Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Montag, 24. September 2018

Unfassbar lecker

..., aber wirklich unfassbar lecker war mein Abendessen heute - unfassbar, da komme ich hoffentlich bald nochmal hin.

Das mit dem frühen Aufstehen klappte auch heute nicht so richtig, ich kuschelte noch ein bisschen, trödelte herum, ging dann frühstücken und kam doch erst gegen halb zehn aus dem Hotel. Ich lief in Richtung Gondangdia, meiner S-Bahn-Station, und fuhr in Richtung Norden, Alt-Batavia, Kota Tua, wie auch immer.

Dort stieg ich in meine S-Bahn ein, sah einem Mann zu, wie er sich zum Schutz vor der Klimaanlage eine Pudelmütze aufsetzte (bei gut 30 Grad draußen!), und entschied mich spontan, nur eine Station zu fahren und in Juanda auszusteigen.

So hatte ich nämlich die Möglichkeit, die Istiklal-Moschee und die neogothische Kathedrale von Jakarta aufzusuchen, die beide mehr oder weniger einträchtig nebeneinander stehen. Ich war schon wieder drauf und dran, den Gang über die Straße zu wagen, als ich bemerkte, dass es dort, wo ich ausgestiegen war, eine Fußgängerbrücke gab. Also lief ich zurück, überquerte die Straße auf die sicherstmögliche Weise und kam dann gefühlt am Hintereingang der Moschee an.

Ich suchte den Haupteingang, fand ihn und wurde prompt von einer mittelalten Dame angequatscht, die mir eine Plastiktüte für die Schuhe anbieten wollte. Die kam mir gerade überhaupt nicht recht, sodass ich demonstrativ die Informationstafel anguckte und zuschaute, wie die Indonesier das machen - ohne Plastiktüte. Sie kam nochmal vorbei, ich guckte wohl anscheinend böse, sodass sie mich bat, doch wenigstens zu lachen - den Gefallen tat ich ihr, kaufte aber trotzdem nix.

Ich ging - unbeschuht - in die Moschee und wollte meine Schuhe abgeben, als ich zu einem anderen Tisch verwiesen wurde. Dort sollte ich mich ins Gästebuch eintragen und durfte meine Schuhe im "Guest room" verwahren, nun denn. Die Dame dort war sehr freundlich und empfahl mir, in den zweiten Stock der Moschee zu gehen, weil man von dort einen guten Blick auf alles hätte.

Ich folgte ihrem Rat, ging die luftige Treppe der im mehr oder weniger typischen Stil der 70er-Jahre gebauten Moschee nach oben und blickte auf den riesigen Gebetsraum, die Kuppel und die metallischen Säulen. Irgendwie hätte diese Moschee auch bei der "Raumpatrouille Orion" mitspielen können, vom Stil her hätte das gut gepasst.

Es war gerade keine Gebetszeit, sodass nur einige wenige Leute in der Moschee waren, ein paar schliefen dort, andere beteten vor oder nach (keine Ahnung), ein paar Touristen latschten rum und schossen Fotos.

Ich verließ die Moschee wieder, ging in Richtung Straße und wollte diese zur Kathedrale überqueren. Da war auch so ein Knopf zum Drücken für Fußgänger, aber die Autos (und Motorräder) fuhren trotz Rot für sie und Grün für mich einfach weiter - das habe ich so auch selten erlebt. Es half alles nichts, ich ging bei Grün über die Straße, und die Motorräder fuhren - wie auch sonst - um mich herum. (Man muss halt einfach nur gleichmäßig gehen, damit sie berechnen können, ob sie hinter dir oder vor dir vorbeifahren, bremsen oder dich gleich umfahren ...)

Die Kathedrale war leer und auch ganz hübsch, die Sicherheitsmaßnahmen hielten sich in sehr engem Rahmen, das gefiel mir gut. Doch, auch schön ...

Ich ging zurück zur Station Juanda und fuhr jetzt wirklich nach Kota Tua, in die Altstadt. Ich stieg aus, lief in Richtung Café Batavia und lief weiter, weil ich zum alten Hauptsitz der VOC, der Vereinigten Ostindien-Kompanie, wollte. Ich lief, schwitzend, durch die Straßen, überquerte ein Flüsslein, lief durch einen Markt, fand das VOC-Gebäude, nur war in dem Café nichts, aber auch gar nichts los (kein Mensch, nichtmal ein Ober ...), sodass ich zurücklief und im Café Batavia ein Bier zur Stärkung trinken wollte.

Ich wurde mal wieder ignoriert, obwohl ich direkt am Fenster sitzen durfte (der Platz war mir sogar angewiesen worden!), aber ich war noch zu k.o., um wieder aufzustehen und zu gehen. Als ich gerade soweit wiederhergestellt war, dass ich hätte aufbrechen können, kam der Ober - naja, es wurden wieder zwei Bier, weil ich bei dem schönen Blick aufs alte Rathaus und der angenehmen Kühle da drin die Zeit vergaß ...

Nun aber auf, denn ich wollte ich eine vielgelobte Fischkneipe am östlichen Ende des touristischen Bezirks. Ich fuhr mit einem anderen Vorortzug zwei Stationen, stieg in Ancol aus, überquerte wieder mutig die Straße, bis ich auf einem Gehweg landete und lief dann in Richtung Strand. Am Eingang der touristischen Zone musste ich auch als Fußgänger 1,40 Euro Eintritt zu zahlen, aber ich fand gleich die angestrebte Kneipe.

Da ich nicht wusste, wie das funktionierte, ging ich erstmal durch das Lokal durch an die Strandpromenade (traumhaft schön), ehe ich mich reintraute. Getränke bestellte ich beim Ober, das Essen konnte ich mir in der "Markthalle" aussuchen.

Ich probierte das Ganze erstmal mit zwei Tintenfischtuben aus, die sehr lecker waren, sodass ich mutiger wurde: Ich nahm vier Riesen-(wirklich Riesen-)Garnelen und dazu einen Tiger-Zackenbarsch, den der Verkäufer mir aus dem Aquarium fischte.

Zwanzig Minuten später kam mein Essen: Auf Empfehlung des Verkäufers waren die Garnelen in einer Honigsauce (himmlisch!) und der Fisch war so gut gebraten, dass das Fleisch von den Gräten herabfiel, sobald ich es leicht berührte - ein einziger Traum, so, so, so lecker.

Am Ende war ich satt und musste bezahlen - ich war gespannt, was das Ein-Mann-Gelage kosten würde, und als die Rechnung kam, musste ich erstmal ... lachen. Für zwei Tintenfischtuben, einen ganzen Fisch, vier Riesengarnelen und ein riesiges Bier musste ich 24 Euro zahlen, und das bei dem Ausblick. Es war ein einziger Traum - ich komme wieder, und das Ding landet vielleicht bald in meinen Empfehlungen.

Ich wanderte wieder zurück, überquerte diesmal einmal weniger die Straße, musste fast eine Stunde auf den Zug warten, erwischte dann aber meinen Anschlusszug bestens und war jetzt um kurz vor 20 Uhr oder so im Hotelzimmer.

Die Nacht wird kurz, deswegen mache ich jetzt Schluss - um 1 Uhr klingelt der Wecker, um 4.55 Uhr geht der Flieger in Richtung Bali und dann weiter in mein 134. Land.

Istiklal-Moschee von innen

... und von außen

Kathedrale von außen

... und von innen

VOC-Bau

Strandpromenade

Fisch (lebend) kam aus ...

... diesen Aquarien

Riesengarnelen, sehr lecker

Fisch, gebraten, sehr lecker

Sonntag, 23. September 2018

"Saya punya Jerman"

"Ich habe Deutschland" (oder etwas ganz Verwandtes) brüllten die Mädels einander zu, nachdem die erste mich am Nationalmonument abgefangen, mir - zur Verbesserung ihres Englisch - ein paar Fragen gestellt (ja, mir, zur Verbesserung, nicht lachen da hinten!) und mich dann gebeten hatte, mich in ihre Trefferliste einzutragen. Das obligatorische Foto wurde auch geschossen, und als ich nicht wusste, was in der Liste mit "FB/IG" gemeint war, mussten die Mädels kichern - wer weiß denn nicht, dass das "Facebook/Instagram" heißt? Noch größer war das Gekichere, als ich überlegen musste, wie ich denn auf Instagram heiße - dass sie nicht die Augen verdrehten ("Wie doof ist der denn? Hat der etwa keinen Instagram-Account? Lebt der hinter dem Mond?"), ist alles.

Nachdem ich mich also eingetragen hatte (unter einem Australier und einem Franzosen) und die eine Schülerin das ihren Kolleginnen mitgeteilt hatte (ich vermute, es geht darum, möglichst viele Länderpunkte einzusammeln, für sowas habe ich ja gar kein Verständnis ...), hatte ich gleich mal eine ganze Horde von Schülerinnen an der Backe und musste in mindestens drei Listen Autogramme geben ... Fotos wurden ebenfalls für jede Liste als Beweismittel geschossen, ich will gar nicht wissen, wann auf Instagram demnächst Unmengen von Bildern mit dem Titel "Indonesische Schülerinnen mit großem, dicken Europäer" auftauchen (ja, für indonesische Verhältnisse bin ich nicht nur sehr breit, sondern auch ziemlich hoch, das merkte ich, als ich heute in der Schlange zum Bus stand, aber dazu gleich mehr) ...

Heute Morgen hatte ich Volltrottel meinen Wecker gestellt, auf 7 Uhr. Wieso auch immer, wahrscheinlich wollte ich was vom Tag haben, aber mein Gehirn sagte um 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit: "Spinnste wohl?" Um 8.30 Uhr stand ich dann auf, duschte nochmal kurz (ich hatte gestern Abend noch "richtig" geduscht, eine echte Wohltat ...) und wankte dann gegen halb zehn zum Frühstück.

Die Kombination aus viel indonesischem und ein bisschen europäischem Frühstück gefiel mir sehr gut, ich verspeiste Glasnudeln und Fisch und ein bisschen Rinderbacon, danach noch zwei, drei süße Teilchen und trank zu alldem Guavensaft - auch lecker. Danach guckte ich mal kurz am Pool vorbei, befand ihn für hübsch, aber nicht atemberaubend und entschied mich also gegen einen Faulenzertag am Pool und für eine Stadterkundung.

Ich lief in Richtung Nationalmonument, wurde unterwegs mehrfach bestaunt, schwitzte nach zehn Minuten wie im Dampfbad (nur halt hier mit Klamotten ...), überquerte eine Straße auf der Fußgängerbrücke und lief weiter in Richtung des Eingangs zum Monas (Monument Nasional, wie das Nationalmonument auf Indonesisch heißt). Die Schlange zum Eingang war ein bisschen lang, also ließ ich es sein und ging an der Polizeistation dort vorbei in Richtung Nationalmuseum - mein grundsätzlicher Plan war es, mit den kostenfreien (!) Touristenbussen mal im Kreis durch Jakarta zu fahren ... Da dieser Plan vorläufig daran scheiterte, dass die Busse am Sonntag erst um 12 Uhr anfangen zu fahren, und ich zudem fast schon am Nationalmuseum war, entschied ich mich, dieses aufzusuchen.

Ausländer zahlen den doppelten Preis, aber bei 50 Cent Eintritt kann man kaum meckern, die Sicherheitsschleuse steht dort auch nur zur Zierde, denn sie piepte zwar, aber es war keiner da, der darauf achtete, und plötzlich war ich wieder von Menschenmassen (Kindermassen, um genau zu sein) umgeben. Heute war irgendein von McDonald's gesponsorter (Werbung hat funktioniert ...) Kindertag, aber ich ging um die Kinderscharen herum und betrat das Museum, das - nahezu durchweg auch auf Englisch beschildert, sehr löblich - von der Prähistorie bis zur Kolonialzeit die Geschichte des indonesischen Archipels abbildet. Nicht das beste, aber eines der besseren Museen, die ich besucht habe in meinem Leben - besonders die Porzellan- und Edelmetallausstellung im vierten Stock fand ich sehr hübsch.

Nach einer guten Stunde kam ich wieder raus und sah den Bus dort stehen, aber er war voll und ich stand - aus der Menge von Indonesiern herausragend - in der Schlange für den nächsten Bus. Mir war es ja egal, ob ich den Bus BW1, BW2 oder BW4 nehme, irgendwo würde der mich schon hinbringen.

Im zweiten Anlauf kam ich rein, saß in der letzten Reihe, schlug mir mehrfach den Schädel an (hatte ich erwähnt, dass ich ein bissel groß für dieses Land bin?) und guckte zu, wie der Fahrer uns durch den Stau, der sich "Jakartaer Stadtverkehr" nennt, schlängelte. Die Motos und die Tuktuks (!) fuhren teilweise über den Gehweg, um schneller voranzukommen, was unser Bus zum Glück nicht versuchte (ich bezweifle aber, dass es nicht schonmal einer probiert hat ...), und in der Nähe der Istiklal-Moschee stiegen alle aus. Der Schaffner kam extra nochmal hoch, um mich auch rauszubugsieren, aber da ich der einzig (Nur-)Englischsprachige war und ihn bei seiner Ansage nicht verstanden hatte (und ich ihn, ehrlich gesagt, auch mit einem Reiseführer verwechselte), konnte ich da nur begrenzt was für.

Ich stieg ein paar Meter weiter in den Bus BW4 ein, nachdem ich mich dort in die Schlange eingereiht hatte, der Bus kam, ich fand einen Platz, und als wir im Norden der Stadt waren, stiegen wieder alle aus. Die Schaffnerin hatte auch diesmal was Längeres (nur auf Indonesisch) angesagt und diesmal vermutete ich (richtig), dass ich auch mit rausmüsste, was mir aber ganz gelegen kam, denn wir waren in der "Altstadt" von Batavia, der früheren niederländischen Hafenstadt, gelandet.

Ich lief erstmal am Bahnhof vorbei in die falsche Richtung, lief einmal im Kreis, überquerte todesmutig (und anfangs noch joggend, später nur noch gleichmäßigen Schrittes gehend) die Straßen, wurde in der Fußgängerzone wieder von Schülern angequatscht, doch als ich auf ihre Frage, ob sie ein Interview mit mir führen dürften, "why not?" ("warum nicht?") antwortete, waren sie verdutzt und gingen. Da haben sie wohl zwar das "not" verstanden, aber es völlig fehlinterpretiert. Ich musste nicht lange auf die nächste Gelegenheit zum Autogrammegeben warten, denn eine weitere Schülerin (übrigens sprechen ausschließlich die Damen mit einem, die Jungs trauen sich nicht ...) sprintete neben mir - diesmal erfolgte das Interview sogar mit Videoaufnahme - ich komme noch ins Fernsehen!

Jetzt war ich aber mir nichts, dir nichts auf dem alten Rathausplatz gelandet, und nachdem das Interview fertig war (vier Fragen, keine Sorge), sprang mir das Café Batavia ins Auge (das hat sogar, wie ich eben feststellte, einen eigenen Wikipedia-Artikel!). Da ich Durst hatte, weil ich meine Flasche Wasser schon im ersten Bus ausgetrunken hatte (und im zweiten die Klimaanlage kaputt war), fiel ich dort ein, wurde in den Nichtraucher-Bereich (das ist schon ein Fortschritt für Indonesien, normalerweise wird hier laut Reiseführer überall geraucht) verwiesen, und bestellte dort Cola, Wasser und ein Jumbo-Bier vom Fass sowie gebratenen Reis mit Hühnchen und Nudeln.

Das 0,5-l-Bier kostet, mit Steuern und Service Charge, knapp acht Euro, aber ich vermute stark, da ist in diesem islamisch geprägten Land ein Stückchen Sündensteuer mit druff, sei's drum, ich trank nach dem Essen noch eins ...

Nun musste ich mich ein bisschen beeilen, um noch ins Historische Museum zu kommen, das sich im alten Rathaus Batavias befindet und um 17 Uhr zumachen wollte. Um 15.45 Uhr kam ich noch rein und konnte mich in dem Haus mit den hübschen alten Möbeln und einer Ausstellung zur Geschichte Batavias und des Hauses selbst umsehen - auch hier konnte man für 25 Cent wenig falsch machen. (Das Frauengefängnis - ein einziger großer Raum, in dem ich mich tief ducken musste - hat mich mit seiner Einfachheit ziemlich beeindruckt.)

Um 16.45 Uhr kam ich raus, ging nochmal auf den Rathausplatz, drehte dann aber um und ging zum Bahnhof, weil ich probieren wollte, mit dem Zug (S-Bahn?) zurückzukommen. Da man hier für die Zugfahrt solche RFID-Karten benutzt, wollte ich eine solche kaufen - ich ging in einen der Supermärkte rein, wo man die angeblich kaufen konnte, und wollte eine Prepaid-Karte für den Zug haben. Der erste Kassierer sprach kein Englisch, der zweite führte mich zu den Fahrkartenautomaten, wo aber elend lange Schlangen waren. Ich nahm dankend Reißaus, probierte es - noch erfolgloser - in einer anderen Kette und war schon wieder auf dem Weg zum Bus, als ich mich entschied, es nochmal an einem Geldautomaten zu probieren.

Da standen zehn Automaten in der Gegend rum, und einer nahm im dritten Anlauf auch mein Geld, spuckte eine solche RFID-Karte aus (die an sich schonmal drei Euro kostet, Saftladen), die ich im zweiten Anlauf (die scheint man erst aktivieren zu müssen) auch erfolgreich einsetzte, um die Zugangssperre zum Bahnsteig zu überwinden.

Ich nahm den Zug in Richtung Bekasi, betrat zunächst versehentlich den Frauenwagen, stellte meinen Irrtum schnell fest (alles pink und nur Frauen drin ...), stieg in den nächsten Wagen ein, stellte kurz vor Abfahrt entsetzt fest, dass es zwei Strecken dorthin gibt, hoffte darauf, dass der Zug die für mich richtige nehmen würde und war beruhigt, als als erste Station "Jayakarta" angesagt wurde, der erste Stopp auf der richtigen Linie. Unterwegs kam ein Typ durch den - übrigens ohnehin schon sehr sauberen und recht geräumigen Zug - sprühte Wasser auf den Boden und kam ein paar Minuten später mit einem Mopp zurück, mit dem er das Wasser großflächig auf dem Zugboden verteilte - kein Wunder, dass es da so sauber ist.

Ich stieg in der Nähe meines Hotels (wie ich nach einem Blick auf Google Maps festgestellt hatte) wieder aus, hatte für die knapp halbstündige Fahrt 3.000 Rupien (ca. 15-20 Cent) bezahlt, weigerte mich, mich von einem Tuktuk-Fahrer übers Ohr hauen zu lassen (der wollte für fünf Minuten Fahrt einen ganzen Euro haben, der Wucherer!), und lief dann eben zehn Minuten zum Hotel, nicht ohne noch weitere vier Mal beim Überqueren der Straßen mein Leben in Gottes Hände zu geben ... (Boah, dramatischer ging's eh nicht mehr.)

Hier habe ich jetzt erstmal geduscht und wollte vielleicht noch ein Bierchen aus der Minibar entnehmen, stellte aber eben enttäuscht fest, dass meine Minibar leer ist - Saftladen! Naja, muss ich halt mit dem Wasser vorliebnehmen, das das Hotel kostenfrei zur Verfügung stellt. Heute gehe ich nicht mehr raus.

Da ich jetzt (es ist halb neun) ins Bett gehen möchte (außer, ich gucke Bundesliga, was auf Fox läuft), sollte ich - wenn der Muezzin nicht wieder so laut ist diese Nacht - morgen relativ früh fit sein. Dann wird erstmal gefrühstückt, und ich denke, dann fahre ich nochmal in die Altstadt, denn dort gibt es wohl noch ein paar Sachen zu sehen - außerdem muss die Karte ja leer werden ...

Und übermorgen geht es ja dann schon nach Osttimor, Kinder, wie die Zeit vergeht ...

Wenig Verkehr

Nationalmonument mit Skyline

Ganz linke Nummer

Rathaus von Batavia

Alte Geschichte

Blick auf den Rathausplatz mit indonesischer Flagge

Tugu Tani (Heldendenkmal) und dahinter mein Hotel

Samstag, 22. September 2018

Den halben Flug verschlafen

... habe ich heute Morgen auf dem Weg von Dschidda nach Jakarta, aber bis dahin hab ich mich auch ganz schön abgestrampelt.

Als ich nach dem Boarding in Frankfurt an meinen Platz kam, gab es zwar ein bisschen Freude, dass der Platz B leer blieb und wir in Quasi-Business-Class-Belegung flogen, die Freude wurde aber von der, gelinde gesagt, Verwunderung überwogen, dass es bei einem Fluggesellschaft vom Gold kein Inflight-Entertainment gibt. Das hatte ich nicht erwartet, dementsprechend keinen Lesestoff dabei und musste sehen, wie ich nun die fünfeinhalb Stunden Flugzeit überbrücke.

Meine Schlafversuche waren von wenig Erfolg gekrönt, ziemlich schnell hatte ich das Bordheft auch durch, sodass ich mehr oder weniger intensiv auf die Gemeinschaftsbildschirme guckte und den dortigen Film verfolgte - so toll war es nicht ...

Ich verfolgte mit dem Handy unseren Flug, schoss gerade noch so ein Bild von Venedig von oben, und sah Italien und Griechenland an uns, oder vielmehr, unter uns vorbeiziehen. Ägypten ward schon nicht mehr gesehen, da war es dunkel, und irgendwann, nach endlicher Zeit, kam Saudi-Arabien in Sicht.

Der Ausblick auf die (jedenfalls im Dunkeln) modern anmutende Großstadt Dschidda versprach mehr als der Flughafen am Ende zu halten in der Lage war, denn nach der Ankunft mussten wir erstmal durch den "Saudia-Check-in" für Transitpassagiere. Der Typ tat aber nichts anderes, als mir einen Stempel auf die Bordkarte zu geben, der nie wieder verlangt wurde - Sachen gibt's.

Danach ging es mit der Rolltreppe eins höher, durch einen sehr uninteressierten Zoll, bis wir auf einmal in einer vollbesetzten "Lounge" waren, in der Leute, die mehrere Stunden Aufenthalt haben, lagen. Das war aber alles sehr beengt, sodass ich weiterging und durch die Sicherheitskontrolle. Der Kontrolleur war nicht wirklich freundlich, aber ich überstand die Prozedur, nur um festzustellen, dass im Abflugbereich die Hölle los war - Menschenmassen, zu wenig Sitze, dreckige und stinkende Toiletten, die einzige Lounge, die es gab, nahm mich auch nicht auf, sodass ich mir die Zeit vertrieb, indem ich umherwanderte (wie im Frühjahr auf den Philippinen), zweimal etwas in einem Café trank und den Leuten zuguckte.

Es gab viele westliche, umsteigende Frauen, die ohne jede Rücksicht auf saudische Kleidungsvorschriften da herumsaßen, es gab etliche schwarze Gestalten im Nikab (mit Augenschlitz), es gab "Mischformen" davon, aber am interessantesten fand ich die (meist westlichen) Frauen, die noch diesen schwarzen Umhang anhatten, aber nach der Ausreise und Sicherheitskontrolle als Erstes mal das Kopftuch abgenommen hatten (andersherum die Blondine im Flieger, die als schwarze Gestalt das Flugzeug verließ). Sehr interessant das Ganze und keineswegs so streng, wie ich das in Saudi-Arabien selbst im Umsteigebereich erwartet hätte.

Zu allem Überfluss funktionierte weder im Flieger noch im Terminal das Internet richtig (im Flieger gar nicht, im Terminal ging nur WhatsApp, und auch dann nur als Textnachricht), es war alles in allem keine so tolle Erfahrung - meine einzige Hoffnung ist, dass ich auf dem Rückweg in Riad dann hoffentlich wirklich in eine der Lounges dort kann ... Aber hey, das war mein Land Nr. 133+1!

Als dann endlich der Flug nach Jakarta aufgerufen wurde, stellte ich mich entgegen meiner Gewohnheit sofort an, aber das ging sehr schnell, der erste Bus fuhr halbleer ab, ich war als Zweiter im Flieger und stürmte erstmal auf die Toilette.

Als ich wieder herauskam, wunderte ich mich, wo die ganzen Leute sind, denn der Flieger war leer, absolut leer. Von den 100 Plätze im hintersten Abteil, wo ich saß, waren vielleicht 10, 15 besetzt, ich hatte eine ganze Reihe (nicht nur drei Plätze, sondern neun!) für mich allein, und während des Fluges gefühlt eine Privatstewardess, sehr schick. Zudem hatte ich jetzt in dem Flieger dann doch ein Entertainmentsystem, aber ich war so fertig, dass ich mich nach dem Start und dem Ausschalten der Anschnallzeichen hinlegte und die nächsten fünf Stunden mehr oder weniger schlief (ja, ich, fünf Stunden Schlafen im Flugzeug - ich muss sehr müde gewesen sein ...).

Die letzten dreieinhalb Stunden guckte ich noch den neuesten Star-Wars-Han-Solo-Film zu Ende, schaute noch zwei Serienfolgen und dann landeten wir auch schon seeeeeehr weich. Nach einer mittleren Flughafenrundfahrt wurden wir am Finger rausgelassen, konnten superschnell einreisen (auch wenn der Grenzer relativ viel fragte), mein Gepäck kam, am Zoll war nix (auch wenn man so einen völlig unnötigen Zollzettel ausfüllen muss - das konnte selbst ich nicht lesen, was ich da hingekritzelt hatte) und dann stand ich schon draußen vor dem Flughafengebäude.

Ich nahm ein Blue-Bird-Taxi (die haben den besten Ruf), und auf ging die wilde Luzi durch Jakarta. Während es auf der Autobahn vom Flughafen noch halbwegs gesittet war, ging es dann im Stadtgebiet mit den Motorrädern ganz vogelwild zu. Diese Dinger fahren zwischen den Autos durch, gerne auch mal gegen die Fahrtrichtung, die meisten mit Helm, aber einige auch ohne (besonders die Kinder, die sich an ihre Mama krallen, fahren meist ohne Helm), eine Frau saß mit Helm, aber pinken High heels auf dem Moto - es war das pralle Leben, was ich in der halben Stunde Fahrtzeit dort sah ...

Ich kam lebend am Hotel an, war begeistert, probierte das Hotelrestaurant aus, in dem ich gutes Essen zu akzeptablen Preisen und teures ausländisches Bier trank - Gado-Gado hieß meine Vorspeise, ein Mix aus gebratenem Gemüse, Ei und Erdnussbutter, gefolgt von (ich war verfressen) Mie Goreng Jawa, gebratenen Nudeln mit Hühnchen, Ei und Shrimps - auch sehr lecker.

Jetzt sitze ich im Zimmer, gehe vielleicht noch mal duschen und dann geht es morgen auf Jöck durch Jakarta - das wird lustig.

Anflug auf Dschidda

Leerer Flieger

Freitag, 21. September 2018

Heute hier, morgen dort

... bin kaum hier, darf ich fort, hab mich (sicher nicht!) niemals deswegen beklagt ... Zitieren wir Hannes Wader mal, denn ich sitze schon wieder an einem Flughafen, diesmal geht es - der aufmerksame Leser weiß es, nach Saudi-Arabien und dann weiter nach Jakarta, Indonesien. Das wird schön ...

Ebenfalls schön wird, was ich eben gebucht habe - Jessi und Christian trauen sich jetzt mit mir über den großen Teich, und weil Nord- oder Südamerika nicht genug ist, machen wir jetzt eben Nord- und Südamerika ...

Am 30. Mai geht es von Frankfurt über Madrid nach Bogotá, dort sind wir drei Nächte, ehe wir am 3. Juni von Bogotá mit einem Inlandsflug nach Cartagena (de Indias) fliegen, wo wir (Karibik-)Strand und angeblich eine der schönsten Kolonialstädte Südamerikas sehen. Zwei Tage später, am 5. Juni, geht es nach Nordamerika, nämlich nach Panamá-Stadt. Mein aktueller Plan ist es, nach Ankunft morgens gleich zum Panamá-Kanal zu fahren, uns den anzugucken, und danach an das Strandhotel am Pazifik zu fahren, in dem ich 2013 schon mal war - das hatte meiner Reisebegleitung und mir ja durchaus gefallen ...

Am 8. Juni ginge es dann zurück nach Panamá-Stadt, ein bisschen Sightseeing folgte und am Nachmittag fliegen wir in Richtung Madrid. Dort kommen wir am 9. Juni an, ein kleiner Hüpfer nach Frankfurt folgt, und dann war es das auch schon wieder mit Nord- und Südamerika. Das wird toll, hoffe ich ...

Es ist cool, am Flughafen zu sitzen und einen Flug zu buchen - juchhe ...

Nächster Post entweder aus Dschidda in Saudi-Arabien oder aber erst morgen Nachmittag aus Jakarta (wieso will ich immer "Istanbul" schreiben?).

Mittwoch, 19. September 2018

Ein weinendes und ein lachendes

,,, Herz schlagen, ach, in meiner Brust - oder hab ich jetzt wieder zwei Redewendungen zusammengebappt? Ach, sei's drum, mit einem lachenden und einem weinenden Auge - ja, so war's - verließ ich heute zum letzten Mal meine Bude, wohlwissend, dass ich in genau das gleiche Zimmer Nr. 522 wahrscheinlich nicht mehr kommen werde.

Ich guckte alles dreimal nach, ob alle Schränke leer waren (zumal meine Mutter die Angewohnheit hat, Sachen so "aufzuräumen", dass ich sie nimmermehr finde), dann zog ich die Tür zu und checkte aus.

Der Arbeitstag heute war nochmal arbeitsreich, aber gegen 14 Uhr verabschiedete ich mich, vergaß die Hälfte der Leute (...), und um 15.30 Uhr fuhr mein Taxi zum Flughafen. Wir fuhren einen mittleren Ausflug nach Norden (das war wahrscheinlich die längste, aber hoffentlich die schnellste Route) und kamen ziemlich schnell am Flughafen an (der Taxifahrer raste auch wie ein Bekloppter über die Autobahn - das war übrigens der Taxifahrer, der mich jedes Mal zum Flughafen fuhr, auch als Jessi und Christian da waren ...). Das Kreditkartengerät ging nicht, also bot ich an, Bargeld am Automaten zu holen, was ich tat, aber der Fahrer fuhr weg - auf dem Weg zum Automaten verlor ich meinen Wiesbadener Haustürschlüssel, es fiel mir aber zum Glück rechtzeitig auf, und ein freundlicher Herr hatte ihn schon aufgehoben und war im Begriff, mir hinterherzujagen - als ich Geld hatte, war mir nicht klar, ob wir uns unten (auf der Ankunftsebene, wo der Automat stand) oder oben (auf der Abflugsebene) treffen. Wir trafen uns schließlich (er war eine Runde gefahren, um keine Parkgebühren zahlen zu müssen) oben, und er bekam sein Geld und ich meine Rechnung.

Am Check-in war heute überhaupt gar keine Schlange, niente, nada, nitschewo, dafür war die Sicherheitskontrolle geringfügig langwieriger, mein Koffer wurde rausgezogen, mir dann aber ununtersucht wieder zurückgegeben (keine Ahnung, was das sollte), und ich war sehr früh in meiner Lounge. Naja, jetzt genieße ich die Zeit hier, ehe mein Flieger geht, und heute Abend freue ich mich sehr auf mein Steak, von dem ich hoffe, dass ich es noch kriege ...

Die letzten beiden Tage war ich jeweils mit den beiden anderen Expats aus Deutschland aus, was auch sehr schön war, also bestand auch keine Gefahr, dass ich wehmütig werde und an die Margaretenbrücke fahre und, von Heulkrämpfen geschüttelt und von Glück durchströmt, ein letztes Mal den Blick auf Parlament, Donau, Zitadelle und Burg genieße. Das wird jetzt auf Dezember verschoben - passt schon.

Gleich geht es zurück nach Deutschland, morgen wird nochmal ein stressiger Arbeitstag, und am Freitag geht es dann gegen 13 Uhr zum Flughafen - auf geht's mal wieder in die große weite Welt, das wird schön.

Sonntag, 16. September 2018

Erstens kommt es anders

... zweitens als man denkt: Am Freitag Abend war ich faul, blieb zuhause und ging früh schlafen.

Am Samstag war ich kurz im Büro, ging dann zum Fußball, kaufte mir - beim letzten Spiel im Sommer, das ich von Újpest sah - noch einen Schal (ich verstand die Verkäuferin sogar, als sie mir den Preis sagte, auch wenn ich es langsam nachsprechen musste ...) und saß diesmal auf linken Tribüne (bisher hatte ich immer auf der rechten Tribüne gesessen).

Beim Einlass fragte der Sicherheitsmensch mich was, aber ich hatte keine Ahnung, was er meinte, das merkte er dann auch, und gut war's - sowas war mir vorher auf der rechten Tribüne noch nicht passiert, Sachen gibt's ...

Das Spiel war schlecht, aber es endete gut, nämlich mit einem 1:0 für die Lilák - so mag ich das. Ich fuhr mit dem Bus heim, ging kurz ins Zimmer, lief (jetzt wieder schallos, dafür mit Badetasche) zum Bus, fuhr - auf dem Heldenplatz war eine Veranstaltung, sodass der Bus einen anderen Weg fuhr - zum Clark Ádám tér, von dort mit der Straßenbahn und aß in der Kneipe mit Blick aufs Parlament zu Abend.

Anschließend genoss ich das letzte Mal im dritten Quartal das Nachtbad im Rudas. Ich hatte die Nacht zuvor nicht so gut geschlafen und pennte daher im großen wie in einem der kleinen Becken ein paar Mal fast ein ...

Um kurz vor 2 Uhr hatte ich genug gebadet und fuhr heim, ohne nochmal einen Absacker zu trinken auf der Party, die jedes Woche direkt neben dem Rudas stattfindet (und deren Wummern man im türkischen Teil hört ...).

Heute Morgen schlief ich wirklich aus, verließ gegen 13 Uhr den Stall und landete zum Abschluss im Gettó Gulyás. Joa, äh, als Amuse-Gueule wurde Gänselebertatar gereicht, danach verspeiste ich Letscho, danach das obligatorische Kalbspaprikasch und zum Abschluss noch leckere ausgebackene Käsebällchen. Drei für eins, denn Frühstück hatte ich nicht (wie immer) und Abendessen brauchte ich danach auch keines mehr ...

Während ich auf mein Dessert wartete, hätte ich fast - zusammen mit Jessi und Christian - für Kolumbien und, die beiden möchten den Panamakanal sehen, und wenn wir schonmal in der Nähe sind, Panama gebucht, aber ich muss das morgen noch mit meinen Kollegen abklären - dann aber wird für die Woche nach Christi Himmelfahrt gebucht. (Ich hoffe, der unschlagbare Preis für die Flugkombination ist dann noch da ...) (Klammer 2: Deswegen Kolumbien auch orange oben.)

Ein letztes Mal (für das dritte Quartal) sah mich das Király-Bad, und hier pennte ich jetzt wirklich im 36-Grad-Becken (das sich immer kühler anfühlt als das 36-Grad-Becken im Rudas ...) für ein paar Minuten ein, das mag an zuwenig Schlaf oder auch zuviel leckerem Dreher gelegen haben oder aber an zu wenig nichtalkoholischen Getränken - so richtig clever war das alles nicht, auch wenn ich schon noch gemerkt hätte, wenn ich abgesoffen wäre.

Nach zwei Stunden verließ ich das Bad, nachdem ich dreimal im Dampfbad und lange im 32-Grad-Becken (himmlisch!) war, fuhr mit der Straßenbahn zum Oktogon, dann mit der Metro (wurde auf der kurzen Strecke zweimal kontrolliert - die sollten sich da wirklich besser absprechen) zur Mexikanischen Straße, ging da durch zwei Unterführungen zu der Straßenbahnhaltestelle, an der ich fürs Széchenyi-Bad aussteige, fuhr mit der Straßenbahn zu "meiner" Kreuzung und lief die paar Schritte zum Béke tér, weil ich am Spätshop noch was zu trinken holen wollte. Die Süßkramgetränke sind jetzt auch schon wieder leer, weil ich dringend was zu trinken mit Geschmack brauchte, und gleich geht es ins Bett - ist es doch 22 Uhr geworden, krass ...

Jetzt ist es nur noch eine zweistellige Stundenzahl, die ich hier habe - öhm, ich sollte mal packen, merke ich gerade, aber so wie ich mich kenne, mache ich das am Mittwoch Morgen ... Gute Nacht!

Freitag, 14. September 2018

Die zweite Chance

... hat das Széchenyi-Bad am Mittwoch genutzt, aber sowas von ...

Am Dienstag habe ich mich erstmal von dem Wochenende erholt, und das war dringend nötig, denn es war toll und wunderschön in Istanbul und Budapest, aber es war einfach auch nicht wirklich unanstrengend, gerade an dem regnerischen Samstag und der Dusche auf der Fähre.

Am Mittwochabend, also, entschied ich mich, dem Széchenyi eine zweite Chance zu geben, und schon als ich reinkam, war das irgendwie ein bisschen leerer als im Hochsommer, was mir ganz gut gefiel. Leer war es nicht, aber es war nicht mehr so brechend voll wie im Juli, sodass man ohne längere Wartezeit fast in jedes Becken konnte.

Erstmal saß ich draußen im großen Thermalbecken, während der blauen Stunde, und guckte den Flugzeugen beim Landeanflug auf den Budapester Flughafen zu - das war sooo schön, im warmen Wasser zu sitzen, zu versuchen, die Fluggesellschaft zu erkennen, und ansonsten einfach die Seele baumeln zu lassen.

Ich kam sogar in die "Vulkan-Sauna" rein, die ganz hübsch ist, zumal die das im Széchenyi ganz schick machen, weil sie ein paar Themensaunen und -dampfbäder haben, in welchen sie dann auch mit Toneffekten arbeiten. So war in der Vulkansauna immer ein dumpfes Grollen zu hören, und in einem der Dampfbäder fühlte man sich wie im Aquarium. Das war schick, zumal ich dieses und noch ein anderes Dampfbad beim ersten Besuch verfehlt hatte.

Ansonsten zog ich von 40 Grad in 18 Grad, von 35 Grad in 38 Grad und von 38 Grad in 30 Grad um, gerade so, wie es mir gefiel, und es gefiel mir gut. Ich überlege gerade noch, ob ich die Bäderbeschreibung fürs Széchenyi ein bisschen abändern muss, aber das mache ich dann nach dem Budapestaufenthalt hier.

Nach dem Bad fuhr ich noch mit der U-Bahn zum Oktogon, aß in der Kneipe von Montag nochmal das gleiche wie am Montag und trank zwei Bierchen, sodass ich dann doch nicht so früh wie gehofft im Bett war.

Gestern wollte ich eigentlich in aller Ruhe nach Hause gehen, aber die Stuttgarter Kollegin fragte mich, ob wir was trinken gehen, und wer mich kennt, weiß, dass ich keiner Frau einen Wunsch abschlagen kann, vor allem, wenn ich dabei auch noch Bier trinken kann ...

Es ging also in die Kneipengegend in der Nähe des jüdischen Viertels, und in einer Kneipe mit rot-weiß-karierten Tischdecken kamen wir zum Sitzen. Ich bestellte für umgerechnet zehn Euro Spare Ribs, und als die Spare Ribs kamen, war ich geschockt - das war ein halbes Schwein, unfassbar. Die Portion Spareribs hatte die Größe einer sehr großen Pizza, und auch wenn sie nicht megagut waren, so waren sie auch nicht wirklich schlecht, nur machte mein Magen und mein Gehirn irgendwann zu - ich konnte nicht mehr ...

Um die ganzen Spare Ribs herunterzuspülen, gingen wir noch auf einen Absacker in einen hübschen, etwas alternativen Biergarten, und irgendwie wurde aus dem egy (eins) wieder ein négy (mehr als eins) - wir nahmen den zweiten Nachtbus ...

Joa, gleich geht es nochmal ins Rudas, damit ich am Sonntag ins Dandár (oder so) und am Dienstag zum Abschluss vielleicht ins Király kann, so langsam heißt es also Abschied nehmen von Budapest, aber ich verzage nicht, denn am Sonntag in elf Wochen geht ja schon wieder mein Flieger von Frankfurt nach Budapest für die zwei Winterwochen in Budapest ...

Dienstag, 11. September 2018

Ausnahmsweise einsatzbereit

... war das Veli-Bej-Bad gestern, denn es war nicht nur insgesamt offen, sondern auch eines der zwei Dampfbäder war funktionsfähig - alles gut.

Nach meiner Schulung war ich fertig, verließ entsprechend früh das Büro und empfing die beiden an der Straßenbahn. Wir fuhren mit der Linie 26 über die Margareteninsel und noch eine Station mit der Straßenbahn ("Bäderlinie", nicht vergessen, gell!), ehe wir ins - wie bei meinem ersten Besuch - ziemlich leere Bad einfielen.

Wir ließen es uns im 36-Grad-Becken gutgehen, suchten jedes einzelne der kleinen Bäder mal auf, bekamen das Dampfbad angeschaltet (man muss da Wasser auf den von Steinen bedeckten Boiler spritzen, sodass der anspringt), verschmähten das Jacuzzi und landeten in der Sauna. Die beiden sind ja Saunaexperten, und entsprechend legte Christian in der kleinen Sauna einen Aufguss hin, der sich gewaschen hat - es brannte mir hinter den Ohren, aber sowas von ...

Die kalte Dusche danach war himmlisch, und das Getränk (kein Bier!) in der Badgaststätte auch. Irgendwie waren wir dann nach der blauen Fanta (mit Zitronen-Gänseblümchen-Geschmack) auch wieder trocken und verließen das Bad. Wir fuhren zum Oktogon, landeten in einer hübschen Kneipe mit einem sehr pfiffigen Ober und tranken ein kleines Radler - zusammen!

Während wir dort saßen, hätten wir fast für Anfang März eine Kolumbien-Reise gebucht, ließen uns aber davon abhalten, dass - obwohl ich nach Angeboten mit einem Aufgabegepäckstück suchte - die Preise für "nur Handgepäck" angezeigt wurden. Nun denn, wir gucken mal, wie wir das händeln ...

Heute Vormittag ging ich ins Büro und die beiden fuhren nach Wien weiter, wo sie heute übernachten und dann so langsam mit Zwischenstopp in Passau die Heimreise antreten.

Schön war's, sehr schön ...

Blaue Moschee

Hagia Sophia I

Hagia Sophia II

Blaue Moschee

Chora-Kirche

Montag, 10. September 2018

Eine Vollmeise

haben wir, wird der Taxifahrer gestern glauben haben, und er hätte nicht ganz unrecht gehabt.

Wir hatten ja vorgestern an der Haltestelle Kabataş noch einen älteren Türken getroffen, der sehr gut Englisch sprach, und Christian fragte ihn gleich, wie man denn über die Bosporus-Brücke (die inzwischen, in Erinnerung an den Putsch vor ein paar Jahren, "Brücke der Martyrer des 15. Juli"heißt) käme, denn unsere Versuche, einen Bus zu finden, hatten sich am Informtionsstand in Kadiköy als fruchtlos erwiesen. Der ehemalige Generaldirektor verwies uns auf ein Taxi, aber ich war der Ansicht, dass es bestimmt einen Bus geben müsse.

Beim Frühstück (auch gestern war der Orangensaft und das leckere fettige Essen wieder dringend nötig) entschieden wir aber, trotz erfolgreicher Bussuche, das Taxi zu nehmen. Wir fuhren also mit der Straßenbahn nach Kabataş und hielten uns dann ein Taxi an. Ich sagte als Ziel "Üsküdar", also auf der asiatischen Seite an, und wir fuhren los.

Der Ausblick von der Brücke auf den Bosporus, auf das Goldene Horn und auf die Sultanahmet-Halbinsel ist fantastisch, zumal es aufhörte zu nieseln, als wir gerade auf die Brücke fuhren.

Da die Taxigebühren unfassbar niedrig waren (wir waren schon in Asien und hatten gerade 4 Euro auf dem Taximeter), wurden wir uns intern schnell einig, den Taxifahrer wenden zu lassen und wieder zurück nach Europa zu fahren. Er war ein wenig ungläubig, und ich musste all meine gesammelten Türkisch-Kenntnisse zusammenbringen, um ihn zu überzeugen, dass wir wirklich sofort zurück nach Europa wollen, ohne in Üsküdar Zwischenhalt zu machen ...

Wir fuhren also zurück über die Brücke, Christian schoss wieder viele Bilder (auf die ich mich schon freue) und der Fahrer warf uns am Dolmabahçe-Palast raus. Am Ende zahlten wir 10 Euro incl. Maut und üppigem Trinkgeld. Wow.

Die happigen 11 Euro pro Person Eintritt in den Palast zahlten wir (ich hatte gefühlt zu viel Geld abgehoben, aber jetzt wurde es deutlich weniger), aber die lohnten sich mit Audioguide und so schon, denn der Palast, in dem ich vor ein paar Jahren schonmal gewesen war, war noch schöner als ich in den Erinnerung hatte. Leider darf man in den Innenanlagen nicht fotografieren, und weil Christian genauso deutsch ist wie ich und sich an solche Regeln hält (es waren auch, sagen wir, Nicht-Deutsche da), haben wir halt jetzt nur die Erinnerungen vor unserem inneren Auge.

Natürlich, also "natürlich!", besuchten wir auch den Harem, und auch dieser Teil des Palastes ist durchaus beeindruckend, auch wenn natürlich an den Zeremoniensaal nichts, aber auch gar nichts herankommt.

Wir verließen den Palast, gingen die paar Schritte zur Straßenbahn, fuhren nach Sultanahmet und aßen dort lecker Fleisch in einem vollen Touristenlokal (zumindest das "voll" ist ja meist ein vernünftiges Zeichen, so war es auch hier), und brachen dann - die Zisterne aufgrund von Zeitmangel auslassend, aber die beiden meinten, sie kämen wahrscheinlich auch mal wieder (Ziel erreicht, juchhe!) - zum Hotel auf, nahmen unser Gepäck in Empfang und fuhren in Richtung Flughafen.

Ich hatte die Planung leider nicht optimal gemacht, denn am letzten Umsteigepunkte fehlten mir fünf Untereinheiten der Karte (umgerechnet etwa 0,6 Cent, also 0,006 Euro ...), sodass ich nochmal 20 Lira (2,50 Euro) abheben musste, die auf die Karte lud und dann auch mitdurfte. Die erste Bahn hatten wir natürlich verpasst, aber die zweite kam bald, und gut war's.

Am Flughafen mussten wir wieder durch die völlig bekloppte Vorkontrolle, am Check-in-Automaten konnten wir nicht einchecken, standen am Drop-off (der war wahrscheinlich nur für die Business Class, aber da stand "Business Class No baggage", sodass ich den nicht als AND-Operator, sondern als OR-Operator interpretierte (also Business Class oder "Nur Handgepäck"), und das Dummstellen funktionierte.

Die Ausreise ging problemlos, wir kauften noch Zeugs ein und warteten dann - ein sehr teures Bier trinkend - am Gate. Christian hatte wieder eine Zierde der Menschheit neben sich im Bus stehen, aber die Zierde überlebte - gerade so ... Auch wenn wir wieder verspätet waren, kamen wir "nur" eine halbe Stunde zu spät in Budapest an (ich guckte unterwegs eine weitere aktuelle Folge "Doctor Who"), die Einreise ging auch hier schnell, und dann ging es mit der 200E, dem M3-Ersatzbus und der 14M-Straßenbahn zum Béke tér (unterwegs hatten wir uns entschieden, nichts mehr zu essen, weil wir satt waren, und nur noch ein Bier trinken zu gehen).

Ein Bier wurde vernichtet, dann checkten die beiden ein im Hotel, und wir trennten uns, denn ich muss heute eine Schulung halten.

Nach der Schulung treffen wir uns und wollen ins Veli-Bej-Bad gehen - ich hoffe, das Dampfbad funktioniert heute mal ...

Fotos in den nächsten Tagen in Ruhe. Einen schönen Tag!

Samstag, 8. September 2018

Jessi hatte gestern nicht aufgegessen

... und diese Unterlassungssünde bekamen wir heute zu spüren.

Das Aufstehen heute Morgen war mühsam, das Frühstück und insbesondere der Orangensaft war bitter nötig. Gut gesättigt brachen wir auf, fuhren zwei Stationen mit der Straßenbahn, machten einen kurzen Bummel durch den Großen Basar, liefen auf den Hof der Süleymaniye-Moschee, genossen den Blick auf den Bosporus, schauten uns die Moschee selbst auch an (die Aufseher waren deutlich humaner als damals, als ich zuletzt da war - die Haare der Frauen schauten büschelweise unter den Tüchern hervor, keinen der Aufseher juckte es ...) und liefen dann in Richtung Gewürzbasar, durch diesen hindurch, erstanden ein Souvenir und fuhren anschließend mit der Straßenbahn mit einmaligem Umsteigen, kurzem Verlaufen (sorry, mein Fehler) und ein paar Metern Wegstrecke zur Chora-Kirche.

Die Chora-Kirche wird seit Jahren renoviert, inzwischen ist auch die Außenfaßade überdacht, und ins Allerheiligste kommt man immer noch nicht wieder rein, aber auch so ist und bleibt die Chora-Kirche unglaublich beeindruckend. Wir liefen durch die Wohnviertel da hinunter zum Goldenen Horn, erwischten gerade so die Fähre und waren unterwegs auf dem Goldenen Horn, als es anfing zu regnen, als gäbe es kein Morgen.

Zunächst hielt die Plane über unseren Sitzen, aber als wir in Karaköy (letzter Stopp in Europa) ablegten, sprühte die Gischt mit höherem Wasserdruck als heute Morgen die Dusche in meinem Zimmer in meinen Rücken. Wir verzogen uns schnell unter Deck, fuhren weiter bis Üsküdar auf asiatischer Seite, blieben sitzen, weil es immer noch regnete (und waren nicht allein), stiegen in Karaköy wieder, weil mir meinten, dass sich das Wetter beruhigt hatte.

Wir waren kaum runter vom Boot, als sich diese Einschätzung als brachial falsch erwies, denn es brach ein Gewitter mit Regenschauern über uns herein, wie ich es selten erlebt haben. Wir standen bestimmt eine Stunde, eineinhalb da unter, ehe wir uns entschieden, wieder nach Kadiköy (Asien) zu fahren. Dort kamen wir im Nieselregen an, aßen einen Hühnchendöner für sage und schreibe 65 Cent und fuhren dann, in der Hoffnung auf Wetterbesserung zurück nach Europa.

Karaköy raus, Tünel rein, Tünel hoch, zu Fuß durch die Istiklal, Füniküler runter, Fährhaltestelle (wie immer) nicht gefunden, unter Anleitung eines alten Türken, der sehr gut Englisch sprach, mit der Straßenbahn zurück nach Karaköy, wieder in die Fähre nach Kadiköy, Abendessen in Hamsis Pub wie gestern, weil es Jessi und Christian dort offenbar gut gefallen hat.

Heute bestellten wir fünf statt vier Vorspeisen und danach noch zwei kleine Hauptspeisen, tranken allerlei hopfenhaltige Getränke, aßen noch ein Eis und fuhren dann zurück nach Eminönü. Die Straßenbahnfahrt war wieder aromatherapeutisch, ehe der obligatorische Absacker in der Hotelbar folgte.

Ich bin total fertsch, habe auch wieder Probleme mit meinem Ohr, deswegen auch heute wieder eher kurz das Ganze hier, und Fotos, wenn Christian mir die Bilder zur Verfügung stellt.

Gute Nacht!

Freitag, 7. September 2018

Freunde der Sonne

Boah, was für ein Tag,

Die Geschichte der letzten Tage ist schnell erzählt, ich war am Montag und am Dienstag nicht wirklich aus, sondern kaufte im Lidl mir lecker Abendbrot ein. Am Mittwoch bin ich - erstmals seit Wochen - nicht in einem Bad anzutreffen gewesen, sondern bin - in der Hoffnung, dass wir gestern (Donnerstag) ins Bad gehen würden - auch nach Hause gegangen.

Drei faule Tage also, ehe am Donnerstag Jessi und Christian als Prag anreisten. Ich war gestern im Büro nicht so richtig überstundenmäßig fleißig, sondern verließ das Büro, als ich annahm, dass die beiden zeitnah ankämen. Die Rechnung hatte ich nur ohne den Budapester Feierabendverkehr gemacht, denn die beiden brauchten gefühlt ewig, um in unserem Hotel anzukommen.

Also ließen wir Bad Bad sein und fuhren mit der 105 bis zum Clark Ádám tér, ließen dann über die Kettenbrücke, vorbei an der Stefansbasilika und durch die Kneipenmeile im jüdischen Viertel zurück zum Gettó Gulyás, in dem ich für 21 Uhr bestellt hatte. Wir waren ein bisschen früh, bekamen trotzdem unseren Tisch, aßen alle drei Kalbspaprikasche mit Bandnudeln im Speckmantel (wie immer war der Catfish aus), ließen es uns dort gut gehen, versackten noch auf zwei Bier (und zwei Becherovka, oh Gott, oh Gott) im Szimpla Kert, der bekanntesten Ruinenkneipe Budapests, und waren dann spät im Hotel.

Das Aufstehen heute Morgen gehörte nicht zu den einfachsten Aufgaben meines Lebens, aber irgendwie schafften wir es, um 6 Uhr in der Lobby zu sein. Das Taxi hatte seit halb sechs auf uns gewartet (das war ein Kommunikationsfehler, an dem wir unschuldig waren), fuhr um 6 Uhr und zehn Sekunden los. Ziemlich genau um 6.30 Uhr waren wir am Flughafen, die Sicherheitskontrolle ging schnell (auch wenn sie Christian zur Sprengstoffkontrolle rauszogen, was bei Jessi und mir gerade nach Israel zu einem mittelschweren Anfall von Schadenfreude führte), und wir frühstückten bei KFC.

Die Ausreise aus dem Schengenraum ging sehr schnell, der Flug war ein bisschen verspätet, die Einreise in Istanbul dauerte ewig, die Straßenbahnfahrt ging, der Check-in am Hotel dauerte wieder ewig (auch wenn der Rezeptionist die Gelegenheit wahrnahm, sein Deutsch zu präsentieren), sodass wir erst gegen 15.30 Uhr aus dem Haus kamen.

Wir kamen gerade noch in die fürs Nachmittagsgebet schließende Blaue Moschee rein (die ist in Renovierung, sodass die ganze Pracht kaum erkennbar ist), gingen dann (nach dem Schießen von Fotos) in die Hagia Sophia, liefen dann runter nach Eminönü zum Fährhafen, fuhren rüber nach Kadiköy in Asien und fielen in meine Lieblingsfressgasse ein.

Wieder ging es zu Hamsi, und ich war sehr überrascht, dass der Chef auf mich so zustürmte wie ich auf ihn, einschließlich sofortigem Händeschütteln. Entweder hat der Typ ein phänomenales Gedächtnis für Kunden oder er ist ein fantastischer Schauspieler. Ganz egal, die Vorspeisen wurden bestellt, die Hauptspeisen bekämpft und großteils vernichtet, das Bier floss - wenig überraschend - in Strömen, ebenso der Raki, und die Fähre um 21.30 Uhr verpassten wir knapp.

Wir tranken in Kadiköy noch einen Tee, fuhren dann um 22 Uhr zurück nach Eminönü, fuhren ein paar Stationen Straßenbahhn und versackten dann nochmal in der Hotelbar.

Toller Tag, Istanbul eh toll, ich müde, gute Nacht!

Sonntag, 2. September 2018

Einen ganz gemütlichen Tag

... habe ich mir heute gemacht. Ich bin spät aufgestanden, habe ein bisschen gebummelt, war kurz im B ... knirsch, ratter, drdrdrdrdrd ... ro ... sorry, da war die Internetverbindung kurz weg, bin dann in die Stadt zum Gettó Gulyás zum verspäteten Mittagessen, habe selbiges wieder sehr genossen und konnte mich dann nicht entscheiden, wo ich heute zum Baden hingehe.

Nach einigem Hin und Her entschied ich mich, es nochmal im Rudas zu versuchen, um endlich mal die Kuppel bei Tag zu sehen, wovon mich ja bisher immer irgendetwas abgehalten hat. Und, siehe da, heute kam ich zum Rudas, kaum eine Schlange, es war auch offen, und ich ging All-in ... Nein, es gibt kein Badepoker hier im Budapest, sondern man kann sich zusammenstellen, ob man nur ins türkische Bad, in die Saunawelt oder in den Wellnessbereich, und ich entschied mich heute für alles, auch wenn ich den Wellnessbereich schon kenne (so wie das türkische Bad natürlich) und davon nicht sooooo begeistert bin.

Ich ging natürlich zuerst in den türkischen Teil, weil der am ehesten zumacht (um 19.45 Uhr, jetzt war es kurz nach 17 Uhr), und, wow, die Kuppel bei Tag ist sehr hübsch, weil die Oberlichter (endlich fällt mir dieses verflixte Wort ein, "Oberlichter"!) in verschiedenen Farben sind, sodass da rote, grüne, blaue, weiße Lichter in der Kuppel erscheinen - sehr, sehr schick ...

Ich genoss die 36, die 42, die 17, die 30 Grad, und alles wieder von vorn, ging dann aber so gegen 18 Uhr in die Saunalandschaft, die ich noch gar nicht kannte. Das Dampfbad dort ist ganz hübsch, hat aber, wie ich Christina eben schrieb, nicht so richtig Schmackes, weil man da nicht so richtig schön schnell schwitzt. Dafür ging es sehr hübsche finnische Sauna mit zwischen 90 und 110 Grad, das ist schön, auch wenn die mir gar nicht soooo heiß vorkommt ... Das blieben die einzigen der fünf Saunen, die ich ausprobierte, weil ich um 19 Uhr nochmal ins türkische Bad wollte.

Ich sah dem einen Mann zu, der den Wasserzufluss (in fast jedem Bad ist ein kleiner Wasserfall, aus dem das Thermalwasser ins Becken fließt, was überall ein begehrter Platz ist) dadurch zu steuern versuchte, dass er seinen Badeschlappen in die Öffnung des Zuflusses steckte - ich bin fast sicher, dass am Ende der Schlappen irgendwann auf seinem Kopf landete. Ich bewunderte den kleinen chinesischen Jungen, der es ohne Murren, ne, vielmehr mit großer Freude, im 42- wie im 17-Grad-Becken aushielt (kein mimimi!), und guckte sonst den Touristen beim ersten Badegang in Budapest zu - sehr lustig manchmal ...

Um 19.45 Uhr wurden wir aus den Becken gescheucht, ich ging kurz in den Wellnessbereich, saß da ein bisschen in den Becken rum, ging ein letztes Mal ins Dampfbad und ins Tauchbecken und machte mich dann auf zum Umziehen. Ich verpasste am Clark Ádám tér gerade meinen Bus, kaufte mir noch eine Cola, erwischte die Verkäuferin dabei, wie sie die Steuer beschiss (sie gab mir das Geld so aus der Kasse, ohne zu bongen), ließ es gut sein, bekam den nächsten Bus und sitze nun gemütlich in meiner Bude ...

Weniger gemütlich war es heute im Gettó Gulyás - das hatte mit dem Restaurant gar nichts zu tun (außer, dass der Service jetzt, wo sie in meiner Restaurantempfehlungsliste stehen, nicht mehr so schnell war wie vorher, tsts), sondern vielmehr mit der Webseite von Wizz Air. Ich hatte für Dezember einen Flug gefunden, mit dem Christina mich besuchen kommen wird - und das Ganze für 65 Euro. Nur konnte ich auf dieser bekloppten Webseite keinen Namen eingeben, der nahm das einfach nicht - da habe ich ein bisschen geflucht. Heute Abend auf dem Laptop klappte es aber, mal sehen, ob da noch was schiefgeht bei dem Saftladen.

Der nächste Besuch steht aber am Donnerstag ins Haus - meine Israel-Reisegesellschaft wird mich hier in Budapest besuchen, und von Freitag bis Sonntag sind wir ja dann in Istanbul. Ich habe für Donnerstag Abend (wenn sie aus Prag hier ankommen) und für Montag Abend (sie fahren am Dienstag weiter) schon ein Programm ausgearbeitet, was aus zwei Badbesuchen besteht - wer sich nach der Lektüre des Blogs darüber wundert, wird verbannt ... Ich weiß nur nicht ganz genau, wo wir hingehen wollen, das hängt ein bisschen davon ab, wann sie am Donnerstag ankommen. Wenn sie - wie erwartet - am mittleren Nachmittag ankommen, könnte es sich noch lohnen, ins Gellért zu gehen, auch wenn das schon um 20 Uhr zumacht. Jedenfalls habe ich für Donnerstag um 21 Uhr im Gettó Gulyás einen Tisch reserviert.

Am Freitag geht es dann ziemlich früh zum Flughafen, für Istanbul habe ich noch gar nicht so viel geplant, das wird am Donnerstag Abend abgesprochen, ich habe ja etliche Ideen (außer Fährefahren bin ich da auch flexibel, denn Fährefahren ist ein Muss), die vom Topkapı- und Dolmabahçe-Palast über (natürlich) die Hagia Sophia und die Blaue Moschee, die Rüştem-Paşa- und die Süleymaniye-Moschee (mit Ausblick!), die Zisterne und die İstiklal Caddesi, die Chora-Kirche (wird eigentlich mal wieder Zeit) hin zum Galata-Turm gehen, und das sind jetzt nur ein paar der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die wir wahrscheinlich gar nicht alle entspannt ins Programm reinkriegen. Ich will die beiden ja eigentlich auch nur ein bisschen anfixen, denn Istanbul ist eine Stadt, die man mehrfach bereisen muss, die ist einfach schön ...

Am Sonntag Abend sind wir dann wieder in Budapest, am Montag muss ich ins Büro, ehe wir uns am Nachmittag in der Stadt treffen, und am Dienstag läute ich dann endgültig die letzten Tage meines (ersten!) Aufenthalts hier ein.

Das ging jetzt doch wahnsinnig schnell, und jeder Budapest-Kenner wird die Hände über dem Kopf zusammenschlagen (oder vielleicht auch nicht), dass ich in elfeinhalb Wochen für diese oder jene Sehenswürdigkeit in Budapest und Umgebung keine Zeit gefunden habe. Mag sein, aber dafür kenne ich mich jetzt in einer der schönsten Städte Europas (ach, von Welt!) wirklich ein bisschen (ein bisschen!) aus, habe meinen Fußballverein (Hajrá, lilák, damit das klar ist!) gefunden, mein eines absolutes Lieblingsbad immer noch nicht (die allermeisten haben ihren ganz eigenen Charme, das dürfte hoffentlich auch klar geworden sein). Selbst wenn das im Dezember noch nicht feststehen würde, wüsste ich, dass ich immer mal wieder hier nach Budapest kommen werde, im Gettó Gulyás ein Pörkölt oder Paprikasch essen, in irgendein Bad gehen, mit der Donaufähre fahren werde, und es ist doch immer schön, wenn man noch nicht alles gesehen hat und noch eine Sehenswürdigkeit oder drei offen hat, die man neu entdecken kann ...

Kommt da gerade ein bisschen Wehmut auf? Ich gucke gerade auf meinen Kühlschrank (der Kühlschrank, ausgerechnet, der wehmutträchtigste Gegenstand aller Zeiten!), der mir in den letzten neun Wochen gute Dienste geleistet hat, meine Bude hier werde ich sicherlich ein wenig vermissen, weil die einfach ziemlich hübsch ist, aber vielleicht komme ich im Dezember nochmal hierher in dieses Apartmenthaus (das steht noch nicht fest). Sicher ist, dass ich - bei aller Arbeit, die in den nächsten drei Wochen hier und an den eineinhalb Tagen in Wiesbaden noch auf mich zukommt, bevor es nach Südostasien geht - die letzten 17 dieser 80 Tage hier genießen werde, und ich vermute stark, dass ich am Abschlusswochenende nicht nur am Freitag Abend und am Sonntag, sondern womöglich auch noch am Samstag in irgendeinem Bad herumhängen werde ...

Es bleibt spannend, dieses Leben, und wer weiß, wer weiß, was das Leben so an überraschenden und vielleicht dann doch gar nicht mehr so überraschenden Wendungen mit einem vorhat. Wir werden sehen ...

Samstag, 1. September 2018

Fritz-Walter-Wetter

... herrschte heute in Budapest, zwischendurch regnete es sogar so stark, dass selbst Fritz Walter wie ein begossener Pudel auf dem Fußballplatz gestanden hätte, und das Fußballspiel heute Abend zwischen Újpest und Honvéd, dem Verein aus Kispest (also lautete das Spiel Neu-Pest gegen Süd-Pest), endete auch standesgemäß 0:0, nachdem die Spieler insbesondere im Mittelkreis mehr Wasserball als Fußball spielten.

Ich hatte heute Abend richtig Glück, denn ich war gerade im Stadionbereich, als der Wolkenbruch kam, der pünktlich gegen Spielende aufhörte, sodass ich gut zum Bus und dann in meine Bude kam, und jetzt donnert und blitzt und regnet es draußen wieder, und es regnet nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Meerschweinchen ...

Das kommt davon, lieber Honvéd-Torwart, wenn du beim Aufwärmen (!) gegen deine eigenen Mitspieler (!) Abseits reklamierst - das ist in den Fußballtorhütern offenbar inzwischen so drin (Manuel Neuer ist da ja ein markantes Beispiel, sobald ein Tor gegen ihn fällt, hebt er automatisch den Arm, furchtbar ...), dass sie selbst in der Aufwärmphase nicht davon ablassen können ...

Der Stimmung tat das ganze Geregne keinen Abbruch, bei diesem einen (von vielen) Budapester Derbys waren jetzt mal mehr als eine Handvoll Auswärtsfans da (der Honvéd-Block war voll), und auch von Újpest waren etliche Fans da. Dass heute mehr Stimmung war, merkte man auch daran, dass ich zum ersten Mal beim dritten Spiel im Stadion von Újpest Polizei gesehen habe - sonst braucht man die wohl nicht ...

Gestern hätte ich fast Flüge nach London, nach São Tomé und Angola, vielleicht auch nach Kolumbien, gebucht, aber irgendwie passte das alles gestern noch nicht so richtig, mal sehen, wann da oben was hellgrün wird. Vor lauter Flügesuchen habe ich gestern nicht ganz so viel gearbeitet, kam trotzdem spät ins Büro und begab mich dann zum Abendessen ans Oktogon. Um 22.30 Uhr brach ich erst zum obligatorischen Nachtbaden auf, und im Rudas war diesmal - um 23 Uhr - keine Schlange. Ich zog mich oben bei den Schließfächern fix um und ging zum ich-weiß-nicht-wievielten Mal ins türkische Bad im Rudas.

Es ist immer wieder schön, auch das Dampfbad war diesmal wieder okay (als ich mit meiner Mutter da war, hatte es ganz schön getrunken dort drin, da war das Aroma wohl umgekippt), auch wenn die das mit dem Nicht-so-Erhitzen der Bänke nicht wirklich gut hinkriegen, denn im Rudas verbrennt man sich im Dampfbad manchmal auch auf den Bänken die Hinterpfoten, sehr komisch ... In der Sauna hielt ich es dagegen die ganze Sanduhr, also eine Viertelstunde aus, aber um ein Uhr pennte ich dann fast im Schwimmbecken ein, denn gestern war es zu diesem relativ frühen Zeitpunkt schon wieder ziemlich leer.

Heute Morgen hatte ich mir für 11 Uhr den Wecker gestellt, denn ich war um 13.30 Uhr mit einem Kollegen zum Mittagessen verabredet, und wir saßen zweieinhalb Stunden bei einem guten Italiener und unterhielten uns über die ungarische Politik sowie das nähere und fernere Weltgeschehen. Das war ein schöner Frühnachmittag!

Zum Fußball ging ich dann aber doch, auch wenn ich fast eingepennt wäre in meiner Wohnung, irgendwie habe ich so ein bisschen Schlafmangel gerade, und ich weiß wirklich nicht so genau, wo das herkommt.

Naja, jetzt gehe ich jedenfalls ins Bett und schaue dann, wann ich aufstehe und ob ich vielleicht morgen noch in ein Bad gehe. Wir werden sehen. Gute Nacht!

Hunde, Katzen und Meerschweinchen

Donnerstag, 30. August 2018

"Hier stinkt's"

So richtig glücklich wirkte die Österreicherin gestern nicht, als sie mit ihrem Mann im 40-Grad-Becken im Lukács-Bad saß. Mag schon sein, dass das Wasser im Lukács-Bad ein wenig sulfathaltig, also ein wenig schwefelig riecht - aber so schlimm ist es wirklich nicht ... Vielleicht machte sie sich auch nur Sorgen um ihre zwei Söhne, die erst später zu den Eltern stießen - wahrscheinlich hatten die es sich im Erlebnisbecken draußen unter freiem Himmel gemütlich gemacht.

Jedenfalls war die Österreicherin so unerfreut über irgendwie alles, dass sie auch aus dem (schönen) Dampfbad im Lukács schnell Reißaus nahm - dabei machte sie aber die Tür nicht zu, was den jungen Ungarn, der auf der Bank im Dampfbad saß, dazu veranlasste, auf Deutsch in die Runde zu sagen: "In Deutschland macht man wohl die Tür des Dampfbades nicht zu." Ich war erpicht darauf, die Ehre des Vaterlandes wiederherzustellen, und verwies darauf, dass das Österreicher waren (und keine Deutschen), woraufhin er sagte, Österreich sei das eh das 18. Bundesland Deutschlands (ich frage mich, was das 17. Bundesland sein soll ...). Ein kurzer Schlagabtausch folgte, in dem er noch etwas sagte, was ich nicht ganz verstand, worauf ich - zugegebenermaßen - dümmlich grinste, was er wiederum nachäffte. Depp!

Wahrscheinlich dachte er, wir wären eine Gruppe, die beiden Österreicher und ich, denn als er mit seinen Freunden später das Bad verließ und mich - allein - im Becken sitzen sah, hatte er seine gute Kinderstube wiedergefunden und sagte höflich "Auf Wiedersehen!", was ich - vor lauter Überraschung - nur mit einem kurzen Gruß und "Tschüss" erwiderte.

Denn eigentlich sind sie ja doch ziemlich höflich, diese Ungarn. Das merkt man durchaus auch daran, dass die Männer praktisch immer den Frauen den Vortritt in den Aufzug lassen - und auch in die Straßenbahn dürfen die Frauen zuerst einsteigen. Das ist nur dann etwas doof, wenn die Tür schon piept und im Schließen begriffen ist, während die drei Männer vor mir noch aushandeln, wie sie die eine Frau dann doch vor sich einsteigen lassen, obwohl die Tür breit genug ist ... Man kann es auch übertreiben, aber grundsätzlich finde ich das schon sehr sympathisch.

Der aufmerksame Leser dieses Blogs weiß inzwischen, dass ich eigentlich kein Riesenfan des Lukács-Bades bin (mit entschiedener Ausnahme des Dampfbades, das neben dem im Király das schönste in ganz Budapest ist, jawoll), aber dass ich doch irgendwie immer dort lande. Gestern war das wieder nicht meine Absicht, denn ich hatte mich fürs Veli Bej entschieden - doch als ich am Veli Bej ankam, hing dort ein Aushang, dass das Bad wegen eines technischen Defekts geschlossen sei. Irgendwie haben die hier ganz schön oft technische Defekte. Da es jetzt aber auch schon 18 Uhr war, das Lukács halt wortwörtlich ums Eck liegt und auch erst um 22 Uhr zumacht, ging ich eben dorthin - zumal die Schlange komischerweise recht kurz war. Diesmal blieb ich aber im Thermalbad und ließ das Erlebnisbecken Erlebnisbecken sein, war dreimal im Dampfbad, verbrühte mir am Dampfzufluss (gefunden!) ein bisschen den Knöchel - kein Notarzt nötig - und genoss die drei Thermalbäder und das Tauchbad, was besonders nach dem Dampfbad eine sehr willkommene Erfrischung ist.

Dabei wurde mir klar, dass es dagegen geht, gegen das Ende meines (ersten, siehe unten) Budapest-Aufenthaltes diess Jahr - in drei Wochen bin ich schon wieder in Deutschland. Ich war die ganze Zeit am Hochzählen gewesen (ich bin jetzt in der neunten Woche, höhö), dass ich das Herunterzählen ganz verdrängt hatte - und wenn ich meine Badetage Mittwoch und Sonntag einhalte, habe ich jetzt - abzüglich des gelegentlichen Nachtbadens am Wochenende - nur noch vier Stück übrig (diesen Sonntag, nächsten Mittwoch, übernächsten Mittwoch und dann am 16. September), denn am Sonntag nächster Woche komme ich ja erst aus Istanbul zurück. Zwar werde ich mit den beiden Istanbulern am Montag auch noch mal baden gehen, aber irgendwie kriege ich Torschlusspanik ...

Dieselbe wird aber dadurch gemindert, dass unser Sekretariat heute meine Flüge für den zweiten Budapest-Aufenthalt dieses Jahr gebucht hat: Am Sonntag, dem 2. Dezember fliege ich morgens um 10 Uhr nach Budapest, bleibe zwei Wochen hier und fliege am Samstag, dem 15. Dezember abends wieder zurück nach Frankfurt. Dadurch bin ich am Montag nach der Anreise frisch und fit und kann am Abschlussfreitag im Büro bleiben, so lange es eben im Winter nötig ist, ohne auf die Uhr gucken zu müssen, um das Taxi zum Flughafen noch zu erwischen. Das wird schön.

Schön wird es aber auch in Istanbul, hoffe ich - in acht Tagen bin ich schon in meiner Lieblingsstädte, und ich bin sehr gespannt, was meine Israel-Reisegesellschaft über die größte Stadt der Türkei sagt. Meine Mutter hat schon ziemlich genau meinen Plan nach der Ankunft im Hotel vorausgesagt: "Danach fahrt ihr Straßenbahn bis zur Fährhaltestelle und dann mit dem Schiff rüber nach Asien." Das war Spitze, um mal Hans Rosenthal zu zitieren ...

Jetzt fällt mir beim besten Willen keine Überleitung zu Hans Rosenthal ein ... Obwohl: Dalli dalli kam das Abendessen gestern am Oktogon, es gab Hähnchenpaprikasch und danach Somlói galuska, beides lecker, aber ich mag das nicht, wenn ich die Hähnchenschlegel beim Hähnchenpaprikasch noch auseinandernehmen muss - da bin ich dann faul (was ich ja sonst niemalsnie bin ...).

Ich bin gespannt, was das Wochenende so bringt - am Samstag spielt Újpest um 19.30 Uhr, dann ist das Spiel um 21.15 Uhr zu Ende, sodass ich es pünktlich ins Rudas zum Nachtbaden schaffen könnte - klingt wie eine Idee, zumal ich vom Ferenc-Szusza-Stadion mit der 30 und der 7 mit nur einmal Umsteigen direkt zum Rudas komme ... Klingt wie eine ziemlich gute Idee, mal sehen, wie lange eine solche gute Idee bei mir überlebt ...

Morgen ist aber erstmal noch Arbeiten angesagt, ich hoffe, ich kann es vermeiden, am Samstag nochmal ins Büro zu müssen ...

Montag, 27. August 2018

Alles in Mutter

Vor ein paar Tagen habe ich mich vertippt, daher heute absichtlich: also alles in Butter mit meiner Mutter (boah, auch noch ein Schüttelreim als Zugabe hinterher) ...

Was ich eigentlich sagen will: Meine Mutter ist gestern um 19.30 Uhr ohne Zwischenfälle wieder im Schwarzwald angekommen, obwohl sie nach ihrer Aussage bis zum Bodensee schlechtes Wetter gehabt habe. Sie wäre sogar noch schneller gewesen, wenn die österreichischen und deutschen Popul..., äh, Politiker nicht Europa und das Schengener Abkommen kaputtverrammeln wollten, es ist und bleibt traurig.

Ich weiß nicht, was ich gestern verbrochen habe, aber auf einmal tat mir alles weh, und als ich ins Bett ging, hatte ich Schüttelfrost vom Feinsten (höre ich da ein sarkastisches "oooooooooooh"? Jepp ... Na, warte!), und mein Knöchel tat mir auch noch weh. Heute Nacht schwitzte ich wie im hochtemperierten Dampfbad, und heute Morgen war alles wieder gut.

Bevor sich jetzt die Ärzte unter meinen Lesen über mich beugen und die sofortige Notschlachtung anordnen: Ich scheine mich gestern ein bisschen erkältet zu haben, denn gestern hat der Herbst in Budapest sein erstes Lebenszeichen von sich gegeben. Glücklicherweise war ich ja gestern baden, sodass die Erkältung mit dem Schlaf niedergerungen werden konnte.

Und heute Morgen schrieb mir sogar die Freundin, die ich wahrscheinlich, wenn sie mich mal in Budapest besuchen kommen sollte, mit Gewalt ins 28-Grad-Becken befördern muss, weil sie sonst "ich verbrühe" brüllt, ich sollte heute Abend vielleicht noch mal ins Bad gehen. Da habe ich mir die Augen gerieben ...

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So, jetzt habe ich genug berichtet von meinem gesundheitlichen Allgemeinzustand, nun kann ich auf den kleinen Abschnitt rechts oben (aber unter der Karte!) verweisen, wo "Budapester Bäder" steht. Ich habe meinen kleinen Badeführer von vor vier Wochen ein bisschen aktualisiert (zumal ich danach ja noch in zwei neuen Bädern war) und mit ein paar Anreiseinformationen versorgt (wenn man sich mal nach Budapest verirrt, was ich nur empfehlen kann). Ich hoffe, es ist für den einen oder anderen werten Leser nützlich.

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Deutschland spielt Ende November um die WM-Qualifikation im Herren-Rugby, und zwar in Marseille. November ist reise-/arbeitstechnisch immer eine ungeschickte Zeit für mich, aber vielleicht kann man die American-Football-Schnapsidee nach London diesmal durch eine Rugby-Schnapsidee nach Marseille ersetzen. Ich werde berichten (und wenn ich nicht berichte, dann ist die Idee halt hinfällig geworden ...).

Sonntag, 26. August 2018

Beilage=Unterlage

Diese seltsame Formel (auch und besonders für einen Mathematiker) bringen die ungarischen Köche immer wieder in Anwendung, sei es in guten Restaurants, sei es in der Mensa: Während bei uns in Deutschland die Beilage neben das Hauptgericht drapiert wird, wird in Ungarn das Hauptgericht auf die Beilage/Unterlage bugsiert. Das ist dann immer ein bisschen doof, wenn man das Schnitzel schneiden möchte und immer wieder abrutscht, weil die Pommes darunter uneben verteilt sind, aber ich habe das jetzt so oft und in verschiedenen Gastronomieeinrichtungen gesehen, dass ich an einen Trend glaube. Komische Sachen, die die Ungarn da machen ...

Wir waren ja in der Nacht von vorgestern auf gestern relativ zeitig aus dem Rudas gekommen, sodass wir gestern Morgen relativ früh wach waren. Dementsprechend konnten wir auch schnell aufbrechen. Meine Ma wollte eigentlich eine Stadtrundfahrt machen, aber ich fand, dass wir das genauso gut umsonst (sie muss als EU-Bürgerin über 70 hier sowieso nichts zahlen; es lebe die EU, mal wieder; ich habe ja meine Monatskarte) die Stadtrundfahrt abfahren könnten. Dementsprechend stiegen wir in die 105, fuhren am Heldenplatz vorbei und über die Kettenbrücke, stiegen am Clark Ádám tér um in die 16 und fuhren über die Burg bis zum Széll Kálmán tér, von wo aus wir in eine Straßenbahn umstiegen, die hinter dem Gellértberg in Richtung Süden fuhr. Unterwegs stiegen wir um in den Bus, der am nächsten zur Zitadelle fährt, ließen den Aufstieg zur Zitadelle dann aber sein (das mache ich in den nächsten Tagen mal), fuhren wieder runter und danach mit der Bäderlinie 19/41 einmal runter (in den Süden) und einmal hoch (in den Norden), sodass wir an allen fünf Bädern auf der Linie vorbeikamen. Den Abschluss machte das nachmittagliche Mittag-/Abendessen am Oktogon, ehe wir gegen 21 Uhr schon im Bett waren - das war gut, denn es sollte heute ja um 5 Uhr rausgehen.

Der Wecker heute Morgen war grausam, ich schlug noch eine halbe Stunde Kuscheln heraus, aber irgendwann musste ich doch aufstehen, weil ich meiner Ma versprochen hatte, sie auf die richtige Spur in Richtung Wien zu setzen. Es regnete wie aus Strömen und an der Árpádbrücke fuhr ich falsch (nach Norden statt nach Süden), danach fuhren wir ein bisschen im Seich herum, an der Margareteninsel vorbei und dann an der Elisabethbrücke in Richtung Westen.

Ich verpasste den Ort, um auszusteigen, weil wir plötzlich schon auf dem aquaplaninggefährdeten Autobahnzubringer waren, drehten noch einmal eine Runde, ehe meine Ma mich im nachlassenden Regen an einer Bushaltestelle rausließ, ich per Fußgängerbrücke den Zubringer überquerte und dann in den gerade herannahenden Bus einsteigen konnte. Von einem der Bahnhöfe fuhr ich kurz mit der Metro und dann kurz ins Büro.

Als ich im Büro Schluss machte, verpasste ich gerade die 115 und stieg dann in die 26 über die Margaretenbrücke ein, blieb aber bis zum Nyugati-Bahnhof (wieder auf Pester Seite) sitzen und stieg in die Straßenbahnlinie 2 ein. Das waren teilweise neue Strecken für mich, denn heute wollte ich etwas Neues ausprobieren, nämlich ins Dandár-Bad zum Planschen gehen.

Die Linie 2 fährt auf Pester Seite an vielen Sehenswürdigkeiten (insbesondere am Parlament) vorbei und bietet zudem einen tollen Ausblick auf die Burg. Südlich der Petőfi-Brücke stieg ich aus der Linie 2 aus, ging ein paar Schritte zurück und betrat das Dandár-Bad.

Die Verkäuferin wollte nach der Zahlung mein Armband nicht rausrücken, aber als ich mehrfach auf mein Handgelenk zeigte, merkte sie ihren Lapsus und gab es mir durch die Durchreiche. Ich zog mich im ersten Stock um und ging die Treppe herunter ins Bad.

Das Dandár ist ein relativ neues Bad (1928 erbaut, aber erst seit 1978 mit eigener Quelle), und es ist nicht so opulent bemalt wie das Gellért und natürlich kein türkisches Bad, aber es ist sehr untouristisch (beim Betreten des Dampfbades grüßt man sich auf Ungarisch) und vergleichsweise geräumig. Ich hatte mich auf eine kleinere Enttäuschung eingestellt, aber zum Glück täuschte ich mich bei dieser Erwartung, denn das Dandár wird wahrscheinlich nicht mein Lieblingsbad, aber es ist keineswegs auszuschließen, dass ich da nochmal hinfahre, zumal es heute um 12 Uhr, als ich ankam, relativ leer war.

Das Dandár besteht aus zwei Thermalbecken  mit 35 und 38 Grad und einem Tauchbecken mit 20 Grad im Gebäude sowie zwei weiteren Becken (angeblich auch Thermalbecken, aber die rochen chloriger) mit 36 und 38 Grad. Im Innenbereich im Erdgeschoss gibt es auch eine finnische Sauna, in der Saunawelt (die ist - wie die Außenbecken - Bestandteil des Wellnessbereiches, der zwei Euro extra kostet) gibt es nochmal eine und ein sehr schickes Dampfbad, auch wenn man da die Mosaiken in den Sitzbänken mal wieder erneuern könnte.

Ich wechselte öfter zwischen Innenbecken und Saunawelt hin und her (das sind ein bisschen längere Wege als im Király oder im Rudas, weil man jedes Mal durch die Schleuse und treppab, treppauf muss), badete im warmen Thermalwasser, dann im sehr warmen, danach im kühlen Wasser, ging dann zur Saunawelt und ins Dampfbad, dann dort ins 15-Grad-Tauchbecken (sehr angenehm nach dem Dampfbad) und fing den Spaß von vorne an.

Das Dampfbad ist ein bisschen zur Selbsteinstellung gedacht: Beim zweiten Gang dorthin war kaum Dampf da, sodass ich versuchte, den Dampf so zu erzeugen, wie ich es im Lukács gelernt hatte, indem ich die Bänken abspritzen wollte (ich war allein). Kaum hatte ich den Wasserhahn aufgedreht, kam ein pumpendes Geräusch (und kein Wasser), sodass ich ganz erschrocken den Hahn wieder abdrehte und mich ins warme, aber eben nicht dampfende Dampfbad setzte. Auch das Pärchen, das nach mir kam, nahm diesen Umstand so hin. Zum Glück kam dann aber eine Fünfergruppe von Männern, die das öfter schon gemacht hatte, der eine drehte den Wasserhahn auf, ignorierte das Pumpen (bzw. das Pumpen ist wohl richtig, damit der Dampfspender anspringt) und warf dann noch einen Brocken Eis (in manchen Saunabereich gibt es Eisspender) in den Dampfspender.

Halleluja, danach wurde es muckelig warm (so sagt man im Norden, habe ich gelernt), sodass ich richtig hübsch schwitzte. Schön war's!

Nach knapp drei Stunden ließ ich das Dandár ein Thermalbad sein, zog mich um (heute ist es kühler gewesen in Budapest, da schwitzte ich dann nicht so nach) und machte mich mit kurzem Zwischenstopp zum Mittag-/Abendessen auf nach Hause.

Ich glaube, heute gehe ich früh ins Bett. Also gleich (und hoffe, dass meine Ma mich nach guter Ankunft aus dem Bett klingelt ...) Gute Nacht!


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Ich habe neulich eine Mail bekommen, dass Russland es Inhabern einer Fan-ID der WM jetzt erlaubt, bis 31. Dezember dieses Jahres visumfrei nach Russland zu reisen. Auch wenn ich nicht so recht daran glaube, aber es erweitert die Möglichkeiten für eine spontane Vor-Winter-Städte-Schnapsidee doch ein kleines bisschen.