Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 10. Mai 2020

Ein saugeiler Weg

... ist das,wenn man vom Wanderweg am Hohen Randen hinunter auf die Straße zwischen Fützen und Beggingen in der Schweiz möchte - aber erstmal muss sich der geneigte Leser durch Schweiß und (fast) Tränen der heutigen Wanderung lesen ...

Ich hatte nach gestern immer noch nicht genug, und ich wollte endlich mal wieder einen gesperrten Grenzübergang zur Schweiz sehen (seufz), also fuhr ich meine Mutter auf die Straße zwischen Weizen und Lausheim (nachdem ich natürlich erstmal im Seich herumgefahren war ...).

Dort stieg ich aus und lief das Stück des Jakobsweges, das ich am 6. Mai (ist das erst vier Tage her????) gelaufen war, zurück ... Damals hatte ich behauptet, ich wäre dem Jakobsweg gefolgt, dabei war genau der steile Aufstieg, von dem ich dachte, er gehörte zum Jakobsweg, gerade der falsche Weg gewesen ...

Diesmal folgte ich aber dem Weg (durch einen wunderschönen Wald), bis ich zur Gabelung nach Lausheim (Jakobsweg) bzw. Grimmelshofen kam ... Der Weg nach Grimmelshofen war aber den ersten Metern mit Bäumen übersät, sodass ich da im Zickzack laufen wurde, blieb dann aber ein gangbaren, wenn auch steil abfallender Weg mitten durchs Gestrüpp - sehr, sehr schön ...

Als ich unten in Grimmelshofen ankam, überquerte ich die Wutach (die an dieser Stelle noch nicht die Bundesgrenze darstellt) und lief über die B 314. Das Problem an den steilen Pfaden nach unten ist (wie schon mal erwähnt), dass man die Höhenmeter meist wieder machen aufholen muss ...

So ging es also steil hinauf in den Wald, sodass ich schon wieder pumpte - und das war erst der erste von drei heftigen Anstiegen, wobei der letzte - hoch auf den Randen - mir wirklich Sorge machte ...

Ich war heilfroh, als ich endlich oben auf der ersten Erholungsstrecke, einer halbwegs ebenen Straße, war. Leider war die Straße nur halbwegs eben, denn sie ging auch leicht nach unten, was - siehe oben - nur ein paar Minuten später wieder aufzuholen war ... Der Ausblick auf die Landschaft war allerdings durchaus hübsch ...

Im zweiten Anstieg - am Waldrand entlang - begegneten mir zwei Autos; bei beiden hatte ich den Verdacht, dass sie Schleichwege nutzen wollten, um in die Schweiz zu fahren. Der Schleichweg war allerdings recht steil, sodass ich - wieder einmal - sehr froh war, als ich auf der einigermaßen ebenen Straße ankam ... Juchhe, zwei von drei Anstiegen geschafft ...

Ich lief an ein paar Höfen vorbei und beunruhigte eine Schafsherde (ich tu euch doch nix!), aber irgendwann kam der Moment der Wahrheit - ich musste in das steile Waldstück einbiegen, um oben auf den Randen zu kommen.

Boah, Freunde der Sonne, das war übel, richtig übel - ich brauchte für einen Kilometer fast eine halbe Stunde, weil ich nach gefühlt zehn Metern anhalten und verschnaufen musste ... Zu allem Überfluss ging der Weg dann in eine Wiese über, aber das war zum Glück am Ende des Pfades, sodass ich mich nur ein bisschen durch Gestrüpp kämpfen musste, um auf den richtigen Weg zu gelangen.

Das Vergnügen eines richtigen Weges hielt nicht lange, denn ich musste bald wieder nach rechts auf einen - der Leser errät es richtig - monstersteilen Pfad abbiegen ... Die Strecke zog sich, mehrfach dachte ich, ich hätte es geschafft, dann kam der nächste Anstieg, aber irgendwann war ich auf 900 Meter angelangt und hätte mich vor Freude und Erschöpfung fast in den Laubhaufen dort oben geworfen ...

Ich war natürlich bätschnass geschwitzt, aber ich hatte wenigstens noch ein bisschen Wasser ... Ich ging - versehentlich - das Stück zum zweiten Jakobsweg des heutigen Tages, dem Neckar-Baar-Jakobusweg, und auf dem Stück blieb ich bis zum Ziel meiner Reise: der deutsch-schweizerischen Grenze ...

Da war keine Sperrung auf dem Weg gar nichts, und die Schranke war offen (die Schranke ist deutsches Gebiet), ich ging - vorsichtig, sonst schießt die Schweizer Grenzwacht womöglich - weiter, sogar ein Stück den Berg herunter, weil ich laut Handy immer noch nicht an der Grenze angekommen war. Schlussendlich erblickten meine müden Augen ... Grenzsteine - Grenzsteine, Grenzsteine - juchhe, juchhe, juchhe ...

"Das war zu viel für ihn, jetzt spinnt er endgültig", mag so mancher Leser nun meinen, aber wer mich gut kennt, weiß, dass ich großer Fan von Grenzsteinen bin, weil sie - mit ihrem massiven Stein - einerseits deutliche Symbole der Staaten sind, die hier voneinaner abgegrenzt werden, aber man eben andererseits - zumindest in unseren Breiten - so leicht um sie herumgehen kann und dabei von einem Land ins andere und wieder zurück kommt. Das finde ich großartig ...

Selbstverständlich blieb ich auf dem - an der dieser Stelle - Viertelsektor Deutschlands und betrat die Schweiz nicht.

Ich drehte um, begegnete immer noch keinem Bundespolizisten und bog dann auf den Weg ein, von dem ich mir viel versprochen hatte. Auf der Karte sieht es so aus, als ob der Weg mehrfach die Grenze überschreitet, sodass ich ihn nicht hätte gehen dürfen - in Wirklichkeit sind die Grenzsteine so positioniert, dass der Weg genau innerhalb Deutschlands ist. Manchmal muss man etwas abkürzen, um in Deutschland zu bleiben, aber der Weg gehört zu Deutschland, der Abhang links daneben schon zur Schweiz ... Ich fotografierte einen Grenzstein nach dem anderen, achtete natürlich schön darauf, immer auf der deutschen Seite zu bleiben, und fand das richtig, richtig cool dort ...

Kein Grenzer weit und breit, man hätte sogar mal links (also auf Schweizer Seite) an einem Grenzstein vorbeigehen können, aber das macht man als Deutscher in diesen Zeiten natürlich nicht ... Niemalsnie ...

Ich lief den Weg entlang und sollte - laut Karte - irgendwo nach links abbiegen, um an die mit meiner Mutter (telefonisch dummerweise inzwischen) vereinbarte Abholstelle zu kommen ... Nur, der Weg war wieder einmal nicht da ... Ich fluchte wie ein Rohrspatz, aber es half alles nix, ich musste den anderen Weg laufen ... Natürlich rutschte ich auf dem Weg hinunter durch die Walachei zum ersten Mal auf meinen Wanderungen aus und setzte mich unsanft auf den - glücklicherweise gut gepolsterten - Hosenboden, aber ich war schnell wieder aufgestanden ...

Ich sah meine Mutter auf der (unerreichbaren) Straße entlangfahren, winkte wie ein Wilder, ward nicht gesehen, rief sie an, berichtete von meinem Malheur und bat sie, mir entgegenzufahren, während ich noch einmal einen größen Umweg lief und erneut an der Schafherde vorbeikam. Diesmal waren die Viecher friedlicher, irgendwann kam meine Mutter auf den Weg angedüst, lud mich auf und ab ging die Fahrt nach Hause.

Das war richtig anstrengend, hat aber auch durchaus Spaß gemacht, aber 600 Höhenmeter ist ein bisschen viel für Mutters Sohn - das wird so schnell nicht mehr passieren, glaube ich ...

Unterwegs auf dem Jakobsweg I

Unterwegs auf dem Jakobsweg II

Hinunter nach Grimmelshofen

Die Wutach

Blick auf Fützen (oder ähnlich)

Määääh!

Letzter deutscher Grenzstein auf dem Jakobsweg

Auf dem Grenzweg - "GB" steht für Großherzogtum Baden
Blick auf die Höfe, nachdem ich aus dem Wald kam
Das letzte Bild habe ich am 11. Mai 2020 noch hinzugefügt.

Samstag, 9. Mai 2020

Einen Wander-Viertel-Megameter

... habe ich heute vollendet. Was ist das denn schon wieder? Nun, es ist doch ganz einfach: Ein Kilometer sind 1.000 Meter, und ein Megameter sind 1.000 Kilometer bzw. 1.000.000 Meter. Ein Viertel-Megameter sind also 250 Kilometer, und mein Handy zeigt mir an, dass ich in den letzten fünf Wochen 250,10 Kilometer gewandert bin ... Juchhe! Aua! Aber juchhe!

Gestern Abend hatte ich irgendwie das Bedürfnis, nochmal rauszugehen, und irgendein Idiot hatte mir den Floh ins Ohr gesetzt, dass man doch mal eine Nachtwanderung machen könnte ... Gedacht, getan - oh Mann, das war wirklich eine Schnapsidee ...

In downtown Bonndorf war das ja noch alles okay, mit Straßenlaternen und so'n Gedöns, aber als ich an den Waldrand kam, wurde es schon richtig, richtig dunkel ... Ich hatte jetzt weniger Angst, dass mir böse Menschen oder etwa ein Wildschwein an die Wäsche will, aber Bedenken um die Unversehrtheit meiner Haxen hatte ich unterwegs schon. Natürlich hatte ich meine (Handy-)Taschenlampe dabei, und auf den einigermaßen geraden Wegen ging das mit dem Ding auch ganz gut (wobei ich am Anfang erstmal in der Walachei landete, weil ich die Karte falsch las, sodass ich ein paar Meter wirklich im Wald stand ...).

Ich hatte mir eine Tour mit knapp acht Kilometern rausgesucht, aber als ich an die Wegkreuzung kam und die Wahl zwischen guter, ebener Abkürzung und steilem, unebenem geplanten Weg hatte, wählte ich in meiner Weisheit ausnahmsweise die Abkürzung ...

Ich machte noch einen kleinen Abstecher am Sportplatz vorbei, war dann aber heilfroh, am Sportplatzweg wieder einigermaßen in der Zivilisation zu sein. Zu Hause musste ich mir erstmal den Angstschweiß abduschen, und meine Mutter meinte, ich wolle sie veräppeln, als ich aus dem Bad kam und sagte, dass ich noch eine kleine Nachtwanderung gemacht hatte, während sie schon eingeschlafen war ...

Heute Nachmittag packte es mich wieder, aber da wir zum Mittagessen etwas getrunken hatte, musste es eine Rundtour werden. Ich hatte heute Morgen mal eine Karte aller meiner Wanderungen in den letzten fünf Wochen gebastelt und festgestellt, dass ich die Steinahalde, das Waldgebiet zwischen Straße nach Schluchsee und Steina westlich von Bonndorf schon ganz schön umgepflügt hatte, aber eben noch nicht jeden Weg kenne.

Ich startete also wieder in Richtung Waldstaße, lief diesmal aber zwischen Waldstraße und Waldallee in den Wald und kam an die Kreuzung, die ich letzte Nacht schon überstanden hatte. Ich ging aber in Richtung Straße nach Schluchsee, überquerte diese und verschwand im Wald in Richtung Glashütte.

Nach einem Stückchen auf dem Weg war auf der Karte eine Verbindung zur Straße nach Schluchsee eingezeichnet. Joa, da war ein Feldweg, den ich hochkraxelte, dann wechselte ich die Straßenseite und verschwand wieder im Wald, diesmal in der Steinahalde.

Vor der heutigen Wanderung hatte ich knapp 235 Kilometer im Logbuch, und als ich da im Wald darüber nachdachte (ja, er denkt wieder ...), dachte ich mir, hey, ich könnte doch heute die 250 Kilometer anpeilen ... Dazu musste ich die Route von etwas über 10 Kilometern, die geplant war, halt ein bisschen verlängern ...

Ich guckte mir die Karte an (es ist halt schon cool, wenn deine "Wanderkarte" auf dem Handy ist - jedenfalls, so lange der Akku hält, auweia ...) und fand zwei Verlängerungsstrecken, die ich anging ... Ich spazierte aso kreuz und quer da in der Gegend herum, über gute Wege, über Naturwege, das war richtig schick, und so richtig steil war da auch nix ...

Ich kam zurück auf den geplanten Weg, und der ging abwärts ... Zunächst war das ein Weg, das Forstgerät offensichtlich benutzt hatte, dann wurde es ein Naturweg und dann wurde es, öhm, nur noch Natur ...

Zu allem Überfluss war ich inzwischen auch 50-100 Meter abseits der geplanten Strecke, aber ich hatte beim besten Willen keinen Abzweig gesehen ... Nun, es half nichts, ich ging weiter durch die Walachei nach unten, und das Blöde beim Abstieg ist, dass du meistens weißt, dass du wieder hoch musst ...

Es kam, wie es kommen musste - ich landete fast auf der Straße, die an der Steina entlangführt, als ich links im Wald einen Weg sah. Ich bog ab, und blieb stehen: Boah, war das steil!

Aber es half nichts, irgendwann musste ich da hoch, aber es war wirklich, wirklich steil ... Ich blieb zweimal unterwegs stehen und pumpte nach dem ersten Stück wie ein Maikäfer (ja, ich weiß, ich bin nicht der Durchtrainiertesten einer, aber das war wirklich saumäßig steil ...).

Es wurde allerdings nicht besser, denn zwei weitere steile Anstiege folgten, aber dann war ich oben, fix und fertig, aber glücklich ...

Ich fand den Einstieg ins Ganterwegle nicht und lief also ein Stückchen Weg, den ich schon vor ein paar Wochen bei meiner ersten Expedition in die Steinahalde gelaufen war. Den Wiedereinstieg ins Ganterwegle fand ich allerdings, doch ich war erst ein paar Meter weit gekommen, als mir ein Viech entgegenkam.

Ich dachte zuerst, es wäre ein kleines Reh, aber dann blieb das Tier stehen, taxierte kurz, ob es mich umrennen könnte oder nicht, kam (zu Recht) zum Ergebnis, dass es das besser sein lassen sollte, drehte sich um und rannte von dannen ... Das ging alles zu schnell zum Fotografieren, aber ich glaube, das war ein Feldhase, aber ein Ömmes von einem Feldhasen ... Cool!

Das Ganterwegle ist unglaublich schmal und auch ein bisschen uneben von der Bodenbeschaffenheit her, aber es ist von der Höhenlage her unglaublich gleichmäßig, kaum Auf- oder Abstiege - richtig, richtig schön (und richtig angenehm, wenn man schon zehn Kilometer auf und nieder in den Beinen hat) ...

Auf einem Stein machte ich kurz Rast, und dann ging es in den Endspurt. Ich hatte festgestellt, dass ich noch ein bisschen einen Schlenker laufen müsste, um heute schon die 250 Kilometer zu schaffen, also ging bog ich von der alten Steinasäger Straße, die ich vom Ganterwegle kommend kurz passierte, schon wieder ab und lief in Richtung Osten weiter.

Anders als "sonst" ging ich aber an der ersten Biegung nach links in den Wald und dann über Wege, die richtig schweres Forstgerät bearbeitet hatte, im Bogen in Richtung Sportplatz ... Als ich da ankam, taten die Füße schon richtig weh, aber ich schleppte mich nach Hause und lief - sicherheitshalber, um die 250 Kilometer auf alle Fälle zu haben - noch einen weiteren, sehr kurzen Schlenker ums Bonndorfer Schloss herum ... Am Ende hatte ich 15,40 Kilometer heute und eben 250,10 Gesamtkilometer auf der Uhr ...

An dieser Stelle muss ich meine Mutter kritisieren, denn als ich nach Hause kam, wartete keine Kapelle auf mich, die mir gratulierte, aber zu ihren Gunsten muss ich sagen, dass selbst ich beim Start der heutigen Tour noch nicht die Absicht hatte, das große Ziel heute schon zu erreichen ...

Mal gucken, was ich morgen mache, übermorgen soll es ja abends schneien, das wäre interessant ...

Einige wenige Fotos:

Und das war noch ziemlich hell ...

Das ist ein heller Wald - besser!

Symbolbild Schwarzwald

Natur(weg)

Steiler geht's nicht ...

Schön eben und schön kühl ...

Donnerstag, 7. Mai 2020

Legal auf Schweizer Boden

... waren meine Mutter und ich heute, und trotzdem haben wir keinen Schweizer Grenzer gesehen ...

Nachdem ich jetzt fünf Tage am Stück unterwegs war, entschied ich mich um den Feierabend herum, meinen Füßen heute (und womöglich morgen und übermorgen) ein bisschen Ruhe zu gönnen. Das Wetter war allerdings toll, und so fragte ich meine Mutter, ob wir eine Ausfahrt machen - ich hätte da ein Ziel im Auge ...

Meine Ma war einverstanden, und so machten wir uns auf (ich fuhr, sie guckte, das ist nur fair in Anbetracht der vielen, vielen Male, in denen sie mich - meistens war ich nüchtern - in der Gegend herumkutschierte).

Wir fuhren über den Feldbergpass (das ging selbst fürs Auto ziemlich steil hoch, ich habe echt Schiss bekommen, was passiert, wenn ich da mal hochwandern will ...) mit wunderschönen Ausblicken und dann runter ins Wiesental, durchquerten Jogi Löws Heimat Schönau, und auch sonst ist das Wiesental mit seiner verwinkelten Straßenführung echt schön.

Das Ziel der Reise war allerdings das Stück der B 317 zwischen Lörrach und Weil am Rhein.

Häh?

Das Stück der B 317 zwischen Lörrach und Weil am Rhein ist die Zollfreistrasse Riehen (man beachte, dass "Straße" da mit "ss" geschrieben wird), und Zollfreistrasse heißen diese 738 Meter (laut Wikipedia), weil hier eine deutsche Straße über Schweizer Gebiet führt, ohne dass man Zoll bezahlen muss.

Dieses Stück ist im Besitz des Kantons Basel-Stadt, wenn man der Wikipedia glauben darf, und Schweizer Hoheitsgebiet, unterliegt aber dem deutschen Straßenverkehrsrecht. Damit man da nicht unerlaubt Waren einführen kann, ist die Zollfreistrasse relativ strikt abgeriegelt, sodass es insbesondere keine Verbindung zwischen dieser Straße und dem Schweizer Straßennetz gibt.

Wer mich kennt und/oder diesen Blog verfolgt, musste wissen, dass mich diese spannende Besonderheit magisch anzog, und jetzt hatte ich endlich mal Zeit, die eineinhalb Stunden ins Wiesental zu fahren, und dass es eine schöne Ausfahrt mit meiner Mutter war, macht es noch besser ...

Zurück fuhren wir ein bisschen im Zickzack durchs Wehratal und durchs Albtal (insbesondere in zweiterem hatte meine Mutter aufgrund meiner - angeblich - rasanten Fahrweise die Hand dauerhaft im Türgriff), wir wurden dort zweimal durch Umleitungen ausgebremst, bis wir es leid waren und über Höchenschwand und Häusern weiterfuhren.

In Blasiwald fand ich die Zufahrt zu dem Wanderparkplatz nicht, den ich meiner Mutter zeigen wollte, sodass wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause fuhren.

So, die spannendste aller Fragen ist aber natürlich (wer gähnt da hinten?), ob dieser Aufenthalt auf Schweizer Territorium als Besuch der Schweiz im Sinne meiner Länderliste zählt. Und meine Antwort lautet "nein", allerdings nur aufgrund der besonderen Umstände in Zeiten der Coronavirus-Pandemie.

Unter normalen Umständen gibt es zwischen der Schweiz und Deutschland keine Einreisekontrollen, und in einem solchen Fall (wie normalerweise etwa im gesamten Schengen-Raum) genügt zu einem formalen Besuch das Betreten des Landes (bei späteren als dem ersten Besuch muss der Fuß nicht einmal mehr physisch den Boden berühren) ohne Weiteres.

Werden allerdings Einreisekontrollen durchgeführt (wie im Moment leider zwischen Deutschland und der Schweiz), so gilt ein Land erst als betreten, sobald ich physisch dort bin und die Einreisekontrolle überstanden habe. Da ich hier aber die Einreisekontrolle, die zur Einreise in die Schweiz zur Zeit notwendig ist, nicht passiert habe, bin ich heute nicht im Sinne meiner Länderliste in die Schweiz eingereist ...

Aber natürlich wird der Besuch als "Transit" vermerkt.

Fotos gibt es heute aus, sagen wir, technischen Gründen leider keine ...

Mittwoch, 6. Mai 2020

What a difference a day makes

Oh ja, was für einen Unterschied ein Tag macht ...

Wer gestern aus meinem Arbeitszimmer-Fenster schaute, hätte glauben können, es ist Spätherbst - das Bonndorfer Schloss war gerade noch zu erkennen, obwohl das, naja, vielleicht 100 Meter weg ist, es war neblig-grau, und gefühlt war um 18 Uhr gerade die Sonne untergegangen.

Ich war höchst unentschlossen, ob ich mich noch ins Freie wagen soll, entschied mich am Ende - nach einigem Hin und Her - aber dafür und faselte als Begründung was von "mystischer Wald" und so ...

Ich wollte nur eine kleine Strecke bis Münchingen gehen, in den Nachbarort, der aber schon zur Gemeinde Wutach gehört, und damit sich das richtig lohnt (und ich ja in den mystischen Wald wollte), hatte ich einen kurzen Abstecher in den Wald beim Hundeplatz geplant.

Ich brach also vierschalig auf (Unterhemd, Hemd, Pulli und Regenjacke), was bei mir höchst selten vorkommt, und lief die schon altbekannte Strecke in Richtung Dillendorfer Straße. Mir kamen kaum Autos und noch weniger Menschen entgegen (die meisten Menschen - zwei - waren Jogger, die sich da durch die Gegend quälten), und insgesamt war das alles nasskalt-usselig ...

Der Abstecher in den Wald hingegen lohnte sich, und auf dem einen oder vielleicht auch auf zweien der Bilder kann man, wenn man will, ein bisschen Mystik hineininterpretieren (ich wollte).

Ich lief wieder den Weg hoch, bei dem der Weg noch zu Bonndorf, aber das Feld schon zu Münchingen gehört, bog dann aber links auf Münchinger Gebiet ab und stieg nach dem Erreichen des höchsten Streckenpunktes dann in den einen von drei Ortsteilen der Gemeinde Wutach ab.

Zum Glück verlief ich mich kurzzeitig, denn auf dem kurzen Verlaufstück überschritt ich die 220 Kilometer - kurz darauf kam mir das Auto meiner Mutter nämlich entgegen, die (zu) früh losgefahren und mir vom vereinbarten Abholpunkt entgegengefahren war ...

Ich beendete den Tag damit bei Tageskilometer 6,38 und Gesamtkilometer 220,07.

Heute Abend hingegen war die Wanderung eine wahre Freude.

Eine sehr gute Freundin liegt mir seit Tagen im Ohr, dass ich jetzt, wo ich wandere, doch auch mal den Jakobsweg probieren könne (die will mich natürlich nur reizen ...), und vorgestern oder so stellte ich fest, dass einer der Jakobswege in Deutschland durch den Stühlinger Ortsteil Weizen verläuft. Auf meiner Tour von Dillendorf nach Weizen-Bahnhof am 20. April hatte ich daher - auf ungefähr 40 Metern - schon den (einen) Jakobsweg beschritten - damals allerdings in die falsche Richtung, also von Santiago de Compostela weg ...

Nachdem ich auf meinen Touren jetzt schon (mehr oder weniger versehentlich) die drei großen Schwarzwaldwege des Schwarzwaldvereins begangen habe (die Ostvariante des Westweges auf dem Stück zwischen Bärental und dem Titisee, den Mittelweg zwischen Blasiwald und Häusern und den Ostweg auf einem ganz kurzen Stück in Weizen-Bahnhof), wollte ich dann auch mal den Jakobsweg "mitnehmen".

Ich war heute unvorsichtig und lief mit unabgeklebten Zehen am Friedhof in Lembach (Gemeinde Wutach) los. Der strahlende Sonnenschein half auch meinen Füßen, denn die meckern selbst jetzt nach der Strecke nicht wirklich. Es ging durch leuchtend grüne und gelbe Felder hindurch und anschließend in den Wald hinunter nach Lembach (Ortsteil von Stühlingen).

Dort stieß ich schließlich auf den Jakobsweg (genauer wohl: "Rottenburg Südweg"), und der machte mir anfangs keine rechte Freude, denn ich wäre lieber den linken, ebenen als den rechten, steil nach oben führenden Weg gegangen, aber ich wollte ja erstens auf dem Jakobsweg bleiben und zweitens das heutige Ziel, Weizen, erreichen ...

Es ging nun ein Stück durch den Wald, und steile Strecken im Wald sind immer noch besser als unter freiem Himmel, denn im Wald ist es etwas kühler. Ich schwitzte trotzdem, genoss aber den Wald und die gelegentliche Aussicht und war froh, als ich so langsam merkte, dass der Weg öfter abwärts denn aufwärts ging ...

Über - wiederum - leuchtend gelbe und grüne Felder ging es in Richtung Weizen, noch einmal kurz den Wald und dann in Weizen teilweise richtig steil die Gasse runter, bis ich schließlich in Weizen vor dem Geschäft der Eltern eines engen Studienfreundes auf meine Abholung wartete.

Heute war das eine richtig schöne Wanderung von 8,74 km, nicht wirklich anstrengend, aber ins Schwitzen kam ich schon, sodass wir nun den Gesamtkilometerzähler auf 228,81 km gestellt haben ...

So wie heute kann es bleiben, sonnig, nicht zu heiß, perfektes Wetter zum Wandern ...

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts (was Sie da erahnen, ist der Lindenbuck)

Mystischer Wald, sag ich doch die ganze Zeit

Mystische Straße im Wald

Aaaah, herrlich ...

Dieses Grün und dieses Blau!

Hügel mit Bäumen und Sonne

Zwischen Lausheim und Weizen

Blick aus dem Wald auf den Wald

Gelbes Feld vor Wald

Da ist der Jakobsweg!

Noch einmal Wald

Kirche in Weizen

Montag, 4. Mai 2020

Auf Pfaden aus längst vergangenen Tagen

... bin ich heute gewandelt, zum Teil zumindest, und es war anstrengend, aber auch sehr, sehr schön ...

Erstmal habe ich heute getrödelt, erst recht spät geduscht, dann gab es Mittagessen, und erst danach begann die Verrichtung des Tagwerkes - meine Mutter fuhr mich an die Staumauer des Schluchsees, warf mich dort mit den Worten "Lauf vorsichtig!" aus dem Auto, und weg war sie ...

Nun denn, auf auf, Kameraden, über die Staumauer - das Stück konnte ich ja schon von meiner glorreichen Schluchseeumrundung, und nicht weniger glorreich sollte es heute werden, denn die erste Abweichung vom Plan beschloss ich auf den ersten Metern - ich verschmähte den (etwas tiefergelegenen) Pfad und lief auf der Straße nach Blasiwald hinein. Höhenmeter würde ich heute noch genug machen, zumal der Pfad auch wieder auf meine Straße kam.

Blasiwald erkannte ich kaum wieder - in der Kehre fehlen im Vergleich zu den fast allmorgendlichen Schulbusfahrten zwischen 1993 und 2002 eine ganze Menge Bäume, dafür stehen dahinter jetzt etliche hübsche Einfamilienhäuser, und derart beeindruckt begann ich meinen Aufstieg auf ziemlich genau 900 Meter Höhe. Ziel war der Pass kurz hinter Blasiwald-Althütte, und der lag auf 1.114 Metern.

Es ging steil hoch, sehr steil - innerhalb von weniger als 2,5 km wollten fast 200 Höhenmeter bewältigt werden, und meine Einschätzung, dass damals, am Busumkehrpunkt, der Pass ganz nah sei, war eine ganz bestialische Fehleinschätzung, denn nach dieser Bushaltestelle wurde es gefühlt noch einmal steiler.

Das alles wäre kaum zu ertragen gewesen (seufz), wären nicht die Ausblick auf die wunderbare Schwarzwaldlandschaft gewesen. Da konnte man wenigstens mal ein bisschen verschnaufen ...

Ich bog nach links ab in Richtung Althütte und ignorierte dabei das "Für-Fahrzeuge-Durchfahrt-verboten"-Schild, denn das davon abweichende "Für-Fußgänger-Durchgang-verboten"-Schild kenne ich von diversen Ausflügen in Richtung Schweizer Grenze inzwischen ganz gut ... Die ersten Ausläufer des Weilers Althütte taten sich auf, als ich auf einmal auf Straßenbauarbeiten stieß.

Ich war ein wenig unentschlossen, sodass der Vorarbeiter auf mich zukam und fragte, was ich wolle. Ich fragte, ob ich zu Fuß weiterkönne (die buddelten nur die Mitte der Straße auf), er meinte, nein, ich müssen außenherumfahren, ich bekräftigte, dass ich zu Fuß weiterwolle, da war das gar kein Problem so nach dem Motto, da hätte ich gar nicht fragen brauchen ...

Auf ca. 1.080 Meter Höhe kam ich an einer freundlicherweise angelegten "Hundetankstelle" vorbei (ich hatte ausreichend Wasser dabei, sonst hätte ich mich da an den Napf gehängt ...), und es wurde etwas flacher, sodass ich die restlichen 30 Höhenmeter - wieder mit tollen Ausblicken - auch noch gut schaffte ...

Auf dem Pass streckte ich die Arme zum Jubel empor, und machte mich an den Abstieg ... Ich hatte mich heute Morgen entschieden, die Strecke ein bisschen umzubauen, denn ich wollte in St. Blasien den Abschluss machen. Also bog ich an einer veritablen Hauptverkehrskreuzung im Wald nach links in Richtung Häusern ab anstatt geradeaus nach St. Blasien zu gehen.

Dieser Weg war wunderbar, anfangs nur leicht abschüssig, am Ende dann ein bisschen steiler, aber bergab ist immer noch besser als bergauf, und auf einem Spielplatz oberhalb Häuserns hatte ich einen tollen Ausblick auf Häusern und den Albsee.

Häusern hatte ich - in der Besprechung mit meiner Mutter über die Notfallpläne - als Extraktionspunkt Gamma definiert (den Albsee-Parkplatz als Beta und das Ziel in St. Blasien als Alpha) ... Ja, ich habe in den letzten Tage zu viele Kriegsserien gesehen ...

Extraktionspunkt Gamma konnte Planung bleiben, denn ich spazierte durch Häusern hindurch in Richtung Fußballplatz. Vorher begegnete ich aber einer Mutter mit Kind und Hund, die auf dem Waldlehrpfad vor mir herliefen. Ich hielt natürlich Abstand, aber der Junge, der die Nachhut bildete, blickte sich plötzlich um, erschrak sich und kreischte wie eine Kreissäge ... So furchtbar sehe ich doch gar nicht aus, Bub!

Die Mutter bat um Entschuldigung, ließ mich vorbei und am Sportplatz gedachte ich des 8:2-Sieges des TuS Bonndorf über den SV Häusern, bei dem ich - irgendwann in der E-Jugend - erstmals im Tor stand. Trotz des Sieges wurde ich aufgrund der beiden angeblich von mir verschuldeten Gegentore von meinen Mitspielern angemotzt, die wollten die Häuserner Mannschaft halt mit 8:0 aus ihrem eigenen Stadion schießen ... Damals machte das Fußballspielen halt noch richtig Spaß ...

Ich schlug den Weg hinunter ins Albtal und zum Albsee ein, lief ein kurzes Stückchen durch Höchenschwander Gebiet immer schön den Berg hinunter, als ich auf einmal vor mir um die Kurve ein lautes Motorgeräusch hörte ... Auf einmal kam mir ein Traktor mit drei oder vier zig Metern langen Bäumen im Schlepptau entgegen, sodass ich mich zwischen Weg und Abhang möglichst schmal machte (nicht lachen!) und hoffte, dass das Ding an mir vorbeizieht ...

Das klappte, und ich hatte schon Befürchtung, ich hätte ein Sperrungsschild übersehen, aber da kam mir auch schon ein Nordic-Walker entgegen, sodass ich zuversichtlich war, dass ich keinen Mist gebaut hatte.

Ich sah schon den Albsee, fand aber den vermaledeiten Pfad, der vom Wanderweg auf die Straße und zur Staumauer abbog, trotz intensiver Suche nicht (meine Aufzeichnungsapp weist wilde Ausschläge vorwärts und rückwärts aus ...), sodass ich einen Umweg laufen musste, der zu dem Zeitpunkt schon wehtat ...

Als ich schließlich die Staumauer erreicht hatte, kam mir eine Gruppe joggender junger Frauen entgegen, und aus der Tatsache, dass die grüßten, schließe ich, dass das Kollegsschülerinnen waren. Sehr löblich ...

Die erste Bank jenseits der Staumauer - ich war nach kurzer Durchquerung von St. Blasier Gebiet  nun auf der Gemarkung der Gemeinde Dachsberg gelandet - wurde zwecks Pausemachen okkupiert.

Es verblieben noch rund vier Kilometer nach St. Blasien, die zunächst am Ufer des Albsee entlangführten. Abwägungen (landschaftlich schönere gegenüber kürzerer Strecke) fielen jetzt zugunsten des schnellsten Weges aus, ich lief durchs Industriegebiet und dann rechts hoch auf einen kleinen Pfad in Richtung Wald.

Die Zivilisation war auf diesem Weg nie fern, aber ich war wenigstens nicht mehr auf der Straße selbst, es gab noch zwei steilere Anstiege, dann sah ich den St. Blasier Dom durch die Bäume ...

Ein letztes Aufbäumen über Wege, mit denen ich bei (zum Glück nicht so häufigen) Waldläufen im Sportunterricht Bekanntschaft gemacht hatte, folgte, dann unterquerte ich die Straße, lief zwischen Mädcheninternat und Bagnatohaus hindurch, an der Altbaupforte des Kollegs vorbei, auf den Domplatz und über die Alb, ehe ich an einem schönen Bänkchen an der Alb mit Blick auf den Dom Schluss für heute machte ...

Meine Mutter war für 17 Uhr bestellt, kam pünktlich, übersah mich, fuhr noch eine Runde, ich warf mich vors Auto, sie hielt an, ich stieg ein, und wir fuhren noch ein bisschen durch Balzhausen und Dürrenbühl, bogen hinter Rothaus in den Wald ein (die Radfahrer hielten uns wahrscheinlich für verrückt, aber das war eine offizielle Straße) und kamen dann von der Sommerau zur Steinasäge und schließlich nach Bonndorf zurück.

Die 200-km-Marke innerhalb des letzten Monats habe ich noch in Blasiwald im Berg geknackt, am Ende waren es heute über 15,5 Kilometer. Schön war's, anstrengend war's, morgen muss ich wieder arbeiten, da wird es entweder gar keine oder nur eine kürzere Runde geben ...

Heute gibt es mal viele Fotos:

Aufstieg in Blasiwald

Blick in Althütte

Blick auf den Schwarzwald

Sehr liebenswürdig

Ausblick (fast) vom Pass

Alles hat seine Ordnung im Schwarzwald ...

Ich fand den Blick halt schön ...

Albseestaumauer

Albsee von der Staumauer

Albsee auf dem Weg nach St. Blasien

Das Ziel, der Dom, kommt näher ...

Bläsi halt ...

Sonntag, 3. Mai 2020

Heimat- und Sachkunde

... wurde bei in der Grundschule "HuS" abgekürzt, und irgendwie haben die Lehrer mehr Wert auf so Baumgedöns und Handarbeit(sgedöns) gelegt denn darauf, den Schülerinnen und Schüler die nähere Umgebung näherzubringen. Das alles muss ich jetzt mit meiner Füße mühsamer Arbeit (das war doch mal ein grammatikalischer Leckerbissen, oder etwa nicht?) nachholen ... Naja, vielleicht wurde mir da auch vieles beigebracht, was ich wie die tauglichen, aber wenig ertragreichen Versuche meiner Eltern einfach vergessen habe ... Sei's drum, heute wurde wieder gewandert.

Die Lücke zwischen dem erwanderten Gebiet und der noch nicht an formal an das erwanderte Gebiet angeschlossenen Titisee-Umrundung ließ mir keine Runde, sodass ich heute mit meiner Mutter nach Aha an den nordwestlichen Rand des Schluchsees fuhr. Dort verließ ich das Auto und lief in Richtung Windgfällweiher los - dieses kleine Seechen ist der dritte See, der bei der "Dreiseenbahn" Erwähnung findet, und laut Auskunft meiner Mutter war ich darin sogar einmal schwimmen. Daran kann ich mich nicht erinnern, im Gegensatz zu der großen Zahl an wenig erfolgreichen Schlittschuhlaufversuchen mit anschließendem Wiederaufrappeln - da sag einer, ich sei kein Kämpfer ...

Ich hatte da bereits einmal - auf einer Brücke - die Gleise der Bahn überquert und lief nun zwischen Weiher und Gleisen entlang - mir kamen Unmengen von Menschen entgegen, sodass ich öfter stehenbleiben und Fotos machen musste ...

Ich ging weiter in Richtung Altglashütten durch den Wald, dann ein Stück durch das Örtchen und über den Rotmoorweg in Richtung Bärental - aus dem Rotmoor hatte man einen großartigen Blick auf den nächstgelegenen Berg, dessen Namen ich nicht eruieren konnte, schon sehr, sehr schön ...

In Bärental überquerte ich todesmutig die Bundesstraße 317 und lief am mit 967 m höchstgelegenen Bahnhof (an einer Regelspurstrecke) in Deutschland vorbei. Ab hier ging es nun abwärts in Richtung Titisee, und nach einer schönen Wanderung auf einem relativ gut ausgebauten Wanderweg (vorbei an einem ziemlich verwüsteten Waldgebiet bald hinter Bärental) landete ich an der Sandbank am Titisee.

Ich entschied mich, doch noch bis Titisee-Ort weiter zu laufen, bereute das aber aus zweierlei Gründen ein bisschen: Erstens taten mir gegen Ende dann doch die Füße weh, zweitens kamen mir Heerscharen von Erholungssuchenden entgegen, sodass die Ordnungsämtler alle Hände voll zu tun hatten, die ganzen Radfahrer vom Weg zu ziehen ...

In Titisee-Ort selbst war die Hölle los - die Läden sind ja jetzt wieder offen, und sehr viele Menschen nutzten den verkaufsoffenen Sonntag dort, um einzukaufen ... Unglücklicherweise hatte ich vergessen, dass die Uferpromenade eine Fußgängerzone ist, sodass ich meine Wanderung um weitere 300 Meter verlängern musste, um das - rechtzeitig einbestellte - Mamataxi abzupassen.

Ich saß ein paar Minuten auf einem Bänkchen, stellte mich dann meiner Mutter in Weg, wurde aufgesammelt, und wir begannen den zweiten und wesentlich erholsameren Teil dieses heimatkundlich sehr lehrreichen Tagen: Wir fuhren über Schluchsee und Rothaus, bogen nach Grafenhausen ab, guckten uns die Tannenmühle an (auch die Hölle los), fuhren durch Birkendorf, runter ins Steinatal, hoch nach Bettmaringen, über die Obere Alp, runter nach Wangen, hoch nach Brunnadern und dann schließlich nach Hause.

Wandertechnisch hatte ich heute fünf Gemeinden: Schluchsee; Lenzkirch mit dem Windgfällweiher, hätte ich nie gedacht; die neu erwanderte Gemeinde Feldberg (Schwarzwald); Hinterzarten am Südende des Titisees und schließlich Titisee-Neustadt. Mit dem Auto waren wir dann noch in Grafenhausen, Ühlingen-Birkendorf und Stühlingen zugange, da habe ich heute mal wieder richtig viel vom Schwarzwald gesehen ...

Achso: Nachdem ich so viel über mein Handy und die ständig aussteigende Aufzeichnungs-App gemeckert habe, habe ich heute (naja, vielmehr hat meine Mutter) meinen alten Busfahrkarten-Brustbeutel aus Schulzeiten ausgegraben. Dort stecke ich das Handy rein und alles funktionierte bestens - ich wurde zwar ein paar Mal schief angeguckt, aus welcher Klappse ich denn ausgebrochen sei, aber sonst ging's ...

Fotos:

Dreiseenbahn

Windgfällweiher

Windgfällweiher

Blick auf Neuglashütten

Unterwegs an den Titisee

Unterwegs an den Titisee

Titisee von Südosten

Titisee von Norden (Uferpromenade)

Samstag, 2. Mai 2020

's Ganterwegle

... beendete ich heute, nachdem ich 15. April schon ein Teilstück gelaufen war - das Mittelstück hatte ich damals und habe ich heute nicht erwischt, aber das ist nicht so schlimm, denn dieses Weglein werde ich sicherlich noch einmal gehen, und vielleicht kriege ich es dann gebacken, den gesamten Weg einzutüten ... Es war nämlich sehr schön ...

Parallel zum Wetterumschwung in den letzten Tagen fing mein Fuß an zu streiken, sodass ich am Dienstag und Mittwoch richtig Schmerzen hatten, aber am Donnerstag wurde es etwas besser, sodass ich - trotz Regens - eine (wirklich ganz) kleine Tour machte: Ich wanderte nämlich durch Bonndorf und dann am Waldrand vorbei in Richtung Wellendingen. Nach nicht ganz 4,3 Kilometern ließ ich mich - in meiner knallroten Regenjacke auch aus dem Weltall sichtbar - an der "Insel" in Wellendingen abholen.

Wanderregel Nr. 2 lautet, dass ein Spaziergang überhaupt nur dann eine Wanderung ist, wenn dabei mindestens fünf Kilometer zurückgelegt werden oder aber zumindest die Grenze zwischen zwei heutigen oder ehemaligen Gemeinden überschritten wird. Aufgrund dieser Grenzüberschreitung zähle ich selbst diesen 4,3-Kilometer-Spaziergang als "Wanderung", auch wenn jeder Wanderer mich auslacht ...

Gestern ließ ich die Wanderung ausfallen, verspürte aber heute Morgen, sagen wir, das dringende Bedürfnis, viel frische Luft zu tanken.

Also marschierte ich schon um 8.20 Uhr bei schönsten Nieselregen aus dem Haus. Zunächst ging es in Richtung Abzweig nach Schluchsee, aber schon bald hinter dem Bauhof in den Wald (links der Straße nach Schluchsee). Ich lief in ziemlichem Zickzack über die Steinahalde, und überraschenderweise machte das richtig Spaß.

Klar, es ist nicht ganz so gemütlich, mit der Regenjacke, in der du langsam vor dich hin dünstest, die Füße werden irgendwann auch mal feucht (kalt wurden sie heute gar nicht mal so sehr), aber es ist im Wald (und ich wollte heute definitiv in den Wald) eine ganz andere Atmosphäre, gefühlt durch den tagelangen Regen noch grüner, und wenn man die Matschpfade vermeidet, dann kann man auf den Schotterpisten oder gut ausgetretenen Pfaden auch ohne Probleme vorankommen ...

Ich bog einmal falsch ab und lief den unteren statt den oberen Weg, was zur Folge hatte, dass ich die alte Steinasäger Straße weiter (und steiler) hochmusste als ursprünglich geplant, aber dafür war ich auch auf einem Schotterweg statt einem Naturpfad unterwegs, was für die Trockenheit meiner Füße sicher nicht verkehrt war.

Ich bog, kurz bevor ich die Waldallee erreicht hätte, wieder rechts in den Wald ein (da, wo ich am 15. April gelaufen war) und lief über den wunderbaren Waldweg dort oberhalb der (neuen) Straße zur Steinasäge ... Damals war ich auf das erste Stück des Ganterweges abgebogen, aber diesen Matschpfad wollte ich heute nicht gehen, und außerdem war das eigentliche Ziel heute gewesen, die Straße zur Steinasäge zu erreichen und dann nach Hause zu gehen ... Also lief ich den Schotterweg hoch und nach rechts in Richtung dieser Straße.

Als ich mich dem avisierten Heimgehpunkt näherte, fühlte ich mich aber gut und dachte mir (ohje, ohje, er denkt ...), dass ich doch noch ein Stück weitergehen könnte ... Also überquerte ich die Straße und lief anstatt auf dem Weg in Richtung Wellendingen, den ich vorgestern gegangen war, in den Wald hinein. Mit ein bisschen Suchen (die Strecke hatte ich ja nicht vorgeplant, deswegen musste ich mich jetzt aufs Kartenlesen verlegen ...) fand ich den richtigen Abzweig (ein Zwischenstück war ziemlicher Matschweg, und das noch bergrunter, dass ich mich da nicht auf die Nase gelegt habe, wundert mich jetzt noch ...), und ein paar hundert Meter weiter zweigte links ein kleines (aber gut ausgetretenes) Pfadchen ab, das sich als die Wiederaufnahme des Ganterwegles herausstellte.

Diesem Pfad folgte ich dann ein längeres Stück, das ist sicher kein Weg, den man in Flipflops gehen sollte (und schon gar nicht in Flipflops bei Regen), denn wenn man da runterkippt, dann geht es erstmal einigermaßen steil den Abhang runter, aber es ist unwirklich schön ... So stelle ich mir den Wald um Harry Potters Schule vor, Hogwarts, oder wie das Ding heißt, und es hätte mich nicht gewundert, wenn irgendwelche Zaubertricks vorführenden Schüler um die Ecke gebogen wären. Das mit dem Abstandhalten wäre auf dem engen Weg allerdings schwierig geworden, sodass ich nicht unglücklich war, dass mir keiner entgegenkam (naja, bei dem Sauwetter war das eh unwahrscheinlich ...).

Nach gut 1,3 km auf dem schönen Pfad landete ich auf dem Weg vom Wegkreuz Stäglegaß runter ins Steinatal ... So langsam taten mir die Gräten dann doch weh, sodass ich mich entschied, meine Ma anzurufen, ob sie mich doch in Wellendingen extrahieren könnte (ich hatte eigentlich geplant, einen Rundweg zu laufen). Sie war bereit hierzu, sodass ich hoch zum Wegkreuz ging und dann den Berg runter nach Wellendingen (die Strecke war ich ja erst vorgestern gelaufen).

Wieder sammelte mich das Mamataxi an der "Insel" ein, nur dass es heute fast zwölfeinhalb Kilometer geworden waren und somit eine richtige Wanderung. Und ja, die zwei Kilometer, die mir das an Heimweg gespart hat, waren es wert, denn ich will ja morgen oder zumindest übermorgen, wenn ich noch einen Tag Urlaub habe, nochmal durch den Schwarzwald wandern, und dazu brauche ich dienstwillige Füße ...

Fotos gibt's auch heute wieder:

Weg nach Wellendingen (links), rechts geht es in Richtung Ganterwegle

Blick auf Wellendingen

Steinahalde

Dramatische Bilder erreichen uns aus dem Schwarzwald ...

... wirklich dramatische ...

Ganterwegle

Ganterwegle

Da zitterte die Hand schon ...