Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 4. Februar 2017

Das könnt ihr doch gar nicht ernstmeinen

Unfassbar ist das, unfassbar.

Die können doch diesen Louvre nicht so dermaßen mit Kunst vollstopfen, dass man in den ersten Minuten schon so dermaßen geflasht ist, dass man durch ganze Epochen nur noch mal so im Schweinsgalopp durchläuft und andere Epochen komplett hintenrunterfallen lässt. Das ist unfassbar.

Ähm, okay, stopp.

Ich habe mich gestern Abend nicht über die französischen Behörden aufgeregt, weil es nämlich am Terminal 2G am Flughafen Charles de Gaulle vernünftigerweise keine Passkontrolle gab. Somit konnte ich ungehindert den sterilen Bereich verlassen, mich in den Shuttlebus setzen und zum Terminal 2F fahren lassen.

Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, wieso sich alle Welt über die Beschilderung am Charles de Gaulle aufregt - die Beschilderung finde ich gar nicht soooo furchtbar schlimm. Klar, die Struktur des CDG mit seinen hundert Millionen, räumlich deutlich voneinander getrennten Terminals ist ziemlich unübersichtlich, aber eigentlich muss man wirklich nur den Wegweisern folgen und kommt an sein Ziel.

Ich kaufte mir jedenfalls die RER-Fahrkarte (für die S-Bahn) vom Flughafen in die Stadt und stieg am Gare du Nord aus. Von dort lief ich so circa zwanzig Minuten zu meinem Hotel, checkte ein, ging kurz hoch in mein völlig akzeptables Zimmer und ging dann wieder nach unten, weil ich an dem Quai in der Nähe eine schöne Bierkneipe anstrebte.

Wow. Dieses kleine Seechen oder was auch immer das ist - das ist so schön, mit so ein paar Restaurantbooten (auf die ich nicht drauf bin), da muss ich im Sommer nochmal hin. Die Paname Brewing Company ist eine richtig trendige Einrichtung, deren Altersdurchschnitt ich schon durch meine Anwesenheit erhöhte, mit lecker französischem Bier - sehr trinkbar, wenn auch - wie Bier hier in Paris allgemein - nicht gerade billig mit 6 bis 8 Euro für den halben Liter.

Gegen 0.30 Uhr war ich im Bett und stellte meinen Wecker, weil ich ja um 10 Uhr die Louvre-Karte hatte.

Heute Morgen stand ich pünktlich auf, stieg in die U-Bahn 7 und stieg am Pont Neuf aus. Ich blickte auf die Seine und den im Nebel ein bisschen verhangenen Eiffelturm, ehe ich mich auf die zehn Minuten lange Wanderung zum Louvre machte.

Wow, die Pyramide und dahinter dieser Riesenkomplex aus drei Flügeln, aus dem der Louvre besteht, unglaublich riesig. Dank meiner schon gebuchten Karte konnte ich einen Teil der Schlange überspringen, die Eintrittskontrolle überstand ich, ich schloss meinen Mantel ein und betrat den Louvre.

Ich ging vorbei an den Skulpturen der alten Griechen und Römer, ging dann hoch und sah mir die Venus von Milo an (das erste Highlight), weiter ging es in Richtung ägyptischer Skulpturen mit diversen Sphringen. Unten sieht man die Grundmauern des mittelalterlichen Louvre, ehe es dann hoch geht in den ersten Stock. Ich sparte mir die Mona Lisa ein bisschen auf, ging erst in den Sully-Komplex mit etruskischen Vasen und so weiter, ehe es dann in Richtung der großen europäischen Maler der frühen Neuzeit ging.

Unglaublich, dieser Louvre hat da Skulpturen, Vasen, Gemälde herumstehen und -hängen, für die würden andere Museen ganze Ausstellungen machen, während sie hier mehr oder weniger im Weg herumstehen, das ist wirklich und ernsthaft unglaublich. Das könnt ihir doch gar nicht ernstmeinen! Du gehst an ganzen Gängen mit fantastischen Gemälden, Delacroix' "Die Freiheit führt das Volk", Gericaults "Floß der Medusa", Davids "Krönung in Notre Dame", um nur einige zu nennen, vorbei und biegst dann in einen kleinen Saal ein, an dessen einem Ende Veroneses "Hochzeit zu Kana", aber am anderen Ende eben da Vincis "La Gioconda", im Deutschen (und Englischen) besser bekannt als "Mona Lisa", hängt.

Angeblich kommen 80% der Besucher des Louvre nur für die Mona Lisa (Banausen!), aber dieser Louvre hat so unfassbar viel zu bieten, da braucht man mindestens zwei Tage (und eine Großpackung Bandagen für die blutigen Füße), um hier alles (oder zumindest vieles) mit Verstand zu sehen.

Ich ging nochmal in den zweiten Stock, guckte mir eine vergoldete Madonna und Rigauds "Louis XIV" an (den haben sie umgehängt, sodass man ihn kaum findet), und verließ nach drei Stunden mit noch nicht schmerzenden Füßen, aber sehr glücklich, den Louvre. I'll be back, sagt man in Österreich.

Wow.

Erstmal einen Happen essen (ich hatte mein Frühstück vernachlässigt und im Louvre dann für teuer Geld wenigstens eine Cola getrunken), jetzt aß ich in einem kleinen Bistro ein Tagesmenü mit Suppe, gebratenem Lachs und Schokoladenkuchen, trank dazu ein Achtele Weißwein und viel Wasser ... Beim Bezahlen sind die Bedienungen hier in Paris viel zu schnell, die warten gar nicht auf die Ansage des Trinkgelds, sondern geben das gleich ins System ein, was doof ist, wenn man kein Kleingeld als Trinkgeld hat. Argh.

Achso: Da sage noch einer, die Franzosen weigerten sich, Englisch zu sprechen. Zumindest für die jungen Franzosen (und zwar egal, ob Ober im Bistro oder Gast in der In-Kneipe) gilt dieses Klischee ganz und gar nicht mehr. Sobald die Franzosen merken, dass ich im Begriff bin, ihre Sprache zu vergewaltigen, springen sie sofort auf Englisch um, sodass sich selbst ein Französisch-Legastheniker wie ich hier wunderbar verständigen kann. Sehr löblich, liebe Franzosen.

Ich fuhr mit der Metro in Richtung Seine, ging ein paar Schritte und stand dann vor Notre-Dame. Die Einlasskontrollen existieren, sind aber relativ schmerzlos, und, schwupps, war ich in der durchaus beeindruckenden Kathedrale drin. Ich lief ein wenig herum, verzichtete auf den Besuch des Turms und machte mich dann mit der S-Bahn in Richtung Eiffelturm.

Der dem Eiffelturm nächste Ausgang war gesperrt, also musste ich ein Stück an die Seine entlanglaufen, ehe ich dann dieses Stahlungetüm in voller Pracht wahrnehmen konnte. Schon schick, dieser Tour Eiffel. Ich hatte ja kein Ticket für den Aufzug mehr erlangen können, daher erschien es mir sinnlos, die Sicherheitskontrolle auf mich zu nehmen, und machte mich auf zur Metro-Station Trocadero ...

Aua, so langsam taten mir die Füße weh. Ich kam an einer Anti-Trump-Demo vorbei, genoss noch einmal den Blick auf den Eiffelturm und fuhr dann zum Arc de Triomphe. Auch der ist Wahnsinn, sehr, sehr beeindruckend.

Jetzt taten mir endgültigen die Gräten weh und ich entschied mich, das Rugby-Spiel zwischen England und Frankreich verfolgen zu wollen. Ich suchte eine Rugby-Kneipe bei Google, fand eine, fuhr mit der U-Bahn hin und, täteräää, stand vor dem "Moulin Rouge".

Nach einigem Hin und Her fand ich eine Kneipe, die sich schnell füllte. Ich musste auf die Toilette, danach war mein Hocker zwar noch frei, aber aufgrund des Gedränges kaum benutzbar, sodass ich den Abgang wagte.

Ich hatte zwei Kneipen im Auge, die eine öffnete erst um 19 Uhr, sodass ich die Zeit überbrückte, und erstmal (vermeintlich!) in die zweite Kneipe ging. Dort aß ich lecker Käse und Wurst, trank ein Weinchen, war dann satt und fuhr in mein Hotel.

So, der Nachmittag ging jetzt ein bisschen im Schnelldurchgang, sorry, ich bin hundekaputt und will flachliegen.

Louvre-Eingang

Venus von Milo

Sphinx

Schreiber

Menschen vor Mona Lisa

Das Floß der Medusa

Die Freiheit führt das Volk

Die Visage vom Hanfried kennt in Jena jeder

Da drunter liegt Maria Magdalena (Tom Hanks sei Dank)

Sorry ...

Notre Dame von innen ...

... und von außen

Irgendso'n Turm

Triumphbogen

Rote Mühle
Es war sehr, sehr toll heute, morgen wird es bestimmt auch schön, aber vielleicht mache ich morgen etwas weniger als 21 Kilometer zu Fuß ...

Freitag, 3. Februar 2017

Wenn die alte Weisheit stimmt

..., dass es direkt nach einem Vorfall nirgends sicherer ist als am Ort des Geschehens, dann werde ich morgen im Louvre am ungefährlichsten Platz dieses Planeten sein. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass morgen der Louvre ein bisschen leerer als sonst sein wird, und zwar nicht nur dieses Terror-Anschlägchens wegen, sondern auch, weil am Sonntag sowieso freier Eintritt ist.

Es ist der Spontaneität dieses Ausfluges geschuldet, dass mir das erst klargemacht wurde, als ich schon das Ticket für morgen gebucht habe, aber auch so glaube ich, dass es im Louvre an diesem einen Sonntag im Monat, an dem freier Eintritt herrscht, noch voller ist als ohnehin schon. Aber, es hilft alles nichts, ich werde morgen kommen, sehen und berichten ...

Ich habe in der Mittagspause noch ein schönes Kneipchen mit selbstgebrautem Bier in der Nähe meines Hotels erlickert (hätte mein Vater gesagt), das bis 2 Uhr heute Nacht auf hat. Ich denke, da werde ich mich heute Abend gleich mal in das Abenteuer französischen Bieres abseits von Kronenbourg-Plö..., äh, Kronenbourg-Bier, stürzen.

Ich sitze jetzt hier schon im Abflugbereich, werde mich gleich in Paris bestimmt wieder über die übereifrigen Franzosen mit ihrer Passkontrolle im Schengenraum aufregen, dann mit dem Zug in die Stadt fahren und wahrscheinlich vom Gare du Nord die zwanzig Minuten zu meinem Hotel laufen (vielleicht nehme ich dann doch die Metro, das entscheide ich spontan, auch in Abhängigkeit vom Wetter).

Vor Lissabon hatte ich schon am Morgen des Abflugs eine fast euphorische Vorfreude, das verspüre ich jetzt in Bezug auf Paris nicht so direkt. Die Vorfreude besteht aus Spannung auf diese bestimmt hochinteressante Stadt.

Boarding!

Donnerstag, 2. Februar 2017

Nachholbedarf

... habe ich wohl ein wenig in Bezug auf große europäische Städte. Vor zwei Wochen war ich in Lissabon, was mir sehr gut gefallen hat, und gestern saß ich in meinem inzwischen angestammten Reise-Büro/-Wohnzimmer und buchte für morgen Abend einen Flug nach Paris.

Mit Air France bzw. Hop geht es morgen um 19.50 Uhr nach Paris-Charles de Gaulle, wo ich planmäßig um 21.10 Uhr ankomme. Danach geht es ins Hotel im 19. Arrondissement - Sacré-Cœur (im 18. Arrondissement) ist gar nicht so weit entfernt.

Am Samstag Morgen um 10 Uhr geht es dann in den Louvre (Ticket schon gebucht); ich will endlich mal die Mona Lisa sehen. Eiffelturm (leider schon alles ausgebucht, also bleibe ich unten) und Arc de Triomphe werden besichtigt werden, und ansonsten mache ich mir einfach zwei entspannte Tage in Paris ... Das wird schön.

Am Sonntag Abend geht es dann um 21 Uhr zurück nach Frankfurt, wo ich um 22.20 Uhr planmäßig ankommen werde - pünktlich zum Super Bowl bin ich dann zurück in meiner Bude.

Paris, ich komme ...

Sonntag, 29. Januar 2017

Über den Pfannkuchendamm

... bin ich gestern Abend und heute Morgen gefahren, und zwar in Zwolle in den Niederlanden.

Gestern Morgen habe ich erst einmal ausgeschlafen, ehe ich mich dann spontan entschieden habe, mal diese Ausfahrt in die deutschen Exklaven in Belgien zu machen, die ich schon länger mal vorhatte.

Da ich schon ahnte, was kommen könnte, packte ich sicherheitshalber mal meinen Notkulturbeutel mit Zahnbürste und Kontaktlinsenflüssigkeit und eine Garnitur Unterwäsche ein. Danach fuhr ich zum Parkplatz und ab ging die Fahrt in Richtung Trier. Unterwegs machte ich eine kurze Stadtrundfahrt in Bernkastel-Kues (sehr schön!) und fuhr dann bei St. Vith über die deutsch-belgische Grenze. Mit noch Sprit für einen Kilometer im Tank tankte ich dort endlich, merkte, dass die Preise in Luxemburg noch deutlich besser waren, fuhr ein Stück in Richtung Luxemburg und tankte dort. Anschließend fuhr ich über Malmédy und an einem schönen Stausee vorbei in Richtung Monschau. Ich besuchte drei der Exklaven, also Gebiete der Bundesrepublik, die durch die Trasse der Vennbahn, die zu Belgien gehört, vom Rest Deutschlands getrennt sind. Danach stieg mein Handy aus und ich wusste nicht mehr so ganz richtig, wo ich war, also fuhr ich in Richtung Aachen. Ich habe gerade gesehen, dass ich dabei nicht nur durch die beiden anderen gesuchten Exklaven kam, sondern auch ein Teilstück der Bundesstraße 258 befahren habe, das über belgisches Territorium führt - da gibt es dann ein Geschwindigkeitsbegrenzungsschild von 90 mit dem Zusatz "Belgien" ... Schon lustig. Insgesamt habe ich gestern wahrscheinlich zwei Dutzend mal eine Staatsgrenze überquert, und man merkt es wirklich kaum ... Cool.

Kurz vor Aussteigen meines Smartphones hatte ich noch eine WhatsApp an einen Schulfreund geschickt, ob ich ihn spontan in Zwolle besuchen dürfte. Ich verzweifelte an der mehr oder weniger funktionierenden Steckdose in meinem Auto, aber um 17.30 Uhr - ich war schon auf dem Heimweg - kam seine Nachricht, dass er da und ich willkommen sei. Also drehte ich um und fuhr über Nimwegen nach Zwolle.

Dort kam ich kurz vor 20 Uhr an und stand unzulässigerweise auf einem Anwohnerparkplatz, sodass mein Schulfreund mich zu einem Parkhaus lotste. Dort parkten wir und liefen - ich hatte ja nur leichtes Gepäck - in einem schönen Spaziergang durch die Altstadt von Zwolle. Ich eröffnete meinem Schulfreund sofort, dass ich ihn schon bald wieder besuchen kommen würde, denn Zwolle gefällt mir sehr, sehr gut ...

Ich bin kein Freund des niederrheinischen Backsteinbaus, aber der niederländische ist irgendwie anders, und den wiederum finde ich schön. Die vielen alten Häuser aus den letzten Jahrhunderten fügen sich trotz allem recht harmonisch zusammen, vielleicht beweist das eine oder andere Bild das auch.

Die Eltern meines Schulfreundes waren auch zu Besuch, was mir einerseits ein bisschen unrecht war, weil ich jetzt hier unangemeldet in die Familie hereinplatzte, aber andererseits freuten wir uns alle, dass wir uns - erstmals seit dem Abiball 2002 - wiedersahen. Es wurde gut erzählt, und die Eltern zogen sich gegen 22 Uhr oder so zurück, woraufhin mein Schulfreund und ich ein paar Meter weiter (er wohnt direkt in der Innenstadt) in eine neu eröffnete Kneipe im alten Refektorium des Zwoller Klosters zogen.

Nun denn, es wurde doch das eine oder Bier, und dazu bitterbollen (Fleischkroketten) und eine sharing platter, eine Platte fürs Essenteilen, verkonsumiert. Plötzlich war es 2.45 Uhr und wir wurden aus der Kneipe herausgekehrt - das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert.

Heute Morgen ging es mir wider Erwarten gut - die niederländischen Biere waren offenbar nicht nur lecker, sondern auch gut ...

Nach einem üppigen Frühstück und der Verabschiedung unter Abnahme des Versprechens, bis zum nächsten Wiedersehen in der Runde nicht bis 2032 zu warten, brachte mich mein Schulfreund wieder zum Auto, ich brachte ihn zurück nach Hause und fuhr dann - mit kleinem Abstecher ans Grab meiner Großeltern - wieder zurück nach Wiesbaden.

So war das Wochenende nicht geplant, aber obwohl ich den Abend in meiner WhatsApp schon vorab als "legendär" angekündigt hatte (das sind ja dann meist die langweiligsten Abende), war der wirklich ganz schön ... Und wir hätten es vielleicht noch ein oder zwei Bierchen länger ausgehalten in der Kneipe mit ihren 200 Bieren.

Wir haben so ganz vorsichtig schonmal für Fronleichnam eine Verabredung, da ist nämlich in den Niederlanden kein Feiertag, sodass am Internationalen Strafgerichtshof was los sein dürfte, und man könnte auch noch einen Tag nach Amsterdam ... Das könnte was werden.

Die Trasse der Vennbahn - die Trasse ist belgisch, rechts ist Deutschland ...
Downtown Zwolle

Rechts das Refektorium des Abends

Altstadt von Zwolle
Dieser Post wurde am 29. Januar noch aktualisiert.

Montag, 23. Januar 2017

Einfach mal 'n Stadtbummel

Heute Morgen schlief ich dafür, dass ich nur begrenzte Zeit in Lissabon hatte, einigermaßen aus, checkte kurz vor Beginn des Frühstücks aus, frühstückte kurz und vernünftig und ging dann hinunter zur Anlegestelle für die Fähren.

Der Blick auf die Brücke und die Christusstatue war jetzt, kurz nach Sonnenaufgang auf der anderen Seite des Panoramas, natürlich völlig anders als gestern und nicht weniger fantastisch. Nach einigem Hin und Her entschied ich mich, erstmal nicht Fähre zu fahren, sondern in Richtung des Triumphbogens zu laufen. Dabei lief ich an der Flusspromenade vorbei, auf der man alle paar Meter einen neuen – tollen – Blick sowohl auf die Gebäude der Stadt als auch auf die Brücke und den Fluss hat. Der Platz vor dem Triumphbogen mit der Reiterstatue von José I., wenn ich mich recht erinnere, ist sehr beeindruckend – was mich in Lissabon immer wieder begeistert, sind die bunten Häuser, deren Fassaden aber auf wundersame Weise doch irgendwie zueinanderpassen.

Ich lief durch den Triumphbogen durch und die Straßen Lissabons, die am – für portugiesische Verhältnisse frühen – Sonntagmorgen noch recht leer waren. Ich wollte zur Igreja do Carmo, der Ruine einer vom Erdbeben 1755 zerstörten Kirche, und dazu musste ich einen Berg rauf. Hier haben die Lissaboner aber glücklicherweise einen sehr schicken Personenaufzug mitten in die Stadt gebaut, mit dem man für 1,50 € mit der schicken Lissabon-Karte (oder für 5,15 € bar!) die zwei Minuten da hochzuckeln kann. Ich handelte mir den leisen Anschiss des Aufzugschaffners ein, weil ich nicht an irgendeiner Markierung gewartet hatte, aber die hatte ich beim besten Willen nicht gesehen.

Die Igreja de Carmo ist sonntags zu, aber schon allein ein weiterer Grund, wieder nach Lissabon zurückzukehren. Ich marschierte in Richtung der Straßenbahn 28, verpasste sie knapp, nahm aber dann halt zehn Minuten später die nächste, und fuhr hoch zu den Portas do Sol, einem Aussichtspunkt, den ich gestern bei der Anreise schon gesehen hatte. Und wow, der Ausblick war auch heute fantastisch, aufs Meer, auf die eine große Kirche, auf die bunten Häuser, nicht umsonst ist der Blick von dort das Profilbild für Lissabon beim Frankfurter Flughafen …

Nachdem ich mein Handy fast vollfotografiert hatte, stieg ich einige wenige steile Straßen hoch zum Castelo de S. Jorge, von wo man einen tollen Ausblick auf die Stadt haben sollte. Und in der Tat, der Eintritt von 8,50 € lohnt sich schon allein für diesen fantastischen Blick auf Lissabon, auf die (ich weiß, ich wiederhole mich, aber die ist einfach so schön …) Brücke, die Jesusstatue, den Triumphbogen, den Personenaufzug, die Igreja do Carmo und auf das ganze, viele, schöne Lissabon drumherum – so, so toll.

Für die 8,50 € Eintritt bekommt man halt aber auch noch das Kastell, das noch aus arabischer Zeit stammt und immer wieder erneuert wurde. Es ist toll, auf der Mauer dieses Kastells herumzulaufen und Lissabon immer wieder aus neuen Blickwinkeln zu sehen. Das Museum ist klein und nichts, wofür ich töten würde, aber man sieht ein paar hübsche Ausgrabungen. Als ich da oben unterwegs, miauten da irgendwelche Viecher, aber Katzen konnten das angesichts der Lautstärke eigentlich nicht wirklich sein. Und siehe da, es waren keine Katzen, es waren drei Pfauen, die sich da oben einen Brüllwettbewerb leisteten! Schick, schick …

Ich genoss nochmal den Blick auf Stadt, Fluss und – jetzt alle zusammen! - Brücke, ehe ich durch die steilen Gassen und Treppen wieder in die Unterstadt ging. In einem mit sehr guter Google-Bewertung ausgestatteten, kleinen Lokälchen aß ich einen fantastischen Meeresfrüchteeintopf, ehe ich mich dann doch entschied, in Richtung Belém mit der Straßenbahn zu fahren. Die Straßenbahn fuhr zwar nicht ganz bis zum Torre de Belém, den ich schließlich nur aus der Ferne sah, sondern endete in der Nähe des (riesigen!) Jerónimos-Klosters. Schon von außen ist das Ding atemberaubend groß mit einer tollen Fassade, sodass ich mir das Ding auch noch einmal von innen angucken möchte. Ich denke, allein für Belém braucht man einen ganzen Tag, denn dort gibt es nicht nur das Kloster und den Torre, sondern auch das „Denkmal an die Entdeckungen“, die die Portugiesen auf der ganzen Welt gemacht haben. Dieser Riesenmarmorklotz ist nicht so richtig hässlich, das Bild wird aber durch den Blick auf Jesusstatue und, richtig, Brücke noch deutlich verfeinert …

Jetzt, so gegen 14.30 Uhr, war es für mich Zeit, mich auf so ganz langsam auf den Weg zum Flughafen zu machen. Ich stieg diesmal in Belém in einen Bus, der ein wenig durchs „Hinterland“ fuhr, stieg aus, suchte meine Linie 28 und fuhr mit dieser noch ein paar Meter zu meinem Hotel. Dort holte ich mein Gepäck, lief zur U-Bahn und fuhr mit dem bekannten einmaligen Umsteigen zum Flughafen. Dort kam ich dann doch deutlich zu früh an, setzte mich in die Lounge und guckte ein bisschen aufs Vorfeld, während ich auf meine Gateangabe wartete.

Die kam dann, ich begab mich zum Gate und stieg als einer der Letzten ein - ich hätte mich besser vordrängeln sollen, denn als ich kam, war in den Gepäckfächern alles voll, gerammelt voll. Es kam, wie es kommen musste, mein Handgepäck wurde in den Frachtraum gebracht, ich bekam fein säuberlich eine Gepäckmarke, und weg war mein Zeug ... Der Flug ging leidlich schnell rum, ich war nicht ganz unmüde und natürlich stellten wir uns in Frankfurt ans hinterste A-Gate. Ich lief und lief und lief zum Gepäckband, mein Köfferchen war schon da, ich lief zum Regionalbahnhof, meine Bahn fuhr um Punkt 23 Uhr, war ziemlich pünktlich in Wiesbaden und um fünf vor zwölf oder so in meiner Bude. Jetzt wird noch ein bisschen Football zum Runterkommen geguckt.

Was ich noch sagen wollte: Wenn die Straßenbahn (speziell die 28 in der engen Altstadt) da mit Karacho den Berg runterbeschleunigt (und dann im Zweifel vor der Ampel mit sprichwörtlichen quietschenden Bremsen anhält), um Anlauf für die Fahrt berg hoch zu haben, dort aber von der vorausfahrenden Bahn ausgebremst wird, dann fühlt sich das schon so'n bisschen wie Achterbahn an. Toll!

Und loben wollte ich noch den Flughafen Lissabon: So schnell und so problemlos bin ich noch selten durch eine Sicherheitskontrolle gekommen - sehr gut ...

Wieder nach Lissabon? Aber hallo, am besten noch dieses Jahr, denn meine Viva-Viagem-Karte ist nur ein Jahr gültig und da sind noch ein paar Euro drauf. Aber dann ein paar Tage mehr (klar …), gerne wieder in das Ho(s)tel, das war ganz schick, wie gesagt ein ganzer Tag in Belém und einfach ein paar Stunden, um durch die Stadt zu wandern, ohne dann doch immer ein bisschen auf die Uhr schauen zu müssen. Es gibt noch viel Interessantes zu essen und zu trinken, Fado habe ich jetzt nicht so richtig mitbekommen, die eine oder andere Fähre muss noch erkundet werden … Lissabon, das war toll ...

Fotos sind ein bisschen durcheinandergeraten:

Stadt, Brücke, Fluss, Jesus ist da hinten auch noch irgendwo

Im Castelo de S. Jorge
Brücke und Fluss und Jesus

Praça do Comércio

Von den Portas do Sol

Im Castelo

Aufzug mitten in der Stadt

Zwei Straßenbahnen

Denkmal der Entdeckungen mit Brücke und Jesus

Jerónimos-Kloster

Samstag, 21. Januar 2017

Hüpf, hüpf

Joa, vor Freude und Glückseligkeit bin ich heute südlich des Tejo mit Blick auf Lissabon durch die Gegend gehüpft. Schön war's heute ...

Ich war natürlich viel zu früh wach heute Morgen, weil ich vor lauter Glückstrunkenheit nicht mehr schlafen konnte. Also stand ich um 8 Uhr auf, packte meine sieben Sachen und ging duschen. Demensprechend ging ich viel früher als geplant aus dem Haus, war früher im Bus, am Hauptbahnhof in Wiesbaden und schließlich am Flughafen.

Ich wusste, dass ich von Terminal 1A aus abfliege, und da ich schon lange mal ausprobieren wollte, wie das am Flughafen mit der Skyline-Station A, Z so ist, steuerte ich auf die Skyline im Bereich B zu und fuhr mit der Bahn dann zu A, Z. Offiziell ist das nur für Fluggäste, aber - wie ich heute merkte - das kontrolliert erstmal keiner, man kann da also problemlos hinfahren, auch wenn man kein Ticket hätte, es bringt nur nicht so wahnsinnig viel, weil man von da ohne Bordkarte nirgendwo mehr hinkommt ....

Der Kontrollmensch musste einer Dame erst erklären, dass sie noch im Bereich B einchecken muss oder so, danach ging es bei uns schnell mit Bordkarten- und Sicherheitskontrolle. Zwischendurch war zwar mein Mantel unerlaubterweise abwesend, aber er trudelte dann wieder ein. Ich erkundete den Bereich A sehr intensiv, mitsamt Inaugenscheinnahme des Verbindungstunnels zum Fluggastbereich B, setzte mich aber dann ans Gate A32. Eigentlich hätte mein Flieger von A30 starten sollen, das wurde kurzfristig nochmal umgeändert, also setzte ich mich dann in Richtung A21 in Bewegung, als der Flieger gerade an mir vorbeirollte.

Ich boardete, was aufgrund meines Sitzplatzes am Notausgang zu kleineren Verwicklungen führte, aber am Ende hatte ich meinen Sitz mit besonders viel Beinfreiheit, wenn auch ohne Fensterplatz, denn ich saß auf dem Platz 12B.

Wir kamen fast pünktlich in Frankfurt weg und überpünktlich in Lissabon an, ich war schnell draußen, wurde aber von den Schlagen am Fahrkartenautomat ein bisschen ausgebremst. Mir bleibt zwar schleierhaft, wie man da so viel Zeit verplempern kann wie meine Vorleute, aber sei's drum. Schließlich saß ich in der blauen U-Bahn, stieg dann in die grüne um und sah am nach Martin Mortiz benannten Platz erstmals das Tageslicht. Relativ schnell entdeckte ich die Straßenbahnstation für die 28E und stellte mich in die Schlange (!). Beim ersten Schwung kam ich nicht mir, aber die zweite Bahn kam sehr schnell danach und ich konnte mir einen Sitzplatz sichern.

Ab ging es durch die engen Lissaboner Gassen, vorbei an diversen Sehenswürdigkeiten und einem grandiosen Aussichtspunkt, den ich morgen nochmal genauer erkunden will. Es ging auf und ab durch das Gewirr und irgendwann drückte ich den Knopf, denn die Haltestelle vor meinem Hotel kam. Ich stieg aus, ging eine Straße hoch, klingelte, mir wurde geöffnet, ich checkte ein und bezog meine - sehr schöne - Juniorsuite.

Nach wenigen Minuten ging ich aber los, an dem einen Ascensor vorbei und runter zum Hafen. Wow. Wahnsinn. Fantastisch schön. Nicht nur der Hafen an sich, sondern der Blick auf die Christusstatue (die gibt's auch in Lissabon!) und die Brücke, die der Golden Gate Bridge in San Francisco ein bisschen ähnlich sieht, mit dem Sonnenuntergang dahinter - das war richtig traumhaft und hat die Flug- und Hotelkosten allein schon gelohnt. So, so schön ...

Ich sah, dass noch Fähren über den Tejo fuhren, und meine angestrebte Kneipe für heute Abend hatte eh noch nicht auf, sodass ich kurzentschlossen auf die Fähre in Richtung der südlichen Vororte stieg. Nach zehn Minuten Fahrt (Kostenpunkt 1,20 €) stieg ich aus, verließ das Terminal und genoss den Blick auf die Brücke und die Stadt - absolut toll ...

Ich fuhr wenig später zurück nach Lissabon-"Downtown" und wollte dann hoch in meine angestrebte Kneipe.

Pustekuchen, voll, erst in zwei Stunden bekäme ich einen Platz. Also gut, die Dame sprach vorzügliches Englisch und reservierte mir meinen Platz, während ich einen Spaziergang durch Bairro Alto machte. Ich fand ein Pub und das Pub fand mich, und schließlich fanden drei leckere portugiesische Biere den Weg zu mir.

Einigermaßen pünktlich stand ich wieder vor meiner eigentlich angestrebten Kneipe, mein Tisch war noch nicht fertig, also bekam ich ein Bier vor die Kneipe gebracht, auf dass ich da wartete. Nach wenigen Minuten durfte ich schließlich rein, der Ober übersetzte mir die Tageskarte, und ich wählte Sashimi vom Stöcker und Kalbsfilet. Die Wartezeit vertrieb ich mir mit Oliven, Brot und - sehr leckerem - Olivenöl.

Das Stöcker-Sashimi war absolut fantastisch, das danach servierte Kalbfilet war auch toll, wenn auch ein wenig zu rare für meinen Geschmack, und den Abschluss bildete der beste Schokoladenkuchen, den ich je gegessen habe - deswegen bestellte ich auch eine zweite Portion.

Doch, die Taberna da Rua das Flores kann ich durchaus weiterempfehlen.

Ich wackelte zu Fuß nach Hause und habe nun die nötige Bettschwere.

Lissabon ist - nach diesen ersten Eindrücken zu urteilen - absolut toll, hier werde ich sehr zeitnah noch einmal mit ein bisschen mehr Zeit herkommen.

Morgen werde ich nochmal - bei Tag - Fähre fahren und mir danach noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit hier angucken. Ich weiß sehr sicher, dass ich hier nicht zum letzten Mal bin, deswegen bin ich da recht entspannt ...

Fotos:
Tram 28E

Treppauf, treppab

... oder mit dem Ascensor fahren

Brücke mit Sonnenuntergang

... und Brücke bei Nacht

Schnapsidee 2017, die erste

So, eigentlich hatte ich überlegt, ob ich morgen (naja, heute) mal an die deutsch-belgische Grenze fahre. Da gibt es ein paar deutsche Exklaven, die nur durch die Bahntrasse der Vennbahn, die belgisches Staatsgebiet ist, vom Rest von Deutschland getrennt wird. Joa.

Heute Abend habe ich dann mal spaßeshalber (wirklich!) nach Flügen nach Istanbul (sauteuer, und da fliege ich ja eh in ein paar Wochen hin), Rom (wäre preislich gegangen, aber mit doofen Flugzeiten) und, naja, Lissabon geguckt ... Der Flugpreis (142 €) schrie förmlich "Nimm mich!", da musste ich zugreifen - am Ende habe ich mir wahrscheinlich selbst Konkurrenz gemacht, weil die Preise plötzlich anzogen, aber am Ende bezahlte ich halt 157 € ... Und so fliege ich heute um 13.25 Uhr nach Lissabon.

Ich habe jetzt eben auch noch ein Hotel gebucht in der Altstadt mit einer sehr guten Bewertung und angeblich sehr gutem Frühstück. Ja, und dann habe ich morgen (nein, heute ...) den Nachmittag und vor allem den Abend in Lissabon und am Sonntag den Vormittag und einen guten Teil des Nachmittags, ehe mein Flieger um 18.15 Uhr wieder zurückgeht ...

Ich war noch nie in Lissabon und überhaupt erst einmal, im vorigen Jahrhundert (1998), in Portugal - ich bin sehr gespannt auf diese angeblich sehr schöne Stadt. Natürlich werde ich nur einen ersten Eindruck bekommen, aber ich habe sogar mehr Zeit als im April in Tel Aviv - und das war schon toll ...

Ich werde berichten ...

Donnerstag, 19. Januar 2017

Die liebe Seele hat jetzt Ruh

So ähnlich klang schon einmal eine Artikelüberschrift, fürchte ich ... Naja.

Ich war ja die ganzen letzten Wochen um die Osterferien herumgeschlichen, hatte zwischendurch überlegt, ob ich die Woche nach Ostern noch als Urlaub eintrage, habe das dann auch gemacht, aber heute hat ein Gespräch mit einem meiner Kollegen, mit dem ich viele Kunden zusammen habe, Klarheit gebracht. Er hat zwei Kinder und ist daher auf die Osterferien angewiesen, und dass er und ich eine ganze Woche gleichzeitig nicht da sind, das geht wirklich nicht - also habe ich meine Eintragungen in der Urlaubsdatei in der Woche nach Ostern storniert.

Danach saß ich mit einer Kollegin im Sherry & Port und habe nun zum mindestens dritten Mal im Sherry eine Flugreise gebucht. Am 12. April, dem Mittwoch vor dem Gründonnerstag, der bei uns Brückentag ist, geht es zunächst nach Kairo. Dort habe ich 20 Stunden Aufenthalt, den ich zu einem Stopover nutze - das Visum für Ägypten bekomme ich ja bei Einreise. Ich habe eben auch schon ein Zimmer mit Blick auf Pyramiden und Sphinx gebucht - das wird cool, hoffe ich.

Am 13. April geht es dann nachmittags wieder zum Flughafen, ehe mein Flieger nach Khartum im Sudan geht. Dort komme ich am Abend an.

Sudan?! Bürgerkrieg! Himmelhilf! Jaja, schon richtig, aber die kriegerischen Auseinandersetzungen sind in Darfur im Westen und im Grenzgebiet zu Südsudan, aber nicht in Khartum selbst. Nur die Ruhe also ...

Das Zimmer in Khartoum werde ich morgen buchen, ich werde da wahrscheinlich ins International Guesthouse gehen, das ist unter deutscher Führung, da weiß ich, was ich habe (unter anderem Vollpension ...).

Das Visum für den Sudan ist an sich bezahlbar (40 €), aber für die Registrierung, wenn ich dann im Land bin, muss ich nochmal knapp 70 € abdrücken, aber wenn ich das gegen den Flugpreis von knapp 350 € gegenrechne, ist das immer noch ziemlich okay ...

Ich bin sehr gespannt auf Kairo und dann auf Khartum, das wird spannend in Nordafrika ...

Sonntag, 8. Januar 2017

Tja

Gutes neues Jahr, aber das neue Jahr ist ja nun auch schon wieder acht Tage alt ...

Ich habe es heute endlich gebacken bekommen, unsere Entschädigung für unseren legendären 22-Stunden-Verspätungsflug von Frankfurt über Madrid nach Dakar fix zu machen. Unsere Fluggesellschaft, Air Europa, hatte mich ja mit meinem Versuch einer gütlichen Einigung ziemlich abblitzen lassen - im Oktober hatte ich so eine Agentur eingeschaltet, die also im Zweifel klagt, aber eben auch das Prozessrisiko übernimmt, was sie sich mit gut 40 % der Entschädigung bezahlen lässt. So wurden aus 2 x 600 Euro = 1.200 Euro jetzt eben gut 700 Euro, das ist immer noch ungefähr so viel wie der Flug gekostet hat.

Tja, für Air Europa ist das nun eine Lose-lose-Situation: Ich werde sie in Zukunft meiden (so eine Verspätung kann ja passieren, und natürlich ist es mir lieber, wenn sie das Ersatzteil einfliegen als es draufankommen zu lassen, aber dann sollen sie eben auch für den Verlust eines Urlaubstages bluten ...) und sie müssen nicht nur die Entschädigung an meine Agentur zahlen, sondern eben auch die Anwaltskosten. Aber das ist jetzt das Problem von Air Europa ...

Die 350 Euro, die mir aus dieser Aktion jetzt zustehen, werde ich hochwahrscheinlich gewinnbringend in einen neuen Flug investieren, nur weiß ich noch nicht, wann und wohin.

Die Urlaubsplanung für das zweite bis vierte Quartal 2017 steht ja jetzt erstmal an, über Ostern habe ich ein paar Tage frei, mal gucken, ob ich da ein bisschen was Verlängertes mache (Usbekistan oder Philippinen/Vietnam/Brunei klingt ganz gut ...) oder nur die Feiertage irgendwohin fahre.

Mein jüngster Neffe hat an Pfingsten Konfirmation, sodass es nicht unwahrscheinlich ist, dass meine Ma und ich im Mai/Juni zumindest mal nicht die angedachte große Südostasientour machen (daher ist die Karte jetzt oben nicht mehr orange in Südostasien) - aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und Angkor Wat wird dieses oder spätestens nächstes Jahr besucht, komme, was da wolle ...

In der Elfenbeinküste gab es in den letzten Tagen so 'ne kleine Meuterei von Soldaten, aber die scheint inzwischen schon wieder entschärft zu sein - von daher bin ich immer noch zuversichtlich, dass wir einen ganz entspannten Strandurlaub dort verbringen werden, und das in gerade einmal 69 Tagen ...

Dienstag, 27. Dezember 2016

Carlingford Lough

Das ist nicht nur ein schöner Name, sondern auch ein wunderschöner Ort - jedenfalls dann, wenn man, wir wir gestern, an der nordirisch-irischen Grenze strahlend blauen Himmel hat und zwischen Newry und Dundalk nicht den schnellsten Weg, sondern die Küstenstraße wählt.

Ich hatte nicht ganz so gut geschlafen und hatte offenbar im Unterbewusstsein noch meiner Ma ihr Kissen entrissen, sodass ich mich nicht wahnwitzig erholt aus den Federn erhob. Wir hatten in Derry ein bisschen zu viel Pfund abgehoben (wir hatten ja gehofft, in Belfast in das eine oder andere Pub zu gehen, wo wir bar bezahlen wollten, was ja aber mangels "offen" nicht funktionierte). Deshalb bezahlte ich unser Frühstück bar; wieder ließen wir es uns schmecken, ehe wir noch einmal - bei unerwartetem Sonnenschein - in die Stadt marschierten. Vorbei ging es an schönen Pubs und dem Rathaus, durch die Royal Avenue, die Haupteinkaufsstraße von Belfast, in Richtung Hafen und dort zum Bigfish.

Meine Ma ist in ihrem Bekanntenkreis als begeisterte Sammlerin blau-weißen Porzellans bekannt, und deshalb musste ich meine Ma zu dem drei Meter langen Fischkunstwerk mit Keramikplatten am Belfaster Hafen führen. Sie war ordnungsgemäß begeistert, ich auch, aber noch mehr von dem Blick auf den Hafen, ehe wir uns dann zügig zurück zum Auto machten, das noch am Hotel stand.

Wir hätten auf direktem Weg über die Autobahn nach Dublin fahren können, aber wir wussten nicht, was wir unserem Handgepäck anstellen, und entschieden uns daher nach den guten Erfahrungen des Vortages, eine weitere der grünen scenic routes in unserer Karte abzufahren. Wir fuhren also in Newry ab in Richtung Südosten, verfuhren uns wie üblich ein bisschen (wir waren auf der falschen Seite des Fjords), fuhren wieder zurück und überquerten per Brücke die Fjordausläufer. Weiter ging es am Fjord entlang, wir reisten wieder (plötzlich) nach Irland ein und fuhren weiter am Carlingford Lough entlang. Zwei-, dreimal stiegen wir bei Eiseskälte und hübschem Wind aus, um die fantastische Schönheit dieses Fleckchens Erde zu genießen. Doch, an den Carlingford Lough (die Wendung mag ich ...) komme ich nochmal. Bei schönem Wetter.

Wir fuhren weiter, in Dundalk dann auf die Autobahn, tankten zweimal (einmal noch ein paar Liter am Flughafen), ich fluchte über die Autovermietungsabgabeverkehrsführung, aber am Ende fanden wir die Abgabestelle, von wo aus wir mit einem Shuttle-Bus zum Terminal gebracht wurden.

Ausreisekontrolle gab's keine, die Sicherheitskontrolleure machten ihrem Ruf, dass Denken bei ihrer Arbeit hinderlich ist, alle Ehre, aber am Ende waren wir durch, viel zu früh, und hatten Zeit für ein Bierchen.

Naja, drei Guinness später schlenderten wir zum Gate, mussten dort noch ein paar Minuten warten, konnten dann recht schnell an Bord, hatten wieder drei Plätze für uns in einem insgesamt keineswegs vollen Flieger, kamen pünktlich weg und überpünktlich an. Wir erwischten gerade so eine verspätete Bahn nach Wiesbaden und waren um 21 Uhr im Sherry. Die Leute dort sahen mich mitleidig an, weil wir nach einem Steak und zwei Bier schon zahlten, aber jetzt war ich doch ein wenig fertig.

Ab nach Hause und schnell ins Bett.

Es war sehr, sehr schön. Wir haben wahnsinnig viel gesehen in den drei Tagen, sind, glaube ich, fast 1000 km gefahren (982 km sagt mein Ausdruck von der Mietwagenfirma), es war für den Körper ein kleines bisschen anstrengend, aber der Geist wurde im wahrsten Sinne des Wortes häufiger richtig durchgepustet (das heißt nicht, dass ich heute auf der Arbeit nicht schon wieder heftigst über den Computer geflucht hätte ...).

Irland, so einen Kurztrip kann man mal gut wiederholen.

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Dieses Jahr werde ich erstmals seit ein paar Jahren an Silvester den ganzen Tag in Deutschland sein (es sei denn, mir fällt nochmal ein komplett schwachsinnige Idee ein, man weiß ja nie, aber es ist unwahrscheinlich).

Wo war's 2016 am schönsten?

Hm, das ist eindeutig die falsche Frage. Schön war's fast überall (okay, Laayoune in der Westsahara war völlig okay, aber nicht das Überflieger-Touristenziel, das wusste ich allerdings schon vorher).

Dass ich lebend ins Jahr 2016 und nicht am Silvesterabend platzte, war pures Glück, denn unsere französischen Gastgeber hatten nichts unversucht gelassen, um mich zu überfüttern. Die Heimfahrt am Neujahrstag durch Südfrankfurt und die Schweiz war schön. Toll war natürlich wie immer das Fährefahren in Istanbul im Februar - ich freue mich schon wieder auf den Februar 2017.. Senegal und Gambia waren, nach dem Reinfall mit der Anreise, richtiger Abenteuerurlaub, der hintenraus mit den tollen Hotels in Gambia und in M'bour im Senegal aber auch schöne Strandtage hatte. Casablanca hat mich beeindruckt, der Strand in der Westsahara eher weniger. Schnapsidee Nr. 1 des Jahres führte meine Kollegin und mich nach Tel Aviv, und zwar für ungefähr 18 Stunden - wir schwärmen heute noch fast jedes Mal, wenn wir im Sherry sitzen, wie schön das war. Ostasien, das war das Gelage mit dem alten Herrn in Tokio am Anfangsabend, das war lecker Essen in Taiwan, das war Baseball und anschließendes Verschlafen in Seoul, schön war das, aber auch wirklich anstrengend. Der Besuch des EM-Spiels in Lille war Schnapsidee Nr. 2 in diesem Jahr, aber ein 2:0-Sieg lohnt sich für mich Maskottchen halt immer. Die zwei Wochen im südlichen Afrika waren der absolute Hammer, das war traumhaft schön, die Victoria-Fälle, der Chobe-Nationalpark, Swakopmund - wunderbar. Aller guten Schnapsideen sind drei, und die 12 Stunden in London zum NFL-Spiel Ende Oktober waren definitiv eine Schnapsidee, die man wiederholen kann. Und jetzt zu Weihnachten Irland und Nordirland, das war dringend notwendiges Durchschnaufen.

Das war 2016, das war toll.

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Fotos aus Nordirland und Irland:

Unterwegs im Hochmoor

Malin Head

Stadtmauer von Derry

Guildhall in Derry

Belfast Bigfish

 Carlingford Lough
 

Sonntag, 25. Dezember 2016

Dreharbeiten zu "29 Days Later"

... dem neuesten Hollywood-Streifen über eine Invasion von Zombies nach Irland, fanden heute ganz offensichtlich in Belfast und der weiteren Umgebung statt, nur uns hatte leider keiner informiert. Nicht anders zu erklären ist es, dass heute Morgen die Straßen auf dem Weg von Belfast in Richtung (London-)Derry und heute Nachmittag die Straßen in der Innenstadt von Belfast leergefegt waren. Allenfalls einige zu spät kommende Komparsen waren zu sehen, sonst war alles leer. Die Kameratechnik wird auch immer ausgefeilter, denn ich habe nicht einmal Kameras gesehen.

Wir waren heute Morgen gegen halb acht Uhr wach, gingen um kurz nach acht frühstücken (zwei Portionen Irish Breakfast, wenn ich zurückkomme, bin ich endgültig rollfähig, fürchte ich) und waren um 9 Uhr ausgehfertig. Dann ging es auf die Autobahn in Richtung Antrim und weiter nach Derry (auf den Straßenschildern hier steht "Londonderry", auf denen in der Republik Irland nur "Derry", es ist also eine hochpolitische Frage, wie man die Stadt nun nennt, auweia). Das Wetter war, obwohl wir auf der Insel Irland sind, ziemlich englisch und chargierte zwischen Niesel, Regen und feuchter Luft ...

Weil es kurz vor Derry einigermaßen trocken war, entschieden wir uns, die zwei Küstenstraßen, die meine Ma drüben in der Republik erblickt hatte, abzufahren. Auch heute merkte man die Grenze nur daran, dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen von "miles per hour" in "kilometres per hour" wechselten.

Auf ging es durchs Hochmoor. An einer besonders schönen Stelle versuchten wir, auszusteigen, was nur unter Gewaltaufwendung gilt, weil der Wind die Tür schön zudrückte. Mein Mantel (den meine Mutter standhaft als "Jacke" bezeichnet, pah) flog bald weg, die Irland-Karte flog tatsächlich durch die Gegend, konnte aber gerade noch so zurückerobert werden, wir wurden richtig durchgepustet, boah, war das schön.

Weniger schön war, dass heute praktisch alle Tankstellen in Irland dicht und verrammelt waren, sodass unsere Benzinsituation so langsam ein kleines bisschen bedrohlich wurde. Dies hielt uns jedoch nicht davon ab, zum Malin Head zu fahren, dem nördlichsten Punkt der ganzen Insel. Dort stiegen wir aus (wurden wieder fast umgepustet), gingen ein paar Schritte (ich ein paar mehr zum "Teufelsloch", von dem man aber nicht viel sehen konnte) und fuhren dann zurück in Richtung Moville und weiter nach Derry.

Erst in Derry fanden wir eine funktionsfähige Tankstelle (nachdem mein Auto mir eine verbleibende Tankfüllung von 5 km angezeigt hatte und wir nach Derry noch zehn Kilometer gefahren waren, jetzt kann ich es ja sagen, ohne dass meine Ma mich verprügelt ... Obwohl ...), doch meine Kreditkarten wurden gar nicht angenommen (kein wirkliches Wunder, wenn man die falsche Geheimzahl eingibt) und meinen Zwanzig-Pfund-Schein akzeptierte der Automat auch nur unter Protest.

Jetzt wieder mit liquidem Brennstoff ausgestattet, ging es in die Innenstadt auf einen menschenleeren Parkplatz. Nach einem kleinen Spaziergang, währenddessen meine Ma mitten auf der Hauptstraße stehen blieb (es kam eh kein Auto), fuhren wir, als es wieder anfing zu regnen, zurück in Richtung Belfast.

Es fuhren dann doch einige wenige Autos mit uns auf der Strecke, aber insgesamt war das wirklich beängstigend beeindruckend, wie leer die breiten Autobahnen heute waren. Wir stellten unser Auto am Hotel ab und versuchten, wenigstens irgendein geöffnetes Pub zu finden, spazierten in Richtung Rathaus, von dort weiter zu unserer Kneipe von gestern, aber überall, wirklich überall, war verrammelt und entsprechend zu. Selbst der Inder bei uns um die Ecke hatte heute geschlossen, sodass uns nichts übrig blieb, als in unserem Hotel den Weihnachtsabend zu verbringen.

Es gab Fish & Chips für meine Ma und Steak für mich, durchaus lecker, auch bezahlbar, und wir spülten das Essen mit ein paar Cider und ein paar Guinness herunter. Jetzt ist es hier 20.30 Uhr und wir sind schon bettfertig.

Auch heute war es wieder ein wunderbarer Tag, aber leider fliegen wir morgen schon wieder heim. Irland (Nord wie Süd) gefällt uns sehr, sehr gut, Belfast gucken wir uns morgen nochmal ein paar Stunden "richtig" an, ehe es dann gegen Mittag wieder nach Dublin und von dort um 16.40 Uhr zurück nach Deutschland geht.

Auch dieser Insel wird hiermit formell meine baldige Wiederkehr angedroht.

Fotos gibt's heute keine, vielleicht morgen oder in den nächsten Tagen.

Samstag, 24. Dezember 2016

Mäßigende Einflüsse

… aus Irland sind auf die britische Badezimmerkultur, die ich ja in Namibia in wenn nicht postfaktischem, so doch postkolonialem Furor beschimpft hatte, zu konstatieren, denn in unserem Holiday Inn hier im Stadtzentrum von Belfast gibt es einen abnehmbaren Duschkopf. Das kann nur ein guter Urlaub werden …

Wir waren dann gestern nach entspanntem Flug um 22.40 Uhr Ortszeit in Dublin, mussten am Flughafen dort noch eine mittlere Bergwanderung auf uns nehmen, bis wir an der Einreise waren, die aber Gott sei Dank schnell ging, und bekamen dann relativ fix unser Auto, einen kleinen himmelblauen Polo aus einer Wolfsburger Automanufaktur … Es ging mit 120 km/h über die irische und, neun Minuten nach Mitternacht reisten wir nach Nordirland ein, nordirische Autobahn in Richtung Belfast. Wir verpassten immer, an einem Parkplatz anzuhalten, weil die Autobahnparkplätze hier nur mit scharfen Linkskurven zu befahren sind, aber ich hatte mir zum Glück vorher die Streckenführung angeguckt und wusste ungefähr, wie wir zum Hotel kommen müssten. Ausnahmsweise klappte alles wie gedacht, wir konnten das Auto nach ein bisschen Hin- und Hergefahre hier direkt am Hotel abstellen und, nachdem wir zunächst vor geschlossener Schiebetür standen, ehe der Nachtportier uns reinließ, auch schnell einchecken. Wir verzichteten auf ein Bier, obwohl wir noch eins gekriegt hätten (es geschehen noch Zeichen und Wunder …).

Heute Morgen geschah ein weiteres Zeichen und Wunder: Ich war kurz vor meiner Mutter wach, und zwar um 8.30 Uhr. Wir machten uns relativ zügig fertig und gönnten uns das 12-Pfund-pro-Person-Frühstück hier im Hotel: Das hat sich gelohnt, weil ich denen in Form einer doppelten Portion Irish Breakfast die 12 Pfund wieder aus der Kasse geklaut habe …

Wir fuhren unfallfrei aus Belfast heraus, verfuhren uns auf dem Weg in Richtung Giant's Causeway nur unwesentlich und waren gegen 11.30 Uhr oder 12 Uhr an diesem Weltkulturerbe. Das Besucherzentrum war heute zu, was für uns den Vorteil hatte, dass wir umsonst parken durften. Wir verliefen uns erst fast, aber gingen dann hinunter zu den Basaltsteinen.

Schon der Weg hinunter mit den Aussichten auf die brausende See ist fantastisch, dort unten diese zigtausend Steine zu sehen, die sich hübsch gestapelt aus dem Boden erheben, und über dieselben zu stolpern, das ist total toll. Wir gingen ein paar Schritte weiter, sahen von weitem die "Orgel", eine weitere Gesteinsformation und machten uns dann gegen 13.15 Uhr wieder zurück. Wir fuhren über die Küstenstraße, mit gelegentlichen Abstechern zu schnuckeligen Häfchen, bis nach Carnlough und von dort zurück über die Autobahn in Richtung Belfast.

Heute erwischten wir die Ausfahrt nicht richtig, fuhren zu weit nach Süden, drehten um und kamen dann wie gestern Abend richtig raus. Wir parkten diesmal neben den anderen Autos an einer ad hoc von meiner Mutter hergestellten Parkbucht und gingen dann zu Fuß in Richtung Cathedral Quarter. Unsere angestrebten Pubs waren entweder zu oder voll und schlossen bald, sodass wir nach kurzer Suche noch ein Pub ansteuerten und dort jeweils zwei Bierchen verdrückten.

Zu Abend aßen wir in einer Wetherspoon-Kneipe. Diese Pub-Kette erzeugt bei Briten oft Kopfschütteln, aber für uns Mitteleuropäer sind die halt die Quintessenz von britischen Pubs. Das Bier war gut, das Essen war - nachdem sie es für meine Ma nochmal in die Mikrowelle gestellt hatten, damit es halbwegs warm war - essbar, zumal wir Hunger hatten.

Einen Absacker in unserer Hotelbar ließen wir uns nicht entgehen, aber jetzt ist es hier 22 Uhr und wir sind schon bettfertig (meine Ma ratzt schon). Football wird mangels Sender heute nicht geguckt, aber vielleicht sind wir morgen dann ein bisschen früher fit als heute ...

Sehr schön war dieser Heilig Abend, sehr entspannt, auch wenn der Wind uns am Giant's Causeway fast umgeblasen hätte (was bei meiner Figur schon was heißt ...). Mal sehen, für welche Ausfahrt wir uns morgen beim Frühstück entscheiden ...

Frohes Fest an alle Leser, ob das nu Weihnachten oder Chanukka ist, das fängt nämlich auch heute an ...

Die kaputte EU-Flagge scheint irgendwie sinnbildlich ...

Giant's Causeway

Die Orgel

Basalt

Küste

Basalt vor Küste

Nochmal Küste

Rathaus von Belfast

Freitag, 23. Dezember 2016

Die ganze Speisekarte auf meinem Hemd

... verteilt habe ich mir eben beim zum Scheitern verurteilten Versuch, unfallfrei Ramen, diese japanische Nudelsuppenabart, zu essen. Ich hätte es spätestens seit meinem Versuch in Tokio im Mai wissen müssen, dass ich das einfach nicht gebacken kriege ... Naja, mich sieht ja heute eh kaum mehr einer ...

Nach einem eher zähen Arbeitstag fuhren meine Ma und ich schon vorzeitig zum Flughafen, reisten in aller Ruhe am Terminal 2 aus und setzten uns zum Moschmosch am Terminal 2E, Non-Schengen. Dort gab es lecker Garnelensnacks und danach eben Ramen mit Schweinebauch und Hackfleisch - sehr lecker, aber halt auch eine spritzige Angelegenheit. Meine Ma meckerte nicht mal bei meinen Schlürfversuchen ...

Unser Flieger ist jetzt schon einmal eine Stunde verspätet, sodass wir statt planmäßig um 20.40 Uhr jetzt voraussichtlich erst um 21.40 Uhr abfliegen. Nach zwei Stunden Flug dürften wir so gegen 22.40 Uhr Ortszeit (eine Stunde Zeitverschiebung) in Dublin ankommen, dann übernehmen wir unser Mietauto und fahren dann noch anderthalb Stunden oder so nach Belfast. Vor 1 Uhr werden wir wahrscheinlich eher nicht im Bett sein ... Naja, wären wir, wenn man nach dem gestrigen Abend im Sherry geht, auch so nicht gewesen ...

Wir haben uns jetzt eben mal kurzgeschlossen: Wir werden wahrscheinlich einen Tag durch Nordirland und vielleicht auch mal in die Republik Irland fahren, einen Tag hauptsächlich Belfast unsicher machen und nach aktueller Planung dann am Montag relativ früh nach Dublin zurückfahren, das Auto am Flughafen abgeben und dann vielleicht noch mit dem Bus in die Stadt fahren, um im Temple Bar District einen zu heben. Aber Planungen sind bei uns ja dazu da, umgeworfen zu werden (siehe -küste, Elfenbein- ...).

Auf alle Fälle freue ich mich auf drei Tage auf der irischen Insel, um mal dem Alltag, der mich im Winter ja doch immer ganz besonders mit Beschlag belegt, ein wenig zu entfliehen. Regnen wird's zwar voraussichtlich, aber das ist uns piepegal, wenn wir mit Schirm unter dem Arm (oder über dem Kopf) durch die Gegend marschieren ...

Nächster Post normalerweise aus Belfast ...

Sonntag, 18. Dezember 2016

Spontan

... muss man sein.

Gestern hat es nicht so recht funktioniert, ich bin nach zwei, drei Stunden im Büro nochmal spontan zum Flughafen gefahren und habe bei zwei Reisebüros gefragt, ob sie noch kurzfristig günstige Flüge in den Süden im Angebot haben. Leider war da nix mehr frei unter 200 Euro und so viel wollte ich nach drei Schnapsideen 2016 dann doch nicht mehr für eine Nacht irgendwo im Süden bezahlen - zudem hatte ich nur meinen Ausweis dabei, sodass etwa Israel nicht einmal in Frage gekommen wäre, wenn das bezahlbar gewesen wäre.

Ich spazierte noch ein wenig herum, machte diesmal keine Rundfahrt mit und fuhr dann heim.

Keine Sorge, lieber Frankfurter Flughafen: Nächstes Wochenende komme ich auch wieder, dann geht es aber auch in den richtigen Abflugbereich - in fünf Tagen und ein paar Stunden geht der Flieger nach Dublin. Darauf freue ich mich so, so, so sehr ...

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Ein vorfristiges Weihnachtsgeschenk hat meine Ma sich selbst und mir gerade eben gemacht: Wir haben (endlich ...) die Flüge zu ihrem 70. Geburtstag gebucht.

Wir hatten ja um Südostasien, um Thailand und Kambodscha, später um die Philippinen herumgemacht - jetzt haben wir uns entschieden, es geht an die Elfenbeinküste.

Wie, was, das ist doch Afrika?! Richtig, das ist Afrika und nicht Asien, aber wir waren halt mal wieder spontan ... Ich habe gestern Abend diese lustige Flugroute nach Abidjan gesehen, und für den Preis von 417 Euro pro Person (am Ende sind es mit Kreditkartenzahlung dann 439 Euro geworden) kommt man wirklich sehr selten nach Afrika (südlich der Sahara).

Nun fliegen wir also mit der üblichen Freitag-Abend-nach-Addis-Abeba-Maschine von Ethiopian Airlines in die äthiopische Hauptstadt, dort kommen wir am Samstag Morgen an und steigen in eine andere Ethiopian-Maschine nach Accra in Ghana. Dort steigen wir nochmal um in eine Emirates-Maschine (!!), die aus Dubai kommt, in Accra zwischenlandet und dann schließlich nach Abidjan fliegt.

Der Flughafen liegt im Südosten von Abidjan, dort sollen auch schöne Strände sein, wo wir uns ein Hotel für eine Woche nehmen und einfach nur Strand und Sonne genießen. Grand-Bassam, so heißt das alte Kolonialörtchen, soll auch architektonisch noch die eine oder andere Perle vorweisen können, es ist sogar Weltkulturerbe - wir sind also hoffnungsvoll, dass das ein schöner entspannter Urlaub wird.

Eine Woche später fliegen wir dann wieder zurück, diesmal aber direkt nach Addis Abeba und von da weiter heim nach Frankfurt.

Das Visum für die Elfenbeinküste, oder wie das Land amtlich auch im Deutschen heißt, für Côte d'Ivoire, müssen wir online beantragen und bekommen es dann am Flughafen in den Pass gestempelt. 70 Euro wollen die Ivorer dafür haben, aber bei dem Flugpreis kann man das mal machen - und für Ghana brauchen wir kein Visum, weil wir in den zweieinhalb Stunden unseres Umstiegsaufenthalts nicht formal einreisen werden.

Das wird lustig ...

Sonntag, 4. Dezember 2016

Norbert

... war heute schon wieder unser Guide am Frankfurter Flughafen. Die 45-Minuten-Fahrt letzten Sonntag hat mich richtig angefixt, deshalb habe ich mir heute Morgen die XXL-Tour gegönnt und bin mit Norbert, Dietmar (unserem Busfahrer) und zwölf anderen Flughafeninteressierten zwei Stunden über den Flughafen gedüst.

Ich hatte gestern schonmal geguckt, wann die Fahrten sind, und dabei herausgefunden, dass um 10.30 Uhr die Morgen-XXL-Tour (19 Euro) stattfinden sollte. Als ich dann um kurz vor 8 Uhr wach war, entschied ich mich, auf einen der Restplätze zu hoffen, die man bekommen kann, wenn man nicht vorher online gebucht hat. Angesichts der Tatsache, dass es mehr als 40 Plätze gibt und am Ende nur 13 verkauft waren, gab es also allen Grund zu dieser Hoffnung.

Wieder ging es durch die Sicherheitskontrolle. Wir hatten schon die gelben Warnwesten angelegt, als sich herausstellte, dass der Mitarbeiter nur ein bisschen übereifrig war: Die Warnwesten trägt man nur, wenn man bei der Tour zur Flughafen-Feuerwehr teilnimmt, und das machten wir ja nicht. Also wieder ausgezogen, und in zivil in den Bus.

Wieder ging es erst zum Terminal 2, vorbei am einen oder anderen Lufthansa-A380, aber dann - anders als letzten Sonntag - nicht zurück zum Einser, sondern weiter hinter den beiden großen Startbahnen (Pisten 07C/25C und 07R/25L in der Fachsprache ...) entlang (schon interessant, wenn da so'n Flieger auf dich zu startet ...) zu den Vorfeldpositionen des im Bau befindlichen Terminal 3.

Während das Hauptgebäude noch in einer frühen Bauphase (Erdaushub) ist, werden die Vorfeldpositionen schon - als Abstellplätze für Flieger, die morgens ankommen und abends wieder zurück nach Afrika fliegen - genutzt. Und dann steht da halt plötzlich der Thai-A380 vor einem, der Busfahrer macht sogar die Tür auf, damit man gut fotografieren kann (Aussteigen verboten!), und man staunt ...

Weiter ging es an der Cargo City Süd und der A380-Werft vorbei, unter der Startbahn West (Piste 18) hindurch, vorbei am Enteisungsplatz, an dem die Enteiser ihre Lkws aus erhöhter Position per Joystick steuern: Der Lkw hat eine Art Kran mit Kranführergondel und aus der heraus steuert der Enteiser halt nicht nur die Gondel, sondern auch den Lkw selber - hinter dessen Steuer sitzt keiner. Sieht ziemlich gespenstisch aus ...

Anschließend bogen wir auf die Fahrbahn neben dem Rollweg zur Landebahn Nordwest (Piste 07L/25R) ab und guckten uns dort nicht nur ein paar Landungen, sondern auch die dortige Feuerwehrwache mitsamt Übungsflugzeugen an. Wir zwängten uns unter den zweiten Rollweg und an der ICE-Strecke vorbei zu den Instrumentenlandesystemen und kehrten dann um. In der Cargo City Nord wurden mehrere Porsche in einen Saudia-Frachtflieger eingeladen, und nach einer Rundfahrt um die Fluggastbereiche Z, A und B ging es zurück zum Ausgang.

Diesmal ließ ich nix liegen, fuhr hoch zum Abflugbereich, sah mich nochmal am Z-Abflug um und fuhr dann mit der Skyline kurz rüber zum Terminal 2. Dort haben die Helden der Steinzeit gerade mal wieder die elektronischen Passkontrollen außer Betrieb, ich hoffe, das ist in 19 Tagen, wenn ich da durch will auf dem Weg nach Irland, behoben. Die Besucherterrasse guckte ich mir nicht mehr an und fuhr relativ bald zurück nach Wiesbaden.

Auch das war wieder ein wunderbarer, spannender und trotzdem entspannter Tag. So mag ich meinen Sonntag.

Enteisung - 38 Minuten später sollte der Flieger in der Luft sein

Sonntag, 27. November 2016

Wieder mal zum Flughafen

... bin ich heute gefahren.

Keine Sorge, keine weitere Schnapsidee mehr dieses Jahr, also keine richtige ... Ich war heute relativ früh wach, war der Ansicht, dass ich heute mal raus müsste, und erinnerte mich, dass der Frankfurter Flughafen auch Rundfahrten anböte. Ich kaufte mir also zum zweiten Mal binnen vier Wochen eine Tageskarte Wiesbaden-Frankfurt und stieg - mit Zeitungen und Frühstück bewaffnet (das Gleiche habe ich vor vier Wochen auch schon geschrieben, glaube ich) - in die S-Bahn zum Flughafen.

Die Suche nach der Verkaufsstelle erwies sich als schwierig, weil die Informationen am Flughafen, ähm, ziemlich widersprüchlich waren: Die Karte unten in der Mall wies einen Ort zwischen Fashion-Store und Thai-Laden als Verkaufsstelle aus, aber dort befand sich inzwischen Sixt. Ich ging in Richtung Parkhaus, da gab es dann Hinweisschilder, denen ich folgte, bis ich an einen Ort kam (war interessant, da mal in Ruhe durch die Gegend zu laufen ...), an dem es links zum Flughafen-Store ging, während rechts in die andere Richtung gewiesen wurde ... Argh.

Nunja, nach endlicher (langer) Zeit fand ich dann den Flughafen-Store am beschilderten, nicht am auf der Karte ausgewiesenen Ort ... Die 11-Uhr-Tour hatte ich jetzt verpasst, aber um 12 Uhr gab es die nächste, und die verbleibende Dreiviertelstunde verbrachte ich - diesen seltenen Zustand der völligen Entspanntheit am Flughafen genießend - im Terminal 1C.

Um 12 Uhr wurden wir abgeholt, mussten durch eine richtige Flughafensicherheitsschleuse (klar, wenn man den Bus, mit dem wir kutschiert wurden, entführt und dann auf die Landebahn fährt, wenn gerade ein Flieger landet, dann kann man auch mit so einem Bus ziemlichen Schaden anrichten) und stiegen dann - schön abgetrennt von "richtigen" Flugpassagieren - in einen handelsüblichen Flughafenbus ein.

Unser Tourguide, eine Frankfurter Schnodderschnauze, erzählte fast so viel über die Flugzeuge wie er über die Fußball-Bundesliga redete, outete sich als Eintracht-Fan und Bayern-Nicht-Freund und außerdem sehr kenntnisreich über die verschiedenen Flugzeuge und Flugverbindungen.

Es war hochinteressant, mal eine Dreiviertelstunde im Bus (mit Sitzplatz!) über den Flughafen zu düsen, an den Vorfeldstellplätzen vorbei, durch die Cargo City (Nord), am einen oder anderen A380, dem einen oder anderen Boeing-Jumbo (was der Guide konsequent als "Böing" aussprach, weil der Vater des Boeing-Gründers ein deutscher Auswanderer war) vorbei. Ich habe das erste Mal den Tower so richtig bewusst gesehen und überhaupt eine nochmal viel bessere Orientierung auf diesem Riesenflughafen gewonnen.

Das war echt spannend. Ich war offenbar so hin und weg, dass ich dann meine Tasche mit "Spiegel", "Economist" und - größter Verlust - einer Tafel Schokolade im Bus liegenließ. Das ist mir noch nie passiert, wenn ich unterwegs war; nun war ich daheim an meinem Leib-und-Magen-Flughafen und vergesse meinen halben Hausstand ... Sehr clever ...

Naja, ich überlebte es und fuhr entspannt zurück nach Wiesbaden, wobei ich ausgiebig den Flugplan studierte (wo könnte man denn noch so überall hin?) und den Flughafenplan fast auswendig lernte ... Jetzt mache ich mir hier zuhause einen entspannten Nachmittag. Auch mal schön ...

Aber das nächste Mal will ich bitte dann wieder im Flieger sitzen, in weniger als vier Wochen. Juchhe.