dann wahrscheinlich morgen oder so.

Sonntag, 10. Juni 2018

Pech mit dem Tempelberg

... habe ich irgendwie - 2015 war Freitag, da war der Tempelberg zu, weil ich doof war und übersehen hatte, dass das Freitagsgebet am Freitag stattfindet, diesmal war der Tempelberg zu, weil Ramadan ist und meine Informationen, dass während des Ramadans zumindest morgens offen sei, veraltet waren. Da sprechen die Israelis und die Tempelbergverwalter sich doch ab, dass die immer den Tempelberg zumachen, wenn ich im Anmarsch bin! Saftladen, alle miteinander ... Aber okay, ich werde irgendwann (bald?!) noch einmal wiederkommen, und wenn die Muslime dann spontan einen hohen Feiertag erfinden namens

عطلة مؤلف المدونة 

(das heißt laut Google Maps: Feiertag des Autors des Blogs), dann werde ich sauer ...

Nun, ich hatte heute Morgen noch einmal den Plan umgeworfen: Eigentlich wollten wir mit dem Bus vom Hotel in die Altstadt fahren, aber weil das umständlich war, bat ich doch darum, mit dem Auto in das Parkhaus zu fahren, in das wir am Freitag schon erfolglos wollten.

Die Ampeln waren auch heute rot, aber der Einlasswächter ließ uns trotzdem ein, und nun standen wir da im Parkhaus, marschierten die Treppen hoch (Aufzug kaputt) und waren wenige Meter vom Ziontor in die Altstadt entfernt.


Wir gingen zunächst zur Post und bezahlten den Strafzettel, ehe wir erfolglos um Einlass am Tempelberg ersuchten. Zum Trost gingen wir nochmal zur Westmauer, guckten uns die heute aus der Nähe an und gingen dann in Richtung des muslimischen und des christlichen Viertels. Unterwegs machte Christian ein Foto mit Jessi und zwei Soldaten (er wurde - für mich leicht überraschend - nicht sofort erschossen ... Er hatte vorher gefragt, keine Sorge ...), und dann ging es die Via Dolorosa hoch zur Grabeskirche.

Wir umrundeten die Grabeskirche einmal unfreiwillig, kamen dann aber an einen Eingang und hatten Glück, dass wir für den Zutritt zum "Grab Jesu" nicht so ewig lange anstehen mussten (halbe Stunde, maximal, würde ich sagen). Kurz vor uns war ein Gottesdienst gegenüber zu Ende, und der Pope kam aus seiner Kapelle stolziert; daher wurde das Grab kurzzeitig geschlossen, gerade als wir dran waren. Aber nach wenigen Minuten wurde die Grabkammer wieder geöffnet, wir konnten für einige Sekunden rein, ehe der Aufseher an den Ausgang klatschte als Zeichen, dass wir wieder rauskommen sollten, und schon waren wir draußen.

Wir guckten uns eine orthodoxe und eine armenische Kapelle an und verließen dann die Grabeskirche in Richtung Damaskus-Tor. Wir bahnten uns den Weg durch die (großteils muslimischen) Menschenmassen, auch wenn ab und zu ein orthodoxer Jude durchs Bild huschte (was ich trotz der momentan einigermaßen entspannten Gefühlslage nicht unbedingt so erwartet hätte ...).

Am Damaskustor liegt der "arabische Busbahnhof", und dort fanden wir mit ein bisschen Herumfragen (Christian erwies sich da heute als außerordentlich hilfreich, weil der einfach die Leut anquatscht und notfalls am Bus klopft, selbst wenn der schon halb unterwegs ist ...) den Bus nach Bethlehem.

Der Bus fuhr am Checkpoint vorbei nach Beit Jala und ließ uns am unteren Ende des Hügels zur Geburtskirche heraus. Wir wehrten diverse Taxifahrer ab, die uns Touren verkaufen wollten, und erklommen den Hügel. Das Gewirr aus Menschen, Taxis und sonstigen Gefährten war deutlich größer als in Jerusalem, sodass wir drei durchaus den Unterschied zwischen dem israelischen Jerusalem und dem palästinensischen Bethlehem fühlten, spürten und sahen ...

Wir versuchten, unsere Trinkpause zwischendurch möglichst so zu gestalten, dass nur wenige Muslime uns sahen wegen des Ramadans, und erreichten schließlich die Geburtskirche. Die Schlange zur Geburtsgrotte war bewältigbar, aber hochgradig chaotisch, doch wir wussten uns durchzusetzen (Christian: "Jessi, du blockierst jetzt die hinter dir, damit wir da reinkommen.").

Joa, da unten ist halt die Stelle der Geburt Jesu mit einem Stern markiert (das ist die griechisch-orthodoxe "Kirche", und schräg gegenüber ist der Ort der Krippe Jesu (das ist die katholische Kirche), und das alles auf einem Raum, der kleiner ist als meine Toilette in meiner durchaus kleinen Wohnung. Irgendein TÜV-Prüfer dürfte das nicht auf Paniksicherheit überprüfen, die Geburtskirche würde umgehend geschlossen und für immer versiegelt. (Ganz besonders, wenn hinter einem auf einmal zig Menschen anfangen, auf Kommando das Vaterunser oder das Glaubensbekenntnis oder was auch immer zu murmeln, und immer lauter werden, je näher man der Grotte kommt - das fand ich richtig beängstigend ...)

Wir guckten uns noch den Kreuzgang des Franziskaner-Klosters an, brachten die Zählung der Schäfchen des Reiseleiters durcheinander, weil wir mitten in seine Reisegruppe hineinplatzten, und gingen dann die Straße hinunter in Richtung Bushaltestelle.

Unterwegs aßen Jessi und ich noch ein Schawarma und tranken Wasser bzw. Cola und hatten am Fuße des Hügels Glück, dass Christian gerade noch - an der schon geschlossenen Tür klopfend - den Bus für uns aufhielt.

Es ging wieder durch Beit Jala, und dann fuhren wir durch den Checkpoint. Der Bus hielt an, einige stiegen aus (das waren die Palästinenser), die Drittausländer (einschließlich uns) wussten nicht, was zu tun war, und blieben sitzen, während sich die Palästinenser am Bus in Reih und Glied aufstellten. Drei israelische Soldaten kamen rein, beglotzten unsere Pässe, alles gut, danach wurden die Palästinenser einzeln kontrolliert und durften erst nach einem herrischen Winken der einen Soldatin wieder einsteigen ...

Liebe Israelis, diese Aussonderung ist unnötig, ganz ehrlich ...

Spannend waren bei der Einfahrt nach Bethlehem die roten Schilder, dass man nun in ein "A"-Gebiet, also ein Gebiet unter palästinensischer Sicherheits- und Zivilkontrolle, einfährt - die Fahrt in ein solches Gebiet ist für Israelis, so steht es auf den Schildern, gefährlich und daher verboten. Drittausländer und palästinensische Einwohner Ost-Jerusalems dürfen aber völlig ungehindert dort reinfahren und - wenn sie denn ihren Pass vorzeigen - auch wieder zurück fahren ... Nun denn ...

Nach der Ankunft in Jerusalem liefen wir - nachdem wir einen Autounfall beobachtet hatten - an den Straßenbahnschienen entlang in die sehr schöne neue Innenstadt, tranken in Mike's Place (die haben auch ein Lokal in Tel Aviv, in dem ich mit Christina 2016 übel versackt war) Bier und Jessi einen Kaffee (den zu bestellen war eine mittlere Expedition ins Unbekannte, unglaublich ...). Das Essen dort sagte uns nicht zu, sodass wir in eine koschere Gaststätte mit angeschlossenem Buchladen einfielen.

"Koschere" Restaurants müssen streng zwischen fleischigen und milchigen Speisen trennen, und dieses Lokal hatte es so gelöst, dass man nur milchige Speisen - und natürlich religiös neutrale wie Fisch oder Quinoa - zu essen bekam. Diese Gerichte allerdings waren sehr, sehr lecker, und ich hätte nicht unbedingt erwartet, von Quinoa-Patties satt zu werden - ich war satt.

Wir gingen frohen Schrittes zurück zum Parkhaus, fuhren ins Hotel und gehen jetzt ins Bett, denn morgen geht es zu nachtschlafener Zeit raus - um 2.30 Uhr fahren wir, sind dann um 3.30 Uhr am Flughafen, um 4 Uhr am Check-in (wir werden Gepäck aufgeben) und fliegen um 7 Uhr ab - mal sehen, wie sehr die Israelis mich mit meinen bahrainischen und katarischen und türkischen und indonesischen Stempeln triezen ...

In Belgrad haben wir dann ein bisschen Zeit, die wir zur Fahrt in die Stadt mit dem Besuch der Festung und einem Mittagessen verbringen wollen, das wird auch noch einmal schön ...

Und jetzt ist dieser Israel-Urlaub praktisch auch schon wieder rum ... Vielleicht nicht "nächstes Jahr in Jerusalem", aber spätestens übernächstes - auf alle Fälle auf Wiedersehen!

Drei Länder

... haben wir gestern besucht. Naja, jedenfalls wenn man einer bestimmten Interpretation internationalen Rechts anhängt, nämlich der, dass das Westjordanland zum Staat Palästina gehört und dass der Golan von Israel nur besetzt ist und immer noch zu Syrien gehört, denn dann waren wir gestern in Israel, in Palästina und in Syrien ... Gemerkt hat man keinen einzigen "Grenzübertritt", außer durch den Willkommensgruß in der israelischen Region Golan und durch den Checkpoint bei Jerusalem gestern Abend auf dem Heimweg.

Aber langsam: Wir trafen uns um 9 Uhr und fuhren - ohne Frühstück - in Richtung Tel Aviv und weiter nach Haifa. Ich hatte den Weg nach Haifa ein bisschen unterschätzt, denn wir brauchten gut zwei Stunden, ehe wir in Haifa ankamen. Wenigstens fanden wir in der Nähe der angestrebten Gaststätte einen Platz (wir hätten noch näher einige Plätze näher was gefunden, aber ich wollte nichts riskieren, Mist war's ...). Nach einem kleinen Spaziergang fanden wir die Gaststätte, die nur mit hebräischen Buchstaben gekennzeichnet war, aber die Bedienungen sprachen alle ganz gut Englisch.

Wir aßen wieder ein israelisches Frühstück mit Ei und Hummus und Tomatentatar und Guacamole und, und, und - und waren mal wieder sehr zufrieden. Es folgte eine kurze Fahrt zum unteren Ende der Bahá'i Gardens, in den man auch hineindurfte und einige schöne Fotos machen konnte (Christian macht hier die Fotos, die kommen dann alle gesammelt in den nächsten Tagen hier in den Blog, sobald er sie von seiner Kamera überspielt hat ...).

Es war heiß, und wir entschieden uns, nach Nazareth aufzubrechen. Unterwegs kämpften wir mit der Tanksäule, weil das Display auch nur auf Hebräisch war (hier ist vieles auf Englisch, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass zunehmend Dinge ausschließlich auf Hebräisch beschriftet werden), aber nach energischen Verhandlungen von Christian mit dem Tankstellenwart schaltete dieser die Tanksäule frei, sodass wir tanken und dann - bar, Kreditkarte ging auch nicht (an einer Tankstelle!!) - zahlen konnten.

Ich übernahm das Steuer und verfuhr mich erstmal, aber nach einem Wendemanöver fuhren wir durch die Karmel Tunnels und dann weiter in Richtung Nazareth. Hatte man am Morgen in Jerusalem aufgrund des sehr geringen Verkehrs gemerkt, dass Sabbat ist, so merkte man in Nazareth, dass denen der Sabbat sehr schnuppe war - der Stadtverkehr war üppig und gewohnt-arabisch chaotisch, aber wir fuhren durch die Gegend und fanden wenige hundert Meter von der Verkündungsbasilika entfernt einen Parkplatz.

Ich unterschätzte die Schnauze des Autos und rammte fast einen Poller (das war wohl eine Frage von Millimetern ...), wir zahlten Parkgebühren und gingen dann zur Verkündungskirche.

Kurze Hosen sind bei Männern und kurze Röcke bei Frauen wohlkein Problem, aber die kurze Hose von Jessi führte zur Leihe von Tüchern zum Bedecken der Knie und der Schultern - sei's drum ...

Die Verkündungsbasilika ist ein relativ neues Bauwerk (die obere Etage stammt aus dem 1960er-Jahren), aber die Gesamtkomposition ist nicht so modern-modern, sondern recht hübsch. So alles in allem muss man diese Basilika aber nicht ganz unbedingt erkunden, wenn man nicht ohnehin zufällig ein Auto dabei hat.

Wir fuhren - durch Stau - in Richtung des Sees Genezareth, wollten dort in eine Strandbar, die uns um 17.30 Uhr (!) schon nicht mehr einließ (die hätten das Geschäft ihres Lebens gemacht!) und wir umrundeten den See auf der Suche nach einer Kneipe.

Nachdem wir ein Stück annektiertes Syrien durchquert hatten, fielen wir in einem Kibbutz ein und tranken in der dortigen Fischgaststätte mit Blick auf den See ein Bierchen (oder zwei oder so ...).

Wieder hatte ich den Heimweg unterschätzt, den nun Jessi auf sich nehmen musste, aber drei Stunden im Dunkeln durch das Westjordanland hören sich (auf der Nationalstraße 90, wohlgemerkt!) viel gefährlicher an als sie sind.

Wir suchten uns in Jerusalem noch eine koschere Gaststätte, um etwas zu essen und den Abschluss des Sabbat zu begießen, was erfolgreich war. Weniger erfolgreich war unser Einparkversuch gewesen, denn wir hatten einen (saftigen) Strafzettel, als wir zurück ans Auto kamen. Naja, Israel ist halt teuer, ich wiederhole mich ...

Heute geht es nach Bethlehem und in die Altstadt von Jerusalem, ich muss noch Zähne putzen und mich einschmieren, daher mache ich jetzt Schluss.

Schönen Tag, vielleicht bis heute Abend.

Freitag, 8. Juni 2018

"Der Raketenbeschuss hält sich auch in Grenzen."

Christians Feststellung kann unwidersprochen bleiben, denn auch nach unserem Schwimm im Mittelmeer heute Morgen blieb es beim Grand Total von 0 auf uns abgeschossenen Raketen. Keine Ahnung, was die Leute, denen man vom bevorstehenden Israel-Urlaub erzählt, immer denken - ja, es gab und gibt Zeiten, in denen Raketen auf Israel abgeschossen wurden und werden, aber auf Tel Aviv oder die Ziele, an die wir auf dieser Tour wollen, gibt es das selten und dann auch noch unplatziert ...

Der Arbeitstag gestern war ein bisschen stressig, weil ich pünktlich um 17 Uhr wegwollte, aber am Ende konnte ich alles erledigen, was ich noch erledigen musste. Wir trafen uns sehr pünktlich am Terminal 2 des Flughafens, auch wenn ich Christian fast übersah. Anstatt 20.20 Uhr war jetzt eine verspätete Abflugszeit von 21.15 Uhr angegeben, was aber auch noch kein Problem war. So hatten wir mehr Zeit für meine berüchtigten Skyline-Ausflüge: Auf ging es durch die Passkontrolle und einmal zum Terminal 1Z und wieder zurück, ehe ich Jessi und Christian am 1C das Feldlager zeigen wollte, das der Frankfurter Flughafen da für die Non-Schengen-Flugverpasser vorhält. Gruselig, immer wieder ...

Wir gingen schon durch die Sicherheitskontrolle zum Gate E2, auch wenn das Gate offiziell noch nicht feststand, und lagen damit richtig, sodass wir ziemlich früh dann auch in den Abflugbereich gehen konnten. 21.15 Uhr kam und ging, das Boarding verzögerte sich, sodass es so langsam ein wenig enger werden würde. (Nicht so katastrophal wie bei den Kollegen, die am Gate nebenan gestern Morgen um halb sechs nach Warna fliegen wollten und dann kurz vor uns gegen 22 Uhr abflogen ...)

Schließlich kamen wir um 22.40 Uhr deutscher Zeit weg, würden um 0.15 Uhr ankommen und hätten dann fünf Minuten bis zum Closing des Gates für den Tel-Aviv-Flug gehabt. Wir kamen wenigstens in Belgrad an einem Fingergate an, liefen dann in Richtung Gate C6, hatten dort die (oberflächliche) Sicherheitskontrolle (und das für einen Flug nach Israel!) für uns, boardeten, gingen an Bord, wuchteten unser Gepäck kreuz und quer durch den ganzen Flieger in noch freie Gepäckfächer und setzten uns dann auf unsere zugewiesenen Plätze in der zweiten Reihe. Wir hatten kein Gepäck aufgegeben, sodass der Load Controller eigentlich nichts mit unserem Gepäck zu schaffen hatte, und nach ein paar Minuten - es war keiner mehr nach uns gekommen - ging die Tür zu und wir flogen (trotzdem!) noch pünktlich ab.

Liebe Freunde von Air Serbia, verwechselt bitte das Flugzeug nicht mit einer Sauna! Die Klimaanlage in Frankfurt wurde erst kurz vor dem Start angeschaltet (ich tropfte wie eine Duftkerze in der Hölle ...) und in der zweiten Reihe auf dem Tel-Aviv-Flug staute sich die Wärme auch. Christian entdeckte beim Gang auf die Toilette aber, dass der Flieger ziemlich leer war, sodass wir beide uns nach weit hinten setzten. So konnten sowohl Jessi als auch wir beide ein bisschen schlafen oder dösen, ehe wir um halb fünf ziemlich pünktlich in Tel Aviv ankamen.

Die Einreise ging ziemlich schnell, auch wenn der Grenzer mich wieder löcherte, das Mietauto bekamen wir auch (einen Honda mit Automatik), und auf ging die wilde Fahrt nach Tel Aviv.

Ich wollte in die Frühstückskneipe am Boulevard Rothschild, doch wir fanden keinen Parkplatz, also fuhren wir weiter über die Allenby zum Strand und dort dann zur anderen Frühstückskneipe dieser Kette, in der Christina und ich 2016 gefrühstückt hatten. Dort fuhren wir auch Kreise über Kreise (Jessi fuhr, weil ich im Flieger noch dem Bierkonsum gefrönt hatte), fanden aber ums Verrecken (sorry) keinen Parkplatz. Wir fuhren wieder zurück und suchten ein Parkhaus, fanden es nicht, aber dafür einen Parkplatz mit geöffneter Schranke und einem Mann, der fegte. Er meinte, es sei Sabbat (nein, es ist Freitag, aber er meinte wohl, dass Wochenende ist und man daher dort parken dürfe). Wir parkten also, gingen zum Benedict und hofften, dass das Auto nachher noch unversehrt sei. (Spannungsbogen nicht nötig: war es.)

Im Benedict sprach der Ober ein bisschen Deutsch, auch wenn man ihn wegen der lauten Musik, unter der wir saßen, kaum verstand, und es gab leckeres und dringend benötigtes Frühstück für allerdings gutes Geld - Israel ist wirklich nicht billiger geworden, seit ich zuletzt da war ... Denn auch wenn das Frühstück (Jessi hatte eine Schakschuka, angeblich ein israelisches Nationalgericht, aus pochierten Eiern, Tomaten, Chilischoten und Zwiebeln, sagt die Wikipedia, ich ein "klassiches israelisches Frühstück" mit Spiegelei, Thunfischcreme, Artischokencreme, Tomatentatar, Weichkäse, Oliven und Frischkäse) sehr, sehr lecker war, sind 50 Euro für drei Leute nicht wenig Geld für ein Frühstück ...

Wir entschieden uns, gleich ins Mittelmeer schwimmen zu gehen, fuhren also wieder die Allenby runter, suchten uns ein (sacketeures) Parkhaus und waren ein paar Minuten später umgezogen (Umkleidekabinen gibt es noch und wieder, auch wenn sie noch mehr der Strandkneipen umgebaut haben) und im Wasser. Beim Versuch, an Christian vorbei ins Meer zu stürmen, übersah ich eine Sandbank und mache ein Bauchlandung, die ich (und wahrscheinlich die Umstehenden ebenso) wahnsinnig amüsant fand, während Christian nicht so rechte wusste, woher das Walross kam, das da plötzlich ihm zu Füßen ins Wasser platschte ...

Herrlich, Freunde, herrlich - heute war ein bisschen Wellengang, es war traumhaft schön, im Mittelmeer zu baden. Da ich nicht eingeschmiert war (und nicht noch röter sein wollte als ich jetzt doch schon wieder bin ...), zog ich mich gleich nach dem Schwimm wieder an und war (leider) ein bisschen ungemütlich, weil ich angezogen am Strand stand (ich wollte mich nicht setzen auf Jessis und Christians Strandtuch setzen, auch wenn die beiden es mir oft anboten, weil ich einfach mal stehen wollte), während die beiden noch das Strandfeeling (vom Gefühl her ...) genossen.

Trotzdem fuhren wir bald darauf (es war inzwischen erst halb zehn oder so) wieder ein Stückchen nach Jaffa weiter, parkten erst irgendwo, wo ein Anwohner uns warnte, dass das Falschparken dort 1.000 Schekel (knapp 200 Euro) kosten würde, sodass wir uns wieder ein teures Parkhaus suchten und ein paar Schritte über den berühmten Flohmarkt von Jaffa machten. Obwohl es schon sehr, sehr heiß wurde, bestiegen wir den Altstadtberg, guckten uns um, liefen durch die Gassen runter zum Hafen und dann wieder zum Auto (wir wollten jetzt so langsam einfach ins Kühle und unsere Cola genießen, die wir beim Straßenhändler erstanden hatten).

Die Polizei sperrte so langsam alle Straßen (nicht unseretwgen, sondern weil heute die Gay-Pride-Parade durch Tel Aviv führte), sodass wir fast fluchtartig Tel Aviv-Jaffa verließen und in Richtung Jerusalem und Totes Meer fuhren.

Wieder fuhr Jessi und das war gut so: Ich bewunderte sie, wie fit sie noch Auto fahren konnte, denn mir fielen während der Fahrt mehrfach die Augen zu (Christian fiel wegen der schlechten Klimaanlagensteuerung des Beifahrers - meiner Wenigkeit - sogar kurzzeitig in Ohnmacht. Behauptet er ...). Folgerichtig konnte ich Jessi nicht richtig führen und wir machten eine kleine Stadtrundfahrt durch Vororte von Jerusalem.

Wir merkten kaum, als wir ins Westjordanland einfuhren, denn man konnte keinen Unterschied zu Israel feststellen, weil die von uns befahrenen Gebiete ohnehin unter israelischer Verwaltung stehen. Unser Ziel lautete Kalia Beach am nördlichen Anfang des Toten Meeres. Dort fuhren wir auf den Parkplatz, drückten unsere 15 Euro Eintritt pro Person ab und hatten dann Strandzugang zum Toten Meer und die Option, in der tiefsten Bar der Welt ein Bier (oder drei ...) zu trinken.

Der Weg von der Umkleidekabine zum Wasser war lang, weniger wegen der Streckendistanz, sondern wegen der Hitze des Sandes. Ich sprintete von Schattenplatz zu Schattenplatz, verbrannte mir meine Hinterpfoten trotzdem ordentlich und kam schließlich an einem Ensemble aus einem Sonnenschirm und drei Stühlen zum Stehen, die wir für uns okkupierten.

Es ist und bleibt ein Erlebnis, im Toten Meer zu ... Jetzt hätte ich fast "schwimmen" geschrieben. Nein, schwimmen kann man nicht, sondern nur auf dem Wasser liegen und sich die Sonne auf den Schädel brennen zu lassen. Obwohl, man kann sich mit Schlamm einreiben (was wir nicht taten, allenfalls unfreiwillig, weil ich - heute war Fall-entinstag bei mir - auf dem glitschigen Salzschlickboden die Balance verlor ...).

Christian ging kurz vor mir aus dem Wasser, wollte durch Rennen in den Schatten seine Fußsohlen schonen, stolperte aber und verletzte sich dabei - für Männerverhältnisse allerschwerstens - am großen Zeh. Glücklicherweise mussten wir nicht den sofortigen Abbruch der Reise beschließen .... Wird schon wieder!

Auf den Schreck tranken wir erstmal ein Bier (Jessi natürlich nicht, die musste ja fahren). Die Hitze war mörderisch, es waren 45,6 Grad Celsius (in der Sonne, denke ich, aber trotzdem), da standen zwei große Klimageräten an der Bar, die aber nur das Tote Meer und die Wüste kühlten, obwohl der Windzug ein wenig zur "Abkühlung" beitrug. Also folgten - zwecks weiterer Abkühlung - das zweite und dritte Bier (ehe wir verdursten!) und danach fuhren wir - ich nur mit Badehose und T-Shirt im Auto sitzend - nach Jerusalem zurück.

Den Checkpoint bei der Einfahrt nach Jerusalem überstanden wir, ohne auch nur angehalten zu werden. Ich führte Jessi sehr souverän mehrfach im Kreis durch Jerusalem (okay, manchmal war die Streckenführung und -beschilderung einfach verwirrend, aber trotzdem ...), aber überraschenderweise kamen wir irgendwann am Hotel an.

Der Check-in bei unserer Russisch sprechenden Empfangsdame dank ihrer Übersetzungs-App ganz gut, und wir trennten uns erstmal für eine Stunde, um in Ruhe duschen zu können.

Um 17.30 Uhr trafen wir uns frisch wiederhergestellt in der Lobby, denn es sollte an die Westmauer (Klagemauer) gehen, weil ich gehört hatte, dass das Willkommenheißen des Sabbats dort sehr schön sei. Vor die Westmauer hatte der liebe Gott aber erstmal die Parkplatzsuche gestellt, und als wir wegen vergeblicher Suche (alle Parkhäuser waren am Sabbatvorabend zu!) schon fast wieder auf dem Weg zum Unterkunft waren, sahen wir am Straßenrand ein paar freie Parkbuchten.

Wir hatten heute schon ein paar unschöne Erfahrungen mit vermeintlich freien Parkbuchten gemacht (Einfahrt, sonstwie verboten, doch belegt, Behindertenparkplatz etc.), sodass wir dem Braten nicht trauten, zumal wir am Freitag Nachmittag nichts mehr bezahlen zu müssen glaubten. Also ließen wir das Auto stehen (auch diesmal stand es noch hinterher da) und liefen an der Hauptstraße vorbei und dann einen Fußweg (in der Hitze!) hoch zum Ziontor, durch das wir die Altstadt betraten.

Wir liefen durch das jüdische Viertel (das ich bis dahin auch allenfalls nur ein bisschen kannte) und kamen nach dem Erkunden verschlungener Pfade an der Sicherheitskontrolle für die Westmauer raus. Kein Mensch wollte dort etwas von uns ...  Weil schon viele Gläubige an der Mauer standen, verzichteten wir heute darauf, uns auch ins Getümmel zu werfen und betrachteten die Feierlichkeiten von hinter dem Zaun.

Es ist ganz eigentümlich: Der (Männer-)Bereich fühlte sich an, als ob im linken Teil der ernsthaften, konservativen Orthodoxen ganz still und leise vor sich hinbeteten, während im rechten Teil ein paar größere Gruppen von jungen Männern sangen, tanzten, Sprechgesänge vollführten, Fußballlieder zum Besten gaben (wahrscheinlich mit religiösem Unterton ...). Ich verstand den Sinn hinter diesem sehr demonstrativen Sich-auf-den-Sabbat-Freuen nicht so ganz, aber wenn man jede Religion bis ins Detail verstehen könnte, wären auf einmal viele Geistliche arbeitslos - das kann ja keiner wollen!

Nachdem wir uns das Schauspiel eine knappe Stunde angeschaut hatten, verließen wir das Westmauer-Areal wieder und gingen durch das muslimische und das christliche Viertel in Richtung Jaffator. Dort in der Nähe ist das armenische Viertel mit der "Armenian Taverna", in die wir einfielen. Ich konnte mal wieder mein Schnorakalutjun zum Besten geben, ansonsten war das Essen recht lecker, wenn auch Touristenpreise aufgerufen wurden.

Nach ein paar Stunden in der Sonnenhitze fühlten sich die 24 Grad auf dem Heimweg wirklich angenehm kühl an, sodass wir den gleichen Heimweg wie auf dem Hinweg nahmen.

Nach endlicher Zeit kamen wir auch in unserem Homestay/Hotelele, wie auch immer, an und wackelten in unsere Zimmer.

Morgen geht es nach Haifa, dann sehen wir weiter.

Christian schießt eifrig Fotos, sodass ich erstmal auf meine verzichte. Vielleicht darf ich Christians Fotos ja in den nächsten Tagen irgendwann in den Blog einspielen, dann kann jeder nochmal bunt auf Blog nachvollziehen, wieviel schöner Israel noch einmal geworden ist.

So, jetzt geht's ins Bett. Gute Nacht!

Mittwoch, 6. Juni 2018

Reisegruppe El Schalom

... habe ich die WhatsApp-Gruppe genannt, in der jene zwei Kameraden sind, mit denen ich morgen Abend nach Belgrad und weiter nach Tel Aviv fliege.

Ich habe uns heute eingecheckt und die Bordkarten ausgedruckt, jetzt muss ich nur noch packen und dann gehe ich morgen gegen 17 Uhr aus dem Büro und fahre zum Flughafen. Der Flieger geht um 20.20 Uhr, um halb fünf übermorgen früh sind wir dann in Tel Aviv.

Ich freue mich so sehr auf Israel, das wird schön, wenn auch wahrscheinlich ziemlich heiß ...

Weil wir auf dem Heimweg noch einen Zwischenstopp in Serbien einlegen (und auch - anders auf der Hinreise - auch einreisen wollen), muss ich beide Pässe mitnehmen, weil ich weder möchte, dass die Israelis die sudanesischen und iranischen und sonstwo herkommenden Stempel in meinem Wiesbadener Pass noch die Serben die kosovarischen Stempel in meinem alten Jenaer Pass sehen. Also werde ich den Israelis meinen Jenaer und den Serben meinen Wiesbadener Pass zeigen und hoffen, dass ich die nicht verwechsle ...

Oh, das wird schön in Israel ...

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Mit ein paar Tagen Abstand bin ich immer noch ziemlich beeindruckt von Minsk. Die weißrussische Hauptstadt wird sicher nicht in den Vierer-Kreis meiner Lieblingsstädte aufgenommen, aber der Unterschied zwischen Erwartung und Realität war doch ganz schön heftig. Christina und ich sind sehr gespannt, wie sich Minsk in den nächsten Jahren entwickelt (nächstes Jahr sind dort die europäischen Sommerspiele, die sicherlich noch einmal einen weiteren Renovierungsschub zeitigen werden), und wir haben uns vorgenommen, mal in fünf oder sieben oder zehn Jahren nachzugucken, wie es dann in Minsk und in Weißrussland aussieht (außerdem wollen wir nochmal in die Schlösser in Mir und Niaswisch).

Dass man fast überall mit Kreditkarte zahlen konnte (selbst an der Eisdiele und beim Einsteigen in die U-Bahn), hat mich ebenfalls sehr positiv überrascht - das wollte ich noch erwähnen.

Doch, das war eine schöne Reise, die wieder einmal bestätigt hat, dass man auch abseits der ausgetretenen Pfade und auch in Osteuropa spannende Ziele finden kann.

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Nächster Blogeintrag morgen oder übermorgen von der nächsten Reise ...

Sonntag, 3. Juni 2018

Zum Rauchen eingereist

... sind wir heute in die Ukraine.

Das Aufstehen heute war grausam, denn der Wecker ging um 3.45 Uhr. Christina ging ins Bad und dann einen (teuren) Kaffee trinken, den sie ob des unerwartet hohen Preis von über drei Euro aufs Zimmer schreiben lassen musste, sodass ich mich fertig machen konnte.

Den Check-out überstanden wir unbeschadet - danach rief ich erstmals selbständig ein Uber-Taxi. Der Fahrer kam wenige Minute später, sprach weder Englisch noch Deutsch, war aber sonst zurückhaltend-freundlich und chauffierte uns, was am wichtigsten war, problemlos und unfallfrei zum Flughafen.

Vor der Sicherheitskontrolle mussten wir die Bordkarte ausdrucken (ich hatte uns mobile Bordkarten gebucht), damit die Sicherheitsfachtante auf diese ausgedruckte Bordkarte einen Stempel machen konnte. Da könnte ja sonst jeder kommen.

Die Ausreise ging ebenfalls ohne Probleme vonstatten, Christinas Grenzerin war nach ihrer Aussage sogar ziemlich freundlich. Weißrussland ist auch nicht mehr das, was es mal war ...

Der Raucherraum in Minsk ist erstens ziemlich versteckt und zweitens eher eine "Stasi-Verhörzelle" (Christina) als ein Raucherparadies, sodass sie ihren Rauchgenuss nach einer Viertelzigarette abbrach. Wir gaben unsere letzten Rubel für Coca-Cola aus und boardeten dann.

Meine Strategie, die Plätze 28A und 28C zu buchen, um den Platz 28B möglichst zu blockieren, schlug gründlich fehl, denn uns wurden am Gate die Plätze 23A und 23B zugewiesen. Bäh. Wieder fuhren wir mit dem Bus über das Vorfeld zum Flieger.

Ziemlich pünktlich landeten wir in Kiew, waren die Letzten im Bus und somit die Ersten im Ankunftsgebäude. Wir hatten uns überlegt, kurz in die Ukraine einzureisen, weil Christina an der frischen Luft rauchen wollte und die Raucherkabine beim Hinflug echte Räucherkammern waren. Nun standen wir da zwanzig Minuten in der ziemlich langen Schlange, bekamen aber dann (wir hatten Zeit) einen schönen ukrainischen Stempel in den Pass und waren wenige Minuten später durch den Zoll und aus dem Flughafengebäude raus.

Wir hatten - trotz dieser beknackten Zugangskontrolle, die die Ukrainer leider auch haben ... - noch Zeit zum Frühstück. Christina aß Pfannkuchen mit Hühnchen und Pilzen, während ich ein paar Pelmini serviert bekam, die ich mit Bier herunterspülte, morgens um halb neun, obwohl sich das aufgrund der frühen Aufstehenszeit wie Frühschoppen anfühlte ...

Die Sicherheitskontrolle war komisch, weil den Typen dort irgendetwas in meinem Koffer nicht zusagte (und es waren nicht die Flüssigkeiten, die ich aus dem Koffer genommen hatte), aber dann war es schnell auch wieder gut ... Die Ausreise aus der Ukraine nach dem kurzen Aufenthalt war kein Problem, und wir gingen zügig ans Gate.

Dort bot sich uns ein Schauspiel der tragikomischen Art, denn am Gate nebendran wurden einigen Fluggästen nach Ägypten das Boarding verweigert, zunächst, weil sie zuviel Handgepäck hatten und danach wohl, weil sie mit Gebrüll, Hände-auf-den-Tisch-Schlagen und Den-Mitarbeiter-Anfassen ihre Situation nicht wirklich verbessert haben. Spätestens als die Miliz anmarschierte (drei junge Kerle, die nicht mal besonders drohend guckten ...), war aber mehr oder weniger Ruhe, weil die Freunde ihre nun ziemlich hoffnungslose Lage einsahen.

Unser Flug boardete aber ziemlich problemlos, aber auch hier war meine 28A-28C-Strategie erfolglos, weil auf 28B eine Ukrainerin saß, die aber sehr gut Deutsch sprach. Unser Flug war bis auf zwei kleine Malheure ereignislos: Beim Verteilen des Wassers kamen die Stewardess und ich uns in die Quere, sodass der Großteil des Wassers auf der Hose meiner Nachbarin auf 28B und auf meiner Hose landete, aber das war schnell behoben - und beim Landeanflug war ein Schlagloch in der Luft, was ein schönes Achterbahngefühl fabrizierte ... Lustig.

Der leicht verhäfelte Flug war aber noch nicht zu Ende, denn als ich mit "meinem" Koffer ausgestiegen war und auf Christina wartete, fiel mir auf, dass der Koffer nicht wirklich mein Koffer war. Ich ging zurück zum Flieger, wo der rechtmäßige Besitzer des Koffers gerade ausstieg und sich "bedankte", dass ich ihm seinen Koffer herausgetragen hatte ... Der Steward brachte meinen (wirklich meinen!) Koffer nach vorne und ich nahm ihn in Empfang.

Am Gate gab es noch eine Vorkontrolle und während alle anderen in Richtung Gepäckband liefen, gingen wir den weiten Weg in Richtung Terminal 1C und 1B. Dabei liefen wir an - Schätzen war noch nie meine Stärke, aber hier stimmt es - sicherlich hundert Feldbetten vorbei, die im Verbindungsgang von 2D zu 1C stehen. Die Feldbetten sind dort, damit Leute, die nicht in den Schengen-Raum einreisen dürfen (weil sie nur in Frankfurt umsteigen wollten, aber da vielleicht den Flieger verpasst haben), dort wenigstens ein bisschen zur Ruhe kommen können. Das Praktische ist, dass da kaum je ein Mensch durchläuft, weil es eben wenige Bekloppte wie mich gibt, die möglichst jeden Gang am Frankfurter Flughafen erkunden möchten ...

Wir reisten an 1B in den Schengen-Raum ein (ich erstmals mit meinem neuen Personalausweis), gingen zum Regionalbahnhof, fuhren nach Wiesbaden und landeten in einer Gaststätte, auf deren Namen kein aufmerksamer Leser dieses Blogs jemals kommen würde ...

Feldbetten im C/D-Riegel
Ein Satz noch: Es ist eine Schande für unser Land, dass der Jude, der in Kiew selbstverständlich mit seiner Kippa in den Flieger gestiegen ist, vor der Landung in Frankfurt eine Baseball-Kappe aufgesetzt hat und offenbar das Gefühl hatte, eine solche in Deutschland anstelle (oder über) seiner Kippa tragen zu müssen. Herr Gauland, das ist kein Vogelschiss.

Samstag, 2. Juni 2018

Fast nach Mir oder Niaswisch

... wären wir heute gefahren, aber es war gut, dass die Verkehrsverbindungen suboptimal sind, sonst hätten wir von Minsk einige schöne Sachen verpasst ...

Irgendwie waren wir wieder beide erst um 8 Uhr wach, danach trödelten wir so lange herum (auf der Suche nach Busverbindungen zum Schloss Mir und zum Schloss in Niaswisch - speziell für Letzteres gibt es gefühlt 18 verschiedene Schreibweisen), dass wir um 10 Uhr schon wieder im Grunwald frühstücken konnten.

Wieder war's lecker, und wir entschieden uns, uns heute noch einmal in Minsk umzusehen. Erste Amtshandlung war, in Richtung des Friedhofs von gestern zu fahren (naja, eigentlich war das die zweite Amtshandlung und die erste war der inzwischen schon traditionelle Fehlschlag beim Versuch, gottesdienstfrei in die Rote Kirche zu kommen ...) und dort die Dreieinigkeitskirche und die Allerheiligen-Kirche zu erkunden.

Gesagt, getan, wir stiegen aus der U-Bahn an Land, wurden von einem um 11 Uhr lallenden Kollegen angesprochen, der weiter auf uns einlallte, obwohl wir ihm deutlich machten, dass wir ihn nicht verstanden, und waren zehn Minuten später an den beiden Kirchen.

Die Dreieinigkeitskirche ist eine Holzkirche, und von allen, die wir betreten konnten, fand ich diese am schönsten, gerade weil der Deckenbereich (oberhalb des wie überall kunstvoll geschmückten Altars) dort nicht so vergleichsweise kahl aussah, sondern in die Holzbalken überging. Ich machte ein Foto, Christina auch, sie bekam einen Anschiss, obwohl kein Fotografieren-verboten-Schild zu sehen war, und schon waren wir wieder aus der Kirche draußen.

Die Allerheiligenkirche ist sehr neu (2008 fertiggestellt) und ziemlich hübsch (von außen) und sehr groß, aber schon wieder oder noch immer in (Re-)Novierung begriffen, sodass wir keine geöffnete Tür fanden. Wir liefen einmal drumherum, betrachteten den Mosesspringbrunnen zwischen den beiden Kirchen und verließen das Areal.

In der U-Bahn stiegen wir einmal um und kamen dort raus, wo wir gestern erstmals eingestiegen waren, denn wir wollten zum Dreieinigkeitshügel und zur Insel der Tränen, die nach einem kurzen Spaziergang über den Fluss zu erreichen sein sollten.

Vom Dreieinigkeits-"Hügel" war nicht so arg viel zu sehen, aber das ist ein recht schönes, museumsreiches Gebietchen direkt am Fluss und mit schönem Blick auf die Oberstadt. Nach dem (kurzen) Bummel durch die Straßen querten wir die Brücke auf die Insel der Tränen mit dem Denkmal für die gefallenen "Soldaten-Internationalisten" der Sowjetunion in Afghanistan. Soldaten-Internationalisten, soso ...

Der Springbrunnen dort besteht aus einem weinenden Engel, das ist eine schöne Idee.

Inzwischen hatte uns ein Hüngerchen überkommen und wir aßen in einem Kneipchen Kohlrouladen mit Sauerrahm bzw. sehr kümmel- und angeblich sehr knoblauchhaltige Wurst mit Bratkartoffeln. Dazu wurde Cola und das erste mir so richtig schmeckende Schwarzbier hier in Weißrussland verkonsumiert.

Wir liefen zurück zum Hotel, machten noch einen kurzen Abstecher in einer schönen Bierkneipe und kauften dann im Supermarkt unter dem Unabhängigkeitsplatz (früher: Leninplatz) Birkenwasser, was wir heute Morgen schon zum Frühstück getrunken und für gut befunden hatten. Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeit, die aus Birken (welch Überraschung) gezapft wird und durchaus wohlschmeckend (und vor allem durstlöschend) ist ...

Während wir - in der Roten Kirche war wieder Gottesdienst - draußen auf dem Platz saßen, leerten wir den Tetrapack (nachdem wir ein Eis verspeist hatten) und unterhielten uns über die weitere Planung des Abends, die darin bestand und besteht, dass wir nochmal Birkenwasser kauften und dann ins Hotel gingen. Morgen müssen wir schließlich früh aufstehen, da ist es gut, wenn wir noch ein paar Stunden Schlaf kriegen.

Gute Nacht und bis morgen!

Fotos (großteils von Christina):

Monumentale Wandskulptur von gestern (unten der KFC!)

Dreieinigkeitskirche

Allerheiligenkirche (Christina war scheps, nicht die Kirche ...)

Mosesbrunnen

Weinender Engel

Denkmal für die Soldaten-Internationalisten

Finaler Blick auf die Oberstadt

Freitag, 1. Juni 2018

Lechts und rinks

... sind meine Stärke offenbar nicht, denn heute führte ich unsere kleine Reisegruppe gleich zweimal in die falsche Richtung. Ey, ey, ey ...

Ich hatte meinen Wecker auf 8 Uhr gestellt und um 7.50 Uhr wachte ich auf, während Christina noch darniederlag. Dass Christina um diese Uhrzeit noch im Bett liegt, passiert meiner Interpretation ihrer Aussage nach (hähä) ungefähr so oft wie bei meiner Mutter, also eigentlich praktisch fast gar nie (wir waren aber erst um 1.30 Uhr im Bett gewesen, also plädieren wir auf mildernde Umstände!). Nun denn, es ging ins Bad, und danach aus dem Hotel heraus und direktemang (der Franzose schreibt directement oder so, aber im Osten sagt man ja auch "Ragu fäng" zum Ragout fin, also lassen wir das jetzt so) zu unserer angestrebten Frühstückskneipe.

Bevor ich das vergesse: Jede Gaststätte, die wir heute aufsuchten, war sehr, sehr gut ... Im "Grunvald" wurden eine mit Rührei überbackene Hähnchenbrust (Christina) und gekochtes Rindfleisch mit Buchweizen (zum Frühstück!) verzehrt, und weil Christina ob der unfassbar niedrigen Preise nicht mit einer so großen Portion gerechnet hatte, hatte sie noch ein bisschen Porridge bestellt (das heißt auf [Weiß-]Russisch natürlich anders ...). Gemeinsam schafften wir auch diese Portion, aber mein Hirn war von diesem Frühstücksgelage (zu dem dann auch noch meinerseits Kwas, dieser Brottrunk, kam) so ausgelaugt, dass ich prompt meine Tasche am Tisch vergaß.

Als mir das auffiel und ich zurücklief, dachte ich, dass das ja nicht soooo schlimm wäre, wenn die weg wäre, weil da nur Sonnencreme und eine Flasche Wasser drin waren, aber zwei Stunden später eröffnete mir Christina, dass sie mir ja meinen Pass heute Morgen zurückgegeben hatte, sodass selbiger auch in jener Tasche war. Diese vermaleidete Tasche, die uns in Madrid schon Herzrasen beschert hatte, war aber noch am angegebenen Ort, sodass ich sie mir schnappte und zurücklief.

Wir gingen in Richtung der "Oberstadt", und diese Fußgängerzone umfasst einige Juwelen der Minsker Stadtarchitektur - durchaus schick, vor allem auch mit dem Blick auf den Fluss/See/was auch immer da träge durch die Stadt zieht (den tollen Blick auf den Fluss haben übrigens auch diejenigen Bewohner der dahinterliegenden Trabantenstädte, die auf der richtigen Seite ihrer Siedlung wohnen ...).

Aufgrund der ersten Rechts-Links-Verirrung fanden wir die römisch-katholische Kathedrale (die sehr schön ist), ehe wir an einer riesigen, sozialistischen Wandskulptur (unter der heute - formvollendet - ein Kentucky Fried Chicken und ein Pizzaladen ihre Dienste feilbieten) vorbei zur Peter-und-Paul-Kirche gingen.

Die orthodoxen Kirchen hier sind auch nicht so bunt wie die in Bulgarien, sodass wir relativ zügig wieder herausgingen und mit der U-Bahn zurück zum Lenin-Platz fuhren, an dem auch unser Hotel liegt, denn wir wollten in die Rote Kirche.

Heute hatten wir Pech mit der Roten Kirche, weniger, weil sie eingezäunt ist, denn theoretisch kommt man trotzdem rein, sondern vielmehr, weil bei beiden Versuchen unseres Eintritts gerade ein Gottesdienst lief. Also fuhren wir stehenden Fußes zurück zur Siegesplatz und guckten uns den dortigen Obelisken (ich weiß nicht, ob das formal ein Obelisk ist, das ist halt so ein schmaler Denkmalsbau). Dieser wurde fotografiert. Anschließend wollte ich in Richtung Staaszirkus laufen, und wir liefen und liefen und liefen und waren an der nächsten U-Bahn-Station, ohne dass da zwischendurch ein Zirkus auftauchte, der da eigentlich hätte sein müssen. Nunja, wir waren in die falsche Richtung gelaufen - ich bin so genial, gell?!

Wir fuhren also wieder mit der U-Bahn zurück (pro Fahrt etwa 25 Cent, das kann man mal machen ...) und kamen diesmal richtig raus.

Gegenüber des Zirkuses liegt ein kleines Café, dort wollten wir eigentlich nur einen Kaffee/einen Kakao trinken und auf die Toilette, am Ende aßen wir dort Kartoffelpfannkuchen mit Fleischbeilage zu Mittag, auch gut ...

Wir liefen durch den Gorki-Park und suchten das Riesenrad, auf dem wir eine Runde drehten - selbst die Kassiererin hier sprach ein wenig Englisch, ebenso wie die schon ältere Verkaufsdame im U-Bahn-Stationskiosk und eigentlich jeder hier, der gelegentlich mit Touristen zu tun haben scheint - die Verständigung hier klappt mit Englisch alles in allem so ziemlich reibungslos, auch wenn ich mit meinem gelegentlichen Russisch-Einwurf (spasiba oder so ...) ab und an Verwirrung stifte, weil wir dann auf Russisch angesprochen werden, was in zwei verständnislos schauenden Gesichtern unsererseits, einem Grinsen des Sprechenden und der Fortführung des Gesprächs am Englisch endet ...

Der Ausblick auf Minsk war ziemlich schick, und nach diesem Abstecher gingen wir weiter durch den Gorki-Park in Richtung U-Bahn. Dabei kamen wir an einer Statue eines Mannes vorbei. Wer das wohl sein könnte? Tolstoj vielleicht? Nochmal: Wir waren im nach Maxim Gorki benannten Park - wessen Statue könnte das möglicherweise sein? Solschenizyn? (Wir kamen am Abend im Pub dann drauf, dass das möglicherweise Monsieur Gorki höchstpersönlich gewesen sein dürfte ... Argh!)

Auf der Fahrt in die Stadt gestern Abend hatten wir einen hübschen Friedhof entdeckt, und diesen steuerten wir nun an.

Naja, "hübsch" ist relativ, weil wir uns am Ende auf "verwunschen" einigen mussten, denn so richtig gepflegt war der nicht überall - ich spreche nicht nur von manchen Gräbern, sondern auch von den Wegen zwischen vielen Gräbern, die schon lange keinen Rasenmäher und keine Sense mehr gesehen haben. Beeindruckend war's trotzdem, an den teilweise uralten Gräbern vorbeizugehen, an den auch auf Hebräisch beschrifteten jüdischen Gräbern zu gucken, wer da so gelebt hat, und dabei einen kleinen Rundgang durch das bewaldeten Friedhof zu machen. Am Schluss kamen wir an den Ehrengräbern vorbei, von denen der Ex-Präsident des weißrussischen NOKs eines belegt, und verließen den Friedhof wieder.

Nach dem zweiten erfolglosen Versuch, in die Rote Kirche zu kommen, setzten wir uns auf einen Vorsprung an der Wand, als eine Frau vorbeikam, uns ansprach, uns verstand, als wir ihr deutlich machten, dass wir sie sprachlich nicht verstehen, aber nichtsdestotrotz uns weiter auf Russisch oder Weißrussisch vollquatschte. Sie verzog sich, kam aber Minuten später wieder, sprach wieder auf uns ein, hieß uns zuwarten, was wir aber zum Anlass nahmen, die Flucht zu ergreifen ... Lustig.

Wir liefen an drei Kneipen vorbei, entschieden uns für die letzte, aßen dort lecker zu Abend (Schweinemedaillons für Christina und Wurst mit Kartoffelpfannkuchen für mich) und fielen dann nach einem kurzen Abstecher in unseren U-Bahn-Stamm-Stationsshop in unsere Kneipe von gestern Abend ein.

Wieder wurden Tomatensaft und ein Stout vertilgt, ehe wir, nunmehr rechtschaffen müde, ins Hotel zurückwatschelten. Mal sehen, was wir morgen machen - das wird wieder spannend.

Wir sind beide sehr beeindruckt und immer noch sehr überrascht von Minsk, weil das hier eine viel modernere Stadt ist als von uns erwartet, weil viel mehr Menschen zumindest ein bisschen Englisch sprechen, weil die Infrastruktur uns überhaupt keine Probleme macht. Okay, Minsk hat nicht die herausragenden Sehenswürdigkeiten, die die Menschen in Scharen hierherziehen würden, aber es ist eine hübsche Zwei-Millionen-Stadt, in der man gut und gerne ein paar Tage verbringen kann, ohne sich zu langweilen, zu verhungern oder gar zu verdursten.

Schee ist's hier, hier kann man hinfahren ...

Fotos (großteils mit freundlicher Genehmigung von Christina, alles ein bisschen wild gemixt, sorry):

Oberstadt

Kleines Alleechen

Blaue Stunde gestern Abend

Siegesdenkmal

Blick aus dem Riesenrad

Rote Kirche

Positiv überrascht

... sind wir von Minsk. Das klingt jetzt erstmal halb negativ, halb positiv, aber der erste Eindruck war so ziemlich sehr gut von Minsk.

Christina und ich trafen uns heute Morgen um kurz vor 10 Uhr zum Frühstück. Nach einigermaßen üppigem Genuss nahmen wir den Bus zum Hauptbahnhof, von dort die S-Bahn zum Flughafen (Christina versuchte erfolgreich, einige Amerikaner, die auch zum Flughafen wollten, vom zu frühem Aussteigen abzuhalten) und dann die Skyline zum Terminal 2.

Wir reisten aus, wollten mit der Non-Schengen-Skyline ein bisschen herumfahren, stellten enttäuscht fest, dass die aktuell wohl nur als Busersatzverkehr fährt, ließen Skyline Skyline sein und suchten uns eine Bierkneipe, in der es nicht nur Beck's gab. Wir landeten also im MOschmosch, tranken dort eine Cola bzw. ein Bier und gingen dann durch die Sicherheitskontrolle. Der Check-in war einigermaßen schnell, wir saßen im Flieger, aber der zweite Bus ließ lange auf sich warten, sodass wir unseren Slot verpassten und mit deutlicher Verspätung in Frankfurt wegkamen.

Das war aber kein großes Problem, weil wir in Kiew superschnell durch die Sicherheitskontrolle kamen und am Ende trotz Einkaufs von Cola und trotz Raucherpause viel zu früh am Gate waren. Der Flug nach Minsk war ziemlich leer, sodass wir hier - wie auch schon auf dem Flug von Frankfurt nach Kiew - in Business-Class-Belegung (28A und 28C) saßen. Der Autor dieses Blogs hatte sich nämlich ausnahmsweise mal clever angestellt und den B-Platz freigelassen.

Wir waren kaum verspätet in Minsk, die Einreise ging sehr schnell (der Grenzer wollte zwar den Nachweis einer Auslandskrankenversicherung sehen, ließ sich aber von unseren Krankenkassenkärtchen überzeugen [!]) und schon waren wir durch den Zoll und in Weißrussland ... Christine ging eine rauchen, um 21.18 Uhr waren wir am Bus, der fuhr um 21.20 Uhr los - alles gut. Es ging durch Feld, Wald und Wiesen und danach in Minsk über die Hauptstraße, an der unser Hotel liegt, eher wir am Awtowoksal, am Busbahnhof, aus dem Bus geschmissen wurden. Wir gingen ein paar Meter zurück, waren ob der - durch entsprechende Beleuchtung sehr ansprechend in Szene gesetzten - Architektur ziemlich begeistert und kamen bald in unser Hotel Minsk direkt am Lenin-Platz. Der Check-in dauerte ein wenig, aber das Hotel ist toll und seinen vier Sternen absolut angemessen.

Wir hielten uns nicht lange im Hotel auf, sondern brachen gleich auf und suchten die zuvor herausgefundenen Pubs. Das erste war (schon?) zu, aber das zweite, das 1067 Pub, war toll. Der Barkeeper sprach ziemlich gut Englisch, Christina bekam nach einigem Verhandeln ihren nichtalkoholischen Tomatensaft, ich trank Stout und dann noch eins und danach ein Red Ale. Nach der Gabe eines vernünftigen Trinkgelds wurde ich noch mit einem Kirschlikör verköstigt, ehe wir gegen halb eins so langsam rausgekehrt wurden. Mit gutem Trinkgeld hatten wir für drei Bier und zwei Tomatensäfte kaum zehn Euro gezahlt ... Wir liefen heim und fühlten uns nicht wie in einer komischen osteuropäischen Örtlichkeit, sondern eher wie in Buenos Aires oder Berlin (wobei Minsk sauberer als Berlin ist).

Doch, wir sind beide sehr angenehm überrascht von Minsk - 2014 war hier die Eishockey-WM, für die die Weißrussen offenbar einiges gemacht haben, und das merkt man. Wir sind sehr gespannt auf morgen und übermorgen.

Im Moment ist leider das WLAN im Hotel weg, aber hoffentlich kann ich diesen Blogeintrag morgen früh (am 1. Juni) dann posten. Schön ist es hier ...

Donnerstag, 24. Mai 2018

Elfeinhalb Wochen

Diese Woche hat meine Kollegin für mich die Flüge nach Budapest und zurück gebucht. In den letzten Tagen hatte sich noch eine kleine Änderung ergeben, aus "Anfang September" wurde jetzt der 19. September, auch gut ... Dafür könnte es im Dezember ein bisschen weniger werden, aber das werden wir sehen.

Jetzt fliege ich am Montag, dem 2. Juli, morgens um 7 Uhr nach Budapest (nachdem ich am Sonntag Abend um 19.30 Uhr aus Moskau/Belgrad gelandet bin ...) und bleibe elfeinhalb Wochen (80 Tage) in Ungarn. Naja, okay, ich fliege sicherlich ein, zwei Mal zurück nach Deutschland (oder nach Zürich ...)

Am 19. September fliege ich dann abends wieder zurück nach Frankfurt.

Ich habe noch zehn Tage Urlaub und werde wahrscheinlich eine Woche davon dann noch Ende September nehmen (d.h., ich komme mittwochs zurück aus Ungarn fliege am Samstag in den Urlaub ...). Malawi und Mosambik ist mir da zu knapp, aber ein paar Strandtage werde ich schon irgendwo hinkriegen, denke ich ...

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Als ich heute Abend nach Hause kam, hatte ich einen Brief von der FIFA im Briefkasten - jetzt ist meine WM-Karte auch da ... Flug und Hotels sind gebucht, Fan-ID ist da, jetzt ist die Karte da - es kann losgehen.

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Aber halt, zunächst geht es in einer Woche nach Minsk, in zwei Wochen nach Israel und erst danach in etwas mehr als vier Wochen nach Russland. Viel Urlaub, viel zu tun auf der Arbeit - da kommt Freude auf ...

Samstag, 12. Mai 2018

Magyarország, jövök!

Das heißt, diesmal (höhö, als ob ich so schnell Ungarisch lerne ...) musste mir Google Maps noch helfen, "Ungarn, ich komme!"

Inzwischen steht fest, dass ich von Anfang Juli (das müsste die Woche vom 2. Juli sein) bis Anfang September (wahrscheinlich die Arbeitswoche, die am Freitag, dem 7. September, endet) und dann noch einmal von Anfang Dezember (ich denke, dass ich da am Sonntag, dem 2. Dezember fliege) bis Weihnachten (da werde ich am 21. Dezember zurückfliegen, vermute ich stark) beruflich in Budapest verbringen werde.

Die ganz genauen Zeiten stehen noch nicht fest, und ich habe hin- und herüberlegt, ob ich lieber mit dem Auto fahren oder die ganze Zeit fliegen will, aber im Moment tendiere ich wieder zum Flugzeug, mal sehen, wie das mit dem Gepäck klappt ... Juchhe! Ich bin sehr gespannt und ziemlich zuversichtlich, dass das hochinteressant wird.

Entgegen der Vorstellung mancher Bekannter muss ich in Ungarn wirklich arbeiten, aber ich habe fest vor, dass ich, egal, ob nun mit dem Auto oder mit dem Zug, an den Wochenenden Ungarn erkunden werde, wenn ich denn Budapest ausreichend unsicher gemacht habe.

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Ich habe ja noch zwei Wochen Urlaub übrig, und die hatte ich für Ende September eingetragen - nun komme ich Anfang September tatsächlich wieder nach Deutschland und könnte also Ende September noch die zwei Wochen vor der Saison Urlaub machen. Im Moment stehen Malawi und Mosambik einigermaßen hoch im Kurs. Zwar reicht es noch nicht ganz dafür, die beiden Staaten im südlichen Afrika in der Karte oben orange zu markieren, aber bald könnte es so weit sein ...

Mittwoch, 2. Mai 2018

Ich bin dein Vater

... sagte (Spoiler-Alarm!) Darth Vader zu Luke Skywalker, und laut der Annahme des Taxifahrers heute Morgen bin ich der Vater von Maria. Er dachte wohl, er käme aus der Nummer wieder raus, obwohl Maria laut lachte, bis ich ihm dann erläuterte: "I do understand you as well." ("Ich verstehe dich auch.") Er war dann "honestly sorry", und bei dem ultraschottischen Akzent, den der Typ an den Tag legte, musste ich ihm lachend verzeihen ... Ja, der Barkeeper im Sherry hat mich auch schon für Anfang 40 gehalten (das ist mein volles Haupthaar, fürchte ich), und der Taxifahrer schätzte Maria nachvollziehbarerweise auf ein paar Jahre jünger als sie tatsächlich ist, aber selbst dann wäre ich erst zarte 15 gewesen, als ... Lassen wir das.

Nach dem Frühstück gestern ging es eine Station hoch zur Universität, und das eine Museum, dass ich im Februar nicht verpasst, aber gegen welches ich mich entschieden hatte, war das "Hunterian". Dort fielen wir - nach einer kurzen Stippvisite im Uni-Shop - ein. Die Ausstellung zum Antoniuswall, der etwas nördlich des Hadrianswall lag und zügig wieder aufgegeben wurde, war ganz interessant, aber auch das "Hunterian" ist, so ähnlich wie die Kelvingrove Gallery, so ein Sammelsurium an jeweils für sich schon interessanten Ausstellungsstücken, die aber irgendwie - für den ordentlichen Deutschen, höhö - einigermaßen ungeordnet nebeneinander stehen. Nach dem Besuch mit Fotoshooting in den Cloisters (in denen schon für "Cloud Atlas" und sonstwas gedreht wurde) liefen wir in Richtung der Studentenkneipen westlich der Universität. Wir verspeisten im "Tennant's" Fish & Chips und dazu Cider und richtiges Bier, ehe wir den kurzen Weg ins Kelvingrove Museum gingen.

Der Organist spielte (natürlich uns zu Ehren) beim Hereinkommen den Radetzky-Marsch, und danach entdeckten wir Ausstellungen im Kelvingrove, die ich im Februar übersehen hatte, etwa zum alten Ägypten. Dalís Christusbild war immer noch ausgeliehen (muss ich halt nochmal dieses Jahr nach Glasgow ...), aber die französischen und niederländischen Meister waren jetzt auch nicht so uninteressant ... Danach setzten wir uns gegenüber der Kelvingrove Gallery in eine Bierkneipe und brauchten zum Auswählen so lange, dass der Barkeeper plötzlich neben unserem Tisch stand und die Bestellung aufnahm ... Ich bekam wieder einmal ein Kaffee-Schokoladen-Stout (so wie in Vancouver, als das Auto unserer Kanadierin verreckt war), und nach dem Bier fuhren wir in die Stadt ins St. Enoch Shopping Centre.

Wir wählten einen Eingang, in dem wir uns sehr verlassen fühlten, denn das St. Enoch - angeblich eines der größten Shopping Centres in Europa oder so - steht zu mindestens einem Drittel leer. Es gibt allerdings einen Disney-Shop, und in dem leuchteten drei Augenpaare (naja, noch ein paar mehr, die der anderen nämlich ...), sodass jeder von uns irgendetwas dort kaufte. Ein Eis (wenn man diese Kreativkonstruktion mit Soße und Streusel und Sahne noch so profan "Eis" nennen darf) wurde auch verspeist, und nach einem weiteren kurzen Rundgang gingen wir in Richtung der Fußgängerzone.

Es hatte inzwischen angefangen zu nieseln, und wir hatten schon wieder ein Hüngerchen und ein Dürstchen. Nachdem wir den Bus verpasst hatten, der uns in Richtung unseres Hotels fahren sollte, entschieden wir uns, in der Innenstadt zu Abend zu essen. Das erste Pub war gerammelt voll, sodass wir nach kurzer Wartezeit uns in ein anderes aufmachten: Das "Monkey & Drum" (oder "Drum & Monkey"?) gefiel uns schon von außen, so wie es da auf der Straßenecke lag, und die Auswahl an Essen, Bier und Whisky sagte uns ebenfalls zu. Zur Vorspeise gab es Nachos, nach der wir schon satt waren, aber dann kam erst die Hauptspeise. Mein Mixed Grill mit allen schottischen Sauereien wie Haggis und Gammon (so ähnlich wie Kassler) war recht lecker.

Die Busfahrerin, in deren Gefährt wir danach einstiegen, um nach Hause zu fahren, war mit mir Touristen genauso überfordert wie ich mit ihr, denn die Haltestelle, an die ich wollte, gab es bei ihr nicht (mein Fehler, wir waren in die 2 statt der 3 eingestiegen, die uns zwar auch heimbrachte, aber eine Straße versetzt fuhr - und ich hatte "Derby" sogar richtig ausgesprochen, als "Darby"), aber die brauchte man, um den richtigen Fahrpreis zu ermitteln. Eine Frau hinter uns schaltete sich ein, erläuterte der Busfahrerin, wo wir hinwollten, und off we went, oder so ...

Nach kurzem Zwischenstopp im Zimmer landeten wir wieder im Ben Nevis, aber nach einem leckeren Bier und einem leckeren Whisky war bei uns allen der Ofen aus. Ab ins Bett, und heute Morgen gegen 6 Uhr raus, hey, das ist Urlaub ...

Wir waren ausreichend früh am Flughafen, aber die Zeit brauchten wir auch, weil die Gepäcktante heute ihren Machtdemonstrationstag hatte und sich wegen der Größe der Plastiktüte für Marias Flüssigkeiten ins Hemd machte. Ja, klar, Regeln sollte man einhalten, aber so regelfixiert sind ja nicht mal die deutschen Sicherheitskontrolleure, und die haben einen Ruf zu verteidigen ... Jedenfalls war ich beruhigt, dass Maria sich wenigstens genauso echauffierte wie ich, aber nach fünf Minuten hatten wir uns wieder abgeregt, kauften noch kurz unser Frühstück ein und gingen dann zum Gate.

Wir waren pünktlich am Gate, kamen sogar vorfristig ab (obwohl Google das falsch anzeigte) und kamen entsprechend frühzeitig in Frankfurt an. In aller Ruhe reisten wir ein, unser Gepäck war überraschenderweise schon da, und ich brachte die beiden Damen noch zum Hauptbahnhof, ehe ich mich nach erfolgter Ablieferung am Bus auf den Heimweg nach Wiesbaden machte. Ich genoss meine abnehmbare Dusche (herrlich!) und fuhr dann kurz ins Büro für einen Call.

Schön war's, entspannt, nicht so arg viel Gerenne von Sehenswürdigkeit A nach Sehenswürdigkeit B, sondern auch viele gemütliche Stunden in Pubs - das war schick ...

Foto-Collage von Anja vom ersten Tag (verwendet mit freundlicher Genehmigung):

Dienstag, 1. Mai 2018

Schludrig

... war ich gestern mit dem Blogschreiben, aber das lag am leckeren Bier und am Wasser des Lebens, auch Whisky genannt. Und natürlich an den beiden Damen, mit denen ich unterwegs bin ...

Das Aufstehen war schwer, denn wir waren nach Anjas Ankunft erst noch auf den Neroberg gefahren und dort ein wenig in der Gegend herumgekraxelt und danach im Sherry gewesen, hatten dort gut zu Abend gegessen, Maria vom Bahnhof abgeholt und ihr dann auch noch die Möglichkeit gegeben, im Sherry etwas zu essen. Dadurch wurde es aber auch halb zehn, und um drei Uhr klingelte der Wecker.

Derselbe war grausam, und ich bin sehr froh, dass Anja zuerst duschen ging, damit sie ihre Haare wieder trocken bekam. Wir liefen zu Fuß - es war 3.50 Uhr - zum Bahnhof, weil noch kein Bus fuhr, erwischten die gewünschte S-Bahn und kamen nach einer sehr entspannten Sicherheitskontrolle ans Gate, als das Boarding schon gerade so langsam angefangen hatte.

Ich musste noch auf die Toilette und boardete dann als Letzter, als die Damen schon längst an Bord waren (und auch schon eifrig Sitze hin- und hergetauscht hatten, dass zumindest die beiden nebeneinander sitzen konnten, denn Ryanair hat uns mal wieder getrennte Sitze zugewiesen gehabt). Neben uns waren einige Fußballfans, die von Frankfurt über Glasgow nach Madrid (!) zum Champions-League-Spiel flogen und ein wenig, äh, verwirrt (und recht schläfrig) waren ...

Die Einreise ins Vereinigte Königreich ging sehr schnell, wir fuhren - mit einer Gruppenfahrkarte - in die Innenstadt und frühstückten im Cafe Gandolfi (jetzt hätte ich fast "Capaldi" geschrieben, Doctor Who lässt mich einfach nicht los - wenn ich in ein paar Jahren diese Blog-Einträge lese, werde ich mich womöglich fragen, was diese Doctor-Who-Phase bei mir sollte ...), wo ich schon im Februar gefrühstückt hatte. (Zuvor hatte ich den Damen natürlich den "Duke" gezeigt, vor der Gallery of Modern Art, den Duke of Wellington mit Leitpfosten auf der Rübe ...)

Wir hatten ja immer noch unsere Koffer, und stiegen also in den ersten Stadtrundfahrtbus ein, der uns in die Quere kam, um in Richtung unseres Hotels zu fahren. Vorbei ging es am Volkspalast, am "Gürteltier", dem relativ neuen Ausstellungszentrum, am Riverside Museum bis zum Kelvingrove Park, wo wir ausstiegen. Nach einem kurzen Spaziergang waren wir im Hotel und konnten - um 11 Uhr oder so - sogar schon einchecken.

Wir fuhren, nachdem wir festgestellt hatten, dass eine Haltestelle direkt vor unserer Haustür ist, zurück in die Stadt und stiegen an der Kathedrale aus. Ein kurzes Scharmützel über die fotografietechnisch beste Route folgte, aber am Ende waren wir in der Kathedrale und bestaunte dieselbe. Es folgte - bei traumhaftem Wetter - der Aufstieg zur Nekropole, wo wir jetzt auch auf den Rasenflächen herumlaufen konnten (im Februar waren die alle ein bisschen schlammig gewesen) - sehr schön war das ...

Wir liefen - an der im Februar fotografierten TARDIS, äh, Police Box, die übrigens ein kleiner Kiosk ist - vorbei, stiegen, weil der Bus gerade kam, für eine Haltestelle in den Touristenbus ein und fielen nach einiger Entscheidungsfindung in ein hübsches Pub ein. Dort wurde Bier konsumiert, und wir hatten ein Hüngerchen - wieder einmal standen Preis und Leistung in einem Missverhältnis, denn für ein paar Pfund bekamen wir eine Portion, mit der eine britische Kompanie satt geworden wäre und wir also erst recht.

Es war jetzt doch schon 15 Uhr geworden, und wir wollten noch zum Tall Ship und zum Riverside Museum, sodass wir aufbrachen und wieder eine halbe Stadtrundfahrt mit dem Touristenbus machten. Tall Ship und Riverside Museum fanden die Zustimmung der Damen, zumal man in der viktorianischen Straße offenbar ganz gut Fotoshootings machen konnte.

Wir wurden aufgrund der Schließung um 17 Uhr fast aus dem Museum geworfen, erwischten den vorletzten Bus nach Hause, fuhren diesmal wirklich bis vor die Haustür und machten eine Stunde Siesta, ehe wir um 18.30 Uhr wieder auf Jöck gingen - wir hatten schon wieder Hunger, aber vor allem Durst.

Die angestrebte Whisky-Kneipe hatte nichts zu essen, und irgendwie hatte jeder irgendwo mal etwas auszusetzen, dass wir auf einmal an der Stadtautobahn ankamen, immer noch nichts zu essen fanden (die meisten Kneipen hatten entweder gar kein oder - es war kurz vor acht - nicht mehr Essen), sodass es kam, wie es kommen musste: Wir landeten bei J.D.Wetherspoon - inzwischen habe ich in England, Wales, Nordirland und nun auch in Schottland mindestens einmal die Vorzüge (und Nachteile) der Kette kennengelernt.

Das Bier - mir war zwischenzeitlich aufgrund von zu wenig nicht-alkoholischem Getränkekonsum ein wenig schlecht gewesen - schmeckte mir wieder, das überbackene Hühnchen war genießbar, aber auch nicht sehr viel mehr, und am Ende machten wir, dass wir rauskamen und ins Ben Nevis, der ursprünglich angestrebten Whisky-Kneipe, kamen.

Auch wenn mir die Whiskys, die Anja für mich bestellte, nicht gar so schlecht mundeten, werde ich heute Abend, falls wir da wieder einfallen, auch nur einen trinken und dazu ein Bier - ich bin einfach ein Biertrinker.

Die anwesende Kundschaft gefiel sowohl den Damen als auch mir, aber das resultierte in keiner weiteren Aktivität an dem Abend, denn wir waren alle richtig kaputt. Um 23.30 Uhr fielen wir ins Bett und begegneten uns um 8 Uhr heute Morgen zum Frühstück wieder.

Heute wird das Universitätsviertel mit Kelvingrove Gallery unsicher gemacht, mal gucken, was am Nachmittag geht ...

Fotos morgen - es geht weiter.