Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 2. Februar 2020

Technische Probleme

... führten dazu, dass ich gestern nichts posten konnte, aber heute geht der Rechner wundersamerweise wieder ... Da wir aber gleich aufbrechen, nur im Schnelldurchgang - heute oder morgen Abend werde ich mehr schreiben.

Nach leckerem Frühstück im Bambi Café hier um die Ecke des Hotels am Taksim-Platz ging es mit dem (modernen) Tünnel runter nach Kabataş und von dort mit der Straßenbahn hoch nach Sultanahmet.

Die (kurze) Schlange vor der Hagia Sophia konnten wir dank der Automaten dort umgehen, und die Hagia Sophia ist halt immer wieder toll.

Nicht ganz so toll war es in der Zisterne, weil sie dort das Wasser abgelassen haben und zudem am Umbauen sind, aber wir entschädigten uns dafür, dass wir - naja, drei von uns - Fotos in historischen Gewändern machen ließen. Die Damen brauchten einen Sultan, also ließ ich mich breitschlagen - die Fotos sind gar nicht so schlecht geworden ... (Nein, Bilder davon gibt es hier im Blog nicht, weil ich für die nicht das Urheberrecht habe.)

Wir hatten - es war inzwischen 13 Uhr - ein Hüngerchen und aßen in Sultanahmet in einem schönen Pub zu Mittag (das war echt lecker, obwohl es so touristisch ist dort ...).

Ein Spaziergang zum Großen Basar folgte, wir kauften keine "Genuine Fake"-Rolex, und danach ging es wieder zur Süleymaniye-Moschee und in deren Hof (ein Schuhputzer, dessen Dienste ich nicht in Anspruch nehmen wollte, sprach Deutsch und rief mir entweder "Jetzt komm, Opa" oder "Jetzt komm, hoppa!" hinterher ...).

Da wir ziemliches Traumwetter hatten, war der Ausblick auf Goldenes Horn, Galata und Bosporus(brücke) ziemlich toll ...

Über eine mir bisher unbekannte Treppe ging es runter, durch die Gassen Istanbul, ehe wir vor dem Gewürzbasar uns durch eine Menschenmensche quetschen mussten ... Lustig.

Im Gewürzbasar wurde ordentlich eingekauft, es wird ein paar Mitbringsel an meine Ersatzoma geben (Fleischgewürz), aber das Granatapfel-Turkish Delight verspeise ich selbst. Der Chef in unserem Laden sprach nahezu akzentfrei Deutsch, naja, kein Wunder, wenn man in Deutschland aufgewachsen ist.

Durch Menschenmassen ging es zur Fähre in Richtung Kadiköy, aber ich vergaß, ein Simit zu kaufen, und konnte auf der Fahrt nach Asien keine Vögel füttern - hab mir dafür einen leicht geröteten Schädel von der Sonne geholt ...

In Kadiköy ging es nicht zum Hamsi, weil wir zu früh waren und keinen Hunger hatten. Wir fuhren also wieder zurück, warfen unsere Einkäufe im Hotel ab und verbrachten den Abend in einem Fischlokal und einer Bierkneipe in Beşiktaş, wo ich bisher noch nie gewesen war (dorthin fuhren wir in einem Dolmuş, auch das war mein erstes Mal in so einem Gefährt in der Türkei ...).

Schön war's, lecker war's, aber nach dem Gelumpe am Vorabend, als wir um 4 Uhr im Bett waren, ging es heute vor Mitternacht in die Heia.

Fotos heute Abend oder morgen früh, zumal ich auch noch mit den Mitstreitern klären muss, ob ich deren Bilder verwenden darf ...

Samstag, 1. Februar 2020

Oh Istanbul, du schöne Stadt

Ja, auch heute Abend rezitierte ich den Text meiner Ode an Istanbul, und die Kolleginnen und der Kollege klatschten Beifall. Da war es aber auch schon spät, und wir saßen in einem hübschen Pub in der Nähe des (alten) Tünnel und des Galataturms ...

Der Arbeitstag heute ging wie erwartet schnell vorbei, die Fahrt an den Flughafen klappte einschließlich des Zustiegs des Kollegen in Mainz, am Flughafen waren wir viel zu früh, aber die Sicherheitskontrolle ging leidlich schnell, sodass wir uns noch ein Bierchen am Gate leisten konnten.

Ziemlich pünktlich kamen wir weg, es hatte noch ein Problem mit dem Flugsitzplan gegeben, sodass ich doch nicht direkt neben den beiden Mitreisenden saß (vielmehr saß noch eine Dame zwischen uns, die mit Mundschutz und Einweghandschuhen bewaffnet offenbar direkt ins Ebolagebiet im Kongo reisen wollte ...). Das hielt die beiden nicht davon ab, sich zu unterhalten, und mich nicht, einen Film zu gucken ...

Nach ein bisschen Gewackel kamen wir gut in Istanbul an, liefen ewig bis zur (leeren) Einreise, liefen wieder ewig bis zum Ausgang, ich lud die Istanbulcard mit der Kreditkarte auf (10% Aufschlag, Saftladen!), und der Bus zum Taksim fuhr ab, nachdem wir gerade eingestiegen waren - alles richtig gemacht ...

Nach einer Dreiviertelstunde Fahrt kamen wir an, nach ein bisschen Orientierung führte ich meine Truppe ausnahmsweise nicht weit in die falsche Richtung, und ich war überrascht, wieviel um 1 Uhr nachts noch am Taksim los ist.

Nach dem Check-in gingen wir noch in die Stadt, liefen die Istiklal runter, aßen ein Dürüm und kamen am Ende in dem hübschen Pub zum Sitzen. Es wurden diverse Efes vertilgt, danach liefen wir - es war inzwischen 4 Uhr - durch die immer noch belebte Istiklal zurück zum Taksim und zum Hotel.

Istanbul ist so toll, das ist das erste Mal, dass ich am Taksim übernachte, und es wird wahrscheinlich nicht das letzte Mal sein, weil du hier wirklich mitten im Leben drin bist.

Morgen wird sightgeseet und sicherlich abends das eine oder andere Kaltgetränk verzehrt.

Oh Istanbul, du schöne Stadt, du schöne Stadt am Meer, ich mag dich so, manch einer sagt, ich liebte dich so sehr ...

Donnerstag, 23. Januar 2020

Abflug im Mai, Ankunft im April

Klingt komisch, is aber so - jedenfalls, wenn man über die Datumsgrenze fliegt.

Gestern Abend habe ich nun unseren Flug von Apia (Samoa) nach Pago Pago (Amerikanisch-Samoa) gebucht: Am 1. Mai um 7.30 Uhr fliegen wir in Samoa ab und landen nach einer halben Stunde Flug um 8 Uhr in Pago Pago, so weit, so ungewöhnlich, schön ist nur, dass wir am 30. April landen, weil Amerikanisch-Samoa auf der anderen Seite der Datumsgrenze liegt und damit noch das alte Datum hat ... In Amerikanisch-Samoa haben wir gut acht Stunden Zeit, um uns das Museum in Pago Pago anzugucken und vielleicht mal an diesen Barfußstrand zu fahren, ehe es um 16.10 Uhr zurückgeht und wir - nun wieder am 1. Mai - um 16.40 Uhr in Apia landen.

Natürlich bin ich sehr gespannt auf Amerikanisch-Samoa und auch gespannt auf den Flug im 9-Sitzer zwischen den beiden Samoas, aber das Coolste an der ganzen Aktion ist natürlich das Überqueren der Datumsgrenze. Mir ist durchaus klar, dass nicht auf einmal ein Regenbogen erscheinen wird, wenn wir diese ominöse Grenze überqueren, aber trotzdem - das wird lustig ...

In Samoa - und zum Teil auch in Amerikanisch-Samoa - gab es in den letzten Monaten eine Masernepidemie, sodass wir zum Erhalt der Einreisegenehmigung für Amerikanisch-Samoa nachweisen müssen, dass wir eine Masernimpfung erhalten haben - das werden wir schon schaffen. Aber die ganzen Dokumente (wir brauchen jeweils online zu beantragende Einreisegenehmigungen für Australien, Neuseeland und jetzt eben Amerikanisch-Samoa) beantrage ich erst Ende März oder so, das müsste reichen - und bis dahin werden die Masern in Samoa hoffentlich ausgerottet sein ...

Und unser Mietauto für die Südinsel habe ich auch schon gebucht - wir werden mit einem Toyota Yaris (oder einem ähnlichen Gefährt) über die Südinsel düsen.

Achso, und natürlich wird Amerikanisch-Samoa dann auch der östlichste Punkt meines bisherigen Lebens werden - das Eiland ist so weit östlich, dass es schon wieder auf der Westhalbkugel ist, und man durchaus darüber diskutieren, ob es vielleicht in Wirklichkeit einer der westlichsten Punkte meines Lebens ist ... Allerdings ist der Nullmeridian durch Greenwich (und damit die Definition von West- und Osthalbkugel) willkürlich, wohin die Reiserichtung bisher immer eindeutig war, und soweit in Richtung Osten bin ich halt noch nie unterwegs gewesen.

Aber es hilft alles nix, ich muss mal eine Weltumrundung machen, dann hat in der Hinsicht die liebe Seele Ruh ...

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Nicht mit einem Toyota Yaris, sondern einem Ford Ka werde ich den Süd(ost)en Irlands unsicher machen, und zwar Ende Februar. Weil die Flüge weiter auf die Isle of Man in den letzten Tagen spürbar angezogen hatten, habe ich mich jetzt umentschieden und fliege "nur" nach Irland: Am Freitag, dem 21. Februar, fliege ich früh morgens nach Dublin. Dort komme ich um kurz vor 8 Uhr an und werde mein Mietauto übernehmen (das mich pro Tag weniger als 10 Euro kostet ...). Ich habe mir gerade ein B&B in der Nähe von Rosslare gebucht, das zwar keinen Meerblick hat, aber erstens nicht weit vom Strand entfernt ist und zweitens ein Pub gegenüber hat, sodass ich womöglich ein Feierabend-Guinness trinken kann und nicht mehr fahren muss.

In der Nähe ist der Curracloe Beach, ein kilometerlanger Sandstrand, an dem ich sicher einen Spaziergang machen werde. Zwei Stunden Fahrt sind es zum Rock of Cashel, das sieht auf Fotos auch ganz gut aus, vielleicht werde ich mir das auch mal angucken.

In jedem Fall will ich nach dem Ende der Wintersaison und vor März, wenn es auf der Arbeit noch einmal intensiv wird, den Kopf ein bisschen freikriegen. Vielleicht lasse ich dann während des Strandspaziergangs auch mal das Handy im Auto, damit ich mich nicht wieder selbst ablenke ... Und es gibt nix Besseres zum Kopffreikriegen, als wenn man von der steifen nordatlantischen Brise ein bisschen durchgepustet wird ... Das wird toll.

Aber erstmal bin ich am Wochenende in Stuttgart, danach in Istanbul, danach im Schwarzwald, danach in Barcelona und dann geht es schon nach Dublin ... Wird schön ...

Montag, 20. Januar 2020

Canaletto am Vesuvio

Oh Mann, heute haben wir uns geografisch und kulturell mal wieder selbst übertroffen ...

Irgendwie haben wir heute ausgeschlafen, denn plötzlich war es 8 Uhr, als ich aufwachte, und meine Ma war auch noch nicht so richtig wach. Wir checkten so gegen halb zehn aus, gaben unser Gepäck in die Aufbewahrung (in Catania traut man sich noch gegenseitig, denn das Gepäck stand einfach neben der Rezeption ... nein, da war nichts in Madrid, neihein ...) und liefen ein bisschen durch die Straßen, nachdem wir beobachtet hatten, wie eine Heiligenstatue auf dem Domplatz ein bisschen "tanzt", zur Musik von "Volare", "O sole mio" und der italienischen Nationalhymne ...

Wir frühstückten je ein Panino und meine Ma einen Kaffee und gingen dann ein paar Schritte weiter ins Castello Ursino. Der Eintritt war niedriger als erwartet, und die Ausstellung war nicht so ganz großartig, auch wenn sie ein paar Steintafeln und ein paar hübsche Bilder haben ...

Es gab auch eine Caravaggio-Sonderausstellung, und wir überzeugten uns gegenseitig, dass das der Typ aus Dresden sei. Als wir durch die Sonderausstellung schlenderten, fehlte irgendwie ein Bericht über Dresden, sodass ich doch mal googelte und feststellte, dass wir alle beide Caravaggio und Canaletto verwechselt hatten. Auweia ...

Das sollte aber nicht der einzige Fauxpas bleiben, denn als wir da im Castello auf dem Aussichtspunkt auf den Vulkan standen (endlich sahen wir den mal in voller Pracht ...), hauchte eine Person aus unserer Reisegruppe ganz ergriffen: "Hach, Vesuvio ..." Öhm, ich sag mal so: Nö.

So gut war die Sicht nämlich nicht, dass wir auf den Vesuv hätten gucken können, das Teil vor uns war trotz allem noch der Ätna ...

Wir bewunderten den italienischen Volkshochschulkurs dafür, wie konsequent sie es schafften, im Weg herumzustehen, verließen dann aber das Castello und spazierten wieder einmal - etwas ziellos - durch die Straßen Catanias. Wir bogen mal nach links ab, kamen an der Chiesa di San Benedetto vorbei (leider heute zu) und landeten in einer Pizzeria, die fast leer war.

Leer blieb sie nicht lange, denn wir waren wie immer ein bisschen zu früh gewesen, und die Pizzeria füllte sich. Das Problem war, dass wir bestellten und erst dann sahen, wie riesig die Pizze dort sind - ich bin so froh, dass wir nicht noch Bruschetta als Vorspeise bestellt hatten (denn wenn, dann wäre das die große Portion geworden) - ich hatte mit einer 28- oder 30-Zentimeter-Pizza gerechnet, aber das, das waren sicherlich 35 Zentimeter oder noch mehr - unglaublich!

Meine Ma hatte Sardellen mit Honig auf ihrer Pizza (und war von dieser Kombination nicht vollends begeistert), während ich nochmal Gaul genoss, diesmal eben auf Pizza - das war lecker, aber es war einfach ein bisschen viel ...

Der Grappa zum Verdauen half nicht wirklich, das Eis schon eher, und auf einmal war es schon kurz vor drei, sodass wir zum Hotel zurückgingen, das Zeug holten, die paar Schritte zum Busbahnhof gingen, mit dem Bus zum Flughafen fuhren und natürlich viiiiiiiel zu früh da waren.

Wir fläzten uns in die Lounge, der Rückflug war zu allem Überfluss noch verspätet, die Stewardess ging mir auf den Senkel, der Flughafenbusfahrer in Frankfurt auch, aber am Ende waren wir glücklich, müde, überfressen und zufrieden in der S-Bahn und im Bus in Richtung meiner Wohnung ...

Es war so, so schön auf Sizilien, wir haben ein für unsere Verhältnisse ganz gemütliches Wochenende verbracht, wir haben ein bisschen was gesehen, viel zu viel gegessen, schön war's ...

Jetzt wird noch Football geguckt ...

Volare, oho, cantare, ohohoho

Castello Ursino

Monster-Pizze

Ätna ...

Samstag, 18. Januar 2020

Spaghetti nero, Austern, Cannoli, Gaul, Gelato

... und das war erst das Frühstück, höhö ...

Nein, nein, das war heute sicherlich ein Sizilianische-Spezialitäten-Tag, und dementsprechend war es ein schöner Tag ...

Wir standen einigermaßen früh auf, ließen uns ein bisschen Zeit und stolperten dann aus unserer Wohnungstür die paar Meter in den Dom. Der für katholische Verhältnisse relativ schlichte Dom gefiel uns sehr, zumal er relativ leer war - doch, kann man sich mal angucken. Danach liefen wir in Richtung Meer, verliefen uns ein bisschen (wir waren auf einer Straße gelandet, die wahrscheinlich nicht ans Meer führte), liefen zurück und kauften uns eine Tages-Busfahrkarte für wucherhafte 2,50 Euro pro Person.

Mit dem Teil fuhren wir - am Bahnhof vorbei - wieder zurück in die Innenstadt und stiegen auf der Via Etnea aus, weil wir uns dann doch unsicher waren, ob wir wirklich mit dem Bähnchen an den Fuße des Ätna fahren wollten.

Die Zugfahrpläne waren irgendwie ein bisschen verhäfelt, weil wir noch fast drei Stunden hätten überbrücken müssen, also ließen wir vom ursprünglichen Plan ab und fuhren an eine kleine Marina am Mittelmeer. Dort fielen wir - es war inzwischen 11 Uhr geworden - in eine kleine Fischhandlung-mit-Restaurant ein, einer der Leute dort sprach Englisch, und es gab Tintenfischsalat für meine Ma und Spaghetti nero (also mit schwarzer Soße von der Tinte des Tintenfisches) für mich. Beides war sehr lecker, und zum Abschluss gab es noch drei Äusterchen, die ebenfalls sehr gut waren. Dass dazu Wein getrunken wurde, versteht sich zwar nicht ganz von selbst, aber irgendwie hatten die nur Flaschenbier ...

Wir verließen - durch eine ziemlich enge Hintertür - das Lokal, liefen ein bisschen am Mittelmeer entlang, warteten ziemlich lange auf den Bus, stiegen dann in den ein, der eigentlich vor einer halben Stunde hätte kommen sollen, waren fast alleine da drin und mussten an der Endhaltestelle dieses Busses noch ein bisschen warten, bis die Busfahrer ausgekäst hatten, wer von ihnen als nächstes die Linie 2-5 bedienen sollte, die uns zurück in die Innenstadt bringen würde.

Schließlich stiegen wir an der von der Partnerin des Taxifahrers empfohlenen Pasticceria aus und eroberten uns einen Tisch. Meine Ma bestellte einen sehr süßen Kuchen (der Name ist uns beiden entfallen), während ich Cannoli bestellte, einmal mit Ricotta- und einmal mit Schokoladenfüllung. Das war dann ein gerollter Keksteig mit entsprechender Füllung, mit Schokolade gut, mit Ricotta sehr gut, und dazu gab es Kaffee mit Amaretto für mich, so lasse ich mir Kaffee gefallen.

Wir hatten den Ätna aus dem Bus heraus gesehen, aber kein gutes Foto machen können, also stiefelte ich den gegenüberliegenden Park hoch, nur um dort oben festzustellen, dass es da ebenfalls keinen Blick auf den Ätna gab ... Naja, müssen die Blogleser halt bis morgen warten oder notfalls auf Bilder in diesem komischen Internetz (oder wie das Ding heißt) zurückgreifen ...

Zu Fuß ging es zurück durch diese Hauptstraße der Fußgängerzone, die mancher Reiseführer mit der Rambla in Barcelona vergleicht (da ist jedenfalls sehr viel los ...), und am alten römischen Ampitheater vorbei zum Hotel. Nach kurzer Siesta verließen wir zur Stillung eines kleinen Hüngerchen und eines etwas größeren Dürstchens das Zimmer, genossen wieder einmal den Blick auf den Dom und landeten nach einem kurzen Spaziergang in einer Kneipenstraße, in der die Gastronomie gerade im Öffnen begriffen war.

Wir kamen in einem hübschen, modern-gemütlichen Restaurant zum Sitzen, bestellten Bier (was in Italien traditionell recht teuer ist), eine sizilianische Vorspeisenplatte (Polenta, große Kroketten und mit Sardellen gefüllte "Knödel") sowie Pferd, was schließlich mit zweierlei Käse überbacken auf den Tisch kam. Das war sehr, sehr lecker, muss ich sagen ...

Auf dem Heimweg war die Kneipenstraße deutlich voller, die Via Etnea ebenfalls deutlich voller, ein Eis musste noch dran glauben, aber jetzt sind wir relativ früh im Zimmer und werden bald schlafen, denke ich ...

Heute also ein sehr kulinarischer Tag, darauf hatte ich mich ja durchaus auch gefreut, morgen wird noch ein bisschen Sightseeing betrieben, jedenfalls gefällt es uns hier sehr gut ...

Überreste des römischen Amphitheaters

Elefantenbrunnen (Wahrzeichen der Stadt)

Dom zu blauer Stunde

Lecker Gaul (schreibe ich jedes Mal, glaube ich)

Freitag, 17. Januar 2020

Eine schlechte Absprache

... gab es zwischen meiner Mutter und mir, denn wir hatten vereinbart, dass ich nach der Ankunft ihr Handgepäck mit aus dem Flieger nehme. Nun wartete ich (sie saß vorne, ich hinten) extra darauf, dass die ganzen Leute aus dem hinteren Flugzeugteil auch hinten ausstiegen, damit ich nach vorne konnte. Nur war da nichts mehr an der Stelle, wo ich das Gepäck reingepackt hatte. Ich stieg also aus, sah meine Mutter nicht, wir fuhren mit getrennten Bussen zum Terminal, und als wir uns wieder sahen, hatte meine Mutter ihr Gepäck nicht und ich ebensowenig.

Der Busfahrer verwies uns an Lost & Found, der Typ dort sprach mit uns Englisch und als er merkte, dass wir Deutsche sind, sprach er mit uns Deutsch (er sprach besser Deutsch als die meisten Deutschen), er telefonierte einmal kurz, dann bat er uns zu folgen, denn ein Flughafenmitarbeiter brachte das vermisste Gepäckstück förmlich Sekunden später an den Eingang. Das Trinkgeld wurde abgelehnt, insgesamt haben wir da richtig Glück gehabt, das hätte richtig Scherereien geben können ... Und so'n Mist machen wir nicht nochmal (die hatten das Handgepäck meiner Ma vom linken ins rechte Gepäckfach umgeladen, aber dort war es wahrscheinlich nach hinten gerutscht, dass es mir nicht ins Auge fiel ... Nun denn ...)

Der Arbeitstag war kurz, aber heftig, und um 12.43 Uhr trafen meine Mutter und ich uns am Hauptbahnhof in Wiesbaden. Der Zug fuhr um 12.48 Uhr und wie immer hatte ich völlig unnötig Stress gemacht, weil wir um 13.30 Uhr am Flughafen waren. Wir aßen im Terminal 2 noch ein Schnitzel im Sonderangebot für 9,99 Euro (überraschend lecker), gingen dann durch die gähnend leere Sicherheitskontrolle (so leer, dass die Kontrolleure Arbeitsbeschaffung machten und die Leute kontrollierten, obwohl das System ihnen Unbedenklichkeit bescheinigte). Auch das Gate war nicht nach einem langen Fußmarsch zu erreichen, sondern war am Finger wenige Meter nach der Sicherheitskontrolle, und nach dem Pre-Boarding bekamen wir einen Platz, warteten noch ewig in der Schlange und kamen um kurz nach 15.30 Uhr vom Gate weg.

Der Flug war in Ordnung, in Catania windete es ein bisschen, denn die Landung war etwas wackelig (ein paar Italiener klatschten ...). Nachdem wir unser Gepäck hatten, sputeten wir uns, denn der Taxifahrer vom Hotel stand im Halteverbot und das Hotel fragte (sehr freundlich!) nach, wo wir denn blieben ...

Der Fahrer sprach kein Englisch, seine Frau dafür ein bisschen, wir unterhielten uns etwas, beide lachten, als ich auf die Frage, ob ich ein bisschen Italienisch spräche, "spegnere il motore in caso di sosta" von mir gab ("bei Stau den Motor ausschalten"), und nach einer mittleren Stadtrundfahrt kamen wir in unserem Hotel an.

Die Unterkunft hat, wenn ich das richtig sehe, drei Zimmer, alle mit Ausblick auf den Dom - es ist fantastisch, zumal das Zimmer selbst überraschend modern ist (es ist in einem alten sanierten Gebäude) und vor allem nur 53 Euro pro Nacht kostet ...

Wir genossen den Ausblick auf den Dom nur kurz, machten einen kurzen Stadtspaziergang durch die - soweit wir das im Dunkeln beurteilen konnten - wunderschöne Altstadt und ließen uns schlussendlich in der von der Empfangsdame empfohlenen Kneipe nieder.

Wir tranken Wasser und Wein, aßen Baby Squid, Sashimi vom Schwert- und Tintenfisch sowie vom Lachs, dazu bisschen Shrimps und schließlich Sardinen und Sprotten. Das Essen war hervorragend und preislich in Ordnung, danach gab es zwei tolle Kuchen, Limoncello und Espressi (ja, auch einen für mich). Wir wackelten heim, nachdem wir uns fast beschwert hätten, dass sie uns vier statt drei Essen abgezogen haben, aber der vierte Eintrag auf der Rechnung war der Wein gewesen - das wäre peinlich geworden ... Wir waren überraschend vernünftig, nahmen keinen Absacker mehr und sind jetzt also im Zimmer.

Der erste Eindruck, die ersten zwanzig Minuten von Catania waren super, wir sind sehr, sehr, sehr gespannt auf die Stadt morgen und übermorgen. Wir entscheiden spontan, was wir machen, aber nach aktuellem Stand fahren wir Bähnchen rund um den Ätna.

Ich werde berichten ...

Ausblick auf den Domplatz von unserem Balkon

Donnerstag, 9. Januar 2020

Bis nachts um halb vier

... habe ich letztes Wochenende noch Hotels gebucht, und jetzt steht die Reiseroute fest. Naja, jedenfalls steht sie in Neuseeland einigermaßen fest: Nach der Ankunft am Sonntagabend, dem 19. April, fahren wir nicht weit in ein Motel am Stadtrand von Christchurch.

Am Montag geht es weiter nach Aoraki, ins Mount Cook Village, wo wir eine Nacht in der Nähe des Mount Cook verbringen. Am Dienstag geht es auf eine längere Strecke in Richtung Fiordland-Nationalpark. Dabei kommen wir an der "Adrenalin-Metropole" Neuseelands, an Queenstown, vorbei. In Te Anau verbringen wir zwei Nächte, um am Mittwoch einen Ausflug an den Milford Sound zu machen. Von Te Anau geht es am Donnerstag nach Bluff im äußersten Süden der Südinsel. Dort haben wir ein Häuschen mit Blick aufs Meer, und dort werde ich den bisher südlichsten Punkt meines Lebens erreichen, bei 46° 37' südlicher Breite. Am Freitag dann geht es - vielleicht mit einem kurzen Stopp in Dunedin - nach Oamaru. Das soll ein Städtchen mit schöner viktorianischer Architektur, aber auch mit vielen Pinguinen sein. Und am Samstag schließen landen wir in Christchurch, wo ich in Innenstadtnähe ein hübsches Hotelele gebucht habe.

Am Sonntag schließlich geht es morgens mit dem Flieger nach Auckland, dort habe ich für zwei Nächte ein Apartment gemietet. Der Plan ist, dass wir am Montag noch einen Ausflug nach Rotorua machen.

Am Dienstag geht es nach Fidschi, dort wohnen wir im Doubletree, und am Mittwoch geht es nach Samoa, wo wir im Return to Paradise Resort residieren werden.

Ich habe in den letzten Tagen nochmal Blut geleckt, dass man doch den kleinen Hüpfer rüber nach Amerikanisch-Samoa und - noch wichtiger - über die Datumsgrenze machen könnte. Am 30. April in Samoa abfliegen und am 29. April in Amerikanisch-Samoa landen, das fände ich ja schon ganz schön cool ...

Es gäbe wohl einen Flieger morgens um sieben oder halb acht hin und am späten Nachmittag zurück, da könnte man sich ein bisschen in Pago Pago umgucken und in der angeblich legendären Barfuß-Bar im Osten der Insel ein Bierchen trinken, ehe man abends wieder zurückfliegt und nach einer halben Stunde Flug einen Tag später wieder in Samoa landet.

Das habe ich mir schon so schön ausgemalt, dass es mich wundern würde, wenn ich den Flug mit einer 20-sitzigen Twin Otter am Ende doch nicht machen würde ... Mal sehen, ob ich meine Reisebegleitung dafür begeistert kann oder ob sie lieber einen Strandtag in Samoa einlegen möchte.

Das wäre dann auch das erste Mal, dass ich amerikanisches Territorium während der Amtszeit eines republikanischen Präsidenten betrete - einmal ist immer das erste Mal.

Freitag, 3. Januar 2020

Jacinda Ardern

... heißt die Premierministerin von Neuseeland, und ihr Land werden die Tochter meiner Ersatzoma und ich Ende April besuchen.

Ich war ja die letzten Wochen um die Flüge herumgeschlichen, die auch nicht wirklich günstiger wurden, und heute Nachmittag buchte ich dann endlich. Die Flüge sind ein bisschen teurer, aber dafür fliegen wir nicht mit chinesischen Maschinen (die im Allgemeinen ein bisschen älter sind), sondern mti Etihad und Virgin, und in Neuseeland mit Air New Zealand ... Juchhe ...

Also, am Freitag, dem 17. April, fliegen wir um 11.20 Uhr von Frankfurt nach Abu Dhabi, wo wir um 19.40 Uhr Ortszeit (17.40 Uhr deutscher Zeit) ankommen. Wir werden uns da ein hübsches Hotelele in Abu Dhabi buchen, denn weiter geht es erst am nächsten Morgen um 10.00 Uhr (8.00 Uhr deutscher Zeit) in Richtung Melbourne. Der Flug dauert mehr als 13 Stunden, und wir landen um 5.15 Uhr am Sonntag Morgen (21.15 Uhr deutscher Zeit am Samstag Abend).

In Melbourne haben wir fast den ganzen Tag zur freien Verfügung, ehe es am Sonntag Abend um 18.30 Uhr (10.30 Uhr deutscher Zeit) nach Christchurch in Neuseeland geht. Dort landen wir um 23.50 Uhr (13.50 Uhr deutscher Zeit).

Wir bleiben, das habe ich - mit Einverständnis meiner Reisebegleitung - jetzt so entschieden, von Sonntag bis Sonntag auf der Südinsel. Es gibt auf der Südinsel, die größer, aber weniger besiedelt als die Nordinsel ist, sehr viele Fjorde und Gletscher und Berge und andere landschaftliche Schönheiten zu sehen, sodass wir da - jetzt also an sechs vollen Tagen - in der Gegend herumfahren, in Richtung Fiordland-Nationalpark, Milford Sound, Mount Cook - vielleicht nehmen wir den südlichsten Punkt der Südinsel (Slope Point) mit, denn das wäre mit 46° 40' S der mit großem Abstand südlichste Punkt meines Lebens, aber so oder so wird die Reise auf die Südinsel auf alle Fälle meinen südlichsten Punkt beinhalten. Ich werde am Wochenende sicherlich in die genauere Planung einsteigen, wo wir wann übernachten könnten - eventuell entscheiden wir aber auch erst spontan, mal gucken ...

Am Sonntag, dem 26. April, geht es um 9 Uhr (23 Uhr am Samstag Abend in Deutschland) mit Air New Zealand von Christchurch nach Auckland. Dort kommen wir um 10.20 Uhr (0.20 Uhr in Deutschland) an und haben also noch fast den ganzen Sonntag in Auckland.

Am Montag könnte man nach Rotorua fahren, das soll eine Hochburg der Māori-Kultur sein und zudem heiße Quelle haben, sodass man da vielleicht auch einen schönen Tag verbringen kann, ehe es abends wieder nach Auckland geht. Auf der Nordinsel haben wir jetzt also nur zwei Nächte, das ist dann halt so, man kann nicht alles haben, und Neuseeland ist zwar weit weg von Europa, aber eben doch nicht aus der Welt ...

Am Dienstag, dem 28. April, geht es um 13.05 Uhr (3.05 Uhr in Deutschland) mit Fiji Airways von Auckland nach Nadi auf den Fidschi-Inseln, wo wir um 16.05 Uhr (6.05 Uhr deutscher Zeit) ankommen. Wir haben 21 Stunden Aufenthalt in Fidschi, bevor es am Mittwoch um 13.10 Uhr (3.10 Uhr in Deutschland) von Nadi nach Faleolo in der Nähe der samoanischen Hauptstadt Apia geht. Dort landen wir um 16.05 Uhr samoanischer Zeit (5.05 Uhr deutscher Zeit).

In Samoa haben wir nun drei Nächte und werden sicher ein wenig am Strand herumliegen, aber auch die eine oder andere landschaftliche Schönheit dieser Südseeinsel begutachten - "Südsee", das klingt doch schonmal gut ...

Am Sonntag, dem 3. Mai, geht es um 6.10 Uhr (19.10 Uhr am Samstag Abend deutscher Zeit) von Apia nach Sydney. Dort kommen wir um 9.45 Uhr (1.45 Uhr deutscher Zeit) nach sechseinhalb Stunden Flug an. Wir haben etwas mehr als sechs Stunden Aufenthalt, da könnte man fast überlegen, ob man nochmal kurz zur Hafenbrücke oder zur Oper fährt ...

Jedenfalls geht es um 15.55 Uhr (7.55 Uhr deutscher Zeit) auf den - glaube ich - längsten Flug meines bisherigen Lebens, denn erst vierzehneinhalb Stunden später, um 0.30 Uhr am Montag nach Zeit der Emirate (22.30 Uhr Sonntag Abend deutscher Zeit), landen wir in Abu Dhabi. Dort sollten wir schnell zum Gate gehen, denn um 2.05 Uhr (0.05 Uhr deutscher Zeit) geht es dann schon wieder nach Frankfurt weiter, wo wir am Montag, dem 4. Mai, um 6.45 Uhr wieder ankommen ...

Das wird soooo spannend, ich bin so gespannt auf die Südinsel. Ja, Ende April ist es dort wahrscheinlich schon empfindlich kühl, denn es geht auf den südlichen Winter zu, aber ich hoffe, dass wir noch den einen oder anderen schönen Tag haben, zumal die südlichen Alpen angeblich den meisten Regen schon auf ihrer Westseite abregnen lassen.

Auckland und die Nordinsel werden wir nicht so richtig intensiv angucken können, aber dafür haben wir mit dem einen Tag auf Fidschi und den drei Tagen in Samoa auch nochmal ganz andere landschaftliche (und kulturelle) Umgebungen, das wird ganz bestimmt auch noch einmal hochinteressant.

Wenn nichts dazwischenkommt, wird Neuseeland das 144., Fidschi das 145. und Samoa das 146. Land, sodass Myanmar Ende Mai dann die Nr. 147 wird ... Wenn alles gutgeht, könnte ich die 150 dieses Jahr noch knacken, mal sehen ...

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Die Saudis haben mir heute eine E-Mail geschickt, dass ich ja neulich wieder ausgereist wäre (datenschutzrechtlich ein bisschen gruselig, aber was soll's), und baten um die Beantwortung von ein paar Fragen.

Unter anderem ging es darum, was die Saudis verbessern könnten, damit mehr Touristen kämen. Joa, das ist eine gute Frage, denn außer einem verbesserten öffentlichen Nahverkehr in den größeren Städten (aber da sind sie mit dem Metro-Bau in Riad ja auch schon dran) und diesem nicht so klugen Zwang zum zusätzlichen Abschluss einer Krankenversicherung (die meisten Bekloppten, die nach Saudi-Arabien fahren, werden eine Auslandskrankenversicherung haben ...) fällt mir wenig ein, was die Saudis wirklich verbessern können - Alkohol werden sie so bald nicht zulassen, und den Straßenverkehr werden sie auf die Schnelle auch nicht auf europäische Verhältnisse umgemodelt kriegen ...

Ich bin immer noch ein wenig perplex von der vollverschleierten Ausreisegrenzerin in Riad, die mich ganz jovial (in sehr gutem Englisch) fragte, wie es mir gehe, und mir ein gutes neues Jahr wünschte ... Das ist ein ganz gutes Beispiel für dieses unglaublich faszinierende Land, das so archaisch anmutende Vorschriften insbesondere für Frauen hat, aber trotzdem seine Bevölkerung (einschließlich des weiblichen Teils) möglichst gut ausbilden will, dieses Land, in dem du in jedem Hotel und in jeder Mall ziemlich problemlos Internetzugang hast, das aber - als so ziemlich einziges Land der Welt - im Alltag noch den islamischen Kalender benutzt.

Also, Saudi-Arabien ist - jetzt, wo sie sehr professionell Touristenvisa eingeführt haben - eigentlich ein ziemlich einfaches Reiseziel geworden: Inlandsflüge und Hotels sind problemlos zu buchen, auch ein Mietauto kriegt man ohne größere Probleme (selbst wenn das in Riad noch ein bisschen lang dauerte, bis der Typ fertig war ...), die Fahrerei ist halt arabisch und nicht europäisch, aber das kriegt man auch hin, und Parkplätze muss man jedenfalls nicht ewig suchen ... Infrastrukturell ist Saudi-Arabien einfacher zu bereisen als so manches Land, das schon länger als Touristenziel gilt. Klar, eine Party-Location wird das Land sicherlich nicht werden, nicht zuletzt, weil Alkohol und das Abspielen von Musik (offiziell) verboten ist, aber ein spannendes Reiseziel ist Saudi-Arabien allemal ... Hinfahren lohnt sich!

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Jetzt gucke ich noch ein bisschen nach Hotels und Autos und so für Neuseeland ...

Mittwoch, 1. Januar 2020

Crash auf den letzten Metern

Nein, nein, keine Sorge, ich habe keinen Unfall mit meinem Mietauto gebaut, aber ich war schon heilfroh, als ich den Wagen wieder am Flughafen in Dschidda abgegeben hatte ... Vielmehr war ich schon im Flughafengebäude und schob meinen Koffer neben mir her, als es auf einmal krachte: Da war ein kleiner Junge mit vollem Karacho gegen meinen Koffer gerannt. Der Arme hat sich richtig ausgeknockt dabei und musste von seinem Bruder vom Boden aufgehoben werden, dem war so richtig drümelig ... und ich musste mir das schallende Lachen verkneifen, wäre wahrscheinlich nicht so gut gekommen ...

Mein Rechner hat gestern Abend mal wieder gesponnen, deswegen kommt heute die doppelte Ladung mit dem Bericht für Silvester und Neujahr, sorry fürs Auf-die-Folter-Spannen ...

Ich war dann gestern, an Silvester, tatsächlich einigermaßen früh wach und entschied mich, tatsächlich die Ausfahrt nach Ta'if zu machen. Ich checkte aus ("Happy New Year") und fuhr in Richtung Mekka. Da gerade keine Hajj, also Mekka-Wallfahrt, ist, war die mindestens sechsspurige Autobahn ziemlich leer, und völlig leer war der Christian bypass - da war, jedenfalls auf dem einen Stück - kein einziges anderes Auto ...

Der Umweg, den man da in Richtung Ta'if macht, ist gar nicht so klein, zumal man dann unterwegs wieder nach links in Richtung Mekka-Ost geführt wird. Sei es, wie es sei, ich fuhr kurz vor Mekka-Ost und dem Berg Arafat dann final in Richtung Ta'if ab und nach einem Polizei-Checkpoint wird die Straße dann fast schlagartig sehr steil.

Da hochzufahren, auf der vierspurigen Serpentinenstraße, das ist schon lustig, aber leider habe ich von der Strecke keine Fotos machen können, weil es wenig Parkplätze gibt und ich die, die es gab, immer erst zu spät gesehen habe.

In Alhada, oben auf dem Berg, ist dann auf einmal alles grün, das ist richtig schön da oben. Nach Ta'if fährt man aber noch ein kleines Stückchen, und in der Stadt wechselt die Beschilderung dann aber plötzlich von Arabisch/Englisch auf nur noch Arabisch. Na super ... Ich fuhr einfach frei Schnauze und stellte mich dann ein bisschen außerhalb des Stadtzentrums an den Straßenrand. (Ich hatte unterwegs voll getankt und dafür 13 Euro gezahlt ...)

Ich hatte das Frühstück ausfallen lassen und hatte jetzt ein Hüngerchen. Ich steuerte einen Schawarma-Mann (oder das, was ich dafür hielt), aber Schwarma hatte der nicht und sprach auch nicht wirklich gut Englisch. Irgendwie kamen wir aber doch zueinander, und ich hatte eine Kleinigkeit gegessen.

Ich lief in etwas, was ich als Souk/Innenstadt/was auch immer identifiziert hatte, und ich war gerade angekommen, als der Muezzin zur Tat schritt. Es war sehr spannend zu sehen, wie schnell alle Geschäfte zumachten und dann plötzlich in diesem zuvor so geschäftigen Viertel ziemliche Ruhe einkehrte.

So richtig touristisch interessant erschien mir das, was ich da sah, allerdings nicht, sodass ich - mit Umwegen, weil ich für Ta'if Google Maps nicht heruntergeladen hatte und weil die Beschilderungen ja nur auf Arabisch waren - auf die andere Strecke in Richtung Dschidda fuhr.

Und diese Entscheidung war absolut richtig, denn auch da ging es durch eine sehr hübsche Berglandschaft, und diese hatte ich - anders als die Hauptstrecke, auf der ich hochgefahren war - fast für mich allein. Diese Straße hatte nur eine Spur in jede Richtung, aber das passte dort auch natürlich auch. Hier konnte ich dann auch auf dem Standstreifen anhalten und Fotos machen, und das machte ich diverse Male ...

Unterwegs wurde ich - möglicherweise - geblitzt, auch wenn ich mir keiner Schuld bewusst bin, denn ich fuhr 80 auf der Landstraße, und da ist normalerweise 90, mal gucken, ob da noch was nachkommt ...

Vor Mekka musste ich wieder auf die Non-Muslims-Strecke und entschied mich (ich hatte meine 400 Freikilometer jetzt eh aufgebraucht, da kam es jetzt auf 50 Kilometer mehr auch nicht mehr drauf an ...), noch ans Meer zu fahren. Ich rollte mit vielen Lkws und einigen wenigen Pkws bei 110 auf der Autobahn mit, fuhr über das Autobahnkreuz in Richtung mehr und auf einmal waren Temposchwellen auf der Straße. Ich war nicht sicher, ob die mich veräppeln wollten, denn urplötzlich war die sechsspurige Autobahn zu Ende und ging ... in Strand über ... (Vorher wollten mich ein paar definitiv veräppeln, denn die kamen mir auf dem Strandstreifen meiner Fahrbahn entgegen, auf der Autobahn!!! Und einer fuhr, aus der Pampa kommend, quer über die Autobahn, offroad über den Standstreifen und dann auf die Gegenfahrbahn ...)

Ich wollte meinem Autochen jetzt nicht mehr zumuten, womöglich im Sand stecken zu bleiben und drehte um, entschied mich dagegen, in Richtung Jemen zu fahren, sondern fuhr nach Norden nach Dschidda. Dort stand ich eine Weile im Stau, bevor ich wieder an der Strandpromenade mit Blick auf doe - wieder nicht anspringende - Fontäne stand. Dort kam ich mit einem niederländischen Paar ins Gespräch, die für eine Rallye hier sind, und ging danach noch einmal in mein Fischrestaurant essen.

Auch gestern war es wieder sehr lecker, auch wenn ich mir beim Fisch eine Gräte an eine ganz vertrackte Stelle im Rachen bugsierte, an der ich noch bis heute Morgen laborierte - unangenehm sowas ...

Ich fuhr zum Flughafen, stellte das Auto dort ab, wo ich es abgeholt hatte, das war nicht richtig, sodass ich in dem Mietwagenbereich mal Geisterfahrer spielte und das Auto zur wahrscheinlich richtigen Stelle brachte. Der Handlanger da wollte mir begreiflich machen, dass ich das Gepäck im Auto lassen kann, ich verstand ihn nicht, ging mit Gepäck ins Büro rein, bevor der Typ dort mir sagte, dass der erste Typ mich mit meinem Auto zum Terminal bringt. Nun denn ... In den fünf Minuten Fahrt von der Autovermietung zum Terminal zeigte mir der Fahrer, wie man in Saudi-Arabien richtig Auto fährt, denn der zog dann einfach mal von der innersten Spur im Kreisverkehr auf die Ausfahrt ... Lustig.

Der Check-in bei flyadeal war auch hier wieder völlig problemlos, der Inlandsteil des Flughafens in Dschidda ist nicht so schlimm wie der internationale Teil, nur mein Flieger ging verspätet, sodass ich um Mitternacht noch in Dschidda auf dem Boden anstatt schon - wie geplant - in der Luft war ... Menno ...

Ich landete in Riad um wenige Minuten vor 2 Uhr (also Mitternacht deutscher Zeit), das Gepäck kam, der Shuttlebus fuhr problemlos auch um die Zeit ...

Am internationalen Terminal musste ich noch eineinhalb Stunden überbrücken, was ich durch den "Genuss" eines alkoholfreien Apfelbieres von Holsten tat (ziemlich teuer und furchtbar schmeckend), dann konnte ich schon sehr früh einchecken und noch zwei Stunden in die Lounge, auch wenn ich kein Schlaf-/Duschkabinchen bekam ...

Ich spielte ein bisschen, wechselte noch Hemd und Unterhemd und boardete meinen Flieger, dessen Crew vorher bei mir in der Lounge gesessen hatte. Mein Nebenmann, ein Teenager, war furchtbar hyperaktiv, aber der Flug nach Amman dauerte ja nur zwei Stunden, dann war ich ihn wieder los ...

Das Umsteigen in Amman wäre zeitlich ein bisschen eng, aber ansonsten einfach gewesen, wenn ich nicht noch irgendeine Prüfung am Transferschalter hätte über mich ergehen lassen müsssen - das Ganze ist komplett sinnlos, weil es nur für die USA und für Deutschland gemacht wird, aber nicht für andere Schengen-Staaten ... Wenigstens konnte ich mich nach dem Bullshit (das brummelte ich mehr oder weniger halblaut vor mich hin ...) dann gleich - vom Anweiser sanktioniert - in der Schlange vordrängeln.

Natürlich war ich immer noch zu früh am Gate, saß im Flieger mit einem anderen nicht ganz schlanken Araber in Business-Class-Besetzung und guckte meine Serien. Ich werde nie verstehen, wieso Menschen nach der Landung sofort und ganz dringend in den Gang drängen müssen, als ob es auf die Minute ankommt, die man später draußen wäre, wenn man erstmal sitzen bleibt ...

Am Gate stand noch Bundespolizei, die eigentliche Einreise ging fix, mein Gepäckstück kam als erstes (das war beim Umsteigen wohl ein bissel knapp gewesen ...), meine S-Bahn fuhr, mein Bus fuhr, um 15 Uhr war ich in meiner Bude.

Ich war eindeutig übermüdet, denn ich hatte meinen Koffer in der S-Bahn vergessen, sodass ich noch schnell zurückrannte und ihn aus der S-Bahn rettete, die zum Glück noch nicht wieder weggefahren war. Eieiei ...

Ein Fazit zu Saudi-Arabien und zum Jahr 2019 schreibe ich vielleicht am Wochenende, aber es zeichnet sich schon ab, dass 2020 auch wieder ein schönes Reisejahr wird ... Gutes Neues!

Christian bypass

In den Bergen von Ta'if in Richtung Mekka

In den Bergen von Ta'if in Richtung Mekka

In den Bergen von Ta'if in Richtung Mekka

In den Bergen von Ta'if in Richtung Mekka

Sonnenuntergang in Dschidda

Montag, 30. Dezember 2019

Was Hänschen schon lernt

..., macht Hans nur noch schlimmer - die Rede ist natürlich vom Autofahren in Saudi-Arabien, und auch wenn "Hans" kein gängiger arabischer Vorname ist, wird der werte Leser hoffentlich gleich verstehen, was ich sagen will: Wenn schon die kleinen Jungs hier an der Strandpromenade von ihren Eltern Elektrofahrzeuge ausgeliehen bekommen (in kindgerechter Größe), mit denen sie in einem Affenzahn (d.h. mit dem Tempo eines schnellen Fahrrades) durch die Menschenmenge brausen (ich habe keinen Unfall gesehen, aber der eine Junge hätte zweimal fast einen kleineren Jungen über den Haufen gefahren, der ihm im Weg war, und ein anderer Junge bremste mit beiden Schuhen, weil er sonst in zwei Frauen geknallt wäre), dann muss man sich nicht wundern, wenn die Erwachsenen mit einem Affenzahn und im Stau ohne Sinn und Verstand hupend durch die Gegend fahren. Alles in allem fand ich die Jungs an der Corniche gefährlicher als die Männer im Straßenverkehr (ich habe trotz Aufhebung des Verbots noch keine Frau fahren sehen), aber ein bisschen abenteuerlich ist es schon, zum Beispiel, weil niemand so genau weiß, wer im Kreisverkehr Vorfahrt hat ...

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich träume - das ist mir auch noch nicht oft passiert ... Ich war zwar um halb zehn mal wach, bin dann aber offenbar doch noch einmal eingeschlafen, bis ich um 12.30 Uhr dann wirklich wach wurde. War wohl nötig ...

Ich duschte, sattelte das Auto und fuhr erstmal tanken, denn mein Tank war fast leer (ich hatte das Auto allerdings auch nur mit einem Viertel des Tankinhalts übernommen). Ich drückte dem Tankwart 20 Rial (fünf Euro) in die Hand und bekam 13 Liter ins Auto, das sind dann ungefähr 38 Cent pro Liter - kann man machen ...

Danach wollte ich mir die König-Fahd-Fontäne anschauen, die ich letztes Jahr im September, als ich in Dschidda umstieg, aus dem Flieger gesehen hatte. Ich war an der richtigen Stelle, aber die Fontäne war aus - naja, ich wollte am Abend wiederkommen.

Ich fuhr entlang der Corniche bis in die Innenstadt, weil ich im oder am Corniche Commercial Centre mein Auto abstellen und in die Altstadt wollte. Ich werde hier manchmal angehupt, weil ich nicht (immer) wie ein Saudi fahre, insbesondere auch manchmal bremse, aber nach einmaligem Anhupen hatte ich einen Parkplatz gefunden. In der Innenstadt kosten die Parkplätze Geld, und an den Automaten kann man nur mit Münzen bezahlen, sodass ein herumstehender Typ mit meinen 10 Rial wegging und mir die tauschte - ich wollte ihm einen Rial (25 Cent) Trinkgeld geben, aber die wollte er nicht haben ...

Nun hatte ich also das Auto für eineinhalb Stunden oder so abgestellt und ging ins Commercial Centre, um mal nach einem Hut zu gucken, weil ich den ja - neben meiner Zahnbürste ... - vergessen habe. Einen Hut fand ich in dem - etwas überholungsbedürftigen - Klotz nicht, daher ging ich wieder raus (an den Eingängen sind Personenschleusen, da sitzt auch eine Frau, aber wenn es piept, ist es denen auch egal ...) und wollte einer weiteren saudischen Fastfood-Kette eine Chance geben.

Auf die Idee waren aber auch etliche Saudis gekommen, da war gerammelt voll. In diesem Einkaufszentrum erstand ich dann aber einen Hut, und weil die Saudis kaum Merchandise ihres Landes haben (so viele Touristen, die Souvenirs haben wollen, waren wohl noch nicht hier ...), wurde es halt eine dunkelgrüne Baseballkappe, in der Farbe der saudischen Flagge also, wenigstens etwas ...

Gut behütet ging ich nun in eine andere Fastfoodkette, aß dort - in der Singles' Section, also im Alleinstehenden-Abteil - zwei Hähnchen-Käse-Rollen und machte mich dann auf zu meinem Auto. Unterwegs lieft mir ein Schawarma-Stand über den Weg, und ich verspeiste noch ein - ziemlich scharfes, aber sehr leckeres - Schawarmalein ...

Ich möchte beim Autoparken ungern auf die Uhr gucken, also stellte ich das Auto zehn Minuten vor Ablauf meiner Parkzeit um, und zwar ins Parkhaus des Commercial Centres. Auf die Idee hätte ich vorher kommen können, kam ich auch, aber als mir der Parkplatz ins Gesicht spring, wusste ich ja nicht (sicher), dass es auch ein Parkhaus gibt.

Nun lief ich - das Mittagsgebet fand gerade statt - ein paar Querstraßen nach Osten und befand mich relativ schnell in der Altstadt.

Ohja, da gefiel es mir ... Die Leute kamen gerade aus der Moschee, und die Stimmung, kurz bevor es wuselig wird, aber noch alles zu ist, fand ich ganz beeindruckend. Ganz beeindruckend sind auch die Häuser dort mit ihren prächtigen (wenn auch oft im Verfall begriffenen) Holzbalkonen, die engen Gassen, die vielen Moscheen, das ist richtig, richtig toll dort ...

Ich lief zum Mekka-Tor, fotografierte auch dieses (nach etlichen Fotos in der Altstadt) und lief danach zurück (inzwischen hatten fast alle Geschäfte offen) - sehr schick, und es ist sehr schön, dass dich kein Mensch anquatscht. Das war eine Mischung aus Khartoum/Sudan (in der Ursprünglichkeit der angebotenen Waren), Aleppo/Syrien (vor dem Krieg, in der architektonischen Bedeutung) und Algier (indem man von den Händlern völlig ignoriert wird, wenn man nicht auf sie zugeht ...) - das hat mir sehr gut gefallen ...

Ich lief an unzähligen Parfümgeschäften vorbei, begegnete einem anderen Ausländer binnen einer Stunde dreimal (beim Essen, in der Nähe des Commercial Centres und nun in der Altstadt), beim dritten Mal grinsten wir uns nur an, eine saudische Frau machte von zwei Ausländerinnen ungefragt ein Foto ("guck mal, wie die rumlaufen, in Jeans und so ..."), und wanderte ohne genaues Ziel einfach in der Altstadt herum - hatte ich erwähnt, dass sie mir gefällt? Ja? Okay ...

Am Nordtor kehrte ich dann um, lief zu meinem Auto zurück, bezahlte bei der Ausfahrt, wurschtelte mich zur Strandpromenade durch und kam ein bisschen zu spät zum Sonnenuntergang an die Corniche. Trotzdem konnte ich noch einige Fotos vom Abendorange eintüten, aber die Fontäne war auch heute Abend aus - ich habe keine Nachrichten dazu gefunden, vielleicht war ich einfach nur zu früh dran, als ich - siehe unten - gegen halb neun wegfuhr, vielleicht ist heute was Besonderes, ich weiß es nicht ... Schade, aber da ich sie - wenn auch nur aus dem Flieger - schon gesehen habe, kann ich das gut verschmerzen.

Gut verschmerzen kann ich das aber vor allem auch, weil es hochinteressant war, den Saudis zuzugucken, wie sie ihren Feierabend dort an der Corniche verbringen. Es gibt hier halt keine Picknickdecken, sondern Picknickteppiche, die auf dem Stein ausgerollt werden. Da sitzt man drauf, trinkt Tee oder Kaffee und guckt den Söhnen beim Menschenumkurven zu (die Mädels dürfen allenfalls die anderen Elektrogefährte fahren, die noch von einer Schnecke im Vollsprint überholt würden ...). Selbst ein Blinder mit Krückstück hätte das Paar beim Flirten erwischt, das da nebeneinander beim Kaffee saß und sich unterhielt. Madame zeigte sogar ein deutliches Stück ihres nackten Schienbeins, und die Abaya hatte sich auch geteilt und gab den Anblick der Hose darunter der Öffentlichkeit preis. Sodom und Gomorrha hier, Sodom und Gomorrha!

Ich gab der Fontäne bis 19 Uhr Zeit anzuspringen, sie weigerte sich beharrlich, ich trank unterdessen zwei grässlich süße Beerenmischgetränke, und eigentlich war ich schon auf dem Weg zum Auto und nach Hause, als mir ein Fischrestaurant auffiel. So richtig Hunger hatte ich noch nicht, aber das sah schon toll aus, was die Herren da drinnen aßen, also guckte ich mal rein.

Da gibt es eine Theke mit allerlei Frischfisch (und Meeresfrüchten), aus der du auswählst, und das wird dann zubereitet und dir auf den Tisch gestellt. Ein Ober erbarmte sich meiner, ich wollte Tintenfischtuben und Riesengarnelen probieren, ließ mich zu einer Erhöhung meiner jeweiligen Auswahl überreden und tat gut daran, denn vor allem die (drei) Riesengarnelen waren gar fantastisch ...

Am Ende bezahlte ich mit Mango-Saft und Cola 20 Euro, völlig in Ordnung, vielleicht esse ich da morgen wieder, mal gucken ...

Apropos morgen: So ganz richtig weiß ich noch nicht, was ich mache - ich hatte ja im Auge, nach Taif zu fahren, das ist in den Bergen an Mekka vorbei. Jetzt habe ich bei meinem Mietauto nur 400 Freikilometer, 100 Kilometer mehr kosten mich knapp zehn Euro, also nicht die Welt, ich überlege also, ob ich das mache, zumal ich dann an dem weltberühmten "Christian bypass" in Mekka vorbeikäme: Da Nicht-Muslimen das Betreten der Stadt Mekka verboten ist, müssen Nicht-Muslime (und das sind hier halt meistens Christen) Mekka umfahren, und diese Umfahrung heißt im Expat-Mund halt "Christian bypass", also "Christen-Umleitungsstrecke".

Ich denke, das werde ich morgen spontan entscheiden, aber im Moment tendiere ich das schon dazu, denn die Hauptsehenswürdigkeiten Dschiddas, die Altstadt und die Fontäne, habe ich ja jetzt mehr oder weniger erfolgreich besichtigt.

Achso, Saudi-Arabien ist eines der wenigen Länder der Erde, die in ihren Einreisestempeln nicht auf den gregorianischen Kalender abstellen. Ich bin hier also laut Einreisestempel nicht am 29. Dezember 2019, sondern am 3. Jumada I 1441 (oder 3/5/1441) eingereist. Der islamische Kalender hat als Nullpunkt die Auswanderung Mohammeds (Fsmi, man kennt das inzwischen) von Mekka nach Medina im Jahr 622 christlicher Zeitrechnung, und wenn rechnen kann, dann findet man heraus, dass 622 + 1441 keineswegs 2019, sondern 2063 ergibt. Das liegt daran, dass der islamische Kalender ein Mondkalender ist, und der hat nur - so sagt es die Wikipedia - 354 oder 355 Tage. Wenn man also 622 + 1441 / 365 x 354 rechnet, kommt man auf ungefähr 2019, und somit passt das dann alles ...

Jetzt gehe ich aber ins Bett. Gute Nacht!

Fotos:

Altstadt von Dschidda

Mekka-Tor

Saniertes Haus

Platz in der Altstadt

Altstadt

Altstadt

Sonnenuntergang ohne Fontäne

Teil meines Abendessens

Sonntag, 29. Dezember 2019

No cameras of any kind

..., also keine Kameras jedweder Art, dürfe man auf der Skybridge im Kingdom Centre benutzen, stand unten beim Eingang auf den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Gehalten hat sich da oben natürlich keiner dran, nicht einmal ich, weil es einfach zu verlockend war, aus 300 Metern Höhe den Panoramablick auf die Hauptstadt von Saudi-Arabistan (so sagen es die Türken) abzulichten.

"Jugendtraum" wäre zu viel gesagt, denn als das Kingdom Centre 2002 fertig wurde, war ich schon aus meiner Jugend raus, aber es war ein langgehegter Traum, mal oben im Bügel des "Flaschenöffners" zu stehen, wie ich den Turm des Kingdom Centres aufgrund seiner eindeutigen Form liebevoll nenne, und heute konnte ich ihn mir erfüllen. Ich hatte das Ausmaß des Glücksgefühls, das mich überkam, als ich da oben stand, ehrlich gesagt, nicht erwartet, aber es war wieder einer dieser Momente, in denen das Honigkuchenpferd einen Ententanz vollführt ... So, so schön ...

Nach diesem Stilmittel des "cold open", des direkten Einstiegs in den Tag, kommen wir nun aber zur konventionellen Erzählform, die am Anfang anfängt ...

Aller Anfang war schwer, denn um halb zehn war ich wach. Nach kaum fünf Stunden Schlaf (der gestrige Tag war zu spannend gewesen, als dass ich sofort hätte einschlafen können) brauchte ich noch nicht einmal einen Wecker, sehr schräg das alles, aber natürlich war es da auch schon halb zwölf deutscher Zeit, sodass ich also aufstand.

Das Hotel bekommt einen Punktabzug in der B-Note, weil das Ding, das sich auf "abduschbarer Nehmkopf" reimt, fehlte, aber trotzdem tat die Dusche gut. Ich checkte aus, begab mich in mein Auto, einer der Aufpasser hier verscheuchte ein anderes Auto, das mich zugeparkt hatte, und auf ging es durch den nun stärkeren Verkehr hier in Riad.

Sagen wir so: Die Leute hier in Riad fahren ein bisschen anders als in Deutschland, da wird schon mal rechts und links überholt, und wenn man sich drei Meter vor der Ausfahrt umentscheidet, dann macht man das halt so. Andererseits passen alle auf, kaum jemand besteht hundertprozentig auf seinem Recht, und so kommt es, dass ich heute nur an zwei Unfällen vorbeifuhr (die aber waren im Abstand von 50 Metern ...). Nach aktuellem Stand passt das schon, zumal die verkehrsreichen Straßen groß und breit sind und die kleinen Straßen eben weniger Verkehr haben, außerdem steht man so oft im Stau oder im Stop-and-go, dass man meist gar nicht in Gefahr gerät, zu schnell zu fahren ...

Ich fuhr also in Richtung des Nationalmuseums, also über die Schnellstraße, verfuhr mich (eine Abfahrt zu früh), fand aber dann einen Parkplatz und lief von da durch die Wärme und den Sonnenschein (ich Illigenzbestie hatte mich nicht eingecremt und natürlich meinen Hut vergessen ...) in Richtung Nationalmuseum.

Als ich dort nach einer Viertelstunde Fußmarsch ankam, sah ich, dass ich einfach davor hätte parken können, aber das war mir nicht so ganz klar gewesen, sodass ich nun also weit entfernt stand (wenigstens zahlt man hier nix fürs Parken ...).

Ich zahlte 2,50 Euro Eintritt, musste mein Wasser vor dem Betreten austrinken, weil Essen und Trinken da drin verboten ist, und muss schon sagen, dass Wikivoyage sicher nicht komplett danebenliegt, wenn es das Nationalmuseum als größte Sehenswürdigkeit Riads hervorhebt. Museumspädagogisch wertvoll ist meines Erachtens, dass sie viele Visualisierungen machen, vom Dinosaurierskelett bis zum Nabatäergrab in Madain Saleh, sodass man sich ein bisschen was vorstellen kann, wenn man da durch geht ...

Was das Koran-Zitat in der Nähe des Dinosaurierskeletts und des Film zur Plattentektonik macht, sei mal dahingestellt, und natürlich kommen außer den Muslimen und insbesondere der Familie al-Saud alle anderen irgendwie schlecht weg, aber im Reiseführer stand noch etwas von Chorgesängen, wenn man die Rolltreppe hochfährt zum Beginn der Ausstellung zum Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm), das haben sie jetzt entschärft bzw. entkitschisiert, sehr gut ...

Die Lebensgeschichte von Mohammed (Friede und Segen seien mit ihm!) ist interessant, wenn auch das "Friede sei mit ihm" wirklich jedes Mal hinter Mohammeds (Friede sei mit ihm!) Namen steht, sodass das selbst den Muslimen zu lang wurde und sie das "Peace be upon him" mit "Pbuh" absetzen. Mohammed (Fsmi) also bekommt hier also mit seiner Lebensgeschichte ganz breiten Raum, das ist wenig überraschend, aber durchaus interessant ...

Die Erzählung geht dann von Mohammed über die "rechtgewiesenen" Kalifen, danach zu den Umayyaden, den Abbasiden, den Mamluken, den Osmanen und schließlich, die Briten auslassend, zur Familie al-Saud, die streng und gerecht Frieden auf der Arabischen Halbinsel gebracht haben. Nun denn ...

Das Museum kann man sich wirklich mal angucken, ich blieb mit fast zwei Stunden länger als erwartet, zumal es noch eine Ausstellung moderner Kunst gab, dir mir gar nicht so schlecht gefallen hat ..

Der Murabba-Palast nebenan hatte zu, aber das mit den Öffnungszeiten ist hier sowieso so eine Sache - am besten kommt man, gerade als Westler, am besten einfach hin, denn theoretisch war heute Männertag im Nationalmuseum, was aber die ausländischen Frauen nicht davon abhielt, mit ihren Partnern und Kindern auch hier aufzutauchen ... Es scheint mir, siehe auch die Einstiegsgeschichte und den Straßenverkehr, hier ein bisschen so zu sein, dass es zwar viele Regeln gilt, aber ob man sie dann auch einhält, ist eine ganz andere ...

Ich lief zurück zum Auto, fand - fast - auf Anhieb das Parkhaus des Kingdom Centre, wurde dort vom Wächter per Handschlag begrüßt (nachdem er fragte, ob ich aus Dänemark [!] käme) und konnte - ohne Kosten - mein Auto abstellen, nachdem ich nach mehrmaligem Herumkurven einen Parkplatz gefunden hatte.

Der Foodcourt im Kingdom Centre hat von morgens bis abends offen, die Geschäfte angeblich nur bis 12.30 Uhr und wieder ab 16.30 Uhr, aber auch daran hielten sich bei weitem nicht alle Geschäfte - Regeln und so, der geneigte Leser erkennt möglicherweise ein Schema.

Ich hatte bestialischen Hunger (das Frühstück hatte ich mir geschenkt) und ziemlich bestialischen Durst, also guckte ich mir die Auswahl amerikanischer und saudischer Fast-Food-Ketten an, entschied mich für eine saudische und verspeiste ein Hühnchen-Sandwich mit Pommes und Cola. Alles andere als eine Offenbarung, aber erstens ist das halt Fastfood und zweitens hatte ich Hunger, da war ich über alles froh ...

Ich lief ein bisschen durch das Centre, auf der Suche nach dem Zugang zur Skybridge, hob erstmal Geld ab, was genau richtig war, denn als ich den Zugang zur Skybridge sah, sah ich auch, dass die nur Cash nehmen. Bis dahin hatte ich alles (naja, okay, das Hotel, den Museumseintritt und das Sandwich) mit Kreditkarte zahlen können, da verstehe ich nicht so ganz, wieso das bei diesem vermeintlichen (ne, tatsächlichen)! Touristenmagnet nicht geht, aber ich hatte ja Bargeld.

Nach ein bisschen Warten ging es - mit Fahrstuhlführer! - in den 77. Stock, dann mit einem anderen Fahrstuhl in den 99. Stock. Naja, und dann halt: Wow! Ganz, ganz toll, zumal diese Skybridge wirklich wie eine alte Brücke gebogen ist, sehr schick ...

Nach einer halben Stunde war ich überglücklich, fuhr wieder runter, ging kurz raus, um den Flaschenöffner von unten in voller Pracht zu fotografieren, grinste wieder wie ein unfotogenes Honigkuchenpferd in meine Selfies und ging dann - unter Verzehr eines Softeises - zu meinem Auto.

Nach ein bisschen Gekurble und zweimal Verfahren kam ich an einer Tankstelle an, tankte für vier Euro 10 Liter Benzin (ich musste den Tank auf ein Viertel zurückgeben, es wurde dann doch fast die Hälfte ...). Den Car rental return fand ich ebenfalls, auch wenn die Beschilderung okay, aber nicht ganz optimal ist, gab das Auto ab und fuhr im Shuttlebus vom internationalen zum nationalen Terminal. (Ich hätte das Auto auch dort abgeben können, aber das erfuhr ich erst, als ich schon am internationalen Terminal an der Abgabe stand, da wollte ich nicht wieder los, und der Shuttlebus fährt alle zehn Minuten und ist kostenlos ...)

Der Check-in für den Flug nach Dschidda ging sehr schnell, die Sicherheitskontrolle auch (das Wasser in meinem Handgepäck interessierte keinen ...) und jetzt sitze ich in der Lounge und schreibe Blog, der nach der Ankunft in Dschidda hochgeladen wird.

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Das Boarding ging relativ schnell, aber dann saßen wir eine Weile im - heißen - Flieger ... Mich kümmerte es nicht wirklich, ich spielte meine neu entdeckten Handyspiele. Nach eineinhalb Stunden Flug oder so kamen wir in Dschidda an, wurden mit dem Cobus zum Terminal gefahren, mein Gepäck kam bald, die Autovermietung hier ist ein wenig versteckt, aber dafür deutlich professioneller als in Riad, auch wenn mir der Typ von Avis sagte: "You have to drive like a gangster." ("Du musst hier wie ein Gangster fahren.") Na, Prost Mahlzeit (apropos "Prost Mahlzeit": Ich war eben im Supermarkt, da gibt es - natürlich alkoholfreies - Holsten-Bier, das hatte ich auch schon im Iran gesehen. Die scheinen sich da "spezialisiert" zu haben ...)

Ich fand erst die Ausfahrt nicht, dann sind da manchmal so Richtungsspieße im Boden, über die ich extrem ungern drüberfahren, aber nach endlicher Zeit war ich auf der - imVergleich zu heute Nacht deutlich belebteren - Stadtautobahn rein nach Dschidda.

Ich verfuhr mich, weil ich die Abfahrten nicht so schnell erwischte (Google Maps will einen dann immer quer über die sechsspurige Autobahn jagen, da mache ich nicht mit, auch wenn die Saudis das durchaus so machen ...), kam - mit Google Maps, ohne das wäre ich völlig aufgeschmissen hier - über dunkle Stadtgassen auf die richtige Spur (unterwegs nahm mir einer bei meinem Abbiegen nach rechts von rechts - im Gegenverkehr! - kommend fast die Spur weg ...), aber dann war ich in meinem - sehr schönen - Hotel ... Es gibt sogar einen abnehmbaren Duschkopf, und auf den - extra bezahlten - Meerblick bin ich sehr gespannt ...

Eine kurze Runde um den Block folgte, mitsamt Einkauf von Süßkram (hier ist es ja schon wieder Mitternacht jetzt), den verspeise ich jetzt, und morgen schlafe ich aus, jawoll!

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Saudi-Arabien erscheint mir - nach dem ersten Tag - bei weitem nicht so fremd wie ich es erwartet hatte. Ja, viele männliche Saudis laufen in ihrem weißen Kaftan und mit dem rot-karierten Tuch auf dem Topf herum, die meisten saudischen Frauen tragen Kopftuch und Abaya (diesen schwarzen Umhang) und viele auch Nikab (also Tuch vor dem Mund, sodass man nur noch die Augen sieht). Andererseits laufen die meisten nicht-muslimischen Ausländerinnen komplett ohne Tuch durch die Gegend, und auch wenn viele eine Abaya tragen, tun das längst nicht alle - das scheint also wirklich nicht mehr notwendig zu sein, selbst im angeblich so konservativen Riad. Im Foodcourt habe ich auch ein paar Gruppen von Freundinnen/Kolleginnen gesehen, innerhalb derer einige Nikab trugen und andere die Haare offen. Ich bin sehr gespannt, wie das hier in Saudi-Arabien weitergeht, zumal es in der Mall auch Geschäfte gab, die im Schaufenster kurze Kleidchen hatten ... (Und eine "Kamps"-Bäckerei macht hier bald auf ....)

Das Internet funktioniert hier übrigens einwandfrei (anders als in der Türkei, in der das alles kompliziert und die Wikipedia immer noch gesperrt ist).

Fotos:

Im Nationalmuseum

Im Nationalmuseum (bisschen wie Piraten in Batavia)

Seidentuch, das die Tür der Kaaba bedeckte

Moderne Kunst im Nationalmuseum

Blick nach Norden

Blick nach Süden

Blick nach unten (300 Meter)

Panorama

Wow, die Flasche muss ganz schön groß sein ...

Drei Lounges

... habe ich heute besucht: in Frankfurt, weil ich dann wieder - wie üblich - viel zu früh am Flughafen war, ganz kurz in Izmir und schließlich seeeehr lange in Istanbul, wo ich diese Zeilen schon einmal vorschreibe. In einer Stunde geht es in Richtung Flieger und dann folgt der vierstündige Flug nach Riad, wo ich gegen halb zwölf deutscher Zeit ankommen sollte. Ich bin mal gespannt, wie das mit der Fahrerei wird, aber so langsam freue ich mich aufs Bett ...

Der Tag heute fing - fast naturgemäß, wenn ich wider meinen Biorhythmus buche - viel zu früh an. Mal wieder war laute Musik in der Umgebung an, sodass meine Ma fast gar nicht und ich nicht viel wirklich viel schlief. Den Wecker um 4.30 Uhr brauchte keiner von uns, wir waren schon wach ...

Gegen 5.20 Uhr kamen wir weg, und ich war überpünktlich am Check-in-Schalter am Terminal 2. Zu allem Überfluss war nix los, sodass ich praktisch ohne Verzögerung mein Gepäck abgeben und meine Bordkarte in Empfang nehmen konnte. Auf dem Weg zur elektronischen Ausreise vertrat ich mir so dermaßen den Fuß, dass ich vor Schmerz meine Bordkarte fallen ließ, aber der Schmerz war ebenso schnell weg wie er gekommen war ...

Meine angestrebte Lounge im D-Terminal war noch nicht offen (ich war schon um kurz vor 6 Uhr ausgereist und die öffnete erst um 6.15 Uhr), sodass ich ins E-Terminal marschierte. Das war eine gute Wahl, denn es gab Salami und Rührei und vieles, was das Frühstückerherz begehrt ... Da gehe ich wieder hin ...

Nach dem Passieren der (leeren) Sicherheitskontrolle (ich war heute echt antizyklisch unterwegs) setzte ich mich in den Gatebereich, bis ich - wie fast alle anderen - merkte, dass sie uns das Gate von D4 auf D1 verschoben hatten. Also Umzug, aber wenigstens mussten wir nicht nochmal durch eine Sicherheitskontrolle.

Ich rege mich immer so auf über Leute, die beim Einsteigen im Gang stehenbleiben und sich nicht ausgekäst kriegen, heute war ich selbst einer von diesen Deppen. Ich hatte einen Fensterplatz (F), aber auf D und E saß eine Mutter mit ihrem Sohn, und der Vater saß dahinter, sodass ich ihnen anbot, sich zusammenzusetzen; dafür hätte ich aber auf den B-Platz gemusst. In einem Anfall von korrekter Einschätzung und Übermut fragte ich den Herrn auf C, ob er sich - da er sich eh mit dem anderen Herrn auf A unterhielt - nicht auf B setzen könne, sodass ich mit meinem Adoniskörper (so richtig schlank war er jetzt aber auch nicht) auf C sitzen könne. Gesagt, getan, zur Belohnung bekam ich (von B) während des Fluges noch einen Apfelschnitz, und die Familie war auch zufrieden und bedankte sich mehrfach.

Die Empörung über den Depp im Gang kann der geneigte Leser sich in mehrfacher Hinsicht sparen, nicht nur wegen der für mich völlig untypischen Freundlichkeit (und schnellen Erfassung der Situation), sondern auch, weil der Flieger sowieso noch auf diverse Leute wartete, die in der Sicherheitskontrolle hängengeblieben waren.

Am Ende hatten wir mehr als eine Stunde Verspätung, und der Junge auf D hatte schon ziemlich schnell "keinen Bock mehr". Naja, ruhig bleiben, Brauner, ruhig bleiben ...

Nach dem ereignislosen Flug, während dessen ich mein neues Smartphone erkundete und ein Spiel im Retroformat zu lieben lernte, kamen wir mit fast einer Stunde Verspätung kurz vor 14 Uhr in Izmir an. Dafür ging die Einreise sehr schnell, die Grenzerin grinste mich an, weil sie fast keinen Platz zum Stempeln mehr fand (mein alter Pass läuft im August 2020 aus, da sind noch ein paar leere Stelle, die mache ich jetzt noch mit Türkei-Stempeln voll jetzt und Ende Januar) ...

Ich hatte ja überlegt, ob ich in Izmir in die Stadt fahre, aber erstmal wollte ich mein Gepäck aufgeben. Die Check-in-Dame von Pegasus meinte, ich sei zu früh, und nach kurzem Scharmützel meinte sie, sie könne mich auf den Flug um 15.20 Uhr umbuchen (ich hätte eigentlich erst den um 18.55 Uhr gehabt). Nun denn, das war mir auch recht, so sah ich zwar nichts von Izmir, aber wenigstens hat Pegasus ein bisschen mehr Zeit, mein Gepäck hoffentlich richtig umzuladen (mit den 85 Minuten der ursprünglichen Buchung hatte ich da ein kleines bisschen Bauchschmerzen).

Es ging also wieder durch die Sicherheitskontrolle, kurz in die Lounge (ich hatte Durst), und dann fing auch schon das Boarding an.

Auch dieser Flug war ziemlich ereignislos, und in Istanbul entschied ich mich schweren Herzens, nicht den Versuch zu unternehmen, in die Stadt zu fahren, sondern ging gleich in die Lounge.

Ich hätte ungefähr vier Stunden gehabt, um mit dem Bus zur Metro und mit der Metro nach Kadiköy zu fahren, kurz in Kadiköy ein Simit zu essen und dann wieder zurückzufahren, denn pro Strecke wären das gut und gerne eineinviertel Stunden gewesen, und die Ausreise und Sicherheitskontrolle musste ich auch mit einbeziehen ...

Ich ließ es also sein, ging durch die - selbstverständlich! - gähnend leere Ausreise und Sicherheitskontrolle (von "antizyklisch" hatte ich schon gesprochen), war nach fünf Minuten durch und suchte die Lounge. Als ich sie gefunden hatte, erinnerte ich mich daran, dass ich hier schonmal gewesen war.

Die Internetverbindung hier ist völlig bekloppt - der Zugangscode sagt einem, man soll in das Netz A gehen, um sich mit dem Zugangscode anzumelden, Netz A hat eine englische und deutsche Sprachführung, gibt aber die entscheidenden Eingabefelder nur auf Türkisch aus, das ist aber eh alles wurscht, denn am Ende muss man sich in Netz B anmelden ... Kafka hätte seine Freude gehabt!

Ich aß eine Kleinigkeit, nachdem ich die Gabel vom Tisch gefegt und sie noch vor dem Berühren des Bodens unter panischem Wedeln der Hände und geschicktem Körpereinsatz aufgefangen hatte - das Essen ist erträglich, meine selbstgemischte Spezi war lecker. Die Lounge wurde jetzt so langsam voll, und seit gerade eben weiß ich, dass ich zum Gate 303A muss ...

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An den 300er-Gates war ein einziges Chaos, weil da viel zu viele Menschen auf viel zu engem Raum zu viel zu vielen Flügen wollten. Irgendwann stand ich (bewusst) am Gate für Tiflis und Teheran, weil da noch ein bisschen Platz war, aber kaum stand ich da, stellten sich da Leute hin, die nach Tiflis und Teheran wollten - sorry, den Andrang hab ich ausgelöst ...

Ich boardete als einer der Letzten, was nicht ganz praktisch war, weil es in Istanbul in Strömen regnete und die Leute zu viel Gepäck dabei hatten und das nicht verstaut bekamen. Ich stand also im Regen. Als ich zu meinem Platz kam, saß da einer, der da nicht hingehörte, aber mir war's egal, ich ging an seinen Platz, passte auch ...

Während des Flugs las ich, spielte ich Handyspiele und die Zeit verging relativ rasch.

Ebenfalls sehr rasch ging die Einreise hier in Saudi-Arabien, es gab keine Schlange, und die Grenzerin schmierte meine Visumnummer in arabischen Zahlen (nicht "unsere" "arabischen", die von den Arabern genutzten Zahlen) in den Pass und gab noch einen Einreisestempel obendrauf.

Am ersten Avis-Stand konnte meine Mietwagenbuchung nicht gefunden werden und ich wurde an den Schalter im Terminal 2 verwiesen (kein Riesenfußmarsch, passte schon), dort funktionierte das dann irgendwie, dauerte aber ziemlich ewig, weil drei Leute ihren Wilhelm unter meinen Autoentleih setzen mussten, aber schließlich war ich im Besitz eines nicht mehr ganz taufrischen Kia mit Automatikgetriebe, den ich um die Kurven des Parkhauses steuerte.

Ich fuhr auf der Autobahn in die Stadt deutlich weniger als erlaubt, zumal mein GPS am Anfang nicht wollte. Ich hielt dann in einer einsamen Ausfahrt an, ließ mein Handy das GPS suchen, und als die beiden sich gefunden hatten, stellte sich heraus, dass ich richtig war - aber ohne GPS wäre das eine Abenteuertour geworden.

So schlimm fuhren die Saudis heute Nacht jedenfalls nicht; es war etwas ungesitteter als es in Deutschland zu dieser Zeit wäre, aber nicht viel - bisher passt das.

An der roten Ampel kurz vor meinem Hotel outete ich mich (wenn das nicht schon längst durch meine niedrige Geschwindigkeit erfolgt war) als Ausländer, denn ich Depp hielt an der roten Ampel tatsächlich an - der Saudi hinter mir fuhr über die rote Ampel, als wäre es das Normalste der Welt ... Nun, ist es in Saudi-Arabien wahrscheinlich auch.

Wie erhofft fand ich einen Parkplatz am Hotel, der Check-in ging einigermaßen zügig, jetzt ist es hier kurz nach vier, und ich gehe ins Bett.

Ein langer Tag war's, ein spannender, jetzt bin ich in meinem 143. Land - morgen (heute) geht's dann irgendwann weiter, mal gucken ...

Fotos gibt's heute keine, ich habe dieses nicht mein Handy verloren, aber es gab noch nichts Fotografierenswertes. Das wird sich morgen in Riad und allerspätestens übermorgen in Dschidda ändern.

Gute Rest-Nacht!