Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Donnerstag, 15. April 2021

Das erste offizielle Fassbier

 ... dieses Jahr habe ich soeben verspeist, und ich stellte fest, dass selbst so ein Carlsberg ganz gut schmeckt, wenn es das erste (offizielle) Fassbier des Jahres ist ... Und nein, ich werde den Dealer des ersten bestenfalls semi-legalen Fassbieres dieses Jahr nicht verraten ...

Das Wochenende in Kaiserslautern war sooooooo schön (auf dem Weg dorthin hatte ich in Mannheim noch das dortige Schloss besucht), und das lag nicht am (reichlich fließenden) Alkohol, sondern einfach daran, dass es schön war, mal wieder mit anderen Menschen als den Kolleginnen und, ja, auch mit Menschen aus meinem "alten Leben" in Wiesbaden Kontakt zu haben. Dass die Freunde in Kaiserslautern den faulsten Gast der Welt mal wieder grandios bekocht haben, muss nicht extra erwähnt werden ... Und so bedüdelt wie am Sonntag bin ich - bei helllichtem Tag - wahrscheinlich noch nie in ein öffentliches Verkehrsmittel eingestiegen wie auf der Rückfahrt aus Kaiserslautern ... Oh Mann!

Am Montag sah ich durch einen (un)glücklichen Zufall, dass in einigen Ortschaften im Harz (in Sachsen-Anhalt) mit negativem Coronatest der Besuch einer Gaststätte möglich war. Also setzte ich mich zum Feierabend in die Stadtbahn, fuhr zum Hauptbahnhof, ließ mich testen und stieg dann - noch ohne Ergebnis - in den Zug in Richtung Goslar, denn dort musste ich nach Wernigerode umsteigen.

Ich fluchte unterwegs aus mehreren Gründen: Erstens kam das Testergebnis nicht bei, und zweitens sah ich da hinten, in der Richtung, in die ich fuhr, dunkle, ja schwarze Wolken - ich hoffte und bangte, in Goslar - inzwischen war das negative Testergebnis gekommen - stieg ich im Nieselregen um, in Wernigerode kam ich im Trockenen an, aber kaum war ich dort, fing es an zu schneien ...

Ich war gerade auf dem (an sich wunderschönen) Rathausplatz von Wernigerode angelangt, als ein veritabler Schneesturm einsetzte - und mir zwei Gaststätten buchstäblich vor der Nase zumachten. Es war zum Heulen (und das ist noch freundlich ausgedrückt), ich war so richtig, richtig, richtig bedient - und zu allem Überfluss trug meine Mutter, der ich mein Leid klagte, nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Gesamtsituation bei, als ihre größte Sorge war, dass meine Schuhe nicht unter der Schneenässe leiden ...

Ein telefonisches Scharmützel zwischen Mutter und Sohn folgte, aber am Ende, naja, okay, am nächsten Morgen, vertrugen wir uns wieder, nachdem ich - sehr traurig, weil ich mich wirklich auf ein offenes Bier gefreut hatte - wieder in Hannover eingetrudelt war ...

Vorgestern und gestern war das Wetter in Hannover schon nicht gut (gestern guckte ich mit einem Ex-Kollegen Fußball, was meiner Stimmung angesichts des Ausscheidens von Borussia Dortmund auch nicht unbedingt zuträglich war), also nutzte ich heute die erste Gelegenheit, mal wieder auszubrechen - und es ging nach Lübeck ...

Der ICE nach Hamburg hatte Verspätung, der Regionalexpress nach Lübeck aber zum Glück auch, sodass ich nur wenige Minuten verspätet in Lübeck landete. So biergeil war ich, dass ich in den Bus in die falsche Richtung einstieg, was ich zum Glück sofort bemerkte, bei der nächsten Gelegenheit ausstieg und zurück zum ZOB watschelte. Dort erwischte ich im zweiten Anlauf den Bus zum Holstentorplatz, stieg dort aus, ging zügig (und, ob der verlorenen Minuten, ohne ein Foto des Holstentores zu machen) in Richtung der angestrebten Kneipe an der Obertrave ... und fing schon wieder an, am Universum zu zweifeln.

Die Kneipe, die ich angestrebt hatte und in der ich endlich mal Labskaus probieren wollte, hatte geschlossen - na super. Glücklicherweise war nebenan ein Italiener, aber gleich zwei Ober ignorierten mich geflissentlich. Jetzt war mir alles egal, ich stellte mich dem zweiten Ober in den Weg, der wies mir einen Platz zu (und kontrollierte niemals, ob ich mich tatsächlich per QR-Code angemeldet hatte) und ich bestellte ein Pils vom Fass.

Selten in meinem Leben schmeckte Carlsberg so gut (ich denke bei Carlsberg immer an mein Pub in Uganda und wie die einheimischen Angestellten dort das Sponsoring von Carlsberg zelebrierten), ich zischte den halben Liter weg wie sonstwas. Das zweite Bier war ein Duckstein, das ebenfalls schnell zerstört war, und zum Schluss wurde ich gierig und bestellte noch ein Weizen, damit ich die Bierkarte auch durch hatte.

Allerdings musste ich da wirklich Druckbetankung betreiben, denn wenige Minuten später fuhr mein Bus zurück zum Bahnhof, den ich erwischte (und auf dem Weg machte ich tatsächlich noch Fotos vom Holstentor) ... Jetzt sitze ich in der Regionalbahn nach Lüneburg, hoffe, dass ich da noch etwas zu essen kriege und vor allem den ICE nach Hannover erwische (Zeit genug müsste ich haben), sodass ich gegen ein Uhr im Bett landen dürfte ...

Oh Kinners, das war sooooo schön, da an der Obertrave zu sitzen und ein paar offene Bierchen zu schlürfen ... Macht die Außengastronomie auf, da passiert kaum etwas, und die Menschen sind glücklich ...

Mannheimer Schloss

Wernigerode bei Schneefall

A beer with a view

Holstentor von der einen ...

... und der anderen Seite

Samstag, 10. April 2021

Currywurst und Fischbrötchen

 ... habe ich vorgestern und gestern semi-erfolgreich gejagt ...

Am Ostersamstag war ich zu einem Familienfest in der Schweiz, und da das weder vorrangig ein touristischer noch ein Einkaufsbesuch war, fällt das selbst unter die (restriktive) baden-württembergische 24-Stunden-Regelung - das war mein längster Auslandsaufenthalt bisher dieses Jahr, ohjeohje ... (Auf dem Rückweg begegnete uns kurz vor Mauchen noch eine Schafherde, die über die Straße getrieben wurde - das ist mir so zuletzt auch gefühlt in Bergkarabach passiert ...)

Nachdem ich am Montag zurück nach Hannover gefahren war, machte das Wetter am Dienstag und Mittwoch keinen rechten Spaß, sodass ich erst vorgestern Abend den Entschluss fasste, zum Currywurstessen nach Berlin zu fahren. Ich setzte mich also in den ICE nach Berlin, aß am Hauptbahnhof meine regelmäßige Currywurst und machte - bei sehr schönen Lichtverhältnissen - meinen üblichen Spaziergang vorbei am Kanzleramt, am Reichstagsgebäude, durch den Tiergarten zum Brandenburger Tor und fuhr mit der U5 zurück zum Hauptbahnhof. Sehr kurze Stippvisite mal wieder, aber Berlin ist halt einfach schön ...

Gestern wollte ich dann ein Fischbrötchen erjagen und fuhr mit Umsteigen in Hamburg nach Lübeck. Nach einem kurzen Wischer über den Bahnhofsvorplatz fuhr ich weiter nach Travemünde und guckte mir - kurz nach Sonnenuntergang - den wunderbaren Strand an ... Da komme ich im Sommer bestimmt nochmal hin! Ich lief sogar - bestimmt 30 Zentimeter ... - auf den Strand und genoss einfach das Gefühl, mal wieder an der Ostsee zu sein ...

Die Fischkneipe, die laut Google noch bis 22 Uhr Fischbrötchen anbieten sollte, sah so aus, als ob sie zuletzt um 22 Uhr im letzten Sommer geöffnet gehabt hätte. Menno ... Sollte das Franzbrötchen in Hamburg auf dem Hauptbahnhof etwa das einzige Abendessen des gestrigen Tages geblieben sein? Die Antwort lautet - für jeden Leser sicher völlig überraschend - ja, denn nachdem ich mit viel Suchen den Halt des Schienenersatzverkehrs von Travemünde nach Lübeck zurück gefunden hatte (die Haltestelle war direkt am Bahnhofszugang, Dussel, ich ...), musste ich nicht rennen, aber doch ohne großen Umweg zum Zug, um über Lüneburg zurück nach Hannover zu fahren. Im Fahrradabteil des Metronom hätte ich fast getanzt, denn dieses Abteil von der Größe eines Tanzsaales war leer, und ich hatte gute Musik auf den Kopfhörern ...

In Hannover musste ich noch ein bisschen laufen, weil die Straßenbahnen nachts nicht mehr fahren, auf dass die Menschen noch ein bisschen länger bei ihren Freunden Party feiern und sich dann ganz bestimmt mit dem Coronavirus anstecken ...

Achso, einen Stempel habe ich gestern noch in meinen Reisepass bekommen - leider ist nur es ein deutscher Stempel, und zwar einer der Landeshauptstadt Hannover, denn seit gestern bin ich, obwohl ich schon Ende Februar in meine Bude eingezogen bin, offiziell in Hannover angemeldet, und also musste der Wohnort von Wiesbaden in Hannover geändert werden ...

Das Fischbrötchen holte ich mir dafür heute Morgen am Hauptbahnhof in Hannover, und das war zwar nicht am Meer, aber trotzdem nicht schlecht ... Jetzt sitze ich im Zug nach Kaiserslautern, frisch schnellgetestet, und gucke, dass ich beim Umsteigen in Mannheim und dann in Kaiserslautern das City-Ticket meiner Bahncard 100 nutze, denn eines meiner neuen Ziele (der Kollesch, zu dem ich heute fahren, würde bestimmt wieder seinen Graf-Zahl-Vergleich bemühen) ist, in allen ca. 130 Städten, in denen das City-Ticket gilt, mal ÖPNV gefahren zu sein ...

Bisher war ich in Freiburg, Nürnberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Kassel, Celle, Göttingen, Hameln, Hannover, Hildesheim, Bielefeld, Wuppertal, Magdeburg und Erfurt damit unterwegs, es ist also noch ein bisschen zu tun ... (Und in Lübeck klappte es gestern zeitlich einfach nicht, aber ich komme bestimmt nochmal nach Lübeck, schon allein um das dortige Sherry & Port mal auszuprobieren ...)

Bilder aus Badisch-Karabach

Hier wohnt Angie ...

Hat der Norman verfeinert ...

Die Gäule hatte der Napoleon geklaut ...

Immer weiter, immer größer ...

Franzbrötchen Capital

Strand, Ostsee, schee ...

Joa, da wurde es dann dunkel in Travemünde

Freitag, 2. April 2021

Der Begriff "Allgemeinverfügung"

 ... hat für mich beste Chancen, zum Unwort des Jahres gekürt zu werden, denn vor lauter Allgemeinverfügungen vergessen die Behörden am Ende noch, den Bürgern - per Allgemeinverfügung - das Atmen zu erlauben ...

Ein bisschen frustriert war ich heute schon, als ich da zum Zweiseenblickweg hochgestapft kam, nur um den Weg gesperrt vorzufinden. So richtig erklären konnte ich mir das auch nicht, weil es an den Wegverhältnissen nicht so richtig gelegen haben kann, denn die waren schon zuvor winterlich, ohne dass das irgendjemanden vom Regierungspräsidium gestört hätte ... Nun denn, ich musste also einen Umweg laufen, und bevor wir den laufen, fange ich am Anfang an ...

Ich schlief heute aus und trödelte so lange herum, bis ich den Zug in Seebrugg, wo ich ohnehin mit dem Auto hätte anreisen müssen, verpasst hatte. Ganz prinzipiell wollte ich aber eigentlich mit Bus und Bahn fahren, und so setzte ich mich um 10.40 Uhr in den ersten (!) Bus des Tages und fuhr - mal wieder - nach Neustadt. Dort enterte ich die S-Bahn nach Titisee und in Titisee die S-Bahn in Richtung Seebrugg, stieg aber in Aha aus und lief in Richtung Schluchsee.

Da standen mir aber gleich schon mal drei ältere Wanderer im Weg herum, sodass ich hörbar die Augen verdrehte - ich, aggressiv? Nö, aber im Weg rumstehen ist halt einfach doof ...

Nun denn, es ging ein kurzes Stück am Schluchsee vorbei und dann einen sehr stetigen und daher zwar anstrengenden, aber nicht bösartigen Anstieg hoch. Unterwegs hatte ich einen tollen Blick auf den Schluchsee, aber als die Schneeflecken größer wurden und am Ende zu einem einzigen Schneefeld verschmolzen, war mir das nicht so richtig recht.

Jetzt war ich aber nun schon einmal unterwegs, und ich stapfte tapfer durch den Schnee (Eis gab's hier zum Glück nicht mehr viel) hindurch in der Hoffnung, bald wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Festen Boden hätte ich es auf dem gesperrten Weg durchaus gegeben, aber da ich ja ein rechtschaffener Staatsbürger bin, lief ich den Umweg zur Hochkopfhütte, bei der ich - zu allem Überfluss - auch noch ein paar Höhenmeter abgab.

Ab der Hochkopfhütte ging es steil, im Schnee und über/unter umgestürzten Bäumen hindurch, manchmal durch kleine Bachläufe (die Füße waren schon nass) und - anscheinend - über einen Moorsteg hoch in Richtung Zweiseenblick (ich drohte ihm schon an, dass er es mit mir zu tun bekäme, wenn der Ausblick sich nicht lohnen würde ...).

Ich guckte zum Glück rechtzeitig auf meine Handy-Karte, denn die Beschilderung da oben war verbesserungsfähig (auf dem Weg runter begegnete ich einer Familie, die den Zweiseenblick gar nicht gefunden hatten ...), aber nach einigem Gestapfe fand ich - den bereits von einer Familie okkupierten - Aussichtspunkt vor.

Joa, das ist schon schön, den Schluchsee und den Titisee vom gleichen Punkt aus zu sehen, aber die sind halt auch schon ein Stückchen weit weg, sodass man so richtig viel nicht sieht, zumal es mir heute auch ein bisschen diesig erschien, sodass das für mich nicht der ganz traumhaft-überwältigende Blick war, den ich erhofft hatte. Mist war's aber auch nicht, also blieb ich noch ein bisschen da oben (die Familie trocknete die ebenfalls durchnässten Socken am Baum ...) und stapfte dann den Weg zurück, den ich gekommen war.

An der Hochkopfhütte ging ich geradeaus, noch ein Stückchen bergauf, an einem - tollen - Aussichtspunkt auf das Menzenschwander Tal vorbei und überlegte, ob ich am Caritashaus abbrechen sollte. Die Füße waren nass, aber das Wetter war toll, und der Bus wäre ohnehin erst mehr als eine Stunde später gekommen, also lief ich weiter.

Auf der Nordostseite des Feldbergs lag - auch in tieferen Lagen - noch jede Menge Schnee, also stapfte ich da runter in Richtung Feldsee. Ein-, zweimal geriet ich ins Rutschen, konnte mich aber jeweils abfangen, und so ganz langsam wurden die Beine dann auch schwer.

Ein letzter Anstieg hoch (!) zum Feldsee musste durch Schnee und über einen Baum hinweg bewältigt werden, dann war ich am Aussichtspunkt auf den Feldsee. Der See war großteils noch zugefroren, und obwohl ich bis heute behauptet hätte, dass ich da noch nie gewesen war, kam mir die Szenerie recht vertraut vor - vielleicht war ich hier in früher Kindheit mal gewesen.

Diese steilen (bewaldeten) Wände, die über dem Feldsee aufragen, fand ich sehr beeindruckend, und so machte ich das eine oder andere Foto, bevor ich mich verabschiedete und in Richtung Raimartihof lief. Selbigen ließ ich aber links liegen und folgte - ein Fehler - der Beschilderung zum Bahnhof in Bärental. Ein Fehler war das, weil der Weg einige hundert Meter länger war als der Weg, der bei der Tourenbeschreibung im Internet angegeben war, aber wenigstens war ich hier praktisch allein und lief durch den Wald, mit einem schönen Blick auf die immer wieder faszinierende Feldbergstraße, die hoch oben über einem am Hang klebt.

Ein allerletzter, moderater, aber trotzdem schmerzhafter Anstieg nach Bärental folgte (nicht so schmerzhaft wie für den Jungen vor mir, der immer wieder "vor Schmerzen" brüllte - als die Mutter dann aber mal zurückbrüllte, weil die Familie sonst den Bus verpassen würde, war aber Ruhe - und ich grinste in mich hinein ...), und natürlich hatte ich den Zug um eine gute halbe Stunde verpasst (okay, auch ohne die beiden Umwege, die mich ungefähr einen Kilometer zum Zweiseenblick und einen halben Kilometer auf dem Weg zum Bahnhof in Bärental kosteten, wäre das seeeehr eng geworden).

Ich setzte mich trotzdem in die nächste Bahn in Richtung Titisee, fuhr bis Freiburg-Wiehre durch, wechselte dort in den Gegenzug, fuhr mit dem bis Neustadt durch und dann mit dem (letzten) Bus zurück nach Bonndorf.

18,58 Kilometer unter erschwerten Bedingungen, 614 Höhenmeter, und Sonnenbrand habe ich mir auch noch eingefangen vom ganzen reflektierenden Schnee - na super ...

Nein, im Ernst, das war anstrengend heute, aber auch schön, ein guter Auftakt ins Wanderjahr 2021/22 - und ich bin sehr gespannt, ob ich das mit diesem Wandergedöns durchhalte ...

Schluchseeblick

Schnee hoch

Allgemeinverfügung

Feldbergblick

Blick auf den Titisee (Mitte)

Blick auf den Schluchsee (Mitte)

Zweiseenblick mit Weitwinkel

Blick ins Menzenschwander Tal

Feldsee

Auf dem Weg dorthin ...

... gibt es diverse Wasserfälle

Blick ins Tal

... und auf die Feldbergstraße

Mittwoch, 31. März 2021

Einen schönen Abschluss

 ... des Wanderjahres habe ich gestern und heute gemacht. Wie? Wo denn geschrieben steht, dass das Wanderjahr vom 1. April bis zum 31. März geht? Na, im vorhergehenden Satz, guck noch mal genau hin, werter Leser.

Einen schönen Abschluss des jeweiligen Arbeitstages bildeten die Wanderungen allerdings auch, denn seit der Zeitumstellung habe ich ja abends noch drei Stunden Zeit (Tendenz steigend), und die nutze ich sicherlich das eine oder andere Mal noch aus ...

Gestern also machte ich nicht ganz pünktlich Feierabend, und weil ich keine Lust hatte, durch die Stadt zu latschen (ja, Bonndorf im Schwarzwald ist eine ordnungsgemäße Stadt!), nahm ich den Bus in Richtung Neustadt, stieg aber am Abzweig Schluchsee aus, wo ich den letzten Jahren wahrscheinlich nur eine Handvoll Menschen jemals ein- oder ausgestiegen sind ...

Von dort lief ich - es war in der Sonne sehr angenehm warm, im schattigeren Wald aber dann doch bestenfalls angenehm kühl - über den Männleswaldweg in Richtung Bahnwärterhaus, das ich aus einem anderen Winkel aus üblich anlief, weil ich sonst vom Wanderparkplatz an der alten Wassertretstelle komme.

Ich kreuzte meinen üblichen Weg und lief weiter in Richtung Glashütte, mir begegnete eine einsame Joggerin, sonst niemand, aber den Weg, den ich damals, als ich auf der dritten Wanderung am 7. April 2020 nach Glashütte, noch genommen (und nasse Füße gekriegt) hatte, verschmähte ich heute und lief - entgegen der Routenplanung - rechts auf einer Asphaltstraße weiter in Richtung Gündelwangen/Holzschlag.

An einer Gabelung hätte ich mich - trotz Blicks auf die Karte - fast verlaufen, aber ich bemerkte meinen Fehler und lief schnurstracks in den Wald hinein. Ich musste rechts auf einen Waldpfad abbiegen, dessen Existenz in der Karte dann irgendwann aufhörte, aber in Wirklichkeit war der Weg recht gut sichtbar, und auf einmal kam ich aus dem Wald heraus und hatte einen tollen Blick über die Wälder der Wutachschlucht und die jenseits gelegenen Hochflächen - sehr, sehr schön ...

Ich ging weiter - und traf auf Schnee. Nun hatte es mich auf dem Weg zum Hochfirst nicht so völlig überrascht, auf 1100 Metern noch auf Schnee zu treffen, aber hier, in Holzschlag, wunderte es mich doch ein bisschen ... Ich rutschte aber nicht aus, sondern überquerte das Schneefeld, lief wieder durch den Wald und kam bald darauf auf einer Hochfläche heraus, wo ich nicht nur wieder einen tollen Blick auf Gündelwangen und die Wutachschlucht hatte, sondern auch auf die untergehende Sonne ...

Zur Strafe für das Abkürzen mit dem Bus (und weil ich sonst viiiiiel zu früh am Bus in Holzschlag gewesen wäre) entschied ich mich, noch ein bisschen weiterzulaufen und am Abzweig Grünwald in den Bus einzusteigen. Ich lief parallel zum Bähnleradweg (nachdem ich auf dem Bähnleradweg die B 315 überquert hatte) und dann unter der alten Bahnbrücke hindurch zur Haltestelle.

Ich war viel zu früh dran, las noch ein wenig im Handy, fragte mich, wie sehr ich mich aufregen würde, wenn ich pünktlich um 19.55 Uhr in die Gegenrichtung hätte fahren wollen, nur um festzustellen, dass der Bus schon um 19.54 Uhr durchgerauscht war, und hörte dann - aus ziemlich großer Entfernung - meinen Bus herannahen.

Auch im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, wo ich jetzt war, wurde die Bahncard 100 anstandslos akzeptiert, und um 20.14 Uhr war ich am Rathaus und bald zu Hause.

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Heute Abend fuhr ich mit dem Bus in die andere Richtung, nämlich gen Ewattingen und stieg in Münchingen aus. Ich lief an der dortigen Kirche vorbei und dann auf der Nebenstraße nach Boll weiter. Es ging über offenes Feld und zeitweise durch den Wald, es kamen vielleicht fünf Autos, die den Schleichweg fuhren, ab und zu hatte ich auch hier schöne Blicke auf die nördlich der Wutachschlucht gelegenen Gemeinden, das war jetzt nicht megaspektakulär, aber auch wieder eine richtig schöne Wanderung um Bonndorf herum. (Ich kam auch an einer Sammlung von Grenzsteinen vorbei, aber die stehen nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort, und deswegen finde ich so etwas dann ziemlich langweilig ...)

Hinter Boll ging es den nicht ganz unbrutalen Anstieg hoch, den ich einst am 6. April 2020 hinuntergekommen war, und heute nahm ich die alte Gedenktafel an den Blitzeinschlag, bei dem vier Kinder aus Boll 1921 ums Leben gekommen waren, wahr (letztes Jahr war ich an der vorbeigestürmt ...). An der Stelle war ich mit meiner älteren Ersatzoma ab und zu vorbeigelaufen, und den Spruch fand ich immer sehr gruselig (siehe unten auf dem Foto, wenn ich es hochgeladen kriege ...).

Kurz vor Tiefental hatte ich den Gipfel der heutigen Tour erklommen, jubelte angemessen und lief dann durch Tiefental hinunter zur B 315. Die Lotenbachklamm ist noch gesperrt (wie sie es am 8. April 2020 auch war, höhö ...), und heute fuhr ich vom dortigen Wanderparkplatz mit dem 19-Uhr-Bus zurück nach Bonndorf, sodass ich um 19.14 Uhr am Rathaus ankam.

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Im Wanderjahr 2020/21 waren es jetzt am Ende fast 1.300 Kilometer in knapp über 300 Stunden (12,5 Tage). Höhenmeter sollen es über 25.000 gewesen sein, also dreimal den Mount Everest hoch (!), aber der Zahl traue ich nicht so recht. In 117 Wanderungen habe ich 173 Gemeinden besucht (davon 93 in Deutschland, 69 in der Schweiz, zwei in Frankreich, acht in Österreich und eine in Liechtenstein) und bin im Schnitt 4,3 km/h (oder 13 Minuten, 57 Sekunden pro Kilometer) schnell gewesen.

Das Mamataxi ist unfassbarerweise mehr als 5.000 Kilometer gefahren (danke sehr!), und da sind nicht mal die Fahrten mit drin, die ich allein im Auto unterwegs war.

Allein im Schwarzwald habe ich einen Breitengrad und 24 Breitenminuten überwunden, von Ottersweier (Regierungsbezirk Karlsruhe) im Norden bei 48° 39' N bis Ruggell (Liechtenstein) im Süden bei 47° 14', von West nach Ost waren es zwischen Chalampé (Frankreich) bis Lustenau (Österreich) sogar zwei Längengrade und sechs Längenminuten, von 7° 32' O bis 9° 39' (Rundungsfehler allenthalben).

Nächste Ziele sind von Hannover aus erst einmal der Brocken, und dann der Heidschnuckenweg, und was ich im Schwarzwald so fabriziere, werden wir sehen, wenn ich weiß, ab wann ich wieder "normal" im Büro arbeiten soll/muss/darf/kann. Aber, lieber Leser, keine Sorge, ich werde berichten ...

Bitte beachten Sie die geänderte Fotoreihung. Fotos der ersten Klasse befinden sich in Abschnitt E und F ...

Hinter Tiefental II

Hinter Tiefental I

"Um 5 Uhr waren sie dort", gruselig ...

End of Boll

Langweilige Grenzsteine

Zwischen Münchingen und Boll

Bähnleradwegbrücke

Blick auf die Wutachschlucht

Gegen die Sonne II

Schnee auf 800 Metern

Gegen die Sonne I

Bahnwärter Thiel wohnte hier eher nicht ...

Sonntag, 28. März 2021

Häsin und Igel

... habe ich heute mal wieder mit einer jungen Frau aus Bonndorf gespielt (an meinen Bruder, auch diesmal: nein), denn die begegnete mir heute Morgen beim Einsteigen in den Bus, oben am Hochfirst und dann wieder auf der Heimfahrt im Zug und im Bus ...

Aber fangen wir erstmal bei der gestrigen Wanderung an, die - im Vergleich zu heute - nicht ganz so spektakulär war, was mit zwei Dingen zu tun hatte: Erstens war das Wetter nicht ganz so fantastisch, und zweitens hielt ich immer schön am Fuße des Nordschwarzwaldes (ja, bis zum Nordschwarzwald habe ich es inzwischen gebracht), sodass die Ausblicke natürlich nicht sooo toll sein konnten. Ich bin jetzt zwar am Nationalpark Schwarzwald vorbeigelaufen (im Winter wollte ich wegen Schnees dort nicht hin), aber ich denke, dass ich - so gerne ich den Nordausläufer meiner Wanderkarte weiter nach Norden treiben möchte - irgendwann, vielleicht schon nächstes Wochenende, mal in Richtung Nationalpark gehe, mal schauen.

So, jetzt sollte ich aber vielleicht mal anfangen: Das Aufstehen gestern war schwer, sehr schwer, denn ich war - ebenso wie meine Mutter - erst um 3 Uhr im Bett. Das Wiedersehen von Mutter und Sohn (wir hatten uns ja fast eine Woche nicht gesehen ...) musste natürlich gefeiert werden, und nach einer angemessenen Anzahl von Zäpfle und dunklem Waldhaus ging es ins Bett. Den Bus um 8.40 Uhr peilte ich trotzdem an (und erwischte ihn auch), denn sonst wäre es mit der Heimkehr im Bus schwierig geworden - und die Benutzung des Mamataxis wollte ich gerne vermeiden.

Ich stieg also um 8.40 Uhr in den Bus ein, machte es besser als einst in Oberstdorf (aber ich wusste hier tatsächlich, dass die meine tolle Bahncard 100 akzeptieren), zeigte selbige also nur vor und ging festen Schrittes weiter nach hinten in den Bus - alles gut: Die Bahnbusgesellschaften (und dazu gehört neben der Südbadenbus auch die Südwestbus im Ortenaukreis) akzeptieren in aller Regel die Bahncard 100 auch in den Bussen, und da alle Busse hier unten im Kreis Waldshut SBG-Busse sind (glaube ich) galt das also auch hier.

Ich hatte eine Vier-Stunden-Reise bis Oberkirch vor mir, und in Neustadt, wo ich in die S-Bahn umsteigen wollte, scheiterte ich schon einmal daran, dass mir die Fahrplanauskunft nicht mitgeteilt hatte, dass ich auch eine halbe Stunde früher die S-Bahn runter nach Freiburg nehmen konnte. Nun hatte ich kein Brötchen gekauft, und stehe trotzdem eine halbe Stunde am Bahnhof herum, so dachte ich, doch die S-Bahn wurde in Neustadt eingesetzt, kam entsprechend früh, sodass ich zumindest im Warmen saß und auf die Abfahrt wartete.

In Freiburg kaufte ich mir ein Fleischkäsebrötchen, sprang für eine Station in den ICE (allein für so Sperenzchen liebe ich die BC100), stieg in Offenburg aus und enterte den Südwestbus (also auch mit der BC100), auf dass der mich zum Bahnhof in Oberkirch bringen möge. Dort in Oberkirch hatte ich am 14. Februar aufgehört, und von hier wollte ich weiter in Richtung Norden laufen.

Ich lief also zunächst ein Stückchen durch Oberkirch und verließ das Örtchen in Richtung Spring und Tiergarten. Ich lief an Obstbäumen vorbei (der eine oder andere fing schon fast an zu blühen, aber insgesamt war da noch nicht viel zu sehen im vermeintlichen "Obstgarten Mittelbaden") und an Weinreben (da war auch noch nicht viel zu sehen auf dem "Ortenauer Weinpfad"), das Gelände war wellig, aber gut händelbar (einmal wäre ich trotzdem fast - absichtlich - in den Weinberg hochgelaufen, weil das schön aussah, aber da ich gestern eher auf Strecke denn auf Höhenmeter aus war, ließ ich es bleiben) ...

Hinter Haslach kam ich nach Ulm, das ein Ortsteil der Gemeinde Renchen ist, und sah dort einen wunderschön blühenden Baum in einem Garten. Hinter Ulm ging es einen kleinen Anstieg hoch, aber ich blieb immer in der Nähe der dörflichen Zivilisation, bis ich schließlich über die Acher nach Oberachern kam. Kurz zuvor hatte mich aber ein Steppke, der - zulässigerweise - auf dem Bürgersteig fuhr, aus ungefähr einem Meter Abstand vom Gehweg geklingelt. Es war mehr so, dass ich vor Schreck vom Weg sprang als dass ich ihn bewusst vorbeigelassen hätte, er fuhr vorbei, ich rief ihm "bitteschön" hinterher, er realisierte seinen Fehler und rief "dankeschön" in den Wind, aber zum Glück war es kurz vor der Brücke, sonst wäre ich womöglich im Fluss gelandet ... Ich, übertreiben? Nie!

In Achern setzte ich mich auf einen großen, steinernen Blumenkübel, erntete einen skeptischen Blick von einer Frau (die war, glaube ich, weniger skeptisch, ob der Blumenkübel meine schlanke Gestalt trägt, sondern eher, ob ich - der ich mal wieder im Kurzarmhemd unterwegs war - noch ganz bache sei ... Das war Alemannisch ...) und überlegte, ob ich wie geplant weiterlaufe oder aber abbreche und zum Bahnhof in Achern marschiere.

Der Blick auf die Karte eröffnete mir, dass der Bahnhof ganz schön weit außerhalb von Achern war, die kleine Pause hatte mir gutgetan, also lief ich weiter, durch das schöne Örtchen Sasbach hindurch, dann - die Beine wurden müder - weiter entlang der Kreisstraße bis zur Haltestelle "Sasbachried Abzweig". Die weltpolitische Bedeutung dieser Haltestelle liegt darin, dass sie fast unmittelbar an der Grenze der Regierungsbezirke Freiburg und Karlsruhe liegt, und also schleppte ich mich noch ein paar Meter weiter, überquerte ebendiese Grenze, riss jubelnd die Arme empor und watschelte dann zurück zum Wartehäuschen. Juchhe, ich hatte nun - erstmals von Bonndorf ausgehend - einen anderen Teil Deutschlands als den Regierungsbezirk Freiburg im Land Baden-Württemberg betreten ...

Der Nervenkitzel hatte aber noch kein Ende genommen, denn ich hatte in Achern und in Freiburg nur ein paar Minuten zum Umsteigen, und so wie ich die Bahn kenne, hätte das eng werden können (wie am Freitag Abend, als ich rennend vom ICE zur S-Bahn unterwegs war und gerade noch so - zum Glück sahen Lokführer und Schaffner meine Schwungmasse in Bewegung auf sie zurasen - auf den Zug aufgesprungen war).

Joa, das Problem war, dass der Bus schon mit fünf Minuten Verspätung kam, und in Achern hatte ich nur drei Minuten zum Umsteigen. Ich konsultierte mehrfach die Fahrplanauskunft der Bahn, und vor lauter Konsultieren verpasste ich es, den Knopf zu drücken, dass ich am Bahnhof in Achern aussteigen will - es hätte wahrscheinlich gelangt (weil die Regionalbahn auch eine Minute Verspätung hatte), aber wenn es nicht gelangt hätte, wäre ich in Achern gestrandet gewesen.

Der Bus fuhr bis Offenburg, und manchmal ist es glücklich, dass die Bahn Verspätung hat, denn ich wollte auf einen verspäteten ICE aufspringen. Mein Bus holte seine Verspätung rein, aber der ICE schien das dummerweise auch zu tun, sodass ich zwischenzeitlich auch in Offenburg hätte rennen müssen, um überhaupt noch eine Chance zu haben. Doch dann, plötzlich, sah ich, dass der ICE sogar wieder Verspätung aufbaute - puh, jetzt würde ich langen.

In Offenburg stieg ich frohgemut aus, lief zum Bahnhof, guckte auf die Anzeige mit den kommenden Zügen - und fand meinen ICE nicht wieder. Was ist hier los? Was ist passiert? Bevor ich zum Alkohol griff (ich hatte gestern ein paar Ohrwürmer, aber Grönemeyer war tatsächlich nicht dabei), lief ich einfach zu dem Gleis, was mein Handy anzeigte und guckte in die leicht genervten Gesichter von einigen Wartenden. Der nächste angezeigte Zug wäre eine halbe Stunde später gefahren, sodass ich Hoffnung hatte, dass die genervt waren, weil sie auf meinen Zug warteten. Wenige Minuten später kam die erlösende Ansage, dass auf Gleis 1 jetzt der verspätete ICE einführe, ich stieg ein, stieg in Freiburg aus, lief gemütlich zum Gleis 7, stieg in die S-Bahn ein, fuhr durchs Höllental und hoch nach Titisee, wäre fast dort hängengeblieben, weil ich im falschen Zugteil saß und die Ansagen vor lauter Musikhören nicht gehört hatte, stieg also um in den Zugteil nach Neustadt und erwischte dort den letzten Bus nach Bonndorf, sodass ich um 20.14 Uhr nach fast zwölf Stunden on the road wieder zuhause war ...

Ich war hundekaputt nach fast 18 Kilometern, guckte zwar noch Serien, aber war seelisch und moralisch nicht in der Lage, noch Blog zu schreiben ...

Heute Morgen war ich dann - dank Zeitumstellung - einigermaßen früh ausgeschlafen, humpelte ins Bad, humpelte zurück ins Bett, guckte aus dem Fenster und dachte, dass das nicht wahr sein könne: solches Traumwetter ... Ich erschreckte meine Mutter mit meiner schieren Anwesenheit zweimal, dann entschied ich mich, sicherheitshalber auch diesen Tag außerhalb ihrer Wohnung zu verbringen (ansonsten singe ich ja ganz laut, damit sie nicht vergisst, dass ich da bin, aber bevor ich geduscht habe, bin ich weder ansprechbar noch singbereit) ...

Um 12.30 Uhr war ich an der Bushaltestelle, und da saß diese junge Frau mit Rucksack, die offenbar auch irgendwohin wandern gehen wollte. Um 12.40 Uhr fuhr der (recht volle) Bus ab, um 13.01 Uhr stieg ich in Unterlenzkirch aus.

Es ging erstmal ein Stück bergab, aber dann - für einen inzwischen in Niedersachsen wohnhaften Menschen - schon fast alpin-brutal den Berg hoch. Kurz vor Kappel streikte ich, als mein Wanderplaner mich in eine Senke und dann wieder den Berg hoch jagen wollte, also lief ich einen kleinen Umweg. Viel besser war es da auch nicht, denn auch da kam - ich sah einzelne Schneeflecken - erst eine Senkung und dann der Anstieg hoch nach Kappel, aber ich bilde mir ein, dass er weniger ausgeprägt war wie auf der ursprünglich geplanten Strecke.

Ich wanderte durch Kappel hindurch, einen richtig übel steilen Berg hoch (die Straße heißt passenderweise "Am Berg"). Meine Planung führe mich jetzt vom Querweg Freiburg-Bodensee weg, sodass der Anstieg ein bisschen erträglicher wurde, und als ich nach dem letzten steileren Wegstück auf dem Bergrücken ankam, war alles gut: Es ging noch bergan, aber mit sehr entspannten Steigungen, das war jetzt richtig, richtig schön ...

Etwas überraschend für mich war, dass ich noch richtig durch größere Schneeflecken stapfen musste, das hätte ich Ende März auch auf 1000, 1050, 1100 Meter Höhe nicht mehr erwartet. Ich war froh, dass der Querweg, auf den ich jetzt doch wieder kam, geräumt war, denn auch wenn der Schnee nicht kniehoch, sondern eher knöchelhoch, ist das doch immer anstrengender ...

Es war toll, mal wieder im (Nadel-)Wald zu sein und nicht immer nur die kahlen Stämme zu sehen! Doch, die heutige Tour machte mir schon richtig Spaß, und ich war ja noch nicht einmal am Gipfel des Querweges, am Hochfirst, angelangt ... Auf den letzten Metern verlief ich mich leicht, marschierte über den Parkplatz zum Hochfirstturm und sah da hinten viel Buntes.

Paraglider hatten dort oben ihren Stützpunkt, und so nah kam war ich so einem Absprungpunkt bisher nur in Bernau gekommen, aber da war nur einer unterwegs, heute war da mindestens ein Dutzend Männer (nur Männer), die ihre Gefährte in die Luft schwangen.

Das alles vergaß ich aber fast, als ich den vollen Blick auf den Titisee erlangte: traumhaft schön, wirklich traumhaft schön, gerade bei dem blauen Himmel heute und den schneebedeckten Schwarzwaldgipfeln - da war ich nicht zum letzten Mal, denke ich ...

Ich brachte den Paraglidern ein bisschen Unglück, denn jeder der beiden Startversuche, die ich fotografierte, musste abgebrochen werden. Ich war nicht der Einzige, der da oben herumstand und Titisee und Paraglider fotografierte, auch die Bonndorferin traf ich da oben an und musste schon schmunzeln.

Nach einer längeren Pause dort oben wagte ich mich an den Abstieg, und ich war von den Paraglidern anscheinend so beeindruckt, dass ich erstmal in die falsche Richtung lief, den Berg hoch. Erschwerend kam hinzu, dass der Weg, den ich lief, durch die Abflugschneise der Paraglider führte, aber ich wurde nicht angemotzt, denn das war ja ein allgemeiner Wanderweg, da müssen eher die aufpassen als ich, denke ich. Jedenfalls war es kein böser Wille. Dementsprechend peinlich war es, als ich dann ein paar Minuten später denen nochmal durchs Bild latschte - sorry!

Der Abstieg war schwierig, denn er war erstens steil und zweitens teilweise schneebedeckt, und dementsprechend rutschte ich öfter, konnte mich aber stets auf den Beinen halten. Einmal wollte der Schwarzwaldverein den Wanderer bei der Wegführung veräppeln, weil der Weg mitten durch unwegsames, steiles Gestrüpp ging, da lief ich lieber die paar Meter außenherum, da war ich sicherer.

Nun ging es durch den Wald, mir kam kaum jemand entgegen, ich unterquerte die B 500 und lief auf die Fußgängerzone in Titisee zu. Ich machte ein Foto vom Titisee (oder "Lake Titi", wie ich jedes Mal schreibe, wenn ich das Foto per WhatsApp verschicke), wollte mir ein Eis gönnen, sah die zwanzig Meter lange Schlange, ließ es gut sein und entschied mich - ich war viel zu früh für meinen Zug nach Neustadt - noch ein bisschen ins Höllental runterzufahren.

Ich war unterwegs mit einer Familie, deren Sohn eifrig den Zug erkundete und gelegentlich einen Brüller losließ, aber ich stieg (erst) am beabsichtigten Rückzugspunkt in Himmelreich aus, auch wenn die Umsteigezeit ein bisschen kürzer war als avisiert, weil wir in Hinterzarten ein bisschen Verspätung aufluden. Problem war es trotzdem keins, und ich saß diesmal sogar - ich spurtete in Himmelreich noch zum vorderen Zugteil - im richtigen Zugteil, sodass ich in Titisee sitzen bleibe konnte.

Beim Ausstieg in Neustadt stand da wieder die Bonndorferin vor mir, jetzt grinsten wir uns wirklich an und kamen ins Gespräch. Der Bus kam, alles war problemlos, bis wir in Lenzkirch am Kurpark ankamen.

Dort stand ein Mann ein, der - nun, wie soll ich es sagen - rotzendicht war und fragte, ob er nach Gündelwangen mitgenommen würde. Ausreichend Geld hatte er anscheinend nicht dabei, seine Tasche mit Flaschen hätte er fast in Lenzkirch "vergessen" (und vergaß sie dann auch fast, als er ausstieg), unterwegs nahm er seine Maske ab und quatschte die Bonndorferin voll, da die sich anscheinend kannten ... Sagen wir so: Niemand im Bus war unglücklich, als Monsieur in Gündelwangen ausgestiegen war.

Am Rathaus in Bonndorf stieg ich aus, lief heim, wurde mit lecker Abendessen bekocht und habe jetzt gefühlt den Rekord für den längsten Blogeintrag gebrochen. Sorry!

Angemessenerweise kommen jetzt 14 Bilder:

Obstbäume in Oberkirch

Blick in die Landschaft vor Tiergarten (glaube ich)

In Ulm (glaube ich)

Über die Acher

Da weißte Bescheid!

In Sasbach

Regierungsbezirksgrenzstein

Im Schwarzwald

Im Hochschwarzwald

Hochfirstturm

Titisee ohne Paraglider ...

... und mit ...

Achtung, Paraglider kreuzen!

Lake Titi (höhö ... och menno!)