Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 10. Februar 2018

Not gentlemanlike

... sei ich eben im Pub gewesen, meinte die Dame, nachdem sie versucht hatte, sich vorzudrängeln und ich das unterbunden hatte. Ansonsten sind die Schotten aber - soweit ich sie verstehe - sehr freundlich ...

Das Aufstehen heute Morgen war nicht unbedingt einfach, aber es war zu ertragen - natürlich war ich zehn bis fünfzehn Minuten zu früh an der Bushaltestelle, aber der Bus kam halbwegs pünktlich, sodass ich - nach dem Erwerb einer Spezi morgen um halb fünf - in die S-Bahn zum Frankfurter Flughafen steigen konnte.

Ich konnte mit der Skyline zum Terminal 2 fahren (als ich im September nach Gran Canaria bin, war ich so früh dran, dass ich noch mit dem Shuttlebus fahren musste), die Ausreise ging schnell (und wäre noch schneller gegangen, wenn da nicht Leute vor mir mit dem alten Personalausweis versucht hätten, die biometrische Passkontrolle zu nutzen ...), an der Sicherheitskontrolle war ein bisschen was los (Ryanair bietet Flüge nach Glasgow und London-Stansted im Abstand einer Viertelstunde an), aber ich war natürlich viiiiiiiel zu früh am Gate.

Die Dame, die den Leuten das (etwas größere) Handgepäck abnimmt, ignorierte mich, sodass ich mein Zeug mit in die Kabine nehmen könnte - ich ging als einer der letzten Passagiere durch die Bordkartenkontrolle, war aber relativ früh im Flieger (weil ich ja kein Gepäck aufgeben musste) und konnte mich auf meinen Platz in der ersten Reihe setzen - schön viel Beinfreiheit und ausreichend Platz im Gepäckfach ...

Unterwegs las ich meinen "Spiegel", die italienische Stewardess sprach ganz gut Deutsch, der deutsche Pilot noch besser, auch wenn ich (für ihn) hoffe, dass die Schotten nicht hörten, dass er für Glasgow "halt englisches Wetter" ankündigte, nämlich Nieselregen (äh, Rieselnegen natürlich ...) bei kühlen vier Grad.

Ich reiste als dritter Mensch des heutigen Tages am Glasgower Flughafen ins Vereinigte Königreich ein, fand sofort meinen Bus, musste stehen (der Busfahrer heizte ganz schön über die Autobahn, ich war froh, dass er keinen Unfall baute, sonst hätte ich Bekanntschaft mit der Windschutzscheibe gemacht ...) und stieg dann in der Nähe des George Square in der Innenstadt aus.

Ich spazierte - es war 8.30 Uhr oder so - in Richtung meines avisierten Frühstückslokals, verstand den Ober ("hausgoin" - "how it is going?" - "wie geht's"?) halbwegs ("have you bocked in?" - "have you booked in?" - "haben Sie reserviert?" - "äh, well, no"), bekam trotzdem einen Tisch und bestellte ein full Scottish breakfast. Eigentlich hatte ich vorgehabt, noch zu Mittag und zu Abend zu essen, aber den Gedanken verdrängte ich nach der Portion mit Rührei, black pudding (Blutwurst), anderer Rindswurst, gebratenen Pilzen und Tomaten und einer Art Waffel wieder.

In diesem Café Gandolfi fühlte ich mich sehr wohl, zumal es in ganz vielen Details sehr große Ähnlichkeit zu meinem geliebten Sherry & Port in Wiesbaden hatte ...

Ich war nicht (mehr) sicher, wie man hier Trinkgeld gibt (sollte ich beim Ansagen aufrunden oder sollte ich das Restgeld liegenlassen)?, was dann dazuführte, dass ich ein bissel viel Trinkgeld gab (war aber irgendwo verdient, höhö ...). Sei's drum, auf Pfund kommt es bei meinen Kilos auch nicht mehr an, und ich schlurfte mit meinem Handtäschchen zum Hotel.

Der Barmann putzte gerade die Theke, als ich aufschlug, aber mein "Gepäck" konnte ich wenigstens abgeben, und ab ging es in Richtung der Kathedrale und der Nekropole, auf die ich einen wunderbaren Blick hatte, als ich wieder aus der Hoteltür trat.

Wow, liebe Leute, bis heute Morgen wusste ich nicht, dass Glasgow so einen fantastischen Hauptfriedhof auf dem Berg hat, auch wenn ich das Gefühl nicht loswerde, dass ich dieses Bild der Nekropole von Glasgow schon irgendwo im Fernsehen gesehen habe. Ich ging also über die Seufzerbrücke und wagte den Aufstieg.

Als ich unterwegs war, kam die Sonne und der blaue Himmel raus, und der Blick auf Glasgow war so fantastisch, dass ich wusste, dass die Entscheidung, heute nach Glasgow zu fliegen, zwar eine Schnaps-, aber auch eine sehr gute Idee war - so, so, so toll ... Traumhaft schön, unbedingt auch angucken.

Ich ging runter zur Kathedrale, betrat diese und staunte wieder - nicht nur ist die Kathedrale sehr schick, sondern diese Politik der Stadt Glasgow (oder auch der schottischen Regierung), dass sie freien Eintritt gewährt, aber um Spenden bittet, finde ich auch sehr, sehr gut ...

Ich genoss die Kathedrale mitsamt der Krypta und wollte dann in Richtung des Clyde River gehen, als mir auffiel, dass ich direkt an der Haltestelle für den Stadtrundfahrtsbus stand. (Achso, davor hatte ich eine der blauen Polizeinotrufzellen entdeckt, die, seit ich die britische Science-Fiction-Serie "Doctor Who" [nicht "Doctor What", wie die Matthias-Claudius-Straße das verballhornte] für mich entdeckt habe, für mich als "TARDIS" eine ganz andere Bedeutung hat ...)

Ich stieg also in den Bus ein, zahlte 15 Pfund für das Tagesticket und fuhr erstmal eine Rundroute durch Glasgow, vorbei am Volkspalast, am "Gürteltier" (dem Spitznamen für das Kongresszentrum), am Clyde River, an der Universität, am Kelvingrove Park und Museum, am Konservatorium (an dem David Tennant, der zehnte "Doctor Who", man sieht, ich bin da voll angestiegen, studiert hat) vorbei zum George Square.

Ich lief die paar Meter zur Gallery of Modern Art - das Museum ist einigermaßen interessant; sehr interessant ist dagegen die Statue des Duke of Wellington davor. Es ist inzwischen Tradition geworden, dass der Duke einen Verkehrskegel auf dem Kopf trägt - die Stadt Glasgow findet das nicht so wirklich lustig, aber jedes Mal, wenn sie den Kegel vom Kopf entfernt, ist er eine Nacht später wieder druff. Wer den Duke mit Kopfbedeckung nicht gesehen hat, ist nicht wirklich in Glasgow gewesen, behaupte ich jetzt mal ...

Ich kaufte mir jetzt endlich eine Cola zu trinken und fuhr dann mit dem Touristenbus zum Riverside Museum - das Museum selbst zeigt viele verschiedene Verkehrsmittel, die man im Laufe der Jahrhunderte in Glasgow antreffen konnte und ist eher für Kinder gemacht, das Tall Ship in unmittelbarer Nähe ist eines von fünf noch hochseetauglichen Segelschiffen, die hier an einer der Glasgower Werften gebaut wurden. Joa, kann man sich mal angucken, kostet ja nix, von daher schadet es nichts ...

Weiter ging es zur Universität mit ihren "Cloisters", den Kreuzgängen, die sehr schön anzusehen und offenbar auch schon für ein paar Filme verwendet wurde. Es ging weiter zum Kelvingrove Museum, das einige interessante Ausstellungen hat, aber insgesamt so ein bisschen den Eindruck eines Sammelsuriums aus präparierten Tieren, schottischer, niederländischer, französischer Malerei, Einführungsausstellungen für Kinder und sonstnochwas macht - nicht uninteressant, aber auch nicht ein unbedingte Muss, zumal das Haupt-Highlight, Dalís "Christus des Heiligen Johannes vom Kreuz" zur Zeit an eine Ausstellung in den Vereinigten Staaten ausgeliehen ist.

Vielleicht war ich auch einfach fertig, weil ich inzwischen - es war erst 15.30 Ortszeit - auch schon 13 Stunden unterwegs war, jedenfalls fuhr ich zurück in die Innenstadt und wollte noch ein bisschen Rugby gucken - seit 2017 bin ich ja "regelmäßig" während der Six Nations, dem wichtigsten innereuropäischen Rugbyturnier, in einem der teilnehmenden Länder. Die erste Kneipe war gerammelt voll, die zweite auch, aber irgendwie blieb ich in der zweiten hängen, probierte mich - ohne etwas zu essen, ich hatte einen Stehplatz - durch verschiedene Biersorten durch und bekam dann zu Beginn der zweiten Halbzeit des England-Wales-Spiels einen Platz.

Als ich endlich etwas zu essen (Fish & Chips) bestellen wollte, kam mir die anfangs beschriebene Dame in die Quere, trotzdem bekam ich unfallfrei mein Getränk und mein Essen, England gewann (leider) und ich brach in mein Hotel auf.

Das Zimmer hier ist für 36 Pfund völlig in Ordnung, das ist sicher nicht fünf Sterne, aber für eine Nacht definitiv ausreichend (und es gibt - überraschend für die britische Badezimmerkultur - sogar einen abnehmbaren Duschkopf, juchhe ...). Jetzt sitze ich noch in der Kneipe unten, trinke ein Guinness und vielleicht gleich noch eines und/oder einen Whisky, aber morgen früh geht es schon wieder früh zurück zum Flughafen.

Die ersten zwanzig Minuten in Glasgow waren noch ein bisschen unbestimmt, aber spätestens seit der Nekropole gefällt es mir hier sehr gut ...

Irgendwann komme ich im Sommer nochmal wieder - im Sommer, weil es in dem offenen Doppeldeckerbus oben ganz schön kühl ist. Den Damen (und Mädels) hier ist das teilweise aber völlig wurscht, die laufen teilweise in offenen Schuhen ohne Strümpfe hier durch die Gegend - wer schön sein will, muss halt leiden ...

Achso, und die Europäische Union ist einfach toll - jedenfalls kann ich (noch) hier im Vereinigten Königreich online gehen und in Deutschland anrufen, ohne etwas extra zahlen zu müssen - sehr, sehr schön und sehr, sehr schade, wenn das 2019 endet, sehr, sehr schade ...

Morgen geht es leider schon wieder früh zurück nach Deutschland, aber andererseits habe ich dann noch ein paar sehr erholsame Stunden am Sonntag für mich, denn spannend, interessant, schön war's hier, aber erholsam ...? Naja ...

Fotos gibt's erst morgen, fürchte ich ... Spannungsbogen und so ...

Freitag, 9. Februar 2018

Rieselnegen

... erwartet mich morgen - und diesmal ist die Überschrift bewusst schräg, weil ich mich eben im Gespräch versprochen hatte. Eine dieser für diesen Blog typischen Überschriften signalisiert natürlich - wie könnte es anders sein? -, dass ich wieder mal eine Schnapsidee hatte (und in die Tat umgesetzt habe) ...

Ich saß heute Abend im Büro und suchte - nicht ahnen könnend, dass da etwas im Busch sei - nach Flügen heute Abend und Sonntag zurück. Flüge nach Glasgow wurden ausgewiesen, aber der Flug war schon heute Morgen, sodass das auch nichts war. Also guckte ich nach Hinflügen morgen und Rückflügen am Sonntag - und siehe da, auch dort war Glasgow in der Verlosung.

Meine Mutter erklärte mich nicht für völlig verrückt (naja, das ist ja nicht nötig, das ist ja ohnehin schon klar), und so fliege ich morgen - was wäre ein Nach-Winter-Quartal ohne Schnapsidee - nach Glasgow.

Ich muss um 3.30 Uhr aufstehen, denn der Flieger (Ryanair, klar ...) geht um 6.45 Uhr, aber dafür bin ich dann um 7.45 Uhr Ortszeit auch schon in Schottland - es wird hoffentlich ein leckeres Scottish Breakfast geben, und dann gucken wir mal, wie sich der Tag entwickelt. Ich habe die starke Vermutung, dass ich ein Bierchen (aber nur eins, höhö!) und ein Lebenswasser, auch genannt Whisky, vereinnahmen werde, ehe ich morgen Abend in mein Bettchen in einem Hotel in der Nähe der Glasgower Kathedrale wandern werde.

Am Sonntag Morgen muss ich dann leider auch wieder früh raus, denn der Rückflug geht um 8.10 Uhr, sodass ich am Sonntag um 11.05 Uhr schon wieder in Frankfurt bin.

Schnapsidee? Achso, ja, hatte ich schon geschrieben ...

Samstag, 3. Februar 2018

Sehr volatil

... sind im Moment die Flugpreise für den September, aber dazu gleich mehr.

Eine meiner absurderen Wortfindungsstörungen durfte in der vergangenen Woche im letzten Blogeintrag bewundert werden - stand da doch tatsächlich "Entdeckerdankmal und Küche" unter dem Bild mit dem Entdeckerdenkmal in Lissabon. Eine "Küche" haben aber die meisten Leser vergeblich gesucht (und wer auf dem Bild eine Küche gefunden hat, sollte mal zum Augenarzt gehen, schleunigst ...), und auch eine Kirche war dort nicht zu sehen, wohl aber eine Brücke. Eigentlich waren ja nur zwei Stellen falsch: Ersetzt man in "Küche" das "K" durch ein "Br" und das "h" durch ein "k", voilà, "Brücke". Ist doch total logisch ...

Ich fürchte, es lag tatsächlich am Lissaboner Essen (ich hoffe und glaube, an der Menge und nicht der Qualität), dass ich am Montag und Dienstag mit einer ordentlichen Magenverstimmung darniederlag ... Das Ganze kam Montag Nacht so plötzlich angeflogen wie es Dienstag Abend weg war, sehr komisch die Sache, aber inzwischen geht's mir wieder gut - Memo an mich: Ein halbes Pfund Fisch reicht zum Mittagessen ...

Als ich also krank zu Hause war, bekam ich eine E-Mail von meiner Chefin, die meine Genesung beschleunigen sollte (sie kennt mich einfach zu gut) - ich hatte für die zweite Septemberhälfte und die beiden Tage bis zum 3. Oktober Urlaub eingetragen und mit ihr gesprochen, dass es ganz toll wäre, wenn ich die Woche vom 10. bis 14. September auch frei bekäme, weil man dann wirklich über Neuseeland sprechen könnte. Nun denn, jetzt habe ich vom 10. September bis zum 3. Oktober frei und könnte also ab 7. September abends in Richtung anderes Ende der Welt fliegen.

Vor ein paar Tagen waren die Flüge nach Auckland mit Air China (mehrstündiges Umsteigen in Peking mit der Möglichkeit, sich die Stadt mal wieder anzugucken) noch sehr preiswert (so um die 670 Euro), inzwischen kosten die günstigsten Flüge 250 Euro mehr - ich hoffe, dass da noch mal ein Angebot rauskommt ...

Aber erstmal muss ich mal mit meiner Reisebegleitung diesen Termin finalisieren, auf dass sie dort auch Urlaub bekommt - sobald das soweit ist, könnte ich ja dann relativ spontan buchen, sobald es ein vernünftiges Angebot gibt.

Ich habe eben ein Hotellele in Samoa entdeckt, direkt an einem ziemlich hübschen Strand, zu einem vernünftigen Preis - das Beste ist: Auf dem Weg nach Samoa kann man das so legen, dass man in Fidschi umsteigt und dort 20 Stunden oder Aufenthalt hat, das hieße, es gibt zwei Länder zum Preis von einem - optimal ...

Insgesamt könnte man dann folgenden Plan verfolgen (ich kann es nicht lassen, Pläne aufzustellen, die dann am Ende mit dem tatsächlichen Reiseplan normalerweise überhaupt nichts mehr zu tun haben):

7. September: Abflug in Frankfurt
9. September: Ankunft in Auckland
9.-12. September (oder so): Auckland
12.-17. September: Rest der Nordinsel
17.-25. September: Südinsel
25. September-1. Oktober: Samoa/Fidschi
2. Oktober: Rückflug aus Auckland
3. Oktober: Ankunft in Frankfurt

Klingt gut ... Mal sehen, wie die Realität am Ende aussieht.

Sonntag, 28. Januar 2018

The best crew in the world

... hat uns heute, nach eigener Aussage, von Lissabon nach Frankfurt kutschiert. Wenn sie nicht ständig die Leute mit Gewinnspielen und Mega-günstig-Parfüm-Angeboten nerven würden, würde ich das etwas eher in Erwägung ziehen. Und der Versuch der Stewardess, Deutsch zu sprechen, ging so katastrophal in die Hose, dass es fast (aber nur fast) schon wieder lustig war. Fille Kluck (good luck, anyway) ...

Naja, was soll ich sagen: Das Taxi war pünktlich, der Fahrer sprach hervorragend Englisch, er bekam ein vernünftiges Trinkgeld, die Sicherheitskontrolle war gääääähnend leer, das Frühstück bei McDonald's war akzeptabel, der Weg zum Flieger (diesmal mussten wir bei Ryanair wirklich zum Flieger laufen, da hat die Kollegin in der Matthias-Claudius-Straße endlich mal die Wahrheit erwischt ...) nicht zu lang. Der Berliner neben mir ging kurz nach dem Start zu seiner Frau nach hinten, meine Ma saß diesmal fünf Reihen vor mir, ich las ein wenig, den Aufschlag in Frankfurt überlebten wir - joa, und dann ging es per S-Bahn und pedes zum Büro, denn dort stand das Auto meiner Mutter.

Wir luden noch ein paar Sachen im Auto um, und dann startete meine Mutter sofort durch in den Schwarzwald, denn morgen hat sie - Rentner sind ja immer so im Stress - schon den nächsten Termin.

Gefallen hat's ihr, hoffe ich, mir jedenfalls hat es sehr großen Spaß gemacht.

In weniger als fünf Wochen geht es für den zweiten Wochenendaufenthalt dieses Jahres nach Belgrad, in sieben Wochen sind wir um die Zeit schon auf Boracay auf den Philippinen, und in neun Wochen ist Ostern und ich bin in Guinea-Bissau, da könnte ich so gaaaanz langsam mal das Visum beantragen, das geht ja zum Glück online ...

Fotos wollen sie alle noch sehen - na gut:

Jerónimos-Kloster

Jerónimos-Kloster

Kirche am Jerónimos-Kloster

Jerónimos-Kloster von außen mit Touri-Schlange

Entdeckerdenkmal und Brücke

Torre de Belém

Tintenfisch und Familienportion Bacalhau
3. Februar 2018: Bildunterschrift korrigiert.

Samstag, 27. Januar 2018

Die doofen Touristen: Völlig verantwortungslos

... sind wir heute mit unserer Gesundheit umgegangen, aber es war halt so lecker ...

Kein Wecker klingelte heute Morgen, aber trotzdem waren wir (naja, meine Mutter) schon gegen 6.30 Uhr oder so wach. Um 8.30 Uhr waren wir unten beim Frühstück, das - wie immer hier in diesem Hotel - nicht atemberaubend, aber völlig in Ordnung war: diese kleine Bruschetta-ähnlichen Brotscheiben mit scharfer Wurst drauf haben es mir heute Morgen angetan wie auch der - für mich, der ich im Büro auch als "Birnenmonster" bekannt bin, nicht unerwartbar - sehr leckere Birnensaft.

Nach dem Frühstück holten wir im Zimmer unsere Jacken. Danach ging es erstmal abwärts, nämlich runter zum Tejo. Petrus meinte es heute gut mit uns, wir hatten den ganzen Tag Kaiserwetter bei 12° C im Schatten (in der Sonne war es also durchaus angenehm warm) und heute Abend habe ich zwar keinen Sonnenbrand, aber doch ein bisschen Farbe abgekriegt, sehr schick.

Wir guckten uns erstmal von der Flusspromenade die Brücke und die Christusstatue an, ehe wir mit der Fähre rüber nach Cacilhas fuhren, dort kurz ausstiegen, das Panorama von Lissabon begutachteten (wieso habe ich Dussel eigentlich kein Foto gemacht?) und dann mit der gleichen Fähre wieder zurückfuhren.

Die Straßenbahnsituation in Lissabon ist an diesem Wochenende ziemlich unberechenbar, am Ende fuhren wir mit dem Bus vom Cais do Sodré nach Belém zum Jerónimos-Kloster und stiegen also dort aus. Der Zugang zur Kirche war kostenlos, und die Kirche ist schon einmal durchaus beeindruckend, gerade weil die Pfeiler, wenn man davor steht, durchaus robust sind, in der Gesamtschau das Ganze aber sehr filigran anmutet - doch, sehr hübsch.

Wir liefen - an einem dicken, fetten Stopp-Schild vorbei (keine Sorge, das war - wenn ich es richtig verstehe - für die Ausgangsreihe aus der Kirche gemeint und nicht für den direkt danebenliegenden Zugang zum eigentlichen Kloster) - zur Kasse, kauften für 10 € pro Person das Ticket und das Kloster mitsamt Innenhof war unsere Auster.

Es war eine sehr, sehr leckere Auster, denn der zwischen 1998 und 2002 renovierte Säulengang ist atemberaubend schön, und mit dem tollen Wetter und der Sonneneinstrahlung gleich nochmal, vor allem, wenn man dann den Blick auf die Kuppel der Klosterkirche noch dazu hat. Sehr, sehr toll - unbedingt empfehlenswert. Auch die Ausstellungen, die vom Säulengang abgehen, sind durchaus interessant, auch wenn wir sie nicht bis ins allerletzte Detail begutachtet haben.

Wir verließen das Kloster wieder und waren ob der in der Zwischenzeit entstandenen Schlange erschrocken: Waren wir noch bei einer Schlange von 0 Personen ins Kloster einmarschiert, war die Schlange nunmehr 50 Meter lang - wo kamen die ganzen Touristen alle her? Sowas macht man doch nicht, einfach so Ende Januar, also im Winter, nach Lissabon fahren und sich die Stadt angucken wollen. Wie? Wir auch? Aber das ist doch was ganz anderes!

Wir liefen in Richtung Meer, d.h. in Richtung Entdeckerdenkmal und Torre de Belém. Das Entdeckerdenkmal fotografierte ich, und danach liefen wir an der Promenade entlang zum Torre de Belém. Die Schlange dort war aber auch deutlich länger als null Meter, sodass ich nur ein Foto machte (letztes Jahr hatte ich den Torre ja nur aus der Ferne betrachtet, diesmal halt von Nahem) und wir zurück zur Straßenbahn liefen.

Diese sollte erst 25 Minuten später kommen, sodass ich noch etwas zu trinken holen ging. Beim Zahlen fielen mir Hotelzugangskarte und Tagesfahrkarte aus dem Geldbeutel, was der Wachmann zum Glück bemerkte und mich darauf hinwies. Die Tageskarte hob ich Held vom Erdbeerfeld auf, aber was die andere Karte da unten auf dem Boden machte, fiel mir erst acht Stunden später auf, als wir nicht mehr ins Hotel kamen, weil meine Karte halt immer noch vor der Kasse im Supermarkt liegen dürfte ... Ganz große Klasse, du Illigenzbestie, du ... (Das Hotel hat noch diverse Karten da, sodass das wahrscheinlich am Ende kein Drama sein wird, aber clever war's trotzdem nicht ...)

Genug der Selbstbeschimpfung, wir stiegen - nach der Straßenbahnfahrt - in Santos aus, liefen ein paar Schritte den Berg hoch und fielen in das Restaurant "O Tachadas" ein. Das "O Tachadas" steht in der gleichen Empfehlungsliste des "Guardian" wie meine "Taberna da Rua das Flores", und zwar an erster Stelle, sodass das ja hoffentlich gut sei musste.

Wir hätten es besser gelassen, aber die Kneipe kann nur höchst indirekt was dafür.

Wir bestellten zwei Bier und bekamen erstmal (sehr schmackhaftes) Brot und Schafskäse auf den Tisch gestellt (dass wir das am Ende zahlen mussten, war klar, aber für 4,20 € kann man da wenig falsch machen). Wir hatten ein Hüngerchen (und wollten viel probieren), also nahmen wir zwei Vorspeisen und zwei Hauptgerichte.

Als die Vorspeisen, Chouriço und Farinheira, Ersteres eine scharfe und seeeeehr knoblauchhaltige Wurst, Zweiteres ebenfalls eine Wurst, aber aus Weizenmehl und Schweinefett, mit größter Freude vertilgt waren, waren wir eigentlich schon ziemlich satt.

Danach kamen aber ja erst die Hauptspeisen, und während die von meiner Mutter bestellten Tintenfische ja noch nach halbwegs normaler (relativ viel, aber noch normal) Größe aussahen, bekam ich Bacalhau (Stockfisch, in dem Fall mit Käse überbacken), dessen Gewicht in Pfund bemessen wurde - da hätte sich eine mittelgroße Familie dran sattessen können, über ein paar Tage, unfassbar.

Dementsprechend gab ich nach weniger als der Hälfte auf, wurde vom Ober halb besorgt, halb enttäuscht gefragt, was denn los gewesen sei, aber Freunde der Sonne, ihr könnt doch nicht für 14,50 € was auf der Karte haben und davon ausgehen, dass der doofe Tourist weiß, dass man dafür bei euch die Supermegamonsterportion kriegt. Selbst ohne Käse und Vorspeise hätte ich den Bacalhau nicht geschafft - Wahnsinn ...

Ich trank - das war ein glückliches Missverständnis mit dem Ober - wie meine Ma einen Espresso (sonst wäre ich an Ort und Stelle geplatzt), und danach gab meine Mutter mir einen kurzen Stups, damit ich den Berg runterrolle. Ich prallte gegen einen Baum, was ganz praktisch war, weil wir von dort weiter mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum fuhren. Anschließend ging es dann den Berg wieder rauf, bis fast zur Burg.

Ich wollte meiner Ma die Aussichtsplattform an den Portas do Sol zeigen, aber die Plattform, die ich kannte, ist im Bau, und von der anderen hat man zwar einen tollen Blick auf den Tejo, aber keinen so schönen auf das darunterliegende Stadtviertel ...

Wir liefen den Berg hinauf, stellten uns ein paar Minuten in die Schlange zum Einlass zur Burg und betraten das Burgareal dann. Der Blick auf Stadt und Brücke war wie immer toll, aber die Sonne stand schon tief, sodass sie uns blendete, wir machten einen kurzen Spaziergang über das Burgareal und ließen dann Burg Burg sein.

Wir fuhren wieder mit dem Minibus hinunter in die Stadt, wobei der Busfahrer jede Unebenheit der Straße nutzte, um mit Karacho drüberzubrausen, was zu einer wilden Achterbahn führte (hatte ich erwähnt, dass wir uns überfressen hatten?) ... Whoppa! (Nein, alles gut, nix passiert ...)

Eigentlich wollten wir mit dem Aufzug, den Gustave Eiffel gebaut hatte, hoch in die Oberstadt fahren, aber bei der Schlange ließen wir es jetzt gut sein, zumal unsere 24-Stunden-Karte noch eine knappe Stunde gültig war. Wir fuhren eine Station U-Bahn, fuhren dann über vier steile Rolltreppen gefühlt 100 Meter nach oben ans Tageslicht und wollten eigentlich nur nach Hause ins Hotel und ins Bett und dort vor Vollgefressenheit sterben.

Nun war es aber erst 17.30 Uhr, also frühester Nachmittag für Lissaboner Verhältnisse, sodass wir uns noch in eine schöne Lounge-Bar-Concept Store-ich-kenne-noch-mehr-englische-Begriffe-die-ich-um-mich-werfen-könnte retteten und dort mit Gin Tonic, Wodka Lemon und Cuba Libre den Tag (und den Lissabon-Aufenthalt) formal beendeten.

Nach dem kurzen Heimweg waren wir um 20 Uhr im Zimmer und bestellten für morgen, 7 Uhr (bäh), ein Taxi zum Flughafen.

(Die Fotos wollen heute nicht so ganz, aber es muss ja noch was für morgen übrig bleiben - der Blog muss ja seine Klickzahlen schaffen ...)

Freunde der Nacht, die EU hat Mitglieder, Beitrittskandidaten und potenzielle Beitrittskandidaten. So habe ich Lieblingsstädte, Lieblingsstadtkandidaten und potenzielle Lieblingsstadtkandidaten. Wer jemals auch nur an diesem Blog vorbeigehechtet ist, ohne die Augen krampfhaft zu schließen, weiß, dass Istanbul, Sydney und Tel Aviv meine Lieblingsstädte sind. Potenzielle Lieblingsstadtkandidaten sind so Ortschaften wie Paris, Rio de Janeiro, Vancouver, vielleicht Chicago, Rom oder Berlin (wobei Berlin sowas wie Weißrussland für die EU ist, das Schmuddelkind, das eigentlich dazugehört, aber nicht so richtig kann oder will ...). Aber heute, am 27. Januar 2018, eröffnete ich formal die Verhandlungen zwischen Lissabon und mir über den Beitritt Lissabons zur Liste meiner Lieblingsstädte - hört, hört ...

Gute Nacht!

28. Januar 2018: Überschrift korrigiert ...

Freitag, 26. Januar 2018

Geschlemmt

... haben wir heute Abend in meiner Lissaboner Stammkneipe, in der ich jetzt zum zweiten Mal war ...

Der Arbeitstag heute war kurz, aber nicht unintensiv, und gegen 11.30 Uhr verabschiedete ich mich. Mit dem Bus ging es zum Bahnhof, meine Mutter wartete schon und hatte ein Mettbrötchen geordert, sodass es dann zügig in die S-Bahn nach Frankfurt ging.

Die Skyline wurde unsicher gemacht und wir marschierten schnell durch die Sicherheitskontrolle im Schengen-Bereich des Terminals 2. Das Gate war noch nicht final angeschrieben, aber ich dachte mir, dass es wieder vom Busterminal aus losgehen würde und bugsierte meine Mutter daher in Richtung der Gates D40-D44, was sich als richtig erweisen sollte.

Dort setzten wir uns hin, wurden dann bald von einem Ryanair-Mitarbeiter mit Gepäckbänder versorgt, auf dass wir unser Handgepäck am Flugzeug verladen lassen, und warteten dann auf das Boarding. Selbiges ging einigermaßen schnell, Ryanair setzte seine neuen Regeln sehr konsequent um (alle, die nicht vorher angelabert worden waren, mussten mit ihrem Handgepäck jetzt nämlich in der Gegend herum- und anstehen), was dann am Ende auch nicht zu einer schnelleren Abfertigung am Gate führte ... (Achso: Wenn man die Gepacktags einfach wieder abreißt, kann man sein Gepäck wahrscheinlich trotzdem wieder wie gehabt in den Flieger mitnehmen, denn beim Einsteigen wird zwar kontrolliert, ob alle mit Gepäckanhänger ihr Gepäck abgeben, aber die, die keinen Gepäckanhänger hatten, wurden nicht nochmal kontrolliert ...)

Meine Ma saß in Reiihe 4, ich in Reihe 16 am Notausgang, meine Ma hatte die ganze Reihe für sich, ich saß in Business-Class-Belegung (also D und F mit freiem E-Platz), das war praktisch ... Ich las ein paar Zeitschriften, und schnell waren die drei Stunden um.

Das Gepäck kam dann leidlich schnell, der Weg zur U-Bahn war ebenfalls schaffbar, ich hatte verdrängt, dass ich offenbar letztes Jahr auch schon einmal zwischen zwei U-Bahnen umgestiegen waren (das mussten wir jetzt nämlich), aber als ich das herausgefunden hatte, waren wir fast schon an der Metrostation Martim Moniz, wo wir in die Straßenbahn 28 umsteigen wollten.

Den Weg zur Straßenbahnhaltestelle kannte ich ja inzwischen, und die 28 kam auch bald ... Wir fuhren ein wenig durch die Gegend, bis wir auf einmal aus der schönen, alten Straßenbahn herausgeworfen wurden - Endstation. Hä? Da standen überall Schilder, auf denen ab dem 27. Januar von einem Schienenersatzverkehr die Rede war. Jetzt war die Uhr um eine Stunde zurück- und nicht um einen Tag vorgestellt worden, aber die Lissaboner Verkehrsbetriebe ordneten trotzdem an, dass heute schon Samstag war. Argh ...

Wir fuhren mit der Gegenstraßenbahn zurück, stiegen an der Metro aus und fuhren (wir hatten jeweils 24-Stunden-Tickets gekauft) mit der Metro bis in die Nähe unseres Hotels.

Ich kam auf die glorreiche Idee, in der angestrebten Kneipe, der Taberna da Rua das Flores, schon jetzt nachzufragen, ob wir irgendwann Platz bekämen. Mir wurde - wieder - gesagt, dass es eine Warteliste, aber keine Reservierung gäbe, und dass wir in 30-40 Minuten einen Platz bekommen könnten. Ich sprintete zurück, scheuchte meine arme Ma, die kurz vor dem Streiken war, zu unserem Hotel, wir checkten kurz ein (wir haben das gleiche - sehr schöne - Zimmer wie ich vor einem Jahr, lustig ...) und liefen dann schnellen Schrittes zur Taberna.

Wir kamen ziemlich pünktlich an, bestellten ein Bierchen und ließen uns dann die Abendkarte erläutern (die ist auf Portugiesisch, aber jeder spricht dort gut Englisch und die eine Bedienung sogar Deutsch).

Joa, und dann ging die Völlerei los: Den Anfang machte ein fantastisches Austerntartar - geheckseltes Austernfleisch in einer tollen Sauce (fragt meine Ma, was da drin war, war jedenfalls sehr lecker), danach gab es Makrelensashimi (oder Makrelentartar, wie man mag) - grandios, es folgte ein genialer Weißfisch (irgendso'n portugiesischer Name halt ...) mit pikanten Gewürzen, und den Abschluss machte das, was wir beim Bestellen als "veal throat" erläutert bekamen, "Kalbshals" ... Meine Ma stellte fest, dass es sich um Kalbsbries handelt, und während ich kein Riesenfreund von Innereien bin (eigentlich eher ein Riesenfeind davon), konnte man das nach einer ersten Eingewöhnung, mit viel Zitrone und viel Knoblauch, dann sogar ganz gut essen. Wird nicht meine Leibspeise, aber ich werde auch nicht schreiend wegrennen, wenn mir das mal wieder serviert wird.

Es folgte der - dort obligatorische - Schokoladenkuchen aus 105% reiner Schokolade, und gegen 21 Uhr Ortszeit fielen wir aus der Taberna raus. Wir liefen ein bisschen durchs Bairro Alto, wollten aber nichts mehr in einer Fadokneipe essen und marschierten daher in Richtung Hotel.

Jetzt ist es zwar erst 22.30 Uhr hier und damit für Lissaboner Verhältnisse später Nachmittag, aber wir sind heute auch ganz schön durch die Gegend gedüst und rechtschaffen müde. Außerdem wollen wir morgen halbwegs zeitig raus und die Stadt erobern - das wird toll.

Daher over and out, morgen Abend wird wieder berichtet. Gute Nacht!

Mittwoch, 24. Januar 2018

Abgestürzt

... ist der Blog nicht - die besorgte Nachfrage meines treuesten Leser-Kollegen war also unbegründet.

Es gab nur nicht sooo wahnsinnig viel zu erzählen, aber das wird sich ab übermorgen ändern. Morgen kommt meine Mutter mal wieder nach Wiesbaden, und am Freitag Nachmittag geht es schon nach Lissabon. Ich freue mich so sehr auf diese wunderbare Stadt. Wir haben uns schon geeinigt, dass wir uns sicherlich die Burg angucken werden, von der aus man einen so wunderbaren Blick auf die Stadt (und die Brücke, ohja, die Brücke ...) hat, und wir sind uns fast einig, dass wir auch einen Ausflug nach Belém machen und uns das Jerónimos-Kloster angucken. Letzten Januar hatte ich ja in Belém nicht so viel Zeit und habe mir "nur" das Entdeckerdenkmal und (von Ferne) den Torre de Belém, den Turm von Belém, angeguckt, aber das Kloster sah von außen schonmal sehr beeindruckend aus und diesmal möchte ich es gerne von innen sehen. Aber wir lassen uns treiben durch die portugiesische Hauptstadt, da machen wir uns keinen Stress.

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Ich habe ja für die WM Karten (vielmehr: eine Karte) bestellt, für das Südkorea-Spiel in Kasan am 27. Juni. Wenn das mit der Karte klappt (und danach mit der Fan-ID, die als Visum für Russland gilt), würde ich wahrscheinlich am 23. Juni nach Moskau fliegen, mir die russische Hauptstadt angucken, und dann am 26. Juni nach Kasan weiterfliegen (wahrscheinlich fliegen, man könnte wohl auch Zug fahren, aber das müsste ich noch prüfen).

Eigentlich wollte ich danach gerne am 28. Juni nach Wladikawkas im Nordkaukasus fliegen und dann mit einem Guide rüber nach Südossetien (sonst wäre das ja eine Reise komplett ohne neues Land, das geht ja auch nicht). Jetzt habe ich einen Reiseveranstalter gefunden und bei dem einfach mal eine maßgeschneiderte Tour nach Südossetien für zwei oder drei Nächte angefragt. Die Antwort kam postwendend, aber sie gefiel mir nicht, denn dieses Reisebüro ist der Ansicht, dass die Einreisegenehmigung (auch "Visum" genannt) nach Südossetien 600 Euro kosten würde (und das war jetzt kein Tippfehler: sechshundert Euro).

Insgesamt würde laut deren Auskunft die Zwei-Tages-Tour dann fast 1.000 Euro kosten - die können mich mal gernhaben ... Es kann also passieren, dass ich in den nächsten Tagen (sobald ich weiß, dass das mit der Karte klappt) meinen Ex-Chef, der Russisch spricht, anhaue und ihn bitte, mir ein Schreiben an das südossetische Außenministerium zu übersetzen, damit ich da hoffentlich deutlich günstiger diese Einreisegenehmigung kriege, denn 600 Euro sind des Guten dann doch ein bisschen arg zu viel.

Wieso will der Typ denn unbedingt nach Südossetien, in diesen Landstrich, über den der US-Präsident, wenn er denn wüsste, dass "South Ossetia" nichts zu essen ist, in seinem unvergleichlichen Charme wahrscheinlich wieder eine qualifizierte Aussage machen würde?

Naja, Südossetien ist von Georgien abtrünnig, Georgien gehört zum Europarat, also gehört Südossetien für mich zu Europa - und es ist das letzte europäische Land, das ich zähle und das mir noch fehlt. Auf die Weise wäre Europa dann der erste vollständig (in meinem Sinne) besuchte Kontinent, das wäre schön ...

Auf der anderen Seite: Ja, ich weiß, von Reisen nach Nordossetien (Wladikawkas) wie nach Südossetien wird vom Auswärtigen Amt abgeraten, und ich versuche ja auch, mich an die Reisehinweise zu halten, aber nachdem ich in der Westsahara und in Abchasien war und es dort - trotz Reisehinweisen - überhaupt kein Problem im Land (ich spreche nicht von der Einreise!) gab, habe ich den dringenden Verdacht, dass die Reisehinweise im Zweifel lieber ein bisschen zu dramatisch geschrieben werden - ist ja auch okay so ... Vielleicht ist es aber auch ein Zeichen, dass ich mir Südossetien vielleicht doch für später aufheben sollte - mal sehen ...

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Ich muss in diesen Tagen den Urlaub für das Jahr 2018 planen, und ich habe jetzt mal für den September zweieinhalb Wochen eingetragen, die ich möglicherweise auf dreieinhalb Wochen aufstocken könnte, auch das muss ich mal sehen ... Eventuell könnte man das dann doch für Neuseeland verwenden, obwohl ich zwischenzeitlich Neuseeland schon fast aufgegeben hatte (für dieses Jahr). Es bleibt also spannend ...

Sonntag, 31. Dezember 2017

Ein letztes Mal

... im Jahr 2017 habe ich gestern die deutsche Grenze passiert, auf dem Weg aus Venlo, nachdem wir ein paar Stunden zuvor zum Einkaufen in die Niederlande gefahren waren. Ich habe es schon mehrfach hier erwähnt, aber am Ende dieses politischen Jahres habe ich das Bedürfnis, es noch einmal zu sagen: Es ist großartig, die Staatsgrenze zu einem anderen europäischen Land ohne jede Kontrolle überqueren zu können. Es ist großartig, dass ich jederzeit in den Niederlanden anfangen könnte zu arbeiten. Es ist großartig, dass Niederländer ohne Probleme nach Deutschland und Deutsche ohne Probleme in die Niederlande kommen können und dass sich die Rivalitäten zwischen unseren Ländern auf den Fußball (dort aber dann mit vollem Kawumm ...) beschränken. Und ja, es ist großartig, dass es völlig undenkbar erscheint, dass wir Krieg gegeneinander führen. Das ist bei aller berechtigten Kritik, die man sicherlich an der Europäischen Union üben kann, doch eine wahnsinnige Errungenschaft der europäischen Einigung, die - gerade in meiner Generation - manchmal vor lauter Gemeckere über Kleinigkeiten hintenrunterfällt.

Ich habe die Grenzübertritte dieses Jahr nicht gezählt, aber wenn man jede Überschreitung einer Staatsgrenze einzeln zählt, wird das dieses Jahr mal wieder eine dreistellige Zahl gewesen sein. Nicht jeder ging so reibungslos ab wie zu den Niederlanden, zu Belgien, zu Luxemburg, zu Frankreich, selbst zur Schweiz: Manchmal war es einfach unzulängliche Infrastruktur verbunden mit schlechtem Wetter, dass ich mich an der Grenze zwischen Togo und Benin über die Pfützen hangeln musste, manchmal idiotische Boshaftigkeit wie der georgisch-abchasischen "Grenze". In der Regel war der Grenzübertritt dann aber im Rahmen der lokalen Gesetze, außer in Ghana, als ich einen Einreisestempel ohne Visum bekam, was aber wirklich überhaupt niemanden interessiert hat.

Visa gab es in der Elfenbeinküste (fieses Foto), in Ägypten (zum Selbsteinkleben), für den Sudan (ohjeohje), in Kambodscha (schnell und effizient), in Abchasien (als Einlegeblatt), für Usbekistan (passt scho), in Laos (weniger schnell und weniger effizient), in Mauretanien (und stand vor lauter Warten vor verschlossener Grenzkontrolltüre), für Togo und für Benin (da hat mein Pass Meilen gesammelt auf dem Weg nach und aus Berlin ...) - ups, das sind ja eine ganze Menge ...

Keinen neuen Rekord hinsichtlich besuchter Länder habe ich dieses Jahr erreicht, denn ich war dieses Jahr in 26 Staaten dieses Planeten (2009 und 2010 waren es jeweils 27 Länder); wohl aber waren 13 dieser Staaten für mich neu, und das ist in der Tat neuer Rekord (hier war 2010 mit elf neuen Ländern der bisherige Rekord).

Nun soll es Leute geben, die behaupten, ich hätte es dieses Jahr ein bissel übertrieben. Ich? Übertreiben? I wo!

Es ist einfach schön, etwas von der Welt sehen zu können, seien es nun europäische Großstädte, in denen ich noch nie war (Lissabon und Paris Anfang des Jahres, wenn man mag, Las Palmas de Gran Canaria im September, Sajaravo zu Weihnachten) oder in denen ich schon war (Istanbul, Brüssel), seien es angesagte Touristenziele (die Pyramiden zu Gizeh, Angkor Wat). Aber mindestens genauso interessant, mindestens genauso spannend, definitiv herausfordernder, unfassbar belohnend ist es, abseits der ausgetretenen Touristenpfade sich Sehenswürdigkeiten zu erobern, die eben nicht in jedem Reiseführer (oder jedenfalls nicht in den Reiseführern stehen, die "normale Menschen" angucken): Meroe im Sudan ist das perfekte Beispiel hierfür. Nicht jeder sagt "Du spinnst", wenn ich vom Sudan erzähle, aber jeder denkt es, und wenn ich dann mit großer Begeisterung von Meroe und von der Herzlichkeit der Menschen dort erzähle, spielen etliche Gesprächspartner - deutlich an ihrer Mimik ablesbar - mit dem Gedanken, mich aus dem einen (Schwachsinn) oder anderen (Lebensmüdigkeit) Grund endgültig einweisen zu lassen.

Natürlich braucht man eine gewisse (Reise-)Erfahrung, um sich nicht nur von den besorgten Rückfragen von Freunden und Bekannten vor der Reise nicht einschüchtern zu lassen, sondern auch, um tatsächlich das Ziel zu erreichen, wenn einen nicht der Reiseleiter am Flughafen empfängt und zum Hotel bringt, sondern man im unbekannten Ausland vielleicht das Taxi (oder das Tuktuk ...) bemühen muss - aber dann kommt man eben nach Meroe und hat dieses Weltkulturerbe so gut wie für sich allein, dann kommt man Erbil im Nordirak und wandelt als einer von wenigen Touristen durch diese fantastische Zitadelle, dann kommt man nach Abchasien in dieses tolle Kloster Neu-Athos, dann kommt man - und dabei ist Usbekistan ja inzwischen gefühlt fast schon Mainstream - nach Buchara und Samarkand und bestaunt die unfassbaren Portale der Medressen und Moscheen. Dann kommt man nach Luang Prabang mit seinen kaum besuchten buddhistischen Tempeln (und der sehr leckeren Fressgasse), und dann kommt man an einen so unglaublich beeindruckenden Ort wie Ouidah in Benin mit seiner reichen, tragischen Geschichte.

Langer Rede kurzer Sinn: 2017 war toll, und 2018 darf es durchaus so weitergehen.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Un café au lait, s'il vous plaît

Der Kellner in Sarajevo hat ein bisschen komisch geguckt, als meine Mutter auf Französisch bestellte, aber bei der Sprachverwirrung in Sarajevo mit zwei Schriften (wobei man das Kyrillische nur in Ost-Sarajevo, also in den bosnisch-serbisch bewohnten Gebieten sieht) und der Tatsache, dass manche Bosnier besser Deutsch als Englisch sprechen, ist das vielleicht auch kein großes Wunder.

Ich habe gestern unterschlagen, dass wir vorgestern ein wunderbares (riesiges) Mittagessen in einer schönen Gaststätte direkt an der Miljacka und gegenüber des Rathauses hatten. Das "Inat kuća" stand früher an der Stelle, an der heute das Rathaus steht - als die österreichisch-ungarischen Behörden dort bauen wollten, verhandelte er sich einen Sack Goldmünzen heraus und das Versprechen, auf der gegenüberliegenden Flussseite das Haus originalgetreu wieder aufgebaut zu bekommen. Dementsprechend heißt "Inat kuća" auch "Haus des Trotzes". Wir bestellten eine gemischte Vorspeisenplatte und bekamen - für 11 Euro - vier Ćevapi, zwei Steaks, einen Laib tolles Brot und eine ganze Käse- und Wurstplatte (Wurst brauche ich die nächsten Tage keine mehr, so viel wie wir in Sarajevon gegessen haben ...).

Gestern Mittag checkten wir dann aus, machten noch einen kurzen Abstecher zur deutschen Botschaft, wo wir uns einen Gedenkstein für im Bosnien-Einsatz gefallene deutsche Soldaten anschauten (nachdem der Wachmann uns erst zurückpfeifen wollte), und liefen dann mit kurzem Abstecher ins Einkaufszentrum zum Süßigkeitenkauf zurück zum Hotel. Unterwegs hatten wir uns mal wieder optimal abgestimmt, sodass meine Ma wieder mal dachte, ich wäre entführt worden, weil ich mal auf die Toilette musste und sie das nicht mitbekommen hatte und mich suchte ...

Wir waren - nach entspannter Taxifahrt - viel zu früh am Flughafen, tranken noch etwas (unter anderem einen Milchkaffee, siehe oben) und reisten dann (wieder mit Stempel, juchhe) aus Bosnien-Herzegowina aus. Überpünktlich kamen wir in Sarajevo weg und entsprechend pünktlich in Wien an. Wir absolvierten das prächtige Erlebnislabyrinth durch den Wiener Flughafen (wer über Frankfurt klagt, der muss mal nach Österreich, Frankfurt ist ein Wunder an kurzen Wegen dagegen, naja, okay wenn du von A ganz außen zu E willst, vielleicht nicht ...), nachdem der Grenzer mich gefragt hatte, ob die Einreisende vor mir die "Frau Mama" war (ja, war sie ...).

Auf dem Flug von Wien nach Frankfurt fragte der Austrian-Airlines-Steward hartnäckig "'Clementinen' oder Schokolade?", was die deutschen Reisenden, die keine Schokolade wollten, ebenso hartnäckig mit "Eine Mandarine, bitte" beantworteten. Seid's deppert?

Wir kamen in Frankfurt an, fuhren mit der S-Bahn (welche Überraschung) und dem Bus zurück in meine Bude, es gab noch ein Süppsche und dann ging's in Bett ...

Joa, das war's noch nicht ganz für 2017, denn zwei Grenzübertritte wird es noch geben, einen von Deutschland in die Niederlande und einen zurück. Am Samstag fahren meine Mutter und ich noch zum Einkaufen nach Venlo und zum Treffen mit den Cousinen meiner Mutter ins Rheinland. An Silvester geht es zurück nach Wiesbaden; erstmals, seit ich in Wiesbaden wohne, wird Silvester in meinem Wohnzimmer beendet, es geht ins Sherry & Port.

Wenn an Silvester noch Zeit ist zwischen Heimkunft und Abmarsch zum Silvesteressen, gibt es ein Fazit für 2017, sonst halt irgendwann Anfang 2018 ... Oder morgen. Oder übermorgen. Emol luege, sagt man im Schwarzwald, mal schauen ...

Dienstag, 26. Dezember 2017

Auf zum Tunnel

... hieß es gestern Morgen, denn ich wollte mir gerne den Tunnel unter der Flughafenlandebahn ansehen, der während der Belagerung Sarajevos die eingeschlossene Stadt versorgte. Das Ganze musste unterirdisch erfolgen, weil die bosnischen Serben die Leute, die über die Landebahn rannten, beschoss und sich die UNO, die den Flughafne kontrollierte, auch nicht immer als wirklich hilfreich erwies ...

Man hätte das ganz entspannt mit dem Tourbus machen können, aber mein sportlicher Ehrgeiz hatte mich wieder gepackt, dass wir in die Straßenbahn Nr. 3 ein- und an der Endhaltestelle in den Bus Nr. 32a umstiegen. Ich wusste, wo wir aussteigen sollten, der Bus fuhr erst nicht so wie er sollte, bis sich herausstellte, dass er nur eine Schleife fährt; schließlich kamen wir am anvisierten Ort an und mussten noch ein paar Minuten durch die nebligen Vororte Sarajevos und parallel zur Landebahn des Flughafens entlanglatschen.

Weihnachten war den Inhabern des Tunnelmuseums ziemlich egal, denn es war geöffnet. Nach dem Entrichten von 10 Mark (ca. 5 Euro) Eintritt durften wir eintreten. Doch, ich muss sagen, dieses kleie, aber feine Museum ist einen Besuch wert. Es ist schon spannend, in dem verbliebenen 25-Meter-Stück des ca. 1.000 Meter langen Tunnels unterwegs zu sein, immer darauf bedacht, sich nicht die Rübe anzustoßen.

Sehr spannend ist auch die Karte der eingeschlossenen Stadt, wo man so einen leichten Eindruck der Idee einer Ahnung bekommt, wie es in der über mehr als drei Jahre belagerten Stadt zugegangen sein muss, zumal es auch noch einen viertelstündigen Videofilm hierüber gibt.

Danach fuhren wir - als der Bus endlich gekommen war - zurück zur Straßenbahnhaltestelle und in die Altstadt, wo wir noch nach Souvenirs schauten, das Souvernir, das wir am Samstag gesehen hatten, nicht mehr fanden, und daher unverrichteter Dinge abzogen.

Es folgte eine kurze Stippvisite im Museum, das an das Attentat von 1914 erinnert, ehe wir uns zu unserer üblichen Nachmittagsunterhaltung in unsere inzwischen zum Stammlokal gewordenen Brauereigaststätte zurückzogen.

Joa, heute Morgen fiel das Frühstück ein wenig dürftiger aus.

Gleich machen wir noch einen kurzen Ausflug zur deutschen Botschaft, ehe es dann schon wieder zum Flughafen und nach Wien und Frankfurt geht. Mal sehen, ob wir unseren gebuchten Flug erwischen, wir haben ja nur 45 Minuten Umsteigezeit in Wien, aber das wird schon schiefgehen ...

Ob ich die Aussage der jungen Frau, die im Flieger neben uns saß, dass Sarajevo die schönste Stadt der Welt sei, unterschreiben würde, weiß ich nicht - aber eine schöne Stadt ist es schon. Das war schon interessant hier ...

Ewige Flamme im Stadtzentrum für die Opfer des Zweiten Weltkrieges

Treppe zum Tunnel

Im Tunnel

Hoffentlich ist das nur Illustration ...
 Umsteigen ist natürlich in Wien und nicht in Frankfurt; das habe ich korrigiert.

Sonntag, 24. Dezember 2017

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier

,,, dann steht der Mann mit Hammer vor der Tür. Was willst du mit dem Hammer, sprich! Kartoffelschälen, verstehste mich?

Nach diesem stilechten Ausflug in deutsches Kulturgut kommen wir zum heutigen Bericht aus Sarajevo:

Ich habe gestern Abend noch ein bisschen Football im bosnischen Fernsehen geschaut, aber nach der ersten Halbzeit aufgegeben - entsprechend lang schlief ich heute aus, und meine Ma schmiss mich überraschenderweise erst gegen 8.30 Uhr aus dem Bett. Ich duschte, und wir gingen in den sehr schönen Frühstücksraum im Keller, um unser Morgenmahl einzunehmen. Dort gab es - in einem einem Birkenwald nachempfundenden Ambiente - schon zum Frühstück Knoblauchwurst mit Gemüse, aber natürlich auch "normalere" Frühstückszutaten wie Unmengne von Salami und Käse, Obst (incl. einem frischen pressendem Orangensaftautomaten) - doch, das Frühstück bestätigt die gute Reputation des Hotels.

Ziemlich spät, so gegen 10.30 Uhr, ging es raus und wir liefen wieder in Richtung Innenstadt. Es ging kurz in die Markthalle (die hieß wirklich so, bis die Bosnier das auf "Markale" verkürzten; hier war der Schauplatz eines Mörserangriffs auf Sarajevo, der schließlich zum Eingreifen der NATO führte). Wir standen vor der Heilig-Herz-Kathedrale, als uns ein Hinweisschild auf eine Galerie auffiel, die eine Ausstellung zum Srebenica-Massaker vorhält.

Durch den in ermutigendem Grau gehaltenen Gang ging es zum in ermutigendem Grau gehaltenen Fahrstuhl, ehe wir in die Ausstellung eintreten konnten - die sechs Euro Eintritt lohnen sich, auch wenn das weniger ein Dokumentationszentrum ist als eine durchaus emotionalisierende Ausstellung. Das Video mit den Berichten vom Juli 1995 ist jedenfalls nichts für schwache Nerven, und entsprechend brauchte ich nach dem Besuch dort erstmal ein Bier.

Bei ungewöhnlich schönem Wetter (nichts da mit grau in grau) ging es wieder durch die Altstadt in Richtung des Rathauses, dann über die Brücke und wieder hoch zu unserer Brauereikneipe von gestern.

Ein Bier wurde getrunken, wir unterhielten uns sehr gut, ein zweites folgte, danach kam ein Vorspeisenteller, und zum Rest des Nachmittags verweigere ich die Aussage.

Danach ging es über die Brücke zurück in die Altstadt, und weil wir noch ein Hüngerchen hatten, versuchten wir, eine Ćevapi-Kneipe zu finden. Das war schwieriger als gedacht, und am Ende landeten wir im Foodcourt eines Einkaufszentrums, wo wir Ćevapi mit (viel) Zwiebeln bekamen.

Ein etwas anderer Heiligabend, aber alles in allem ein sehr, sehr interessanter mit einem Wechselbad an Gefühlen - vom Grau der Srebrenica-Ausstellung über den strahlenden Sonnenschein bis hin zum sehr entspannten Gespräch mit meiner Ma. Irgendwie schön heute, trotz allem ...

Danach gingen wir bald nach Hause und sind schon wieder in sämtlichen Betten - das ist ein entspannter Weihnachtsurlaub ohne Riesenprogramm, so ist es schön, so ist es richtig ...

Markthalle, später "Markale" genannt

Heilig-Herz-Kathedrale

Moschee

Sebilj-Brunnen, Wahrzeichen Sarajevos

Rathaus

Samstag, 23. Dezember 2017

Entscheidungsfreudig

... waren wir heute aber sowas von gar nicht.

Obwohl wir gestern um 20 Uhr, spätestens 20.30 Uhr, im Bett waren (hatte ich erwähnt, dass ich völlig fertig war?), war der Wecker um 4 Uhr grausam, und das, obschon meine Mutter schon seit halb drei gelesen hatte, weil sie wegen der Musik in der Kneipe untendrunter nicht mehr schlafen konnte.

Naja, meine Mutter hüpfte um 4.30 Uhr wie ein junges Reh durch meine Wohnung, während ich mich wie ein waidwund geschossener alter Hirsch aus meinem Bett erhob und ins Bad wankte. Die Dusche erweckte die im Koma liegenden Lebensgeister jedenfalls zu einem Drittel, sodass ich gegen 5.30 Uhr aus dem Bad wankte (weniger als zuvor) und wir uns mit Sack und Pack in Richtung Bus machten.

Meine Ma hat einen Rollkoffer dabei, ich eine Tragetasche (wir flogen nur mit Handgepäck), und weil ich nicht nur ein fantastischer Sohn, sondern auch stinkfaul bin, stellte ich meine Tasche auf Mutters Rollkoffer und zog diesen dann durch die Gegend - win-win-Situation heißt das auf Neudeutsch, glaube ich ...

Wir erwischten trotz Busverspätung gerade noch so die S-Bahn zum Flughafen, die Fahrt war ereignisarm, am Flughafen ging es durch die gähnend leere Sicherheitskontrolle und danach in Gefilde von Terminal 1A, die ich noch nie gesehen hatte ... Dass es sowas noch gibt in Frankfurt, tsts ...

Nun saßen wir - wie immer, wenn ich viel Puffer einplane - viel zu früh am Gate, unser Flieger kam, fuhr vor unseren Augen noch einen Viertelkreis, wir beobachteten die (vielen) Menschen (wo kamen die denn alle her?!), die aus dem Flieger ausstiegen und stiegen dann unsererseits ein.

Die Stewardess hatte, weil wir am Notausgang saßen, extra für uns ein Gepäckfach freigehalten, und weil diese "Anja von der Zwei", wie sie sich am internen Telefon meldete, sehr freundlich war, kamen wir ins Gespräch, während wir auf dem Weg zur Startbahn West waren. Wenn alle Stewardessen so freundlich und liebenswürdig wären, wäre das Fliegen eine noch schönere Erfahrung ...

Nach nur 35 Minuten Flug kamen wir in München an, gingen an der Schlange vorbei durch die elektronische Ausreisekontrolle und nahmen dann ein stilechtes bayerisches Frühstück ein: Bier und Weißwurst - morgens, halb zehn, in Bayern ...

Um 10.40 Uhr waren wir an unserem Gate, bekamen eine Abschiebung ziemlich hautnah mit und durften dann einsteigen. Dieser Flug, diesmal nicht am Notausgang und ohne intensives Gespräch mit der Stewardess, wurde auch in eineinhalb Stunden umgebracht, sodass wir trotz anfänglicher Verspätung praktisch pünktlich in Sarajevo waren.

Wir stiegen hinten aus, liefen über das Vorfeld (auch bei der Lufthansa, mit einem schönen Gruß in die Matthias-Claudius-Straße) und zur Einreisekontrolle, die schnell ging und mit einem weiteren Stempel in meinem Pass endete.

Der Zoll wollte nichts von uns, ich holte kurz Geld und schon waren wir im Freien (der Flughafen Sarajevo ist übrigens von der Größe her ziemlich, äh, süß - mit zwei Fluggastbrücken und zwei Gepäckausgabebändern). Es war 13.10 Uhr, der Bus sollte um 13.15 Uhr fahren, sodass wir warteten. Und warteten. Und warteten. Es wurde 13.30 Uhr, es wurde 13.45 Uhr, wir überlegten hin und her, ob wir warten oder doch ein Taxi nehmen oder zum nächsten Einkaufszentrum laufen und von dort mit dem Bus fahren. Wir waren gerade im Begriff, ein Taxi zu nehmen, da kam - um 13.50 Uhr - der vermaledeite Bus.

Wir wollten gerade einsteigen, da eröffnete der Fahrer uns in akzeptablem Englisch, dass er erst um 15 Uhr - zur nächsten Abfahrtszeit - führe. Als er hörte, dass wir Deutsch sprachen, sagte er uns in fast perfektem Deutsch, dass wir doch ein Taxi nehmen sollten - das nenne ich mal Wettbewerbsverzerrung.

Wir hatten lange gesessen, also entschieden wir uns - endlich - zur nächsten (Option 4!) Straßenbahnhaltestelle zu gehen und dort in die Straßenbahn einzusteigen. Gesagt, getan. Der Mut verließ uns, als wir feststellten, dass es keinen Bürgersteig gab. Von drüben brüllte ein Mann auf uns ein, dass er uns fahren würde, den ignorierten wir gekonnt.

Nun standen wir wieder in der Nähe des Flughafens und konnten uns - der Schlafmangel war schuld, ganz eindeutig - wieder nicht entscheiden, als ein Mann auf uns zugeschossen kam, in gutem Englisch für 10 Euro die Fahrt anbot und wir dann froh waren, dass uns endlich jemand die Entscheidung abgenommen hatte.

Er holte sein Auto, in dem noch seine Frau saß (die sprach nur Russisch, während er noch Arabisch konnte ...), und wir fuhren los. Erst fuhr er mit uns ein Stück in die unmittelbar an Sarajevo angrenzende Republik Srpska, die zweite Teilrepublik Bosnien-Herzegowina, und dann durch ländlich anmutende Vororte von Sarajevo, weil auf der Hauptstraße die Hölle los sei. Es ging vorbei an einem riesigen Friedhof, ehe er uns bei der Einfahrt nach Sarajevo seine Dienste als Fahrer anbot - mal sehen, ob wir sie wahrnehmen ...

Er brachte uns sicher zu unserem Hotel, verabschiedete sich artig und wir konnten einchecken. Unser Hotel ist ein hübsches Boutique-Hotel mit vielen Fototapeten, die Stadtansichten von Sarajevo zeigen, unser Zimmer und unser Bad sind sehr hübsch und ziemlich groß - das Hotel gefiel uns auf Anhieb.

Wir machten uns kurz frisch, versuchten dann im "dm" direkt neben dem Hoteleingang, Kontaktlinsenflüssigkeit zu erstehen, weil ich zwar nicht die Flüssigkeit, aber die Behälter vergessen habe, machten dabei die Erfahrung, dass dieser "dm" alle Waren hat, die ein deutscher "dm" hat (einschließlich deutschsprachiger Beschriftung), nur eben keine Kontaktlinsenflüssigkeit. Wir wurden an eine Apotheke verwiesen, aber ich habe mir jetzt anders beholfen - wird schon passen.

Wir machten einen kurzen Stadtspaziergang, gingen in die (orthodoxe) Frauenkirche und dann in Richtung Baščaršija, dem Altstadtviertel von Sarajevo. Ich muss sagen, ich bin von Sarajevo ziemlich begeistert, denn dieses Gemisch aus westlichen (österreich-ungarischen) und islamischen (osmanischen) Einflüssen gefällt imr sehr, sehr gut. Dieses Altstadtviertel ist voller hübscher Gässchen mit Pflastersteine, in denen kleine Snacks und Souvenirs verkauft werden, ohne dass man ständig angelabert wird (außer von einigen Bettlern) - das Stadtbild hat mit seiner sichtbaren Grandezza und den nicht mehr ganz nach Neubau aussehenden Häusern einen ziemlichen Charme, jedenfalls bin ich sehr gespannt darauf, dieses Städtchen (von einer halben Million Einwohner!) in den nächsten Tagen noch einmal ausgiebiger zu erkunden.

Wir überquerten schließlich eine der vielen Brücken über das Fluss und gingen dann eine Gasse hoch, weil sich an deren Ende eine hübsche (und etwas teurere) Brauereigaststätte befinden sollte. Meine Ma weigerte sich fast, mir auf die dunkle Straße zu folgen, aber als wir dann am Ende in der Brauerei ankamen, war sie froh, dass sie sich nicht aus dem Staub gemacht hatte.

Wir tranken (für sündhaft teure 1,75 Euro für den halben Liter) lecker Schwarzbier, aßen sehr akzeptable bosnische Spezialitäten und tranken als Absacker bosnische Brandys, einmal von der Aprikose, einmal von der Quitte. Sehr lecker, das Ganze.

Gefühlt um 23 Uhr, tatsächlich war es 19.30 Uhr, verließen wir das Lokal, das uns an unser englisches Pub in Folkestone erinnerte, und liefen - am Fluss entlang und über die Lateinerbrücke in Richtung unseres Hotels.

Hier haben wir jetzt einen letzten Schluck kalte Cola genommen, um 22.30 Uhr kommt Football, mal sehen, ob ich das gucke oder vernünftig bin.

Sarajevo hat uns - nach den Wirren der Anreise vom Flughafen zum Hotel - sehr gut gefallen. Am Flughafen hatten zwei Deutschsprachigen zugehört, die meinten, dass sie gar nicht verstünden, wieso neuerdings so viele Touristen nach Sarajevo kämen - die Antwort ist einfach: Es ist hübsch hier, die Mischung aus ganz alt, ziemlich alt und massiv modern ist spannend, das Leben ist günstig, das Bier und das Essen (jedenfalls am ersten Abend) ist gut. Joa, schick hier ...

Allen Lesern, die morgen um 20 Uhr oder so Besseres zu tun haben als den Blog zu lesen, wünsche ich schon einmal - soweit sie Weihnachten feiern - ein frohes Fest! Aber wer nach dem Heiligabendessen und der Bescherung noch was lesen möchte von unserer Tour, der kann natürlich gerne morgen wieder reinschauen, ich hoffe, dass ich wieder etwas zu Papier - höhö - kriege ...

Frauenkirche

Baščaršija

Lateinerbrücke bei Nacht

Freitag, 22. Dezember 2017

Fertig

... sind wir mit dem Kofferpacken, völlig fertig bin ich. Es ist noch nicht mal 19 Uhr und ich bin auf dem Sprung ins Bett. Der letzte Arbeitstag vor Weihnachten war heute sehr, sehr zäh, und umso mehr freue ich mich, vier Tage am Stück rauszukommen. Das wird schön ...

Morgen muss ich mich früh aus dem Bett quälen, der Wecker geht um 4 Uhr, ich werde um 4.30 Uhr aufstehen, denn um 5.40 Uhr oder so geht der Bus zum Bahnhof und die S-Bahn zum Flughafen, sodass wir um halb sieben oder so am Flughafen sind. Das müsste - selbst wenn wieder die ganze Sicherheitskontrolle aus Anfängern besteht - reichen, um um 7.45 Uhr am Gate zu sein ...

Um 8.15 Uhr geht es nach München, dort werden wir ausreisen und dann um 11.20 Uhr in Richtung Sarajevo starten. Gegen 12.45 Uhr oder sind wir in Bosnien-Herzegowina, ich bin gespannt, ob wir einen Stempel in den Pass kriegen, und dann fahren wir wahrscheinlich mit dem Taxi ins Hotel.

Ich habe in den letzten Tagen schon ein paar Kneipen ausgesucht, in eine von welchen wir wahrscheinlich einfallen werden, um den hoffentlich erfolgreichen Abschluss der morgigen Reiseetappe zu begießen. Und dann haben wir zwei Tage Zeit, um uns in Sarajevo umzugucken.

Ich bin gespannt ...

Sonntag, 3. Dezember 2017

Es ist schon lustig

..., da war ich bis zum Januar dieses Jahr noch nicht einmal in Lissabon, und jetzt werde ich innerhalb von gut 14 Monaten auf vier Reisen (zumindest) den Lissaboner Flughafen sehen.

Ich saß am Donnerstag Abend nach einem langen Arbeitstag im Sherry, und ich weiß gar nicht, was mich geritten hat, einfach mal nach Flügen nach Lissabon zu gucken. Ich traute meinen Augen kaum, als da 31,34 Euro pro Person für den Hin- und Rückflug (mit Ryanair) aufschienen. Ich buchte stehenden Fußes für meine Mutter und mich und informierte meine Mutter (erst) hinterher, dass wir am Freitag, dem 26. Januar am frühen Nachmittag nach Lissabon und am Sonntagmorgen (das ist ein kleiner Wermutstropfen) nach zwei Abenden in Lissabon wieder zurückfliegen.

Damit habe ich dann auch mein Geburtstagsgeschenk zu ihrem 70. eingelöst, bevor sie den nächsten Geburtstag hat - auch gut. Ein Hotel werde ich vermutlich noch heute buchen und dann kann Lissabon kommen.

Damit wird es nach dem Januar-Wochenende 2017 und dem Umsteigen auf dem Weg nach und aus Togo im September/Oktober dann 2018 wieder ein Januar-Wochenende und ein Umsteigen geben, diesmal auf dem Weg nach und aus Guinea-Bissau.

Ich habe jedenfalls am Freitag dem Barchef im Sherry gesagt, dass ich mal versuche, ausnahmsweise keinen Flug zu buchen, während ich an der Theke sitze - hat geklappt ...

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Wir werden sehen, was das Jahr 2018 in, sagen wir, nicht-reisetechnischer Hinsicht bringt, aber sei es wie sei, nach der WM-Auslosung und der Erkenntnis, dass Deutschland am 27. Juni in Kasan spielt, werde ich in den nächsten Wochen schauen, dass ich eine Karte für das Spiel kriege. In Kasan lebt ja meine syrische Bekannte, die ich Ende 2009 - Wahnsinn, das ist schon acht Jahre her ... - mit meinen beiden Briten in Syrien besucht habe. Über Facebook haben wir schon geschrieben, mal sehen, ob das funktioniert.

Ich habe ja 2010, 2012 und 2014 Glück mit dem Kartenbestellen gehabt und 2016 auch Glück in der Kurzfristbestellung, jetzt hoffe ich halt, dass ich beim fünften Großturnier in Folge (Confederations Cup zählt nicht!) eine Karte für ein Deutschland-Spiel ergattere.

Wenn das alles zeitlich passt, könnte man ja auch mal gucken, ob man nach Südossetien kommt.

Die Kartenverkaufsphase endet jedenfalls am 31. Januar 2018, und ein paar Tage danach werde ich wahrscheinlich wissen, was kommt.

2018 wird interessant.

Sonntag, 19. November 2017

Einmal im Leben

... muss man was Verrücktes machen.

Ich verstehe gar nicht, wieso meine Mutter gelacht hat, als ich das eben gesagt habe ...

Meine nächstjährige Ostertour steht seit wenigen Minuten, und es wird eine lustige Odyssee durch Europa und Westafrika werden ...

Am Gründonnerstag muss ich mal wieder früh aufstehen, denn es geht mit der Maschine um 6.45 Uhr nach Porto. Eigentlich hatte ich Ryanair ja nicht mehr so schnell nehmen wollen nach der Flugstreichungsaktion, aber hoffe jetzt mal, dass Ryanair bis März allen Piloten ausreichend Urlaub gewährt hat.

Um 8.35 Uhr komme ich in Porto an und habe ungefähr fünf Stunden Zeit. Mal sehen, ob ich wenigstens mal kurz eine Stippvisite in die Stadt am Douro mache, die ich bisher noch gar nicht kenne.

Um 13.55 Uhr geht es dann - wieder mit Ryanair, aber mit einer anderen Buchung (Buchung Nr. 2) - auf den kurzen Hüpfer nach Lissabon. Dort komme ich um 14.55 Uhr an.

Wieder habe ich ungefähr vier Stunden Zeit, dann werde ich mal wieder durch die Passkontrolle kämpfen (und hoffen, dass ich da vernünftigere Einweiser finde als neulich auf dem Weg nach Togo), denn um 19.20 Uhr geht mein Flug mit der dritten Buchung des Gründonnerstag, und zwar mit TAP als Direktflug nach Bissau in Guinea-Bissau, das mein 129. Land werden wird, wenn ich nicht vorher noch irgendeinen Unfug buche ...

In Bissau komme ich um 22.45 Uhr am Gründonnerstag nach einem langen Flugtag an. Das Visum muss ich elektronisch beantragen, das ist okay so, dann muss mein Pass wenigstens nicht auf verschlungenen Wegen nach Berlin oder so reisen ...

Ich werde mir in der Nacht sicherlich ein Hotel in Bissau buchen. Überlegen muss ich mir aber noch, ob ich es wage, am Freitag auf die Bijagos-Inseln herüberzusetzen und dort womöglich bis Sonntag zu bleiben - die Bijagos-Inseln sollen paradiesisch sein, aber entsprechend schwierig zu erreichen. Wenn die Fähre, die ungefähr sieben Stunden brauchen soll (so weit ist es eigentlich nicht), nicht am Freitag hin- und am Sonntag zurückfährt (so stand es vor Jahren mal in einer Reportage der New York Times), dann muss ich halt schauen, ob ich mir was anderes buche, ein Fischerboot oder so ... Ein Schnellboot soll angeblich 400 US-Dollar pro Strecke kosten, das wäre mir dann doch ein bisschen arg viel.

Ansonsten werde ich mir in Bissau und dem einen Strand auf dem Festland, der auch ganz schön sein soll, die Zeit vertreiben, das wird schon alles passen. Guinea-Bissau ist mehrheitlich muslimisch, sodass ich hoffe, dass mir keine Osterfeierer in die Quere kommen.

Am Ostermontag geht die Odyssee zurück: Um 4.25 Uhr geht mein Flieger mit Royal Air Maroc, und nach kurzem Umsteigen in Casablanca werde ich dann um 11.20 Uhr in Lissabon landen. Dort habe ich sieben Stunden Aufenthalt, die ich ziemlich sicher nutzen werde, um mal in die Stadt zu fahren (wenn Royal Air Maroc pünktlich ist ...).

Um 18.10 Uhr geht dann mein Flieger von Lissabon nach Frankfurt, Ankunft dort ist planmäßig um 22.20 Uhr.

So, insgesamt habe ich fünf Buchungen für eine fünftägige Reise, hoffentlich geht das alles gut, aber es ist genug Zeit dazwischen, das müsste passen ... Wieso so kompliziert? Nun, Flüge nach Afrika sind selten so richtig billig, weil die großen Fluglinien, die von Deutschland aus nach Afrika verbinden, sich diese relative Seltenheit meist ganz gut bezahlen lassen. Deswegen muss man manchmal ein bisschen basteln, und dass mir das Spaß macht, hat der geneigte Leser sicher schon das eine oder andere Mal feststellen können.

Jetzt habe ich für dieses exotische Reiseland unter 500 € bezahlt, das ist natürlich für ein verlängertes Wochenende auch nicht wenig Geld, aber andererseits lässt sich Guinea-Bissau halt auch nicht so richtig gut mit anderen Ländern verbinden, weil die Straßenverbindungen anscheinend nicht so phänomenal toll sind.

Nun denn, ich bin gespannt auf Guinea-Bissau. Ich bin sicher, dass das sehr interessant wird, auch wenn ich glaube, dass das alles durchaus ein bisschen abenteuerlich werden kann. Aber hey, wer die große, weite Welt sehen will, muss auch mal was wagen ...

Sonntag, 12. November 2017

Brunei, wir kommen

Wer jetzt ernsthaft überrascht ist, den begrüße ich ganz herzlich als neuesten Leser dieses Blogs.

Auch wenn die Preise im Vergleich zu gestern nach der Preisexplosion nur ganz wenig gesunken sind, haben meine Ma und ich jetzt diese 24 Stunden in Brunei gebucht - ehe die Flüge noch teurer werden ...

Und so kommen wir nun am 22. März nachmittags in Manila an, werden unser Gepäck einschließen (Cebu Pacific nimmt fast 30 Euro pro Gepäckstück, für eine Nacht reicht Handgepäck) und dann abends um 20.20 Uhr abfliegen. Zwei Stunden später sind wir in Brunei, werden dort (hoffentlich) von einem Hotelshuttle abgeholt und gehen dann dort in die Heia.

Am 23. März haben wir praktisch den ganzen Tag, um uns in Brunei umzuschauen, bis wir um 23.25 Uhr oder so zurück nach Manila fliegen. In Manila kommen wir um 1.25 Uhr oder so an und fliegen zehn Stunden weiter dann mit Gulf Air wieder zurück nach Bahrain und Frankfurt (das wird dann also ein "Triple B" auf dieser Reise: Boracay, Brunei und Bahrain ...)

Wir werden mal sehen, ob wir uns für diese Nacht in Manila noch ein Zimmer nehmen oder ob wir uns die zehn Stunden so durch die Gegend schleppen, aber so wie ich uns kenne, werden wir uns doch ein Bett und eine Dusche erkaufen, zumal die Hotels in der Nähe des Flughafens in Manila so teuer nicht erscheinen.

Juchhe, Brunei wird mein 128. Land (habe mich gerade vertippt und fast "182. Land" geschrieben, ganz so weit sind wir noch nicht, immer langsam mit den jungen Pferden ...).

2018 nimmt ja so langsam dann doch Gestalt an ...

Samstag, 11. November 2017

Schneller Kulissenwechsel

Joa, Neuseeland, das im letzten Blogeintrag vom 29. Oktober seinen großen Auftritt hatte, muss jetzt doch erstmal ein bisschen hinter der Bühne warten. Das Ganze kam so:

Es ist unglaublich, wieviele Menschen schon (vor mir!) in Neuseeland waren. Und alle von diesen Menschen, mit denen ich sprach, sagten, dass zwei, naja, eigentlich eineinhalb Wochen Neuseeland, zu wenig für dieses (zumindest gefühlt) riesige, wunderschöne Land seien.

Gleichzeitig sagte mir meine Mutter vor ein paar Tagen, dass sie ja eigentlich doch ganz gern über ihren Geburtstag weg wäre. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Meine Ma (und ich) wollten schon seit mindestens ein, zwei Jahren unbedingt mal auf die philippinische Insel Boracay, auf der ich schon vor einem Jahr oder so ein Hotel ausgekundschaftet hatte (online zumindest).

Nun, ich guckte nach Flügen, einen Saudia-Flug wollte ich meiner Mutter nicht antun, vor allem, weil wir acht Stunden Aufenthalt in Riad gehabt hätten, die chinesischen Fluglinien waren nur wenig günstiger als Gulf Air über Bahrain, und so fliegen wir nun am Freitag, dem 16. März, morgens von Frankfurt nach Bahrain und nach zwei Stunden Aufenthalt gleich weiter nach Manila.

In der philippinischen Hauptstadt kommen wir am Morgen des 17. März an und werden gleich (viereinhalb Stunden später, das sollte reichen ...) weiter in den AirAsia-Philippines-Flieger (von AirAsia komme ich einfach nicht los ...) nach Caticlan auf der philippinischen Insel Panay fliegen. Von dort geht es binnen einer halben Stunde oder so mit dem Boot rüber nach Boracay. Und dort werden wir dann fünf Tage am Strand verbringen, angeblich einem der weißesten Strände der Welt, das wird hoffentlich sehr, sehr schön ...

Ich habe uns etwas gegönnt und eine 65-Quadratmeter-Suite für 80 Euro die Nacht (also 40 Euro pro Person!) gebucht, mal sehen, ob der Panaromablick auf den Golfplatz hält, was er verspricht.

Am 22. März geht es mittags zurück nach Manila, und dort gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder nehmen wir uns ein Zimmer in Manila für zwei Nächte und gucken uns am 23. März Manila an oder aber wir fliegen am 22. März abends nach Brunei und am 23. März abends zurück auf die Philippinen, was Brunei zu meinem 128. Land machen würde ...

Natürlich hätte ich die Flüge nach Brunei lieber, aber da sind, just als ich buchen wollte, die Flugpreise so explodiert (von 76 Euro auf 118 Euro), dass ich da erst einmal Abstand genommen habe. Wahrscheinlich habe ich da mal wieder mit mir selber konkurriert. Ich werde in den nächsten Tagen (vielleicht noch heute Abend) mal schauen, ob die Preise wieder ein bisschen runtergegangen sind, denn wenn ich schonmal so nah an meinem 128. Land bin, möchte ich das schon gerne mitnehmen.

Jedenfalls geht es schließlich am 24. März am späten Vormittag nach Bahrain zurück, wo wir am Nachmittag landen. Wir haben acht Stunden Aufenthalt in Bahrain, was - trotz des Zwangs, ein Visum für etwa zwölf Euro zu kaufen - wahrscheinlich doch zu einer kurzen Einreise nach Manama führten dürfte. Mal sehen, ob wir da noch in den Basar kommen.

Um 1 Uhr morgens geht es dann am 25. März von Bahrain nach Frankfurt. In Deutschland kommen wir gegen 6.15 Uhr an, dann gehen wir wahrscheinlich frühstücken und dann ins Bett.

Ich bin sehr, sehr, sehr gespannt auf die Philippinen, das wird bestimmt sehr interessant.

Neuseeland bleibt trotzdem auf orange, weil ich es nach wie vor für wahrscheinlicher halte, dass ich 2018 in Neuseeland lande als dass es nicht so ist.

Jetzt ist oben die Leiste mit den nächsten Reisen wenigstens nicht mehr so gähnend leer. Und ich habe eine weitere Reise, auf die ich mich freuen kann, sodass mich diese Vorfreude hoffentlich gut durch den Winter trägt.

Nächste Überschrift? Hoffentlich "Brunei, wir kommen ..."

Sonntag, 29. Oktober 2017

DR Kongo ab, Auftritt Neuseeland

Auf der Karte oben ist die Demokratische Republik Kongo jetzt wieder grau, während Neuseeland orange ist, was ja bedeutet, dass Neuseeland nunmehr "ernsthaft in Betracht gezogen" wird. Ursprünglich hatte ich den Mai 2018 für Neuseeland (und Fidschi) angedacht gehabt und Gorillas im Kongo und Strand in Tansania für den März mit meiner Mutter.

Nun hat mir meine Mutter für den März mehr oder weniger abgesagt, sodass ich da ein bisschen Zeit habe. Gleichzeitig ist der Mai ein bisschen unglücklich, weil ich da einen Kunden habe, der bedient werden möchte.

Das Ganze fügt sich so zusammen, dass es dann vielleicht im März (für zwei Wochen, denke ich) nach Neuseeland geht. Vielleicht gibt es am Ende ein paar Tage in Fidschi oder sonstwo in der Südsee, aber das müssen wir mal gucken, das ist also noch unsicherer als Neuseeland insgesamt.

Ich habe jetzt mal für den 10. bis 24. März Flüge gesucht und extrem günstige (ca. 650 Euro) mit China Southern gefunden, mal sehen, ob wir bei diesem Zeitraum bleiben oder noch ein bisschen schieben.

Alles in allem also noch vieles sehr unsicher, aber es ist doch eine hinreichend veränderte Lage, dass ich mich gezwungen sah, eine Ad-hoc-Mitteilung (nein, nein, meine Reiseunternehmungen sind noch nicht börsennotiert ...) hier im Blog zu machen.

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In den letzten Wochen ist ja in Spanien doch ein bisschen was passiert. Wer in den Titel dieses Blogs sieht, wird bemerken, dass ich immer noch nach "Land 207" unterwegs bin. Seit Azawad vor ein paar Jahren (an dieses "Land" im Norden Malis erinnert sich ja schon kaum mehr einer) habe ich ganz gute Erfahrungen damit gemacht, den Staub sich erstmal ein wenig legen zu lassen. Also: Katalonien wird erst einmal nicht anerkannt (so haben es auch bisher alle Länder, die dazu etwas gesagt haben, gesehen), da gucken wir, wie sich das entwickelt.

Im Osten der Ukraine gibt es ja immer noch die "Volksrepubliken" Luhansk und Donetsk, die von Südossetien anerkannt sind und die inzwischen ein bisschen vergessen worden sind, was man so interpretieren könnte, als dass sie sich inzwischen stabilisiert haben. Ich tendiere dazu (und dazu scheint auch die englischsprachige Wikipedia, der ich hier - bis auf die Frage von Antarktika - zu folgen gedenke, zu tendieren), sie erst einmal noch nicht als unabhängig zu betrachten, aber die Situation weiterhin zu beobachten und - mittelfristig - noch mal zu prüfen, ob ich sie mit in meine Liste nehme.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Einfach gemacht

... hat mir Togo die Heimreise irgendwie, aber andererseits wäre ich auch gerne noch ein Weilchen geblieben ...

Am Strand ging ich mittags nochmal schwimmen, steuerte dann wieder den Coco Beach an. Heute war ein anderer Ober da, der weniger geschäftstüchtig war als der gestern, denn ich wollte wieder für 800 Francs mein Awooyo haben und ihm 1.000 geben, weil ich ja für die Nutzung des Strandes 1.000 Francs zahlen muss, dies aber - jedenfalls nach meinem am Samstag gewonnenen Verständnis - in Fressalien (und Saufalien), jedenfalls in Naturalien, anlegen konnte.

Er interpretierte die Karte anders, nämlich dass ich für 1.000 Francs Zutritt zum Strand und ein kleines Bier kriege, was ich überhaupt nicht lustig fand (und ihm auch erläuterte, dass diese "Wochenendregelung" am ersten Tage des Wochenendes, am Samstag, noch anders gegolten hätte). Am liebsten hätte ich ihm gesagt, dass ich jetzt drei Tage hier war und so schnell nicht wieder komme, wenn sie Kunden so behandeln, aber er mied mich den Rest meines Aufenthalts, weil er - ganz offenbar! - ein schlechtes Gewissen hatte ...

Naja, ich ging wieder ins Hotel, verbummelte da nochmal den Tag, ging um 17 Uhr noch einmal kurz raus zum Abschiedsschwimm (kurz vor Sonnenuntergang war am Strand deutlich mehr los als noch heute Mittag, Wahnsinn, sogar ein Gaul schoss an mir vorbei, da habe ich sogar selbst gemerkt, dass ich gucke wie ein Auto ....), duschte, aß nochmals lecker zu Abend, und dann war es auch schon Zeit, zu zahlen und zum Flughafen zu fahren.

Die Kreditkartenmaschine von Madame wollte nicht so recht, also einigten wir uns, dass ich am Flughafen Geld abhebe und ihr gebe. Die Fahrt zum Flughafen war ereignislos, von einem kleinen Beinaheunfall abgesehen, aber das ist ja nichts Besonderes. Vor der Einfahrt zum Flughafen ist eine vermeintlich scharfe Kontrolle, aber solange du nicht den ganzen Kofferraum voll mit Knetmasse hast, auf der "C4" steht und aus der ein paar Drähte passiert da - trotz Unterbodenspiegel - auch nicht viel ...

Madame begleitete mich zum Check-in, der halbe Flughafen grüßte sie persönlich. Die Bordkartenkontrolle war langwierig, keine Ahnung, was deren Problem war, die Ausreise ging schnell, die Sicherheitskontrolle war ziemlich scharf, was aber die - Entschuldigung - Vollidioten von TAP, der portugiesischen Fluggesellschaft, nicht davon abhielt, zehn Meter weiter - nämlich am Gate - nochmal eine Sicherheitskontrolle zu machen.

Ich habe nichts gegen sinnvolle Kontrollen, aber binnen zehn Metern zweimal die gleiche Kontrolle zu machen (bzw. "gleich" stimmt ja nicht, die zweite Kontrolle war viel oberflächlicher, wie sollte sie es ohne Röntgengeräte und funktionsfähige Metallscanner auch sein?), nur um noch ein paar Leute zu beschäftigen, ist komplett und einhundertprozentig schwachsinnig. Das habe ich TAP auch am Gate noch in einer geharnischten E-Mail mitgeteilt, so ein Bullshit ...

Der Flug war dann recht entspannt, ich saß am Gang mit freiem Mittelplatz und schlief - naja, "schlafen" ist übertrieben, also - döste ein bisschen, bis wir um 6.20 Uhr Ortszeit in Lissabon landeten. Ich hatte jetzt gut zwei Stunden Zeit zum Umsteigen, das sollte reichen. Die Einreise - diesmal am Automaten, der nicht von unfähigen Flughafenmitarbeitern behindert wurde - ging sehr schnell (auch wenn ich mit nicht erklären kann, wie die optische Erkennung meiner Rübe bei dieser unterbelichteten Kamera funktionieren konnte, aber ich bekam meinen grünen Pfeil), die Sicherheitskontrolle (die beim ersten Umsteigen in die EU halt vorgeschrieben ist, was man in dieser Absolutheit vielleicht auch mal hinterfragen könnte, vor allem bei Einreisen aus den USA oder aus Israel, aber andererseits muss man dann die ganze Umsteigelogistik umstellen, soweit das überhaupt geht) dauerte, weil viel Andrang war, ging dann aber - natürlich in der EU, wenn nicht nur Anfänger ihren ersten Arbeitstag haben - recht schnell.

Die Wartebereiche am Gate sind in Lissabon nicht so arg großräumig gestaltet, deswegen halten sie die Leute in den Foodcourt- und Einkaufsbereichen (nicht etwa, damit sie dort mehr kaufen, nein, niemals nie!) und geben erst sehr kurzfristig bekannt, an welchem Gate geboardet wird.

Als ich dann mein Gate ginge, marschierte ich hin, kriege gerade so noch einen Sitzplatz, joa, und das Boarding war dann auch okay. Drei Stunden später landete ich in Frankfurt, lief von den hintersten A-Gates zum Ausgang, erwischte gerade noch die anvisierte Bahn und war dann gegen 14 Uhr daheim.

Nun, der Rest des Nachmittags wurde in meinem "Wohnzimmer" verbracht ...

Ich muss sagen, Togo und Benin haben mir - trotz der Sprachbarriere, die definitiv vorhanden war, obwohl mehr Togolesen und Beniner besser Englisch sprechen als sie glauben - sehr, sehr gut gefallen. Schon bei der Fahrt vom Flughafen zum Hotel am Abend der Bundestagswahl fühlte ich mich auf Anhieb wohl (dazu hat Madame natürlich nicht zu knapp beigetragen, denn diese unglaublich herzliche und liebenswürdige Frau war ganz einfach fantastisch).

Die Strände in Togo, die ich gesehen habe (mein "Hausstrand" in Avepozo und der große, lange Stadtstrand von Lomé), haben mir schon sehr gut gefallen, auch wenn es mit dem Schwimmen in Westafrika immer eine mehr oder weniger gefährliche Sache ist. Wenn man aber nur am Strand sitzen und sich ein Getränklein reinpfeifen will, dann ist das perfekt (und wenn man dann so ein Riff findet, an dem sich die Wellen schonmal vor-brechen, wie ich es dann an meinem Hausstrand entdeckte, dann macht da das Baden auch Spaß).

Der kleine Abstecher nach Benin war (ebenso wie zuvor der Besuch des Fetischmarktes in Lomé) sehr beeindruckend, nicht mal wegen des großartigen (aber kaum beschwimmbaren) Strandes in Grand-Popo, sondern wegen der hochinteressanten Ausfahrt nach Ouidah, bei der ich mir nicht nur den Fahrtwind auf dem Moto um die Nase wehen lassen konnte, sondern auch sehr viel über die Geschichte der Sklaverei gelernt habe. Auch wenn das Zimmer dort nicht so toll war wie das in Lomé, so war die Hotelanlage (und die Lage unmittelbar am Strand) schon sehr schön ...

Die drei Tage dann in Lomé zum Abschluss waren - was ich gar nicht so gedacht hätte - Urlaub pur, mit Schwimmen, mit gemütlichen Stunden in einem Plastikstuhl und einem Bier in der Hand am Strand, mit leckerem Essen des Hotelkochs. Ich habe der Madame gesagt, dass ich ihr nichts verspreche, aber dass ich nicht überrascht wäre, wenn ich in absehbarer Zeit wiederkäme - vielleicht kann man ja einen Abstecher nach Burkina Faso oder so machen ...

So, damit over and out (sagt man im echten Funkerbereich so anscheinend gar nicht, aber das Klischee ist schön ...) von meiner letzten Interkontinentalreise dieses Jahr (wenn ich nicht noch einen Rappel kriege und mal ein Wochenende nach Israel oder so fliege ...).

Sonntag, 1. Oktober 2017

Ohjeohjeohje

So, erstmal das: Ich habe heute Nacht einen granatenmäßigen Unsinn geträumt, aber kein Unsinn war (und das habe ich wirklich geträumt!), dass man "Verlies" "Verlies" schreibt und nicht "Verließ", wie ich es am Mittwoch geschrieben hatte - so einen Bock habe ich rechtschreibtechnisch selten geschossen, sorry! (Dass es "Korsorten" statt "Konsorten" wurden, ist, wie viele andere Fehler, die ich in meine Blogs einbaue, der späten Stunde und dem schnellen Tippen geschuldet, aber wenn man das gleiche Wort zweimal falsch schreibt, passt die Ausrede wirklich nicht mehr ...)

Ohjeohje war aber auch der gestrige Mittag: Nach dem guten Abendessen am Freitag (Fisch, wieder sehr lecker) und dem Frühstück ging ich erstmal ins Zimmer, verdaute ein wenig und ging dann aus dem Haus. Mein Versuch, in T-Shirts und Badehose (und Hut) einen funktionsfähigen Geldautomaten zu finden, war wieder nicht von Erfolg erkrönt, sodass ich mit Schlüssel, 3.900 Francs und einer Kreditkarte bewaffnet an den Strand durchstartete.

Dort ging ich erstmal wieder im Wellenbad schwimmen (scheee), ehe ich die paar Schritte zum Coco Beach weiterlief. Dort bestellte ich mir ein Awooyo-Bier (ein bernsteinfarbenes togolesisches Bier, das mir hier das liebste wird, und nahm noch wahr, dass es 6,2% Alkoholgehalt hat - und die Flasche 65cl fasst, was den Ober zum Hinweis verleitete, dass es nur große Flaschen gibt - du kommst mir grad recht, Jüngelchen).

Ich setzte mich in eine der dort stehenden Strandhütten, fing an, den Sand zu meinen Füßen umzugraben (bin noch nicht beim Grundwasser angekommen ...) und genoss den Blick aufs Meer und den Hafen und die Palmen ...

Ich hatte mein Bier gerade aus, als ich versehentlich ein wenig nach rechts guckte - da stand Jeannette. Ohje, ohje ... Sie stellte sich zu mir, fing an, mich vollzusäuseln, was ich mit einem Verhalten, das an der Grenze zur Unhöflichkeit war, vermeiden wollte - ich hatte keine Chance. Spätestens, als sie sich einen Stuhl schnappte und zu mir setzte, stellte ich mich auf eine längere Phase fehlender Ungestörtheit ein ... Ich tat so, als ob sie nicht verstünde (so perfekt ist ihr Deutsch und mein Französisch offenbar doch nicht), das half aber auch nicht viel, ich ignorierte sie, was wenig besser half, irgendwann schien sie meinen Wink mit zwei Scheunentoren zu verstehen, und meinte: "Bye, bye, tschüss ...", was ich mit "Bye, bye, tschüss" erwiderte, was sie nicht lustig fand. Fünf Minuten später, die Scheunentore, mit denen ich winkte, hatten inzwischen die Größe der Pforten einer A380-Werft, sagte sie wieder "Bye, bye, tschüss", ich sagte wieder "Bye, bye, tschüss" und mit einem beleidigten Gesichtsausdruck stellte sie den Stuhl zurück an den Platz und begab sich hinfort.

Ein paar Minuten später kam sie nochmal vorbei, winkte mir zu und ging dann am Strand auf neue Opferjagd, während mein Ober, der Schelm, vorbei kam und fragte, ob das meine Frau sei. Okay, so desinteressiert, wie ich dasaß, hätte das durchaus sein können ...

Auf den Schreck musste ich nochmal ein Awooyo trinken, und weil man auf zwei Beinen nicht stehen kann (oder so, ja, heute ist der Tag der vorsätzlich schiefen Sprachbilder), nahm ich halt noch ein drittes.

Nachdem ich nun den halben Strand mit meinen Füßen umgegraben hatte und nicht mehr ganz nüchtern war, machte ich mich auf, sprintete (so schnell ich in meinem Zustand und auf dem wirklich tiefen Sand sprinten konnte) in mein Hotel und schaute, dass ich die zwei Liter Bier aus meinem Körper kriegte, denn die Toilette am Coco Beach hatte ich nicht in meine Betrachtungen miteinbezogen.

Danach duschte ich, wollte mich kurz aufs Bett legen und wurde wach, als der Koch nach meinen Wünschen fürs Abendessen fragte. Ich brauchte ein richtig großes Stück Fleisch, das ich auch bekam, den Knoblauch hätte ich gestern Abend nicht so ganz dringend gebraucht, aber sei's drum ... Nach dem Abendessen ging ich wieder ins Bett, und heute Morgen ging es mir überraschend gut - Awooyo kann was. Und ich bin ganz froh, dass mein Geld noch genau für ein Bier heute am Strand reicht - und nicht mehr ...

Ich frühstückte wieder lecker und werde mich jetzt an den Strand begeben, danach am Coco Beach noch Abschied feiern, anschließend hier zu Abend essen und dann zum Flughafen gefahren werden, denn mein Flug geht erst um 22.10 Uhr. Es wundert mich bei der grandiosen Chefin in diesem schönen Hotellele nicht die Bohne (es gab immer abends lecker grüne Bohnen mit gut Knoblauch), dass ich ohne Probleme bis 19.30 Uhr hier im Hotel bleiben kann, es ist wahnsinnig schwer, sich hier nicht total wohlzufühlen ...

Um 6.40 Uhr morgen früh lande ich - nach Zwischenstopp heute Nacht in Accra, Ghana, aber diesmal ohne Umsteigen! - in Lissabon und fliege dann um 8.25 Uhr weiter nach Frankfurt, wo ich um 12.35 Uhr ankommen sollte - den Ort, an dem ich ab ca. 15 Uhr höchstwahrscheinlich anzutreffen bin, weiß jeder halbwegs regelmäßige Leser dieses Blogs.

Liebe Leser, dieses war der 100. Post des Jahres 2017 und der insgesamt 579. seit dem Jahr 2009 (keine Sorge, ich gedanke, weiterhin zu schreiben - nur zur Klarstellung, weil das gerade so schlussstrichartig rüber kam ...).

Es gibt Menschen, die meinen, ich hätte es 2017 vielleicht ein bisschen übertrieben, mit den Wochenendtrips nach Lissabon, Zwolle, Paris und Istanbul im Januar und Februar, mit der Elfenbeinküste (und Ghana) im März, Ägypten und Sudan im April, Thailand und Kambodscha im Mai, Kurdistan, Georgien und Abchasien im Juni, Usbekistan Ende August, Thailand, Laos und Vietnam in der Woche danach, mit Brüssel und Mauretanien im September und jetzt mit Togo und Benin Ende September. Ich gestehe, manchmal komme ich ein bissel durcheinander, wann genau ich jetzt wo war in diesem Jahr, aber eins kann ich sagen, interessant war es überall, jede Reise war spannend, in aller Regel war es sehr schön, ich habe viel Überraschendes erlebt (sei es die Ghana-Einreise-Aktion, das fantastische Meroe im Sudan, jetzt gerade erst die Voodoo-Stätten in Togo und Benin), viel Schönes gesehen (Lissabon ist ein Traum, Paris auch, Istanbul sowieso, Zwolle war ein toller Abend mit meinem Schulfreund, die Pyramiden von Gizeh, Angkor Wat, die Zitadelle von Erbil, Buchara und Samarkand, die Tempel in Laos und Thailand, und Lomé hat mir auch sehr, sehr gut gefallen) und mich fast überall ziemlich wohlgefühlt (vom Essen ganz zu schweigen ...).

Weihnachten feiern meine Ma und ich wie immer im Ausland, diesmal in Sarajevo in Bosnien-Herzegowina, und auch nach der aktuellen Westafrikareise wird es noch ein Fazit geben. Wie immer ist von Oktober bis Dezember ein bisschen Saure-Gurken-Zeit hier, weil ich was tun muss für mein Geld, aber das ist auch mal okay.

Vielleicht wird Ende 2017 schon ein bisschen was für 2018 gebucht (Belgrad ist ja schon gebongt Anfang März), ansonsten wird es ab Februar hoffentlich wieder Schlag auf Schlag gehen.

Jetzt aber erstmal bis morgen (oder übermorgen, je nach Stimmung im Sherry ...).