Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 14. November 2020

Der Kollesch aus Kaiserslautern

 ... ist schuld, dass ich heute an den Triberger Wasserfällen gelandet bin, denn den Floh hatte er mir vor ein paar Wochen ins Ohr gesetzt, mich aber gleichzeitig gewarnt, dort bloß kein Eichhörnchenfutter zu kaufen, weil es da gar keine Eichhörnchen mehr gebe. Heute hat er recht behalten, wobei ich nicht weiß, ob die alle schon in Winterruhe waren - wobei, eher nicht, denn heute war es spätsommerlich warm in Triberg mit 16 Grad, und das Mitte November!

Ich war heute Morgen richtig wandergeil, und da ich gestern, hundemüde wie ich war, sehr früh im Bett war, sprang ich um 7 Uhr quasi aus den Federn und unter die Dusche. Meine Mutter kam ihrem Wandervogel kaum hinterher, und um kurz nach 8 Uhr waren wir unterwegs nach Hammereisenbach.

Um kurz vor 9 Uhr wiederum waren wir dort, ich sprang aus dem Auto, meine Mutter fuhr zurück nach Hause und ich lief - zügigen Schrittes - an der Breg entlang in Richtung Vöhrenbach. Ich hatte fantastisches Wetter erwischt, auch wenn es im Schatten durchaus ein bisschen ..., öhm, schattig war, aber der Blick auf die Breg und den Schwarzwald und die Schwarzwaldhöfe war schon sehr, sehr schick ...

Das erste Zwischenziel war das - überraschend große - Vöhrenbach, das ich nach ziemlich genau sechs Kilometern erreichte.

War das Stück an der Breg entlang noch wunderbar eben gewesen, ging es jetzt einen kleinen Anstieg hoch - danach wurde die Straße allerdings ein wenig flacher. Ich ahnte aber schon Unheil, denn meine Wanderapp gibt mir auch das Höhenprofil aus, und da stand eine 200 Höhenmeter hohe Wand vor mir, die erklommen werden wollte.

Im Vöhrenbacher Ortsteil Langenbach sah ich die Straße dann auch vor mir, und die folgenden 600 Meter waren richtiggehend brutal. Ja, der Blick auf Vöhrenbach war ganz hübsch, aber die Kühe, die da auf dem Alm lagen, dachten bestimmt auch: "Was macht das menschliche Rindviech denn da?"

Die nächsten 500 Meter im Wald waren auch nicht wirklich besser, wenn auch ein wenig flacher und ein wenig kühler (ich habe mir heute jetzt keinen Sonnenbrand geholt, aber ganz gut Farbe gekriegt), und als ich an eine Weggabelung kam, war ich sehr unsicher, ob ich den Weg geradeaus (noch weiter berghoch) nehmen soll oder den etwas längeren Weg außenherum. Allein, es hätte nichts geholfen, weil ich die Höhenmeter so oder so erklimmen musste, also lief ich frontal weiter in den Berg hinein ...

Auf ziemlich genau 1.000 Meter Höhe wurde es dann besser, weil flacher - und hier war es dann herrlich, durch den duftenden Wald zu laufen ...

Bei Kilometer 10,5 kam ich aus dem Wald (und überquerte die Gemeindegrenze nach Furtwangen) - und hatte dort oben auf gut 1.000 Meter Höhe unglaubliche schöne Blicke über den nördlichen Südschwarzwald oder südlichen Mittelschwarzwald.

Kurz vor der Gemeindegrenze nach St. Georgen (ich Dussel, eine Gemeinde verpennt ...) bog ich ab ins Feld, hatte nochmal einen Panaromablick, ehe es in den Wald und dann ein Stück bergab ging. Ich unterquerte die Landesstraße 175 und musste dann noch einmal 70 Höhenmeter zu einem Parkplatz hoch - das tat jetzt nach 14 Kilometern schon ein bisschen weh.

Bei 1.020 Metern war der Höhepunkt des heutigen Tages (jedenfalls geographisch) erreicht, ich erreichte kurz Gebiet der Gemeinde Schönwald, ehe ich endgültig auf Gebiet der Gemeinde Triberg landete. Erst ging es an einer Straße entlang, dann durch den Wald, danach zwischen Feldern hindurch - ich kam an eine schöne Kapelle mit einer ansehnlichen Uhr darin. Die Gegend heute ist ja Teil der deutschen Uhrenstraße, da ist so etwas kein Wunder ...

Drei Kilometer vor dem Ziel begegnete ich einem sehr jovialen älteren Herrn, der sich als Reiseführer "für hier oben" ausgab (Schwarzwälderisch sprach der nicht, eher Nordrhein-Westfälisch ...), fragte, wo ich hinwollte, und ob ich Hitze hätte, weil ich auch heute mal wieder nur im Kurzarmhemd unterwegs war (Mitte November! Auf 1.000 Metern!). Er gab mir noch einen Tipp zur weiteren Wegführung (der entsprach meiner Karte, daher alles gut), ich dankte freundlich und weiter ging's.

Ich machte im Wald kurz vor Triberg einen Fehler, weil ich meiner Karte zu weit folgte (ich wollte ja zu den Triberger Wasserfällen) und deshalb - ich hatte mich entschieden, am oberen Eingang das Areal zu betreten - nochmal einen ganz schönen Buckel hochmusste ... Das tat jetzt richtig, richtig weh, und als ich oben war, pumpte ich ganz ordentlich ...

Lohn der Mühen war, dass ich wenige Meter vor einem geschlossenen Kassenhäuschen zu den Wasserfällen stand. Das war allerdings weniger problematisch als es klingt, denn der Zugang war trotzdem offen ... Nun denn, ich zog meine Maske an (und war so ziemlich der Einzige, zumal jetzt auch nicht soooo viele Leute unterwegs waren) und lief dann die Kaskaden der Wasserfälle herunter.

Ich muss gestehen, ich hatte mir das weniger eindrucksvoll vorgestellt - denn die Wasserfälle machen schon etwas her, das ist sehr schick - und für umme kannst du das auf alle Fälle mitnehmen (ob man jetzt die sechs Euro Sommer-Eintritt zahlen muss, darüber kann man streiten, aber andererseits müssen die Wege und Brücke auch gepflegt werden, also meinetwegen ...).

Als ich unten in Richtung Ausgang gehen wollte, stellte ich fest, dass die Anlage gesperrt sein sollte - das hatte die zig Leute, denen ich unterwegs begegnet war, aber nicht aufgehalten, und ich hatte überhaupt kein Schild gesehen, dass gesperrt sei ... Dementsprechend tauchte ich unter der Absperrung hindurch, machte noch ein letztes Foto und wartete dann am Schwarzwaldmuseum auf meine Mutter.

Schön war's heute ... Die 950 Kilometer insgesamt habe ich geschafft (950,86 km), die 940 im Schwarzwald auch (941,16 km) - vielleicht mache ich morgen noch ein Tourchen, mal gucken ...

Fotos? Fotos:

Breg und Schwarzwald und Schwarzwaldhof

Die Breg

Blick auf Vöhrenbach mit Rindviech

Schwarzwald

Kapelle mit Uhr

Triberger Wasserfall (oben)

Hauptwasserfall (unten)

Mittwoch, 11. November 2020

E weng frisch

 ... war es heute Abend, als ich kurz vor Sonnenuntergang noch eine kurze Wanderung machte. Okay, im kurzärmligen Hemd am Abend eines Novembertages im Schwarzwald erscheint das nicht wirklich verwunderlich, aber ich habe es ja überlebt ...

Das Wetter war heute fantastisch, und um 15.30 Uhr brauchte ich einfach mal den Kopf frei - ich fragte also meine Mutter, ob sie mich begleitet, denn ich wollte ca. 5,5 Kilometer in gerader Linie wandern, um den Landkreis Tuttlingen, meinen siebten Landkreis in Deutschland, an mein Streckennetz anzubinden.

Meine Mutter musste nicht lange überredet werden, und so fuhren wir eine Dreiviertelstunde (später natürlich wieder zurück, und das für eine 66-minütige Wanderung - aber die Ausfahrt war schön!) nach Kommingen, einem Ortsteil von Blumberg, und dann weiter nach Riedöschingen. Dort bogen wir auf eine Gemeindestraße ab und fuhren diese - vorbei an Höfen, an denen wir beäugt wurden, und durch Wälder - bis zum Drei-Landkreise-Eck Tuttlingen/Schwarzwald-Baar/Konstanz.

Dort stieg ich aus, lief hinunter zur Kreisstraße (vorbei an einem auf der Straße liegenden Schuh!) und nach wenigen Metern auf der Kreisstraße hinauf in den Wald.

Ach, war das herrlich, durch diese wunderbare frische Luft zu laufen, und ich lief zügig bergauf, sodass mir auch nicht wirklich kalt wurde. Auf dem Pflanzschulweg (ich hätte einmal auf einen Naturpfad gehen sollen, das wollte ich nicht, sodass ich auf dem - nicht längeren - Schotterpfad blieb) lief ich bis zur Pflanzschulhütte, und von der war ich bald am Waldrand, von dem aus ich einen wunderbaren Blick auf das vernebelte Riedöschingen hatte. (Überhaupt hatte ich Glück mit dem Wetter, weil es unterwegs teilweise heftig neblig war ...)

Es wurden Fotos von vernebelter Landschaft gemacht, während ich auf dem Weg entlanglief, der praktisch genau auf der Grenze zwischen den Landkreis Konstanz und Schwarzwald-Baar lag. Als ich aber ein kurzes Stück durch den Wald musste (bergab), wurde mir etwas mulmig, weil es doch schon ziemlich dunkel war. Die Handy-Taschenlampe half, sodass ich wohlbehalten bei meiner Mutter am Parkplatz an der Kreisgrenze ankam, von der aus ich am 15. Mai (das ist doch schon länger her ...) zum Schwarzen Stein und über den Randen weiter nach Grimmelshofen gelaufen war. Ich vergaß, meine "Anschluss-hergestellt"-Armbewegung zu machen, aber das war mir wurscht, weil ich die Verbindung auch ohne Armbewegung hergestellt hatte ...

Fast 931 Kilometer insgesamt und über 921 Kilometer im Schwarzwald stehen auf der Uhr. Der Megameter naht ...

Im Wald

Blick zurück im Wald

Nebel über Riedöschingen

Die B314, völlig benebelt

Samstag, 7. November 2020

Usbekischer Wodka

 ... von gestern Abend machte die heutige Wanderung sowohl notwendig als auch mühsam ...

Ich schlief heute Morgen aus und entschied mich, die erste Triberger-Wasserfälle-Etappe auf mich zu nehmen. Ich fuhr nach Rötenbach, umfuhr die dortige Baustelle und stellte mein Auto am Bahnhof ab. Von dort lief ich zum Rathaus, stellte damit die Verbindung zu den bisherigen Wanderungen her und machte mich dann zum Kurpark auf.

Ich durchquerte diesen (kleinen) Park, verlief mich in Richtung Schule, orientierte mich neu und lief - an der Straße entlang - in Richtung Unterführung der Bundesstraße 31. Kurz nach der Einmündung bog ich rechts ab in ein kleines Industriegebiet und dann hoch in den Wald. Schon nach 1,5 Kilometern hatte ich eigentlich keine rechte Lust mehr, mir taten die Oberschenkel weh, aber als ich im Wald war und mich ein bisschen eingelaufen hatte, ging es besser.

Über den Jakobsweg durch schönen, aber auch nicht überwältigend fantastischen Wald ging es auf einem guten Wanderweg mit relativ gleichmäßiger Steigung in Richtung Eisenbach, einer weiteren Gemeinde des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. Ich erreichte Eisenbach-Höchst, lief durch das Örtchen und verschwand auf der anderen Seite wieder im Wald. Auf 1.034 Metern erreichte ich den höchsten Punkt der heutigen Wanderung - und prompt begegnete mir ein Moped mit Anhänger auf dem Waldweg!

Es ging teilweise auf der Kreisgrenze zwischen Breisgau-Hochschwarzwald und Schwarzwald-Baar weiter, mitsamt Grenzstein zwischen "S" und "B", wobei ich noch eruieren muss, was die Buchstaben bedeuten. In Bubenbach, einem Ortsteil von Eisenbach, kam ich raus und durchquerte das Käffchen ... Ein kleiner Anstieg tat richtig weh, aber dann ging es die ganze Zeit bergab ...

In der Nähe einer Straßenkreuzung nahm ich einen Snack zu mir, ehe ich den Endspurt nach Hammereisenbach auf mich nahm. Es ging teilweise an der Straße, teilweise auf einem etwas erhöhten Wanderweg entlang, und als ich Hammereisenbach erreichte, hatte ich auch wieder den Schwarzwald-Baar-Kreis erreicht.

Am Eisenbach entlang lief ich durch das kleine Örtchen, kam am Gasthaus Hammer und an der Burgruine Neu-Fürstenberg vorbei, überquerte die Breg, einen der beiden Flüsse, die die Donau zuwegbringen, und lief in Richtung Friedhof von Hammereisenbach. Dort erreichte ich - an einer unzeremoniellen Stelle - den 48. Breitengrad, den ich erstmals auf einer meiner Wanderungen hier im Schwarzwald überquerte ...

Eine schöne Wanderung war das heute, aber ich glaube, morgen mache ich Pause ... Meine Prognosen sind legendär schlecht, mal gucken, was ich morgen denke ...

916,01 Kilometer im Schwarzwald sind erreicht und 925,71 Kilometer insgesamt, das hat - am Ende dann - wirklich gutgetan, aber es ist schön, morgen noch einen arbeitsfreien Tag zu haben ...

Fotos:

I'm walking ...

Grenzstein mitten im Wald

Eisenbach

Ruine Neu-Fürstenberg

Über die Breg

Sonntag, 1. November 2020

Wirklich geschafft

 ... habe ich es heute - und wirklich geschafft bin ich heute, denn das war der zweite 20-km-Tag in Folge, aber ich hatte heute mit dem Wetter richtig Glück, sodass ich nur kaputt und nicht durchnässt war.

Die Wettervorhersage heute Morgen war bescheiden, und der Abend gestern war - obwohl ich spät dazustieß - sehr, öhm, schön gewesen, sodass ich hin- und herüberlegte, ob ich meiner Mutter das wirklich antun sollte, gerade an ihrem heißgeliebten (Faul-)Sonntag mit mir in Richtung Liechtenstein zu fahren und da vier, fünf Stunden auf mich zu warten ... Irgendwann, es war schon halb zehn, kam ich geduscht aus dem Bad und eröffnete meiner Mutter, dass wir es versuchen ... Sie war total begeistert, machte sich aber auch schnell fertig, und gegen 10.15 Uhr waren wir unterwegs in Richtung Schleitheim.

Es regnete in Schleitheim, es regnete in Schaffhausen, es regnete in Winterthur, in St. Gallen tröpfelte es nur noch, und als ich in Diepoldsau aus dem Auto stieg, konnte ich das ohne Anorak tun. Ich lief los, meine Mutter hatte Instruktionen, dass sie in Ruggell in Liechtenstein warten möge, wo sie las und Walnüsse schälte und was weiß ich noch alles ... Achja, einen Kaffee wollte sie trinken, aber da in Liechtenstein schon seit einer Woche die Gaststätten zugesperrt sind, ging das nicht, außer, wenn sie sich als Schwester der Wirtin ausgegeben hätte ...

Ich lief in Diepoldsau los und überquerte über die Oberrieterstrasse den Rhein, der hier gerade nicht die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Österreich darstellt. Jenseits des Bahndammes stiefelte ich nun in Richtung Süden, mir begegneten nicht viele Menschen, allenfalls wurde ich vom einen oder anderen Fahrradfahrer überholt. Nach einigen Minuten zog ich mir den Pullover, den ich beim Start angezogen hatte, aus, was für karierte Blicke der wenigen Passanten in der Schweiz wie in Österreich sorgte ... So warm war es wirklich nicht, aber eiskalt eben auch nicht, und ich lief zügigen Schrittes.

Über die Brücke, die von der Autobahnausfahrt Kniessern nach Österreich führt, lief auch ich nach Vorarlberg. Der Blick auf den seltsam türkisen Rhein ist immer wieder schön, zumal ich bis dahin - von der anderen Seite des Damms - gar nicht so viel vom Rhein gesehen hatte.

War ich bisher eher auf (asphaltierten) Fahrradwegen unterwegs gewesen, lief ich auf der ersten Österreichetappe direkt am Rhein entlang, das war mehr so ein Hunde- und Pferde-Weg, aber zum Wandern war's auch okay ...

Das Wetter hielt, auch wenn ich mir da doch wieder den Pulli anzog (und bis Liechtenstein nicht mehr auszog), aber dafür, dass es während der gesamten Wanderung jedenfalls irgendwo immer regnen sollte, bin ich heute sehr angenehm trocken geblieben (außer ganz am Ende, als es auf den letzten Metern in Ruggell nochmal zu tröpfeln anfing ...).

Die nächste Rheinbrücke ignorierte ich, blieb also in Österreich. Über den Ehbach und die Frutz ging es in die Gemeinde Meiningen und von dort wieder hinüber in die Schweiz. Es fügte sich, dass ich exakt auf der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz 12,31 Kilometern am heutigen Tag gelaufen war - das war die 900-Kilometer-Marke (insgesamt, nicht nur im Schwarzwald) - Zufälle gibt's ...

Jetzt hatte ich noch fünf Kilometer in der Schweiz, 600 Meter in Österreich und drei Kilometer in Liechtenstein zu gehen - und diese 8,6 Kilometer zogen sich. Die Sonne tat ihr Bestes, um durch die Wolken zu kommen, tat sich jedoch sehr schwer, aber die Blicke auf den Rhein und die bereits schneebedeckten Berge entschädigten für den bedeckten Himmel. (Und das Beobachten der Autos auf der Autobahn hat übrigens auch einen entspannenden Effekt auf mich ...)

Kurz vor dem erneuten Übertritt in die Schweiz führte mich die Wanderapp auf eine Straße ohne Bürgersteig, und ich war fast sicher, dass das ein Fehler in der Planungssoftware war. Aber tatsächlich führte der einzige Weg zu dieser Brücke über den Rand dieser Straße, weil alle anderen Wege und Straßen unter der Brücke hindurchführten. Wenn ich da meinem Gefühl vertraut hätte, wäre das noch ein übler Umweg geworden - nochmal Glück gehabt.

Ich hatte in Österreich und der Schweiz die Grenzsteine heruntergezählt, die - teilweise auf dem Rheindamm, also ziemlich weit von der Grenze im Rhein entfernt - diese beiden Staaten voneinander abgrenzen. Jetzt war ich in Österreich an der Nummer 7, und die letzten sieben Grenzsteine kamen ziemlich schnell nacheinander.

Zwischenzeitlich war ich unsicher geworden, ob ich das heute wirklich bis Liechtenstein schaffe, aber jetzt war ich nur noch fünfhundert Meter vom eigentlichen Ziel entfernt und da fing ich doch an, die eine oder andere Freudenträne zu verdrücken.

Ich weiß noch genau, wie ich vor einigen Monaten bei der Geburtstagsfeier eines guten Freundes gesponnen hatte und mir die Strecke von Diessenhofen nach Liechtenstein hatte ausgeben lassen. 133 Kilometer zeigte das Ding damals an, und ich hielt es für völlig utopisch, dass ich tatsächlich bis nach Liechtenstein wandern könnte. Und jetzt war ich praktisch da!

Ein Ententanz wurde nicht aufgeführt, dafür war ich zu fertig, aber ich lief jubelnd durchs Ziel (neben dem österreichisch-liechtensteinischen Grenzstein) und riss mir zweimal vor Überglücklichkeit die Kappe vom Kopf. Die Leute, die mir entgegenkamen, fragten sich auch, wo der denn ausgerissen ist, aber mir war's egal ...

Jetzt hatte ich aber das eigentliche Ziel erreicht, und dementsprechend waren die letzten drei Kilometer bis zum Auto meiner Mutter richtig, richtig hart ... Es ging am Binnenkanal vorbei, über den Rheindamm, dann runter auf eine landwirtschaftliche Straße, an einer weiteren Wachkuh vorbei, die mich ständig anmuhte, und dann ins Industriegebiet. Zwei Bushaltestellen wurden ignoriert, meine Mutter hatte sich schon strategisch gut aufgestellt, aber den gestrigen Tagesrekord überbot ich nochmals - um 230 Meter -, sodass ich heute 20,85 Kilometer durch drei Länder gewandert bin.

Liechtenstein ist das fünfte Land (nach Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Österreich), das ich von Bonndorf aus erwandert habe - so'n kleines bisschen bin ich schon stolz auf mich, das wird man hier vielleicht sogar heraushören ...

Erste Grenzüberquerung

Berge & Fluss

In Österreich

Grenzübertritt Österreich-Schweiz

Die Sonne wollte, aber sie konnte nicht (ganz)

Blick nach vorn ...

... und zurück

Verdammte Axt, ich hab's wirklich geschafft ...

Wachkuh II

Samstag, 31. Oktober 2020

Eine Fehlentscheidung

 ... habe ich heute getroffen, als ich von meinem Plan B abgerückt und zum Plan A zurückgewechselt bin. Es war abgesprochen, dass ich heute jemanden am Bahnhof in Rötenbach abhole, und da hatte es sich angeboten, dass ich heute den ersten Teil der Wanderung zu den Triberger Wasserfällen machen könnte; da der Bekannte sich aber verspätete, ging ich wieder zu Plan A zurück, und der lautete, von Waldshut am Rheinufer entlang bis ungefähr nach Laufenburg zu wandern (vor allem, weil ich nur noch heute über das Kraftwerkswehr in Laufenburg zurück nach Deutschland kommen konnte).

Das Wetter hier oben im Schwarzwald und noch auf der Fahrt bis Höchenschwand war grandios (und ist es noch), aber unten im Rheintal war Nebel, der sich ganz gegen Ende der Wanderung ein bisschen auflöste, aber so richtig toll war das alles nicht, vor allem, wenn ich bedenke, was ich auf dem Weg in Richtung Triberg heute so im Wald gesehen hätte.

Naja, sei's drum, war jetzt halt so, zumindest habe ich auf diese Weise heute acht neue Gemeinden abgestaubt, vier im Landkreis Waldshut und vier im Kanton Aargau in der Schweiz. Und soooo hässlich ist selbst der neblige Rhein nicht ...

Ich war früh wach, meine Mutter sowieso, und so ging es schon zu (für einen Samstag) früher Stunde in Richtung Laufenburg über die B 500. Dort stellte ich mein Auto am Ostbahnhof ab, um nach etwa 15 Kilometern Wanderung einen Notausstieg zu haben, und fuhr mit dem Auto meiner Mutter weiter in den Waldshuter Stadtteil Schmittenau bis fast an die Grenzbrücke in die Schweiz.

Dort lief ich los, überquerte die Grenzbrücke und guckte, wie weit ich entlang der Nationalstrasse dort komme, denn meine Wanderroutenapp hatte sich geziert und mir einen ziemlichen Umweg um Koblenz herum präsentiert. Nun, da ist ein wunderbarer Gehweg entlang der Hauptstrasse, sodass ich auf diesem lief, bis ich rechts in Richtung Aare abbiegen musste.

Nach wenigen hundert Metern (über einen Waldpfad die Böschung von der Nationalstrasse herunter) und einer steilen Treppe kam ich zur Aarebrücke und machte ein Bild in den Nebel hinein. Hier also mündet die Aare in den Rhein (bzw., hydrologisch korrekter, weil die Aare hier mehr Wasser führt als der Rhein. der Rhein in die Aare), schick, hab ich die Aare also jetzt auch mal wieder gesehen.

Ich war inzwischen in der Gemeinde Leuggern und lief an den Bahngleisen entlang (nicht am Rhein entlang, ich wollte ein kleines bisschen Weg sparen) nach Full-Reuenthal in Richtung des Schweizerischen Militärmuseums. Dieses ließ ich rechts liegen, bog auf einen Feldweg ab, um die durch eine Unterführung die Bahngleise zu unterqueren - und blieb wie angewurzelt stehen: Die Unterführung war zwar da, aber sie wurde durch eine Tür im Zaun versperrt, und diese Tür war zu. So'n Mist, Mann!

In einem Anfall von Klugheit latschte ich doch mal hin, um zu gucken, ob die Tür vielleicht aufgeht. Der Zaun war mit Stacheldraht überdacht, aber, guck mal einer an, die Tür ging tatsächlich auf. Ich ging hindurch (dahinter war eine Riesenpfütze), machte die Tür wieder zu und ging weiter meinen Weg entlang - das wäre richtig übel gewesen, wenn ich da einen anderen Weg hätte suchen müssen ...

Ich kam am Atomkraftwerk in Leibstadt vorbei, dem Albtraum aller umweltbewegten Lehrer im Südschwarzwald, von dem ich aber vor lauter Nebel praktisch gar nichts sah außer der Kühlwassereinleitstation direkt am Rhein ...

Nächstes Ziel war das Wasserkraftwerk Albbruck-Dogern, über dessen Wehr ich wieder nach Deutschland ging. Ich hatte allerdings am Aushang dort gesehen, dass der Schwaderlochersteg bis "Ende Oktober/Anfang November" gesperrt sei - über den wollte ich nach dem Weg über die (deutsche) Rheininsel eigentlich wieder in die Schweiz ...

Nun denn, ich lief erst einmal auf die Rheininsel, bewunderte das Staubecken dort, zog mir unterwegs einen Pullover an, weil es doch recht kühl war, und kam zum Schwaderlochersteg, nur um zu sehen, dass der noch gesperrt ist ... Alles Mist hier, sachma?!

Nun, ich war - nach kurzem Weg durch Dogern - jetzt in Albbruck angekommen und lief über einen anderen Steg von der Insel hinüber aufs deutsche Ufer. Ich setzte meine Wanderung durch Albbruck und Albert, einen Ortsteil von Albbruck, fort, ehe ich nach Hauenstein, den ersten Ortsteil von Laufenburg (Baden) kam ...

Dort ignorierte ich meine Wanderapp und lief einfach am Rhein entlang (das war neblig, aber durchaus hübsch), bis ich über Land zum Friedhof des Laufenburger Ortsteil Luttingen lief. Auf dem Weg von dort nach Laufenburg-Stadt kam mir ein rumänischer Lkw entgegen, dessen Fahrer die Familie, die ein paar Meter vor mir fragte, ob er in Freiburg sei ... Der Familienvater versuchte ihm zu erklären, dass er in Laufenburg sei, aber das schien nicht wirklich von Erfolg gekrönt ...

Ich setzte derweil meinen Weg fort, die Oberschenkel fingen an zu brennen, aber als ich am Rhein ankam, ging es wieder ...

Am Rhein ging es auf einem schönen Weglein bis in die Altstadt von Laufenburg (Baden), mit schönen Blicken auf Laufenburg (Schweiz). Ein Priester kam mir entgegen, aber das half mir auch nicht, als ich die steile Treppe hoch aufs Brückenniveau hochkraxeln musste. Ich lief auf die - inzwischen - Fußgängerbrücke und sah einen schönen Grenzstein von 1810 (das ist, soweit ich das weiß, der einzige richtige Grenzstein auf einer Brücke zwischen der Schweiz und Deutschland). Da hatte sich die Wanderung doch gelohnt ...

Mit einem Blick auf Laufenburg (Baden) verstand ich in der (sehr schönen) Altstadt von Laufenburg (Schweiz) und ging in Richtung des Kraftwerks Laufenburg. Vor das Kraftwerk hatte der liebe Gott aber noch einen Weg am Rhein entlang gesetzt, und leider ging es da noch einmal ein paar Höhenmeter hoch (und wieder runter). Das tat jetzt richtig, richtig weh, aber es half ja alles nichts ... An den Tennisplätzen des TC Kraftwerk Laufenburg ging es vorbei, auf das Kraftwerksgelände und - am letzten Tag der sommerlichen Öffnungsphase - über die schön und deutlich markierte Grenze auf dem Kraftwerkswehr. Auf der deutschen Seite war auch wieder das Tor zu, aber das lang nur an der nicht funktionierenden Türöffnungsmechanik, sodass ich dem Hinweis auf dem Zettel folgte und die Tür von Hand aufzog.

Die angestrebte Unterquerung der Gleise scheiterte am (jetzt aber wirklich) verbotenen Zutritt zum Firmengelände, sodass ich mich - ich hatte sowieso gerade den Bus verpasst, den ich ohnehin nehmen musste, um zu meinem Auto am Notfallausstieg zurückzukommen - aufmachte, mit der Gemeinde Murg noch eine weitere deutsche Gemeinde mitzunehmen. An der B 34 ging es entlang, eine Frau kam mir immer näher, weil ich nur noch schlich, aber als ich sie vorbeilassen wollte, war ihr das suspekt, sodass sie die Straßenseite wechselte ...

Meine Bushaltestelle gab es nicht, weil die Straße gesperrt war, aber zum Glück sah ich beim Blick in eine Seitenstraße die Ersatzhaltestelle, und zu der begab ich mich. Mein Handy hatte noch Saft, also kaufte ich nach einer halben Stunde Wartezeit meine Fahrkarte online, fuhr zurück zum Bahnhof Laufenburg und dann heim nach Bonndorf.

Jetzt habe ich geduscht und fahre gleich zum Bahnhof, um den Besuch abzuholen - 20,62 Kilometer heute, neuer Rekord, acht neue Gemeinden, die Füße tun weh, aber es geht sogar noch vergleichsweise, alles bestens ...

Am Mittwoch habe ich ein bisschen den Kopf freikriegen wollen und habe eine Runde um das Industriegebiet Bonndorf-Ost (kicher) gemacht - von der Innenstadt ging es hoch zum "Lindenbuck", an diesem vorbei zum Krummen Föhrle, in Richtung Andreashof und danach durchs (inzwischen ziemlich groß gewordene) Industriegebiet, den Philosophenweg und das Adlerwegle zurück nach Hause. So kann man dann auch mal 5,95 Kilometer zusätzlich auf die Uhr schreiben.

Insgesamt habe ich im Schwarzwald jetzt 877,99 Kilometer absolviert (887,69 km mit den Taunus- und Pfälzer-Wald-/Vogesen-Touren) - die 900 und auch die 1.000 Kilometer kommen immer näher, zumal ich mich im Moment an Weihnachten eher durch den Schwarzwald wandern denn irgendetwas anderes machen sehen. Aber wie sagt man hier? Emol luege ...

Hier oben war das Wetter toll ...

... in Koblenz nicht mehr so ...

Die Aare (wenn Sie sie sehen)

Umwegvermeidungstor

Kraftwerk Albbruck-Dogern mit ...

... Staubecken

Am Rhein bei Hauenstein

Blick auf beide Laufenburg

Grenzstein auf der alten Brücke

Letzter Grenzübertritt am Kraftwerk Laufenburg

Sonntag, 25. Oktober 2020

Als Geisterwanderer im goldenen Oktober

 ... fühlte ich mich heute, denn in der Ravennaschlucht kamen mir bestimmt hundert Menschen entgegen, während in meine Richtug kaum jemand lief (ja, klar, die Entgegenkommenden sehe ich alle, während ich die in die gleiche Richtung Gehenden nur dann sehe, wenn sie schneller oder langsamer sind als ich, aber trotzdem fühlte ich mich ein bisschen falsch ...). Auch wenn auf dem Weg zur Ravennaschlucht schon ein bisschen Badenindian Summer ("Baden" und "Indian", verstehste, super, gell?) herrscht, wird das auf dem Jakobsweg oberhalb des Höllentals erst so richtig schön - das ist wirklich toll gewesen heute, zumal das Wetter fantastisch war ...

Das Aufstehen heute Morgen war entspannt, gerade weil ich ja eine Stunde durch die Zeitumstellung gewonnen hatte (wobei der Sonne natürlich die Zeitumstellung herzlich egal war und sie fast eine ganze Stunde früher aufging als gestern ...) - aber der Hochschwarzwald zeigte sich neblig. Ich zog mich an und verließ das Haus, denn ich wollte mein Auto in Titisee abstellen. In Verhandlungen mit meiner Mutter erklärte ich mich bereit, bis Himmelreich zu laufen und mit dem Zug zurückzufahren, dann aber wollte ich am Bahnhof in Titisee stehen und nicht an dem Wanderparkplatz am See, den ich eigentlich anvisiert hatte.

Gesagt, getan, ich fuhr über Lenzkirch und Saig, doch als ich auf die B500 einbog, war der Titisee unter einer Nebelschicht verschwunden ... Ich stellte das Auto ab (6 Euro Tagesgebühr, das ist ja mehr als in der Schweiz!) und lief - im kühlen Nebel - los. Kurz vor dem Kurhaus stellte ich Verbindung zu meinen bisherigen Wanderungen her und bog kurz danach rechts in ein Wohngebiet ab.

Ein paar Menschen mit Hunden begegneten mir, doch als ich zum Eisweiher kam, hatte ich Ruhe vor Menschen ...

Kurz hinter der Gemeindegrenze Titisee-Neustadt/Hinterzarten musste ich eine Umleitung gehen, weil da eine Baustelle war, und ich entschied mich, auf der Gemeindestraße zu bleiben und nicht den steilen Aufstieg auf den Jakobsweg zu nehmen, den ich laut Umleitung hätte nehmen sollen (außerdem hätte ich da ein Stückchen vom Ziel weglaufen müssen, das wollte ich nicht).

Als es weniger steil und in die richtige Richtung den Berg hochging, nahm ich den Weg, und das war sehr richtig, denn so kam ich am Schanzenkomplex des Skistadions in Hinterzarten vorbei. Auch im Sommer sehen die Dinger sehr imposant aus, selbst wenn überhaupt nichts los war ...

Es folgte ein Spaziergängle durch Hinterzarten (ich glaube, so richtig war ich hier noch nie gewesen ...), ehe ich über verschlungene Pfade hinter einem Vater mit seinen zwei Kindern abbog und in Richtung Rotbach ging. Die drei bogen vor der Bahnunterführung ab (und gingen über den Löffentalweg an den unteren Eingang der Ravennaschlucht, denn in dieser begegneten sie mir ein, eineinhalb Stunden später wieder ...), während ich unter den Bahngleisen hindurch lief und dann abbog, in Richtung Birklehof.

Als ich das Schulgelände des Birklehofs betrat, hatte ich gerade die Grenze zwischen Hinterzarten und Breitnau überquert, sodass Breitnau meine erste (von drei) neuen Gemeinden heute wurde. Ich begegnete einer einsamen Schülerin, ehe ich die B 31 unterquerte und nach wenigen Metern auf die Straße namens "Ravennaschlucht" abbog ...

Es folgten einige hundert Meter auf dieser Straße, ehe es kurz vor der Ravennasäge rechts hoch in den Wald ging (einige andere Wanderer gingen den oberen Weg in Richtung Kaiserwacht entlang). Da wurde es dann ziemlich schnell dunkel, der Ravennabach floss anfangs links von mir, bald, nach der ersten Brücke, rechts von mir.

Die Ravennaschlucht gefiel mir richtig gut, auch wenn man über die feuchten Holzbrücken und gelegentlich engen (und immer steilen!) Treppenstufen wirklich aufpassen muss. Sowohl der kleine als auch der große Ravennawasserfall sind durchaus beeindruckend, auch wenn man nicht immer einen richtig tollen Blick hat - vor allem, wenn so ein Trottel (ich!) beim großen Ravennawasserfall Fotos macht und den Leuten, die da auch an den Aussichtspunkt wollen, mit großer Geste anzeigt, sie können gerne die Treppe hochgehen ... (Sorry, da hatte ich wirklich einen Gehirnhänger ...)

Richtig beeindruckend ist dann allerdings auch unten die Brücke der Höllentalbahn mit ihren hohen Bögen, das ist Ingenieurskunst aus dem frühen 20. Jahrhundert!

Ich lief auf das Goethehaus zu, bog zum Alten Zollhaus ab, schoss auf einen alten Grenzstein zu und übersah dabei, dass mein Weg nicht geradeaus, sondern rechts einen steilen Anstieg hochging. Nach 100, 150 Metern bemerkte ich mein Malheur (diesmal kann ich es nicht auf die Beschilderung schieben ...), lief wieder zurück und dann den steilen Berg hoch ...

Ich unterquerte noch einmal die Bahngleise und quälte mich (eine größere Gruppe ließ mich vorbei, sodass ich mich ein bisschen getrieben fühlte) den Berg hinauf. Entschädigung dafür war, dass der Wald wunderbar braun-rot-ockerfarben war, das war richtig schön (und wurde noch besser!) ...

Diese gut 60 Höhenmeter hatte ich geschafft, da ging es schon wieder bergab hinunter zur Posthalde ... Da kam ich nach einem guten Kilometer Weg an, nur um - dummerweise wusste ich das schon vorher - auf einen zweieinhalb Kilometer langen Anstieg zu kommen.

Ja, die Bäume sahen toll aus, ab und zu hatte man auch einen schönen Ausblick auf das Höllental, aber gerade der erste Kilometer des Anstiegs war richtig brutal (im Durchschnitt 16% Steigung!) - ich habe laut Wanderapp heute insgesamt über 3.000 kcal verbrannt!

Als ich den brutalen Kilometer überstanden hatte, ging es immer noch bergauf, aber es war erträglich - und noch besser wurde es, als ich den heutigen Höhepunkt in einer unscheinbaren Kehre erreicht hatte. Wobei, wirklich besser wurde es nicht, denn da war ich schon knapp 14 Kilometern unterwegs und meine Füße buhten und riefen "Aufhören!".

Ich sah - mitten auf dem Waldweg - einen mit Camouflagenetzen verhängten Stuhl, auf den setzte ich mich, aß meine Bananen, trank eine (kleine) Flasche Wasser leer, und diese kleine Pause hatte gutgetan, auch wenn meine Füße immer noch nicht willig waren ...

Die letzten fünf Kilometer im Wald zogen sich, ab und zu machte ich ein Foto vom Wald, eines vom (schönen) Blick auf Falkensteig, mir begegneten nur ein paar Fahrradfahrer und ganz zum Schluss zwei Wanderer ..

Irgendwo im Wald (kurz vor dem höchsten Punkt des Tages) hatte ich die Gemeinde Buchenbach erreicht, jetzt kam ich an die Bahngleise an der B 31 und musste diese überqueren, um in die Gemeinde Kirchzarten zu kommen. Die Schranke war gerade unten, sodass ich ein bisschen warten musste, um dann die letzten Meter zum Bahnhof Himmelreich zu marschieren.

Ich muss irgendwo abgekürzt haben, denn obwohl die Wanderapp bei der Planung deutlich über 20 Kilometern angezeigt hatte, zeichnete es sich ab, dass ich bei knapp unter 20 Kilometern am Bahnhof ankommen würde. Schräg ...

Praktischerweise sah ich auf meinem Gleis keinen Fahrkartenautomaten, sodass ich - es war eine Qual - über den Bahnübergang laufen musste, zum Fahrkartenautomaten, und mir eine Fahrkarte zog. Unterwegs sprach mich ein älterer Herr an, von wo der Zug nach Titisee führe? Ich hatte auf Gleis 1 gerade einen Zug nach Freiburg gesehen, sodass ich davon ausging, dass der ab Gleis 2 führe. Ein Blick auf das Handy (und den Fahrplan) ergab aber, dass der Zug nach Titisee auch von Gleis 1 abging.

Der Herr wollte mir nicht glauben, erzählte mir was von wegen "Zug fällt aus", sprach aber ständig von einer falschen Abfahrtszeit (und der falschen Linie und, um das Desaster komplett zu machen, auch von der falschen Richtung) ... Seine Frau war deutlich zugänglicher, aber erst als unser Zug auf Gleis 1 einfuhr, grummelte er sich (bestenfalls) einen Dank in den Bart (seine Frau zeigte "Daumen hoch" ...) und unsere Wege trennten sich im Zug ...

Nach zwanzig Minuten Zugfahrt, in denen mir fast die Augen zufielen, kamen wir in Titisee an - ich musste noch einige hundert Meter laufen - wieder richtige Quälerei durch jetzt dann doch Menschenmassen -, um zu meinem Auto zu kommen, aber dann konnte ich nach Hause fahren, unter die warme Dusche und dann Essen fassen ... Jetzt gucke ich Football und lecke meine Wunden ...

Das war nicht nur die erste 20-Kilometer-Wanderung, sondern auch die mit den laut Handy meisten Höhenmetern (749). Die Höhenmeterangabe ist traditionell unzuverlässig, aber anstrengend war's heute definitiv ... Und, durch den Ausflug auf das andere Gleis in Himmelreich wurde ein Punkt dort am Bahnhof ganz knapp der nördlichste Punkt meiner Wanderungen (bisher war das an der Donauquelle in Donaueschingen gewesen). Alles richtig gemacht also ...

Meine Mutter meinte, dass das heute vielleicht der Abschluss für das Jahr sei, das hoffe und glaube ich noch nicht, denn es wird ja hoffentlich noch das eine oder andere schöne Wochenende kommen, und da ich jetzt bei 861,12 Kilometern (davon 851,42 Kilometer im Schwarzwald) bin, sind die 1.000 Kilometer nicht mehr sooooo weit ... Mal sehen.

Fotos:

Eisweiher bei Titisee-Neustadt

Bisschen neblig heute Morgen

Schanzenviertel in Hinterzarten

Ravennabach

Über Stock und Stein

Großer Wasserfall

Da fällt er weiter, der Ravennabach

Unter dem Viadukt

Grenzstein am Alten Zollhaus (Gefahr des Wegirrtums!)

Badenindian Summer I

Badenindian Summer II

Badenindian Summer III

Auf diesen Stuhl von Metall will ich mich setzen ...

Blick auf Falkensteig

Schlussspurt