Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Hop-on

... habe ich heute gemacht, natürlicherweise auch hop-off, aber erstmal bin ich eineinhalb Runden gefahren ...

Ich habe tatsächlich ausgeschlafen, und trotzdem war es 6 Uhr, als ich aufwachte, das ist aber nach fast zehn Stunden Schlaf dann aber auch in Ordnung. Ich trödelte ein wenig vor mich hin, entschied mich dann, erst einmal an den Strand zu gehen, kein Mensch da, also auch kein Bademeister, der mich zurückpfeifen konnte, sodass ich ungestört ein kleines bisschen planschen konnte. Nach ein paar Minuten im heute Morgen dann doch angenehm kühlen Wasser war es dann auch gut, ich ging ins Hotel, duschte, frühstückte (Früchte und eine Arepa mit Ei, lecker, aber nichts Herausragendes) und wollte dann in Richtung Stadt gehen und den nächstbesten Hop-on-hop-off-Bus nehmen.

Ich kam nur bis zum nächsten Park, da sprang mir schon der Aufsteller des Busses ins Auge. Ich wartete eine Viertelstunde, stieg ein, zahlte und hörte mir (auf Deutsch) die Erläuterungen und die (gute, aber in ermüdendender Ein-Lied-Schleife gespielte) Musik an. Es ging um die Altstadt herum, dann fiel der Blick auf die weißen Hochhäuser von Bocagrande, durch die wir auch fuhren, ich erhaschte einen Blick auf die ebenfalls ansehnlichen Strände dort, die aber vielleicht kein Traumstrand sind, wurde oft an Miami und manchmal an Tel Aviv erinnert. Auf dem Rückweg der eineinhalbstündigen Runde kamen wir auch an der Festung vorbei, die beeindruckend ist, aber bei dem heißen Wetter keinen Besuch von mir bekam, und an dem India-Catalina-Denkmal, das an die Übersetzerin des ersten Spaniers erinnert, der in Cartagena aufschlug.

Ich fuhr die zweite Runde bis zu den Playas de Bocagrande mit und suchte dort eine Fischkneipe mit Meerblick auf, in der ich mir Cerviche und einen mit einem Berg an Meeresfrüchten bedeckten Red Snapper reintat, begleitet von zwei Bier, fünf Cola und einer Flasche Wasser (man muss ja Prioritäten setzen). Gegen 14.30 Uhr fuhr ich wieder zurück, lief noch ein bisschen durch die Altstadt und habe nun die Mittagshitze im kühlen Zimmer verbracht.

Ich denke, ich gehe noch einmal planschen, dann duschen, und um kurz nach halb sieben fahre ich dann - letztmals mit dem Hop-on-Bus - nach Bocagrande, wo wir uns zum Abendessen treffen.

Morgen geht es ja schon nach Panama, der nächste Blog-Eintrag wird also aus Nordamerika kommen.

Cartagena gefällt mir sehr, sehr gut - auch hier war ich nicht das letzte Mal, vielleicht wird es ja noch 2019 etwas, denn wieso sollte ich meinen Vor-Winter-Urlaub nicht auch zum Teil hier verbringen? Kombiniert mit ein paar Inlandsflügen in Richtung der ecuadorianischen und/oder venezolanischen Grenze könnte hier sogar noch etwas für den Ländersammler herausspringen, neben der Erholung hier - es gibt noch einige Strände zu erkunden! - und vielleicht ein paar Tagen im kühlen Bogotá.

Bocagrande

Festung

San Pedro Claver

Es ist heiß hier ...

Dienstag, 4. Juni 2019

Altstadt+Bier+Fisch+Strand=Urlaub

Wieder mal so eine Gleichung, aber auch die stimmt, ich habe es mehrfach geprüft, auch nix mit Modulo oder so, das passt ...

Heute Morgen wurde es mit der Abholung ein bisschen knifflig, weil ich zwar für 5.45 Uhr das Uber bestellt hatte, aber zweimal ein Fahrer absprang, sodass wir schließlich erst um 6.10 Uhr im Auto saßen. Das war aber alles trotzdem kein Problem, denn wir waren um 6.30 Uhr am Flughafen, konnten relativ schnell durch die Kontrollen, das Boarding verzögerte sich ein wenig, mein Handgepäckkoffer wurde mir fürs Frachtgepäck abgenommen, aber dann ging der Flug relativ schnell los.

Ich hatte Glück, ich saß auf der Seite des Fliegers, von wo aus man einen guten Blick auf Cartagena und insbesondere die Hochhäuser von Bocagrande hat, die - angeblich - ein "Miami Vice"-Gefühl hervorrufen ... Joa, kann schon sein.

Wir kamen am Flughafen an, ich wartete noch auf mein Gepäck, dann ging es mit dem Taxis ins Hotel.

Ich schwitzte schon im Taxi wie ein Borstentier, und das wurde nicht besser, als ich ausstieg. Wenigstens konnte ich mein Gepäck unterstellen, die Dame von der Rezeption versorgte mich mit Wasser (die hatte bestimmt Angst, dass ich kollabiere), dann erläuterte sie mir, dass ich das Zimmer erst um 15 Uhr beziehen könnte - es war jetzt 9.30 Uhr, also noch sehr viel Zeit.

Auch wenn ich die Klamotten hätte wechseln können (sie haben hier ein Wechselzimmer), ließ ich sie an, weil ich dachte, dass ich vielleicht in die eine oder andere Kirche reingehe und da sicherlich Lange-Hosen-Pflicht sei ... Nunja ...

Ich lief in die Altstadt und war begeistert, denn diese buntbemalten Häuser sehen, soweit sie schon wieder völlig instandgesetzt sind, halt wirklich toll aus. Ich lief im Zickzack durch die Altstadtgassen, schoss Fotos über Fotos und entschied mich gegen 11 Uhr, auf dem Platz vor der Kirche Santo Domingo ein Bier zu trinken.

Das tat ich, und als sich ein relativ geschickter Verkäufer von Armreifen zu mir setzte, trank ich noch eins. Der Typ war sympathisch, ich habe ihm wahrscheinlich einen Monatsverdienst rüberwachsen lassen (naja, ganz so viel war es nicht ...), aber jetzt habe ich wenigstens mal ein bisschen Mitbringsel ...

Ich lief weiter, ging in eine peruanische Kneipe (ich wollte mal wieder Ceviche probieren, das ist hier in Cartagena ziemlich verbreitet, auch wenn es ein peruanisches Essen ist, und der Fisch kommt ja - hoffentlich - sowieso von hier) und verspeiste diesen marinierten Fisch (hier waren es irgendso'n Weißfisch, Oktopus - lecker Saugnäpfe - und Tintenfischringe). Ich war absolut begeistert, merkte aber trotzdem, wie der Ober sich "verrechnete", und wandelte nach dieser Vorspeise weiter durch die Stadt.

Die Kirchen der Stadt sind heute - montags - zum Teil zu (Santo Domingo war offen, aber die Kirche ist für südamerikanische Verhältnisse relativ nüchtern, zudem war gerade Messe), soviel also zu den langen Hosen, zumal hier keiner was sagt, wenn man mit kurzen Hosen in die Kirche kommt. Nach einem kurzen Bummel zum Glockenturm machte ich in einer zweiten Kneipe Station.

Dort aß ich Arepa mit Hühnchen und - ich wusste nicht genau, was auf mich zukommt - Sancocho pescado. Soooo, Arepas sind Teigfladen, und auf die kommt dann eine Beilage, das isst hier anscheinend jeder, und das hat seinen Grund, das ist nämlich lecker.

Sancocho pescado ist Fisch-Sancocho (das hilft viel weiter, gell, höhö?), und Sancocho habe ich nicht verstanden ... Man bekommt da eine Suppe und dazu einen ganzen Fisch (!!!), und wahrscheinlich muss man den Fisch in die Suppe tauchen oder wie auch immer. Jedenfalls war ich, als ich den Monsterfisch sah, schon wieder satt, zupfte ein bisschen an dem (sehr leckeren) Fisch herum, gab dann aber relativ schnell auf. Okay, Sancocho pescado war jetzt so alles in allem nicht mein Geschmack, aber es gibt ja noch andere Sancochos, und vielleicht probiere ich da noch was.

Nun war ich satt und müde und vielleicht auch nicht mehr gaaaaanz nüchtern, da war es für mich Zeit, ins Hotel zu gehen. Dort konnte ich einchecken (mein Gepäck war schon auf dem Zimmer), schraubte ein bisschen am Computer herum und überlegte dann, ob ich noch mal schwimmen gehe - und wenn ja, wo.

Bis ich mich entschieden hatte, war die Sonne schon am Untergehen, also zog ich Flipflops und Hemd an und ging an den Strand, den ich von meinem Zimmer aus sehen kann. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man da nicht schwimmen darf, aber als ich ankam, waren da etliche Menschen im Wasser, sodass ich nach kurzer Bedenkzeit mein Hemd ablegte und mich in die - sehr, sehr warmen - Fluten stürzte.

Ich war kaum drin, da pfiff auch schon der Bademeister, der einzige Depp, der ihn beachtete, war ich, aber da hatte ich mein Bad schon hinter mir und war zufrieden. Ich blieb noch ein wenig sitzen, guckte mir den Sonnenuntergang an und habe jetzt vor, zügig ins Bett zu gehen und morgen wirklich mal auszuschlafen. Das wird schön ...

Fotos? Fotos:

Anflug auf Cartagena

Altstadt

Altstadt

Altstadt mit kolumbianischer Flagge

Uhrturm

Platz hinter dem Uhrturm

Sonnenuntergang am Strand

Montag, 3. Juni 2019

Freefall Tower

... nennen wir den Aufzug in unserem Hotel hier in Bogotá liebevoll, denn jedes Mal, wenn der losfährt, macht es einen Ruck, dass man meint, das Ding fährt jetzt mit einem in die Tiefe ...

Nachdem wir den Aufzug also zum wiederholten Mal überlebt hatten, fuhren wir mit dem Uber-Taxi zum Flughafen. Wir verliefen uns zunächst, weil es zwei Boarding-Bereiche für Inlandsflüge gibt, kamen dann aber am richtigen an. Das Boarding verzögerte sich ein bisschen, dann standen wir ewig auf der Startbahn, weil Stau war, am Ende kamen wir mit ein bisschen Verzögerung in Medellín an.

Da Uber zwar existiert, aber ewig gebraucht hätte, nahmen wir uns ein Taxi, und ab ging es auf eine der rasantesten Taxifahrten meines Lebens. Der Fahrer fuhr das Doppelte der erlaubten Höchstgeschwindigkeit (das allerdings ziemlich konsequent), überholte links und rechts, legte sich mit uns in die Kurve - mir hat es Spaß gemacht, auch wenn das eine oder andere Stoßgebet sicher nicht fehl am Platz gewesen wäre.

Er ließ uns an der Metro-Station Acevedo raus, wir liefen über die Straße, kauften uns Fahrkarten und fuhren dann Metro. So weit, so normal - nur dass die Metro hier (teilweise) aus Seilbahnen besteht. Also fuhren wir hoch, hatten tolle Ausblicke auf Medellín und kamen an der Bergstation an, die allerdings auch als Talstation für eine weitere, viereinhalb Kilometer lange Seilbahn dient. Auch die nutzten wir, aber die fuhr "nur" über einen Ökopark drüber, was aussichtstechnisch nicht sooo spannend war.

Wir fuhren zeitnah zurück, machten viele Fotos aus der Gondel und stiegen um in die schienengebundene Metro. Die fuhr uns am Stadtzentrum vorbei (es war jetzt schon ein bisschen später als gedacht geworden) in den Süden der Stadt, wo wir uns ein (richtiges) Taxi nahmen, um zur avisierten Gaststätte zu fahren: Es wurde eine argentinische Kneipe, in der Lionel Messi wohl schon war, und dort wurde Spanferkel und Chateaubriand verspeist, zur Vorspeise hatte ich eine argentinische Blutwurst, die auch sehr, sehr lecker war.

Nun war es aber schon wieder Zeit für die Rückfahrt, die in einem nicht richtig gut motorisierten Uber-Renault in Angriff genommen wurde. Nach endlicher Zeit kamen wir - nach einer Fahrt durch ziemlich ländliche Gebiete - am Flughafen an, boardeten und flogen die gute halbe Stunde zurück nach Bogotá. Uber war hier am Flughafen teurer als ein Taxi, also nahmen wir selbiges und sind jetzt gut im Hotel gelandet.

Morgen geht es früh raus, daher gute Nacht!



Samstag, 1. Juni 2019

"Laut Wetter-App acht, neun Tage"

Das war Christians Antwort auf Jessis Frage, wie lange wir oben auf dem Cerro Monserrate bleiben müssten, um noch einmal einen Blick von Bogotá zu erhaschen - das Wetter war nicht so toll heute, aber das hat uns nicht abgehalten.

Der erste Spaziergang ging auf die Plaza de Bolívar, wo neben der Kathedrale auch das Rathaus von Bogotá liegt, aber kaum hatten wir Fotos gemacht, fing es auch schon an zu nieseln.

Wir machten, dass wir ins Museo del oro, das Goldmuseum, kamen. Der Eintritt von 4.000 Pesos (knapp über einem Euro) ist selbst für uns erschwinglich, und Christian war zufrieden, weil er - anders als dereinst im Palast in Istanbul - Fotos machen konnte (ohne Blitz!).

Joa, die Goldschmiedekunst der einheimischen Bevölkerung ist schon sehr beeindruckend, und besonders angetan haben es mir - auch ob ihrer Symmetrie - die Jaguar-Figuren, von denen ein Bild auch in den heutigen Fotos landet.

Es gab diverse Ausstellungsräume, in denen die rituelle Bedeutung der Gegenstände herausgearbeitet wird, und es gibt einen Raum, der von den Lichteffekten her ganz interessant ist, denn zunächst kommt man in einen stockdunklen Saal, der dann Schritt für Schritt erleuchtet wird und dabei die an den Wändern und im Boden eingelassenen Ausstellungsstücke genauer betrachtbar werden lässt. Sehr schick, vom Effekt her und von den Dingern, die es da zu sehen gibt.

Doch, den einen Euro für das Museum sollte man ausgeben, wenn man in Bogotá ist. Wir liefen zurück zum Hotel, ich holte noch kurz Getränke, dann trafen wir uns in der Lobby.

Es fing wieder an zu regnen, sodass wir in der Lobby blieben (wir haben natürlich - natürlich! - Regensachen dabei, aber so richtig viel Spaß macht es nicht, im Regen durch Bogotá zu latschen ...). Wir hatten beim Frühstück schon ein bisschen herumgesponnen, dass wir noch ein bisschen was sehen wollen, und ich hatte Flüge an die ecuadorianische Grenze, die venezolanische Grenze, nach Cali und nach Medellín aufgetan. An die Grenze zu Ecuador war zu teuer, zumal wir nicht viel Zeit gehabt hätten, an die Grenze zu Venezuela ist mir, so sehr es mich juckt (und es juckt mich sehr!), im Moment einfach zu heiß, und am Ende entschieden wir uns jetzt in der Lobby für den Flug nach Medellín.

Wir fliegen zu einer angenehmen Zeit zum Flughafen und erweitern unseren Jet-Set-Urlaub also mit Hin- und Rückflug in die zweitgrößte Stadt Kolumbiens. Wir werden ein paar Stunden in Medellín haben, das reicht dann, um uns mal die Innenstadt anzugucken - das wird bestimmt schön ...

Der Regen hörte zwischenzeitlich auf, ich hatte Uber wiederentdeckt und buchte uns ein Uber-Taxi zum Startpunkt der Gondelbahn hoch auf den Cerro Monserrate. Die Fahrt kostete 1,50 Euro, das Hin- und Zurückticket mit der Seilbahn sechs Euro pro Person, das ließ sich angehen.

Auf der Fahrt hoch hatten wir noch ganz akzeptable Blicke auf Bogotá unter Wolken, doch das Wetter verschlechterte sich zunehmend, sodass wir irgendwann nicht einmal mehr die Kirche sahen, die da oben liegt.

Wir retteten uns im einsetzenden Regen in einer der beiden Gaststätten dort oben, erwischten die französische (weil beide keine englischsprachigen Speisekarten ausgehängt hatten, wir aber Chateaubriand als gute Fleischwahl identifizieren konnten) und saßen dort in einem sehr angenehmen Etablissement mit Blick auf den Nebel (ohne Nebel wäre das ein toller Blick auf Bogotá gewesen). Wir ließen es uns mit Bierchen und Steak/Hühnchen in Mandarinensauce/Kaninchen gut gehen, ließen den Nachtisch nicht aus und fuhren dann nach zwei, drei Urlaubsstunden wieder mit der Seilbahn ins Tal.

Ich bestellte uns wieder ein Uber, hätte noch so einen komischen Code haben sollen, den ich aber nicht hatte, leitete den Fahrer falsch (naja, in die Richtung, aus der wir gekommen waren, das war aber für die Rückfahrt nicht optimal ...) und kamen in unserem Hotel gut an.

Jetzt machen wir ein bisschen Siesta und werden irgendwann nachher noch zum Abendessen gehen, ich denke, ich scheuche die beiden noch ein bisschen durch die historische Altstadt hier. Der nächste Bericht dann morgen Abend nach der Heimkehr aus Medellín.

Plaza de Bolívar

Goldmuseum I (die Jaguare)

Goldmuseum II

Goldmuseum III

Blick auf Bogotá aus der Seilbahn

... und vom Cerro Monserrate

Eine Gesichtscreme

... ist der Abschluss einer weiteren Expedition zur Beweisführung für meine Beklopptheit.

Mir war vorgestern Abend eingefallen, dass mir meine Sonnencreme ausgegangen war, also machte ich mich auf, um noch welche zu kaufen. Am Abend wollte ich sie dann ins Gepäck packen, als ich sah, dass ich Held im Erdbeerfeld eine 150-ml-Packung gekauft hatte. Na super! Denn da wir nur mit Handgepäck fliegen, sind 150 ml nach Adam Riese 50 ml zu viel. Argh. Gestern Abend in Bogotá schaute ich dann in einem Supermarkt, fand eine ausreichend kleine (50ml) Creme mit 50er-Sonnenschutzfaktor, nur um später im Hotel festzustellen, dass das eine Gesichtscreme ist. Nun denn, da schlage ich also zwei Fliegen mit einer Klappe - ich bin sonnengeschützt und pflege meine Gesichtshaut. Wird ja auch mal Zeit!

Gestern Abend ist uns allen das Herz in die Hose gerutscht: Wir waren auf den letzten Zügen unseres Spaziergangs hier in unserem Viertel, als ein Mann eine Frau im Rollstuhl so anschubste, dass diese ohne Begleitung über die Straße fuhr. Das Problem war, dass er das genau vor einem Taxi machte. Boah, Kinners, das könnt ihr nicht machen - da stand auf einmal die ganze (belebte) Straße still, weil alle vor sich sahen, dass die Frau gleich in hohem Bogen über die Straße geschleudert wird. Zum Glück konnte der Taxifahrer noch anhalten, aber dem Typen, der mich in Lebensgefahr bringt, dem hätte ich die Meinung gegeigt ...

Überhaupt ist diese Fußgängerzone Ausdruck prallen Lebens, da wird an jeder Ecke gekifft und andere (legale) Ware feilgeboten, Sänger stehen im Abstand von wenigen Metern und singen, was das Zeug hält, wir haben gestern die spanischsprachige Version vom "Griechischer Wein" gehört ... Der Transmilenio, das Bussystem fährt überall zwischendurch (auch - erlaubterweise - durch die Fußgängerzone), das müssen wir auch mal ausprobieren.

Jetzt aber (ich schreibe diese Zeile um 6 Uhr kolumbianischer Zeit vor) geht es erstmal zum Flughafen und dann nach Leticia an den Amazonas.

--

Die Fahrt zum Flughafen war ereignislos, außer dass die Rezeption verwirrt war, weil wir zum Flughafen wollten, ohne ausgecheckt zu haben, aber das war ja zu klären. Wir hatten noch Zeit, nahmen ein Frühstück ein und gingen dann durch die angenehm leere Sicherheitskontrolle.

Unser Flieger war ein wenig verspätet, und als alle drin saßen, wurde so ein armer Wicht wegen einer "immigrationstechnischen Besonderheit" (oder so ähnlich) wieder aus dem Flieger geholt ... Nun denn, das waren wenigstens nicht wir.

Dadurch hatten wir aber halt fast genau eine Stunde Verspätung, die wir nicht mehr ganz einholten, auch weil wir - damit wir den peruanischen Luftraum meiden - eine kleine Ecke flogen, um auf kolumbianischem Gebiet zu bleiben.

In Leticia muss jeder Auswärtige (also anscheinend auch jeder nicht dort wohnhafte Kolumbianer) eine Tourismussteuer von knapp neun Euro zahlen - da fühlt man sich doch gleich total willkommen ... Eine der Kontrolleurinnen fragte uns ganz überrascht, ob wir kein Gepäck hätten - nein, haben wir nicht.

Dafür war ich zu dem Zeitpunkt schon fast patschnass, denn im Regenwald sind tropische Temperaturen und - noch wichtiger - tropische Luftfeuchtigkeit. Es war gar nicht soooo heiß, aber eben sehr schwül.

Wir machten einen weiteren Taxifahrer zum reichen Mann, weil wir ihn beauftragten, uns zum Malecón zu fahren, was ich den beiden zuvor als "Uferpromenade" verkauft hatte. Nun, ja, Ufer war's, aber so Promenade, oder jedenfalls Flaniermeile, war das ganz und gar nicht. Das hier war Südamerika, wie es eben auch ist, schwül-warm, wuselig, bisschen dreckig, aber natürlich gab es eine Bierkneipe, und in die fielen wir ein.

Da war ein Fluss und das andere Ufer bezeichnete ich als "Peru", was bedeutete hätte, dass das Flüsschen der Amazonas wäre. Nix war's, das war der Fluss Leticia (nach dem Örtchen), wie wir herausfanden, als wir unschlüssig in der Gegend herumstanden und uns einer ansprach, ob wir mit ihm eine Bootstour machen wollten. Wollten wir, und der Preis von 80.000 Pesos (22 Euro oder so) war wahrscheinlich viel zu hoch, aber uns trotzdem recht ...

Mit dem "wollten wir" waren wir uns nicht mehr so ganz sicher, als wir sein Bötchen sahen: ein langes Holzboot, wenigstens mit Überdachung, aber das Wasser stand auf der einen Seite ein paar Zentimeter im Boot, und das Gefährt wackelte bedenklich, als wir alle einstiegen. Nun denn, Indianer kennt kein Schmerz - wir saßen.

Ab ging die gemächliche Luzi den Leticiafluss hinunter, rauf auf den Amazonas, über die Flussgrenze in den brasilianischen Teil und nach ein bisschen Gucken vom Boot aus, einmal quer über den Amazonas in Richtung Peru. Ich hatte den amigo (so nannte er mich, also darf ich ihn hier auch so nennen) gefragt, ob das wirklich so sei, dass man keine Aus- und Einreisestempel bräuchte. "Tranquilo", "ruhig", meinte er, das sei alles kein Problem ...

Auf der peruanischen Seite fuhren wir durch, jetzt hätte ich fast, Auenland geschrieben, aber eigentlich ist das sogar richtig, denn das Gebiet, durch das wir fuhren, wir bei Hochwasser überschwemmt. Wir hatten Niedrigwasser (bajisimo, also Niedrigstwasser), und legten am peruanischen Ufer an.

Alex, unser Kapitän, führte uns ein bisschen durch das Städtchen Santa Rosa mit seinen 1.200 Einwohnern, von denen 500 Schüler, sind, erläuterte uns, dass die Häuser auf Stelzen gebaut seien, weil das Gebiet eben so hoch überschwemme, zeigte uns drei Leguane, ließ uns peruanisches Bier kaufen (das wir dann auf dem Boot tranken), führte uns natürlich auch an der Einwanderungsbehörde vorbei, aber meinte, dass das alles kein Problem sei, und nach einer Dreiviertelstunde oder so gingen wir - nachdem er ein bisschen Wasser aus dem Boot geschöpft hatte - wieder an Bord.

Wir hatten vereinbart, dass er uns in Tabatinga, also in Brasilien, rauslässt, und das tat er. Er bekam ein sehr ordentliches Trinkgeld oben drauf, meinte, wir sollten mit Gott gehen, und wir gingen getrennter Wege. Schön war's mit ihm ...

In Tabatinga liefen wir - durch kleine Sträßchen mit vielen Lädelchen - in Richtung meiner avisierten Kneipe. Als wir da ankamen, ergab es sich, dass sie keine Kreditkarte nehmen, also mussten wir tauschen gehen. Anstatt zu tauschen, ging ich Geld abheben, stellte fest, dass meine eine Karte mal wieder gesperrt worden ist (seufz), ging zu einer anderen Bank, hob dort mit einer anderen Karte im wunderbar eiskalt temperierten Bankvorraum Geld, und es ging zurück in das Três Fronteiras.

Jessi und ich probierten den Tambaqui, was sich als frittierter Fisch mit wenigen kleinen und ein paar großen Gräten entpuppte, gar nicht so schlecht, und dazu tranken wir Caipirinha bzw. Bier (damit wir auch in Brasilien ein Bier getrunken haben ...).

Mit viel zu viel brasilianischem Geld liefen wir in Richtung Grenze, überquerten diese ungehindert, sahen auf der rechten Straßenseite eine gelateria und gerieten an eine Verkäuferin, die in uns in ganz akzeptablem Englisch die verschiedenen Eissorten erläuterte: Nichts mit Schokolade und Vanille, da gab es so viele Eissorten aus Früchten, die ich noch gesehen und von denen ich noch nie gehört hatte, dass wir am Ende beide (Jessi und ich) einfach nach Auge auswählten - und es nicht bereuten. Das war richtig gut ...

Wir landeten wieder an unserer ersten Kneipe am Malecón, tranken Bier und Wasser, brachen dann auf, fanden ein Hotel mit Aussicht, auf das wir stiegen (nachdem wir an der Rezeption Getränke gekauft hatten), guckten dem Leben in dieser Seitenstraße zu, während die Sonne langsam unterging, zogen dann weiter ins Städtchen, weil wir noch ein Hüngerchen hatten (heute verwende ich viele -chens, sorry), kamen schlussendlich in einer Kneipe zum Sitzen, in der es mehr deutsche Biersorten gab als in den meisten deutschen Kneipen, aber natürlich tranken wir kolumbianische Getränke, und aßen dazu - wir hatten ja erst drei, vier Stunden vorher gegessen und es war heiß - eine Kleinigkeit ...

Der Ober verstand mich nicht, als ich nach einem aguardiente, einem Schnaps, fragte, sodass wir zahlten, aufbrachen und noch in eine Kneipe einfielen, in der der DJ gerade anfing, seinen Rechner einzurichten. Wir vernichteten kolumbianischen Anisschnaps und ich wagte mich an einen Rum heran, aber ich merkte, dass ich es jetzt mit dem Alkohol lassen sollte ...

Zurück zum Flughafen fuhren wir in einem Tuk-tuk ohne Licht, kamen lebend an, tranken dort noch etwas, mussten dann noch einen Stempel auf der Bordkarte holen, dass wir ordnungsgemäß in Kolumbien eingereist waren (waren wir doch, öhem, gestern), und konnten dann in die Sicherheitskontrolle gehen.

Das Röntgengerät war außer Betrieb, also wurden alle Taschen durchsucht, aber so richtig gründlich erschien uns das alles nicht. Sei es, wie es sei, wir waren froh, als wir boarden konnten, denn der Abflugbereich (mit genau einem Gate, natürlich) hatte den Charme einer alten Bahnhofshalle mit dem entsprechenen Lautstärkepegel.

Den Flug verschlief ich im Wesentlichen, und um kurz vor Mitternacht waren wir in Bogotá gelandet. Es regnete in Strömen, aber wir konnten durch den Finger ins Flughafengebäude, liefen ewig, standen ein bisschen am Taxistand an, bekamen dann ein Taxi, und das fuhr uns für unter zehn Euro zu unserem Hotel.

Jetzt ist es hier 2 Uhr, ich gehe ins Bett, heute wird ausgeschlafen.

Fotos vom Anfang der Tour heute, danach hat Christian so viele Fotos geschossen, dass ich es gelassen habe ...


Über den Wolken ...

Zwischen Wolken und Regenwald ...

Der Amazonas

Freitag, 31. Mai 2019

Schlafmangel

... war das Schlagwort des heutigen Tages, denn nach dem schlechten Schlaf in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schlief ich vergangene Nacht (von Mittwoch auf Donnerstag) noch schlechter. Ich kam erst spät aus dem Büro, außerdem kam - ich vermute vom Kranzplatzfest - lange laute Musik, sodass ich gefühlt maximal zwei Stunden schlief.

Ich war früher als gedacht geduscht und lief daher schon zum Bahnhof. Wir fuhren das Auto ins Büro, liefen zurück zum Bahnhof und erwischten noch eine Bahn früher, die um 4.19 Uhr, weil mir die um 4.41 Uhr dann doch zunehmend knapp erschien ...

Am Ende hätte auch die wahrscheinlich - trotz Skyline-Busersatz - gereicht, aber so war es mir wohler.

Der Flug von Frankfurt nach Madrid war gut, auch wenn wir alle drei mehr oder weniger schliefen.

In Madrid tranken wir noch ein paar Bierchen, die mir aber im langen Flug nicht so ganz gut taten (wirklich keine gute Idee!), aber mit Hilfe von vier oder fünf Filmen überlebte ich auch den zehnstündigen Flug, der am Ende wirklich lang wurde ...

Die Einreise ging sehr schnell, der Zoll war auch schnell zufrieden, einen Geldautomaten fand ich schließlich auch zu meiner Zufriedenheit (hoffe ich), das Taxiunternehmen nahm Flughafen-Preise, aber dafür fuhren wir auch in einem Van.

Nach dem Check-in im Hotel machten wir einen kurzen Spaziergang, aßen akzeptabel, aber nicht herausragend zu Abend und ließen vor Müdigkeit sogar das Absackerbierchen hintenrunterfallen.

Daher auch hier nur der ganz kurze Bericht, morgen geht es an den Amazonas und danach wird es etwas ruhiger.

Gute Nacht bzw. guten Morgen nach Deutschland!

Mittwoch, 29. Mai 2019

In viereinviertel Stunden

... geht mein Wecker, also um 3 Uhr, denn ich werde um 4 Uhr abgeholt. Um 4.41 Uhr geht der Zug, um 5.15 Uhr sind wir am Flughafen, um 6.30 Uhr geht der Flieger. Mit Iberia fliegen wir nach Madrid, kommen dort um 9.15 Uhr an, haben ein bisschen Aufenthalt, den wir zum Ausreisen nutzen, und fliegen dann um 12.10 Uhr wieder in Madrid ab. Nach 10 Stunden und zwanzig Minuten Flug kommen wir um 15.30 Uhr (also mit sieben Stunden Zeitverschiebung) in Bogotá an.

Ich denke, wir werden uns ein Taxi vom Flughafen zum Hotel gönnen, und dann unsere Ankunft in meinem 137. Land ein wenig begießen. Nicht zu sehr begießen, wohlgemerkt, denn am Freitag werden wir um 8.35 Uhr Ortszeit ja nach Leticia an den kolumbianischen Amazonas fliegen. Da wir aufgrund des Jetlag wahrscheinlich ohnehin früh wach sind, sollte das frühe Aufstehen nicht soooo schlimm sein, das wird dann abends wahrscheinlich ein bisschen schwieriger, wenn es um 22.01 Uhr Ortszeit (also 5.01 Uhr deutscher Zeit) zurück nach Bogotá fliegen. Dort kommen wir planmäßig um 23.59 Uhr an und werden uns sicherlich auch dann wieder ein Taxi gönnen.

Die weitere Planung für Bogotá gucken wir dann mal in Ruhe am Samstag und am Sonntag.

Jetzt bin ich erstmal froh, dass ich Urlaub habe, auch wenn das wieder Abenteuerurlaub wird, aber in zwei Wochen habe ich ja dann Kuba vor der Brust, das wird dann wahrscheinlich ein bisschen mehr Erholung.

Nächster Post aus Südamerika, hoffe ich ...

Montag, 27. Mai 2019

Abenteuer Nr. 3 und 4

... stehen im Sommer an, denn - nach aktuellem Stand - vom 1. Juli bis 2. August und vom 2. bis 13. September werde ich wieder in Budapest sein.

Das wird arbeitstechnisch wieder spannend werden, aber natürlich freue ich mich auch sehr darauf, wieder insgesamt sieben Wochen in Budapest zu verbringen, da wird auch das eine oder andere Bad unsicher gemacht, und selbstverständlich wird auch im Gettó Gulyás und im Café Vian gegessen ...

Die Zeiten, wann ich in Budapest sein werde, waren ein wenig im Fluss, zunächst ging es um den 24. Juni bis 2. oder 9. August, aber aus Gründen, die mir noch nicht bekannt sind, machen wir es halt jetzt so.

Das ist mir ganz recht so, denn ich komme ja erst am 23. Juni aus Kuba zurück, da ist es ganz praktisch, wenn ich noch eine Woche "normal" arbeiten gehen kann, ehe es dann nach Ungarn geht.

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Erstmal geht es jetzt aber nach Kolumbien, in drei Tagen sind wir schon in Bogotá, auch das wird toll, aber irgendwann muss ich jetzt auch mal einchecken für die Flüge von Frankfurt nach Madrid und von Madrid nach Bogotá, das mache ich morgen, wenn das schon geht ...

Jetzt aber erst einmal gute Nacht!

Samstag, 18. Mai 2019

"IMMER mehr Havanna"

Das war der unmissverständliche Hinweis meiner Kuba-Expertin auf meine Frage, ob ich vier Tage in Havanna verbringen solle oder mehr.

Nun, ich folgte dem Hinweis sehr gerne und habe gestern Abend fünf Nächte (die ersten vier und die letzte) in Havanna und zwei weitere Nächte zwischendrin in einem All-inclusive-Hotel am Strand von Varadero gebucht (ein bisschen Quasi-Pauschaltourismus muss ja auch sein).

In Havanna bin ich in zwei casas particulares, also zwei Gästehäusern, das soll eine besondere Erfahrung in Kuba sein und außerdem den "einfachen Menschen" auch mehr bringen als in den staatlich kontrollierten größeren Hotels (die außerdem nicht gerade billig sind ...). Dahingegen wohne ich in Varadero in einem angeblich unter spanischem Management befindlichen Schuppen in einem Einzelzimmer mit Meerblick, mal sehen, wie das wird - ich bin sehr gespannt ...

Zwischen Havanna und Varadero fahre ich mit dem Bus, das habe ich eben auch gebucht, das geht über eine spanische Agentur, vermutlich auch, damit Mastercard als US-amerikanische Firma da kein Gedöns wegen US-Sanktionen gegen Kuba und so macht ... Für 17,19 Euro sitze ich also zweimal drei Stunden im Bus und gucke ein bisschen in der kubanischen Landschaft herum - das wird schön ...

So einfach die Online-Buchung jetzt war, so gespannt bin ich auf die WLAN-Verhältnisse auf Kuba - das soll alles ziemlich streng kontrolliert und zudem teuer sein. Meine Hotels bieten alle "kostenloses WLAN" an, mal gucken, welche Zeitbeschränkung "kostenlos" denn so mit sich bringt. Ich hoffe jedenfalls, dass ich werde berichten können, das ging ja bisher nur im Iran aus Zensurgründen nicht so richtig gut (und in ein paar Ländern wegen des sehr wackligen WLANs, ja, Guinea-Bissau, ich denke an dich!) ...

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SAS hat uns derweil ohne Probleme und relativ schnell die Hotels für die letzte Nacht auf Spitzbergen erstattet, die Entschädigung nach EU-Recht haben sie aber nicht gezahlt, weil sie sich vermutlich darauf berufen wollen, dass der Streik ein unvorhersehbarer Umstand war, für den sie nicht entschädigungspflichtig sind ...

Nun gibt es aber ein Urteil des EuGH von 2018, das man wohl so interpretieren kann, dass ein Streik sehr wohl vorhersehbar ist, insbesondere, weil man sich ja vorher in Verhandlungen mit den Gewerkschaften befindet und "einfach nur" Zugeständnisse machen müsste (mag sein, dass ich das jetzt verkürzt und verfälscht wiedergebe ...). Nunja, ich werde es jetzt nochmal im Guten versuchen (sobald die Erstattungen auch tatsächlich auf dem Konto sind), und sonst werden wir möglicherweise klagen.

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Ich bin sehr gespannt, wo es vor der Saison - in den zwei Wochen Ende September und über den Tag der deutschen Einheit - hingeht. Wir sind am Herumbasteln, und aktuell steht Feuerland an oberster Stelle (und die Nationalparks in den kanadischen Rocky Mountains an zweiter), aber vor der Saison möchte ich zumindest ein bisschen am Strand (und idealerweise in einem neuen Land) sein, aber da könnte man ja vielleicht auch nach Ecuador fliegen und dort drei Strandtage verbringen ... Zudem habe ich einer Kollegin noch ein paar Tage versprochen, da müssen wir auch mal gucken, das ist also alles noch nicht so richtig in trockenen Tüchern.

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Noch ein bisschen in feuchten Tüchern, aber schnell trocknend, scheinen die Pläne für Budapest zu sein, jedenfalls für den Sommer - das wäre sehr schön, wenn das klappt, aber auch da werde ich natürlich berichten, sobald es etwas Definitives zu berichten gibt. Die Budapester Bäder sollten jedenfalls trotzdem vorsorglich schon einmal Walross-Alarm für den Sommer auslösen ...

Sonntag, 12. Mai 2019

Tagesausflug an den Amazonas

Heute war einer dieser Tage, an denen ich stundenlang an meinem Rechner saß (das Wetter war viel zu schön, um nach draußen zu gehen ...) und an Reisen herumschraubte. Ich entwickelte eine Süd-Südamerika-Rundreise mit Schifffahrten von Punta Arenas nach Puerto Williams (in Chile) und weiter nach Ushuaia (Argentinien), ich baute eine West-Kanada-Rundreise zusammen und eine Südliches-Afrika-Tour, die jetzt auch mal Malawi mitnimmt. Zum Schluss überlegte ich mir, wie man Usbekistan, Tadschikistan und womöglich Turkmenistan sowie (festhalten!) Afghanistan unter einen Hut bringt (Masar-i-Scharif soll schön sein, aber das mache ich allenfalls alleine und auch erst dann, wenn die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ein bisschen abgeschwächt sind).

Danach machte ich meine Steuererklärung (man muss ja aktiv etwas gegen den drohenden Schuldturm machen), aber weil der Betrag, der da als Rückzahlung im Programm ausgewiesen wurde, ein bisschen höher war als ich gedacht hatte, guckte ich gleich mal, wie man das Geld (das ich noch nicht habe, natürlich) gewinnbringend in Reisen anlegen kann.

Ich hatte vor Jahren mal was vom Dreiländereck zwischen Kolumbien, Brasilien und Peru gelesen, das mitten im Amazonas-Regenwald liegt - und jetzt kam ich auf die Schnapsidee, mal zu gucken, ob man da von Bogotá hinkommt.

Klar, in Bogotá wird es genug zu sehen geben, aber ich kann ja meine Leutchen nicht die ganze Zeit durch Museen schleusen, ohne dass es mal ein bisschen Natur und Abenteuer (am besten verbunden) gibt. Wir hatten bisher drei volle Tage in Bogotá eingeplant (den 31. Mai, den 1. Juni und den 2. Juni), aber als ich sah, dass die Flüge nach Leticia nur um die 100 Euro pro Person kosten, überlegte ich mir mal, was man da machen kann.

Ich überlegte eben auch mit Jessi und Christian hin und her, ob wir mit Übernachtung machen oder ohne, aber auch wenn das Hotel in Bogotá noch zu stornieren gewesen wäre, wäre das alles doof gewesen mit dem Gepäck und dem Umbuchen. Außerdem kriegen wir nach dem Flug eh in Bogotá einen Höhenschock und dann im Amazonas einen Hitzeschock, da machen wir einen ruhigen Tag, fahren Taxi und Taxiboot ...

Jedenfalls kommen wir am 30. Mai in Bogotá an und fliegen aber schon am 31. Mai morgens um 8.35 Uhr mit Avianca von Bogotá nach Leticia, wo wir um 10.42 Uhr ankommen. Der Rückflug mit LATAM geht um 22.01 Uhr mit planmäßiger Ankunft in Bogotá um 23.59 Uhr, sodass wir in Leticia formal elf Stunden und 19 Minuten haben, also hoffentlich so 8-10 Stunden etwa unternehmen können.

Zum ersten Mal sehe ich den Amazonas, und wenn wir mit dem Taxiboot fahren, dann werde ich auch auf den drei größten Flüssen der Erde, auf dem Nil, dem Jangtse und eben dem Amazonas auch einmal gefahren sein ...

Das Taxiboot fährt dann wahrscheinlich aber von Leticia in Kolumbien hinüber nach Santa Rosa, und Santa Rosa liegt in Peru. Nehmen wir ein Autotaxi, sind wir in wenigen Minuten von Leticia in Tabatinga, und das liegt in Brasilien.

Wikivoyage schreibt, dass es zwischen diesen drei Ortschaften keine Grenzkontrollen gibt (in Brasilien haben wir wohl eh keine Chance, weil die Einwanderungsbehörde nur von Montag bis Donnerstag offen hat, und wir sind an einem Freitag unterwegs) und dass die Grenzer regelrecht "verärgert" seien, wenn man sie ohne Not behellige (also, wenn man von Manaus über Tabatinga/Leticia nach Bogotá will, dann ist es schon okay, sich in Tabatinga einen brasilianischen Ausreise- und in Leticia einen kolumbianischen Einreisestempel zu holen, aber wenn man nur - wie wir - von Bogotá kommend und dann wieder nach Bogotá zurückfliegend unterwegs ist, soll man die mit irgendwelchen Stempelwünschen verschonen ...). Nun denn, dann vertrauen wir mal darauf, dass das da alles kein Problem ist, denn dann kriegen Jessi und Christian vielleicht gleich noch zwei neue Länder mit Brasilien und Peru ...

Den Äquator überqueren wir auf den Flügen jeweils auch noch, das wird für mich das dritte Mal innerhalb von drei Monaten, dass ich den Äquator überquere, das hatte ich bisher auch noch nicht geschafft.

Ich habe mich eben, als ich gebucht habe, richtig, richtig gefreut, weil ich den Amazonas schon immer einmal sehen wollte, und jetzt kommen wir in gerade einmal 19 Tagen dorthin. Das wird super!

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Es war toll.

So erwartet jeder das Fazit von Spitzbergen, und daher ist das auch richtig so. Immer wenn ich in den letzten Tagen von Spitzbergen erzählt oder Fotos gezeigt habe (und das habe ich oft), kamen die Ahs und Ohs - so schön war es da ...

Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter, denn der Großteil der Schifffahrt und die komplette Schlittenhundausfahrt über hatten wir strahlend blauen Himmel, dementsprechend sind die Fotos auch etwas geworden. Es war zwar wirklich eisig kalt, vor allem auf dem Boot, aber ich war überraschend, dass doch ein paar Klamotten besitze, die einigermaßen warmhalten, so konnte ich es dann - auch wenn Jessi und Christian darüber überrascht waren - doch einigermaßen lang auf dem Oberdeck aushalten. Und ohne die Spezialklamotten bei der Schlittenhundefahrt wäre es trotzdem ziemlich kühl geworden, aber zum Glück wissen die Leutchen ja, wie sie die Leute bei Laune halten.

Auch Spitzbergen drohe ich hiermit die Wiederkehr an, und es würde mich nicht überraschen, wenn ich mal im Winter dort oben bin. Die 24 Stunden Helligkeit haben mich beeindruckt, und ich würde gerne auch mal 24 Stunden Dunkelheit erleben, auch wenn das wahrscheinlich weniger fröhlich wäre ... Es kann also sein, dass ich im Winter mal da oben aufschlage und mir Nordlichter angucken will. Gefallen hat es mir auf Spitzbergen jedenfalls sehr gut, auch wenn es sacketeuer war ...

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So, jetzt bringen wir die verbleibenden zweieinhalb Wochen rum und dann bin ich sehr gespannt auf Kolumbien und Panama. Das wird cool.

Donnerstag, 9. Mai 2019

Zwei Drittel

... von 207 sind 138, und mein 138. Land wird Kuba werden - das habe ich heute Abend gebucht, wie so oft im Sherry.

"Der Schuldturm wartet" wäre allerdings ebenfalls eine angemessene Überschrift gewesen, denn ich muss dann ab Ende Juni ein bisschen langsam machen, sonst kommt gleich der Gerichtsvollzieher, auch wenn Jessi eben schrieb, der solle ruhig kommen, ich sei eh nie daheim ...

Jedenfalls fliege ich am Samstag, dem 15. Juni zu angenehmer Zeit, nämlich um 11.30 Uhr von Frankfurt mit Condor nach Havanna. Jaja, ich weiß, Condor wollte ich nicht mehr fliegen, aber für weniger als 450 Euro - wenn auch nur mit Handgepäck - nach Kuba zu kommen, da konnte ich, nachdem ich ein paar Tage um den Flug herumgeschlichen war, nun nicht mehr Nein sagen ...

Ich denke, ich werde mir für drei oder vier Nächte ein Zimmer in Havanna nehmen (ich komme am Samstag um 16.30 Uhr Ortszeit an) und danach noch vier oder drei Nächte einen All-inclusive-Strandurlaub genehmigen, aber so richtig fix ist die Planung noch nicht, das gucke ich mir am Wochenende mal an ...

Am 22. Juni fliege ich dann um 18.30 Uhr wieder zurück nach Frankfurt und lande dort um 10.35 Uhr am Sonntag Morgen. Mal sehen, ob ich mir wieder diesen komischen Code für die Filme kaufe oder aber mir ein paar Serien aufs Handy herunterlade und die dann gucke.

Und Ende Juni könnte es dann wieder nach Ungarn gehen, mal sehen, wie und wann und wo, aber ich bin zunehmend zuversichtlich, dass das wieder was wird.

Ich bin sehr gespannt, aber jetzt freue ich mich erstmal auf Kolumbien und Panama, das sind ja auch nur noch drei Wochen ..

Samstag, 4. Mai 2019

Achteinhalb Stunden

... Verspätung waren es am Ende im Vergleich zur ursprünglich gebuchten Relation - dafür, dass ich zwischendurch meiner Chefin avisiert hatte, dass ich vielleicht erst wieder am Dienstag zur Arbeit komme (in der "mitteldummen" Variante ...), ging es eigentlich noch ...

Der Flughafensonderbus kam selbstverständlich (Christian war nicht sicher, ob der wirklich zu unserem Hotel hochkommt - die beiden waren für die Abholung wieder zu meinem Hotel gekommen - und signalisierte, indem er den leuchtend roten Handgepäckkoffer in die Luft wuchtete), brachte uns zum Flughafen, die Sicherheitskontrolle war ganz schön mühsam, weil wir soviel Oberbekleidung anhatten (die nach der Kontrolle dann im Handgepäck verschwand). Wir kamen zum (einzigen) Gate am Flughafen und sahen, dass der ankommende Flieger schonmal 40 Minuten Verspätung hatte - da wir nur eineinhalb Stunden zum Umsteigen hatten, sah ich die ersten Felle schon wieder davonschwimmen.

Wir kamen schließlich 40 Minuten verspätet weg, flogen über Spitzbergen, sodass ich - ich saß am Fenster - nochmal fantastische Ausblicke hatte, und da der Flug eine Viertelstunde weniger benötigte als avisiert und die Einreisekontrolle (in den Schengen-Raum) ebenso leer war wie die Sicherheitskontrolle, hatten wir noch völlig ausreichend Zeit, um zum Gate zu kommen.

Wir mussten zu Gate D11 und irgendwie hatte ich einen Knick in der Optik, denn das Gate, das ich ansteuerte, war schon leer, aber boardingbereit, also versuchte ich zu boarden, nur um von der freundlicher Dame gesagt zu bekommen, dass ich hier am Gate D9 nach Stockholm statt am Gate D11 nach Kopenhagen war ... Das ist mir auch noch nicht passiert, dass ich das falsche Gate nehmen will - ich schiebe es auf Schlaf- und Wassermangel, denn ich habe die Tage auf Spitzbergen viel zu wenig (nicht mit Alkohol gepanschtes) Wasser getrunken, und geschlafen habe ich auch nicht so arg viel ...

Nun, wir aßen dann noch Sandwiches (für 8-10 Euro das Stück, auf auf meinem waren gut Shrimps drauf), boardeten dann unseren Flieger nach Kopenhagen und kamen dort nach kurzem Flug an. Wir mussten zu Gate B7, kamen an Gate B7 raus (unser Flieger von Oslo nach Kopenhagen stellte sich als der heraus, der uns von Kopenhagen nach Frankfurt brachte) und hatten jetzt auf einmal so viel Zeit zum Umsteigen (zuvor hatte ich gedacht, dass 55 Minuten knapp werden können), dass wir Jessis erstmaligen Besuch in Dänemark (zählt für mich, weil schengeninternes Umsteigen) und beider erstmaligen Besuch in Norwegen noch mit einem (teuren) dänischen Bier begießen konnten.

Wir waren pünktlich wieder am Gate, Christian stellte unterwegs fest, dass die Toiletten vorne im A319 anders aussehen als hinten, und kamen um 19.43 Uhr, zwei Minuten vorplanmäßig, in Frankfurt an.

SAS ist Star-Alliance-Mitglied und kommt am Terminal 1A an, unser Auto stand am Terminal 2 (weil wir mit Ryanair hingeflogen waren), also bahnten wir uns den (langen!) Weg von 1A zum Terminal 2, die Skyline ist im Moment außer Betrieb, also mussten wir noch den Shuttlebus suchen, kamen dann ins Parkhaus mit sehr wenigen Zahlstellen, zahlten unsere vier Tage Parkhaus (112 Euro ...) und fuhren dann - unterbrochen von einem Zwischenstopp zum Getränkefassen in Rüsselsheim - zurück nach Kaiserslautern, wo die beiden noch einen leckeren Eintopf kochten.

So, Reise noch ausreichend pünktlich beendet, ein Fazit gibt es in den nächsten Tagen (den ersten Satz wird sich jeder schon überlegen können, der öfter diesen Blog liest), ein paar Fotos vom Rückflug jetzt:


Spitzbergen

Kurz vor Oslo

Freitag, 3. Mai 2019

Sonderflug nach Oslo

Nein, das ist kein Udo-Lindenberg-Lied (das ist ein Zug, und der fährt nach Pankow), sondern (hoffentlich) die Lösung unseres Problems, von dieser Insel herunterzukommen.

Heute Nacht um 0.03 Uhr bekam ich eine SMS, dass wir auf einen Flug um 11.55 Uhr umgebucht sind, den es in unseren bisherigen Betrachtungen noch nie gegeben hatte. Nun denn, hoffen wir, dass der Flug SK 6371 uns gut nach Oslo bringt (dass Google und Flightstats, meine bevorzugten unabhängigen Fluganzeiger den Flug überhaupt nicht kennen, verschweige ich jetzt besser, der Flughafen hier kennt den Flug zumindest). Jedenfalls fahren wir gleich um 10 Uhr zum Flughafen und hoffen wieder einmal das Beste.

Der Plan ist, dass wir um 14.50 Uhr in Oslo landen, dort einreisen, dann um 16.10 Uhr abfliegen in Richtung Kopenhagen (Stockholm ist abgesagt ...), in Kopenhagen um 17.20 Uhr landen, dort wieder um 18.15 Uhr in den Flieger steigen und schlussendlich um 19.45 Uhr in Frankfurt landen.

Das glaube ich zwar alles erst, wenn ich in Frankfurt wieder deutschen Boden berühre, aber ich bin im Moment deutlich hoffnungsvoller als gestern ...

Das wären dann am Ende "nur" acht Stunden Verspätung, aber trotzdem werden wir bei SAS natürlich unsere Übernachtung heute einreichen (wir konnten ja nicht ahnen, dass doch schon heute wieder ein Flieger geht, und selbst wenn, die Nacht komplett durchgemacht hätten wir auch nicht, ohne zurückzufliegen) und mal sehen, ob sie die Entschädigung von sich aus springen lassen oder ob wir in Richtung Klageweg gehen müssen - wir werden mal gucken.

Jetzt werde ich erstmal gleich hier im Hotel auschecken, hoffen, dass der angekündigte Sonderbus zum Flughafen auch wirklich kommt, und dann geht es wieder auf drei Etappen Freude, Spaß und Überraschung ...

Spitzbergen Ende. Hoffentlich.

Donnerstag, 2. Mai 2019

Glücklich, aber k.o.

... war ich heute, als ich nach der Schlittenhunde-und-Eishöhle-Ausfahrt heute wieder unter der Dusche stand und mir den Geruch von Schweiß, Hund und ..., naja, okay, keine Tränen, vom Körper waschen konnte. (Jetzt bin ich müde, mal sehen, wie lange der Blogeintrag heute wird ...)

Um 23.23 Uhr bekam ich eine SMS, dass unser Flug heute Nacht storniert sein; man werde uns umbuchen und uns darüber informieren, sobald Genaueres feststünde. Dementsprechend versuchten wir heute, unsere Unterkunft hier zu verlängern. Während das für mein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad problemlos ging, mussten Jessi und Christian ihr Zimmer mit eigener Dusche räumen. Weil es kein anderes solches Zimmer gab, zogen sie um, einen halben Kilometer weiter, in ein Hotel, in dem sie für eine Nacht unterkommen konnten. (Heute Abend lasen wir Nachrichten, dass der Streik möglicherweise dem Ende entgegengeht, vielleicht kommen wir morgen Mittag von der Insel runter, mal sehen ...) (Zweite Klammer: Wir gehen davon aus, dass SAS unsere Zimmer bezahlt, ab dieser Nacht - auch mal sehen ...)

Nach dem ganzen Hin und Her wurde ich um 10 Uhr abgeholt zu meiner Schlittenhundefahrt (ich hatte um zwanzig vor 10 Uhr einen Schreck bekommen, als eine Frau ankam und fragte, ob ich zum Hundeschlitten wollte, aber da sie auf eine Siebenergruppe wartete, war ich fein raus ...).

Der Typ begrüßte mich und fuhr uns sieben Leutchen dann ein paar Kilometer raus aus Longyearbyen zu einem Areal, in dem drei große Hundewohnblocks aufgebaut waren. Die Wauwaus hatten nicht so richtig viel Auslauf, aber das sind ja hier Arbeitstiere ... Erst einmal sollten wir uns aber umziehen, denn in unseren Klamotten wäre das alles wahnsinnig kalt geworden - wir bekamen Stiefel (seeeeehr warm, sehr schön), einen Overall (auch ziemlich warm), eine dicke Mütze (auch warm) und zwei Lagen Handschuhe (sehr warm, hätte man so vielleicht nicht unbedingt gebraucht).

Der Guide gab uns eine Einweisung, und ich war nicht unglücklich, als ich dazu auserkoren wurde, auf seinem Schlitten als Passagier mitzufahren (unserer war ein Elf-Hunde-Schlitten, während die anderen, die sich mit Fahren und Passagiertum abwechselten, je sechs Hunde vor sich hatten), denn so konnte ich die Gegend begutachten, ohne auf die Wauwas achten zu müssen.

Nachdem wir - unter Mithilfe der Teilnehmer, wobei diese in meinem Fall vornehmlich darin bestand, den Führungshund zu streicheln (wichtige Aufgabe!) - die Hunde fertig gemacht hatten, ging es los. Das erste Stück ging den Berg runter, und das war ein ziemliches Gerumpel - hui! Den Hunden machte es Spaß, dem Guide machte es Spaß, mir machte es großen Spaß - toll - und dazu der Ausblick auf nahezu unberührte Schneelandschaft, es war fantastisch!

Auf den ersten Metern entledigte sich Willow, einer der "Wheel Dogs" ("Radhunde"), seines Dickdarminhalts, was für einen speziellen Geruch sorgte, aber ich bekam nichts ab, aber interessant war das.

So, und danach ging es durch die Stille (es war Bombenwetter und zudem windstill), nur unterbrochen von Steuerungsrufen des Guides, in Richtung des Gletschers. Die Schneelandschaft ... - ach, ich lasse die Beschreibung sein und dafür Bilder sprechen ...

Nach einer starken Stunde Weg (in dessen Verlauf die armen Wauzis den Schlitten mit meinem Adoniskörper druff zum Teil steile Hügel hochziehen mussten) kamen wir an ein Zelt, an dem wir Rast machten. Es gab zunächst heiße Schokolade, danach Spaghetti Bolognese aus Trockenfutter, das schmeckte gar nicht so verkehrt, das muss ich sagen.

Nachdem wir gestärkt waren, wurden wir mit Helmen versorgt und es ging in den Gletscher. Wir stiegen sicher sieben Meter tief über Schneetreppen und Leitern in den Gletscher hinein, zwischendurch rutschte ich ein paar Mal weg, es war eng, aber im Inneren eines Gletschers zu sein ist natürlich auch toll (die Bilder sind leider nicht so richtig was geworden, fürchte ich ...). Nachdem ich meine Lampe angekriegt hatte, konnte ich auch mehr sehen und am Fuß der uns zugänglichen Strecke war Eis und Schnee in bizarren Formationen zu sehen - atemberaubend!

Atemberaubend (und schweißtreibend) war auch der Wiederaufstieg, gerade in den warmen Klamotten und angesichts der Tatsache, dass es im Gletscher mit - 2°C sogar ziemlich warm war ....

Ich bin eigentlich kein Klaustrophobiker, aber den Gedanken, dass der Gletscher irgendwie einstürzt, den musste ich ein paar Mal aus dem Kopf vertreiben - dementsprechend war ich froh, als ich schwitzend und schnaufend wieder im (hellen) Tageslicht stand. Nachdem wir aufgeräumt hatten, schnallten wir die Hunde wieder an (naja, der Guide machte das, während ich wieder Sherlock streichelte - da muss wirklich einer vorne stehen und aufpassen, dass der Führungshund nicht vorfristig loslegt!) und es ging - nun war es ein bisschen windig und entsprechend kühler - wieder zurück zum Hundestall ging.

Unterwegs fuhren wir durch Tiefschnee (jieeeha!), sahen ein paar Spitzbergen-Rentiere und kamen nach einer längeren Aufwärtsfahrt wieder an. Wir sollten dabei mithelfen, die Hunde wieder an ihren jeweiligen Futterplatz zu bringen (das sind verflucht starke Viecher, Willow ging eher mit mir Gassi als ich mit ihm ...), dann zogen wir uns wieder unsere - vergleichsweise - luftigen Klamotten an und wurden heimgefahren.

Ich ging erstmal duschen (ich habe mir ganz schön rote Bäckchen geholt ...), danach traf ich mich mit Jessi und Christian zum Einkaufen und zum Abendessen. Ich brauchte Unterhosen (ich hatte nicht vorausschauend genug gepackt - das sind die teuersten Schlüpper meines Lebens), wir kauften Fanta und Wasser, aßen dann im Kroa wieder zu Abend (wieder sehr lecker) und nahmen in der Svalbar (das Gebiet hier heißt auf Norwegisch Svalbard, das Ganze ist also ein monstergutes Wortspielt ...) den Absacker, ich lieferte die beiden an ihrem Hotel ab, ging wieder durch das Flussbett zu meinem Hotel und bin nun - mal wieder - bettfertig.

Mal sehen, wann wir heimkommen, ich werde berichten ...

Hunde ...

Unterwegs

Schneelandschaft


Eingang zum Gletscher

Gletscher






Spitzbergen-Rentiere

Mittwoch, 1. Mai 2019

Eine lebensmüde Robbe

... habe ich heute identifiziert, aber leider nicht aufs digitale Zelluloid gebannt bekommen, denn diese Robbe schwamm auf das Eisbärpärchen (?) auf dem Packeis vor Pyramiden zu, nur um kurz davor ihren Fehler zu erkennen und - unter hämischem Gelächter der Vögel - zügigst abzudrehen ...

Ich hatte gedacht, dass ich gestern Abend in dem Moment (spätestens) einschlafe, in dem mein Kopf das Kopfkissen berührt, aber ich hatte mich vertan. Ich war wohl so aufgewühlt von dem ganzen Tag, dass ich erst nach Mitternacht einschlief, nicht ohne die Mitternachtshelligkeit (die Mitternachtssonne stand zu dem Zeitpunkt schon auf der anderen Seite des Hauses) fotografisch erfasst zu haben. (Wenn mir einer früher erzählt hätte, wieviele Fotos ich jetzt mache, ich hätte es nicht geglaubt ...)

Um 4 Uhr war ich wach (hell), um 6 Uhr wieder (hell), und um 6.30 Uhr ging mein Wecker, weil wir um 7.30 Uhr frühstücken wollten und ab 8.30 Uhr abgeholt werden sollten. Das Frühstück hier war sehr lecker, Rührei und Würstchen sowie ein Salamibrot wurden verspeist, und um 8.30 Uhr standen wir abholbereit, schön eingemummelt mit langer Unterhose, dicker Jacke, Mütze, Schal und Handschuhen (wer weiß, wie ich normalerweise bei +5 °C schwitze, weiß, dass das für mich völlig unnatürlich ist), aber zu warm war es mir hier definitiv nicht - bei - 10°C, die gefühlt aufgrund des Windes nochmal ein bisschen kühler waren ...

Der Bus kam um 8.50 Uhr (die Abholzeit ab 8.30 Uhr bezog sich auf das erste angefahrene Hotel), unsere Unterkunft stellte die Hälfte des Busses (auch die nervigen Finnen oder Norweger aus dem Flieger gestern waren dabei), nach fünf Minuten waren wir am Hafen und bestiegen die M/S Billefjord, ein in Tórshavn auf den Färöer-Inseln (!!) registriertes Schiff.

Nach der Sicherheitseinweisung (nein, während der Sicherheitseinweisung) ging es schon los, vom Adventsfjord, schräg über den Sassefjord in Richtung des Billefjords. Freunde, das ist toll ...

Man steht da oben auf dem Oberdeck, hat sich den Schal tief ins Gesicht gezogen, der eisige Wind (besonders im Sassefjord, wo nichts den Wind aufhält) zieht um dich und durch dich hindurch, der Himmel klart auf, du hast blauen Himmel und fantastische Ausblicke auf die riesigen, gefühlt unberührten Berge an den Seiten der Fjorde, fast vollständig bedeckt mit Schnee, irgendwo steht eine einsame Hütte in der Gegend herum, man fragt sich unwillkürlich, ob da aktuell, und wenn nein, wann zuletzt, da jemand wohnt bzw. gewohnt hat, Eisschollen schwimmen an einem vorbei, das Boot wackelt manchmal bedenklich, man muss sich festhalten, wenn man sich laufend fortbewegen möchte, man rennt sich vor lauter Mütze den Schädel an einer Strebe über der Treppe an (naja, nicht man, ich), ich kann es nicht so gut beschreiben, die Bilder sprechen für sich (unten - nein, noch nicht!) ...

Unsere Guide (schreibt man das so?) hatte uns schon angekündigt, dass wir Pyramiden nicht würden anlaufen können, weil das Eis noch kilometerweit davor zu fest ist, aber wir freuten uns trotzdem auf das Mittagessen mit Blick auf den Nordenskiöld-Gletscher ...

Ich starrte - voller Begeisterung und Glück - auf den Gletscher, als die Guide (klingt irgendwo sehr schräg) mich ansprach und meinte, es gebe Essen. Also ging ich unter Deck, stellte mich an, staubte Lachs und Walsteak ab, war von beidem begeistert (das Walsteak war deutlich zarter als gestern Abend hier im Hotelrestaurant), dazu wurde eines von mehreren Bieren an diesem Tag an Bord verzehrt (für 40 Kronen, also 4 Euro, für die Dose kann man ja fast nix sagen ...), und plötzlich stürmte alles an Deck.

"Sono due", rief die Italierin, "es sind zwei", ein Typ kreischte vor Freude, und irgendwann sahen selbst meine müden Augen, dass da zwei Eisbären am Rand des Eises standen und fraßen. Und sie fraßen, umflogen von hungrigen Vögeln, und als sie satt waren, rutschten sie auf ihren Brustkörben über das Eis, wälzten sich auf dem Eis, machten allerlei Sachen, möglicherweise auch nicht ganz jugendfreie, und das alles vor der atemberaubenden Kulisse des Nordenskiöld-Gletschers - unfassbar schön. (Das war der nördlichste Punkt meines Lebens, bei ziemlich exakt 78° 38' 56'' nördlicher Breite ...)

Leider war es auch unfassbar kalt, sodass ich dann irgendwann auch mal unter Deck ging und den Rest der Fahrt - unterbrochen von einem längeren Aufenthalt auf dem Oberdeck - im mehr oder weniger Warmen verbrachte.

Während dieses letzten Aufenthalts in der (inzwischen gefühlten - fast -) Wärme, weil wir relativ geschützt in einem Nebenfjord unterwegs waren, sah ich dann noch ein paar Viecher, von denen ch nicht weiß, ob das Eisfüchse oder sonstwas waren, jedenfalls auch interessantes weißes Getier ...

Das war eine soooo tolle Ausfahrt, mein Spannungsgefühl im Gesicht kommt wahrscheinlich aus der Kombination von eisiger Kälte und Sonneneinstrahlung heute (eingeschmiert hatte ich micht nicht, weil die Augen und die Bäckchen hervorlugten unter der Schutzkleidung), meine Hand habe ich mir wider Erwarten auch nicht abgefroren (mehr als eine Minute ohne Handschuhe Fotos machen geht aber auch nicht - es ist unmöglich), das war richtig, richtig schön ...

Nach der Ankunft am Hafen von Longyearbyen (da lag ein in Vanuatu - ! - registriertes Schiff vor Anker) fuhr uns der Bus - von uns eigentlich ungewünscht - ins Stadtzentrum, sodass wir nach einem kurzen Fußmarsch im Kroa aßen. Wir tranken spitzbergisches Bier (Weißbier und Stout, beides trinkbar) und aßen Pizza bzw. einen Elchburger (Letzterer sehr lecker).

Nach einem abenteuerlichen Heimweg durchs gefrorerene Flussbett machten wir noch einen Absacker in unserem Hotelrestaurant, und jetzt bin ich quasi schon bettfertig - es ist 21.30 Uhr und, natürlich, glockenhell ...

Mal sehen, ob die Tour morgen mit Schlittenhunden und Gletscher das von heute noch toppen kann, ich werde berichten.

Ebenfalls werde ich berichten, ob und wie wir am Freitag heimkommen. SAS und die Gewerkschaft haben heute wieder angefangen zu verhandeln, wenn wir großes Glück haben, kommen wir pünktlich am Freitag um 11.20 Uhr in Frankfurt an, wenn wir Pech haben, wird es womöglich Montag ...

Ich hoffe, dass ich morgen aufwache und feststellen kann, dass sie sich geeinigt haben, denn bisher sind nur die meisten Flüge bis morgen, 14 Uhr, gestrichen, und der Flug von Oslo hierher geht erst um 21.55 Uhr, sodass wir da Glück haben könnten. Also, liebe Leser, das Beste hoffen!

So, gute Nacht!

Jaja, Fotos kommen doch ... (Die Internetverbindung hier ist übrigens noch schneller als auf Mauritius ...)

Am Anfang der Reise

Der Autor, nicht identifizierbar, weil saukalt

Das Wetter wurde gut ...




Färöer-Flagge vor Berg und Polarmeer

Eisbären

Blick auf Pyramiden

Gletscher, garniert mit Eisbär (links)

Auf dem Heimweg ...