Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Freitag, 25. September 2020

Trulli - Castel - Küche kaputt

So ungefähr lässt sich der heutige Tag zusammenfassen, und auch wenn Mutter (und Sohn) vom Hotel hier nicht ganz begeistert sind: Wir haben fest vor, es uns hier gutgehen zu lassen, und wenn der erste Abend ein Vorgeschmack war (die Hinfahrt ausgenommen ...), dann wird auch so passieren ...

Das Aufstehen war heute wieder mühsam, aber gegen 8.30 Uhr saßen wir am Frühstückstisch. Es gab wieder Salami mit Brötchen, das ist immer wieder lecker, und gegen 9 Uhr, 9.30 Uhr brachen wir auf, nachdem wir uns das Geld, was wir für Getränke auf die Schlüsselkarte geladen und nicht brauchten, zurückzahlen lassen hatten (klingt komisch, der Satz ...).

Es ging - relativ kurz und schmerzlos, kaum eine Stunde Fahrt - nach Alberobello mit seinen Trulli-Häusern, von denen meine Mutter mir vorgeschwärmt hatte, seit ich denken kann. Wir fuhren ein bisschen in der Gegend herum, entschieden uns dann - unterstützt durch ein Wendemanöver auf offener Straße - zur Nutzung des Tagesparkplatzes und wanderten wenige hundert Meter in das Viertel, das fast ausschließlich aus Trulli-Häusern besteht.

Mir war nicht klar gewesen, dass die Dinger großteils noch bewohnt oder zumindest als Läden bewirtschaftet werden, und diese eigentümliche Dachstruktur ist sehr interessant. Wir machten einen kleinen Spaziergang, gingen kurz in die Trulli-Kirche rein, aber dann waren uns die Touristen zu viel, wir hatten gesehen, was wir sehen wollten, also fuhren wir zu ...

Es ging, etwa zwei Stunden, ein kurzes Stück auf die Autobahn, rein in die Provinz Barletta-Andria-Trani, denn wir wollten zum Castel del Monte. Schon aus einigen Kilometern Entfernung sieht man die eigentümlich modern wirkende Burg auf dem Berg stehen, doch die Zufahrt zu dem Parkplatz, den ich anvisiert hatte, ist gesperrt, sodass wir auf dem Parkplatz am Fuße des Berges parken und mit dem Shuttlebus hochfahren mussten.

Da ich nicht abschätzen konnte, wann wir da wären, hatte ich im Vorfeld keine Führung reservieren können (in Wirklichkeit hatte ich Trottel natürlich einfach nicht geguckt, aber ich hätte, selbst wenn ich geguckt hätte, wirklich nicht sagen können, wann wir da sind), sodass wir nur einen Spaziergang um das beeindruckende Gebäude machten und dabei auch noch den Ausblick auf das weite Land um die Burg herum genießen konnten.

Auch hier war es also nur eine Stippvisite, aber eine sehr schöne ...

Das letzte Teilstück war die Rundfahrt auf der Halbinsel Gargano: Wir hatten jetzt noch relativ viel Zeit, sodass wir im Süden auf die Halbinsel drauffuhren (bei Manfredonia ...) und dann über wunderbare, aber teilweise enge Sträßchen - durch schönen grünen Wald und vorbei am türkisblauen Meer - in Richtung Vieste unterwegs waren. Wir verfuhren uns mehrfach, teilweise absichtlich, teilweise unabsichtlich, irgendwann war meine Mutter durch und schlug mir vor, doch ein bisschen langsamer und weniger rechts zu fahren ...

Als wir an unserem Hotel ankamen und meine Ma kein Meer sah, war sie traurig, zumal in dem Hotel erstens das Restaurant heute außer Betrieb war (Küche kaputt, aber morgen soll das behoben sein ...) und zweitens das Meer und der Strand einen fünfminütigen Spaziergang durch das Naturschutzgebiet hier entfernt sind. Das hatte ich gestern beim Buchen vielleicht ein bisschen zu optimistisch interpretiert, aber trotz allem wanderte ich an den Strand - und war begeistert. Ich hoffe sehr, dass meiner Ma das morgen auch gefällt, und sie endgültig versöhnt ist mit dem Örtchen hier ...

"Endgültig versöhnt", weil ich sie mit einigem Drängen überzeugen konnte, ins nächstgelegene Örtchen Rodi Garganico zu fahren, weil ich dort ein Fischlokal aufgetan hatte. Ohje, die Fahrt wurde immer länger, weil ich auch keinen Parkplatz fand, plötzlich standen wir halb in der Fußgängerzone, ich flüchtete, verfuhr mich, wir nahmen einen neuen Anlauf hin zu einem größeren Parkplatz und einem anderen Lokal, da verweigerte sich plötzlich Google, ich drehte und zwang Google, den Weg nochmal neu zu berechnen, und am Ende standen wir (nachdem wir durch das Kaff mehrere Runden gedreht hatten und ich an den supersteilen Hügeln mehrfach den Motor unsanft, äh, ausgemacht hatte ...) auf einem Parkplatz ...

Das Restaurant wenige Meter weiter sah von der Straße nicht so richtig einladend aus, aber als wir reinkamen und die blau-weiße Einrichtung sahen, wurde ich hoffnungsvoller, dass es meiner Ma zumindest optisch hier gefällt.

Oh ja, optisch hat es ihr gefallen, und kulinarisch ebenso. Es gab eine Platte mit rohen Meeresfrüchten, also Austern, Seeigeln, Schwertmuscheln, Herzmuschel und roher Garnele - fan-tas-tisch!!! Auch die Hauptspeisen (gemischte Fischplatte für meine Mutter, Thunfischsteak für mich) waren sehr lecker, und selbst das Eis (mit Trüffel) konnte mithalten ... Ich hoffte so inständig, dass sie uns bei den Getränken nicht abziehen, weil ich Grund zur Annahme zu haben glaubte, dass wir morgen noch einmal dorthin wollten, und tatsächlich war alles in Ordnung ...

Wenn es uns morgen nochmal so gut schmeckt, kommt das Ding auf die Restaurantempfehlungsliste ...

Durch dunkle Sträßchen ging es heim, die Hoffnung auf ein Absackerbier wurde erneut enttäuscht, aber das ist jetzt wurscht. Vielleicht fahren wir schon am Dienstag heim, weniger aus Geldmangel oder aus Angst, dass der Corona-Risikogebiet-Gürtel um Deutschland bald geschlossen wird, sondern einfach, weil wir gesehen haben, was wir sehen wollten, und ich gegen ein paar Urlaubstage im Schwarzwald auch nichts einzuwenden habe. San Marino werden wir ziemlich sicher noch mitnehmen, und mal gucken, ob uns doch noch der Hafer sticht - ich werde berichten ...

Trulli ...

... in Alberobello

Nahaufnahme

Castel del Monte

... mit Eingang

... aus der Ferne

Gargano-Halbinsel

... mit Meer

Strand in der Abendsonne

Blick nach Osten

Nationalpark Gargano


Donnerstag, 24. September 2020

Am sechsten Tage

 ... hat der liebe Gott noch nicht geruht, aber wir dafür schon, denn heute waren wir einfach nur wunderbar faul ...

Das Frühstück heute Morgen war lecker, nachdem ich mich irgendwann aus dem Bett gequält hatte (die Campari Spritz gestern Abend waren seeeeeehr lecker gewesen, wenn auch leicht bitter), danach ging es erstmals an den Strand und ins Wasser.

Heute Morgen war das Mittelmeer relativ ruhig, das hat besonders meiner Ma großen Spaß gemacht. Ungeduscht, aber mit frischer Badehose ging es zum Mittagessen, und ich muss wirklich sagen, das Essen hier ist richtig, richtig lecker, auch und gerade weil es vermeintlich nur ein Buffet ist ... Sehr schön!

Die ersten Stunden des Nachmittags verbrachte ich wie üblich im Zimmer, während meine Mutter am Strand ratzte, aber als ich gegen 14.30 Uhr am Strand aufschlug, gingen wir gleich mal schwimmen. Ein bisschen Lesen und Dösen folgte, ehe der Abschlussschwimm kam - jetzt wurde es wieder etwas welliger, was mir größeren Spaß machte als meiner Mutter ...

Danach ging es aufs Zimmer zum Duschen, dann in den Hof für den Aperitiv, das Abendessen im heute recht leeren Speisesaal war wieder sehr lecker, und zum Schluss gab es - zur Karoakemusik des einen Platzanweisers - noch Processo bzw. Campari Spritz ...

Das war ein sehr entspannter, sehr schöner, sonnenbrandarmer Tag, das hat wirklich Spaß gemacht - zumal wir heute Abend noch das Domizil auf der Gargano-Halbinsel gebucht haben, wo wir morgen hinfahren - mal gucken, was das kann ...

Heute daher nur zwei Strandfotos, morgen sollte es mit Alberobello, Castel del Monte und Gargano wieder aussagekräftiger werden. Gute Nacht!




Ein halbes Jahrhundert

 ... ist es her, dass meine Mutter in Metaponto am Strand war, und ich war ob der Bebauung dort geneigt, ihre Erzählungen, dass damals nur ein Hotel am Strand gestanden hätte und in weiter Ferne ein Restaurant, sonst "nur Gebüsch", ins Reich der Legenden zu verweisen, denn heute ist Metaponto Lido ein größeres Örtchen, das nur in der Nebensaison - die definitiv schon läuft, offiziell muss man bis zum 30. September Parkscheine lösen, aber der Italiener, der zeitgleich mit uns am Parkplatz ankam, gab mir zu verstehen, dass ich mir da keine Sorgen mehr machen müsse ... - schon ein bisschen verschlafen ist, auch wenn am Strand schon noch ein paar Italiener unterwegs waren ...

Das Aufstehen heute war mühsam, auch wenn wir gestern nur ein Bier (Moretti, trinkbar) und zusammen eine Flasche Wein getrunken hatten, das lag also nicht am Alkohol, sondern eher an der Klimaanlage im Auto, denn ich habe seit Tagen einen steifen Nacken - danach ging es zum Frühstück. Während es in Südtirol so war, dass man selbst Einweghandschuhe trug (so wie in Breslau), machen sie es hier so, dass man alles - vom Saft über die Salami und das Brötchen zum Frühstück bis hin zu den Speisen beim Mittag- oder Abendessen - zwar am Büffet bekommt, aber vom Kellner angereicht bekommt. So kommen nur die Kellner mit den Schöpflöffeln in Kontakt, auch nicht unsinnig, das so zu gestalten und man spart sich das An- und Ausziehen der Einweghandschuhe.

Ich aß Brötchen mit Salami, Eispeisen sind hier wohl nicht so in, dazu gab es Saft und Cappuccino, ja, auch für mich ...

Wir wollten uns heute Morgen mal Metaponto angucken, aber als wir da waren und gesehen hatten, was wir wollten, überlegten wir uns, dass wir auch nach Matera fahren könnten. Unterwegs guckten wir in Metaponto noch nach den dortigen Ausgrabungsstätten, aber irgendwie war da zu, sodass wir auf die Straße in Richtung Matera fuhren.

Das Land hier ist ziemlich flach (jedenfalls in Küstennähe), und überall sieht man Landwirtschaft einschließlich nicht wenig Rebbau, die Sträßchen sind - abseits der Küstenschnellstraße - einspurig pro Richtung, gefahren wird sehr italienisch (ich habe heute mit einem Italiener geschimpft, der mich von hinten anblickte, weil ich ihm nicht - in den Lkw hinein - ausgewichen bin ...), aber man gewöhnt sich schnell daran ...

In Matera führte mich das Navi in ein Wohngebiet, bei dem ich nicht sicher bin, ob ich da überhaupt hineinfahren durfte, denn es war sehr eng, die Straße runter abbiegen durfte ich dann auf keinen Fall, also fuhr ich - anders als alle anderen - geradeaus und dann über eine sehr enge Straße wieder auf die Hauptstraße. Diese Höhlengebäude haben wir nicht so richtig gesehen, weil wir dann doch auf einem Parkplatz ziemlich weitab zum Stehen kamen und meine Mutter bei der Hitze - nachvollziehbarerweise  - streikte, aber er erste Eindruck von Matera war gar nicht so verkehrt ...

Überhaupt ist uns natürlich bewusst, dass wir uns - egal ob Toskana oder Apulien oder Basilikata - hier nur einen allerallerersten Eindruck dieser Gegenden (wieder)verschaffen. Reißaus nehme ich hier definitiv nicht, aber so richtig eingetaucht sind wir weder in die Toskana noch in die südlichen Regionen des Landes. Macht nix, ich komme hoffentlich irgendwann wieder ...

Von Matera wollten wir eigentlich direkt nach Tarent durchstarten, aber da wir auf dem Weg dorthin quasi fast an unserem Hotel vorbeikamen, entschieden wir uns, noch dort zu Mittag zu essen - das hatten wir schließlich bezahlt ...

Es war eine gute Entscheidung, denn unter anderem gab es Oktopustentakel als Antipasti, und das ist immer wieder sooooo lecker ... Dazu gab es ein bisschen Pasta und Gedöns, dann waren wir gestärkt für die zweite Etappe heute.

In Tarent fuhren wir über die Brücke auf die Altstadtinsel und parkten - unter williger Mithilfe eines bestenfalls inoffiziellen Parkplatzwächters (das Auto war nachher noch da, immerhin ...) - auf einem Parkplatz. Wir liefen durch wunderbar verwinkelte Altstadtgassen, sahen zwischendurch das Meer und kamen am Rathaus heraus, vor dem zwei Säulen stehen, die das einzige Überbleibsel des Poseidon-Tempels sind ...

Meine Mutter wollte unbedingt in eine alte Burg hinein, die aber schon zu den Anlagen des italienischen Militärs gehört, und ich konnte ich sie vom Weitergehen abhalten, noch bevor wir beschossen wurden ...

Auf der Ostseite der Altstadtinsel liefen wir zurück zum Auto, stellten uns in den Stau, fuhren noch einmal um die Insel herum und machten dann, dass wir ins Hotel kommen ...

Ich hatte Italien nie ernsthaft mit Stränden in Verbindung gebracht, klar, Cavallino, Lido di Jesolo, und so, das kannte ich (intellektuell), aber so richtig emotional war mir nie klar, dass man in Italien an wunderbaren Ständen hätte schwimmen können. Essen, Trinken, Kulturstätten bewundern, alles klar, keine Frage, aber baden?

Sei es, wie es sei, wir waren bald an unserem Strand hier in Castellaneta Marina, und es war sooooooooo toll ... Als wir ins Meer gingen, war der Wellengang noch überschaubar, steigerte sich aber dergestalt, dass meine Mutter dann irgendwann das Wasser verließ, ich blieb noch ein bisschen und genoss und genoss und genoss - sooooooooo schön ...

Irgendwann war es aber auch für mich genug, wir gingen aufs Zimmer, duschten, nahmen Aperol Spritz als Aperitiv, aßen uns mit Pulpo als Antipasti und Pasta und Würstel mit Pommes satt, stellten fest, dass wir die Bar um ihr ganzes Aperol gebracht hatten, machten mit Campari Spritz weiter und sind eben aufs Zimmer gewackelt ...

Das war ein echter Urlaubstag, auch wenn wir viel gesehen haben, aber morgen wird es ein Badetag, das wird toll ...


Fotos? Fotos! (Heute mal in umgedrehter Reihenfolge, oh Mann!)

  Blick in Tarent aufs Piccolo Mare

Überreste des Poseidon-Tempels

In Tarent

Tarent by the sea

Kathedrale in Tarent

Unterwegs in Apulien

Kleiner Eindruck von Matera

Metaponto, Strandpromenade

Dienstag, 22. September 2020

Der Amselweg in Bonndorf

 ... war heute - versehentlich - unser Zwischenziel, aber da wären wir erst um 18 Uhr sonstwas - morgen! - angekommen. Als das Handy-Navi uns plötzlich von der Schnellstraße herunternavigieren wollte, wussten wir beide, dass das nicht stimmen konnte, aber wir konnten uns beide nicht vorstellen, wie das Teufelsding während des Herunterrutschens vom Oberschenkel meiner Mutter den Amselweg in Bonndorf als Zwischenziel auswählen und die Navigation starten konnte. Freunde werden meine Mutter und das Ding sowieso nicht mehr, aber das heute war wirklich lustig ...

Nach einem ausnahmsweise relativ üppigen Frühstück bezahlten wir - einschließlich des gestrigen Absackers in Form von Aperol Spritz - und fuhren von dannen. Es bleibt zu erwähnen, dass es gestern nochmal Oktopus und Rindertatar als Vorspeise gab und danach die Tagliata, die es uns beiden so angetan habt, sowie Fleisch mit Gemüse in Tempurateig - das war alles so lecker, dass das Ding seit eben auf meinen Restaurantempfehlungen steht.

Zwischen den Gängen buchten wir ein Hotel im apulisch-basilikataischen Grenzgebiet: Ich redete meine Mutter mehrfach über den Haufen, weil ich fand, dass das Hotel, wo wir jetzt heute Abend gelandet sind, besser war als alle Alternativen - und ich denke, wir haben keinen Fehler gemacht ...

Nachdem wir dann in einem Hotel in Apulien zum Buchen gekommen waren, baute ich noch unsere Registrierung (die Region Apulien verlangt das), schickte diese an das hiesige Gesundheitsamt und gehe davon aus, dass wir jetzt unbehelligt hier Urlaub machen können ...

Es ging über die Schnellstraße in Richtung der italienischen Autobahnhauptschlagader, der A1, und auf der blieben wir über 300 Kilometer bis nach Neapel. Dann ging es in Richtung Reggio di Calabria, und wir beide waren völlig perplex, dass es von Neapel nach Reggio noch einmal mehr als 400 Kilometer sind - Italien hat ganz schön lange Zehen ...

Wir aber fuhren hinter Salerno einmal quer vom Fußrücken zur Sohle, durch gebirgiges, ländliches Gebiet, aber trotzdem fast alles zweispurig ausgebaut - uns war beiden nicht klar, dass das Gebirge, das den italienischen Stiefel durchzieht, so weit in den Südosten reicht, und mehr als einmal sahen wir wunderbar auf einem Hügel gelegene Dörfer ... Dass ich mich inzwischen an die italienische Fahrweise gewöhnt habe, bei der "40 km/h" übersetzt "mindestens 100 km/h" heißt, kommt noch hinzu ...

Wir fühlten uns abwechselnd an Spanien, Israel, Kroatien erinnert und stellten wieder einmal fest, dass auch Italien landschaftlich sehr abwechslungsreich ist, zumal jedenfalls ich erstmals überhaupt in der Region Basilikata unterwegs war ... (Auch Umbrien beehrte ich heute erstmals so richtig - wir überquerten x-mal den Tiber und - so interpretiere ich das - dabei auch die Grenze zwischen Umbrien und Lazio.)

Nach einem kurzen Stück auf der Schnellstraße Metaponto-Tarent fuhren wir rechts ab und in das Örtchen Castellaneta Marina, in dem unser Hotelele liegt. Der Check-in ging nicht so superschnell, und unser Zimmer hat leider nur Gartenblick, aber wir ließen uns nicht vom Gang an den Strand abhalten - und waren begeistert!

Wir gingen über das Küstensträßchen in den Strandbereich unseres Hotels hinein, legten unsere Sachen auf die uns zustehenden Liegen und stiegen ins ziemlich wellige, aber sehr angenehm temperierte Nass. Ab und zu erwischten uns die Wellenkämme, aber das war soooooo schön ... Ganz und gar herrlich, um am Strand war (um die Zeit, es war inzwischen halb sechs oder so) nichts mehr los - soooooo toll!

Nach dem Bad duschten wir, genehmigten uns noch ein Bierchen und wurden auf Umwegen ins Restaurant des Hotels gelotst, um hier unser Büffet-Abendessen einzunehmen. Als Vorspeise aßen wir Bruschetta, Garnelen-Obst-Salat, Aubergine, danach gab es Pasta mit Erbsen und Schinken, und Hauptgericht waren u.a. Thunfisch mit Bohnen und Kartoffeln. Das hier ist natürlich kein Fine Dining, sondern (Einheimische-)Touristen-Verköstigung, aber trotzdem war's sehr lecker ...

Heute geht es mal einigermaßen früh ins Bett, mal gucken, was wir morgen so anstellen ...

Fotos von der Fahrt heute keine (meine Mutter hatte alle Hände voll zu tun, uns nicht in den Schwarzwald zu lotsen, da gab's keine Bilder), aber dafür ein paar vom wunderbaren Strand ...

Am Strand I

Am Strand II

Am Strand III


Montag, 21. September 2020

Baden gegangen

... sind meine Mutter und ich heute zweimal, einmal morgens, einmal nach der Rückkehr aus Siena, und auch wenn ich den Pool hier ziemlich kühl finde (meine Mutter lacht dann immer und denkt an mein Gekreische damals 2000 in Norwegen zurück, als das Wasser noch viel kälter war), so war er insbesondere heute Nachmittag seeehr erfrischend ...

Nicht baden gegangen sind wir dagegen mit der Auswahl unserer heutigen Mittagessen-Osteria, aber vielleicht sollte ich erstmal am Anfang anfangen.

Das Konzept des Ausschlafens muss ich meiner Mutter vielleicht noch einmal erläutern, denn um zwanzig vor acht zog sie die Gardinen auf, sodass sogar sie selbst geblendet und ich aus dem Tiefschlaf gerissen wurde. Mann, ey!

Sie ging schon zeitig zum Pool, ich folgte ihr kurz darauf nach - und war augenblicklich wach ...

Nach dem Duschen ging es zum Frühstück, das wir dann abbrachen, um doch noch den frühen Zug nach Siena zu kriegen. Es wurde ein bisschen knapp, zumal wir einen Parkplatz erst weit draußen auf dem kostenlosen Parkplatz fanden, ich sprintete schon vor, während meine Mutter noch die Anoraktasche mitnahm, und zu allem Überfluss mussten wir noch durch die Unterführung. Der Ticketentwerter war kaputt, also sprintete ich zurück zum Entwerter am anderen Gleis und schwitzte also schon am frühen Morgen ...

Und dann hockt man da dampfend im Zug, die Maske im Gesicht, sodass die untere Gesichtshälfte schönes Gewächshausklima hat ...

Entweder ist Siena nicht auf mit dem Zug anreisende Menschen eingestellt, oder wir waren zu blöd, den hocheffizienten Busverkehr vom Bahnhof zur Altstadt zu eruieren - ich tippe auf Ersteres, Ruhe dahinten!

Mein Versuch, online die Fahrkarte zu kaufen, war gescheitert, weil ich es mit einer deutschen E-Mail-Adresse versuchte, also ging ich zum Bahnhofskiosk und kaufte uns da vier Fahrten (zwei hin, zwei zurück) - die Busse, die an der Bushaltestelle direkt am Bahnhof anhielten, fuhren alle in die falsche Richtung, sodass wir ins gegenüberliegende Einkaufszentrum gingen, dort - nach einigem Suchen - einige Monsterrolltreppen hochfuhren und plötzlich in einem oberen Stadtteil waren ...

Von dort fuhr dann irgendwann ein Bus (wir merkten zu spät, dass man die aktiv anhalten muss ...), und als wir aus dem ausstiegen (ich entwertete unsere Fahrkarten mit Kugelschreibern, wie es auf dem Hinweis beschrieben war, den italienischen Kontrolleuren traue ich nämlich seit Rom 2002 alles zu ...), waren wir schon quasi in der Stadt.

Wir liefen hinunter zum Campo, und schon der Weg durch die kleinen Sträßchen und Gässchen ist toll - aber wenn du dann am Campo bist, diesem ovalen, stadionartigen Hauptplatz, dann ist es - das Wetter war heute Morgen noch gut gewesen - absolut fantastisch schön dort, gerade der Torre, der Turm, am Palazzo Pubblico ist sehr beeindruckend. Der Campo ist auch Schauplatz des palio di Siena, des städtischen Pferderennens, das seit Jahrhunderten ausgetragen wird ...

Berauscht von der Atmosphäre setzten wir uns auf der anderen Seite des Campo in eine Osteria, und nach der Enttäuschung gestern war ich ziemlich misstrauisch ... Wir wollten eigentlich nur zwei Aperol Spritz trinken (bis ich wieder würde fahren müssen, würden noch einige Stunden vergehen), aber ich sah noch pappardelle al cinghiale auf der Karte stehen, lange, breite Bandnudeln mit Wildschweinragout, das musste ich doch probieren!

Meine Mutter bekam noch - obwohl sie nichts bestellte - frisches, salzhaltiges Brot mit Aubergine-Zwiebel-Tomaten-Aufstrich, aber das war - wie sich herausstellte - im Gedeck enthalten. So, liebe Leute, soll es sein: Gedeck auf der Karte angeben, freundlich sein, abrechnen, was bestellt wurde, einen nicht abzocken, sehr, sehr gut!

Danach liefen wir, weiter durch die wunderbaren mittelalterlichen Straßen, zum Dom - Eintrittskarten wurden erstanden (was ich ja für Gotteshäuser eigentlich nicht so mag, aber sei's drum), und dann ging es in die dunkelgrün-weiße Kathedrale hinein - wow! Sowohl meine Mutter als auch ich fühlten uns an die Mezquita-Kathedrale in Córdoba erinnert, weil diese farbig-weiß gestreiften Säulen uns beiden sehr gut gefallen, und die Marmor-Intarsien-Arbeiten sind unglaublich beeindruckend.

An den Wänden hängt auch das eine oder andere sehr ansehnliche Bild, aber die angrenzende Piccolomini-Bibliothek mit ihrer Decken- und Waldmalerei ist der Wahnsinn, ganz großartig ... Wie immer verweise ich an dieser Stelle auf die Bilder, weil ich Kunstbanause (und nirgendwo kriegt man das so eindrucksvoll vor Augen geführt wie in Italien ...) natürlich nur staunen, aber das weder kunsthistorisch noch sonst wie qualifiziert beschreiben kann ...

Als wir aus dem Dom herauskamen, merkten wir, dass wir das - angesagte - Gewitter praktisch mit dem Besuch der Kirche umgangen hatten, denn ab jetzt blieb es trocken. Durch nasse, aber glücklicherweise nicht rutschige Sträßchen ging es nochmal kurz in unsere Osteria und dann in Richtung Bus.

Google und die Verkehrsbetriebe von Siena werden keine richtig guten Freunde mehr, denn die Fahrpläne passten nicht so richtig zusammen, aber nach einem Umweg und ein bisschen schnellerem Spaziergang kamen wir an eine Bushaltestelle und fuhren einige wenige Stationen zum Bahnhof.

Dort erwischten wir - mit abermaligem Gleiswechsel wie gestern und entsprechend wieder dampfend -unseren Zug zurück nach Poggibonsi. Ich holte das Auto, musste aber (Einbahnstraße auf dem Parkplatz) einen größeren Umweg fahren, sodass meine Mutter schon mir nachgelaufen war, weil sie (nicht ernsthaft) dachte, ich hätte sie vergessen ... Soll es schon gegeben haben ...

Inzwischen kenne ich den Weg in unser Domizil, es ging nochmal in den Pool (herrlich kühl ...) und gleich um 19 Uhr zum Abendessen. Unser Ober von vorgestern und gestern hat heute frei, aber wir sind hoffnungsfroh, dass die Küche uns wieder was Leckeres zaubert ...

Wir haben uns jetzt entschieden, dass wir morgen die Thermen von Saturnia nicht mitnehmen und nicht in Pitigliano übernachten, sondern gleich nach Apulien durchstarten, das haben wir heute beim Abendessen besprochen und auch ein bisschen vom Wetter abhängig gemacht, denn im Gewitter in den Thermen unter freiem Himmel sitzen, das muss ja nicht unbedingt sein ...

Jetzt aber erstmal Fotos aus Siena:

Unterwegs zum Campo

Il Campo

Palazzo Pubblico

Dom

Domfassade

Im Dom

Altar und so ...

Kanzel

Bibliothek

Im Garten am Hotel

Sonntag, 20. September 2020

Donald Trumps Aufmerksamkeitsspanne

… soll, wenn man Anthony Fauci, dem Chef-Epidemiologen der USA (ist er das eigentlich noch?), glaubt, negativ … Ganz so schlimm war es bei uns heute nicht, aber wir waren von den Kunstwerken, die es in den Uffizien gibt, so erschlagen, dass wir nach nicht einmal drei Stunden aufgaben und von dannen zogen - unfassbar …

Der Wecker ging heute Morgen um 6 Uhr runter (grässlich!), weil wir um 7 Uhr zum Frühstück wollten (und waren). Für italienische Verhältnisse ist das Frühstück hier üppig - es gab Rührei und leckere Salami und gute Säfte und alles …

Irgendwie waren wir aber ziemlich zeitig mit dem Frühstück durch und hatten noch eine gute Stunde Zeit, bis wir in Poggibonsi am Bahnhof sein mussten (wir wollten mit dem Zug nach Florenz hineinfahren). Also fuhren wir ein bisschen in der Toskana herum, und auch wenn das Wetter durchwachsen war, war es fantastisch, zwischen Weinreben, Olivenbäumen, Zypressen und schönen toskanischen Häusern, durch kleine Örtchen durchzufahren, enge, verwinkelte Sträßchen, einmal über eine Schotterpiste, weil ich beim Festlegen der Route "irgendwo" geklickt hatte, und das "irgendwo" eben nur über eine Schotterpiste zu erreichen war (wir drehten …).

Es ging kurz vor Poggibonsi noch ein Stück über die Schnellstraße, und dann standen wir auf dem kostenlosen Park+Rail-Parkplatz mit noch einer Viertelstunde Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Das langte, um am Automaten (mit deutschsprachiger Benutzerführung) die Fahrkarten zu kaufen, und bald saßen wir im Zug, der über Empoli in Richung Florenz Santa Maria Novella fuhr …

Wir waren kurz vor Florenz, als es anfing zu regnen - zum Glück hatten wir Regenjacken mitgenommen, sodass wir trotz leichten Regens halbwegs trocken in die Innenstadt von Florenz kamen. Erster Halt war an der absolut beeindruckenden Kathedrale, die - wie gestern die Gebäude in Pisa - mit ihrem strahlenden Weiß unglaublich schön ist.

Wir hatten nicht sehr viel Zeit, weil wir um 11 Uhr unseren Uffizien-Slot hatten und noch die Karten abholen mussten, sodass ich meine Mutter anhielt, dass wir zügig zu den Uffizien latschen. Wir kamen kurz vor den Uffizien aber an den Arno und dort an die Ponte Vecchio, eine sehr schöne, bebaute Brücke über den Fluss …

Einige Meter weiter sind die Uffizien, und ich platzierte meine Mutter erstmal auf einer Bank, während ich die Karten holte. Das ging überraschend schnell (und problemlos), sodass wir - nach der etwas druckvollen Anreise - nun 20 Minuten Zeit hatten.

Nach einer Viertelstunde Erholung stellten wir uns an der Porta 1 an, drei Jugendliche versuchten sich vorzudrängeln, was wir schließlich unterbanden, wir überstanden die Fieber- und die Sicherheitskontrolle, mussten zwei Etagen Treppen steigen und kamen dann in den ersten Gang.

Ich war natürlich noch nie in den Uffzien, aber dieser große Gang erinnerte mich an einen großen Gang in den Vatikanischen Museen, und wenn ich bedenke, wie man da manchmal durchgeschoben wird, war es heute unglaublich leer …

Die Uffizien haben eine unglaubliche Vielfalt an Ausstellungsstücken, aber so richtig viele Highlights, die der Kunstlaie aus dem Effeff kennt, haben sie gar nicht mal - die Venus von Botticelli, klar, aber danach waren das Lutherbild Albrecht Dürers und Adam & Eva von Cranach die beiden Bilder, die mir am ehesten bekannt vorkamen (das heißt natürlich nüscht, und Kunstkenner werden mich jetzt erwürgen wollen …).

Trotzdem, es gibt sooooo viel zu sehen, und allein der Palast ist fantastisch mit seinen Deckenmalereien und den vielen, vielen Bildern, die kaum beachtet unter der Decke hängen - das muss man sich selbst mal angucken, gerade wenn man ein bisschen mehr Ahnung von Kunst hat als ich …

Uns taten die Füße weh, nicht wegen der langen Strecke, sondern wegen des ständigen Stop-and-Go, sodass wir froh waren, als wir aus den Uffizien herauskamen und auf die Piazza della Signoria kamen. Dort steht der Palazzo Vecchio, der auch ganz schick anzusehen ist - aber auch den guckten wir uns nicht besonders intensiv an.

Meine Ma hatte Appetit auf ein Eis, ich hatte Appetit auf ein bisschen Pasta, sodass wir Google anwarfen und eine schöne Kneipe, etwas abseits, ausfindig machten.

Wir wurden sehr freundlich empfangen, aber hinsichtlich der Bestellung ein bisschen über den Haufen geredet, obwohl oder gerade weil wir der angebotenen Pasta mit Hummer nicht abgeneigt und durchaus bereit waren, ein bisschen mehr zu bezahlen. Eine Portion wurde bestellt, dazu eine Portion Oktopussalat, und während der Oktopussalat durchaus sehr lecker war, waren wir von der Pasta mit Hummer enttäuscht. Ich kann das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht gut abschätzen, aber meine Ma war angesäuert, gerade weil wir auch Sachen vom Hummer bekamen, die man eigentlich nicht anbietet (die Leber) - jedenfalls fragte uns niemand mehr nach Espresso oder Dessert, die Herrschaften hatten also mitbekommen, dass wir nicht richtig zufrieden waren; entsprechend fiel das Trinkgeld aus …

Wir machten, dass wir wegkamen, genossen noch ein (ebenfalls teures, aber gutes) Eis und setzten uns dann eine Stunde vor Abfahrt auf eine Bank am Bahnhof - froh, dass wir die mascherina, die Maske mal abnehmen konnten, weil weit und breit kein anderer Mensch zu sehen war.

Die Gleisanzeige stimmte natürlich nicht, sodass wir vom Gleis 3 zum Gleis 4 wackelten, einstiegen und die Stunde zurück nach Poggibonsi fuhren. Unser Auto stand noch da, und es ging auf dem direkten Weg zurück.

Wir hatten ja zum Abendessen schon reserviert, also tauchten wir auf, wir waren unvernünftig und aßen das Käse-Wurst-Brett und Rindtatar als Vorspeise (Brett sehr gut, Tatar fantastisch). Danach aß meine Ma das Beef Tagliata, das ich gestern hatte (sie bekam es medium, auch sehr lecker), und ich aß Gnudi, das sind toskanische Knödel mit Spinatfüllung in ausgelassener Butter - das war geschmacklich sehr intensiv und durchaus lecker …

Ein Espresso und ein Kräuterschnaps folgte, und danach schleppten wir uns in unsere Behausung und werden morgen erstmal ausschlafen. Mal sehen, wie das Wetter wird, vielleicht gehen wir erstmal im Pool schwimmen, eigentlich war ja Siena geplant, wir gucken einfach mal, wie wir das machen …

Kathedrale

Kuppel der Kathedrale

In den Uffizien

Venus von Botticelli

Tribuna

Aristoteles

Porträt meiner Mutter (höhö)

Der Luther und seine Frau 

Adam und Eva

Medusa

Galileo Galilei

Palazzo Vecchio


Samstag, 19. September 2020

Huereseich

… hat nichts mit einer urinierenden Prostituierten zu tun, vielmehr ist das ein schweizerischer Ausdruck für "großer Mist" (oder "grosser Mist"?) …

Und irgendwie war bis Mailand heute ganz viel Huereseich: Das fing schon damit an, dass wir - nach dem pünktlichen Start um 6 Uhr heute Morgen - schon in Mauchen ausgebremst wurden. Da stand ein Krankenwagen quer auf der Straße und weiter hinten war viel Blaulicht - hoffentlich ist da nichts Schlimmeres passiert, und natürlich war der Umweg über Eberfingen nach Eggingen, den wir deswegen gefahren sind, im Vergleich zu dem, was da womöglich war, überhaupt nichts gewesen …

Es ging in Bühl über die Grenze (da fuhr ab Erzingen so'n doofer Traktor vor uns her) und auf die Autobahn in Richtung Flughafen und weiter um Zürich herum. Natürlich bog ich Trottel auf die Stichautobahn in Richtung Zürich-Innenstadt ab (obwohl ich den Weg eigentlich hätte kennen können), wir mussten drehen und fuhren dann in Richtung Gotthard. Huereseich.

Der Grenzübertritt nach Italien ging problemlos, auch wenn da durchaus italienische Zöllner stehen, und ab ging es in Como den Berg hoch auf die Autobahn in Richtung Mailand. Da fing das Drama an: Beim Bezahlen an der ersten Mautstation stand ich zu weit von dem Automaten weg, musste mich abschnallen, machte die Tür auf - daraufhin verweigerte das Ding die Arbeit, weil ich "nicht aussteigen" sollte. Ich war gar nicht ausgestiegen, du dummes Ding! Irgendeine Stimme redete die ganze Zeit auf mich ein, während ich die Kreditkarte zum zweiten Mal in den Automaten schob. Die Stimme redete weiter auf mich auf, sagte irgendwann "va bene" und die Schranke ging auf. Abmarsch - ich hasse diese Vollidioten, die am Mautautomaten die ganze Autobahn lahmlegen, heute war ich das …

Es wurde aber noch besser - an der zweiten Mautstation schob ich die Karte auf Anhieb richtig in den Automaten, sie kam raus, ich wollte schnell weiter, warf die Kreditkarte in den Dreck neben das Auto, machte die Tür auf, würgte das Auto ab, schlug fast den Außenspiegel ab, und nachdem ich die Karte aufgesammelt hatte und das Auto neu gestartet und weitergefahren war, brüllte ich auf den Vollidioten ein, der heute nur Mist baut (also auf mich selbst), bis meine Mutter mich schräg von der Seite anguckte …

Die Italiener fahren auf der Autobahn wie ... naja, wie Italiener halt. Ich war mit dem 1,5-fachen der erlaubten Höchstgeschwindigkeit teilweise noch ein Verkehrshindernis, bei der nächsten Mautstation stellte sich der Italiener vor mir noch bekloppter an als ich an den beiden Stationen davor zusammen, es war eine Freude, zumal so ein bekloppter Motorradfahrer, der mich von rechts überholte, von Glück reden kann, dass ich ihn sah und mich nicht ihm in den Weg stellte - das wäre übel für ihn ausgegangen.

Unterwegs wurde ein Espresso getrunken, Google Maps leitete uns einmal von der Autobahn herunter, nur um uns wieder drauf zu führen, der Stau auf der (kurvenreichen Berg-)Autobahn in Richtung La Spezia war auch zu ertragen (nur können die Italiener das Reißverschlussverfahren noch weniger als die Deutschen, soweit das überhaupt geht), man sieht, ich regte mich den ganzen Tag nur auf, ab und zu gab es auch Scharmützel zwischen Mutter und Sohn, aber am Ende hatten wir uns alle wieder lieb.

Wir tankten kurz vor Pisa und fuhren auf einen (bezahlbaren, aber nicht billigen) Parkplatz - ich führte meine Mutter souverän im Kreis um die Stadtmauer herum, bis wir durch einen Durchgang kamen, einmal rechts abbiegen - und das war alles vergessen, was vorher war: Da stand der schiefe Turm von Pisa in seiner ganzen Pracht.

Es waren einige Touristen unterwegs, aber insgesamt war das trotzdem ziemlich leergefegt, die römischen Soldaten und Nippesverkäufer suchten verzweifelt nach Kundschaft, aber der schiefe Turm und die Kathedrale dahinter lassen die Touristen alles um sich herum vergessen - das ist richtig, richtig schön …

Wir machten Fotos des Ensembles, stiegen nicht auf den Turm hoch, gingen auch nicht in die Kathedrale, sondern machten nur einen kurzen Spaziergang durch die Stadt mitsamt Verzehr eines leckeren Eises.

Nach der kurzen Stippvisite ließen wir dieses Wegkulturerbe auf dem Weg zum Auto noch einmal auf uns wirken, verzichteten auf ein Heißgetränk (es war nämlich ziemlich heiß), ließen uns beim Wasserkauf übers Ohr hauen (!) - die Flasche hat geleckt und die Zeitungen meiner Mutter eingeweicht - und fuhren aus Pisa heraus.

Das erste Stückchen war Schnellstraße, aber irgendwann kurz hinter Empoli bogen wir auf immer schmaler (und immer schöner) werdende Sträßchen ab. Es ging zwischen Olivenhainen und Zypressen durch die toskanische (oder, wie ich zu sagen pflege, toskanöse) Landschaft - ein einziger, richtig schöner Traum …

Meine Mutter war schon begeistert, ehe wir am Hotel ankamen, und auch wenn das Zimmer keine so tolle Aussicht hat, ist es sehr, sehr schick … Wir machten uns frisch und setzten uns an die Poolbar (es gibt hier einen Pool mit Blick auf die toskanöse Landschaft - ein Traum! -, um ein Bier zu verzehren. Das machen wir nicht mehr, denn das Bier war teuer und warm, sodass meine Ma noch Eiswürfel organisierte, danach ging's …

Wir hatten für 19 Uhr einen Tisch bestellt, wir hatten Hunger, und das Essen war fantastisch, ebenso wie der sehr gut Deutsch sprechende Ober (nur dass er uns am Ende mit der Rechnung vergaß, gab Abzüge in der B-Note) … Als Vorspeise gab es (der Ober und wir hatten uns missverstanden, weil meine Mutter darauf bestand, dass ich für uns beide bestelle - eine Feminismus-Diskussion erfolgte im Anschluss) Sardinen mit Büffelmozzarella (klingt komisch, war aber lecker) und wunderbar toll gebratenen Oktopus auf Süßkartoffeln (das wollte meine Mutter eigentlich nacheinander haben, so kam es gleichzeitig und für mich nix …), danach bekam ich meine Pici (dicke Spaghetti) mit weißem Ragù in einer kleinen, aber seeeeehr leckeren Portion und zum Abschluss hatte ich mein Beef Tagliata, gegrilltes Rindfleisch, das innen noch sehr englisch, aber unglaublich lecker war … Toll!

Dazu tranken wir Wein (ich freiwillig Chianti, es geschehen noch Zeichen und Wunder), ehe wir zum Abschluss auf Espresso und Tiramisù umstellten. Ein wunderbarer Abend in einem wunderbaren Hotel, das war ein richtig guter Abschluss des ersten, durchaus anstrengenden, aber sehr schönen Urlaubstages.

Morgen geht es - wahrscheinlich mit dem Zug - nach Florenz rein, wir wollen uns zumindest mal die Uffizien angucken …

Am Vierwaldstättersee

Irgend so'n Turm

… neben einer Kathedrale

Turm ganz hinten

Toskanös

Sundowner im Hotel


Freitag, 18. September 2020

Stinkfaul

 ... war ich am Sonntag und in dieser Woche, jedenfalls, wenn man das rein vom wandertechnischen Aspekt her sieht. Am Samstag hatten wir den Geburtstag meiner Mutter (der im März war) ziemlich ordentlich gefeiert, aber daran lag es nicht wirklich, dass ich am Sonntag lieber einen ganz faulen Tag gemacht und Serien geguckt habe ...

Diese Woche war dann ziemlich arbeitsreich, gerade weil ich jetzt zwei Wochen Urlaub habe. Vorgestern haben wir das Hotel mitten in der Toskana zwischen Florenz und Siena gebucht, in dem wir drei Nächte verbringen werden. Danach sehen wir weiter - geplant ist danach noch eine Nacht in Pitigliano, was uns unser Nachbar empfohlen hatte, bevor es am Mittwoch in Richtung Apulien gehen soll. Wahrscheinlich wird es ein Hotel in Tarent selbst werden, von wo aus wir Ausflüge nach Matera und Metapontum machen wollen. So am Samstag ungefähr soll es über Alberobello und das Castel del Monte in die Nähe von Vieste gehen, auf den Sporn am italienischen Stiefel. Ein paar Strandtage dort sind eingeplant, ehe es dann über San Marino, Venedig, vielleicht Slowenien und/oder das Dreiländereck Italien/Slowenien/Österreich zurückgeht.

Im Moment sind Istrien und Krk keine Risikogebiete, sodass selbst ein kleiner Abstecher nach Kroatien nicht komplett auszuschließen ist, aber wir gucken, wie das mit den Risikogebieten und mit unserer Lust und Laune aussieht. In Zeiten des Internets kann man ja sogar noch unterwegs ein Hotel buchen ...

Morgen früh wollen wir um 6 Uhr fahren, damit wir so gegen 14 Uhr in Pisa sind. Mal sehen, ob zwei Stunden am Schiefen Turm zu viel oder zu wenig sind, danach geht es nochmal knapp zwei Stunden in unser Hotel im Süden der Metropolitanstadt Florenz - was auch immer das genau heißen mag, denn auf den Bildern sieht das eher ländlich aus ... Für den Sonntag habe ich schon Eintrittskarten für die Uffizien gebucht, mal gucken, was wir davor (und eventuell danach ...) in Florenz so anstellen. Und am Montag ist ein Ausflug nach Siena geplant, ehe es am Dienstag weitergeht.

Ich bin unglaublich gespannt auf die Toskana, in der ich - allenfalls auf der Autobahn - noch nie war, ich bin gespannt auf die Landschaft, auf Essen und Trinken im schönen Italien, ich bin ziemlich zuversichtlich, dass das sehr schön wird ...