Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 23. April 2023

In die Ferne schweifen, obwohl das Nahe auch so schön ist

Das ist so einigermaßen das Motto dieses Wochenendes, denn der Freitag Abend bestand aus einer meiner heißgeliebten Grenzsteinwanderungen, während der Samstag und Sonntag darauf verwendet wurde, die von 2020 aufgeschobene Neuseeland-Ozeanien-Reise neu zu buchen.

Ich hatte am Freitag Morgen schon meine Mutter angespitzt, dass ich möglicherweise am Abend eine Wanderung zu bisher unerforschten Grenzsteinen machen wolle - da ich aber nach Neuhaus am Randen nur sehr schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen würde (vor allem in angemessener Zeit) und vom Schlauch in Wiechs am Randen auch nicht wesentlich besser zurück, wurde erstmals seit langer Zeit wieder ernsthaft das Mamataxi für eine Wanderung in Anspruch genommen.

Wir fuhren zum Buchener Stumpen in der Nähe des Schwarzen Steins (nördlichster Punkt der Schweiz, auf dem ich schon mehrfach meine Griffel hatte, man erinnere sich), und von dort lief ich in Richtung Neuhaus hinunter. Meine Mutter fuhr nach Wiechs am Randen (aber nicht in den Schlauch, weil ich übersehe hatte, dass der Fußballplatz, den ich dort verortet hatte, inzwischen ein Hundeplatz ist; dementsprechend wurde meine Mutter auf ihre Frage nach dem Fußballplatz nach Wiechs-Dorf geschickt - am Ende haben wir uns aber gefunden ...).

An der Steigstrasse überquerte ich erstmals die deutsch-schweizerische Grenze und wurde kurz vor dem Hof Stroosacker von einem Hund begrüßt, der mich erst freundlich ansprang und dann etwas weniger freundlich bellte, nachdem ich schon an ihm vorbeigegangen war. An dem Hof bog ich scharf links ab und lief einen moderaten Anstieg hoch, in dem ich meine Jacke auszog und im Verlauf der Strecke nicht mehr anzog.

Der Blick auf die Alpen wurde immer besser (obwohl es in Bonndorf noch genieselt hatte), und als ich oben auf dem Berg beim Grenzstein ankam, war der Alpenblick ganz grandios (ich hoffe, das kann man auf den Bildern wenigstens erahnen ...). Ich folgte dem Grenzweg, der 1966 im Vorgriff auf das Inkrafttreten des Grenzänderungsvertrages von 1964 neu vermessen worden war, und lief an insgesamt sicher 25 bis 30 Grenzsteinen entlang.

Einer kurzen Abkehr von der Grenze folgte ein weiterer leichter Anstieg zurück zur Grenze (wäre ich der Grenze gefolgt, wäre das ein steiler Anstieg quer durchs Feld geworden), aber vom Grenzstein dort oben ging es dann immer bergab, zunächst in Serpentinen hinunter nach Bargen, dann an der Kantonalstrasse entlang in den (deutschen) Schlauch, und als ich gerade wieder in der Schweiz war, wurde ich von meiner Mutter, die inzwischen herbeigeeilt war, angehupt. Ich lief trotzdem noch ein paar Schritte bis zum letzten Grenzstein an der Straße (Nr. 855) weiter und kehrte dann zurück zu meiner Mutter, die auf einem Parkplatz stand, der bis 1967 schweizerisches Gebiet war, ehe es im Gebietsabtausch an Deutschland fiel.

Wir machten noch einen kleinen Ausflug (mit dem Auto) nach Büttenhardt und fuhren am Verenahof vorbei, der bis 1967 eine deutsche Exklave war (wiewohl ausschließlich von Schweizern bewohnt), und dann ging es über eine Gemeindestraße über die Grenze, wo ich ein bisschen unsicher war, ob wir da überhaupt fahren durften ... Da dieser Grenzübergang aber auf der Wikipedia-Liste der deutsch-schweizerischen Grenzübergänge steht, ging da sicherlich alles mit rechten Dingen zu.

Nach der guten Heimkehr wurde der Sieg über die zwei Dutzend Grenzsteine gebührend in einem gastronomischen Betrieb in unmittelbarer Nähe gefeiert ...

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Ich habe im Laufe des gestrigen und heutigen Tages alle Hotels für die Neuseeland-Tour gebucht, und weil Fiji Airways das damals bezahlte Geld mir weiterhin gutschreibt bzw. sogar für den gleichen Preis das gleiche Ticket neu ausstellt (wenn ich das richtig verstanden habe), bleibt uns quasi gar nichts übrig, als auch bei dieser Planung nach Fidschi und Samoa zu fliegen. Sobald das bestätigt ist, buche ich noch den Flug von Samoa nach Brisbane, und dann haben wir eigentlich fast alles zusammen (achso, ob wir den Samoa-nach-Amerikanisch-Samoa-Flug noch abfliegen können, kläre ich gerade noch, aber da ist der Zeitdruck nicht so riesig ...).

Dass das Ganze ein teures Vergnügen wird, war vorher schon klar, aber mit einigermaßen geschicktem Buchen (wenn auch um den Preis einer langen Anreise) konnte ich den Schaden nach aktuellem Stand minimieren.

Jetzt aber genug des Auf-die-Folter-Spannens, so sieht die Reiseroute aus:

Am Freitag, dem 14. Juli, müssen wir früh aufstehen, damit unsere Mütter uns nach Freiburg an den Bahnhof bringen können; dann geht es mit dem Zug nach Frankfurt an den Flughafen. Um 11.25 Uhr geht der Gulf-Air-Flieger nach Bahrain; dort kommen wir um 18.20 Uhr an und haben fünf Stunden Aufenthalt. Ich vermute, die werden wir zur Einreise nicht nutzen, weil die Bahrainer immer noch ein Eintrittsgeld verlangen, und das lohnt sich für fünf Stunden nicht ... (Wenn ich noch nicht in Bahrain gewesen wäre, hätte ich das vielleicht gemacht, aber so eher nicht.)

Um 23.25 Uhr geht es weiter mit Gulf Air, diesmal nach Singapur, wo wir um 12.15 Uhr morgens  am 15. Juli ankommen. Das ist das Ende des Hinflugs der ersten Buchung; in Singapur müssen wir also einreisen und unser Gepäck neu aufgeben. Da wir sieben Stunden Aufenthalt haben, könnte es sogar passieren, dass wir das Gepäck entweder in die Gepäckaufbewahrung geben oder aber möglicherweise schon einchecken können, denn um 19.50 Uhr am Samstag, dem 15. Juli, geht es mit Philippine Airlines nach Manila. Dort kommen wir um 23.50 Uhr an und werden in die Philippinen einreisen; ein Hotel in Intramuros, der Altstadt von Manila, habe ich schon gebucht.

In Manila gucken wir uns sicherlich am 16. Juli ein bisschen die Stadt an, ehe wir wieder zum Flughafen fahren, um um 22.25 Uhr nach Sydney zu starten. Dort kommen wir um 8.45 Uhr am Montag, dem 17. Juli, an. Auch hier müssen wir das Gepäck entgegennehmen und entweder in die Gepäckaufbewahrung geben oder gleich einchecken; hier bin ich ein wenig optimistischer, dass Letzteres geht, denn das ist ein Qantas-Flug. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir in die Stadt fahren, vielleicht ein bisschen Fähre fahren, mal sehen, denn der Flieger nach Neuseeland geht erst um  18.55 Uhr.

Planmäßig exakt um 23.59 Uhr kommen wir in Christchurch auf der neuseeländischen Südinsel an, werden dann einreisen, wahrscheinlich mit dem Taxi ins Hotel in unmittelbarer Flughafennähe fahren und dort erst einmal pennen.

Am nächsten Morgen werde ich dann unser Auto (das für neuseeländische Verhältnisse vergleichsweise günstig ist) in Empfang nehmen, und dann geht es auf die wilde Fahrt über die dann womöglich winterliche Südinsel.

Die erste Etappe führt uns nach Twizel in der Nähe des Aoraki / Mount Cook. 2020 hatte ich direkt in Mount Cook Village gebucht, da war jetzt alles ausgebucht, sodass wir zunächst die knapp 300 Kilometer/vier Stunden nach Twizel fahren, dort vielleicht schon einchecken und dann die landschaftlich schön aussehende Strecke nach Mount Cook Village fahren (das sind pro Strecke noch einmal knapp 70 Kilometer/eine Stunde).

Am zweiten Tag, dem 19. Juli, geht es in die Nähe von Queenstown. 2020 war der Plan gewesen, durch Queenstown gleich nach Te Anau durchzustarten, aber die über 400 Kilometer lange und mehr als fünf Stunden dauernde Fahrt wollte ich im Winter nicht unbedingt fahren müssen. So machen wir jetzt Zwischenstation in Glenorchy am Ende der Straße entlang des Lake Wakatipu, so ein bisschen am Allerwertesten der Welt, aber auch hier soll die Straße von Queenstown nach Glenorchy zu den landschaftlich schönsten Strecken Neuseelands gehören - wir werden es sehen auf unserer 250 Kilometer langen und über drei Stunden dauernden Fahrt.

Am 20. Juli geht es dann auf die dritte Etappe, jetzt wirklich nach Te Anau am Lake Te Anau, und das werden etwas über 200 Kilometer in Google-geschätzten drei Stunden. In Te Anau übernachten wir zum ersten Mal zwei Nächte, denn das einzige Hotel direkt am Milford Sound ist kaum bezahlbar; so fahren wir am 21. Juli von Te Anau zum Milford Sound und wieder zurück, das sind je 120 Kilometer und eineinhalb Stunden Fahrt, wobei mehrere Webseiten davon schreiben, dass man sich da nicht beeilen sollte, weil die Strecke landschaftlich so schön sei.

Ob wir auf dem Milford Sound eine Schiffsfahrt machen, entscheiden wir spontan, dann angeblich sollen im Winter kaum Touristen dort unterwegs sein (die reihenweise ausgebuchten Hotels sprechen ein bisschen eine andere Sprache, aber wir gucken mal ...).

Am Samstag, dem 22. Juli, schließlich geht es noch ein Stückchen weiter in Richtung Süden, nach Bluff; hier oder am nahegelegenen Slope Point erreiche ich mit 46° 36' oder 46° 40' südlicher Breite meinen neuen Süd-Rekord, und den alten aus Montevideo breche ich um über 10 Breitengrade. In Bluff gibt es ein Austernlokal, und ich hoffe, dass sich die 180 Kilometer Fahrt in knapp zwei Stunden dafür lohnen ... (Wenn wir verrückt sind und früh aufbrechen, könnte man möglicherweise die - teure - Fähre auf die Stewart-Insel erwischen und einen Tagesausflug dorthin machen, das gucken wir mal ...)

Ab Bluff geht es dann zurück in Richtung Christchurch, wobei wir in der angeblich architektonisch sehr schönen Stadt Oamaru, in der es zu allem Überfluss auch noch Pinguine gibt, Zwischenstation machen (340 Kilometer, vier Stunden, aber das ist jetzt mehr oder weniger am Meer entlang, wo es hoffentlich nicht viel Schnee geben wird).

Die letzte Etappe auf der Südinsel unternehmen wir am Montag, dem 24. Juli, und sie wird nach 250 Kilometern und etwas über drei Stunden Fahrt in Christchurch enden. Dort wohnen wir sehr zentral, haben aber einen Parkplatz an unserer angeblich sehr schönen Stadtvilla.

Einen kleinen Stadtbummel werden wir sicherlich durch Christchurch machen, aber wir sollten einigermaßen zeitig ins Bett gehen, denn am nächsten Morgen muss ich das Auto abgeben, bevor der Flug nach Auckland um 9.45 Uhr abhebt.

In Auckland kommen wir am 25. Juli um 11.05 Uhr an; ich tendiere dazu, zum Hotel ein Uber zu nehmen, aber vielleicht fahren wir auch mit Bus und Bahn. Jedenfalls sind wir drei Nächte in Auckland (einen der beiden im Vergleich zu 2020 zusätzlichen Tage habe ich auf Auckland gelegt), dann können wir - neben dem geplanten Besuch in Rotorua - noch einen vollen Tag (und den Rest des Anreisetages) Auckland erkunden (und Fähre fahren ...).

Am 28. Juli geht es dann - geplant ist: mittags - von Auckland nach Nadi auf den Fidschi-Inseln, wo ich in relativer Flughafennähe schon ein Strandhotel gebucht habe; am Tag darauf, dem 29. Juli, fliegen wir dann nach weiter von Nadi nach Apia. Dort habe ich sehr teures, aber von den Bildern her wunderschönes Hotel auf einem kleinen Inselchen bei Apia gebucht - mal sehen, ob Uli hier ihr Veto einlegt und ich etwas anderes suchen muss, aber das ist auf Samoa nicht ganz so einfach, gerade wenn man die Option mit Amerikanisch-Samoa noch offenhalten will.

Nach drei vollen Tagen auf Samoa (oder eben zwei vollen und einem Tagesausflug nach Amerikanisch-Samoa) fliegen wir dann am 2. August von Samoa nach Brisbane, möglicherweise mit Zwischenstopp auf Fidschi.

In Brisbane sind wir dann zwei Nächte - hier habe ich uns ein Hotel direkt am Brisbane River gebucht, das direkt an einem Fährhaltepunkt ist, nicht weit von der Bahn in die Stadt, und auch das WM-Stadion ist in unmittelbarer Nähe. Der letzte Höhepunkt dieser Reise wird ja - hoffentlich - das dritte Gruppenspiel der deutschen Fußball-Frauen gegen Südkorea sein, und das Spiel findet am 3. August abends um 20 Uhr in Brisbane statt.

Nach dem hoffentlich siegreichen Gruppenausklang sollten wir nicht zu sehr feiern, denn am nächsten Morgen, am 4. August, geht um 10.30 Uhr der Flieger nach Manila. Dort kommen wir um 16.40 Uhr Ortszeit an, werden diesmal nur umsteigen, weil der Flug nach Singapur schon wieder um 19.30 Uhr startet. Diesmal kommen wir in Singapur am späten Abend an (um 23.10 Uhr), diesmal übernachten wir in Singapur, und auch diesmal werden wir möglicherweise unser Gepäck einschließen, damit wir nur mit kleinem Rucksack ins Hotel fahren. Hier habe ich vergleichsweise günstiges Hotel gebucht, aber wir haben fest vor, in unsere Stammkneipe von 2015 zu fahren und dort ein Bierchen oder Weinchen zu trinken.

Die Schlussetappe der Reise werden wir dann also hoffentlich gut gestärkt in Angriff nehmen; diese startet am 5. August um 21 Uhr in Singapur, wird durch einen Zwischenstopp in Bahrain von 23.55 Uhr bis 1.30 Uhr unterbrochen und endet am Sonntag Morgen um 6.55 Uhr in Frankfurt. Die Zugfahrt zurück nach Freiburg und hoch nach Rötenbach werden wir hoffentlich überstehen, und dann geht es nach einem hoffentlich leckeren Mittagessen möglicherweise auch schon ins Bett.

Damit die oben allesamt in Ortszeit angegebenen Zeiten auch für die Leser zu Hause klar sind, kurz der Hinweis: In Bahrain ist es eine Stunde später als in Deutschland, in Singapur und den Philippinen sechs Stunden, in Sydney und Brisbane acht Stunden, in Neuseeland und Fidschi zehn Stunden und in Samoa elf Stunden. Falls wir nach Amerikanisch-Samoa flögen, wäre es dort 13 Stunden früher als in Deutschland, weil wir ja die Datumsgrenze überqueren würden (was halt schon cool wäre ...).

Für die Länderliste, die ja mit Trinidad und Tobago (149. Land), Grenada (150.), Barbados (151., da bin ich ja fast sicher, dass ich einreise) und Suriname (152. Land) schon im Mai gut ergänzt wird, bedeutet diese Reise, dass Neuseeland das 153. Land wird, Fidschi das 154. und Samoa das 155. Land. Würde Amerikanisch-Samoa dazukommen, wäre es das neunte besuchte abhängige Gebiet.

Ach, Kinners, das wird toll - und ich hoffe, dass diesmal keine Seuche dazwischenkommt ...

Fotos von den Grenzsteinen gibt es auch:

Ein majestätischer Grenzstein (und einer, der erst 1966 aufgestellt wurde)

Blick von Deutschland aus ins Tal der Durach

Alpenblick

Sonntag, 16. April 2023

Der Mann mit dem Hammer

... hatte sich gestern die ganze Zeit schon angekündigt (auch auf der Autofahrt, bis ich das Radio auf lauter stellte), und als ich - wieder einmal - nach sehr gutem Essen im Schnitzer am Tisch saß und bald eingeschlafen wäre, machte ich mich - auf vermeintlich französische Weise, also ohne große Verabschiedung - auf nach Hause. Ich putzte mir noch die Zähne, dann war ich vor 19.30 Uhr im Bett und schlief bis heute Morgen fast durch, so durch, wie man halt in meinem Alter noch durchschlafen kann ...

Es war toll, das wird niemanden überraschen; es war anstrengend, auch das wird keinen wundern, der in den letzten Tagen mehr oder weniger regelmäßig diesen Blog gelesen hat; und es war eine ganz wunderbare Abenteuerreise in einen Winkel der Erde, der mit der von mir ja an sich bevorzugten Beschreibung "zwischen Afghanistan und Sibirien" nicht wirklich viel zu tun hat.

Die Blogeinträge abends, entweder beim oder - noch schlimmer - nach dem Bier geschrieben, sollen ja - so ist mein wohldurchdachtes Konzept, höhö - die Fakten des Tages, die Stimmung unterwegs, die Kleinigkeiten beschreiben, die mir am Tag auffallen und die ich sonst vergesse; in meinem Fazit - Christian nennt das in seinen Facebook-Posts ebenso zutreffend "Nachlese" - versuche ich die Reise - mit ein bisschen Abstand, nicht völlig übermüdet und vor allem nüchtern (in mehreren Bedeutungen) - ein bisschen einzuordnen, was mich so über die Tage hinweg bewegt und beschäftigt hat. Mal sehen, ob das dieses Mal gelingt ...

Das Erste, was auf der Reise auffällig war, war, wie entspannt die Grenzer und Zöllner unterwegs waren. Wir mussten keine einzige Zollerklärung oder Einreisekarte ausfüllen, weder am Flughafen noch an den Landgrenzen (das war 2017 in Usbekistan noch ganz deutlich anders gewesen), der eine oder andere Grenzer begrüßte einen sogar ausdrücklich in seinem Land, die Ein- und Ausreisen gingen überall ziemlich fix (am längsten dauerte die Einreise nach Kasachstan, aber auch da waren wir in, keine Ahnung, einer Viertelstunde durch). Dass wir in Usbekistan, Tadschikistan und Kasachstan visumsfrei einreisen konnten (so wie es für Kirgisistan auch gegangen wäre), ist nicht selbstverständlich, die Tadschiken haben die Visumsfreiheit für Deutsche erst 2022 eingeführt, die Usbeken 2019 (denn 2017 benötigten wir noch ein Visum), und Kirgisistan und Kasachstan waren auch nicht wesentlich früher dran (nämlich 2012 bzw. 2014). Jetzt fehlt nur noch Turkmenistan (aber das kommt nicht so schnell, fürchte ich) - und natürlich Russland (ist das noch Zentralasien?), aber auch da stehen sicherlich, sagen wir, geopolitische Gründe im Raum, die vielleicht auch nicht so schnell abgeräumt sein werden. Geklappt hat das an den Grenzen also jeweils wunderbar, auch wenn der eine usbekische Visumsverlanger und der kasachische Grenzer, der - nach Christians Erzählung - eher sparsam schaute, als er bei der Ausreise aus Kasachstan unseren Einreisestempel vom gleichen Tag sah, aber sogleich von seinem Chef zur Weiterarbeit angetrieben wurde, noch ein (wirklich nur klitzekleines) bisschen Sand ins Getriebe streut. (Übrigens benötigen die Menschen dort offenbar auch einen richtigen Reisepass zum Grenzübertritt, Personalausweise scheinen nicht zu genügen.) Achso, und dass die usbekische Ausreise elektronisch geht, am Flughafen wie an der kasachisch-usbekischen Grenze (da sogar für die Einreise!), das ist fast schon vorbildlich, zumal die menschlichen Grenzer deutlich länger zum Durchwinken brauchen als der Automat (beim Automaten stempelt zwar immer noch einer, aber der stempelt eher "blind", sobald der Computer einen durchgewunken hat).

Das Zweite, was auffällt, wenn man irgendwo ankommt - jedenfalls dann, wenn man ein Fahrzeug benutzt, um zum Hotel zu kommen -, ist, wie die Menschen fahren, und das, meine Damen und Herren, ist gewöhnungsbedürftig, aber auch gewöhnungsfähig: Ich habe auf der ganzen Tour keinen Unfall gesehen, und das ist überraschend, so brutal, wie die Männer (und wir haben nur Männer fahren sehen) durch die Gegend heizen. Die technische Ausstattung ist gefühlt ein Jahrzehnt oder so hinter unserer zurück (Usbekistan ist übrigens fest in Chevrolet-Hand, Tadschikistan ist Opel-dominiert), Anschnallen ist nur auf den Vordersitzen und dann auch nur der Polizei wegen angesagt, der Kofferraum steht auch mal offen (oder der Koffer wird aufs Dach gebunden), aufgefahren wird sehr dicht, ebenso wird dicht an anderen Autos vorbeigefahren, aber man das natürlich auch umdrehen und sagen, dass die Autofahrer dort eine sehr gute Fahrzeugbeherrschung haben. Offene Korruption haben wir auf der Straße keine gesehen, nur einmal musste unser Fahrer (der auf der langen Tour) anhalten; er hielt ein Schwätzchen mit den Polizisten, die guckten ins Auto ("hello!" allenthalben), wir guckten alle, ob er was zahlt/zahlen muss, haben aber alle nichts gesehen.

Überhaupt, Shariyor, unser Fahrer von Chudschand nach Pandschakent, war fantastisch - ja, der spricht kaum ein Wort Englisch (außer "driver" und "photo stop"), aber wie der den Geländewagen über die Schlaglochpiste zu den Sieben Seen bugsierte, das war schon sehr gut, und auch im Berg, bei Schnee, war ich froh, dass er gefahren ist, weil er sich dort auskennt. Insgesamt aber sind die Straßen sowohl in Usbekistan als auch in Tadschikistan den Umständen entsprechend recht gut - richtig furchtbare Schlaglochpisten gab es (mit der großen Ausnahme Sieben Seen natürlich) keine, meist waren die Straßen recht ordentlich asphaltiert, das schlechteste Hauptverbindungsstück, an das ich mich jetzt erinnere, war von der tadschikisch-usbekischen Grenze hinter Pandschakent nach Samarkand, aber auch da konnte unser (Renn-)Fahrer oft mit 100 Sachen über die Piste heizen.

Für Taxis haben wir viel Geld ausgegeben, auch weil ich die Taxi-App der GUS-Staaten nicht herunterladen konnte, weil das nur mit einer Nummer funktioniert, die in diesen Staaten angelegt ist. Das war insofern ärgerlich, als wir das Doppelte und Dreifache dessen bezahlt haben, was ein Mensch mit App gezahlt hätte, und es eben keinen wirklich Sinn ergibt für diesen Betreiber, weniger Umsatz zu machen ... Alles in allem waren aber die meisten Taxifahrten tat- und schuldangemessen, sodass wir da jetzt auch nicht arm geworden sind, auch weil wir alles durch vier teilen konnten.

Das Dritte, was auffällt, wenn man dann im Land ist, ist die (manchmal etwas unbeholfene) Freundlichkeit der Menschen. Ja, im Geschäftsleute-Hotel in Taschkent bekommt man professionelle, aber auch ein bisschen oberflächliche Freundlichkeit (obwohl da auch die eine Bedienung mit ihrem Englisch und einem großen bisschen Deutsch glänzte und sich - glaube ich - ernsthaft darüber freute, dass wir immer wiederkamen und mit ihr Deutsch sprachen), und oberflächliche Freundlichkeit ist immer noch viel besser als tiefgründige Schroffheit! Was ich aber immer wieder schön fand, war das Gefühl, dass die Menschen sich wirklich freuen, uns helfen zu können, uns zu Gast zu haben in ihrem Land, und wenn da mal - auf beiden Seiten - aufgrund der Sprachbarriere (und weil entweder Google Translate oder das WLAN nicht funktionieren) etwas danebengeht, dann tut es das halt, aber das ist dann auch nicht schlimm. Die Dankesgeste, bei der man die Hand aufs Herz legt und sich kurz verbeugt, haben wir uns jedenfalls schnell angewöhnt, zumal sie auch als Gruß verwendet wird, und da freute sich jeder.

In Usbekistan haben wir vom Ramadan, der in wenigen Tagen endet, so überhaupt nichts mitbekommen, da gab es Essen und Trinken auf der Straße, alles kein Thema. In Tadschikistan hingegen merkte man den muslimischen Einfluss vergleichsweise stark, und das hat mich in einem ehemaligen sowjetischen Land wirklich ein bisschen überrascht: Es war nicht ganz so einfach, tagsüber etwas zu essen zu bekommen (insbesondere im eher ländlichen Pandschakent), und Alkohol in Gaststätten klappte überhaupt nicht. Es gab allerdings sowohl in Chudschand als auch in Pandschakent mindestens einen Laden, der - notfalls mit einem Tuch vor Blicken von außen geschützt - Alkohol (bis hinauf zum hochprozentigen Wodkagedöns) anbot; und der in Chudschand war praktischerweise (wobei ich nicht sicher bin, dass das ein Zufall war ...) direkt neben dem Hotel.

Dort kauften wir ab und zu Bier und durften das dann - ich konnte es kaum glauben und fragte deswegen mehrfach nach - auf die Terrasse des Hotelrestaurants mitnehmen und dort konsumieren (selbst Gläser bot man uns an!). Hier machten wir am ersten Abend auch den Fehler, dass wir auswärts aßen, weil ich dachte, dass das Restaurant im Umbau (war es) und deswegen die Küche geschlossen sei (war sie nicht); am zweiten Abend in Chudschand hatten wir im Restaurant Omar Khayyam das beste Essen der gesamten Reise, da stimmte einfach alles ...

Aber auch sonst sind wir ganz offensichtlich nirgendwo verhungert, das Essen im Hotel in Taschkent war immer wieder lecker (wenn auch für Usbekistan ziemlich teuer), sodass wir immer wieder kamen (und weil es praktisch ist, nach dem Abendessen gleich ins Bett zu können), das Mittagessen in Chudschand in dem Schnellrestaurant wird uns vor allem wegen meiner längeren unentschuldigten Abwesenheit auf der Suche nach einem Geldautomaten in Erinnerung bleiben, denn das Essen dort war - wie man im Englischen sagt - nichts, um [eine Postkarte darüber] nach Hause zu schreiben. Das Abendessen in Pandschakent war eher ein Reinfall, weil die Rinder-Spieße der Damen sehr böckelten - mein Essen war dagegen okay, ich habe leider den Zettel weggeworfen, denn ich glaube, das war schon Lagman.

In Samarkand jedenfalls haben Jessi und Christian eine Zuneigung zum Lagman entwickelt, zu der Suppe mit viel Rindfleisch und vielen Nudeln, die als eine der Nationalspeisen Usbekistans gilt. Das Lagman war in unserer Mittagessenkneipe am Anreisetag gut (der Rest des Essens war okay, aber nichts Herausragendes), das Lagman war in unserer Touristengaststätte in Samarkand, die wir zweimal aufsuchten, gut (und da war auch der Rest des Essens lecker).

Und am Schluss waren wir wieder in Taschkent, haben - weil wir sowohl am ersten Tag spät vom Flieger als auch am vorletzten Abend spät vom Zug kamen - dort die 24-Stunden-Küche sehr zu schätzen gewusst, weil wir da auch um 23 Uhr noch etwas Gutes zu essen bekamen, das war sehr, sehr praktisch.

Das Mittag-/Abendessen auf dem Heimweg in Riga war auch sehr gut, meine Ma und ich aßen endlich mal wieder Fisch nach einer Woche in Zentralasien, so weit entfernt vom Meer wie irgend möglich auf der Welt, und die Cepelinai (die lettischen Klöße) waren auch sehr lecker.

Die Biere waren - ein Stück bedingt durch den Ramadan - in Tadschikistan fast allesamt ungekühlt (wir wussten uns mit dem Kühlschrank im Zimmer zum Teil zu helfen), in Usbekistan waren sie immer gut gekühlt, egal, ob vom Fass (Taschkent, eine Kneipe in Samarkand) oder aus der Flasche (Rest von Samarkand). Trinkbar waren die zentralasiatischen Biere in jedem Fall, jedenfalls, wenn sie kalt waren - und wenn Bier warm ist, schmeckt es wahrscheinlich nie, sodass das kasachische Bier, das wir auf unserem einstündigen Ausflug nach Dschibek Dscholi konsumiert haben, keine Aussage über die Qualität dortiger Hopfenschalen erlaubt. In Lettland am Anfang und am Schluss war alles kalt, alles okay, auch wenn die lettischen Biere (besonders die dunkeln) immer so ein bisschen trübe aussehen.

Die Tour jedenfalls hat uns allen großen Spaß gemacht, auch wenn sie geistig und körperlich nicht unanstrengend war (wir sind öfter sehr spät ins Bett und/oder sehr früh aufgestanden), und wir sind schon am Planen, ob wir uns - dann aber ohne meine Mutter, denn die vier Stunden über die Schlaglochpisten zu den Sieben Seen hatten sie bei aller Begeisterung am Ende doch geschafft - den Pamir Highway einmal vornehmen, im Sommer 2024, wenn hoffentlich die kirgisisch-tadschikische Grenze wieder offen ist. Alternativ oder konsekutiv - da bei der Pamir-Highway-Tour kein neues Land für mich herauskommt, jedenfalls wenn man keinen Abstecher nach Afghanistan plant, höhö - steht auch noch Turkmenistan auf dem Wunschzettel, da hat der Chef unseres kirgisischen Reisebüros, das uns Transfer von Chudschand nach Pandschakent organisiert hat, sehr spannende Bilder auf Lager gehabt. Aber bringen wir erst einmal die Reisen 2023 alle unter, dann sehen wir weiter.

Einen habe ich noch: Von Jessi abgeguckt habe ich mir die Technik, Panoramabilder nicht nur horizontal, sondern - gerade in Kuppelgebäuden - auch vertikal zu machen; dabei entstehen ganz wunderbare und überraschend räumliche Fotos, das kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen ...

Central Asia, over and out - stay tuned for Bulgaria, Israel, Denmark, Caribbean, Australia, New Zealand etc.

Samstag, 15. April 2023

Früh fertig

... waren wir heute morgen, sodass wir schon um 5.15 Uhr aus dem Hotel herauskamen (angepeilt war 5.30 Uhr). Der müde Taxifahrer (wir waren natürlich alle topfit, höhö) brachte uns erfolgreich zum Flughafen.

Weniger erfolgreich waren die Versuche, am Automaten das eine Handgepäckstück einzuchecken: Der Gepäckanhänger kam aus dem Drucker, aber beim Scannen des angelegten Anhängers ging etwas schief, sodass wir doch wieder an den Schalter mussten ... Alles schräg, aber dafür ging dann die Sicherheitskontrolle halbwegs glatt, auch wenn die Kontrolleurin sehr, sehr auf Tuchfühlung mit meiner Mutter ging ...

Kaffee (und heiße Schokolade) wurden in einem Café verzehrt, ehe wir als Vorletzte boardeten. Der Flug ging recht problemlos vonstatten, ich guckte zwei Folgen meiner aktuellen Serie, geschlafen wurde auch ein bisschen in der Reisegruppe, es war eine ganz normale Rückreise am Ende einer wunderbaren, hochinteressanten Tour.

Das Gepäck ließ ein bisschen auf sich warten, obwohl wir trödelten, drei Jugendliche wurden - zu recht - vom Gepäckband gejagt, als sie darum herumsurfen wollten, aber irgendwann waren mit mit SkyLine und S-Bahn und Bus an den Autos angelangt.

Meine Ma und ich verabschiedeten uns von Jessi und Christian, dann ging es auf die Heimfahrt, die nur von ein paar Stops zum Überwinden der Müdigkeit unterbrochen wurde. Irgendwie fühlte die Fahrt in den Schwarzwald sich recht kurz an, und jetzt sind wir vor einer guten Stunde wieder angekommen - im kalten, regnerischen Deutschland.

Ein Fazit gibt es in den nächsten Tagen (gleich geht es in den Schnitzer zur Feier der guten Wiederkehr), aber ein Foto habe ich, nämlich den von Jessis Pass - das ist der einzige unserer vier Pässe, in der die Stempel durchgehend schön angeordnet waren:

Usbekistan (3x), Tadschikistan und Kasachstan hinterließen jeweils Ein- und Ausreisestempel

Freitag, 14. April 2023

Pool in Riga

... haben wir heute gespielt, denn als wir beim Mittag-/Abendessen saßen, stellte sich heraus, dass wir alle seit Jahren bzw. meine Mutter noch nie (!) Pool bzw. Billard gespielt hatte. Also schleppten wir uns aus der Kneipe nach draußen (vollgefressen, wie wir waren) und in die nächste Tür wieder hinein, denn da gab es einen Billardsaal mit elf Tischen oder so ... Am Ende spielten wir fast zwei Stunden, hatten mehr Fouls als eingelochte Kugeln, aber es machte sehr großen Spaß.

Nicht ganz so großen Spaß hatte heute Morgen das Aufstehen in Taschkent gemacht. Wir waren zwar für unsere Verhältnisse recht früh ins Bett gegangen, aber ein Weckerklingeln um 4.15 Uhr ist nie so richtig lustig. Meine Ma war schon wach und hüpfte wie üblich wie ein junges Reh durch die Gegend, während der angeschossene Hirsch sich noch ein bisschen Kuscheln erbat.

Wir stellten uns, wie üblich, an die Straße und warteten auf ein Taxi, aber um 5.30 Uhr ist der Verkehr in Taschkent überraschenderweise doch recht überschaubar, sodass kein Auto für uns anhielt. Also ging ich doch wieder zurück zur Rezeption und ließ uns ein Taxi kommen. Der Rezeptionist buchte uns bei Yandex ein Taxi, das kam Minuten später, war aber für uns vier mit großem Gepäck viel zu klein. Angesichts des außerordentlich überschaubaren Preises (ein Bruchteil dessen, was wir normalerweise zahlten - leider konnte ich die Yandex-App nicht herunterladen, weil die idiotischerweise mit Geoblocking arbeiten) ließen wir einfach ein zweites Taxi buchen, das wiederum ein paar Minuten später kam.

Am Flughafen trafen wir uns wieder, ließen die obligatorische, aber schmerzlose Vorkontrolle über uns ergehen, konnten sehr schnell einchecken, tranken noch ein Getränk und gingen dann durch die Kontrollmaschinerie. Heute versuchte ich es auch an der elektronischen Ausreise, das klappte auch, auch wenn der Grenzer unnötig Hektik machte, aber meine Mutter wurde zur - langwierigen - Ausreise beim Grenzer geschickt.

Die Sicherheitskontrolle ging sehr schnell, auch wenn sich ein paar Leute - diesmal leider Deutsche - von der Seite reindrängelten. Meine (volle) Wasserflasche im Handgepäck war kein Problem (!), dafür etwas anderes an meinem Rucksack, aber der lief einfach nochmal durch, dann war's recht ...

Wir kamen etwas verspätet los, während des Fluges spielte ich einige Spiele (vor allen Dingen Angry Birds), aber wir kamen sogar etwas vorfristig an. Die elektronische Einreisekontrolle in den Schengen-Raum klappte vorzüglich, und unser Bolt-Taxi stand schon da ...

Durch das heute verkehrsreiche Riga ging es zum Hotel, kurz ins Zimmer und dann in die Stadt zu einem gemütlichen Nachmittag mit Speis und Trank und anschließendem Billard.

Jetzt sind wir ziemlich früh im Bett, weil wir morgen wieder früh aufstehen müssen, aber dafür sind wir dann hoffentlich bald auch wieder im Schwarzwald.

Fotos gibt's heute keine, ein Fazit auch noch nicht, ich will jetzt gleich schlafen - gute Nacht!

Donnerstag, 13. April 2023

Auf ein Bier nach Kasachstan

... waren wir heute, und diese Form der Dekadenz war natürlich nur möglich, weil man inzwischen in Zentralasien (Ausnahme: Turkmenistan) ziemlich schmerzfrei und problemlos zwischen den einzelnen Ländern hin- und herhoppen kann.

Wir schliefen heute morgen einigermaßen aus und setzten uns dann für das Frühstück auf die Terrasse des Restaurants. Danach liefen wir zum Amir-Timur-Park mit der entsprechende Statue, machten ein Foto des im sowjetischen Stil erbauten Hotels Uzbekistan, liefen durch die - noch leere - Fußgängerzone zum Unabhängigkeitsplatz, machten - unter den gestrengen Augen der Polizisten dort - ein paar Fotos und fuhren dann - für elf Cent - mit der U-Bahn.

Erst ging es zur Station Alischer Nawoi, wo wir in die andere U-Bahn-Linie umstiegen. Nacheinander stiegen wir an den U-Bahn-Stationen Ozbekistan und Kosmonavtlar aus, machten Fotos und stiegen wieder ein (man darf inzwischen in den U-Bahn-Stationen auch Fotos machen, das war 2017 noch verboten).

Zurück ging es wieder zur Station Alischer Nawoi und von dort in den angeblichen Südteil der Altstadt. Dort liefen wir am Parlament vorbei, waren von der benachbarten Medresse aber wenig begeistert. Nach dem semi-erfolgreichen Versuch, die achtspurige Straße zu überqueren, streikte meine Mutter - wir riefen für sie ein Taxi und fuhren mit der U-Bahn zur Station am Tschorsu-Basar.

Dort machten wir einen kleinen Rundgang, aber ich hatte zu spät Wasser getrunken, sodass ich nach dem kurzen Abstecher zur Kukeldasch-Medresse (joa, ganz hübsch, aber nach Samarkand halt nicht mehr soooo spektakulär) schlappmachte: Jessi und Christian eilten voraus, ich schlich hinterher, und irgendwann entschieden wir uns, mit dem Taxi zurück zum Hotel zu fahren und uns dort zu stärken.

Meine Mutter stieß zur gemütlich Hopfenkaltschalenrunde wieder zu uns, und gemeinsam heckten wir den - schon lange vorbesprochenen - Plan aus, noch einen kleinen Abstecher nach Kasachstan zu machen.

Wir hielten uns ein Taxi an und wollten zur angeblichen ruhigeren Grenze fahren, aber der Fahrer bedeutete uns, dass dieser Grenzübergang geschlossen sei. Vielleicht wollte er nur ein bisschen mehr verdienen, vielleicht war er wirklich hilfreich, jedenfalls ließen wir uns dann doch zum angeblich betriebsameren Grenzübergang kutschieren. Dort stiegen wir aus, wechselten ein bisschen Geld und liefen dann den anderen Fußgängern hinterher.

Christian reiste über die elektronische Ausreisekontrolle der Usbeken aus (bekam aber trotzdem einen Stempel), und recht schnell waren wir im kasachischen Teil der Grenzkontrolle. Die Schlange dort war länger, die kasachischen Grenzer stellten ein paar mehr Fragen, aber auch das war schmerzlos - und schon waren wir in unserem 34. gemeinsamen Land. Juchhe!

Wir liefen 300, 400 Meter nach Kasachstan hinein, taten ein Café mit WLAN und (warmer) Hopfenmilch auf und tranken selbige dann. Insgesamt war das ein Ausflug der Kategorie Spaß an der Freud, aber die kasachischen und usbekischen Grenzer machten auch kein Fass auf, weil wir an einem Tag hin- und herwechselten, sodass wir zügig wieder in Usbekistan gelandet waren (nur der kasachische Ausreisezöllner wollte wissen, was wir an Devisen dabei haben, ließ sich aber mit "a few dollars and a few euros" abspeisen ...)

Ich wechselte Geld zurück, ich verhandelte über ein Taxi, vertippte mich bei der finalen Preisabsprache und gab eine Null zu viel an, was zu großem Gelächter führte, und 30, 40 Minuten später waren wir wieder an unserem Hotel.

Es wurde keine Zeit verschwendet, denn es ging wieder ins Hotelrestaurant und hier wurden sehr leckere Salate und türkisch-usbekische Gerichte verzehrt. Heute geht es früh ins Bett, denn morgen klingelt der Wecker um 4.30 Uhr - der Flieger geht um 8.30 Uhr ...

Fotos gibbet auch, aber keine aus Kasachstan, denn so viel war auf den paar hundert Metern, die wir im Land waren, auch nicht zu sehen:

Hotel Usbekistan

Amir Timur

Fußgängerzone

Unabhängigkeitsplatz

Unabhängigkeitsplatz (näher ging es nicht wegen einer Absperrung)

Station Uzbekistan (glaube ich)

Station der Kosmonauten

Kukeldasch-Medresse

Mittwoch, 12. April 2023

Die rote Farbpatrone in meinem Drucker war leer

... und deswegen war auf den Fahrkarten, die ich für die Fahrt von Samarkand nach Taschkent ausgedruckt hatte, die Zug-, Wagen- und Sitznummern nicht lesbar, denn die waren auf der Fahrkarte in roter Schrift ausgewiesen. Das hielt mich zunächst nicht davon ab, über die usbekische Bahn zu schimpfen, da muss ich aber Abbitte leisten - das Gleis hätten sie aber durchaus ein bisschen früher (und auch in englischer Sprache) anzeigen oder ansagen können, auch wenn aufgrund der hektischen Betriebsamkeit, die aufgrund einer usbekisch-russischen Ansage kurz vor Ankunft des Zuges aufkam, klar war, wie der Hase läuft ...

Heute Morgen schliefen wir erst einmal aus, frühstückten dann gemütlich, bestellten mit Hilfe von Google Translate Spiegeleier und stellten dann unser Gepäck im Zimmer des Hotelmanagers unter. Danach ging es zum Registan und von dort mit dem Golfkärrelchen hinunter zum Siob-Basar. Solche Basare sind ja schon immer faszinierend, was da alles feilgeboten wird, von Gewürzen über Obst und Gemüse, Porzellanwaren, historische Messer (inkl. Original-Souvenirbescheinigung für die Ausfuhr ...) - das war schick. Wir kamen an einem Stand mit Granatapfelsaft vorbei - und meine Mutter wollte keinen ... Sachma?!

Vom Siob-Basar ging es die paar Schritte in Richtung des Shah-i-Zinda-Ensembles, machten aber noch einen kurzen Abstecher in den Friedhof kurz davor. In Usbekistan werden regelmäßig auf den Grabsteine Abbilder der Verstorbenen dargestellt, das hatte ich so zuletzt in Armenien gesehen.

Das Shah-i-Zinda-Ensemble hatte ich irgendwie noch prächtiger in Erinnerung, aber auch so war das immer noch sehr schick, diese Straße mit diesen wunderschönen blauen Medressen. Fotos wurden auch gemacht, das Fotografierverbot an einzelnen Stellen wurde flächendeckend ignoriert, eine russische Familie brauchte für ihre Familienfotos so lange, wie Putin braucht, um nach Kiew zu kommen (und meckerte uns noch fast an, dass wir im Bild stünden ...), aber dann konnten wir auch Fotos machen.

Gegenüber des Ensembles ist ein ziemlich neu wirkendes Hotel, der Ober sprach recht gut Deutsch, es gab kalte Milch am Pool, himmlisch - und sehr erfrischend ...

Von dort fuhren wir mit dem Taxi zur Mausoleum von Amir Temur; wir waren uns unsicher, ob die die drei Euro Eintritt wert ist (Spoiler: ist sie), denn allein die Kuppel mit Amir Temurs Grab ist unfassbar (und beherbergt angeblich den größten Jade-Stein der Welt).

Die nächste Taxifahrt (wir waren heute einigermaßen faul) führte zur gestrigen Abendessenkneipe, in der die Wirtsleute wieder sehr, sehr freundlich waren. Es wurden Pelmeni, Manti und Chanum (alle drei Varianten von Fleisch- bzw. Gemüseteigtaschen) verzehrt, Lagman war auch in der Verlosung, und dazu wurden Milch und später Getreidesaftshots getrunken. Irgendwie war es da sehr, sehr gemütlich, sodass wir erfolgreich die Zeit vertrödelt hatten, mit dem Taxi zum Hotel fuhren und dann mit dem nächsten Taxi - mit offenem Kofferraum, weil die Koffer nicht so in den Kofferraum passten, dass der zuging - zum Bahnhof.

Die Sicherheitskontrolle für den Einlass ist maximal unsinnig, aber wenigstens wurden unsere Fahrkarten gestempelt, dann hatten wir noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt, die wir mit dem Herausfinden der Sitzplätze und des Gleises und mit Herumsitzen verbrachten.

Im Zug war Sauna ansagt (obwohl wir klimatisiert gebucht hatten), denn die offenen Fenster halfen nicht gegen die Hitze. Auch der Fahrtwind war nur bedingt hilfreich, aber ich döste einige Zeit vor mich hin, versuchte erfolglos, per GPS zu verfolgen, wo wir gerade sind, und spielte auf meinem Handy herum (USB-Stecker gab es nämlich, und der funktionierte meistens). Einigermaßen pünktlich kamen wir um kurz nach 22.30 Uhr in Taschkent an, überquerten die Gleise (am Hauptbahnhof!!!!), schossen uns erfolgreich im zweiten Versuch ein Taxi, wieder blieb der Kofferraum offen, aber wir (und die Koffer) kamen heil am Hotel an.

Nach dem Check-in sitzen wir nun wieder im 24-Stunden-Restaurant und konsumieren lecker Milch, wie immer halt.

Wir kurbeln gerade unser Programm für morgen heraus, aber was wir morgen dann wirklich machen, wird erst morgen Abend verraten.

Im Zug saß neben mir ein junger Russe (dessen Tochter kam ab und zu zu uns), und ich überlegte mir (wir unterhielten uns nicht), dass er mit seiner Familie möglicherweise einer dieser Mobilisierungsflüchtlinge ist, der hier in Usbekistan den Krieg aussitzt.

Und - was ich schon seit Tagen schreiben wollte: In Pandschakent im Hotel standen Flaggen aller möglichen Länder, auch die Bundesflagge, aber es fehlte auffälligerweise die russische Flagge. Ich bin nicht sicher, wie ich das interpretieren soll, aber ich fand es interessant, dass ausrechnet diese Flagge nicht vertreten war ...

So, Fotos, damit ich vielleicht noch ein Glas Milch trinken kann:

Siob-Basar

Shah-i-Zinda I

Shah-i-Zinda II

Mausoleum im Shah-i-Zinda

Gur-Emir-Mausoleum

Grabkammer

Überqueren der Gleise am Hauptbahnhof in Taschkent

Dienstag, 11. April 2023

Schneller als gedacht

... waren wir heute in Samarkand, denn das ging alles ziemlich unproblematisch - außer, dass der usbekische Vorprüfer (also der Typ, der ein bis zwei Meter hinter der tatsächlichen, physischen Staatsgrenze steht und erstmal die Pässe anguckt - wieso, weiß kein Mensch) unsere usbekischen Visa sehen wollte (obwohl er sich sogar noch extra bei einem Kollegen erkundigt hatte) ... Ich hielt ihm die usbekische Google-Übersetzung von "Deutsche benötigen kein Visum; außerdem sind wir ja vor ein paar Tagen schon ohne Visum eingereist" unter die Nase, dann wurde ihm sein Lapsus mehr oder weniger gewahr, und er ließ uns durch - die eigentlichen, richtigen Einreisebeamten kannten natürlich die usbekischen Einreiseregeln und machten so einen Mist erst gar nicht. Mag sein, dass er eine kleine Bestechung haben wollte, aber dann war er erstens ziemlich ... öhm, wie umschreibe ich das am besten ... in nicht unbedingt übergroßem Maße mit Intelligenz gesegnet, weil wir ja sofort an der Einreisekontrolle wieder rausgezogen worden wären, und zweitens, nunja, bei mir an den Falschen geraten ...

Das Frühstück in dem durchaus schönen Hotel in Pandschakent war ganz lecker, mit Spiegelei und Omelett und Wurst und Käse und leckerem Brot, Kaffee gab es auch, ich trank Tee und Traubensaft, die Bezahlung erfolgte teils mit unserem verbleibendem tadschikischen Bargeld, teils mit Kreditkarte, alles völlig unkompliziert; der Chef durfte noch mit einer Taxi-Vermittlung zur Grenze ein Geschäft machen, dann stand das telefonisch angeheuerte Taxi schon vor der Tür und wir fuhren die zwanzig Minuten oder so bis zur Grenze.

Am Eingang zur Grenzzone mussten wir ein bisschen warten, bis der Vorprüfer (hier noch der tadschikische) uns in die Grenzzone ließ; auf dem Weg zur Grenzkontrolle (das waren sicherlich 100 Meter) überholten wir einige sehr langsam laufende Männer, die sich dann an der Grenzkontrolle irgendwie von der Seite her wieder recht aktiv anstellten ...

Ich stellte meinen Körper dazwischen, denn auch wenn ich älteren Menschen gerne mal den Vortritt lasse, mag ich es überhaupt bei niemandem, wenn er unhöflich ist und sich vordrängelt. Bei drei von von uns vieren fand sich der Ausreisestempel völlig zufällig im Pass verteilt, nur bei Jessi war er ordnungsgemäß neben dem Einreisestempel angebracht gewesen.

Wieder ging es ein paar Schritte weiter, durch eine Röntgen-Gepäckkontrolle, die nicht beaufsichtigt wurde (oder wenn, dann von einem kleinen Mädchen), die Zöllner wollten trotzdem nix von uns, also liefen wir in Richtung der finalen tadschikischen Ausreisekontrolle, die aber in Wirklichkeit schon der usbekische Vorprüfer war. Nach dem Scharmützel mit diesem liefen wir - wir wussten nicht ganz genau, wohin, also ließen wir zwei anderen Männern den Vortritt, auf dass sie uns führen mögen - zur usbekischen Einreisekontrolle, die - wie jede Grenzüberquerung auf dieser Reise - völlig schmerzfrei war. An der usbekischen Gepäckkontrolle standen tatsächlich zwei Zöllner, aber die interessierten sich für uns kein bisschen. Wir überstanden auch die usbekische Nachprüferkontrolle (ob wir den Einreisestempel denn wirklich haben), der Typ pfiff eine andere Frau an, weil die in der Grenzzone telefonierte, dann waren wir aus der Grenzzone draußen, nach Usbekistan formvollendet eingereist und hatten sofort einen Taxifahrer vor der Nase.

Zügig saßen wir im Taxi, wieder hatten wir einen Rennfahrer erwischt, der aber durchaus geschickt um die anderen Autos und die Schlaglöcher, derer es auf der Straße viele gab, herumfuhr, unterwegs rief er im Hotel an und ließ sich die Streckenführung erläutern (meiner Google-Maps-Streckenführung traut hier irgendwie keiner ...), dann brachte er uns heil vors Hotel. Den 20-Dollar-Schein wollte er nicht akzeptieren, weil da ein eineinhalb Millimeter langer Riss im Schein war, naja, bekam er halt einen anderen (ich habe schon öfter gelesen, dass die Geldwechsler hier ziemlich pienzig sind mit den Geldscheinen ...).

Das Hotel ist sehr ordentlich, ein kleines Problem mit dem Abfluss in Jessis und Christians Zimmer wurde durch Umzug in ein anderes Zimmer sehr kurzfristig gelöst, und schon bald waren wir wieder auf der Gass.

Es ging in Richtung Registan, und ich war noch mehr begeistert als 2017 (da waren wir gerade aus Buchara angekommen, da ist der Registan nicht mehr der erste Elefant auf der Safari, sondern nur der zehnte), aber nach der Rütteltour gestern und den nicht ganz so atemberaubenden Bauten in Chudschand war das - gerade bei dem guten Wetter, das wir heute Mittag erwischt hatten - schon ganz fantastisch schön.

Für fünf Euro pro Person (Ausländerpreis, Usbeken zahlen wesentlich weniger) darf man dieses Weltkulturerbe auch betreten, und so machten wir außerhalb und innerhalb der drei Gebäudekomplexe eifrig Fotos. Diese drei Medressen stammen aus dem 15. bzw. 17. Jahrhundert und gehörten in der Blütezeit Samarkands zu den wichtigsten Zentren der Wissenschaft.

Hier begegneten wir - neben vielen russischsprachigen Menschen - dann auch wieder ein paar Deutschen (in ganz Tadschikistan hatten wir nicht einmal bewusst Deutsche gesehen oder gehört), hier sprachen wieder alle Verkäufer Englisch, hier gab es Kühlschrankmagneten als Ausdruck der touristischen Infrastruktur - und hier gab es ziemlich konsequent Rollstuhlrampen.

Nach, ich weiß nicht, eineinhalb Stunden verließen wir den Registan und gingen erstmal ein schönes, kaltes Glas ... Milch trinken (ich will ja nicht ständig vom Biertrinken schreiben müssen). Die Fassmilch schmeckte sehr gut, auch wenn das Restaurant sehr touristisch war, bei Google rekordverdächtig schlecht bewertet war, das WLAN trotz Werbung nicht funktionierte und die Helden 15% Service Charge verlangten, aber okay, bei 80 Cent für das B... äh, die Milch tat das ja auch nicht so richtig weh ...

Zum Mittagessen gingen wir dann in eine "Historic" genannte Kneipe in unserer Straße, die wir auf dem Hinweg mangels usbekischen Geldes verschmäht hatten (ich hatte zwischenzeitlich problemlos am Automaten Geld abgehoben), und hier bekamen wir zu warme, tschechische Milch, aber - jetzt wirklich - sehr leckeres Rinderschaschlik, und ich verspeiste eine Portion Lagman, einer Art Nudelsuppe mit Fleischeinlage, und auch wenn hier Lamm im Lagman durchaus auch normal ist, hatte ich leckeres Rindfleisch.

Wir zahlten und liefen in Richtung der Bibi-Chanum-Moschee. Die inzwischen wunderbare Fußgängerzone (nur Golf-Karts fuhren - wild hupend, wie üblich hier - durch die Gegend), die bei unserem Besuch 2017 in Samarkand noch in Bau war, führte uns schnurstracks zur Moschee, selbst die öffentliche Toilette unterwegs war nach Christians Aussage sehr akzeptabel.

In der Bibi-Chanum-Moschee zahlten wir brav den Eintritt, auch wenn das Drehkreuz dort einen derartigen Abstand zur Wand lässt, dass selbst ich meinen Adoniskörper da ohne größere Anstrengung hindurch bugsieren konnte, dann hatten wir die - immer noch in Renovierung befindliche - ehemalige Moschee vor uns. Auch hier gefiel es uns sehr gut, aber so langsam waren wir alle von der Tour ein bisschen müde, sodass wir uns entschieden, an der Straße ein Taxi zum Hotel zu nehmen und ein bisschen Siesta zu machen.

Nachdem der Taxifahrer (wir wollten eigentlich aus Spaß an der Freud mit so einem Kleinbuschen fahren, aber das war gar kein Taxi ...) herausgefunden hatte, dass wir Deutsche sind, wurden wir erst einmal mit "Heil Hitler" oder vielmehr "Cheil Chitler" begrüßt, was allen vieren von uns - unabhängig von der Generation und sonstigen Erwägungen - ganz spontan einen vielstimmig-entnervten Ablehnungsgrunzer entfahren ließ ... Danach hielt der Fahrer auch die Klappe (und ich glaube, der hatte das als Scherz gemeint ...) und brachte uns wie bestellt zum Hotel.

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Nach der längeren Siesta trafen wir uns - heute Abend mal ohne meine Mutter, die streikt ja in Usbekistan traditionell immer mal - zum Abendessen. Nach einem Spaziergang durch eher untouristische Straßen kamen wir in ein belebteres Viertel, in dem etliche Hotels und Speiselokale sind, und hatten uns ein Touristenrestaurant ausgeguckt. Dort tranken wir usbekische Milch und aßen usbekischen Salat, Lagman (wie heute Mittag) und Schurpa (eine klare Brühe mit Fleisch, Karotten und Kartoffeln) zur Vorspeise; als Hauptspeise wurden Manti (gefüllte Teigtaschen, hier wirklich mit Rindfleisch) und Samarkander Pilaw (Plow), ein Reisgericht mit Gemüse und Kichererbsen, ein bisschen Fleisch, ein bisschen Peperoni und viel Knoblauch gereicht. Das war sehr lecker, trotz der Eigenschaft als Touristenlokal noch absolut bezahlbar, sodass wir da zufrieden hinausgingen.

Auf dem Spaziergang zum Registan folgte uns ein Straßenhund über die Ampeln an der Hauptstraße, verließ uns aber kurz vor dem Registan. Dort machten wir noch nächtliche Fotos vom Ensemble, ehe wir - mit kurzem Abstecher zum Kiosk gegenüber - ins Hotel wackelten. Auf der Terrasse des Hotels tranken wir noch die im Kiosk erworbene Milch, dann machten wir uns aber auch auf in sämtliche Betten - und morgen wird mal kein Wecker gestellt! 

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Fotos gibt es heute natürlich auch:

Ulugbek-Medresse

Tilla-Kori-Medresse

Eines meiner gefürchteten Panorama-Bilder

In der Sher-Dor-Medresse

Gebetsnische in der Tilla-Kori-Medresse

Shin-Dor-Medresse

Registan im Panorama ohne Panorama-Funktion

Statue von Islam Karimow, langjähriger Präsident Usbekistans

In der Bibi-Chanum-Moschee

Bibi-Chanum-Moschee

Registan bei Nacht

Montag, 10. April 2023

Lamm oder Rind, das war die Frage

... in unserer Abendessensgaststätte in Pandschakent, die uns - nach einigem Suchen - dankenswerterweise auch während des Tages am Ramadan eine Mahlzeit anboten. Der Prozess der Nachfrage, ob wir denn überhaupt etwas zu essen kriegen, und danach was im Angebot ist, gestaltete sich aber schwierig: Die Bedienung, die uns empfing, sprach nicht so richtig gut Englisch, sodass wir mit Tadschikistan-Übersetzer nachfragten ... Es mischte sich ein Fotograf ein, der ein bisschen (ein bisschen!) besser Englisch sprach und der prompt heute - so sagte er uns - Fotos für eine noch zu erstellende Speisekarte gemacht hatte. Diese Fotos präsentierte er uns, aber auf die Frage, ob das Lamm oder Rind sei, antwortete er mehrfach mit "Ja" ... Nun denn, wir bestellten so eine Art Gulasch (das war Rind) und zweimal Rinderschaschlik, beef shashlik, und ließen uns das mehrfach bestätigen - am Ende war das Rind entweder am Böckeln oder die Tadschiken verwechseln konsequent Lamm und Rind. Nun ja, so eine Erfahrung muss man halt auch mal machen, wenn man während des Ramadan durch eine Kleinstadt in einem - trotz Sowjetunion doch relativ muslimisch aussehenden und definitiv noch nicht sehr touristischen - Land reist.

Max, ein tadschikischer Student, der uns auf dem Hinweg zu dieser Gaststätte fast direkt neben unserem Hotel abgefangen und - sehr sympathisch - ein Gespräch ans Bein gebunden hatte, um seine Englischkenntnisse aufzubessern, wurde sofort befragt, wo es denn hier - im Ramadan! - ein wohlverdientes Bier nach einer staubigen Tour heute (gleich mehr!) gebe. Er fragte seinen Kumpel, den Taxifahrer, und bot uns natürlich dessen Dienste an, verwies uns aber nur auf einen Supermarkt (in dem es, wie sich herausstellte, ungekühltes Bier gab) und auf eine Gaststätte, die wir suchten, aber erst von Google in die falsche Straße gelockt wurden und dann an der richtigen Stelle feststellen mussten, dass es geschlossen hat ... Gegenüber war aber eine Kneipe, und das war die Lamm-Rind-Kneipe ...

Nach dieser maximal unlinearen Einstiegserzählung (und ja, ich erzähle noch, ob wir an Bier gekommen sind) springen wir noch einmal zurück an den heutigen Morgen: Das Aufstehen war einigermaßen machbar, auch wenn sowohl meine Mutter als auch ich unglaublichen Unfug geträumt hatten, und um kurz nach sieben war wir beim Frühstück. Am Ende wurde es ein bisschen hektisch, weil das Frühstück ein bisschen spät kam, aber wir wären pünktlich zur Abholzeit fertig gewesen, wenn sich bei der Rechnung nicht noch ein Fallstrick aufgetan hatte: Meine Mutter hatte gestern die über das 100-Somoni-Limit hinausgehenden Bestellungen beim Frühstück bezahlt, aber das wollten sie uns heute noch einmal abnehmen. Ich unterstelle hier in Tadschikistan grundsätzlich eher Unbeholfenheit als betrügerische Absicht, und dementsprechend entspannt blieb ich - das Ganze wurde zu unseren Gunsten geklärt, und ab ging die Fahrt ...

Zunächst ging es durch die sehr fruchtbare Ebene, die ich als westliche Ausläufer des Ferganatals bezeichnen würde, die schneebedeckten Berge des Pamir bildeten einen fantastischen Hintergrund. Es fahren hier mehr Opel als in Deutschland, es ist unglaublich ... Hinter Shakhristan ging es so langsam die Berge hoch, und kaum hatten wir uns versehen, hielt der Fahrer vor dem Shakhristan-Tunnel für einen "Fotostop" ... Wir machen Fotos von der atemberaubenden Gebirgslandschaft, danach ging es durch den ebenso atemberaubenden (weil stockdunklen) Tunnel - dass unser Fahrer nichtsdestotrotz im Tunnel einen Lkw überholte, versteht sich von selbst - schließlich hätte man Gegenverkehr ja gesehen ...

Als wir aus dem 2.751 Meter hochgelegenen Tunnel herauskamen, waren wir in einer Landschaft mit sehr viel Schnee, aber die Straße war, soweit nötig, freigefräst ... Ab hier ging es bergab, wir guckten nicht ganz so gerne vorne oder zur Seite raus, denn es ging 200, 300 Meter einigermaßen senkrecht bergab, und Leitplanken gab es selten, häufiger gab es dreißig Zentimeter hohe Erdwälle, die im Falle eines Falles eher als Sprungschanze gedient hätten als uns aufgehalten ... Feuchte Hände? Ich? Aber sicher!

"'Ne Achterbahnfahrt ist vom Adrenalin-Kick her 'n Scheißdreck dagegen", so darf ich eine mitfahrende Person zitieren, denn natürlich sind da auch Lkws auf dieser Hauptverbindungsstraße zwischen Chudschand und Duschanbe unterwegs, die dann auch überholt werden ... Eine weitere Gefahrenquelle besteht durch Kuhschlag, denn da stehen oberhalb der Straße an einigen Stellen Kühne im Abhang, und keinen von uns hätte es gewundert, wenn da ab und zu so eine Kuh auf die Straße purzeln würde ...

Achso, und unterwegs lag ein Hund mitten auf der Straße und ließ sich nicht stören, zumal alle Autos um den herumfahren - ganz entspannt blieb der, ganz entspannt ...

In Aini im Hochtal ging es - Blicke auf die canyonartige Schlucht des Serafschan-Flusses inklusive - auf die Straße in Richtung Pandschakent ...

Wir waren gerade vier Stunden unterwegs gewesen, da ging es - plangemäß - von der Hauptstraße ab, hoch in die Berge zu den Sieben Seen. Sergey, unser Tourveranstalter (nicht unser Fahrer!), hatte uns gestern noch ein Allradauto untergejubelt (ohne Aufpreis), und das war gut so, denn schon bald wurde die bis dahin weitgehend (für uns durchaus nicht unüberraschend) hervorragende Straße durch eine Schotter- und wenig später durch eine Schlaglochpiste ersetzt.

Die Sieben Seen sind eine Kette von - wenig überraschend - sieben Seen, die hoch im Fann-Gebirge liegen, und so fuhren wir - die Straße wurde immer schlechter, es machte noch mehr Spaß, auch wenn bzw. weil wir in dem Auto herumgewirbelt wurden wie einst in der Mongolei - immer höher in den Berg hinein, dieses kristallklare Wasser war ganz großartig, die Aussicht auf die schneebedeckten Berge ebenso - ganz, ganz toll ...

Am sechsten See drehten wir um - auf etwa 2.150 Metern -, weil unser Fahrer und ein gegenläufiger Busfahrer (da fuhren Busse über die Schlaglochpiste!) sich verständigt hatten, dass die Fahrt zum siebten See nicht möglich sei; Sergey wurde angerufen und der erläuterte uns, dass wir zwei Stunden dorthin wandern könnten und der Fahrer auf uns warten würde. Das wurde dankend abgelehnt, sodass wir - nach diversen Fotos - wieder zurückfuhren und dabei sogar durch das Bett des vierten Sees fuhren, weil die Seen insgesamt niedrigen Wasserstand hatten. Am Ende waren wir vier Stunden auf der Schlaglochpiste und insgesamt achteinhalb Stunden unterwegs gewesen, aber die Zeit war wie im Fluge vergangen, und uns ging es trotz der ganzen Sitzerei und dank des regelmäßigen Aussteigens ganz gut ...

Der Check-in im Hotel funktionierte problemlos, wir wanderten in Richtung Stadt, trafen Max, liefen weiter, fanden die Gaststätte und verließen sie wieder.

Auf dem Hinweg hatten wir einen Supermarkt aufgetan, in dem es gekühlte hopfenhaltige Getränke gab, und dort wurde für den Heimweg eingekauft. Jetzt sitzen wir bei Jessi und Christian auf dem Zimmer, genießen das Feierabendbier und sind gespannt auf die morgige Tour über die tadschikisch-usbekische Grenze nach Samarkand.

Achso: Bei der Bezifferung der Höhe der Baumgrenze habe ich mich so dermaßen verschätzt, dass meine Mutter mich die ganze Zeit spöttisch anguckte, in dem Fall aber leider zu recht ... Aber das ist halt Biologie, also Grünzeug, also eher nix für mich ...

Noch einige Beobachtungen, die in der Tourbeschreibung nicht so richtig Platz fanden: Während Chudschand schon einigermaßen modern ist, fragten wir uns in diversen Dörfern da an der Schlaglochpiste auf 1.700 oder 1.900 Metern, wie die überhaupt Geld verdienen, denn jeden Tag nach Pandschakent zu fahren, wäre ja eine mehrstündige Pendelei, und so viel Landwirtschaft gibt es da oben im kargen Berg irgendwie auch nicht ...

Für die Kinder unterwegs und auch hier in Pandschakent sind wir westliche Ausländer richtige Attraktionen, da wird das rudimentäre Englisch ausprobiert, da wird dem Ausländer gewunken und ein "Hello!" zugerufen, manch einer kriegt noch ein "How are you?" hin, es ist fast schon süß ... 2019 waren anscheinend weniger als 4.000 Deutsche (im ganzen Jahr!) in Tadschikistan, und man merkt, dass das hier noch alles andere als touristisch ist - aber das macht ja, alles in allem, hier auch ein großes bisschen den Charme aus ...

Unterwegs in Richtung der Berge

Shakhristan-Tunnel

Blick vom Tunnel in Richtung Tal

... und weiter in Richtung Tal

Unser Toyota-Jeep

Erster See (glaube ich)

Fünfter See (wahrscheinlich)

... oder vielleicht ist das der fünfte See?

Müsste der sechste See sein ...

Zurück bei Sonnenschein


Sonntag, 9. April 2023

Den "Holzhacker-Fahrstil"

... der tadschikischen Marschrutka-Fahrer haben wir heute ausgiebig genossen, und wenn Christian, von dem das Zitat stimmt, mit Blick auf die Straße in dem Gefährt sitzen kann, ist das auch für jeden von uns erträglich, selbst wenn über nicht ganz optimale Straßen oder Eisenbahnübergänge gerumpelt wird, was das Zeug hält, und auch wenn der Sicherheitsabstand der Kleinbusse hier beim Überholen oder an den Haltestellen nicht immer (naja, eigentlich nie!) deutschen Standards entspricht.

Die verrückte Aktion, die wir für heute eigentlich angedacht hatten, war, mit dem Sammeltaxi von Chudschand zur usbekischen Grenze zu fahren, von dort nach Kokand im (usbekischen) Fergana-Tal und von dort über Rishton nach Kirgisistan zu gelangen. Das war eigentlich auch alles eingetütet (auch wenn das eine verrückte Tour geworden wäre, aber das hält uns ja nun wirklich nicht davon ab, das durchzuziehen), nur fiel mir gestern auf einer Website, die sehr gut informiert klingt, auf, dass diese Grenze nur für Usbeken und Kirgisen geöffnet ist und wir - möglicherweise/wahrscheinlich - da gar nicht drüber gekommen wären.

Hinzu kam das dringende Bedürfnis eines nicht unbeträchtlichen Teils der Reisegruppe (so ca. 100%), mal einigermaßen gut auszuschlafen, sodass wir uns erst gegen 9 Uhr zum Frühstück trafen und uns mehr oder weniger stillschweigend entschieden, die Tour heute sein zu lassen.

Das Frühstück (100 Somoni pro Zimmer pro Tag als Limit, man erinnere sich) war hervorragend, und wir tranken frisch gepressten Orangensaft, der das Limit natürlich unmissverständlich sprengte. Das war uns aber wurscht, denn wir waren zufrieden.

Mit dem Taxi ging es zum Pandschschanbe-Platz, an dem eine Moschee, ein Mausoleum und ein großer Basar waren, und wir guckten uns den Basar an, denn die Moschee sah recht modern aus und das Mausoleum sah zu aus. Der Basar entsprach ungefähr meinen Erwartungen an den Basar einer Großstadt in der ehemaligen Sowjetunion: Er war voll, es gab viel einzukaufen (an den - weitgehend ungekühlten - Frischfleischständen gingen wir strammen Schrittes vorbei), kaum jemand sprach auch nur ein Wort Englisch und die Obststände boten unglaublich rote Erdbeeren an. Dennoch waren wir nicht ganz unglücklich, als wir aus dem Gewusel draußen waren, auch wenn uns eine Bierkneipe auffiel, die wir kurz begutachteten. Auf mein Geheiß hin nahmen wir diese aber erst für den Heimweg ins Visier und gingen stattdessen in Richtung des nahegelegenen Marschrutka-Bahnhofes.

Wir wollten zum Staudamm in Kairakum und wurden von einem Jungen zum (richtigen) Bus Nr. 40 verwiesen, der - Wedelbewegung - irgendwo dahinten losfährt. Ich eruierte also den Abfahrtsort, während meine Reisegruppe an Ort und Stelle stehen blieb, kam diesmal aber früher - und mit einer Erfolgsmitteilung - zurück, sodass wir gemeinsam den Weg zum 100 Meter entfernten Haltepunkt aufnahmen.

Dabei mussten wir aber eine Straße überqueren, und ich bekam am Ende einen leichten Anschiss von meiner Mutter, weil ich ihr zugetraut hatte, dass sie das auch allein schafft. Schaffte sie natürlich auch ...

In der fast vollen Marschrutka waren keine vier Plätze mehr frei, also warteten wir auf die nächste und okkupierten dort die besten Plätze. Für 20 Somoni - etwa zwei Euro - ging es bis nach Kairakum; unterwegs kamen wir - an einer T-Einmündung - an einem riesigen Auflauf von Marschrutkas, Menschen und Polizei vorbei, Wahnsinn, wie sich die Minibusse dort gefühlt ineinander verkeilten, aber dann doch wieder friedlich auflösten.

Ich hieß den Fahrer kurz vor dem Staudamm anzuhalten, er war etwas überrascht, ließ uns aber raus, gab uns noch 2 Somoni Rückgeld, weil wir nicht bis zur Endhaltestelle gefahren waren, und nun standen wir da. Er war gerade weg, als uns auffiel, dass wir den Staudamm nicht zu Fuß überqueren durften, was uns durch den Soldaten, der uns beobachtet hatte, auch noch einmal - sehr freundlich, aber bestimmt - verdeutlicht wurde.

Also liefen wir ein paar Schritte zurück zu einer hochgelobten Gaststätte, in der einigermaßen tote Hose war, trotzdem bekamen wir vom ein wenig Englisch sprechenden Juniorchef wieder so ein Kabuff zugewiesen, diesmal mit Blick auf den Stausee, der durchaus nicht zu verachten war. Für eine große Flasche Cola und eine große Flasche Wasser zahlten wir auch 20 Somoni (also wieder zwei Euro), dann fingen wir - mit Seeblick - an zu politisieren, bis wir schließlich wieder einigermaßen hydriert aufbrachen.

Eine weitere Marschrutka wurde geentert, damit uns diese über den Staudamm führe und uns unmittelbar danach rausließe, das klappte auch ganz gut, und so kamen wir an einem Ort heraus, der offenbar so touristisch ist, dass man dort einen dieser "I (Herz) Tajikistan"-Schriftzüge aufgebaut hatte.

Dieser Schriftzug wurde eifrig fotografiert, ebenso wie der Blick auf den See, dann spielten wir Marschrutka-Roulette und stiegen in die Linie Nr. 66 ein. Die fuhr zurück zur wahnsinnigen T-Einmüdung, aber von dort in Richtung Süden. In Gafurow mussten wir nachzahlen, weil wir weiter nach Chistewarz fahren wollten (an die Endhaltestelle halt), und dort wurden wir aus dem Bus geschmissen.

Nun hatten wir etwas geschafft, wovon das Auswärtige Amt mit Nachdruck abrät: Wir waren im tadschikisch-kirgisischen Grenzgebiet gelandet. Juchhe ...

Wir entschieden uns aber dagegen, noch näher an die umstrittene Grenze heranzulatschen, kauften dafür noch Getränke und fuhren - diesmal für 70 Cent pro Person - zurück in Richtung Chudschand.

Unterwegs stellte meine Mutter fest, dass viele tadschikische Frauen mit Erstaunen feststellten, dass Jessi und sie Hosen trugen, ohne das dazu passende lange Kleid zu tragen; die Frauen stupften sich anscheinend sogar gegenseitig an, um sich dieses Schauspiel anzuschauen. Wenig überraschend war mir das gar nicht aufgefallen. Aufgefallen waren mir dagegen schon seit gestern (sind wir erst gestern nach Tadschikistan gekommen?!) die unzähligen Bilder des hiesigen Staatspräsidenten Emomalij Rahmon an vielen Hauswänden und noch mehr Plakaten. Herr Rahmon ist seit 1994 im Amt und sicherlich komplett unschuldig daran, dass ich meinen eigenen Blog hier nicht aufrufen kann. (Schrägerweise kann ich den Blog schreiben und hochladen, denn der wird über eine andere Internetadresse befüllt und die scheint nicht gesperrt zu sein ...)

In Chudschand machten wir noch einmal einen kurzen Abstecher zum Basar und entschieden uns dann, die Bierkneipe aufzusuchen. Allerdings gibt es dort keine Toilette, sondern nur die des Basars, und die ist sagen wir ... einer der am furchtbarsten stinkenden Orte der Erde ... Verdammte Axt, ich musste nur pinkeln (aber das halbwegs dringend), aber ich habe vom Betreten bis zum Verlassen dieser Toilette gewürgt ... Jessi und Christian weigerten sich dementsprechend, diese Toilette zu benutzen, sodass wir meine Mutter - die in der Kneipe gewartet hatte - abholen und nach Hause fahren wollten.

Allerdings hatte meine Mutter in unserer Abwesenheit schon vier Bier bestellt, sodass wir uns trennten: Jessi und Christian liefen zurück zum Hotel, während meine Mutter und ich die vier bestellten (Fass-!)Biere vernichteten. Diese schmeckten uns so dermaßen gut, dass wir noch ein jeweils drittes Bier nahmen. Wir hatten die gerade vor uns stehen, als ein Tadschike, der schon die ganze Zeit am Tisch gegenüber geräucherte Heringe gegessen hatte, zu uns kam und uns einen seiner geräucherten Heringe auf den Tisch legte.

Wir bedankten uns für diese unerwartete Freundlichkeit (insgesamt sind die Menschen hier sehr freundlich, die Sprachbarriere macht die Kommunikation ein bisschen schwierig, aber spätestens, wenn man - wie die Menschen hier - als Zeichen des Dankes sich die Hand aufs Herz legt und sich leicht verbeugt, wird man sehr gut verstanden) und spendierten dem "Herrn mit dem Fisch" noch ein Bier.

Am Ende zahlten wir für sieben Bier gerade so vier Euro, liefen zum Taxistand und machten, dass wir nach Hause kamen ... Die Bierbeiz war nicht so wunderschön wie die Kneipe in der Altstadt in Riga, aber irgendwie war es mit den Tadschiken, die mitten im Ramadan in der Kellerbar ihre Mass verzehrten, auch hochinteressant.

Jessi und Christian saßen, als wir ankamen, schon im Hotelrestaurant - Christian hatte wieder aus dem Geschäft nebenan Bier geholt. Als wir uns gesetzt hatten, wurden vier Gläser bestellt, Christian holte aus dem Zimmer das im Kühlschrank gekühlte tadschikische Bier, das wir gestern Abend gekauft hatten, und das wurde dann - zusammen mit den ganz hervorragenden Speisen aus dem Hotelrestaurant - konsumiert.

Kurzum: Es war fantastisch. Jessi hatte als Vorspeise gerollte Auberginen, die toll waren, meine Ma mit Orangenfilets gefülltes Hühnchen und ich unglaublich leckere Kalbszunge in Senfsauce, absolut genial. Jessi und Christian bestellten dann als Hauptgericht nach Christians Salat auch das mit Orangen gefüllte Hühnchen, während ich Lammkoteletts aß. Lamm im Ausland ist ja immer so eine Sache, aber das hier, das war zum Darniederknien - keine Riesenportion (das kann man für sieben Euro aber auch nicht erwarten), aber mit Abstand das beste Lammkotelett, das ich je hatte - unglaublich, fantastisch, soooooo toll ...

Mit dem - fälschlicherweise anstatt des Käsekuchens gebrachten - Schokoladenkuchen wurde der Abend abgerundet, jetzt sind wir schon recht früh im Zimmer und im Bett, aber das war heute wieder ein wahnsinnig spannender Tag.

Morgen geht es mit dem Allradauto von Chudschand durch die Berge nach Pandschakent, da freuen wir uns auch sehr darauf!

Fotos von heute (leider war der Himmel bedeckt):

Pandschschanbe-Platz mit Moschee und Mausoleum

... aus der Nähe

Blick auf den Stausee ...

Ich liebe doch alle Länder

Lecker Lamm heute Abend