Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Freitag, 25. August 2017

Ich mag Pferde sehr

..., das habe ich heute Mittag wieder festgestellt, aber ein ganzes ist doch zu viel fürs Mittagessen ...

Irgendwann - gefühlt mitten in der Nacht - weckte mich meine Mutter auf. Sie war schon schwimmen gewesen und frisch geduscht, denn es war schon 9 Uhr. Okay, okay, ich quälte mich aus dem Bett, machte mich fertig und es ging zum Frühstück. Heute frühstückten wir ausgiebig und ich hatte mal wieder Heißhunger auf Milch - das war sehr lecker ... (Wir hatten gestern Abend nichts mehr essen wollen, aber von der Hochzeit, die hier gestern stattfand, waren noch viele Wassermelonen als Nachtisch übrig, sodass wir eine Riesenportion aufs Haus bekommen hatten ...)

Danach warfen wir uns in das Abenteuer, in Taschkent Bus zu fahren. Wir stiegen in einen Bus ein, von dem ich glaubte, dass er uns zur nächsten Metrostation fahren würde, was sich aber als Trugschluss herausstellte. Mein Geld wollte erst niemand haben, und als ich gerade dem Fahrer die 5.000 Som hingestreckt hatte und er wechselte, bog er auf einmal links ab und fuhr durch Wohngebiete. Nach endlicher Strecke landeten wir in der Nähe einer anderen Metrostation, sodass ich uns aus dem Bus warf und wir den Rest der Strecke liefen.

Wir stiegen in die Metro, fuhren zwei Stationen (die machen hier zwei Sicherheitskontrollen, das ist schon ein bisschen bekloppt ...), stiegen am Kulturpalast aus, guckten uns von Ferne das Parlament und eine Medresse an (kein Vergleich zu Buchara oder Samarkand) und gingen dann, weil wir nicht weiterkamen, zurück zur U-Bahn.

Wieder fuhren wir zwei Stationen, stiegen am Unabhängigkeitsplatz aus und liefen über eine von Ausländern "Broadway" genannte Straße. Da ist nun kein Times Square in der Nähe, aber fürs Flanieren ist diese Straße durchaus geeignet, und die Porträtmaler und schönen Pavillons mit Ess- und Trinkgelegenheit (wir tranken eine große Flasche Cola) machen da durchaus einen schönen Spaziergang draus.

Wir schauten uns kurz das Denkmal für Amir Timur an und gingen dann wieder zur U-Bahn. Diesmal fuhren wir nur eine Station und fielen - wie gestern Abend - im "Afsona" ein. Gestern hatte meine Ma Rindfleisch-Schaschlik gegessen (sehr lecker) und ich Beschbarmak (Pferdebraten mit wunderbaren Teigstreifen), heute wurde es bei ihr ein Hühnchen Schaschlik und bei mir Narin, ganz feine Pferdefleischstücke gemischt mit ebenso feinen Teigstückchen. Das Ganze war kalt, aber himmlisch - doch die Zentralasiaten haben eine sehr gute Küche, und das Pferd in der Küche macht das keine Ausnahme ...

Dazu gab es Hopfenkaltschalten und zum Abschluss (es war inzwischen, ähem, Nachmittag geworden) jeweils 50 g Wodka. Wir fuhren mit dem Taxi (heute ausnahmsweise mal - zufällig - ein offizielles) zurück ins Hotel, und gleich springe ich in den Pool.

Taschkent hat jetzt nicht die großartigen antiken und mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber es ist ganz ohne Zweifel die Hauptstadt Usbekistans, was man nicht nur an den Regierungsgebäuden, sondern auch an der deutlich kosmopolitischeren Ausrichtung der Stadt sieht - die Leute sprechen hier im Durchschnitt spürbar besser Englisch, es gibt günstige Restaurants, die Usbeken und Ausländer ansprechen (in Buchara und Samarkand ist es meist "entweder oder"), die U-Bahn ist sowieso toll (und superbillig, 15 Cent pro Fahrt), doch, für den Start ist Taschkent auch einen Tag oder so wert, als Abschluss unserer Reise - außer für den Urlaub im wunderbaren Hotelpool hier - ist es dann ein wenig suboptimal.

Ganz unabhängig davon: Es weiß ja jeder, dass ich normalerweise jede Reise mit dem obligatorischen "Es war toll" abschließe. Es weiß auch jeder, dass ich keineswegs ein emotionaler Mensch bin (ich würde zum Beispiel nie meinen Computer anschreien oder die Tastatur verprügeln, niemals, nein, nein, nie). Daher ist es eine ungeheuerliche Ausnahme, dass ich - wenn bei der Ausreise nicht noch zwei Verhaftungen und drei Ausweisungen meiner Mutter und mir passieren - das Fazit dieser Reise mit "Es war ganz toll" überschreiben werde. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, jetzt geht es erstmal in den Pool und dann ins Bett, denn morgen geht's heim.

O'zbekistonga qaytamiz - Usbekistan, wir kommen wieder ...

In der Altstadt - wiederaufgebaute Medresse

Die neue Hauptmoschee von Taschkent

Beschbarmak - lecker Gaul

Amir Temur - früherer Khan

Hotel-Pool in Taschkent

Donnerstag, 24. August 2017

Über das Streikrecht in der usbekischen Verfassung

... könnte man sicherlich mal eine rechtswissenschaftliche Doktorarbeit verfassen, aber ich werde das in absehbarer Zeit nicht tun, und meiner Mutter war's heute völlig wurscht, ob das in der Verfassung steht oder nicht, sie hat einfach gestreikt ...

Das Ganze mag an dem Schlafmangel gelegen haben, den wir beide letzte Nacht aufgehäuft haben, weil wir beide den allergrößten Unfug geträumt haben - ich konnte wenigstens noch ein bisschen einschlafen, aber meine Ma lag ab 1 Uhr wach. Der Wecker ging um 4.30 Uhr, und sie schmiss mich um 5 Uhr aus dem Bett.

Wir hätten noch ein Stündchen oder so weiterschlafen können: Frühstück gab es um 6 Uhr noch keines, also ließen wir uns sofort von einem Taxi zum Flughafen fahren. Dort kamen wir schon sehr bald an, mussten durch eine Vor-Sicherheitskontrolle, eher wir unser Gepäck über die menschenleere Straße vor dem Flughafen schoben. Am Eingang selbst gab es nochmal eine (oberflächliche) Kontrolle, dann waren wir schon drin ...

Wir waren zwei Stunden vor Abflug da, konnten aber noch nicht einchecken und warteten und warteten und warteten ... Der Flieger verspätete sich, wir hatten Hunger, und erst um 8.10 Uhr oder so konnten wir einchecken - da hätten wir noch fast zwei Stunden schlafen können. Wäre, wäre, Fahrradkette, hat Lothar Matthäus neulich so typisch intelligent gesagt, das stimmt dann wohl, wenn der Ehrenspielführer das sagt ...

Bei der Sicherheitskontrolle wollte sich die Tante profilieren und mahnte irgendein Zeichen auf der Deoflasche an - meist sind es die Frauen, die die Situation an der Gepäckkontrolle verkomplizieren, das ist kein Geschlechterstereotyp, das ist Erfahrung (duck-und-weg) ...

Naja, nach angemessener Wartezeit watschelten wir dann über das Rollfeld, bestiegen den Flieger, ich stieg meinem Hintermann unsanft (und unabsichtlich) auf den Fuß, der Flug ging 35 Minuten, die anschließende Fahrt zum nationalen Terminal vergleichbar lang, und das Warten aufs Gepäck noch einmal.

Am Ende waren wir gegen 10.30 Uhr oder so aus dem Flughafen raus, verhandelten mit diversen Taxifahrern (die Schlingel fingen mit 150.000 Sum für die Fahrt an - mehr als 20 Dollar -, am Ende zahlten wir 25.000 Som, also 3,50 Dollar) und kamen dann einigermaßen gut am Hotel an.

Einchecken konnten wir nicht, also gaben wir das Gepäck in Verwahrung und machten uns - uneingeschmiert - in die Stadt. Weil ich den Concierge falsch interpretiert und gedacht hatte, er halte meiner Ma die Tür auf, was er nicht tat, bekam ich einen saftigen Anschiss von meiner Mutter, weil ihr die Tür vor der Nase zufiel, danach ging es weiter bergab, weil wir nicht sofort einen Schwarzmarkthändler zum Geldwechsel fanden - die Aggressionen stiegen, weil wir Hunger und Durst und zuwenig usbekisches Bargeld hatten.

Nachdem wir die Fronten schließlich auf offener Straße geklärt hatten (meine Mutter trug diverse Schürfwunden davon, meine Nase ist nicht mehr ganz gerade ...), hupte ein privater Autofahrer den privaten Autofahrer, dem wir gerade erklärten, dass wir Geld wechseln wollten, von der Straße - denn der Hintermann sprach ganz gut Englisch.

Er fuhr uns zum Geldwechsler, der nicht so richtig auf Euro stand, aber dann doch einen guten Kurs rausrückte, nachdem der Fahrer für uns auch die Verhandlungen geführt hatte. Wer mal nach Usbekistan kommt und ein Handzeichen sieht, bei dem bei senkrecht stehender Hand alle Finger unabhängig voneinander eine Schlängelbewegung machen, weiß, dass er einen Geldwechsler vor sich hat - man weiß ja nie ...

Der Typ fuhr uns zu unserem gewünschten Restaurant Jumanji, bei dem wir sehr, sehr gut zu Mittag aßen - meine Mutter aß Chomen (so etwas wie Lagman, also Nudeln mit Fleisch), während ich Chuchvara, so etwas wie usbekische Tortellini, zu mir nahm - sehr lecker, aber auch nicht ganz billig.

Der darauffolgende Verdauungsspaziergang zog sich etwas, weil der Kartenmaßstab für Taschkent ein bisschen anders ist als für Buchara, sodass ich die Entfernungen etwas, ähem, optimistisch beurteilt hatte.

Naja, wir fuhren mit der altertümlichen U-Bahn durch sehr schöne U-Bahn-Stationen bis zum Chorsu-Basar, verliefen uns dort ein bisschen, gingen in Richtung Altstadt - und dann weigerte sich meine Mutter völlig unnachvollziehbarerweise, meinen Beteuerungen, dass wir "bald" in der Altstadt und der Hauptmoschee seien, zu glauben - als ob ich sie in den letzten Tagen irgendwie unqualifiziert in der Gegend herumgeführt hätte ... Ts, ts ...

Nun, ich lief in die Altstadt, guckte mir das Ensemble dort an, das für Taschkent ganz okay ist und, wenn es das Erste ist, was man von Usbekistan sieht, sicher beeindruckend, aber nach Buchara und Samarkand, hm, naja ...

Nach der Rückkehr zur Sitzgelegenheit meiner Ma fuhren wir - nach dem schwierigen Erobern eines fahrbaren Untersatzes - zurück zum Hotel und zum Check-in. Das Zimmer ist völlig in Ordnung, aber nicht so toll wie das vor ein paar Tagen, was schade ist, aber kein Weltuntergang.

Völlig sehr in Ordnung ist dagegen das Schwimmbad hier im Hotel, wenn man es denn mal gefunden hat, weil man durch das eine Haus hindurchmuss, um an dessen Essen treppauf, treppab dieses hübsche große Planschbecken zu finden.

Im kühlen Nass wurden unsere Lebensgeister sofort wieder geweckt, sodass wir uns schließlich entschieden, nochmal lecker zu Abend zu essen - ich suchte mal wieder eine Kneipe aus, und die gefiel uns von Anfang bis Ende sehr gut, doch das "Afsona" kann ich jedenfalls nach dem ersten Besuch sehr empfehlen, mal sehen, ob es in die Empfehlungsliste Eingang findet ...

Jetzt ist hier 23 Uhr, morgen wird versucht, auszuschlafen, und dann gucken wir mal, was mir machen. Ich würde schon gerne ein paar Stunden nochmal in der Stadt verbringen, aber vielleicht ist der Pool auch so verlockend, dass wir Taschkent Taschkent sein lassen und im Hotel bleiben ...

Wo wir heute schonmal bei Geschlechterstereotypen waren: Im Stadtverkehr stand ein Auto vor uns, mit zwei Warnzeichen - das eine war ein "У", also ein "U", was meines Erachtens für "Anfang Fahranfänger" steht, das andere Warnzeichen war ein Stöckelschuh ...

So, Fotos gibt's dann irgendwann Samstag - soooo spannend ist das jetzt alles nicht mehr, fürchte ich ...

Mittwoch, 23. August 2017

Der Wurm drin

Heute war es soweit - heute war der Tag, an dem ich meine Reisebegleitung hübsch im Seich herumgeführt habe, so wie ich mir auf jeder Reise einen solchen Tag "aussuche" ... Meine Mutter war sehr tapfer, aber um 16 Uhr haben wir gemeinschaftlich die Entscheidung getroffen, für heute Feierabend zu machen - wir haben unfassbar viel gesehen, wir haben einige Sachen nicht gesehen, aber das sind einfach weitere Gründe, nochmal auch nach Samarkand zu kommen.

Wir waren früh wach, frühstückten - das war heute das beste Frühstück auf der Reise - und machten uns dann gegen 9 Uhr auf den Weg. Wir wollten zum Registan, liefen um den halb herum, nur um nach Nachfrage bei den Wachleuten herauszufinden, dass der heute erst um 11 Uhr öffnet - es fängt demnächst wohl so ein Musikfestival an, und da finden Proben und alles Mögliche statt.

Also liefen wir durch die - sehr hübsche - Fußgängerzone in Richtung Bibi-Khanym-Moschee. Hier mussten wir 19.000 Som, etwa 2,70 Dollar, Eintritt pro Person bezahlen, sehr viel Geld für Usbekistan, aber die lohnen sind, vor allem, wenn man auf einem alten Foto sieht, wie das vor Eintreffen der UNESCO aussah und wie das heute aussieht - für genau solche wunderbaren Wiederaufbauten ist es gut, dass es die UNESCO gibt.

Italien muss in diesen Tagen entvölkert sein, denn alle Italiener sind in Usbekistan - es ist unglaublich ...

Weiter ging es - über eine größere Straße - zu einem muslimischen Friedhof, in dem wir uns kurz umschauten, ehe wir das Shah-i-Zinda-Ensemble in Angriff nahmen - das hatte ich überhaupt gar nicht auf dem Schirm und gestern nur zufällig in einer Zeitung gesehen, als wir auf das Taxi gewartet hatten. Hornochse, ich - das war fantastisch schön, mit der Moschee mit den Kuppeln, mit dem tiefblauen Portalen, mit einem beeindruckenden Gebetsraum, in dem gerade ein Gebet stattfand und aus dem wir uns entsprechend schnell wieder verkrümelten. Unbedingt hingehen!

Unbedingt nicht hingehen, naja, eher nicht unbedingt hingehen, muss man zu den Ausgrabungsstätten des alten Afrosiyob, da sieht das ungeübte Auge nämlich so wahnsinnig viel, auch wenn man da ungesichert in der Gegend herumläuft auf mehr oder weniger ausgetretenen Trampelpfaden. Die Taxifahrer wissen auch nicht so recht, wo sie einen hinfahren sollen, also tat unserer wissend und lud uns dann doch am Museum aus, das zwar gut sein soll, aber nicht, wo wir hinwollten. Also liefen wir - auch noch intelligenterweise in der Mittagshitze - ins Feld hinein, es war kein militärisches Sperrgebiet (glaube ich ...), und nach einigem (einigem!) Suchen entdeckten wir einige uralte Spuren menschlicher Zivilisation im staubigen Boden.

Schließlich fanden wir einen Weg hinunter und über das kleine Flüsschen, und nach endlicher Zeit auch ein Taxi, das uns zum Restaurant Oasis fuhr.

Dort aßen wir - bedient von einer fähigen Bedienung - lecker Rind und genießbaren Hammel, tranken dazu zwei Bier und viel Wasser, und waren dann zwar einigermaßen von den Strapazen erholt, aber die Pause war eindeutig zu lange gewesen, sodass wir nur noch zum Registan wollten, um uns dort umzuschauen.

Unser Fahrer lud uns aus, wir wollten rein, der Milizmensch zeigte aber mit gekreuzten Armen an, dass zu sei, und eine freundliche Frau übersetzte für uns, dass seit 15 Uhr geschlossen sei - Helden der Nachtmusik!

So hatten wir zwar immer noch einen tollen Ausblick auf das Registan-Ensemble, aber schade war es trotzdem, dass wir nicht reinkamen auf das Gelände - es wäre schlauer gewesen, die Ausgrabungsstätten zu ignorieren und auf den Registan zu gehen, aber hinterher ist man immer klüger.

Samarkand ist jetzt halt ein bisschen kurzgekommen, zumal es noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit gibt, die man sich hätte anschauen können, aber - auch Usbekistan drohe ich meine baldige Wiederkehr, und zwar verschärft - ich bin sicher, in dieses Land noch einmal zu kommen.

Die Usbeken hatten ja eigentlich für 2017 angekündigt, bei der Einreise ihre Visa zu erteilen, sich das aber 20 Tage später wieder anders überlegt und doch erst für 2021 angedacht. Bis dahin werden Buchara und Samarkand in noch hellerem Glanz erstrahlen, und spätestens dann bin ich hoffentlich wieder mit meiner Ma hier.

So machten wir also Feierabend, und um 16.30 Uhr war ich schon geduscht und bettfertig, ist mir auch selten passiert ...


Morgen wollen wir gegen 6 Uhr, 6.30 Uhr zum Flughafen fahren, unser Flieger geht um 8.30 Uhr, und dann haben wir noch zwei Urlaubstage mit ein bisschen, aber nicht so viel Sightseeing in Taschkent. Ich werde versuchen, uns nicht nach Kasachstan, Kirgisistan oder Tadschikistan zu führen auf der Suche nach der nächsten Metro-Station, aber nach heute garantiere ich für gar nix mehr ...

Zu allem Überfluss gab es heute auch das erste Scharmützel zwischen Mutter und Sohn, weil ich gestern keine US-Dollar bei der einen Bankkette hier in Usbekistan geholt hatte, bei der man auch Fremdwährung abheben kann. Wir haben zwar noch usbekisches Bargeld, aber nicht mehr sooo viel, und meine Ma wollte vermeiden, dass wir irgendwann komplett auf dem Trockenen sitzen. Also fragte sie gegen meinen Willen, denn die Banken (und alles andere) will ich Sturkopp ja immer selbst finden, bei gefühlt hundert Millionen Menschen nach dem Weg. Ende der Geschichte war, dass wir in der usbekischen Nationalbank landeten und dort nichtmal reinkamen, geschweige denn Geld kriegten.

Naja, den Abend haben wir ja trotzdem überstanden, und plötzlich fand meine Mutter noch 50 Euro im Geldbeutel (sollte mir auch mal passieren ...), das könnte sogar für die nächsten zwei Tage noch langen, und außerdem gibt's in Taschkent auch diese komische Bank, und dann auch die Metro, sodass man hoffentlich schneller dahinkommt als mit dem Taxi hier.
Bibi-Khanym-Moschee

Bibi-Khanym-Moschee

Bibi-Khanym-Moschee

Shah-i-Zinda

Shah-i-Zinda

Shah-i-Zinda

Friedhof

Shah-i-Zinda

So weit die Füße tragen ...

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts (Ausgrabungsstätte)

Finalmente: Registan

Dienstag, 22. August 2017

Auf der Seidenstraße unterwegs

Heute Morgen um 4.30 Uhr war Alarm - meine Mutter war nach einem Alptraum aufgewacht, dann suchte sie nach ihrem Geldbeutel mit Hunderttausenden von Som drin (naja, so achtzig Dollar oder so) und ihren Kreditkarten, fand sie nicht und weckte mich dann.

Gemeinsam gruben wir gefühlt das Zimmer um, ich machte mir schon Gedanken, wie wir die Karten gesperrt kriegen, als meine Ma und ich mit vereinten Kräften unter den aufgeklappten Koffer auf dem Schränkchen schauten - da war der Geldbeutel ... Es hätte mich bei unseren Erfahrungen mit den Usbeken jetzt auch sehr gewundert, wenn sie die Grenze zwischen Schlawiner (die gibt es hier durchaus) und Dieben so mir nichts, dir nichts überschritten hätten ...

Danach schliefen wir wieder, ehe um 7 Uhr der Wecker ging, um 8.30 Uhr ging es um Frühstück. Gegen 9.30 Uhr brachen wir auf, liefen nochmal zum Lab-i Hauz, guckten uns dort die eine Medresse noch an und gingen dann nochmal zum Juwel von Buchara, nämlich die Kalon-Moschee. Diesmal liefen wir einen anderen Weg, kamen bei den beiden gegenüberstehenden Medressen raus, überquerten wieder die Baustelle und setzten uns dann zwei Stunden in die fast menschenleere Moscheeanlage und unterhielten uns - das war Urlaub.

Naja, es wäre Urlaub gewesen, wenn ich nicht (fast) lebensbedrohlich erkältet wäre - die Klimaanlage direkt über meinem Bett hat mir zugesetzt, und so habe ich noch lauter geniest als sonst, was in den Säulengängen der Moschee ganz hübsch hallte ...

Wir aßen wieder im Minzifa, wo wir gestern Abend schon gegessen hatten, diesmal war Gas da, und so aß ich Lagman (Nudeln mit Fleisch und viel Gemüse, sehr lecker). Das usbekische Lagman ist nicht so suppig wie das kirgisische, aber beide sind irgendwo lecker.

Nach dem Bezahlen gingen wir zurück ins Hotel, machten uns noch kurz frisch und warteten ein paar Minuten in der Lobby auf unsere Abholung. Zwei Amerikaner vor uns wurden zwanzig Minuten vor uns abgeholt, obwohl sie auf den gleichen Zug wollten und am Ende in unserem Waggon saßen - sicher werden wir die morgen auch noch treffen ...

Unser Fahrer kam (der Hotelchef, der Schlawiner, hatte uns den teuersten Taxifahrer von Buchara vermittelt, ich tippe darauf, dass das sein Vater war und der für den Familienbetrieb noch was dazuverdiente, aber sei's drum ...), fuhr (ziemlich zügig, vor allem für sein Alter) und brachte uns wunschgemäß zum Bahnhof.

Wieder ließen wir drei Kontrollen über uns ergehen, ehe wir dann relativ früh in den (sehr modernen) Zug einsteigen konnten. Weil uns ein russisches Pärchen direkt gegenübersaß, was für beide Parteien nicht sonderlich bequem war, setzten wir uns bei der Abfahrt sofort um; sofort hatten die und wir schön Beinfreiheit ...

Die eineinhalbstündige Bahnfahrt verging wie im Fluge, und wir verließen den Bahnhof in Samarkand als Letzte, weil wir ja Zeit hatten. Ich suchte mir einen älteren Herrn als Taxifahrer aus, der uns diesmal nicht für 10 Dollar, sondern für 20.000 Som (drei Dollar) zum Hotel fuhr, und auf der Fahrt konnten wir schon allererste Einblicke in die hiesige Sehenswürdigkeitenszene gewinnen - das wird hochspannend morgen.

Unser Hotel sieht von außen sehr schick aus, das Zimmer ist in Ordnung, wenn auch die Klimaanlage spinnt, aber vielleicht ist das erstmal ganz gut, wenn ich nicht so arktische Temperaturen im Zimmer produziere.

Wir gingen auf die Gass', hielten uns ein Taxi an und fuhren zum Restaurant Platan, bei dem wir auf der Terrasse zum Sitzen kamen. Das Essen war okay, der Service zwischen naja und unterirdisch (wir warteten eine halbe Stunde auf die Rechnung), Preis-Leistungs-Verhältnis hatten wir hier schon besser erlebt, alles in allem kein völliger Reinfall, aber auch kein Kandidat für meine Restaurantempfehlungen.

Wir fuhren - diesmal nach Verhandlungen mit dem Fahrer eines, sagen wir, bestenfalls inoffiziell lizensierten Sammeltaxis - durch die Sarmakander Nacht und kamen für unsere Verhältnisse relativ spät ins Zimmer.

Heute habe ich kein Foto für euch, auch weil die Internetverbindungen hier alle nicht so ganz bombastisch sind, aber morgen werden sicher viele Fotos geschossen.

Gute Nacht!

Montag, 21. August 2017

Von der Figur her könnte ich Emir sein

... dachte ich mir jedenfalls, als ich die Festkleider der Emire von Buchara hier auf der Festung, der Ark, sah. Jedenfalls hatten die alle auch keinen Body Mass Index von unter 20 ...

Meine Ma ratzte die ganze Nacht durch, jedenfalls ab 22 Uhr, denn so lange musste sie warten, bis ich Blog geschrieben und (fast) alle Fotos hochgeladen hatte - die Internetverbindung hier im Hotel ist zwar vorhanden, aber sehr langsam, da springen die Bytes einzeln in die Leitung und machen "hui" ...

Nun denn, heute Morgen klingelte der Wecker um 7 Uhr, um 7.45 Uhr schmiss meine Frau Mama mich aus dem Bett, denn Frühstück gab es nur bis 9 Uhr. Das Frühstücksbuffet hier ist in Ordnung, vor allem hochgradig in Ordnung ist aber der Frühstückstücks, ein alter Esssaal aus dem 19. Jahrhundert - diese Örtlichkeit war für unser Morgenmahl absolut angemessen, sollte öfter so sein ...

Wir fragten unseren Hotelchef, ob er uns Geld wechsle, er bot den gleichen Kurs an wie unser Taxifahrer in Taschkent (ich will gar nicht wissen, wieviel Provision die da abziehen, aber uns spart es Zeit und vor allem eventuelle Scherereien mit der Miliz; am Ende ist es eine Win-Win-Situation für beide, weil wir weit besser als mit offiziellem Kurs wechseln, und wenn sie dafür ein bisschen was verdienen, ist uns das recht ...). Wir wollten 100 US-Dollar wechseln und bekamen dafür 700.000 Som, aber weil er kein so'n dickes Geldbündel vorrätig hatte, gab er uns erstmal nur 100.000 Som, den Rest würde er uns bei Rückkehr besorgt haben - der Typ ist in unseren Augen so vertrauenswürdig, dass wir uns auf diesen Handel einließen, und tatsächlich (Spannungsbogen ist heute nicht nötig) bekamen wir ein paar Stunden später bei unserer Heimkehr unsere Kohle: Das ist ein drei Zentimeter dickes Bündel an 5.000-Som-Scheinen, die meinen armen Geldbeutel total ausbeulen ...

Auf dem (kurzen) Weg auf die, sagen wir, Hauptstraße der Altstadt überholte uns ein Schweizer Pärchen, bei dem sie kasachische Wurzeln hatte und entsprechend besser Deutsch spricht als ihr Freund (höhö, naja, nicht so ganz "höhö", denn der Freund kommt aus dem französischsprachigen Genf, und daher ist der Superwitz am Ende gar nicht so superwitzig - "war doof, merkste selbst, ne?" - okay, keine Schweizer-Deutsch-Witze mehr, versprochen ...).

Ab jetzt wird's besser: Wir liefen erstmal über die Hauptstraße, dann an der Feuerwache (und einigen Brotbäckern) vorbei in ein Einheimischenviertel hinein, in dem wir keineswegs misstrauisch, gelegentlich freundlich beäugt wurden (die Kinder rufen einem manchem "Helobai" hinter her, das soll "Hello" und "Bye", also "Hallo" und "Tschüss", heißen). Wir wollten geradeaus laufen, als uns ein älterer Herr grinsend ansprach, nach links zeigte und "Chor Minor" ausrief. Der wusste, wie der Hase läuft bzw. der Tourist hinwill. Ich dankte ebenfalls grinsend (auf Russisch), wir gingen nach links, dann ein Stückchen nach rechts und standen vor einem der Wahrzeichen Bucharas.

Auf den vier wunderbaren blauen Türmchen nisteten noch vor einigen Jahren Störche, aber die beiden Vordertürme sind wohl vor nicht allzulanger Zeit mal zusammengestürzt und wieder aufgebaut worden, da nistet heute jedenfalls keiner. Dieser Bau ist schonmal so richtig, richtig toll anzugucken - schon da waren wir der Ansicht, dass sich Buchara lohnt ...

Danach wollten wir uns eine Moschee angucken, aber die lag hinter einer vielbefahrenen Straße und war jetzt von außen auch nicht so bombastisch toll, also machten wir kehrt und liefen, vorbei an Friseuren und Minimärkten, unter Begutachtung eines "Hausmuseums" (der alte Herr lockte uns an die Tür seines Hofes und zeigte uns sein sehr schönes, aber auch verfallendes Haus, verdiente aber nix an uns) in Richtung Altstadtkern. Von Ferne sahen wir bereits das Kalon-Minarett, wurden von einem etwas hartnäckigen Teehausbesitzer angesprochen und standen dann einigermaßen unvermittelt zwischen der Ulugbek- und der Abdulaziz-Khan-II.-Medresse. Das, meine Damen und Herren, ist - auch wenn ich das Wort oft verwende, vielleicht zu oft - atemberaubend. Diese riesigen Portale der alten Koranschulen, reich mit Mosaiken verziert, bunt oder jedenfalls in blau-weiß  (meine Mutter rastet gar nicht so arg aus wie erwartet, das muss der Overkill sein ...), das ist fantastisch.

Weniger fantastisch ist die Baustelle nebenan, aber da wird aus gutem Grund eifrig gebaut, nämlich damit die Touristen in ein paar Jahren noch mehr begeistert sind - es ist der Wahnsinn. Wir kämpften uns zwischen den Bauarbeiten durch (nix da mit "Betreten verboten - Eltern haften für ihre Kinder") und waren in einem der Kuppelbasare, also einem Basar mit Kuppel drüber (welche Überraschung ...), in dem viele Händler ihre Souvenirs feilboten. "Scusa" und "grazie" folgten, weil wir in eine Gruppe Italiener geraten waren und uns durch diese durcharbeiteten.

Schließlich standen wir auf der Rückseite der Mir-Arab-Medresse und wussten nicht so recht, wo der Eingang ist. Einige Taxis standen auf der Straße geradeaus, also gingen wir geradeaus. Nach 150 m und einigen Porzellanverkäufern (von denen einige "für die Touristen" auch ganz gut Deutsch gelernt hatten) fiel uns die Kinnlade runter und wir kriegten sie so schnell nicht mehr hoch.

Da steht das Portal der Kalon-Moschee, das Kalon-Minarett und das Portal der Mir-Arab-Medresse auf diesem Platz, der wolkenlose blaue Himmel strahlte mit uns um die Wette. Das ist sooooooo fantastisch, so unglaublich schön, das haut einen von den Socken - ich hoffe, ich habe das mit den Fotos ein bisschen eingefangen (und ich hoffe, ich kriege die Fotos hochgeladen).

Wir liefen in die Kalon-Moschee rein (die wird zwar angeblich noch freitags genutzt, aber die Schuhe kann man anlassen), ließen uns teure Postkarten andrehen, mussten dann noch Eintritt und Kameragebühr zahlen (hust), aber das hielt sich alles im Rahmen, der Idiotensteuersatz ist hier nicht ganz so hoch wie in anderen Teilen der Welt. Die Moschee besteht aus dem Portal, dahinter einem Platz mit Säulengang drumherum, am Ende des Platzes steht erst der Vorbeterpavillon und dann wieder ein Portal mit einer Kuppel dahinter. In der Mitte steht dekorativ ein hübscher Baum herum, und von jedem Ort auf diesem Platz hat man eine neue fantastische Aussicht. Besonders vom hinteren Portal sieht man, wenn man sich umdreht, das Minarett sowie das Portal und die blauen Kuppeln der Medresse gegenüber - das ist der absolute Wahnsinn.

Wir saßen da auf einem hübschen Bänkchen, genossen den Blick und machten uns dann auf, um noch vor der stärksten Mittagshitze zum Ark, der Festung, zu kommen. Auf dem Weg haben die Usbeken einige Gebäude plattgemacht und planen (hoffentlich) gerade den Neuaufbau, aber die Festung ist absolut geeignet, um in der nächsten Episode von "Game of Thrones" eine Rolle zu spielen. Die riesigen, dicken Mauern sorgen für den durchaus stabilen Eindruck, den dieses Fort macht. Der kleine Sandsturm, der uns zwischendurch "erfreute", tat sein Übriges, dass wir schnell zum Eingang liefen.

Wir gingen die Rampe hoch, zahlten einen Euro Eintritt und hatten dann - zusammen mit einer Gruppe von Spaniern - den Ark vor uns. Der Thronsaal ist sicherlich hübsch, auch die Moschee und der Ausblick auf die Stadt an manchen Stellen (leider gibt es keinen Ausblick auf das Kalon-Ensemble), aber es hat seinen Grund, wieso der Reiseführer den Besuch des Ark vor dem Kalon-Ensemble empfiehlt, er ist halt nicht soooo toll.

Nun war es 12 Uhr, wir hatten Durst und ein wenig Hüngerchen und hatten schon auf dem Weg zum Ark eine kleine Kneipe eindeckt, in die wir nun einfielen. Es gab keine Karte (angeblich, in Wirklichkeit wollten sie mir nur nicht die russische in die Hand drücken, obwohl ich da zumindest das eine oder andere entziffern konnte), sodass wir erst ein wenig unsicher waren, ob wir a) denen trauen und b) genug Geld dabei haben (unsere usbekischen Barreserven waren jetzt doch auf umgerechnet 11,50 Dollar gefallen). Wir bestellen eine 1,5-l-Flasche Cola und Brot, und der Kellner (der eine, der Englisch sprach) fragte, ob wir was Richtiges essen wollten. Naja, jetzt war eh alles wurscht, also nahmen wir Palov (leckeren gekochten Möhrenreiseintopf mit ein bisschen Fleisch drüber) und zwei Schaschlik-Spieße (einen mit gebratenen Rindfleischstücken, einen mit Hackfleisch, beides gut).

Satt und gestärkt fühlten wir uns bereit, in die Verhandlung zu starten, mit welchem Geld wir das alles zahlen, als uns die Rechnung präsentiert wurde: Wir sollten - man halte sich fest - umgerechnet 5,50 Dollar bezahlen - nicht pro Person, sondern zusammen! Dafür langte selbst unser usbekisches Geld, Trinkgeld gab's obendruff, und wir liefen - an dem hübschen Bolo-Hovuz-Moscheechen vorbei - in Richtung Basar.

Als wir da waren, war meine Mutter ob des Gedränges nicht so ganz begeistert, sodass wir nach einem kurzen Rundgang durch den Kleiderbasar an der Straße entlang in Richtung Stadtmauer gingen. Zwischendrin sahen wir aber den Obstbasar und entschieden uns, doch nochmal reinzugehen. Wir sahen viel Knoblauch, sehr viele Trauben, riesige (wirklich riesige!) Melonen und - man höre und staune - sogar Gemüsearten, die selbst meine Mutter nicht kannte. Auch in den Käsebasar und den Süßigkeiten-Gewürz-Basar trauten wir uns auf einmal rein, ließen uns Lorbeerblätter geben und konnten gar nicht schnell genug gucken, als der Verkäufer uns ein Fleischgewürz zusammenstellte, das aus grob geschätzt zwölf verschiedenen Gewürzen bestand und aus noch mehr hätte bestehen könnten, wenn wir dem Mischen und Mörsern nicht Einhalt geboten und mal nach dem Preis gefragt hätten. Am Ende zahlten wir für alles zusammen einen Dollar (in Worten: einen) und waren glücklich.

Das alte Stadttor war jetzt nicht so richtig imposant, aber nach dessen Begutachtung hatte ich für heute, um 13.30 Uhr Ortszeit oder so, Feierabend angeordnet. Wir bestiegen ein Taxi, das uns - ebenfalls für einen Dollar - zum Hotel fahren sollte, das Hotel aber nicht fand, und ehe wir nochmal um die halbe Altstadt fuhren, ließ ich den Taxifahrer am falschen Ort anhalten (nämlich am Lab-i Hauz, wo wir gestern Abend die ersten Begeisterungsseufzer ausgestoßen hatten) und wir liefen den Rest des Weges zu Fuß.

Nach der Entgegennahme der restlichen 600.000 Som von unserem Rezeptionisten gingen wir ins (klimatisierte) Zimmer und warden für drei Stunden nicht mehr gesehen.
Nach der Siesta zog uns der Kalon-Komplex noch einmal magisch an. Hier wird überall gebaut, deswegen mussten wir - wie viele andere Touristen - mitten durch die Baustelle watscheln, die Arbeiter ließen sich von uns nicht stören und wir uns nicht von ihnen. Wir rekapulierten einen Stück des Weges von den sich gegenüberstehenden Medressen (Koranschulen) über den einen Kuppelbasar bis hin zu Kalon-Minarett und -Moschee. Bei der jetzt veränderten Sonneneinstrahlung waren die Ansichten noch einmal ganz anders - kurzum, das heute war ein fantastischer Tag. Wir saßen da auf dem Bänkchen, philosophierten ein wenig herum, verscheuchten Kinder, die uns Postkarten verkaufen wollten, beobachteten eine ziellose über den Platz vagabundierende Mülltüte, guckten immer mal, ob da oben die Terrasse wohl heute Abend aufmacht oder nicht (wir entschieden uns dann, dass sie es nicht tat, überhaupt ist hier gerade eher Nebensaison, obwohl die Sommerhitze keineswegs so unerträglich ist wie vorher ausgemalt).

Wir gingen nochmal am Minarett vorbei eine Treppe hoch, von dort oben machte ich erneut Fotos aus anderem Winkel, es ging wieder über die Baustelle (diesmal aus einer anderen Richtung), und am Ende landeten wir in dem Lokal, das direkt an unserem Heimweg liegt und von ich dachte, dass es recht teuer sei. Wir guckten uns die Speisekarte an, befanden die Preis für akzeptabel und setzten uns oben auf die Terrasse mit einem schönen Blick über Buchara (leider nicht über den Kalon-Komplex - naja, außer dem Minarett, das siehst du von fast überall ...).

Wir hatten gerade das erste Bier vor uns stehen, als uns eröffnet wurde, dass es kein Gas gibt (später stellte sich heraus, dass in ganz Buchara das Gas ausgefallen war, einschließlich unseres Hotels) und daher das Essensangebot eingeschränkt sei. Die vorhandene Essensauswahl ließ uns rätseln, wieso den für dieses Gericht Gas gebraucht würde und für jenes nicht, am Ende landeten zwei Samsas (Samoses, also Blätterteigtaschen mit Fleischfüllung) und fünf Mantis (runde Maultaschen mit Fleischfüllung) auf unserem Tisch, und wir waren am Ende wieder satt und zufrieden. Insgesamt zahlten wir heute Abend einschließlich üppigem Trinkgeld 11,50 Dollar (umgerechnet nach inoffiziellen Wechselkursen) und wussten jetzt definitiv, dass die Preise in unserem Lokal von gestern Abend überhöht waren (für Usbekistan und auch wenn das Essen sehr, sehr lecker war).

Im Dunkeln gingen wir unsere 300 Meter durch die spärlich beleuchtete Gasse zu unserem Hotel, ich habe gerade nochmal kurz geduscht, gleich geht es ins Bett.

Morgen geht es nach Samarkand, wir sind sehr gespannt, aber auch ein wenig traurig, dass wir Buchara, das uns gestern Abend und heute sehr ans Herz gewachsen ist, verlassen werden. Liebe Usbeken, wenn ihr so weitermacht wie bisher, werdet ihr auf meiner Liste der lohnenswertesten (und schönsten) Reiseziele auftauchen.

Wir haben eben mal kurz gesponnen, ob wir Donnerstag Abend oder Freitag Morgen mal eben nach Urgench fliegen, uns Xiva (Chiva) angucken und am Freitag Abend zurückfliegen, aber der ganze Spaß würde 168 € pro Person kosten und - entscheidender - einigermaßen Stress verursachen. Wir überlegen schon jetzt, wann wir wieder nach Usbekistan fliegen, und dann wird Xiva definitiv mitgenommen - es gibt ja hier in der Ecke noch zwei, drei unbesuchte Länderchen (Turkmenistan, Tadschikistan und Afghanistan), und vielleicht lässt sich das Neue mit dem tollen Usbekistan kombinieren. We will see, sagt der Franzose.

Frühstücksraum in unserem Hotel

Chor Minor

Medresse (Koranschule)

Zwei Koranschulen gegenüber

Kalon-Minarett

Kalon-Moschee

Im Inneren der Kalon-Moschee
Mir-Arab-Medresse

Der Ark (die Festung)
Zugang zum Ark

Stadttor

Hier ist man schnell Millionär ...

Sonntag, 20. August 2017

Pumpkin

... ist das englische Wort für "Kürbis" und zehn Minuten unserer Reise von Taschkent nach Buchara verbrchten meine Mutter und ich damit, zu überlegen, was "Kürbis" denn auf Englisch heißt - jetzt wissen wir's, und die Eselsbrücke zu Usbekistan wird hoffentlich dafür sorgen, dass mir das in Zukunft schneller einfällt, dieses verflixtes Wort.

Dass der Bericht über den ersten Tag in Usbekistan mit einer linguistischen Detektivgeschichte anfängt, ist dem Schlafmangel geschuldet - meine Ma hat gar nicht geschlafen, ich zumindest zweieinhalb Stunden, und gemeinsam haben wir dafür gesorgt, dass ich heute wenigstens nicht anfange zu singen oder zu dichten, was ja sonst normalerweise bei Schlafmangel bei mir passiert.

Der Wecker heute Morgen war entsprechend besonders brutal, zumal 6.30 Uhr hier ja 3.30 Uhr in Deutschland heißt, und nach kaum drei Stunden Schlaf mitten in der Nacht aufzustehen, ist ja eine meine liebsten Übungen.

Irgendwann prügelte meine Mutter mich dann endlich aus dem Bett, ich ging duschen, bekam von der völlig unregelmäßigen Anordnung der schwarz-rot-goldenen Mosaiksteine in der Dusche fast einen Gehirnkrampf und dann ging es, als ich den überlebt hatte, zum Frühstück.

Die fünf Sterne des Hotels sind verdient, denn der Frühstücksraum besteht aus einem langen Saal, an dessen Ende reichverzierte Holzarbeiten zu bestaunen sind, in den Sesseln versanken wir fast, und der Orangensaft war ebenso genießbar wie der Braten und das Reisgulasch am frühen Morgen.

Wir checkten aus, bekamen fein säuberlich unsere Registrierungsbelege, ohne die man in Usbekistan bei der Ausreise richtig Ärger kriegen kann und warteten auf das bestellte Taxi. Ich schwitzte schon wieder, denn auch am frühen Morgen - es war inzwischen 7.30 Uhr - war es hier schon gut warm, und dass ich zwei Koffer herumwuchtete, tat sein Übriges.

Das Taxi fuhr über breite und leere Straßen zum Bahnhof, ich musste kaum einen Dollar für die Fahrt zahlen, und schon standen wir vor der Einlasskontrolle. Die Usbeken prüfen dreimal Gepäck oder Fahrkarte, ehe man überhaupt am Zug ist, aber wenn das immer so entspannt ist wie heute, ist alles gut ...

Nicht so gut ist die Behindertenfreundlichkeit der usbekischen öffentlichen Einrichtungen, naja, Behinderte haben hier - ehrlich gesagt - Pech gehabt. Zu dem Gleis, von dem wir abfuhren, ging er per Unterführung, und in die kam man nur über eine enge Treppe. Nun kämpfte sich vor mir eine alte Dame am Geländer den Weg herunter, sodass ich mit zwei Koffern nicht an ihr vorbeikam und einen mittelprächtigen Stau fabrizierte - aber dafür konnte ich ja nix.

Nach dem Erwerb von zwei Flaschen Wasser standen wir am Bahnsteig gepflegt im Weg, wurden von einer jungen Deutschen angesprochen, mit der wir ins Gespräch kamen, und irgendwann kam - am meines Erachtens falschen Gleis, aber wer hört hier schon auf? - unser Zug. Wir standen natürlich am falschen Ende und mussten uns gegen den Strom vorankämpfen.

In dem Erste-Klasse-Abteil gab es drei Sitze in Fahrtrichtung, neben uns saß ein junger Usbeke namens Sanut, der aber kaum Englisch sprach, sodass wir uns kaum verständigen konnten. Möglicherweise lag Letzteres aber auch an unserer Neigung, die vorbeiziehende Landschaft in den ersten zwei Fahrtstunden (bis er in Jizzax ausstieg) häufig mit geschlossenen Augen zu betrachten.

Jedenfalls wurde die Vegetation in Richtung Samarkand und dann weiter in Richtung Buchara immer niedriger und schließlich spärlicher, aus dem Zug erinnerte uns Usbekistan an Bulgarien oder Rumänien vor zehn Jahren, außer, dass die Bahnübergänge hier mit solchen Rampen geschützt sind, sodass hier definitiv niemand versehentlich auf die Bahngleise gerät.

Nach gut sechs Stunden Fahrt (während der Fahrt sprang glücklicherweise die Klimaanlage immer wieder an; Fotos siehe unten) kamen wir in Buchara an und wurde von Wärme bis Hitze und einigen Taxifahrern begrüßt. Ich wählte einen aus, der natürlich gerade kein offizielles Taxi hatte, sondern mit seinem Privatwagen fuhr, und auf ging es in Richtung Buchara (der Hauptbahnhof hier liegt ziemlich außerhalb, sodass wir sicher eine halbe Stunde zum Hotel fuhren).

Geradeaus ging es zur Altstadt, wir fuhren aber im Süden herum, und als er da durch schlechte Straßen und verfallende Häuser (in der südlichen Altstadt) fuhr, war ich nicht mehr sicher, dass meine Hotelwahl ähnlich gelungen war wie in Taschkent. Ich führte ihn das letzte Stück mit Google Maps und sah das Hotel, dessen Tor durchaus akzeptabel aussah. Als wir eintraten, wussten wir schlagartig, dass das hier doch ganz in Ordnung sein würde, denn die gepflegte Ausstattung und die bunten Fenster zum Innenhof ließen Gutes erahnen.

Der vorzüglich Englisch sprechende Rezeptionist brachte uns in unser schönes Zimmer mit bunten Verzierungen, und nach einer Stunde der seelisch-moralischen Wiederherstellung (und der Restaurantvorauswahl) verließen wir das Hotel wieder und gingen in Richtung des Lab-i Hauz, eines der Altstadtplätze.

Leute, seht selbst und staunt - das war heute nur ein kurzer Spaziergang ohne die ganz großen Highlights der Stadt, aber selbst das war schon fantastisch schön. Natürlich ist das hier mit den Verkaufsständen ein wenig touristischer, aber die Händler kapieren, dass die meisten Ausländer erstmal nur gucken wollen, ohne von der Seite angelabert zu werden, die Gebäude sind wunderschön mit Mosaiken verziert, der Lab-i Hauz selbst besticht durch einen hübschen Teich mit Springbrunnen. Doch, das ist richtig, richtig schön hier - wir sind von Buchara und Usbekistan (bisher, mein Gott, wir sind erst 20 Stunden in diesem Land) richtiggehend begeistert.

Begeisterung ohne ausreichende Energie ist gefährlich, also suchten wir die schon zuvor ins Auge gefasste Lokalität, und ließen uns dort gegen 16.30 Uhr nieder. Auch hier sprechen die meisten Ober verständliches Englisch, sodass wir uns einen Salatteller (das Restaurant sah ganz gut aus, sodass wir hoffen, von Moctezumas Rache verschont zu bleiben) und eine leckere Suppe zur Vorspeise und danach einen Schaschlik-Spieß und das "Nationalgericht" Djiz, ein Gericht mit Rindfleisch, Zwiebeln, Paprika, Knoblauch und Dill (hier wird viel mit Dill gemacht), gönnten. Dass dazu Hopfenkaltschalen serviert wurden, versteht sich von selbst.

Am Ende zahlten wir für ein mittleres Gelage 37 Dollar (viel Geld für Usbekistan, aber wir saßen halt auch direkt downtown), haben jetzt kein usbekisches Geld mehr und müssen morgen mal gucken, wie wir auf möglichst legalem Wege zu einem möglichst guten Kurs an Som kommen - wird schon schiefgehen ...

Es ist jetzt früh, aber nach der kurzen Nacht sind wir schon im Bett - morgen wird Buchara erobert ...

Hotel in Taschkent

Unterwegs durch Usbekistan

Altstadt von Buchara

Lab-i Hauz

Portal

Baum am Lab-i Hauz

Weiteres Portal

... und noch eins

Samstag, 19. August 2017

Mutter glücklich

Ich habe heute Abend so richtig gemerkt, wie schei...benkleisteresk das Hotel in der Elfenbeinküste zum 70. Geburtstag meiner Mutter war - sie hat nämlich den maximalmöglichen Unterschied zwischen dem Hotel dort und unserem Hotel hier herausgestellt, und das Hotel hier ist einmal phänomenal. Naja, am Ende haben wir es uns an der Elfenbeinküste ja auch gemütlich gemacht.

Nach dem Weinfest gestern entschieden wir uns heute, naja, nicht zum Ausschlafen, aber jedenfalls gegen das Frühstück in der Stadt mit anschließendem Gepäckholen, denn das wäre wieder in Stress ausgeartet.

Also fuhren wir um 9 Uhr mit dem Bus zum Bahnhof und dann mit der S-Bahn zum Flughafen und hatten nur einen Kaffee bzw. eine Spezi gefrühstückt - das war ein Fehler. Als wir am Terminal 2 ankamen, etwa drei Stunden vor dem Abflug, gab es am Schalter schon eine größere Schlange, aber noch kein Schalterbeamter war in Sicht. Das sollte sich die nächste Stunde nicht ändern, und auch als die Damen dann endlich anwesend waren, ging das Ganze sehr schleppend voran - das lag auch daran, dass immer wieder Leute eincheckten, dann ihre Ausfuhrbescheinigung holen mussten und sich dann - amtlich erlaubt - wieder vordrängelten ... Alles ein bisschen unbefriedigend.

Als wir dann endlich - fast - dran waren, war mir schon schlecht vor Hunger, und der Typ hinter uns mit seiner Freundin hatte noch mehr spitze Bemerkungen auf Lager als ich, und das will was heißen - Aggressionen allüberall ...

Nach dem Check-in reisten wir sofort aus und pfiffen und Chicken Wings bzw. einen Burger bei Burger King, boah, war das lecker (und nötig) ... Das Softeis hinterher war auch gut ...

Der Security-Einweiser ging uns ein bisschen auf den Senkel, weil er eine ganze Schlange echter oder vorgeblicher Priority-Lane-Leute vorließ, aber am Ende waren wir pünktlich am Gate.

Die kleinen Kinder, die - teilweise grundlos brüllend - uns schon beim Warten auf den Check-in so erfreut hatten, waren natürlich auch am Gate. Das konnte ja heiter werden - naja, am Ende ging das alles ganz gut ...

Wir kamen mit einer Stunde Verspätung weg, und wenn das Entertainment-System, das es in jedem Sitz gab, vernünftig funktioniert hätte, wäre das sogar ein richtig entspannter Flug gewesen. So musste ich alle Naselang an diesem Teil rumdrücken, die Musikauswahl war sehr bescheiden, das, was dann tatsächlich hörbar war, war noch bescheidener, aber wenigstens war das Flugmagazin ganz vernünftig, und ich hatte mit diversen Zeitschriften vorgesorgt.

Der Flug über Tschechien, Polen, Weißrussland, Russland und Kasachstan ging ganz akzeptabel rum, zu essen gab es - typisch usbekisch ... - Pasta mit Hühnchen und später dann noch ein Schinkensandwich, ich stand wie üblich nicht ein einziges Mal auf und holte entsprechend auch kein Wasser. War also ein ganz akzeptabler Flug, auch wenn die vom Golf schon besser sind - was für ein Wunder ...

Wir kamen mit einer Stunde Verspätung an, die Einreise ging leidlich schnell, die Koffer kamen bald, wir erwischten einen sehr freundlichen und sehr gut Deutsch sprechenden Zöllner, der uns für das ordnungsgemäße Ausfüllen der Zollerklärung lobte, und unser Fahrer war auch schon am Flughafen ...

Er hatte - wie vereinbart - unsere Zugfahrten dabei für morgen und für Dienstag, fuhr uns noch zum Schwarzmarkt - man kriegt hier fast das Doppelte des offiziellen Kurses, Mist, wir haben nicht richtig viel Bargeld dabei, aber vielleicht reicht es noch, weil wir Hotels und Fahrkarten bzw. Flüge ja eh schon bezahlt haben - und brachte uns dann zu unserem Hotel.

Wow, das Teil hier ist richtig toll, das ist ein altes Kloster oder was weiß ich, mit fantastischen Mosaiken an den verschiedenen Häusern, mit tollen Holzarbeiten in der Rezeption und der Bar. Unser Superior-Doppelzimmer für 110 Dollar ist eine mittelprächtige Suite, hier kommen wir ja am Donnerstag wieder her, dann haben wir richtig Zeit, das hier zu genießen.

Genießen wollten wir aber auch den Ankunftsabend, also setzten wir uns noch ins Restaurant, in dem - um 1.00 Uhr - noch eine kleinere Gesellschaft aß und (vor allem) trank. Wir tranken zwei Bier, beobachteten die anderen beim Betrunkenwerden, und wurden von ihnen bei deren Hinausgehen ganz herzlich in Usbekistan begrüßt. Überhaupt sprechen hier viele (Gebildete) ganz akzeptables Englisch, das ist richtig entspannt - bisher ... Das Bier für Schwarzmarkt-2,50 Dollar für die Flasche war ganz okay, auch wenn ich noch andere lokale Biere versuchen werde ...

Jetzt sind wir in unserem Himmelbett, es ist fast 3 Uhr hier, morgen (heute) klingelt um 6 Uhr der Wecker, weil um 8.55 Uhr unser Zug nach Buchara geht, und wir noch frühstücken wollen. Wird also eine kurze Nacht.

You never get a second chance to make a first impression (du kriegst keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen), und dieser erste Eindruck von Usbekistan war schonmal ganz hervorragend.

Näheres (und Bilder) morgen aus Buchara (oder Buxoro, wie man es im Usbekischen schreibt) ... Gute Nacht!

44 Tage Achterbahn

... fangen heute an ...

Mein Chefchef fragte mich gestern, ob ich eigentlich dieses Jahr nochmal zum Arbeiten komme, was ich mit "Ja, ab dem 4. Oktober" beantworten wollte, aber das stimmt ja nicht, weil ich zwischendurch doch noch den einen oder anderen Tag im Büro bin.

15 der kommenden 44 Nächte werde ich in Deutschland verbringen, den Rest in Asien, Afrika und zwei Nächte auch im restlichen Europa.

Meine Ma und ich haben gestern den Urlaub bei der Wiesbadener Weinwoche eingeleitet, deswegen trinke ich jetzt Cola zum Frühstück (Spezi ist alle ...) und gegen 10 Uhr oder so fahren wir zum Hauptbahnhof und dann mit der S-Bahn zum Flughafen.

Die Zugfahrkarten sind jetzt auch gebongt, heute Abend werden wir vom Fahrer dieses Reisebüros da abgeholt, und ab morgen geht es dann mit der Eisenbahn durch Usbekistan.

Es gab in den letzten Jahren viele Reiseziele, aber kaum eines, auf das ich so dermaßen gespannt war wie auf dieses zentralasiatische Land (zumal ich gestern gesehen habe, dass die "Bürgerrechtsbewegung Solidarität", eine Splitterpartei, damit Wahlwerbung betreibt, dass unsere Zukunft in der Seidenstraße liege - nun denn ...).

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Mein beninisches Visum ist immer noch nicht da - jetzt gucke ich nach der Heimkehr am nächsten Samstag mal im Büro vorbei, dann ist der Brief hoffentlich da, und dann geht der Erstpass gleich wieder auf die Reise zur togoischen Botschaft ...

Samstag, 12. August 2017

13,27 €

... in Worten dreizehn Euro und siebenundzwanzig Cent, so viel kostet der Flug von Samarkand nach Taschkent, den ich eben gebucht habe, pro Person. Meine Ma hat zwar ein wenig Sorge, dass das ein Klepper ist, aber angeblich soll das ein Airbus A320 sein, und ein Uzbekistan-Airways-Airbus ist noch nie abgestürzt ... Naja, wird schon schiefgehen.

Ich weiß inzwischen, dass ein Einschreiben vom usbekischen Generalkonsulat auf dem Weg zu mir ist, die Usbeken haben es am Mittwoch eingeliefert, aber die Postlaufzeiten sind auch nicht mehr so toll, jetzt hoffe ich, dass das Einschreiben am Montag im Büro aufschlägt.

Obwohl ich nicht hundertprozentig weiß, ob die Visa auch wirklich in den Pässen sind, gehe ich mal davon aus und habe daher eben auch die Anfrage an ein usbekisches Reisebüro geschickt zwecks Buchung von Zügen in Usbekistan. Die Zugbuchung direkt bei der usbekischen Eisenbahn soll zwar theoretisch möglich sein, aber praktisch ist der Server nicht zu erreichen, und ich habe es weiß Gott oft genug probiert. Jetzt sollen die uns halt die Fahrkarten buchen und ins Hotel liefern, dafür, dass sie 70% Aufschlag oder so nehmen ...

Am 19. August, in einer Woche (juhu!), kommen wir also in Taschkent an, lassen uns mit dem Taxi (das soll deutlich günstiger sein als der Hotel-Transfer für 20 Dollar) ins Hotel fahren, schlafen dort ein paar Stunden und fahren dann am 20. August morgens um sieben Uhr (bäh) mit dem Schnellzug von Taschkent nach Buchara. Dort bleiben wir zwei Nächte und fahren am 22. August nachmittags wieder mit dem Schnellzug nach Samarkand. Auch in Samarkand haben wir ein Hotel für zwei Nächte, ehe wir dann am 24. August morgens (wieder bäh) in den Flieger nach Taschkent steigen. Dort haben wir, wen wundert's, auch noch einmal zwei Nächte, ehe es dann am 26. August - bäh, ganz früh morgens - wieder zurück nach Frankfurt geht.

Jetzt haben wir vielleicht ein bisschen viel Zeit in Buchara und ein bisschen wenig in Samarkand, aber so ist es dann halt, denn die Züge fahren nun mal so.

In einer Woche um diese Zeit sitzen wir wahrscheinlich schon im Flieger - das wird schön ...

Montag, 7. August 2017

Passlos

Es ist schon eine Weile her, dass ich keinen Zugriff auf meinen Reisepass mehr hatte; wenn ich es richtig sehe, war das während der Beantragung des russischen Visums für die Weihnachtstour 2010, also vor fast sieben Jahren.

Seit drei Jahren war das ja ohnehin noch schwieriger als vorher, weil ich seit 2014 zwei Reisepässe habe und zumindest einen von beiden eigentlich immer verfügbar hatte.

Heute war es dann aber soweit: Beide Pässe sind unterwegs, der eine beim usbekischen Generalkonsulat in Frankfurt, der zweite ging heute auf die Reise zur beninischen Botschaft in Berlin. Das ist ein richtig unangenehmes Gefühl, ich fühle mich ein bisschen nackt - was ist denn, wenn ich nächstes Wochenende spontan nach Israel reisen will?!

Die Beniner sollen schnell sein, vielleicht ist mein Pässlein ja Ende der Woche schon wieder bei mir (wobei sie dann sehr schnell sein müssen, die Postlaufzeiten sind ja auch nicht mehr, was sie mal waren), und wenn die Usbeken die Pässe von meiner Ma und mir nicht bis Ende der Woche rausgeschickt haben, lasse ich den Kettenhund in Form meiner Mutter wieder beim Konsulat anrufen - aber noch laufen ja die zwei Wochen, die die Usbeken für die Visumerteilung veranschlagen, sie enden erst am Mittwoch. Ich weiß allerdings, dass die Genehmigung aus Taschkent schon seit letztem Montag vorliegt, da frage ich mich, was die Usbeken noch so lange herumausstellen an unseren Visa. Aber solange ich Anfang nächster Woche unsere Visa habe, bin ich zufrieden ...

In zwölf Tagen geht es dann, so denn alles gut läuft, nach Taschkent. Ich werde nach Erhalt der Visa, spätestens nächstes Wochenende, unsere Züge buchen - die Online-Buchungsseite der usbekischen Bahn ist leider regelmäßig nicht erreichbar, aber es gibt Reisebüros, die das - für einen saftigen Aufschlag - für einen erledigen. Wenigstens haben wir dann alle Tickets zusammen und müssen nicht mit den Fahrkartenverkäufern verhandeln - unsere Russischkenntnisse sind ja, wie der geneigte Leser inzwischen weiß, legendär schlecht ...

Aber wird schon alles gutgehen ...

Freitag, 28. Juli 2017

"Lohnt sich nicht ..."

Dieses Urteil eines Freundes über Mauretanien überbrachte mir meine Chefchefchefin gestern. Nun ist der arme Kerl aber auch jedes Mal ein paar Monate in der mauretanischen Wüste stationiert, sodass ich trotz allem hoffe, dass die zwei Tage in Nouadhibou mir einigermaßen Freude machen werden.

Ich habe inzwischen Hotels in Nouadhibou und auch in Las Palmas gebucht: In Nouadhibou wird es ein (angeblich) Vier-Sterne-Hotel, das nicht nur "Reis mit Huhn, Huhn mit Reis, Hühnerreis und 
Reishuhn" (so meine Chefin) zum Essen anbietet, in Las Palmas ein Strandhotel. Ursprünglich wollte ich näher am Flughafen schlafen und nicht die halbe Stunde mit dem Bus nach Las Palmas reinfahren, aber in unmittelbarer Umgebung des Flughafens scheint es keine größeren Städte (und Strände) zu geben, sodass es dann am Ende wahrscheinlich am zeitsparendsten ist, einfach nach Las Palmas zu fahren. Wobei, in den neun Stunden auf dem Hinweg könnte ich eigentlich auch in den Süden nach Maspalomas fahren, dann habe ich sowohl den Norden (Las Palmas) als auch den Süden erkundet ... Mal schauen.

Achja, ich hatte zwischendurch überall gelesen, dass man am Flughafen von Nouakchott (der Hauptstadt) oder am Grenzübergang zur Westsahara das mauretanische Visum bei Einreise beantragen könnte; über den Flughafen Nouadhibou war die Datenlage nicht ganz so eindeutig - das Auswärtige Amt schrieb, dass das klappt, die mauretanische Botschaft schrieb nichts dazu (nur Nouakchott/Grenzübergang) und auch die deutsche Botschaft in Nouakchott hatte nur die Info für Nouakchott-Flughafen und die Landgrenze "PK55". Also schrieb ich kurzerhand der (deutschen) Botschaft eine Mail, ob sie mir bestätigen könnten, ob ich mein Visum auch in Nouadhibou am Flughafen kriege - postwendend (21 Minuten später) kam die Antwort, dass sie das bestätigen könnten. So ist's brav - aber die schnelle Reaktionszeit lässt mich vermuten, dass der Konsularabteilung dort nicht soooo viele Menschen täglich eine E-Mail schreiben - schick ...

Die gut sechs Wochen zwischen dem 19. August und dem 2. Oktober werden also nicht weit von einem Reise-Overkill entfernt sein - viermal werde ich den europäischen Kontinent verlassen, zweimal in Richtung Asien und danach zweimal in Richtung Afrika. Sechs neue und vier "alte" Länder werde ich besuchen, insgesamt 50.000 km im Flugzeug sitzen (umgerechnet eineinviertelmal um die Erde) - ich gebe zu, dass ich nachvollziehen kann, wenn sich da mancher an den Kopf fasst. (Aber es ist halt so schön, durch die Weltgeschichte zu reisen ...)

So richtig nachvollziehen kann ich auch nicht mehr, wie das gekommen ist, aber irgendwie wollte ich während der Schulferien den Reisebüros und Fluggesellschaften nicht unbedingt ihre Wucherpreise bezahlen, und so drängt sich halt alles ein bisschen im September ...

Dass ich, ähem, sieben Reisen schon gebucht habe bis März 2018 (Usbekistan, Südostasien, Brüssel, Mauretanien, Togo/Benin, Sarajevo und Belgrad), heißt ja aber noch lange nicht, dass man nicht schonmal für 2018 gucken könnte, welche lohnenswerten Reiseziele es denn noch so gibt:

Gestern saß ich mal wieder im Sherry & Port, und naja, das Ergebnis von datt Janze ist, dass es im Mai 2018 oder so gerne mal eine Woche nach Turkmenistan gehen könnte. Die Planungen sind noch nicht so weit gediehen, dass ich Turkmenistan in der Karte orange färben würde, aber mal gucken, was in den nächsten Monaten so passiert ...

Jetzt bin ich erstmal das Wochenende in der Heimat zum Stadtfest in meiner Heimatstadt ... Prost!

Dienstag, 25. Juli 2017

Drei Tage Urlaub

..., die ich noch für 2017 offen habe, sind eindeutig zu viel, und jetzt habe ich in den letzten Tagen mal wieder herumgesucht, wann ich einigermaßen günstig noch zwei oder alle drei Tage abfeiern kann.

Joa, und nun verbringe ich ein verlängertes Wochenende auf Gran Canaria und in Nouadhibou in Mauretanien.

Flüge nach Mauretanien sind sacketeuer, deswegen habe ich die Flüge von Frankfurt nach Gran Canaria (mit Ryanair, erstmals seit 2008 oder so) und von Gran Canaria nach Nouadhibou (mit Mauritania Airlines, das ging gestern nicht direkt zu buchen über die Seite der Fluggesellschaft, jetzt habe ich über ein Reisebüro gebucht) getrennt gebucht. So sind die Preise einigermaßen bezahlbar (den Preis verschweige ich jetzt hier besser - für ein Wochenende, ich Spinner!), und wenn ich mir das schönrechne und denke, dass ich Silvester sonst noch wohin geflogen wäre und jetzt wahrscheinlich mit meiner Mutter ans Grab meiner Großeltern fahre, dann mittelt sich das alles wieder raus und ich bin zufrieden. Außerdem kommt heute Gehalt - oder so ...

Am 15. September um 6.15 Uhr (das heißt, ich muss spätestens um 3 Uhr aufstehen, bääh) fliege ich mit Ryanair vom Terminal 2 des Frankfurter Flughafens nach Gran Canaria, wo ich um 10 Uhr Ortszeit ankomme. Ich beabsichtige, mich in die Fluten des Atlantik zu werfen, denn mein zweiter Flug nach Nouadhibou geht erst um 19.10 Uhr - neun Stunden sollten reichen, um mal einen Sprung ins kühle Nass zu wagen.

In Nouadhibou werde ich nach der Ankunft um 20.30 Uhr am Flughafen mein Visum (ja, das kommt auch noch dazu, ich Spinner, ich) bekommen und dann in den zwei Tagen, die ich dort habe, viel Fisch essen und mir sicherlich den Schiffsfriedhof dort mal angucken. Ich bin sehr, sehr gespannt auf Mauretanien.

Am Sonntag, dem 17. September, fliege ich um 16.20 Uhr zurück und bin um 18.40 Uhr am Flughafen. An dem Abend und vielleicht am nächsten Morgen noch schwimme ich ein bisschen, ehe es zum Flughafen zurückgeht. Um 11 Uhr geht der Ryanair-Flieger zurück nach Frankfurt, wo ich um 16 Uhr nach meinem kleinen Wochenendausflug in mein 124. Land dann wieder ankomme ...

Damit wird dann Togo mein 125. und Benin mein 126. Land, aber da gibt es Schlimmeres.

Westafrika, der September wird unser Monat ...

Sonntag, 23. Juli 2017

Unsere nächsten Verwandten

... auf Spezies-Ebene sind die Menschenaffen, und meine Ma hat Gefallen an Gorillas gefunden. Da sie aber auch großen Gefallen an Elefanten gefunden hat, waren wir unentschlossen, ob wir im März 2018 zu ihrem Geburtstag nach Thailand (genauer Chiang Mai) reisen sollten, um dort Elefanten zu waschen, oder nach Ostafrika, um dort Gorillas anzugucken.

Vorgestern Abend musste ich eine Stunde überbrücken, und diese überbrückte ich mit einem Telefonat mit meiner Mutter, in dessen Verlauf wir uns (vorläufig) entschieden, am 16. März nach Goma in der Demokratischen Republik Kongo zu fliegen, dort am 18. oder 19. März Gorillas anzugucken, danach weiter zu fliegen nach Tansania und dort in der Nähe von Daressalam an einem der schönsten Strände, die ich kenne, noch ein paar Tage Urlaub zu verbringen.

Das dürfte einer der teuersten einwöchigen Urlaube werden, die ich je gebucht habe, weil allein die Gorillatour 400 US-Dollar kostet und die Anfahrt und Abfahrt von Goma wucherhafte 185 Dollar oder so, dazu kommt das Visum für die Demokratische Republik Kongo und locker sind allein für die paar Tage dort 700 US-Dollar pro Schnauz weg, ohne dass wir ein Bett über dem Kopf oder etwas im Magen hätten. Auch die Flüge - im Moment ist es am günstigsten, alles mit Ethiopian Airlines zu machen - sind nicht wirklich billig, aber Afrika ist halt selten wirklich richtig günstig.

Dennoch: Gorillas sollen ja wirklich ein Once-in-a-lifetime-Erlebnis sein, das möchten meine Ma und ich schon gerne noch mal machen.

Daher ist jetzt in der Karte ein großer gelber Fleck in Form der Demokratischen Republik Kongo, die früher Zaire hieß (Gorillas gibt es auch in Uganda und Ruanda, aber in den beiden Ländern war ich ja schon). "Seid ihr völlig bekloppt?", höre ich schon wieder Leute fragen - "Da ist doch Bürgerkrieg!". Naja, das ist nicht ganz falsch, aber andererseits tun die Kongolesen alles dafür, zumindest Goma und die Gorillas für Touristen sicher zu halten, sodass ich die nächsten Monate sehr genau prüfen werde, ob sich an der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die momentan auch für Goma gilt, noch was ändert oder ich nach intensiver Recherche den Versicherungen der Nationalpark-Verwaltung glaube ... Buchen werde ich wahrscheinlich erst im Winter, Flüge nach Afrika soll man zwar angeblich erst zwei Wochen vorher buchen, aber das würde mir wie immer viel zu heiß ...

Wir werden sehen ...

--

Morgen gehen die Visumanträge für Usbekistan raus - zeitlich müsste das langen, ich bin zuversichtlich. Das Geld ist jedenfalls jetzt schon weg ... Tadschikistan lassen wir raus, das wird mir alles zu kompliziert, da fahre ich dann irgendwann mal allein oder in Kombination mit Turkmenistan hin - oder mit Afghanistan ...?

Sonntag, 2. Juli 2017

So langsam Gestalt

... nimmt mein Thailand-Laos-Vietnam-"Ausflug" Ende August und Anfang September an ...

Ich habe mich gestern entschieden, mir auf der Reise ein bisschen was zu gönnen, sodass ich für Hotelzimmer wahrscheinlich etwas mehr ausgebe als es vielleicht in Südostasien sein müsste.

Naja, jedenfalls wohne ich jetzt vom 28. bis 30. August in Luang Prabang in einem Hotel in unmittelbarer Nähe des Mekong, vom 30. August bis 1. September im Grand Hotel Saigon in Ho-Chi-Minh-Stadt direkt in der Innenstadt, vom 1. bis 3. September in einem anscheinend ganz hübschen Strandhotel in Vũng Tàu (dort fahre ich am 1. September morgens mit dem Boot hin und am 3. September mit dem ersten Boot wieder zurück, buchen kann die Fährfahren aber erst ein paar Wochen vorher ...) und zum Abschluss dann vom 3. auf den 4. September in Bangkok im höchsten Gebäude Thailands und einem der höchsten Hotels der Welt - und weil ich schonmal so viel Geld durch die Kreditkarte geblasen habe, habe ich eben ein Zimmer in der Space Zone (nicht in der Standard Zone und auch nicht nur in der Sky Zone, sondern in der Space Zone zwischen dem 64. und dem 74. Stockwerk) gebucht. Ich bin sehr gespannt auf den Ausblick auf Bangkok aus dem Zimmer ...

Die Visa für Usbekistan habe ich heute doch noch nicht beantragt, weil ich noch die Passfotos einscannen muss, aber noch ist ja ein bisschen Zeit - die Usbeken brauchen angeblich höchstens zehn Tage zum Bearbeiten der Visa, sodass es etwas voreilig wäre, jetzt schon Panik zu verbreiten.

In sieben Wochen um diese Zeit bin ich schon in Usbekistan, in acht Wochen bin ich auf dem Weg gerade im Oman in den Flieger nach Bangkok eingestiegen - das wird cool ...

Samstag, 1. Juli 2017

Hop on, hop off

Was normale Menschen nur auf diesen Touristenbussen in Großstädten machen, nämlich nach Belieben drauf- und wieder herunterhüpfen, das werden ich am 26./27. August mit Interkontinentalflügen machen.

Ich hatte ja noch - was für mich völlig untypisch ist - neun Tage Urlaub für dieses Jahr offen, wobei ich die zweite Woche meines Urlaubs Ende August (also die Woche nach Usbekistan) als "offen" bezeichnete, obwohl diese schon offiziell genehmigt war.

So langsam wurde aber die Zeit knapp, denn während der Schulferien sind Flüge unzumutbar teuer, und nach den Schulferien ist ja auch schon wieder September, in dessen letzter Woche ich ja noch einen schönen Strandurlaub in Westafrika unternehme. Ab September, spätestens aber am Oktober fängt im Büro aber eben auch wieder die heiße Zeit an, sodass das Fenster, in das ich die Urlaubstage quetschen konnte, kleiner und kleiner wurde ...

Gestern hatte ich dann nach langem Suchen endlich was gefunden, nämlich einen Ryanair-Flug in der zweiten September-Woche nach Gran Canaria und, davon unabhängig zu buchen, Flüge von Las Palmas nach Mauretanien. Flüge nach Mauretanien sind unfassbar teuer, aber selbst wenn 300 Euro für einen zweistündigen Hüpfer (hin und zurück) auch eine ganze Menge sind, wäre ich für insgesamt 454 Euro in ein neues Land gekommen. Ich war schon fast buchbereit, als ich nochmal in die Urlaubsliste schaute und merkte, dass in der Woche (Mitte September) zwei Kollegen im Urlaub sind - wenn ich jetzt auch noch weg gewesen wären, wäre das Team fast komplett außer Haus gewesen. Da sah ich eigenständig ein, dass das nicht funktioniert (hört, hört, Chefs!). (Aber wer hat denn diesen langen Urlaub da genehmigt, sachma?!)

Und heute Mittag fiel ich dann tatsächlich auf meine Rückfallposition zurück und guckte nach Flügen in der letzten Augustwoche, für die ich ja seit Februar genehmigten Urlaub habe.

Nun kommen meine Mutter und ich also am Morgen des 26. August (Samstag) aus Taschkent kommend in Frankfurt an, werden sicher lecker Essen gehen im Sherry oder so, dann geht's in die Heia, und am Sonntagmorgen fährt sie mich (sie weiß gerade noch nichts von ihrem Glück ...) dann zum Flughafen, ehe sie zurück in den Schwarzwald fährt.

Um 10.35 Uhr geht mein Oman-Air-Flug (ich habe ein paar Euro mehr investiert für den Oman-Air-Flug anstatt des Ukraine-International-Fluges, weil ich bei Oman Air weiß, dass ich ein gutes Filmangebot im Flieger habe). Nach kurzem Umsteigen in Maskat bin ich am Montag, dem 28. August, um 6.20 Uhr in Bangkok BKK.

Es ist schon lustig: Da gehörte ich bis zum Frühjahr gefühlt zu den letzten Deutschen, die noch nicht in Thailand waren, und dann fliege ich binnen vier Monaten zweimal nach Bangkok runter ...

In Bangkok werde ich aber - in gewohnter Manier - nur ganz kurzen Aufenthalt haben: Ich hole mein Gepäck, hüpfe in die U-Bahn (oder ins Taxi) und fahre zum kleinen Flughafen (DMK), weil schon um 14.30 Uhr Ortszeit mein Billigflieger nach Luang Prabang abfliegt.

Wo liegt das denn jetzt schon wieder, Kruzifix? Luang Prabang ist eine ehemalige Hauptstadt von Laos und eine Weltkulturerbestadt, die direkt am Mekong liegt - ich bin sehr gespannt, wie es dort ist, weil sie dort viele gut erhaltene Tempelanlagen haben sollen ...

Ich bleibe zwei Nächte in Luang Prabang (Hotels muss ich jeweils noch buchen, ich habe also zu tun am Wochenende) und fliege am 30. August, dem Mittwoch, weiter: Diesmal geht es - wieder mit Thai AirAsia, obwohl ich die ja eigentlich meiden wollte ... - über Bangkok nach Ho-Chi-Minh-Stadt, auch bekannt unter dem alten Namen "Saigon".

Ich habe den Flug nach Luang Prabang und die Verbindung Luang Prabang-Bangkok-Saigon (ich glaube, ich bleibe bei "Saigon", weil das kürzer ist und vor allem, weil der Flughafen immer noch den Code "SGN" hat) getrennt gebucht, obwohl ich natürlich auch Bangkok-Luang Prabang-Bangkok und Bangkok-Saigon-Bangkok hätte buchen können. Das habe ich aber gelassen, weil ich dann in Bangkok auf dem Zwischenstück wieder hätte einreisen müssen, das hätte mich wieder Zeit gekostet und mir gar nicht so arg viel Geld gespart ...

In Südvietnam bleibe ich (jetzt, da die Vietnamesen die visumfreie Einreise für Deutsche bis Mitte 2018 verlängert haben - sehr löblich) dann vier Nächte und plane (auch wenn Regenzeit ist), Saigon selbst und die Strände in Vũng Tàu unsicher zu machen - von Saigon kommt man wohl in unter zwei Stunden mit dem Tragflügelboot dorthin ...

Am 3. September geht es dann zurück nach Bangkok, da schlafe ich eine Nacht (ich habe einen starken Verdacht, wo ...) und am 4. September abends geht der Flieger in Richtung Oman und danach in Richtung Frankfurt. Am 5. September, dem Dienstag, komme ich morgens um 7 Uhr in Deutschland an und werde mir neben dem Montag mit großer Wahrscheinlichkeit auch noch den Dienstag als Urlaub gönnen ...

Insgesamt habe ich für diese acht Flüge jetzt 657,42 € bezahlt - das ist natürlich nicht wenig (und ich muss noch überlegen, ob ich Gepäck dazubuche, da kämen dann in Südostasien pro Flug nochmal ca. 16 Euro, also insgesamt gut 64 Euro, drauf), aber für gut 700 Euro wieder einmal kreuz und quer durch die Weltgeschichte zu fliegen, das finde ich schon noch recht günstig.

Zwei Ex-Kollegen haben mir neulich den Schimpfefinger (nicht den Stinkefinger!) gezeigt und sich über meinen ökologischen Fußabdruck ausgelassen. Ja, ich weiß, ich fliege viel in der Gegend herum, und natürlich ist meine CO2-Bilanz höchstwahrscheinlich verheerend (dieses Jahr knacke ich erstmals die 100.000-km-Marke in einem Kalenderjahr), aber so lange ich noch einigermaßen jung und knackig und frisch (wer gerade vor Lachen vom Stuhl fällt, kann mich nicht auf Schadenersatz in Anspruch nehmen!) und ungebunden bin und solange die Flüge so günstig sind wie sie sind (man vergesse dabei nicht, dass moderne Flugzeuge deutlich sparsamer sind als früher), werde ich mein Ziel, alle Länder dieses Planeten zu besuchen, mit Hartnäckigkeit verfolgen.

Durch die Buchung heute verschiebt sich die Nummerierung für Togo und Benin natürlich nach hinten, sodass ich an meinem 35. Geburtstag mein 125. Land betreten werden - passt.

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Dieses Wochenende werde ich außer den Hotels für Südostasien auch das Visum für Usbekistan beantragen. Inzwischen steht fest, welchen Pass ich wofür verwende: Usbekistan und Südostasien werden mit meinem Wiesbadener (Zweit-)Pass bereist, denn während dieser Zeit liegt der dicke, alte Jenaer Pass bei der togolesischen bzw. beninischen Konsularabteilung und wird visiert. Und Ende 2017 sind dann beide (fast) voll - juchhe ...

Schönes Wochenende!