Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 31. Januar 2015

Tarantula

Eine Spinne habe ich mir heute im Zoo von Mexiko-Stadt über die Hand laufen lassen. Kein unangenehmes Gefühl ...

Heute habe ich es richtig geruhsam angehen lassen. J. musste bis Mittag arbeiten, während ich erst
Monster-Torta
um 10 Uhr aus dem Haus ging. Ich ging die Horacio runter, machte ein "hübsches" Foto an der deutschen Botschaft, kaufte mir Zeitung und dann eine torta. Das ist ein Sandwich mit ein paar Sachen aus Fleisch, Ei und sonstwas dazwischen. Ich konnte natürlich nicht genug kriegen und bekam für 3,50 € eine torta cubana con un poco de todo (mit ein bisschen von allem). Boah, die erste Hälfte von dem Teil habe ich geschafft, aber als ich die zweite anfing, überkam mich ein nicht sehr angenehmer Reiz, sodass ich das Ding dann schweren Herzens wegwerfen musste.

Ich lief zu J.s Arbeitsstelle und wartete, bis sie Feierabend hatte. Danach gingen wir in ein Sträßchen, in dem immer am Freitag Mittag verschiedene Buden auf haben, und dort aßen wir formvollendet Tacos. Sehr lecker, aber danach war ich richtig satt.

Wir machten einen kurzen Zwischenstopp am Hotel und gingen dann in Richtung Chapultepec-Park. Dort setzten wir uns an den dortigen See und ließen Jesús einen guten Mann sein. Wir bummelten durch den Park, vorbei an Straßenverkäufern von Essen, Spielzeug und allerlei sonstigem Nippes, ehe wir im Zoo eintrudelten. Nur für die Schmetterlings- und Spinnenschau musste man ein paar Pesos Eintritt zahlen, die sich allein für die tarantula auf der Hand vollständig lohnen.

Die Pandas hatten heute frei, sodass wir gegen 17 Uhr aus dem Zoo gebeten wurden, weil sie schließen wollten. Wir spazierten noch zum Castello de Chapultepec, das aber schon zu war, und machten uns dann wieder in Richtung Horacio auf.

Hier aßen wir in einem mexikanischen Franchise-Restaurant sehr gut und recht günstig zu Abend, ehe wir jetzt im Bett liegen.

Das wird meine letzte Nacht in Mexiko-Stadt, da kann man schon ein wenig traurig werden. Aber es hilft ja nichts. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Rex Gildo zitieren würde:

Adio, adio Mexiko
Ich komme wieder zu dir zurück


Aber mit meinem Sombrero grüße ich trotzdem nicht. Gute Nacht.

Freitag, 30. Januar 2015

Baño

... ist eine öffentliche Toilette, und die brauchte ich gestern ziemlich häufig. Nein, nein, nicht Montezuma oder vielmehr Moctezuma hatte mich erwischt, vielmehr bekämpfte ich meine Erkältung mit dem übermäßigen Konsum von Wasser. Naja, und dann muss man halt mal.

Und um dem Ganzen formal eine hygienekulturelle Betrachtung zu geben, ein kurzer Überblick zur Toilettenkultur: Es gibt hier in Mexiko sehr wenige öffentliche Toiletten, aber dafür seeeeehr viele private. Oft bieten Restaurants und Hotels ihre baños zur Benutzung an, oft aber auch irgendwelche Verkaufsstände am Straßenrand. Der Preis liegt immer so zwischen 4 und 7 Pesos (30-50 Eurocent). Dadurch bekommt man zwar nicht immer eine Toilettenbrille präsentiert, aber wenigstens ist es in der Regel ziemlich sauber.

Gestern war ich dann so k.o., dass ich selbst den Blog habe hintenrunterfallen lassen. Um 21.15 Uhr war ich im Bett, um 21.16 Uhr schlief ich.

So, wir kämpften uns gestern also mal wieder durch den Straßenverkehr von Mexiko auf dem Weg zu dem Hotel, wo wir auf die einzelnen Ausflugsbusse verteilt wurden. Die Mexikaner fahren schon so, wie man sich das vorstellt, es wird gehupt (nicht so viel wie in Indien), es wird gedrängelt, es werden die Spuren gewechselt, man hält einfach am Straßenrand an und hält noch ein Schwätzchen mit dem Fahrer, auch wenn man die Straße blockiert. Es hilft am Ende alles nichts, man muss entspannt bleiben, was nicht immer ganz so einfach ist (s. baño, el).
Indígena-Kirche in Cholula

Die Mexikaner sind allesamt sehr freundlich. Wenn man zum Beispiel niest, kommt von allen Seiten (auch von den Peruanern, der Kolumbianerin und dem Deutschvenezolaner gestern im Bus) ein herzliches ¡salud! (Gesundheit!). ¡Gracias!

Heute ging es also in Richtung Puebla, der fünftgrößten Stadt Mexikos. Puebla ist - nicht zuletzt wegen VW, das sich dort angesiedelt hat - eine Industriestadt, aber die Altstadt ist sehr schön. Zunächst machten wir aber einen Zwischenstopp in Cholula, in einer sehr schönen Kirche, in deren Inneren man aber auf Wunsch der indigenen Bevölkerung nicht fotografieren darf. Das wiederum ist sehr schade, denn so eine Kirche habe ich noch nie gesehen: Innendrin ist dieser Sakralbau quietschbunt, mit Tieren, Menschenköpfen, Meerjungfrauen (!) und allerlei anderen Sachen. Wenn man mal für die filmische Darstellung des Schlaraffenlandes eine Kirche braucht, sollte man die indígenas fragen, ob man ausnahmsweise in der Kirche filmen darf. Unfassbar ...


Pyramide von Cholula
Ebenfalls in Cholula liegt die - nach dem Volumen - größte Pyramide der Welt. Nicht gewusst? Ich vorher auch nicht. Sie ist 105 Meter hoch und heute im Wesentlichen von Vegetation überwachsen. Ganz oben auf der Pyramide thront eine von den Spaniern erbaute Kirche. Das haben die Spanier im Übrigen ganz gerne gemacht: Als Zeichen ihres Sieges über die Azteken wurde auf den Tempeln der Azteken eine Kirche gebaut. Sehr subtil ...

Links der Popocatépetl, rechts der Iztaccíhuatl
Wir stiegen allerdings nicht die 105 Meter hoch, sondern nur etwa 30 und hatten von dort einen tollen Blick nicht nur auf die Stadt Cholula, sondern auch auf die Zwillingsvulkane Popocatépetl und Iztaccíhuatl. Unfassbar schön. Wir hatten zwar schon unterwegs nach Cholula auf der Autobahn angehalten und den Ausblick genossen, aber von dort auf 30 m der Pyramide von Cholula wurde das noch einmal übertroffen.

Nun fuhren wir wirklich nach Puebla rein und aßen erst einmal zu Mittag. Wieder einmal gab es das unvermeidliche Touristenbuffet, das aber diesmal ganz okay war, ehe wir zur Kathedrale von Pueblo aufbrachen. Leider darf man auch darin nicht fotografieren (das wurde zwar von unserem Fremdenführer ignoriert, bis er zum zweiten Mal darauf hingewiesen wurde, aber als braver, Regeln befolgender Deutscher hielt ich mich natürlich an das Verbot), denn auch diese Kirche ist sehr schön. Sie ist zwar ein bisschen schlichter als die in Cholula (was so ziemlich jede Kirche der Welt ist), aber auch so sehr ansehnlich.

Zócalo von Puebla
Es folgte ein Spaziergang über den hiesigen Zócalo und durch die Gassen der Altstadt. So wie hier in Cholula und Pueblo habe ich mir "Mexiko" vorgestellt: Bunte Häuser, viele Menschen, viele Kirchen, angenehm warm. Doch, da könnte man leben. Insgesamt muss man auch sagen, dass Mexiko sehr sauber ist. Ich habe mein Kosovo-Trauma ja immer noch nicht verwunden, aber überall stehen Mülleimer herum, die auch in der Regel benutzt werden, und wenn man man den Mülleimer, sagen wir, verfehlt, kommt regelmäßig ein Straßenkehrer vorbei und behebt das Malheur.

Capilla del Rosario
Nach einem kurzen Rundgang über einen Markt ging es in das Kloster Santo Domingo und die dortige Kirche mit der Capilla del Rosario. Da darf man fotografieren, und man sollte es tun. Das Ding ist zwar vor lauter Vergoldung nicht so bunt, aber genauso überschwänglich dekoriert wie in die Kirche in Cholula (einschließlich Meerjungfrauen!). Wahnsinn.

Schließlich ging es noch einer kurzen Vorbeifahrt an den Austragungsorten verschiedener Schlachten zurück nach Mexiko-Stadt. Die Stadtgrenze erreichten wir schnell, nur bis zu unserem Hotel brauchten wir nochmal zwei Stunden. So einen Verkehr habe ich wirklich noch nicht gesehen. Ich habe den Eindruck, dass die vielen Verkehrspolizisten das Chaos eher noch verstärken, aber sei's drum.

Gestern gingen wir nicht mehr essen, weil ich nur noch ins Bett wollte. Wird vielleicht heute nachgeholt, mal gucken.

J. muss heute einen halben Tag arbeiten, sodass ich mich heute entschieden habe, ganz geruhsam zu machen. Vielleicht mache ich gleich noch einen kleinen Spaziergang, vielleicht nicht.

Ich habe schon früh in diesen Tagen gemerkt, dass eine Woche viel, viel, viel zu wenig ist, um auch nur die Hauptsehenswürdigkeiten von Mexiko-Stadt und Umgebung anzugucken. Okay, wir haben viele Ausflüge gemacht und ich war eineinviertel Tage in der Innenstadt zu Gange, aber ich werde mir wahrscheinlich weder das Anthropologische noch irgendein anderes Museum hier angucken. Ich war auf keinem der Türme hier in der Stadt, ich bin nur durch den Bosque de Chapultepec durchgefahren, aber trotzdem habe ich, glaube ich, einen ganz guten ersten Eindruck von Mexiko-Stadt bekommen.

Heute und morgen werden J. und ich ein wenig in den angesagten Stadtteilen, in Condesa, in Roma, in der Zona Rosa herumurlauben, da ein bisschen was essen, dort ein bisschen was trinken, einmal mal ein bisschen Urlaub nach dem Sightseeing-Programm, das ich hier in den fünf Tagen durchgezogen habe. Wird auch schön.

Naja, und in 48 Stunden bin ich, wenn alles gut geht, fast schon wieder auf dem Weg nach Wiesbaden. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Clumsy

Also tollpatschig war ich heute aber mal richtig unterwegs. Liegt vielleicht daran, dass ich mich irgendwo ein bisschen erkältet habe ... Ich werde es überleben. Hoffe ich.

Ich war überpünktlich unten am Eingang des Hotels und wartete dort, wo der Bus uns an den letzten beiden Tagen auch abgeholt hatte. Es wurde 8.30 Uhr, 8.45 Uhr, 9 Uhr, 9.10 Uhr, ehe ich an der Rezeption mal nachfragte, ob sie mich denn vergessen hätten. Nö, hatten sie nicht, der Fahrer war nur um 8.30 Uhr zum Hintereingang rein und fand mich natürlich nicht. Argh. Ich wurde dann mit dem Taxi zu einem anderen Hotel gefahren, aber dort war der Van auch schon weg. Die Rezeption rief für mich bei der Firma an, und dann kam ein Fahrer und holte mich ab.

So kam ich unverhofft und ungeplant zu einem Einzelausflug, denn ich hatte den Fahrer für mich allein. Er sprach zwar nur Spanisch, aber ich war überrascht, dass ich 80 % von dem verstand, was er erzählte, und darunter waren viele interessante Sachen.

Wir fuhren erst zum Frida-Kahlo-Museum, das um 11 Uhr öffnen sollte und um 11.15 Uhr öffnete. Das Museum ist ganz interessant, ist jetzt aber auch nicht so der totale Brüller. Der Garten ist ganz hübsch und die Ausstellungen okay, für fünf Euro Eintritt macht man da am Ende nicht viel falsch.

Weiter ging es vorbei am Olympiastadion und nach Xochimilco. Dieser Spreewald Mexikos ist sehr interessant, bunt bemalte Boote fahren da über eine Seenlandschaft, Mariachi-Musiker, Essens- und Schmuckverkäufer kommen auf die Boote zugepaddelt, man kann ein Bierchen trinken. Ich kann verstehen, dass da am Wochenende öfter mal voll ist.

Die Tour war damit zu Ende, und der Fahrer fuhr mich in Richtung Zócalo. Kurz vorher ließ er mich auf meinen Wunsch raus. Ich hatte mich zwar mit der Richtung vertan (wir kamen von Süden statt von Westen), aber trotzdem fand ich zufällig ein sehr nettes Speiselokal, in dem ich einen Alambre verspeiste (sowas Ähnliches wie ein Taco mit Geschnetzeltem).

Anscheinend schaute ich mir den Templo Mayor an, der auch ganz interessant ist. Die Ausgrabungsstätte mitten in der Stadt und auch das Museum haben schon beeindruckende Ausstellungsstücke. Das kann man sich für vier Euro schonmal angucken,.

Mit der U-Bahn ging es heim, wir trafen uns wieder am Intercontinental und aßen dann lecker Fondue zu Abend.

Schöner Tag, auch wenn ich nicht ganz fit war ...
Frida-Kahlo-Museum

Xochimilco

Nochmal auf dem Zócalo

Templo Mayor

Mittwoch, 28. Januar 2015

Rechnung

Wow.

Ich bin ziemlich kaputt, aber sehr zufrieden mit dem heutigen Tag.

Plaza de las tres culturas
Der Fahrer war früher als abgesprochen am Hotel! (Ja! Hier! In Mexiko!) Somit musste mich die Rezeption nach unten klingeln ...

Der Fahrer fuhr wieder in der Gegend herum, bis wir am Zócalo unseren Reiseführer und noch ein paar andere Gäste aufnahmen.

Den ersten Zwischenstopp machten wir an der Plaza de las tres culturas, die einen alten Aztekentempel, eine Kirche aus der Zeit der spanischen Eroberer und ein Museum für im Jahr 1968 von der Geheimpolizei abgeknallte Studenten beherbergt. Auch schon sehenswert.

Auf der Autobahn ging es raus aus dem Bundesdistrikt und rein in den Bundesstaat Mexiko.

Dort fuhren wir wieder an einem Souvenirladen vorbei, wo ich mir weder Pulque, einen leicht alkoholischen Agavensaft, noch einen Tequila entgehen ließ. Gekauft habe ich nichts.

Danach ging es zu den Pyramiden von Teotihuacán. Schon aus größerer Entfernung sieht man die hoch aufragende Sonnenpyramide. Das Ding sieht schon beeindruckend aus, vor allem, wenn man daran denkt, dass man die 65 m jetzt gleich hochkraxeln wird.

Da auf die Sonnenpyramide soll ich hoch?
Unser Reiseführer war ein wenig kleiner als ich, aber von ähnlicher Statur, und ich glaube, er hatte echt Schiss, dass ich auf 2.300 Höhenmetern (die er ja im Gegensatz zu mir gewohnt ist) von der Anstrengung umklappe. Er fragte auf jeder der vier, fünf Teiletappen, ob bei mir alles okay sei ... Ja, hombre!

Für den Blick auf die Mondpyramide lohnt es sich.
Ansonsten war der Typ total cool. Er fand eine, wie ich finde, sehr gute Dosierung der Information, die er vermittelte, sodass man viel erfuhr, ohne von Zahlen und Daten völlig erschlagen zu werden.

Der Ausblick von der Sonnenpyramide auf die Mondpyramide und die Straße der Toten ist absolut beeindruckend und wir nur noch vom Blick von der (niedrigeren) Mondpyramide auf die Sonnenpyramide und die Straße der Toten getoppt. Absolut sehenswert. Absolut begeisternd. Absolut anstrengend, zumal die Stufen der Mondpyramide mit Sicherheit nicht DIN-genormt und TÜV-geprüft sind ...

Blick von der Mondpyramide auf die Sonnenpyramide und die Straße der Toten
Unsere Reisegruppe war bunt gemischt und bestand aus einem costaricanischen Ehepaar, zwei Panameñas, einem französisch-englischem Paar und mir. Beim Essen gab es ein lustiges Sprachgemisch aus Spanisch und Englisch, weil wir irgendwie alle ein bisschen von beiden Sprachen konnten ... Während des Gesprächs ging es auch darum, wie die cuenta in verschiedenen Sprachen heißt.

La cuenta. Rhythmus. L'addition. Musik. The bill. Auch noch okay. Die Rechnung. Panzer. Gelächter am Tisch ...

Links die Antigua Basilica de Guadelupe
Der dritte Teil des Ausflug bestand aus dem Besuch der Basiliken der Muttergottes von Guadelupe. Dieses Bild, an dem man zur Vermeidung von Gedränge (heute war leer) auf dem Rollband vorbeifährt, riss mich jetzt nicht wirklich vom nicht vorhandenen Stuhl, und auch die Nueva Basilica ist halt ein riesengroßer Zweckbau aus den 1970er-Jahren. Aber die Antigua Basilica ist vor allem von außen eine der schöneren Kirchen, die ich so gesehen habe, auch wenn sie den Eindruck vermittelt, dass sie bald umfällt, so wie sie vor lauter Erdbeben in der Kurve hängt.

Wir fuhren zurück, J. bekochte ihren Kollegen und mich in ihrem Apartment, und dann ging es nach einem kurzen Spaziergang heute mal früh ins Bett. Naja, jetzt ist es auch schon wieder halb elf.

War toll heute.

Dienstag, 27. Januar 2015

Zócalo

So, gestern hat mich mein Latein aber mal gründlich im Stich gelassen, sodass ich schön Spanisch und Latein verballhornt habe. Es hätte natürlich "ecclesiae et argentum" (oder "iglesias y plato") heißen müssen, aber wahrscheinlich hat's eh keiner gemerkt.

Heute fuhr ich dann in einer nicht ganz übervollen U-Bahn mit einmaligem Umsteigen zur Plaza de la Constitutión, die hier einfach nur Zócalo genannt wird. An den Seiten dieses drittgrößten Platzes der Welt steht die Kathedrale und der Nationalpalast.

Ich marschierte erst einmal über den Platz und ging in die Kirche hinein. Es war gerade Gottesdienst, sodass ich nicht so richtig in die Kathedrale rein konnte. Ich lief ein paar Meter weiter und stieg dann in den Turibus. Für acht Euro bekam ich eine veritable zweistündige Stadtrundfahrt vorbei an allen Sehenswürdigkeiten des Distrito Federal: Es ging vorbei am Finanzdistrikt von Mexiko-Stadt, am Bellas-Artes-Gebäude, an diversen Museen, am Unabhängigkeitsdenkmal: Sehr schick.

Ich guckte nach Wiederkunft nochmal in die Kathedrale rein, die durchaus beeindruckend ist. Ich aß ein paar Tacos in einem schönen Restaurant und fuhr dann relativ bald zurück nach Polanco. Dort bummelte ich ein wenig über die Haupteinkaufsmeile, ehe wir uns dann im Intercontinental trafen und sehr lecker zu Abend aßen.

Bin müde, deswegen relativ kurz. Sorry.
Blick vom Zócalo auf die Kathedrale

Bellas Artes

In der Kathedrale

Montag, 26. Januar 2015

Iglesiae et argentum

Kirchen und Silber haben wir uns heute angeguckt, gefolgt von einem Stau in für Mexiko-Stadt absolut angemessenen Dimensionen ...

Nach frühem Wachwerden und nicht wirklich langem Schlafen standen wir heute Morgen um 6.30 Uhr und verließen die Wohnung um kurz vor 8.30 Uhr. In der Lobby trafen wir zwei Kollegen von J., mit denen wir den heutigen Tag verbrachten.

Relativ pünktlich kam ein Fahrer und brachte uns, mit einmaligem Umsteigen zu dem Sammelpunkthotel für diesen Reiseveranstalter. Dort stiegen wir in unseren Kleinbus um, der uns mitsamt einer buntgemischten Schar aus vielen Lateinamerikanern und einem Chinesen nach Cuernavaca und Taxco brachte.

Cuernavaca ist etwa eine bis anderthalb Stunden von Mexiko-Stadt entfernt und trägt den Beinamen einer Stadt des ewigen Frühlings. Schön war's und frühlingshaft war's auch. Wir guckten uns eine der ältestens Kirchen Mexikos an. Diese vergoldeten, mehrere Meter hohen Altare sind immer wieder sehr beeindruckend. Sehr interessant war, dass über dem Portal der Kirche ein Totenkopf, ein traditionelles Symbol der Zeit vor der Eroberung durch die Spanier, eingebettet war.

Danach ging es weiter in Richtung Taxco. Dort guckten wir uns zunächst einen mit ein bisschen Information verbrämten Silververkaufsladen an, in dem wir aber nichts erstanden. Danach folgte ein Stadtrundgang durch die engen Gassen von Taxco hoch zur Kirche, die wir besichtigten. Ebenfalls sehr schön.

Wir aßen in einem "typisch mexikanischen" Lokal Spagetti und Lasagne vom Büffet, hatten aber wenigstens vom Balkon des Lokals einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Berge.

Überhaupt, die Berge: Mexiko-Stadt liegt auf etwa 2.300 Metern, auf dem Weg nach Cuernavaca kamen wir auf 3.100 Metern, danach bis auf unter 1.000 Meter, und am Ende in Taxco waren wir auf 1.800 Metern. Dementsprechend ist die sehr grüne Landschaft sehr hügelig. Auch einen Blick auf den Popocatépetl konnten wir heut erhaschen.

Nach dem Essen in Taxco schauten wir noch einem Jugend-Volleyball-Spiel vorbei, ehe wir nach dem Einkauf von ein wenig Bier in den Bus stiegen und uns auf den Weg nach Hause machten. Die Fahrt wurde lang und länger, weil wir ab gefühlt zwei Stunden vor Mexiko-Stadt im Stau standen. Jedenfalls kamen wir etwa eineinhalb Stunden verspätet am Hotel an, aßen noch im Zimmer zu Abend und ab ging es in die Heia.

Morgen wird J. arbeiten müssen, während ich mal die Innenstadt von Mexiko-Stadt unsicher machen werde.
Kapelle in Cuernavaca

Altar in Taxco

Die Kirche in Taxco

Sonntag, 25. Januar 2015

Über Grönland nach Mexiko

So, guten Morgen!

Nach entspanntem Aufstehen gestern Morgen fuhr ich zum Flughafen, checkte ein (nachdem der Check-in-Apparat meine Handy-Bordkarte nicht erkannt hatte), stand relativ lang in der Sicherheitskontrollschlange und durchlief dann erstmals die elektronische Passkontrolle. Cool ... (nur dass dahinter doch noch zwei Grenzer sitzen, die - auf Aufforderung - kontrollieren können, führt das ganze Konzept ad absurdum).

Über Grönland

Anflug auf Mexiko-Stadt
Diesmal verpasste ich das Boarding nicht und stieg als einer der Letzten in die 747 ein. Der Mexikaner auf Platz 43C hatte ebenso Glück wie ich, da der 43B frei blieb. Sehr entspannt ...

Wir flogen über Großbritannien und Grönland (fantastische Ausblicke), ich schaute drei oder vier Filme, und als es dunkel wurde, schwebten wir gerade über dieser Riesenstadt Mexico City ein: Nur Stadt, wohin das Auge blickt.

Die Einreise dauerte ewig, aber es erwartete mich schon der Chauffeur, der mich zu J. brachte, die uns schon erwartete. Nach dem Konsum meines ersten mexikanischen Bieres (lecker) und Nachos mit Guacamole machten wir noch einen Spaziergang an der deutschen Botschaft vorbei. Ich wäre trotz der gehobenen Gegend nicht mehr so ganz unbedingt im Dunkeln in der Gegend herumgelaufen, aber das war völlig entspannt. Um 23.30 Uhr waren wir im Bett und sind jetzt um 6.30 Uhr vom Wecker aus dem Bett geschmssen worden.

Heute geht es nach Cuernavaca und Taxco. Ich bin gespannt.

Samstag, 24. Januar 2015

Bedingt abflugbereit

... sitze ich jetzt hier vor meinem Rechner und muss noch ein bisschen packen. Aber das wird schon.

Gegen 10 Uhr will ich im Bus zum Hauptbahnhof sitzen, um eine S-Bahn zu erwischen, die so gegen 11 Uhr am Flughafen ankommt. Ich habe zwar schon eingecheckt und brauche wahrscheinlich keine zweieinhalb Stunden (Abflug 13.35 Uhr) zum Abgeben des Koffers am Automaten, zum Durchlaufen der Sicherheits- und Passkontrolle und zum Erreichen meines Gates, aber sicher ist halt sicher, und den Flieger nach Mexiko möchte ich ungern verpassen.

Es wird toll. Die Freundin, die ich besuche, hat schon alles organisiert, vom Transport zwischen Flughafen und Hotel bis zum ersten Ausflug morgen. Meine tolle neue Kreditkarte ist inzwischen auch gekommen, sodass ich keine Auslandsgebühren mehr bezahle. Juchhe.

Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass es grandios wird in Mexiko-Stadt und Umgebung ...

Das Auswärtige Amt hat nach dem Hinweis von mir, dass die iranischen Generalkonsulate in Frankfurt und München die Visumbeantragung am Flughafen in Teheran empfehlen und auch die deutsche Botschaft in Teheran in jüngster Zeit keine Schwierigkeiten mehr mitgeteilt bekommen hat, tatsächlich seine Reisehinweise geändert und macht jetzt nicht mehr so ganz viel Panik wie vorher. Ich hoffe jedenfalls, dass das Ganze bei mir klappt. Ich werde berichten, aber erst nach Mexiko.

Nächster Eintrag aus Mexiko.

Dienstag, 13. Januar 2015

Oh Teheran, oh Visa

So, jetzt bin ich mal gespannt, was das wird mit dem iranischen Visum.

Meine Ma war so lieb und hat, während ich gearbeitet habe, öfter beim iranischen Konsulat in Frankfurt und dann auch in München angerufen. Sie fragte, ob ich unter den Umständen meiner Reise (Anreise aus Frankfurt/Istanbul, Weiterflug nach Bahrain/Kuwait) mit einem Transitvisum durchkomme (so würde ich mir diese bekloppte Referenznummer ersparen, die man für ein Touristenvisum braucht). Der Typ beim Konsulat sagte aber mehrfach, ich könnte mein Visum am Flughafen in Teheran beantragen.

Das Auswärtige Amt ist in seinen Reisehinweisen ziemlich deutlich und empfiehlt die vorherige Einholung eines Visums. Nun stand ich da: Die Deutschen in Berlin sagen, man solle zu den Iranern im Konsulat gehen, welche wiederum sagen, man solle sein Visum in Teheran am Flughafen beantragen.

Schließlich fragte ich bei der deutschen Botschaft in Teheran nach. Die antworteten (zweimal ...) ähnlich, dass es nämlich in letzter Zeit keine Schwierigkeiten bei der Visumbeantragung am Flughafen gegeben habe. Argh.

Nun denn, ich habe heute Abend ein Hotel in Teheran gebucht und hoffe, dass mir die Hotelbestätigung dann tatsächlich bei der Visumbeantragung in Teheran reicht. Die Fluggesellschaft müsste auch mitspielen, hoffe ich. Ich werde berichten, wenn ich da am Flughafen in Teheran stehe und nicht einreisen kann. Wird schon schiefgehen ...

In Kuwait ist das dann anscheinend überhaupt kein Problem mit der Visumerteilung am Flughafen ...

Ansonsten sieht es so aus, als ob ich im Hochsommer ein paar Tage in Rom wäre. Wird sicher auch schön, wenn auch heiß. Aber dann ist Rom wenigstens leer ...

In elf Tagen um die Zeit bin ich wahrscheinlich schon über dem amerikanischen Kontinent und lande in ein paar Stunden in Mexiko-Stadt. Die Freundin, die ich besuche, freut sich schon so sehr wie ich auf die Tage in Mexiko, meinem 95. Land. Sie hat sogar schon U-Bahn-Tickets und Reiseführer für mich besorgt: Ich sehe also einer Rundumversorgung entgegen. Und auf mexikanisches Essen freue ich mich auch schon sehr. Wird toll ...

Samstag, 3. Januar 2015

2014, Trier, Singapur, Kapverden

Von hinten nach vorn: Meine Ma hat jetzt unsere Nachbarin beauftragt, mal nach Kapverden-Reisen im September oder so zu schauen, so über meinen Geburtstag. Daher ist jetzt dieses kleine Inselgrüppchen westlich des afrikanisches Kontinents orange eingefärbt. Gebucht wird aber diesmal wirklich erst frühestens Anfang Februar ...

Heute habe ich auch noch unsere Hotels in Singapur gebucht. Das dürften mit die teuersten sein, die wir auf der Reise habe, aber hey, das ist Singapur. In viereinhalb Monaten ist es ja schon soweit ...

Über Silvester waren wir in Trier und waren sehr beeindruckt von dieser schönen Stadt. Leider war die Stadt auch ziemlich kalt, sodass ich mich gründlich verkühlt habe. Um 18 Uhr war ich im Bett und unterbrach meinen Schlaf nur notgedrungen, als ich gegen Mitternacht von dem Geböllere wach wurde. Trier, du wirst nochmal in einem Frühjahr oder Sommer unsicher gemacht, dann geht es mir bestimmt besser.

Auf der Heimfahrt machten wir einen kleinen Abstecher nach Luxemburg-Stadt, wo es aber auch neblig war, sodass wir durchstarteten und - nach einem Zehn-Minuten-Abstecher ins französische Apach samt Grenzsteinbesichtigung und damit ich gleich mal 2015 in drei Ländern war (nein, ich spinne ganz bestimmt nicht!) - stattdessen zügig nach Wiesbaden zurückfuhren.

Ja, 2014 war - wie die meisten der letzten Jahre - ein reisereiches Land:

Schon der 1. Januar 2014 mit dem Besuch an den Schlachtfeldern um Verdun war außerordentlich beeindruckend. Dann kam Istanbul, meine Lieblingsstadt, und die erste Fahrt unter dem Bosporus hindurch. Kirgisien war eine echte Abenteuerreise mit tollen Landschaften und freundlichen Menschen. Südamerika war so reich an Eindrücken, ob an der Christusstatue, am Zuckerhut oder an der Copacabana in Rio, auf dem Mercado del Puerto in Montevideo, in der Innenstadt von Buenos Aires, natürlich an den Iguazúfällen, beim Fußball in Recife und bei den abschließenden Strandtagen in João Pessoa. Von der Entwicklung im Kosovo war ich sehr angetan, auch wenn wir fast den Flug verpasst hätten. Und schließlich, als finales Highlight des Jahres, Algerien mit Tipasa, wo ich mal wieder staunte und den Mund nicht mehr zu kriegte.

Meine armen Mitmenschen, denen ich jetzt noch mehr erzählen werde, wenn sie denn so unklug sind, mich ins Reden kommen zu lassen. Die Ärmsten ...

So, noch ein paar statistische Daten: 2014 waren das sechs neue (Kirgisien, Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Algerien) bei insgesamt 16 besuchten Ländern auf vier Kontinenten (Europa, Asien, Südamerika und Afrika). Erstmals seit 2008 war ich in einem Kalenderjahr nicht in den Vereinigten Staaten, erstmals seit 2006 in einem geraden Kalenderjahr nicht in der Ukraine.

2014, du warst schön. 2015, ich komme ...

Montag, 29. Dezember 2014

Très triste

Sehr traurig waren wir gestern, Algerien wieder verlassen zu müssen, denn es hat uns dort, wie der geneigte Leser hat feststellen können, sehr gut gefallen.

Nach erträglich frühem Aufstehen ging es zum Frühstück und zum Check-out. Entgegen meiner Erwartung mussten wir keine Touristensteuer an die Stadt Algier abführen, sodass wir nur das eine Abendessen und die Minibarentnahmen bezahlen mussten.

Ein Taxi stand vor unserem Hotel und nach ein bisschen Verhandeln fuhr uns dieses auch für einen angemessenen Preis zum Flughafen.

Dort mussten wir durch die nach Männlein und Weiblein getrennte Sicherheitsschlange, ehe wir einchecken durften. Vor dem Check-in, beim Check-in und nach dem Check-in gab es jeweils eine Dokumentenkontrolle: Unsere Pässe sind wohl echt ...

Danach ging es durch die Passkontrolle (wieder so'n Zettel ausfüllen), dann durch Sicherheitskontrolle und am Ende wollte so ein Zöllner noch wissen, ob ich Geld zu deklarieren habe. Hatte ich nicht. Jedenfalls nicht ihm gegenüber ...

Die Wartehalle in Algier ist sehr großzügig gestaltet, die Anzahl der Sitzplätze ist allerdings weniger überwältigend. Nichtsdestotrotz bekamen wir noch ein schönes Plätzchen. Das Boarding ging relativ rasch, auch wenn es noch einmal eine Sicherheitskontrolle gab und insgesamt zwei weitere Bordkartenkontrollen. Die scheinen da schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Oder es müssen Arbeitsplätze geschaffen werden. Wahrscheinlich beides.

Wegen starken Gegenwinds dauerte unser Flug eine Viertelstunde länger als der Hinflug, was uns aber völlig egal war, weil wir fast vier Stunden überbrücken mussten.

Als wir auf dem Weg zu unserem Gate (wir mussten das Terminal wechseln) waren, kam uns eine französische Familie entgegen und meinte, der Übergang sei geschlossen. Wir trauten den Franzosen durchaus zu, dass sie das ausschildern würden, wenn da eine Sperrung vorläge - und siehe da, nix da mit geschlossen. Da war nur alles leer. So einsam an einem Flughafen habe ich mich selten gefühlt: Keine Leute da, eine Sicherheitsschleuse offen (die auch gleich mal richtig scharf kontrollierte ...) und ein Passkontrollhäuschen. Das Ding fühlte sich an wie gerade frisch eröffnet.

Wir wollten am Gate dann ein Bierchen trinken, aber die hatten nur Heineken, sodass wir es an der anderen Schere des Terminals 2F versuchten. Die hatten zwar auch nur italienisches Bier, aber Moretti schmeckt wenigstens halbwegs.

Danach zurück zu unserem Gate, das Boarding ging sehr schnell, der Flug war fix um, Frankfurt war kalt (noch kälter als Paris), wir warteten einige Zeit auf unser Gepäck (aber es kam wenigstens), und dann ging es rasch zur S-Bahn. Die eine Bahn verpassten wir um wenige Minuten, aber die eine Viertelstunde wurde von uns okkupiert. Taxi vom Bahnhof zur Wohnung, Zeug ausladen, und ab zum Abendessen im Sherry & Port. Lecker wie immer.

Fazit in ein paar Tagen ...

Achso, wenn man "Croissants" nicht richtig schreiben kann, sollte man sie Hörnchen nennen. Sorry.

Samstag, 27. Dezember 2014

Tipasa!

Heute waren wir in Tipasa, und heute waren wir von der Weltkulturerbestätte völlig hin und weg. Wow!

Wir haben heute nach dem langen Tag gestern ein wenig ausgeschlafen, ehe wir uns zum Frühstück bequemten, das wie schon in den letzten Tagen aus Brot, Crossaints, Ei und Marmelade sowie Orangensaft bestand: Nicht feudal, aber für den Start in den Tag reichte es.

Wir liefen die paar Schritte in die Innenstadt und über die Eisenbahnbrücke, als wir den Busbahnhof erspähten. Dort fragten wir den Erstbesten, wo die Busse nach Tipasa hinfuhren. Er wedelte uns den Weg, ein paar Meter weiter fragten wir wieder nach und wurden dann zu unserem Bus gelotst. Dort stiegen wir ein, warteten ein paar Minuten und los ging die wilde Fahrt: erst wieder in die falsche Richtung, dann auf die Autobahn und schließlich einige Minuten über die Landstraße. Ein paar Leute stiegen an einer archäologischen Stätte aus, aber da Google dort noch nicht die Ausgrabungsstätten angegeben hatte, blieben wir sitzen. Das war nicht unbedingt richtig, aber auch kein Fehler. Schwerwiegender war, dass wir auch dann nicht ausstiegen oder "Halt" brüllten, als wir am Eingang zur Ruinenstadt vorbeifuhren, da wir ihn in dem Moment nicht erkannten. Naja, am Ende waren wir halt am Busbahnhof und liefen ein paar Minuten bergab in Richtung Eingang.

Für den unverschämten Eintritt von 60 Cent (für Schwarzmarktwechsler sogar nur 40 Cent) erhielten
Blick aufs Mittelmeer von Tipasa aus

Blick auf Tipasa
wir Einlass und waren gleich vom Amphitheater hellauf begeistert. Von dort liefen wir in Richtung Mittelmeer über eine alten Römerstraße, auf zwei Häuser zu, deren Mosaikfußböden man noch sehen konnte (die Fußböden war die einzigen Ausgrabungen, die - durch ein loses Seil - abgesperrt waren, über alles andere kletterte man völlig unbekümmert drauf los). Diese Hausruinen, gepaart mit dem unmittelbar angrenzenden Mittelmeer und dem Berg, der auf der anderen Seite der Bucht aufragte: Das war fantastisch.

Wir erkletterten noch die Basilika, das Theater und das Nymphaeum. Sehr schön fand ich, dass diese ganzen Stätten mitten in einem kleinen Wäldchen lagen, sodass man nicht nur die archäologischen Sehenswürdigkeiten hatte, sondern sich auch wie beim Picknick fühlte (im Übrigen machten viele Algerier genau das dort: Picknick).

Ich ließ meine Ma beim Amphitheater zurück, während ich mich noch an den Aufstieg zum Forum machte. Dabei verlief ich mich, bahnte mir bulldozerartig den Weg durchs Gebüsch, überraschte versehentlich ein Pärchen beim Kuss und kam schließlich da raus, wo ich rauskommen wollte: an der zweiten Basilika mit grandiosem Ausblick auf das Mittelmeer. Palmyra und Jerash waren toll, und Tipasa fügt sich hochverdient in diese Reise ein.

Meine Ma erlebte derweil ein bisschen Fotoshooting, weil einige Schulmädchen ihre kenianische Kette offenbar hochinteressant fanden und sie ganz unauffällig fotografierten ...

Als wir wieder vereint waren, verließen wir das Gelände und suchten uns die erstbeste Kneipe, um etwas zu trinken. Aus der großen Flasche Wasser wurden drei, und am Ende hatten wir dort formvollendet zu Mittag gegessen, mit Sardinen, Merguezwürsten, Rind- und Hühnchenfleisch vom Grill, weil es dort sehr, sehr lecker war - und das alles für weniger als acht Euro.

Es wurde nun ein bisschen kühler (das heißt, keine warmen 18 Grad, sondern vielmehr vielleicht noch 12 Grad), sodass wir aufbrachen und, da die meisten Busse nach Algier, die an uns vorbeifuhren, schon proppevoll waren, wieder zum Busbahnhof liefen. Dort stand eine Traube von Menschen, die nach Algier wollten, aber kein Bus, der nach Algier fuhr. Nachdem wir uns das Schauspiel zehn Minuten angeschaut hatten, fragten wir einen Taxifahrer, was uns die einstündige Fahrt kosten würde, und da der Preis sehr akzeptabel war (16 Euro oder so), setzten wir uns hinein. Unterwegs pennte ich kurz mal ein, aber als wir an der Grande Poste ankamen, um noch Briefmarken zu holen, war ich leidlich wach.

Drei Bier später verließen wir die Bar, in der wir unseren Algiertrip kulinarisch begonnen hatten, und liefen nach Hause, nur um das Hotel rechts liegen zu lassen und in der - mittlerweise dunklen - Straße am Place Port Said nochmal fünfzig Euro zu wechseln. Erst wollte der Wechsler mich mit 6.000 Dinar abspeisen, aber am Ende einigten wir uns auf 7.500. Passt schon.

Heute sind wir mal früher im Bett.

Leider geht es morgen auch schon nach Hause. Wir beide könnten ganz gut noch zwei, drei Tage in diesem schönen Land verbringen, aber irgendwo müssen ja die Moneten auch herkommen, die wir dann im inoffiziellen Wechsel umtauschen wollen. Das Fazit wird, wenn nicht morgen auf dem Weg zum Flughafen noch etwas völlig Außergewöhnliches geschieht, auch wieder mindestens mit "Es war toll" anfangen, und auch Algerien drohe ich schon jetzt meine baldige Wiederkehr an.

Photographien

Probieren wir mal, ob das mit dem Bilderhochladen heute Morgen besser klappt:

Hafenpromenade in Algier

Blick vom Hafen auf die Hafenpromenade

Aufstieg zur Hafenpromenade

Am Hafen von Algier

Ketchaoua-Moschee in der Altstadt von Algier

In der Kasbah

In der Nähe des place des martyrs

In der Nähe des place des martyrs

Fischerhafen in Algier

Die Kathedrale Sacré-Cœur d'Alger: beeindruckend hässlich

Chakhchoukha: lecker

Unterwegs nach Oran

Unterwegs nach Oran

Unterwegs nach Oran: in den Bergen

Hafenpromenade von Oran

Bahnhof von Oran
Na siehste.

Freitag, 26. Dezember 2014

Der Weg ist das Ziel

Das war heute unser Motto, als wir uns um 7.30 Uhr in unser Taxi setzten, das uns am Gare d'Agha, dem Fernbahnhof von Algier, absetzte.

Nach Passieren der Sicherheitskontrolle (Schleuse wieder aus, wie gestern) ging es über die Treppe hinunter zum Gleis. Gegen 7.50 Uhr kam der Zug, in den wir einstiegen, nachdem uns der Schaffner erklärt hatte, dass der zweite Wagen tatsächlich der Wagen No. 2 ist. Das ist dermaßen logisch, dass man als Deutsche-Bahn-Kunde auf sowas gar nicht mehr kommt.

In bequemen Sitzen machten wir es uns gemütlich, als der Zug pünktlich um 8 Uhr abfuhr - leider in die falsche Richtung, nämlich nach Osten! Da es aber nur einen Zug um 8 Uhr gab und wir dem Schaffner auch unsere Fahrkarten gezeigt hatten, waren wir zuversichtlich, dass irgendwann der Schwenk nach Westen käme.

Tatsächlich, nach einer halben Stunde Herumgetuckere in den Vororten von Algier nahm der Zug vorübergehend Fahrt auf und brauste in Richtung Berge. In den Bergen ging es nicht so richtig voran, was aber auch gut an der Steigung liegen mag, denn plötzlich waren wir unterwegs im Nebel oben auf etlichen Höhenmetern.

Die überraschend grüne und fruchtbare Landschaft Nordalgeriens zog ("flog" wäre bei den Zuggeschwindigkeiten deutlich übertrieben) an uns vorüber, während uns das uns gegenübersitzende ältere Pärchen mit Wasser und einer Art Chips versorgte. Sehr fürsorglich und freundlich, dabei hatte ich ihnen doch nur den Koffer hoch ins Gepäckfach gehievt ...

Zum Glück beschleunigte der Zug am Ende etwas, sonst wären es mehr als die halbe Stunde Verspätung geworden, die wir am Ende in Oran hatten.

Der Weg war zwar das Ziel, aber ein wenig wollten wir uns in Oran dann doch umgucken. Auf der Fahrkarte stand etwas in der Art, wir sollten nicht vergessen, für unsere Rückfahrt Sitzplätze zu reservieren. Wir braven Deutschen wollten das also für den Schnellzug zurück schon gleich hinter uns bringen, ehe wir in Richtung Meer liefen. Wir erläuterten dem Typen am Schalter, dass wir aujord'hui, heute, um 15.00 Uhr zurückfahren wollen und die réservation möchten. Soviel, wie der Herr auf uns einsprach, gab es eigentlich gar nicht zu besprechen, und auf einmal war er weg und unsere Fahrkarte gleich mit. Zwei Algerier, die ebenfalls anstanden, erläuterten uns dann, dass er wohl geschnallt habe, dass der Weg unser Ziel sei und er schauen wollte, dass wir auf der Rückfahrt auf der anderen Seite des Zuges sitzen. Argh. Doppel-argh, denn durch seine Aktion verloren wir natürlich wieder ein paar Minuten ...

Als der Held dann endlich zurück war und uns die Karten aushändigte, spurteten wir direkt los und liefen hinunter an die Front de mer von Oran. Durchaus schön, das muss man sagen, so mit dem Containerhafen unten und der Hafenpromeande bei uns oben, dem Blick auf den Berg im Westen der Stadt und auf die Hochhäuser von Oran.

Leider kam schon sehr bald der Zeitpunkt, an dem wir wieder "tschüss" oder vielmehr adieu sagen mussten; wir suchten uns ein Taxi. Der Taxifahrer war ziemlich ehrlich und verwies uns auf sein Taxameter, und praktischerweise machte er noch eine kleine Stadtrundfahrt mit uns, sodass wir noch ein wenig mehr von Oran sahen (auf die Idee hätten wir von Anfang an kommen sollen, auch wenn er uns dann definitiv für bekloppt erklärt hätte).

Wir kamen am Bahnhof an, stiegen in den Zug und fuhren in aller Ruhe mit der gleichen Art Zug zurück. Um 20.30 Uhr landeten wir am Bahnhof an, fanden das angestrebte Steakhouse nicht und nahmen sodann mit unserem Hotelrestaurant vorlieb. Das Essen hier war recht lecker, nicht völlig überteuert, und Bier gab's auch, selbst wenn sie uns anfangs eine belgische Brühe hinstellten; das zweite war dann ein algerisches Bierchen.

Überhaupt das Bier: Bisher haben wir vor allem das Albraü bekommen und getrunken, ein süffiges Bierchen, von dem mal auch mal zwei oder drei 0,25-l-Püllekes vereinnahmen kann. Das Tango, das heute Abend das zweite Bier, war auch okay, aber wenn ich die Wahl habe, nehme ich das Albraü.

Morgen ist schon wieder der letzte volle Tag, übermorgen geht es heim.

Uns gefällt Algerien sehr gut, die Menschen sind außerordentlich freundlich, die Händler sind überhaupt nicht aufdringlich, doch, ich denke, spätestenswenn die Algerier mal die Visumpflicht aufheben, sollte schon der eine oder andere Tourist mal hier aufkreuzen: ein sehenswertes Stückchen Erde.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Algerische Banken

... sind komisch, aber fair.

Ein Nachteil, wenn man mit Blick aufs Meer an der Hafenpromenade wohnt, ist, dass man an der Hafenpromenade wohnt. Auf der Hafenpromenade fahren Autos, auch nachts. In Algerien hupen die Autos manchmal, mit Grund und auch ohne, aber vor allem auch nachts. Alles in allem habe ich ganz gut geschlafen, was aber vornehmlich an meiner Müdigkeit nach dem aufregenden Tag gestern als an der ruhigen Umgebung lag.

Meine Ma hingegen schlief wie ein Stein und wachte auch erst um 8 Uhr. Für sie ist das, als ob normale Menschen um 11 Uhr aufwachen würden: sehr spät. Nach einem geruhsamen Start in den Tag mit einem nicht sehr reichhaltigen, aber schmackhaften Frühstück mit Blick auf die Hafenpromenade starteten wir in den Tag.

Wir gingen erst zum Bahnhof "Alger" (Algier), um nach Fahrkarten für den Zug nach Oran morgen zu gucken, nur um dort aufgeklärt zu werden, dass der Bahnhof Algier der Bahnhof für Vorortzüge ist und der richtige Bahnhof der Bahnhof Agha sei. Nichtsdestotrotz erläuterte die Dame uns die Zugfahrzeiten und auch die Preise, sodass wir uns Gedanken machen konnten, ob wir das Abenteuer Zugfahren in Algerien auf uns nehmen wollten.

Wir liefen weiter, stiegen die Stufen wieder hoch (Algier ist sehr hügelig) und wanderten dann geradewegs in das Straßengewirr der Kasbah, der Altstadt von Algier, hinein. Dort wird fast alles auf den Straßen und in den Geschäften feilgeboten, was das Herz begehrt: Von Nüssen über Hochzeitskleider bis hin zu Schuhen wird alles verkauft, was verkauft werden kann.

Selbst in dem Gedränge dort fühlten wir uns nicht ängstlich, dass wir beklaut würden, wohl aber ein wenig unwohl, weil uns beiden das ein bisschen zu viele Menschen auf zu engem Raum waren. Wir kamen an einem kleinen Platz heraus, der die Ketchaoua-Moschee beherbergt, die aber zur Zeit mit Unterstützung der Türkei renoviert wird. Das ist ein schönes Moscheechen, durchaus, auch wenn wir nicht reingehen konnten (jedenfalls fanden wir keinen geöffneten Eingang). Nach ein paar Schritten weiter nach oben und in die Kasbah hinein ließen wir es gut sein. Ich denke schon, dass die Kasbah zu Recht Weltkulturerbe ist, aber ganz so megamäßig-fundamental-voll hat sie mich jetzt nicht umgehauen. Wir schauten uns noch den Place des martyrs an, der aber gerade für die U-Bahn untertunnelt wird, und strandeten schließlich an der Hafenpromenade mit Blick auf den kleinen Fischereihafen. Schick.

An der Hafenpromenade entlang ging es dann auch auf der Suche nach einem Geldautomaten. Einer, den wir fanden, war kaputt, und ein Zeichen für "Geldautomat" führte uns zwar zu einer anderen Bank, aber da gab es keinen Geldautomaten. Sachen gibt's. Davon ließ meine Ma sich nicht abschrecken: Sie ging rein in die Bank und fragte, ob wir wechseln könnten. Der Banker schaute uns an wie ein Auto, telefonierte dann und schickte uns dann aus der Bank auf den Place Port Said. Dort sollten wir "dans la rue", also auf der Straße, wechseln. Der Banker (!) schickte uns zum Geldwechseln auf den Schwarzmarkt (!). 

Jetzt bekam das auch einen Sinn, was unser Schwarz-Taxifahrer gestern erzählt hatte: Die Banken (und auch die Hotelrezeptionen, die Schlawiner) tauschen zum offiziellen Kurs von etwas über 100 Dinar für einen Euro um; unser Taxifahrer bot uns einen Kurs von 157 Dinar für einen Euro an, also gut 50 % über Bankwert. Das erschien mir so fantastisch, dass ich einen Tipp-, Rechen- oder sonstigen Fehler von ihm vermutete, aber tatsächlich konnte ich dann heute zweimal Geld dort an dem Platz umtauschen und bekam einen Kurs von um die 150 Dinar. Krass (und bisher haben sie meine Geldscheine auch immer angenommen, scheinen also echt zu sein ...). So haben wir zwar von den ersten 100 Euro, die wir umgetauscht haben, ungefähr 30 in den Wind geschossen, aber sei's drum: Jetzt wissen wir's.

Auf diese Grenzerfahrung (die Polizisten, die hier übrigens in großer Zahl unterwegs sind und nach Auskunft unseres Taxifahrers im Wesentlichen mit Schlafen beschäftigt sind, lassen die Geldwechsler auch in Ruhe) mussten wir erstmal einen Schluck Wasser trinken und gingen ins Hotel. Ja, wir haben wirklich Wasser getrunken. Wirklich!

Zwei Stunden später gingen wir erfrischt zum diesmal hoffentlich richtigen Bahnhof und, siehe da, wir konnten sogar Karten für morgen kaufen. Wir werden zwar nicht so monstermäßig viel von Oran sehen, da wir nur ein paar Stunden da sein werden, aber wir wollen vor allem ein bisschen von Algerien sehen auf der Fahrt. An dem Bahnhof gibt es, wie an so vielen Stellen hier, eine Sicherheitskontrolle: Die hilft nur nicht viel, wenn das Pieptor einfach ausgeschaltet ist ... Könnte sonst ja zu oft piepen, klar.

Wir setzten unseren Stadtspaziergang fort, liefen eine der Hauptverkaufsstraßen Algiers, die Rue Didouche Mourad, hoch und suchten eines der Lokale, das ich in einem Online-Reiseführer gefunden hatte. Ich merkte irgendwann, dass wir schon zu weit waren, hatte aber sowohl den Namen als auch die genaue Hausnummer des Restaurants schon wieder durch mein Gedächtnissieb fallen lassen. Also suchte ich mir (gar nicht so einfach in Algier) ein offenes WLAN und sah, dass die Hausnummer 54 und nicht 65 war. Dussel, ich.

Da wir aber jetzt schon da oben waren, gingen wir noch die paar Höhenmeter weiter und schauten uns die Cathédrale du Sacré-Cœur d'Alger an. Wow. Das Ding ist wirklich atemberaubend - hässlich. So einen furchtbaren Betonklotz im Atommeilerstil habe ich noch nicht gesehen, und schon gar nicht als Kirche. Was die sich dabei gedacht haben, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. (Passenderweise erwischten wir einen Passanten dabei, wie er an die Kirche pinkelte.)

Dort in der Nähe war auch eine ziemlich versteckt liebende Bar, in der meine Ma lange Zeit die einzige Frau war. Dort genehmigten wir uns ein Bierchen der algerischen Marke Albraü, das gut trinkbar, aber jetzt auch keine global überragende Biermarke ist. Okay, vielleicht war es auch ein Bierchen mehr ...

Im Dunkeln verließen wir diese inzwischen zunehmend verräucherte Bar und marschierten in Richtung der Hausnummer 54.

Unterwegs sprach uns ein Mann an: "Sprechen Sie Deutsch?" Es stellte sich heraus, dass er Dolmetscher zwischen Arabisch und Deutsch war und in Deutschland studierte hatte. Er verriet auch, wo: in Jena! Manchmal gibt es sehr lustige Zufälle auf diesem Planeten. Wir unterhielten uns ein wenig, ehe wir dann wieder getrennter Wege gingen.

Kaum suchten wir an der richtigen Hausnummer, fanden wir unser Lokal: Nach dem nicht so guten Heiligabend-Mahl gestern Abend waren wir dieses am ersten Weihnachtstag hochzufrieden. Die Fischsuppe war lecker, der Tintenfischsalat auch, aber die Hauptspeisen waren noch viel besser: Meine Ma hatte Hähnchen mit algerischen Nudeln und Kichererbsen, ich hatte Lamm (so zart wie selten in meinem Leben) mit ganz dünnen Fladenbrotstücken und Kartoffeln. Sehr, sehr lecker. Auch mein Dessert (Milchreis mit Orangengelee oben drauf) war toll. Doch, das Lalla Mina kann man guten Gewissens empfehlen.

Danach gingen wir entspannt die Straßen wieder runter und fuhren eine Station mit hochmodernen U-Bahn, ehe wir an unserem Hotel direkt neben dem algerischen Parlament ankamen und schon früh unser Zimmer wieder heimsuchten. Jetzt sind wir schon in unseren Bettchen und sind gespannt auf die Zugfahrt morgen.

Man merkt, dass die Algerier nicht so viele Touristen gewohnt sind: Insbesondere wird man nämlich von Händlern nicht doof von der Seite angequatscht. Auch sonst sind die Leute sehr freundlich und zuvorkommend. Wir fühlen uns hier einfach sehr wohl, man kann es nicht anders sagen.

Mal sehen, was Oran morgen bringt. Wir sind sehr gespannt ...

Einmal ist immer das erste Mal

Oder: Wenn einer eine Reise tut ...
Oder: Haste (Kraftausdruck) am Fuß, haste (Kraftausdruck) am Fuß.

Inzwischen ist ja - wie so oft - wieder alles in Ordnung, aber wir fangen am Anfang an.

Nach dem wieder viel zu frühen Aufstehen (ich hätte trotzdem fast verpennt, habe wohl im Halbschlaf meinen Wecker um 6 Uhr ausgedrückt, aber ich hatte ja einen menschlichen Wecker namens Mutter) ging es um kurz vor sieben Uhr zum Bahnhof und um 7.11 Uhr in Richtung Frankfurter Flughafen.

Der Check-in lief gemütlich ab, nur konnte ich meine Bordkarte nicht am Automaten drucken, weshalb wir nicht nur wegen der Gepäckabgabe zum Baggage Drop-off mussten. Haben aber alles überstanden.

Ich Intelligenzbestie hatte mich schon auf die Ausreise in Frankfurt mit der automatischen Passkontrolle gefreut, ehe mir irgendwann (wieder) einfiel, dass wir ja in Frankfurt gar nicht aus dem Schengenraum ausreisen, sondern erst in Paris. Schade ...

Entgegen meiner Erwartung (Berichte über schlampige Kontrollen) wurde diesmal nicht penibelst genau kontrolliert, um den Schein zu wahren. Es half aber alles nix, meine Schuhe piepten wie immer.

Wir waren wieder viel zu früh am Gate, verpassten diesmal den Flieger nicht und saßen dann in einem 100-Mann-Klepper, der uns von Frankfurt nach Paris-Charles-de-Gaulle bugsierte. Der Pilot sprach von (nur) einer Stunde Flugzeit, was uns einen Vorteil bei der kurz bemessenen Umsteigezeit beschert hätte, wenn nicht zwei British-Airways-Dinger und ein Lufthansa-A380 unsere Startbahn blockiert hätten. Weg war der schöne Vorsprung.

In Paris stellten wir uns natürlich auf die hinterletzte Außenposition, sodass ich meine arme Ma ganz schön durch den wenigstens halbwegs vernünftig beschilderten Pariser Flughafen jagen musste, um überhaupt eine Chance zu haben, rechtzeitig am Boarding zu sein. Wir hatten Glück, das Boarding war noch (lange) nicht abgeschlossen, sodass wir relativ entspannt in den Flieger gehen konnten.

Der Flug über das Zentralmassiv und Mallorca landete nach zwei Stunden Flugzeit in Algier. Wir ließen uns beim Aussteigen Zeit, reisten als Letzte unserer Maschine nach Algerien ein (die Grenzerin begutachtete den Pass meiner Ma sehr genau, mein Zweitpass ist ja fast noch unbeleckt) und warteten dann auf unser Gepäck. Und warteten.

Irgendwann fuhren zwei der Typen, die das Gepäck aufs Band laden, auf dem Gepäckband ins Gebäude rein, ein paar Sekunden später wurde das Band abgestellt. Öhm, ja. Da standen wir. Wir waren nicht die einzigen Fluggäste, die nicht vollständig zufriedengestellt waren, sodass sich ein halbes Dutzend Passagiere zur Gepäckreklamation aufmachte, um zu gucken, wie, wo und vor allem wann unser Gepäck denn ankommen könnte.

Es gibt zwei Dinge, von denen mir klar war, dass sie irgendwann bei meinen ganzen Flugreisen mal eintreten: Die erste Sache ist ein Durchstartemanöver, die andere ein Gepäckverlust. Letzteres war diesmal offenbar eingetreten.

Der Typ an der Gepäckreklamation schien nicht sonderlich überrascht, dass das eine oder andere Gepäckstück fehlte und meinte, heute Abend um 22 Uhr käme das Gepäck mit der Spätmaschine aus Paris nach. Nach einigem Verhandeln willigte er ein, bei Ankunft des Gepäcks bei unserem Hotel anzurufen, damit dieses einen Fahrer schicken könne, der von Air France für diese Dienstleistung bezahlt würde.

Wir ersuchten die offiziellen Taxis um Kostenvoranschläge für die Fahrt zu unserem Hotel, aber deren Fantasiepreise (20 €, wo der Reiseführer von 4 € sprach) ließen uns Reißaus nehmen. Wir waren schon fast auf dem Weg zum Bus (war ja kein Problem, so ganz ohne Gepäck), als uns ein zwielichtiger Typ ansprach, ob wir ein Taxi brauchten. Er fing zwar auch bei 20 € an, ließ sich aber relativ schnell auf 10 € runterhandeln, mehr aber nicht. Na gut.

Wir liefen hinter ihm her in Richtung des zweiten Parkplatzes, er rotzte zwischendrin mal kurz an eine Palme, und uns war schon ein wenig mulmig, ob uns der Typ in einen Hinterhalt locken und hinterrücks meucheln wollen würde. Das Auto, das wir nach endlicher Zeit aber erreichten, sah ganz passabel aus, sodass wir einstiegen. Der Typ wurde zunehmend gesprächiger, auch wenn er nur Französisch sprach und unserer Französisch ... naja, sagen wir, wir fühlen uns mit Englisch deutlich wohler. Mit Händen und Füßen erläuterte er uns dieses und jenes, und wir verstanden uns prächtig, selbst meine Ma wurde ein wenig entspannter.

Mohammed ließ uns nach einer mittelprächtigen Stadtrundfahrt durch die schöne Innenstadt Algiers an unserem Hotel raus. Dort wurden wir mit der Nachricht empfangen, dass das Hotel überbucht sei und man uns ein Ausweichquartier gebucht habe, mit Blick aufs Meer und alles. Das Taxi mussten wir zwar selber zahlen, aber das Hotel war dann in Ordnung. Der Balkon hat tatsächlich einen fantastischen Blick auf Hafen und Mittelmeer, der altersschwache Fahrstuhl tut's noch und die Rezeptionisten waren auch okay. Mit dem einen von ihnen stellte ich einen Projektplan auf, wie unser Gepäck über den Anruf vom Flughafen an unser ursprüngliches Hotel, den Anruf dieses Hotels an unser tatsächliches Hotel und die Abholung durch einen Fahrer unseres Hotel vonstatten gehen sollte. Der Typ nickte ständig, verstand aber - wie sich später herausstellte - nur Bahnhof ...

Wir gingen erstmal in Richtung Stadt, fanden heraus, dass die eine U-Bahn-Haltestelle noch in Bau ist und fanden dann in der Nähe der anderen U-Bahn-Station bei der Grande Poste einen schönen Park und eine Mini-Fußgängerzone, in deren Nähe wir ein Restaurant mit Bar fanden. Drei Bier pro Person wechselten ihren Besitzer, ehe wir uns ins Restaurant bequemten und dort unser Heiligabend-Menü einnahmen.

Naja, das Essen war okay, aber für die gebotene Qualität zu teuer. Dort werden wir voraussichtlich nicht mehr einkehren, zumal wir selbst dort nicht vor "Last Christmas" sicher waren. Saftladen!

Gegen 22.15 Uhr kamen wir nach einem Bummel über die Hafenpromenade zurück zu unserem Hotel und fanden - wie oben schon angedeutet - leider nicht unser Gepäck vor. Wir fragten den Rezeptionisten (dieser sprach jetzt wenigstens gutes Englisch), ob denn das Hotel Suisse angerufen hätte, was er verneinte. Er versuchte daraufhin, das Hotel Suisse anzurufen, aber die Nummer, die auf meiner Buchungsbestätigung stand, war falsch. Toll. Die Nummer hatte ich nämlich auch dem Typen am Flughafen von der Gepäckreklamation gegeben. Der konnte uns also nicht erreichen. Ich suchte über das Hotel-WLAN die Nummer vom Flughafen raus und der Rezeptionist rief am Flughafen an: Der Nachtflug aus Paris habe Verspätung gehabt und sei in diesen Minuten gelandet.

Wir baten ihn, uns ein Taxi zu rufen, was er tat. Er verhandelte mit dem Fahrer auch noch über den Preis. Sehr freundlich. Gegen 22.45 Uhr kamen wir am Flughafen an. Wir gingen hinein, wurden aber von so einem herumstehenden Polizisten darauf hingewiesen, dass das ein Ausgang sei und wir über den Eingang reinmüsste. Ab durch die Sicherheitsschleusen (wo ein Piepen keinen Menschen wirklich interessiert. Argh!) und rein. Wir fragten einen Flughafenmenschen, wie wir zur Gepäckreklamation kämen und er verwies uns in den Zollbereich. Dort marschierten wir rein, ein Polizist wies uns zur Sicherheitskontrolle bei anderen Polizisten, denen das aber egal war. Schließlich konnten wir zum Gepäckband gehen.

Selten habe ich mich über ein herumfahrendes Stück schwarzen Plastiks so gefreut: Da war unser Koffer auf dem Rondell. Und er lebte! Wir holten ihn ab, mussten uns noch auf einer Liste erfolgreich wiederbeschaffter Gepäckstücke eintragen und fingen dann an, mit diesem Typen zu verhandeln, wer uns der die Taxikosten ersetzt. Er rief irgendeinen Deppen an, grinste schief und wies uns zu einer neuerlichen langen Schlange vor der Gepäckreklamation.

Das war uns dann, nachts um halb zwölf, zuviel des Guten; wir gingen zurück zu unserem Taxi und ließen uns ins Hotel fahren. Air France kriegt eine freundliche E-Mail, dass sie uns die Taxikosten und sonstigen Auslagen sicherlich gerne ersetzen wollen.

Nun sind wir im Zimmer und todmüde. Morgen wird möglicherweise länger als bis 7 Uhr geschlafen.

Frohe Weihnachten!

Sonntag, 21. Dezember 2014

102: Bong

Das 102. Land ist gebongt.

Ich habe heute Morgen noch für den 28./29. Mai ein Zimmer in Kuala Lumpur gebucht. Damit wird Malaysia mein 101. Land und Indonesien das 102.

Unser Flieger aus Sydney soll am 27. Mai gegen 19 Uhr in Singapur landen, und vom Flughafen zum Bahnhof braucht man etwa eine halbe Stunde mit dem Taxi, sodass wir - auch wenn man Einreise und Taxisuche mit einberechnet - den Zug um 23.30 Uhr erwischen müssten. Da ich aber ohnehin erst 60 Tage vor der Fahrt buchen kann, haben wir noch ein bisschen Zeit, uns das zu überlegen.

So, damit haben wir nun die Nächte vom 17. auf den 18. Mai (im Flieger von Doha nach Singapur), vom 22. bis 27. Mai (in Sydney), vom 28. auf den 29. Mai (in Kuala Lumpur) und vom 30. Mai bis 3. Juni (auf Bali) gebucht. Dazu werden wir - vorläufig - die Nacht vom 21. auf den 22. Mai (vor dem Flug nach Sydney) und die Nacht vom 29. auf den 30. Mai (vor dem Flug nach Bali) durchmachen, weil wir um 1.30 Uhr bzw. um 2.30 Uhr fahren. Zudem würden wir im Zug von Singapur nach Kuala Lumpur die Nacht vom 27. auf den 28. Mai verbringen.

Das heißt, wir brauchen noch Hotels in Singapur vom 18. bis 21. Mai (drei Tage) und vom 3. auf den 4. Juni zwischen der Ankunft aus Bali und dem Heimflug nach Doha/Zürich ... Die Hotels werde ich sicherlich in den nächsten Tagen auch buchen, mal sehen. Das Problem ist, dass ich Hotels dort bei meiner Leib-und-Magen-Buchungsseite nur mit sofortiger Bezahlung und ohne Stornierungsmöglichkeit buchen kann, und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich das nicht möchte, weil sich manchmal noch etwas Besseres ergibt ... Wird schon werden.

Jetzt geht es aber in zweieinhalb Tagen erst einmal nach Algerien. Meine Ma kommt morgen, wird ob des hochgradig aufgeräumten Zustandes meiner Wohnung mit größter Sicherheit überschwänglich belobigen, ehe wir uns schon einmal am Montag und Dienstag Abend auf den Urlaub einstimmen. Am Mittwoch Morgen geht es dann mit der S-Bahn um 7.19 Uhr (urgh ...) vom Wiesbadener Hauptbahnhof ab, sodass wir um 7.59 Uhr am Flughafen sind. Wir müssen ins Terminal 2 und werden dort dann hoffentlich zeitnah einchecken können. In Paris wird es zeitlich ein bisschen eng, weil wir nur eine Dreiviertelstunde zum Aussteigen, Passieren der Passkontrolle und zum Boarden haben, aber die werden schon warten - hoffe ich.

Nächster Bericht dann wahrscheinlich aus Nordafrika ...

Samstag, 20. Dezember 2014

Schlag auf Schlag

Im Moment geht es Schlag auf Schlag, denn seit dem Blogeintrag gestern Abend (den ich noch ein bisschen später am Abend aktualisierte habe) ist wieder etwas passiert. Soeben habe ich unsere Strandtage am Ende des Mai/Juni-Urlaubs gebucht: Es geht am 30. Mai früh morgens für 101 € pro Person von Singapur nach Bali. Dort haben wir ein Hotelele am Strand, ehe es dann am 3. Juni wieder zurück nach Singapur geht und wir am 4. Juni zurück in die Schweiz fliegen.

Das Programm der Tour sieht nun zwischenzeitlich wie folgt aus:
17. Mai - Abflug in Zürich und Zwischenstopp in Doha
18. Mai - Weiterflug von Doha nach Singapur, Ankunft am Nachmittag
19.-21. Mai - Sightseeing in Singapur
22. Mai - kurz nach Mitternacht Flug nach Sydney, Ankunft zur Mittagszeit
23. Mai - wenn wir Karten kriegen: Sporttag mit Australian Rules Football am Nachmittag und Rugby am Abend
27. Mai - mittags Rückflug nach Singapur, Ankunft abends (19.05 Uhr)
27. Mai - möglicherweise (das ist noch nicht gebucht) sprinten wir zum Nachtzug von Singapur nach Kuala Lumpur
28./29. Mai - noch nicht gebucht: Kuala Lumpur, am 29. Mai nachmittags Rückfahrt
30. Mai - Flug nach Bali
30. Mai-3. Juni - Chillen am Strand in Bali
3. Juni - abends Rückflug nach Singapur
4. Juni - abends Rückflug nach Doha
5. Juni - morgens Ankunft in Doha und Weiterflug nach Zürich, Ankunft dort gegen 6 Uhr

Ich habe jetzt in den letzten Stunden ganz schön meine Kreditkarte durchgepustet; ich hoffe, ich habe am Ende des Monats noch Geld, um mir Essen zu kaufen (ooooooooh ...). 2015 wird - wie 2014 und 2013 und so ziemlich die ganzen letzten Jahre - reisereich und sicherlich toll.

Aber erstmal freue ich mich: In vier Tage um die Zeit sitze ich schon mit meiner Ma im Flieger nach Paris.