Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Donnerstag, 21. August 2014

Zweiter Pass

Ich weiß ja, dass niemand verstehen kann, wieso ich mich daran so erfreue, dass ich gestern meinen Zweitpass beantragen konnte, aber ich muss es hier noch einmal brühwarm verbreiten, damit ich dann in drei, vier Wochen honigkuchenpferdartig vom Abholen dieses Zweitpasses berichten kann ...

Ich marschierte gestern nach einem Umweg zum Fotografen, der für einen akzeptablen Preis acht Fotos ausdruckte, zum Bürgerbüro und eröffnete der Dame, dass ich einen Zweitpass haben möchte. Der Dame war nicht auf Anhieb klar, worauf ich hinauswollte und fragte erstmal, ob mein Pass voll sei. (Nein, sonst würde ich keinen Zweitpass beantragen!)

Ich erläuterte ihr dann, dass ich israelische Stempel im Pass hätte (und zeigte sie ihr auch ...) und dass ich nach Algerien, in den Iran und nach Kuwait reisen werde, was ich mit den Ausdrucken der Flugtickets belegen konnte. Sie verstand immer noch nicht. Erst als ich sagte, dass zumindest die Iraner und die Kuwaiter, womöglich auch die Algerier mir Visum und Einreise verweigern würden, wenn sie den israelischen Stempel sehen ("Aber das ist doch nur ein Stempel für einen Touristenaufenthalt!" - "Das ist denen egal."), entwickelte sie Verständnis für mein Anliegen.

Ich musste trotzdem noch einen Wisch ausfüllen und begründen, wieso ich einen Zweitpass brauche, woraufhin sie zu ihrem Vorgesetzten lief und sich das abzeichnen ließ. Danach war sie auch zufrieden.

Die Beantragung lief natürlich ganz glatt, bis sie auf einmal meinte, da wäre noch ein weiterer Pass von mir im Umlauf. Schockschwerenot! Mein 2007 in Jena ausgestellter Pass sei noch gültig. Ich war mir sicher, dass ich den zwar noch habe, aber dass der sowas von entwertet war. Ich rief trotzdem nochmal meine Ma an, die das auch noch einmal bestätigte, und dann ging ein Brief aus Wiesbaden an die Meldebehörde in Jena nach Hause, dass der Pass (2010!) entwertet worden sei und man bitte die Eintragung in diesem Passregisterdingsbums aufheben möge ... Komische Sache.

Und nun warte ich eben darauf, dass mir mein Zweitpass (der nur sechs Jahre gültig ist und daher kurz nach meinem Erstpass 2020 auslaufen wird) in drei bis vier Wochen dann zuläuft.

Ich überlege, ob ich die kosovarischen Stempel schon in den neuen Pass packen lassen möchte, aber ich glaube, diese Stempel kommen auch nochmal in meinen "Giftschrank"-Pass, in dem israelische, bergkarabachische und nordzyprische Stempel drin sind.

Und schon im Oktober oder so wird der Pass dann auf die Reise nach Frankfurt ins algerische Konsulat gehen, um sein erstes Visumlein eingeklebt zu bekommen. Da freut er sich bestimmt, der Zweitpass.

Dienstag, 5. August 2014

Mit dem Kopf durch die Wand

... bin ich heute so ein bisschen.

Erster Anruf bei der Kreditkartengesellschaft: Systemabsturz. "Rufen Sie bitte später nochmal an!"

Zweiter Anruf bei der Kreditkartengesellschaft: "Nö, wir haben Ihre Karte nicht gesperrt."

Naja, nochmal zu buchen versucht während der Mittagspause: Wieder abgelehnt. Sehr komisch.

Und dann habe ich halt über eine andere Seite gebucht, die paar Euro mehr kann ich verschmerzen, damit ich endlich meine Buchung in Händen hatte. Insgesamt zahle ich jetzt für die Verbindung Frankfurt-Istanbul-Teheran-Kuwait-Istanbul-Frankfurt um die 380 €. Das ist okay, denke ich ...

Juchhe, auf geht's in den Iran und nach Kuwait: Am 21. Februar, einem Samstag, fliege ich um 14.55 Uhr in Frankfurt ab (wenn Pegasus mir nicht wie die El Al den Flug umbucht). Ich habe mich dafür entschieden, am Samstag zu fliegen, da bin ich dann einfach entspannter, als wenn ich am Freitag zur gleichen Zeit fliegen wollte und dann extrem pünktlich von der Arbeit wegmüsste. Samstag Abend bin ich dann ein paar Stunden in Istanbul, ehe es weiter nach Teheran geht, wo ich am Sonntag Morgen um 4 Uhr ankomme.

Ich habe fast den kompletten Sonntag (wenn ich das Schlafdefizit überwunden habe), den Montag und Dienstag sowie den größten Teil des Mittwochs in Teheran. Vielmehr: in Teheran und Umgebung. Denn an einem von den Tagen werde ich mit ziemlicher Sicherheit nach Qom fahren und mir die Jamkaran-Moschee (zumindest von außen) angucken ... Die 120 km sollte man in zwei, höchstens drei Stunden hinter sich bringen können.

Den Rest der Tage in Teheran werde ich mich in der iranischen Haupstadt umschauen, da scheint es, wenn ich mir den Online-Reiseführer richtig angucke, schon ein paar schöne Sachen anzuschauen geben ...

Am Mittwoch Abend fliege ich dann mit Kuwait Airways von Teheran nach Kuwait. Dort werde ich wohl ein Hotel für zwei Nächte nehmen, von Mittwoch auf Donnerstag und von Donnerstag auf Freitag. Die Nacht von Freitag auf Samstag bis zum Abflug versuche ich durchzumachen. Es kann aber sein, dass ich mich diesbezüglich auch noch umentscheide.

Jedenfalls habe ich vor, mir am Donnerstag die Sehenswürdigkeiten von Kuwait-Stadt anzuschauen, wie die Kuwait Towers. Am Freitag plane ich dann aber doch ein bisschen Urlaub: Es soll da einen schönen Wasserpark in Kuwait geben.

Am Samstag Morgen geht es dann nach Istanbul, wo ich fast sechs Stunden Aufenthalt habe und womöglich in Richtung Stadt fahre, mal sehen. Auf die Uhrzeit werde ich jedenfalls keine Rücksicht nehmen, wenn ich mir in Istanbul oder allerallerallerspätestens dann wieder in Deutschland ein Bierchen hinter die Binde kippe werde: Sowohl der Iran als auch Kuwait sind "dry countries", d. h., es gibt keinen Alkohol ... Ich werde es überleben.

Aber davor geht es ja noch nach Prizren ins Kosovo und nach Algerien. Es wird schön ...

Montag, 4. August 2014

Nägel mit Köpfen

... habe ich heute gemacht, allerdings nur zu zwei Dritteln, was mir ein bisschen Sorge bereitet.

Meine Kollegen wurden heute einzeln persönlich oder per SMS befragt, ob sie mit einer Reise von mir Ende Februar einverstanden sind - und sie waren es. Juchhe, das sind liebe Kollegen ...

Das führte dazu, dass ich im Laufe des Abends die Flüge von Frankfurt über Istanbul nach Teheran und den Flug von Teheran nach Kuwait buchte, was ziemlich problemlos funktionierte.

Leider gar nicht problemlos funktionierte die Buchung des dritten Flugsegments, von Kuwait nach Frankfurt. Ich wollte über die Seite buchen, über die ich schon den Hinflug gebucht hatte, aber auf einmal ging das nicht mehr ... Ich vermute, dass meine liebe Kreditkartengesellschaft mir wieder mal die Karte gesperrt hat. Naja, ich werde morgen auf dem Weg zur Arbeit da mal anrufen und dafür sorgen, dass sie sie wieder entsperren. Hoffentlich kann ich dann morgen den dritten Flug buchen, denn stranden möchte ich in Kuwait ungern.

Ich habe aber mal geguckt: Selbst wenn der Flug ausgebucht wäre (was er nicht ist, um diese Zeit), würde ich vielleicht mit einem kleinen Stop-over in Beirut auch wieder nach Hause kommen.

Mein 95. und 96. Land sind gebucht, aber richtig wohl fühle ich mich erst, wenn ich hoffentlich morgen die sichere Heimkehr erkauft habe ... Sowas passiert halt auch mal, und ich will ja nicht nur die Sachen erzählen, die beim Reisebuchen auf Anhieb funktionieren ...

Nach Hotels gucke ich dann mal zu gegebener Zeit. Also bald.

Sonntag, 3. August 2014

Reiseplanung 2015

Die hat begonnen, die Reiseplanung 2015.

Um mich endgültig zu entscheiden, für Algerien einen Zweitpass zu beantragen, überlege ich seit Freitag Abend, ob ich einfach eine Reise in zwei Länder buche, für die ich definitiv einen Zweitpass brauche, und da stehen Iran und Kuwait relativ hoch auf der Liste.

Im Moment sind Flüge im Februar mit Pegasus von Frankfurt nach Teheran und von Kuwait-Stadt zurück nach Frankfurt (jeweils über Sabiha Gökçen in Istanbul) sogar als Einzelflüge (ohne entsprechenden Rückflug) so billig, dass ich selbst mit dem Verbindungsflug zwischen Teheran und Kuwait auf unter 400 € für die Gesamtverbindung komme. Dafür zwei neue Länder zu haben (Nr. 95 und Nr. 96 wären das dann), das könnte sich lohnen.

Aber um jetzt schon für das kommende Jahr einen Urlaub buchen zu können, muss ich mich zumindest mal mit meinen wichtigsten Kollegen abstimmen, ob die da schon was vorhaben. Wenn nicht, hoffe ich, dass ich von meinem Chef bis, sagen wir, Ende der Woche grünes Licht kriege, um die Flüge zu buchen ... Und wenn die dann noch so günstig sind, dann fliege ich nächsten Februar nach Teheran und Kuwait-Stadt ...

Die weitere Reiseplanung wird allerdings wohl erst Ende Januar finalisiert werden, nicht nur, weil dann erst die betriebliche Urlaubsplanung abgeschlossen ist, sondern auch, weil die Flugpreise erst dann irgendwann ihren niedrigsten Stand erreichen.

Mit einer Woche im Februar könnte man im Mai/Juni einen größeren Urlaub (zwei, drei Wochen) und im September einen kleineren (eine Woche) machen.

Aber man kann ja schonmal ein bisschen überlegen: Kasachstan ist für nächstes Jahr sicherlich eine Möglichkeit, obwohl die Visumfreiheit erst einmal nur bis zum 15. Juli 2015 befristet ist. Für den Februar ist es ein bisschen kalt, aber für den Mai/Juni könnte man sich das tatsächlich mal überlegen.

Der Nord-Irak (das kurdische Gebiet) ist bisher immer recht sicher gewesen und wäre mit Sicherheit (ha, ein unbeabsichtigtes Wortspiel) ein hochinteressantes Ziel. Jetzt, da ISIS in der Nachbarschaft wildert, muss das aber vielleicht doch nicht unbedingt sein. Die Visumfreiheit spricht in jedem Fall trotzdem für den Nord-Irak.

Auch wenn ich mit Algerien und Iran meine Politik der letzten Jahren, die Länder zu belohnen, für die ich kein (vorher beantragtes) Visum benötige, ein bisschen aufgegeben habe, sind natürlich die Mongolei, Japan oder Südkorea auch spannende Ziele (für die ich kein Visum brauche). Flüge nach Japan oder Südkorea sind interessanterweise, wahrscheinlich gerade weil die Strecken von Europa dorthin Rennstrecken sind, oft günstiger als Flüge in die näher gelegene Mongolei.

Südostasien steht natürlich schon seit Jahren immer wieder auf der Agenda, aber 2015 sieht es wieder so aus, als ob es nichts würde: Meine Ma möchte nächstes Jahr keine so große Tour machen, aber sie möchte 2016 mal nach Myanmar (Burma), sodass ich das bestimmt nicht vorher wegschnappen werde. Andererseits möchte sie gerne ins 100. Land mitkommen, sodass ich sehen muss, wie ich das auf die Reihe kriege.

Wie immer gilt, dass ich mir einen günstigen Flug nach Mexiko, Mittelamerika, das nördliche Südamerika oder auch nach Südafrika (Sambia, Malawi, Botswana, Namibia oder so) auch nicht entgehen lassen werde, wenn er halbwegs in meine Urlaubsplanung passt.

Ich werde berichten ...

Freitag, 1. August 2014

Diametral

Ja, diametral umgedreht hat sich unser Ziel für den Weihnachtsausflug im Dezember.

Die El Al hatte uns ja den Hinflug von 11 Uhr auf 19 Uhr verschoben, sodass wir anstatt am Nachmittag erst nachts in Tel Aviv angekommen wären. Das fand ich ziemlich ärgerlich, sodass ich diesen Unmut auch in E-Mails an die Kundenbetreuung zum Ausdruck brachte und sie aufforderte, uns wieder zurückzubuchen oder den Flugpreis zu erstatten. Zurückbuchen ging nicht, also erstatteten sie uns den Flugpreis zurück. Immerhin war das dann nach endlicher Zeit ein bisschen Kundenfreundlichkeit.

Ich habe mich dann umgeguckt, Georgien/Abchasien und Kasachstan sind zu kühl im Winter, Teheran begeisterte meine Ma nicht so ganz, also habe ich jetzt gerade eben unseren Flug nach Algerien gebucht. Wir fliegen mit Air France und steigen in Paris um (zum ersten Mal steige ich in Paris um).

An Heiligabend geht unser Flieger um halb elf, sodass wir um kurz vor 15 Uhr in Algerien sind (wenn das mit dem Umsteigen in Paris klappt).

Wir wohnen in einem Hotel mitten in der Stadt und sind schon sehr gespannt auf Algier.

Diametral heißt hier aber auch, dass mein israelischer Stempel im Pass Probleme machen könnte. Im Internet finden sich, öhem, ziemlich widersprüchliche Angaben dazu. Das Auswärtige Amt bzw. die deutsche Botschaft in Algerien hat auch keine Erfahrungswerte (die empfehlen aber, kein Risiko einzugehen). Ich werde mich die nächsten Wochen nochmal informieren und vielleicht auch einen Kumpel anheuern, dass er die algerische Botschaft anschreibt (ich selber bin dafür zu paranoid und will nicht auf die schwarze Liste kommen ...), aber selbst wenn die sagen würden, dass alles kein Problem sei (was ich nicht so recht glaube), traue ich den algerischen Grenzern viel zu.

Ach, Mann, am Ende weiß doch jeder, der diesen Blog liest, dass ich total geil darauf bin, zum Bürgerservice zu marschieren und einen Zweitpass zu beantragen. Also, okay, ich stehe dazu. Mein aktueller Pass ist auch schon wieder vier Jahre alt und, naja, nicht fast voll, aber ein paar Stempelchen sind schon drin ... Der Zweitpass wird nur sechs Jahre gültig sein und daher nur kurz über die Gültigkeitsdauer meines Erstpasses hinausreichen, aber sei's drum. Zwei Pässe nebeneinander wollte ich schon immer mal haben ...

Also, die Reiseplanung für die zweite Jahreshälfte ist damit komplett umgeworfen: Mitte September geht's ins Kosovo anstatt im Oktober nach Rom und über Weihnachten anstatt nach Israel in mein 94. Land, Algerien ...

Wenn es so weiter geht, könnte die 100 sogar schon Ende nächsten Jahres stehen, mal gucken ...

Samstag, 26. Juli 2014

Everything over the heap

Ich bitte um Entschuldigung für das furchtbare denglische Wortspiel, aber ich habe meine Urlaubsplanung für den September/Oktober in den letzten Tagen noch einmal völlig über den Haufen geworfen.

Ich fühle mich wesentlich wohler, wenn ich in der zweiten Oktoberwoche, in der ich eigentlich mit einer Freundin nach Rom wollte, schon wieder auf der Arbeit bin, denn der Oktober wird wahrscheinlich durchaus ein bisschen arbeitsreich ...

Die Woche Urlaub, die ich dadurch "aufspare", habe ich jetzt zu einem kleinen Teil (zwei Tage) in einen spontanen Aufenthalt im Kosovo vom 18. bis 21. September umgebaut. Dort besuchen mein Kumpel und ich unseren alten Schuldirektor, der dort ein Jesuitenkolleg aufgebaut hat. So eine Tour planen wir schon seit mindestens fünf Jahren, 2009, als wir in Richtung Griechenland fuhren, war er leider zu der Zeit gerade auf Deutschland-Besuch, jetzt hat es geklappt.

Ich bin sehr gespannt, wie das wird. Wir fliegen am 18. September morgens von Frankfurt nach Prishtina und werden dann entweder im Mietwagen oder per Bus nach Prizren durchstarten. Dort haben wir den 18. abends und den ganzen 19. September, ehe wir irgendwann am 20. September wohl nach Prishtina zurückfahren werden, denn unser Flug am 21. September geht schon um kurz nach 6 Uhr.

Im Kosovo war ich seit fast acht Jahren nicht mehr, mal gucken, wieviel sich seither verändert hat ...

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Ich weiß, dass ich noch ein Fazit aus Südamerika schuldig bin, das über "Es war toll - wie immer" hinausgeht.

Meine Ma und ich haben in den letzten Tagen oft geschwärmt, wo es denn am schönsten war: Wir konnten uns kaum entscheiden zwischen Rio, Buenos Aires, Montevideo, den Iguazú-Fällen und den Fluten von João Pessoa.

Wir sind immer noch begeistert von den Rodízios in Brasilien, speziell, das muss ich sagen, vom "Sal e brasa" in João Pessoa, aber das ist eine Kette, die auch in anderen Städten zumindest des Nordostens ihre Ableger hat, wir sind begeistert von dem Mercado del puerto in Montevideo und den Monstersteaks dort, wir sind begeistert von unserem Kneipchen in Foz do Iguaçu, vom Puerto Rico in Buenos Aires, verhungert und verdurstet sind wir in Südamerika offenbar nicht.

Ich war sehr überrascht, wie reibungslos die Organisation in aller Regel lief, die am Stadion in Recife war perfekt (fürs Wetter können die ja nix), aber auch sonst an den Flughäfen und Busbahnhöfen (wenn man denn diesen tollen Aufkleber hat ...) war alles sehr gut organisiert, und die kleinen Unebenheiten waren auch schnell behoben.

Die Menschen waren sehr freundlich, unser Ober in João Pessoa, unser Kauz von einem Ober in Buenos Aires, die Strandgäste in João Pessoa, die anderen Nassgewordenen unter den Iguazú-Fällen, der Strandläufer an der Copacabana, der sich mit uns minutenlang unterhielt und mit dem wir uns trotz der Sprachbarriere prächtig verstanden, natürlich unser nach dem Fußball trauriger Ober in Montevideo, die Jungs auf dem Fußballplatz dort, die Südkoreaner in der Kneipe in Foz, die freundliche Verkäuferin in Ciudad del Este, die mich offenbar für völlig bekloppt hielt und deshalb besonders fürsorglich war, der liebenswürdig aufgedrehte Rezeptionist in Guarulhos, die freundlichen Amis im Stadion, tja, wenn einer eine Reise tut und so weiter und so fort.

Es war toll ...

Montag, 30. Juni 2014

K.o.

Fertig - die Reise, wir, alles.

Der Pool im Hotel in São Paulo erwies sich als bessere Badewanne mit allerdings tollem Ausblick auf Guarulhos und São Paulo. Wir entschieden uns dagegen, die Badeklamotten nochmal nass zu machen, und gingen stattdessen frühstücken. Gute Entscheidung, denn das Frühstück war sehr lecker. Insgesamt waren die Frühstücke in Südamerika ziemlich gut, da konnten wir in keinem Hotel so richtig meckern ...

Check-in und Fahrt zum Flughafen waren problemlos und selbst einchecken konnten wir schon schön vorfristig.

Der Flughafen in São Paulo ist ein bisschen komisch, weil die ein paar Gates (und dabei auch unser Abfluggate) als Dual-use verwenden: als Inlands- und als Auslandsgates. Dementsprechend gibt es große Glastüren, die jeweils geschlossen und geöffnet werden können. Als wir ankamen, war die Glastür zu: Nix mit gemütlich am Gate sitzen und Fußball gucken. Argh.

Wir hatten uns unser Geld gut eingeteilt, sodass ich Getränke am Flughafen nur noch mit Kreditkarte zahlen konnte. Leider nahm die erste Kneipe keine Kreditkarte - Pech gehabt ... An der zweiten Kneipe konnte ich dann wenigstens den Anfang des Spiels Brasilien - Chile gucken.

Irgendwann wurde das Tor dann doch geöffnet und dahinter gab es auch einen Fernsehbereich, sodass ich da den zweiten Teil der ersten Halbzeit und den ersten Teil der zweiten Halbzeit verfolgen konnte, ehe es ans Boarden ging.

Wir starteten halbwegs pünktlich, und der Kapitän gab sogar das Ergebnis des Spiels bekannt - leichter Jubel brandete auf. Unser Sitznachbar, ein junger Brasilianer auf dem Weg nach Toulouse, dem ich dann einen Sitztausch anbot, damit er auf seinem ersten Flug am Fenster sitzen konnte, nahm aber eine wesentlich kriterische Haltung zur WM ein als die anderen Brasilianer, die wir so kennengelernt hatten: Er brachte die von den Protestlern vorgebrachten Argumente vor, dass Brasilien wichtige Aufgaben gehabt hätte als eine WM zu organisieren, zum Beispiel die Kanalisation in Recife auf Vordermann bringen ... Da konnten wir jetzt nicht zwingend widersprechen.

Der Elf-Stunden-Flug ging dank einiger Filme wider Erwarten schnell vorbei, und wir landeten sogar ein wenig früher als geplant in Rom.

Wir nahmen den Bus in die Stadt und fuhren mit der U-Bahn und dem Stadtbus gleichmal in Richtung Petersplatz. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren war ich mal wieder im Staat der Vatikanstadt ... Der Petersplatz war unter strahlend blauem Himmel halbwegs leer, weil alle Welt in den Petersdom strömte. Als auf den relativ neuen Videowänden der Beginn des Gottesdienstes gezeigt wurde, verließen wir die Vatikanstadt wieder und begaben uns zurück auf italienisches Territorium.

Wir fuhren wieder ein wenig Straßenbahn und U-Bahn, gingen an der Spanischen Treppe vorbei und suchten den Trevi-Brunnen aus, der gerade renoviert wird. Nix war's mit Münzereinwerfen, aber ich denke trotzdem, dass ich wieder zurück nach Rom kommen werde.

Ein Eis wurde verzehrt, und dann machten wir uns - wir waren nach einer Nacht im Flieger ohne Schlaf doch von ein paar Stunden Ultra-Sightseeing in Rom völlig erschöpft - wieder auf dem Bahnhof Termini und von dort mit dem Bus zum Flughafen. Wir ließen uns zwei Stunden vor Abflug am Gate nieder und starrten ein bisschen ins Leere ...

Der Flug nach Zürich, der uns durch drei Kinder vor uns - sagen wir es freundlich - versüßt wurde, war ziemlich aufrüttelnd, aber offenbar kamen wir gut an. Die Abholung durch unseren Nachbarn klappte wunderbar und wir waren um 18.20 Uhr zuhause.

Wenn nicht Fußball wäre, läge ich seit einigen Stunden im Bett, so drücke ich noch Costa Rica die Daumen ...

Ein ausführliches Fazit folgt in den nächsten Tagen.

Samstag, 28. Juni 2014

Até o próximo ano

"Bis nächstes Jahr!" Dem Ober in unserer - jetzt hätte ich fast Stammkneipe geschrieben - Strandkneipe in João Pessoa haben wir offenbar so gut gefallen wie er mitsamt seiner Kneipe uns.

Wir waren heute Morgen noch einmal in Ruhe und ausgiebig im Südatlantik planschen. Danach duschten wir und checkten aus, ehe wir ein letztes Kaltgetränk am Strand einnahmen. Ich schwitzte in meiner Flugjeans, aber im Schatten und mit dem Wind in den Haaren (ja, ich habe noch Haare, durch die der Wind wehen kann!) ging es dann ganz gut ...

Als wir zurück ins Hotel kamen, kriegten wir einen leichten Schreck, denn unser Gepäck war weg. Aber glücklicherweise hatten unsere Hotelboys das Gepäck nur sicher verstaut.

Unterwegs zum Busbahnhof machten wir noch kurz Halt bei der Post, um letzte Postkarten abzugeben. Heute ging ich dann nach Ankunft am Rodoviária, dem Busbahnhof, schnurstracks zu unserer Transportfirma und holte mir die Taxa-Aufkleber ab, weil die Tante von gestern wieder auf ihrem Kontrolleurstühlchen saß ...

Bei heute strahlendem Sonnenschein zog die Landschaft an uns vorbei, von den gestrigen (das war tatsächlich erst gestern gewesen!) Fluten war kaum mehr etwas zu sehen. Ankunft am Busbahnhof in Recife und Umsteigen ins Taxi waren fast eins, und am Flughafen konnten wir sogar schon vier Stunden vor Abflug einchecken, sodass wir unser Gepäck loswaren.

Hundemüde warteten wir mit Deutschen und Amis (und ein paar unbeteiligte Brasilianer waren vielleicht auch noch darunter) auf unseren Abflug nach São Paulo. Nach einem ziemlich ereignislosen Flug kamen wir gut in São Paulo an, nahmen ein Taxi, weil wir nicht die Dreiviertelstunde auf das Hotel-Shuttle warten wollten, und gerieten hier beim Check-in an einen völlig aufgedrehten und sehr sympathischen Rezeptionisten. Was für ein Unterschied zu unserem ersten Hotel hier in Guarulhos!

Auch unser Zimmer ist besser, schöner, toller und liegt im 26. Stock. Vielleicht gehen wir morgen früh nochmal kurz im Pool hier im 27. Stock planschen.

Morgen geht es heim. Man soll nie nie sagen: Até o próximo ano - vielleicht ...

Freitag, 27. Juni 2014

This is not a Titanic event

... sagte die Amerikanerin, als wir ihr im gerade wieder einsetzenden strömenden Regen auf der Rückfahrt vom Stadion zum Metrobahnhof den Vortritt in den Bus lassen wollten. Zwar ging unser Bus zu keiner Zeit unter wie seinerzeit die Titanic, aber viel hat nicht gefehlt in den Fluten von Recife am heutigen Tag.

Wir waren früh auf und pünktlich um 6 Uhr zum Frühstück bereit, aber der Frühstücksraum war noch zu ... Wenige Minuten später öffneten die Damen und Herren aber und wir konnten zusammen mit einigen US-Fans unser Frühstück einnehmen.

Die US-Fans fuhren mit dem Auto zum Stadion, während wir uns von einem bestellten Taxi zum Busbahnhof bringen ließen.

Da wir in Recife keine Busbahnhofbenutzungsgebührmarken für den Busbahnhof hier in João Pessoa hatten kaufen können, ging ich zu der Tante, die den Boarding-Bereich bewacht, zeigte ihr die Rückseite unserer Fahrkarte, auf der dieser komischer Aufkleber fehlte, und schaute fragend. Sie drehte die Fahrkarte um und meinte, unser Bus führe um 7.30 Uhr. Danke, das hatte ich mittels Lesen auch schon herausgefunden.

Die Fahrtkarte von hier nach Recife kostet etwas mehr als von Recife nach hier, sodass es durchaus plausibel erschien, dass die Benutzungsgebühr schon im Preis enthalten war. Also gut, wir hielten uns noch ein wenig am Busbahnhof auf und gingen dann ans Einchecken.

Dreimal darf die geneigte Leser raten, was uns aufhielt: der fehlende Aufkleber auf der Rückseite unserer Fahrkarte! Also, junge Frau, wenn es deine einzige Aufgabe ist, diese bekloppten Aufkleber zu kontrollieren, und da kommt ein Ausländer an und will wissen, wo ich diesen Aufkleber kriege, dann ist es doch eigentlich nicht so schwer, dem das irgendwie begreiflich zu machen und ihm nicht irgendwas vom Pferd zu erzählen, was sogar der schon geschnallt hat. Argh.

Der Schaffner unserer Busgesellschaft kümmerte sich dann um das Problem und wollte vier Reais (1,30 €) haben: Ich hatte nur zwei klein oder sonst zehn, die er aber auch nicht nehmen wollte. Er machte uns deutlich, dass er uns helfen werde, aber ward danach nicht mehr gesehen. Naja, wir saßen am Ende im Bus, ohne diese Gebühr bezahlt zu haben, und waren zufrieden, aber ich war ein bisschen sauer, weil ich jetzt wieder als der bekloppte Ausländer dastand, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Argh. Achso, "argh" hatte ich schon gesagt ...

Aquaplaninggefahr
Die Anspannung wegen der hochintelligenten Dame löste sich, dafür begann ich, ein wenig Sorgen zu bekommen wegen der rechtzeitigen Ankunft im Stadion, denn wir standen im Stau. Das war kein Wunder, denn von etwa fünf Fahrspuren war zum Teil nur noch eine halbwegs befahrbar, weil alle anderen völlig unter Wasser standen. Und selbst auf dieser Fahrbahn machte unser Bus noch ordentlich Wellen ...

Für eine Strecke von etwa einem Kilometer benötigten wir fast eine halbe Stunde, aber am Ende kamen wir mit (nur) einer guten Stunde Verspätung kurz vor 11 Uhr am Busbahnhof an. (Wir hörten im Stadion und auch heute Abend im Hotel von einigen, die mit dem Auto gefahren waren und erst zur zweitgen Halbzeit im Stadion eintrudelten.)

Glücklicherweise war die Organisation der Anreise zum Stadion absolut perfekt: Der Busbahnhof hat eine U-Bahn-Station, dort konnte man ein Spezialticket kaufen, bekam ein Armband ums Handgelenk, fuhr eine Station U-Bahn und konnte dann in zügig nacheinander einfahrende Shuttle-Busse umsteigen. Nur hielten diese Shuttle-Busse etwa einen Kilometer vom Stadion weg, sodass wir noch ein gutes Stückchen durch den strömenden Regen gehen mussten. Unsere Regencapes von den Iguazú-Fällen halfen uns hier nochmals sehr gut weiter.

Der Einlass ging auch recht fix, und vor dem Stadion herrschte trotz Dauerregen ziemlich gute Stimmung. Wie in Südafrika waren viele Brasilianer in deutscher oder US-Kriegsbemalung erschienen, sodass man bei Deutschland-Fans nicht unbedingt mit Deutsch weiterkam.
Stadion in Recife

Wir saßen im Oberrang, der - Gott sei Dank - überdacht war, sodass wir - im Gegensatz zu den armen Säuen hinter dem einen Tor, die die ganze Zeit im Regen saßen - völlig trocken das Spiel verfolgen konnten.

Der einen Amerikanerin vor mir war mein "Foul"-Schrei in den ersten Minuten wenig geheuer, während uns gegen Ende des Spiels der neben uns sitzende Ami mit leicht aggressivem Unterton fragte, ob der Schiri Deutscher sei. Alles in allem war es mit den US-Fans wie erwartet: alles total entspannt. So entspannt, dass ich nach dem Spiel noch einen Schaltausch mit einem USA-Fan vollführte ...

Nach dem Spiel ging es einigermaßen trockenen Fußes (außer, wenn man über die ehemaligen Rasenflächen ging, die nun völlig verschlammt waren) wieder zurück zur U-Bahn und zum Busbahnhof. Unser Bus nach Hause fuhr relativ pünktlich, kam mit der üblichen halben Stunde Verspätung an, und wir ließen uns sofort in unsere Fleischeria zum Rodízio fahren.

Hymnen
Vorgestern waren wir ja für brasilianische Verhältnisse kurz nach dem Frühstück zum Abendessen gekommen und hatten ziemliche Leere vorgefunden, heute Abend mussten wir noch ein wenig an der Bar Platz nehmen, bis ein Platz für uns freiwurde. Tja, 17 Uhr und 20 Uhr sind halt doch ein Unterschied ...

Das Essen war wieder superlecker, und nun liegen wir gut gesättigt wieder im Zimmer. Trotz Regens hat das heute - natürlich spielt der deutsche Sieg da mit rein - wieder richtig großen Spaß gemacht.

Morgen Mittag geht es wieder nach Recife und spät abends mit dem Flieger zurück nach São Paulo. Dort haben wir nochmal eine Nacht, und um 15.00 Uhr geht es übermorgen dann nach Rom. Wir haben am Sonntag ein wenig Aufenthalt in Rom und wollen zumindest mal ein Eis am Trevi-Brunnen zu uns nehmen: Man gönnt sich ja sonst nichts ....

Aber erstmal nehmen wir morgen vor dem Frühstück Abschied vom Südatlantik und vom brasilianischen Strand.

Schön war's hier.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Faules Herumgeschwimme

... haben wir heute ausgiebigst praktiziert.

Das Wetter sah heute Morgen gewohnt ungut aus, und wir gingen gewohnt entschlossen trotzdem zum Strand. Es blieb trocken (von oben) und wir genossen das am Morgen noch ein bisschen kühle Nass.

Nach dem Duschen ging es zum Frühstück. Meine Ma las ein wenig (Petrus hatte inzwischen doch den Hebel für die Dusche gefunden) auf der Dachterrasse, während ich noch ein bisschen am Computer herumschraubte.

Gegen 11 Uhr gingen wir wieder in Richtung Strand und warfen uns in die nun erfrischenden Fluten. Soooooooooo schön, und nach zweieinhalb Wochen Aktivurlaub (das hatte ich gestern schon mal so geschrieben, oder?) auch wirklich hochverdient.

Unser Ober von gestern hatte uns schon auf dem Weg zum Strand auf unsere gewohnheitsrechtliche Verpflichtung hingewiesen, wieder bei ihm einzukehren, und selbstverständlich hielten wir uns an diese. Wieder aßen wir lecker und tranken das eine oder andere Kaltgetränk zum Fußball, ehe wir noch einmal den Strand unsicher machten.

Nach dem Strand entschieden wir uns spontan, dass wir heute Abend nix mehr essen und früh ins Bettchen gehen, da wir ja morgen relativ früh rauswollen: Um 7.30 Uhr geht unser Bus nach Recife, wo wir so gegen 10 Uhr ankommen sollten; um 13 Uhr fängt das Deutschland-Spiel an.

Ich habe noch ein paar Fotos aus São Paulo angehängt und danach ein paar Bilder hier vom Strand:
Kathedrale von São Paulo

Hübsches Häuschen, auch in São Paulo

Strand in João Pessoa I

Strand in João Pessoa II

Suárez canibal

Heute war ein richtig schöner Urlaubstag, mit Sonne, Strand und leicht geröteter Schulter, auch wenn es heute Morgen nach richtigem Mistwetter aussah.

Es hatte die ganze Nacht geregnet und auch heute Morgen war der Himmel wolkenverhangen. Nichtsdestotrotz machten wir uns die paar Meter an den Strand auf und erahnten, dass es hier ganz hübsch sein könnte, wenn Sonne ist, denn auch bei bewölktem Himmel war das ein ganz akzeptabler mehrere Kilometer langer Sandstrand, an den es uns da verschlagen hatte.

Meine Ma hatte trotz anfänglicher Abneigung gegen einen Schwimmversuch einen Badeanzug angezogen und war darüber nun sehr froh, denn das Wasser war schön ruhig. Gegen 7.15 Uhr sprangen wir in die Fluten, die weder eiskalt noch badewannenartig waren, sondern ziemlich wohltemperiert. Scheeee ...

Nach ausgiebigem Bad gingen wir zurück ins Hotel, duschten, gingen zum Frühstück und besichtigten dann die Dachterrasse unseres Hotels: ein kleiner Pool und eine (leider ein kleines bisschen verbaute) Aussicht auf den Strand, die fast schon fantastisch war ...

Meine Ma machte es sich da oben gemütlich, während ich mich anschickte, den Ponta do Seixas, den östlichsten Punkt des amerikanischen Doppelkontinentes, zu erkunden, der sechs, sieben Kilometer südöstlich unseres Hotels liegt. Während des Spaziergangs merkte ich sehr handfest, dass wir in den Tropen sind: Das Wetter verschlechterte sich schlagartig und aus dem bewölkt-blauen Himmel wurde eine diesige Wand vor mir; es regnete auf einmal wie aus Kübel, dass mein T-Shirt und meine Badehose sich anfühlten, als wäre ich gerade dem Meer entstiegen.

Um mein Handy nicht weiter (und wieder) einem Härtetest zu unterziehen, machte ich nach etwa drei Kilometern kehrt und ging im strömenden Regen wieder in Richtung Hotel. Ebenso plötzlich kam dann auf einmal wieder gutes Wetter auf. Das nennt man dann wohl Tageszeitenklima ...

Ich holte meine Ma zum Schwimm ab, den wir sehr genossen, und kehrten danach in eine sehr schöne Strandkneipe ein, in der wir das Ausscheiden Italiens und das italienische Menü von Herrn Suárez bei Bier und panierten Fischstückchen genossen. Die Amis hinter uns wiesen durch den eingangs genannten Ruf ("Kannibale Suárez") auf dessen Beißattacke hin, weil wir in ein Gespräch mit drei sehr netten Brasilianern vor uns vertieft waren ... Ein abschließender Schwimm, und wir wären pünktlich zum Anpfiff des zweiten Spiels in unserer gestrigen Kneipe gewesen.

Dort war aber heute zu, sodass wir umdisponierten und von unserem Taxifahrer die im Flugzeugheft beworbene Fleischeria ansteuern ließen. Das Ganze sah von außen (und ein bisschen auch von innen) ziemlich fein aus, aber ich merkte schnell, dass ich nicht der einzige Mann in Shorts und Flip Flops war ... Irgendwie kamen wir sprachlich mit den Kellnern nicht so ganz klar, sondern machten durch den Gang zum Buffet deutlich, dass wir heute Rodízio, also All-you-can-eat-Fleisch an den Tisch, haben wollten. Wir hatten keine Karte und kein gar nichts gesehen, aber hatten bei dem Ding irgendwie ein gutes Gefühl, denn die Ober waren allesamt sehr freundlich, auch wenn wir uns schlecht verständigen konnten.

Das Fleisch jedenfalls war fantastisch: Unsere Rodízio-Gaststätten in Rio waren ja schon seeeeehr lecker, aber das hier übertraf alles. Hochgradig extrem lecker war das da.

Die Rechnung war ebenfalls hochgradig extrem okay, denn unser Rodízio kostete ein ganzes Stück weniger als in Rio: Für 15 Euro pro Personen konnten wir Fleisch satt essen. Doch, sehr schön, und vielleicht waren wir nicht zum letzten Mal dort.

Danach ließen wir uns vom gleichen Taxifahrer wie auf dem Hinweg in unser Hotel fahren (ich zeigte ihm peinlicherweise nochmal mein Handy mit der Hotel-Adresse, weil ich ihn auf den ersten Blick nicht erkannt hatte ...) und sind nun, mal wieder, früh im Bett.

Morgen wird hoffentlich nochmal so ein Tag.

Dienstag, 24. Juni 2014

41 Stunden

Wir haben heute auf dem Flug von São Paulo nach Recife mal überschlagen, wieviele Stunden wir auf dieser Reise insgesamt im Flugzeug sitzen. Wir sind auf 41 Stunden gekommen ... Anders kommt man aber in Brasilien bzw. in Südamerika nicht wirklich herum.

Nach beängstigend frühem Aufstehen und relativ entspanntem Check-in wurden wir heute Morgen um 4 Uhr zum Flughafen kutschiert und konnten auch - nach dem kurzen Fußweg vom Terminal 2 ins Terminal 1 - gleich einchecken.

Es flogen ganze Horden von Mexikanern mit uns nach Recife, weil die heute Abend im dortigen Stadion gegen Kroatien spielten (und gewannen). Unser Flugkapitän machte seine Ansagen auf Portugiesisch, Englisch, Spanisch - und Deutsch. Beim Aussteigen kamen wir kurz ins Gespräch, und er erläuterte uns, dass seine Familie aus der Schweiz stamme. Hochinteressant.

Der Flug war ereignislos abgesehen davon, dass wir in der hintersten Reihe ein wenig beengt saßen, aber offenbar haben wir es überlebt.

Vom (brandneuen) Flughafen in Recife ging es mit dem Taxi zum Busbahnhof, der ein wenig außerhalb in der Vorstadt liegt. Wir konnten hier schon alle unsere Fahrkarten (heute von Recife nach João Pessoa, am Donnerstag Morgen von João Pessoa nach Recife und abends zurück sowie am Freitag dann wieder nach Recife) buchen. Ich hatte ein wenig Bedenken, dass etliche andere auf die Schnapsidee gekommen waren, ihr Hotel in João Pessoa zu beziehen und mit dem Bus zu fahren, aber dem war offenbar nicht so.

Die Busfahrt - im einsetzenden sintflutartigen Regen - ging knapp über zwei Stunden, und in João Pessoa setzten wir uns wieder in ein Taxi in unser Hotel. Der Taxifahrer beschiss uns nicht und sackte dafür ein sehr ordentliches Trinkgeld ein.

Unser Best-Western-Hotel ist in Ordnung und liegt nicht weit weg vom Strand, den wir aber heute Nachmittag erst einmal noch nicht erkundet haben: Wir hatten Hunger, da wir außer einem Brötchen im Flieger noch nichts gegessen hatten. Im Regen führte ich meine Ma an einigen geschlossenen Restaurants vorbei zielstrebig auf mein avisiertes Ziel zu, und wir taten gut daran: Das Essen war recht lecker (auch wenn wir das nächste Mal einfach eine große Platte Filet Mignon nehmen anstatt einzelne Tellergerichte), und verdurstet sind wir auch nicht.

Nach dem Spiel von Brasilien gingen wir im Dunkeln die paar Meter zurück ins Hotel und liegen nun schon wieder einmal früh "im Nescht". Morgen wird, Regen hin, Regen her, der Strand unsicher gemacht. Die letzten Tage (und Wochen) waren nicht unanstrengend, und wir freuen uns sehr auf die zwei Tage hier am Strand, die lassen wir uns vom Wetter nicht kaputt machen: Nass werden wir eh im Meer, da spielt es auch keine Rolle, wenn von oben noch ein bisschen was kommt.

Gute Nacht.

Montag, 23. Juni 2014

Der Stift muss weg

Heute war ich in São Paulo, während meine Ma sich im Hotel von den Strapazen unserer Fußmärsche erholt hat ...

Nach dem Frühstück blieb meine Ma im Zimmer, während ich an der Rezeption ausnahmsweise an eine fähige Person geriet: Es war eine Frau. Diese konnte mir gut erklären, wie ich zur nächsten Bushaltestelle komme und von dort mit dem Bus zur Metro-Station Armênia (die heißt so, weil dort eine armenische Kirche ist).

Davor kam ein anderer Bus, der zur Metrostation Penha fuhr, und ich stieg halt in den ein. Das war kein Fehler, aber auch keine besonders schlaue Idee, weil der Bus über die Dörfer fuhr und ich nicht so schnell an der U-Bahn war wie erhofft.

Allerdings fuhren wir auf dem Weg nach Penha an einigen Gegenden vorbei, in denen ich im Dunkeln nicht unbedingt stranden möchte ...

Ich fuhr mit der U-Bahn bis in die Innenstadt, guckte mir die von außen sehr ansehnliche, von innen nicht ganz so hervorragend interessante Kathedrale an, die 1954 fertiggestellt wurde, und machte mich dann auf zur Kartenabholstelle, die ich nicht fand.

In São Paulo gibt es - zumindest in diesen Tagen - viele Freiwillige, die Touristen helfen sollen, und einer von denen konnte mich an die richtige Stelle führen. Besser hätte die FIFA dieses Ticket-Center aber auch nicht verstecken können: Kein Banner oder größerer Wegweiser, nur ein klitzekleines Hinweisschild, das man leicht übersehen konnte (wie ich es getan hatte).

Ich bekam unsere Karten und machte mich dann auf in Richtung Fan Fest. Ich war eine Stunde vor Spielbeginn dort und überlegte hin und her, ob ich mir die Avenida Paulista noch angucken sollte. Schließlich entschied ich mich dafür und fuhr mit der U-Bahn wieder ein bisschen in der Gegend herum.

Die Avenida Paulista soll die Hauptschlagader von São Paulo sein, und ja, da gibt es ein paar Hochhäuser, es waren selbst heute etliche Leute unterwegs, aber an den Times Square hat mich das Teilstück, das ich heute zu Fuß erkundete, nicht unbedingt erinnert. Es gibt dort viele Skater, okay, aber so richtig hin und weg war ich von der Paulista nicht unbedingt.

Ich fuhr wieder in Richtung U-Bahn-Station Sé und fand mich am Eingang zum Fan Fest wieder. Mein Kugelschreiber in der Hemdtasche erregte den Verdacht des Ordners: Dieser dürfe nicht mit rein. Wieso, weiß kein Mensch, ich machte kehrt. Anschließend verstaute ich den Kuli in meiner Tasche und versuchte es bei einem anderen Ordner: Alles kein Problem. Ja, gibt's denn nur noch Bekloppte hier?

Das Fan Fest war relativ leer, ich verfolgte das Spiel Belgien - Russland mit gutem Ausgang bis zum Ende und ging wieder zurück zur U-Bahn. Diesmal stieg ich bei der Haltestelle Armênia aus und  suchte nach den Bussen, die zurück nach Guarulhos fuhren. Als ich mir einigermaßen sicher war, dass die 175 richtig ist, war sie gerade weg, und ich stellte mich in die Schlange für die nächste Ausgabe der 175.

Wir warteten und warteten und warteten. Nach einer Dreiviertelstunde kam die 175, ich stieg ein und wir fuhren über die Schnellstraße in Richtung Guarulhos. Irgendwann hier im Stadtgebiet (Google Maps sei Dank) zog ich das Haltewunschseil und stieg aus. Das war ein wenig voreilig, weil der Bus noch den Berg hochfuhr, den ich dann hochzulaufen hatte, aber das war auszuhalten. Noch im Hellen war ich wieder im Hotel.

Im Dunkeln liefen wir dann den Kilometer zu dem von uns angestrebten Lokal. Dabei wurde mir gelegentlich ein wenig mulmig, obwohl wir an der Hauptstraße entlangliefen. Die Entscheidung, für die Rückfahrt ein Taxi zu nehmen, fiel schnell.

Meine Mutter und ich aßen eine Portion Rindfleischsteak, die laut Karte auch für zwei reichte. Zum Glück bestellten wir wirklich nur diese eine Portion, denn sie war sehr üppig. Zwei Portionen hätten wir bei aller Verfressenheit nicht vertilgen können. Der Ober war sehr aufmerksam und freundlich (guter Service in Guarulhos, es geschehen noch Zeichen und Wunder), sodass er ein üppiges Trinkgeld bekam. Unser Taxi wurde dann ein Transferbus des Restaurants, was uns auch recht war.

Nun sind wir wieder im Zimmer, gucken noch das Spiel USA - Portugal zu Ende und werden bald schlafen, denn morgen geht um 4 Uhr unser Bus zum Flughafen. Um 6.40 Uhr geht unser Flieger.

Der morgige Bericht kommt dann schon aus João Pessoa ... Gute Nacht!

Sonntag, 22. Juni 2014

Huhn auf Vogel

Das haben wir, zumindest nach der Übersetzung von Google Translate, heute am Flughafen in Rio de Janeiro gegessen. Das Ganze waren Hähnchenflügel ...

Heute Morgen haben wir gut gefrühstückt und uns dann zum Flughafen fahren lassen. Der Check-in ging einigermaßen fix, und schon saßen wir auch schon am Gate und warteten auf den Abflug.

Wir flogen sogar vor der Zeit in Foz ab und kamen deutlich vorfristig in Rio de Janeiro an.

Leider konnten wir für den nächsten Flug noch nicht einchecken und mussten also mit dem ganzen Gepäck auf die Suche nach einem Fernseher gehen. Schließlich kehrten wir bei einem Araber an einem Foodcourt im Flughafen ein und guckten das, nunja, zumindest in der zweiten Halbzeit sehr ereignisreiche Spiele. Dazu vertilgten wir unter anderem Huhn auf Vogel.

Nach dem Spiel durften wir dann einchecken und durch die Sicherheitskontrolle durch. Wir waren wieder früh am Gate und konnten wieder recht früh einsteigen, warteten aber dann noch auf ein paar Leute und kamen leicht verspätet weg, aber pünktlich in São Paulo an. Das mit dem Hoteltransfer klappte einigermaßen, was aber so ganz und gar nicht klappte, war der Check-in am Hotel. Da stand so ein Held am Check-in, aber als ich kam, ging er weg und ward nicht mehr gesehen. Entsprechend waren wir ein wenig sauer, äußerten das auch und durften uns daher dann als "louco", also als verrückt, bezeichnen lassen. Mein Portugiesisch ist nun nicht sehr gut, aber das habe ich noch verstanden.

Das Zimmer ist an sich okay, wenn auch klein (und auch ohne abnehmbaren Duschkopf ...), aber für die letzte Nacht in Brasilien, die wir auch hier verbringen wollten, haben wir jetzt ein anderes Hotel gefunden und hier storniert. Das haben die Helden hier nun davon.

Ansonsten gibt es heute offenbar nicht so viel zu berichten (die Alarmanlage von so einem beknackten Auto geht hier immer los), mal sehen, was São Paulo morgen so zu bieten hat. Gute Nacht!

Samstag, 21. Juni 2014

Não organizado

"Nicht organisiert", so nannte unser (brasilianischer) Taxifahrer neulich Paraguay und die Paraguayer.

Heute wollten wir die Probe aufs Exempel machen und uns Paraguay mal selber angucken. Wir ließen uns heute Morgen Zeit und fuhren im Taxi zur brasilianischen Seite der Grenze, denn die Grenze selbst wollten wir zu Fuß überqueren.

Wir stiegen also aus dem Taxi aus und wurden erstmal fast von Myriaden von Kleinmotorrädern über den Haufen gefahren, die Brasilianer, Paraguayos und alle anderen Mutigen von B nach P oder von P nach B bringen. Das ist nämlich viel schneller auf den Viechern als im Auto, aber womöglich auch ein bissel gefährlicher. Vor allen Dingen ist die ohnehin schon geringe Wahrscheinlichkeit auf den Dingern kleiner, von Grenzern jedweder Seite angehalten zu werden.

Wir reihten uns also trotzdem in die nicht enden wollende Prozession von Fußgängern über die Grenze ein, nur bogen wir - anders als 99,9 % der anderen Grenzüberquerer - in das Häuschen ab, in dem die brasilianische Ausreisekontrolle untergebracht ist. Dort wurden wir von einer überraschten (huch, da kommt ja jemand) Grenzerin ausgestempelt und weiter auf die Reise geschickt.

In manchen Ländern Südamerikas ist es, wie auch in manchen Ländern Afrikas, nicht so, dass eine lückenlose Kontrolle über alle Ein- und Ausreisen stattfindet. Vielmehr muss man sich entscheiden, ob man die Ein- und Ausreiseprozedur über sich ergehen lässt (und dann legal im Land ist) oder ob man die Zeit spart und mehr oder weniger illegal unterwegs ist. Wer nicht ins Grenzhäuschen will, muss das auch meistens nicht.

Straßenszene in Ciudad del Este, Paraguay
Den meisten Einheimischen ist diese "Illegalität" herzlich wurscht; sie gehen einfach über die Grenze, und gut is. Nun sind wir aber Deutsche und als solche natürlich besonders exakt, vor allem will ich aber ungern in eine Situation kommen, in der ich erpressbar bin, also ließen wir unsere Pässe bei Ein- und Ausreise ordentlich abstempeln. Weh tut es nicht, Geld kostet es hier an der Grenze auch nicht und Zeit hatten wir heute genug.

Dementsprechend hielt sich die Schlange an der paraguayischen Einreise auch sehr in Grenzen (vor uns befindliche Personen: 1), und der Inspektor der Migrationsbehörde, Señor Carlos Ortiz, stempelte uns ein (ja, die unterschreiben hier jeden Einreisestempel und stempeln obendrüber noch den Namen in Klarschrift).

Mototaxis
Nun waren wir also in meinem 93. Land gelandet und liefen, begrüßt von Flugblattverteilern, die uns Geschäfte mit den neuesten elektronischen Geräten anpriesen, einen kleinen Anstieg hoch.

Paraguay, oder vielmehr Ciudad del Este, ist tatsächlich nicht so, naja, so ordentlich wie Brasilien oder gar Argentinien, die Autos fahren viel mehr kreuz und quer (von den Motorrädern ganz zu schweigen), die Flugblätter liegen ein paar Meter nach der Ausgabestelle haufenweise weggeworfen auf dem Boden, es gibt keine Gehwege, weil alle mit Waren vollgestellt sind, die Händler an den Mann bringen wollen, das erinnerte mich heute alles eher an Uganda oder Indien denn an Chile oder Uruguay.

Adiós, Paraguay
In einem Großkaufhaus erstanden wir eine Kleinigkeit, die wir aber erst nach einem Hin und Her (dort geht man mit den Waren, die man haben will, zu einer Verkäuferin, die wirft einen Beleg aus, und dann bezahlt man nach Abschluss des Kaufhausbummels an einer zentralen Kasse und bekommt dort seine Waren ausgehändigt) tatsächlich in Händen hielten: Unser Ausgabemensch war ziemlich unorganisiert und hatte unsere Sachen einem anderen in die Tüte gesteckt. In dem Moment verstand ich unseren brasilianischen Taxifahrer ...
Brasilien links, Paraguay rechts, ich in beiden gleichzeitig

Wir gingen noch ein wenig in den Straßen umher, tranken unterwegs noch etwas und machten uns dann nach zwei, drei Stunden wieder rüber nach Brasilien.

Wieder ließen wir uns aus Paraguay aus- und nach Brasilien einstempeln, nachdem wir die Brücke der Freundschaft überquert hatten, wieder nahmen wir ein Taxi zu unserem Hotel und entspannten ein wenig am Pool, ehe wir in unsere Stammkneipe zum Abendessen und Fußballgucken (Schweiz ohjeohje) gingen.

Heute war der Vormittag anstrengend mit Händlern über Händlern, während der Nachmittag nochmal ein bisschen Urlaub war.

Morgen geht es nach Rio und dann weiter nach São Paulo; ich bin schon gespannt auf diese Finanzmetropole.

Freitag, 20. Juni 2014

Tief in Urwald Brasiliano

Somewhere under the rainbow. Nass bis auf die Knochen.

Heute hätte es viele Überschriften gegeben. Ich habe mich für ein altes Lied, das ich zuletzt in der fünften Klasse oder so mehr oder weniger freudig mitgesungen habe, entschieden.

Wir waren heute sehr früh auf, ich sogar vor meiner Mutter, was normalerweise nur vorkommt, wenn Weihnachten und Ostern gemeinsam auf den Tag der Arbeit fallen. Komischer Kalender in Brasilien. Dementsprechend zeitig waren wir auch beim Frühstück und aufbruchbereit.

Es war heute Morgen ziemlich kühl, man könnte fast sagen: Es war kalt. Möglicherweise lag das daran, dass ich nur ein Polohemd anhatte (und nicht die Regenjacke anziehen wollte), aber auch mit Pulli oder Sakko wäre es kühl gewesen. In der Sonne ging es dann, und nach ein paar Metern Fußweg standen wir dann schon an der Hauptstraße aus Foz do Iguaçu raus, wo der Bus normalerweise hätte vorbeikommen sollen.

Heute fiel wirklich Weihnachten und Ostern auf den Tag der Arbeit, denn der Bus kam tatsächlich, und das, obwohl ich die ganze Tagesplanung nur auf diesem Gefühl aufgebaut hatte, dass der Bus diese Strecke nehmen würde! Es musste also ein großartiger Tag werden.

Auf dem Hinweg standen wir im Bus, gerade weil wir ein bisschen später und nicht schon am Busbahnhof eingestiegen waren, aber das war zu ertragen. Der Eintritt in den Nationalpark war schnell bezahlt, es wurde ein Foto mit einer Nationalpark-Gürteltier-Figur geschossen. Wir entschieden uns, noch die Flusssafari zu machen, die nicht ganz billig (etwas über 50 Euro pro Person) ist, aber wir wollten uns heute etwas gönnen.

Panoramablick auf die Cataratas
Wir folgten der Empfehlung des Rangers und ließen uns erst einmal (hier im brasilianischen Nationalpark fahren Busse) zum Ausblick auf die Iguazú-Fälle fahren. Es hieß, dass der Panoramablick von der brasilianischen Seite aus auf die argentinische Seite ein must see sei und, hallojulia, das ist es. Da können, um nochmal auf Eleanor Roosevelt zurückzukommen, die Niagara-Fällchen wirklich weinend nach Hause gehen ...

Wir liefen dann den Trail entlang, schauten regelmäßig auf neue, fantastische Wasserfälle und kamen irgendwann in Richtung des Teufelsschlundes. Es fing schon von Ferne an zu sprühen, und dort gibt es - auch auf brasilianischer Seite - einen Steg hinaus auf die Fälle. Wahnsinn. Wir hatten zwar vorher noch für ein paar Euro einen Plastikregenmantel gekauft, und der war auch wirklich hilfreich, aber trotzdem war ich hinterher - zumindest unterhalb der Gürtellinie, wo kein Regenschutz mehr half - pläddernass. Da ist so viel Sprühwasser unterwegs, dass man sich wie in der Dusche fühlt. Der Ausblick auf den Teufelsschlund und die Fälle herunter ist, wieder einmal, atemberaubend gewesen. Ich wollte meinem Handy nicht zumuten, an den ganz heftigen Locations da fotografieren zu müssen, weil ich es dann genausogut auch mit unter die Dusche hätte nehmen können ...
Im Fluss

Danach fuhren mit dem Panorama-Aufzug hoch zur letzten Haltestelle des Busses, nachdem wir noch ein wenig direkt neben den Fällen im (Sprüh-)Regen gestanden hatten.

Der nächste Bus zurück zu unserem Einstieg in die Flusssafari fuhr zum Glück bald, und im Fahrtwind des offenen Doppeldeckers war es mit nasser Jeans gar nicht einmal so warm.

Wir konnten auch gleich in ein Elektrogefährt einsteigen, mit dem die erste Strecke hin zum Fluss zurückgelegt werden sollte. Es wirkte ein bisschen alibimäßig, dass da eine Rangerin mit drin saß und ein bisschen was zu zwei, drei Baumarten erklärte. Auch der Trail hinunter zum Fluss war eher dazu gedacht, die Gesamtdauer des Abenteuers zu verlängern und damit die Preis-Dauer-Relation zu verbessern.

Jedenfalls kamen wir bald darauf an der Bootslände an, schlossen noch unsere Wertsachen (incl. Handy mit Kamera, weil sonst nass und kaputt) ein und machten uns mit Regencape und Schwimmwesten bootsfertig.

Noch mehr im Fluss
Auf ging die wilde Luzi. Die zwei 200-PS-Motoren unseres 20-Mann-Bootes fuhren mit Karacho den Iguazú hinauf, und kurz nach dem Start ließ uns der Kapitän (natürlich absichtlich) voll in eine Welle laufen. Spritz. Wasser. Pflatsch. Alles nass, inklusive Unterhemd unter drei Schichten anderer Kleidung. Wuuuuhuuu.

Und dann sitzt du da in einem kleinen Bötchen im Auffangbecken der Iguazú-Fälle und guckst und guckst und guckst und kriegst den Mund nicht mehr zu. Regenbogen über Regenbogen, und um dich herum fließen ganze Schwimmbäder pro Sekunde über die Abbruchkante. Der Hammer. Schon allein deswegen lohnen sich die 50 Euro, da müssten sie nicht mal künstlich das aufblähen durch ein Umweltbildungsfährtchen (auch wenn das am Ende nicht völlig uninteressant ist).
Auf dem Ding nimmt man eine Dusche

Im Teufelsschlund geht ein kleiner Regenbogen von der einen Seite der Fälle zur anderen, und auf diesen Regenbogen fuhren wir nun zu. Kurz vorher bogen wir nach rechts ab und, rumtata, nah heran an die Fälle. Zweite Dusche. Naja, wenn unsere Duschen hier wenigstens so einen Wasserdruck draufhätten ... Wieder raus. Wieder rein. Dusche. Hammer. Lustig. Euphorie. Adrenalin. Endorphine. Andere Hormone, keine Ahnung. Wow.

Wir fuhren nach der dritten Volldusche noch einen kleinen Wasserfall an und bis zwei, drei Meter an ihn heran. Vierte Dusche. Grandios.

Ich weiß nicht, wie lange die Fahrt ging, wahrscheinlich waren das um die 20 Minuten, aber es war fantastisch.

Nicht ganz so fantastisch war natürlich, dass ich wortwörtlich bis auf die Unterhose nass war und wir ja noch ein bisschen weg im Bus vor uns hatten. Den Weg hoch zum Elektrokärrelchen nahmen wir dann doch lieber im Jeep (Lederpolster leicht nass), das Elektrokärrelchen fuhr auch gleich los (Plastiksitz leicht nass), der Nationalparkbus kam auch bald, und sogar der öffentliche Bus nach dem Verlassen des Parks kam bald.

Wir stiegen an unserer Haltestelle aus und wechselten im Hotel erstmal die Klamotten, weil es auf Dauer dann doch nicht so angenehm ist, eine von oben bis unten feuchte Jeans zu tragen.

Danach zum Fußballgucken wieder in die Kneipe nebenan, zurück ins Zimmer, warm und lang geduscht, und jetzt im Bett die Schlussphase von Japan - Griechenland.

Heute war Bergfest und die Fahrt heute war des Bergfests absolut würdig. Es war toll.

Donnerstag, 19. Juni 2014

"Poor Niagara"

"Die armen Niagara-Fälle!" Das soll die ehemalige First Lady der Vereinigten Staaten, Eleanor Roosevelt, gesagt haben, als sie die Iguazú-Fälle sah. Und sie hatte damit absolut recht.

Wir waren heute gar nicht mehr so arg früh aufgestanden und frühstückten in Ruhe, ehe wir ein Taxi wieder hinüber nach Argentinien nahmen. Das ginge alles auch im Bus, aber mit dem Taxi, das zwar nicht billig, aber nun aber wieder bezahlbar ist, wissen wir wenigstens, dass der Taxifahrer an beiden Grenzen anhält und wir Zeit haben, um die Pässe abstempeln zu lassen, und so weiter. Das ist hier nämlich keineswegs so, dass die Busse, zumindest bei der brasilianischen Ausreise, immer anhalten. Wenn man mittelprächtig Pech hat, hält der Busfahrer zwar wenigstens, fährt aber ohne einen weiter, wenn man zu lange in der Ausreise braucht. Mit dem Taxi entfällt dieser Nervenkitzel, das hat durchaus etwas für sich.

Alles Nasenbären hier
Wasser, viiiiiel Wasser
Vom argentinischen Puerto Iguazú fuhren wir dann aber im Bus die halbe Stunde zum Eingang zum eigentlichen Nationalpark. Das Eintrittsgeld kann nur in (argentinischem) Bargeld bezahlt werden, die nehmen weder Devisen noch Kreditkarte. Das, liebe Argentinier, ist totalmente loco, also völlig beknackt. Zum Glück hatte der Ticketverkäufer für den Bus mich auf dieses Problem hingewiesen (und durch den Wechsel von brasilianischen Reais in eine entsprechende Menge argentinischer Pesos einen hübschen Wechselgewinn gemacht), sonst hätten wir hübsch doof aus der Wäsche geguckt. Deppert seid's.

Der Park selbst ist dann aber recht gut organisiert, es gibt es Bähnchen, das von der Ausgangsstation zu zwei anderen Stationen fährt, von denen aus man dann einige Trails bewandern kann. Leider war der Trail zum Garganta del Diablo, dem Teufelsschlund, wegen Hochwassers gesperrt, sodass man sich das nicht angucken konnte.

Wasser und Sprühwasser

Rumpelrumpel ...

Die anderen Trails über und unter den Fällen durch den Urwald sind aber immer noch hochgradig beeindruckend. Der obere Trail führt zum Teil direkt über die Abbruchkanten der Wasserfälle und bietet überwältigende Ausblicke auf die Iguazúfälle, während man vom unteren Trail nicht nur mächtig nass wird, sondern ob der Naturgewalt auch ziemlich sprachlos. Unfassbar. Unfassbar schön. Atemberaubend toll.

Wir machten uns dann gemütlich wieder in Richtung Parkausgang, stiegen in den Bus und ließen uns nach der Ankunft in Puerto Iguazú wieder im Taxi rüber nach Brasilien fahren. Hier kehrten wir wieder in unserer Fußballkneipe von gestern ein, verfolgten das Ausscheiden Spaniens und sind am Ende wieder früh im Zimmer und im Bett gelandet.

Das war mal wieder ein sehr kurzweiliger, ein sehr interessanter Tag, eines der Highlights unserer an Höhepunkten nicht gerade armen Tour. Doch, das war toll heute.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Zurück in Brasilien

Gestern Abend habe ich noch ein paar Fotos gepostet (siehe den nächsten Blogeintrag).

Ja, das USA-Spiel habe ich dann gestern Abend nicht mehr zu Ende gesehen. Wieder einmal waren wir kaputt, obwohl wir jetzt nicht übertrieben viel durch Buenos Aires spaziert waren.

Heute Morgen waren wir beide halbwegs früh wach, packten unser Zeug zusammen und gingen zum Frühstück, das wie immer sehr lecker war. Danach checkten wir uns und ließen uns in einem Taxi, das nicht sehr offiziell aussah, zum Flughafen Aeroparque bringen. Die Vermutung, dass unser Taxifahrer auf der Hinfahrt uns beschissen hatte, erhärtete sich, weil dieser Taxifahrer - ohne Taxameter - nur 130 Pesos haben wollten, während der auf der Hinfahrt mit Taxameter über 140. Da geht es um ein paar Euro, klar, die uns nicht wirklich wehtun, aber es ist einfach ärgerlich, weil man bei solchem Beschiss keine Doofensteuer zahlt, sondern wirklich betrogen wird.

Der Check-in am Flughafen war problemlos, nur unser Flieger hatte technische Probleme, weshalb wir eine Stunde Verspätung im Gepäck hatten. Eigentlich hatten wir heute Zeit, weil wir nichts mehr vorhatten - außer vielleicht Brasilien gucken in Brasilien ... Es ging sich dann so aus, dass wir prompt zum Anpfiff an der brasilianischen Einreise standen (unser Fahrer verdiente sich den üppigen Fahrpreis, indem er unsere Pässe durch die Einreise lotste, während wir im Taxi sitzen bleiben konnten ...). Die Hotelrezeptionisten sahen auch mittelprächtig begeistert aus, dass wir gerade während des Spiels ankamen, aber da mussten sie durch.

Wir guckten die erste Halbzeit im Zimmer und gingen dann gegenüber in die Bar, in der prächtige Stimmung herrschte - jedenfalls so lange, bis klar wurde, dass Brasilien schon noch irgendwie ein Tor schießen müsste, um zu gewinnen.

Bekanntlich fiel das Tor nicht, was aber keinen vom Bierkonsum abhielt. Wir schauten dann noch den Anfang des Spiels Russland - Südkorea dort, ehe wir uns dann auch auf die beschwerliche Reise von 20 Schritten in unser Hotel zurück machten.

Es ist sogar schon 22 Uhr, und ich bin noch wach. Wow. So langsam gewöhne ich mich offenbar an die Zeitverschiebung, wird ja auch Zeit nach mehr als einer Woche ...

Morgen und übermorgen soll es an die Iguazu-Fälle gehen, einmal an die brasilianischen, einmal an die argentinischen. Die Reihenfolge käsen wir morgen beim Frühstück aus.

Gute Nacht.

Dienstag, 17. Juni 2014

Foti, Foti

Nach diesem Post folgt der Bericht vom 16. Juni.

Jaja, ich war schluderhaft mit dem Einstellen von Fotos. Sorry. Ich bin nur die letzten Tage heilfroh gewesen, zumindest etwas halbwegs Sinnvolles als Tagesbericht zu schreiben, dass ich die Bilder habe hintenrunter fallen lassen. Hier nun eine Auswahl:

In Puerto Iguazú

Zusammenfluss von Paraná und Iguazú, links oben ist Paraguay, rechts oben Brasilien, im Vordergrund Argentinien

Soso, die Malvinas (Falkland-Inseln) sind argentinisch ... Das werden die Briten anders sehen.

Casa Rosada, der Präsidentenpalast, in Buenos Aires

Sonnenaufgang auf der Fähre von Buenos Aires nach Montevideo

Im Mercado del Puerto in Montevideo

Plaza de Independencia in Montevideo

Da kommt nur noch die Antaktis ...

Straßenszene in Buenos Aires

Congreso Nacional in Buenos Aires

Congreso Nacional in Buenos Aires und Denkmal für zwei Nationalversammlungen in den 1810er-Jahren

Verbummelt

Sehr erfolgreich haben wir heute den Tag in Buenos Aires verbummelt.

So langsam gewöhnen wir uns offenbar an die Zeitverschiebung, denn wir wurden beide erst relativ spät - gegen 8 Uhr - wach. Nach gemütlichem Aufstehen und Duschen (ich hatte, glaube ich, noch gar nicht erwähnt, dass wir hier im Hotel einen abnehmbaren Duschkopf haben - großes Lob für die NH-Hotels!) gingen wir lecker frühstücken mit verschiedenen Säften und Leckereien (neben den üblichen Sachen wie Rührei etc.).

Wir machten einen Spaziergang über die Plaza de Mayo und entschieden uns spontan, ein paar Stationen mit der U-Bahn zu fahren. Die U-Bahn von Buenos Aires ist wirklich sehr schick: Die Stationen sind sehr schön gestaltet, und die U-Bahn an sich ist sehr sauber und sogar sehr wohlriechend.

Wir stiegen am Congreso Nacional aus und bewunderten das Parlamentsgebäude Argentiniens. Über die Avenido 8 de Mayo gingen wir zurück in Richtung Casa Rosada, dem Präsidentenpalast. Buenos Aires erinnert uns an gepflegte Stadtteile von New York oder Boston, wunderbare Hausfassaden, alter Baumbestand, sehr schick.

Das Deutschland-Spiel um 13 Uhr machte uns natürlich den ganzen Tag insofern kaputt, als wir uns die äußeren Bezirke von Buenos Aires nicht wirklich angucken konnten. Die Kneipe, die wir fürs Spielgucken anvisiert hatten, öffnet leider erst um 17 Uhr, sodass wir Plan B suchen mussten. Am Schluss landeten wir in einem Pub, das anfangs leer war, aber so langsam voll wurde. Wir, und speziell ich, waren ein bisschen die Volksbelustigung, weil ich bei wichtigen Deutschland-Spielen durchaus ein wenig, ähm, angespannt bin.

Nach dem wunderbaren Spiel machten wir noch einen weiteren kurzen Spaziergang und kamen wieder in der Gaststätte unter, in der wir den ersten Tag in Buenos Aires auch schon geblieben waren. Unser Ober erkannte uns wieder, wir tranken ein Weinchen und aßen Tintenfischringe.

Danach gingen wir - gut gestärkt - ins Hotel und gucken nun in aller Ruhe das USA-Spiel gegen Ghana. Heute waren wir einfach platt und wollten gar nicht mehr weitere Stunden Buenos Aires erkunden. 2030 ist hier (und in Uruguay) ja womöglich WM, da wollen wir allerspätestens wiederkommen ...

Erst einmal gute Nacht. Morgen kommt der Bericht dann schon wieder aus Brasilien, sofern alles gut geht ...

Montag, 16. Juni 2014

Adiós, Montevideo

Heute sind wir - beide! - erst um 6 Uhr wachgeworden, obwohl heute Nacht noch so ein Horst an der Zimmertür geklopft hatte, weil er sich im Zimmer irrte.

Nach entsprechend spätem Frühstück machten wir einen Bummel entlang der Ramblas, der Hafenpromenade von Montevideo. Es ist ein spannendes Gefühl, am (bisher) südlichsten Ort seines Lebens zu stehen und zu wissen, dass, wenn man nach Süden guckt, nur noch die Antarktis ist.

Ansonsten machten wir einen ganz entspannten Urlaubstag ohne viel Sightseeing, dafür guckten wir bei einem E-Jugend-Spiel irgendwelcher Teams aus Montevideo zu (und ich betätigte mich gelegentlich als Balljunge). Entweder habe ich damals nicht alles so richtig mitgekriegt oder wir haben damals in der E-Jugend wirklich nicht so viele Übersteiger, elegante Ballmitnahmen und was weiß ich noch alles draufgehabt - ich sowieso nicht, aber auch bei meinen Mitspielern kann ich mich an derlei Sperenzchen nicht erinnern.

Danach gingen wir wieder zur Plaza de la Independencia, guckten uns das Mausoleum von José Artigas, dem Helden des uruguayischen Vaterlandes, an (zwei Soldaten halten daneben Ehrenwachen, die armen Säue, heute kam wenigstens mal einer ...) und ließen uns dann in einer Gaststätte zum Mittagessen und Fußballgucken nieder. Die Schweiz  gewann glücklich, aber nicht unverdient, und wir gingen wieder zurück in Richtung Hotel und Mercado del Puerto. Dort setzten wir uns diesmal an die Bar unserer Kneipe (per Handschlag begrüßt von Oberkellner und Kellner) und guckten dem Fleisch beim Braten zu - das ist wirklich abartig, was da alles in der Spanne eines Fußballspiels an Fleisch verarbeitet wird.

Nach dem zweiten Spiel, leider gewann Frankreich, gingen wir wieder den kurzen Weg zu unserem Hotel, holten unser Gepäck aus der Aufbewahrung und liefen die wenigen Schritte zum Fährhäfen. Wieder mussten wir an der "Identifiquen-se"-Schranke vorbei, aber die Frage nach dem "Buquebus", unserer Fährgesellschaft, bejahten wir einfach und wurden durchgelassen. Interessantes Hafensicherheitskonzept ...

Wir waren wieder viel zu früh, konnten nach endlicher Zeit einchecken und nach kurzer Wartezeit auch offiziell aus Uruguay aus- und nach Argentinien einreisen. Das mit den gemeinsamen Grenzkontrollen läuft hier ziemlich entspannt ab. Bei der Ausreise aus Argentinien hatten wir Fingerabdrücke abgeben müssen, bei der Einreise nicht - das verstehe auch, wer will.

Ich versuchte, einen Livestream des Argentinien-Spiels zu organisieren, was mir - im Gegensatz zu einigen anderen - nicht gelang, als es schon ans Boarden ging. Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, aber auf dem Schiff ging wenige Minuten nach dem Auslaufen Ton und Bild an, sodass wir den 2:1-Sieg von Messi & Co. unter lauten Jubelschreiben der Argentinier mitverfolgen konnten.

Es ist spät geworden heute, unsere Fähre, auf der ich diese Zeile (vor-)schreibe, wird um 23.15 Uhr in Buenos Aires ankommen, vor 0.30 Uhr werden wir wohl nicht im Bettchen sein.

Montevideo hat uns beiden sehr, sehr gut gefallen, und ich denke (wie so häufig), ich werde nicht das letzte Mal in Uruguay gewesen sein. Wir sind aber beide schon sehr gespannt auf den vollen Tag in Buenos Aires morgen, auch wenn wir zwischendurch natürlich Fußball gucken werden. Wir werden eine Sportkneipe suchen (und hoffentlich finden) und sehen, dass wir den Argentiniern nicht zu arg auf den Senkel gehen ...

Gute Nacht. Hasta mañana.

Sonntag, 15. Juni 2014

Stimmung im Eimer

Joa, nach dem 1:3 von Uruguay gegen Costa Rica waren die Leute im Mercado del Puerto, dem Hafenmarkt, hier in Montevideo, der inzwischen eine Fressmeile ist, nicht mehr so gutgelaunt wie vor dem Spiel und nach dem 1:0 ihrer Helden ...

Meine Ma war schon um 1 Uhr wach und hatte schon angefangen, alle Sachen in unseren Koffern umzuräumen und noch einmal Kleidungsstücke durchzuwaschen, als der Wecker um 4.00 Uhr klingte. Ich kuschelte noch ein bisschen, aber stand dann doch auf.

Gegen 5.00 Uhr waren wir - pünktlich - fertig, auch wenn ich, nachdem ich in der Dusche weggerutscht war und beim Abfangen die Glaswand zwischen Badewanne und Rest des Badezimmers verschoben hatte, den Kulturbeutel meiner Ma unter Wasser setzte, weil die Glaswand gerade so schwang, dass sie den Wasserhahn am Bidet, in dem der Kulturbeutel stand, aufschob. Wenn man das Ganze hätte nachstellen wollen, hätte man sicher 100 Versuche benötigt. Zum Glück war aber alles halb so schlimm ...

Der Check-in ging fix und die Taxifahrt zum Fährterminal ebenfalls. Natürlich waren wir - zwei Stunden vor Abfahrt sollte man da sein, zwei Stunden vorher waren wir da - viel zu früh. Dass das Terminal schon geöffnet war, grenzte an ein Wunder. Die Argentinier guckten mich komisch an, weil ich im Gebäude meine Jacke auszog (war ja schließlich warm), während sie mit Mütze und Schal vor sich hin froren.

Wir checkten ein und bekamen praktischerweise schon vorausgefüllte Ausreisezettel. Für irgendwas muss es ja gut sein, wenn man das ganze Zeug schon bei der Buchung angeben muss. Ausreise aus Argentinien und Einreise nach Uruguay fanden gleichzeitig statt, sodass wir schon nach Uruguay eingereist waren, als wir noch in Buenos Aires auf das Boarding warteten.

Die Fähre war ziemlich leer heute, und als wir im Dunkeln losfuhren, schnarchten manche vor sich her. Der Sonnenaufgang über dem Meer war sehr beeindruckend zu sehen, und nach sehr kurzweiligen drei Stunden kamen wir sehr pünktlich im Hafen von Montevideo an. Wir liefen ein paar Schritte in Richtung Altstadt und kamen an unserem Boutique-Hotel an, in dem wir sogar schon einchecken konnte. Unser Rezeptionist war sehr freundlich und erläuterte uns gleich den Weg ins Stadtzentrum.

Den vorgeschlagenen Weg nahmen wir auch und liefen an der Kathedrale und dem Verfassungsplatz vorbei zur Plaza de la Independencia, dem Unabhängigkeitsplatz.

Auch Montevideo gefällt uns sehr gut. Auch hier gibt es etliche alte Kolonialbauten, und dieses Gebäude im Art-Deco-Stil, das man vom Unabhängigkeitsplatz aus sieht, ist auch sehr interessant. Nach diesem ersten Stadtbummel liefen wir wieder zurück in Richtung Hotel und, vor allem, Mercado del Puerto, weil wir - nach einem nicht gar so üppigen Frühstück heute Morgen - doch ein wenig Hunger hatten.

Wir suchten uns ein Kneipchen und setzten uns dann in den ersten Stock in diesem Marktgebäude, dessen Konstruktion ein wenig an den Eiffelturm erinnert und sogar einen Glockenturm vorweisen kann. Dort schauten wir das Spiel Kolumbien - Griechenland mit leckeren Vorspeisen (gebackene Fischlein für meine Ma, Blutwurst und Bratwurst für mich), während danach die riesigen Steaks auf uns warteten. Wieder einmal seeeeeehr lecker. Zu Beginn des Spiels Uruguay - Costa Rica aßen wir dann noch einen Nachtisch, ehe wir uns dem Spiel und dem Beobachten unseres sehr nervösen Kellners zuwandten.

Als Uruguay das 1:0 schoss, war die Stimmung noch sehr gut, sie kippte nur während des Spiels und war vollends im Eimer, als die Partie schließlich 1:3 zu Uruguays Ungunsten endete. Arme Urus ...

Unsere zwei Ober verabschiedeten uns dennoch mit Handschlag, und wir fanden den Weg in unser direkt gegenüber gelegenenes Hotel recht gut.

Wieder einmal, auch in meinem 92. Land, sind wir früh im Bettchen. Ob ich es schaffe, England - Italien zu Ende zu gucken, bezweifle ich ein wenig, weil ich echt kaputt bin. Gute Nacht!