Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 6. März 2021

Auf zum Brocken

Ich Dussel habe gestern im Gespräch mit einer meiner neuen Kolleginnen die Klappe nicht halten können und musste von meinem neuen Projekt erzählen, dass ich nämlich von meiner Wohnung aus bis zum Brocken im Harz laufen möchte. Die Kollegin verschluckte sich fast an ihrem Essen, und so komme ich aus der Nummer nicht mehr so richtig raus, fürchte ich ...

Daher machte ich auch heute (für gestern Abend siehe unten ...) Nägel mit Köpfen und ging nach einer wunderbaren Dusche auf erste Wandertour hier in Niedersachsen: Ich verließ das Haus und lief wieder in Richtung Deich (wo ich letzten Samstag schon eine kleine Rundtour gemacht hatte), unterquerte den Schnellweg und lief wieder über die Brücke über den Großen Ricklinger Teich. Am Ende des Weges bog ich nun aber nach rechts (also Süden) anstatt nach links (wie am letzten Samstag) ab und kam nach kurzer Strecke (es ging durch die Teichlandschaft) auf dem Gebiet der Gemeinde Hemmingen an - ich halte also die Stadt Hannover, jedoch nicht die Region Hannover verlassen.

Am Großen Döhrener Teich (der gehört noch zur Stadt Hannover) ging es weiter, und die meisten Menschen, die mir begegneten, waren mit ihren Hunden unterwegs (einen Dackel hatte ich - noch in Ricklingen - unbeabsichtigt erschreckt, der ist richtig zurückgeprallt, der arme Wauzi ...).

Am Hemminger Dorfteich vorbei (hier kam auch mal blauer Himmel raus, ansonsten war es recht bewölkt) ging es - am Ende auf einem richtigen Feld-Weg, auf dem ich ständig wegrutschte - in Richtung Landesstraße 389.

Durch einen Wald kam ich auf Gebiet von Laatzen und lief um die Laatzener Teichen herum, bis ich - erstmals überquerte ich die Leine - nach Alt-Laatzen kam. Hier fing auf einmal Schneetreiben (Im März! In Hannover! Im Flachland!) an, auch wenn schon vorher ein paar Schneeflocken (die ich zunächst ungläubig für Pollen hielt) gefallen waren ... Unglaublich!

Durch die Teufelskuhle lief ich hindurch und dann ein Stück an der Leine entlang, bis ich schließlich wieder auf die andere Flussseite wechselte. Die Planungsapp hatte mir einen Weg durch das Wasserschutzgebiet vorgeschlagen, aber das Tor war zu, sodass ich über die Matschpiste direkt am Leineufer ein bisschen einen Umweg laufen musste. Ich querte die Leine am Ende der Matschpiste ein drittes Mal und latschte, nachdem ich die B 443 unterquert hatte, nun am Großen Koldinger See entlang.

So langsam taten mir die Gräten weh, aber in die Leineauen da unten werde ich im Sommer noch mal gehen, denn das wird - bei Sonnenschein und Blättern an den Bäumen - ganz bestimmt noch ein bisschen schöner sein.

Nach einem Schlenker betrat ich Gebiet von Sarstedt und damit des Landkreises Hildesheim, und es folgte eine laaaaaange Gerade, bis ich kurz vor Ruthe (hübsche Kirche) die Innerste, einen Zufluss der Leine, überquerte. Ich hätte laut Planer an der Innerste entlang gehen sollen, aber ich entschied mich für den direkten Weg unter der ICE-Schnellfahrstrecke hindurch (als ich untendurch war, kam gerade ein ICE an ...) in Richtung Sarstedt.

In Sarstedt musste ich wegen Bauarbeiten noch einen Umweg laufen (aua!), aber dann trudelte ich am Bahnhof ein, erwischte den Regionalexpress nach Hannover, kaufte noch ein bisschen was ein, fuhr mit der Stadtbahn nach Hause, duschte und erwartete dann die schon unterwegs bestellte Pizza.

Boah, bin ich fertig - das war die erste Wanderung seit zwei Wochen (danach machte mein Zeh mir ja wieder ein bisschen Ärger), und da waren fast 19 Kilometer jetzt doch ein bisschen viel ... (Ich wollte eigentlich heute Abend mit einem Ex-Kollegen Fußball gucken, aber dem habe ich abgesagt, weil ich keinen unnötigen Schritt mehr machen wollte ...)

Die erste Etappe in Richtung Brocken ist also geschafft, ich schätze mal, dass es so sechs bis zehn Etappen werden, je nach gewählter Strecke, da gucken wir mal, wie ich da vorankomme. Das Ziel auf alle Fälle ist es aber, auf den Brocken hochzuwandern, im Hotel auf dem Brocken zu schlafen (sobald die wieder aufmachen dürfen) und dann wieder herunterzuwandern. Das sind jeweils 18 bis 20 Kilometer, und ich weiß noch nicht, ob ich von Bad Harzburg hoch und nach Wernigerode runter oder andersherum laufe, aber das entscheide ich, wenn ich in die Nähe des Harzes komme ...

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Gestern Abend verließ ich das Wochenende fürs Büro und entschied mich spontan, nach Hamburg zu fahren. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein riesiger Hamburg-Fan bin, aber irgendwie hatte ich gestern Bock auf die Landungsbrücken. Ich setzte mich also in den ICE nach Hamburg-Altona und tüftelte - nachdem die Sonne untergegangen war - in mehreren Iterationen meine Strecke aus.

Am Ende blieb ich bis Altona im Zug sitzen, stiefelte dann zum Busbahnhof, verpasste den (nicht angepeilten) Bus knapp, fuhr dann mit dem angepeilten Bus über die Autobahn (!) und durch den Elbtunnel nach Finkenwerder und marschierte dort zum Fähranleger.

Fährefahren ist ja etwas, was ich für mein Leben gerne mache, und glücklicherweise hatte ich im Zug herausgefunden, dass ich mit dem City-Ticket und damit mit meiner Bahncard 100 auch auf den Hamburger Fähren kostenfrei fahren kann.

Der Kapitän hupte, als ich kam, was mich wunderte, denn ich hatte noch eine Viertelstunde Zeit, doch kaum war ich aufs Schiff geschlendert, legte dieses ab - da hatte ich die Fähre eine Viertelstunde vorher erwischt ... Auch gut. Ich ging hoch aufs Freiluftdeck, da saß noch ein Mann am Bug, während ich die gesamte Fahrt stand und Fotos vom Hamburger Hafen im Dunkeln schoss - herrlich! (Und dass ich "herrlich" und "Hamburg" in einem Satz verwende, hätte ich niemals gedacht ...)

Das ist definitiv eine Tour, die ich an einem schönen Wochenendtag nochmal mache, dann fahre ich alle Fähren im Hamburger Hafen einmal ab. Das wird schööööön ...

Nach ein paar Zwischenstopps kam ich an den Landungsbrücken an, wollte mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, aber die U-Bahn fuhr wegen Bauarbeiten nicht durch, sodass ich auf den Bus umsteigen musste ... Am Ende war's fast egal, denn den Regionalzug um kurz nach 22.30 Uhr würde ich noch erwischen.

Ich holte mir am Bahnhof noch was zu essen (weil keine Fischbude mehr aufhatte und ich kein Fischbrötchen bekam, menno), half einem Spanisch sprechenden Marokkaner bei der Bestellung und lotste ihn dann noch zu seinem Zug nach Flensburg, während ich mich in den Metronom nach Hannover setzte.

Ganz am Schluss kam noch eine Fahrkartenkontrolle, und irgendwie hatte ich das Gefühl, die beiden Herrschaften, die mich in die Zange nahmen, dachten, ich hätte keine Fahrkarte, aber ich konnte sie eines Besseren belehren ...

Die Stadtbahnen fuhren heute Nacht nicht in Hannover, sodass ich vom Hauptbahnhof mit der S-Bahn weiterfuhr (einmal um den Maschsee herum ...), in Linden ausstieg und den verbleibenden guten Kilometer fußläufig überwand. Um halb zwei war ich zuhause, das war auch wieder ein richtig schöner Ausflug gewesen ...

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Eigentlich wollte ich morgen nach Lübeck und Travemünde, aber das Wetter spielt wohl nicht so mit. Stand jetzt steht Nürnberg hoch im Kurs (da wäre ich in drei Stunden), aber vielleicht mache ich morgen einfach faul oder - im Gegenteil - die zweite Etappe Sarstedt-Hildesheim (auch wenn ich im Moment nicht mal von der Etappe Küchentisch-Bett überzeugt bin, dass ich sie schaffe ...).

Ich werde berichten ...

Hamburger Hafen bei Nacht

Großer Ricklinger Teich

Leine

In Sarstedt-Ruthe

Dienstag, 2. März 2021

"Bielefeld ist wie dunkle Materie"

…, meinte der Kollesch aus Kaiserslautern, der mich mal wieder in ein Abenteuer hineinquatschte - umgekehrt würde ich ihn und seine Frau ja nie in irgendwelche gefährlichen Aktionen manövrieren, wie zum Beispiel mit einem undichten Kanu über den Amazonas zu setzen oder im Dunkeln über südafrikanische Straßen zu flieg..., ähm, fahren ...

Und so machte ich am Sonntag auf dem Heimweg aus Wuppertal noch Zwischenstation in Bielefeld, das - wie dunkle Materie halt - nicht beweisbar ist, aber aufgrund des Einflusses, den das Objekt auf andere Objekte ausübt, eben da sein muss. Der Besuch war ein kurzer, aber ich muss sagen, dass mir Bielefeld gar nicht so schlecht gefallen hat - es spielt nicht in einer Liga mit Istanbul und Tel Aviv, auch nicht mit Berlin und Rio de Janeiro, aber ganz so hässlich muss eine Stadt, in deren Fußballverein Ernst Middendorp Trainer war, also doch nicht sein ...

So richtig vernünftig war es ja nicht, was ich am Freitag, Samstag und Sonntag machte, nachdem ich mir meine Bahncard 100 gekauft hatte, aber halb wollte ich mal raus, halb schmiss meine Mutter mich - aus meiner eigenen Bude - raus, aber das lag daran, dass die Koffer mit meinen Klamotten, die wir unvorsichtigerweise über Hermes versandt hatten, nicht ankamen, weil - kein Witz! - der Hermes-Paketbote den Hermes-Paketshop, an den wir die Koffer geschickt hatten, nicht fand. So ein Saftladen, unglaublich ...

Während ich, weil ich dem Verein nicht traute, am Freitag noch über Amazon (die Lieferungen klappten übrigens vorzüglich) Notfallklamotten kaufte, war meine Mutter insgesamt nicht so glücklich, und da störte ich nur. Da ich mir sowieso eine Bahncard 100 kaufen wollte, fuhr ich also - letztmals mit einer Einzelfahrkarte - zum Hauptbahnhof hier in Hannover und marschierte ins Reisezentrum.

Ich hatte mich - endlich - entschieden, eine Probe-Bahncard für drei Monate zu kaufen, diesen Wunsch äußerte ich, und glücklicherweise wusste die Mitarbeiterin dort, was sie zu tun hatte. Beinahe jedenfalls, denn ich war offenbar der Erste, der das Ding haben wollte, aber kein eigenes Passbild dabei hatte. Jetzt hatte die Bahn online vollmundig verkündet, dass in diesem Fall die Mitarbeiter ein Foto aufnehmen würden, also stellte die Mitarbeiterin mich an die Wand und machte mit ihrem Bahn-Tablet ein Foto von mir - mit heruntergezogener Maske meinerseits. Das wird ein Bild für die Götter, aber zum Glück nur für drei Monate - das nächste Mal bringe ich ein Passbild mit ...

Nun hatte ich das Ding also und stieg in den nächstbesten Zug. Naja, nein, ich hatte mir als Ziel Norddeich herausgesucht, im äußersten Nordwesten von Niedersachsen am Meer. Ans Meer wollte ich nämlich auf alle Fälle, und der IC fuhr von Hannover nach Norddeich durch … Ich tuckerte also ein paar Stunden über Bremen und Oldenburg und Leer und Emden nach Norddeich, der Zug war leer, das Ansteckungsrisiko gering, und stieg in Norddeich aus.

Ich ging ein paar Schritte - und war glücklich. Das Meer! Es windete, wie es sich für einen Ort am Meer gehört, ganz schön … Ich lief über den Deich drüber und war an der Strandpromenade - herrlich! Das Wetter machte einigermaßen mit, es war zwar bewölkt, aber es gab auch Flecken blauen Himmels, und je weiter ich kam, umso besser wurde es.

Ich ging am Strand vorbei, der in dieser Jahreszeit zum Hundestrand umfunktioniert wurde, bestieg den Deich, ging hinunter an den Strand (herrrrrrrrlich!), ging wieder auf den Deich und schaute, ob ich im Örtchen ein Fischbrötchen kriegte. Kriegte ich, weil der einzige offene Stand am Ort pünktlich am Freitag wieder aufgemacht hatte. Weil es der erste Tag war, bekam ich kein Aalbrötchen, aber dafür ein Backfisch- und ein (teures) Krabbenbrötchen - danach lief ich wieder zum Deich und setzte mich unter den aufmerksamen Augen der allerdings vergeblich auf Gelegenheiten zum Diebstahl wartenden Möwen auf eine Bank, um meine Brötchen zu verspeisen. Hatte ich schon erwähnt, dass es herrlich war?

Unterwegs war mein Handy ausgefallen, sodass ich nicht wusste, wie spät es war - und prompt verpasste ich meinen Zug zurück um wenige Minuten. Das war nicht so schlimm, weil eine Stunde später ein Regionalexpress fuhr, und die Zeit vertrödelte ich, indem ich mich am Fährhafen nach Norderney herumdrückte. Da werde ich diesen Sommer auch nochmal hinfahren, denn der Tagesausflug kostet 20 Euro und die Fahrt nach Norddeich kostet mich nüscht ...

Ich beobachtete die einfahrende Fähre und die mehr oder wenige junge Dorfjunge, die mit Skateboards und Mopeds an der Hafenpromenade herumfuhr, ehe ich mich zum Zug bequemte und die vierstündige Heimfahrt nach Hannover antrat - ein sehr schöner Tagesausflug war das ...

Nun hatte ich aber Blut geleckt und wollte am Samstag auch wohin - allerdings bestand noch die Möglichkeit, dass der Hermes-Mensch (ich hatte dort angerufen und denen die Hölle heißgemacht, meiner Mutter war ich aber immer noch viel zu lieb …) die Koffer am Samstag anliefern würde. Also machte ich erstmal nur einen kurzen Spaziergang um den Großen Ricklinger Teich, denn in Ricklingen wohne ich seit Donnerstag.

Das Wetter war bewölkt und die Bäume kahl, aber trotzdem ist diese Teichlandschaft hier im Süden Hannovers sehr ansehnlich, und ich bin sehr sicher, dass das hier im Sommer richtig, richtig schön sein wird ...

Ich kam nach Hause, die Koffer kamen nicht, und um 12 Uhr machte ich mich auf den Weg zu Bahnhof, denn ich war seit Jahren nicht mehr in Berlin gewesen.

Mein erster Versuch, vielleicht im Bordbistro eines ICE ein offenes Bier abzustauben, war aufgrund des Ausfalls des ICE Bremen-Hannover am Vortag ins Wasser gefallen, jetzt saß ich im ICE, bekam aber trotzdem kein offenes Bier, weil die Bahn im Moment keinen Alkohol im Bordbistro verkauft. Menno!

Die 99 Minuten Fahrt ließen sich aber auch so gut überleben, und die Einfahrt nach Berlin mit Blicken auf die Siegessäule und den Fernsehturm ist einfach toll … Ebenso toll war die Currywurst, die ich mir gleich im Bahnhof kaufte. Danach lief ich meine "übliche" Berliner Runde am Kanzleramt und am Bundestag vorbei zum Brandenburger Tor, von dort zur US-Botschaft und dem Holocaust-Mahnmal, um am Ende am Potsdamer Platz anzukommen.

Dort stieg ich - nach kurzem Besuch bei der südsudanesischen Botschaft - in den Bus und fuhr in die Nähe des Berliner Schlosses. Joa, ganz hübsch mit seiner nachgebauten Fassade. Am Roten Rathaus und an "Mutter Hoppe" vorbei ging es zum Fernsehturm, aber dann zeitnah mit der Linie 100 zum Bahnhof Zoo, denn ich wollte zum Ehrenmal der Bundeswehr am Bendlerblock - und am Bahnhof Zoo wollte ich wohl umsteigen.

Dabei kam ich nicht nur an der CDU-Zentrale, sondern auch an diversen Botschaften vorbei, und als ich endlich den gewünschten Verbindungsbus gefunden hatte, stieg ich direkt vor der indischen Botschaft aus. Es ging an etlichen anderen Botschaften vorbei zum Ehrenmal, das sehr schlicht ist und damit wahrscheinlich seinen Zweck genau erfüllt.

Nun hatte ich noch ein bisschen Zeit und stellte fest, dass ich gefühlt noch nie in Kreuzberg war, also wollte ich zum Kottbusser Tor. Die Bahn-App zeigte mir die falsche Haltestelle für den Bus an, sodass ich - nach Lichthupe des Fahrers, dass er auf mich warten würde - auf die andere Seite der Spree sprintete und in den Bus hechtete. Am Moritzplatz stieg ich in die U-Bahn um, und als ich am Kottbusser Tor rauskam, wurde ich prompt von einem Drogendealer angezischt, ob ich was haben wollte ... Nein, danke.

Da am Kottbusser Tor merkt man wirklich, dass Berlin eine Weltmetropole ist, denn das hat mit dem ländlichen Deutschland wirklich nichts mehr zu tun, das könnte genauso gut auch in Istanbul sein. Hochspannend! Weniger hochspannend sollte aber das Erreichen meines Zuges sein, sodass ich mich entschied, jetzt keine Sperenzchen mehr zu machen und sofort zum Ostbahnhof zu fahren.

Dort stieg ich in den ICE nach Hannover hin, es ging über den Hauptbahnhof und Spandau, aber auf einmal standen wir in Rathenow in der brandenburgischen Pampa. Es stellte sich heraus, dass die Baustellenplaner nicht mit dem Fahrplaner gesprochen hatten, sodass da urplötzlich eine Baustelle auftauchte, mit der nun wirklich kein Mensch rechnen konnte ...

Wir standen eine gute Stunde, dann ging es weiter, und so habe ich wenigstens schonmal zehn Euro wieder gut, denn für die Verspätung von mehr als einer Stunde bekomme ich selbst mit der Bahncard 100 eine Entschädigung in ebendieser Höhe …

Am Sonntag dann ging es schließlich nach einigem Hin und Her (auch Magdeburg und Schwerin waren in der Verlosung) nach Wuppertal, denn ich wollte endlich mal Schwebebahn fahren. Mit dem IC ging es - über Bielefeld natürlich - auf direktem Weg nach Wuppertal, und nach ein bisschen Suche fand ich auch die Schwebebahnhaltestelle ...

Es lief gerade eine Fahrkartenkontrolle, und als die gute Frau zu mir kam, zeigte ich ihr meine vorläufige Bahncard 100. Sie stutzte und meinte, dass die gar nicht gültig sei. Bitte, was? Nachdem ich mich vom ersten Schreck erholt hatte, sagte ich ihr, dass da doch ein City-Ticket enthalten sei, und als ich ihr den Zusatz "+City" auf dem Ding zeigte, erkannte sie ihren Bock und bat um Entschuldigung … Das hat mich aber Wochen meines Lebens gekostet, junge Frau!

Das Heck der Schwebebahn wurde frei, und so konnte ich mich dorthin setzen … Technisch ist das Ding, glaube ich, keine unfassbar fantastomanische Wunderleistung, aber es ist einfach sehr, sehr cool, da über der Wupper entlangzufahren (und am Ende der einen Trasse ein Stück oberhalb einer Straße) und zu merken, wie sich das Ding in die Kurve legt. Wirklich, wirklich empfehlenswert!

Am einen Ende der Bahn kam ich ein bisschen zu spät, denn ein Hobbyfotograf hatte sich schon den Heckplatz gesichert, aber ich saß trotzdem noch mit den Augen zum Heck und konnte - mit ein bisschen Abstand von der Scheibe - das Geschehen verfolgen.

Ein Motorrad fuhr schnell hinter uns her, und ich ertappte mich dabei, dass ich dachte, der solle ein bisschen Abstand halten, sonst führe er noch auf uns drauf. Tat er aber nicht, sondern fuhr seelenruhig unter uns hindurch ...

Der Hobbyfotograf kam mir auch bei der Rückfahrt in die Quere, sodass ich die Bahn mit ihm fahren ließ, doch bei der Bahn darauf wollte ein Kind mit seinen Eltern da hinten hin, also ließ ich denen halt den Vortritt, liebenswürdig wie ich nun einmal bin - höhö ...

Am Hauptbahnhof stieg ich wieder aus und fuhr mit der Regionalbahn in Richtung Hamm, stieg dort um in den ICE nach Bielefeld, stieg in Bielefeld aus und fuhr mit der sehr modernen Stadtbahn in Richtung Altstadt ...

Da gibt es einige sehr schön Hausfassaden, es gab lange Schlangen bei Frozen-Yogurt-Verkaufsständen, einen Skulpturenpark, aber nach einer guten Stunde Stadtspaziergang war es jetzt für den Tag, sodass ich den nächsten ICE nahm und zurück nach Hannover fuhr.

Joa, die Fahrt hierher nach Hannover am Donnerstag enthielt einen Zwischenstopp in Wiesbaden zum Abgeben meiner Arbeitsutensilien, und daraus entwickelte sich eine kleine, gediegene Abschiedsveranstaltung auf der Dachterrasse.

Hier in meiner Bude in Hannover fühle ich mich jetzt aber richtig wohl, ich bin sehr gespannt auf die Arbeit und auch auf diese Stadt, gerade wenn - hoffentlich - im Sommer hier auch wieder ein bisschen was aufmacht.

Mal sehen, wohin ich am Wochenende fahre - man könnte ja auch mal wieder wandern gehen, es gibt hier ja eine schöne Strecke entlang der Leine ...

Ich werde berichten.

Norddeich

Blick vom Deich auf den Strand

Am Strand - herrlich!

Großer Ricklinger Teich bei bewölktem Himmel

Reichstagsgebäude

Brandenburger Tor

Holocaust-Mahnmal

Die erste von vielen Botschaften am Samstag

Rotes Rathaus

Fernsehturm

Schloss Bellevue aus dem Bus

Gedächtniskirche

Schwebebahn über Straße

Schwebebahn über Wupper (keine Montage!)

Bielefeld

Freitag, 19. Februar 2021

Jesus, Maria und Josef im Kobayashi-Maru-Test

Was hat der denn heute schon wieder genommen? Offenbar zu wenig ...

Jesus, Maria und Josef dürften kulturhistorisch den meisten Lesern vage bekannt sein, jedenfalls fluchte ich heute ein bisschen, als ich oberhalb von Bühl einen steilen Berg emporstieg. Da begegnete mir ein Wegeskreuz mit einem goldenen Jesus; das machte den Weg aber nicht besser, weil ich wenige Meter darauf auf einen matschigen Feldweg einbiegen musste, sodass ich mir Sorgen machte, dass der Busfahrer angesichts meiner Schuhe nicht nur Jesus, sondern auch seine Eltern anrufen wollen würde ... Am Ende war's dem Busfahrer wurscht, wie meine Schuhe aussahen, zumal ich ein bisschen Matsch ja auch schon wieder heruntergelaufen hatte ...

Ich verpennte heute erst einmal den "bequemen" Bus, mit dem ich binnen einer guten Stunde von Bonndorf in Berwangen, einem Ortsteil der Gemeinde Dettighofen angekommen wäre, sodass ich den Bus eine knapp Stunde später (knapp) erreichte. Der Busfahrer in Bonndorf konnte meine Tageskarte gar nicht rauslassen, der Busfahrer in Stühlingen ließ mir erst die falsche raus (wobei ich da mindestens eine Teilschuld trug, weil ich nicht wusste, dass ich auch eine Tageskarte hätte kriegen können, die nicht alle Zonen des Landkreises Waldshut umfasste), dann aber hatte ich beim WTSOLO24 oder wie das Ding heißt in Händen und gab es bis zum Abend nicht wieder her.

Insgesamt stellte ich mich nicht so clever an, weil der Busfahrer aus Bonndorf mich in Stühlingen fast nicht rausgelassen hätte, weil ich zwar den Stop-Knopf gedrückt hatte, aber das Teufelsding nicht den Alarm beim Fahrer ausgelöst hat - Mistdings ... Dafür war ich bis Schwaningen der einzige Gast im ganzen Bus gewesen, was auch nicht sooo verkehrt war.

In Stühlingen stieg ich um in den Bus nach Lauchringen, in Lauchringen in den Bus nach Erzingen und unterwegs in Grießen in einen Kleinbus nach Berwangen in Hinterpfuideibel, aber durch Berwangen war ich einst im Mai (tatsächlich war es Mai, nämlich der 17.) gekommen, und hier wollte ich an mein bisheriges Streckennetz anknüpfen.

Es ging erstmal an der Straße, auf der der Bus aus Dettighofen gekommen war, zurück nach Dettighofen, dann über die Bundesstraße und in Richtung Feld. Mein Zeh und meine Wade taten mir schon früh wieder weh, das ist nicht gut so, aber ich wollte halt zumindest diese offene Flanke zwischen Berwangen und Günzgen schließen und damit ein weiteres Gebiet umrundet haben, also biss ich auf die Zähne.

Ich sah von Ferne, auf der anderen Seite des Tals, den Grenzübergang Bühl/Hüntwangen, über den wir immer zum Flughafen Zürich fahren, ehe mich auf einem Feldweg in Richtung Bühl begeben wollte. Ich wäre besser auf der Straße gelaufen, denn der Feldweg endete und es folgte Gebüsch ... Nun, ich wollte nicht zurücklaufen, also kämpfte ich gegen Sträucher und Bäume und Äste, fluchte wie ein Rohrspatz, ging über einen verwunschenen Privatgarten und kam an Ende mit Striemen an den Armen (ooooooooooooh!) an der Straße raus.

Ich überquerte die Bundesstraße und kraxelte den Berg hinauf, vorbei am Jesus, über Matsch und Schlamm, bis ich das erste Etappenziel erreicht hatte (schweratmend): den Grenzstein Nr. 26 zwischen Baden und Zürich ...

Ich kraxelte noch ein bisschen weiter, vorbei an 25c, 25b und 25a (Zürich und Baden haben nicht fortlaufend nummeriert wie Schaffhausen und Baden, sondern arbeiteten mit Haupt- und Nebengrenzsteinen, wobei die Nebengrenzsteine eben mit Buchstaben in eine Reihenfolge gebracht werden ...), bis zur 25 kam (und folgerichtig die grobe Richtung wechselte). Es ging wieder über einen wunderbaren Pfad exakt auf der Staatsgrenze (ich hielt mich natürlich ordungsgemäß rechts, auf deutscher Seite ...) entlang bis zur 24 (die übrigens ein richtig schöner Grenzstein ist).

Dann begann der Kobayashi-Maru-Test - was'n das schon wieder? Bei Star Trek (Raumschiff Enterprise, Spock und Captain Kirk und so) wird die Charakterstärke der angehenden Führungsoffiziere dadurch beobachtet, dass man sie in einer Simulation in eine ausweglose Situation mit einer unlösbaren Aufgabe, nämlich das Schiff "Kobayashi Maru" zu retten, bringt. Bis Captain Kirk hatte sich keiner aus der ausweglosen Simulation befreien können, dann kam er ... und schummelte ...

Eine unlösbare Aufgabe wäre es auch gewesen, die Grenzsteine an diesem Grenzverlauf zwischen Grenzstein 24 und 23 so aufzureihen, wie es gedacht ist, denn da haben die Badener und Zürcher echt den Vogel abgeschossen: Den Anfang machen 23d, 23c und 23b, so weit, so gut ... Dann aber kommt der Grenzstein 23a.1, gefolgt vom Grenzstein 23a. Danach kam - latürnich! - der Grenzstein 23.1 und schließlich, oh Wunder, der Grenzstein Nr. 23 ... Was für ein Chaos! Des Rätsels Lösung ist - natürlich -, dass die Grenzsteine 23.1 und 23a.1 nachträglich, nämlich im Jahr 1900, eingefügt wurden (der übrige Grenzverlauf stammt aus dem Jahr 1839, wobei der eine oder andere Stein auch ersetzt wurde), was diesen höchst irregulären Grenzsteinverlauf ergibt ...

So, ist noch jemand wach? Ja? Gut!

Ich hätte noch weiter an den Grenzsteinen den Berg runterlaufen können, aber da gibt es auf keiner konsultierten Karte einen offiziellen Weg, also ließ ich es, zumal der Weg recht steil wirkte ... Ich ging dafür einen etwas weniger steilen (also nicht ganz so direkten) Pfad nach unten, bis ich schließlich in Günzgen ankam, wo ich am 9. Januar schon gewesen war ...

Der Grenzstein 14 wurde erneut besucht und der Grenzstein 12 erstmals, danach verabschiedete ich mich wieder von der Grenze und lief - schleppte mich - über Feldwege und Pferdewege nach Herdern und von dort zur Bushaltestelle am Industriegebiet in Hohentengen.

Dort war ich eine halbe Stunde zu früh, setzte mich auf so eine Eisenstange, die Autos davon abhalten soll, gegen die Hauswand zu fahren, ging fünf Minuten vor Abfahrt zur Haltestelle, der Bus kam - und der Busfahrer, der mir heute Morgen in Stühlingen die Fahrkarte verkauft hatte, grinste mich an ... Der wird sich auch überlegt haben, wie ich von Lauchringen hierher nach Hohentengen kam ...

In Tiengen und Lauchringen stieg ich um, und schließlich fuhr der Bus mit Endstation Bonndorf durchs Steinatal und durch Bettmaringen und ließ mich dann an der Realschule hier raus. Von da wackelte ich nach Hause und bin mal wieder total fertsch ...

Es war heute ein schöner Tag, die Sonne schien schon fast warm, ich habe ein paar Grenzsteine gesehen und die 1200-km-Marke im Schwarzwald geknackt, alles bestens, wenn mein Zeh und die linke Wade nicht wäre ... Ich denke, morgen werde ich dem blöden Bein nochmal einen Tag Pause geben, dann gucken wir, wo es am Sonntag hingehen könnte ...

Auf dem Dorf in Berwangen

Schöner Grenzstein

Verwirrender Grenzstein Nr. 23a.1

Blick auf das Rheintal oberhalb von Günzgen

Dienstag, 16. Februar 2021

Umzingelt

 ... ist der mittlere Teil des Kantons Schaffhausen seit heute (natürlich nur im Sinne des Spiels Go), denn ich bin einmal außen herum um das größte der drei Gebiete von Schaffhausen gelaufen. Klar, ich bin nicht von Grenzstein zu Grenzstein gehüpft, sondern habe auch ein bisschen Zürcher und das eine oder andere deutsche Gebiet mitgenommen (insbesondere Büsingen), und ein bisschen bin ich sicherlich auch innerhalb der Grenzen Schaffhausens gelaufen, aber ich denke, man kann sagen, 99 % des Gebiets habe ich ordnungsgemäß umrundet ... Juchhe!

Heute Morgen trödelte ich ein bisschen und richtete das Handy meiner Mutter neu ein, aber als Belohnung (nein, das war schon vorher ausgemacht) fuhr sie mich zum letzten Ausstiegspunkt an der Thaynger Straße bei Ebringen, sodass ich von da loslaufen konnte.

Die ersten ein, zwei Kilometer schmerzte mein Zeh noch ziemlich, aber ich lief mich ein, und als ich in Bietingen ankam, lief es schon halbwegs gut, zumal es sanft bergab ging. Ich wollte ein bisschen abkürzen und rechts des Flüsschens Biber entlanglaufen, aber da kam mir - zum Glück aus relativ großer Entfernung sichtbar - ein "Durchgang verboten"-Schild in die Quere. Nun war ich zwar nicht in der Schweiz, aber ich wollte trotzdem jedes Risiko, erschossen zu werden, ausschließen, also machte ich kehrt und lief linksbiberisch weiter.

Auch heute war das nicht so megaspektakulär, aber das Wetter war besser als gedacht, sodass doch das - wie ich finde - eine oder andere halbwegs vorzeigbare Foto dabei herausgekommen ist.

Ich durchquerte das Örtchen Randegg und kam (in Deutschland) an einer Bushaltestelle der Schaffhauser Buslinie 25 vorbei - diese Linie 25 überquert in ihrem Lauf viermal die Grenze (Schaffhausen-Büsingen, Büsingen-Dörflingen, Dörflingen-Randegg, Randegg-Buch), und ich muss unbedingt mal mit der Linie fahren, das muss eine Gaudi sein, in einem Umlauf achtmal die Staatsgrenze zu passieren. Wie? Keine Gaudi? Pah, für mich schon!

Ich ließ mich aber von der Linie 25 nicht ablenken und lief zunächst die Bergstraße hoch und dann ins Feld. Zunächst war es moderat steil, aber auf dem Alten Postweg wurde es gefühlt immer heftiger, zumal ich auch noch die Schneegrenze erreicht hatte und mitten in den Eismatsch hineinlief ... Nun, nichtsdestotrotz blieb ich auf dem Alten Postweg, auch als ich die Alternative hatte, einen vermeintlich weniger steilen Umweg zu laufen. Das war - ausnahmsweise - eine gute Entscheidung, denn als ich oben ankam und den Alternativweg sah, wusste ich, dass das eher schlimmer geworden wäre ...

Auch so musste ich über zwei umgestürzte Bäume kraxeln, aber wenigstens wurde es oben auf dem Rundweg um den Rauhenberg ein bisschen ebener (und sogar ein kleines bisschen weniger rutschig). Ich steuerte zielstrebig auf den Unteren Buchhaldenweg zu, denn dort am Wegesrand sollte der Grenzstein Nr. 95 zwischen dem oberen Schaffhauser Kantonsteil und dem Großherzogtum Baden stehen, einzig, ich sah ihn zunächst nicht ...

Es bedurfte mehrerer Sekunden angestrengter Suche, bis ich im verschneiten Hang den Grenzstein entdeckte - olé, Nr. 95 lebt ... Es ging auf dem (deutschen) Weg weiter, die Grenzsteine standen alle ein paar Meter vom Wegrand entfernt und aufgrund des Gefälles schon ein paar Meter unterhalb meiner Ebene, sodass es gar nicht so einfach war, zu den Grenzsteinen zu gelangen.

Bei der Nr. 90 dachte ich, der Stein hieße "Toote Maa" (toter Mann), aber in Wirklichkeit heißt das Gebiet dort so, was zwar ein bisschen gruselig, aber keineswegs so spannend ist wie wenn der Stein einen Eigennamen gehabt hätte ... Menno!

Nr. 88 steht nun mitten in der Senke, und bei der 81, die so mitten im Hang steht, würde es mich nicht wundern, wenn da beim Anbringen des Grenzsteines einer abgerutscht und ins (Schweizer) Tal gepurzelt wäre ... Wer legt denn die Grenze mitten in den Abhang, sachma?

Nun, ich hatte große Freude mit meinen Grenzsteinen, einmal wäre ich beim Betrachten fast am Hang abgerutscht und in die Schweiz geraten, woraufhin ich - wahrscheinlich - durch einen beherzten Sprung auf den Grenzstein wieder zurück auf den Weg gekommen wäre, aber glücklicherweise musste ich das alles nicht ausprobieren. Glücklicherweise ...

Ich verließ die Grenzsteinkette, musste aber trotzdem noch (moderat) einen Berg hinauf, bis ich auf fast 600 Metern Höhe den Abstieg angehen konnte. Man merkte (oder ich glaubte zu merken, nächste Woche ist bestimmt Wintereinbruch), dass der Frühling durchkommen will, und als ich endlich wieder unterhalb der Schneegrenze war und damit richtig festen Boden unter den Füßen hatte, wandelte ich auch lustig pfeifend (neihein, keine Sorge) in Richtung Gailingen den Berg hinunter.

Der Weg, den ich mir ausgesucht hatte, war privatrechtlich gesperrt, also musste ich ein bisschen außen herumlaufen, bis ich schließlich zu meinem Ritterhaldenweg kam. Den Weg lief ich lang, direkt auf die Weinreben am Rheinhang zu, und kletterte dann den steilen Weg zum Großparkplatz direkt am Rhein hinunter.

Als ich da oben stand, war das Auto meiner Mutter nicht zu sehen (und es waren maximal zwei Handvoll Autos überhaupt dort), aber als ich unten eintraf, kam sie gerade eingetrudelt - so genau hatten wir uns auch noch nicht abgepasst ...

Es ging - da wir nicht durch die Schweiz fahren wollten, obwohl unklar ist, ob uns das bei reiner Durchreise eine Quarantäne einbringen würde - wieder über Tengen und Grimmelshofen zurück, und jetzt tun mir alle Gräten weh ...

Zum Glück habe ich morgen wanderfrei, weil es lecker Essen bei meiner Ersatzoma gibt ...

Insgesamt bin ich jetzt seit dem 5. April 1.201 Kilometer insgesamt und 1.191 Kilometer im Schwarzwald gewandert, die 1.250er-Marke werde ich hoffentlich noch knacken, und dann gucken wir mal in Hannover weiter ...

Fotos von heute:

Schneegrenze erreicht

Grenzstein im Schnee

Grenzstein fast unter Schnee

Blick auf die Weinreben am Rhein in Gailingen

Sonntag, 14. Februar 2021

Hase und Igel

 ... spielten der mittelalte Herr und ich heute auf der Wanderung im Renchtal, denn kurz vor Ramsbach überholte er mich das erste Mal (und ich hatte heute einen strammen Schritt drauf), als ob ein Ferrari das Fuhrwerk eines lahmenden Gauls überholte, nur um (offenbar) irgendwo unterwegs Pause zu machen und mich dann kurz vor dem Forsthaus hinter Hubacker ein zweites Mal - mit ähnlichem Geschwindigkeitsüberschuss - zu überholen ... Zu allem Überfluss fing er - im Vorbeirasen - noch ein Gespräch an, auf dass ich auf alle Fälle merke, dass er mich gerade nassmacht - nein, im Ernst, sehr lustig, aber wie der Typ so ein Tempo draufhaben kann, ist mir unbegreiflich ...

Nun wird man zu meiner Ehrenrettung konstatieren müssen, dass ich da schon eine zweistellige Kilometerzahl in den Beinen hatte und zudem nach kurzem und wenig erholsamem Schlaf sehr früh geweckt wurde: Irgendso'n Trottel (böse Zungen sagen, ich selbst sei es gewesen) hatte meiner Mutter für den Fall, dass sie so früh wach ist (als ob das eine Frage gewesen wäre), aufgetragen, mich zumindest mal zu wecken ...

Nun denn, um kurz vor sieben flog die Schlafzimmertür auf, der Feldwebel brüllte was von "Aufstehen" und ... Nein, ganz so schlimm war's nicht, aber fast ...

Um 7.45 Uhr war ich am Auto, um 8.17 Uhr ging mein Zug in Richtung Freiburg, durch verschneite Schwarzwaldlandschaften ... Am Bahnhof in Freiburg frühstückte ich ein Fleischkäsebrötchen, dann fuhr ich weiter über Offenburg nach Bad Peterstal, wo ich am 29. November des letzten Jahres eingetrudelt war ...

Ich stieg aus dem Zug aus, ging ein paar Meter, machte die übliche Armbewegung, weil ich jetzt Anschluss an meine bisherige Route gemacht hatte und lief in der groben Richtung Nordwesten.

Ich hatte Traumwetter erwischt bei kühlen Temperaturen (in Rötenbach waren es -11° C gewesen, jetzt in Bad Peterstal war es um den Gefrierpunkt "warm"), ich hatte heute Hemd, Pulli und Jacke an (meistens) und lief, so ausgerüstet, an der Rench entlang.

Meine Wanderapp wollte mich die Berge hoch und runter jagen, aber da machte ich nicht mit, sondern blieb - dort, wo es möglich war - auf halbwegs ebener Strecke, die zudem auch oft ein bisschen kürzer war. Ich lief also meist in der Nähe der Bundesstraße 28, unter dem Bahnviadukt hindurch, über meist entweder geräumte Sträßchen oder mit festgetretenem Schnee ebenfalls recht gefahrlos begehbare Wege, kam an vielen Sägewerken vorbei, war ab und zu im Wald, aber meist im engen Tal auf offenem Gelände unterwegs.

Im Renchtal ist gefühlt alle 500 Meter, in Wirklichkeit alle paar Kilometer eine Bahnhaltestelle, sodass ich viele Gelegenheiten gehabt hätte, die Strecke abzubrechen, aber ich lief einfach weiter, durch Löcherberg und Ibach, bis ich schließlich im größeren Städtchen Oppenau wieder auf die Bundesstraße 28 kam. Ich wollte wieder abkürzen, wurde vom fehlenden Bürgersteig ausgebremst, musste also doch ein kleines Berglein hoch und dann wieder runter, ehe ich die Bundesstraße querte und an ihr entlanglief.

Der Hase (s.o.) überholte mich erstmals, ich folgte ihm (soweit ich konnte) und überquerte in Ramsbach erstmals am heutigen Tag laufenderweise die Rench. Linksrenchisch ging es weiter, hier jetzt ob am Waldrand entlang, und bei Hubacker zwängten sich Bundesstraße, Fluss, Zugstrecke und Wanderweg durch eine Engstelle im Renchtal. Erneut wurde ich überholt und war froh, als ich in Lautenbach wieder in die Zivilisation kam ...

Ich überquerte die Rench zum zweiten Mal, und auf einmal waren viele Menschen um mich herum, die ebenfalls auf die Idee gekommen waren, auf dem Renchdamm (der mich ganz stark an den Rheindamm in der Schweiz, in Österreich und in Liechtenstein erinnerte) entlangzuspazieren ...

Jetzt, nach 13, 14, 15 Kilometern kam so langsam der Mann mit dem Hammer (zumal ich zu wenig getrunken hatte, obwohl ich noch Wasser mit nach Hause brachte, ich Held), und ich schleppte mich an der Rench entlang über den Damm. (Ich wollte gerade den Bus um 15.43 Uhr in Oberkirch erwischen, und musste mich nicht megabeeilen, aber trödeln konnte ich eigentlich auch nicht ...)

In Oberkirch schließlich konnte ich absehen, dass ich pünktlich ankam und gönnte meinen Füßen mal fünf Minuten Verschnaufen auf der Bank (das Handy behauptet, es wären nur 2 Minuten und 33 Sekunden gewesen ...), ehe ich auf die letzten 700 Meter aufbrach.

In Oberkirch kam ich eine Viertelstunde zu früh an der Bushaltestelle, hatte in knapp dreidreiviertel Stunden 18,22 Kilometer abgerissen und ließ mich, als der Bus endlich gekommen war, in diesen fallen und nach Offenburg kutschieren. Am Bahnsteig kaufte ich erstmal drei Schokoriegel (das Fleischkäsebrötchen war doch ein bisschen wenig gewesen), fuhr nach Freiburg und dann zurück nach Rötenbach ...

Fast genau um 19 Uhr war ich daheim, alles bestens.

Ganz so viele spektakuläre Bilder gab es heute irgendwie nicht, da ist im Renchtal recht viel Industrie, die ein bisschen verhindert, dass man so monumentale Schneelandschaften fotografieren kann, aber das eine oder andere Foto wird man unten schon finden, das ich ganz hübsch finde.

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Ganz hübsch fand ich auch das eine oder andere Bild, das ich vorgestern und gestern aufgenommen habe.

Vorgestern, nach meinem letzten Arbeitstag bei meiner bisherigen Firma, lief ich über das alte Kirchenwegle hoch zur katholischen Kirche, am Friedhof vorbei durch den eisigen Wind auf dem Galgenbuck, den Philosophenweg entlang und dann hoch auf den Kapellenweg in Richtung Boll. Ab der dortigen Ranch war der Weg nicht mehr geräumt, aber das war auf halbwegs ebener Strecke nicht so schlimm, weil nach dem Tauwetter jetzt kein Tiefschnee mehr lag, sondern nur noch ein paar Zentimeter Schnee ...

Als es dann an der Kapelle vorbei steil bergab ging, war das mit dem "nicht so schlimm" so eine Sache, weil es jetzt doch rutschig wurde. Glücklicherweise war hier der Schnee doch ein bisschen tiefer, sodass ich da wenigstens Halt fand. Ich versuchte, beim Abstieg die dortigen Skispuren so wenig wie möglich zu zerstören (so richtig erfolgreich konnte ich da aber nicht sein, weil der Weg teilweise einfach zu schmal war), marschierte durch Boll, legte mich dort auf dem Bürgersteig fast mal gepflegt auf die Nase (konnte mich aber noch abfangen) und ging dann auf der Kreisstraße in Richtung Parkplatz Oberhalden. An der dortigen Hütte hatte meine Mutter sich bei meinem Kindergartenabschied (oder so) mal eine Zecke eingefangen, jetzt aber kam sie wenige Minuten nach mir an, gabelte mich auf und fuhr mich zurück nach Bonndorf.

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Gestern lief ich in Richtung Bahnbrücke und dann das Bahnwegle in Richtung Gündelwangen. Hier war der Schnee dann doch dauerhaft ein bisschen tiefer, aber ein Forstfahrzeug war da schonmal drübergebrettert und hatte den Schnee zumindest ein bisschen festgefahren, sodass es nicht soooo anstrengend war ...

Ich wollte mit dem Bus zurückfahren, hatte den aber, als ich oberhalb von Gündelwangen aus dem Wald kam, verpasst (das war von vorneherein zu erwarten gewesen), und es war so kalt, dass ich mich entschied, Umwege zu laufen, damit ich nicht so lange an einer Bushaltestelle stehen müsste. Also lief ich um den halben Vogtsberg herum, am Friedhof und der Kirche vorbei, noch ein Stück den Berg hoch und dann den selbigen wieder herunter, kam im Vorderdorf heraus, hatte immer noch Zeit und spazierte also an der Bundesstraße entlang (die B 315 habe ich gefühlt bald durch ...) bis hinunter zum Wanderparkplatz Lotenbachklamm.

Der Bus kam, hielt an (der Busfahrer schien etwas überrascht, dass da im Winter einer an der Lotenbachklamm steht ...), ich streckte dem Fahrer mein Handyticket entgegen, und wenige Minuten später waren wir in Bonndorf am Rathaus angelangt. Auf der Strecke war ich, glaube ich, in 38 Jahren auf diesem Planeten noch nie Bus gefahren ...

Insgesamt waren das über 31 Kilometer in den letzten drei Tagen, mal gucken, ob ich mir morgen wieder eine schöne Strecke raussuche in meinem Urlaub oder ob ich mal einen geruhsamen Tag einlege ...

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Die Wanderung heute führte mich an den bisher niedrigsten Punkt aller Wanderungen mit 190 Metern über Normalnull in Oberkirch und auch an den nördlichsten Punkt der Schwarzwaldwanderungen bei 48° 31' ...

Vorgestern: Auf dem Galgenbuck

Bahnwärterhaus auf dem Weg nach Gündelwangen

Auf dem Weg nach Gündelwangen

Blick vom Vogtsberg

Kalt war's heute ...

Blick ins Renchtal

Querung der Rench

Sonntag, 7. Februar 2021

Im asiatischen Spiel Go

 ... geht es, wenn ich die Wikipedia richtig verstehe, zumindest auch darum, möglichst viel Territorium auf dem Spielbrett abzustecken. Nun habe ich keine Ahnung von diesem Spiel, aber die Grundidee gefällt mir. Heute machte ich mich dann auf, den kleinen Streifen, der mir von der Umrundung des Gebiets Unadingen-Rötenbach-Göschweiler-Wutachschlucht-Gauchachschlucht noch fehlte, endlich zu wandern, sodass ich da weiteres Territorium umwandert hatte ...

Ich fuhr also mit dem Auto nach Döggingen zum Bahnhof (verfuhr mich zweimal in Döggingen, weil der Bahnhof nicht wirklich gut beschildert ist), stellte dort das Auto ab und wanderte los in Richtung Gauchachschlucht, denn dort war der erste Zipfelpunkt, mit dem ich Verbindung herstellen wollte. Ich lief durch das Örtchen hindurch, an der Schule vorbei, durch ein Neubaugebiet, stieg eine Treppe hinauf und ging dann auf einem Höhenweg einige hundert Meter weit.

In den letzten Tagen hatte es hier ganz schön getaut, sodass ich mich traute, den - unglaublich steilen - Pfad hinunter zur Gauchachschlucht zu nehmen. An ein paar Stellen geriet ich ins Rutschen, konnte aber eine unsaubere Landung jeweils vermeiden und kam schlussendlich am Unadinger Posthaus heraus, nachdem ich die Grenze zwischen dem Schwarzwald-Baar-Kreis und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (die Grenze wird von der Gauchach markiert) überquert hatte.

Ich lief die geräumte Straße hinunter bis zum Parkplatz, ab da war nicht mehr geräumt, sodass ich - wie schon zuvor geplant - wieder zurückging und die - steile - Straße hochlief. Ein Vater mit seinem Sohn kam mir - dick eingepackt und mit Pudelmütze - entgegen, als ich gerade - die Straße war wirklich steil - meine Jacke ausgezogen hatte und im kurzen Hemd durch die Gegend wanderte. Die nächsten Klappsen sind auf der Reichenau und in Emmendingen, mein Junge ...

In Unadingen bog ich relativ unvermittelt nach links auf einen Weg ein und lief in Richtung B 31 und ein Stück direkt an ihr vorbei. Da gab es eine Reifenspur von der B 31 die Böschung hinunter auf meinen Wanderweg, an der Story wäre ich echt mal interessiert ...

Ich erreichte den zweiten Zipfelpunkt, machte meine typische Armbewegung und lief dann durch - das schöne und gar nicht soooo kleine - Unadingen hindurch, bis ich zur Straße in Richtung Bachheim kam. Über dieses Sträßchen ging ich weiter, bis ich nach links in einen Feldweg einbog. Ich hatte gerade den einen Zug verpasst, der nächste kam erst eine Stunde später, da konnte ich den vom Tourenplaner angegebenen Umweg schon gehen ...

Ein letzter Rest Schnee ward gesehen, ich hätte auch in die Engeschlucht hineingehen können (aber dann hätte ich über die Gauchach- und die Wutachschlucht bis zur Wutachmühle in Ewattingen laufen müssen), aber ich ging in Richtung Bachheim.

In Bachheim steht noch ein öffentlicher Fernsprechapparat (der aber nur noch für kostenlose Nummern oder mit Kreditkarte zu benutzen ist ...), sodass ich ein letztes steiles Stück bergauf zum Bahnhof ging, wo ich natürlich eine Dreiviertelstunde zu früh war ...

Ich setzte den Fahrkartenautomaten außer Gefecht, informierte die Störungsstelle, buchte meine Fahrkarte dann doch über die Handy-App, stieg, als der Zug dann endlich - pünktlich - gekommen war, in selbigen ein und fuhr das kurze Stückchen nach Döggingen zurück.

Mein Auto stand noch, also fuhr ich los, erkundete die B31 noch ein bisschen und gondelte schließlich über Rötenbach und Göschweiler und die Schattenmühle zurück nach Bonndorf.

Schöne, kurze Tour bei nicht so ganz berauschendem Wetter, aber so ein paar Schritte an der frischen Luft taten mir nach den anstrengenden letzten Tagen auch ganz gut ...

Ich habe meine Bude in Wiesbaden jetzt praktisch aufgegeben, ehe ich Ende Februar nach Hannover ziehe - ich freue mich auf zwei Wochen Urlaub ab Samstag und danach auch sehr auf die neue berufliche Aufgabe. Die erste Zeit werde ich zwecks Einarbeitung öfter im Büro sein müssen, sodass ich in Hannover sein und mir nach Feierabend auch mal die Gegend angucken werde - das wird interessant, auch wenn die Corona-Einschränkungen noch eine Weile laufen werden, sei's drum ...

Ein paar Fotos:

Endlich mal kein Tiefschnee ...

Viadukt der B31

Offroad

Fernsprechautomat

Bahnhof Bachheim

Samstag, 30. Januar 2021

Im Grenzbereich

 ... war ich heute in mehrfacher Hinsicht unterwegs, staatsrechtlich, schneetechnisch und hinsichtlich der Standfestigkeit meiner Person, aber ich habe es gesund und einigermaßen munter zum Auto meiner Mutter geschafft, das mich kurz hinter Riedheim und kurz vor der Schweizer Grenze bei Thayngen aufgabelte ...

Ich fuhr heute erst recht spät mit meinem Auto zum inzwischen allseits bekannten Parkplatz an der Grenze zwischen dem Schwarzwald-Baar-Kreis und dem Landkreis Konstanz zwischen Kommingen und Tengen. Dort stellte ich den Wagen ab und lief erstmal einen steilen Hang hinunter (zum Glück war das eine Asphaltstraße, auch wenn noch etliche Schneereste darauf waren, was das Ganze schon zur ersten etwas wackligen Angelegenheit machte), bis ich nach Talheim kam. Dort sah man die Bäche von Tauwasser sich schon eifrig vereinigen, sodass so mancher dieser Bäche über die Ufer getreten war - aber das war an diesem usseligen Tag mit fast ununterbrochen Nieselregen nichts Ungewöhnliches.

Daher entschied ich mich, auf der Kreisstraße zu bleiben und matschige Wege (ich schickte einer guten Freundin ein Bild eines Hangs mit dem wortspielerischen Satz "There will be mud.", "Es wird Schlamm werden.", in Anspielung zum Film "There Will Be Blood", "Es wird Blut fließen", und bin immer noch stolz auf diesen Geistesblitz, höhö) möglichst zu meiden.

Gleich bei der ersten Möglichkeit wurde ich mir untreu, wobei ich da einigermaßen unschuldig bin, weil das Sträßchen zunächst nur Schnee auf Asphalt war. Das Sträßchen ging über in Schnee, und weil ich der auf der Karte eingezeichneten Treppe nicht traute, wollte ich querfeldein gehen. Rums, da lag einer, nämlich ich ... Meine Hose hatte nach gerade einmal drei Kilometern schon deutliche Matschspuren, aber ich war unverletzt und blieb jetzt doch einige Zeit auf asphaltierten Straßen.

Es ging hinunter zur Mittleren Mühle, in dem ein "soziales und ökologisches Wohn- und Lebensprojekt" stattfindet, und drei der Projektler befreiten das Dach der Mühle gerade vom Schnee, auf dass es keine Dachlawine geben möge. Während sie die Leiter ein bisschen umstellten, ging ich vorbei - freundliches Völkchen da unten in der Abgeschiedenheit.

Es ging weiter in Richtung Büßlingen, doch ich kürzte - unter Inkaufnahme etlicher Höhenmeter - ab, sodass ich nicht so weit laufen musste. Ich bin nicht sicher, ob das eine kluge Entscheidung war, aber jedenfalls kam ich jetzt von oben nach Büßlingen hinein. Am Schlössli und am Kreisverkehr vorbei ging es in Richtung Grenzstein, und siehe da, die Nr. 784 wurde begrüßt ...

Ich dokumentierte Grenzstein und bog dann - natürlich auf deutscher Seite bleibend - ab hoch zum Kanonenbuckel, der wahrscheinlich so heißt, weil das schweizerische Hofen so nahe ist, dass man mit Kanonen von da oben wohl getroffen hätte ...

Ich lief den Buckel immer weiter hoch, bis die Straße von Asphalt in Schotter überging und ich - hinter einer kleinen Kuppe - zum nächsten Grenzstein kam. Der (nun wieder) asphaltierte Weg hätte durch die Schweiz geführt, also lief ich über Feldwege, die teilweise schon sehr nass waren, blieb aber selbstverständlich auf deutschem Gebiet. Bei dem Grenzstein, der nicht nur Deutschland und die Schweiz, sondern auch die deutschen Gebiet Tengen (mit dem Ortsteil Büßlingen) und Hilzingen (mit dem Ortsteil Schlatt am Randen) trennte, legte es mich fast wieder hin, aber dann kam ich in einen Wald mit vernünftiger Wegbeschaffenheit ...

Ich lief durch Schlatt hindurch und bog vor dem nächsten Grenzstein nach links ab - so ging ich an drei Grenzsteinen vorbei, machte dann einen kleinen Bogen auf deutschem Gebiet (die Grenzsteinkette lief über Felder, die waren noch matschiger als sonstwas, und über Felder gehe ich ohnehin nicht), kam aber an einem (schweizerischen) Hof, um den herum die Grenze geht, wieder zu selbiger.

Es folgte ein kleiner Umweg an einem überschwemmten Feld vorbei, wieder bog ich am Grenzstein links ab und lief auf gerade so deutschem Gebiet über Schotterwege. Zu meiner Rechten fing wenige Meter höher die Schneegrenze an, und auf diese Schneegrenze latschte ich wenige Minuten später zu, weil ich über den Höhenweg (der auch gerade so deutsch ist) zum vereinbarten Treffpunkt gelangen wollte.

Joa, da kam mir Tauwasser entgegen, aber Schnee lag auch noch, der war zum Teil leicht angefroren, in jedem Fall aber glitschig,mehr als einmal rutschte ich, konnte mich aber jedes Mal auf den Beinen halten. Zwei Grenzsteine übersah ich vor Erschöpfung fast, bei der Nr. 892 verabschiedete ich mich von den Grenzsteinen und lief wenige Minuten später meiner praktisch zeitgleich angekommenen Mutter in die Arme.

Ich wechselte Socken und Schuhe, denn ich war richtig durchnässt (das war mir gar nicht so richtig aufgefallen ...), dann ging es mit kurzem Zwischenstopp bei meinem Auto zurück nach Bonndorf und unverzüglich unter die warme Dusche - herrlich!

Das war heute eine allenfalls von der Grenzsteinausbeute her spektakuläre Wanderung, bei Nieselregen sieht die Landschaft halt insgesamt nicht so toll aus wie bei strahlendem Sonnenschein. Ich bin dem Ziel, den Kanton Schaffhausen fast komplett zu umrunden, deutlich nähergekommen (noch eine größere Etappe fehlt, denke ich), 15 Kilometer waren es auch (fast), aber jetzt bin ich einfach fertig und gehe wahrscheinlich bald ins Bett ...

Fotos:

Bäche, die in Bäche fließen

There will be mud (nochmal, höhö)

Jaha, auch Schlamm ...

Grenzstein Nr. 784, ...

Nr. 793 ...

... und Nr. 886

Sonntag, 24. Januar 2021

Traumhaft schöner Teufelswald

 ..., so würde ich die heutige Wanderung bezeichnen - boah, war ich fertig ...

"Fertig" war ich aber auch am Freitag, also musste - nachdem ich ein bisschen fitter war - am Abend noch ein kleiner Spaziergang her. Was lag da näher, als den am Tag zuvor verschmähten Fußweg von Wellendingen nach Bonndorf abzulaufen. Dazu musste ich natürlich erstmal nach Wellendingen kommen, also lief ich die Rothausstraße entlang, bog dann vor der Abfahrt ins Steinatal links ab und lief den Weg am Waldrand bis zum Kapellele, den ich in den letzten Wochen schon öfter gelaufen war. Ich bog rechts ab zum Sportplatz und hinter dem Sportplatz nach links in Richtung Wellendingen. Ich überquerte die B 315, lief aber rechts zur Kirche hoch und diese Straße weiter. Die Straße war an ihrem Ende gesperrt, aber geräumt, sodass ich wunderbar - natürlich schon im Dunkeln - oberhalb der B 315 laufen konnte, am letzten Parkplatz vor Bonndorf herauskam und auf dem Fußweg am Straßenrand Bonndorf erreichte. Auch das war eine schöne (und notwendige) Wanderung ...

Heute Morgen trödelte ich ein wenig herum, aber das gute Wetter zog mich dann doch nach draußen - ich fuhr nach Rötenbach an den Bahnhof, stellte das Auto dort ab und lief über halbwegs geräumte Straßen und Wege in Richtung Löffingen. Es war heiter bis wolkig, sodass ich einige hübsche Schnee-im-Schwarzwald-Schnappschüsse machen konnte - in der Sonne war es schön warm, aber wenn man ungeschützt im Wind stand, wurde es doch recht schnell auch recht kühl ...

Ich hatte überlegt, ob ich schon in Löffingen die Strecke abbreche, zumal mir der Fuß schon heute Morgen ein wenig wehtat, aber ich hätte dann noch eine Stunde warten müssen, da mir der Zug quasi vor der Nase weggefahren war. Also lief ich durch Löffingen hindurch und dann - ich werde noch zum Kläranlagenexperten - in Richtung der Löffinger Kläranlage; kurz davor musste ich aber abbiegen, und da hatte ich offenbar schlecht geplant, denn der Weg war schneebedeckt ...

Nun denn, laut Karte sollte das nur ein kurzes Stück dieser Wegkategorie sein, und ich hatte Hoffnung, dass, sobald der Weg breiter würde, da auch wieder - sträßchenartig - geräumt sei. Ich überquerte das Flüsschen Mauchach ("Teufelsbach" wäre angemessen, später mehr ...), erreicht die anvisierte Straße, und nichts war geräumt, aber so gar nichts ...

Ich wollte nicht zurück nach Löffingen, weil ich da steil den Berg hochgemusst hätte, also stapfte ich weiter - jemand war vor mir schon da entlanggelaufen, sodass ich in den Fußstapfen des Vorgängers bleiben und ein bisschen Kraft sparen konnte. Es war verflucht anstrengend, da zu laufen, und irgendwann endete die Spur - es stand zu hoffen, dass ich, wenn ich da jetzt bergablaufe, ein bisschen abkürzen konnte, also marschierte ich - im höher werdenden Schnee - die Senke hinunter und landete schließlich am Ufer der Mauchach. Ja, gut, äh, da gibt es wohl im Sommer einen Pfad hoch am Abhang über dem Bach, aber der war jetzt voller Schnee, ein Baum war umgestürzt, und wenn ich da abgestürzt wäre, hätte mich in diesem Winter niemand mehr gefunden ...

Also blieb mir nichts übrig, als zurückzustapfen (jetzt doch wieder steil den Berg hoch, und das im Tiefschnee) und auf dem ebenfalls verschneiten Hauptweg weiterzulaufen. Als ich - schaufend und triefend vor Schweiß, und das im Winter - wieder oben ankam, waren es noch 1,7 Kilometer bis zur - nun hoffentlich wirklich geräumten Straße ... Nun, das wären ungefähr 2.500 Schritte, und so fing ich an zu zählen ...

Ich hatte 250 Schritte oder so, als ich auf einen anderen Weg stieß, und der war zwar aktuell auch nicht geräumt, aber irgendwann im Winter schonmal geräumt worden, sodass da der Schnee nicht so hoch stand und ich schnell vorankam. Als ich da auf den Weg kam und merkte, dass ich nicht weitere 2.250 Schritte durch den hohen Schnee stapfen muss, machte ich erstmal ganz Geräusche des Glücks und der Erschöpfung ...

Es ging - gefühlt mit Höchstgeschwindigkeit, in Wirklichkeit war das immer noch anstrengend - über diesen Weg, und als ich an der Straße hoch nach Dittishausen ankam (ein weiterer Ort, von dem ich noch nie gehört hatte), machte ich - obwohl Protestant - fast drei Kreuze ...

Ich entschied mich, die Wanderung, die nach Döggingen hätte gehen sollen, in Unadingen abzubrechen, also quälte ich mich aus dem Mauchachtal hoch in Richtung Unadinger Bahnhof und war etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges da. Das war nicht schlimm, ich hatte zu lesen, der Zug kam mit etwas Verspätung, aber er kam, und eine Viertelstunde später war ich in Rötenbach angekommen.

Das Auto ließ sich aus dem Parkplatz herausbugsieren (da war ja auch Schnee; und es hätte gerade noch gefehlt, dass ich da steckenbleibe ...), und mit nassen Füßen ging es zurück nach Bonndorf.

So richtig clever war das heute alles nicht, zwischenzeitlich war ich echt nicht sicher, dass ich aus diesem Teufelswald ohne fremde Hilfe herauskomme, aber es ist ja alles nochmal gutgegangen ... Und ein paar schöne Fotos habe ich ja auch gemacht:

Zwischen Rötenbach und Löffingen I

Zwischen Rötenbach und Löffingen II

Fehlplanung

Da stehste im Wald (und am Bach)

Wieder draußen aus dem Wald ...

Blick auf die B 31 und den teuflischen Wald