Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 9. August 2015

Amsterdam is een lekkere stad

Jeder des Niederländischen Mächtige wird meine Liebeserklärung an die Reichshauptstadt für eine Vergewaltigung der Sprache halten, aber manche Worte sind so hübsch, dass man sie einfach bringen muss.

Ich habe am Freitag ein bisschen früher Schluss gemacht, sodass meine Arbeitskollegin und ich uns schon früher am Flughafen trafen. Wir checkten ein und droppten unser Gepäck off, nachdem wir an dem einen Dropoff weggeschickt wurden: Die lange Schlange bei der Business Class wollten wir nicht auf uns nehmen, deswegen gingen wir in die andere Halle: Alles klappte gut.

Unser Flug war ein bisschen verspätet, aber nur um ein paar Minuten. Nach der Ankunft kaufte ich uns eine Drei-Tages-Karte für den öffentlichen Nahverkehr und die Fahrt Flughafen-Stadt-Flughafen für 25 Euro. Die Karte haben wir ziemlich gut genutzt, finde ich ...

Nach einer Viertelstunde Fahrt kamen wir in Amsterdam Centraal (für einen meiner Lieblingskollegen: ja, die Station vor "Amsterdam Sloterdijk" ...) an und hüpften in die Straßenbahn zu unserem Hostel. Beim Aussteigen vergaß ich auszuchecken, also meine Karte wieder an den Kartenleser zu halten, was bei einer Zeitkarte meines Erachtens ohnehin einigermaßen sinnlos ist. Da wir die Karte am Freitag nicht mehr nutzten, war das aber alles kein Problem.

Wir liefen ein paar Meter an einer dieser traumhaft schönen Grachten vorbei und kamen in eine sehr belebte Zone, in der auch unser Hostel war. Die Halsabschneiderbande von Hostelbetreibern wollten natürlich nur Cash sehen: Ich musste erstmal zum Geldautomaten. Amsterdam ist zumindest hoteltechnisch ein sehr teures Pflaster: Ja, unser Hostel lag sehr gut und war trotz der guten Lage sogar verhältnismäßig ruhig, aber 70 Euro pro Nacht und Schnauz für ein Viererzimmer mit Toilette und Bad auf dem Gang (zu allem Überfluss ohne abnehmbaren Duschkopf, natürlich) sind halt schon eine Menge ... Und dann noch drei Euro für die Gepäckaufbewahrung zu nehmen: Saubande.

Das Hostel war aber wirklich das einzig nicht ganz so Schöne in Amsterdam.

Am Freitagabend machten wir noch einen schönen Spaziergang bis zur Binnenamstel, guckten dem Treiben auf den Grachten zu und aßen dann direkt gegenüber vom Hotel wirklich sehr leckere Tapas zu durchaus trinkbarem kalten Bier ...

Am Samstag standen wir auf, frühstückten kurz im Hotel und dann richtig direkt am Königlichen Palast. Dorthin waren wir gekommen, als wir mit der Straßen- und dann der U-Bahn bis zum Nieuwmarkt gefahren waren und von dort über das Rotlichtviertel (in dem morgens nix los war) und den Hauptbahnhof zum Dam mit dem Nationalmonument gegenüber dem Königspalast (in dem der König nur noch selten zugegen ist) liefen. Diese kleinen schönen Grachtchen sind einfach sehr schnuckelig (jetzt hätte ich fast "snukkelig" geschrieben ...).

Nach dem Frühstück gönnten wir uns eine Grachtenrundfahrt für 10 Euro: Toll. Unter diesen zum Teil richtig engen Brücken hindurchzufahren, am Blumenmarkt, vielen alten Gebäuden und etlichen Hausbooten vorbei, das war einfach sehr, sehr schön. Zum Schluss fuhren wir auf die IJ, guckten uns einen Riesenpassagierdampfer an, ehe dann über den alten Hafen zurück zum Ausgangspunkt ging.

Wir gingen die paar Schritte zum Hauptbahnhof und fuhren zum Anne-Frank-Haus: Die Schlange war uns deutlich zu lang, sodass wir kehrtmachten und erstmal ein typisch niederländisches Essen zu uns nahmen, den Stamppot: Lecker. Äh, lekker.

Wir fuhren in Richtung Museumsdistrikt und wollten zum Van-Gogh-Museum. Die Schlange war auch lang, aber nicht ganz so lang. Als wir da standen, schaute ich mal, ob ich auch online irgendwie Tickets kriege. Das klappte, sodass wir an der Schlange vorbei in eine andere Schlange kamen und wesentlich schneller dranwaren, auch wenn mein Handy an der Barcodekontrolle mal wieder schlappmachte und ich herumwursteln musste: Wir kamen rein.

Es ist schon beeindruckend, solche dann doch weltbekannten Werke wie die Sonnenblumen mal im Original zu sehen. Selbstporträts, Briefe und ein Überblick über van Goghs Leben: Das war schon spannend.

Wir verließen das Museum, setzten uns auf eine kleine Rasenfläche und genossen unseren Kurzurlaub. (Ich habe keinen Sonnenbrand davongetragen ...) Wir fuhren in Richtung des alten jüdischen Viertels am Waterlooplein, wo - wenig überraschend am Sabbat - die Museen geschlossen waren. Wir aßen bei einem Argentinier ganz akzeptables Steak und landeten dann in einer kleinen Lokalität an der Gracht in der Nähe unseres Hostels. Der englischsprachigen Bezeichnung des Etablissements zufolge ("Coffeeshop") handelte es sich um einen Kaffeeladen. Joa, Kaffee konnte man bestimmt da auch kaufen ...

Heute Morgen mussten wir um 10 Uhr auschecken, was wir schafften. Wir machten einen zweiten Anlauf beim Anne-Frank-Haus, wieder war uns die Schlange zu lang, sodass wir wieder zum "Joods Historisch Museum" und zur Portugiesischen Synagoge fuhren. Letztere wird noch heute als Gotteshaus genutzt und ist in ihrer relativen Schlichtheit (kein elektrisches Licht, nur Kerzen ...) sehr beeindruckend. Auch die Schatzkammer ist mit den Gold- und Silberwaren, den uralten Torarrollen und den ebensoalten Textilien hochinteressant.

Das Jüdische Museum von Amsterdam ist im Vergleich zu dem in Berlin ein Stückchen kleiner, aber natürlich war es spannend, ein bisschen über die Geschichte der niederländischen Juden zu erfahren. Wir aßen in der Nähe des Rathauses zu Mittag, setzten uns in einem kleinen Park an eine Gracht und schauten dort dem Leben zu. So lange, bis wir dann schweren Herzens aufbrechen mussten. In die Straßenbahn, zum Hostel, wieder in die Straßen zum Hauptbahnhof, dort in den Zug zum Flughafen, Einchecken, zum Gate, in den Flieger und ab nach Hause.

Wir drehten noch eine Ehrenrunde über der Stadt mit einem tollen Blick auf Zentral-Amsterdam und kamen recht pünktlich in Frankfurt an. Schnell war ich in der S-Bahn und in Wiesbaden.

Jetzt gehe ich nochmal kurz unter Nutzung meines abnehmbaren Duschkopfs duschen und morgen geht's dann schon wieder auf die Arbeit.

Gracht

Grachtenfront

Stamppot aus Spinat mit Speck, Hackbällchen und Mettwurst

Königlicher Palast und Nieuwe Kerk

In der Portugiesischen Synagoge

Amsterdam Centraal von oben
Schön war's. Amsterdam, ich komme wieder.

Freitag, 7. August 2015

Auf nach Holland

... und diesmal ist wirklich "Holland" gemeint, denn Amsterdam liegt in der niederländischen Provinz Nordholland.

Gegen 14.30 Uhr werde ich mich auf der Arbeit loseisen, damit ich um Punkt 15.29 Uhr in Frankfurt am Flughafen bin, wo ich mich mit meiner Arbeitskollegin treffe. Es müsste für eine gesunde Mahlzeit im Restaurant zum goldenen Adler reichen, um danach noch einzuchecken und womöglich Gepäck aufzugeben. Unser Flieger geht um 17.10 Uhr und wird gegen 18.30 Uhr in Schiphol landen.

Meine Kollegin hat die Unterkunft gebucht, die eine perfekte Lage haben soll. Schauen wir mal. Ich bin sehr gespannt auf Amsterdam, werde aber meinen Rechner für die zwei Tage wahrscheinlich nicht mitnehmen (vielleicht entscheide ich mich gleich noch spontan um), sodass ich erst am Sonntag Abend berichten werde.

Montag, 20. Juli 2015

Fotos

Petersplatz und Petersdom

Monumento a Vittorio Emanuele I

Kolosseum

Forum Romanum

In den Vatikanischen Museen

Caracalla-Thermen

Spanische Treppe

Palazzo Malta

Pantheon

Engelsburg

Chiuso: Bella Germania

Überall war zu gestern Abend in Deutschland, nirgendwo bekam man ein Bier her. Da mussten wir mit meinem Haselnussschnaps aus dem Kühlschrank vorliebnehmen.

Wie immer waren wir um 8 Uhr auf, gingen frühstücken und danach aus dem Haus. Die Schlange vor dem Petersdom war wieder einmal rund um den Petersplatz, sodass wir von unserem ohnehin nicht ganz cleveren Plan abließen, in die Kuppel des Petersdomes zu steigen (bei der Hitze!). Wir nahmen ein zweites Frühstück im Viertel hinter dem Vatikan ein, besuchten noch die Pfarrkirche des Vatikan mit dem schönen Namen Sant'Anna dei Palafrenieri und setzten uns dann unter Klängen eines südamerikanisch klingenden Chores und einer sehr deutsch klingenden Blaskapelle in die Säulen, die den Petersplatz säumen.

Ein Mittagessen in unserer Stammkneipe folgte, ehe wir zum Hotel gingen, unser Gepäck holten und mit dem Zug von San Pietro zurück zum Termini fuhren.

Unser Busunternehmen war völlig überfüllt, wir hätten drei Busse warten müssen (und wären zu spät zum Flughafen gekommen), weil die nicht in der Lage sind, Tickets mit festen Rückfahrzeiten zu verkaufen. Diese Firma namens Terravision macht mit verkauften, aber nicht nutzbaren Rückfahrkarten sicher einen schönen Reibach, manch einer würde das womöglich betrügerisch nennen. Ich werde mit diesem Saftladen jedenfalls nicht mehr fahren. Herzlichen Glückwunsch zu drei Euro Gewinn, wenn man einen Kunden verliert, der ansonsten recht träge gewesen wäre und sie immer weiter genutzt hätte.

Wir fuhren dann mit dem teuren, aber pünktlichen und kühlen Zug, machten einen mittleren Fußmarsch über den Flughafen, checkten am Automaten ein und gingen dann durch die Sicherheitskontrolle ... Im Abflugbereich war die Hölle los, aber unser Flug nach Paris ging halbwegs pünktlich. Ich schüttete einem Amerikaner noch ein bisschen Rosé über die Hose (sorry!), aber das Sandwich war ganz okay. In Paris liefen wir und liefen wir, stiegen in einen Bus um und landeten an einem Satellitenterminal, an dem wir dann in unseren Hop-Flieger einstiegen. Auch der Flug war ganz entspannt, nur die streitenden Freundinnen vor uns und die lautstark (nach der Landung) telefonierende Tante hinter uns nervten ein klitzekleines bisschen.

Wir erwischten die angestrebte S-Bahn und bekamen in Wiesbaden nichts mehr zu trinken. Naja. Ceterum censeo: Es war toll.

Fotos heute Abend.

Samstag, 18. Juli 2015

Plötzlich am Pantheon

Auch heute war es wieder recht heiß. Das kann man sich denken, wenn man im Juli nach Rom fliegt, aber irgendwie rechnet man dann doch nicht damit, dass es so schweißtreibend wird. Naja, sei's drum ...

Wir waren wieder erst um 8 Uhr wach, frühstückten wir gut und verließen gegen 9.30 Uhr oder so das Hotel. Wir liefen zum Bahnhof San Pietro und erstanden mit einigen Verwirrungen unsere 1-Euro-Fahrkarte nach Rom Ostiense. Dort stiegen wir aus dem Zug aus und machten einen längeren Spaziergang in Richtung Caracalla-Thermen, bei denen wir natürlich erst einmal um die große Anlage herumliefen ...

Schließlich fanden wir aber den Eingang und genossen diese riesige Anlage mit viel Schatten, die sehr beeindruckend war. Zu gerne hätten wir es gehabt, wenn es noch diesen großen Swimmingpool gegeben hätte, den die Römer damals nutzen konnten. Schööööön ... wäre es gewesen.

Wir verließen nach einer Stunde die Anlage wieder, guckten kurz beim Circus Maximus vorbei und fuhren mit der U-Bahn zur Piazza di Spagna. Wir bewunderten die Spanische Treppe, ich schaute kurz beim Malteserorden vorbei (ich habe mich jetzt entschieden, ihn außer Konkurrenz in meine Länderliste einzutragen), ehe wir in Richtung Trevi-Brunnen wanderten. Leider wird der immer noch restauriert. Reinfall, schöner ...

Janine übernahm die Führung, und wenige Minuten später standen wir am beeindruckenden Pantheon. Weiter ging es über die Piazza Navona und sehr schöne kleine Gassen bis zur Engelsburg, zur Straße in Richtung Vatikan, über die Arkaden dort (schön schattig) wieder heim und in die Siesta.

Der Abendspaziergang führte uns wieder in die Sträßchen um die Piazza Navona, wo wir nach einigem Suchen eine sehr schöne Kneipe fanden. Das Risotto mit Meeresfrüchten war toll, aber viel zu viel, das Tiramisù war nicht so ganz meins, aber insgesamt war es sehr lecker dort.

Und schon war dieser schöne, letzte volle Tag in Rom schon wieder vorbei. Janine schläft schon, ich gehe jetzt unter die Dusche, morgen geht es heim. Schön war's ...

Freitag, 17. Juli 2015

Piccolo mondo

Die Welt ist klein. Die Überschrift hätte auch "Holzfäller-Bolero" lauten können, aber dazu später mehr ...

Wir waren heute relativ früh wach und gingen entsprechend früh zum Frühstück. Danach verließen wir die Kühle des Hotels und waren überrascht, dass es draußen noch keine Sauna-Temperaturen waren.

Das änderte sich aber schon nach wenigen Schritten, als wir in die Sonne kamen: Auch heute würde es ein schweißtreibender Tag werden. Wir pilgerten in Richtung Petersplatz und steuerten zielstrebig auf jenes Tor zu, das ich vor zwei Tagen als den Zugang zum Campo Santo Teutonico identifiziert hatte. Pustekuchen. Der freundlichen Schweizergardist schickte mich einmal ums Karrée. Der nächste Schweizergardist schickte und zu einem Sicherheitswagen der italienischen Polizei, indem ein hochmotivierter Polizist seiner Aufgabe nachging, uns mit einem ausgeschalteten Piepsding auf gefährliche Gegenstände zu untersuchen. Gepiept hat es nicht.

Wir betraten also den speziell gesicherten Bereich, der zwar exterritorial unter der Aufsicht des Vatikan steht, völkerrechtlich aber zu Italien gehört. Wir fragten uns weiter und waren bald auf dem Campo Santo angelangt. Schön, schön schwül war es dort, aber in der Tat eine grüne Oase im Vatikan, soweit man ihn auf die öffentlich zugänglichen Bauten beschränkt.

Als wir den Friedhof betraten, stand da ein Mann, der mir irgendwie bekannt vorkam. Wir schlenderten durch den nicht sehr großen Friedhof, guckten uns die Kirche an, als der Mann auf mich zukam und fragte, ob ich aus Bonndorf sei. Ich bejahte, und es stellte sich heraus, dass der Herr der Onkel eines meiner ältesten Schulfreunde war und wir uns ja erst zu dessen Hochzeit letztes Jahr gesehen hatten. Da treffen sich zwei Bonndorfer in Rom auf dem Deutschen Friedhof. Piccolo mondo.

Nach dieser schönen Bewegung (eine WhatsApp-Nachricht an den Schulfreund wurde natürlich mit Selfie abgesetzt) gingen wir in Richtung Vatikanische Museen und standen erstmal eineinhalb Stunden in der Schlange. Wenigstens standen wir im Schatten, und das Ganze lohnte sich, auch wenn die Hölle loswar. Pinokothek: Toll. Blick auf die vatikanischen Gärten: Fantastisch. Sixtinische Kapelle: Wie immer extrem überfüllt, aber nach wie vor sehr beeindruckend. Die Augustue-Statue fanden wir beim Hinausgehen auch noch. Eines verstehe ich aber nicht: Wieso müssen die Menschen mitten in der Tür stehen bleiben? Unglaublich.

Wir tranken ein Bierchen (öhem, ich zwei) und aßen eine Kleinigkeit, ehe wir wieder Siesta machten. Um 17 Uhr gingen raus in Richtung Petersplatz und stellten uns in die Schlange zum Petersdom. Die Sicherheitskontrolle überstanden wir, nur die Einlasspförtner, die auf Schulter- und Kniebedeckung achteten, dass die Willkür der des iranischen Mullah-Regimes alle Ehre machte, erkannten am Kleid von Janine eine Stelle, an der die Schulter angeblich nicht bedeckt war und wiesen sie ab. Naja, liebe Leute, wenn es euch lieber ist, dass so ein Walross wie ich sein (Holzfäller-)Oberhemd der Dame als Bolero zur Verfügung stellt und selbst im durchgeschwitzten T-Shirt durch den Petersdom läuft, dann soll es halt so sein. Helden der Steinzeit ...

Der Petersdom war sehr beeindruckend, aber auch beeindruckend voll, sodass wir nach einem Rundgang und dem Gang durch die Krypta auch schon nach endlicher Zeit draußen waren.

Es folgte ein Abendessen und ein Absacker in der Osteria der Päpste, ehe wir nun hundekaputt im Bett sind. Morgen wird ein neuer Tag. Bis dahin ...

Donnerstag, 16. Juli 2015

La moneta è caduta.

Ja, die Münze ist gefallen, heute Morgen, beim Frühstück. Leider hatten wir keine Würfel zur Hand, sonst hätte die Überschrift "Alea iacta est" gelautet. O tempora, o mores etc. etc. Achso, die Münze fiel auf Kopf, deswegen machten wir heute Roma Romana, also das römische Rom, i.e. Kolosseum und Forum Romanum.

Aber erst einmal gingen wir zum Frühstück oben auf die Dachterrasse. Für italienische Verhältnisse war das ziemlich üppig, auch wenn das hart gekochte Ei nicht mehr ganz taufrisch war und mir im Laufe des Tages dann ein wenig zu schaffen machten. Morgen esse ich kein Ei.

Ich klaubte all meine Italienisch-Kenntnisse zusammen (mein Italienisch ist, wenn ich es jemals halbwegs gekonnt haben sollte, inzwischen vollständig und total eingeschlafen) und kaufte "sei bigletti" bei dem Tabakstand unten an der Hauptstraße.

Wir fuhren - es war inzwischen schon bombastisch heiß - zur Piazza Venezia, direkt an der Riesen-Schreibmaschine und stiegen dort - mit Zwischenstopp im Schatten - in die 51 um, die uns direkt zum Kolosseum brachte. Dort standen wir - ich schätze mal, eine Dreiviertelstunde - an, bis wir die Eintrittskarte für 12 € pro Person erstanden hatten.

Der Blick über das Kolosseum ist - ganz einfach - atemberaubend schön. Vielleicht kriege ich am Ende dieses Eintrages zwei, drei Fotos hochgeladen. Es ist einfach toll. (Auch wenn da jede Menge Leute an der engsten Stelle zusammenstehen, ts.)

Die Eintrittskarte fürs Kolosseum berechtigt auch zum Eintritt ins Forum Romanum, das sich Gott sei Dank direkt ums Eck befindet. Allerdings bewegten wir uns zunächst in die andere Richtung, da wir Durst und Janine auch ein Hüngerchen hatte. Nach dem Konsum eines Panini, eines Bieres (ich!) und zwei Softdrinks verließen wir die Kneipe wieder und machten uns dann wirklich auf zum Forum.

Ich glaube, ich war das erste Mal tatsächlich auf dem Gelände des Forum Romanum, das ebenfalls sehr schön, speziell, wenn man die Bauten Roms wie die Schreibmaschine (was offiziell das Denkmal für das Risorgimiento oder sowas ist) um sich herum sieht.

Janine machte den Vorschlag, dass wir es an dieser Stelle gut sein lassen, denn es war wirklich unerträglich heiß, und wir hatten keinesfalls zu viel Wasser getrunken. Wir fuhren also zurück ins Hotel und machten ausgedehnte Siesta: Schöööön ... Speziell die Klimaanlage im Zimmer ...

Gegen Abend machten wir uns auf, guckten uns kurz auf der Dachterrasse den Blick auf den Petersdom an und gingen dann in die "Osteria der Päpste", wie sie sich bescheiden nennt, zum Essen. Es gab Pizza mit Lachs und Tunfischsteak, sehr lecker, dazu eineinhalb Liter Wein und reichlich Wasser.

Ich bin Janine sehr dankbar für ihren Vorschlag, um 13 Uhr abzubrechen, weil wir sonst heute Abend mindestens halbtot gewesen wären. So war's ein richtig schöner Urlaubstag ...

Morgen geht's in den Vatikan (und Janine meckert schon, dass ich soviel schreibe, was hätte ich nur geschrieben, wenn wir heute durchgezogen hätten?).

Fotos wollen auch heute nicht ... Vielleicht am Sonntag Abend.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Non siamo russi

Wir sind wirklich keine Russen! Während ich es ja schon fast gewöhnt bin, als Osteuropäer verortet zu werden, wundert das mich bei Janine wirklich, denn die sieht - finde ich - nicht wie eine Russin aus. Naja, sei's drum, siamo tedeschi, Freunde!

Der Flug war sehr entspannt, wir hatten die Plätze A und C mit freiem B-Platz; zudem war hinter uns die ganze Reihe frei, sodass wir beide am Fenster sitzen konnten. Es ging mit Blick auf den Bodensee und den Zürichsee in Richtung Italien, und kaum hatten wir uns nach eineinhalb Stunden versehen, kamen wir pünktlich (trotz einer halben Stunde Verspätung beim Start) in Bella Italia an.

In der "ewigen Stadt" kam - wie passend - das Gepäck ewig nicht, aber jede Ewigkeit ist irgendwann einmal zu Ende, sodass wir mit unseren Sachen den Ankunftsbereich verlassen konnten. Die haben die Busticketstellen seit Juni 2014 ein bisschen verlegt, sodass wir sie nicht auf Anhieb fanden. Als wir sie fanden, mussten wir uns in eine lange Schlange einreihen. Um 15.05 Uhr sollte unser Bus gehen, wir waren um 15.02 Uhr dran, bekamen unsere Hin- und Rückfahrkarte und stellten uns - der Bussteig war zum Glück nicht weit weg - ins Pulk, um auf unseren Bus zu warten.

Normalerweise befolge ich Schlangen, aber wenn es keine Schlangen gibt und ich in die Stadt will, fange ich an zu drängeln. Janine sicherte einen Platz im Bus, während ich unser Gepäck im Bauch des Busses unterbrachte.

Die Fahrt war ganz in Ordnung, es war ein wenig Stau, aber nach einer guten Stunde kamen wir am Bahnhof Termini an. Wir kauften erst einmal etwas zu trinken und dann eine Fahrkarte, die uns - für 1,00 Euro - vom Termini mit dem Vorortzug nach Roma San Pietro bringen sollte. Wir erstanden die Karte, fanden auch unser Gleis und unseren Zug und wurden ein wenig unruhig, als der Zug zehn Minuten nach planmäßiger Abfahrt noch nicht unterwegs war. Es gab irgendeine Verspätung, aber nach 17 Minuten ging es los.

In San Pietro gingen wir durch die Unterführung und den Berg hoch, bis wir unser Hotel fanden. Der Strom war gerade weg (uns wurde aber versprochen, dass er bald wieder kommt ...), aber einchecken konnten wir schonmal. Das Zimmer ist sehr schön, mit Klimaanlage und tollem Bad ...

Wir hielten uns nicht lange auf, sondern gingen unten an der Hauptstraße einen kleinen Snack essen: Es gab Pizza bzw. ein Panini.

Wir liefen ein paar Schritte und betraten Janines 10. Land: die Vatikanstadt. Der Blick vom Petersplatz auf den Petersdom ist schon immer wieder schick ...

Nach zwanzig Minuten reisten wir wieder - ohne Pass und Visum vorzuzeigen - aus der Vatikanstadt in Richtung Italien aus und suchten uns eine schöne Kellergaststätte, in der wir einen Hauswein tranken und Ravioli bzw. Spaghetti mit Muscheln aßen. Sehr lecker.

Durch die immer noch vorhandene Hitze (abends um 21 Uhr!) gingen wir zurück, kürzten wieder über den Petersplatz ab und landeten schließlich erfolgreich im klimatisierten Zimmer. Eine Dusche (mit abnehmbarem Duschkopf!) wirkt immer wieder Wunder ...

Wir entscheiden morgen sehr spontan, wo es hingeht: Zur Wahl stehen der Vatikan (richtig) oder Kolosseum und Forum. Wird in jedem Fall sehr lustig.

Fotos gibt's heute nicht, weil die WLAN-Verbindung im Hotel nicht mag. Stromausfall und so ...

Andiamo, ragazzi

So, jetzt sitzen Janine und ich hier am Flughafen in Frankfurt. Gleich geht es nach Rom. Jaja, ich weiß, das ist ja noch in Europa und außerdem war ich schon in Italien, aber trotzdem war ich schon lange nicht mehr richtig in der ewigen Stadt (die vier Stunden im Juni 2014 nach dem Flug aus Brasilien zählen nicht richtig!). Wir freuen uns sehr, das wird zwar heiß, aber hoffentlich sehr interessant.

Wir saßen gestern Abend noch im Sherry & Port zusammen, und es war, sagen wir, nicht ganz einfach, heute Morgen um 7 Uhr aufzustehen, aber wir haben es geschafft und waren - wie eigentlich immer - zu früh am Flughafen. Automaten-Check-in, Baggage-Drop-Off und Sicherheitskontrolle gingen ziemlich fix, sodass wir nun von Gepäck erleichtert unterwegs sind - auf dem Hinflug haben wir wenigstens jeweils ein Gepäckstück frei, anders als auf dem Rückweg ...

Um 13.45 Uhr landen wir in Rom und sind dann hoffentlich gegen 17 Uhr oder so am Hotel. Dann steht wohl ein kleiner Spaziergang über den Petersplatz und in Richtung Innenstadt bevor. Ich werde berichten ...

Montag, 22. Juni 2015

Tulpen aus Amsterdam

Joa, eigentlich wollte ich nicht mehr so viel Kohle durch meine Kreditkarte blasen ...

Heute Abend saß ich mit einer Arbeitskollegin zusammen, und bei vierten Bierchen haben wir die Flüge von Frankfurt nach Amsterdam und zurück gebucht ...

Am Freitag, 7. August, fliegen wir spätnachmittags nach Amsterdam und am Sonntag, dem 9. August, abends wieder zurück.

Ich bin sehr gespannt auf die niederländische Hauptstadt, die ich noch überhaupt nicht kenne. B. hat mir schon angedroht, dass wir mit fietjes an den Grachten vorbei und sonstwo durch die Gegend fahren. Mal sehen, ob wir auch das eine oder andere Gebäck zu uns nehmen ...

Spontan ist meist am schönsten, und so hoffe ich, dass Amsterdam so toll wird wie meine anderen Besuche in Holland (und ja, ich weiß, dass die "Niederlande" und "Holland" nicht deckungsgleich sind ...).

Mittwoch, 10. Juni 2015

Ostasien

... hat es mir jetzt doch ein bisschen angetan, vor allen Dingen, weil man da schön visumfrei in der Gegend herumreisen kann.

Meine Ma und ich haben uns heute geeinigt, dass wir die Südostasientour, die wir für nächstes Frühjahr ins Auge gefasst hatten, auf 2017 verschieben. Daher sind Myanmar, Thailand und Kambodscha in der obigen Karte wieder grau eingefärbt.

Dafür sind jetzt neben Japan, Südkorea und Taiwan auch die Philippinen und Brunei orange eingefärbt. In alle fünf Länder kann man als Deutscher visumfrei einreisen, zwischen diesen fünf Ländern gibt es jede Menge preisgünstige Flüge, sodass es gut sein kann, dass ich nächstes Jahr da, sagen wir, drei Wochen in der Gegend herumfliege ...

Eine Arbeitskollegin hat sich heute spontan angeboten, da mitzufliegen, mal gucken, ob sie das dann wirklich macht oder ob ich mir noch jemand anderes suchen muss ...

Wenn ich schonmal da unten bin, könnte man ja vielleicht auch noch nach Osttimor, für das man seit zwei Wochen kein Visum (das man bisher bei Einreise bekam) mehr braucht, reisen, aber die Flüge von Brunei oder Manila nach Dili sind deutlich teurer als die Flüge zwischen den anderen Ländern. Mal sehen, wenn ich Anfang 2016 in die genauere Planung einsteige.

Als Zeitraum strebe ich jetzt erstmal das Frühjahr an, da ist ja auch Kirschblüte in Japan. Es hängt alles ein bisschen davon ab, wann die Aktuarprüfungen nächstes Jahr angesetzt werden. Dieses Jahr waren sie ja am Wochenende nach Himmelfahrt, das könnte nächstes Jahr ein bisschen zu früh sein. Auch hier gilt: mal abwarten ...

Wenn man drei Wochen unterwegs ist, hat man nach Adam Riese so etwa 21 Reisetage (wenn man Samstag hinfliegt und Samstag zurückfliegt), das hieße bei fünf Ländern pro Land etwas über vier Tage. In Brunei braucht man vielleicht nicht so viele Tage, sodass man da vielleicht noch einen oder zwei Tage irgendwo anders einlegen kann. Spontan würde ich die in Japan oder am Strand auf den Philippinen anhängen wollen, aber auch hier gilt, selbst wenn ich mich wiederhole: Wir werden sehen.

Vielleicht könnte das so aussehen:

Tag 1: Abflug in Deutschland
Tag 2: Ankunft in Japan
Tag 3-5: Tokio, Osaka, Kyoto
Tag 6: Tokio-Seoul
Tag 7-8: Seoul
Tag 9: Seoul-Taipei
Tag 10-11: Taipei
Tag 12: Taipei-Brunei
Tag 13: Brunei
Tag 14: Brunei-Manila
Tag 15-16: Manila
Tag 17-19: Strandtage auf den Philippinen
Tag 20: Manila-Tokio
Tag 21: Heimflug nach Deutschland
Klingt gut, oder?

Ich habe ja in den letzten Jahren oft versucht, so ein bisschen zu clustern und auf einer Tour von mehreren Ländern einen Eindruck zu gewinnen. Das wird, wie man auf der letzten Tour gesehen hat und bei der Reiseplanung für 2016 oben auch sieht, noch einige Zeit so bleiben.

Neben der für 2017 geplanten Myanmar-Thailand-Kamboscha-Kombination (an die man ja womöglich auch nach Laos und Vietnam - allerdings braucht man hier ein vorher beantragtes Visum - anhängen könnte), gibt es relativ naheliegend einen Cluster in Mittelamerika mit Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras. Ein bisschen weiter südlich könnte man Ecuador und Kolumbien vielleicht mit Venezuela kombinieren, oder man verbindet Venezuela mit Guyana und Suriname.

In Afrika ist das mit dem Clustern alles so ein bisschen schwierig, weil man da für unfassbar viele Länder vorher beantragte Visa benötigt. Es wird mir wahrscheinlich für immer ein Rätsel bleiben, wieso Länder, die durchaus touristisches Potenzial haben und die von westlichen Touristen wirklich nichts zu befürchten haben, potenzielle Geldausgeber nicht mit offeneren Armen empfangen. Klar, es ist ihre Entscheidung, aber es ist dann halt auch meine Entscheidung, den Besuch dort ein wenig zurückzustellen.

Was in Afrika aber funktionieren könnte, ist diese Tour, die ich seit vielen Jahren im Auge habe und die in ihrer Langform von Windhuk in Namibia über den Chobe-Nationalpark in Botswana und die Victoriafälle in Sambia und Simbabwe nach Malawi führt. Das sind nämlich alles Länder, für die man kein Visum braucht als Deutscher (Namibia, Botswana, Malawi) oder wo man das Visum wenigstens bei Einreise bekommt (Sambia, Simbabwe).

Man sieht: Es sind noch genügend Länder und Touren übrig bis zum Land 207 ...

Samstag, 6. Juni 2015

Bi iis do

Unsere Abholung auf Bali kam sogar zu früh, sodass wir deutlich zu früh am Flughafen waren. Unser Check-in war in Reihe B ausgewiesen, auch wenn uns zwei übereifrige Security-Fritzen auf Reihe D hinwiesen, woraufhin ich ihnen auf dem doofen Bildschirm zeigte, dass dort "B" stand. (Kurz vor Check-in-Öffnung wurde das dann auf "D" umgestellt, Helden!) Auch stand am Eingang zum Check-in-Bereich einer, der die Tickets sehen wollte, also zeigte ich ihm die Buchungsbestätigung auf dem Handy, er fragte: "For two?", ich sagte: "Yes", und durch waren wir. Völlig sinnbefreit das Ganze.

Den Check-in überstanden wir mit 19,9 und 19,6 Kilogramm (der Rest war Handgepäck), ehe wir nach Bezahlung der Flughafenbenutzungsgebühr ausreisten und durch die Sicherheitskontrolle gingen. Passend zur Art unseres Aufenthalts auf Bali gab es am Flughafen Pizza und einen Burger, das hat sogar ganz lecker geschmeckt. Am Gate stand nochmal so einer, der angeblich das Gepäck untersuchen sollte, der guckte mal kurz rein. Völlig sinnlos. Leute, entweder macht ihr die Sachen richtig oder ihr belästigt die Touristen nicht. Zweimal das gleiche Gepäck zu kontrollieren, tut mir leid, ist völlig bekloppt.

Der zweieinhalbstündige Flug war trotz dauerbrüllender Kinder okay (Memo an mich: Wenn ich jeweils Kinder zu betreuen habe, keine Flüge, solange die den Druckausgleich nicht ohne Gebrüll hinbekommen), danach ging es mit dem Taxi ins Hotel.

Das Hotel hatte ein interessantes Konzept: Toilette und Dusche befinden sich zwar unter dem Dach, aber ohne Fenster von der Straße abgetrennt (es gibt einen Duschvorhang, damit man sich nicht in der fine city Singapur eine Strafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses einhandelt). Das Ganze ist nur nicht so richtig angenehm, weil es natürlich für den Bereich auch keine Klimaanlage gibt (die für den Raum war bei unserer Ankunft auch aus, und der Raum war saumäßig heiß). Schwitzend auf der Toilette zu sitzen, da gibt es angenehmere Erfahrungen als die. Interessantes Konzept also, funktioniert nur nicht richtig. Und teuer war's auch noch, was wohl weniger am Konzept, als an den aktuell in Singapur stattfindenden Südostasien-Spielen liegen dürfte ...

Am nächsten Morgen (in der Nacht kam die Klimaanlage dann besser auf Touren) gingen wir frühstücken: Es gab die Auswahl zwischen zwei Lokalen, eines eher einheimisch, eines - gegen Zuzahlung - eher europäisch, und da entschieden wir uns einfach mal für europäisch, weil diese runny eggs nicht so ganz mein Geschmack sind.

Danach ging es zum Auschecken ins Hotel und dann nach Hinterlassen des Gepäcks noch einmal in die Stadt: Wir machten Chinatown unsicher, gingen wieder ins Maxwell Food Centre und aßen dort noch einmal ein paar Kleinigkeiten (das Maxwell Food Centre haben wir so ins Herz geschlossen, dass Uli, als sie von ihm redete, bi iis do - also "bei uns dort" - sagte, so heimisch fühlten wir uns da schon ...). Souvenirs erstanden wir keine (Kitsch as Kitsch can ...) und so fuhren wir zwecks Überbrückung der Zeit und der Hitze nochmal ins Casino, machten aus 40 Dollar 50 Dollar und legten die dann in unserer Stammkneipe, dem Blu Jaz in Bugis, gewinnbringend in Bier, Wein und Pommes an.

So langsam wurde es dann Zeit zum Aufbruch, wir fuhren im Bus zurück, holten unser Gepäck und fuhren dann mit der U-Bahn zum Flughafen. Wir konnten bald einchecken, ich fuhr zum Duschen ins Terminal 1 - sehr schön, auch wenn sie die Schlüssel erst herausgeben sollten, wenn die Dusche wieder hergerichtet ist ... - und traf dann Uli am Gate. Wir ließen noch eine Tourismusbefragung über uns ergehen (diesmal waren Antworten von Deutschen begehrter ...) und gingen dann an Bord der Maschine nach Doha.

Joa, ich guckte drei Filme (u. a. "The Grand Budapest Hotel" auf Empfehlung eines Arbeitskollegen) und dann waren die siebeneinhalb Stunden eigentlich auch schon fast um. Wir kamen etwas verspätet in Doha an und gingen dann schnelleren Schrittes vom einen Ende zum Flughafen durch die Sicherheitskontrolle (wo ich zu Ulis Überraschung eine Dame, die sich vorbeidrängeln wollte, etwas unsanft zurückpfiff - ich sehe ja ein, wenn man zum Gate muss, aber wir mussten auch zügig zum Gate ...) zum anderen Ende des Flughafens. Natürlich hatten wir noch jede Menge Zeit, trafen im Flieger dann noch zwei Schweizer Freunde, die von den Malediven kamen, und hatten Glück, weil neben uns der Platz jeweils frei war. Ich hatte sogar ganz großes Glück, denn ich hatte neben mir sogar zwei freie Plätze im Mittelblock, sodass ich mich - umrahmt von "Stirb langsam" - mal zweieinhalb Stunden mehr oder weniger flach hinlegen konnte. Schön.

Kurz vor der Einreise kam ein Einspielfilmchen bezüglich der Einreise in die EU, was angesichts unserer Landung in Zürich die im Flieger sitzenden Schweizer sehr erfreut haben durfte, dann war bei der Einreise noch ein Drittausländer vor uns, der nicht lesen konnte (sonst hätte er die EU-EEA-CH-Anzeige über die Passkontrolle gelesen ...) und den ganzen Verkehr aufhielt, aber unser Gepäck war sowieso noch nicht da, sodass wir da noch ein bisschen warten mussten.

Wir wurden in Kompaniestärke von unseren Müttern und ein paar Freundinnen von Uli empfangen, standen mitten im Ausgang und tranken Sekt. Mädels ...

Im Schwarzwald setzten wir uns auf Mutters Balkon und gingen danach schön essen. So ein Steaklein bi iis do in der Germania ist schon was Feines ... Um 16.30 Uhr gab ich den Kampf gegen die Müdigkeit auf, was ich damit bezahle, dass ich jetzt seit 4 Uhr auf dem Bett sitze und allerlei Blog-Schreibe- und Statistik-Gedöns-Arbeit auf meinen diversen "Wo war ich?"-Listen nachpflege.

Ceterum censeo, achso, ne: Es war toll, wie immer. Singapur ist beeindruckend, von der kulturellen Dichte, von den Essensmöglichkeiten, von der Skyline, aber leider auch von der Hitze und Luftfeuchtigkeit her. Leute, stellt mal bitte die Dampfsauna ab, wenn (when, nicht if, inschallah) ich das nächste Mal komme, okay? Kuala Lumpur ist irgendwie same, same but different, ein bisschen wie Singapur, aber alles eine Nummer kleiner (bis auf die Petronas Towers), auch ein klitzekleines bisschen kühler. Doch, da kann man sicherlich nochmal irgendwann ein, zwei weitere Tage verbringen, zumal unser Hotel dort wirklich toll war.

Bali. Ach, Bali. Zu Bali habe ich mich im letzten Eintrag hoffentlich ausreichend zerknirscht gezeigt: Der Strand jedenfalls war sehr schön, das Essen war auch sehr lecker. Mehr haben wir nicht gesehen ...

Was vergessen? Wie? So eine Kleinstadt down under? Also gut: SITA ist nicht nur ein Flughafen-IT-Unternehmen, sondern auch eine Abkürzung für meine nunmehr drei Favoritenstädte auf diesem Planeten: Sydney, Istanbul, Tel Aviv (ohne besondere Reihenfolge). Sydney ist soooo toll, dass ich jedes Mal in den letzten Tagen, wenn ich an Sydney zurückgedacht habe, Pipi in die Augen bekommen habe vor ... - ja, was eigentlich? Heimweh kann es schlecht sein, dann wird es wohl Fernweh - und zwar der übleren Sorte - sein. Oper, Brücke, Skyline, Fährefahren, Manly, Aussie Rules, Blue Mountains, Wale, Bondi, Olympic Park, Kolsch im "4 Pines", Liveband im "Bourbon", Three Sisters, Rugby - Sydney (und Umgebung) hat mich umgehauen, aber so richtig heftig. Wenn ich nächstes Jahr wirklich meine Ostasientour mache (Tokio, Seoul, Taipei, inzwischen überlege ich auch wegen Manila und Brunei), da könnte man doch sicher irgendwo einen Billigflug nach Sydney mitabstauben, oder? Will wieder zurück. Bald. Sehr bald. So toll.

Happahappa war überall lecker: Highlights in Singapur waren der Sushi-Salat im Maxwell Food Centre, aber auch das Katong Laksa weiter im Osten, die Satay-Spieße in dem Food Centre mit Blick aufs Meer und das Garlic Naan in Little India. In Sydney sind das Bourbon und das 4 Pines auch essenstechnisch empfehlenswert, wobei das 4 Pines solide-lecker ist und das Bourbon einen besonderen Geschmack in vermeintlich bekannte Gerichte bringt: vom Frühstück bis zum Abendessen toll, egal ob es ein klassischer Burger ist oder das Lachssteak. Fish and Chips kriegen die Australier aber auch hin, selbst am Bondi Beach. In Kuala Lumpur haben wir zwei sehr gegensätzliche Foodcourts ausprobiert, ein versteckt gelegenes bei uns in der Nähe, eines in einem Innenstadt-Einkaufstempel der Luxusklasse: Lecker und bezahlbar war es in beiden (selbst, wenn man nicht aufpasst und Doofensteuer zahlt ...), egal, ob man nun Malayisch oder Indisch isst. Und über Fisch und Meeresfrüchte auf Bali müssen wir ohnehin nicht reden.

Das Tiger Beer in Singapur ist es sehr solides Pils, das man wirklich gut trinken kann. Man schmeckt etwas und hat trotzdem keine Nachwehen. Daher haben wir das Tiger Beer in Singapur fast ausschließlich und in Malaysia auch öfter getrunken. Das Bali Hai - oder wie das heißt - stammt erstens nicht von Bali und ist zweitens scheußlich, während man sich mit dem Bintang abfinden kann. Begeistert bin ich davon nicht, aber man muss es nicht ausspucken, wenn man versehentlich oder vorsätzlich einen Schluck davon trinkt. Aber jede nicht traditionell biertrinkende Region hat es halt nach Sydney schwer, wo du eine Riesenauswahl verschiedenster Biere hast, viele Kleinbrauereien, die auch mal was ausprobieren, was vielleicht nicht immer (aber oft) eine Offenbarung ist, in jedem Fall jedoch interessante Geschmackskombinationen birgt. Es ist ein Unterschied, ob du die Auswahl zwischen zwei mehr oder weniger laffen Pilsmarken hast, die dann womöglich noch aus der Flasche kommen, oder ob du zwischen Stout vom Fass, Bitter vom Fass, Hefeweizen vom Fass, Pale Ale vom Fass, Cider vom Fass und noch zwei, drei anderen Fassbieren, die jeweils in Kleinstmengen gebraut worden sind, wählen kannst.

Wiederkommen? Singapur ja, schon allein, weil Singapur das Tor nach Südostasien und Ozeanien ist, da würde selbst, wenn ich die Stadt hassen würde, kaum ein Weg daran vorbeiführen. Es ist halt ein bisschen heiß, aber es gibt ja Klimaanlagen und Duschen (teilweise sogar mit abnehmbarem Duschkopf!). Kuala Lumpur, ja, Kuala Lumpur haben wir ein bisschen sehr im Schweinsgalopp angeguckt, da kann man am Anfang oder Ende einer Tour sicherlich nochmal ein, zwei Tage verbringen. Bali ohne jeden Zweifel, am Strand liegen, aber dann auch mal durch die Gegend fahren und sich umgucken. Und über Sydney müssen wir nicht reden.

Schön war es, wie fast immer. Und die Hitze in Singapur war vielleicht ein bisschen Training für die trockenere Hitze, die mich in sechs Wochen in Rom erwartet. In Rom war ich schon lange nicht mehr (richtig), das wird mal wieder Zeit, und ich glaube, das wird schön.

Zum Abschluss noch das Tsunami-Fluchtschild aus dem Hotel auf Bali:

Over and out aus Nr. 99, 100, 101 und 102 ...

Mittwoch, 3. Juni 2015

Abschied

Leider müssen wir in wenigen Stunden Abschied nehmen von Bali. Es wurde mit jedem Tag schöner, sodass wir tatsächlich keinen einzigen Ausflug über die engen Grenzen des Touristenressorts und den unmittelbar danebengelegenen Touristenlokalen hinaus gemacht haben. Wir waren also, und das sage ich zerknirscht und mit voller Selbstverachtung, totale Strandtouristen ...

Wahrscheinlich wird jeder, der Bali wirklich kennt, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und uns von den Tempeln und der Terrassenlandwirtschaft vorschwärmen, von der Gastfreundschaft der Menschen außerhalb der Touristenghettos (wobei die Leutchen im Hotel auch schon ziemlich gastfreundlich waren) und vom tollen authentischen Essen in Einheimischenlokalen. Ja, er tut das bestimmt zurecht. Aber der Strand war - wenn man sich daran gewöhnt, dass ab und zu eine Verpackung an einem vorbeischwimmt - einfach zu schön, das Essen auch in den Touristenlokalen war zu lecker, vor allem aber waren wir nach zwei Wochen intensiven Reisens einfach froh, mal ein paar Tage am Strand abzuhängen, ohne von einer U-Bahn in den nächsten Bus oder vom Taxi in die nächste Fähre zu hüpfen, ohne von immer neuen fantastischen Eindrücken überwältigt zu werden (der Eindruck vom Strand und der Poollandschaft hier im Hotel war auch ganz okay, würde ich sagen ...). Schön, lecker, toll, sehr entspannt war es hier auf alle Fälle.

Wenn ich so weitermache wie im Moment, habe ich ja die 207 Länder (oder wieviele es bis dahin auch sein mögen) früher voll als im zarten Alter von 80 Jahren, und wenn ich dann nochmal von vorne anfange, steht Bali - spätestens - zu der Zeit relativ weit oben der Liste. Versprochen.

Ich wachte gestern Morgen nicht ganz so glücklich auf, denn der Ober hatte uns zu drei Wodka-Lemon-Schnäpsen genötigt, und die taten mir - jedenfalls in Verbindung mit dem Bintang - nicht gut. Selten benötigte ich dringender Frühstück, um die ganzen kleinen Kätzchen aus meinem Kopf zu kriegen ...

Danach machten wir wieder eine Strandrunde mit anschließendem Poolbesuch, ich vernichtete auf der Liege die letzten drei Jerry Cottons, dazu speisten wir ein bisschen Schawarma (kein Vergleich zu Tel Aviv) und gingen abends - wider besseres Wissen - wieder in unsere Kneipe auf der Straße, die zum Touristendistrikt hinführt. Wir wurden wiedererkannt, aßen wieder recht lecker (Meeresfrüchtesalat auf Avocado, Rindfleisch nach balinesischer Art, balinesisches Tintenfischgeschnetzeltes), wurden wieder zu Schnäpsen genötigt und erreichten trotzdem erfolgreich wieder unser Hotel.

Wir müssen heute erst um 14 Uhr auschecken, sodass wir heute Morgen noch gemütlich frühstückten und uns nochmal ausgiebig im Meer dem Planschtum hingaben. Wir sind jetzt in den letzten Zügen des Kofferpackens und werden um 14 Uhr die Zimmer räumen. Um 16 Uhr werden wir abgeholt, um 19.15 Uhr geht unser Flieger zurück nach Singapur, wo wir um 22 Uhr ankommen und die letzte Nacht verbringen.

Morgen geht es dann um 21.20 Uhr singapurischer Zeit in Richtung Heimat, ehe wir am Freitag Morgen nach Zwischenstopp in Doha wieder in Zürich landen.

"Rindfleisch nach balinesischer Art" ist irgendwie ein Widerspruch, aber das stand wirklich so (ähnlich) auf der Karte. Indonesien ist ja ein größtenteils muslimisches Land, aber Bali selbst ist hinduistisch, sodass es hier durchaus üblich ist, Schweinefleisch zu essen, wohingegen Rindfleisch für Hindus ja an sich tabu ist. Für die Touristen wird aber fast alles gemacht, was die so haben wollen ... Gestern gab es auch Live-Musik in der Kneipe, und während sie die englischen Texte ganz gut hinbekommen, bleiben die wenigen deutschsprachigen Lieder, die sie singen, völlig unverständlich.

"Live-Musik" macht mich jetzt aber schon wieder wehmütig in Richtung Sydney, denn der letzte Abend dort mit der tollen Band passte so richtig ins Bild dieser wunderbaren Stadt. Aber ehe ich jetzt anfange mit einem Fazit, warte ich noch den Flug nach Singapur und den morgigen Tag dort ab; und vielleicht schreibe ich dann am Flughafen in Singapur noch eine erste Zusammenfassung. Cato hatte sein ceterum censeo, ich mein "Es war toll", das wird sich auch dieses Mal nicht ändern, wenn nicht in den letzten Stunden noch etwas Außergewöhnliches passiert ...

Montag, 1. Juni 2015

Bezeichnend

... war es, dass unser Ober heute nicht nur "Prost" und "Zum Wohl" als deutsche Sprichworte kannte, sondern auch "Nich' lang schnacken, Kopf in'n Nacken" und "Zur Mitte, zur Titte, zum Sack, zackzack". Die Gaststätte - außerhalb des unmittelbaren Touristenviertels -, die wir heute frequentierten, war wohl in der Vergangenheit von Deutschen nicht wirklich verschont geblieben. Selbst die Kellnerinnen wussten, "einer geht noch rein". Na dann ...

Ansonsten war heute ein sehr entspannter Urlaubstag: Schwimmengehen, danach Frühstück mit süßen Grenadillas, Sternfrucht, Schlangenfrucht, gelben Wassermelonen (okay, Spiegelei mit Speck war auch dabei ...), aufs Zimmer, bisschen im Touristen-Nippes-Viertel gucken gehen, Jerry Cotton lesen, wieder schwimmen, wieder aufs Zimmer, nochmal schwimmen, duschen, essen gehen.

Das Essen war lecker - Thunfischsteak für Uli, Tintenfisch mit Fischpaste gefüllt für mich, dazu Wein und Bier (im dritten Versuch kann man das "Bintang" vielleicht doch trinken), joa, war schön heute.

Jetzt geht es ins Bett, morgen ist der letzte volle Tag, was sehr schade ist. Aber dafür werden wir den nochmal richtig genießen.

Sorry, dass die Berichte jetzt nicht mehr unbedingt so superreichhaltig sind, jetzt wird eben wirklich Urlaub gemacht.

Sonntag, 31. Mai 2015

Ein ehrlicher Kampf

... war es, den ich heute mit dem Krebs ausgefochten habe. Ich habe einige Spritzer auf meinem T-Shirt abbekommen, aber nichtsdestotrotz gewonnen. Sieg!

Wir haben tatsächlich heute Nacht um 2 Uhr unserer Zeit das Pokalfinale geguckt, auf einem völlig legal erhaltenen Livestream selbstverständlich. Die Strafe folgte auf dem Fuß: Die falsche Mannschaft hat gewonnen. Schade ...

Ich habe wohl im Fast-Tiefschlaf noch "Morgen" zu Uli gesagt, jedenfalls bin ich um 9.28 Uhr wachgeworden und aus dem Bett gehüpft, schließlich wollte ich ja Frühstück haben, und das gab es nur bis 10.30 Uhr. Eine Katzenwäsche folgte, T-Shirt an, Badehose an, Flip Flops an die Füße und Abmarsch.

Frühstück war lecker, es gab von Indonesisch bis Westlich fast alles, das Rührei war nicht ganz so berühmt. Sehr lecker ist dieser Salat mit Erdnusssoße, aber auch so eine Art Hühnchen-Knödel (beides indonesisch). Mein Frühstücksnachtisch bestand aus allerlei Früchten, neben Papaya wurden rote und gelbe Wassermelonen, Cantaloupe-Melone, Baumtomate (Tamarillo) und tangerine (weiß nicht, wie die auf Deutsch heißt) verspeist. Die Baumtomate hat eine etwas bittere Schale, von der ich nicht so sicher bin, ob ich sie wirklich hätte mitessen sollen (ich lebe noch!), die tangerine ist eine Mandarinen-Abart (die Version hier war grün) und schmeckte etwas weniger intensiv als eine "unserer" Mandarinen.

Ich hatte Uli beim Frühstück gesucht, aber nicht gefunden, dafür fand ich sie dann auf dem Weg zum Strand am Pool, ehe ich dann erstmals in die Fluten sprang.

Den heutigen Tag verbummelten wir sehr erfolgreich, ich war dreimal im Meer und jeweils anschließend im Pool, am schönsten war es heute Abend kurz vor Sonnenuntergang: Abends sind kaum Touristen am Strand, aber um so mehr Balinesen, sodass man freundlich beäugt wird ("Was macht der denn noch hier, der muss doch längst zurück im Hotel sein und futtern!"); die Stimmung mit Vollmond, blauem Himmel, Wolken irgendwo am Horizont und relativ ruhiger See war fantastisch ...

Ich habe jetzt endlich ein Bier gefunden, das in Indonesien gebraut wird und mir schmeckt: Es heißt "Guinness" und wird hier unter Lizenz hergestellt. Diese echten indonesischen Biere schmecken einfach so richtig laff, und Carlsberg war noch nie meins. Da lob ich mir mein Guinness, was fast so schmeckt wie das, das in Irland gebraut wird und das ich im Sherry & Port verzehre, auch wenn die Preise in Irland oder in Wiesbaden günstiger sind als hier im Hotel ...

Heute Abend haben wir beim Abendessen von der Gesamtrechnung her die Millionen-Rupien-Grenze locker geknackt, aber das war es wert: Ich hatte einen Meeresfrüchteteller mit zwei Riesengarnelen, ein paar Jakobsmuscheln, ein paar anderen Muscheln, drei Stücken gebratenem Tintenfisch, gebratenem Thunfisch (fantastisch, wie eigentlich immer) und schließlich einem Krebs.

Ich stellte mich im Kampf mit dem Krebs wohl nicht ganz so geschickt an. Ich wurde offenbar intensiv beobachtet, denn nach und nach bekam ich mehr Hilfsmittel von den Obern zur Verfügung gestellt: erst Handwasser, dann schließlich Hummerwerkzeug, damit ich den Krebs knacken konnte. Offenbar macht man das normalerweise hier anders, sei's drum. Dass beim Knacken ein Teil des Krebses über den halben Tisch flog, ist auch klar, aber wenn ich mich schon danebenbenehme, dann richtig ... Geschmeckt hat das Viech jedenfalls vorzüglich.

Cocktails (Caipirinha und so eine Art Bailey's, aber mit Brandy) folgten zum Abschluss, und jetzt sind wir schon wieder in sämtlichen Betten.

Es ist ab und zu dann auch mal schön, einfach nur Tourist zu sein, auch wenn es hier in Bali sicher was zu sehen gibt. Es kann sein, dass ich ein schlechtes Gewissen haben werde, wenn ich hier abreise, weil ich von der Insel nichts gesehen habe, wenn es einfach zu schön am Strand gewesen sein sollte. Wir werden sehr spontan entscheiden, ob wir uns morgen oder am Dienstag noch ein bisschen auf der Insel herumtreiben ...

Strand bei schönem Wetter

Meeresfrüchte, in der Mitte: ein Krebs, ein schöner Krebs ...

Samstag, 30. Mai 2015

Von Schlangen und Früchten

Heute war ein schöner Urlaubstag ...

Unser Flieger ging etwas verspätet ab, kam aber pünktlich in Bali an, wir mussten nicht abspringen, sondern konnten aussteigen. Die Flughafenhalle in Denpasar ist seeeeeehr großzügig gestattet, und da zu unserer Ankunft kein anderes Flugzeug angekommen war, hatten wir den ganzen Platz für uns. Wir zahlten unsere Visumsgebühr, brauchten keine Einreisekarte mehr auszufüllen (das wurde wohl neulich aufgehoben, auch wenn die Bildschirme das noch verlangen ...) und waren nach wenigen Minuten in mein 102. Land eingereist.

Den Zoll überstanden wir auch, und dann standen wir - einen Geldautomaten hatten wir erleichtert - am Pre-paid-Taxistand. Für die Fahrt wollte der Fahrer erst 250.000 Rupien haben. Als ich ihn darauf hinwies, dass am Schild 185.000 steht, wollte er plötzlich nur noch 150.000 haben. Verstehe, wer will, immer noch zu viel, denke ich, aber elf Euro für die Fahrt vom Flughafen zum Hotel, was soll's?

Wir fuhren über eine Mautstraße (die Maut von 10.000 Rupien zahlten wir auch noch ...), die als Damm mitten durch die Bucht hier im Süden der Insel führt. Sehr beeindruckend. Danach fuhren wir durch Wohngebiete der Einheimischen hier in Nusa Dua, die nicht so richtig reich aussahen, ehe wir in unsere Touristenenklave hier Einzug hielten.

Der Rezeptionist und ich verstanden uns nicht auf Anhieb; er wusste zunächst nicht, was ich wollte (?!). Plötzlich fing er, nachdem ich meinen Pass gezeigt hatte, an, Deutsch mit mir zu reden, und zwar gar nicht mal schlecht ... Sachen gibt's. Jedenfalls konnten wir - wie zu erwarten war - noch nicht einchecken (es war ja erst 8 Uhr!), aber wir konnten das Gepäck abstellen und uns umgucken.

Das machten wir glatt und waren ziemlich beeindruckt von der Anlage: Es gibt es riesige künstliche Lagune, die sich durch die Anlage zieht, dazwischen zwei Pools, zwei Bars, etliche Restaurants und natürlich der Strand. Der Strand war heute - es windete ziemlich - nicht ganz so beeindruckend, zumal durch den Wind leider auch viel Algen und Plastikmüll angespült wurde, aber das wird noch (und wurde sogar gegen Abend schon ...).

Wir setzten uns an die Poolbar, als auch schon - wieder einmal - ein mittleres Unwetter über uns hineinbrach. Dieses überstanden wir, holten dann unsere Schwimmsachen und gingen an den Pool. Schöööööööön ... (Leider hatte ich mir in der Zeit vor dem Sachenholen schon einen leichten Sonnenbrand eingehandelt, der halt kaum zu vermeiden war. Ich werde das überleben.)

Wir entdeckten das Angebot eines Samstagsbrunches, bei dem die Speisen aller Restaurants hier im Hotel vorgestellt wurden. Das, liebe Leute, war fantastisch: Es gab Fisch, Hummer, Steak, balinesische Meeresfrüchtespieße, Shrimps, Sushi, italienisches Essen, panierte Meeresfrüchte. Yammy, wie der Amerikaner sagt. Zum Abschluss gab es Früchte, unter anderem die Schlangenfrucht, die auch Salak heißt; die heißt "Schlangenfrucht", weil die Schale wie die Haut einer Schlange aussieht.

Als ich die Schale anschnitt, da ich nicht wusste, wie man die Haut abpellt, schaute mich die Kellnerin ganz entsetzt an, aber ich wusste es einfach nicht besser, und abgekriegt habe ich die Haut so auch. Das Zeug schmeckt ganz lecker, so in Richtung Ananas und hat einen großen, ungenießbaren Kern. Kann man wieder essen.

Nach dem Mittagessen checkten wir ein: Unser Zimmer hat Blick auf die Lagune und zur Seite hin sogar aufs Meer, ist ziemlich riesig, mit Balkon, aber leider ohne abnehmbaren Duschkopf, aber das werde ich hier überleben, da ich ja öfter schwimmen gehen werde.

Wir genossen die Mittagskühle ein wenig im Zimmer und machten uns dann am Nachmittag ab zum Strand: Diesmal ging in die Wellen schwimmen, weil sie den Müll am Strand entfernt (wohl verbuddelt ...) hatten und vom Meer her nicht mehr so viel dazukam. Es war sehr schön, die Wellen hier im Indischen Ozean zu genießen, auch wenn sich nicht viele Touristen reintrauten. Nach einer Weile, als mir eine größere Verpackung entgegenkam, verzog ich mich wieder in meinen Beinahe-Infinity-Pool am Strand und genoss einfach nur.

Den Abschluss des Tages bildeten zwei Happy-Hour-Bierchen (und ein Nicht-Happy-Hour-Rotwein für Uli, eisgekühlt) an der Strandbar. Doch, das ist ganz schön hier. Aber die indonesischen Biere sind nicht wirklich lecker, zumindest nicht das Bali Hai und das Bintang, aber mehr indonesische Biere gibt es hier im Hotel wohl nicht ... Mal sehen, ob ich doch auf ausländische Biere umsteige.

Die nächsten Tage wird wahrscheinlich größtenteils gefaulenzt. Das haben wir uns verdient. Vielleicht gucken wir uns aber auch einen Tag mal auf der Insel um, wir werden sehen.

Strand

Pool

Schlangenfrucht

Freitag, 29. Mai 2015

Nach Perth

... in West-Australien wird unser Flieger gleich um 4.25 Uhr singapurischer Zeit starten, aber er wird einen Zwischenstopp auf Bali einlegen, sodass wir aussteigen können. Jedenfalls haben sie uns keine Fallschirme zu den Bordkarten dazugegeben ...

Wir sind gestern Abend tatsächlich noch in den Hotelpool: Ein großes und zwei kleine Becken, leider alle unbeheizt, gestern Abend hätte mir so ein warmer Jacuzzi irgendwie ganz gut gefallen. Als es dann anfing zu donnern, sind wir aus dem Wasser und aufs Zimmer.

Irgendwie überkam uns dann doch ein Hüngerchen, aber wir wollten uns definitiv nicht mehr anziehen. Was kann man dann machen? Richtig: Zimmerservice. Wir hatten Hunger auf westliche Speisen und bestellten uns Nudeln bzw. ein Roastbeef-Sandwich, dazu Wein und Früchte. Das war sehr gut bezahlbar (28 Euro, auch wenn das für Malaysia ziemlich viel ist) und es schmeckte ganz gut. Naja, wenn man Hunger hat, schmeckt fast alles gut ...

Heute Morgen ließen wir uns dann viel Zeit und checkten gegen 11 Uhr aus. Ich hatte darum gebeten, uns die Bestätigung für die Busfahrt heute Abend noch auszudrucken, vergaß das dann aber beim Check-Out. War ja aber nicht schlimm, wir hatten ja unser Gepäck untergestellt und gingen dann noch in die Stadt.

Wir liefen ein paar Schritte zum Stadtpark, der, wie es sich für einen Park gehört, sehr schön grün ist. Dieser Kontrast zwischen Park und den Hochhäusern drumherum finde ich immer sehr spannend. Das höchste Hochhaus bzw. die höchsten Hochhäuser sind natürlich die Petronas Towers, die wir nun aus der Nähe sahen und fotografierten. Sehr beeindruckend, durchaus.

Wir liefen durch den Park durch und kamen bei einem Einkaufszentrum raus, dessen Foodcourt vom Reiseführer sehr gelobt wird. Wir guckten uns um: Malayisch, Chinesisch, Indisch, Indonesisch, ein Pizzamann (der hochbeliebt war mit einer 20 Meter langen Schlange zur Mittagsziet), aber auch Subway gab es und einen Burgerladen. Wir ließen uns beim Inder nieder, verspeisten vegetarisches Essen, ehe ich mich noch ein wenig umguckte. Ich ließ mich von einem malayischen Stand ein bisschen abzocken: Die packten mir Tintenfischringe, Lamm und einen King Prawn auf den Teller mit Reis. Am Ende zahlte ich 10 Euro, was ungefähr das Fünffache des Preises ist, den Gerichte in dem Foodcourt so in der Regel kosten. Naja, ich werde 10 Euro schon überleben, zumal die Riesengarnele und der Tintenfisch durchaus nicht unlecker waren.

Wir aßen dann im Park noch Windbeutel mit - ich hatte es gestern Abend schon kommen sehen - Durianfüllung. Uli stieg nach dem ersten Bissen aus, ich war tapfer und aß die Dinger auf. Beim zweiten Mal ist der Geschmack wirklich nicht mehr so schlimm; vielleicht war aber auch die Konzentration in den Windbeuteln geringer als bei diesen "puren" Stücken gestern.

Danach gingen wir in ein Pub mit Blick auf die Springbrunnen vor den Petronas Towers. Naja, breiten wir am besten den Mantel des Schweigens über die Dauer unseres Verweilens und unseren Alkoholkonsum ...

Wir waren gut in der Zeit, als wir wieder am Hotel waren, auch wenn Minuten später ein heftiger Wolkenbruch niederging. Ich ging zur Rezeption und wollte meinen Ausdruck haben, den die Damen und Herren inzwischen aber schon wieder verlegt hatten. Das Suchen dauerte seine Zeit. Als sie das Ding endlich hatten, mussten wir uns plötzlich doch in die Schlange für die Taxis anstellen, obwohl unser Boy uns das anders gesagt hatte. So langsam wurde es ein bisschen knapp (jedenfalls dann, wenn man sich an den Hinweis halten wollte, eine halbe Stunde vor Abfahrt des Busses einzuchecken), zumal dann auch noch Rush Hour waren.

Ach komm, ich weiß ja, dass ich da ein "Schisshas" bin, wie man im Schwarzwald sagt: Wir waren pünktlich um 17.30 Uhr am Check-in, auch wenn unser Taxifahrer keine Ahnung hatte, wo genau er hinmusste und ich nach dem Schild der Busfirma Ausschau halten musste. Und selbst wenn das nicht geklappt hätte: Zehn Minuten vor der Abfahrt hätten auch locker gereicht.

Ziemlich pünktlich fuhren wir um 18 Uhr ab, und diesmal hatte ich mich nicht verbucht: Das war der angekündigte Super-Duper-Luxusbus. Pro Reihe gab es zwei Clubsessel, einen links, einen rechts der Ganges, mit Massagefunktion und allem Drumunddran. Filme gab es zu sehen (ich guckte Jason Bourne und Indiana Jones), es gab Wasser und Tee und Essen (Chicken Rice, ganz okay), Strom fürs Akkuaufladen ebenso. Die Klimaanlage war spürbar, aber nicht eiskalt. Einzig Ulis Leselampe funktionierte nicht, aber sie hat es, wenn ich sie mir gerade so anschaue, mit ziemlicher Sicherheit auch überlebt.

Die erste Stunde standen wir in Kuala Lumpur im Stau, danach ging es ganz flüssig auf den sehr gut ausgebauten malaysischen Autobahnen voran. Wir fuhren, wie vermutet, über den sogenannten Second Link, die zweite und weniger genutzte Brücke, die Singapur mit Malaysia verbindet. Die Ausreise aus Malaysia war völlig unproblematisch, zumal wir der einzige Bus waren, der um die Zeit abzufertigen war. Ähnlich erging es uns dann in Singapur, auch wenn wir da unser Gepäck durch den Zoll ziehen mussten. Die Grenzer und Zöllner waren hier außergewöhnlich freundlich (die singapurischen Offiziellen sind eigentlich alle ganz okay, aber die waren besonders okay ...). Gegen 23.30 Uhr kamen wir an dem Endpunkt unserer Busreise an. Leider war das nicht wie erhofft in unmittelbarer Nähe zur U-Bahn-Station, sondern ein gutes Stück davon entfernt. Wir entschieden uns dann nach den guten Erfahrungen mit den Taxipreisen, einfach mit dem Taxi zum Flughafen zu fahren, was - nach dem Abheben von singapurischem Geld - auch mit einem zwar nicht sehr freundlichen, aber kompetenten Taxifahrer funktionierte.

Nun waren wir natürlich viel zu früh am Flughafen und konnten noch nicht einchecken. Wir nutzten die Zeit, um unser Gepäck zu wiegen (ich hatte exakt 20,0 Kilogramm ...), und saßen dann eine Stunde herum. Der Check-in-Automat wollte nicht, also checkten wir am Schalter ein, der zu der frühen Zeit noch sehr leer war. Die unfreundliche Dame wollte allerlei Zeugs von mir wissen, unter anderem, ob wir unsere Visa für Indonesien schon hätten (nein, besorgen wir bei Einreise, wie wahrscheinlich 101 % aller Europäer), und Sitzplätze konnten wir auch nicht aussuchen, aber sei's drum, es sind ja nur zweieinhalb Stunden Flug.

Wir gingen zum Gate, ich ging mal wieder duschen (schön, zumal die an dem Terminal 1 hier auch abnehmbare Duschköpfe hatten; insgesamt war das geräumiger - aber auch teurer - als am anderen Terminal, aber so eine Dusche nach einem verschwitzten Tag in einer tropischen Stadt ist einmal goldwert). Jetzt haben sie gerade das Gate aufgemacht, wir werden bald reingehen. In drei, vier Stunden sind wir dann schon auf Bali. Juchhe!

Im Park in Kuala Lumpur

Petronas Towers

Ergebnis des Abgezocktwerdens ...

Donnerstag, 28. Mai 2015

Morgengrauen

Naja, eigentlich war's eher ein Abendgrauen, eieiei ...

Unsere Abholung gestern Morgen funktionierte an sich ganz gut, ich war nur froh, dass wir genügend Puffer eingebaut hatten. Die Jungs, die vor uns saßen und in den Urlaub flogen, hatten etwas knapper kalkuliert; und als wir länger als erwartet im Stau standen, ging denen ganz schön die Muffe. Aber für einen internationalen Flug die Ankunft am Flughafen eineinhalb Stunden vor dem Abflug den Check-in ohne Puffer einzuplanen, das ist schon mutig ... Am Ende hat es für sie wahrscheinlich trotzdem gelangt. Mache ich in Zukunft trotzdem nicht, dafür habe ich einfach nicht die Nerven ...

Der Check-in bei uns war problemlos, wir bekamen sogar zwei Gangplätze (also C und D) zugewiesen, wie wir uns das gewünscht hatten. Für die Australier mussten wir sogar einen Ausreisezettel ausfüllen (die Singapurer wollen wenigstens nur einen Einreisezettel, an dem der Ausreisezettel dranhängt, die Australier geben einem den Ausreisezettel erst am Check-in; da lobe ich mir die Malaysier - und wenn es das einzig Positive an Malaysia in dieser Nacht war: Da brauchten wir keinen solchen Wisch ausfüllen). Es ist schon lustig: Da machen gerade die Australier alles hochtechnisiert mit elektronischem Visum (was ja für Europäer zum Glück kostenos ist) und dann wollen sie trotzdem so einen Zettel ausgefüllt haben. Ts.

Ich kam problemlos durch die Pass- und Sicherheitskontrolle, bei Uli blinkte es gelb, der Scanner funktionierte mal wieder nicht, dann wurde sie zur Sprengstoffkontrolle rausgezogen ... Komische Systematik, die die Australier da fahren. Aber am Ende hatten wir ja genügend Zeit. Die australische Tourismusbehörde fragte uns bei einer Befragung am Gate nach unserem Herkunftsland, danach wurden wir in Ruhe gelassen - Deutsche haben sie offenbar genug gefragt.

Im Flieger saß ein lauter, hyperaktiver, kaum zu verstehender (boah, hatte der einen australischen Akzent, Crocodile Dundee ist ein Dreck dagegen) mate, also Australier, neben mir. So richtig unsympathisch war er nicht, auch wenn er ziemlich plump die eine Stewardess anmachte. Wenigstens hatten der Australier und ich den B-Sitz wieder frei.

Unser Abflug verzögerte sich, weil irgendein Frachtdokument fehlte - Leute, wir müssen zum Bus und dann zum Flieger! Aber am Ende kamen wir mit nur einer Viertelstunde Verspätung in Singapur an, machten noch eine Flughafenrundfahrt, ehe Uli und ich zügigen Schrittes zur Einreise (schnell), zur Gepäckausgabe (dauerte ewig) und dann zum Bushalt gingen.

Es fing gerade ein gewaltiges Donnerwetter an, und so nahm das Unheil dieses Abends seinen Lauf. Schonmal was von Wettermetaphorik gehört? "Blattschuss", hätte mein Deutschlehrer geschrieben.

Wir hätten den anvisierten Bus um 20.15 Uhr erwischt, wenn denn ein Bus um 20.15 Uhr gekommen wäre. Der fuhr planmäßig vom Terminal 2, wo wir einsteigen wollten, ab und zudem waren wir um 20.07 Uhr oder so dort: Kein Bus, nirgends. Wir warteten (vielleicht war er irgendwo steckengeblieben), aber um 20.50 Uhr hatten wir ein Einsehen, dass dieser Busdienst von Transtar Cross Border einfach unzuverlässig gewesen war. Schade.

Wir gingen zum Taxistand und fragten den Taxifahrer, ob er uns nach Johor Bahru bringen könne. Er bejahte das, und wir fuhren los. Er sprach nicht unbedingt supergut Englisch, aber wir waren vom Flug auch ein bisschen kaputt, sodass wir nicht böse über sein Schweigen waren. Er schmiss uns dann aber doch am Bahnhof in Woodlands, also noch in Singapur, raus, weil er nicht über die Grenze fahren dürfte. Das, Freundchen, war genau meine Einstiegsfrage gewesen. (Wir hätten ihn ja wahrscheinlich trotzdem genommen, um uns nach Woodlands zu bringen, aber dann muss er uns doch nicht erst - naja - anlügen.)

Wir waren also um 21.15 Uhr in Woodlands, und der Zug fuhr erst um 23.30 Uhr ab. Ich ging rein, kaufte für die fünfminütige Fahrt von Woodlands nach Johor Bahru eine singapurische Fahrkarte (ich hatte ja schon eine malaysische für die Strecke von Johor Bahru nach Kuala Lumpur gebucht, weil das deutlich billiger war) und sah, dass wir schon im gleichen Waggon sein sollten wie dann für die Hauptstrecke. Gut, mussten wir nicht großartig umziehen.

Wir saßen dann da in diesem Wartesaal herum (der wenigstens klimatisiert war) und warteten darauf, dass die Grenzkontrolle öffnen würde, was um 23.00 Uhr geschah. In Woodlands ist das bei der Zugausreise so, dass man im Bahnhof natürlich die singapurische Ausreise durchläuft, aber auch schon die malaysische Einreise- und Zollkontrolle. Alles ganz entspannt.

Weniger entspannt war, dass ich offenbar keineswegs einen Schlafwagen gebucht hatte, sondern einen ganz normalen Großraumwagen mit unbequemen Sitzen. Argh. Wahrscheinlich war das wirklich mein Fehler gewesen. Sehr ärgerlich, zumal das Ding dann in Johor Bahru auch wirklich voll wurde. Man sollte meinen, das hätte mir am Preis (8 Euro) auffallen müssen, aber der Schlafwagen kostet, wie ich eben noch einmal nachgeschaut habe, auch nur ganz wenige Euro mehr ... Am Ende habe ich wahrscheinlich nicht genau genug kontrolliert, was diese Onlinebuchungsseite der malaysischen Bahn ausgespuckt hat. Sehr ärgerlich war es in jedem Fall.

Wir fuhren - es gibt doch noch singapurische Pünktlichkeit - um Schlag 23.30 Uhr ab und kamen schon mit Verspätung (planmäßig waren fünf Minuten Fahrtzeit von Singapur nach Johor Bahru) in Malaysia an. Auf den Tickets stand dann auch Abfahrt um 23.35 Uhr (es musste ja kein Grenzer und kein Zoll mehr kontrollieren), aber dann standen wir eine geschlagene Stunde in diesem verdammten Zug auf diesem vermaledeiten Bahnhof und nichts passierte. Liebe malaysische Bahn, dieses Geschwafel von wegen "wir wollen maximal fünf Minuten Verspätung haben" und "wir informieren unsere Fahrgäste schnell über die Gründe für Verspätungen" könnt ihr euch sonstwohin stecken, ihr seid ja fast schlimmer als die Deutsche Bahn! Okay, das war jetzt wirklich ein bisschen unfair.

Jetzt saß da so ein Vollhonk drin, der in Brülllautstärke, sodass der gesamte Waggon mithören konnte, mit seinem Kumpel telefonierte. Leider auf Chinesisch, sonst hätte man mitlachen können, aber so ... Ich war nicht weit davon entfernt, aufzustehen, zu ihm zu gehen, ihm das Teil zu entreißen und rituell zu zerstören. Hab's dann doch nicht gemacht.

Eine Reihe hinter uns saß ein anderer Typ, der so dermaßen erkältet war, dass ich angesichts seines Rhythmus "Nase hochziehen - Husten - Husten", und das im 30-Sekunden-Takt, ernsthaft darüber nachdachte, ob hier möglicherweise eine Notschlachtung stattfinden müsste. Halal, natürlich.

Es war nicht leicht, im Zug zu schlafen, weil es nicht nur unbequem und laut, sondern auch eiskalt war. Ja, ich spreche von "eiskalt". Klimaanlage ist ja schön und gut, aber man muss das doch nicht auf Gefrierschranktemperaturen herunterkühlen. Wir sind doch keine Shrimps! Unterwegs stand ich mal auf und ging ins Warme, in den Zwischenraum zwischen Fahrgastbereich und Schaffnerabteil. Als ich da so stand und mich streckte, kamen zwei Jungs, machten die Tür zum Fahrgastbereich zu (wenigstens!), machten die Waggontür (!!) einen Spalt weit auf und fingen an zu rauchen. Ich muss nicht erwähnen, dass sowohl das Rauchen als auch das Öffnen der Wagentür während der Fahrt unter Bußgeldandrohung steht, aber das war denen egal ...

Irgendwann, aber wirklich erst irgendwann, ging dann die Sonne so langsam auf. Da wurde die Fahrt dann schön: Es ging durch ein unglaublich grünes Land, mit viel Grünzeug, das für mich wie "echter Dschungel" aussah, mit Bergen und Tälern, sehr schön. Zudem kam nach verhaltenem Start auch noch die Sonne heraus. Dann war das schon schick. Insgesamt haben wir in diesem Tagen in Singapur wie auch in Sydney mit dem Wetter großes Glück gehabt (toi, toi, toi). Sydney hat uns zwar nicht so freundlich empfangen, aber das dann in den folgenden Tagen wettgemacht.

Mit eineinhalb Stunden Verspätung zuckelten wir am - hochmodernen - Hauptbahnhof von Kuala Lumpur ein (achja, das Ganze war ein "Express"-Zug, haha). Wir fuhren die Rolltreppe hoch und wollten erstmal Geld holen. Erster Automat: Fehlanzeige. Ablehnung. Zweiter Automat: Gleiches Spiel. Dritter Automat: Wieder rejection. Dann ging ich zum HSBC-Automaten, der meine Mastercard auch ablehnte, aber wenigstens meine Visa annahm. So hatten wir dann Geld, juchhe.

Wir entschieden uns mit dem Gepäck und dem ganzen Zeug für ein Taxi, buchten eines am Schalter und fuhren dann für 4,25 € (!!!) vom Bahnhof zwanzig Minuten zu unserem Hotel, an dem wir so gegen 9 Uhr ankamen.

Wow. Richtung wow. Fünf Sterne, eine riesige, gläserne Lobby. Sehr, sehr schön. Und das Deluxe-Zimmer kostet hier weniger als 100 Euro die Nacht. Das ist ein Witz, aber ein guter ...

Das Beste war, dass unser Zimmer um 9 Uhr schon frei war und wir also aufs Zimmer konnten. Wir grinsten wie zwei sonnengebräunte Honigkuchenpferde, die gerade im Lotto gewonnen haben, weil wir uns so sehr auf die Dusche freuten, und nach einem kurzen Disput zwischen Rezeptionistin und Boy, welchen Aufzug wir nehmen sollten (am Ende grinsten alle ...), kamen wir in unser Zimmer. Balkon mit Blick auf den Pool, und das Bad. Das Bad, liebe Leute. Abnehmbarer Duschkopf! Badewanne! Schön ...

Ich duschte geschätzt eine halbe Stunde, ehe wir dann ein bisschen in die Stadt aufbrachen. Wir gingen ein paar Schritte zu Fuß, aßen in einem Foodcourt malayisches Frühstück. Naja, wir aßen Malayisch zur Frühstückszeit: Garnelen, Fleisch in scharf gewürzter Soße, grüen Bohnen und allerlei Sachen, von denen ich nicht so recht wusste, was sie eigentlich sind. Ich nahm mir die Dinger büffetmäßig bei zwei Ständen und zahlte für zwei große Teller zusammen vier Euro. Das ist ja noch günstiger als in Singapur!

Anschließen fuhren wir - für 50 Cent pro Person (!) - mit der Monorail-Bahn in Richtung Chinatown und durchwanderten das chinesische Viertel ein bisschen. Viel nachgemachter Nippes, aber ganz schick zu gucken. Wir hatten uns unser malaysisches Anchor-Bier in einem chinesischen Restaurant redlich verdient, aber das zweite und dritte Bier tat uns nicht so gut. Auf einmal kamen Schlafmangel, ziemliche Dehydrierung und der ganze Stress des gestrigen Abends zusammen.

Wir gingen einmal über den Central Market, in dem sehr viel verschiedene Dinge angeboten werden, vom Modeschmuck über Bilder bis zu Alltagsgeständen, aßen dann eine Durian-Frucht, die mit "Smells like hell, tastes like heaven" beworben wurde. Sie riecht nicht ganz nach Hölle, aber für meinen Geschmack schmeckt sie auch nicht wirklich nach Himmel. Das war mal eine interessante Erfahrung, aber wenn es nach mir geht und mir keiner sagt, dass man die unbedingt noch ein zweites Mal probieren muss, um sie richtig zu probieren, wird es eher kein zweites Mal geben. Wobei, man weiß ja nie bei mir.

Wir schauten uns noch pro forma ein wenig in der Innenstadt um, gingen an alten Kolonialgebäuden (sehr schön) und einer alten Moschee vorbei und fuhren dann mit der S-Bahn zurück zu unserem Hotel, wo wir uns noch eine Verfolgungsjagd mit einem englischsprachigen Pärchen leisteten, die von der gleichen S-Bahn-Haltestelle zu unserem Hotel zurückliefen. Sehr lustig, auch wenn die nicht sympathisch waren, aber vielleicht haben auch wir uns vor lauter "Ich will ausruhen und in die Kühle" nicht sehr gesprächig gezeigt.

Heute geht es außer in den Hotelpool nirgendwo mehr hin. Kuala Lumpur kommt jetzt sicherlich ein wenig zu kurz, hier gäbe es bestimmt auch einige schöne Sachen zu sehen, aber es ist halt ein bisschen hineingequetscht in die Lücke zwischen dem überwältigenden Sydney und dem wohlverdienten, richtigen Urlaub auf Bali. Ich habe jetzt für die Flüge nach Bali auch Gepäck dazugebucht, das war gar nicht so übertrieben teuer, das passt dann schon.

Morgen geht es dann um 18 Uhr schon wieder zurück nach Singapur, wo wir so gegen 23 Uhr, Mitternacht ankommen sollten. Wir werden uns dann mit der U-Bahn zum Flughafen machen, wo um 4.30 Uhr unser Flieger nach Bali geht. Das wird - bis auf den Rückflug - die letzte durchgemachte Nacht auf dieser Reise, und das ist gut so.

Zwei, drei Fotos von Kuala Lumpur:

Petronas-Türme aus der Ferne

Chinatown

Sultan Abdul Samad Building

Dienstag, 26. Mai 2015

No worries, mates

I'll be back. Soon.

Heute war der letzte volle Tag in Australien. Es war, wie jeder vorangegangene Tag in Australien, ein schöner Tag. Seufz. Riesenseufz.

Wir standen heute ausnahmsweise mal relativ früh auf, buchten noch für morgen unseren Transfer zum Flughafen und fuhren dann zum Kings-Cross-Bahnhof. Von dort ging die U-/S-Bahn, was auch immer, zum Hauptbahnhof. Wir liefen ziemlich gegen den Strom, als wir auf unser Gleis zum Intercity in die Blauen Berge, also die Blue Mountains, wollten.

Ehe ich anfange zu schwärme: Sehr praktisch ist, dass man in den Zügen hier die Sitzlehne verstellen kann. Man schiebt die einfach von einer Seite der Sitzpolster zur anderen und hat auf diese Weise die Ausrichtung (in/gegen die Fahrtrichtung) verändert. Cool.

Wir fuhren knapp zwei Stunden vom Hauptbahnhof Sydney bis zum Bahnhof in Katoomba und zwischendurch konnte man die Bahnhöfe kaum von denen der Drei-Seen-Bahn im Schwarzwald unterscheiden. Obwohl, doch, diese praktisch RFID-Chip-Karten gibt's im Schwarzwald natürlich nicht ...

Unterwegs konnte man schon die landschaftliche Schönheit erahnen, aber als wir dann - nach einem guten, aber nicht überragenden Frühstück in Downtown Katoomba und vorbei am örtlichen Aldi (!) - die paar Schritte zum Echo Point gegangen waren, waren wir doch ziemlich überwältigt. Unglaublich schön. Ich fürchte, auf den Fotos unten werden die Weite und die Größe und die Klarheit und überhaupt des Blue Mountain National Parks überhaupt nicht so richtig deutlich. Ich bin ja kein schon Landschafts- oder Wanderfanatiker, aber das ist wirklich toll. Wirklich, wirklich toll.

Wir flüchteten vor den ganzen Chinesen am Echo Point in Richtung Katoomba Falls und auf der gut einstündigen mittelprächtigen Wanderung hatten wir noch einmal ein paar andere Blickwinkel auf das Tal. Es war wirklich begeisternd.

Die Katoomba Falls dagegen sind, soweit wir sie gesehen haben, eher weniger begeisternd, aber das machte überhaupt nichts. Diese Scenic Gondelbahn, oder wie auch immer die heißt, nahmen wir nicht, weil wir auf unserem Spaziergang schon ausreichend phänomenale Ausblicke genossen hatten. Stattdessen stiegen wir - wieder mit unserer Sydney-Opal-Karte - in den Bus ein und fuhren zurück zum Bahnhof. Hier waren wir just in time, denn unser Zug wäre uns vor der Nase weggefahren, wenn er nicht zwei Minuten Verspätung gehabt hätte. Puh ...

Wir stiegen - unterwegs fielen uns beiden gelegentlich die Äuglein zu - nicht am Hauptbahnhof, sondern schon in Parramatta, einem der größeren Vororte von Sydney, aus und machten uns zu Fuß zur Fährendstation. Wir waren viel zu früh da und bestellten jeweils ein Bier und ein paar Kartoffelecken als Snack, um die knappe Stunde Wartezeit zu überbrücken. Das Bier kam schnell, die Wedges nicht, und fünf Minuten vor Abfahrt zahlten wir dann - keine Wedges gekriegt, keine gezahlt ...

Nunja, was heißt "fünf Minuten vor Abfahrt", vielmehr "fünf Minuten vor planmäßiger Abfahrt". Unser Kapitän hatte sich offenbar ein bisschen verquatscht und kam ein paar Minuten verspätet, dann hatten wir schon abgelegt, als noch zwei ältere Ladies ankamen und - anstatt sich fürs Wiederanlegen zu bedanken - den Steward anschauzten, dass er doch versprochen habe, zu hupen, ehe er losfährt ... Allgemeines Gegrinse auf dem Bötchen. Wir mussten an der nächsten Station noch umsteigen, weil die größere Fähre nicht hoch bis Parramatta kommt (zu wenig Wasser unter dem Kiel), aber dann ging die Fahrt in Richtung Circular Quay los. Ich verzog mich schnell unter Deck, weil es abends hier im Spätherbst doch noch empfindlich kalt ist, während Uli auf Deck ausharrte.

Kurz nach Drummoyne zog es mich dann doch an Deck, denn jetzt kam die Anfahrt auf die Innenstadt mit dem Darbour Harbour und schließlich dem letzten Stück zum Circular Quay. Ach Leute, das ist einfach soooooooo schön, die Hafenbrücke in bunten Farben, die Skyline von Sydney erleuchtet, dann unter der Hafenbrücke durch mit Blick auf die Oper. Will nicht weg morgen, rabääh ...

Wir fuhren mit der S-Bahn zurück nach Kings Cross und zum Abschluss wieder in The Bourbon, wo wir lecker aßen. Wir wollten eigentlich vor der Liveband flüchten, aber die spielte am Ende so gut, dass wir noch zwei Stunden länger blieben als gedacht. Das waren soulige Versionen von Liedern der Beatles ("Hold your hand") über Amy Winehouse ("Valerie") bis Pharrell Williams ("Happy"). Sehr hörenswert.

Joa, und nun bin ich hier im Bett, es ist schon nach Mitternacht, morgen geht es früh raus und dann zum Flughafen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich eigentlich hier gerade nicht weg will? Aber es hilft ja nix ...