Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Freitag, 31. Mai 2013

Georgia on my mind

Die letzten Stunden der Reise sind angebrochen ...

Die Fahrt zurück nach Eriwan gestern Morgen war problemlos. Ich hatte ja überlegt, ob ich noch einen Abstecher in ein weiteres Kloster mache, allerdings war die Straße laut Google Maps nicht mal so richtig befestigt, und das wollte ich meinem Auto nicht mehr antun.

Wie immer kam mir die Rückstrecke viel kürzer vor als der Hinweg, das mag aber auch daran gelegen haben, dass ich dort, wo ich aufgrund der guten Straßenverhältnisse konnte, auch ganz schön Stoff gegeben habe. Und inzwischen hatte ich mich auch an die etwas wilderei Überholerei in Armenien gewöhnt, kein Wunder, wenn ständig extralangsame iranische Lkws vor einem über die Landstraße tuckern ...

In den Außenbezirken von Eriwan tankte ich noch, und ich glaube, ich wurde da richtig betrogen. Das war jetzt keine Doofensteuer, sondern wirklich kriminelle Energie, jedenfalls zahlte ich für den halben Tank bei geringerem Literpreis fast soviel wie für den vollen Tank bei höherem Literpreis in Bergkarabach. Und der Typ hatte vor dem Beginn des Tankens noch an der Anlage herumgefummelt. Da ich das ja aber nicht so wirklich beweisen konnte, musste ich die ganze Aktion so hinnehmen. Ärgerlich, jedenfalls tanke ich bei CPS nicht mehr in Armenien, auch wenn es hier wieder nur um ein paar Euro ging.

Die Autoabgabe funktionierte ebenfalls ohne Probleme, auch wenn ich die Damen und Herren bei Hertz ein wenig überraschte, dass ich das Auto fast einen ganzen Tag früher abgeben wollte als vereinbart.

Danach machte ich mich auf in Richtung Platz der Republik, trank und aß ein bisschen und vertrödelte im Allgemeinen meine Zeit, bis ich mich gegen 20.45 Uhr zum Zug aufmachte.

Der Zug stand schon da und ich konnte auch schon rein, nachdem mich die Schaffnerin kontrolliert hatte. Nur war es im Zug saumäßig heiß, sodass ich wieder nach draußen ging und dort auf die Abfahrt wartete.

Am Ende hatte ich meine Zweierkabine für mich alleine. Vor der Abfahrt befreite ich noch ein deutsch-österreichisches Pärchen aus ihrem Abteil, aus dem sie aufgrund einer Fehlfunktion des Öffnungsmechanismus nicht mehr rauskamen, dann ging es los.

Ein großes Lob an die armenische Bahn: Während der ganzen Strecke in Armenien hatte ich im Zug kostenfreies WLAN von der Bahn, und das sogar mit einer ganz passablen Geschwindigkeit. Es ist schon komisch, dass die Armenier das gebacken kriegen und wir in Deutschland nicht. Das Ganze ist auch deswegen so anachronistisch, weil der Zug an sich noch gut und gerne aus dem VEB Eisenbahnbau Görlitz hätte stammen können ...

Die Ausreise aus Armenien und die Einreise nach Georgien waren ohne wirkliche Probleme, zumal wir zum Glück nicht mal aussteigen mussten, weil die Grenzer in den Zug kamen. Nur die georgischen Zöllner erschienen mir ein wenig übereifrig ...

In Tiflis wechselte ich erstmal Geld, kaufte mir eine U-Bahn-Chipkarte (die ich nach der ersten Fahrt gleich verlor ...) und fuhr zu meiner Unterkunft. Hier konnte ich noch nicht einchecken, sodass ich mich erstmal wieder in die Stadt machte.

Tiflis: wow. Die Stadt hat sich in den vier Jahren, seit ich das erste Mal hier war im Sommer 2009, schon wieder sehr verändert, und zwar noch mehr zum Positiven. Natürlich sieht man noch öfter ein mehr oder weniger einsturzgefährdetes Haus, aber die Anzahl der Häuser mit wunderbar restaurierten Fassaden ist unglaublich. Nach einem kurzen Spaziergang über den Fluss und die Rustaveli runter kam ich in die Altstadt. Im Sommer 2009 war die irgendwie halbtot, so ist zumindest heute meine Erinnerung, inzwischen ist das richtig schick. Eine Kneipe an der anderen, jede Menge los, sehr, sehr schön ...

Ich suchte nach einer Kneipe, in der ich endlich Chinkali kriege, und erst im dritten Anlauf hatte ich Glück, dass tatsächlich Chinkali auf der Karte standen (andere georgische Gerichte gab es etliche, aber eben keine Chinkali). Zuvor hatte ich in einer Kneipe in der Kneipenmeile und in einer Gaststätte an der Kura jeweils ein Bierchen getrunken. Auf dem Heimweg lief mir dann endlich eine Kellerkneipe über den Weg: Die Gelegenheit ergriff ich und bestellte gleich mal zehn Chinkali. Seeeehr lecker. Die ersten drei oder vier brauchte ich zum Üben, da lief mir die Suppe ganz schön aus den Teigtaschen auf den Teller, danach hatte ich das saugende Schlürfen gelernt und konnte die Dinger ganz gut vertilgen. Doch, werden wieder gegessen ...

Danach ging ich, so gegen 15.30 Uhr Ortszeit, ähem, ins Bett. Ich habe jetzt meinen Schlafrhythmus etwas angepasst, sodass ich heute Nacht fit bin und morgen zuhause noch ein bisschen schlafe. Es ist jetzt gleich 23 Uhr hier, ich glaube, ich penne noch einmal zwei Stunden, und dann kommt auch schon um 2 Uhr mein Taxi zum Flughafen ...

Wie immer: So langsam freue ich mich auf Zuhause.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Good morning, Nagorno-Karabakh!

Ja, doch, es war schoen hier, muss ich sagen ...

Gestern war ich in Gandzasar, etwa eine Autostunde von Stepanakert entfernt: Dort steht ein Kloster mit einer Kathedrale, die von Reisefuehrern als Hauptsehenswuedigkeit Bergkarabachs angepriesen werden - und zwar durchaus zurecht.

Die Anfahrt durch eine wieder einmal atemberaubende Landschaft und dann den Berg hoch ueber eine diesmal passable Strasse war schon sehr schick, aber der Ausblick von oben auf Landschaft und Kloster war noch besser. Die Kirche ist sehr ansehnlich, wenn auch hier wieder gilt, dass sie von aussen noch ansehnlicher ist als innen, da die Kirchen hier, ich bin endgueltig ueberzeugt, nicht so ueppig geschmueckt sind wie in anderen orthodoxen Glaubensgemeinschaften.

Es hatte schon unterwegs ein bisschen geregnet, aber jetzt fing es an zu gewittern, sodass ich nach einem kurzen Rundgang ueber den Klosterfriedhof (hier werden Fotos der Verstorbenen auf den Grabsteinen verewigt) wieder ins Auto stieg und abfuhr. Keine Sekunde zu frueh, denn die Welt schien unterzugehen ... Wie gesagt, an der Drainage muessen sie noch ein bisschen arbeiten, denn mehrfach waren die Pfuetzen auf den Strassen mehrere Meter lang ...

Ich fuhr durch Stepanakert und an Tatik Papik vorbei (siehe gestern). Die beiden Figuren sind ja schon suess, vor allem, wenn man weiss, wieviele Aufstaende darum schon gemacht worden sind ... Auf dem Hinweg hatte ich sie fast uebersehen ...

Nach zehn Minuten war ich in Schuschi und schaute mir die neuaufgebaute Kirche an: Von aussen sehr ansehnlich, innen sehr ansehnlich ... Von Schuschi (Berg) aus wurde im Bergkarabach-Krieg Stepanakert (Tal) von den Aserbaidschanern beschossen, an den anschliessenden Sieg der Armenier erinnert ein Denkmal in Panzerform am Rand der Strasse zwischen Stepanakert und Schuschi.

Aufgrund des unschoenen Wetters, und weil ich heute noch ein paar Kilometer zu fahren habe, entschied ich mich dann, in Stepanakert zu bleiben. Ich setzte mich zuerst in eine Pizzeria (Sauwetter) und ging dann im Nieselregen ein paar Meter runter zu einem allseits empfohlenen Lokal namens Ureni. Dort ass ich erst ein typisch armenisches Gericht namens Chingahl (oder so aehnlich, das ist Joghurt mit Hackfleisch und Knoedelstreifen), was sehr lecker war, und spaeter, um den Alkoholgehalt der Flasche Wein auszugleichen, noch einen Kebab armenischer Art - auch sehr schmackhaft. Ein Drittel der Flasche Wein liess ich stehen (es gibt in dem Lokal nur Flaschenwein), aber fuer 2,60 Euro fuer die Flasche ist das ja auch zu ertragen ...

Ich war schon wieder im Zimmer, als mein Telefon ging: Die Rezeption war dran, ein Nachbar habe sich ueber mein dauerroehrendes Auto beschwert ... Gemeinsam versuchten wir, dem Teufelsding den Hals abzudrehen, es gelang aber nicht. Naja, heute Abend bin ich es los.

Nun geht es zurueck nach Eriwan, dort kann ich bis 19 Uhr mein Auto abgeben. Danach vertroedele ich noch ein bisschen in Eriwan am Platz der Republik oder in der Naehe, ehe um 22 Uhr mein Zug nach Tiflis geht. Morgen bin ich dann gegen 8 Uhr wieder in der georgischen Hauptstadt und habe dort den ganzen Tag, um mich noch einmal umzugucken. Was sehen, was sich in den vier Jahren seit meinem ersten Besuch getan hat.

In 48 Stunden bin ich dann fast schon wieder daheim ..

Mittwoch, 29. Mai 2013

Fast schon im Iran

So, da ich hier im Hotel kein WLAN habe, sondern nur ein Computer herumsteht, an dem ich schreiben kann, berichte ich heute mit einer Nacht Verzoegerung ...

Nach guten Fruehstueck gestern (sogar mit Spiegelei) und der Uebergabe von drei Flaschen Kirschwasser an die Hotel-Damen ging es mit einmaligem kurzen Verfahren in Richtung Suedosten.

Unterwegs fing es zum Teil bestialisch an zu regnen, was fuer die Strasse nicht immer optimal war (da es doch das eine oder andere Schlagloch zu bestaunen gab und die Drainage der armenischen Strassen verbesserungsfaehig ist), aber als ich in Richtung Tatew und Grenze zu Bergkarabach kam, wurde das Wetter besser.

Ich entschied mich, da ich doch einigermassen fix vorangekommen war, noch das Kloster in Tatew zu besuchen. Die Entscheidung, es zu besuchen, war sehr gut, die Auswahl meiner Anreise war aber ausgesprochen schlecht: Ich hatte die Wahl zwischen Autofahrt und Seilbahntour, und natuerlich entschied ich mich fuer die Autofahrt. Bergab ging das alles ja noch auf einer asphaltierten Strasse, auf der nur gelegentlich ein paar Steinbrocken lagen. Bergauf allerdings gab es nur Steinbrocken auf einer zum Glueck halbwegs glattgefahrenen Piste.

Das haette ich mit der Seilbahn leichter haben koennen ... Da haben die Armenier da unten eine tolle Sehenswuerdigkeit sowieso schon versteckt, und dann kommt man mit dem Auto nur ueber eine Rumpelpiste hin ...

Naja, Tatew ist auch ein sehr schoenes Kloster, zumal es sehr dekorativ im Gebirge liegt (fantastische Ausblicke!) und ein schoener Hof drumherum ist. Doch, sehr ansehnlich.

Es ging weiter in Richtung Grenze und ich wurde so langsam kribbelig. Ploetzlich stand ein Schild "Welcome to Mountainous Karabakh" vor mir, aber danach musste ich noch zehn Minuten fahren, ehe ich zur Grenzuebergangsstelle kam.

Die Armenier kontrollieren gar nicht, und dem Bergkarabacher Grenzer hielt ich meine Google-Translate-Uebersetzung (Botschaft war zu, ich hole Visum in Stepanakert) auf dem Handy unter die Nase. "Da, da", sagte er, ging in sein Kabuff, trug mich und mein Auto in ein Buechlein ein, gab mir die Adresse vom Aussenministerium hier in Stepanakert, und, bumms, war ich in mein 82. Land eingereist.

Von wegen Probleme und Ueberredungskuenste und "low-level bribery", wie der Online-Reisefuehrer gesagt hatte. Alles ganz entspannt. So mag ich das.

Ich fuhr in Richtung Stepanakert, nahm versehentlich die Strasse durch Schuschi (anstatt die Umgehungsstrasse) und sah dort schonmal die neue Kirche und viele Kriegsschaeden.

In Stepanakert fand ich nach kurzer Suche das Aussenministerium, ging rein, liess mir mein Visum in den Pass geben und drueckte sechs Euro Visumgebuehr ab. Den Aufstand koennten sie sich zwar sparen, aber jetzt habe ich ein schoenes neues Visum im Pass und darf mit selbigem nicht mehr nach Aserbaidschan. Wenn ich eins verschmerzen kann, dann, dass ich nicht mehr so fix nach Aserbaidschan darf ...

Mein Hotel fand ich auch relativ schnell, der Check-in war problemlos, mein Zimmer ist sehr schoen mit grandioser Aussicht auf die Berge (ich glaube, ich bin wieder der einzige Gast hier, beim Fruehstueck heute Morgen war jedenfalls nur mein Tisch gedeckt ...).

Ich ging ein bisschen in der Stadt spazieren, wurde von der Einfahrt zum Praesidentenpalast verjagt, trank in einer schoenen Strassenkneipe mit sehr unfreundlichem Kellner (der grinste nicht mal ueber mein "Schno-ra-ka-lu-tjun", unglaublich!) und ass dann als einziger Gast im Restaurant des besten Hotels der Stadt mein Abendessen, das aus einer armenischen Suppe und Dolma, naemlich Hackfleisch in Weinblaettern, bestand. Dazu trank ich ein paar armenische Biere und am Ende einen armenischen Brandy/Cognac, auch sehr lecker. Ich hatte erst ob der gehobenen Ausstattung des Restaurants wieder Reissaus genommen, aber am Ende zahlte ich inclusive teurem Brandy elf Euro ...

Ich wackelte an Praesidentenpalast, Regierungsgebaeude und Parlament vorbei in mein Hotel und fiel in den Schlaf ...

Heute geht es nach Gandzasar und danach nach Schuschi, aber erst will ich mir diese Statue ansehen, um die schon so viel Wirbel beim Eurovision Song Contest gemacht wurde ...

Fotos gibt es irgendwann mal ...

Montag, 27. Mai 2013

Էջմիածին

Genau da, nämlich in Etschmiadsin, war ich heute.

Aber erstmal von Anfang an: Nach dem Frühstück, heute sogar mit etwas Wurst, fuhr ich relativ problemlos zur Vertretung von Bergkarabach. Ich parkte am Straßenrand direkt davor und klingelte. Heraus kam der Pförtner, der mir mit Handzeichen zu verstehen gab, dass es erst um 10 Uhr losginge (obwohl online überall "9 Uhr" stand). Es war kurz nach neun, und ich wollte nicht so lange warten.

Also machte ich mich auf den Weg zum Völkermord-Mahnmal, das ich nach einmaligem Verfahren auch fand. Das Museum war heute geschlossen und wird sowieso umgebaut, sodass ich fast mutterseelenallein das Mahnmal für mich hatte. Naja, wie Mahnmale halt so sind: Auch das hier ist schlicht und ein bisschen bedrückend. Die Aussicht von dort oben auf Eriwan ist allerdings durchaus schön ...

Inzwischen war es 10 Uhr geworden und ich machte mich auf den Rückweg zur Vertretung von Bergkarabach. Wieder klingelte ich, wieder kam der Pförtner heraus. Was er mir eben für mich nicht verständlich gesagt hatte, war, dass ich erst übermorgen um 10 Uhr wiederkommen solle. Ich versuchte ihm zu erläutern, dass ich schon morgen fahren wolle, und dann fiel mir noch mein achtes russisches Wort ein: Grenze, graniza. Ich fragte also "visa graniza"? Er antwortete erfreut (weil ich ihn endlich verstanden hatte) mit "da". Naja, mal gucken, was das morgen an der Grenze so wird. Erfreulich ist, dass in den einschlägigen Reiseberichten in der Regel von einer problemlosen Visumbeschaffung an der Grenze erzählt wird. Hoffentlich stimmt das (noch).

Nun, was machen mit dem angefangenen Tag: Ich fuhr nach Etschmiadsin, wo ich ohnehin hinwollte. Ich fuhr dorthin, fuhr in die Stadt rein und erblickte rechts ein mittelgroßes Kirchlein, vor dem ein paar Autos am Straßenrand standen. Ich ging hinein und freute mich, die Kathedrale von Etschmiadsin gefunden zu haben. Ich guckte mich ein wenig um, wieder war Gottesdienst, und las nochmal den Wikipedia-Artikel. In dem Artikel ist auch ein Bild. Beim dritten Hinsehen fiel mir auf, dass da oben zwei Rotunden fehlten, dass das also gar nicht die Kathedrale war, in die ich wollte ... Hirsch, ich. Nun denn, ich hüpfte wieder ins Auto und machte eine größere Stadtrundfahrt in Etschmiadsin, fuhr durch die Hauptverkehrsstraße, an einem Park vorbei, durch Wohngebiete, über die Umgehungsstraße und wieder zurück, immer auf der Suche nach der Kathedrale. Plötzlich, nach einem Im-Seich-Herumgefahre, lag eine Kirche vor mir. Ich hin, angehalten. Pustekuchen, war die von eben, nur diesmal von hinten. Doppelhirsch.

Im Wikipedia-Artikel ist auch eine Karte (ist immer doof, wenn man sich Artikel runterlädt, aber die Bilder nicht mitheruntergeladen werden), und dort entzifferte ich schließlich, als ich schon fast frustriert wieder die Rückfahrt nach Eriwan antreten wollte, dass die Kathedrale in dem Park liegen muss, an dem ich nun schon dreimal vorbeigefahren war ...

Wieder hielt ich am Straßenrand an (überhaupt ist die Parkplatzsuche hier erfreulich einfach: einfach anhalten ...) und betrat den Park. Ein paar Schritte im Schatten waren hinter mich zu bringen, dann stand ich wieder in der Sonne, und kurz darauf sah ich dann die Kathedrale. Sehr schick, auch wenn gerade die Türme renoviert werden ...

Das Innere (ausnahmsweise war kein Gottesdienst) war diesmal wenigstens ein bisschen mit Heiligengemälden geschmückt. Als ich sah, dass alle Armenier trotz Verbots in der Kirche fotografierten, holte ich auch mein Handy raus und machte ein paar Bilder.

Gegen Mittag machte ich mich nach Eriwan auf, stellte fest, dass ich mich sogar schon ein bisschen auskenne, parkte am Straßenrand (als ich dann später heimkam, sollte ich den Wagen noch umstellen, weil das sicherer sei in der Seitenstraße ...) und machte mich auf den Weg zur Metrostation am Bahnhof.

Von diesem Bahnhof fahre ich in drei Tagen abends zurück nach Tiflis, und wenn man der elektronischen Anzeigentafel Glauben schenken darf, ist dieser Zug alle zwei Tage die einzige Verbindung, die von diesem Bahnhof abfährt. Sachen gibt's ...

In der Metrostation ließ ich zwei Züge fahren, weil es hier praktischerweise in den Stationen kostenfreies WLAN gibt, und suchte mir ein Esslokal aus. Die angebliche beste Grillzeugs-Station in Eriwan entpuppte sich als kleines Lokal, in dem man sitzen kann, aber sein Essen entweder beim Kassierer oder (für Ausländer praktisch) am Automaten aussucht, dort auch zahlt und schließlich sein Zeug beim Grillmeister abholt.

Mir wurde geholfen, sowohl beim Getränk (Tan, was nichts anderes als Ayran ist) und auch beim Essen, und am Ende bekam ich zwei dicke Teigtaschen mit Fleisch drin (hatte gleich zwei Sachen bestellt, ich Vielfraß). Das Hähnchen-Lahmacun schmeckte ganz okay, mit dem anderen, dem mit Herz (war ein bisschen mutig heute), bin ich nicht so warm geworden. Ich ließ zwei Drittel davon liegen und hatte für den Rest des Tages genug. Das Fleisch war bestimmt nicht schlecht, aber es schmeckte mir einfach nicht.

Ich spazierte noch ein bisschen durch die Innenstadt von Eriwan, an der Oper vorbei auf die Einkaufsmeile, runter in Richtung Platz der Republik, als mir eine gemütliche Kneipe ins Auge sprang. Hier trank ich erstmal ein Glas armenischen Weißwein (durchaus trinkbar), dann eine Cola zum Durstlöschen und anschließend ein Bier (Ararat, auch trinkbar).

Den Abschluss bildete ein kurzes Verschnaufen am Platz der Republik, ehe die dunklen Regenwolken für mich ein guter Anlass waren, die beschwerliche Reise zurück ins Hotel anzutreten. Ein paar Minuten nach meiner Ankunft im Hotel ging ein hübsches Gewitter runter.

Mein Autochen ist ganz in Ordnung, nur hat es eine seeeeeeeehr empfindliche Alarmanlage, die grob geschätzt einmal pro Stunde am Straßenrand anfängt, wie wild zu hupen. Naja, ich gebe es ja in drei Tagen wieder ab ...

Heute gehe ich früh ins Bett, weil ich früh raus will (Frühstück ist für 8 Uhr bestellt), sodass ich gegen 9 Uhr vielleicht schon auf der Piste Richtung Bergkarabach bin. Im Moment plane ich noch einen Abstecher zum Kloster in Tatew, das sehr, sehr schön liegt, aber ich muss mal sehen, wie schnell ich wie weit komme. Ich möchte mein Hotel in Stepanakert ungern im Dunkeln suchen ...

Gestern habe ich mich bei meiner Aussage, ich hätte das Verbindungskabel zwischen Handy und Laptop vergessen, selbst ausgetrickst. Das Verbindungskabel ist im Aufladekabel integriert (echte Teilmenge, für die Mathematiker), sodass ich in der Tat ein paar Bilder hier hochladen könnte (wenn denn der Server mitmachen würde, vielleicht morgen oder so ...). Bei Facebook sind noch ein paar mehr ...

Sonntag, 26. Mai 2013

Schno-ra-ka-lu-tjun

Das heißt auf Armenisch nicht etwa "Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen", sondern einfach nur "danke". Die spinnen, die Armenier.

Naja, zumindest was ihre Sprache angeht. Ansonsten ist hier (fast) alles gut.

Ich habe die vergangene Nacht in der Tat wie ein Stein geschlafen, nur ging mein Wecker viel zu früh um 8 Uhr runter. Ich hatte mein Frühstück für 9 Uhr beantragt, damit ich um 10 Uhr beim Autovermieter sein kann. Ich habe den Eindruck, ich bin der einzige Gast im Hotel, denn es war nur ein Frühstückstisch gedeckt. Verstehe ich zwar nicht ganz, weil das wirklich ein schönes Hotel ist und, wie ich finde, auch ganz gut gelegen, aber naja, es muss sich wahrscheinlich erst noch herumsprechen.

Ich fuhr nach einem leckeren Frühstück mit einem (dünnen) Orangensaft, Tee, Ei, Marmelade und süßem Gepäck wieder mit der Metro in die Stadt und suchte Hertz. Europcar sprang mir gleich ins Auge, aber Hertz entdeckte ich nicht. Erst nach längerem Herumirren merkte ich, dass die Lage der Hausnummern 6 und 8 mit der Lage der Hausnummer 7 so überhaupt nichts zu tun hat, und lief ein paar Meter die Straße hoch. Heureka: Hertz in Sicht!

Die Autoanmietung ging ziemlich problemlos, auch wenn das "Landratsamt Waldshut" als ausstellende Behörde meines Führerscheins dem armen Mann beim Eintragen ins Formular ganz schön Mühe machte. Am Ende hatte ich einen schönen Renault an der Backe. Man merkt erst, wie schön eine Servolenkung ist, wenn man sie auf einmal nicht mehr hat ... Aber das ist das einzige Problem an dem Teil, und selbst das ist kein echtes.

Ich wurde auf den ersten Metern fast in einen Unfall verwickelt, weil so ein Held bei gerade gelb gewordener Ampel erst über die Linie fuhr, aber dann plötzlich eine Vollbremsung hinlegte. Da wäre ich bald hintenreingerauscht. Danach setzte der Kollege noch zurück, damit er wieder hinter der Linie stand, der Hirsch (um mal meinen Chef zu zitieren).

Die restliche Fahrt nach Garni verlief problemlos, abgesehen von gelegentlichen Zwischenhalten zum Bestaunen der Landschaft: Das ist wirklich schön hier. Die Landschaftsbilder sind sehr abwechslungsreich, im Vordergrund viel Grün, im Hintergrund die schneebedeckten Berge, zwischendurch eine kleine Schlucht, doch, Armenien gefällt mir im Großen und Ganzen ziemlich gut.

Ich besuchte den Tempel von Garni, einen alten griechischen Tempel, der deswegen besonders auffällig ist, weil er aus Basalt gebaut ist. Von weitem sieht das wie Beton aus, sehr interessant. Eingebettet ist das ganze Ensemble in eine atemberaubende Landschaft. Wow.

Danach fuhr ich ein paar Kilometer weiter, zum Kloster in Geghard. Auch das ist sehr beeindruckend von außen und auch von innen, weil einige Räume in den Fels gehauen sind. Das Innere dieses Klosters ist allerdings recht schlicht gehalten, was ich so von einer orthodoxen Kirche nicht erwartet hätte. Daher war ich hier ein wenig überrascht. Als ich kam, lief der Gottesdienst gerade, sodass ich erst kurz vor dem Aufbruch auch ins Innere der Kirche konnte/wollte/durfte/wie auch immer. Kleines Kirchlein, alles in allem sicher nicht zu Unrecht Weltkulturerbe.

Auch hier bekam der Parkplatzausweiser ein kleines Trinkgeld, und los ging's auf die nächste Etappe. Leider machte ich hier den Fehler, eine Sekundärstraße zu nehmen. Dieselbe wurde immer schlechter, bis auf einmal die Schlaglöcher in der Straße durch Straße zwischen den Schlaglöchern ersetzt wurden. Am Ende war die Straße ganz weg und ein einziges kilometerlanges Schlagloch tat sich vor mich auf ... Ich habe meinen armen Renault ganz schön gequält, aber am Ende kam ich auf eine andere Sekundärstraße, die wiederum einwandfrei war. Komische Straßenplanung hier ...

Ich verfuhr mich, musste auf die Autobahn in die falsche Richtung auffahren (also schon in die richtige Fahrtrichtung, aber nicht in die Richtung, in die ich wollte!) und danach ewig auf eine Wendemöglichkeit warten (als dann die erste kam, hatte ich sie übersehen ...). Auf der hiesigen Autobahn gibt es aber ausdrücklich Wendepunkte, sodass ich nach endlicher Zeit in Richtung Chor Wirap ("Khor Virap" im Englischen) unterwegs war.

Auch dieses Klösterchen auf einem Hügel mit Ausblick auf den Berg Ararat war ganz ansehnlich, auch hier gab es allerdings keine Innenbemalung der Kirchen. Ich weiß nicht, ob das in der armenisch-orthodoxen Kirche an sich oder zumindest in ihren Klöstern so üblich ist; vielleicht werde ich es noch herausfinden ...

Schließlich machte ich mich auf den Heimweg, verfuhr mich dank Google Maps diesmal gar nicht (auch wenn ich ein paar Mal anhielt, um zu bestätigen, dass ich richtig gefahren war) und parkte bald mein Auto direkt vor dem Hotel.

Ich ging zum Bahnhof, und als ich meine Fahrkarte für den Zug am 30. Mai von Eriwan (ja, ich schreibe jetzt wieder "Eriwan") kaufen wollte, merkte ich, dass ich meinen Pass vergessen hatte, den ich zum Buchen der Fahrkarte brauchte (wahrscheinlich hätte am Ende auch die Passnummer gereicht, die ich inzwischen auswendig weiß, aber sei's drum). Zum Glück ist mein Hotel nicht weit weg, also zurückmarschmarsch, Rezeptionsdame vom Fernsehen abgehalten, ins Zimmer, Pass geholt, Fahrkarte gebucht im Super-Duper-Monster-Luxus-Abteil für 35 €. Mal gucken, was das wird.

Anschließend fuhr ich mit der U-Bahn wieder in die Stadt, erkundete unfreiwillig noch ein paar Straßen, bis ich mein Restaurant "Kaukasus" fand. Die Inneneinrichtung war ganz schön, nur der Service hat sich in diesem Teil seit Sowjetzeiten nicht verbessert ... Das Essen zu einem Spottpreis war durchaus essbar, und als ich "Haschiwe, chendruhm ehm" sagte ("die Rechnung, bitte"), musste sogar meine Bedienung schmunzeln.

Ich lief einen kurzen (beabsichtigten!) Umweg zum Platz der Republik, der durchaus ansehnlich ist und abends von vielen Menschen bevölkert wird, und fuhr dann mit der U-Bahn wieder zurück. Jetzt sitze ich auf dem Bett, es geht gleich in selbiges.

Zur Bierkunde: Das Kilikia und auch das Gjumri sind durchaus trinkbar, wenn auch das Gjumri ein bisschen würziger ist. Aber beide sind nicht ganz okay. Ohnehin kann man bei 1,15 € für ein großes Bier nicht wirklich was falsch machen ...

Die Armenier fahren gar nicht soooo bekloppt wie befürchtet, das hält sich alles im Rahmen. Von daher alles gut.

Morgen geht es zeitig erstmal zur Botschaft/Mission/whatever von Bergkarabach, damit ich mein Visum in den Pass geklebt kriege (hoffentlich machen die das nicht so wie die Israelis, dass sie ungefragt auf einen Zettel kleben!). Mal gucken, was ich abdrücken muss, damit ich übermorgen schließlich mein 82. Land besuchen kann.

Ich werde weiterhin berichten. Achso, Fotos gibt's erstmal (hier) nicht. Erstens, weil ist nicht, aber zweitens vor allem, weil ich Hirsch (ja, das gefällt mir ...) mal wieder das Verbindungskabel vom Handy zum Laptop vergessen habe.

Samstag, 25. Mai 2013

Gutes Spiel ...

... leider haben die eindeutig Falschen gewonnen.

Aber von Anfang an: Der Flug nach Prag war ein bisschen rüttelig, aber sonst ganz okay. Das Bier in Prag war teuer, aber lecker, nur dass ich nochmal durch die Sicherheitskontrolle musste, ärgerte mich ein wenig.

Im Flieger von Prag nach Tiflis wäre ich fast zusammengeklappt, so einen Beinahe-Kreislaufkollaps hatte ich wirklich noch nie. Ich war nicht sicher, ob ich gleich ohnmächtig werde oder lieber die Spucktüte zur Hand nehme, am Ende konnte ich aber durch mehrfaches Durchatmen und recht verzweifeltes Zusammenreißen das Schlimmste verhindern. Sehr komische Erfahrung ...

So, liebe Jordanier, in puncto Einreisemodalitäten könnt ihr euch an den Georgiern aber sowas von ein Beispiel nehmen: Kein Zwangsumtausch fürs Visum, denn kein Visumzwang, sehr viele besetzte Einreiseschalter auch nachts um vier, korrekte-höfliche Abfertigung, so macht man Touristen eine Freude. Großes Lob an Georgien, mal wieder.

Mein Gepäck kam auch gleich, vom Zoll behelligte mich niemand, und schon war ich in Georgien. Ich setzte mich am Flughafen noch ein bisschen hin und steuerte dann gegen 6 Uhr ein Taxi an.

Ich war ja davon ausgegangen, dass ich mit Englisch halbwegs gut mit dem Taxifahrer kommunizieren kann, aber bei dem, den ich dann erwischte, kam ich mit Spanisch (ja, Spanisch!) deutlich weiter. Der Typ hatte offenbar ein paar Jahre im Süden der USA gelebt und war dort mehr mit Spanisch als mit Englisch in Berührung gekommen. Sachen gibt's ...

Am Ende brachte er mich wie gewünscht zum Marschrutka-Stand nach Jerewan (im Moment schreibe ich "Jerewan", auch wenn ich vorher und die deutsche Botschaft hier bei "Eriwan" blieb bzw. bleibt) ...

Mein Taxifahrer vermittelte mich an den Fahrer und sackte dafür eine Provision ein, naja, Doofensteuer mal wieder, aber so lange es um ein paar Euro geht, ist das ja zu ertragen.

Um 6.30 Uhr standen dann die Marschrutka, ihr Fahrer und ich am Stand, aber es dauerte nochmal zwei Stunden (in denen ich zum Kaffeetrinken gezwungen wurde und meine Kenntnisse des georgischen Alphabets ein wenig ausbaute), bis wir schließlich losfuhren.

Die Strecke in Georgien, also die erste Stunde der Fahrt, war ganz okay, auch wenn im Tiflisser Umland ein wenig Rüttelpiste angesagt war. Der Grenzübertritt war völlig problemlos (ab hier auch großes Lob an die Armenier), der Zöllner wollte nicht einmal pro forma irgendetwas über meinen Koffer wissen ...

Die 195 km von der Grenze nach Eriwan, äh, Jerewan, zogen sich ein wenig. Als ich meinte, wir wären schon fast da, standen da auf einmal noch 120 Kilometer (nach zwei Stunden Fahrt in Armenien). Diese 120 Kilometer gingen dann allerdings zügig, ich kam ins Gespräch mit einem jungen armenischen Pärchen, das gerade aus Dubai zurückgekehrt war, und bestaunte ansonsten die fantastische Landschaft.

Nach meiner Ankunft in Eriwan (33°C und strahlender Sonnenschein) suchte ich erstmal einen Geldautomaten, an dem ich mich dann mit meiner Kreditkarte bedienen konnte. Mein Taxifahrer, den ich dann anheuerte, haute mich allenfalls gemäßigt übers Ohr (es geht dabei so um 80 Cent, maximal), und bald war ich am Hotel.

Das Hotel ist für armenische Verhältnisse sicher nicht ganz billig, für mitteleuropäische aber durchaus angemessen und bietet einen ziemlich guten Komfort. Ich bin - bis auf die nicht funktionierende Klimaanlage ... - hochzufrieden.

Nach einer ausgiebigen Dusche machte ich mich auf den Weg zur Metro um die Ecke, fuhr zwei Stationen in die Innenstadt und aß in der Nähe der deutschen Botschaft verspätet zu Mittag. Die Manti sind nicht ganz so mein Fall, da wird wohl Leber verarbeitet, wovon ich ja kein Riesenfan bin. Aber probieren sollte man das Ganze wohl mal.

Überall in den Restaurants und im Hotel sowieso klappt das mit dem WLAN einwandfrei, sodass ich mir noch zwei schöne Sportskneipen raussuchte. Die erste Bar in der Innenstadt fand ich trotz Suche um die Oper herum nicht, die andere war sehr leer, aber ich harrte dann vier Stunden bis Spielbeginn dort aus. Die zeigten irgendwelche Konzertaufzeichnungen, das war gar nicht schlecht.

Jerewan an sich ist insgesamt auch nicht hässlich, wenn auch durchaus ziemlich sowjetisch geprägt.

Über das Champions-League-Finale breiten wir den Mantel des Schweigens. Bei der Heimfahrt konnte ich meine gesamten Russisch-Kenntnisse ("da", "njet", "spasiva", "paschalsta", "dobro", "Germania" und "stoj") anwenden, auch hier war der Fahrer schnell zu einem halbwegs vernünftigen Preis zu bringen gewesen ...

Jetzt liege ich schon fast im Bett. Ich werde hoffentlich schlafen wie ein Stein. Morgen hole ich mein Auto ab.

Ich habe jetzt in der Schnellerzählung bestimmt die eine oder andere Anekdote vergessen, die wird dann nachgeliefert.

Gute Nacht!

Freitag, 24. Mai 2013

Gürtel vergessen

Eben kam ich mir vor wie in dieser Frittenbuden-Werbung, in der der Typ alle Möglichkeiten, die einem die Welt des goldenen Adlers so gibt, abdecken will und am Ende das Offensichtliche vergisst. In meinem Fall war das Offensichtliche der Gürtel, weshalb ich mich mal wieder einer Leibesvisitation unterziehen durfte. Naja, es gibt Schlimmeres ...

Der Arbeitstag heute war ein komischer, und ich kam später als gewollt los. Die Fahrt mit der S-Bahn und dann später mit der "Skyline" am Flughafen war ereignislos wie erhofft, der Check-in zog sich ziemlich hin, aber inzwischen bin ich stolzer Besitzer zweier Bordkarten von Frankfurt nach Prag und von Prag nach Tiflis.

Dann kam die Sicherheitskontrolle und jetzt sitze ich hier am Gate und muss noch ein halbe Stunde warten -- soviel zu dem Stress, den ich eben gemacht habe, um von der Arbeit loszukommen.

Jetzt freue ich erstmal auf einen hoffentlich kurzen Flug nach Prag (planmäßig 70 Minuten). Danach wird die Nacht wieder schlaflos werden, befürchte ich ... Wenigstens verliere ich zwei Stunden durch die Zeitumstellung, sodass ich nicht so ewig auf das Morgengrauen in Georgien warten muss.

In den nächsten 24 Stunden werde ich wohl drei in den Pass Stempel kriegen (Georgien rein, Georgien raus, Armenien rein). Hoffentlich stempeln sie ordentlich, die Kaukasier ...

Seit heute ist ja Gibraltar, wo ich schon war, UEFA-Mitglied. Somit war ich heute schon in 50 UEFA-Mitgliedsländern, eigentlich wäre morgen Armenien das Jubiläumsland gewesen. Naja, haben die Armenier halt Pech gehabt. Einen trinken werde ich trotzdem auf mein 81. Land, morgen Abend, zum Fußball ...

Mittwoch, 22. Mai 2013

Der fünfte Schritt vor dem ersten

Naja, was soll's?

Ich habe gestern mit einer Freundin und deren Freund gechattet, weil wir irgendwann mal nach Istanbul wollten. Eigentlich wollten wir Ende September/Anfang Oktober fliegen, aber da die Flüge inzwischen ein bisschen teurer geworden sind, haben wir kurzfristig umdisponiert: Für 129 € fliegen  wir jetzt am 13. März 2014 von Frankfurt nach Istanbul und am 18. März 2014 zurück. Sehr schön, wenn man im Mai schon was fürs nächste Jahr bucht ...

Apropos teure Flüge: Ich habe gestern auch noch einen Flug von San José in Costa Rica nach Panamá-Stadt gebucht, weil ich nicht so recht Lust auf 15 und mehr Stunden Busfahrt hatte, bei denen man noch drei Stunden an der Grenze steht, ehe die aufmacht. Jetzt fliegen meine Begleitung und ich von San José nach David in Panamá und von dort weiter nach Panamá-Stadt. Zwar müssen wir dann trotzdem den Bus nehmen, um wieder ein Stück nach Süden zu kommen, aber das sind nur zwei Stunden oder so, und wir kommen mit dem Flieger praktisch direkt am Busterminal an ... Der eine Flug kostet zwar fast 150 €, aber das ist halt so, wenn man eine quasi-monopolisierte Strecke relativ kurzfristig bucht ... Der Bus hätte auch so um die 50 € gekostet, und so haben wir zumindest einen vollen Tag in San José.

Ob meine Ma und ich Ende September/Anfang Oktober jetzt doch noch zu zweit was machen, müssen wir gucken. Und da Lettland womöglich am 1. Januar 2014 den Euro einführt, haben wir auch schon ein (weiteres) Ziel für eine eventuelle Weihnachtstour (falls ich da frei kriege).

Jetzt freue ich mich aber erstmal auf Armenien. In 48 Stunden bin ich schon in Prag ... Es scheint nun tatsächlich so zu sein, dass an den geraden Tagen der Zug von Eriwan nach Tiflis fährt, sodass ich eine Chance hätte, am 30. Mai abends den Zug zu nehmen. So hätte ich praktisch den ganzen 31. Mai in Tiflis. Das wäre auch schön.

Wie immer: Ich werde berichten.

Dienstag, 7. Mai 2013

Planung ist das halbe Leben ...

..., naja, wenigstens macht das Planen des Urlaubs schon mal großen Spaß, vor allem, wenn man a) schon gebucht hat und weiß, dass man unterwegs sein wird, und b) wenn alles so klappt, wie man sich das vorgestellt hat.

Jedenfalls kommen in zwei bzw. fünf Wochen die Reisen im Doppelpack, und da habe ich jetzt eine ganze Menge klargemacht.

Auch wenn jetzt wieder alle anfangen zu gähnen: Ich freue mich sehr auf Armenien. Ich habe nun ein Autochen gebucht, mit dem ich fünf Tage durch Armenien und Bergkarabach düsen werde. Mal gucken, was für eine Rumpelkiste ich kriege, aber solange ich die Berge hochkomme, ist alles gut. Es ist auch schon abgeklärt (oder ich hoffe es vielmehr), dass ich tatsächlich nach Bergkarabach kann mit dem Auto, aber ich werde nicht der Erste sein, der das will. Mein Hotel in Stepanakert habe ich jetzt auch bestätigt, sodass ich nun nur noch gucken muss, ob ich schon am 30. Mai abends den Nachtzug zurück nach Tiflis erwische (und dann noch den 31. Mai in Georgiens Hauptstadt hätte) oder erst am 31. Mai mit dem Bus fahre (und nur noch den Abend und die Nacht hätte, da ich in altbekannter Tel-Aviv-Manier durchmachen werde).

Alles in allem sieht das recht gut aus.

Ebenfalls gut sieht das inzwischen auch für Mittelamerika aus: Ich habe heute endlich bei der Fluggesellschaft angerufen, weil die meiner Mitreisenden ja den letzten Buchstaben des zweiten Namens abgeschnitten hatten. Es war so wie gehofft: Der Name ist einfach zu lang, aber die sehr freundliche Delta-Dame am Telefon hat mein Anliegen vermerkt, sodass am Check-in in Stuttgart und dann in Panamá hoffentlich nichts schiefgehen wird. Dabei heißt meine Mitreisende nicht mal Nahasapeemapetilon ... Dass man das Ganze nicht als Antwort auf eine meiner beiden E-Mails schreiben konnte, wundert mich aber dann doch sehr.

Ebenfalls gebucht haben wir jetzt Hotels: Das erste Hotel in Managua, Nicaragua, hatte ich ja schon vor ein paar Wochen reserviert. Offenbar ist die Regenzeit aber wirklich nicht die klassische Touristenzeit, denn wir werden in San José, Costa Rica, im Radisson, dann in einem panamaischen Sheraton-Strandhotel und schließlich in Panamá-Stadt im Hilton wohnen, und das alles zu bezahlbaren Preisen. So sind wir zwar nur drei Tage in Nicaragua und gar nur zwei in Costa Rica, aber dafür haben wir insgesamt fünf Übernachtungen (drei am Strand und zwei in Panamá-Stadt) in Panamá.

Jetzt muss ich nur noch die ESTAs für uns beide beantragen (Anfang Juni). Außerdem fehlen noch die Verbindungen zwischen Managua, San José, dem Strandhotel und Panamá, aber über die werde ich mir in den kommenden Wochen Gedanken machen. Bei der Buslinie, die ich im Auge habe, kann man leider (noch) nicht online buchen ...

Für den Transit in den USA (mitsamt Einreise) haben wir auf der Hin- und Rückreise jeweils vier Stunden Zeit, das sollte reichen. Achso, und Malaria-Tabletten werde ich für den Fall der Fälle wohl auch mitnehmen.

Jetzt muss ich nur noch meine Prüfungen am Wochenende und dann zwei Wochen Arbeit überstehen, dann geht es wieder an einem Freitagabend in die große weite Welt.

Sonntag, 7. April 2013

Rrrrrrrums

... hat's gemacht. Aber dazu gleich mehr.

Ich weiß gar nicht genau, ob wir pünktlich mit dem Boarden anfingen, jedenfalls kamen wir nicht pünktlich in Tel Aviv weg. Die 40 Minuten schmolzen zusammen, und als wir landeten, hatte ich theoretisch 35 Minuten bis zum Abflug meiner Maschine nach Frankfurt. Um das Ganze noch ein bisschen zu verzögern, stellten wir uns janz weit draußen aufs Vorfeld und wurden mit dem langsamsten Bus von ganz Italien zum Gate gefahren.

Dort allerdings wurde ich schon mit einem "Francoforte"-Schild von einer Alitalia-Dame begrüßt und abgeholt. Zusammen mit einem argentinischen Paar, das nach Barcelona musste, drängelte die Dame uns in der Sicherheitskontrolle vor (wie gesagt: es ist ziemlich bekloppt, wenn Ankünfte aus Israel in der EU nochmal in die Sicherheitskontrolle müssen ...) und dann ging's auf so ein Fußlahmengefährt in Richtung Passkontrolle. Die Alitalia-Dame fuhr so, wie ich es von einer Italienerin erwartete: Kreuz und quer umkurvte sie die laufenden Flugreisenden, die gar nicht wussten, was da hinter ihnen her war. Gelegentlich wurde gehupt. Sehr lustig.

Bei der Passkontrolle wurden wir rausgeworfen, und auch die beiden Argentinier durften - sie konnten offenbar ihre Notlage gut erklären - durch die EU-Bürger-Kontrolle ... Wieder auf dem Gefährt, das inzwischen mit der Alitalia-Dame durch die Angestellten-Schleuse gefahren war, ging es weiter. Der Zöllner fühlte sich extremst wichtig und hielt unserer Fahrerin erstmal einen Vortrag, dass sie nicht einfach so an ihm vorbeifahren könnte. Da könnte ja jeder kommen, und so. Als der Quatschkopp fertig war, ging's weiter.

Naja, und dann unterschätzte unsere Fahrerin die Wendigkeit des Fahrzeuges und rumste ("knallte" wäre deutlich übertrieben) beim Versuch, sich zwischen einer nichtsahnenden Frau und einer Säule hindurchzuschlängeln, gegen ebendiese Säule. Verwirrte Blicke und allgemeines Schmunzeln der Umstehenden und auch von uns auf dem Gefährt waren die Folge. Nach dem Neustart und kurzem Zurücksetzen ging es weiter. Ich wollte am Flugsteig D aussteigen wie die Argentinier, durfte aber nicht, weil die Angabe auf meiner Bordkarte nicht mehr stimmte: Inzwischen war mein Flugsteig C irgendwas. Also, zurückmarschmarsch durch die Menge, und mit quietschenden Reifen (ich übertreibe leicht ...) kamen wir an meinem Gate zum Stehen. Durch die Bordkartenkontrolle und runter zum Bus rannte ich leicht, eingestiegen. Es saß genau eine Frau im Bus, ansonsten war das Gefährt leer.

Nun, und jetzt saßen wir und saßen und saßen und schauten unserem Busfahrer beim Rauchen zu. Wir warteten und warteten, bis eine größere Gruppe von Sri-Lanka-Reisenden sich noch zu uns gesellte. Dann erst, als ich schon sicher zehn, fünfzehn Minuten im Bus gegessen hatte, ging es in Richtung Flieger. Wir wurden mit, naja, nicht hochfreundlichen Gesichtern begrüßt, aber das verstehe ich sogar, wenn wir eine halbe Stunde Verspätung bescheren, selbst wenn wir nichts dafür können. Wir mussten dann aber nochmal eine halbe Stunde warten, ehe es los ging. Dafür dauerte der Flug nicht so lange wie gedacht. Um 11.55 Uhr landete der Flieger in Frankfurt, um 12.44 Uhr saß ich in der S-Bahn und um 13.35 Uhr war ich in meiner Bude. Nach dem Duschen ging ich dann in Ruhe zum Fußballgucken ...

-----

Da ich mich ja eh nicht dranhalte, wenn ich beteuere, nie mehr Nachtflüge zu buchen: Nachtflüge sind ... den Kraftausdruck übelster Sorte erspare ich mir jetzt. Juchhe, in sieben Wochen gibt's wieder Nachtflüge nach und aus Georgien ...

Ansonsten wurde die Tour immer besser. Die Ankunft in Amman war problemlos, das Hotel leider nicht, wobei sich das auch mit der Zeit besserte (wahrscheinlich war es eher Gewöhnung ans Leid denn tatsächliche Verbesserung, aber sei's drum). Amman selber ist keine Stadt, die jetzt so die Hammersehenswürdigkeiten hat, aber es ist sicher eine gute Ausgangsbasis für Reisen durch (das nördliche) Jordanien. Der Straßenverkehr ist für arabische Verhältnisse ziemlich gesittet, die Menschen recht freundlich, die Innenstadt überschaubar. Doch, nach Amman käme ich gerne noch einmal, wenn auch wenige Übernachtungen reichen, um sich in Jordanien einzugewöhnen und die Sehenswürdigkeiten im unmittelbaren Umfeld anzugucken. Madaba, Qasr Azraq und Ajlun (in der Nähe von Jerash) würde ich gerne noch ansehen, wenn ich mich das nächste Mal in Nordjordanien herumtreibe.

Jerash war, auch und gerade mit einigem Abstand, das erste große Highlight der Tour. Ich finde, die Tatsache, dass die antiken Ruinen fast vollständig (aber meist recht weitläufig) von der modernen Stadt umgeben sind, hat durchaus auch ihren Reiz. Und die Ruinen selbst fallen hinter Palmyra nur wenig ab, wenn überhaupt.

Petra, naja, ich denke und hoffe, meine Begeisterung über Petra ist in den Blogeinträgen durchgekommen: Petra ist toll, gar keine Frage. Ich kann wirklich nur empfehlen, zu einer kühleren Jahreszeit (wie jetzt im Frühjahr) zu kommen und ein paar Tage zu bleiben. Allein der Aufstieg zum Ed-Deir ist absolut lohnenswert, macht einen aber total fertig. Ich fürchte, wenn man nur einen Tag in Petra ist, nimmt man gar nicht alles wahr, was es zu sehen gibt. Außerdem ist es unfair, dass der Siq und das Schatzhaus gleich am Anfang kommen, weil das halt das ist, was man in Petra sehen will. Die Felsengräber, auch die Ruinen der Stadt wären für sich selbst gesehen sehr beeindruckend, aber wenn man schon so heftig Glückshormone ausgeschüttet hat (und auch bereits ein paar Kilometer in den Knochen hat), fühlt sich das nicht mehr so fantastomanisch an. Wer weiß, was ich sagen will, muss mich missverstanden haben ...

Der/das, wie auch immer, Wadi Rum und Akaba werden vielleicht mal zu einer späteren Zeit besucht.

Naja, und dann kommt man aus dieser zumindest öffentlich männerdominierten arabischen Gesellschaft rüber nach Israel und hat an der Grenze erstmal mit jeder Menge Frauen in durchaus respekteinflößenden Situationen zu tun. Das ist eine Umstellung, allerdings eine, die ich, wie ich schon diverse Male angedeutet habe, grundsätzlich sehr positiv finde.

Ich weiß nicht, wie lange ich an diesem Ostersamstag in Israel war, aber mehr als zwei Stunden waren es keinesfalls, denn dann war ich schon wieder in der zumindest öffentlich männerdominierten arabischen Gesellschaft in Ägypten und habe in drei Tagen keine einzige einheimische Frau gesehen, wie mir gerade auffällt.

Nun, das Auswärtige Amt warnte in seinen Reisehinweisen vor dem Besuch des ägyptisch-israelischen Grenzgebietes (zu dem die Grenzübergangsstelle naturgemäß nun einmal dazugehört, auch wenn wohl eher das nördliche Grenzgebiet in der Nähe des Gaza-Streifens gemeint war) und war bezüglich der Strecke Taba - Nuweiba, an der mein Hotel lag, ein wenig zweideutig: Es war keine eindeutige Reisewarnung herauszulesen, aber so richtig einschließen in die Unbedenklichkeitserklärung für viele Gebiete des Sinai wollten sie sie offenbar auch nicht. Jedenfalls war ich froh, als ich unversehrt in meinem Hotel ankam.

Hm, wenn ich zwei Wochen alleine und selbstorganisiert durch den Nahen Osten reise, muss ich gestehen, dass ich drei Tage als Pauschaltourist in einem weichen Bett auch sehr gut aushalte. Die (zwei Drittel bis drei Viertel) Russen soffen die Cocktails schneller aus als die Ägypter Nachschub mixen konnten, aber sonst waren sie ganz harmlos. Und den Strand, die Sonne und den Pool genossen sie ebenso wie die paar Briten und Italiener sowie die wenigen Deutschen, die im Hotel waren. Dieses ägyptisches Pharaoh-Bier ist jetzt nicht so ganz der Brüller, aber wenn man das Ganze mit Cola mischt (selbst der Begriff "Diesel" hat sich bis zum ägyptischen Barmann herumgesprochen), geht das ganz gut. Nach sechs Tagen Jordanien hatte selbst ich die Muße, einen ganzen Nachmittag faul in der Strandliege zu verbringen, auch wenn die allerdings verkraftbare Strafe in Form des Sonnenbrandes auf dem Fuße folgte. Doch, im Großen und Ganzen war das Hotel sehr zufriedenstellend.

Die Rückfahrt in die westliche Welt ging in Richtung Osten, und die Israelis mit ihrer Spengstoffspülbürste werde ich wahrscheinlich so schnell nicht vergessen, nachdem ich viermal (bei beiden Grenzübertritten und zweimal am Flughafen) auf Explosivstoffe untersucht wurde ... Das Reisen mit dem Bus funktioniert in Israel natürlich völlig problemlos, und die Fülle von gegensätzlichen Landschaften in diesem kleinen Land ist immer wieder sehr beeindruckend.

Naja, wenn man in Tel Aviv die Taxifahrer abzieht, die den Ausländer gerne mal heftig zu bescheißen versuchen (fool me once, your fault, fool me twice, my fault, Freundchens), ist Tel Aviv einfach, ähm, toll, fantastisch, wunderbar, wunderschön, total entspannt, ... Vielleicht trifft es das Ganze für diejenigen, die mich persönlich kennen, ganz gut, wenn ich sage, dass ich mir mit Istanbul als meiner Lieblingsstadt im Moment nicht mehr so ganz sicher bin.

Entgegen meiner Erwartung, dass ich doch zumindest mal einen Tag noch in Jerusalem verbringen würde, hat mich Tel Aviv, obwohl ich nicht so wahnsinnig tief in die Stadt eingetaucht bin, sehr in seinen Bann gezogen. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen, an der Strandpromenade auf und ab zu laufen und zu radeln, die arabische Atmosphäre im alten Jaffa zu genießen und das jüdisch-israelisch-amerikanisch-internationale Gesamtkunstwerk am Strand in Tel Aviv und in den Kneipen, die American-Football-Spieler am Strand neben den orthodoxen Juden, die kopftuchtragende Muslimin neben der im Bikini herumliegenden Israelin mit russischem Migrationshintergrund, die seit sieben Jahren in Israel lebende Deutsche, die in der Kneipe den indisch-amerikanischen Touri bedient und ihm nebenbei den Fußballsport erklärt ...

Doch, Tel Aviv war toll, und die israelischen Sicherheitskontrollen am Flughafen muss man auch mal erlebt haben (zumal das in den anderen öffentlichen Einrichtungen, im Bus, in den Restaurants, total lax war) ... Hab gerade eben schon mit meiner Mutter überlegt, ob wir nicht im Herbst gemeinsam mal nach Tel Aviv fliegen. Hat mich also echt umgehauen, diese Stadt ...

Over and out für diese Tour, in weniger als sieben Wochen geht's nach Georgien, Armenien und Bergkarabach.

Samstag, 6. April 2013

Soooo schlimm sind die Israelis nicht ....

... die normalen Leute sind ohnehin toll, und auch die Flughafen-Sicherheitsdamen und -herren sind weder so unfreundlich wie kolportiert noch ist das alles so ein Monsterriesenaufstand. Naja, es ist schon ein Riesenaufstand, aber eben kein Monsterriesenaufstand ...

Heute Morgen bin ich erstmal aufgestanden und wollte meinen Abschlussschwimm machen. Es war heute, wie gestern Abend, ganz schön windig, und so wehte über "meinem" Badeabschnitt eine schwarze Flagge. Das scheint absolut absolutes Badeverbot zu heißen, denn die Bademeister waren ganz schön ungehalten, als doch Leute im Wasser waren. "Get out of the water immediately." Hat zwar erst bei der dritten Aufforderung geholfen, aber immerhin ... Ich war jedenfalls nur mit den Füßen im Wasser, war trotzdem schön.

Ich bin dann ein bisschen an der Stadtpromenade entlanggewackelt und geradelt, habe mir trotz Sonnencreme nochmal einen Sonnenbrand geholt, habe bei meinem Falafel-Mann abermals Schwarma und in der Ami-Kneipe neben der Botschaft dann zum Abendessen einen Cheeseburger gefuttert. So richtig unkoscher Minuten vor dem Beginn des Sabbats am Freitagabend. Interessiert in Tel Aviv aber ohnehin nicht allzuviele Menschen.

Der Bär steppte nicht so richtig, was aber wohl eher am ungemütlichen Wetter denn am großen Glauben lag. Den Abschluss machte ich in meinem English Pub, in dem der Wirt seine angestellten Damen ganz schön zur Sau gemacht hat ...

Ich ließ mich dann gegen 0.30 Uhr zum Flughafen fahren (und mich diesmal nicht vom Taxifahrer übers Ohr hauen, wodurch ich 50 Schekel, mehr als 10 Euro, sparte).

Bevor man überhaupt das Flughafengebäude betritt, kommt die erste Sicherheitsschleuse, die aber noch harmlos ist. Ich wartete bis 2.00 Uhr, ehe ich den Hindernisparcours auf mich nahm. Der Sicherheitsmensch, der die bösen Buben herausfiltern soll, löcherte mich ganz schön mit Fragen nach meinen Aufenthalten in Jordanien und Ägypten. Ich bin heilfroh, dass meine syrischen und libanesischen Sichtvermerke nicht mehr in dem Pass drin sind, sonst hätte die Befragung noch länger gedauert. Er holte sogar seinen Chef dazu, aber der schätzte mich zutreffend als offenbar harmlos ein, sodass ich mein Gepäck dann in die Röntgen-und-Druck-Maschine geben konnte. Das Handyaufladekabel störte den dort zuständigen Menschen, sodass ich zur Nachkontrolle von Hand musste. Das ging aber relativ entspannt trotz erster Sprengstoffkontrolle. Mein Check-in war noch nicht offen, sodass ich ein paar Minuten warten musste, ehe ich dann zu meinem Check-in-Schalter eskortiert wurde. Dadurch konnte ich aber gleich einchecken, auch ganz praktisch.

Die Sicherheitskontrolle, die folgte, enthielt wieder eine Sprengstoffkontrolle; sie war - wie eigentlich alles - zwar zeitaufwendig, aber völlig entspannt. Nicht mal die Schuhe musste ich ausziehen ...

Die Sorge um das Verlieren des Einreisezettelchens hätte ich mir sparen können, ich war offenbar im Computer drin, sodass die Grenzerin meinen Zettel gar nicht brauchte. Nach ziemlich genau 55 Minuten hatte ich alles überstanden. Alles also nicht so schlimm.

Nun bin ich natürlich viel zu früh im (angenehm temperierten) Abflugbereich. Macht aber nichts. Gleich kommen meine Kontaktlinsen in den Müll, ist eh schon überfällig. Ich habe einen Short-Connection-Zettel an mein Gepäck gekriegt, zumal die meinen Flug zwanzig Minuten nach hinten verschoben haben, sodass die ohnehin kurze Umsteigezeit von 60 noch auf 40 Minuten verkürzt wird ... Mit Einreise und Sicherheitskontrolle (was ja eigentlich totaler Quatsch ist, aber Israel ist halt nicht in Schengen-Raum oder EU) dürfte das richtig eng werden. Im Zweifel mache ich mir noch einen schönen Tag in Rom und fliege erst abends nach Frankfurt. Glücklicher wäre ich aber schon, wenn ich schon wie geplant um 11.15 Uhr in Fränkfört einschwebte.

Ich werde nach meiner Ankunft zu Hause berichten, so oder so.

Dann werde ich, wenn ich Lust habe, auch ein etwas längeres Fazit schreiben als das kurze, was jetzt folgt: Es war toll.

Ein kleines Jubiläum gibt es zu feiern. Dies ist der 200. Post. Ich bin offenbar seit 2009, als ich mit der großen Aserbaidschantour anfing, hier zu berichten, eine ganze Menge gereist ...

Donnerstag, 4. April 2013

Letzte Übernachtung

So, ich sitze auf dem Bett. Die letzte Übernachtung in meinem Hotelzimmer in Tel Aviv steht an. Morgen Abend werde ich durchmachen, da ich schon um zwei Uhr am Flughafen sein soll, weil mein Flieger nach Rom schon um 5.15 Uhr am Samstag Morgen abheben wird.

Heute war noch einmal ein ganz entspannter Urlaubstag: Ich habe ausgeschlafen bis um 10 Uhr, war dann ein bisschen schwimmen, bin noch einmal Fahrrad gefahren, habe israelisches Fast Food gegessen, mir einen leichten Sonnenbrand auf dem Schädel geholt (trotz halbwegs bewölktem Himmel) und ansonsten einfach Tel Aviv noch einmal genossen.

Während der Lektüre der "Jerusalem Post" traf mich das Geschoss eines Vogels, sodass ich ins Hotel bin und mein Hemd wechselte. Da auch meine Mütze etwas abbekommen hatte, kaufte ich mir eine schicke Israel-Baseball-Kappe. Muss nur aufpassen, wohin ich die mitnehme, sonst kommt so mancher arabische Grenzer womöglich auf die Idee, dass ich schonmal im "besetzten Palästina" gewesen sei ...

Heute Abend war ich dann nochmal im aufbrausenden Meer schwimmen, ehe ich in der Kneipe direkt neben der US-Botschaft (die übrigens traumhaft direkt an der Strandpromenade liegt) zu Abend aß. Jetzt ist es 22 Uhr hier und ich bin tatsächlich auf dem Weg in die Heia.

Die beliebte Bierkunde möchte ich, zumindest für Israel, nachholen: Das helle "Maccabi" und auch das dunkle "Goldstar" sind durchaus zu genießen, auch wenn die Israelis selber offenbar gerne belgische und irische Biere trinken, die findet man nämlich überall. Und Weihenstephan kriegst du auch an jeder Straßenecke. Apropos Bayern: Heute Morgen ist noch der bayrische Wirtschaftsminister an der Strandpromenade an mir vorbeigelaufen, keine Ahnung, was der in Tel Aviv macht.

Heute Morgen habe ich versucht, einem orthodoxen Ehepaar beim Mieten eines Fahrrads bzw. beim ordnungsgemäßen Wiederabgeben zu helfen, was mir nicht richtig gelang, weil die beiden auch wirklich nur Hebräisch sprachen (sie ein ganz klein wenig Englisch). Es war lustig, die beiden zwischendurch beim Radfahren zu beobachten: Sie hatte sich extra seine Jacke um den Bauch gebunden, damit der (knielange) Rock beim Radfahren keine allzu unzüchtigen Einblicke gewährte ...

Und gestern habe ich eine Soldatin in voller Uniform neben ihrem in Hippie-Klamotten gekleideten Freund am Strand liegen sehen. Sowas gibt's halt nur in Israel ...

Übermorgen geht es dann also in Allerherrgottsfrühe wieder in Richtung Deutschland. Den letzten Tag morgen in Tel Aviv werde ich genießen, einschließlich Abschlussplanschen im Meer morgen Vormittag. Ich bin gespannt, wie im säkularen Tel Aviv am Freitag Abend der Bär steppt. Ein bisschen kann ich das ja noch beobachten, ehe ich so gegen 0 Uhr anfangen werde, mir ein Taxi zu suchen ...

Und dann heißt es "Tschüss, Tel Aviv" bzw. ביי, תל אביב.

Mittwoch, 3. April 2013

Fahrradfahren

Ausblick von meinem Hotelzimmer in Ägypten auf Pool und Rotes Meer
Bitte auch den Eintrag von heute Morgen beachten!

Ja, heute bin ich mal wieder, erstmals seit bestimmt 15 Jahren, Fahrrad gefahren. Hier in Tel Aviv gibt es nämlich, wie in vielen anderen leidlich flachen Städten, Mietfahrräder (hätte mir auch eines vom Hotel ausleihen können, aber auf die Idee bin ich zu spät gekommen). Da zahlt man einen Fixbetrag für das Tagesabo und kann dann - zumindest hier in Tel Aviv - 30 Minuten kostenfrei mit dem Fahrrad fahren. Wenn man das dann mindestens zehn Minuten wieder an einen Abstellplatz bringt, springt die Zeit, die man kostenfrei fahren kann, wieder auf 30 Minuten. Sehr praktisch das Ganze ...

Strand in Tel Aviv
Aber von Anfang an: Ich bin dann an den Strand gegangen, und hier in Tel Aviv gibt es Strandabschnitte, die jetzt, in der Vorsaison, zum Schwimmen gesperrt sind (offiziell), und andere offizielle Badeabschnitte mit Rettungsschwimmern. Als ich heute ankam, war dort auch rote Flagge. Mist. Nun wollte ich mich nicht mit den israelischen Rettungsschwimmern anlegen und blieb aus dem Wasser. Ich ging ein paar Meter zurück in Richtung Hotel und sah eine ganze Gruppe von Menschen im Wasser, wo ausnahmsweise kein Schwimmen-verboten-Schild im Umkreis von, ähem, drei Metern stand. Also T-Shirt aus und rein in die Fluten. Sehr angenehm, gar nicht so kalt wie erwartet. Das einzig "Doofe" ist, dass das Wasser sehr flach ist und man sehr weit reingehen müsste, um aufrecht das bis zum Hals im Wasser stehen zu haben ... Erfrischend war es trotzdem.
Skyline von Tel Aviv
Kaum war ich im Begriff, das Wasser zu verlassen, heulte die Sirene und die Rettungsschwimmer von dem einen besetzten Turm meckerten per Fernmegafon alle an, die an "meinem" Strandabschnitt im Wasser waren: Jaja, keine Rettungsschwimmer an dem Teil des Strandes, haben wir schon gemerkt. Am Ende interessiert es die Israelis nicht wirklich, was die Bademeister so von sich geben ...

Ich ging ins Hotel, duschte mich und machte mich dann, wie erwähnt mit dem Fahrrad, die zwei, drei Kilometer auf in den Süden, in die Altstadt Jaffas. Dort guckte ich mich ein wenig um, sah mir den Uhrturm und den Flohmarkt an, aß eine Kleinigkeit (naja, es war eine ziemlich große Kleinigkeit ...) und fuhr dann nach ein paar Stunden in Jaffa wieder zurück nach Tel Aviv.

Clock Tower in Old Jaffa
Nach einem kurzen Spaziergang entschied ich mich, dass ein Sprung ins kühle Nass noch einmal ganz gut wäre. Also ab ins Hotel, umgezogen, ab an den Strand (der zum Glück nur drei Minuten weg ist) und bei grüner Flagge, aber ohne Bademeister in die Wellen. Schöööööööön. Und, ja, es ist auch schön, wenn man sieht, dass die Frauen hier anziehen können, was sie wollen. Ich meine jetzt gar nicht einmal die eine oder andere durchaus ansehnliche Bikini-Figur, sondern insgesamt die westlichen Freiheiten, die man hier in Israel bzw. in Tel Aviv eben einfach genießt. (Der Preis ist, dass die orthodoxen Juden in Jerusalem angeblich Tel Aviv gerne mit Sodom und Gomorrha gleichsetzen ...)

Gleich geht es zum Fußballgucken in die Kneipe ums Eck.

Bei den Bildern hat sich noch ein Foto aus Ägypten reingeschummelt, das ich bisher noch nicht online gekriegt hatte: Ja, ich hatte auch dort ein schönes Hotel ...

"Antisemites everywhere"

Am Montag machte ich es mir in der Regel auf dem Balkon gemütlich und ging nur zum Schwimmen runter ans Meer. Ich hatte mich zwar am Sonntag gut mit Sonnenschutzmittel eingecremt, allerdings offenbar nicht alle Stellen meines Körpers, und so war mein Bauchnabel (!) und die rechte Armbeuge ebenso ein bisschen verbrannt wie meine Stirn, die offenbar bisher zu wenig Sonne abbekommen hatte dank der Kappe. Naja, es gibt Schlimmeres.

Das Rote Meer gefiel mir immer besser, und das Essen im Hotel war auch durchaus genießbar.

Gestern Morgen machte ich noch einen letzten Abschiedsschwimm im Meer, frühstückte dann, ließ mein Zimmer vom Boy inspizieren (! -- Ich vermute mal, ein paar Russen hatten ein paar Mal ganz schön die Sau rausgelassen, auch im Zimmer ...) und checkte dann aus, nachdem ich den Rezeptionisten gebeten hatten, mir mein Taxi zu bestellen. Ich hatte am Abend gefragt, was der Hoteltransfer kosten würde, und da der Preis noch höher war als der, den ich meinem Taxifahrer gezahlt hatte, ließ ich mir "meinen" Fahrer wieder kommen.

Der freute sich sehr, mich wieder zu sehen, und es ging problemlos zur Grenze. Dem ägyptischen Grenzer brachte ich noch Deutsch bei ("Auf Wiedersehen"), die Ausreisesteuer musste ich nicht zahlen, und schon war ich wieder in Israel. Wieder wurde ich zum Sprengstoff-Screening rausgezogen, und der Grenzer wollte ganz schön viel von mir wissen .... Ärgerlich war nur, dass er mir keinen Stempel in den Pass gab (ungefragt!), sondern so einen Zettel ausfüllte, der als Stempelersatz fungiert. Wenn ich den bis zur Grenzkontrolle am Flughafen nicht verliere, mache ich drei Kreuze ...

Ich ließ mich von einem geschäftstüchtigen Taxifahrer zum Busbahnhof fahren, und kaufte ein Ticket sogar schon für den 12.30-Uhr-Bus. Die Fahrt war an sich ereignisarm, nur die Ausblicke auf die Wüste, zwischendurch kurz aufs Tote Meer und dann auf die zunehmend grüner und urbaner werdende Landschaft waren durchaus beeindruckend.

Ich kam gegen 18 Uhr am Busbahnhof und ließ mich intelligenterweise gleichmal am Taxistand abzocken, bis ich an meinem Hotel war. Das Hotel ist gar nicht so schlimm wie befürchtet. Das Zimmer ist zwar recht klein, aber das Bett und das Bad sind völlig in Ordnung, und ich habe sogar einen Balkon auf die Allenby Street raus. Es wäre ein bisschen laut, aber da das gleichförmige Geräusch der Klimaanlage den Verkehrslärm übertönt, kann ich wunderbar schlafen.

Ans Schlafen ging ich aber gestern noch nicht, sondern ich verließ gleich das Hotel wieder und bewegte mich zum Strand. Wow. Ich kam mir vor wie in Miami: Wunderbarer Sandstrand, und an der Promenade ist die Hölle los. Bands spielen ihre Lieder (!), die Jugendlichen rauchen (es roch gelegentlich recht süßlich), ein paar Strandbars sind um die frühe Zeit des Jahres schon offen. Sehr schick. Ich fand alle von mir angestrebten Kneipen und blieb dann schließlich in einem irischen Pub, weil ich mir sicher war, dass hier Fußball käme.

Ich aß einen total unkoscheren, aber sehr leckeren Cheeseburger und trank ein Guinness und ein zweites. Zu Beginn des Spiels setzte sich dann ein Brite zu mir, mit dem ich mich in ein sehr intensives Gespräch vertiefte. Das Fußballspiel (die zeigten eh nur PSG gegen Barcelona) trat dabei in den Hintergrund. Er lud mich zu zwei weiteren Bieren ein und bestellte auch noch einen sehr leckeren Nachtisch (einfach nur warme Erbsen, aber echt gut!). Wir redeten über Gott und die Welt, und wenn ihm irgendwas nicht passte, wurden plötzlich selbst die neben uns sitzenden Israelis zu "Antisemiten". Scherzhaft, klar, aber sowas kann nur ein Jude sagen ... Am Ende verabschiedeten wir uns aufrechtstehend, und ich ging die paar Meter zurück zum Hotel.

Hier fiel ich in einen totenähnlichen Schlaf und bin gerade erst aufgewacht (es ist 9.30 Uhr hier). Ich gehe gleich mal den Strand erkunden, vielleicht hat die Quallensaison noch nicht angefangen ...

Sonntag, 31. März 2013

Saudi-Arabien

... kann ich von meinem Balkon aus erkennen, denn hinter dem Pool meines Hotels sehe ich gleich das Rote Meer, also den Golf von Akaba, und auf der anderen Seite des Golfes liegt dann, wenn mich Google Maps nicht betrügt, die saudi-arabische Küstenstadt Haql. Die ist abends sogar hell erleuchtet, auch wenn ich bezweifle, dass der Prophet elektrisches Licht vorhergesehen hat. Ob das also vom Propheten gebilligt ist ...? Saudi-Arabien ist auch nicht mehr das, was es mal war.

Gestern Morgen frühstückte ich also gemütlich in meinem Hotel in Wadi Musa. Nach dem Auschecken (beim Einchecken wollte der deutsch-jordanische Inhaber meinen Pass gar nicht sehen, weil er meinte, Deutschen vertraue er ...) stellte ich mich an die Straße und wartete auf ein Taxi. Es kam auch eines vorbei, das aber meinen Preisvorstellungen nicht entsprach.

Ich sah auf der anderen Einbahnstraße mehr Taxis vorbeifahren, also bugsierte ich meinen Rollkoffer zur anderen Straße und hielt ein Taxi an. Auch dieses entsprach nicht meinen Preisvorstellungen, aber wir kamen uns preislich näher. Die Taxifahrer waren empört über den Preis, den ich schon gehört hatte, oder zumindest spielten sie die Empörung so gekonnt ("That's bad business, we pay almost all of it for the gas anyway", etc.), dass ich am Ende nicht wegen ein paar Euro noch drei Stunden mit ihnen verhandeln wollte.

Die Blicke auf die Berge, in denen Petra liegt, waren auch bei der Fahrt entlang des King's Highways atemberaubend schön. Der Taxifahrer bot an, das eine oder andere Mal anzuhalten, aber ich lehnte dankend ab. Unterwegs hielt er auf einmal trotzdem an, ein anderer Taxifahrer stieß hinzu, und mein ursprünglicher meinte so ziemlich wörtlich: "Mein ...." - zeigte auf irgendwas vorne an der Windschutzscheibe - "ist kaputt, du musst das Auto wechseln." Hm, also wechselte ich das Auto. Dieser neue Taxifahrer war etwas gesprächiger und fuhr wesentlich schneller ... Wenn ich ihn richtig verstanden habe, hat die Polizei in Jordanien einige Tarn-LKWs auf den Straßen, die während des Überholvorgangs den Überholenden blitzen. So verstand ich auch, wieso er öfter während des Überholens plötzlich abbremste ...

In Akaba liegt der Grenzübergang nach Israel ein bisschen versteckt. Wenn überhaupt, ist er nur als "Wadi Araba Border Crossing" ausgewiesen, es gibt keine Schilder nach "Israel" und erst recht spät welche nach "Eilat" auf israelischer Seite. Glücklicherweise wusste mein Taxifahrer den Weg und warf mich am Grenzübergang aus dem Auto. Am Ende sackte er noch ein bisschen Trinkgeld ein. Held! Der Grenzübergang war seeeehr leer, nur eine Dresdner Familie stand vor mir, die nicht mehr genügend jordanisches Geld zum Bezahlen der Ausreisesteuer (etwa 11 Euro pro Person) hatte. Ich konnte ihr ein wenig aushelfen: So mussten sie weniger tauschen und ich hatte mein jordanisches Geld weg. Ein fairer Tausch für beide Seiten. Die jordanischen Grenzer waren jetzt nicht unbedingt superschnell, naja, kein Wunder, wenn da kaum einer rüberwill. Aber dass er den jordanischen Ausreisestempel unbedingt auf den ruandischen Einreisestempel stempeln musste, verstehe ich nun nicht. Da hat man extra einen großen Pass, und dann sowas ...

Die finale Ausreisekontrolle überstand ich problemlos (ich hatte ja gezahlt). 150 m zog ich meinen Koffer weiter, dann gelangte ich zur israelischen Seite. Ich wurde mit der Frage begrüßt, ob ich Waffen dabeihätte, was ich im Angesicht eines eine Maschinenpistole tragenden Sicherheitsmenschen offenbar glaubhaft verneinte. Ein paar Schritte später wurde ich freundlich (wirklich!) zur Sicherheitskontrolle gebeten. Gähnende Leere. Ich erklärte dem ersten Menschen meine Reiseplanung und gab ihm meinen Pass, packte mein Gepäck aufs Röntgengerät, ging durch die Personenschleuse, und erklärte der zweiten Sicherheitsfachtante meine Reiseplanung. Die fand sie (erst durch Israel nach Ägypten, dann zurück nach Israel) offenbar so wenig überzeugend, dass ich zum Sprengstoff-Screening rausgezogen wurde ...

Das Ganze hört sich allerdings schlimmer an als es ist: Eine andere Sicherheitsfachtante steckte ein steriles Stofftuch an das Ende einer Spülbürste und fuhr damit einmal über mein Handy, in meine Handytasche und über meinen Geldbeutel. Danach steckte sie das Tuch in einen Detektor. Drei Sekunden später bekam ich meinen Pass und ein - oh, wie liebe ich es - "Kleinpapier" wie an den Grenzen der GUS-Länder, mit der ich dann durch die Grenz- und Zollkontrolle musste. Die Einreise ging völlig problemlos, die Zollkontrolle noch problemloser: Ich bekam einfach Stempel in Pass und auf Kleinpapier und durfte passieren. Am Ausgang der Grenzzone hatte ich dem Typen schon mein Kleinpapier in die Hand gedrückt, als er fragte, ob ich ein Taxi bräuchte. Ich bejahte, und er meinte, ich solle da hinten am Taxistand warten, während er ein Taxi für mich rufe. Sehr freundlich ... Ich stand da und wartete und kam (dann!) auf die glorreiche Idee, vielleicht doch Geld zu wechseln (einen Geldautomaten hatte ich zuvor vergeblich gesucht). Also wechselte ich an der Bank zu einem horrenden Kurs 40 € und wartete weiter aufs Taxi. Das kam, und die Taxifahrerin erinnerte mich in ihrer erfrischend offenen Herzlichkeit ein bisschen an meine Ersatzoma.

Sie fragte, wo es hingehen sollte, worauf ich die ägyptische Grenze als Ziel ausgab. Natürlich sprang auch sie darauf an: Jordanien - Israel - Ägypten, viele Länder an einem Tag, wieso und warum, und wann fliegst du denn zurück und von wo? Wir kamen in ein nettes Gespräch. Sie war überrascht, dass das deutlich größere Deutschland doch auch ein paar Flughäfen mehr als Israel hat, während sie mich darüber aufklärte, dass viele Autos in Eilat per Schiff ankommen, dann auf Lastwagen gepackt werden und ab Aschdod über das Mittelmeer weiterverschifft werden, weil dies günstiger sei als über den Suezkanal. Sehr interessant. Nach kurzweiliger und im Preisrahmen liegender Fahrt (trotz Sabbat!) kam ich an der israelisch-ägyptischen Grenze an. Die Ausreisesteuer (ungefähr 22 Euro) zahlte ich per Kreditkarte, die Ausreise ging problemlos. DIe Einreise nach Ägypten wäre auch problemlos gegangen, wenn ich einen funktionierenden (Betonung auf "funktionierenden") Stift dabeigehabt hätte. So musste ich einen Grenzer anhauen, der mir seinen Stift rausrückte und ihn nach vollbrachtem Ausfüllen des Einreisezettels natürlich zurückbekam. Bakschisch bekam er nicht, worüber er etwas traurig schien ... Ich hatte an der Grenze zu einem überraschend akzeptablen Kurs Geld gewechselt und war nach dem zügigen Durchlaufen der Einreisekontrolle somit gut in Ägypten angekommen.

Die Verhandlungen um ein Taxi erwiesen sich als schwierig. Die Vorstellungen des Taxifahrers fingen für die 20 km von der Grenze zu meinem Hotel bei 50 Dollar an, bis wir uns auf 100 ägyptische Pfund (etwa 12 Euro) geeinigt hatten. Dann lud er allerdings mein Gepäck auf seinen Kleinbus und wollte auf weitere Leute waren, was meinen Vorstellungen nicht entsprach, sodass ich die Vereinbarung kündigte ... Diskussionen um den angemessenen Preis folgten, bis mir ein anderer, leicht aggressiver Ägypter erst für 150 Schekel  (33 Euro), dann für 150 Pfund (18 Euro) die Fahrt anbot. Ich ging noch ein Stückchen weiter, und am Ende bot mir einer mit Kleinbus eine Privatfahrt für 120 Pfund an (also 15 Euro, oder so). Er machte das Geschäft seines Lebens mit mir, aber er sah halbwegs vertrauenswürdig aus, vor allem jedoch wollte ich zügig in mein Hotel.

Also fuhren wir los, nach einem Kilometer kam die Sinai-Steuer-Bezahlstation, wo ich dann 8 Euro Einreisegebühr abdrückte (das kam jedoch nicht überraschend), und wir waren unterwegs in Richtung Taba Heights. Kurz hinter Taba Heights bogen wir zu meinem Hotel ein, zwei Diskussionen mit Sicherheitsbeamten des Hotels gewann mein Fahrer, sodass ich am Ende direkt am Eingang aussteigen konnte. Der Check-in ging flüssig, ich buchte noch all-inclusive dazu, nur auf mein Zimmer konnte ich nicht gleich, da ich überraschend schnell in Ägypten angekommen war und beim Grenzübertritt zudem noch eine Stunde "gewonnen" hatte (ich checkte so gegen 10 Uhr ein, eigentlich wäre das erst ab 14 Uhr gegangen, guter Service also). Eine halbe Stunde später war mein Zimmer fertig, und ich durfte einziehen.

Naja, ähm, sehr, sehr toll. Direkter Meerblick, Doppelbett für mich alleine, Sitzecke, schönes Bad. Doch, das war eine gute Wahl (am Abend merkte ich, was für ein Bett ich habe: Ich bin fast drin versunken, so weich ist es ...). Ich zog mir Badeklamotten an und ging sogleich an den Strand. Ein kleiner Wermutstropfen: Der Strand und ein paar Meter im Wasser sind steinig, aber danach wird es schön sandig. Und mit Flip-Flops kommt man auch gut über die Steine drüber. Das Meer habe ich mir etwas wärmer vorgestellt, aber trotzdem war es ein großer Genuss, mal wieder im Meerchen zu schwimmen.

Den Ober an der Poolbar bestach ich gleich mit fünf Dollar, seitdem bekomme ich zum Teil unaufgefordert und morgens um 11 Uhr mein Bierchen an die Liege gestellt ... Das Essen ist auch durchaus genießbar, also: Mir geht's hier richtig gut. Nur die Jerry Cottons sind mir schon heute Morgen ausgegangen. Ich hatte nur drei dabei, zwei mussten schon gestern dran glauben, und der letzte war heute dran. Naja, den morgigen Tag kriege ich auch anders rum ...

Ich habe morgen noch einen ganzen Tag hier am Strand, und übermorgen werde ich sicherlich noch einen Morgenschwimm einlegen und frühstücken, ehe ich (womöglich mit meinem Hin-Taxifahrer) aufbreche. Es wäre schön, wenn ich in Eilat den Bus um 14 Uhr nach Tel Aviv erreichen würde, dann wäre ich abends gegen 19 Uhr dort. Aber erst einmal genieße ich hier die drei Tage echte Erholung nach der hochinteressanten, aber eben auch anstrengenden Sightseeing-Woche durch Jordanien.

Ich habe gemerkt, dass ich in Petra mein Kofferschloss im Zimmer vergessen habe. Ärgerlich, aber es gibt Schlimmeres. Zuhause vergessen habe ich meine (Prager) Kippa, aber nach meiner Erfahrung geben die Juden an den Orten, wo man eine Kippa braucht, im Zweifel selber welche aus (zum Beispiel an der Klagemauer), und im größten Notfall habe ich ja meine Sparkassen-Baseballmütze, die mir auf der Tour schon gute Dienste erwiesen hat. Zudem werde ich in Israel ja wohl auch eine Zweitkippa zu kaufen kriegen ...

Freitag, 29. März 2013

Koffer packen ...

... müsste ich mal wieder, aber ich habe keine Lust.
Das Urnengrab

Kaum habe ich meinen Tagesrhythmus hier in Petra gefunden (aufstehen mit dem zweiten Gebetsruf, so gegen 8 Uhr nach unten, gegen 12.30 Uhr wieder hoch, zu Mittag essen, Mittagsschläfchen, Reisebericht, schlafen), werde ich morgen wieder abreisen.

Es war eine meiner klügsten Entscheidungen auf Reisen in den letzten Jahren, mir Petra im Frühjahr (und nicht im Sommer!) anzugucken und mir drei Tage dafür Zeit zu nehmen. So war ich zweimal halb-k.o. und einmal ziemlich k.o. anstatt - wie es bei einer Ein-Tages-Tour gewesen wäre - am Ende tot.

Heute Morgen ging ich also - nach dem zweiten Gebetsruf geduscht habend - in den Frühstücksraum, stärkte mich ein wenig und machte mich dann wieder zu Fuß auf den Weg nach Petra. "Mohammed with the gold teeth" (Mohammed mit den Goldzähnen) begrüßte mich auch heute wieder
Das Seidengrab
persönlich, auch wenn ich abermals nicht mit seinen Getieren durch die Gegend reiten wollte.

Der Siq ist und bleibt toll, der Blick danach auf das Schatzhaus, wenn so langsam die Sonne darauf zu scheinen beginnt, ist und bleibt fantastisch. Das an drei Tagen zu verschiedenen Zeiten zu erleben erhöht den Reiz noch einmal.


Heute hatte ich mir ja die Königsgräber vorgenommen: sehr imposant, durchaus. Grandios ist aber neben den zwei Jahrtausende alten Fassenden auch der Ausblick ins Tal von Petra. Da muss man gar nicht auf den hohen Berg steigen, da reichen die 150 Stufen oder so bis zum Urnengrab hoch. Auf dem Weg kam ich an einem älteren Verkäufer vorbei, der ein wenig Deutsch sprach und dem ich offenbar gefiel. Nicht anders kann ich es mir erklären, dass er mir (mit verschwörerischem Unterton) eine natürlich echt antike Öllampe feilbot, die ein kopulierendes Pärchen zeigt ... Ich lehnte lachend und dankend ab.

Blick vom Urnengrab ins Tal von Petra
Die Gräber an sich sind nicht so richtig ereignisreich, auch wenn man immer wieder nur bewundern kann, wie die vor knapp 2000 Jahren solche Werke in den Fels hauen konnten. Trotz der relativ großen Touristenzahl insgesamt in Petra waren hier an den Gräberfassaden mehr Verkäufer als Touristen, sodass auch die Stille sehr beeindruckend war, hier, an einem der sehenswürdigsten Orte dieses Planeten.

Nach einem Rundgang zu den anderen großen Fassadengräbern nahm ich Abschied von Petra. Dieses Mal musste ich mich nicht den Hügel zum Schatzhaus hinaufschleppen, sondern konnte ganz gut laufen. Ein letztes Mal für zwanzig Minuten den Blick auf das Schatzhaus aufsaugen. Abgang durch den Siq.

Das Korinthische Grab
Es wird so langsam inflationär, aber auch für Petra gilt: Ich habe vor, wieder einmal hierher zurück zu kommen.

Nach einem kleinen Disput mit dem Taxifahrer, dem mein aggressiver Preisvorschlag (aggressiv in der Höhe, nicht im Ton) für die morgige Taxifahrt zur Grenze nicht so ganz gefiel (ich hatte es vielleicht auch ein bisschen übertrieben, aber nicht arg), aß ich zu Mittag in dem Lokal, in dem ich auch den ersten Abend gegessen hatte. Diesmal ließ ich aber den Arabischen Salat weg ...

Nach meinem Mittagsschläfchen bin ich nun dabei, hier ein wenig aufzuräumen, damit ich morgen in
Das Palastgrab
der Frühe nicht allzuviel machen muss. Naja, vielleicht verschiebe ich das Ganze auch auf morgen, mal gucken ...

Es ist jetzt hier 20 Uhr, ich werde wahrscheinlich in absehbarer Zeit endgültig den Nachtschlaf suchen.

Morgen geht es dann mit dem erstbesten Taxi, das einen akzeptablen Preis verlangt, zur jordanisch-israelischen Grenze bei Akaba/Eilat. Dann geht es mit einem israelischen Taxi von dieser Grenze zur israelisch-ägyptischen (Eilat/Taba). Und von dort wird es mit einem ägyptischen Taxi dann die 20 km zu meinem Hotel gehen.

Wenn die Bilder des Hotels nicht total die Wirklichkeit verzerren, werde ich mich dort wohlfühlen, glaube ich.

Wo und wie ich Geld wechsle, muss ich sehen, das werde ich schon hinkriegen. Diverse Aus- und Einreisegebühren werden anfallen, bis ich morgen vier Stempel in den Pass bekommen haben werde.

Die drei Tage in Ägypten werden möglicherweise einen Blackout bilden, da - wie erwähnt - das Hotel in Taba kein kostenfreies WLAN anbietet. Spätestens nach meiner Ankunft in Tel Aviv werde ich aber berichten, wie es war, faul am Strand oder am Pool zu liegen. Vielleicht komme ich sogar dazu, meine Jerry Cottons zu lesen ...

Ich wünsche frohe Ostern, bis am Dienstag. Inschallah.

Donnerstag, 28. März 2013

Arabischer Salat

Ohje.

Auch heute war's mal wieder sehr beeindruckend, auch heute war's sehr anstrengend.

Ich war ja gestern halbwegs zeitig ins Bett gegangen und konnte eigentlich auch ganz gut schlafen, sodass ich gegen 6 Uhr wach war. Ich stand auf und duschte (warm! Eine Wohltat ...). Entgegen meiner Gewohnheit frühstückte ich. Frühstück in Jordanien ist jetzt nicht so der Riesenbrüller. Es gibt Fladenbrot (und hier im Hotel sogar Baguette und Kuchen), dazu Eier, Oliven, Frischkäse und manchmal ein bisschen schweinfreie Wurst. Ich stärkte mich mit Kuchen und Marmelade sowie ein paar Oliven.

Blick ins Tal während des Aufstiegs
Frohgemut strebte ich gen Eingang von Petra, umkurvte kurz vor der Eintrittskartenkontrolle noch zwei Gruppen (weil Gruppen am Eingang immer so ewig dauern) und war schon wieder auf dem Weg nach unten in Richtung Siq und Schatzhaus. Heute Morgen war es deutlich leerer als gestern Mittag, was sehr angenehm war. Der Anblick des Schatzhauses durch die letzten Meter des Siqs ist einfach immer atemberaubend.

Ed-Deir im Ganzen ...
Ich lief weiter in Richtung Stadt mit dem Ziel, hoch zum Kloster zu laufen. 700 Stufen zu Fuß in einer Stunde oder auf dem Rücken des Maultiers in zwanzig Minuten, das war die Frage, die mir ein Maultierinhaber stellte. Ich blieb standhaft und machte mich auf den Weg nach oben. Nach knapp 100 Stufen setzte ich mich in den Schatten und wurde von einer freundlichen Verkäuferin angesprochen, dass es besser sei, relativ schnell an den Aufstieg zu gehen, solange er noch zum Teil im Schatten lag. Darüberhinaus lud sie mich zu einem Tee ein, den ich nicht ausschlug. Nach knapp 300 Stufen hatte ich ihr Lädelchen erreicht und wurde mit sehr gutem Minztee verköstigt. Ich versprach, auf dem Rückweg bei ihr vorbeizuschauen ...
... und aus der Froschperspektive

Da unten ist irgendwo Israel
Diese jordanische Fahne darf auch mal mit aufs Bild
Nach weiteren rund 350 Stufen durch eine atemberaubende Berglandschaft fragten zwei Chinesen vor mir die Entgegenkommenden, wie weit es denn noch sei. "Drei Minuten" war die Antwort. Naja, und dann schleppt man sich die letzten Schritte ein bisschen schneller dahin. Drei Minuten später sah ich dann vor mir, wie die ganzen Leute ein Ziel halbrechts vor mir fotografieren. Man ersehnt die Ecke und: naja, äh, wow. Da steht dann mitten in der Landschaft so eine Fassade namens Ed-Deir von 50 x 30 Meter mit einer Urne obendrauf, die allein neun Meter hoch ist und einen Durchmesser von sieben Metern hat. Hammer.

Um sich das ganze Ding mal aus der Ferne anzusehen, ging ich ein paar Stufen hinauf und sah, dass dort hinten die Aussichtspunkte waren, von denen der Reiseführer gesprochen hatte. Nach einem Blick zurück auf Ed-Deir ging ich in die Richtung und suchte mir einen der diversen "Hochsitze" aus.

Ich war fast allein dort oben, und die Ruhe, der Ausblick, die Gesamtkomposition, war faszinierend. Diese rauen Gesteinsformationen, die Weite des Blicks auf den Wadi Araba, den Grenzwadi zwischen Israel (die Aussichtsplattformen sagen interessanterweise und geografisch trotzdem korrekt "West Bank", also Westufer) und Jordanien, auch das war den Aufstieg wert. Ein schönes Erlebnis.

Ich habe gestern bei der Essensbeschreibung ein bisschen geschummelt: Ich hatte neben dem Mixed Grill und den zwei Colas auch noch einen Arabischen Salat vorneweg. Wahrscheinlich war der frisch mit gutem jordanischen Leitungswasser gewaschen worden. Und, naja, nun hatte ich den Salat. Mich überkam ein dringendes menschliches Bedürfnis, und es waren 700 Stufen nach unten zur nächsten, sagen wir, guten Sitzgelegenheit.

Die mir Entgegenkommenden müssen gedacht haben, da oben sei der Krieg ausgebrochen, so fix wie ich denen entgegenstolperte. Und natürlich machte ich etwas, was ich hasse, gerade, wenn ich im Ausland unterwegs bin: Ich brach mein Versprechen, nämlich bei der Verkäuferin vorbeizugucken. Das blieb ihr natürlich nicht verborgen, und sie meinte, mich lautstark daran erinnern zu müssen, dass man Versprechen einhalte. Normalerweise tue ich das (zumal ich recht sparsam mit dem Vergeben von Versprechen bin), aber in diesem Fall handelte es sich ernsthaft und tatsächlich um einen Notfall.

Ich will nicht einmal ganz ausschließen, dass ich mir morgen die 280 Stufen zu ihr antue, aber ich halte es für eher unwahrscheinlich.

Deutlich entspannter, aber schon wieder ziemlich kaputt machte ich mich sodann auf den Aufstieg zurück nach Wadi Musa. Die Inhaber verschiedener Getiere sahen mir meinen (jaja, ich weiß, schon wieder) erschöpften Zustand an, aber ich blieb standhaft und erreichte nach endlicher Zeit den Siq. Dort setzte ich mich erstmal auf eine Bank und wurde von einem kleinen Kopftuchmädchen (böses Sarrazin-Wort, ich weiß) bedrängt, ihr doch für einen Dinar (1,10 €) einen Postkartenstapel abzukaufen. Ich blieb allerdings wenigstens meinem zweiten Reiseprinzip treu: kein Geld für Kinder, die sollen in die Schule. Die Kleine war ein bisschen anhänglich (und überzutraulich), was mir grundsätzlich als erwachsenem Mann etwas unangenehm war und in einem arabischen Land allemal, zumal alle drei Sekunden Leute vorbeikamen und guckten, was ich da mit dem kleinen Mädchen mache. Als sie dann anfing, Steine (nicht nach mir, sondern nach anderen!) zu werfen, und an meinen Geldbeutel wollte, verließ ich doch recht fluchtartig die Bank und beendete den Aufstieg zügig. Ich rettete mich mit mit letzter Kraft (ooooooooooh) in ein Taxi und ließ mich wieder die zwei Kilometer den Berg hinauffahren. Gegenüber meines Hotels aß ich nun Huhn mit Kartoffeln und Reis und trank drei schwarze Brausen aus Atlanta.

Um 13 Uhr war ich in meinem Zimmer, um 14 Uhr geduscht im Bett. Jetzt bin ich gerade wieder wachgeworden und surfe noch ein wenig im Internet. Das Zimmer verlasse ich heute nicht mehr. Morgen geht es, wenn ich Lust habe, zu den Königsgräbern.

Ich bin heilfroh, dass meine Ma und ich im Frühjahr 2011 die Jerusalem-Tour und nicht die Petra-Tour gemacht haben. So anstrengend die Jerusalem-Tour schon war, Petra wäre noch anstrengender gewesen. Respekt für jeden, der das in einem Tag durchzieht, ich sehe ja in drei Tagen schon nicht alles. Ich hoffe aber, in nicht allzuferner Zukunft einmal wiederzukommen. Das Wadi Rum bleibt mir auf dieser Tour ebenso verborgen wie Madaba südlich von Amman oder Qasr Amra. Das nächste Mal werde ich ein Mietauto nehmen, damit man diese nur etwas entlegenen Regionen deutlich einfacher erreicht.

Inzwischen freue ich mich sehr auf den Urlaubsteil dieser Reise. Am Samstag werde ich wohl relativ zeitig aufbrechen hier, möglicherweise im Taxi, mal sehen. Das wird eventuell ein Drei-Taxis-Tag werden, weil ich in Israel am Sabbat auf alle Fälle ein Taxi brauche und in Ägypten eins nehmen werde.

Ich warne schon jetzt einmal vor, dass ich ab Samstag die Blog-Aktivitäten voraussichtlich vorübergehend einstellen werde, da mir 8 Dollar pro Stunde fürs WLAN im Hotel doch ein bisschen happig erscheinen. Naja, vielleicht ein Eintrag, der dann vorgeschrieben wird und in der einen Stunde hochgeladen wird. Mal sehen. Nur Erholung ab Samstag ... Ja, und am Dienstag geht's dann vom Sinai über Eilat nach Tel Aviv. Dort stehen auch noch mal drei Tage Strand an, wobei ich Held, so wie ich mich kenne, ja doch wieder einen Tag in Jerusalem herumhüpfen werde. Ich werde berichten, wie ich mich entschieden habe.

Aber erstmal gibt's ja noch einen Tag hier in Petra bzw. Wadi Musa. Bis morgen.

Mittwoch, 27. März 2013

Dam-da-dam-daaaaa, dam-da-daaaaa, ...

... dam-da-dam-daaaaaa, dam-da-da-daaa-daaaaaaa.

Wer's noch nicht begriffen hat, einfach noch mal nachklopfen oder dann nachsummen ...

Wo ist der Muezzin, wenn man ihn mal braucht? Der kam nicht - wie gefühlt die letzten Nächte - pünktlich um 4.03 Uhr auf sein Minarett gestiegen, sondern es dauerte bis um 4.50 Uhr, ehe er einsetzte. Da wäre es für mich schon seeehr eng geworden. Doch der kluge Hausvater hatte ja vorgesorgt und sich den Handywecker auf 4 Uhr gestellt, um 4 Uhr dann auf 4.30 Uhr und um 4.30 Uhr dann auf 4.40 Uhr. Naja, um 4.37 Uhr bin ich schließlich aufgestanden. Leidlich warmes Wasser, geduscht, zusammengepackt, raus aus dem Hotel. Ausgecheckt, ohne beschissen zu werden. Hasta la vista, Hotel!

Um 5.45 Uhr stand ich bei JETT auf der Matte, nur machte mir keiner auf. Kurz vor sechs kamen die Leutchen, kurz nach sechs hatte ich mein Ticket. Um 6.30 Uhr sollte mein Bus fahren, um 6.40 Uhr stand noch keiner da. Ich ging mal raus, weil mir das in der kleinen Wartehalle von JETT zu voll wurde, und frierte mir trotz Strickjacke ein bisschen einen ab. Glücklicherweise kam der Bus bald darauf, sodass wir um 7 Uhr auch an der zweiten Ammaner Haltestelle die Leute eingesackt hatten. Auf ging es nach Petra.

Im Siq
Weiter im Siq ...
Der Reiseführer hatte nicht gelogen: Der Desert Highway ist ein bisschen langweilig. Andererseits tat ein bisschen Wüste dem Auge auch mal wieder gut. Soooo unschick ist das nämlich auch nicht, nur die endlose Weite zu sehen. Nur als unser Fahrer zwischendrin, als ein bisschen Stau war, auf der Schnellstraße wendete und als Geisterfahrer ein paar Meter zurückfuhr, ohne dass wir erkennen konnten, wieso, waren wir im Bus ein wenig, äh, interessiert, was bei diesem Experiment herauskommt. Es endete vor der Gendarmerie; der Busfahrer wollte offenbar irgendwas von denen. Keine Ahnung, jedenfalls fuhren wir nach ein paar Minuten weiter, als ob nix gewesen wäre. In die richtige Richtung! Lustig ...

Die letzten Kilometer gingen über die Dörfer, das letzte Dorf war Wadi Musa, der Ort, wo alle Petra-Besucher wohnen und essen ... Der Bus hielt für die Tagesbesucher praktisch, für mich etwas unpraktisch, direkt am Eingang zum Petra-Park, sodass ich erstmal mit dem Taxi ein paar Meter den Berg hochfahren musste, um in mein Hotel, das mitten im Örtchen liegt, zu kommen.

... und noch weiter ...
Ich wurde vom Hotelinhaber auf Deutsch angesprochen und bekam ein hübsches Zimmerchen mit sehr hübschem Bad zugewiesen. Eine Wohltat nach dem Zimmer in Amman! Ich hielt mich aber nicht lange auf dem Zimmer auf, sondern machte mich gleich auf den Weg nach unten, sprich in Richtung Petra. Ich war mir unsicher, ob ich ein Zwei- oder ein Drei-Tages-Ticket kaufen sollte, aber da der Unterschied der zwischen 60 und 66 Euro war, entschied ich mich für das Drei-Tages-Ticket. Die paar Euro machen den Kohl jetzt auch nicht mehr fett.

... immer weiter ...
Nach dem Eingang in den Petra-Park, spätestens ein paar Minuten später, als ich den Siq (nicht Souq!), also die Felsenschlucht, die den Weg in Richtung Petra darstellt, betrat, konnte ich mir das Summen der angedeuteten Titelmelodie nicht verkneifen.

Der Siq ist fantastisch. Selbst wenn dahinter nicht Petra käme, wäre der Siq an sich eine echte Attraktion. Das Farbenspiel ist phänomenal. Aber das muss man selber gesehen haben, die Fotos geben das vielleicht ein bisschen wieder, aber doch nicht so ganz. Toll, schön, sehr schick ...

Da ist das Ding!
Irgendwann denkt man dann: "Ist es das?" "Ist es das doch nicht?" "Es ist es!" Was brabbelt der da? Die Rede ist vom Schatzhaus, dem wahrscheinlich bekanntesten Gebäude in Petra (jaja, da, wo Indy und Indys Papa zusammen mit den Nazis reingehen). Entsprechend voll und laut ist es vor dem Schatzhaus, sodass man sich schon in eine Ecke verziehen muss, um den Anblick ein bisschen zu genießen. Wow. Glück. Pures Glück.

Ich ging dann ein paar Meter weiter, auf der Straße der Fassaden, vorbei an den Königsgräbern (die morgen einer genaueren Betrachtung unterzogen werden), dem alten Theater und in Richtung der alten Stadt.

Ja, klar, das Stadttor und die Kolonnadenstraße sind sehr ansehnlich, die Reste vom alten Nymphäum auch, aber so ein bisschen war bei mir die Luft raus. Das kann aber gut daran liegen, dass ich mich mal wieder völlig bekloppt angestellt hatte: Ich hatte gestern Abend mein letztes Wasser ausgetrunken und war dann heute Morgen zu faul/zu blöd, die drei Schritte von der Bushaltestelle zum nächsten Geschäft zu
gehen, um mir Wasser zu kaufen. Meine erste Amtshandlung nach dem Einchecken im Hotel und vor dem Aufbruch nach Petra war es natürlich, etwas zu trinken zu kaufen, aber da war es halt schon ein bissel spät.
Gräber
Das war aber noch nicht das Ende der Beklopptheit: Ich setzte mich ganz unten am Ende des Tales in das dort vorhandene Restaurant und bestellte - ein Bier. Ich hatte zwar zu wenig getrunken und noch gar nichts gegessen, aber für 7,50 € ein Bierchen, das ist doch was! Und da man auf einem Bein nicht stehen kann, kam prompt das zweite hinterher.

Mein nicht mehr ganz taufrischer Gang lag
Römisches Theater
trotzdem eher am Zuwenig an Wasser denn am Zuviel an Bier. Das tut aber nichts zur Sache, da mich die Inhaber diverser Kamele, Pferde und Esel immer noch (wie schon auf dem Weg nach unten) beständig fragten, ob ich mich auf dem Rücken ihres Getiers nach oben zum Parkeingang bringen lassen wollte.

Alles Kamele
Es ist nicht so, dass ich unbedingt Mitleid mit den Viechern gehabt hätte (die tragen ja ein paar Kilo reine Nutzlast ganz gut), ich hatte nur auf gar keinen Fall Lust, in empörte Erwachsenen- und noch empörtere
Kinderaugen zu sehen, was ich mit meinem zierlichen Gesamtkörper auf dem armen Kamelchen mache. Na, reiten natürlich! Also ließ ich Esel Esel, Dromedar Kamel und Pferd Pferd sein und schleppte mich mühsamen Schrittes wieder hoch zum Schatzhaus. Dort legte ich erst einmal ein Verschnaufpause ein (jaja, selbst schuld und Männer sterben eh bei jeder Erkältung, ich weiß).

Die zwei Kilometer durch den Siq schaffte ich auch noch und ließ mich dann vom Taxi ins Hotel fahren. In der Nähe sind ein paar nicht gaaaanz so touristische Restaurants (wie unten), in einem von denen speiste ich dann zur Freude einer ganzen Horde von Schülerinnen, die heute offenbar einen Ausflug nach Petra gemacht und auch auf die Idee gekommen waren, dort einzukehren. Es gab sehr leckeren Mixed Grill vom Lamm, Huhn und Rind und dazu zwei leckere schwarze Brausen aus Atlanta.

Danach ging ich um 18 Uhr ins Hotel, duschte mich (kalt, hab den Boiler wieder nicht gefunden ...) und liege nun schon wieder im Bettchen. Was soll das nur mit mir werden?

Morgen geht es auf alle Fälle nochmal in Ruhe (vielleicht auch zeitig, wenn ich jetzt schon so früh im Bett bin) nach Petra runter. Was ich dann übermorgen mache, sehe ich dann. Vielleicht schlafe ich dann auch einfach nur ...

Es gab eine Beschwerde, die ich nach Prüfung nicht genau nachvollziehen kann. Eine eifrige Leserin beschwerte sich, dass man keine Kommentare abgeben könne. Ich habe mal nachgeguckt: Laut Einstellung kann man Kommentare abgeben, das einzige Hindernis für Spam ist die Wortabfrage (sowas wie dieses Gotcha-Dingsbums da). Probier's vielleicht nochmal aus. Liegt es eventuell am Browser?