Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Dienstag, 23. Juni 2020

Öfter in der Schweiz

... war ich in den letzten Tagen, aber die einzige Wanderung ... nein, "Wanderung" ist falsch, den einzigen Spaziergang habe ich gestern gemacht, aber der ging natürlich auch - durch die Schweiz ...

Am vergangenen Mittwoch musste ich mit meiner Mutter nach Singen und auf dem Heimweg zeigte ich ihr den Schwarzen Stein, den nördlichsten Punkt der Schweiz. Meine Ma wollte ungefahr ihren Finger auch auf diesen Punkt legen, und ich machte ein Foto, auf dem die Grenze gerade durch sie hindurch geht ... Hamwa se also auch angefixt.

Anschließend fuhren wir über verschlungene Pfade (der direkte Weg über die Alte Bargener Straße ist inzwischen ein Forstweg, und über die Autobahn fuhren wir nicht, weil wir in meinem Auto unterwegs waren) nach Wiechs am Randen und dort in den Schlauch (schweizerisch: Schluuch).

Dort wird die Schweizer "Hauptstrasse" 4 auf einem kleinen Stückchen durch deutsches Gebiet und - hier - durch eine Kreisstraße des Landkreises Konstanz unterbrochen. In den Schlauch wollte ich aber eigentlich, weil da angeblich auf der Seitenauslinie des Fußballplatzes eine Grenzsteinmarkierung in den Boden eingelassen ist.

Hatte es bei unserem Zwei-Kilometer-Spaziergang zum Schwarzen Stein gerade angefangen zu nieseln (und drei Sekunden lang richtig zu regnen ...), war im Schlauch jetzt richtig Regen angesagt. Der Fußballplatz war abgesperrt, ich konnte einen (richtigen, hohen) Grenzstein direkt neben dem Platz sehen, ich hatte keine wasserdichten Schuhe an - wir ließen es bleiben.

Wenige Sekunden nach dem Verlassen des Parkplatzes des (deutschen) Hotels waren wir am Grenzstein schon wieder vorbei und also in der Schweiz. Wir blieben schön auf Kantonalstraßen (okay, Kantonalstrassen), die man ohne Vignette befahren darf, kamen durch Schaffhausen durch, an den Bahnhof und fuhren mal wieder (zum zweiten Mal, glaube ich) durch den Galgenbucktunnel in Richtung Heimat ...

Den Donnerstag und Freitag verbrachte ich nahezu ausschließlich in den eigenen vier Wänden, auch weil mein Knie - jaja, Mist isses - immer mal wieder muckte ...

Dafür ging es am Samstag auf große Fahrt nach Thüringen, weil meine Mutter und ich bei einer alten Freundin in Erfurt zum Geburtstag eingeladen waren. Die Feier war toll und sehr entspannt, ich verzehrte endlich mal wieder Thüringer Rostbratwürste, und nicht nur die waren sehr lecker ...

Wir schliefen in einem Hotel in der Nähe, und ich muss ja sagen, es ist ein bisschen gruselig im Moment in Hotels (oder zumindest in diesem): Das Hotel kann natürlich nichts dafür, aber wenn die Bar ausgeräumt und das Foyer ausgestorben ist, wenn du wenigstens die Maske absetzen kannst, weil an der Rezeption ein Spuckschutz ist, wenn du morgens beim Frühstück auf dem Weg zum Tisch und vom Tisch zum Buffet Maske tragen musst, dir eine Angestellte die Wurst (nach Wunsch) auf dem Teller reicht, das ist schon alles nicht so richtig gemütlich ... Lecker war aber auch das Frühstück, sodass wir ganz ruhig machten und - mit einmaligem Ums-Karree-Fahren - wieder auf die Autobahn kamen.

Die Fahrerei am Sonntag war sehr entspannt, und als wir da auf der A81 in Richtung Singen fuhren, entschieden wir uns - ich war schon fast 100 Stunden nicht in der Schweiz gewesen -, die A81 bis zu ihrem Ende zu fahren und durch den Kanton Schaffhausen nach Hause zu tuckern.

Die A81 endet an einem Kreisverkehr, und von dort geht es über eine Landstraße zu einer richtig großen Grenze (liebe Schweizer, ihr müsst ja nicht in die Europäische Union eintreten, wenn ihr es für richtig haltet, aber macht doch wenigstens eine Zollunion mit der Europäischen Union, damit man diese Bürokratiegebäude dort zurückbauen kann ...). Von uns Touristen wollte kein Grenzer was, sodass wir - wie viele vor und hinter uns - einfach durchfahren konnten, aber die LKW-Kolonnen, die es da manchmal geben muss, die müssen doch nicht sein ...

Wir fuhren über die Nationalstrasse 4, die bis Schaffhausen fast durchgehend nur eine normale Landstraße ist (eine Spur in jede Richtung), kamen dann in Schaffhausen in den Nationalstrassentunnel, fuhren aus diesem raus und landeten - natürlich - im Galgenbucktunnel ... Den Heimweg fand - jetzt war es der Wagen meiner Mutter, aber trotzdem - das Auto fast von selbst.

Ende des Sonntages? Wo denkt der werte Leser hin? Ich musste meiner Mutter natürlich den Wiizemersteg mal zeigen und - vor allem - mit ihr denselben überqueren, also luden wir nur kurz das Zeug daheim ab und starteten nach Weizen durch. Es ging rüber in die Schweiz, zurück nach Deutschland, hin und her, mal stand meine Mutter in Deutschland und ich in der Schweiz ("Grüße nach Deutschland", höhö), und unterdrunter floss die Wutach an diesem herrlichen sonnigen Sonntag ...

Zur Feier der Erstüberquerung des Wiizemersteges durch meine Mutter landeten wir ... aber das ist ein anderes Thema.

Gestern, Montag, hatte ich es mir zum Ziel gesetzt, mein Knie zu ignorieren und zumindest einen kurzen Spaziergang durch die Schweiz zu machen. Also fuhr ich Mutters Auto bis fast zum Sportplatz in Grimmelshofen, stieg aus, sie fuhr heim und ich marschierte in Richtung Schelmengraben, der auf dem Wanderschild korrekterweise als "Grenzübergang" ausgeschildert ist.

Heute überquerte ich die Grenzbrücke über das Bächle dort nicht nur ordnungsgemäß, sondern lief auch in die Schweiz hinein. Der Wald dort ist Naturschutzgebiet und Versuchsobjekt des Waldbau-Institutes der ETH Zürich, sodass es da kaum menschliche Eingriffe gibt - und der Wald ist richtig schön. Es stört ein wenig, dass man von der - nahen - deutschen Bundesstraße die ganze Zeit den LKW-Lärm hört, aber manchmal rauscht die Wutach auch so laut, dass man es kaum hört.

Auf einmal traute ich meinen Augen nicht: Was macht ein GB-CS-Grenzstein mitten (naja, "mitten") in der Schweiz? Es handelt sich (ich Dussel machte statt eines Fotos von der Seite mit der Nummer ein Video ...) um den Grenzstein 466, und bis gerade eben dachte ich, dass der einfach noch aus der Zeit der Grenzveränderung 1966/67 dort steht. Ich habe jetzt aber auf der Karte des damaligen Vertrages geschaut und gesehen, dass der Grenzstein Nr. 466 eigentlich rechts der Wutach, also auf heute deutschem Gebiet, stand - entweder verstehe ich hier etwas grob falsch oder der Grenzstein wurde, nachdem er nicht mehr gebraucht wurde, dorthin "umgepflanzt". Das bedürfte einer Evaluierung (die ich vielleicht - s.u. - heute Abend noch unternehme, das ist nämlich vom Wiizemersteg nicht so weit weg ...).

Ich kam aus dem Wald heraus in offenes Feld (herrlicher Sonnenschein) und lief ein bisschen an den Feldern entlang, ehe ich dem "Tar da da"-Weg (keine Ahnung, was für ein schweizerischer Kehllaut das jetzt schon wieder ist ...) ein kurzes Stück folgte, über ein kleines Wehr balancierte und wieder im Wald auf einem Trampelpfad verschwand. Der Trampelpfad führte - fein säuberlich - um einen umgestürzten Baum herum und am Ende landete ich im Industriegebiet des Schleitheimer Ortsteils Oberwiesen.

Ich lief um das Industriegebiet herum und übertrat, kritisch beäugt von Schweizer Grenzwächtern, die heute hier mal alle einfahrenden Fahrzeuge kontrollierten (nur eine gewisse Zeit lang, das wird man noch unter "Stichprobe" im Sinne des Schengener Grenzkodex subsumieren können), erstmals an dieser Stelle zu Fuß die Grenze. (Kaum hatte ich die Grenze überquert, gaben die Schweizer auf und zogen ab ...) Der deutsche Zöllner guckte mich auch an wie ein Auto, aber meine Mutter holte mich wenige Minuten später auf deutscher Seite ab. (Achso, der "Grenzstein" Nr. 447 dort ist eine Grenzplakette, weil die Mitte der Wutach die Grenze darstellt, und darüber thront ein grenzüberschreitendes Kunstwerk ...)

Da aber die Schweizer Zöllner jetzt weg waren (wir haben nichts geschmuggelt, aber so eine Zollkontrolle nervt einfach), machten wir noch eine kleine Spritztour über Schleitheim, Hallau und Wunderklingen. In Wunderklingen steht direkt neben der Straße ein Stein, den der Anfänger für einen Grenzstein halten könnte - da fehlt aber die Nummerierung und auch die Richtungsanzeige zu den anschließenden Grenzsteinen ... Mein Adlerauge fand aber - oben auf dem Abhang - den Grenzstein, allerdings nicht den Anschlussgrenzstein ... Schade.

Sei es, wie es sei, wir fuhren über Eggingen zurück nach Hause.

Jetzt fahre ich, glaube ich, wirklich noch zum Wiizemersteg und gucke mir den Grenzstein nochmal genau an ...

Eine Stunde später: So, ich war eben nochmal am Wiizemersteg, bin rüber in die Schweiz, habe den Grenzstein gefunden - es ist die Nr. 466, aber das ergibt alles gar keinen Sinn. Ich werde das weiter hinterfragen, entweder bin ich schief gewickelt, oder jemand hat sich einen furchtbaren Scherz mit mir erlaubt ...

Das Schild jetzt mal bei Tag

Grenzbrücke am Seldengraben

Waldweg in der Schweiz

Schweizer Feld und Wald

Schweiz im Vordergrund, Wutach, Deutschland im Hintergrund

Idyllische Wutach

Grenzstein Nr. 447 mit Skulptur

Dienstag, 16. Juni 2020

In der Teufelsküche, dann in der Schweiz

... bin ich heute gewesen, und, liebe Besserwisser, ich weiß natürlich, dass die Redewendung "in Teufels Küche" lautet, aber der Waldweg, den ich heute zwischen Stühlingen und Eberfingen hochgestiegen bin, heißt nun einmal "Teufelsküche", und das Wegsymbol ist ein kleines rotes Teufelchen ...

Nachdem ich den ersten Arbeitstag nach drei Wochen Urlaub beendet hatte und meine Mutter aushäusig war, musste ich mir einen Rundweg zusammenbasteln, und ich entschied mich, an den Wanderparkplatz zwischen Stühlingen und Eberfingen zu fahren, an dem meine Mutter mich neulich mal abgeholt hatte.

Von dort lief ich erstmal am Waldrand entlang in Richtung Eggingen, hatte dann aber die Auswahl, ob ich den längeren Weg außenherum (über eine Kreisstraße) laufe oder mich auf den Pfad durch die Teufelsküche wage. Ursprünglich hatte ich geplant, den längeren Weg zu nehmen, aber da wäre ich an kaum mehr Grenzsteinen vorbeigekommen, und "Teufelsküche" klang interessant - die wollte ich erkunden.

Nun, in der Teufelsküche kam ich fast in Teufels Küche, denn das ist ein enger, rutschiger Pfad mit teilweise heftigen Steigungen, ab und zu liegt der Weg im Bachbett, und zu allem Überfluss fing es ein bisschen an zu regnen, als ich - bei blauem Himmel! - den Weg hochkraxelte, sodass die ohnehin rutschigen Pfade noch rutschiger wurden.

Jemand hat da auch so etwas wie eine Treppe reingebaut, aber die Treppenstufen müsste man mal erneuern, denn die sind so schief und quer (und natürlich rutschig), dass der Baumstamm, an dem man sich abstützen kann (und sollte!) schon ganz abgegriffen ist. Wenn man am oberen Ende dieser Treppe ankommt, geht es erstmal - nicht ausrutschen! - an einem vier, fünf Meter hohen Abhang vorbei, das war die erste Wanderung, bei der ich erstens feststellte, dass man manchmal Trittsicherheit braucht, und bei der ich zweitens die Hände zu Hilfe nahm, um mich am Fels festzuhalten, auf dass ich nicht abrutsche und ins Bachbett kippe ...

Das ist - damit ich nicht falsch verstanden werden - ein wunderbarer Pfad, und es macht großen Spaß, den hochzulaufen, aber hinterher war ich völlig verschwitzt, und ein bisschen Angstschweiß wird - neben dem Anstrengungsschweiß - auch dabeigewesen sein ...

Irgendwo auf diesem Pfad - so genau konnte ich es nicht eruieren, weil ich keinen Grenzstein sah - überquerte ich nicht nur die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz, sondern auch - wenige Meter weiter - ein paar Mal die Grenze zwischen den Schaffhauser Gemeinden Oberhallau und Hallau.

Als ich aus der Teufelsküche herauskam, begrüßte mich die Schweiz mit einem wunderbaren Blick auf Feld und Wald und Wolken und Hügel, und ich freute mich - ja, mal wieder, ich weiß - ein Loch in den Bauch, dass ich jetzt endlich auf einer Wanderung (und legal) Schweizer Boden betreten durfte.

Die Suche nach dem Grenzstein 410 erwies sich als ein bisschen schwierig, weil der hinter den Büschen versteckt war, aber schließlich fand ich ihn und latschte danach den gesamten Grenzweg (der ist hier fast durchgängig begehbar, und auf die Ausnahme komme ich noch zu sprechen) bis zum Grenzstein 440 hindurch, also mehr als 30 Grenzsteine waren heute die Ausbeute, das ist sehr ordentlich ...

Ich wechselte so oft das Land, dass ich mit dem Zählen gar nicht erst anfing, zumal der Grenzweg - so wie es sein soll, finde ich - tatsächlich so angelegt ist, dass er mal zum einen, mal zum anderen Land gehört - einmal ist der Grenzstein links des Weges (ich also in dem Fall in der Schweiz), dann wieder rechts des Weges (ich also in Deutschland), und auf dem Weg überquert man irgendwo über mehrere Wegmeter verteilt die Grenze ... Es ist soooooooo herrlich.

Vom Grenzstein 410 bis zum Grenzstein 414 geht man einen gut ausgebauten Wanderweg (Feld links Deutschland, Weg rechts Schweiz), danach geht es auf einen kleinen Pfad mitten durch den Wald, aber da man immer den Grenzsteinen nachhechtet, findet man den Pfad auch alle Fälle. Ab Grenzstein 419 geht es sodann an deutschen Wäldern und Schweizer Feldern vorbei, bis man zum Grenzstein 433 kommt.

Da verlässt der Weg die Grenze, wird komplett deutsch und kommt wieder am Grenzstein 437 an die Grenze (der eine Grenzstein dazwischen steht - kaum erreichbar - zwischen einer Grasfläche und einem Feld). Die Tatsache, dass es zwischen 433 und 437 nur einen Grenzstein gibt, sollte jeden Leser stutzig machen, und auch die Tatsache, dass der Weg, der bisher so getreulich der Grenze gefolgt war, da auf einmal auf deutsches Gebiet abbiegt, erscheint erstmal überraschend (wer gähnt da hinten?!).

Ein erster Hinweis (keine Sorge, ich mache es nicht zuuuu spannend) ist, dass die Grenzsteine da alle von 1966 sind - und tatsächlich wurde in den 1960er-Jahren der Grenzverlauf dort durch einen Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft verändert.

Ab dem Grenzstein 427 bis zum Grenzstein 440 wurde die Grenze - mit Ausnahme dieses einen Stückchens (und weil da die Grenze begradigt wurde, fielen zwei Grenzsteine ersatzlos weg) - direkt an den Waldweg herangesetzt, sodass der Wald nun komplett deutsch wurde; diese ganze Aktion erfolgte im Rahmen eines Gebietsaustausches, der auch die Verlegung der Grenze in die Mitte der Wutach vorsah (bis dahin querte die Grenze relativ wild die Wutach).

So, das war's jetzt mit dem historischen Abriss, wer will, kann sich die Drucksache V/1031 des Deutschen Bundestages anschauen, da wird dieser Gebietsaustausch mit Karten und allem sehr schön dargelegt.

Jedenfalls kam ich, nach sehr glücklicher Begutachtung und fotografischer Dokumentation aller erreichbaren Grenzsteine, am Grenzstein 440 an, von dem aus die Grenze über den steilen Abhang in Richtung Wutach verläuft. Wenige Meter weiter sollte es einen (Schweizer) Fußweg geben, der an den deutschen Weg anschließen sollte. So behauptete es jedenfalls die offizielle Schweizer Karte, während mein Routenplaner da eher skeptisch schien.

Es mag ja sein, dass das Schweizer Militär mit den Dienstmacheten ihrer Soldaten da eine Schneise schlagen kann, aber ich hatte meine Wandermachete heute vergessen und musste, nachdem ich mehrere Wege nicht fand, ein ganzes Stück zurücklaufen, bis ich - über einen vom Unimog errichteten Pfad - auf einen einigermaßen vernünftigen Wanderweg (jetzt schon wieder in Deutschland) kam.

Ich wollte abkürzen, kam in eine Sackgasse und entschied mich dann gegen einen erneuten Aufstieg, sondern lief eine Trasse herunter, die irgendwann mal - vielleicht zur ursprünglichen Grenzvermessung 1839 ... - ein Weg gewesen war. Ich hielt mich ein oder zweimal an einem Grashalm fest, kam ab und zu ins Rutschen, fiel aber nie hin, auch nicht, als ich drei Bäume überkletterte, und war heilfroh, wirklich heilfroh, als ich auf einem in meiner App eingezeichneten Weg ankam.

Der Rest des Weges war dann unspektakulär, aber ich war froh und glücklich, als ich im Auto saß.

Es war sooooo schön, heute endlich mal so richtig durch die Schweiz wandern zu dürfen (auch wenn ich nur ganz am Anfang der heutigen Schweiztour mehr als 30, 40 Meter von der Grenze entfernt war), es war sooooo schön, ein paar Grenzsteine zu sehen, und vor allem war es schön, die Auswirkungen dieses Grenzvertrages mal in der Realität anzuglotzen. Ja, ich weiß, versteht keiner, aber mir gefällt es halt, und mich macht das glücklich ...

Fotos (ja, ein paar Grenzsteine sind dabei, aber nicht nur):

Ohne Worte

Bei so Wetter regnet es in der Teufelsküche

In Teufels Küche

Über diese Treppe musst du gehen

Willkommen in der Schweiz

Erster Grenzstein des Tages (Nr. 410)

Links: Feld, Deutschland, rechts: Weg, Schweiz

Illegale Schrottablagerung in gleich zwei Staaten - muss man erstmal schaffen ...

Neuer Grenzstein Nr. 433 von 1966

Montag, 15. Juni 2020

Die Grenzen sind offen!

Freunde, was für ein wundervoller Tag! Die Grenzen sind offen! Vielleicht schaffen wir es ja, in den nächsten Jahren den europäischen Gedanken so zu beleben, dass die Politiker nicht immer als erste Maßnahme das Kind mit dem Bade ausschütten und die nationalen Grenzen dichtmachen, sondern den vielen Menschen, für die offene Grenzen in Europa Alltag und Herzensangelegenheit sind, mit, sagen wir, europäischeren Maßnahmen kommen ...

Heute Nacht um 23.35 Uhr saß ich im Auto und fuhr die vielleicht 15 Kilometer bis zum Wiizemersteg, dessen Überquerung bei offenen Grenzen ich mir ja durch Gelübde vom 20. April auferlegt hatte. Ich hatte noch ein bisschen Zeit und machte einen kleinen Umweg am Zoll vorbei (an dem kein Mensch zu sehen war, weder auf deutscher noch auf Schweizer Seite), landete aber um fünf vor zwölf am Wiizemersteg. Die Nachbarn hatten uns noch eine funktionsfähige Taschenlampe geliehen, sodass ich nicht auf meine Handy-Funzel zurückgreifen musste ... Zu meiner Überraschung herrschte am Wiizemersteg nicht nur tiefe Dunkelheit, sondern auch gähnende Leere - Leute, das war wahrscheinlich das erste Mal seit Jahrzehnten, dass die Grenze geschlossen war, das muss man feiern (mit Abstand meinetwegen, aber feiern!)!

Um Punkt 0.00 Uhr trat die Schweizer Verordnung in Kraft, die die Grenzbeschränkungen zum Schengenraum beendete, um Punkt 0.00 Uhr (und 0 Sekunden, nach der geeichten Handy-Uhr) trat ich von der deutschen Seite des Wiizemerstegs auf die Schweizer Seite. Kinners, Gänsehaut, Ententanz, Tränen in den Augen - man mag mich ja für verrückt halten, aber diese Wiederöffnung der Grenze war für mich so unfassbar schön, so glücklich war ich - ganz ohne Mist - selten in meinem Leben ... (Dass die deutschen Behörden die Grenzöffnung offiziell erst mit Ablauf des heutigen Tages fertigkriegen, gehört zu den peinlichsten Dingen, die die deutschen Behörden jemals geschafft haben - alle anderen, Franzosen, Österreicher, Schweizer haben heute um 0 Uhr aufgemacht, nur die Deutschen brauchen eine Extrawurst ... Anscheinend war das der deutschen Bundespolizei und dem deutschen Zoll ebenfalls sehr peinlich, denn die wurden heute nirgendwo gesehen ...)

Ich tänzelte mindestens drei Mal von der deutschen zur Schweizer Seite des Stegs und zurück und freute mir ein Loch in den Bauch.

Ich hatte aber von der Schweiz noch nicht genug, sondern machte noch eine kleine nächtliche Spritztour (Grenzübertritt am Zoll in Schleitheim so gegen 0.15 Uhr) über Schleitheim und Hallau und Wunderklingen. Als ich in Eggingen wieder deutschen Boden erreichte, wurde die Straße schlagartig schlechter, na, vielen Dank auch. Um 1.30 Uhr oder so war ich wieder daheim, noch völlig aufgekratzt, geschlafen habe ich aber selig ...

Um 10 Uhr war ich heute Morgen wach, mein Knie schmerzte vor lauter Herumgehüpfe über den Wiizemersteg (naja, okay, vielleicht auch vom Wandern), sodass ich die für heute angedachte Tour am Rheinfall und am Rhein entlang bis Büsingen abblies.

Ich hatte nämlich was noch viel Besseres vor, und meine Mutter musste nicht lange überzeugt werden, stellte aber eine Bedingung, nämlich dass ich fahren müsse. Das war kein Problem und also fuhren wir los zu einer weiträumigen Bodenseerundfahrt einschließlich Österreich und der Schweiz mitsamt Abstecher nach Liechtenstein - wenn ich früher aufgestanden wäre, hätten wir vielleicht Frankreich noch mitgenommen, aber sei's drum ...

Achso, nein, eine zweite Bedingung hatte meine Mutter gestellt, nämlich dass wir einen kleinen Umweg fahren - auf dem Zubringer zur A 864/A81 bei Donaueschingen seien nämlich Storchennester auf den Hochspannungsleitungen gesichtet worden, und die wollte sie begutachten. Gesagt, getan, wir sahen sogar vorher schon Störche, aber dann eben auch auf den Hochspannungsleitungen.

Wir fuhren über die Autobahn in Richtung Singen und dann auf mehr oder weniger schnellen Straßen über Friedrichshafen in Richtung Lindau und dort wieder auf die Autobahn in Richtung Bregenz. Während meiner Kurzrecherche heute Morgen war ich auf zwei Dinge gekommen - erstens wollte ich die Grenze aus Deutschland nach Österreich überqueren und nicht etwa, wenn wir andersherum gefahren wäre, aus Österreich nach Deutschland. Denn bei der Einreise aus Österreich nach Deutschland machen die (deutschen) Politiker mal wieder Europa kaputt, weil sie da aus m. E. völlig populistischen Gründen immer noch alle Einreisenden schikanieren und im Stau stehen lassen, obwohl sich die Anzahl der illegalen Einreiseversuche auf einem Niedrigststand befindet. Zweitens stellte ich fest, dass die österreichische A14 auf einem Teilstück hinter der deutschen Grenze vignettenfrei ist, sodass wir nicht einmal etwas zahlen mussten.

Wir nutzten dieses vignettenfreie Teilstück voll aus, fuhren in Hohenems von der Autobahn ab und fuhren dann über teilweise kleine Sträßchen durch Götzis, Rankweil und Feldkirch, nur um über ein noch kleineres Sträßchen nach Mauren in Liechtenstein zu kommen.

Weder in Österreich noch in Liechtenstein stand irgendjemand von Zoll oder Polizei, die Einreise war so, wie sie sein sollte: kaum zu bemerken. In Österreich war ich zuletzt im August 2018 (auf der Hinreise nach Ungarn) gewesen, in Liechtenstein gar zuletzt im März 2005 mit meinen Eltern (ja, mein Vater lebte da noch - das ist unfassbar lange her ...). Daher war das heute ein absolut passender Tag, um endlich mal wieder nach Österreich und Liechtenstein zu kommen.

Das Auto meiner Mutter (mit Schweizer Vignette an der Windschutzscheibe) ist zur Zeit in der Werkstatt, sodass wir mit meinem Auto - ohne Vignette - fahren musste. Zum Glück gibt es bei Google Maps die Option, Mautstraßen auszuschalten, und so fuhren wir durch Liechtenstein und - nach der Überquerung des Rheins - über Nationalstraßen in der Schweiz.

Es ging zunächst in Richtung Wattwil durch den Kanton St. Gallen, und ich bin nicht sicher, ob wir den Säntis gesehen haben oder ob das nur ein kleinerer Berg war und der Säntis dahinter in den Wolken verschwunden - sei's drum, das war eine wunderbare Strecke mit wunderbaren grünen Almen, das war toll ...

In Wattwil ging es weiter in Richtung Wil (auch noch Kanton St. Gallen), in Wil bogen wir dann aber ab in Richtung Frauenfeld und Schaffhausen und durchfuhren den Kanton Thurgau. Ein kleines Stück ging es zwischendurch durch den Kanton Zürich, ehe wir ein Schild in Richtung Diessenhofen sahen. Diessenhofen wäre das Ziel der heutigen Wanderung gewesen (wenn ich es geschafft hätte), und die dortige Holzbrücke wollte ich gerne schonmal sehen. Also fuhren wir einen kleinen Umweg, sahen den einzigen Zöllner des heutigen Tages (der in Diessenhofen die in die Schweiz Einreisenden kontrollierte, uns aber ungeschoren ließ, auch wenn er sich - ungewollt - fast vor mein Auto warf ...), überfuhren die Holzbrücke und waren zum 2. Mal (meine Mutter) bzw. 6. Mal (ich) heute in Deutschland angekommen, und zwar in Gailingen.

Dieser Zustand hielt aber nicht lange an, denn wir bogen bei erster Gelegenheit wieder in Richtung Schweiz ab - das war jetzt keine Spinnerei mehr, sondern der kürzeste Weg nach Hause. Allerdings, und ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass das keine besondere Freude gewesen wäre, kamen wir auf diesem kürzesten Weg auch durch Büsingen.

Erstmal aber reisten wir aus Deutschland aus (Gailingen) und in die Schweiz ein (Dörflingen). Wenige hundert Meter kamen wir aber schon wieder nach Deutschland (Büsingen), denn Büsingen ist - als Enklave in der Schweiz - deutsches Gebiet, auch wenn es zollrechtlich zur Schweiz gehört. Wir waren also jetzt binnen vielleicht zwanzig Minuten zweimal aus der Schweiz ausgereist und zweimal nach Deutschland eingereist ... Die Durchquerung Büsingens dauert nicht wirklich sehr lange, aber wir machten noch ein Foto an einem Grenzstein, waren dann wieder auf Schaffhauser, also Schweizer Gebiet, gelandet (zum letzten Mal am heutigen Tag) und dachten, wir hätten alle Neuheiten des heutigen Tages gebührend gefeiert.

Nun gibt es aber einen neuen Umgehungstunnel um Neuhausen am Rheinfall herum, und den war weder meine Mutter noch ich je gefahren. Nachdem wir aber den Abzweig verpasst hatten, musste ich weiträumig drehen, und im zweiten Anlauf erwischte ich die Abfahrt ... Auch das war interessant, aber dann war die Strecke wirklich altbekannt, auch weil wir über den Stühlinger Kalvarienberg fuhren, den ich mit meiner Mutter in Kindertagen auf dem Weg zum Zigaretteneinkauf für meinen Vater in Schleitheim mehrmals im Monat gefahren war.

Das war ein richtig, richtig schöner Tag (obwohl ich morgen wieder arbeiten muss), einen Vier-Länder-Tag hatte ich zuletzt 2017 eingelegt auf dem Weg zu einem Schulfreund nach Zwolle.

Und dass praktisch alle Freunde mich für verrückt erklärt haben nach der nächtlichen Aktion und dem Tagesausflug, versteht sich von selbst.

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Gestern? Achso, gestern, habe ich eine kurze Wanderung von Obermettingen nach Untermettingen und Detzeln gemacht, ließ mich aber - unter anderem wegen aufkommenen schlechten Wetters - dann von meiner Ma in Detzeln abholen. War schön, keine Frage, aber sorry, der heutige Tag überstrahlt alles, was in den letzten Wochen war ...

Die Grenzen sind offen!

Wiizemersteg unter Taschenlampenbeleuchtung

Auf der Grenze um kurz nach Mitternacht

In St. Gallen

Möglicherweise der Säntis, so genau weiß ich es nicht ...

Freitag, 12. Juni 2020

"Wenn dää uff'd Schnurri fligt"

"..., stoht'e nimmi vo allei uff." Der ältere Herr, der mir beim Aufstieg aufs Herzogenhorn entgegenkam, echauffierte sich richtig über diesen Mountain-Biker, der kurz vorher mit Karacho an ihm vorbeigejagt war. Das war nicht etwa, weil der ihn fast über den Haufen gefahren hätte, sondern der Herr machte sich einfach Sorgen um den Typen (und die Mitmenschen), weil der nicht mehr gut hätte bremsen können, wenn plötzlich ein Hindernis (und Kinder waren heute genug unterwegs) vor ihm gestanden hätte (ich hatte ihn rufen hören und dem Herrn dann ein freundliches "schneller, höher, weiter" mit Fingerzeig auf den noch in Sichtweise befindlichen Mountain-Biker entgegnet). Achso, für alle Fälle die Übersetzung: "Wenn der auf die Schnauze fliegt, steht er nicht mehr von allein auf."

Meine Mutter hatte aus den Untiefen ihrer Vorräte eine Kniestütze hervorgezaubert und präsentierte mir diese gestern Abend, auf dass ich sie auf meine Wanderung heute anziehen möge. Das Ding half wirklich sehr gut, mein Knieschmerzen sind im Moment praktisch weg, obwohl es dann heute doch 18 Kilometer wurden, und das, obwohl ich meine Routenführung im allerletzten Moment radikal änderte.

Eigentlich wollte ich heute mein Knie schonen und den letzten Abschnitt an der Steina entlanglaufen, von Obermettingen runter nach Detzeln und Tiengen. Wenn mich der Hafer gestochen hätte, wäre ich noch weiter zur Mündung der Wutach in den Rhein gelaufen. Meine Ma und ich waren schon unterwegs in Richtung Obermettingen, als ich mich - am Sonnenbuckel, also soooo weit waren wir noch nicht - aufgrund des unfassbar guten Wetters heute dafür entschied, den Aufstieg auf das Herzogenhorn zu wagen.

Also bog ich am Sonnenbuckel anstatt nach rechts in Richtung Wellendingen nach links in Richtung Schluchsee ab, und eine Dreiviertelstunde später (naja, okay, eine Stunde später, denn in Bärental war dermaßen Rückstau, dass wir über Altglashütten und Falkau auf die B 317 fuhren) hielt ich vor einem abgesperrten Parkplatz an, weil meine Mutter nur auf den Fahrersitz umstieg. Diesmal kam kein hilfreicher Mann vorbei und erläuterte uns, dass wir da nicht parken könnten, meine Mutter machte trotzdem, dass sie wegkam ...

Ich lief - wieder wurde es verflixt schnell steil - in Richtung Grafenmatt hoch, blieb aber öfter stehen, um mich zu erholen und auch um den Blick auf Feldberg und Seebuck zu genießen. Den Weg hoch gibt es diverse Hütten (so etwa die Lörracher oder Emmendinger Hütte), aber für ein Bierchen - das schon zu diesem Zeitpunkt wohlverdient gewesen wäre - war es einfach noch zu früh.

Ich ließ den Gipfel der Grafenmatt (der immerhin auch schon auf 1377 m liegt) rechts liegen und wanderte wieder ein bisschen den Weg hinunter, bis ich zur Gaststätte und dem Leistungszentrum Herzogenhorn kam (hier trainieren wohl vor allem die Langläufer ...). Joa, und dann steht da plötzlich das Herzogenhorn vor einem, man schluckt, überlegt sich, ob man da wirklich hoch will, entscheidet sich dafür und weicht dann mit Karacho abfahrenden Mountain-Bikern aus (nein, in Wirklichkeit habe ich bisher noch kaum einen andere gefährdenden Mountain-Biker gesehen, da gibt es ein ziemlich gutes Miteinander zwischen den Zweibeinigen und den Zweirädrigen ...).

Erst geht es am Wald entlang (ein kleines Mädchen grüßte ganz besonders freundlich alle, die ihr entgegenkamen, und auch mich, als ich sie und ihre Mutter überholte), bevor ein scharfes Linkskurve kommt. Die übersieht man aber fast, nicht, weil sie nicht gut beschildert wäre, sondern weil da an guten Tagen (und heute war ein guter Tag!) ein fastastisches Alpenpanorama zu sehen ist. Ich hätte das Herzogenhorn so oder so bestiegen, aber jetzt musste ich da hoch und mir das angucken ...

Die letzten 40, 50 Höhenmeter waren mühsam, zumal da auf dem Anstieg und auch auf dem Gipfelplateau ziemlich die Hölle los war (ein Wanderer, der offenbar häufiger aufs Herzogenhorn steigt, meinte, dass er noch nie so viele Leute da oben gesehen hätte), aber dann hatte ich es geschafft, machte ein furchtbares Selfie (heute war ein bisschen arg viel Sonnencreme auf meinem Gesicht gelandet ...) und klopfte an das (außergewöhnlich hohe) Gipfelkreuz auf 1415,6 m Höhe.

Ich machte es wie alle anderen (die keine Bank erwischt hatten) und setzte mich ins Gras, holte mein Getränk und mein Vesper aus dem Rucksack, mampfte und genoss diesen wunderschönen Ausblick auf die Alpenkette (die Fotos geben das leider nicht so ganz toll wieder ...).

Nach einigen Minuten (ich hatte noch ein Brötchen übrig, das ich dann im Hiker's High völlig vergaß ...) brach auf in Richtung Bernau und lief einen steilen, aber breiten Weg runter, bis ich zum Herzogenhornweg kam. Diesen verließ ich, um - über teils breite Wanderwege, teils steile Pfade - auf den Krunkelbachweg zu kommen, der wenig überraschend zur Krunkelbachhütte führt ... Da hätte ich mir jetzt ein Bier genehmigen dürfen, aber ich hatte mich jetzt entschieden, in Richtung St. Blasien (und nicht in Richtung Todtmoos/Ibach) zu wandern, sodass ich heute nur eine neue Gemeinde (Bernau, die 18. Gemeinde des Landkreises Waldshut) besuchte, dafür aber die Möglichkeit hatte, über eine lange Wanderung den Ringschluss in St. Blasien zu erreichen. Nach Bläsi waren es aber noch deutlich mehr als zehn Kilometer, und deswegen gönnte ich mir kein Bier - ich hatte die "Tränke" in St. Blasien vor Augen (diese Augen sind ein bisschen feucht ob der vielen Schulzeit-Abende da drin, an die ich mich allenfalls so semi erinnern kann ...), und da wollte ich mir ein Bierchen gönnen.

Von der Krunkelbachhütte ging es hoch zum Kleinen Spießhorn, und auf dem Weg kam ich an einem Paragliding-Startplatz vorbei. So aus der Nähe hatte ich dieses Spektakel auch noch nicht betrachtet, aber ich bekam (und bekomme jetzt, wo ich das schreibe) feuchte Hände, wenn ich mir vorstelle, dass ich ein paar hundert Meter über dem Boden nur an einem Paraglider hänge ... (Nicht, dass ich mir das nicht mal vorstellen könnte, aber dann brauche ich schwitzfeste Handschuhe ...)

Vom Kleinen Spießhorn ging es in einen Genießerpfad, also bekam ich Angst ... Dieser Pfad war jetzt aber wirklich für (nicht-masochistische) Genießer, auch wenn es teilweise ganz schön übel steil abwärts ging (mein Knie hielt glücklicherweise). Auf dem steilsten Stück kam uns eine Familie entgegen, die nicht ganz unglücklich schien, als ich ihr sagte, dass sie es bald geschafft haben.

Unterwegs ging es ein paarmal über Mutterkuhweiden (allerdings hatten die Mutterkühe heute Urlaub), aber dass man da keinen Hund von der Leine lassen oder dem Kälbchen nachstellen sollte, bedarf wohl doch eines größeren Hinweises am Eingang zu Weide, denn von diesen Hinweistafeln gab es mehrere ...

Kurz vor dem letzten Steilstück in Richtung St. Blasien war ich unschlüssig, welcher Weg der richtige ist, als vier Mountain-Biker kamen, die in die gleiche Richtung wie ich wollten. Die beiden Damen waren ein wenig unsicher, ob sie den (steilen) Weg herunterfahren können, und ich bin nicht sicher, ob mein "Viel Erfolg!" so ankam, wie es ankommen sollte, nämlich ehrlich ... Nun denn, die beiden schoben - vernünftigerweise, wie ich finde, wenn man nicht sicher ist, ob man das Fahrrad beherrschen kann; ich würde also immer schieben ... - ihre eBikes den Berg hinunter und am Ende des Steilpfades trennten sich unsere Wege, denn ich bog nach rechts ab in Richtung Landesstraße.

Nachdem ich einen Langholztransport, der gerade abgeladen wurde, möglichst weiträumig umgangen hatte, querte ich die Landesstraße, nur um nach wenigen Metern im Wald auf eine Umleitung geschickt zu werden, weil das Holz dort gerade besprenkelt wurde ...

Es ging also noch ein bisschen den Berg hoch, und auf dieser Strecke erreichte ich Tageskilometer 12,15. Der regelmäßige Leser wird sich denken können, dass da was im Busch ist, denn dieser Kilometerstand bedeutete, dass ich seit dem 5. April 500 Kilometer gewandert war ... Ich schaute mich um, ob mich jemand sieht, wartete den Fahrradfahrer ab, und als der um die nächste Kurve gefahren war, jubelte ich ein bisschen ...

Ich war immer noch (oder vielmehr schon wieder) auf Bernauer Gebiet, doch als ich den Glashof erreicht hatte, war ich endgültig auf der Gemarkung des heutigen Zieles (St. Blasien) und an meinem zweiten möglichen Notausstiegspunkt angekommen, doch jetzt war alles egal, sodass ich meine Mutter anrief und ihr mitteilte, dass sie mich erst um 17 Uhr in St. Blasien abholen braucht (bis dahin war spätestens 15.45 Uhr angepeilt, an einem dann zu bestimmenden Punkt).

Ich lief an der Alb entlang über einen kleinen Pfad, kam auf einen größeren Pfad, wurde dort von einer jungen Frau brutal überholt (die wanderte so dermaßen schnell an mir vorbei, dass es - fast - "wusch" machte, aber ich armes Würstchen hatte ja schon 15 Kilometern in die Beinen, die war bestimmt am Glashof losgelaufen, so muss es sein ...), und landete schließlich am Tennisplatz in St. Blasien.

Ich treffe mich heute Abend vielleicht mit einem alten Schulfreund, und wir beide nahmen anno, vielleicht, 1997, an den Schulmeisterschaften im Tennis teil. Nach einem Match sollte mein Vater uns abholen, aber wir hatten uns irgendwie über den Abholungsort missverstanden. Jedenfalls kam mein Vater nicht zu Tennisplatz, sodass wir zurück in die Schule liefen (wir waren vom Spiel fix und fertig), nur um in der Schule vom Pförtner gesagt zu bekommen, dass mein - fuchsteufelswilder - Vater uns suche ... Irgendwann trudelte mein Vater, fuchtsteufelswild, ich erwähnte es, ein und bugsierte und nach Hause - und zu allem Überfluss waren wir uns wirklich keiner Schuld bewusst ...

Diesen Weg vom St. Blasier Tennisplatz zurück ging ich nun also erstmals seit mehr als zwanzig Jahren wieder, auch wenn so langsam alles außer meinem Knie wehtat (bzw. das tat auch weh, aber nur, weil die Bandage nach fünf Stunden jetzt ziemlich einschnitt ...). Ich ging noch einen kleinen Umweg durch den Kurpark, um an der Altbaupforte des Kollegs den Ring zu meinen früheren Wanderungen zu schließen und marschierte dann schnurstracks in Richtung Tränke.

Meine Mutter wollte mich um 17 Uhr abholen, und die Tränke öffnete um ... 17 Uhr ... Och menno. Sehr ärgerlich, aber es half alles nichts, ich setzte mich um die Ecke auf eine Bank, nur um von dort gleich wieder verjagt zu werden ("frisch gestrichen", der Typ wollte gerade die Bank absperren, als ich mich hingesetzt hatte, aber Farbe an der Hose habe ich trotzdem irgendwie nicht ...), also setzte ich mich auf ein Mäuerchen, der Typ mit der Bank bat noch mehrfach um Entschuldigung, während er die Absperrung setzte, aber mir war jetzt alles egal, weil ich mich so auf mein Bierchen gefreut hatte ... (Ich höre dahinten zwar das mitleidige "oooooooh", aber es ist noch zu leise - bisschen lauter, bitte!)

Glücklicherweise war meine Mutter überpünktlich und schon um 16.45 Uhr da, sodass ich mir dann um 17.15 Uhr zu Hause eine Spezi an den Hals setzen konnte (Bier kommt später).

Das hat heute mal wieder richtig, richtig Spaß gemacht, am Schluss waren es 17,79 km in mehr als viereinhalb Stunden (die zeitlich längste Wanderung), die insgesamt 10.000 Höhenmeter habe ich auch geschafft (mit Vorsicht zu genießen, wie mehrfach erwähnt), und ich habe jetzt die drei höchsten Berge (ohne die beiden Nebengipfel am Feldberg; Schartenhöhe, wer es nicht mehr weiß) des Schwarzwaldes bestiegen. Juchhe!

Wenn die Sünden des heutigen Tages nicht alle morgen bestraft werden (etwa mit schlechtem Wetter oder mit bestialischem Muskelkater oder allgemeiner Müdigkeit nach dem Treffen mit dem Schulfreund heute Abend), könnte es wieder auf Tour gehen, vielleicht dann wirklich ins Steinatal, aber das entscheide ich morgen spontan.

Fotos lohnen sich heute - hoffe ich - wirklich:

Blick auf den Seebuck

Blick auf Seebuck und Feldberg

Blick aufs Herzogenhorn

Gipfelkreuz auf dem Herzogenhorn

Alpenblick

Blick in Richtung Nordwesten (glaube ich)

Könnte das Spießhorn sein

Blick auf Bernau

Die Alb, schon auf St. Blasier Gemarkung

Donnerstag, 11. Juni 2020

Ein bisschen schleppend

... geht es mit den letzten Kilometern vor der 500er-Marke, was aber auch daran liegt, dass ich mich ein bisschen mehr ins Ziel schleppen muss - ich habe mir irgendwo mein Knie vertreten und muss jetzt leider ein bisschen langsamer machen, aber am Montag will ich - komme, was da wolle - die Tour in die Schweiz und nach Büsingen machen ...

Gestern hatte ich mir das Ziel gesetzt, von Grimmelshofen über Stühlingen und Eberfingen nach Eggingen zu wandern - ich brach aber schon auf ziemlich genau halber Strecke ab, zum einen wegen des Knies, zum anderen, weil wenige Sekunden nach dem Besteigen des Mamataxis der Regen anfing ... Alles richtig gemacht.

Schön war die Wanderung trotzdem, denn ich sah mal wieder ein spannendes Exemplar eines Grenzsteins (wer gähnt dahinten?) ...

Erst einmal aber lief ich aus Grimmelshofen heraus und einen kleinen Anstieg hoch, denn dort verläuft die deutsch-schweizerische Grenze, und diese wollte ich besuchen, natürlich ohne Grenzübertritt, die paar Tage bis Montag kann ich noch warten ...

Erst verlief ich mich und lief einen steilen Weg hoch, der aber auf deutscher Seite geblieben wäre, ehe ich - nach Rückkehr auf den Hauptweg - da rechts ab einen kleinen Pfad sah. Wer sagt's denn? Das war da richtig schnuckelig, so mit viel Wald und einer Grenzbrücke aus Holz, auf die ich mich auch drauftraute. An dieser Stelle ist der Grenzverlauf nicht so hundertprozentig richtig klar, denn eigentlich würde es sich ja anbieten, das Bächlein als Grenzgewässer zu verorten. So ist es wohl auch gedacht, aber es gibt parallel dazu Grenzsteine, und wo es Grenzsteine gibt, definieren die halt den Grenzverlauf. Nun sieht man von dem Brückchen aus keinen Grenzstein (die liegen mehrere zig Meter bachaufwärts und bachabwärts), aber aus allen Karten, die mir zur Verfügung standen, ließ sich ablesen, dass die Brücke tatsächlich auf der Grenze liegt (allenfalls gehört die Brücke komplett zu Deutschland, sodass ich mich auf alle Fälle bis zur Mitte der Brücke vorwagen durfte ...).

Nachdem ich hier also zwar eine Grenzbrücke, aber keinen Grenzstein gesehen hatte, lief ich zurück und spazierte - nachdem ich wieder am Fuße des kleinen Berges angekommen war - über die Wutach in Richtung Stühlingen ...

Ich kam in die Nähe der Stelle, ab welcher die Wutach (flussabwärts) die Grenze darstellt, und guck an, da steht sogar ein Grenzstein - es ist die Nr. 474. Das kam mir komisch vor. Wieso das denn jetzt schon wieder? Nun, in diesem Bereich ist die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz 1967 verändert worden und in die Mitte der Wutach gerückt worden. Der Grenzstein Nr. 474 müsste daher eigentlich gegenstandlos geworden sein, denn hier gehört bis zum Jahr 1967 ein Teils des Ufers rechts der Wutach zur Schweiz (deswegen steht auf dem Grenzstein von 1830 auch schön "GB" - Großherzogtum Baden - und "CS" - Canton Schaffhausen - drauf). Darauf deutet auch hin, dass der Grenzstein 474 in der Karte, die dem damaligen Vertrag anhängt, durchgestrichen wurde. Ich vermute aber, dass man den Grenzstein beibehalten hat, um die Stelle zu markieren, ab welcher die Wutach der Grenzfluss ist. (Interessanterweise ist das kleine Brückchen da mitten im Wald über die Grenze auf der Vertragskarte von 1967 noch gar nicht eingezeichnet ...)

Ich lief noch ein Stück weiter und sah mit Freude, dass der "Wiizemersteg", der Holzsteg über die - an dieser Stelle die Grenze bildende - Wutach, wieder offen ist, sodass ich mir jetzt zumindest die deutschen Wappen auf dem Steg mal anschauen konnte (wenn meine Mutter mich am 15. Juni aus Büsingen/Gailingen/Diessenhofen abholt, kommen wir ja am Wiizemersteg vorbei, dann erfülle ich mein Gelübde vom 20. April) ...

Weiter ging es in Richtung Stühlingen, wo ich nicht direkt am Zoll entlang lief, sondern die Unterführung nahm und die Bahnhofstraße entlanglief. Ich überquerte die Bahngleise, die Bundesstraße und hinter den dortigen Einkaufsmärkten wieder einmal die Wutach (die an der Stelle nicht mehr Grenzfluss ist, Mann, ist das kompliziert ...), ehe ich hier dem Campingplatz im Wald verschwand (diese Strecke war kürzer und hatte auch nicht weniger Höhenmeter).

Dort kraxelte ich über mehr oder weniger gute Wege, entschied mich dann aber (mein Knie tat zwar nicht richtig weh, aber ich spürte da ein ungutes Gefühl), das Mamataxi zu rufen und mich zwischen Stühlingen und Eberfingen abholen zu lassen ...

Das waren jetzt nur knapp neun Kilometer, aber trotzdem genug, dass ich heute mal Pause machte, obwohl wunderbares Wetter herrschte. So ein Mist, aber vielleicht geht es morgen besser, und dann gucken wir mal, wo man so hinmarschieren könnte - die Frau Mutter hat mir jedenfalls das Schmerzgel wärmstens empfohlen.

So langsam geht mein Urlaub dem Ende entgegen, am Montag und am Mittwoch habe ich noch frei, aber ich bleibe noch ein Weilchen im Schwarzwald und arbeite weiter von hier aus. Ich stehe jetzt bei knapp 488 Kilometer (487,85 km), die 500er-Marke möchte ich bis spätestens Montag schaffen, und dann sehen wir mal, ob/wie es weitergeht, gerade, wenn mir dann die Schweiz und Frankreich als Zielregionen endlich wieder zur Verfügung stehen. Jeden Monat ein neues Land, da müsste ich ja fast nach Österreich oder nach Liechtenstein wandern, und den geneigten Leser wird es nicht überraschen, dass ich mir da schonmal Routen überlegt habe ... Wir werden sehen ...

Blick auf die Grenzbrücke im Wald

Auf der Grenzbrücke am Seldengraben

Blick auf die wütende Ach, kurz Wutach

Grenzstein Nr. 474

Blick wutachabwärts vom Wiizemersteg

Blick wutachaufwärts vom Fußweg hinten beim Stühlinger Campingplatz

Montag, 8. Juni 2020

Die vorletzte Etappe

... auf dem Weg nach Frankreich habe ich gestern bewältigt, nachdem ich am Mittwoch im zweiten Versuch den Kesselberg inspiziert hatte ...

Am 13. Mai war ich ja am Kesselberg, zwischen Glashütte und Sommerau gelegen, in einen weniger schönen Regenschauer geraten, und auch am Mittwoch war das Wetter nicht so bombastisch gut ... Trotzdem passte ich eine Zeit ab, in der laut Google kein Regen fallen sollte ...

Meine Mutter fuhr mich zum Parkplatz kurz vor der Kreisgrenze in Richtung Schluchsee, und von dort lief ich zurück in Richtung Bonndorf. Die ersten Kilometer waren nicht so schön, weil die Pfade erst eng und von nach den Regengüssen der vergangenen Tage feuchte Pflanzen überwachsen waren (ich bekam aber glücklicherweise nicht so schnell nasse Füße) und danach - nach Überquerung der Straße - zwar breit und im Wald waren, aber ziemlich Matschpisten ... Es war aber alles machbar, auch wenn ich ab und zu ein paar Zentimeter im Matsch versank, denn an diesen Stellen hatte es nicht so ganz kürzlich geregnet, sodass der Schlamm ein bisschen fester war als befürchtet.

Ich war aber froh, als ich endlich auf den Schotterwegen ankam und verließ diese auch dann nicht, als mein Wanderplaner mir zum Verlassen der Schotterwege riet (einen Weg habe ich mal wieder gar nicht gefunden ...). Es blieb im Großen und Ganzen trocken, auch wenn der Himmel zwischen hellgrau und dunkelgrau chargierte, ich ab und zu einen Donner hörte und der Wind einmal auch ein bisschen leichten Regen herüberwehte - viel beeindruckender war diese Monsterlibelle, die mich anflog - das war ein Riesenviech, unglaublich!

Ich überquerte also den Kesselberg, lief an einem schönen Bach ein bisschen ins Tal (nicht ganz hinab ins Steinatal), lief dann wieder einen Anstieg hoch und kam hier in Gefilde, die ich schon einmal erwandert hatte. Ein wenig später ging es wieder steil abwärts, aber diesmal fand ich - anders als einst im Mai - den richtigen Abzweig und spazierte schließlich ganz entspannt in Richtung Bonndorfer Innenstadt. Diesmal dachte ich daran, das Kriegerdenkmal bei der Schlosskapelle zu begutachten (es erinnert an den deutsch-französischen Krieg) - das war eine schöne Wanderung, und ich hatte endlich mal wieder Wald gebraucht ...

Ich gönnte mir danach ein paar Tage Wanderruhe und fing an, mit dem spontanen Kurzbesuch bei einer Freundin in Stuttgart meinen Aktionsradius wieder ein wenig zu erweitern, aber gestern hatte ich mir - bei insgesamt durchwachsenem Wetter - wieder ein Zeitfenster ausgesucht, um die vorletzte Etappe meiner Wanderung nach Frankreich anzugehen ...

Meine Mutter brachte mich also an den Haldenhof im Kleinen Wiesental, und auch wenn das Höhenprofil mehr als 800 Höhenmeter Abstieg vorsah, hatte der Routenplaner (der Schlingel) erstmal 1,2 Kilometer Aufstieg an den Anfang der Tour gesetzt. Nun denn, ich kraxelte zuerst durch offenes Gelände (und das Wetter sah nicht so ganz toll aus ...), dann ein Stück an der Straße entlang und schließlich über einen Waldpfad, bei dem ich sehr froh war, dass ich festes Schuhwerk an meinen Füßen hatte - den steilen Abhang wollte ich nämlich ungern nach einem Ausrutscher hinunterpurzeln ... Der Wald war feucht und kühl, aber gestern gefiel mir das sehr gut - es roch nach Wald, es fühlte sich nicht klamm, sondern lebendig an, aber bevor ich hier zu poetisch werde, beendete ich die Schilderung meiner Empfindungen ...

Ich wandelte weiter auf der Grenze zwischen den Landkreisen Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald, bevor ich - wieder über einen Pfad auf einer Weide - endgültig in den Breisgau wanderte und am Kreuzweg den höchsten Punkt des gestrigen Tagen erreichte. Danach ging es abwärts, und zwar leider auch im übertragenen Sinn - erst erwischte ich den falschen Weg (der zudem noch matschig war) und musste, nachdem ich das bemerkt hatte, durchs Gebüsch, um auf den richtigen Pfad zu kommen, der Pfad war aber auch von Gras überwuchert, sodass ich schnell nasse Schuhe und nasse Hosenbeine hatte, und als ich dann unten in Sirnitz die Straße verließ, um auf einem weiteren mehr oder weniger erkennbaren Pfad zu laufen, war nur noch Gras, sodass meine Füße auch nass wurden. Na toll, es waren noch mehr als zehn Kilometer Strecke ...

Am Klemmbach entlang ging es - teilweise war auf meiner Karte gar kein Pfad mehr eingezeichnet, real war der Pfad aber definitiv vorhanden - auf steilem, rutschigem, teilweise etwas überschwemmtem Weg hinunter nach Schweighof, da war richtig schön da, mitten im Wald, und mir begegneten auch kaum Menschen ...

Kurz vor Schweighof wurde der Weg deutlich besser, und in Schweighof gab es dann Bürgersteige, bis ich auf den Köhlerweg etwas oberhalb der Straße abbog. Auch dieser Weg war sehr schön, ich muss noch einmal über die Straße und einen böseren Anstieg überwinden, aber dann landete ich - ich war ja inzwischen im Markgräflerland angekommen - mitten in den Weinbergen.

Ich ignorierte die Streckenführung meiner Kartenapp, ging im Weinberg den steilen Hang vom mittleren zum unteren Rebenweg hinunter und genoss da den herrlichen Blick auf den - gefühlt - riesigen Weinberg ... Das war richtig, richtig schön!

Ich folgte dem unteren Rebenweg, unterquerte dann die Landesstraße, ging an weiteren Reben vorbei, überquerte erneut - die Streckenführung ist verbesserungswürdig - die Landesstraße rennend (da kam dann doch mal ein Auto ...) und ließ den ersten - östlichen - Kreisverkehr in Müllheim hinter mir, denn meiner Mutter war der westliche Kreisverkehr als Extraktionspunkt angegeben worden.

Mutter und Ersatzoma holten mich ab, ich konnte Socken und Schuhe wechseln, es ging über die Autobahn und Freiburg zurück nach Bonndorf und dort schnurstracks in eine gastronomische Einrichtung, weshalb der Blogeintrag auch erst heute kommt (den Tag heute habe ich sehr entspannt verbummelt - ich habe ja noch eine Woche Urlaub -, auch weil ich gestern einmal ungeschickt aufgetreten war und mir mein Knie wieder ein bisschen wehtut - die Salbe wurde natürlich schon aufgetragen ...).

--

Gestern auf der Fahrt zum Haldenhof haben meine Mutter und ich uns - erstmals seit Monaten - wieder getraut, über mögliche Urlaubspläne für die zwei Wochen Urlaub, die ich in der zweiten Septemberhälfte noch habe, zu sprechen. Meine Mutter will seit Jahrzehnten mal nach Süditalien, das habe ich immer abgeblockt, auch weil ich halt in Italien schon war und meinen guten Urlaub nicht für ein Land verwenden wollte, in dem ich schon öfter war ... Jedenfalls sind wir so verblieben, dass wir auf alle Fälle ziemlich spontan entscheiden, entweder ein paar Tage vorher Flüge zu buchen (auch in Anbetracht der Transportsituation) oder uns einfach ins Auto zu setzen und - zum Beispiel - nach Süditalien zu tuckern ... Also alles noch ziemlich im Unreinen, aber es war schön, mal wieder ein kleines bisschen Urlaub im Ausland planen zu können. (Die Freundin, die ich in Stuttgart besucht habe, ist mit Freund und Schwester im Juli in Kärnten und hat gefragt, ob ich mitkomme - das könnte also eine Alternative sein, falls ich meinen Urlaub verschieben kann.)

Aber erstmal gibt es noch ein paar Fotos vom Wanderurlaub im Schwarzwald:

Datenschutzgrundverordnung muss auch im Wald eingehalten werden ...

Waldweg mit dunklen Wolken

Waldweg mit besserem Wetter

Aufbruch beim Haldenhof

Im Wald

Wanderpfad im Schwarzwald

Naturpfad

Im Klemmbachtal

Blick auf Oberweiler

Weinreben im Markgräflerland I

Weinreben im Markgräflerland II

Montag, 1. Juni 2020

Breg und Brigach

... machen viel Krach - und der Krach-Strom fließt dann ins Nordmeer ...

Jaja, okay, Witzle g'risse, sorry, fangen wir nochmal neu an: "Brigach und Breg bringen die Donau zuweg", so heißt der Merkspruch natürlich, und die Donau fließt ins Schwarze Meer (für den Fall, dass diese Erläuterung wirklich notwendig sein sollte ...).

Gestern Abend war ich mal wieder am Überlegen, ob und wenn ja, von wo nach wo, ich eine Route starten sollte. Ich kam auf die Idee, dass man - bisher hatte ich ausschließlich das Einzugsgebiet des Rheins erkundet - ja auch mal in Richtung Donau schauen könnte.

Also entschloss ich mich, die Donauquelle in Donaueschingen (die allenfalls, mit viel gutem Willen, die Quelle des Donaubachs ist, der selbst wiederum in die Brigach fließt, die sich erst östlich von Donaueschingen mit der Breg zur Donau vereint) zum Startpunkt meiner heutigen Wanderung zu machen.

Öhm, ja, die Donauquelle selbst hatte ich - so unspektakulär ich sie in Erinnerung hatte - doch spektakulärer in Erinnerung, und es wurde nicht besser dadurch, dass der nördlich der Brigach gelegene Schlosspark ringsherum abgesperrt war. Mir blieb also nichts anderes übrig, als über die Straßenbrücke die Brigach zu überqueren und in den verbleibenden Teil des Schlossparks (der dann wiederum durchaus ansehnlich ist) zu spazieren, um meine Route zu beginnen.

Ich wanderte ein wenig an der Breg entlang, überquerte diese im Grenzgebiet von Donaueschingen und Hüfingen, wanderte weiter - nun rechtsbregisch -, ehe ich in der Nähe des Hüfinger Friedhofs vorbei an der Freiwilligen Feuerwehr abkürzte.

Ich lief am Logistikzentrum von Lidl vorbei und kam - endlich - in ein Waldstück, nur um den längeren, aber am Ende genauso steilen Weg zu wählen, um oberhalb von Hausen vor Wald wieder auf offenes Feld zu gelangen.

Ich machte, unter den aufmerksamen Augen von zwei Mädchen und einem Gaul, an einem ziemlich modernen Wegkreuz Rast, verlief mich fast nach Hausen vor Wald hinein, blieb aber dann doch eher an der Peripherie und hatten nach einem zweiten steilen Waldstück die Europäische Hauptwasserscheide (etwas weniger pompös "Rhein-Donau-Wasserscheide" genannt) erreicht.

Auch wenn hier - außer dem Jakobsweg - nix markiert war, so ist es doch ein hochinteressantes Gefühl, dass Regen, der hinter einem fällt (ich war in Richtung Wutach unterwegs) am Ende in der Donau und im Schwarzen Meer landet, während Regen, der vor einem fällt, in die Wutach und danach in den Rhein und danach in die Nordsee abfließt. Durchaus nicht uncool, um mal euphorisch zu werden ...

Ich lief weiter, ein Stück durch den Wald, bis ich vor Mundelfingen wieder auf offenes Gelände kam. Irgendwie fand ich die Wanderung durch die Baar heute nicht so ganz richtig begeisternd, zumal ich jetzt doch eher wunderbaren, kühlen Wald oder aber tolle Bergpanoramen oberhalb 1000 m (und entsprechend kühler) gewohnt war ...

Zu allem Überfluss stieg mir mein Aufzeichnungshandy zwischen Mundelfingen und dem Einstieg in die Wutachschlucht dann auch noch wegen Überhitzung aus - ja, es war ziemlich warm heute, aber dadurch, dass die pralle Sonne auf meinen Brustbeutel mit Handy schien (was ich bisher so nicht hatte, weil das Handy entweder im Wald-Schatten oder in kühleren Höhen war), konnte das halt passieren ...

Ich marschierte schließlich an den Mundelfinger Wasserfällen vorbei, ohne diese zu erkunden, stieg in die Wutachschlucht ab (auf steilen, aber trockenen Pfaden - hier möchte ich nicht in oder nach einem Regenguss herunterrutschen) und wurde schließlich vom Mamataxi an der Wutachmühle (an der die Hölle los war, kein großes Wunder am Pfingstmontag) abgeholt.

Die Dusche war notwendig (ich hatte in der Wärme heute zwar alle Wasserflaschen ausgetrunken, aber das war trotzdem zu wenig), und danach hatte ich mir ein Bier verdient.

Das war heute nicht total verkehrt, aber so eine richtig tolle Wanderung war's irgendwie heute auch nicht - zumindest aber habe ich die Brigach und die Breg und die große Wasserscheide gesehen, aber in den nächsten Tagen werde ich wieder mehr im rheinischen Bereich bleiben, denke ich ...

Bilder gibbet trotzdem:

"Donauquelle" in Donaueschingen

Die Brigach in Donaueschingen

Hier fließt der Donaubach in die Brigach

Donaueschinger Schloss

Die Breg

Endlich ein bisschen Wald

Die Baar

Mundelfinger Wortspielerei