Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Montag, 11. April 2011

IStGH in Oranje

Auch wenn der Besuch in den Niederlanden mich dem 206. Land nicht näherbringt, war er hochinteressant.

Nach dem Start um 12 Uhr in Jena fuhren wir über Kassel, das Ruhrgebiet und Venlo nach Nimwegen, wo wir gegen 20 Uhr eintrafen. Da wir nach der langen Fahrt Durst hatten, gingen wir in eine Kneipe in der Nähe der Wohnung unseres Schulfreundes und tranken ein Bier. Es handelte sich um ein Brand aus Maastricht, also ein niederländisches Bier, das süffig, sogar ein klein wenig süß und in jedem Fall durchaus trinkbar war. Als unser Schulfreund dann kam, wechselten wir die Kneipe und versackten leider ganz schön arg.

Um zwei Uhr gingen wir ins Bett, um sieben Uhr ging es wieder weiter, da wir um 9.30 Uhr zur Verhandlung beim Internationalen Strafgerichtshof sein wollten. Nach guter Fahrt im gar nicht so schlimmen niederländischen Berufsverkehr kamen wir gegen 8.45 Uhr an einem Park-and-Rail-Parkplatz an und begaben uns von dort in Straßenbahn (der Fahrer wollte kein Geld von uns haben ...) und zu Fuß in Richtung des Reguluswegs in Den Haag. Zunächst erwischten wir den falschen, weil Personaleingang und wurden um das Gebäude herumgeschickt, wo man uns schließlich Einlass gewährte. Die Sicherheitskontrolle war normal, aber niemand wollte - wie angekündigt worden war - unsere Ausweise oder sonst etwas sehen. Überhaupt waren die IStGH-Leute sehr entspannt und das Gebäude sehr übersichtlich. Im Foyer gibt es neben einer Information und Schließfächern auch einen Getränkeautomaten, mit dem Aufzug geht es in die Zuschauergallerien der Gerichtssäle, die übereinander liegen.

Wir erwischten zunächst die Verhandlung gegen Germain Katanga and Mathieu Ngudjolo Chui, zwei Kongolesen, die sich etlicher Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben sollen. Die Zuschauergallerie ist schalldicht vom Gerichtssal getrennt, sodass man das Geschehen im Gerichtssaal akustisch über Kopfhörer (englisch/französisch) und ein drahtloses Empfangsgerät, in das man die Kopfhörer einstöpselt, verfolgen muss, alles in allem sehr praktisch. Ein Zeuge der Verteidigung befand sich gerade im Kreuzverhör durch den Ankläger. Obwohl es um Details ging (es wurde mehrfach durchgekaut, wieviele Tage vor dem Angriff auf die Stadt der Zeuge den Angeklagten im Hauses eines Pfarrers getroffen habe, ob er mit ihm gesprochen oder ihn nur gesehen habe etc.), war es gar nicht einmal uninteressant, vor allem, weil man ja nebenbei noch die Angeklagten (einer von ihnen hätte dem Ankläger fast den Vogel gezeigt), die Richter vor ihren Doppelbildschirmen und die Gerichtsdiener beobachten konnte. Als die Verhandlung in die Pause ging, fragten wir nach dem zweiten Gerichtssaal, wurden in den vierten Stock geschickt und hatten Pech, weil kurz nach unserer Ankunft die dort verhandelnde Kammer ebenfalls Pause machte.

Wir gingen in die Lobby, begegneten dem deutschen IStGH-Richter (auch ein Richter an einem Internationalen Gerichtshof könnte sich ruhig bedanken, wenn man ihm die Tür aufhält!) und stöberten ein wenig in den Informationsmaterialien. Wir hüpften noch einmal in die erste Verhandlung und bei deren Unterbrechung gingen wir auch etwas essen. Der Internationale Strafgerichtshof liegt in einem Industriegebiet, sodass wir einige Zeit laufen mussten, ehe uns ein McDonald's rettete. Nach dem Verspeisen eines Burgers ging es zurück zum Gericht und wieder in die Verhandlungen. Als gegen 13.30 Uhr beide Verhandlungen vorerst endeten, begaben wir uns in die Lobby, da um 14.30 Uhr das erste Erscheinen von drei Kenianern vor dem IStGH angesetzt war. Ich hatte ein paar Tage vorher in einer E-Mail um Kartenreservierung gebeten und nach einigem Gewurschtel stellte sich heraus, dass wir keine Karten gekriegt hatten. Wir wurden aber gebeten, auf Rückläufer zu warten und hatten auch Glück: Am Ende waren noch sicher ein gutes Dutzend Plätze unbesetzt. Leider saßen wir nur im Oberrang und konnten nur die Richter direkt sehen, während wir für einen Blick auf die Anklage oder die Angeklagter auf die Videobildschirme zurückgreifen mussten. Das Prozedere war recht gut verständlich, sodass wir in den eineinhalb Stunden der Verhandlung wirklich viel mitnehmen konnten. Nach dem Ende dieser Verhandlung ging es letztmals in den anderen Gerichtssaal, um noch das Ende der Verhandlung im Lubanga-Fall zu erleben. Gegen 16 Uhr verließen wir den Internationalen Strafgerichtshof, liefen zum Auto zurück (dreiviertel Stunde Weg) und fuhren in Richtung Rotterdam, um nach Nimwegen zurückzukommen.

Nach kurzem Weg überkam uns jedoch die Schnapsidee, noch zum Fußball nach Alkmaar zu fahren. Unser Schulfreund, der arbeiten musste, konnte schlussendlich leider nicht mitkommen, sodass wir nur zu zweit viel zu früh in Alkmaar ankamen und uns Karten kaufen wollten. Der Kartenkauf für Fußballspiele in den Niederlande ist bürokratisch bis zum Gehtnichtmehr: Man muss eine Klubkarte beantragen (zwei Wochen vorher und mit Ausweiskopie), um dann die eigentliche Eintrittskarte kaufen zu können. Sprich, wir konnten keine Karten kaufen. Das begründete man mit Sicherheitsvorkehrungen. Nunja. Auf mehrmaliges Nachfragen schließlich fand sich doch noch die Möglichkeit, dass wir mit der Klubkarte eines der Kartenverkäufer eine Karte kaufen konnten (allerdings mussten sie unsere Ausweise kopieren!). Immerhin kamen wir so an unsere Karten. Um der Absurdität die Krone aufzusetzen, wird man aber am Zugang zum Stadion dann nicht mehr nach verbotenen Gegenständen durchsucht. Die spinnen, die Holländer!

Die Stimmung im mit 16.500 Zuschauern fast ausverkauften Stadion war recht gut, auch wenn die gelegentliche Mischung aus Metal und Karnevalsmusik ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Das Spiel war von mittelprächtigen Niveau und ging nach zwei verwandelten Elfmetern 1:1 aus. Auffällig war, dass die Spieler in der Eredivisie Freistöße in aller Regel sehr schnell ausführen; ansonsten wird im Wesentlichen so gespielt wie in Deutschland. Gegen 0.30 Uhr kamen wir wieder nach Nimwegen, wo uns unser Schulfreund mit einem Mitbewohner erwartete. Es wurde vier Uhr und der mitgebrachte Kasten Bier zu mehr als der Hälfte geleert.

Am nächsten Morgen, ähm, naja, eher Mittag, standen wir gegen 13 Uhr auf und verließen kurz darauf das Haus, um einen kurzen Stadtbummel durch Nimwegen zu machen. Nimwegen wurde im Zweiten Weltkrieg ziemlich zerbombt, sodass die heutige Innenstadt nur recht wenige sehr alte Gebäude beherbergt. Das Wetter war herrlich und die Stadt in ihrer Modernität auch ganz ansehnlich. Gegen 16 Uhr betraten wir eine Kneipe, um den plötzlichen Tod zu genießen: "Mort Subite", so heißt das belgische Lambic-Bier, das wir schon am ersten Abend ausgiebig getrunken hatten. Der Brauprozess ist, wenn ich meinen Schulfreund richtig verstanden habe, eine Mischung aus dem Pils- und dem Weizenbrauprozess, und das daraus resultierende Bier hat eine sehr fruchtige Note, die in Richtung Mango geht. Wirklich sehr lecker. Dementsprechend verließen wir rund sechs Stunden und insgesamt 30 Bier später die Kneipe und fanden Unterschlupf in einer flämischen Gaststätte, die uns trotz eigentlich schon geschlossener Küche noch drei leckere Steaks zauberte. Auch dieser Abend war wieder gelungen, wenn auch alkoholreich und lang ...

Am nächsten Tag fiel das Aufstehen trotzdem etwas leichter, und kurz vor zehn Uhr kamen wir los. Wir holten noch eine Bekannte unterwegs in der Nähe des Ruhrgebiets ab und waren gegen 16.30 Uhr wieder in Jena.

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich in den Niederlanden übernachtet, zum ersten Mal habe ich einen Internationalen Strafgerichtshof live erlebt; beide Erfahrungen würde ich gerne irgendwann demnächst mal wiederholen ...

Mittwoch, 30. März 2011

Bierkunde im Nahen Osten

Die so beliebte Bierkunde hatte ich vergessen, deshalb wird sie nachgeholt:

In Ägypten gab es Luxor-Bier aus der Flasche und (gegen Ende unseres Urlaubs) Sakara-Bier aus dem Zapfhahn. Wenn es kalt ist, kann man das Bier sogar durchaus trinken, es schmeckt nur ein wenig wässrig. Wenn das Bier warm ist (und das war es in den ersten Tagen, bis wir den Obern klargemacht hatten, dass wir unser Bier kalt wünschen), dann schmeckt es wirklich überhaupt gar nicht ...

In Bethlehem haben wir das Taybeh-Bier aus Ramallah im Westjordanland getrunken. Das wiederum ist sehr süffig, fast schon wieder (zu) süß. Angeblich wird es sogar nach deutschem Reinheitsgebot gebraut (steht auf der Flasche), aber dann ist da eine ganze Menge Malz reingekommen ...

Israelisches Bier haben wir nicht probiert; das wird aber hoffentlich in absehbarer Zeit einmal nachgeholt ...

Freitag, 25. März 2011

Die heilige Stadt

Gestern waren wir in Israel und im Westjordanland. Es war toll, aber auch anstrengend, und gefroren haben wir auch noch ...

Um 1.15 Uhr holte uns unser Bus ab, mit dem wir bis zur ägyptisch-israelischen Grenze fahren wollten. Daher waren wir am Abend zuvor schon um 18 Uhr ins Bett gegangen und hatten zu schlafen versucht. Während meiner Mutter das eher nicht so gut gelang, holte ich mir doch die eine oder andere Runde Schlaf ab. Wir wurden, nachdem wir aus vier oder fünf weiteren Hotels (unserer Hotelkette) andere Mitreisende aufgenommen hat, von unserer Reiseleiterin begrüßt. Ehe wir das vergessen: Die Frau war toll. Sie hat alles erklärt, was es zu erklären gab -- und öfter auch noch weit darüber hinaus ... So erklärte sie uns auf dem Rückweg, der israelische Stempel sei der Stempel, auf dem das heutige Datum so sehen sei ... Wir kamen an die ägyptische Grenze; unsere Reiseleiterin hatte uns schon darauf vorbereitet, dass wir den Bus wechseln müssen, und so stiegen wir aus dem Bus aus und liefen Richtung ägyptischer Grenzstation. Erst mussten wir durch eine Sicherheitskontrolle, mein Handy piepte, sonst alles okay, die Passkontrolle war problemlos. Am Schluss (am Ende des Niemandslandes, das natürlich keines war) kam die ägyptische Endkontrolle, wo ein ägyptischer Grenzer das Brötchen einer Mitreisenden beschlagnahmte. Das sollte wohl ein Scherz sein, lustig war es jedenfalls für die Dahinterstehenden nicht wirklich.

Die israelische Grenze kam, und vor der hatte uns unsere Reiseleiterin ein wenig Angst gemacht: Es würden zufällige gelbe Sticker auf den Pass verteilt, woraufhin man eine Sonderbefragung bekäme; die bekäme man auf alle Fälle, wenn man Flaschen im Gepäck habe, so in der Art. Eine ältere Frau fragte daraufhin die Reiseleiterin, was passiere, wenn man an der Grenze abgewiesen werde ...

Die Wahrheit lag natürlich auf dem Platz: Die Israelis waren von Anfang bis Ende tiefenentspannt, ausgerechnet die Harmloseste von uns bekam einen solchen gelben Sticker, was sich aber als völlig problemlos herausstellte, und kein Mensch wollte Wasserflaschen untersuchen. Am Schluss bei der Passkontrolle wollten sie mich noch als Französisch-Dolmetscher anstellen, was ich aber mit Verweis auf meine mangelnde Französisch-Kenntnisse ablehnen musste. Wir stiegen am anbrechenden Tag in den bereitstehenden israelischen Bus
und es ging über Eilat in die Negev-Wüste. Der erste Zwischenstopp fand gegen 8.30 Uhr am Toten Meer statt. Wir konnten uns umziehen und ins nicht ganz so kühle Nass springen. Die 31 % Salzgehalt machten sich beim Einsteigen ins Wasser nicht so anders als im Roten oder irgendeinem anderen Meer, aber als man sich dann Rücken voraus auf die Wasseroberfläche legte (ja, "auf"), war das definitiv anders. Natürlich hatten wir von den lustigen Schwimmversuchen im Toten Meer gehört, aber das dann selber zu spüren, wenn man glaubt, dass man ein Luftpolster um den Körper hat, ist noch einmal ganz anders ... Das Hauptproblem ist, dass die Füße bei einem Schwimmversuch in der Luft schweben und nicht wirklich einsetzbar sind ... Nach dem Duschen saßen wir noch ein bisschen am Toten Meer, dem "niedrigsten nicht von Wasser oder Eis bedeckten" Punkt der Welt bei 422 Meter unter (!) dem Meeresspiegel, bevor es weiterging in Richtung Jerusalem. Wir sahen kurz aus dem Bus die Festung von Masada und die Höhlen von Qumran, bis wir über einen unscheinbaren Checkpoint ohne Stopp von meinem 70. Land (Israel) in mein 71. Land fuhren (Palästina, Genaueres siehe in meiner Erläuterung). Dann ging es an Jericho, der "ältesten Stadt der Welt", vorbei nach Jerusalem und dort zunächst auf den Ölberg.

Wir standen etwas in Wind und Regen, womit kaum einer gerechnet hatte, und blickten auf die Altstadt von Jerusalem mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee sowie der Grabeskirche, wir blickten auf den Ort des jüngsten Gerichts und ließen uns erklären, dass die Grabstellen, die am Tag des jüngsten Gerichts dem Gerichtsort am nächsten liegen, für bis zu 1 Million Dollar verkauft werden. Es könnte ja sonst sein, dass man bis zu vierzig Jahre auf das jüngste Gericht warten müsse ...

Anschließend ging es mit dem Bus ein kurzes Stück in Richtung dieser Altstadt, wo wir ausstiegen und unsere erste Station besuchten: Die Westmauer, im Deutschen eher bekannt als Klagemauer. Endlich konnte ich meine Kippa aus Prag mal am lebenden Objekt tragen, und die Klagemauer ist durchaus beeindruckend, auch wenn ich mir das alles, mal wieder, etwas anders und ein wenig bombastischer vorgestellt hatte. Im Endeffekt ist es genau das, was es sein soll: ein Ort des Gebets. Ein paar Schritte weiter ist man dann in einer anderen Welt: Man sieht
kaum mehr einen Mann mit Kippa, dafür ganz viele Frauen mit Kopftuch - ja, der Übergang von der jüdischen Klagemauer zur arabischen Altstadt ist zwar durch eine Sicherheitsschleuse überwacht (wie auch der Eingang, den wir zur Klagemauer genutzt hatten), aber auch dort ist die Kontrolle sehr entspannt gewesen. Und das alles, obwohl erst am Tag zuvor ein Anschlag auf den Jerusalemer Busbahnhof mal wieder ein Menschenleben gekostet hatte.

Die Jerusalemer Altstadt ist durchaus mit der in Aleppo oder in Damaskus zu vergleichen, von Baustrukturen her und auch von der Unaufdringlichkeit der Händler: sehr angenehm. Den Kreuzweg haben die beiden syrischen Städte natürlich nicht zu bieten, auch wenn die meisten jesus-"historischen" Stätten in Jerusalem, wie unsere Reiseleiterin dankenswerterweise zu betonen nicht müde wurde, eben nur in Anführungszeichen "historisch" sind: Die sind alt, aber stammen aus dem 15. oder 12. und manchmal aus dem 4. Jahrhundert, aber höchstwahrscheinlich ist Jesus nicht wirklich genau dort gestorben, wo er gestorben sein soll (zumal es zwei Grabeskirchen gibt), und den Kreuzweg ist er so wahrscheinlich auch nicht gegangen.

In ihrer sprituellen Bedeutung ist die Grabeskirche aber natürlich nicht zu unterschätzen, und es bleibt ein Erlebnis, wenn man am "Grab" Jesu steht (wir hatten gestern Glück, die Schlangen waren nicht so lang). Durchaus beeindruckend. Durchaus beeindruckend war auch die anschließende Fahrt von Jerusalem nach Bethlehem. Die nur acht Kilometer lange Strecke führt von Israel in ein Gebiet der Zone A der palästinensischen Autonomiegebiete, das heißt, in ein Gebiet, in dem die Palästinenser offiziell sowohl Verwaltungs- als auch Sicherheitshoheit haben. Das hat zur Folge, dass Bethlehem, das rundherum an Gebiete der Zone C grenzt (besetzte Gebiete des Westjordanlands, die aber unter israelischer Verwaltungs- und Sicherheitshoheit stehen), eingemauert (einschließlich Graffiti wie an der Berliner Mauer) und zu einem (naja, unsere Reiseleiterin ist Polin und darf das sagen) "Ghetto" geworden ist.

Dort aßen wir zu Mittag und besichtigten anschließend die Geburtskirche. Hier soll tatsächlich historisch-authentisch der Geburtsort Jesu liegen, der mit einem Stern markiert ist, an dem man persönliche Gegenstände weihen kann. In der Grotte dort stand auch die Krippe Jesu. Nach einem weiteren hochinteressanten Vortrag über die wechselreiche Geschichte der Geburtskirche, die zweimal eher zufällig der Zerstörung entging, gingen wir zum Bus zurück und fuhren in Richtung Jerusalem. Wir mussten wieder durch den Checkpoint durch, und da dieser ausschließlich von Israel kontrolliert wird, war das Herauskommen aus Bethlehem weitaus schwieriger als das Hineinkommen: Wir standen eine knappe Stunde, bis zwei gerade volljährige Soldaten mit Uzi in den Bus marschierten, unsere Pässe sehen wollten und uns dann durchwinkten. Und trotzdem, alles ziemlich entspannt und keineswegs so strikt wie ich befürchtet hatte ...

Die Heimfahrt war anstrengend lang, wir kamen gegen 23.30 Uhr an die Grenze. Die israelische Ausreise war noch einfacher als die Einreise, und die Ägypter hatten ein neues Spiel, das da hieß: Pässe einsammeln und alle miteinander im Kabuff abstempeln anstatt am Passkontrollhäuschen wie üblich. Naja, ein neues Spiel halt. Die "Genehmigung zum Verlassen der Grenzzone" erhielt unser Bus (mehrere Unterschriften notwendig) und gegen drei Uhr kamen wir an unserem Hotel an.

Ohne eine Minute unnötiger Verzögerung lagen wir im Bett.

Wieder einmal sind wir uns einig, dass wir uns Jerusalem im Besonderen und Israel im Allgemeinen noch einmal in Ruhe angucken, denn gestern war das ein wenig gedrängt. Außerdem hat's geregnet und war kalt, was vor allem die Mädels im Bus schwer traf ... Schon beeindruckend, die heilige Stadt für Juden, Christen und Moslems ...

Bilder: Badende im Toten Meer, Blick auf Jerusalem, Klagemauer, Geburtskirche, israelisch-palästinensische Sperrmauer

Dienstag, 22. März 2011

Auf nach Jerusalem

So, wir sind Samstag Abend gegen 22 Uhr in Zürich abgeflogen und kamen gegen 3 Uhr ägyptischer Zeit in Sharm-el-Sheikh an. Dort gingen Einreise und Verschiffung in den Bus recht schnell, sodass wir gegen 4.30 Uhr im Zimmer waren. Meine Mutter fing an zu räumen, während ich schon schlief, und als die Sonne aufging, begann sie die Anlage zu erkunden, während ich weiterschlief.

Gegen 11 Uhr schmiss sie mich laut rumpelnd aus dem Bett, und wollte mir die sehr schöne Anlage zeigen. Hm, acht Pools, drei Einstiege zum Korallenriff vor dem Hotel, viele Liegen in einer sehr großen Anlage, deren Größe man aber nicht so richtig merkt. Meine Mutter schwärmt von den Palmen und sonstigem Gesträuch, von Affenbrotbäumen und Jacaranda-Bäumen, Benjaminus ficus wächst in Baumhöhe.

Unser täglicher Tagesablauf ist von Essen, Trinken und Schwimmen/Schnorcheln geprägt, ich komme endlich dazu, ein paar von meinen Jerry Cottons zu lesen.

Ich hatte bei dem günstigen Preis unseres Urlaubs immer mit einem Haken gerechnet, bisher habe ich ihn nicht gefunden, und ich bin zuversichtlich, dass das so bleibt.

Am Donnerstag geht es nach Jerusalem, das wird sicherlich eine etwas anstrengendere Fahrt, zumal wir schon um 1.15 Uhr (!) abgeholt werden.

Die Fischli hier am Hotel-Korallenriff sind einfach toll: Schnorcheln ist doch was Schönes ...

Ich werde von Jerusalem berichten ...

Sonntag, 20. Februar 2011

Mal wieder Erholung

Jaja, ich weiß, kaum daheim, schon wieder was gebucht, aber dieses Mal wird das wirklich Erholung: Soeben habe ich im Auftrag meiner Mutter einen Ägypten-Urlaub zu ihrem Geburtstag gebucht. Was?! Ägypten?! Jetzt?! Ja, gerade jetzt, weil wir ein Fünf-Sterne-Hotel (das nach den Beurteilungen nicht wirklich fünf Sterne, sondern eher vier bieten soll) für einen ziemlichen Spottpreis bekommen, all inclusive. Und das Auswärtige Amt rät von Urlaubsreisen ans Rote Meer ausdrücklich nicht ab (sonst hätten wir das nicht gebucht).

Wir fliegen zu unwirtlichen Flugzeiten (nachts) von und nach Zürich (das erste Mal, dass ich ab Zürich fliege) am 19. März abends weg und kommen am 27. März morgens wieder an.

Damit ein klein wenig Sightseeing stattfindet und weil Ausflüge nach Kairo oder so im Moment nicht gerade auf unserer Agenda stehen, wollen wir gucken, ob wir das "gesparte" Geld in Ausflüge nach Bethlehem/Jerusalem und/oder Petra investieren, wären immerhin alles neue Länder für mich (Palästina, Israel, Jordanien ...). Aber die können wir nur vor Ort buchen.

Zwei Fragen gibt es noch zu klären: Die erste ist die, ob wir uns von Freunden nach Zürich an den Flughafen fahren lassen (eine Stunde Autofahrt von Zuhause) oder ob wir unser Auto in Zürich unterstellen. Ich plädiere gegenwärtig noch für Ersteres, mal sehen, wie wir das organisieren.

Die andere Frage ist die des Visums: Für Ägypten braucht man ein Visum, das bei Einreise rund 20 Euro kostet, allerdings nicht, wenn man "nur" auf dem Sinai ist (und zum Beispiel -- wie wir -- keine Ausflüge nach Kairo oder so plant), dann wäre das Sinai-only-Visum kostenlos. Da wir bei Ausflügen nach Israel/Palästina oder nach Jordanien ja nicht ins Nicht-Sinai-Ägypten fahren, denke ich eigentlich, dass wir nur das Sinai-only-Visum bräuchten (und das halt zwei- oder dreimal). Andererseits braucht man anscheinend, wenn man beim Schnorcheln das Sinai-Gebiet verlässt (und das geht wohl ziemlich schnell), dann wieder ein volles ägyptisches Visum. So'n Mehrfacheinreisevisum beim Konsulat kostet 32 Euro und wird zügig (drei Tage) ausgestellt, kann also gut sein, dass wir uns auf die sichere Seite begeben.

Da der Israel-Ausflug den Grenzübertritt im Bus von Taba nach Eilat vorsieht, wäre mein Pass für manche arabische Länder definitiv "verbrannt". Das wäre doof, weil er noch bis 2020 gültig ist, andererseits kann man ja als Deutscher einen Zweitpass kriegen, und ob die 59 Euro dann bei einer größeren Arabien-Reise so wahnsinnig ins Gewicht fielen, ist wieder die andere Frage.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Vom Winde verweht

Nach kurzem und etwas hektischem Frühstück in Bergen verabschiedeten Andreas und ich uns vorgestern Morgen gegen 8.05 Uhr; er ging los, ich fuhr in Richtung Supermarkt und stand erst einmal ein paar Minuten auf dem Parkplatz, um das sacken zu lassen: Andreas weg ... Sicher werde ich noch das eine oder andere Mal mit Blick auf die Abendgestaltung denken: "Mal sehen, was Andreas heute so vorhat." Nur um mich dann zu erinnern, dass er nicht in Jena ist. Argh.

Der Supermarkt hatte natürlich zu und so nutzte ich die Zeit, die Sachen in Ruhe einzupacken, die ich in der Nacht auf der Fähre brauchte, und die Sachen auszupacken, die ich nicht brauchte und die daher im Kofferraum zurückbleiben konnten. Ein paar Postkarten in den Schwarzwald waren noch zu schreiben, und da ich danach ohnehin nichts Besseres zu tun hatte, fuhr ich in die Stadt. Ich musste nur noch einen Briefkasten finden (es lag einer nicht weit von meinem Check-in entfernt), dann hatte ich im wahrsten Sinne des Wortes Freizeit. Die nutzte ich, um die Check-in-Schlange aufzumachen und las auf meinem tollen neuen Smartphone den aktuellen Spiegel, den ich mir am Samstag Abend noch heruntergeladen hatte. Pünktlich um 11.30 Uhr ging der Check-in los, alles kein Problem, ich sollte in die Spur 2 fahren und dort warten. Spur 2 fand ich, aber den Wartepunkt nicht wirklich. Jedenfalls kam mir eine Gabelstaplerfahrerin in die Quere, die mir mit Handzeichen bedeutete, dass ich an der Linie da vorne hätte warten müssen. Nach erneuter Rückfrage drehte ich um und wartete an bewusster Linie: Ja, da waren irgendwelche Fahnen zu sehen, auf denen man mit Muße und gutem Willen "Fjordline" lesen konnte, aber ein Stopp-Schild oder ein "Please wait here for boarding" wäre schon nicht schlecht gewesen.

War ja aber schließlich egal, ich führte die Prozession auf die Fähre an und fuhr im Schritttempo hinter dem Einweiser hinterher, der mir dann schließlich bedeutete, auf dem Streifen zwischen zwei Spuren auf dem Schiff stehen zu bleiben. Wahrscheinlich würden nicht so viele Autos mitfahren diese Nacht. Ich stieg aus, ging auf die Kabinendecks und fand recht zügig meine Kabine, die zwar nicht riesengroßgeräumig, aber völlig ausreichend war, mit eigenem WC, eigener Dusche und einigem Waschbecken. Doch, ganz in Ordnung.

Die erste Zeit verbrachte ich auf dem Achterdeck und verfolgte die Ausfahrt der MS Bergensfjord aus dem Hafen von Bergen. Wir passierten einige Fjorde mit atemberaubender Landschaft. Einige Male schaute ich auf die Karte, die im Schiff ähnlich wie diese Positionsanzeige im Flugzeug verfügbar war, und dachte: "Durch die enge Passage will der durch?!" Aber meist waren dann doch noch ein paar Meter (oder ein paar hundert?) Platz zwischen dem Schiff und dem Ufer.

Gegen Abend wurde ich überraschenderweise recht müde und ging nach dem Genuss eines Sandwiches gegen 20 Uhr ins Bett. Den Zwischenstopp in Stavanger bekam ich kaum mit, nur die laute Ansage durchs Schiffsradio, dass man nun mal auslaufen werde, war nicht zu überhören. Gestern Morgen ging um 7 Uhr mein Wecker, ich stand auf, machte mich fertig, begab mich aufs Achterdeck und sah -- Schnee. Es war in der Nacht wohl einigermaßen stürmisch und kalt gewesen, jedenfalls blies der Wind mich fast um (und ich wiege ja nicht gerade 40 Kilo) und ich verzog mich zügig wieder unter Deck. Die geschätzte Ankunftszeit stand irgendwo bei 13 Uhr (planmäßig war 9 Uhr) und so ergab auch die Durchsage von wegen "schlechtem Wetter" in Stavanger nun einen Sinn.

Ich legte auf dem Schiff zwischen Achterdeck, Kabine, Rezeption (mit Ortsanzeige) und diversen Cafeterias wahrscheinlich ein paar Kilometer zurück, aber nichtsdestotrotz war es sehr angenehm, mal so auf der Fähre zu reisen. Geschlafen habe ich zwar nicht ganz so gut, weil das Schiff im Sturm ganz schön geknarzt und gequietscht hat und auch das ständige Auf und Ab dem Schlaf einer gewohnheitsmäßigen Landratte wahrscheinlich eher abträglich ist, aber als ich dann aufgestanden war und das Schiff öfter mal lustig dröhnte, weil es mit Karacho in eine Welle hineingefahren war (gefolgt von einem schönen Achterbahngefühl im Bauch), war es schon wieder toll.

Gegen 13 Uhr durfte man dann hinunter aufs Autodeck, sodass ich mein Gepäck dorthin wuchtete und gegen 13.20 Uhr Gewehr bei Fuß stand, um das Parkdeck zu verlassen. Ziemlich genau um 13.45 Uhr durfte ich, wieder als Erster, von der Fähre und auf dänisches Festland fahren. Ein Zoll war nicht zu sehen, also fuhr ich auf die Autobahn und in Richtung Süden.

In Süddänemark fing dann ein wenig Schneefall an ... Liebe Dänen, ihr könnt ganz bestimmt ganz vieles richtig toll, aber Autofahren mit drei Schneeflocken am Straßenrand, das könnt ihr nicht. Jedenfalls muss man nicht mit Tempo 80 minutenlang die Überholspur blockieren, wenn die Straße völlig frei ist.

Ja, vor Hamburg wurde das Schneegestöber dann immer dichter und es wurde richtig glatt, da kann man dann nicht einmal mehr 80 fahren, das sehe ich ein. Jedenfalls stand ich geschätzte zwei Stunden in und um Hamburg im Stau, ehe ich bei Burger King mein verspätetes Abendessen einnahm und danach weitere drei Stunden über dann zum Glück weitgehend freie (von Schnee und von Verkehr) Autobahnen nach Jena fuhr, ehe ich dort um Punkt 0.01 Uhr das Auto auf dem Eichplatz abstellte. Es waren ja nur insgesamt knapp sieben Stunden Verspätung ...

Danach legte ich mich ins Bett und schlief wie ein Stein bis heute Morgen.

Sonntag, 13. Februar 2011

Fløyen, Bryggen und Bergenhus

So, heute haben wir wieder einigermaßen ausgeschlafen, haben dann in Ruhe gefrühstückt und sind dann wieder in die Stadt gefahren.

Zunächst sind wir mit der Fløibanen, einer Seilbahn, auf den Fløyen gefahren, einen der Bergener Hausberge. Von dort oben hat man, wenn man nicht auf den ungestreuten Wegen ausrutscht wie ich heute, einen wunderbaren Ausblick auf Bergen und seinen Fjord.

Nach der Rückfahrt nach unten machten wir einen Spaziergang durch die Bergenhus-Festung. Leider war es schon zu spät, sodass wir nur noch zwanzig Minuten für die Ausstellungen gehabt hätten. Ein weiterer Grund, zügig wieder nach Bergen zu kommen ...

Wir liefen an meiner Fährablegestelle für morgen vorbei und erkundeten, wann ich wo zu sein habe. Ich glaube, ich weiß es jetzt. Die Fährablegestelle ist ganz in der Nähe des Stadtteils Bryggen, der früher die Hafenanlage der Hanse war. Weltkulturerbe, und zwar völlig zu Recht ... Von dort gingen wir wieder in die Innenstadt und suchten ein Irish Pub, das Rugby zeigt, was wir auch fanden. Andreas ging zur Kirche, ich machte einen Spaziergang, ehe wir gegen 19 Uhr zum Abendessen in ein recht gutes Lokal gingen. Sehr lecker!

Gut gesättigt machten wir uns auf den Heimweg. Jetzt geht's ins Bett ...

Wenn ein Bier "nur" sieben Euro kostet ...

Gestern waren wir vor allen Dingen einkaufen. Dabei mussten wir uns an die norwegischen Preise gewöhnen: Ja, sie sind ziemlich hoch ...

Erst einmal schliefen wir in Ruhe aus; das hatten wir nach dem Tag davor auch redlich verdient. Nach einem Lebensmitteleinkauf und anschließendem Brunch fuhren wir in zwei Elektronikmärkte, da Andreas mal schauen wollte, was so ein Rechner kostet. Unter, naja, 5.000 Kronen (ca. 630 Euro) geht praktisch gar nichts, und 12.000-Kronen-Rechner (1.500 Euro) werden offenkundig auch gekauft ... Kleidung dagegen kostet etwa so viel wie in Deutschland, Lebensmittel sind auch nicht gerade billig.

Der Klassiker ist natürlich Bier: Wir haben sehr intensiv gesucht; im Supermarkt kostet das billigste Bier 34 Kronen pro Liter, das sind 4,30 €, bzw. 17 Kronen für die 0,5-l-Dose, also 2,15 €. Die große Flasche Jägermeister kostet im Spirituosengeschäft etwa 60 € ...

Jedenfalls fuhren wir dann im Bus in die Stadt, das sind etwa 15 Minuten Fahrt. Eine Fahrkarte kostet 25 Kronen, umgerechnet 3,15 €, also auch nicht gerade billig.

Der Stadtspaziergang in Bergen ist einfach schön: Die Innenstadt ist recht geräumig mit großen, weitläufigen Plätzen und schicken kleinen Gässchen. Der Gang zum Hafen mit dem Blick auf den historischen Stadtteil Bryggen ist selbst im Dunkeln noch sehr schön, und jetzt freue ich mich darauf, das auch mal im Hellen zu sehen.

Wir haben dann noch ein bisschen Fußball in einem Irish Pub geguckt (ein Pint Guinness für 11 Euro ...) und sind noch ein wenig herumgewandert.

Doch, wenn die Preise nicht so abartig wären, würde man sich sehr wohlfühlen hier, so kann man sich "nur" wohlfühlen. Werde demnächst berichten, wie das Sightseeing war.

Freitag, 11. Februar 2011

Einfach total bescheuert ...

... war es, was Andreas und ich seit gestern Morgen gemacht haben, aber andererseits auch sehr lustig: Gestern um 10.16 Uhr starteten wir in Jena zu unserer Monstertour von fast 2.000 km über Fehmarn, die Öresund-Brücke und Oslo nach Bergen in Norwegen brachte.

Andreas fuhr die gesamte Strecke bis Puttgarden auf Fehmarn, wo wir nach ziemlich genau fünf Stunden und knapp über 600 Kilometern gegen 15.20 Uhr ankamen und die Fähre um 15.45 Uhr nehmen konnten. Es ist und bleibt (für mich) unfassbar, wieviele Autos und LKWs auf so ein Schiffchen passen. Wir kauften uns ein Sandwich als spätes Mittagessen (für mehr als fünf Euro) und ließen uns an Deck ein wenig den Wind um die Nase wehen, ehe wir schon eine knappe Dreiviertelstunde später wieder von Bord fahren konnten. Andreas war zum ersten Mal in Dänemark, ich zum ersten Mal seit dem Jahr 2000.

Nach eindreiviertel Stunden war der Spaß in Dänemark aber auch schon wieder vorbei; wir ließen uns von unserem Navigationssystem, das uns einige "Freude" bereitete, nicht verwirren und fuhren über die Öresund-Verbindung zwischen Kopenhagen und Malmö. Nach einem Zwischenstopp bei McDonald's in Schweden ließ Andreas mich zum ersten Mal ans Steuer und ich fuhr über gut ausgebaute, aber leider ziemlich geschwindigkeitsbegrenzte Autobahnen in Schweden nach Norwegen hinein, wo uns kein Zoll stoppte (anders als bei der Einreise von Dänemark nach Schweden, wo ein Zöllner uns ins Auto guckte) ...

Um 23.23 Uhr reisten wir nach Norwegen ein, und unser Navigationssystem wollte uns über eine Fährverbindung südlich von Oslo um die norwegische Hauptstadt herumlotsen. Mein Plan war aber, durch Oslo hindurchzufahren und auf die E16 in Richtung Bergen zu kommen. Den Kampf zwischen Navigationssystem und mir gewann ich, auch wenn wir einen kurzem Umweg in Richtung Trondheim zu überstehen hatten. Beim Umdrehen war die Übergangsstrecke nicht geräumt, und zum ersten Mal auf der Tour wurde es glatt, aber dafür gleich richtig ...

Kurz hinter Oslo tankten wir zum zweiten Mal und wechselten wieder das Steuer, ehe das Navigationssystem uns knapp drei Stunden zum Umdrehen bewegen wollte, weil es eine angeblich schnellere Route nach Bergen gab als die, die ich über Google Maps bestimmt hatte. Wir wechselten in kürzeren Abständen noch einmal den Steuermann, aber gegen drei Uhr wurde ich mir meiner Fahrweise auch zunehmend unsicherer, zumal die Strecke zwischen Oslo und Bergen praktisch nur Landstraße ist. Wir parkten auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums und versuchten zu schlafen (nachdem ich mir mit im Schnee gewaschenen Händen die Kontaktlinsen herausgenommen hatte -- die meisten Tankstellen machen um 23 Uhr zu), was in einem vollgepackten Auto für zwei nicht ganz kurze Kerls nicht so einfach ist, insbesondere dann, wenn es kalt wird im Auto, wenn der Motor aus ist, und irgendwann der Schneepflug den Parkplatz freipflügen will. Andreas fuhr ein kurzes Stück weiter bis auf einen "richtigen" Parkplatz an der Straße, wo wir bei laufendem Motor ein wenig schliefen. Um 6.30 Uhr ging der Wecker los, und ich hatte allerlei kapitalen Unfug geträumt und war noch nicht wirklich fit. Andreas ging es besser, und so fuhren wir in den überraschend frühen Sonnenaufgang.

Was wir sahen, war traumhaft: Norwegen ist auch und gerade im Winter fantastisch; ein paar Bilder sollten Beweis dafür sein ... Die Kilometeranzeige nach Bergen ging immer weiter nach unten, bis ich schließlich gegen Mittag unser Auto durch Bergens Tunnels zu Andreas' neuer Arbeitsstätte bringen konnte. Apropos Tunnel: Auf der Strecke zwischen Oslo und Bergen sind ein paar Dutzend Tunnelkilometer zu überwinden, die Krönung ist der 24,5-Kilometer-Lærdalstunnel, der längste Straßentunnel der Welt, aber alle sind großartige Ingenieurleistungen ...

Andreas bekam seine neue Arbeitsstätte und seine neuen Kollegen vorgestellt: Er hat ein sehr schickes Büro mit Fensterfront zum Fjord hin, sehr, sehr schön. Danach fuhren wir zu seinem von der Firma gestellten Appartment: Ähm, ebenfalls wow. Eine schöne, große Einliegerwohnung, vollmöbliert, sogar mit Waschmaschine. Hier wird er sich, glaube ich, wohlfühlen.

Bergen hat uns mit ungewöhnlichem Wetter empfangen: Strahlendblauer Himmel über strahlendblauem Fjord, das ist schon toll.

Jetzt haben wir beide geduscht und wollen in Richtung Stadt aufbrechen, da Andreas ein wenig außerhalb, aber fünf Minuten zu Fuß von seiner Firma entfernt wohnt.

Die Hinfahrt war verrückt, aber sehr schön: Eine der schneebedeckten Straßen zwischen Oslo und Bergen, heute Morgen auf dieser Strecke, die Einfahrt in den 24-km-Tunnel und nochmal heute Morgen auf der Strecke Oslo-Bergen

Montag, 31. Januar 2011

Erstmals seit zehn Jahren

... komme ich wieder nach Dänemark, nach Schweden und nach Norwegen.

Heute haben der Freund, den ich nach Norwegen zu seiner neuen Arbeitsstätte bringe, und ich unsere Reiseplanung abgeschlossen. Wir haben unser Auto für den Abend des 9. Februar reserviert, sodass A. das Auto einladen kann. Am 10. Februar fahren wir dann wie gewohnt gegen 9.50 Uhr los. Noch ist nicht ganz klar, ob wir über die A2 und Hannover oder über die A24 und südlich von Schwerin fahren, auf alle Fälle endet die Tour vorläufig in Puttgarden, von wo es (halbstündliche Fähre mit einer Fahrtzeit von einer dreiviertel Stunde) nach Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland geht.

Von dort geht es schnurstracks und ohne größere Pause (wir werden uns mit dem Fahren abwechseln) über Malmö, Göteborg und Oslo nach Bergen, wo wir hoffentlich am 11. Februar vormittags ankommen. Das wird eine ziemlich Monsterstrecke, da wir fast 2.000 Kilometer allein auf dem Hinweg hinter uns bringen wollen, ohne Übernachtung, weil A. schon am Freitag Mittag in Bergen sein muss/will.

Wir werden das Wochende in Bergen verbringen, ehe am Montag, dem 14. Februar, um 13 Uhr meine Autofähre den Hafen in Bergen verlässt. Ich habe eine Einzelkabine über dem Maschinenraum gebucht; die Fähre kommt am 15. Februar morgens um 9.00 Uhr in Hirtshals in Norddänemark an. Von dort sind es dann knapp zehn Stunden Fahrt bzw. fast 1.000 km zurück nach Jena. Das sollte für mich als Einzelfahrer dann auch ausreichend sein.

Die Fähre von Puttgarden nach Rødbyhavn ist noch nicht gebucht, da wir so schnell wie möglich übersetzen wollen, aber nicht wissen, welche Geschwindigkeit auf der Autobahn nach Puttgarden möglich ist, und da wir nicht glauben, dass um diese Jahreszeit die Fähren ausgebucht sind.

Letztmals war ich im Jahr 2000 auf der Sommertour mit meinen Eltern in den drei genannten skandinavischen Ländern. Ich bin sehr gespannt, wie sehr mich bei diesem Aufenthalt die Bierpreise schocken werden, und wie Dänemark, Schweden und Norwegen im Winter aussehen.

Ich werde, wie gehabt, berichten.

Freitag, 21. Januar 2011

Südsudan und Norwegen

Inzwischen kann man ja ziemlich sicher sagen, dass ab dem 9. Juli der Südsudan unabhängig werden wird, nachdem mehr als 90 Prozent der Stimmberechtigten für die Unabhängigkeit gestimmt haben. Ich werde ihn als 207. Land in die Zählung aufnehmen (und natürlich den Titel dieses Blogs ändern sowie die Erläuterung über die Länder der Welt abändern), sobald der 9. Juli gekommen ist - vielleicht auch schon, sobald das Ergebnis offiziell verkündet ist, also irgendwann Anfang März, mal sehen. Jedenfalls steht erst einmal keine Reise nach Juba oder sonstwo im (Nord- oder Süd-)Sudan an.

Dagegen werde ich nach aktuellem Stand Mitte Februar ein paar Tage in Norwegen sein und über Dänemark dorthin fahren. Ein Freund von mir fängt Mitte Februar an, in Bergen zu arbeiten, und ich bringe ihn hin. Voraussichtlich werden wir am 10. Februar so gegen 10 Uhr fahren, damit wir abends in Hirtshals in Norddänemark sind, wo um 2 Uhr nachts am 11. Februar unsere Fähre rüber nach Norwegen geht. Dort landen wir um 6 Uhr an und fahren dann noch ein ganzes Stück von Larvik nach Bergen.

Wir werden wohl ein Mietauto nehmen, damit wir beide fahren können, denn alleine will ich die knapp 1.500 Kilometer (pro Weg) auch nicht fahren, zumindest nicht auf dem Hinweg. Wie ich den Rückweg bewerkstellige, den ich ab dem 14. Februar oder so angehen will, muss ich mal gucken.

Ich werde auch von dieser Tour berichten.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Gute Heimkehr

Sorry, dass wir es so spannend gemacht haben: Im Zug von St. Petersburg nach Vilnius hatten wir keinen Internetzugang, danach sind wir in Vilnius gleich in unser Auto gesprungen und in Richtung Warschau gefahren. Dort hatten wir in einem Fünf-Sterne-Hotel (günstig gebucht!) leider keinen Internetzugang bzw. sie hätten uns für eine Stunde Internet umgerechnet 7,50 € abgeknöpft; das war uns ein wenig zu viel.

Gestern Nachmittag sind wir gut in Jena angekommen und haben schön zu Abend gegessen, bevor wir todmüde ins Bett gefallen sind.

1. Januar: Neujahr haben wir in Sankt Petersburg und Umgebung verbracht. Es war wieder einmal saukalt und bei uns machte sich so langsam die Anstrengung der letzten zweieinhalb Wochen breit; deshalb entschieden wir uns, an den laut Reiseführer schönsten Ostseestrand Russlands zu fahren. Es sollte 40 Minuten vom Finnischen (oder "Finnländischen", wie der Reiseführer sagte) Bahnhof nach draußen gehen. Also marschierten wir zum Finnischen Bahnhof und erstanden im zweiten Anlauf Fahrkarten nach Solnetschnoje. Dann mussten wir durch eine Sperre durch, doch leider stand weder an den Zügen noch auf der Fahrkahrte, in welchen Zug wir einsteigen mussten. Wir fragten also eine Dame vom Reinigungspersonal und ehe wir uns versahen, diskutierte das gesamte Reinigungspersonal für uns mit einigen Fahrgästen an einem bald ausfahrenden Zug, ob der Zug nach Solnetschnoje führe. Das war nicht der Fall, sodass man uns winkend und auf uns einredend in Richtung Ausgang schickte, um dort einen Polizisten zu fragen. Das taten wir schließlich und am Ende erbarmte sich eine Bahnangestellte unserer, schrieb "12.50" auf einen Zettel und redete ebenfalls auf Russisch auf uns ein, bis sie merkte, dass meine Mutter und ich sie nicht verstanden und wir alle herzhaft lachten ...

Die Fahrt war angenehm, wenn auch auf harten Bänken. Solnetschnoje kam, wir stiegen aus und - standen in der Taiga: Schnee und Bäume, eine Straße, sonst nix. Da wir wussten, dass die Ostsee links der Bahngleise sein musste, folgten wir einer Gruppe Frauen und liefen durch den Wald hinaus. Schließlich kamen wir in eine (im Winter fast verlassene) Feriensiedlung und waren mehrfach drauf und dran, zum Bahnhof zurückzukehren, als es auf einmal etwas belebter wurde. Eine Straße kam ins Bild und dahinter sah man es weiß schimmern. Wir liefen auf das Weiß zu, und tatsächlich, wir kamen an die Ostsee. Nun, man konnte Strand und Ostsee nicht unterscheiden, da alles weiß in weiß überschneit war und die Ostsee in Sichtweite völlig zugefroren war. Jedenfalls waren wir an der Ostsee, und wenn ich mich nicht täusche, war ich sogar auf der Ostsee, denn als ich ein wenig den Schnee aufwühlte, kam hier Eis und "am Strand" ein wenig Sand zum Vorschein. Der Blick war in jedem Fall atemberaubend ...

Wir liefen zurück zum Bahnhof, warteten eine Stunde in Eiseskälte auf den Zug, weil sie a) so unregelmäßig fahren und b) verspätet waren, da vorher noch ein Schnellzug durchbrauste, und stiegen schließlich wieder ein in unser Züglein nach Sankt Petersburg.

Wir fuhren mit der U-Bahn wieder in die Stadt, aßen in einem Pub in der Nähe des Newskij Prospekt sehr gut (und preisgünstig) eine Riesenportion Hähnchensteak und gingen dann das kurze Wegstück zurück zu unserem Hotel. Wir kauften noch Proviant ein, holten unser Gepäck und warteten auf ein Taxi. Ein Taxifahrer, der sich als Fahrlehrer etwas dazuverdiente (oder andersherum), hieß seine Fahrschülerin bei uns anhalten, wir luden das Gepäck ein und ließen uns das kurze Stück zum Witebsker Bahnhof fahren (man sieht, in Petersburg gibt es mehrere Bahnhöfe, je nachdem, woher man kommt bzw. wohin man fährt). Dort gingen wir ins Obergeschoss, weil die Züge im ersten Stock abfahren (!) und warteten, ja, in der Kühle und unter Kohledämpfen von den Schlafwagen, darauf, dass unser schon bereitstehender Zug aufmachte. Eine halbe Stunde vor Abfahrt war es soweit, wir durften einsteigen und es uns in einem Viererabteil gemütlich machen, ehe die beiden Mitreisenden ihrer Arbeit nachgingen und wir schon lagen. Im Abteil war es wieder einmal extrem warm, sodass ich auch dann nicht hätte schlafen können, wenn nicht gerade in der Schlafenszeit um halb vier die Tür aufgerissen und das grelle Hauptlicht angemacht worden wäre: Russische Ausreisekontrolle. Das ging alles einigermaßen fix, noch schneller war nur die lettische Einreise und schließlich kamen wir mit "nur" eineinhalb Stunden Verspätung in Vilnius an. Unser Taxifahrer beschiss uns mal wieder geschickt mit Hilfe des Taxameters, aber das war wurscht, weil unser Auto auf dem Hotelparkplatz stand: Schneebedeckt, aber fahrtauglich. Wir verabschiedeten uns gegen 11.30 Uhr bei der Rezeptionistin im Mabre Hotel in Vilnius (das wir nicht nur wegen der Hilfsbereitschaft, sondern auch wegen der Lage, der Zimmer, des Restaurants und allem anderen wärmstens empfehlen können).

Auf ging es auf den zweiten Teil der Doppeletappe, die über 500 km von Vilnius nach Warschau. Den ersten Teil fuhr meine Mutter, den zweiten Teil im Dunkeln dann ich; leider gab es kaum Autobahnen, sodass wir trotz Zeitgewinns um eine Stunde durch die Zeitumstellung erst gegen 19 Uhr in Warschau ankamen. Dort checkten wir schnell in unser Hotel ein: Fünf Sterne, aber Internet für 7,50 €/Stunde und Frühstück für 25 € pro Person, sodass wir uns beides verkniffen. Danach liefen wir in Richtung Innenstadt, um in der Nähe des Rathauses tatsächlich die zwei Kneipen zu finden, die im Reiseführer beschrieben waren, und sie sahen sehr gut aus. Wir entschieden uns für das "U Fiszera" und bestellten, da wir Hunger hatten, ordentliches Essen. Mein Mixed Grill kam und ich musste lachen: Für umgerechnet 11 € (viel Geld in den allgemein recht preisgünstigen Warschauer Lokalitäten) lag da ein ganzes Eisbein, eine große Wurst, ein paar Rippchen, ein Schweine- und ein Putensteak. Selbst ich schaffte bei weitem nicht alles, und so wurde auf dem Heimweg ein Hund (bzw. sein Frauchen) glücklich gemacht.

Am nächsten Tag ließen wir es ruhiger angehen, besichtigten die fantastische Warschauer Altstadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg komplett wieder aufgebaut wurde, weil sie von den Deutschen 1944 als Racheakt für den Warschauer Aufstand fast vollständig gesprengt worden war und warfen einen kurzen Blick auf die Neustadt, ehe wir vom Schneetreiben gepeinigt und von der Reise erschöpft das Handtuch warfen, in der gleichen Kneipe wie am Tag zuvor zu Mittag aßen, ein wenig versackten und gegen 19 Uhr todmüde ins Bett fielen.

Gestern ging es dann um sechs Uhr in Richtung Heimat. Wir kauften in Bunzlau (Bolesławiec) noch - wie immer - Porzellan ein und überquerten gegen 13 Uhr die Bundesgrenze. Unmittelbar danach kehrten wir um, weil wir noch Zigaretten in Polen kaufen wollte und die im Atlas in Polen angezeigte Tankstelle in Wirklichkeit schon in Deutschland lag. Daher hatten wir nicht mehr in Polen umdrehen können. Also überquerten wir die Grenze wieder, kauften in Polen Zigaretten und für unser letztes Kleingeld Getränke ein und fuhren wieder in Richtung Deutschland. Zum dritten Mal auf der Tour (nach Transnistrien und der Ukraine) gerieten wir in eine Polizeikontrolle, die aber glimpflich abging. Wir haben auf der gesamten Tour selten so schlechte Straßen (und erst recht Autobahnen!) gesehen wie auf dem östlichsten Abschnitt der A4: Unfassbar. Dennoch kamen wir gegen 17 Uhr in Jena an, trafen uns um 19 Uhr zum Abendessen und waren um 21.30 Uhr im Bett. Hundekaputt. Fertig. Aber glücklich.

Die Reise war toll. Es fiele leichter, die Städte zu nennen, die uns nicht gefallen haben, wenn es welche gegeben hätte. Krakau und Lemberg sind immer toll, auch wenn die Straßenverhältnisse in der Lemberger Innenstadt noch zu wünschen übrig lassen. Balţi in Moldawien war nicht so toll, aber bei dem Preis für das Hotel kann man auch nix sagen. Die transnistrische Ein- und Ausreise war mit allem Drum und Dran richtiges Abenteuer, einschließlich Bestechung bei der Ausreise, aber Transnistrien ist durchaus interessant, auch wenn es sicher nicht mein Traumziel wird. Odessa und Kiew, überhaupt die Ukraine, haben uns sehr, sehr gut gefallen. 2012 darf man zur EM da durchaus hinfahren - es lohnt sich. Durch Weißrussland sind wir durchgebraust, waren aber von den meist höflichen, oft sogar freundlichen Grenzern, Zöllnern und Hilfssheriffen überrascht - gerade vier Tage nach der Präsidentschafts-"Wahl" dort. Die baltischen Staaten sind sehr schön, ohne jede Frage: Die Altstädte von Vilnius, Riga und Tallinn sind kaum zu vergleichen, aber alle sehr ansehnlich. Während Vilnius uns vom Stadtbild her einen eher kühlen Eindruck gemacht hat (nichtsdestotrotz einen schönen!), war Riga wärmer; viele Hauswände waren geschmückt bzw. bemalt. Tallinn ist anscheinend die am besten erhaltene mittelalterliche Stadt weit und breit, und das ist wahrscheinlich richtig.

Sankt Petersburg ist ebenfalls sehr schön, auch wenn uns sie Stadt nicht so ganz vom Hocker gerissen hat: Wahrscheinlich lag das aber eher am Winterwetter und der Einebnung aller Farbunterschiede als an der Stadt selber. Wenn die Russen mal die Visumpflicht aufheben, bin ich sicher im Sommer mal in Petersburg. Schließlich Warschau: So kurz wir auch nur in der Altstadt waren, so wenig wir gesehen haben, das, was wir gesehen haben, war wow.

Was ich immer predige, hat sich bestätigt: Osteuropa ist immer eine Reise wert.

Das war's von dieser großen Osteuropatour. Ich danke fürs Mitlesen und das Daumendrücken. Für die nähere Zukunft ist erst einmal keine Reise geplant. Mal sehen, wann es wieder wohin geht.

Fotos (von oben): Die Ostsee bei Solnetschnoje (links die Ostsee, rechts der Strand); Blick auf die Warschauer Altstadt; in der Warschauer Altstadt; Mahnmal für die Toten des Warschauer Aufstandes

Freitag, 31. Dezember 2010

Kirchentag an Silvester

Heute haben wir einen "Kirchentag" eingelegt und die Auferstehungskirche und die Isaakskathedrale besucht.

Naja, was soll man sagen? Die Bilder sprechen vielleicht eher für sich: Die Auferstehungskirche ...










... und die Isaakskathedrale:









Extremst beeindruckend.

Danach aßen wir eine Kleinigkeit und gingen wieder zurück ins Hotel, um uns für den Silvesterabend fertig zu machen und Silvester auf dem Schlossplatz im Stadtzentrum zu verbringen. Wir spazierten auch tatsächlich in die Stadt und sahen, den illuminierten Newskij Prospekt, den wunderschön erleuchteten Winterpalast und die Gebäude diesseits und jenseits der Newa. Sehr schön, allerdings auch schweinekalt. Deshalb entschieden wir uns, Silvester Silvester sein zu lassen und unsere müden Glieder ins warme Bettchen zu stecken.

Die letzten zweieinhalb Wochen waren halt auch nicht gerade unanstregend. Wir freuen uns auf die Heimreise, die morgen, an Neujahr, beginnt.

Wir wünschen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011!

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Ein weiteres Traumschloss

Heute haben wir ein weiteres Traumschloss in der näheren Umgebung von St. Petersburg, den Katherinenpalast im "Zarendorf" etwa 25 Kilometer südlich von Petersburg in Puschkin, besucht.

Nach dem Frühstück wanderten wir zum Witebsker Bahnhof, von dem wir übermorgen wieder die Heimreise antreten, und suchten dort in der Nähe eine Post, fanden aber noch einigem Herumfragen nur einen Briefkasten, mit dem uns aber auch schon geholfen war. Anschließend fuhren wir mit der U-Bahn in den Petersburger Süden und stiegen dort nach einigem Suchen in einen Kleinbus um, der uns in die Nähe des Zarendorfes mit dem Katherinen- und dem Alexanderpalast bringen sollte.

Es ist hier, wie überall sonst, üblich, dass Kleinbusse verkehren, die Anhalter mitnehmen und auf Aufforderung auch wieder anhalten. Hier ist das sogar mit Nummern und im Bus (oder draußen) angeschriebenen Fahrpreisen nahezu vorbildlich geregelt. Für unsere 25-Minuten-Fahrt nach Puschkin bezahlten wir zum Beispiel 30 Rubel, ungefähr 75 Cent, pro Person. Der freundliche Fahrer wies uns sogar unseren Aussteigeort an, dem wir ihm vorher gesagt hatten, und so mussten wir nur ein paar Meter laufen, ehe wir am Katherinenschloss ankamen. Naja, ähm, was soll man sagen? Wow.

Der Eintritt für 400 Rubel (10 Euro, Studenten 200 Rubel) lohnt sich absolut, auch wenn wir uns nicht wie gestern in der Eremitage vier Stunden im Schloss aufgehalten haben. Die Sehenswürdigkeiten hier sind - zu dieser Winterzeit - relativ leer, was sehr angenehm, nur auffällig ist, dass ganz Italien in St. Petersburg zu sein scheint. Das ist nicht eine Frage des Winters, denn auch im Sommer 2000 konnten wir uns in Finnland und Norwegen vor Italienern kaum retten. Reiselustiges Völkchen ...

Jedenfalls begeisterten uns der Große Saal mit einem 860-m²-Deckenbild und natürlich das rekonstuierte Bernsteinzimmer, in dem man leider nicht fotografieren darf, absolut, ebenso wie viele der ganz unterschiedlich eingerichteten Ankleide-, Speise- und Galeriesäle im Katherinenschloss. Nach dem Verlassen kamen wir in einen Gang, in dem die jüngere, d. h. Weltkriegsgeschichte des Schlosses beschrieben wurde, was ebenfalls nicht uninteressant war.

Den Abschluss bildete ein Spaziergang durch die verschneiten Parks der Schlösser hin zu einem kleinen, putzigen Pavillon, den als Haus geschenkt zu bekommen ich weiß Gott nicht bedauern würde. Zurück ging es diesmal mit einem größeren Bus, aber auch mit einer K-Nummer, der uns wieder zu unserer U-Bahn-Station Moskowskaja transportierte, von wo aus wir in die Innenstadt fuhren.

Die U-Bahn hier in Petersburg ist einfach praktisch, weil sie günstig und, noch wichtiger, übertagesverkehrsunabhängig ist, was bei diesem Monsterverkehr hier durchaus ein nicht unmaßgeblicher Vorteil ist.

Nach einem kurzen Spaziergang am Newskij Prospekt kehrten wir in ein Pub ein, das uns gut gefiel, und wo ich eine Suppe verspeiste. Es bestätigt sich hier bei fast jeder Mahlzeit, dass ich Sauerrahm ganz gerne mag. Zu Abend aßen wir ein paar Meter in einem für diese Lage sehr preisgünstigen und entsprechend rappelvollen Lokal, wo es guten Lachs mit Pfannkuchen, ein Steak und einen Fleischspieß gab.

Ein etwas längerer Spaziergang führte uns dann über zwei Kanäle zurück zu unserem Hotel, wo wir wieder einigermaßen früh aufgeschlagen sind und uns aufs Bett freuen. Der 24-Stunden-Supermarkt im Untergeschoss ist sehr hilfreich, wenn man Durst hat.

Fotos: Der Katherinenpalast von außen; der Große Saal; ein Ankleidezimmer; McDonald's auf Russisch und ein 2018 zur WM sicher gut von englischen Gästen besuchtes Lokal ...

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Эрмитаж

Heute schmerzen unsere Füße, weil wir die Eremitage für uns erobert haben ...

Heute haben ein wenig ausgeschlafen, auch wenn ich heute Morgen Bekanntschaft mit einem besonders heimtückigen russischen Tierchen gemacht habe, einer männlichen Katze, auch Kater genannt. Das fünfte Bier gestern Abend war vielleicht doch schlecht ...

Das Frühstück fiel dementsprechend nicht ganz so herzhaft aus, aber als wir dann die kalte und, von den Abgasen abgesehen, frische Luft einatmeten, ging alles besser. Wir fuhren mit der U-Bahn und bemerkten, dass die Petersburger ihr U-Bahn-Netz zwischen 2009 und heute umgestellt hatten: Es gibt eine Linie mehr, und die Streckenführungen der restlichen Linien sind leider nicht identisch mit denen in meinem Reiseführer. Das wäre noch zu verkraften gewesen, ärgerlicher war, dass plötzlich eine Station fehlte: Wir wollten eigentlich an der Admiralität aussteigen, dieselbe war auch im Netzplan eingezeichnet, nicht jedoch auf den Linienplakaten im Zug selbst. Und tatsächlich, wir "übersprangen" diese Station und mussten also eine Station weiter aussteigen. Das war jetzt nicht furchtbar schlimm, weil wir auf der Petrograder Seite aus dem Untergrund aufstiegen und über die Wassili-Insel dann einen wunderbaren Blick auf den Winterpalast (in dem sich die Eremitage befindet), die Admiralität und etliche weitere Gebäude an der Newa hatten.

Die Schlange am Eingang zur Eremitage war sehr überschaubar (ungefähr fünf Leute), anders als im Sommer, wo sie angeblich hunderte Meter lang wird; und die 10 Euro Eintritt für meine Mutter (Studenten kommen umsonst rein, sehr löblich) waren gut angelegt. Wir brauchten fast vier Stunden für die erste Etage mit den französischen, flämischen, spanischen, niederländischen, deutschen, italienischen und russischen Meistern von Rubens bis Monet und gingen dann in den zweiten Stock zur moderne(re)n Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, wo wir uns häufiger Ruhepausen gönnten denn gingen, weil uns die Füße vom ständigen Stop-and-Go wehtaten.

Ganz abgesehen von den atemberaubenden Bildern und Skulpturen ist auch das Ambiete wunderbar: Ab und zu wird ein Raum des Winterpalastes eingestreut, der zum Beispiel vor Gold an den Wänden nur so glänzt oder wo einfach so'n Zarenthron in der Gegend herumsteht, und auch in den Räumen, in denen die Bilder ausgestellt sind, lohnt fast immer ein Blick an die Wände, die Decke oder auf den Boden, um nicht die Malereien oder Intarsienarbeiten zu übersehen.

Nach vier Stunden waren wir dann - körperlich wie geistig - so platt, dass wir ganze Jahrhunderte und Regionen nur im Laufschritt auf dem Weg nach draußen kurz mitnahmen und nochmal andere gar nicht mehr anschauten. Der Wahnsinn!

Als wir in die U-Bahn einsteigen wollten, merkten wir, weshalb wir heute Morgen die Admiralitäts-Haltestelle übersprungen hatten: Die ist noch im Bau! Da wäre vielleicht ein englischsprachiger Hinweis auch mal an den Netzplänen schön gewesen ...

Jedenfalls gingen wir über den Newskij Prospekt und fanden schnell, nach einigen Umwegen, eine andere U-Bahn-Station, die wir nutzten (pro Fahrt 22 Rubel, etwa 55 Cent), um zum Hotel zurückzufahren.

Wir wollten im ukrainischen Restaurant im Untergeschoss unseres Hotels zu Abend essen. Dass es kein Hauptgericht unter 12 Euro gab, hätten wir womöglich angesichts der Atmosphäre noch ertragen. Aber dass das einzige bezahlbare Bier (Flaschenbier für drei Euro für 0,5 Liter) angeblich aus war und die gezapften Biere bei 260 Rubel für 0,5 Liter (etwa 6,50 Euro) anfingen, verschlug uns dann doch so sehr den Atem, dass wir aufstanden und wieder gingen. Kurz darauf fanden wir eine schöne Bar mit Essensangebot, in die wir einkehrten und satt und zufrieden wieder verließen.

Jetzt sitzen wir abermals im Zimmer, haben Postkarten geschrieben und freuen uns auf unser Bett.

Morgen geht es vielleicht zum "Zarendorf" ein paar Kilometer aus der Stadt raus, wo man ein rekonstruiertes Bernsteinzimmer sehen kann.

Achso, noch ein Wort zu den U-Bahn-Stationen: Die sind, wie überall in der ehemaligen Sowjetunion, zum Teil echte Schmuckstücke; eines davon ist bei den Bildern dabei.

Fotos (von oben nach unten): Mosaik in der U-Bahn-Station Dostojewskaja; Blick auf die vereiste Newa mit kleiner Fahrrinne; der Winterpalast mit der Eremitage; und noch zwei Nachträge aus Tallinn, ein Stadttor und ein estnisches Euro-Starterkit

Dienstag, 28. Dezember 2010

Am Ziel unserer Reise

So, heute sind wir in Sankt Petersburg, am Ziel unserer Reise, angelangt.

Nach frühem Aufstehen in Tallinn und kurzem Frühstück fuhr uns unser Taxifahrer, der uns ausnahmsweise nicht beschiss, zum Busbahnhof, wo um acht Uhr unser Bus nach Petersburg abfuhr. Leider war es diesmal kein Lux Express (obwohl wir den gebucht hatten), sondern nur ein Simple Express, aber fahren konnte der auch.

Nach kurzem Zwischenstopp in Narva überquerten wir recht problemlos die Grenze nach Russland und kamen etwas verspätet hier in Sankt Petersburg an. Die Taxifahrer wollten 30 Euro von uns, deswegen fuhren wir mit der U-Bahn für etwa einen Euro in die Nähe unseres Hotels, und von dort gingen wir die paar Meter bis zum Hotel weiter. Das Hotel ist in Ordnung, und wir hielten uns abermals nicht lange im Zimmer auf, sondern gingen in ein Lokal, das im Marco Polo als Insidertipp geführt wird.

Das Lokal ist anders als wir uns das dachten, nichtsdestotrotz versackten wir bei gutem Essen, gutem Bier und gutem Wodka und marschierten anschließend einigermaßen geradeaus zurück in unser Hotel.

Jetzt liegen wir im Bett und schlafen morgen aus. Gute Nacht!

Montag, 27. Dezember 2010

Letzter Halt vor Petersburg

Heute sind wir in Tallinn angekommen, unserem letzten Etappenort, bevor es schließlich morgen nach St. Petersburg geht.

Nach einigermaßen Ausschlafen heute Morgen genossen wir unser Frühstück und gingen noch ein wenig in der Altstadt von Riga spazieren und kauften noch ein paar Geschenke ein, ehe uns unser Taxifahrer um 11.30 Uhr abholte. Die Stunde bis zu unserer Abfahrt verplemperten wir erfolgreich am Busbahnhof und stiegen dann in unseren Bus ein. Wieder einmal flog die lettisch und estnische Winterlandschaft an uns vorbei, ehe wir im Dunkeln Tallinn erreichten. Ein Taxifahrer beschiss uns ausnahmsweise einmal nicht, sodass wir zügig und einigermaßen preiswert an unserem Hotel eintrafen. Auf meine E-Mail-Anfrage von heute Morgen, mir möglicherweise Euro-Starter-Kits zu besorgen, wurde freundlicherweise reagiert; es lag ein Starterkit für mich bereit. Sehr guter Service im Reval Park Hotel!

Wir verbrachten nicht viel Zeit im recht schönen Zimmer, sondern brachen gleich zu Fuß in die zwanzig Minuten entfernte Altstadt von Tallinn auf, wo wir nach einigem Prüfen eine sehr schöne Gastwirtschaft fanden und dort ganz gut aßen und estnisches Bier tranken. Das dunkle war mir wieder zu malzig, aber das helle schmeckte sehr genießbar. Da wir morgen wieder früh raus müssen, liefen wir anschließend zurück zu unserem Hotel, wo wir uns - anstelle eines Pubs in der Altstadt - halt hier in der Bar ein Bier genehmigen.

Morgen geht es um acht Uhr nach St. Petersburg, dem zweiten Umkehrpunkt unserer Reise. Ab dem 1. Januar sind wir dann auf dem Heimweg nach Deutschland.

Fotos hoffentlich morgen, wenn die Verbindung besser hinhaut.

Sonntag, 26. Dezember 2010

Märchenhaftes Riga

Man beachte die Erweiterungen vom 27. Dezember.

Heute haben wir ein wenig ausgeschlafen und erst gegen 9.30 Uhr gefrühstückt. Danach marschierten wir durch die verschneite, zwar geräumte, aber nicht gestreute Rigaer Altstadt. Wir liefen am Rathaus und dem Schwarzhäupterhaus vorbei, auf dem die Aufschriften noch auf Deutsch sind. Insgesamt bemerkt man hier deutlich die Tatsache, dass Riga eine Hansestadt ist, manche Gebäude erinnern an Hamburg, manche, insbesondere die kleines Gässchen, kommen uns wie Orte bei Hans Christian Andersen vor. Über einer Gasse waren die frisch gewaschenen Klamotten des Weihnachtsmannes zum Trocknen gespannt, und meine Mutter flippt wegen der schönen Weihnachtsdekorationen schon seit Krakau in fast jeder Stadt von neuem aus.

Wir besichtigten ein paar der vielen Kirchen hier in Riga und spazierten auch ein Stück an der Düna entlang, die übrigens komplett vereist und fast komplett mit Schnee bedeckt ist. Wir statteten dem lettischen Parlament und der deutschen Botschaft in unmittelbarer Nähe der Freiheitsstatue einen Besuch ab und verbrachten dann einige Zeit im Okkupationsmuseum, das sehr eindrücklich die Geschichte der lettischen Besatzung durch Sowjets, Deutsche und wieder Sowjets zwischen 1940 und 1991 beschreibt.

Danach gingen wir gemütlich essen neben der deutschen Botschaft und wanderten dann wieder, ebenso gemütlich, heim ins Hotel, wo wir uns wieder einen schönen Abend im Bett machen. Alles schön.

Auf dieser Tour haben wir schon ein paar deutsche Botschaften und Konsulate gesehen, ein weiteres Hobby von mir ...

Achja, und beim Abendessen gab es heute für mich Bullenhoden. Haben gar nicht so schlecht geschmeckt, vielleicht ein wenig nach Leber ... Meine Mutter aß einen mit Speck umwickelten Schweinefleischzopf, vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber immer noch sehr lecker und angeblich ebenfalls "typisch lettisch".

Allgemein fällt auch in Riga die Dichte an italienischen Lokalen auf, aber auch an Irish, English und sonstwas Pubs kommt man häufiger vorbei. Wenn man erst einmal drin ist, vergisst man aber überall ganz schnell, dass man nicht in Irland oder England ist, außer vielleicht, wenn man - glücklicherweise - einheimisches Bier bestellen und trinken kann.

Apropos Bier: Von den lettischen Bieren bin ich persönlich nicht ganz so begeistert, davon sind mir viele ein wenig zu malzig, aber ansonsten waren wir in Polen, in der Ukraine, in Litauen, selbst in Moldawien mit den jeweils lokalen Bieren sehr einverstanden, und auch das lettische Bier ist jetzt nichts, was man ausspucken müsste, und wir schon gar nicht ...

Das Fahren mit den Fernreisebussen (mitsamt Internetzugang unterwegs, Musikvideobespaßung und kostenloser Kaffeemaschine) ist - wie überall auf der Welt außer in Deutschland - problemlos möglich und wird auch sehr rege in Anspruch genommen. Für die 300-km-Fahrt von Vilnius nach Riga haben wir ungefähr 16 Euro pro Person gezahlt, und zwar eben im Lux Express, also durchaus bezahlbar, vor allem, wenn man Preise und Ausstattung der Deutschen Bahn gewohnt ist.

Mal wieder ein paar Fotos: Schwarzhäupterhaus, Pulverturm, Dom und zugeschneite Düna

Samstag, 25. Dezember 2010

Schnee an der Ostsee

Heute haben wir nach entspanntem Frühstück im Hotel und Hinterlegung unserer Daten für die Autoreparatur unsere Etappe nach Riga angetreten. Unser Taxi fuhr uns um 11 Uhr zum Busbahnhof, dort kauften und schrieben wir noch ein paar Postkarten, ehe unser Bus pünktlich um 12.30 Uhr abging.

Leider war die Strecke ziemlich vernebelt, sodass man nicht viel sehen konnte, aber da wir im Bus WLAN hatten, konnten wir uns schon einmal Stadtpläne unserer weiteren Etappenziele angucken und ein wenig sonst im Internet surfen.

Überpünktlich erreichten wir das im Dämmern begriffene Riga gegen 16.15 Uhr, tauschten zu einem guten Kurs litauisches in lettisches Geld, gerieten leider wieder einmal an einen betrügerischen Taxifahrer, aber kamen dann in ein sehr schönes Hotel mitten in der Altstadt. Wir machten nicht lange Gebrauch von unserem schönen Zimmer, sondern brachen gleich in die Innenstadt auf. In unserem Hotel erhielten wir einen Stadtplan von Riga, in dem eine schöne Gaststätte eingezeichnet war, die etwas außerhalb von der Altstadt lag. Wir spazierten ein wenig durch die sehr schön geschmückten Straßen und mit großen Schneemännern (wie schreiben die das im Studentenrat: Schneepersonen? Schneeleuten? Schneemännerinnen?) dekorierte Parks, sahen das eine oder andere ebenfalls recht schöne Restaurant, aber gingen dann zielstrebig zum anvisierten Lokal. Dort tranken und aßen wir sehr gut, bekamen aber unmittelbar nach dem Abräumen des Essens die Rechnung präsentiert und verkniffen uns daher einen Absacker. Stattdessen gingen wir wieder zurück nach Hause und einigermaßen zeitig ins Hotel, wo wir uns jetzt einen gemütlichen Abend machen.

Ein alles in allem sehr entspannender Tag, zumal es heute erstmals auf unserer Tour geschneit hat und wir kein Auto fahren mussten. Wir freuen uns auf die nächsten Tage an der Ostsee.

Fotos: Freiheitsstatue in Riga und die "typisch lettische" Schweinshaxe heute Abend

Freitag, 24. Dezember 2010

Mittelprächtige Planänderung

Erst einmal wünschen wir allen, die diesen Blog lesen, ein frohes Weihnachtsfest.

Zweitens, um niemandem die Weihnachtsfreude zu verderben: Uns geht es immer noch sehr gut.

Und drittens haben wir heute unsere Reisepläne ein wenig ändern müssen, weil unser Autochen nicht mehr ganz so will wie wir, zumindest der Bremskreislauf des linken Vorderrades. Jedenfalls signalisieren uns die Warnleuchten, die unser Auto zu unserem ganz persönlichen Weihnachtsbaum machten, Probleme mit dem ABS, dem ESP und dem Bremskreislauf. Nachdem wir dann in Weißrussland mal im Handbuch nachgeguckt und festgestellt haben, dass man - wenn ABS- und Brems-Warnleuchte gleichzeitig an sind - den Wagen "bei erster Gelegenheit zum Stillstand bringen" sollte, haben wir diese Gelegenheit nach grob geschätzt 1.000 km auch gefunden, nämlich hier in Vilnius bei der Werkstätte, die uns unsere Rezeption nahegelegt hatte. Dort steht unser Auto jetzt und wird wahrscheinlich am Montag erstversorgt mit neuem Bremsschlauch, jedenfalls dann, wenn wir den Mechaniker, der einigermaßen Englisch sprach, richtig verstanden haben. Da wir aber schon für Riga und St. Petersburg Hotels gebucht haben, werden wir nun folgenden Plan verfolgen:
- Morgen fahren wir mit dem Bus von Vilnius nach Riga.
- Am 27. Dezember geht es von Riga nach Tallinn zum Euro-Starter-Kits-Kaufen,
- am 28. Dezember weiter nach Sankt Petersburg (alles bisher mit dem Bus).
- Am 1. Januar abends geht es mit dem Nachtzug von St. Petersburg nach Vilnius, wo wir am 2. Januar morgens eintreffen, unser Auto vom Hotelparkplatz oder von der Werkstatt mitnehmen und unsere Heimreise über Warschau fortsetzen.

Soeben haben wir auch unser Hotel in Tallinn gebucht, sodass unsere Reiseroute nun bis zum 2. Januar vollständig feststeht ...

Daneben haben wir uns aber auch einen wunderbaren Tag im sehr schönen Vilnius gemacht. Auch wenn im Hintergrund ein paar Hochhäuser glitzern, ist das Stadtzentrum von Vilnius irgendwie angenehm überschaubar, gut begehbar (wenn nicht gerade Schneematsch liegt ...) und einfach schön. Auch Vilnius werden wir uns noch einmal in Ruhe angucken, irgendwann ...

Morgen wird erst einmal schön gefrühstückt und dann brechen wir zum Busbahnhof auf. Um 12.30 Uhr geht es in Richtung Riga. Wird sicher lustig im Bus ...

Foto: Šv. Onus in Vilnius

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Quer durch Weißrussland

Heute sind wir, eigentlich ungeplant, in einem Tag von Kiew nach Vilnius gefahren und haben daher ganz Weißrussland von Südosten nach Nordwesten durchquert.

Nach frühem Aufstehen und gutem Frühstück in unserem Hotel Rus machten wir leider wieder einmal erst eine mittlere Stadtrundfahrt, ehe wir das Schlupfloch in Richtung Tschernihiw und Weißrussland fanden. Die Kiewer fahren, wie die meisten Hauptstädter, wie die Vollbekloppten, überholen links und rechts, und das Doppelte der erlaubten Höchstgeschwindigkeit gehört zum guten Ton. Nach diesen ersten Aufregungen ging es aber bald ins ruhigere Umland, wir fuhren nicht gar so weit von Tschernobyl entfernt in Richtung Homel/Gomel in Weißrussland.

Die Ausreise aus der Ukraine war wie immer ziemlich problemlos, die Einreise nach Weißrussland glückte auch, zum Großteil dank eines jungen Deutsch sprechenden Zöllners, die uns den nur auf Russisch verfügbaren Zollzettel ausfüllen half und uns auch sonst durch die verschiedenen Kontrollen lotste: So mussten wir, obwohl wir eine Auslandskrankenversicherung besitzen, nochmals ein weißrussische abschließen; die weißrussische Versicherungswirtschaft will ja auch ein wenig an Ausländern verdienen. Alles in allem waren die Grenzer und Zöllner aber recht freundlich und schon nach "nur" eineinhalb Stunden hatten wir die gesamte Prozedur hinter uns.

Die Fahrerei in Weißrussland war überraschend entspannt, die Straßen waren fast durchweg gut bis sehr gut befahrbar, sodass wir schnell vorankamen und schon gegen 16 Uhr in Minsk eintrafen.

Auf dem Weg hatten wir uns aus verschiedenen Gründen, unter anderem, weil wir recht früh dran waren, entschieden, den Grenzübertritt nach Litauen schon heute zu wagen und in dem Hotel, in dem eigentlich erst morgen Abend unterkommen wollten, schon vorzeitig aufzuschlagen und anzufragen, ob sie uns auch heute Nacht beherbergten.

Die Rechnung hatten wir allerdings ohne den Minsker Innenstadtverkehr gemacht, da wir die Abfahrt auf den Stadtring verpassten und im Feierabendverkehr uns die Stadt anguckten, ehe wir - dank der Hilfe eines freundlichen, ebenfalls Deutsch sprechenden Weißrussen - wieder auf den Ring und in Richtung Vilnius kamen. Die Beschilderung ist hier ab und zu mal sehr gewöhnungsbedürftig, es könnte ruhig öfter mal eine Stadt in lateinischen Buchstaben auf dem Wegweiser erscheinen, auch wenn meine Kyrillisch-Entzifferungskünste in den letzten Tagen wieder einmal aufgeblüht sind ...

Die Rechnung hatten wir allerdings auch ohne die Langsamkeit und Bürokratie der weißrussischen Ausreisegrenzer gemacht: Nachdem wir zunächst eineinhalb Stunden im Auto anstanden, bis wir in den Grenzbereich fahren durften, mussten wir die Zettelwirtschaft von der Einreise noch steigern. Man benötigt:
- Reisepässe mit
- Migrationskarte,
- Autopapiere,
- Grüne Versicherungskarte,
- Zolldokument der Einreise,
- Zolldokument zur Ausreise (zweifach auszufüllen),
- Einreisebeleg für das Auto (gesondert),
- fünf Dollar Transitgebühr und, besonders wichtig,
- den "Talon" oder "Kleinpapier", ohne den gar nix geht:
Den bekommt man bei der Einfahrt in die Grenzzone und muss ihn am Ende wieder abgeben, um nachzuweisen, dass man den Hindernisparcours ordnungsgemäß bewältigt hat. Es ist daher schlecht, wenn man den Talon beim Ausfüllen des Ausreisezolldokuments auf dem Pult vergisst und dann denselben hektisch suchen muss; ist bei mir gerade noch gutgegangen ...

Die Einreise nach Litauen war weniger Zettelwirtschaft (Pässe und Autopapiere), ging aber langsam voran, weil weißrussische Einreisende und/oder litauische Grenzer den EU-Vertrag bzw. den Schengener Grenzkodex nicht so ganz durchschaut haben und alle irgendwo überall anstehen anstatt EU-Bürger im EU-Bürger-Bereich, der sich auf Sichtkontrollen beschränkt, und alle anderen im "Alle-Pässe-Bereich". Saubande.

Nach dem Bewundern des sich über mehrere Kilometer erstreckenden Gegenverkehrsstaus kamen wir schließlich dank unseres nun in Litauen wieder tadellos funktionierenden Navis sehr zügig zu unserem Hotel und konnten gegen 22 Uhr endlich einchecken. Wir aßen noch schnell als letzte Gäste im Hotelrestaurant leckeres Rindfleisch und liegen nun im Bett.

Die nächsten Tagen sehen eine Stadterkundung Vilnius', die Fahrt nach Riga und das Erstehen von Euro-Starterkits in Estland vor.

Heute keine Fotos, aber die Tour ist nach wie vor toll ...