Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Montag, 31. Oktober 2016

O say can you see

... ein paar Fotos?

Ich glaube, ich bin gestern den ganzen Tag mit einem Grinsen im Gesicht durch die Gegend gelaufen (außer, als ich dann nach einem Taxi gesucht habe ...).

Mit einer Nacht Abstand (sorry): Saugeil ...

Von London habe ich genau gar nix gesehen (also natürlich Wembley und die Ringautobahn ...), aber der geneigte Leser weiß ja, dass ich jetzt auch kein so'n Riesen-London-Fan bin. Wobei ich auch hier wieder sagen muss, dass die Engländer sehr freundlich waren, diesmal sogar in London (was ich bisher nicht so kennengelernt hatte).

Viele Menschen schimpfen über den Flughafen Heathrow, aber über das Terminal 5 kann ich nicht viel Negatives sagen, außer dass sie die Gates ein bisschen früher anschreiben könnten.

Die U-Bahn-Fahrt vom Flughafen zum Stadion hat mich 3,10 Pfund gekostet, etwa 3,50 Euro, da kann man wirklich nix sagen. Wenn man das dann mit der Taxifahrt mittelt, passt das schon irgendwie ... (Und dass man sich mit der kontaktlosen Kreditkarte in die U-Bahn ein- und auswählen kann, ist zwar ein datenschutzrechtlicher Super-GAU, aber natürlich auch extrem praktisch, weil man sich nicht so eine Oyster Card besorgen muss.)

In dem Zusammenhang fällt mir gerade auf, dass ich in Großbritannien - bis auf die Inderin, die ich auf dem Laufband am Flughafen umkurvte, was wir beide mit einem Lächeln quittierten - zwischen Aussteigen aus dem Flieger und der Ankunft im Hotel, um meine Karte abzuholen, mit keinem Menschen interagiert habe: Ich musste weder bei der Einreise mit enem Grenzer sprechen noch musste ich eine Fahrkarte bei einem Verkäufer erwerben, das finde ich ja eigentlich schon ganz interessant ...

So, und auch wenn ich vorzeitig aufbrechen musste, naja, jedenfalls vorzeitig aufgebrochen bin, kann ich mit großer Freude sagen, dass ich alle Punkte des Spiels gesehen habe ...

Doch, das war ganz schick gestern ...

Jetzt aber Fotos:

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts ...

Da ist das Objekt der Begierde - und daneben eine Eintrittskarte ...

Wembley von außen ...

... und von innen

Show must go on ...

Kick-off

Kaum aus den Augen

… habe ich eben meine Kontaktlinsen bekommen, und das lag nicht nur daran, dass sie so uralt sind, sondern auch daran, dass ich sie jetzt knapp 20 Stunden in den Augen hatte.

Gestern Morgen wachte ich auf und irgendwie kam ich darauf, dass heute in London das letzte Spiel der NFL International Series stattfindet. Genauso irgendwie guckte ich mal nach, ob es noch Karten gibt. Es sah zwar auf der ersten Seite so aus, aber wenn man wirklich nach Karten suchte, waren alle weg. Naja, wäre ja sowieso ein Schnapsidee gewesen, und der Rückflug würde sowieso knapp werden, besonders, wenn das Spiel in die Verlängerung gehen würde …

Am Nachmittag guckte ich nochmal, gab wieder nix, aber über eine Wiederverkäuferseite konnte man noch Karten kriegen, natürlich mit ein bisschen Aufschlag, für den „great service“ der Wiederverkaufsseite … Ich schaute nochmal, ob es Flüge gibt, und obwohl die 10-Minuten-Frist zum Kauf der Karte schon abgelaufen war, klickte ich auf das „Jetzt kaufen“ - und bums, war ich im Besitz einer Karte für das Spiel heute. Dachte ich.

Nach ein paar Minuten kam auch die finale Bestätigung, dass ich die Karte hätte – prompt buchte ich den letzten Sitzplatz im British-Airways-Flieger heute Morgen um 7.25 Uhr ab Frankfurt nach London-Heathrow. Wow. Aller guten Schnapsideen 2016 sind drei, aber das war jetzt wirklich total bekloppt …

Heute Morgen wollte ich um 4 Uhr aufstehen, war schon um 3.30 Uhr war, duschte und war weit vor 5.11 Uhr am Wiesbadener Hauptbahnhof. Ich kaufte eine Tageskarte (!!) Wiesbaden-Flughafen und setzte mich mit Frühstück und Zeitschrift bewaffnet in den Zug. Um viertel vor sechs war ich am Flughafen, stieg in die Flughafenbahn, reiste aus und war um kurz nach sechs Uhr im Gatebereich. Meine tolle Loungekarte war heute sinnlos, weil die Lounge erst um 6.45 Uhr aufmacht, da war schon Boarding angesagt.

Wir stiegen in den Flieger ein und bekamen die Ansage, dass wir wegen - surprise, surprise - Nebels in Heathrow erst mit eineinhalb Stunden Verspätung in Frankfurt abfliegen würden, soweit sich das Wetter nicht bessere (tat es nicht).

Die Informationspolitik von British Airways war vorbildlich, der Flugkapitän höchstpersönlich ging ein paar Mal durch die Reisen und beantwortete sehr geduldig und freundlich Rückfragen von Passagieren - sehr cool.

Als wir einmal rollten, ging der Flug dann schnell, aber in Heathrow war's wirklich neblig, ich sah erst dann etwas anderes als "weiß", als wir praktisch schon unten waren ...

Die Einreise ging - am Automaten - sehr fix und schnell war ich auch in der U-Bahn, in die ich mit meiner kontaktlosen Kreditkarte (im zweiten Versuch) eincheckte. Mit der Piccadilly-Line ging es bis zum Green Park (oder so) und von dort mit schon vielen Football-Fans bis zum Wembley Park.

Halleluja, da war die Hölle los um kurz nach 11 Uhr. Ich musste ja erstmal meine Karte holen und lief schnellen Schrittes, aber entspannt zum Holiday Inn. Dort fand ich schnell die Abholsuite, aber als die Dame meine Daten aufrief, meinte sie, da gäbe es ein "issue", ein Problem(chen). Ob ich denn nicht informiert worden sei? Nein! Verfluchter Mist, verfluchter! Mein Handy funktionierte nicht, sie schrieb E-Mails, dann funktionierte mein Handy und ich erwischte deren Hotline, während die mich gerade zu erreichen versuchte. Argh. Am Ende bekam ich nach vielen Wirren eine bessere Karte als ich ursprünglich gekauft hatte - wenn sie mir jetzt die 20 Pfund Aufpreis noch berechnen, dann ist es mir heute auch wurscht, so viel Geld, wie ich heute durch die Welt geblasen habe ...

Nun hatte ich also meine Karte und ging, nachdem ich auf den Schreck in der Hotel-Lobby ein Bier herunterstürzte, in Richtung Wembley-Stadion. Wow. Es war neblig, aber den Bogen konnte man trotzdem sehen, die Engländer sind ja meist sehr freundlich, so auch die am Eingang, selbst wenn man am falschen Einlass ist.

Die Personen- und Taschenkontrolle war eher lasch, und schon war im Wembley-Stadion! Ich ging erstmal an meinen Platz und war völlig beeindruckt. Klar, ich war schon in ein paar Stadien auf diesem Planeten, aber in Wembley zu sitzen, das ist schon cool ...

Ich aß ein gar nicht so unschmackhaften Burger mit Pommes, trank noch ein Bier und war gerade zu den Hymnen fertig mit dem Essen.

Hymnen. Naja, die Amis halt. Sehr viel Pathos, auch bei den Briten, zumal in zwei Wochen auch noch Remembrance Day ist, da wurden viele Veteranen geehrt und gefeiert und beklatscht. Bei der Hymne aber war dann schon Gänsehaut, vor allem, weil das ganze Stadion (außer mir, haha, ich musste Fotos machen) die Choreografie mitmachte. Sah schon schick aus.

Das Spiel war hochspannend, es wogte hin und her, es gab verschossene Extrapunkte und verschossene Field Goals, es war sehr interessant, zumal man wirklich auch in aller Regel gut sehen konnte, wo der Ball gerade ist ...

Es kam aber, wie es kommen musste: Mit fast der letzten Aktion des Spiels fiel der 27:27-Ausgleich, und mir wurde jetzt unwohl. Ich guckte noch ein paar Minuten zu, aber dann machte ich mich - während der Verlängerung und zunehmend panisch - auf den Weg zu einem Taxi, denn mit der U-Bahn würde es, so dachte ich, jetzt zu knapp werden.

Am Stadion fand ich nix, also lief ich - immer noch schnellen Schrittes, aber ganz und gar nicht mehr entspannt - in Richtung der Hotels. Da standen auch keine Taxis (und ich war weiß Gott nicht der Einzige, der schon vor Spielende wegmusste), also lief ich zur ersten größeren Straße und fand dort - zum Glück - ein Taxi im Stau stehen.

Der Fahrer wendete und mit einigem Stau kamen wir eine Dreiviertelstunde später - um 18 Uhr - am Flughafen an. Ich war also komplett rechtzeitig gekommen und hätte vielleicht gar nicht so einen Stress machen müssen, zumal der Flieger noch zwanzig Minuten Verspätung hatte. Argh. Und das Taxi war natürlich nicht gerade billig ...

Mein Handy hatte inzwischen schlappgemacht, meine neue Bordkarte konnte ich am Automaten nicht ausdrucken, aber auch hier war der Typ dort am Check-in sehr freundlich und druckte mir mit Administratorrechten die Karte aus. Die Sicherheitskontrolle ging leidlich schnell, aber mein Gate stand noch gar nicht fest, sodass ich warten musste, bis die es um 19 Uhr endlich anschrieben.

Boarding ging schnell, Flug auch, Einreise in Deutschland nicht (die haben intelligenterweise abends wohl die Automaten ausgestellt, ts), die S-Bahn hatte wieder Schienenersatzverkehr, deswegen nahm ich die spätere, die bis Wiesbaden durchfuhr, und um ziemlich genau 0 Uhr war ich in meiner Bude.

Ein genialer, anstrengender, bekloppter, schöner, stressiger Sport-Sonntag geht jetzt zu Ende. Nochmal machen? Ja, aber dann mit ein bisschen mehr Vorlauf und einem Tag mehr in London, damit ich nicht wieder für 20 Stunden einen mittelprächtigen dreistelligen Betrag verbrate.

An Schnapsideen habe ich jetzt für die nächsten ..., ähem, Monate (oder vielleicht doch nur Wochen?) genug - Irland kommt noch, aber 2016 war schon jetzt ein verrücktes, schönes, tolles, fantastisches Reisejahr.

Achja, die britischen Fernsehleute hatten vor dem Spiel die American-Football-Spieler englische Sportbegriffe erklären lassen. Als der eine Typ das Abseits bei "unserem" Fußball richtig erklären konnte, jubelte ganz Wembley. Das war lustig ...
 
Bilder und vielleicht noch ein bisschen Nachklapp morgen oder in den nächsten Tagen. Over and out.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Hin und her

.. schwanken meine Mutter und ich gerade - wieder einmal - wegen Südostasien.

Wir saßen gestern mal wieder im Sherry und haben jetzt auf einmal folgenden Plan: über ihren Geburtstag eine Woche irgendwo an den Strand und dann im Mai nach Südostasien - ob wir uns bei 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit oder bei 40°C und hoher Luftfeuchtigkeit einen abschwitzen, kann uns dann fast wieder wurscht sein (ich weiß, dass ich mich für diesen Satz nächsten Mai verfluchen werde, aber was soll's).

Wir haben uns dann spontan in Strände auf der philippinischen Insel Boracay verliebt, was zur Folge hat, dass da oben in der Karte nun die Philippinen auch mal gelb sind.

Wer auf die Karte schaut, sieht, dass dort auch Laos jetzt gelb eingefärbt ist. Das liegt daran, dass ich schonmal für den März (alter Stand!) nach vernünftigen Rundflügen geguckt habe, und die Strecke Bangkok - Siem Reap (Angkor) - Luang Prabang (alte laotische Hauptstadt) - Chiang Mai (Elefanten) - Mandalay - Bangkok kriegt man schonmal für unter 500 Euro pro Person, was für fünf Flüge nicht so schlecht ist, finde ich (auch wenn bzw. weil man da jedes Mal in Bangkok umsteigt ...).

Buchen kann ich leider noch nicht, weil ich noch nicht weiß, wann meine letzte Prüfung nächstes Jahr ist (ich bin inzwischen zuversichtlich, dass es tatsächlich meine letzte Prüfung sein wird) und wann das dafür zwingend zu besuchende Seminar stattfindet. Aber das werde ich wahrscheinlich in ein bis zwei Wochen wissen, und dann müssen wir mal gucken, ob ich dann schon buchen kann, wenn ich mit meinem Chef gesprochen habe.

Wenn ich die Prüfung am Freitag bestanden habe, hätte ich voraussichtlich noch 26 Urlaubstage nächstes Jahr, fünf bräuchte ich für die Philippinen, zwölf für die drei Wochen im Mai, sodass ich dann noch neun Tage hätte, das sind fast zwei Wochen ... Klingt nicht soooo schlecht ...

Dienstag, 4. Oktober 2016

Ich bin wieder hier

... naja, "mein Revier" würde ich das Rhein-Main-Gebiet nicht nennen, und ich war schon wirklich weg, und versteckt habe ich mich schon gar nicht ...

Gestern Morgen war ich um 5.45 Uhr in der Vertikalen und um 5.48 Uhr oder so am Strand. Um 5.50 Uhr genoss ich die letzten Minuten im Wasser, und es war so, so schön ... Unsere Chefin hatte uns zwar wegen Unterströmungen und so gewarnt, aber da ich eh meist nur im hüfthohen (und auf der Sandbank im kniehohen) Wasser stand, hatte ich da jetzt keine so großen Bedenken. Die Wellen kamen in schöner Regelmäßigkeit, Planschen ist einfach was Schönes.

Um Punkt 6.30 Uhr (da sag noch einer was von asiatischer Unpünktlichkeit) stand unser Frühstück auf dem Tisch, unsere Chefin hatte es sich nicht nehmen lassen, uns noch "was Kleines" zu machen - also gab es "nur" Früchte über Früchte wie immer und eine grüne Blattsuppe, die so lauwarm warm. Sah aus wie ein Smoothie, nur halt lauwarm, und schmeckte trotz der grässlichen grünen Farbe gar nicht sooooo schlecht ...

Unser Taxi war um 7 Uhr da (bzw. sogar ein bisschen früher) und fuhr uns durch den Schulverkehr zum Flughafen, wo wir genau zwei Stunden vor Abflug ankamen. Nach zwei (!) Gepäckkontrollen vor dem Check-in konnten wir ganz entspannt einchecken, wurden von einem freundlichen Grenzer ausgestempelt und tranken noch einen teuren Latte bzw. eine heiße Schokolade.

Unser Flug ging pünktlich, und diesmal hatten wir sogar in der Colombo-Maskat-Maschine eigene Bildschirme im Sitz, sehr schön ... Unser Steward war der gleiche wie auf dem Hinflug, und er erwies sich als sehr hilfreich, als ich kurz vor dem Start beim Handy fallenließ und dieses dann beim Start drei Sitzreihen nach hinten rutschte - er fand es, ich fand dann irgendwann auch meine Kopfhörer und dann konnte es losgehen.

Wir waren vorfristig in Maskat, und bis auf die Tatsache, dass unsere Schlange bei der Sicherheitskontrolle plötzlich stockte, weil der Bildschirmkontrolleur gleichzeitig eine Nachuntersuchung vornahm (und Bente mir glaubhaft versicherte, sie habe auf dem Bildschirm gegenüber eine Pistole im Handgepäck gesehen - bibber ...), waren wir ganz fix am Gate. Die Omaner boardeten ein bisschen früh, weil wir noch ein paar Minuten im Bus stehen mussten, ehe die Reinigungsarbeiten zu Ende waren. Dafür wurden wir aber mit einem relativ leeren (und besonders in den hinteren Sitzreihen, in denen ich immer meine Plätze aussuche, sehr leeren) Flieger belohnt: Nach der "Boarding completed"-Ansage setzte ich mich in die Dreierreihe in der Mitte und hatte die für mich ganz alleine. Sehr schön.

Filme über Filme guckte ich, ehe wir um 18.20 Uhr in Frankfurt einschwebten. Die Bundespolizei hat gerade alle Hände voll zu tun, immer schonmal am Gate vorzukontrollieren, aber die echte Einreise ging einigermaßen fix, das Gepäck kam bald, ein Souvenir wechselte noch den Inhaber, und nach dem Zoll trennten sich Bentes und meine Wege.

Die S-Bahn kam einigermaßen pünktlich, verspätete sich unterwegs, aber gegen 21 Uhr war ich schließlich in meiner Bude. Ich duschte noch und bin jetzt vom Jetlag getrieben ein bisschen früher auf als sonst.

Es war toll.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Not available

"Nicht verfügbar" waren heute einige Dinge, aber das war uns völlig wurscht ...

Heute Morgen sind wir erst richtig spät aufgestanden, naja, ich war zwischendrin um 7 Uhr mal auf und beantragte bei unserer Chefin Toilettenpapier, was auch postwendend kam (am Abend erläuterte sie uns dann, dass Sri-Lanker kein Toilettenpapier benutzen, sondern sich mit dem neben jeder Toilette befindlichen Schlauch nach dem Toilettengang waschen). Um 10 Uhr war Bente wach, um 10.30 Uhr setzte ich mich an den gedeckten Frühstückstisch, wie in den Tagen zuvor am Strand mit wunderbarem Blick aufs Meer, einfach toll.

Heute gab es neben vielen Früchten in Streifen geschnitte Teigware mit kleinen Fischchen zwischendrin und dazu sehr leckeren Tee. Wie jeden Tag war das Frühstück also ganz hervorragend, und zwar nicht nur wegen der location, sondern auch ganz entschieden des Geschmacks wegen ...

Den Rest des Vormittags und den Abend verbrachten Bente und ich am Strand, im Meer oder in unserem Bungalowchen. Wir genossen die Sonne, die Wellen und ich zwischendurch an einer Strandkneipe nebenan auch ein Bierchen oder zwei ...

Nach dem letzten Schwimm gegen 17 Uhr duschten wir und gingen in eine andere Strandkneipe zum Abendessen. Das Lion Beer, das wir haben wollten, war not available, dafür Tiger Beer, das zwar aus Singapur stammt, aber hier gebraut wird. Ebenfalls not available waren die Garnelen, die ich gerne haben wollte, dafür warf ich mich in den Rückkauf mit einem, naja, mit zwei Krebsen - der Ober meinte es gut mit uns, weil meine Wunschbestellung ja nicht verfügbar war.

Den verlustreichen Kampf gewann ich nach Punkten, weil ich brutalstmöglich mit Fingern aß und dadurch tatsächlich auch ein paar richtig gute fleischige Stücke aus dem Viech extrahierte. Nachtisch war auch not available, also zahlten wir (bzw. zahlte Bente, vielen Dank!) und holten uns an der Straße ein Eis, nachdem wir noch am Geldautomaten waren, weil das ein funktionsfähiges Bezahlgerät in unserem Hotel - man ahnt es schon - not available war.

Also lief ich dann mit einem mittleren sri-lankischen Monatsgehalt von knapp 350 € durch das schon nächtliche Negombo, wir erstanden noch Souvenirs und verabschiedeten uns von unserer Chefin und deren Handlanger.

Das Lankahuts wird in meiner noch zu eröffnenden Liste empfehlenswerter Hotels auf diesem Planeten einen Spitzenplatz einnehmen. Ich bin ja eigentlich ein Freund von eher anonymen Hotels, und das ist das Lankahuts mit seinen vier Zimmern garantiert nicht. Die Chefin ist auch durchaus selbstbewusst und weiß, dass sie hier ein kleines Paradies hat und zudem toll kochen kann, aber sie trifft perfekt die Balance zwischen "interessante Gespräche führen" und "nicht nerven". Dass die Lage hier direkt am Strand phänomenal ist, ist ja sowieso klar. Sri Lanka im Allgemeinen und diesem Hotel im Besonderen drohe ich hiermit formal meine Wiederkehr an.

Liebe Sri-Lanker, wenn ich mein Essen medium spicy (mittelscharf) haben möchte und während des Genusses (es war ja wirklich lecker) heule wie ein Schlosshund, dann will ich gar nicht wissen, was spicy (scharf) oder gar Sri Lankan spicy (sri-lankisch scharf) sein soll. Wahrscheinlich wird ein Europäer dann zum Feuerspucker, ohne dass jemand ein Feuerzeug davor hält ...

Es gibt hier etliche Straßenhunde, die aber ziemlich gut behandelt werden. Vorgestern ließ so ein armes Tier aber einen unglaublichen Ton von sich, weil der Wauwau sich seine Schnauze zwischen den Latten der Straßenliege eingeklemmt hatte. Wie passiert denn sowas? Nun, der Hund hat irgendwie einen Tumor oder eine Hirnhautentzündung oder eine andere schwere Krankheit, durch die sein Gleichgewicht und seine Kopfhaltung völlig durcheinandergeraten. Heute Mittag trug ihn der Angestellte hier vom Strand her in die Anlage, um ihm Wasser zu geben - als er seinen Pfoten stand mit seiner schrägen Kopfhaltung, fiel er gleich wieder um. Das ist ein sehr trauriges Bild. Heute Abend lag er hier in der Anlage und wurde nochmal von Bente beschmust - lange hat er nicht mehr zu leben, und das ist leider gut so ...

2016 ist ja ein Jahr der Schnapsideen bei mir, und diese Tour war keine Ausnahme. Natürlich wird es Menschen geben, die sich fragen, ob es sich lohnt, für einen lila Schein für ein paar Tage nach Sri Lanka zu fliegen und für einen weiteren grünen und einen braunen Schein einen Tag durch die Weltgeschichte zu fahren und sich drei Stunden lang einen Nationalpark anzugucken. Diese Fragen sind sinnlos, weil es hier um Elephas maximus, also süße, kleine, große, liebe Elefantos geht, ganz unabhängig war für mich die Antwort auf diese Frage aber auch: "Ja". Diese zwei Strandtage hier mit jeweils zwei, drei Schwimmgängen (okay, ich war nicht wirklich schwimmen, sondern habe versucht, vor lauter hübschen, mittelhohen Wellen nicht umzufallen und nicht meine Kontaktlinsen zu verlieren) waren einfach toll, und Elefanten gucken war supertoll, auch wenn die Fahrt anstrengend war und ich auf dem Rückweg gelegentlich um mein Leben fürchtete (unser Fahrer ist wirklich toll gefahren, aber trotzdem ...).

Nichtsdestotrotz reichen vier Tage natürlich nie und nimmer, um selbst in diesem kleinen Land "alles" zu sehen - es ist wirklich schön hier und es gibt sehr, sehr viel zu entdecken. Ich war nicht das letzte Mal in diesem Land, hoffe ich.

Samstag, 1. Oktober 2016

Well worth it

Sehr deutlich war es das heute wert, sehr, sehr deutlich.

Der Wecker war grausam, denn er ging um 6.30 Uhr (3 Uhr deutscher Zeit, bäh) runter, ich kuschelte noch eine Viertelstunde, dann stand ich auf und sprang ins Wasser, also ins Meer. So, so toll ...
Während ich planschte, duschte Bente und setzte sich schon an den Frühstückstisch, an den ich nach erfolgter Dusche ebenfalls setzte.

Heute hatte Madame mit uns srilankisches Frühstück vor: Es gab nicht nur Früchte, sondern auch Hoppers. Wer jetzt denkt, das wären Grashüpfer, liegt daneben: Das sind Reismehlfladen mit hart gebackenem Spiegelei drin, das mit einem scharfen, etwas fischigen Kohl per Hand gegessen wird. Sehr lecker, wirklich. Dazu gab es Falafel und noch so süßes Zeug (Pfannkuchen mit Kokosnusshonig ...), sehr schmackhaft.

Um 8.30 Uhr sollten wir abgeholt werden, um 8.25 Uhr war der Fahrer schon da, sodass wir uns fertig machten. Es empfing uns der sehr freundliche Fahrer im geschätzt teuersten Auto von Sri Lanka (wir hatten ja auch gut gezahlt dafür ...) und fuhr mit uns durch Negombo, vorbei am Flughafen und durch das hügelige Zentralland, bis wir fünf Stunden später, gegen 13.30 Uhr, in Udawalawe ankamen.

Der Fahrer, dies vorweg, verdiente sich sein Trinkgeld außerordentlich redlich: Es ist absolut unfassbar, wieso wir auf der gesamten zehnstündigen Fahrt hin und zurück gerade einmal zwei umgestürzte Tuktuks als Unfall gesehen haben, denn die fahren hier definitiv wie die Bekloppten: Ganz unten in der Hackordnung stehen die Fußgänger, darüber die Mopedfahrer, dann die Tuktuks, danach die Autos und darüber - hup, hup - die Busse und Lkws. Vor blinden Kurven oder Hügeln wird gehupt, auf dass eventueller Gegenverkehr möglichst nicht kommt oder zumindest ausweicht. Von den ganzen Fahrteskapaden ließ sich Bente aber nicht aus der Ruhe bringen, die ratzte geschätzt zwei Drittel der Fahrt tiefenentspannt vor sich hin, während ich sehr gewissenhaft verfolgte, wann mein letztes Stündlein geschlagen hätte. Meine Mutter wäre entweder nach zehn Metern aus dem Auto ausgestiegen oder hätte zumindest den Fahrer getadelt, dass er fast so schlimm fahre wie ich in Istanbul ...

Lustig sind die aus dem Buddhismus abgeguckten Gebetsfahnen an den - abends im Dunkeln grässlich kitschig beleuchteten - Kirchen, lustig ist auch, dass die Sri-Lanker eine neue Straße gemacht haben, aber zwischendrin ein Stückchen vergessen haben (vielleicht wurde es auch unterspült und muss dringend erneuert werden) ...

Unglaublich grün war es unterwegs, und auch sehr schön, die buddhistischen und hinduistischen Tempel, die Kirchen und die Moschee schiedlich-friedlich fast nebeneinander zu sehen, ohne dass da irgendwer hohe Mauern drumherum bauen oder sie sonstwie bewachen muss. Wahrscheinlich funktioniert das hier und da doch nicht so ganz ohne Reibereien, aber wenn man unterwegs durch die vielen Städtchen ist, sieht man das jedenfalls nicht gleich so ...

Wir kamen an einem Safari Resort an, wo wir erst einmal in einer echten Touristenfalle (haha) für insgesamt 11 Euro zu Mittag aßen, ehe wir gegen 14.30 Uhr dann in unseren Safarijeep umstiegen und in Richtung Nationalpark fuhren.

Zur Begrüßung stand da erstmal ein Elefant, der trotz Fütterungsverbot von vielen Touristen (nicht von uns!) gefüttert wurde. Der Elefant steht da vor einer extrem schönen Kulisse mit dem Udawalawe-Reservoir und dahinter einigen Bergen, sehr schick anzugucken.

Nach dem Einbiegen in den eigentlichen Park begegneten uns etliche Elefanten, Büffel, ein Schakal, Adler, kleine Affen, sehr viele Pfauen, ein paar Störche und eine fantastische Landschaft mit vielen alten, toten Bäumen, die durchaus sichtbar ein Elefantenfriedhof ist - absolut faszinierend.

Unterwegs kamen wir leider auch an einem ziemlich schwer verletzten Elefanten dabei, dem Helfer gerade eine Infusion legten. Wahrscheinlich wird die Kochsalzlösung bei dem Tier in Hektolitern gemessen - okay, der war schwach, Bente fand den Spruch auch schon nicht so witzig, aber ich wollte ich doch noch mal anbringen. Sorry.

In der Nähe des Elefantenfriedhofs sahen wir auch ein kleines Krokodil und zwischendurch auch ein abgefressenes Bein (nur das Bein!) eines rindartigen Viechs, das war durchaus beeindruckend. Turnierisch beeindruckend war der Reckaufschwung am Busch eines kleinen Affen, und sehr, sehr süß war die deutlich sichtbar (wegen der Ausbeulung zur Seite) schwangere Elefantin unten im Flussbett. Soooooo schön ...

Doch, das war heute ein durchaus anstregender Tag, aber auch ein sehr schöner. Nach 14 Stunden auf der Gass' kamen wir in unserem Hotel an, bekamen nichts mehr zu essen hier an unserem Küstenabschnitt (ich hatte unterwegs wenigstens noch zwei Teilchen mit sri-lankisch-scharfem Inhalt, hust ..., gegessen), aber dafür setzten wir uns mit Wein und Bier auf die Stufe unserer Terrasse und unterhielten uns beim Blick aufs Meer.

Eine Dusche befreite uns von Staub und Schweiß, und jetzt geht es hier um gleich halb zwei sri-lankischer Zeit zum Schlafen. Schön war's, aber morgen wird Strand-und-Meer-Tag gemacht ...

Riesen-Buddha

Hindu-Tempel

Udawalawe-Nationalpark

Elefant Nr. 1 und 2

Büffel

Faszinierende Gegend

Zugleich Elefantenfriedhof

Schwangere Elefantin

Note 1- für den Reckaufschwung

Scheint geschmeckt zu haben ...

Erstversorgung ...

Familie Elefant unterwegs

Eitel, sehr eitel

Tschüss, Udawalawe

Kitsch-as-Kitsch-can-Kirche

Freitag, 30. September 2016

Nicht in Seenot

... waren wir heute, aber dazu gleich mehr.

"Toller Tag", soll ich schreibe, sagt Bente. Und so gern ich es täte (furchtbares Deutsch!), ich kann ihr nicht widersprechen.

Gestern waren wir dann noch im recht touristischen "Lord's", das für sri-lankische (ich schreibe das jetzt mit Bindestrich, das ist wohl richtiger ...) relativ teuer, für unsere immer noch ziemlich günstig ist. Die sri-lankischen Restaurants bieten vier Schärfegrade an: mild, medium, scharf und sri-lankisch scharf ... Es war unser erster Abend, also nahmen wir mild, und dann war das Essen auch wirklich mild.

Bente aß Hühnchen-Curry, ich Fisch-Curry, dazu trank sie erst einen leckeren Mango-Cocktail und stieg danach auf das einzig wahre Getränk dieses Planeten um: Lecker Bierchen. Das "Lion", das hier in Sri Lanka den - Achtung, das eine Monsterwortspiel pro Reise ist heute fällig - Löwenanteil am Bierkonsum zu haben scheint, kann man durchaus trinken. Es kommt in 0,625-oder-so-Liter-Dosen, hier machen es die Sri-Lanker den Indern nach.

Bei den Currys kriegt man hier (naja, im Lord's jedenfalls) so einen Topf, in dem das eigentliche Curry drin ist, und dann noch drei, vier Schalen, in denen allerlei mehr oder weniger (für mich eher weniger) identifizierbare Zutaten zum Selbermixen dabei sind.

Bente und ich sind uns sicher, dass wir das gestern nicht stilgerecht gegessen haben, aber das war uns wurscht, denn lecker war es durchaus. Wir ließen mangels Kleingeld das Tuktuk Tuktuk sein und liefen die fünfzehn Minuten zurück in unser Hotel, kauften unterwegs noch Wasser ein und fielen dann ins Bettchen.

Heute Morgen wachte ich gegen 9 Uhr auf, trat nach kurzem Kleidungswechsel an den Strand und schmiss mich in die Wellen, die auch heute Vormittag noch oder schon wieder durchaus schön war. Aaaaaaah, sehr, sehr angenehm. Um 9.30 Uhr oder so wurde uns das Frühstück an einem Tisch am Strand serviert, entsprechend war ich bereit, Bente aus dem Bett zu werfen, aber sie war schon wach.

Liebe Leute, die Inhaberin hier tischte uns nicht nur Omelett und Bananen und Papaya auf, sondern auch noch viele andere, mir Grünzeug-Ignoranten völlig unbekannte Früchte auf (und damit meine ich jetzt nicht die Wassermelone und die Ananas, die es auch noch gab). Wer die anderen Früchte auf dem Foto unten kennt, kriegt als Belohnung einen warmen Händedruck von mir ...

Während des Frühstücks verkaufte uns die Chefin noch eine Fahrt durch die Kanäle, die es hier zum Teil natürlich, zum Teil durch die Niederländer angelegt gibt. Erstmal aber warfen wir uns (nach üppigen Früchte-Frühstück völlig unverantwortlich, aber sei's drum) nochmal in die warmen Fluten. Schöööööööööön ....

Um 12.30 Uhr waren wir eigentlich fertig, weil die Abholung um 13 Uhr kommen sollte, aber als der Typ dann doch sieben Minuten zu früh war, mussten wir noch den Schlüssel suchen, aber das klappte alles. Auf ging es mit dem Tuktuk an einen der Kanäle ...

Die Tuktuk-Fahrer (und Motorrad-Fahrer und alle miteinander einschließlich der Auto- und Fahrradfahrer) müssen völlig bekloppt sein: Überholt wird bei Gegenverkehr (das andere Tuktuk oder Motorrad wird schon zur Seite ausweichen), es wird fröhlich gehupt, wenn man um die Kurve fährt, damit das Gegenüber nicht selbige schneidet, ebenso, wenn ein Fußgänger auf die Fahrbahn zu treten droht (entsprechend wurde ich am Abend öfter angehupt ...), aber wenigstens ist unseren Fahrern bisher nicht die Tür abgefallen ... (Kein Wunder, es gibt keine Türen ...)

Am Kanal angekommen, stiegen wir um in ein Bötlein mit Planendach, und fuhren erstmal in Richtung eines Flüsschens. Es ist schwer, diese Fahrt in Worte zu fassen, nicht wegen der paar Vögel, die wir sahen (einen Eisvogel, einen Kormoran, ein paar Reiher oder was das waren), auch nicht wegen der drei, vier Warane unterwegs, sondern weil so eine Fahrt durch einen Mangrovenwald einfach etwas ist, was ein Banause wie ich dann als "Spreewald von Sri Linka" beschreibt. "Spreewald von ..." ist bei mir ja fast alles, was kanalartig an Vegetation vorbeifährt, aber am besten lasse ich alle untauglichen Erklärungsversuche und lade zwei Bildern mehr hoch. Jedenfalls war es richtig schön, da durch die Gegend zu tuckern. Und wir beide waren tiefenentspannt, als der Motor unseres Kutters unterwegs aufgab und unser Kapitän uns per Handpaddel zum Ufer hinüberrettete. Dort bekam er irgendwie ein Ersatzteil für den Motor und nach zehn Minuten ging's weiter. Gefahr für Leib und Leben bestand also nicht, deswegen waren wir nicht in Seenot ...

Auf den Schock hielten wir unterwegs bei einem 61-jährigen Mann an, der für uns auf die Kokospalme kletterte und den Palmsaft für uns abzapfte. Das sieht gefährlich aus, und entsprechend erhielt der Herr (wiederum auch mangels kleineren Scheinen) für unseren leicht alkoholhaltigen Drink ein sehr, sehr, sehr ordentliches Trinkgeld (wenn die Geldautomaten hier keine kleineren Scheine ausgeben, machen wir hier gerade den anderen Touristen die Preise kaputt, sorry ...).

Nach zweieinhalb Stunden Rundfuhrt schmiss unser der Chef wieder aus dem Boot und fuhr uns zurück ins Hotel. Bente legte sich an den Strand und veranlasste mich zur Frage, ob sie tot sei, so entspannt lag sie da auf der Liege, und kurz vor 17 Uhr sah ich mich genötigt, nochmal in die Fluten zu springen.

Ich glaube, ich blieb eine knappe Stunde im Wasser, hüpfte über die Wellen (ich blieb im stehbaren Bereich, auch weil unsere Chefin uns heute Morgen vor den Unterströmungen gewarnt hatte), wurde von vielen Wellen getroffen, jauchz und juchhe, das war scheeeee (sorry für den Schüttelreim).

Nach dem Duschen holten wir uns noch Bier, denn wir hatten mit der Chefin vereinbart, dass sie heute für uns kocht, aber weil unser Hotel keine Schanklizenz hat, mussten wir das Bier selbst mitbringen. Alkohol ist hier auch im Laden teuer (ich will nicht hundertprozentig ausschließen, dass der Typ mich übers Ohr gehauen hat, aber ich glaube eher, dass man halt für eine Flasche Wein hier auch nicht nur drei Euro zahlt), aber immer noch bezahlbar.

Nach der Heimfahrt im Tuktuk beschlossen wir den Abend so, wie wir ihn begonnen hatten: an einem Tisch am Strand, barfuß - einfach toll.

Die Chefin tischte uns typisch sri-lankische Speisen (minus Sri-Lanka-Schärfe, danke!) auf, so ein Pfannkuchen, mit Hackfleisch gefüllt und mit Gewürzen bestrichen, dazu Falafel und ein süßeres Gebäck, das man auch in die Gewürze tunken konnte. Sehr lecker, und dazu noch der Blick aufs Meer und die Wolken über einem: So soll Urlaub sein.

Das dachten sich auch zwei Straßen- (bzw. Strand-)hunde, die es sich nacheinander neben unseren Stühlen gemütlich machten, während wir uns bei Wein und Bier die Zeit vergessend unterhielten. Jetzt ist es 23 Uhr, morgen geht es früh raus, weil um 8.30 Uhr die Abholung in den Udawalawe-Nationalpark kommt.
Frühstück am Strand

Bougainville-Blumen oder so ...

Il Canale

Meeresbrandung

Die Palme fällt nicht

Tollkühner Kletterer

Ein Kokosholzhaus

So 'ne Sau!

Ein Waran

Der Strand in Negombo

Wenn's klappt, gehe ich morgen vor dem Frühstück nochmal schwimmen, wenn's nicht klappt, klappt's halt nicht ... Gute Nacht!

Donnerstag, 29. September 2016

Indische Badewanne

Nach einem, naja, mehr oder weniger entspannten Arbeitstag fuhr ich gestern gegen 17 Uhr zum Flughafen. Da bei meiner Kontoumstellung etwas schiefgelaufen war, hatte mir mein Mobilfunkanbieter mein mobiles Internet gesperrt, was dazu führte, dass ich meine Fahrkarte beim Busfahrer kaufen musste. Er staunte, als ich ihm den korrekten Betrag von 4,65 € passend hinlegte …

Die S-Bahn fuhr mir vor der Nase weg, aber da ich genug Zeit hatte, konnte ich mir noch in Ruhe eine Zeitung kaufen und die S-Bahn zwanzig Minuten später nehmen. Ich fuhr gerade um 17.45 Uhr in den Regionalbahnhof am Frankfurter Flughafen ein, als ich eine SMS von B. erhielt, dass sie um 18 Uhr am Terminal 2 sei.

Da ich auch noch das Terminal wechseln musste, trafen wir uns perfekt zur vereinbarten Zeit am Check-in. Es war ganz interessant: Die meisten Inder, die mit uns flogen, standen – wie wir – an der kürzeren Schlange zum Baggage-Drop-Off, während die meisten Deutschen den Online-Check-in nicht genutzt hatten und also an der längeren Schlange stehen mussten.

Entsprechend frühzeitig waren wir fertig, reisten aus Deutschland aus und machten es uns dann in der Lounge gemütlich, den Zugang zu welcher ich mit meiner relativ neuen Kreditkarte miterworben hatte. Ich nahm B. als Gast mit, und da das, wenn ich das richtig verstehe, 24 € kostet, bemühten wir uns nach Kräften und erfolgreich, den Anbieter um mindestens diese 24 € zu schädigen – mit Weißwein, Bier, Bananen und Hot-Dog-Würstchen sollte uns das gelungen sein …

Bei der Sicherheitskontrolle wurde das Taschenmesser, das ich versehentlich beim Auspacken meines Koffers im Schwarzwald in meine Handgepäcktasche gepackt hatte, beanstandet, aber da die Klinge unter 6cm lang war, kam ich mit Taschenmesser davon.

Bei der Bordkartenkontrolle suchte ich B.s Bordkarte zunehmend hektisch, bis sie und der Kontrolleur mir sagten, dass Letzterer eigentlich nur meinen Pass sehen wollte, weil B. ihre Bordkarte selbstverständlich selbst in der Hand hielt … Macht der Gewohnheit: Ich bin ich letzter Zeit immer mit Leuten gereist, die mir ihre Bordkarten und ihren Passgegeben hatten, da konnte ich ja dieses Mal nicht damit rechnen, dass meine Mitreisende selbst die Bordkarte hat ….

Wir starteten mit ein wenig Verzögerung, kamen aber deutlich vorzeitig in Maskat im Oman an. Die Sicherheitskontrolle interessierte sich nicht für mein Taschenmesser, und nachdem B. eine rauchen konnte, setzten wir uns in ein hübsches Café und tranken für teuer Geld einen Latte Macchiato bzw. eine heiße Schokolade. Die Couches, die da aufgestellt waren, luden zum Tiefenentspannen ein, entsprechend mühsam war, sich dann aufzuraffen und zum Gate zu laufen.

Wir schafften es allerdings und kamen auch in Maskat ein wenig verspätet los, was wir bis Colombo nicht mehr aufholen konnten. Machte nichts, denn die Einreise nach Sri Lanka ging superfix, ich hatte offenbar unsere Passnummern korrekt eingetippt, denn die Grenzer meckerten nicht. Was nicht so superfix war, war die Gepäckausgabe. Es dauerte und dauerte und dauerte, bis unser Gepäck kam. Wenigstens konnten wir dabei gruppensoziologische Studien führen: Es bestätigte sich, dass in Südasien die Abstandsgrenze zwischen zwei Menschen deutlich geringer ist als in Europa. Dass alle direkt am Band standen und unmittelbar hinter hinten der Gepäckwagen, damit man als Außenstehender aber ganz bestimmt nicht ans Band konnte, muss trotzdem nicht sein. Naja.

Der srilankische Zoll war ebenfalls sehr ordentlich, denn er ward nicht gesehen, jedenfalls nicht wirklich. Unser Abholer stand da, wo er stehen sollte, ich hob noch kurz Geld ab und dann ging es durch die Straßen von Südwest-Sri Lanka vom Flughafen nach Negombo.

So stellte ich mir Sri Lanka vor: Viel Gewusel von Autos, Tuk-Tuks und Motorrollern und gelegentlich ein paar Menschen dazwischen, viele Esslokale, doch, im Großen und Ganzen schön.

Unser Hotel ist nicht im Großen und Ganzen schön, es ist fantastisch. Das fing mit der sehr freundlichen Begrüßung an (nix mit erstmal aufs Zimmer und so, nein, nein, erstmal ein Tee und ein bisschen Small Talk, während mir die Brühe lief, denn Sri Lanka ist gar nicht mal so furchtbar megaheiß - 30° C - aber eben sehr, sehr, sehr feucht) und endete mit der Besichtigung des Zimmers noch lange nicht: Das Zimmer ist bis auf den fehlenden abnehmbaren Duschkopf tipptopp, aber das Fehlen dieses besonderen Zivilisationsmerkmals wird überausgeglichen durch den Ausblick auf das 50 Meter entfernte Meer und die Tatsache, dass wir beim Verlassen unseres Zimmers über die Terrasse unmittelbar am Strand sind. Sehr, sehr toll.

Der Hausmeister brachte uns Liegeauflagen und Handtüchern, dann stürzten wir uns erstmal in die badewannenartigen Fluten. Das ist so, so, so toll, das haben wir uns richtig verdient. Die Wellen sind ein bisschen hoch, aber das macht nix, wir hatten das Meer hier am Strand ganz für uns alleine (rote Flaggen stehen zwar, aber die gelten nur fürs Hotel nebenan, höhö).

Danach lagen wir noch ein bisschen auf unseren Liegen, genossen den Sonnenuntergang und machten uns dann ausgehfein. Jetzt wird gleich Essen gefasst, und ich habe mir mein Belohnungsbier nach diesen vielen Stunden Flug (die gut verkraftbar waren, aber jetzt ist einfach mal Feierabend) auch vollkommen verdient.

Es ist richtig, richtig toll hier.

Blick von der Liege auf unserer Terrasse

Dienstag, 27. September 2016

Noch einmal schlafen

… dann geht es mit Sack und Pack (naja, eher mit Koffer, den ich noch packen muss ...) auf die Arbeit und dann gegen 17 Uhr, 17.30 Uhr zum Flughafen, ehe der Flieger planmäßig um 20.20 Uhr geht.

Ich habe eben schon eingecheckt, wir haben jeweils einen Fensterplatz und den Platz daneben, da kann keine Check-in-Persönlichkeit Mist bauen wie die Tante in Johannesburg. Das Schöne ist, dass wir auf dem langen Flug von Frankfurt nach Maskat in 2-3-2-Belegung fliegen, sodass das schön entspannt werden sollte, weil ich am Gang und nicht in der Mitte sitze. Und die vier Stunden auf dem Mittelplatz überstehe ich bei der Verbindung von Maskat nach Colombo auch noch …

Der Flug von Frankfurt nach Maskat dauert knapp sieben Stunden, sodass wir um 3.15 Uhr deutscher Zeit bzw. um 5.15 Uhr omanischer Zeit in Maskat ankommen. Dort haben wir dreieinhalb Stunden Aufenthalt, ehe es um 8.40 Uhr omanischer Zeit weitergeht. Vier Stunden später landen wir mit eineinhalb Stunden (!) Zeitverschiebung um 14.25 Uhr in Colombo. Ich hoffe mal, dass die Visumerteilung (wir haben das ja online schon beantragt und bewilligt bekommen) schnell geht und unsere Abholung auch funktioniert, sodass wir noch im Hellen in unserem Hotel ankommen und vielleicht auch schon ins kühle (oder vielleicht auch nicht so kühle) Nass springen können.

Wir wollen ja einen Tag in den Udawalawe-Nationalpark fahren, aber ich bin noch nicht ganz sicher, ob wir dafür wirklich 150 € pro Person bezahlen müssen. Okay, der Nationalpark ist vier bis fünf Stunden Fahrt (eine Strecke) entfernt, aber ob man dafür 200 Dollar (und dann noch mal 150 Dollar für zwei Personen für die eigentliche Elefanten-Anglotz-Safari) bezahlen muss, schauen wir nochmal.

Auf alle Fälle bin ich sehr gespannt auf Sri Lanka, auch wenn wir nur ein paar Tage dort haben. Das Essen in Sri Lanka soll sehr scharf sein, mal gucken, wie ich das überstehe …

Morgen wird nochmal ein arbeitsreicher Tag im Büro, aber dann kommen hoffentlich erholsame Tage in Südasien. Schön wird’s …


Aus meinem letzten Post wurde womöglich nicht ganz klar, dass die liebe Kellnerin aus dem Sherry mit Christina, meiner Ma und mir mit nach Istanbul kommt. Das wird auch schön (und ziemlich sicher lustig), in fünf Monaten. Und dazwischen ist ja dann noch Irland und Nordirland angesagt. Langweilig wird’s nicht ...

Dienstag, 20. September 2016

Februar-Belohnung

In den letzten Jahren habe ich mir oft so im Februar eine Belohnung für einen harten Winter geleistet, 2013 war es die Tour nach Bergen, 2016 ein Kurztrip nach Istanbul. 2017 geht es Ende Februar wieder nach Istanbul - das wird total toll.

Christina und ich saßen vor ein paar Wochen im Sherry, als ich spontan nach Flügen nach Istanbul guckte. Knapp über 100 € verlangte die Lufthansa. Eine der lieben Kellnerinnen im Sherry fragte uns sofort, wo wir "morgen" hinfliegen - das war die, die dabeisaß, als Christina und ich höchst spontan Tel Aviv gebucht hatten.

Nun, wir buchten noch nicht sofort, weil Christina noch ihren Sohn und dessen Freundin fragen wollte, die uns jetzt aber erstmal abgesagt haben. Dass meine Ma mitkommt, ist ja völlig klar, bei drei Bekloppten darf sie ja nicht fehlen.

Heute Abend habe ich also gebucht: Am 24. Februar, einem Freitag, geht es abends nach Istanbul, wo wir um kurz vor Mitternacht ankommen, am Sonntag, dem 26. Februar, geht es dann am Nachmittag wieder zurück nach Frankfurt. Eineinhalb Tage Istanbul - halleluja. Ich freue mich schon so sehr ...

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Fazit? Fazit, Fazit! Alle wollen sie ein Fazit!

Die Reise durch das südliche Afrika war eine wunderbare, eine sehr abwechlungsreiche, aber gleichzeitig auf mehr oder weniger wundersame Weise auch eine sehr erholsame Tour. Ohne dass ich das groß beeinflussen konnte, haben sich die Reisetage, die Highlighttage und die Erholungstage ziemlich gut ergänzt, wie ich finde.

Sambia wirbt für sich als ein friedvolles Land, und das ist es für den Kurzzeittouristen auch durchaus. Die Visumgebühren könnten sie sich zwar sparen, dann kämen wahrscheinlich noch ein paar mehr Leute, aber auch so ist das mit der Einreise einigermaßen harmlos. Lusaka ist - wir haben nicht viel von der Stadt gesehen - ganz okay, diese Malls, die es da wohl öfter gibt, sind ziemlich modern, da kann man als westlicher Ausländer im Großen und Ganzen nicht viel falsch machen. Sambia lebt natürlich als Touristenziel ganz wesentlich von den Victoriafällen, und die sind, wie hoffentlich im Blog deutlich geworden ist, außerordentlich beeindruckend. Livingstone ist ein mehr oder weniger verschlafenes Touristenstädtchen, vielleicht geht da abends mehr der Punk ab, aber abends waren wir ja schon immer in unserem schönen Hotel auf halben Weg zwischen Fällen und Livingstone.

In Simbabwe waren wir nur ein paar Stunden, aber die hatten es mit der Besichtigung der Victoriafälle in sich - atemberaubend schön war das. Simbabwe stand in den letzten Jahren viel in den Zeitungen - "for all the wrong reasons", aus weniger schönen Gründen -, aber die touristische Infrastruktur in Victoria Falls zumindest ist völlig in Ordnung.

Botswana war, an dem einen Tag, an dem wir da waren, von vorne bis hinten toll. Der Chobe-Nationalpark ist fantastisch, den sollte jeder Mensch, der es sich halbwegs leisten kann, mal besucht haben.

Namibia wiederum machte einen katastrophalen allerersten Eindruck, der allerdings sehr, sehr schnell relativiert wurde. Alle Hotels in Namibia waren wunderbar (die meisten hatten sogar einen abnehmbaren Duschkopf, eine wahre Wohltat in diesem durch britische Badezimmerkultur verseuchten Stückchen Erde), ob nun in Katima Mulilo, in der Auas-Lodge, in Swakopmund oder in Windhuk, und das Land ist außerordentlich abwechslungsreich und wunderschön. Die Weite, von der ich schon ein paar Mal geschwärmt habe, ist einfach unglaublich beeindruckend. Durch die schlechte Wechselkursentwicklung des südafrikanischen Rand (an den der Namibia-Dollar gekoppelt ist) ist Namibia zumindest zur Zeit auch ein ziemlich günstiges Pflaster, da kann man schonmal sehr lecker essen gehen, ohne arm wie eine Kirchenmaus zurückzukommen.

Das Umsteigen in Südafrika war im Großen und Ganzen in Ordnung, aber ein paar Grenzhäuschen könnten sie am Flughafen bei der Einreise schon aufmachen.

Die Temperaturen waren sehr in Ordnung, klar war es in Sambia und am Sambesi insgesamt nicht kalt, aber die Luft war ziemlich trocken, das fand ich dann doch ziemlich erträglich. Ebenso war es in Windhuk, während Swakopmund und Walvis Bay erstaunlich kühl waren. Hallo, ich bin in Afrika und friere tagsüber?! Nächstes Mal nehme ich zumindest ein Sakko mit darunter.

Die Naturspektakel, ob nun die Victoriafälle oder der Chobe-Nationalpark oder die Wasserwelt vor Walvis Bay, sind - ich wiederhole mich - absolut atemberaubend und beeindruckend. Natürlich bezahlt man dafür gutes Geld, da vieles zu sehen, aber für die meisten Europäer, die afrikanisches Großwild bestenfalls aus dem Zoo kennen, sind schon die süßen Warzenschweine in freier Wildbahn toll, von Elefanten und Giraffen und Zebra und Robben und Pelikanen und vielen, vielen anderen Tieren mal ganz abgesehen.

Diese Zwei-Wochen-Tour würde ich ganz genauso noch einmal machen, auch wenn ich jetzt schon einmal da war. Das will etwas heißen bei mir Länder-Optimierer, aber manchmal ist sogar mir das Auge (und der Magen, denn das Essen war sehr lecker) näher als das Hirn.

Wer kann, unbedingt dorthin!

Sonntag, 18. September 2016

Eine Ode an Johannesburg

... (oder an Addis Abeba) habe ich heute ganz gewiss nicht gedichtet, auch wenn ich durch meinen Schlafmangel heute einmal wieder dazu prädestiniert gewesen wäre.

Wir standen gestern Morgen mitten in der Nacht (4 Uhr) auf, machten uns fertig und wollten gerade aufbrechen, als ein Bediensteter noch zum Auto gerannt kam und uns ein Lunchpaket mitgab. Das kostet im Thule zwar etwas und wir hatten das nicht bestellt, aber sei's drum. Wenn es ein Versehen war, sorry, wenn es guter Service war, dann vielen Dank! Die Fahrt zum Flughafen soll in der Morgendämmerung nicht ganz ungefährlich sein (wegen der Tiere), aber wir fuhren im Dunkeln, was aber nicht bedeutete, dass wir nicht an einem Unfall vorbeifuhren: Offenbar wenige Minuten vor unser Passage waren noch im Windhuker Stadtgebiet ein Taxi und ein anderes Auto kollidiert, und zwar ziemlich heftig: Den Privatwagen hatte es auf den Bürgersteig geschleudert, und zumindest danach stand da eine ganz schöne Menschenmenge. Verletzte schien es aber keine zu geben, da haben – wenn es so war – alle Beteiligten großes Glück gehabt.

Nun hatten wir vor uns den Unfall, hinter uns hupende Autos und um uns herum einen Haufen junger Menschen: Wer in solchen Situationen im südlichen Afrika nicht ein bisschen mit einem Überfall rechnet, ist selbst schuld. Um aus dem Schlamassel möglichst schnell herumzukommen, fuhr ich knapp an den Trümmern und über ein paar kleine Teile hinweg und hoffte, dass die Reifen das mitmachen. Spannungsbogen genug aufgebaut? Ja? Okay: alles in Ordnung. Wir gaben das Auto in Eiseskälte ab und verzogen uns in den Flughafen, wo bald nach unserem Eintreffen der Check-in losging. Wir verspeisten noch Teile des Lunchpaketes, ließen eine unangebrochene Literflasche Wasser stehen und gingen durch die Sicherheits- und Passkontrolle.

Die namibische Grenzer fragte mich, was denn 1+1 sei, und erst langsam dämmerte mir, dass ich auf der Ausreisekarte als Beruf „Mathematiker“ angegeben hatten. Auf einmal plauderte die junge Dame munter vor sich her, dass sie in Mathe immer schon schlecht gewesen sei und so weiter und so fort. Der namibische Zoll und ich werden keine Freunde mehr, aber die Grenzerin war echt sympathisch.

Lieber Flughafen Windhuk, diese Bildschirme, die ihr über den Gates habt, könnte man – wie an allen anderen Flughäfen auf Gottes Erde – möglicherweise, eventuell, aber nur unter gewissen Umständen dafür nutzen, anzuzeigen, wo zum Henker so ein Flug jetzt hingeht. Da die Bildschirme aber lieber das Logo der namibischen Flughafenbehörde zeigen, muss man sehr genau auf die englischsprachigen Ansagen hören (wenn man Englisch kann, sind die sogar verständlich, aber trotzdem …), um zu wissen, wann sein Flug aufgerufen ist und zu welchem Gate man muss, denn das wird gar nirgends angezeigt. Ts.

Ich hatte ja ein bisschen Schiss, dass wir wegen der separaten Buchungen (Windhuk-Johannesburg einerseits und Johannesburg-Addis-Frankfurt andererseits) ein bisschen in Zeitnot kommen könnten. Am Ende kamen wir vorfristig in Johannesburg an, standen dann zwar an der Einreise ewig an (weil erst nur zwei Schalter besetzt waren und die dritte Grenzerin anfangs lieber die anderen beiden von ihrer Arbeit abhielt als selbst Leute abzufertigen), wurden dann noch von so einem Aushilfspolizisten zu einer wirklich völlig, total und komplett sinnlosen „Sicherheitsbefragung“ herausgezogen (die sich auf das Notieren unserer Pass- und Flugnummern beschränkte). Der südafrikanische Zoll hingegen ward nicht gesehen (brav!).

Den Check-in fanden wir auch, die Check-in-Tante war ein bisschen unfähig, weil sie uns statt wie gewünscht zwei Gangplätzen jeweils einen Gang- und einen Mittelplatz zuwies, aber wenigstens ging das alles schnell. Der Versuch, vor der Passkontrolle noch ein Bier zu trinken, schlug fehl, weil das Esslokal, wo wir unser Mittagessen einnahmen, keine Schanklizenz besaß. Argh. Also schnell (wirklich schnell) durch die neuerliche Gepäck- (ohne Schuheausziehen, vorbildlich, liebe Südafrikaner!) und Passkontrolle (ging auch schnell) und dann ein Bierchen trinken. Die Suche nach einer Bar erwies sich als relativ langwierig, aber nach ein paar Minuten hatten wir ein kühles Helles bzw. ein lauwarmes Rotes vor uns stehen (hatte zwar für Uli einen Weißwein bestellt, aber sie nahm auch den Rotwein; und als Strafe für die gute Tat waren am Glasboden noch ein paar Rotweinrückstände, die dann auf ihre Hose tropften – Prost Mahlzeit! Die Zuckervorräte des Lokals waren nach der Aktion dann auch erschöpft …).

Von allen Boardingversuchen gestern war überraschenderweise der in Namibia noch am geordnetsten. Dieses Boarden nach verschiedenen Zonen ist ja gut und schön, aber wenn der dadurch entstehende Zeitgewinn durch das Chaos, das vor dem Gate herrscht, deutlich überwogen wird, hat man auch nichts gekonnt. Jedenfalls landeten wir im Flieger und flogen anschließend fünf Stunden durch die Luft. Ich guckte Filme, wie immer …

Als wir in Addis Abeba ankamen, war unser Flug nicht mehr auf der Anzeigetafel aufzufinden, bis ich nochmal nachguckte und merkte, dass mir Ethiopian vor ein paar Tagen ein Update geschickt hatte, dass sie den Flug 20 Minuten nach hinten verschieben (sonst kämen sie, jedenfalls wenn sie pünktlich abfliegen, noch während des Nachtflugverbots in Frankfurt an). Na gut. Wir bestellten uns in einem völlig überfüllten Lokal mit sehr komischen Gepflogenheiten (Barzahlung sofort oder Vorabkasse mit Kreditkarte, wobei meine Haupt-Kreditkarte dort nicht funktionierte …) zwei Bier, die durchaus trinkbar waren. Danach wollte ich noch ein Mitbringsel einkaufen, was aber mangels Kreditkartenfehlfunktion (bzw. vielmehr Kreditkartenlesegerätfehlfunktion, ich liebe so lange deutsche Worte) nur dadurch ging, dass ich nach unten bis kurz vor die Einreisekontrolle für Äthiopien ging und dort am Geldautomaten äthiopische Birr (die Währung klingt ja an sich schonmal sehr sympathisch) im Gegenwert von 5 (in Worten: fünf) Dollar abhob. Mit kostenloser Geldabhebefunktion auf der Kreditkarte (die am Geldautomaten übrigens anstandslos funktionierte) kann man ja schonmal so dekadent sein.

Also wieder hoch, das Souvenir bezahlt und durch die Einreisekontrolle, wo uns so ein übereifriger Typ mal wieder nicht durchlassen wollte, obwohl diese Sicherheitskontrolle genau für unser Gate war. Das sah er nach meiner energischen Intervention („Aber guck doch mal auf die Bordkarte hier, Bürschle ...“ oder so ähnlich) dann aber auch ein.

Das Boarden war wie beschrieben chaotisch, aber am Ende saßen wie durch Zauberhand offenbar alle im Flieger. Ich guckte weiter Filme und Serien, schlief die letzte Flugstunde noch ein bisschen, und als wir um 5.35 Uhr mit lautem Gerumpel auf der Landebahn aufschlugen, war ich wieder wach. Am Gate stand Bundespolizei, die mal wieder Pässe kontrollierte, was aber bei einem zu zwei Dritteln mit EU-Bürgern besetzten Flieger dazuführt, dass eben zwei Drittel der Leute, nämlich die, die etwas Bordeauxrotes hochhalten, einfach durchgewunken werden. Nun denn.

Einreise am Automaten und vorbei am Zoll, der zwar in stattlicher Zahl präsent war, sich aber sonst angenehm zurückhielt – willkommen in Deutschland (übrigens bei Herbstwetter, juchhe …). Ich brachte Uli zum Zug (frühstückte davor mit Fleischkäsewecken und Spezi …) und sitze nun in der S-Bahn nach Wiesbaden. Gleich geht es eine gefühlt gute Stunde unter die Dusche (mit abnehmbarem Duschkopf, himmlisch) und dann wahrscheinlich zum Mittagessen ins Sherry.

Auf ein gutes Guinness und ein Wiener Schnitzel (oder so etwas) freue ich mich dann schon wieder. In Namibia haben wir so richtig böse deutsches Essen gemieden (also Eisbein und Schweinshaxe verschmäht), da darf ich jetzt in Deutschland guten Gewissens wieder nach deutscher Art schlemmen.

Ceterum censeo Carthaginem esse delendam (keine Sorge, da habe ich nochmal gegoogelt, damit ich das Gerundivum richtig setze, sonst kommen meine Lateinlehrer demnächst gesammelt mit Fackeln zu meiner Bude), also: Es war toll. Es war richtig schön. Es hat großen Spaß gemacht. Das große Fazit kommt in ein paar Tagen, vielleicht, wenn ich ausgeschlafen habe ...

Freitag, 16. September 2016

Den Tag umgebracht

... haben wir heute, wie meine Mutter es beim Telefonat am Morgen so treffend ausgedrückt hatte. Obwohl, so richtig Zeit totgeschlagen haben wir tatsächlich nicht, es war vielmehr ein sehr entspannter Urlaubstag in Windhuk und leider der letzte Nicht-Flugtag unserer Reise. Schade, sehr, sehr schade ...

Wir standen heute Morgen erst relativ spät auf, frühstückten mit traumhaftem Blick auf Windhuk und wurde um 10 Uhr von unserem Privattaxi abgeholt. Wir fuhren in die Innenstadt, wo wir bei einigen Freunden von Ulis Freundin vorbeischauten und bei einem Juwelier von einer charmanten, alten Südwester-Laberbacke angequatscht wurden (das "charmant" war jetzt durchaus ernstgemeint). Die beiden Mädels gingen in Richtung Craft Centre, also dem Souvenirmarkt, während ich noch ein bisschen die Innenstadt unsicher machte. Ich lief den Berg hoch zur Christuskirche, ging auch hinein und bewunderte die Tafel in Erinnerung an die "Bürger, Frauen und Kinder" (jaja, das waren noch Zeiten, als Frauen keine Bürger waren ...), die zu Zeiten von Deutsch-Südwestafrika umgekommen sind.

Ich lief weiter und ging durch den Garten des namibischen Parlamentes zu ebenjenem hin; zu deutschen Kolonialzeiten war das ein Verwaltungsgebäude, sodass das Bauwerk den schönen Spitznamen "Tintenpalast" bekam. Der Garten und auch das Gebäude sind durchaus schick.

Vorbei an der Statue des ersten Staatspräsidenten, die 2013 die Reiterstatue aus kolonialen Zeiten ersetzte, ging ich zur Alten Feste, wo ich ebenjenes abgebaute Reiterstandbild wiederentdeckte. Ansonsten kann man sich die Alte Feste mal angucken, aber mehr als ein paar Minuten braucht man da wirklich nicht.

Wir aßen in diesem Craft Centre zu Mittag, ehe wir wieder hoch zu unserem Hotel zum Kaffee fuhren. Dort saßen wir - wieder mit dem tollen Blick auf Windhuk -, als auf einmal unsere Laberbacke von heute Morgen ankam. Der ältere Herr, in Swakopmund geboren, tat so (und gelegentlich glaubte ich ihm dann sogar), dass er jeden deutschsprachigen Menschen in ganz Namibia kennt. Er erzählte Stories aus längst vergangenen Tagen und plauderte aus dem Nähkästchen über die politische Situation in Namibia.

Um 18 Uhr kam seine Begleitung, sodass wir aufbrachen und - zur Feier des Tages - in der Innenstadt in einem Restaurant unter Schweizer Führung zu Abend aßen. Es wurde Impala-Carpaccio und danach Geißbock-(Oryx-), Springbock- und Kudu-Steak verkonsumiert. Wir haben in diesen Tagen viel und lecker Wild gegessen, aber das heute Abend war absolut fantastisch (man zahlt natürlich auch seinen Preis dafür, der wiederum für deutsche Verhältnisse immer noch ziemlich akzeptabel ist). Nach dem Nachtisch ließen wir uns von unserem Privattaxi wieder zum Hotel fahren (Abschiednehmen ist nie so richtig schön, aber Ulis Freundin kommt ja bald für ein paar Wochen nach Deutschland), bezahlten noch unsere Rechnung und sind jetzt auch schon bettfertig: Schließlich geht der Flieger morgen um 8.10 Uhr, und um den nicht zu verpassen, stehen wir spätestens um 4 Uhr auf. Bäh.

Finale Tagesfotos:
Christuskirche

Tintenpalast (namibisches Parlament)

Abgebautes Reiterstandbild

Donnerstag, 15. September 2016

Und die Wüste war leer

... naja, jedenfalls die Straße konnte man sehr gut befahren.

Nach einigermaßen entspanntem Ausschlafen und Aufstehen heute Morgen und nach einem leckeren Frühstück packten wir unsere sieben Sachen, wurden vom Liefer-Lkw, der die Ausfahrt des Hotelparkplatzes blockierte, ausgebremst, ich holte daher schonmal Geld, woraufhin wir auscheckten aus dem Deutschen Haus.

Ein letztes "Auf Wiedersehen" an Swakopmund, dann ging es die knapp 350 Kilometer in Richtung Windhuk zurück.

Wie so oft fühlte sich der Rückweg wesentlich schneller an als der Hinweg, was auch daran gelegen haben mag, dass ich auf der Rückstrecke deutlich öfter und weniger zögerlich überholte als auf dem Weg nach Swakopmund. Man muss halt mit dem Strom fahren, dann wird das schon ...

Es ging wieder durch die Wüste, die dann zusehends in Savanne (mit Bergland im Hintergrund) überging. Spätestens in Karibib war es dann wieder (zu) warm für mich, aber zum Glück gibt es ja Klimaanlagen bzw. Fenster, die man öffnen kann.

Nach drei, dreieinhalb Stunden Fahrt schaltete ich mein Handy-Navi ein, das uns - bis auf eine Ungereimtheit in der Streckenführung - relativ fix zu unserem Hotel auf den Anhöhen über Windhuk lotste. Der Check-in ging reibungslos, und kaum waren wir in der Wohnung und hatten Ulis Freundin angerufen, da stand die schon in unserer Bude. Nach einem ersten Bierchen mit tollem Blick auf Windhuk brachen wir auf.

Sie spielte heute Nachmittag für uns Taxi und Reiseführer in einem, zeigte uns, wo und wie sie hier so lebt; eine Stunde waren wir bei ihr zuhause, dann gingen wir in Joe's Beer House, die touristischste Kneipe, wo gibt (mir ist klar, dass das gerade kein Hochdeutsch war!) auf der Welt, aber auch eine sehr schöne Kneipe.

Uli verspeiste ein Zebrasteak, ich nochmal einen Spieß, bei dem sie eine laminierte Erläuterung beilegten, welches Fleisch jetzt was ist: Es gab Oryx (lecker, aber ein bisschen zäh), Krokodil (wird nicht so richtig mein Geschmack), Zebra (schmeckte ein wenig pferdig), Springbok (sehr lecker) und Kudu (hervorragend). Dazu gab es Wasser für die Fahrerin, Wein für Uli und Bier für mich.

Die namibischen Biere und ich sind sicherlich keine Feinde (es ist kaum vorstellbar, dass ein Bier und ich einander feindlich gesinnt sind), aber so richtig engste Freunde werden wir nicht. Obwohl das hier alles nach Reinheitsgebot gebraut ist, schmeckt es mir immer ein bisschen zu laff, und ich habe jetzt alle gängigen Sorten durchprobiert. Naja, immer noch besser als Kaffee ...

Morgen werden Uli und ihre Freundin einkaufen gehen, während ich ein bisschen die Innenstadt unsicher mache - wird sicher auch interessant.

Gute Nacht!

Blick auf Windhuk bei Tag

Wildteller mal anders

Windhuk bei Nacht (andere Blickrichtung)

Mittwoch, 14. September 2016

Welche Tiere sind ständig verletzt?

Natürlich Robben (gute Besserung, Arjen!).

Haha.

Das Aufstehen war nach dem schönen gestrigen Abend im Brewer & Butcher nicht ganz so einfach, zudem trödelte ich im Bad. Trotzdem kamen wir halbwegs pünktlich weg und waren genau pünktlich eine halbe Stunde später in Walvis Bay am Steg angekommen. Fürs Bewachen unseres Autos sackten ein paar Männer noch ein paar Cent ein (am Ende stand unser Auto tatsächlich noch da ...).

Wir meldeten uns an und fuhren ein bisschen verspätet mit unserem Katamaran los. Das war nicht schlimm, weil uns unsere Führerin, die nicht nur Englisch, sondern auch - trotz gegenteiligen Beteuerungen - perfekt Deutsch sprach, hervorragend durch den Vormittag führte.

Wir guckten gerade nach den ersten Delfinen im Hafenbecken, als auf einmal so ein Riesenviech von Vogel auf mich zugeflogen kam (wir saßen oben auf dem Bötchen mitten im Wind - es war so schweinekalt, dass ich auf Anhieb eine Decke an mich nahm, obwohl ich schon drei Schichten an hatte!). Der Pelikan stoppte kurz vor meinem Sitz - wow. Ein Riesenviech (das war ein Jungtier, die ausgewachsenen Pelikane sind doppelt so groß; da möchte ich nicht im Weg stehen, wenn so ein Ding angeflattert kommt) - die Viecher sind so an Menschen gewöhnt, die lassen sich sogar streicheln ...

Kurz darauf kam eine Robbe an Bord (ernsthaft!). Die stieg hinten über die Treppe ein und wurde dann mit Fisch nach vorne gelockt, wo wir andächtig dem süßen, knuffigen Raubtier bei der Fütterung mit Fisch zuguckten. Sehr schön (ich hoffe, die Bilder sind noch da, mein Handy hat heute sehr komische Sachen gemacht ...).

Es ging weiter in Richtung Pelican Point, weil dort eine riesige Kolonie von Robben ist. Die spielen und planschen und kämpfen und tauchen unter und wieder auf und machen und tun, dass es eine wahre Freude ist - das war nochmal ein richtig schöner Tag.

Unterwegs sahen wir die Austernbänke, in denen ein paar Millionen Austern heranreifen. Wahnsinn(ig lecker).

Danach ging es hinaus aufs offene Meer (noch kühler), um da nicht nur die Bohrinseln, die im Naturhafen von Walvis Bay ankern, sondern auch eine andere Delfin-Art zu begutachten. Es war eine ziemliche Suche, aber am Ende fanden wir ein Paar. Einfach toll.

Zurück ging es in den Hafen mit einem kalten Mittagessen, natürlich mit Austern und Sekt (ich bekam keinen, weil ich noch fahren musste, aber den Sherry vorher hatte ich zum Aufwärmen getrunken ...).

Nach drei Stunden und fast abgefrorenen Händen (ooooooh) kamen wir wieder in Walvis Bay und waren total begeistert, weil auf dem Heimweg nicht nur ein Pelikan, sondern gleich drei bei uns auf dem Boot standen. Sehr, sehr krass.

Von Walvis Bay ging es nach Hause nach Swakopmund, Auto abgestellt und ab an den Strand. Wir wollten nur ein Bier im Brewer & Butcher trinken. Naja. [...] Das Abendessen dort war wie gestern sehr lecker, jetzt freue ich mich aber aufs warme Bettchen ...

Morgen geht es zurück (leider) ins (schön) wärmere Windhuk. 's goht dagege, sagt man im Schwarzwald, der Urlaub neigt sich dem Ende entgegen. Es gab so viel Tolles, so viele wunderbare Tiere in freier Wildbahn, viel Abenteuer, sehr viel gutes Essen - hier im südlichen Afrika, und ganz speziell in Swakopmund und Walvis Bay war ich nicht zum letzten Mal, versprochen.

Fotos (von der Robbe auf Deck sind leider irgendwo verschüttgegangen, in der Vorschau sind sie da, wenn man sie groß macht, ist da nur noch der Pelikan ...):

Gestern: Jetty in Swakopmund

Blick auf Swakopmund und die Dünen

Kolonialgebäude in Swakopmund

Biltong (Dörrfleisch aus Wild)

Namibischer Spieß - abartig viel

Leuchtturm von Swakopmund

Heute: Gerade noch rechtzeitig gebremst, Mann!

Gleich rennen sie alle in den Strafraum und lassen sich fallen

Delfin und Bohrinsel

Salzabbau im Nationalpark