Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Montag, 21. August 2017

Von der Figur her könnte ich Emir sein

... dachte ich mir jedenfalls, als ich die Festkleider der Emire von Buchara hier auf der Festung, der Ark, sah. Jedenfalls hatten die alle auch keinen Body Mass Index von unter 20 ...

Meine Ma ratzte die ganze Nacht durch, jedenfalls ab 22 Uhr, denn so lange musste sie warten, bis ich Blog geschrieben und (fast) alle Fotos hochgeladen hatte - die Internetverbindung hier im Hotel ist zwar vorhanden, aber sehr langsam, da springen die Bytes einzeln in die Leitung und machen "hui" ...

Nun denn, heute Morgen klingelte der Wecker um 7 Uhr, um 7.45 Uhr schmiss meine Frau Mama mich aus dem Bett, denn Frühstück gab es nur bis 9 Uhr. Das Frühstücksbuffet hier ist in Ordnung, vor allem hochgradig in Ordnung ist aber der Frühstückstücks, ein alter Esssaal aus dem 19. Jahrhundert - diese Örtlichkeit war für unser Morgenmahl absolut angemessen, sollte öfter so sein ...

Wir fragten unseren Hotelchef, ob er uns Geld wechsle, er bot den gleichen Kurs an wie unser Taxifahrer in Taschkent (ich will gar nicht wissen, wieviel Provision die da abziehen, aber uns spart es Zeit und vor allem eventuelle Scherereien mit der Miliz; am Ende ist es eine Win-Win-Situation für beide, weil wir weit besser als mit offiziellem Kurs wechseln, und wenn sie dafür ein bisschen was verdienen, ist uns das recht ...). Wir wollten 100 US-Dollar wechseln und bekamen dafür 700.000 Som, aber weil er kein so'n dickes Geldbündel vorrätig hatte, gab er uns erstmal nur 100.000 Som, den Rest würde er uns bei Rückkehr besorgt haben - der Typ ist in unseren Augen so vertrauenswürdig, dass wir uns auf diesen Handel einließen, und tatsächlich (Spannungsbogen ist heute nicht nötig) bekamen wir ein paar Stunden später bei unserer Heimkehr unsere Kohle: Das ist ein drei Zentimeter dickes Bündel an 5.000-Som-Scheinen, die meinen armen Geldbeutel total ausbeulen ...

Auf dem (kurzen) Weg auf die, sagen wir, Hauptstraße der Altstadt überholte uns ein Schweizer Pärchen, bei dem sie kasachische Wurzeln hatte und entsprechend besser Deutsch spricht als ihr Freund (höhö, naja, nicht so ganz "höhö", denn der Freund kommt aus dem französischsprachigen Genf, und daher ist der Superwitz am Ende gar nicht so superwitzig - "war doof, merkste selbst, ne?" - okay, keine Schweizer-Deutsch-Witze mehr, versprochen ...).

Ab jetzt wird's besser: Wir liefen erstmal über die Hauptstraße, dann an der Feuerwache (und einigen Brotbäckern) vorbei in ein Einheimischenviertel hinein, in dem wir keineswegs misstrauisch, gelegentlich freundlich beäugt wurden (die Kinder rufen einem manchem "Helobai" hinter her, das soll "Hello" und "Bye", also "Hallo" und "Tschüss", heißen). Wir wollten geradeaus laufen, als uns ein älterer Herr grinsend ansprach, nach links zeigte und "Chor Minor" ausrief. Der wusste, wie der Hase läuft bzw. der Tourist hinwill. Ich dankte ebenfalls grinsend (auf Russisch), wir gingen nach links, dann ein Stückchen nach rechts und standen vor einem der Wahrzeichen Bucharas.

Auf den vier wunderbaren blauen Türmchen nisteten noch vor einigen Jahren Störche, aber die beiden Vordertürme sind wohl vor nicht allzulanger Zeit mal zusammengestürzt und wieder aufgebaut worden, da nistet heute jedenfalls keiner. Dieser Bau ist schonmal so richtig, richtig toll anzugucken - schon da waren wir der Ansicht, dass sich Buchara lohnt ...

Danach wollten wir uns eine Moschee angucken, aber die lag hinter einer vielbefahrenen Straße und war jetzt von außen auch nicht so bombastisch toll, also machten wir kehrt und liefen, vorbei an Friseuren und Minimärkten, unter Begutachtung eines "Hausmuseums" (der alte Herr lockte uns an die Tür seines Hofes und zeigte uns sein sehr schönes, aber auch verfallendes Haus, verdiente aber nix an uns) in Richtung Altstadtkern. Von Ferne sahen wir bereits das Kalon-Minarett, wurden von einem etwas hartnäckigen Teehausbesitzer angesprochen und standen dann einigermaßen unvermittelt zwischen der Ulugbek- und der Abdulaziz-Khan-II.-Medresse. Das, meine Damen und Herren, ist - auch wenn ich das Wort oft verwende, vielleicht zu oft - atemberaubend. Diese riesigen Portale der alten Koranschulen, reich mit Mosaiken verziert, bunt oder jedenfalls in blau-weiß  (meine Mutter rastet gar nicht so arg aus wie erwartet, das muss der Overkill sein ...), das ist fantastisch.

Weniger fantastisch ist die Baustelle nebenan, aber da wird aus gutem Grund eifrig gebaut, nämlich damit die Touristen in ein paar Jahren noch mehr begeistert sind - es ist der Wahnsinn. Wir kämpften uns zwischen den Bauarbeiten durch (nix da mit "Betreten verboten - Eltern haften für ihre Kinder") und waren in einem der Kuppelbasare, also einem Basar mit Kuppel drüber (welche Überraschung ...), in dem viele Händler ihre Souvenirs feilboten. "Scusa" und "grazie" folgten, weil wir in eine Gruppe Italiener geraten waren und uns durch diese durcharbeiteten.

Schließlich standen wir auf der Rückseite der Mir-Arab-Medresse und wussten nicht so recht, wo der Eingang ist. Einige Taxis standen auf der Straße geradeaus, also gingen wir geradeaus. Nach 150 m und einigen Porzellanverkäufern (von denen einige "für die Touristen" auch ganz gut Deutsch gelernt hatten) fiel uns die Kinnlade runter und wir kriegten sie so schnell nicht mehr hoch.

Da steht das Portal der Kalon-Moschee, das Kalon-Minarett und das Portal der Mir-Arab-Medresse auf diesem Platz, der wolkenlose blaue Himmel strahlte mit uns um die Wette. Das ist sooooooo fantastisch, so unglaublich schön, das haut einen von den Socken - ich hoffe, ich habe das mit den Fotos ein bisschen eingefangen (und ich hoffe, ich kriege die Fotos hochgeladen).

Wir liefen in die Kalon-Moschee rein (die wird zwar angeblich noch freitags genutzt, aber die Schuhe kann man anlassen), ließen uns teure Postkarten andrehen, mussten dann noch Eintritt und Kameragebühr zahlen (hust), aber das hielt sich alles im Rahmen, der Idiotensteuersatz ist hier nicht ganz so hoch wie in anderen Teilen der Welt. Die Moschee besteht aus dem Portal, dahinter einem Platz mit Säulengang drumherum, am Ende des Platzes steht erst der Vorbeterpavillon und dann wieder ein Portal mit einer Kuppel dahinter. In der Mitte steht dekorativ ein hübscher Baum herum, und von jedem Ort auf diesem Platz hat man eine neue fantastische Aussicht. Besonders vom hinteren Portal sieht man, wenn man sich umdreht, das Minarett sowie das Portal und die blauen Kuppeln der Medresse gegenüber - das ist der absolute Wahnsinn.

Wir saßen da auf einem hübschen Bänkchen, genossen den Blick und machten uns dann auf, um noch vor der stärksten Mittagshitze zum Ark, der Festung, zu kommen. Auf dem Weg haben die Usbeken einige Gebäude plattgemacht und planen (hoffentlich) gerade den Neuaufbau, aber die Festung ist absolut geeignet, um in der nächsten Episode von "Game of Thrones" eine Rolle zu spielen. Die riesigen, dicken Mauern sorgen für den durchaus stabilen Eindruck, den dieses Fort macht. Der kleine Sandsturm, der uns zwischendurch "erfreute", tat sein Übriges, dass wir schnell zum Eingang liefen.

Wir gingen die Rampe hoch, zahlten einen Euro Eintritt und hatten dann - zusammen mit einer Gruppe von Spaniern - den Ark vor uns. Der Thronsaal ist sicherlich hübsch, auch die Moschee und der Ausblick auf die Stadt an manchen Stellen (leider gibt es keinen Ausblick auf das Kalon-Ensemble), aber es hat seinen Grund, wieso der Reiseführer den Besuch des Ark vor dem Kalon-Ensemble empfiehlt, er ist halt nicht soooo toll.

Nun war es 12 Uhr, wir hatten Durst und ein wenig Hüngerchen und hatten schon auf dem Weg zum Ark eine kleine Kneipe eindeckt, in die wir nun einfielen. Es gab keine Karte (angeblich, in Wirklichkeit wollten sie mir nur nicht die russische in die Hand drücken, obwohl ich da zumindest das eine oder andere entziffern konnte), sodass wir erst ein wenig unsicher waren, ob wir a) denen trauen und b) genug Geld dabei haben (unsere usbekischen Barreserven waren jetzt doch auf umgerechnet 11,50 Dollar gefallen). Wir bestellen eine 1,5-l-Flasche Cola und Brot, und der Kellner (der eine, der Englisch sprach) fragte, ob wir was Richtiges essen wollten. Naja, jetzt war eh alles wurscht, also nahmen wir Palov (leckeren gekochten Möhrenreiseintopf mit ein bisschen Fleisch drüber) und zwei Schaschlik-Spieße (einen mit gebratenen Rindfleischstücken, einen mit Hackfleisch, beides gut).

Satt und gestärkt fühlten wir uns bereit, in die Verhandlung zu starten, mit welchem Geld wir das alles zahlen, als uns die Rechnung präsentiert wurde: Wir sollten - man halte sich fest - umgerechnet 5,50 Dollar bezahlen - nicht pro Person, sondern zusammen! Dafür langte selbst unser usbekisches Geld, Trinkgeld gab's obendruff, und wir liefen - an dem hübschen Bolo-Hovuz-Moscheechen vorbei - in Richtung Basar.

Als wir da waren, war meine Mutter ob des Gedränges nicht so ganz begeistert, sodass wir nach einem kurzen Rundgang durch den Kleiderbasar an der Straße entlang in Richtung Stadtmauer gingen. Zwischendrin sahen wir aber den Obstbasar und entschieden uns, doch nochmal reinzugehen. Wir sahen viel Knoblauch, sehr viele Trauben, riesige (wirklich riesige!) Melonen und - man höre und staune - sogar Gemüsearten, die selbst meine Mutter nicht kannte. Auch in den Käsebasar und den Süßigkeiten-Gewürz-Basar trauten wir uns auf einmal rein, ließen uns Lorbeerblätter geben und konnten gar nicht schnell genug gucken, als der Verkäufer uns ein Fleischgewürz zusammenstellte, das aus grob geschätzt zwölf verschiedenen Gewürzen bestand und aus noch mehr hätte bestehen könnten, wenn wir dem Mischen und Mörsern nicht Einhalt geboten und mal nach dem Preis gefragt hätten. Am Ende zahlten wir für alles zusammen einen Dollar (in Worten: einen) und waren glücklich.

Das alte Stadttor war jetzt nicht so richtig imposant, aber nach dessen Begutachtung hatte ich für heute, um 13.30 Uhr Ortszeit oder so, Feierabend angeordnet. Wir bestiegen ein Taxi, das uns - ebenfalls für einen Dollar - zum Hotel fahren sollte, das Hotel aber nicht fand, und ehe wir nochmal um die halbe Altstadt fuhren, ließ ich den Taxifahrer am falschen Ort anhalten (nämlich am Lab-i Hauz, wo wir gestern Abend die ersten Begeisterungsseufzer ausgestoßen hatten) und wir liefen den Rest des Weges zu Fuß.

Nach der Entgegennahme der restlichen 600.000 Som von unserem Rezeptionisten gingen wir ins (klimatisierte) Zimmer und warden für drei Stunden nicht mehr gesehen.
Nach der Siesta zog uns der Kalon-Komplex noch einmal magisch an. Hier wird überall gebaut, deswegen mussten wir - wie viele andere Touristen - mitten durch die Baustelle watscheln, die Arbeiter ließen sich von uns nicht stören und wir uns nicht von ihnen. Wir rekapulierten einen Stück des Weges von den sich gegenüberstehenden Medressen (Koranschulen) über den einen Kuppelbasar bis hin zu Kalon-Minarett und -Moschee. Bei der jetzt veränderten Sonneneinstrahlung waren die Ansichten noch einmal ganz anders - kurzum, das heute war ein fantastischer Tag. Wir saßen da auf dem Bänkchen, philosophierten ein wenig herum, verscheuchten Kinder, die uns Postkarten verkaufen wollten, beobachteten eine ziellose über den Platz vagabundierende Mülltüte, guckten immer mal, ob da oben die Terrasse wohl heute Abend aufmacht oder nicht (wir entschieden uns dann, dass sie es nicht tat, überhaupt ist hier gerade eher Nebensaison, obwohl die Sommerhitze keineswegs so unerträglich ist wie vorher ausgemalt).

Wir gingen nochmal am Minarett vorbei eine Treppe hoch, von dort oben machte ich erneut Fotos aus anderem Winkel, es ging wieder über die Baustelle (diesmal aus einer anderen Richtung), und am Ende landeten wir in dem Lokal, das direkt an unserem Heimweg liegt und von ich dachte, dass es recht teuer sei. Wir guckten uns die Speisekarte an, befanden die Preis für akzeptabel und setzten uns oben auf die Terrasse mit einem schönen Blick über Buchara (leider nicht über den Kalon-Komplex - naja, außer dem Minarett, das siehst du von fast überall ...).

Wir hatten gerade das erste Bier vor uns stehen, als uns eröffnet wurde, dass es kein Gas gibt (später stellte sich heraus, dass in ganz Buchara das Gas ausgefallen war, einschließlich unseres Hotels) und daher das Essensangebot eingeschränkt sei. Die vorhandene Essensauswahl ließ uns rätseln, wieso den für dieses Gericht Gas gebraucht würde und für jenes nicht, am Ende landeten zwei Samsas (Samoses, also Blätterteigtaschen mit Fleischfüllung) und fünf Mantis (runde Maultaschen mit Fleischfüllung) auf unserem Tisch, und wir waren am Ende wieder satt und zufrieden. Insgesamt zahlten wir heute Abend einschließlich üppigem Trinkgeld 11,50 Dollar (umgerechnet nach inoffiziellen Wechselkursen) und wussten jetzt definitiv, dass die Preise in unserem Lokal von gestern Abend überhöht waren (für Usbekistan und auch wenn das Essen sehr, sehr lecker war).

Im Dunkeln gingen wir unsere 300 Meter durch die spärlich beleuchtete Gasse zu unserem Hotel, ich habe gerade nochmal kurz geduscht, gleich geht es ins Bett.

Morgen geht es nach Samarkand, wir sind sehr gespannt, aber auch ein wenig traurig, dass wir Buchara, das uns gestern Abend und heute sehr ans Herz gewachsen ist, verlassen werden. Liebe Usbeken, wenn ihr so weitermacht wie bisher, werdet ihr auf meiner Liste der lohnenswertesten (und schönsten) Reiseziele auftauchen.

Wir haben eben mal kurz gesponnen, ob wir Donnerstag Abend oder Freitag Morgen mal eben nach Urgench fliegen, uns Xiva (Chiva) angucken und am Freitag Abend zurückfliegen, aber der ganze Spaß würde 168 € pro Person kosten und - entscheidender - einigermaßen Stress verursachen. Wir überlegen schon jetzt, wann wir wieder nach Usbekistan fliegen, und dann wird Xiva definitiv mitgenommen - es gibt ja hier in der Ecke noch zwei, drei unbesuchte Länderchen (Turkmenistan, Tadschikistan und Afghanistan), und vielleicht lässt sich das Neue mit dem tollen Usbekistan kombinieren. We will see, sagt der Franzose.

Frühstücksraum in unserem Hotel

Chor Minor

Medresse (Koranschule)

Zwei Koranschulen gegenüber

Kalon-Minarett

Kalon-Moschee

Im Inneren der Kalon-Moschee
Mir-Arab-Medresse

Der Ark (die Festung)
Zugang zum Ark

Stadttor

Hier ist man schnell Millionär ...

Sonntag, 20. August 2017

Pumpkin

... ist das englische Wort für "Kürbis" und zehn Minuten unserer Reise von Taschkent nach Buchara verbrchten meine Mutter und ich damit, zu überlegen, was "Kürbis" denn auf Englisch heißt - jetzt wissen wir's, und die Eselsbrücke zu Usbekistan wird hoffentlich dafür sorgen, dass mir das in Zukunft schneller einfällt, dieses verflixtes Wort.

Dass der Bericht über den ersten Tag in Usbekistan mit einer linguistischen Detektivgeschichte anfängt, ist dem Schlafmangel geschuldet - meine Ma hat gar nicht geschlafen, ich zumindest zweieinhalb Stunden, und gemeinsam haben wir dafür gesorgt, dass ich heute wenigstens nicht anfange zu singen oder zu dichten, was ja sonst normalerweise bei Schlafmangel bei mir passiert.

Der Wecker heute Morgen war entsprechend besonders brutal, zumal 6.30 Uhr hier ja 3.30 Uhr in Deutschland heißt, und nach kaum drei Stunden Schlaf mitten in der Nacht aufzustehen, ist ja eine meine liebsten Übungen.

Irgendwann prügelte meine Mutter mich dann endlich aus dem Bett, ich ging duschen, bekam von der völlig unregelmäßigen Anordnung der schwarz-rot-goldenen Mosaiksteine in der Dusche fast einen Gehirnkrampf und dann ging es, als ich den überlebt hatte, zum Frühstück.

Die fünf Sterne des Hotels sind verdient, denn der Frühstücksraum besteht aus einem langen Saal, an dessen Ende reichverzierte Holzarbeiten zu bestaunen sind, in den Sesseln versanken wir fast, und der Orangensaft war ebenso genießbar wie der Braten und das Reisgulasch am frühen Morgen.

Wir checkten aus, bekamen fein säuberlich unsere Registrierungsbelege, ohne die man in Usbekistan bei der Ausreise richtig Ärger kriegen kann und warteten auf das bestellte Taxi. Ich schwitzte schon wieder, denn auch am frühen Morgen - es war inzwischen 7.30 Uhr - war es hier schon gut warm, und dass ich zwei Koffer herumwuchtete, tat sein Übriges.

Das Taxi fuhr über breite und leere Straßen zum Bahnhof, ich musste kaum einen Dollar für die Fahrt zahlen, und schon standen wir vor der Einlasskontrolle. Die Usbeken prüfen dreimal Gepäck oder Fahrkarte, ehe man überhaupt am Zug ist, aber wenn das immer so entspannt ist wie heute, ist alles gut ...

Nicht so gut ist die Behindertenfreundlichkeit der usbekischen öffentlichen Einrichtungen, naja, Behinderte haben hier - ehrlich gesagt - Pech gehabt. Zu dem Gleis, von dem wir abfuhren, ging er per Unterführung, und in die kam man nur über eine enge Treppe. Nun kämpfte sich vor mir eine alte Dame am Geländer den Weg herunter, sodass ich mit zwei Koffern nicht an ihr vorbeikam und einen mittelprächtigen Stau fabrizierte - aber dafür konnte ich ja nix.

Nach dem Erwerb von zwei Flaschen Wasser standen wir am Bahnsteig gepflegt im Weg, wurden von einer jungen Deutschen angesprochen, mit der wir ins Gespräch kamen, und irgendwann kam - am meines Erachtens falschen Gleis, aber wer hört hier schon auf? - unser Zug. Wir standen natürlich am falschen Ende und mussten uns gegen den Strom vorankämpfen.

In dem Erste-Klasse-Abteil gab es drei Sitze in Fahrtrichtung, neben uns saß ein junger Usbeke namens Sanut, der aber kaum Englisch sprach, sodass wir uns kaum verständigen konnten. Möglicherweise lag Letzteres aber auch an unserer Neigung, die vorbeiziehende Landschaft in den ersten zwei Fahrtstunden (bis er in Jizzax ausstieg) häufig mit geschlossenen Augen zu betrachten.

Jedenfalls wurde die Vegetation in Richtung Samarkand und dann weiter in Richtung Buchara immer niedriger und schließlich spärlicher, aus dem Zug erinnerte uns Usbekistan an Bulgarien oder Rumänien vor zehn Jahren, außer, dass die Bahnübergänge hier mit solchen Rampen geschützt sind, sodass hier definitiv niemand versehentlich auf die Bahngleise gerät.

Nach gut sechs Stunden Fahrt (während der Fahrt sprang glücklicherweise die Klimaanlage immer wieder an; Fotos siehe unten) kamen wir in Buchara an und wurde von Wärme bis Hitze und einigen Taxifahrern begrüßt. Ich wählte einen aus, der natürlich gerade kein offizielles Taxi hatte, sondern mit seinem Privatwagen fuhr, und auf ging es in Richtung Buchara (der Hauptbahnhof hier liegt ziemlich außerhalb, sodass wir sicher eine halbe Stunde zum Hotel fuhren).

Geradeaus ging es zur Altstadt, wir fuhren aber im Süden herum, und als er da durch schlechte Straßen und verfallende Häuser (in der südlichen Altstadt) fuhr, war ich nicht mehr sicher, dass meine Hotelwahl ähnlich gelungen war wie in Taschkent. Ich führte ihn das letzte Stück mit Google Maps und sah das Hotel, dessen Tor durchaus akzeptabel aussah. Als wir eintraten, wussten wir schlagartig, dass das hier doch ganz in Ordnung sein würde, denn die gepflegte Ausstattung und die bunten Fenster zum Innenhof ließen Gutes erahnen.

Der vorzüglich Englisch sprechende Rezeptionist brachte uns in unser schönes Zimmer mit bunten Verzierungen, und nach einer Stunde der seelisch-moralischen Wiederherstellung (und der Restaurantvorauswahl) verließen wir das Hotel wieder und gingen in Richtung des Lab-i Hauz, eines der Altstadtplätze.

Leute, seht selbst und staunt - das war heute nur ein kurzer Spaziergang ohne die ganz großen Highlights der Stadt, aber selbst das war schon fantastisch schön. Natürlich ist das hier mit den Verkaufsständen ein wenig touristischer, aber die Händler kapieren, dass die meisten Ausländer erstmal nur gucken wollen, ohne von der Seite angelabert zu werden, die Gebäude sind wunderschön mit Mosaiken verziert, der Lab-i Hauz selbst besticht durch einen hübschen Teich mit Springbrunnen. Doch, das ist richtig, richtig schön hier - wir sind von Buchara und Usbekistan (bisher, mein Gott, wir sind erst 20 Stunden in diesem Land) richtiggehend begeistert.

Begeisterung ohne ausreichende Energie ist gefährlich, also suchten wir die schon zuvor ins Auge gefasste Lokalität, und ließen uns dort gegen 16.30 Uhr nieder. Auch hier sprechen die meisten Ober verständliches Englisch, sodass wir uns einen Salatteller (das Restaurant sah ganz gut aus, sodass wir hoffen, von Moctezumas Rache verschont zu bleiben) und eine leckere Suppe zur Vorspeise und danach einen Schaschlik-Spieß und das "Nationalgericht" Djiz, ein Gericht mit Rindfleisch, Zwiebeln, Paprika, Knoblauch und Dill (hier wird viel mit Dill gemacht), gönnten. Dass dazu Hopfenkaltschalen serviert wurden, versteht sich von selbst.

Am Ende zahlten wir für ein mittleres Gelage 37 Dollar (viel Geld für Usbekistan, aber wir saßen halt auch direkt downtown), haben jetzt kein usbekisches Geld mehr und müssen morgen mal gucken, wie wir auf möglichst legalem Wege zu einem möglichst guten Kurs an Som kommen - wird schon schiefgehen ...

Es ist jetzt früh, aber nach der kurzen Nacht sind wir schon im Bett - morgen wird Buchara erobert ...

Hotel in Taschkent

Unterwegs durch Usbekistan

Altstadt von Buchara

Lab-i Hauz

Portal

Baum am Lab-i Hauz

Weiteres Portal

... und noch eins

Samstag, 19. August 2017

Mutter glücklich

Ich habe heute Abend so richtig gemerkt, wie schei...benkleisteresk das Hotel in der Elfenbeinküste zum 70. Geburtstag meiner Mutter war - sie hat nämlich den maximalmöglichen Unterschied zwischen dem Hotel dort und unserem Hotel hier herausgestellt, und das Hotel hier ist einmal phänomenal. Naja, am Ende haben wir es uns an der Elfenbeinküste ja auch gemütlich gemacht.

Nach dem Weinfest gestern entschieden wir uns heute, naja, nicht zum Ausschlafen, aber jedenfalls gegen das Frühstück in der Stadt mit anschließendem Gepäckholen, denn das wäre wieder in Stress ausgeartet.

Also fuhren wir um 9 Uhr mit dem Bus zum Bahnhof und dann mit der S-Bahn zum Flughafen und hatten nur einen Kaffee bzw. eine Spezi gefrühstückt - das war ein Fehler. Als wir am Terminal 2 ankamen, etwa drei Stunden vor dem Abflug, gab es am Schalter schon eine größere Schlange, aber noch kein Schalterbeamter war in Sicht. Das sollte sich die nächste Stunde nicht ändern, und auch als die Damen dann endlich anwesend waren, ging das Ganze sehr schleppend voran - das lag auch daran, dass immer wieder Leute eincheckten, dann ihre Ausfuhrbescheinigung holen mussten und sich dann - amtlich erlaubt - wieder vordrängelten ... Alles ein bisschen unbefriedigend.

Als wir dann endlich - fast - dran waren, war mir schon schlecht vor Hunger, und der Typ hinter uns mit seiner Freundin hatte noch mehr spitze Bemerkungen auf Lager als ich, und das will was heißen - Aggressionen allüberall ...

Nach dem Check-in reisten wir sofort aus und pfiffen und Chicken Wings bzw. einen Burger bei Burger King, boah, war das lecker (und nötig) ... Das Softeis hinterher war auch gut ...

Der Security-Einweiser ging uns ein bisschen auf den Senkel, weil er eine ganze Schlange echter oder vorgeblicher Priority-Lane-Leute vorließ, aber am Ende waren wir pünktlich am Gate.

Die kleinen Kinder, die - teilweise grundlos brüllend - uns schon beim Warten auf den Check-in so erfreut hatten, waren natürlich auch am Gate. Das konnte ja heiter werden - naja, am Ende ging das alles ganz gut ...

Wir kamen mit einer Stunde Verspätung weg, und wenn das Entertainment-System, das es in jedem Sitz gab, vernünftig funktioniert hätte, wäre das sogar ein richtig entspannter Flug gewesen. So musste ich alle Naselang an diesem Teil rumdrücken, die Musikauswahl war sehr bescheiden, das, was dann tatsächlich hörbar war, war noch bescheidener, aber wenigstens war das Flugmagazin ganz vernünftig, und ich hatte mit diversen Zeitschriften vorgesorgt.

Der Flug über Tschechien, Polen, Weißrussland, Russland und Kasachstan ging ganz akzeptabel rum, zu essen gab es - typisch usbekisch ... - Pasta mit Hühnchen und später dann noch ein Schinkensandwich, ich stand wie üblich nicht ein einziges Mal auf und holte entsprechend auch kein Wasser. War also ein ganz akzeptabler Flug, auch wenn die vom Golf schon besser sind - was für ein Wunder ...

Wir kamen mit einer Stunde Verspätung an, die Einreise ging leidlich schnell, die Koffer kamen bald, wir erwischten einen sehr freundlichen und sehr gut Deutsch sprechenden Zöllner, der uns für das ordnungsgemäße Ausfüllen der Zollerklärung lobte, und unser Fahrer war auch schon am Flughafen ...

Er hatte - wie vereinbart - unsere Zugfahrten dabei für morgen und für Dienstag, fuhr uns noch zum Schwarzmarkt - man kriegt hier fast das Doppelte des offiziellen Kurses, Mist, wir haben nicht richtig viel Bargeld dabei, aber vielleicht reicht es noch, weil wir Hotels und Fahrkarten bzw. Flüge ja eh schon bezahlt haben - und brachte uns dann zu unserem Hotel.

Wow, das Teil hier ist richtig toll, das ist ein altes Kloster oder was weiß ich, mit fantastischen Mosaiken an den verschiedenen Häusern, mit tollen Holzarbeiten in der Rezeption und der Bar. Unser Superior-Doppelzimmer für 110 Dollar ist eine mittelprächtige Suite, hier kommen wir ja am Donnerstag wieder her, dann haben wir richtig Zeit, das hier zu genießen.

Genießen wollten wir aber auch den Ankunftsabend, also setzten wir uns noch ins Restaurant, in dem - um 1.00 Uhr - noch eine kleinere Gesellschaft aß und (vor allem) trank. Wir tranken zwei Bier, beobachteten die anderen beim Betrunkenwerden, und wurden von ihnen bei deren Hinausgehen ganz herzlich in Usbekistan begrüßt. Überhaupt sprechen hier viele (Gebildete) ganz akzeptables Englisch, das ist richtig entspannt - bisher ... Das Bier für Schwarzmarkt-2,50 Dollar für die Flasche war ganz okay, auch wenn ich noch andere lokale Biere versuchen werde ...

Jetzt sind wir in unserem Himmelbett, es ist fast 3 Uhr hier, morgen (heute) klingelt um 6 Uhr der Wecker, weil um 8.55 Uhr unser Zug nach Buchara geht, und wir noch frühstücken wollen. Wird also eine kurze Nacht.

You never get a second chance to make a first impression (du kriegst keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen), und dieser erste Eindruck von Usbekistan war schonmal ganz hervorragend.

Näheres (und Bilder) morgen aus Buchara (oder Buxoro, wie man es im Usbekischen schreibt) ... Gute Nacht!

44 Tage Achterbahn

... fangen heute an ...

Mein Chefchef fragte mich gestern, ob ich eigentlich dieses Jahr nochmal zum Arbeiten komme, was ich mit "Ja, ab dem 4. Oktober" beantworten wollte, aber das stimmt ja nicht, weil ich zwischendurch doch noch den einen oder anderen Tag im Büro bin.

15 der kommenden 44 Nächte werde ich in Deutschland verbringen, den Rest in Asien, Afrika und zwei Nächte auch im restlichen Europa.

Meine Ma und ich haben gestern den Urlaub bei der Wiesbadener Weinwoche eingeleitet, deswegen trinke ich jetzt Cola zum Frühstück (Spezi ist alle ...) und gegen 10 Uhr oder so fahren wir zum Hauptbahnhof und dann mit der S-Bahn zum Flughafen.

Die Zugfahrkarten sind jetzt auch gebongt, heute Abend werden wir vom Fahrer dieses Reisebüros da abgeholt, und ab morgen geht es dann mit der Eisenbahn durch Usbekistan.

Es gab in den letzten Jahren viele Reiseziele, aber kaum eines, auf das ich so dermaßen gespannt war wie auf dieses zentralasiatische Land (zumal ich gestern gesehen habe, dass die "Bürgerrechtsbewegung Solidarität", eine Splitterpartei, damit Wahlwerbung betreibt, dass unsere Zukunft in der Seidenstraße liege - nun denn ...).

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Mein beninisches Visum ist immer noch nicht da - jetzt gucke ich nach der Heimkehr am nächsten Samstag mal im Büro vorbei, dann ist der Brief hoffentlich da, und dann geht der Erstpass gleich wieder auf die Reise zur togoischen Botschaft ...

Samstag, 12. August 2017

13,27 €

... in Worten dreizehn Euro und siebenundzwanzig Cent, so viel kostet der Flug von Samarkand nach Taschkent, den ich eben gebucht habe, pro Person. Meine Ma hat zwar ein wenig Sorge, dass das ein Klepper ist, aber angeblich soll das ein Airbus A320 sein, und ein Uzbekistan-Airways-Airbus ist noch nie abgestürzt ... Naja, wird schon schiefgehen.

Ich weiß inzwischen, dass ein Einschreiben vom usbekischen Generalkonsulat auf dem Weg zu mir ist, die Usbeken haben es am Mittwoch eingeliefert, aber die Postlaufzeiten sind auch nicht mehr so toll, jetzt hoffe ich, dass das Einschreiben am Montag im Büro aufschlägt.

Obwohl ich nicht hundertprozentig weiß, ob die Visa auch wirklich in den Pässen sind, gehe ich mal davon aus und habe daher eben auch die Anfrage an ein usbekisches Reisebüro geschickt zwecks Buchung von Zügen in Usbekistan. Die Zugbuchung direkt bei der usbekischen Eisenbahn soll zwar theoretisch möglich sein, aber praktisch ist der Server nicht zu erreichen, und ich habe es weiß Gott oft genug probiert. Jetzt sollen die uns halt die Fahrkarten buchen und ins Hotel liefern, dafür, dass sie 70% Aufschlag oder so nehmen ...

Am 19. August, in einer Woche (juhu!), kommen wir also in Taschkent an, lassen uns mit dem Taxi (das soll deutlich günstiger sein als der Hotel-Transfer für 20 Dollar) ins Hotel fahren, schlafen dort ein paar Stunden und fahren dann am 20. August morgens um sieben Uhr (bäh) mit dem Schnellzug von Taschkent nach Buchara. Dort bleiben wir zwei Nächte und fahren am 22. August nachmittags wieder mit dem Schnellzug nach Samarkand. Auch in Samarkand haben wir ein Hotel für zwei Nächte, ehe wir dann am 24. August morgens (wieder bäh) in den Flieger nach Taschkent steigen. Dort haben wir, wen wundert's, auch noch einmal zwei Nächte, ehe es dann am 26. August - bäh, ganz früh morgens - wieder zurück nach Frankfurt geht.

Jetzt haben wir vielleicht ein bisschen viel Zeit in Buchara und ein bisschen wenig in Samarkand, aber so ist es dann halt, denn die Züge fahren nun mal so.

In einer Woche um diese Zeit sitzen wir wahrscheinlich schon im Flieger - das wird schön ...

Montag, 7. August 2017

Passlos

Es ist schon eine Weile her, dass ich keinen Zugriff auf meinen Reisepass mehr hatte; wenn ich es richtig sehe, war das während der Beantragung des russischen Visums für die Weihnachtstour 2010, also vor fast sieben Jahren.

Seit drei Jahren war das ja ohnehin noch schwieriger als vorher, weil ich seit 2014 zwei Reisepässe habe und zumindest einen von beiden eigentlich immer verfügbar hatte.

Heute war es dann aber soweit: Beide Pässe sind unterwegs, der eine beim usbekischen Generalkonsulat in Frankfurt, der zweite ging heute auf die Reise zur beninischen Botschaft in Berlin. Das ist ein richtig unangenehmes Gefühl, ich fühle mich ein bisschen nackt - was ist denn, wenn ich nächstes Wochenende spontan nach Israel reisen will?!

Die Beniner sollen schnell sein, vielleicht ist mein Pässlein ja Ende der Woche schon wieder bei mir (wobei sie dann sehr schnell sein müssen, die Postlaufzeiten sind ja auch nicht mehr, was sie mal waren), und wenn die Usbeken die Pässe von meiner Ma und mir nicht bis Ende der Woche rausgeschickt haben, lasse ich den Kettenhund in Form meiner Mutter wieder beim Konsulat anrufen - aber noch laufen ja die zwei Wochen, die die Usbeken für die Visumerteilung veranschlagen, sie enden erst am Mittwoch. Ich weiß allerdings, dass die Genehmigung aus Taschkent schon seit letztem Montag vorliegt, da frage ich mich, was die Usbeken noch so lange herumausstellen an unseren Visa. Aber solange ich Anfang nächster Woche unsere Visa habe, bin ich zufrieden ...

In zwölf Tagen geht es dann, so denn alles gut läuft, nach Taschkent. Ich werde nach Erhalt der Visa, spätestens nächstes Wochenende, unsere Züge buchen - die Online-Buchungsseite der usbekischen Bahn ist leider regelmäßig nicht erreichbar, aber es gibt Reisebüros, die das - für einen saftigen Aufschlag - für einen erledigen. Wenigstens haben wir dann alle Tickets zusammen und müssen nicht mit den Fahrkartenverkäufern verhandeln - unsere Russischkenntnisse sind ja, wie der geneigte Leser inzwischen weiß, legendär schlecht ...

Aber wird schon alles gutgehen ...

Freitag, 28. Juli 2017

"Lohnt sich nicht ..."

Dieses Urteil eines Freundes über Mauretanien überbrachte mir meine Chefchefchefin gestern. Nun ist der arme Kerl aber auch jedes Mal ein paar Monate in der mauretanischen Wüste stationiert, sodass ich trotz allem hoffe, dass die zwei Tage in Nouadhibou mir einigermaßen Freude machen werden.

Ich habe inzwischen Hotels in Nouadhibou und auch in Las Palmas gebucht: In Nouadhibou wird es ein (angeblich) Vier-Sterne-Hotel, das nicht nur "Reis mit Huhn, Huhn mit Reis, Hühnerreis und 
Reishuhn" (so meine Chefin) zum Essen anbietet, in Las Palmas ein Strandhotel. Ursprünglich wollte ich näher am Flughafen schlafen und nicht die halbe Stunde mit dem Bus nach Las Palmas reinfahren, aber in unmittelbarer Umgebung des Flughafens scheint es keine größeren Städte (und Strände) zu geben, sodass es dann am Ende wahrscheinlich am zeitsparendsten ist, einfach nach Las Palmas zu fahren. Wobei, in den neun Stunden auf dem Hinweg könnte ich eigentlich auch in den Süden nach Maspalomas fahren, dann habe ich sowohl den Norden (Las Palmas) als auch den Süden erkundet ... Mal schauen.

Achja, ich hatte zwischendurch überall gelesen, dass man am Flughafen von Nouakchott (der Hauptstadt) oder am Grenzübergang zur Westsahara das mauretanische Visum bei Einreise beantragen könnte; über den Flughafen Nouadhibou war die Datenlage nicht ganz so eindeutig - das Auswärtige Amt schrieb, dass das klappt, die mauretanische Botschaft schrieb nichts dazu (nur Nouakchott/Grenzübergang) und auch die deutsche Botschaft in Nouakchott hatte nur die Info für Nouakchott-Flughafen und die Landgrenze "PK55". Also schrieb ich kurzerhand der (deutschen) Botschaft eine Mail, ob sie mir bestätigen könnten, ob ich mein Visum auch in Nouadhibou am Flughafen kriege - postwendend (21 Minuten später) kam die Antwort, dass sie das bestätigen könnten. So ist's brav - aber die schnelle Reaktionszeit lässt mich vermuten, dass der Konsularabteilung dort nicht soooo viele Menschen täglich eine E-Mail schreiben - schick ...

Die gut sechs Wochen zwischen dem 19. August und dem 2. Oktober werden also nicht weit von einem Reise-Overkill entfernt sein - viermal werde ich den europäischen Kontinent verlassen, zweimal in Richtung Asien und danach zweimal in Richtung Afrika. Sechs neue und vier "alte" Länder werde ich besuchen, insgesamt 50.000 km im Flugzeug sitzen (umgerechnet eineinviertelmal um die Erde) - ich gebe zu, dass ich nachvollziehen kann, wenn sich da mancher an den Kopf fasst. (Aber es ist halt so schön, durch die Weltgeschichte zu reisen ...)

So richtig nachvollziehen kann ich auch nicht mehr, wie das gekommen ist, aber irgendwie wollte ich während der Schulferien den Reisebüros und Fluggesellschaften nicht unbedingt ihre Wucherpreise bezahlen, und so drängt sich halt alles ein bisschen im September ...

Dass ich, ähem, sieben Reisen schon gebucht habe bis März 2018 (Usbekistan, Südostasien, Brüssel, Mauretanien, Togo/Benin, Sarajevo und Belgrad), heißt ja aber noch lange nicht, dass man nicht schonmal für 2018 gucken könnte, welche lohnenswerten Reiseziele es denn noch so gibt:

Gestern saß ich mal wieder im Sherry & Port, und naja, das Ergebnis von datt Janze ist, dass es im Mai 2018 oder so gerne mal eine Woche nach Turkmenistan gehen könnte. Die Planungen sind noch nicht so weit gediehen, dass ich Turkmenistan in der Karte orange färben würde, aber mal gucken, was in den nächsten Monaten so passiert ...

Jetzt bin ich erstmal das Wochenende in der Heimat zum Stadtfest in meiner Heimatstadt ... Prost!

Dienstag, 25. Juli 2017

Drei Tage Urlaub

..., die ich noch für 2017 offen habe, sind eindeutig zu viel, und jetzt habe ich in den letzten Tagen mal wieder herumgesucht, wann ich einigermaßen günstig noch zwei oder alle drei Tage abfeiern kann.

Joa, und nun verbringe ich ein verlängertes Wochenende auf Gran Canaria und in Nouadhibou in Mauretanien.

Flüge nach Mauretanien sind sacketeuer, deswegen habe ich die Flüge von Frankfurt nach Gran Canaria (mit Ryanair, erstmals seit 2008 oder so) und von Gran Canaria nach Nouadhibou (mit Mauritania Airlines, das ging gestern nicht direkt zu buchen über die Seite der Fluggesellschaft, jetzt habe ich über ein Reisebüro gebucht) getrennt gebucht. So sind die Preise einigermaßen bezahlbar (den Preis verschweige ich jetzt hier besser - für ein Wochenende, ich Spinner!), und wenn ich mir das schönrechne und denke, dass ich Silvester sonst noch wohin geflogen wäre und jetzt wahrscheinlich mit meiner Mutter ans Grab meiner Großeltern fahre, dann mittelt sich das alles wieder raus und ich bin zufrieden. Außerdem kommt heute Gehalt - oder so ...

Am 15. September um 6.15 Uhr (das heißt, ich muss spätestens um 3 Uhr aufstehen, bääh) fliege ich mit Ryanair vom Terminal 2 des Frankfurter Flughafens nach Gran Canaria, wo ich um 10 Uhr Ortszeit ankomme. Ich beabsichtige, mich in die Fluten des Atlantik zu werfen, denn mein zweiter Flug nach Nouadhibou geht erst um 19.10 Uhr - neun Stunden sollten reichen, um mal einen Sprung ins kühle Nass zu wagen.

In Nouadhibou werde ich nach der Ankunft um 20.30 Uhr am Flughafen mein Visum (ja, das kommt auch noch dazu, ich Spinner, ich) bekommen und dann in den zwei Tagen, die ich dort habe, viel Fisch essen und mir sicherlich den Schiffsfriedhof dort mal angucken. Ich bin sehr, sehr gespannt auf Mauretanien.

Am Sonntag, dem 17. September, fliege ich um 16.20 Uhr zurück und bin um 18.40 Uhr am Flughafen. An dem Abend und vielleicht am nächsten Morgen noch schwimme ich ein bisschen, ehe es zum Flughafen zurückgeht. Um 11 Uhr geht der Ryanair-Flieger zurück nach Frankfurt, wo ich um 16 Uhr nach meinem kleinen Wochenendausflug in mein 124. Land dann wieder ankomme ...

Damit wird dann Togo mein 125. und Benin mein 126. Land, aber da gibt es Schlimmeres.

Westafrika, der September wird unser Monat ...

Sonntag, 23. Juli 2017

Unsere nächsten Verwandten

... auf Spezies-Ebene sind die Menschenaffen, und meine Ma hat Gefallen an Gorillas gefunden. Da sie aber auch großen Gefallen an Elefanten gefunden hat, waren wir unentschlossen, ob wir im März 2018 zu ihrem Geburtstag nach Thailand (genauer Chiang Mai) reisen sollten, um dort Elefanten zu waschen, oder nach Ostafrika, um dort Gorillas anzugucken.

Vorgestern Abend musste ich eine Stunde überbrücken, und diese überbrückte ich mit einem Telefonat mit meiner Mutter, in dessen Verlauf wir uns (vorläufig) entschieden, am 16. März nach Goma in der Demokratischen Republik Kongo zu fliegen, dort am 18. oder 19. März Gorillas anzugucken, danach weiter zu fliegen nach Tansania und dort in der Nähe von Daressalam an einem der schönsten Strände, die ich kenne, noch ein paar Tage Urlaub zu verbringen.

Das dürfte einer der teuersten einwöchigen Urlaube werden, die ich je gebucht habe, weil allein die Gorillatour 400 US-Dollar kostet und die Anfahrt und Abfahrt von Goma wucherhafte 185 Dollar oder so, dazu kommt das Visum für die Demokratische Republik Kongo und locker sind allein für die paar Tage dort 700 US-Dollar pro Schnauz weg, ohne dass wir ein Bett über dem Kopf oder etwas im Magen hätten. Auch die Flüge - im Moment ist es am günstigsten, alles mit Ethiopian Airlines zu machen - sind nicht wirklich billig, aber Afrika ist halt selten wirklich richtig günstig.

Dennoch: Gorillas sollen ja wirklich ein Once-in-a-lifetime-Erlebnis sein, das möchten meine Ma und ich schon gerne noch mal machen.

Daher ist jetzt in der Karte ein großer gelber Fleck in Form der Demokratischen Republik Kongo, die früher Zaire hieß (Gorillas gibt es auch in Uganda und Ruanda, aber in den beiden Ländern war ich ja schon). "Seid ihr völlig bekloppt?", höre ich schon wieder Leute fragen - "Da ist doch Bürgerkrieg!". Naja, das ist nicht ganz falsch, aber andererseits tun die Kongolesen alles dafür, zumindest Goma und die Gorillas für Touristen sicher zu halten, sodass ich die nächsten Monate sehr genau prüfen werde, ob sich an der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die momentan auch für Goma gilt, noch was ändert oder ich nach intensiver Recherche den Versicherungen der Nationalpark-Verwaltung glaube ... Buchen werde ich wahrscheinlich erst im Winter, Flüge nach Afrika soll man zwar angeblich erst zwei Wochen vorher buchen, aber das würde mir wie immer viel zu heiß ...

Wir werden sehen ...

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Morgen gehen die Visumanträge für Usbekistan raus - zeitlich müsste das langen, ich bin zuversichtlich. Das Geld ist jedenfalls jetzt schon weg ... Tadschikistan lassen wir raus, das wird mir alles zu kompliziert, da fahre ich dann irgendwann mal allein oder in Kombination mit Turkmenistan hin - oder mit Afghanistan ...?

Sonntag, 2. Juli 2017

So langsam Gestalt

... nimmt mein Thailand-Laos-Vietnam-"Ausflug" Ende August und Anfang September an ...

Ich habe mich gestern entschieden, mir auf der Reise ein bisschen was zu gönnen, sodass ich für Hotelzimmer wahrscheinlich etwas mehr ausgebe als es vielleicht in Südostasien sein müsste.

Naja, jedenfalls wohne ich jetzt vom 28. bis 30. August in Luang Prabang in einem Hotel in unmittelbarer Nähe des Mekong, vom 30. August bis 1. September im Grand Hotel Saigon in Ho-Chi-Minh-Stadt direkt in der Innenstadt, vom 1. bis 3. September in einem anscheinend ganz hübschen Strandhotel in Vũng Tàu (dort fahre ich am 1. September morgens mit dem Boot hin und am 3. September mit dem ersten Boot wieder zurück, buchen kann die Fährfahren aber erst ein paar Wochen vorher ...) und zum Abschluss dann vom 3. auf den 4. September in Bangkok im höchsten Gebäude Thailands und einem der höchsten Hotels der Welt - und weil ich schonmal so viel Geld durch die Kreditkarte geblasen habe, habe ich eben ein Zimmer in der Space Zone (nicht in der Standard Zone und auch nicht nur in der Sky Zone, sondern in der Space Zone zwischen dem 64. und dem 74. Stockwerk) gebucht. Ich bin sehr gespannt auf den Ausblick auf Bangkok aus dem Zimmer ...

Die Visa für Usbekistan habe ich heute doch noch nicht beantragt, weil ich noch die Passfotos einscannen muss, aber noch ist ja ein bisschen Zeit - die Usbeken brauchen angeblich höchstens zehn Tage zum Bearbeiten der Visa, sodass es etwas voreilig wäre, jetzt schon Panik zu verbreiten.

In sieben Wochen um diese Zeit bin ich schon in Usbekistan, in acht Wochen bin ich auf dem Weg gerade im Oman in den Flieger nach Bangkok eingestiegen - das wird cool ...

Samstag, 1. Juli 2017

Hop on, hop off

Was normale Menschen nur auf diesen Touristenbussen in Großstädten machen, nämlich nach Belieben drauf- und wieder herunterhüpfen, das werden ich am 26./27. August mit Interkontinentalflügen machen.

Ich hatte ja noch - was für mich völlig untypisch ist - neun Tage Urlaub für dieses Jahr offen, wobei ich die zweite Woche meines Urlaubs Ende August (also die Woche nach Usbekistan) als "offen" bezeichnete, obwohl diese schon offiziell genehmigt war.

So langsam wurde aber die Zeit knapp, denn während der Schulferien sind Flüge unzumutbar teuer, und nach den Schulferien ist ja auch schon wieder September, in dessen letzter Woche ich ja noch einen schönen Strandurlaub in Westafrika unternehme. Ab September, spätestens aber am Oktober fängt im Büro aber eben auch wieder die heiße Zeit an, sodass das Fenster, in das ich die Urlaubstage quetschen konnte, kleiner und kleiner wurde ...

Gestern hatte ich dann nach langem Suchen endlich was gefunden, nämlich einen Ryanair-Flug in der zweiten September-Woche nach Gran Canaria und, davon unabhängig zu buchen, Flüge von Las Palmas nach Mauretanien. Flüge nach Mauretanien sind unfassbar teuer, aber selbst wenn 300 Euro für einen zweistündigen Hüpfer (hin und zurück) auch eine ganze Menge sind, wäre ich für insgesamt 454 Euro in ein neues Land gekommen. Ich war schon fast buchbereit, als ich nochmal in die Urlaubsliste schaute und merkte, dass in der Woche (Mitte September) zwei Kollegen im Urlaub sind - wenn ich jetzt auch noch weg gewesen wären, wäre das Team fast komplett außer Haus gewesen. Da sah ich eigenständig ein, dass das nicht funktioniert (hört, hört, Chefs!). (Aber wer hat denn diesen langen Urlaub da genehmigt, sachma?!)

Und heute Mittag fiel ich dann tatsächlich auf meine Rückfallposition zurück und guckte nach Flügen in der letzten Augustwoche, für die ich ja seit Februar genehmigten Urlaub habe.

Nun kommen meine Mutter und ich also am Morgen des 26. August (Samstag) aus Taschkent kommend in Frankfurt an, werden sicher lecker Essen gehen im Sherry oder so, dann geht's in die Heia, und am Sonntagmorgen fährt sie mich (sie weiß gerade noch nichts von ihrem Glück ...) dann zum Flughafen, ehe sie zurück in den Schwarzwald fährt.

Um 10.35 Uhr geht mein Oman-Air-Flug (ich habe ein paar Euro mehr investiert für den Oman-Air-Flug anstatt des Ukraine-International-Fluges, weil ich bei Oman Air weiß, dass ich ein gutes Filmangebot im Flieger habe). Nach kurzem Umsteigen in Maskat bin ich am Montag, dem 28. August, um 6.20 Uhr in Bangkok BKK.

Es ist schon lustig: Da gehörte ich bis zum Frühjahr gefühlt zu den letzten Deutschen, die noch nicht in Thailand waren, und dann fliege ich binnen vier Monaten zweimal nach Bangkok runter ...

In Bangkok werde ich aber - in gewohnter Manier - nur ganz kurzen Aufenthalt haben: Ich hole mein Gepäck, hüpfe in die U-Bahn (oder ins Taxi) und fahre zum kleinen Flughafen (DMK), weil schon um 14.30 Uhr Ortszeit mein Billigflieger nach Luang Prabang abfliegt.

Wo liegt das denn jetzt schon wieder, Kruzifix? Luang Prabang ist eine ehemalige Hauptstadt von Laos und eine Weltkulturerbestadt, die direkt am Mekong liegt - ich bin sehr gespannt, wie es dort ist, weil sie dort viele gut erhaltene Tempelanlagen haben sollen ...

Ich bleibe zwei Nächte in Luang Prabang (Hotels muss ich jeweils noch buchen, ich habe also zu tun am Wochenende) und fliege am 30. August, dem Mittwoch, weiter: Diesmal geht es - wieder mit Thai AirAsia, obwohl ich die ja eigentlich meiden wollte ... - über Bangkok nach Ho-Chi-Minh-Stadt, auch bekannt unter dem alten Namen "Saigon".

Ich habe den Flug nach Luang Prabang und die Verbindung Luang Prabang-Bangkok-Saigon (ich glaube, ich bleibe bei "Saigon", weil das kürzer ist und vor allem, weil der Flughafen immer noch den Code "SGN" hat) getrennt gebucht, obwohl ich natürlich auch Bangkok-Luang Prabang-Bangkok und Bangkok-Saigon-Bangkok hätte buchen können. Das habe ich aber gelassen, weil ich dann in Bangkok auf dem Zwischenstück wieder hätte einreisen müssen, das hätte mich wieder Zeit gekostet und mir gar nicht so arg viel Geld gespart ...

In Südvietnam bleibe ich (jetzt, da die Vietnamesen die visumfreie Einreise für Deutsche bis Mitte 2018 verlängert haben - sehr löblich) dann vier Nächte und plane (auch wenn Regenzeit ist), Saigon selbst und die Strände in Vũng Tàu unsicher zu machen - von Saigon kommt man wohl in unter zwei Stunden mit dem Tragflügelboot dorthin ...

Am 3. September geht es dann zurück nach Bangkok, da schlafe ich eine Nacht (ich habe einen starken Verdacht, wo ...) und am 4. September abends geht der Flieger in Richtung Oman und danach in Richtung Frankfurt. Am 5. September, dem Dienstag, komme ich morgens um 7 Uhr in Deutschland an und werde mir neben dem Montag mit großer Wahrscheinlichkeit auch noch den Dienstag als Urlaub gönnen ...

Insgesamt habe ich für diese acht Flüge jetzt 657,42 € bezahlt - das ist natürlich nicht wenig (und ich muss noch überlegen, ob ich Gepäck dazubuche, da kämen dann in Südostasien pro Flug nochmal ca. 16 Euro, also insgesamt gut 64 Euro, drauf), aber für gut 700 Euro wieder einmal kreuz und quer durch die Weltgeschichte zu fliegen, das finde ich schon noch recht günstig.

Zwei Ex-Kollegen haben mir neulich den Schimpfefinger (nicht den Stinkefinger!) gezeigt und sich über meinen ökologischen Fußabdruck ausgelassen. Ja, ich weiß, ich fliege viel in der Gegend herum, und natürlich ist meine CO2-Bilanz höchstwahrscheinlich verheerend (dieses Jahr knacke ich erstmals die 100.000-km-Marke in einem Kalenderjahr), aber so lange ich noch einigermaßen jung und knackig und frisch (wer gerade vor Lachen vom Stuhl fällt, kann mich nicht auf Schadenersatz in Anspruch nehmen!) und ungebunden bin und solange die Flüge so günstig sind wie sie sind (man vergesse dabei nicht, dass moderne Flugzeuge deutlich sparsamer sind als früher), werde ich mein Ziel, alle Länder dieses Planeten zu besuchen, mit Hartnäckigkeit verfolgen.

Durch die Buchung heute verschiebt sich die Nummerierung für Togo und Benin natürlich nach hinten, sodass ich an meinem 35. Geburtstag mein 125. Land betreten werden - passt.

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Dieses Wochenende werde ich außer den Hotels für Südostasien auch das Visum für Usbekistan beantragen. Inzwischen steht fest, welchen Pass ich wofür verwende: Usbekistan und Südostasien werden mit meinem Wiesbadener (Zweit-)Pass bereist, denn während dieser Zeit liegt der dicke, alte Jenaer Pass bei der togolesischen bzw. beninischen Konsularabteilung und wird visiert. Und Ende 2017 sind dann beide (fast) voll - juchhe ...

Schönes Wochenende!

Mittwoch, 28. Juni 2017

An der Save hellem Strande

Ja, ja, ich weiß, es ist "der Saale" heller Strand, der in dem Lied besungen wird, aber am 2. März 2018, naja, wahrscheinlich eher am 3. März, werde ich den Strand der Save und den Zusammenfluss von Save und Donau in Belgrad sehen.

Ich saß heute Abend mit Christina im Sherry und nach verschiedenen eher teuren Flugsuchen nach Casablanca, Tunis, Kairo, Beirut oder Tiflis fanden wir einigermaßen bezahlbare Flüge nach Belgrad und haben prompt sowohl Flüge als auch Hotel gebucht.

Am Freitagabend, dem 2. März 2018, geht es mit Air Serbia nach Belgrad und am Sonntagabend um 17.30 Uhr zurück nach Frankfurt, fast zwei Tage in Belgrad - das wird gut ... (Und Christina kriegt zwei Stempel in den Pass - ich natürlich auch, aber ich lege da wider Erwarten gar nicht soooo viel Wert darauf ...)

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Ohne Worte ...
Als ich aus dem Irak-Istanbul-Georgien-Abchasien-Urlaub ins Büro zurückkam, hing ein Plaket "Welcome to Abkhazia" auf meinem Bildschirm - da hatte einer der Kollegen, die ausgiebig meinen Blog verfolgen, mich ärgern wollen - ich wusste aber sofort, wen ich dieser Missetat überführen konnte. Tsts ...

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Ich weiß immer noch nicht, wie ich die neun Tage Urlaub, die bisher nicht verplant sind für das Jahr 2018, noch verbrate - wir werden sehen ...

Sonntag, 18. Juni 2017

Zum Fährefahren genug

Bitte auch den Blogeintrag vom Tifliser Flughafen heute Nacht beachten.

Wir kamen in Tiflis einigermaßen pünktlich los, die Flugzeit war kürzer als veranschlagt, sodass wir ein bisschen früher als erwartet in Istanbul aufsetzten. Mit dem Bus ging es zum Terminal, Massen von georgischen Reisegruppen standen im Weg herum, weil sie sofort nach Ankunft im Terminalgebäude stehenblieben, aber ich umkurvte alles und jeden (ich ging sogar zwischen Wand und Werbetafel durch, um schneller voranzukommen), denn die türkische Einreise sah leer aus. Das war sie auch, und ich war schnell in die Türkei eingereist.

Zwanzig Minuten nach der Landung saß ich im Bus (es waren noch genau 10 Untereinheiten der türkischen Währung auf meiner Istanbulcard, das hatte ich ja genau abgepasst ...), und nach ziemlich genau einer Stunde waren wir in Kadiköy. Eine Minute vor Abfahrt der Fähre musste ich noch meine Istanbulcard aufladen, das ging schnell, ich lief ein bisschen und war auf der Fähre, die nur auf mich gewartet hatte (hähä). Auf der überdachten Freiluftterrasse saß ich ganz allein.

Ach Leute, das ist soooooo schön, wenn man da rübertuckert und die Blaue Moschee, die Hagia Sophia, den Mädchenturm, den Galataturm, die Brücke und alle anderen Sehenswürdigkeiten begucken kann. Es war kühl heute, aber das tat der Freude keinen Abbruch.

Heute war ich mal frech, weil die Fähre erst in Karaköy und dann in Eminönü anlegte: Ich konnte ja in Karaköy so tun, als ob ich erst in Eminönü aussteigen wollte, und in Eminönü so, als ob ich erst in Karaköy eingestiegen wäre - interessiert hat das eh keinen, aber ich konnte in Ruhe den Ein- und Aussteigeprozess beobachten.

Ich kam um 8 Uhr wieder in Kadiköy an, erwischte gleich einen Bus, kam schnell durch die Eingangskontrolle, die Passkontrolle war wieder sehr leer, die Sicherheitskontrolle ging auch schnell, sodass ich sogar noch in der Lounge frühstücken konnte.

In Istanbul kamen wir schließlich ein bisschen verspätet weg, waren aber - nachdem ich von den fast drei Stunden Flug gefühlt zweieinhalb gepennt hatte - überpünktlich in Frankfurt. Leider standen wir wieder am Dreier, sodass wir langwierig zur Einreise gefahren werden mussten (nachdem die Bundespolizei am Flieger schon vorkontrolliert hatte). Während die Einreise schnell ging, war das bei der Gepäckausgabe nicht der Fall, aber am Ende war ich zwei Stunden nach der Landung in meiner Bude.

Sherry ist heute irgendwie doch nicht, weil ich erstmal duschen wollte, aber gleich, zwischen den Confed-Cup-Spielen, gibt es voraussichtlich noch eine Pizza, das wird auch gut ...

Eine Kleinigkeit wollte ich die ganze Zeit noch erwähnen: In Georgien und Abchasien bekreuzigen sich die Menschen ständig, so zum Beispiel, wenn sie einer Kirche vorbeigehen oder -fahren, vor dem Abflug, aber sogar vor der Abfahrt im Bus und manche sogar beim Aufstehen nach dem Essen ... Naja, wenn's hilft ...

So, jetzt ist die Reise auch wieder um - schön war's, ein bisschen anstrengend schon auch, aber da waren wieder so viele schöne Erlebnisse darunter, dass ich auch nach dieser Reise sage: Es hat sich gelohnt. Ob das nun der Blick vom Südtor der Zitadelle in Erbil auf die Stadt, das Erlebnis des Fastenbrechens ebenda, der Südsee-Bosporus, Nowy Afon in Abchasien oder der fantastische Blick auf den Kaukasus war - überall war es schön.

Von der Entspanntheit der Leute im Nordirak war ich sehr angenehm überrascht. Klar, ich wusste vorher, dass es da relativ sicher ist, aber irgendwie wundert man sich dann doch ein bisschen, dass die Leute sich nicht ständig nach Scharfschützen umgucken, nicht ständig irgendwelche Einlasskontrollen sind, das Leben dort seinen völlig normalen Gang geht.

Die Sprachbarriere in Abchasien war definitiv vorhanden (in Georgien sprechen sehr viel mehr Leute Englisch), aber dieses Dartspielen auf der Speisekarte und schauen, was man kriegt, finde ich auch immer wieder interessant ... Dass ich totaler Exot war, ist klar, aber das wundert mich nach den Erfahrungen an der Grenze auch nicht wirklich. Mein älterer Bruder fragte mich, ob ich das entwürdigend fand - naja, eigentlich fand ich es vor allem ziemlich bescheuert ...

Irak ja, Istanbul auf alle Fälle, Georgien ist auch schön, naja, und Abchasien, vielleicht gibt es auch Leute, die mehr Glück haben ...

Nächstes Jahr ist die WM in Russland, und ich denke mal, dass ich auch bei dem fünften Fußball-Großereignis in Folge versuchen werde, an Karten zu kommen. Ein Zwischenstopp in Kasan könnte anstehen, und zwar auch, wenn Deutschland da nicht spielt, denn die Syrerin, die meine beiden Briten und ich 2009 besucht hatten, ist inzwischen mit ihrer Familie in Kasan gelandet - die würde ich schon gerne wiedersehen.

Nun, und Südossetien fehlt mir jetzt noch als das letzte der Länder, die als europäisch zähle. Vielleicht ergibt sich da ja nächstes Jahr, von Russland aus, auch etwas - wir werden sehen ...

Nochmal Fähre fahren ...

Einfach verkackt

... haben die Abchasen das am ersten Tag, um mal den Fachausdruck aus der Tourismusforschung zu verwenden, auch wenn er ein bisschen derb ist, aber so ist nun einmal die Situation ... Und wie so oft waren es die Grenzer, die den schönen Spruch meines Uni-Rektors, den ich hier auch schon öfter zum Besten gegeben haben, wieder einfach bestätigt haben: You never get a second chance to make a first impression. (Du kriegst keine zweite Chance, um einen ersten Eindruck zu machen.)

Ich bin gestern - für meine Verhältnisse in diesem Urlaub relativ spät, so gegen 20 Uhr - noch ins Apra gegangen (draußen am Steg, wo ich auch schon zu Mittag gegessen hatte). Diesmal nahm ich mir mehr Zeit, die Karte zu studieren (und ein Studium ist das Russische immer noch regelmäßig für mich, weil ich das Ganze zwar - mühsam - lesen kann, aber natürlich die meisten Worte nicht verstehe, selbst wenn ich sie entziffert habe; aber es wird, wenn ich mal ein paar Wochen im russischen Sprachraum wäre - haha -, bekäme ich das mit der Zeit hin mit dem Essenbestellen ohne zu verhungern, wobei das jetzt ja auch geklappt hat), und siehe da: Ich konnte den "Salat Waldorf" mit krevetki (Garnelen) und rukkola entziffern, prompt war die Vorspeise gebongt. Als Hauptspeise nahm ich ein stek vom Rind ("Rind" kriegte ich am zweiten Tag dann entziffert), dazu wieder eine abchasische Soße und irgendwas mit kartofel, was für einen Deutschen dann doch verständlich ist.

Am Ende bekam ich sowas wie eine Pizza mit vier Garnelen, Rucola-Salat, Apfelschnitzen und Walnüssen (nein, Mutter, wir fahren hier trotzdem nicht her, auch wenn die hier viele Sachen mit Walnüssen anrichten), das war wirklich lecker. Und mein Surf & Turf wurde von einem Steak vervollständigt, das zwar ein bisschen zu durch war, aber ansonsten, vor allem aufgrund der Gewürzmarinade, ganz hervorragend war. Da habe ich mir gestern Abend tatsächlich was gegönnt (der gekaufte Schokoladenkuchen war ganz okay, die Kugel Eis eher naja) und am Ende 28 Euro oder so gezahlt in einem der, nein im bestgelegenen Restaurant in Suchumi ... Lecker war's. Und falls es mich doch noch einmal irgendwann nach Abchasien verschlägt, werde ich dort wieder essen ...

Heute Morgen war ich um 4.30 Uhr wach, und obwohl ich nicht viel geschlafen hatte, fühlte ich mich irgendwie ausgeruht. Meine Blase am Ringzeh war auch deutlich weniger schmerzvoll geworden, sodass ich voller Elan aufstand, duschte, meine sieben Sachen packte und um 8.30 Uhr auscheckte. Die haben sich bei meinen Minibar-Entnahmen vertan, weil sie mir nur zwei statt vier Sachen abgerechnet haben, aber meine Versuche, das aufzuklären (indem ich in kyrillischen Buchstaben malte, was ich hatte ...), fruchteten nicht - na gut, dann zahlte ich eben nur zwei Entnahmen, auch gut ...

Mein Fahrer war überpünktlich um 8.45 Uhr da (nachdem ich noch ein Auto mit Dresdner Kennzeichen vor dem Hotel entdeckt hatte) und hatte sich zur Feier des Tages sogar ein frisches Hemd angezogen, sodass wir um 8.50 Uhr schon in Richtung Grenze unterwegs waren.

Die Fahrt war gemächlich (er fragte, ob es okay sei, wenn er nur 80 statt 120 führe, was ich bejahte - meinen Bus um 19 Uhr würde ich ja hoffentlich erreichen - Spannungsbogen, merkt man, gell?), und weil heute richtig gutes Wetter war, hatten wir einen fantastischen Ausblick auf den Kaukasus.

Der Fahrer fragte (und ich gebe den Originalwortlaut des längsten Gesprächs wieder, das wir in den beiden Tagen unserer Geschäftsbeziehung hatten): "Abkhazia good?" Ich antwortete: "Abkhazia da, granitsa njet." ("Abchasien gut?" "Abchasien ja, Grenze nein.") Er brummte Zustimmung und hatte verstanden ...

Liebe Abchasen, wenn die ersten Stunden an der Grenze nicht gewesen wären, würde ich euer Ländchen zwar nicht euphorisch, aber doch für einen entspannten kleinen Abenteuerurlaub wirklich empfehlen; das waren hier keine monsterschönen Strände, und natürlich ist es mühsam, dass außer der - einen - Hotelrezeptionistin wirklich kein Mensch auch nur drei Worte Englisch spricht, aber andererseits ist das irgendwie lustig ... Man verhungert nicht, jedenfalls dann, wenn man sich bemüht, sich kurzzeitig ein paar Brocken Russisch anzueignen, und man kommt dorthin, wo man hinwill (auch wenn ich sicher mehr gezahlt habe als ein Einheimischer, keine Frage), es gibt ein paar schöne Sächelchen zu sehen, und schwimmen gehen kann man auch ganz gut, auch wen die Kiesstrände nicht das Nonplusultra sind, vor allem nicht, wenn es vorher Hunde und Katzen geregnet hat. Aber mit dem Verhalten eurer Grenzer, liebe Abchasen, haben die euch so richtig schön fett ins Knie geschossen, tut mir leid.

Es kam die Stunde der Wahrheit: die Ausreise ... Ich stellte mich in der Schlange an, ging am Zoll vorbei, wurde zurückgepfiffen, tat etwas, was mir leicht fällt, und stellte mich dumm und unverständig, die Zöllner winkten mich weiter und lachten, die ganze Schlange lachte über den Witz auf meine Kosten, aber das ist mir sowas von wurscht, das könnt ihr gerne machen ...

Und dann, liebe Leute, geschah das Unfassbare: Der Typ, der einem das Kontrollhäuschen zuwies, war - man halte sich fest - freundlich und zeigte gar ein L-ä-c-h-e-l-n! Man glaubt es nicht, es ist ganz und gar unfassbar - ein abchasischer Grenzer, der dir nicht das Leben schwermacht, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es als Fake News bezeichnen.

Das Strohfeuer abchasischer Grenzerfreundlichkeit loderte nur kurz, denn der eigentliche Kontrolleur legte wieder die sowjetische Art der Freundlichkeit an den Tag, fragte, ob ich Russisch spräche, was ich verneinte, woraufhin er sein Kabuff verließ und wild in der Gegend herumlief, erst nach hinten, dann nach vorn, schließlich war er weg - das konnte ja heiter werden ...

Drei Minuten später war er wieder da, gab mir meinen Pass, murmelte was von "okay" und ich machte, dass ich wegkam ..

Als ich auf der Brücke und damit außerhalb des Zugriffsbereichs der Abchasen war (jedenfalls vermute ich, dass die Brücke sowas wie Niemandsland ist und die Abchasen meinetwegen keinen Krieg anfangen wollten), atmete ich erstmal auf - schade, dass es soweit kommt, aber Abchasien ist jetzt neben Aserbaidschan das zweite Land, wo ich einzig und allein aufgrund der Grenzer sage, dass ich da freiwillig nicht mehr hingehe.

Ich lief - in sommerlichen Temperaturen, d. h. ich schwitzte, und mit tollem Blick auf den Kaukasus - über die Brücke, betrat wieder unumstritten georgischen Boden, der georgische Grenzer, äh, nein, Polizist plusterte sich schon auf, um mich zu sich zu zitieren, als er sah, dass ich ja freiwillig kam, diesmal war er genauso wortkarg wie ich und bedeutete mir mit einer Handbewegung, ich solle verschwinden. Naja, besser unfreundlich als langwierig, würde ich sagen ...

Der Taxifahrer, die mich in sein Taxi verfrachtete, war insgesamt sehr übereifrig, sodass ich ihm extra nochmal mit meinen zehn Fingern (ja, auch ich habe zehn Finger ...) den Fahrtpreis signalisierte, was er zur Kenntnis nahm. Als wir zu meiner Busgesellschaft kamen, fuhr gerade der 12-Uhr-Bus raus, den ich nicht gebucht hatte, was meinen Fahrer aber nicht davon abhielt, zunächst hinter dem Bus herzufahren und diesen dann - ernsthaft! - auszubremsen, um dem Fahrer zu signalisieren, dass ich noch mitwolle (was ich ja gar nicht wollte). Der Fahrer zeigte ihm wahrscheinlich den Vogel, ich machte jetzt auch ganz besonders deutlich, dass ich nur zur Haltestelle wollte, und jetzt sah er es auch ein.

Den Fahrtpreis hatte er mit 17 Lari verabschlagt, was überhaupt nicht in die Tüte kam, und mit zehn Lari (immer noch genug) zog er auch ab, weil der Schlingel genau wusste, dass er mit mehr einfach wirklich nicht durchkam.

Nach einiger Verwirrung konnte ich mein Gepäck für den 19-Uhr-Bus (die haben einfach den Bus von 18 auf 19 Uhr umgestellt, ohne mich vorab zu informieren, was ja auch nicht die feine englische Art ist, mir aber relativ egal war) unterstellen und ich lief, befreit von allem, zu Fuß zu meiner Stammkneipe in Sugdidi. Dort landete ich gegen 12.30 Uhr, wollte kein Bier dort trinken und stattdessen Wein haben. Naja, die hatten nur Dreiviertelliterflaschen, also nahm ich eine Dreiviertelliterflasche, und dazu Wasser und Cola sowie eine mingrelische Spezialität, Huhneintopf in einer sehr würzigen (und sehr knoblauchigen) Soße. Sehr, sehr lecker, vor allem, weil ich mit viel Brot noch die Soße halb austupfte ...

Beim Bestellen des zweiten Wassers bekam ich einen freundschaftlichen Anschiss, ich solle mehr Wein und weniger Wasser trinken, dem ich aber nicht folgte, aber ob des Konsums von so viel Wein und so viel Knoblauch bekam ich gegen 15 Uhr das Gefühl, ich müsste noch ein paar Chinkali bestellen (ich hatte ja auch nicht gefrühstückt). Naja, gesagt, getan, und gegen 17.45 Uhr konnte man mich aus dem Lokal herausrollen.

Ich marschierte zur Bushaltestelle, stand dort noch eine Dreiviertelstunde im Schatten herum, und dann konnten wir einsteigen.

Ich schaute zwei Filme, die ich schon kannte, auf Russisch an (beim zweiten schenkte ich mir den Ton und hörte zum Film Musik), surfte ein bisschen im Internet und vertrieb mir so die Zeit. Unterwegs setzte sich mein Nebenmann nach hinten in den Bus, sodass wir beide mehr Platz hatten. Mit etwas Verspätung kamen wir um 0.30 Uhr am Busbahnhof in Tiflis an, ich wurde praktisch sofort von einem Taxifahrer beschlagnahmt, der mir einen sehr vernünftigen Preis zum Flughafen anbot (ich habe mich also am Mittwoch bei meiner Ankunft abzocken lassen, was für eine Überraschung ...) und los ging's; naja, fast ging's los, denn das war ein japanisches Auto, und als ich auf der rechten Seite einsteigen wollte, lachte der Fahrer, weil das bei dem Auto die Fahrerseite war. Ich lachte, bot ihm an, selbst zu fahren, worauf er nicht wirklich einging, und setzte mich auf die andere Seite.

Am Tifliser Flughafen sind sie insofern unter die Unvernünftigen gegangen, als dass sie eine Eingangskontrolle zum Gebäude aufgebaut haben (aber unter die Vernünftigen, was die echte Sicherheitskontrolle betrifft, denn die ist jetzt vor der Passkontrolle und vor allem muss man die Schuhe nicht mehr ausziehen), aber das überstand ich auch. Ich verzog mich auf die Toilette, um meine neuen Kontaktlinsen herauszunehmen (ich habe mir in Sugdidi Augentropfen als Kontaktlinsenflüssigkeit andrehen lassen, aber mein Georgisch ist halt echt nicht so der Brüller ...), wartete ein wenig und konnte dann - an chaotischen Schaltern - einchecken.

Jetzt sitze ich in der Lounge, in einer knappen Stunde wird geboardet.

In Istanbul habe ich planmäßig fünf Stunden und zwanzig Minuten Aufenthalt, das ist zum Leben (in die Stadt fahren) fast ein bissel zu wenig und zum Sterben (am Flughafen bleiben) zu viel. Mal sehen, wie wir weg- und ankommen, vielleicht werden aus den fünfeindrittel ja fünfdreiviertel Stunden und dann würde ich einmal in die Stadt fahren, Fähre hin und zurück und wieder zum Flughafen. Bescheuert? Ich? Nein! Erstens, weil ist nicht, und zweitens, weil Fährefahren in Istanbul immer geht ...

Ich werde berichten, was ich in gut zwölf Stunden bis zu meiner Ankunft in Deutschland noch so angestellt habe.

Sonnenuntergang gestern in Suchumi

Blick auf den Kaukasus heute auf der Fahrt zur Grenze

Freitag, 16. Juni 2017

Warum nicht gleich so?

Heute war ein wunderbarer Tag, und auch wenn die Abchasen heute vieles dafür getan haben, dass ich mich hier wohlfühle, sind die Aktionen von gestern damit noch nicht vergessen, damit das klar ist!

In der Nacht gab es ein Donnerwetter, das sich gewaschen hatte, wieder einmal mit Starkregen und allem Drum und Dran - die Klimaanlage hier im Zimmer funktioniert nicht, jedenfalls nicht so, wie Klimaanlagen normalerweise funktionieren (nämlich, dass sie anspringen, wenn man auf "On" drückt), also ließ ich das Fenster auf, um ein bisschen kühle Seeluft hereinzulassen - naja, und wenn es dann blitzt und donnert, dann hört man das halt.

Ich war gegen 6 Uhr war, sodass es nicht schlimm war, dass ich vergessen hatte, den Wecker auszuschalten, denn ich war halbwegs ausgeschlafen und hatte gar nicht mal sooo schlecht gepennt.

Ich machte mich in Ruhe fertig, verzichtete spontan auf das Frühstück und spazierte stattdessen an der Strandpromenade entlang in Richtung eines angeblich recht schönen Strandes.

Die Strandpromenade ist einige Kilometer lang und durchaus schön, mit vielen Bänken (auch im Schatten), Spielplätzen, kleinen Kneipchen und vielen Tourveranstaltern, die aber natürlich nur Russisch sprechen. Der Strand sieht mehr oder weniger einladend aus, für mich Westler ist halt ein Sandstrand schon deutlich attraktiver als der Kies(elstein)strand, der hier die Norm ist. Das Meer sah dort, wo die beiden Flüsse noch nicht so viel Sediment hingetragen hatten, auch ganz akzeptabel auch, selbst wenn das natürlich kein Südsee-Traumstrand hier ist.

Ich lief und lief, irgendwann war die Promenade zwischenzeitlich zu Ende, ich lief weiter neben und auf der Straße, bis irgendwann aufgrund des Starkregens die Straße dermaßen überflutet war, dass ich da trockenen Fußes nicht mehr durchgekommen wäre ...

Ich drehte also um, ging wieder zur eben begangenen Strandpromenade und guckte mir ein Plätzchen aus, an dem ich mal meinen Zeh ins Wasser strecken sollte. Es gibt hier an den Strandabschnitten viele behelfs-, aber zweckmäßige Duschkabinchen, in denen man sich auch umziehen kann - das ist immer wieder sehr praktisch.

Ich wackelte (meine Füße sind das Barfußgehen auf Kieselsteinen definitiv nicht gewohnt) in Richtung Wasser, das kalt, aber nicht zu kalt war, und das von der Sauberkeit her auch, naja, nicht zum sofortigen Hautausschlag führen sollte (das heißt nicht, dass ich mir nicht einen hübschen - leichten - Sonnenbrand abgeholt hätte ...). Joa, und dann war ich im Wasser, das Schwarze Meer war heute ganz schön wellig, das hat durchaus Spaß gemacht im kühlen Nass - scheee ..

Ich duschte mich kurz ab, ließ mich lufttrocknen und zog mich wieder an, ehe ich mich noch ein paar Minuten in Flipflops auf eine Bank setzte und den Ausblick auf die tiefgrüne Berglandschaft genoss, die sich hier zu allen Seiten hin kurz hinter dem Strand auftürmt - das kann hier ein richtig schönes Plätzchen Erde sein (die Russen, die hier in Scharen einfallen, sind ja auch nicht alle doof) ...

Ich lief zurück und entschied mich, das Restaurant Apra zu versuchen, das hier auf dem einen Steg (der nicht so baufällig ist) ganz draußen liegt. Die Inneneinrichtung ist kühl-modern, man hat einen tollen Ausblick aufs Meer (noch toller, wenn es nicht so schlammig-braun ist) und auf die Berge, es kommt westliche Musik (einschließlich eines mir völlig unbekannten deutschsprachigen Liedes), das Bier ist trinkbar, das Essen gut essbar (ich war diesmal klüger als gestern und bestellte zu meinem - teuren, aber leckeren - Fisch eine Beilage und eine Soße dazu), nur leider haben sie kein WLAN, aber das kommt auch nochmal irgendwann ...

Ich zahlte am Ende 20 Euro, was angesichts der Lage sehr vertretbar ist, und suchte mir - schwerer als gedacht - ein Taxi, denn ich wollte nach Nowy Afon, nach Neu-Athos, einem Kloster in einem gleichnamigen Ort zwanzig Minuten oder so von hier entfernt.

Mein Taxifahrer, ein etwas brummiger, älterer Herr in einem Automobil mit russischem Kennzeichen, trieb sein Autochen über die - meist wunderbare - Bergstraße (überhaupt sind die Hauptstraßen hier in aller Regel sehr gut, das gilt für Abchasien wie für Georgien, auf den Nebenstraßen wird's dann aber gelegentlich sofort kriminell), vorbei an zwei Kriegsdenkmälern und dann die - schlechte - Straße hinauf zum Kloster.

Er bot an zu warten und mich nachher zurückzufahren (den gleichen Vorschlag wollte ich ihm unterbreiten, weil das eine Win-Win-Situation war - er musste nicht leer zurück und ich musste kein neues Taxi suchen).

Das Kloster sieht von außen schonmal toll, in diesen schönen warmen Ocker- und Rottönen, und innen kommt man in einen Hof, der hauptsächlich von der Kirche des Klosters in Anspruch genommen wird.

Die Frauen trugen alle Kopftuch (manche durchaus modisch, andere naja ...) und Rock (das konnte man sich am Eingang alles ausleihen) und auch mancher Mann mit kurzen Hosen wurde zu einem Rock verdonnert, das sah gelegentlich lustig aus.

Die Kirche selbst ist der absolute Wahnsinn. Ich bin ja sowieso ein großer Freund der buntbemalten orthodoxen Kirchen, aber die hier konnte es mit allen orthodoxen Kirchen, die ich so schon gesehen habe, ohne Probleme aufnehmen. Die Fotos (am Ende des Textes - am Ende, habe ich gesagt, erst wird hier weitergelesen!) zeigen das besser als ich es beschreiben könnte - das ist einfach toll. Und wenn die Abchasen und die Georgier nicht ihren politischen Streit hätten, wäre das Teil selbstverständlichst schon lange auch offiziell Weltkulturerbe. Grandios!

Ich kam aus der Klosteranlage wieder raus, da kam auch schon mein Taxifahrer angetuckert. Seine Englischkenntnisse beschränkten sich auf "Good?", wo ich wild nickend und "da, da, da" sagend bestätigte. Wir fuhren wieder die schlechte Straße runter, und er fuhr einen anderen Weg als wir gekommen waren - den Grund sah ich auch gleich, denn er fuhr mich zu einem schönen Kirchlein und einem durchaus ansehnlichen Wasserfall, sodass ich natürlich auch gleich ausstieg und mir das aus der Nähe anschaute.

Den Schlepper, die da allerlei Nippes verkaufen wollten, konnte ich wahrheitsgemäß verklickern, dass ich sie nicht verstand, und der Wasserfall ist durchaus sehenswert, wenn auch natürlich kein Weltnaturerbe ...

Spätestens als mir mein Fahrer von seinem (unanbrochenen) Getränk anbot und bei meiner - höflichen - Ablehnung ein wenig knurrte, woraufhin ich doch zwei Schlucke nahm, reifte in mir der Plan, ihn am Ende unserer heutigen Reise (für die er, was ich normalerweise nicht mache bei vorher vereinbarten Taxipreisen, auch ein Trinkgeld bekam) zu fragen, ob er mich morgen auch zur Grenze fahren will.

Als wir in Suchumi am Hotel waren, besprachen wir mit Händen und Füßen den morgigen Schlachtplan, und so wird er mich morgen um 9 Uhr hier am Hotel abholen und mich die eineinhalb Stunden (in dem Gefährt braucht er so lange) zur Grenze am Ingur bringen. Geld habe ich jetzt ja genug, das muss ich ja irgendwie unter die Leute bringen ...

Um 18 oder 19 Uhr (das muss ich noch herausfinden, weil es da widersprüchliche Angaben gibt), fährt mein Bus in Sugdidi ab, das sollte doch reichen - hoffe ich ...

Achso, vor dem Hotel hängen die Flaggen der Länder, die Abchasien diplomatisch anerkannt haben, also Russland, Nicaragua, Venezuela und Nauru (dazu Südossetien natürlich); Vanuatu und Tuvalu haben sie hängen lassen, obwohl die ihre Anerkennung nach ein paar Jahren wieder zurückgezogen hatten - sähe sonst ja auch ein bisschen trostlos aus, wenn die Fahnenmasten leer blieben ... Und außer so Flaggenfetischisten wie mir merkt das ja vielleicht auch keiner ...

Jetzt gehe ich nochmal duschen, ehe ich mich ins Suchumer Nachtleben werfe - allzu sehr werfen werde ich mich aber nicht, denn morgen sollte ich ja dann doch fit sein, wenn es binnen 28 Stunden oder so aus Abchasien über Georgien und die Türkei wieder zurück nach Deutschland geht ...

Ich denke, ich kann morgen am Flughafen in Tiflis dann nochmal posten - wird aber 22, 23 Uhr deutscher Zeit, fürs Frühstück am Sonntag reicht's aber, denke ich ...

Fotos mit einer etwas verdrehten Reihenfolge - sorry:

Strandpromenade

Neu-Athos

Neu-Athos

Hauptkirche in Neu-Athos

Innenraum der Kirche

Das Kloster

Blick aufs Meer
Innenraum der Kirche
Detail im Innenraum

Hübsches Wasserfällele
Korrektur am 17. Juni: Dass das mit "dass" und "das" eigentlich nicht so schwer ist, heißt noch lange nicht, dass man sich im Eifer des Gefechts nicht mal  vertippt. Das habe ich korrigiert ...