Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Gesammelte Werke

Hier wie versprochen aus Kuwait die E-Mail-Berichte, die an meine Verwandten rausgegangen waren; Bericht von heute kommt gleich, Fotos dann wahrscheinlich nach Rückkehr.

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Die letzte Meile
25. Februar 2015

... ist immer die schwerste, das ist in der Telekommunikation so und das ist auch beim Reisen so.

Die ersten Meilen heute waren leicht: Aus dem Hotel raus, über die vierspurige Straße, zur Bushaltestelle, Karte auf den Scanner, losfahren. Diesmal stand ich von Anfang an (hatte mir halt die Rush hour um 7.30 Uhr ausgesucht), was aber den Vorteil hatte, dass ich relativ problemlos an meiner Stammumsteigestelle in die U-Bahn (Bus-Linie 1 in U-Bahn-Linie 1) aus dem Bus kam. Wieder Karte über den Scanner und ab in den Süden zum südlichen Busterminal.

Es gibt in Teheran einige Busterminals, die im Wesentlichen nach den Himmelsrichtungen gehen: Es gibt am Azadi Square das westliche, bei mir am Hotel das östliche und eben das südliche Terminal. Im Norden gibt's keins, da sind nämlich die Berge im Weg, aber es gibt noch ein Rundumterminal, wo die Langstreckenbussen abfahren (wobei die wohl auch zum Teil an den anderen abfahren, sei's drum). Von jedem der drei Himmelsrichtungsterminals fahren die Busse in die jeweilige Himmelsrichtung ab, klingt logisch, ist es auch, vor allem, wenn man bedenkt, dass man sich so den Teheraner Stadtverkehr zu nicht unwesentlichen Teilen spart.

Am südlichen Busterminal war ich erstmal ein wenig überfordert, weil es ungefähr 283 Gesellschaften gibt, die Busse anbieten, aber keine einzige von denen hat - außer ihrer Internetadresse - irgendetwas auf Englisch angeschrieben. Ich lerne ja dazu und hatte mir eingeprägt, wie Ghom auf Persisch geschrieben wird (nämlich قم). Dadurch konnte ich zumindest ausmachen, welche Gesellschaften ziemlich sicher dorthin fuhren. Eine sah mir sympathisch aus, sodass ich auf sie zusteuerte. Der erste Typ sprach kein Englisch, der zweite, an den ich verwiesen wurde, dafür ganz gut, und als er und der Kassierer feststellten, dass ich Deutscher bin, konnten sie sogar "Wie geht's?" fragen und "ich liebe dich" sagen. Hach, diese Iraner sind so romantisch ...

Der eine Fahrkartenmensch brachte mich sogar zum Bus, sodass ich in der ersten Reihe saß (in den Überlandbussen ist das mit der Geschlechtertrennung offenbar nicht so genau geregelt; aber auf dem Heimweg wurde ich von meinem Platz verjagt, damit sich zwei Frauen nebeneinandersetzen konnten, während ich neben einem Mann saß ...). Die Abfahrtszeit war mit 8.45 Uhr angegeben, am Ende sind wir um 9.10 Uhr abgefahren. Wie in vielen Ländern jodelte der Bussteward noch die ganze Zeit unser Ziel aus dem Bus heraus, damit Leute, die nicht am Terminal, sondern an der Ausfahrt des Terminals oder sonst auf dem Weg standen, auch noch aufspringen konnten, was auch etliche taten. Das führte dann auch dazu, dass wir auf dem zweispurigen Autobahnzubringer etwa 100 Meter rückwärts fuhren, um den einen Typen zu fragen, ob sein Handzeichen bedeuten sollte, dass er mitfahren will, oder ob es eine Ablehnung war. Er wollte nicht mitfahren. Und das Zurückfahren war nicht etwa auf dem Seitenstreifen oder so, sondern auf der rechten Spur. Gehupt hat da aber keiner ...

Und dann ging es auf die iranische Autobahn. Wahnsinn. Dreispurig, jeder fährt in der Mitte; wenn der Bus von hinten kommt, fährt er so weit auf, dass man beim Vordermann den Tacho ablesen kann, und wenn der dann immer noch nicht zur Seite geht, wird halt gehupt, damit das was wird. Irgendwie müssen die Busse beim Auffahren auf die Autobahn irgendeinen Wisch ausfüllen, weshalb man dann immer rechts ranfährt, irgendwelche Typen den Bus begutachten und man dann nach fünf bis zehn Minuten weiterfahren kann. Sonst alles ganz entspannt. Aber Mutter, wenn du mir noch einmal damit kommst, ich würde zu dicht auffahren! Achja, gelegentlich steht da auch ein Schild mit der Aufschrift "Drive sober". Wie, ich dachte, hier gibt es keinen Alkohol ...

Der Bus hielt in der Vorstadt vom Ghom an, da stiegen einige, aber nicht viele Leute aus, also blieb ich sitzen. Die wussten vorne ganz genau, was ich wollte, da genoss ich es jetzt einfach mal, Tourist in einem touristenarmen Land zu sein und mir von denen helfen zu lassen. Naja, so ganz genau wussten sie es offenbar nicht, denn als wir schon weitergefahren waren, fiel ihnen auf, dass ich immer noch im Bus saß. Sie fragten, ob ich zum "Haram", zum Heiligen Schrein der Fatima-al-Massumeh, wollte. Ja, das wollte ich. Also ließen sie mich an einem anderen Auffahrt der Umgehungsautobahn um Qom heraus. Der Steward war sogar so lieb, mir noch ein Privattaxi zu besorgen, was mich dann meine letzte Meile zum  Schrein fuhr. Für die zehnminütige Fahrt zahlte ich fast so viel wie für die ganze zweistündige Busfahrt aus Teheran hierher (nämlich 7.000 Toman oder 1,80 € ...).

So, nun stand ich da in Ghom und sah eine große Moschee. Ich wusste nicht, ob ich da, wo "Entry - Men" dran stand, wirklich reingehen sollte oder ob das der Eingang für irgendeine andere Moschee war. Ich gucke mal hier, mal da, und schließlich ging ich da rein. Die Taschenkontrolle bestand ich unbeschadet (ich hatte mir heute Morgen aus der Rezeption extra meinen Pass geben lassen, man weiß ja nie, wenn man über Land fährt, aber heute Abend wollte der Rezeptionist den schön wieder zurückhaben, wieso auch immer ...) und dann stand ich in einem schon sehr hübschen Innenhof mit Moschee.

Die ganzen Leute gingen da hinten rein, wo mit Pfeilen und auch in englischer Sprache auf den Schreinzugang hingewiesen wurde. Naja, dann ging ich da halt auch rein. Schuhe aus, in die Tasche (kein Zwang zur Abgabe, wofür man dann manchmal, zum Beispiel, in Istanbul auch wieder 30 Cent zahlt, sondern einfach ganz entspannt in bereitgestellte Plastiktüten) und rein in den Schrein.

Wow. Naja, das ist jetzt eigentlich erstmal eine Moschee. An der Decke sind aber Spiegel und an den Wänden wieder einmal jede Menge blau-weißer Kacheln (allein deswegen wird meine Mutter demnächst in den Iran wollen, fürchte ich). Sehr schön. Und dann der Schrein. Ich bin gar nicht so nah heran, aber auch aus der Ferne war das eine beeindruckende Atmosphäre. Das ist immer so schwer zu beschreiben: Ich mag das Wort "spirituell" nicht, denn "spirituell" ist alles und nichts, meistens eher nichts. Das hier war faszinierend. Da sitzen einige hundert Menschen in der Moschee und man hört kaum etwas. Du beobachtest die Menschen, wie sie diesen Schrein, der im Übrigen besonders für Frauen wichtig zu sein scheint, berühren und an ihm beten. Das ist sehr interessant, gar keine Frage.

Nun bin ich ja aber kein Muslim und habe daher keinen spirituellen Draht zu diesem Schrein, deswegen ging ich erstmal wieder aus der Moschee raus und guckte mir die Architektur an. Doppel-Wow. Ich muss ja gestehen, ich wusste nicht so richtig, was moscheearchitektonisch hier im Iran auf mich zukommt, aber das ist wirklich schön. Diese buntbemalten Kacheln sind einfach toll, auch wenn ich mich wiederhole. Und ja, die Fotos kommen bald.

Ich ging ein wenig durch Qom und fand wieder einmal kein ansprechendes Restaurant zum Mittagessen, sodass ich mir an einem Straßenstrand zwei Falafel und eine Samosa holte (eine Teigtasche mit Kartoffel-Fleisch-Füllung, sehr lecker, schon in Indien probiert, auch hier gut essbar).

Ich suchte mir einen Taxifahrer, der mich für gutes Geld nach Jamkaran fuhr. Dort ist eine Riesenmoschee, die architektonisch von den Bildern, die ich gesehen habe, auch sehr schön ist. Und ja, sie war sehr, sehr schön. Das ist ein riesiger Komplex, an dem heute ziemlich wenig los war, ein, naja, vielleicht zwei Fußballfelder großer "Hof", der an einer Seite von der Moschee, an den anderen drei Seiten von zum Teil noch im Bau befindlichen anderen Gebäuden begrenzt ist. Toll, aber kaum zu beschreiben, wenn man keine Fotos beilegen kann. Sorry. Wie gesagt, kommen bald.

In die Jamkaran-Moschee ging ich nicht rein, weil irgendwo im Internet stand, dass man sie als Nicht-Muslim nicht betreten dürfe. Wenn dem tatsächlich so ist, halte ich mich natürlich daran, wobei sie das, wenn es denn tatsächlich so ist (ich weiß, dass ich mich wiederhole), dann ruhig auch (auf Englisch) hinschreiben könnten. "Donation" kriegen sie nämlich an die Spendenboxen hingeschrieben. Es kann aber auch gut sein, dass diese Information schon seit einigen Jahren veraltet ist. Ich habe den Eindruck, dass der Iran in den letzten zwei, drei, vier Jahren angefangen hat, sich auch auf nichtmuslimischen Tourismus einzustellen und dass im Zuge dieser Entwicklung (wenn nicht wieder eine Wahl mit anschließenden Protesten dazwischenkommt) einige Lockerungen eingetreten sind. Jedenfalls wollte ich nicht das Risiko eines internationalen Zwischenfalls eingehen und blieb draußen.

Mein Taxifahrer, mit dem ich mich verabredet hatte, kam nicht, also nahm ich, nachdem ich ihm eine Karenzzeit von 15 Minuten gewährt hatte, ein anderes Taxi, das mich sogar billiger kam. Ich kam gerade am Busbahnhof an, als schon ein Bus fuhr, und schon war ich wieder auf dem Heimweg nach Teheran. Ab in die U-Bahn und in die Sardinenbüchse Bus und heimwärts ins Hotel. Pass wieder abgegeben und ins Zimmer.

Ich muss mal Geld zählen, ich glaube, ich habe noch viel zu viel übrig. Mal gucken, wo ich das morgen noch ausgeben kann. Im Zweifel wechsle ich ein bisschen zurück ...

Eine Sache will ich noch loswerden, ehe ich mich an ein vorläufiges Fazit mache: Gestern ist in der Seilbahn kam mir eine Gondel entgegen, in der ein Pärchen saß, das, sagen wir, am Schmusen war. So viele Gelegenheiten, hier in der "Öffentlichkeit" Zärtlichkeiten auszutauschen, gibt es halt nicht ...

So, Iran, was wolltest du mir sagen? Oder, vielmehr, was soll ich zu dir sagen? Vielleicht beides. Also. Teheran (viel mehr habe ich ja - außer heute - nicht vom Iran gesehen) ist sehr widersprüchlich, finde ich. Es gibt hochmoderne und auch ziemlich effiziente Verkehrsmittel, aber gleichzeitig diesen superchaotischen Straßenverkehr. Es gibt hübsche Frauen, die geschminkt sind und alles, aber eben dieses Tuch noch pro forma auf dem Kopf haben müssen. Es gibt Hipster (auch unter den jüngeren Damen) und schwarze Gestalten (Nikabs, also solche Schleier, bei denen nur die Augen frei sind, habe ich übrigens keinen einzigen gesehen). Es gibt die zurückhaltende Gastfreundschaft dem Ausländer gegenüber, aber auch "Down with America"-Plakate an den Straßen. Es gibt für jeden Laden eine Internetadresse, aber du kannst auf die Süddeutsche Zeitung, auf Facebook und Twitter nicht zugreifen.

Der Iran ist definitiv kein touristisch geprägtes Land und will das sicherlich auch nicht sein. Es ist ein faszinierendes Land, nicht immer ein einfaches (man kommt zwar mit zwei, drei Floskeln Persisch relativ weit, aber es reicht halt nicht für ein Gespräch, weil Englisch dann doch nicht so tief verbreitet ist, dass man über "Wie geht's?", "Ich will zum Tajrish Square", "Okay, kostet 20.000 Toman." sehr häufig hinauskäme). Die Iraner sind nicht unbedingt sofort herzlich (aber immer höflich), man muss oft den ersten Schritt machen, was aber sicher auch an der Sprachbarriere liegt.

Kann man allein durchs Land reisen? Ja, ohne Zweifel. Ist es einfacher mit einer Gruppe? Wahrscheinlich ja, einfacher schon, aber ich weiß halt nicht, ob man so viel mit den normalen Menschen interagieren kann und muss, wenn man im Touristenbus durch die Gegend fährt. Wahrscheinlich sieht man mehr von den "Sehenswürdigkeiten", weil man sein Transportmittel immer dabei hat. Aber andererseits finde ich es, gerade hier im Iran, auch sehr sehenswert, die Leute zu beobachten, weil mich das ungeheuer interessiert hat, wie die Menschen in diesem Land denn wirklich so leben. Mullah, Ajatollah, Atombombe, Auspeitschungen, das hört man ja immer in den Nachrichten, aber man sieht dort natürlich nie, wie die einfachen Leute hier ihren Alltag verbringen.

Wiederkommen? Wieso nicht? Aber ich merke gerade, ich glaube, ich brauche erstmal ein bisschen Abstand von diesem Land, nicht, weil es so schlimm wäre, das keineswegs, sondern weil es so anders, so spannend, so faszinierend war, dass das erstmal sacken muss.

Morgen schlafe ich aus, dann werde ich mir nochmal ein bisschen in der Stadt die Zeit vertreiben und mich dann so gegen 14 Uhr zum Flughafen fahren lassen. Mein Flieger geht um 18 Uhr, sodass ich auch bei Stau (morgen fängt das Wochenende an) rechtzeitig ankommen sollte, hoffe ich. Ja, und morgen Abend bin ich dann in Kuwait, in meinem 97. Land, wo ich die Nacht und den ganzen Freitag bleibe, ehe ich am frühen Samstagmorgen schon wieder nach Hause fliege.

Ich habe eben schon einer Freundin im Chat geschrieben: Die erste Amtshandlung wird ein Steak und ein Guinness im Sherry & Port sein, das Steak schön medium (kriegt man ja hier wegen der Schächterei nicht) und das Bier schön kalt. Oh ja.

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Cheili mamnun
24. Februar 2015

Qom. Oder Ghom. Oder wie auch immer. Jedenfalls war ich heute nicht da.

Ich schaute um 6 Uhr morgens, als mein Handy klingelte, auf selbiges und hatte schon keine Lust. Dazu kam, dass der Wetterbericht inzwischen für heute wunderbares Wetter und für morgen bewölkten Himmel anzeigte. Vorgestern hatte das für die beiden Tage noch gerade andersherum ausgesehen. Naja. Um es vorwegzunehmen: Strahlendblauer Himmel war heute nicht mehr und nicht weniger als die letzten Tage; es war sehr okay, aber unbewölkt war es wirklich nicht.

Ich stand halt dann erst um halb neun auf (immer noch sechs Uhr deutscher Zeit, gell?!), zog mich in Ruhe an und machte mich auf den Weg zur Talstation der Gondelbahn hoch in die Berge. Dazu setzte ich mich wieder in den Bus (ich habe dann heute bemerkt, dass mir die Karte gar nicht immer den vollen Tarif abbucht, sondern das offenbar nach Strecke macht; ich hatte gestern vorsichtshalber aufgeladen und habe aber immer noch - inzwischen hoffe ich, die persischen Zahlen halbwegs draufzuhaben - ganz schön viel - naja, etwas über einen Euro, aber das hält halt - drauf). Wie gestern hatte ich einen Sitzplatz  in der Sardinenbüchse, bis ich dann auf halber Strecke aussteigen musste. Zum Glück hatte ich das ausreichend gut vorbereitet und mich schon unmittelbar nach der Station vor meiner Aussteigestation auf den Weg gemacht: Das hat dann gereicht.

Ich stieg um in die U-Bahn und fuhr mit der Linie 1 hoch bis in den äußersten Norden. Ich muss schon sagen, das U-Bahn- und Schnellbussystem in Teheran ist erste Sahne. Viele Bahn- und Bushaltestellen sind miteinander verknüpft (zwar nicht barrierefrei, aber mir ist es - ehrlich gesagt - egal, ob ich zweimal 11 Cent bezahle oder nur einmal), an vielen Stellen sind Fußgängerbrücken (sogar teils mit Rolltreppen!) und kein Mensch hat ein Problem mit den praktischen Chipkarten, selbst die älteren Leutchen benutzen die ganz selbstverständlich. Es ist mir nur völlig unklar, wie die Verkehrssituation ohne dieses System aussehen würde: Es wäre katastrophal, so ist es nur jeden Tag ein neuer Verkehrsinfarkt ...

Ich kam also an der Endhaltestelle der Linie 1 in Tajrish an und musste erstmal gucken, wie ich jetzt zur Talstation komme. Dieses Taxisystem verstehe ich nicht, und als ich einem Taxifahrer das Ziel zeigte (auf Persisch), hielt er mir einen langen Vortrag, den ich natürlich nicht verstand. Tja, Bürschchen, hättest dir gutes Geld verdienen können, aber wahrscheinlich hat er nicht damit gerechnet, dass so ein bekloppter Ausländer das ganze Taxi chartert. Der nächste Fahrer sprach ein bisschen Englisch und bekam gutes Geld für die Fahrt berghoch zur Talstation ... Überhaupt habe ich, glaube ich, heute die Finanzen der gesamten Taxifahrermafia von Teheran-Nord saniert. Andererseits: Für drei Euro kann ich in Wiesbaden gerade ins Taxi einsteigen ...

Weiter als bis zum Parkplatz durfte oder wollte mein Taxifahrer nicht fahren, sodass ich noch zwei Kilometer zu Fuß bis zur richtigen Talstation hätte gehen müssen. Zum Glück kam ein Shuttlebus, der uns für knapp 30 Cent die Strecke fuhr. Das war es mir wert.

Schon von da unten ist der Blick auf die Berge fantastisch. Nach einigem Suchen kaufte ich mir eine Hin- und Zurückkarte und meinte schon, der Verkäufer (der Englisch sprach) hätte mich falsch verstanden, weil ich nur 25.000 Toman statt 35.000 Toman bezahlte. Es stellte sich dann aber während der Fahrt heraus, dass die Bergstation (Station Nr. 7, insgesamt gibt es vier ...) heute und wahrscheinlich im Winter nicht befahren wird, daher brauchte und bekam ich auch nur die Karte bis zur Station Nr. 5, also der zweihöchsten.

Naja, und dann stieg ich - die Tür war ein bissel eng für mein Ränzelchen - in die Gondel ein. Ich hatte eine Sechsergondel für mich allein, aber das lag nicht an meinem Gewicht, sondern daran, dass heute wenig los war. Von 1.800 Meter ging es mit kurzem Zwischenhalt auf Station Nr. 5 hoch auf 2.900 Meter. Während es unten im Tal noch ziemlich schneefrei war, war schon Station Nr. 3 ziemlich im Schnee und auf der Berg- und Talfahrt zu Station Nr. 5 wurde es dann richtig kalt, schneereich, schön und dann leider zunehmend neblig.

Als ich oben auf 2.900 Metern ankam, lag da ziemlich gut Schnee. Den Kindern gefiel das natürlich sehr gut. Leider war die Aussicht ins Tal (Teheran lag hinter einem Bergrücken) nicht vorhanden und auch hoch in die Berge konnte man nur selten einen Blick erhaschen. Die Sichtweise wechselte alle paar Sekunden von "wunderschöner Blick auf den Elburs" bis zu "wo genau ist nochmal meine Nasenspitze?". Jetzt verstehe ich, wenn Leute sich auf einmal in den Bergen verirren, auch wenn sie nur wenige Meter von der Hütte entfernt sind. Krass.

Auf einmal stapfte die Bergwacht vorbei, und ich bin nicht sicher, ob auf der Trage wirklich einer lag oder ob das nur eine Übung war. Ich hoffe auf Zweiteres. Ein paar Helden versuchten mit ähnlich, ähem, guter Ausrüstung wie ich den Aufstieg zur Station Nr. 7 (man kann alle Station erwandern), aber ohne Stöcke und mit zwar Winter-, aber keinen Schneeschuhen war das ein aussichtsloses Unterfangen, was sie glücklicherweise auch bald einsahen. (Ich hatte es gar nicht erst probiert, ich bin doch nicht völlig bekloppt!) Da oben war richtig kalt. Daher war ich froh, als ich wieder die Bahn nach unten nehmen konnte.

An der Zwischenstation (Nr. 3, hieß jetzt aber Nr. 2 ...) guckte der Typ ein bisschen blöd, als ich aussteigen wollte, aber er ließ es wenigstens zu. Der Blick auf Teheran wurde von dort oben zwar vom Smog ziemlich getrübt, es war sehr diesig, aber man konnte trotzdem erahnen, was für ein riesiger Moloch die iranische Hauptstadt sein muss. Selbst der Milad-Turm war nur schemenhaft zu erkennen. Sehr beeindruckend.

Ich fuhr runter, aß in einem Schnellrestaurant an der Talstation ein - durchaus leckeres - Sandwich mit Geflügelwurst, Hackfleisch und anderem Gedöns und lief dann die anfangs beschriebenen zwei Kilometer bergab zu Fuß. Ich verhalf auch dem zweiten Taxifahrer zu Wohlstand und fuhr dann mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, weil dort ein schönes Teehaus sein sollte.

Inzwischen fange ich ja an, einzelne Buchstaben entziffern zu können, aber das heißt ja noch lange nicht, dass ich verstehen würde, was da geschrieben steht. Ich suchte und suchte also, fand kein Teehaus und fuhr mit einmaligem Zwischenstopp am Theater zurück in Richtung Tehranpars und östlichem Busbahnhof. Bei der Einfahrt in die Schlusshaltestelle sah ich eine Gaststätte, die ich aufsuchte. Mit Händen und Füßen bestellte ich zwei Hähnchenspieße, die wirklich sehr lecker waren, und holte danach bei meinem Stammhändler (der gerade zu machte) eine Flasche Fanta für den Abend und die Nacht.

Nun sitze ich - ich hatte Internet heute sogar kurzzeitig im Zimmer! - hier neben meinem Bett und schreibe mal wieder "Blog".

Vier Sachen will ich noch loswerden: Manchmal stehen hier vor Gaststätten (oder eine Tante schwingt so ein Gefäß, das ich für Weihrauch kenne, in der Gegend rum) mit einem Zeug daran, das so widerlich stinkt, dass ich beim ersten Riechen fast in die nächste Ecke ... gerannt wäre, um möglich weit weg davon zu sein. Boah. Und sowas steht vor Lokalen!?!

Auch wenn das wahrscheinlich niemanden überrascht, aber auch hier rennt jeder mit Handys rum. Man sieht noch das eine oder andere offenbar ältere Klapphandy, aber die meisten Jungen und viele Mittelalte haben selbstverständlich Smartphones. Samsung ist sehr beliebt, ein iPhone habe ich noch nicht gesehen. Mag aber natürlich hauptsächlich an den Sanktionen liegen ...

Ich werde hier in der U-Bahn regelmäßig angequatscht und muss den Leuten dann verständlich machen, dass ich keine Ahnung habe, wovon sie reden. Manche denken wahrscheinlich, ich bin taub, weil ich so eine kreisende Bewegung am Ohr mache, während ich mit dem Kopf schüttle, aber das versteht man am ehesten, denke ich. Ich bin aber froh, dass ich nicht sofort für einen Russen gehalten werde. Wahrscheinlich sind hier Touristen in der U-Bahn so selten, dass die meisten gar nicht auf die Idee kommen, da könnten Ausländer mitfahren.

Die Iraner sind, wenn sie (dann) merken, dass ich Ausländer bin, relativ zurückhaltend. Keineswegs unfreundlich, aber zurückhaltend. Wenn ich mir aber dann beim Rausgehen die Zunge verschlucke und "cheili mamnun" sage (was "danke" heißt) oder auch "chodahafez" ("Auf Wiedersehen"), dann guckt mich jeder, aber wirklich jeder Iraner an wie ein Auto. Jeder! Auf einmal trauen sie sich dann, ihr Englisch zu versuchen, fragen, wo ich herkomme, was ich beruflich mache, und verabschieden sich nach dem kurzen Gespräch mit Handschlag. Man liest ja viel, dass die Einheimische es in vielen Ländern sehr honorieren, wenn man ein paar Brocken ihrer Sprache spricht, aber so heftig wie hier im Iran habe ich das noch nie erlebt.

Morgen soll es aber dann wirklich nach Ghom gehen (Ghom ist laut Wikipedia die deutsche Schreibweise, Qom die englische; daher verwende ich jetzt die deutsche).

Und dann ist meine Zeit hier im Iran auch schon wieder fast vorbei. Am Donnerstag Abend geht es dann über Manama (Bahrain) nach Kuwait. Wird auch spannend.

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We do not only have terrorism here
23. Februar 2015

Ich hätte es gestern einfacher haben können, als ich zum Azadi Square wollte. Ich hätte nicht im Zickzack durch Vorstadtstraßen in Richtung U-Bahn-Haltestelle gehen müssen. Ich hätte nicht auf halber Strecke aus der einen überfüllten U-Bahn in die andere überfüllte U-Bahn umsteigen müssen. Ich hätte einfach gegenüber des Hotels in den Schnellbus einsteigen müssen und wäre am gegenüberliegenden Ende der Stadt, nämlich am Azadi Square, angekommen. Hätte, hätte, Fahrradkette, wie man so eloquent sagt.

Zuvor habe ich heute Morgen aber gefrühstückt und mein Hotel scheint, ich ziehe das offenbar so ein bisschen an, ein Hotel für eher konservative Leute zu sein. Heute Morgen gab es ungefähr eine Frau (ins Zahlen: eins), die nicht so eine schwarze Gestalt mit einem schwarzen Ganzkörperumhang, schwarzer Hose und schwarzen Schuhen war. Selbst die Mädchen waren ab, ich weiß nicht, 10, 12 Jahren alle so gekleidet. Zum Frühstück gab es - neben Ei, Tomaten, Gurken, Gemüsemortadella und Weichkäse - eine braune Soße mit Pilzen und Kichererbsen, die, wenn sie warm gewesen wäre, sicherlich geschmeckt hätte. So war sie allenfalls noch lauwarm und nicht so richtig lecker. Ebenfalls gab es eine braune Paste, die recht gut schmeckte, wobei ich aber nicht weiß, woraus sie bestand. Meiner Ma hätte es beim Frühstück eher nicht gefallen: Der Frühstücksraum war so schwülstig eingerichtet, aber dafür waren die Tischdecken vollgekleckert und kein Mensch räumte die Tische ab. Naja, ab in die Stadt.

Ich betrat also - wieder mit meiner schicken Chipkarte - den Zusteigebereich. Bei den Bussen ist das anders als in der U-Bahn, es gibt nämlich eine strikte Geschlechtertrennung: Frauen sitzen vorne, Männer hinten. In der U-Bahn ist das so halbdurchlässig: Frauen dürfen in den allgemeinen Bereich, haben aber auch zwei Waggons exklusiv für sich. Da habe ich mir gestern wahrscheinlich auch gleich mal einen Fauxpas geleistet, als ich der Dame in der U-Bahn den Platz anbot: Womöglich setzt sich eine iranische Frau nicht zwischen zwei fremde Männer, und neben mir saßen halt nun einmal auch Männer. Naja, böse gemeint war es jedenfalls nicht, und ich hatte den Eindruck, dass sie das auch gemerkt hat.

Aber zurück in den Bus: Ich ergatterte, da ich an der Abfahrtshaltestelle einstieg, einen Sitzplatz, den ich bis zum Azadi Square nicht mehr hergab. Wir fuhren durch den östlichen Teil der Stadt und ich konnte mir nun ein Bild von Teheran über der Erde machen (bisher, also, öhem, gestern, war ich ja fast nur U-Bahn gefahren und dann irgendwo aus der Unterwelt erschienen, jetzt konnte ich mal ein längeres Stück überirdisch gucken). Naja, so richtig total megabegeisternd ist das alles nicht unbedingt. Die Häuser sehen jetzt nicht alle so arg gepflegt aus, der Verkehr ist halt schon nicht ganz ohne (auch wenn der Schnellbus auf seiner eigenen Spur fährt und daher sehr gut vorankommt), alles in allem chargiert Teheran zwischen Grau und Braun (viele Autos sind in einem fröhlichen Weiß angestrichen), unterbrochen von den vielen Leuchtreklamen, die es hier an den Häusern gibt.

Am Azadi Square stieg ich aus, kaufte mir wieder etwas zu trinken und fuhr dann mit der U-Bahn in Richtung Innenstadt zurück. Ich wollte noch etwas essen und dann zum Golestan-Palast. Ich stieg am Theater aus und suchte eine Gaststätte, die im Online-Reiseführer empfohlen war. Wie so oft fand ich sie nicht. (In Zukunft sage ich nicht mehr, dass ich etwas nicht gefunden hätte, ich sage dann, ich betreibe Experimentalreisen, das klingt einfach kompetenter ...) Es gab die eine oder andere Gaststätte drumherum, aber so richtig Hunger hatte ich - zwei Stunden nach einem zwar nicht üppigen, aber eben einem Frühstück - noch nicht. Ich lief an dem einen oder anderen Schuhgeschäft vorbei, an - wieder einmal - geschätzt zwanzig Banken (es gibt hier unendlich viele Kreditinstitute, irgendein kluger Mensch hatte die Idee, anstatt "Bank" manchmal "Credit Institution" als englische Übersetzung zu verwenden, was speziell bei der "Samen Credit Institution" ganz gut ist, sonst hätten sich viele Deutsche wahrscheinlich jedesmal scheckig gelacht, wenn sie an so einer Bank vorbeifahren) und an einigen Wechselstuben. Ich hatte zwar noch über eine halbe Million (Rial, nicht Toman!), aber da ich sicherlich noch den einen oder anderen Tomas ausgeben wollte, wechselte ich.

Die Wechselstuben haben nicht alle ihre Kurse in "unseren" Zahlen, die wir "arabisch" nennen, angeschrieben, sondern oft auch in persischen Zahlen, die den in arabischen Staaten als "arabisch" verwendeten,  ziemlich ähnlich sehen. Und dann steht da halt nicht "3915" (Toman für einen Euro), sondern "۳۹۱۵". Man braucht ein bisschen, bis man das kapiert hat, aber mit den Zahlen geht es noch relativ einfach. Bei den Buchstaben tue ich mich schon sehr schwer, Kyrillisch und Griechisch sind da sehr einfach dagegen, zumal ich hier gar nicht immer genau weiß, wo ein Buchstabe aufhört und der nächste anfängt. Und außerdem haben die ja noch diese Unart der Schönschrift: Wenn die Kalligrafie-Persisch schreiben, steigt ohnehin jeder normale Mensch aus.

Ich ging in die Wechselstuben rein, schob meine 100 Euro rüber, bekam meine fast 4 Millionen Rial (ach, komm, ich schreibe jetzt wirklich nur noch in Toman, also fast 400.000 Toman) und hatte kein Wort mit dem Wechsler gesprochen.

Ein paar Meter weiter lief ich an der türkischen Botschaft vorbei, als mir am Haus daneben so ein Gummivogel an der Wand ins Auge fiel. Ich hatte - wirklich und ernsthaft zufällig - die deutsche Botschaft gefunden! Juchhe. Leider stand auch am Zaun der Botschaft sehr eindeutig "No photos", sodass ich das nach der Erfahrung gestern Morgen auch sein ließ. Denn Polizei ist wirklich viel auf den Straßen. Ich kann nicht so richtig einschätzen, ob alle für alles zuständig sind (eher nicht), aber an jeder Straßenecke steht, wenn auch nicht ein Mullah, so doch ein Polizist in der Gegend herum.

Ich hatte mich jetzt entschieden, erst nach dem Golestan-Palast zu essen und machte mich auf den Weg dorthin. Ich hatte mich ja heute Morgen entschieden, Experimentalreisen zu betreiben und also auf Google Maps nicht nachgeschaut, wo genau denn der Palast liegt. Ich wusste, wo er ungefähr sein müsste, lief aber nicht zum Eingang, sondern zum diagonal entgegengesetzten Punkt, wo man nicht mal erkennen konnte, dass man relativ in der Nähe war. Voll absichtlich, ey! Plötzlich war ich wieder am Basar. Wenn ich gestern Morgen dachte, dass die Hölle los war, dann wurde ich heute mächtig eines Besseren belehrt: Heute war da voll. Richtig voll. Tausende Menschen, die kaufen und verkaufen, plötzlich fährt eine Kutsche vorbei (eine Kutsche!), du wirst - wie fast überall in Teheran, aber am Basar noch mehr - von auf dem Bürgersteig (!) fahrenden Mopeds über den Haufen gefahren, es war so eng, dass man kaum aneinander vorbeikam. Toll, zumal ich mich hier auch wirklich sicher fühle ...

Ich umrundete also diesen Komplex, der auf der rudimentären Mappe von Google Maps möglicherweise ein Museum anzeigen konnte, und sah, nach einigem Suchen und ohne einen Wegweiser entdeckt zu haben, plötzlich das Ziel meiner Reise: den Golestan-Palast. Beim Eintritt nehmen sie den Ausländern ungefähr das Achtfache ab, was sie von einem Iraner verlangen, aber 50.000 Toman (etwa 13 Euro) für das Rundumpaket in einem Weltkulturerbe ist immer noch okay, finde ich. "Rundumpaket", weil man - zusätzlich zum eigentlichen Eintritt für 15.000 Toman - noch für jeweils 5.000 Toman zusätzliche Eintrittskarten für "Unter-Museen" erwerben kann. Der relativ ahnungslose Tourist nimmt natürlich das "Rundumpaket", was kein wirklicher Fehler war, aber auch nicht unbedingt nötig. So richtig lohnt sich eigentlich - meines kunstbanausigen Erachtens nach jedenfalls - nur die Salam Hall (der Empfangssaal), wobei in dem Paket auch noch der Spiegel- und der Elfenbeinsaal enthalten sind. Die anderen Museen sind ganz okay und für jeweils 1,30 € kann man auch überhaupt nichts sagen, aber sooooo toll sind sie dann auch wieder nicht.

Jetzt habe ich aber ein wenig vorweggenommen, denn erstmal musste ich die Anlage ja betreten: Wow. Zwar waren heute die Springbrunnen abgeschaltet (es ist Winter, auch hier in Teheran), aber der Blick auf den Marmorthron und das ihn umgebende Gebäude sind schonmal ein sehr schönes Willkommen im Golestan-Palast. Selbst das Gebäude, das heute als Verwaltungsgebäude dient, ist so schön mit Kacheln verziert, dass es prompt fotografiert wurde. Danach ging ich an einer - ebenfalls sehr schön - verzierten Terrasse vorbei, ehe ich die ersten beiden Museen aufsuchte: eine persische Bildsammlung und eine Ausstellung von Geschenken an den Shah. Anschließend ging es - mit Überschuhen an den Füßen - die Treppe hoch zu den Hauptsälen des Palastes. Fotografieren ist auch hier verboten, was sehr, sehr, sehr schade ist, denn der Spiegelsaal und vor allem der Empfangssaal, in dem der Shah Gesandte begrüßte, sind atemberaubend. Und zwar so atemberaubend, dass selbst der Iraner sich beim Betreten des Saales ein "wow" nicht verkneifen wollte. Für das Selfie mit ihm ("we do not only have terrorism here") stand ich gerne bereit, für den Anschiss (Fotografieren verboten!) musste er selbst geradestehen. Er betonte beim Selfiemachen übrigens, dass er nicht schwul sei. Na dann.

Der Spiegelsaal ist - surprise, surprise - voller Spiegel. Sorry, das ist jetzt schwer zu beschreiben, weil das ein ganz eigenartiges Gefühl ist. Ich war noch nicht in Versailles, aber die Franzosen müsssen sich anstrengen, um das hier toppen zu können. Wahnsinn.

Der Empfangssaal dann ist nochmal wahnsinniger: Mehrere Kronleuchter, auf dem Boden bemalte Kacheln, an den Wänden Stuck über Stuck, hinten im Raum der Riesenthron (nicht der Pfauenthron!). Das ist der Hammer. Und dafür dann auch (nur!) 1,30 € Eintritt zu verlangen, ist schon kurios.

Ich umrundete die Anlage weiter gegen den Uhrzeigersinn. Leider war der Brillantensaal zu (der soll auch toll sein), aber das "Gebäude der Sonne", das danach kommt, haut dich schon wieder um (und diesmal auch mit Fotos, irgendwann): Diese bunt bemalten Kacheln sind einfach etwas unglaublich Schönes. Das Gebäude hat zwei hohe Türme, von denen der Shah einen Panoramablick auf die ganze Stadt hatte. Man kommt da zwar nicht rein oder gar hoch, aber schon von außen ist das sehr beeindruckend. Auch der wenige Meter danebenstehende "Gebäude der Windfänger", mit dem die Anlage im Sommer gekühlt wurde, ist wunderschön anzusehen. Weniger beeindruckend sind das Fotografiemuseum und das ethnografische Museum (bei diesem am interessanten sind die Fotografien aus der Revolutionszeit).

Irgendein Museum hatte ich nicht gefunden, aber die 1,30 € verschmerzte ich. Weniger schmerzunempfindlich waren meine Füße: Die brannten schon jetzt wie Feuer, sodass ich mich gelegentlich auf eine Bank niederließ und meinen Füßen eine Pause gönnte. Nach einiger Erholungszeit verließ ich den Palast. Unbedingt empfehlenswert (haben übrigens auch die ganzen anderen Deutschen, die heute im Golestan-Palast waren, offenbar so gesehen).

Gegenüber des Basars hatte der Reiseführer von guten Falafelständen gesprochen, und gut sind sie allemal. Für 2.500 Toman (65 Cent) erhält man ein großes Brot mit vier, fünf Kichererbsenbällchen und kann sich dann selbst mit Gurke, Tomate, Kohl und Ketschup das Falafel verfeinern. Nach dem ersten aß ich noch ein zweites, so gut waren sie und so hungrig war ich.

Ein Teehaus fand ich auch heute nicht, sodass ich in die U-Bahn stieg, in Richtung Schnellbusstrecke fuhr, dort umstieg und schließlich schon wieder früh am Hotel ankam. Ich kaufte noch eine Fanta von einem freundlichen Händler, der mich als zweiter Iraner (nach dem im Empfangssaal) fragte, wo ich denn herkäme. "Almanya" kommt immer gut.

So, jetzt ist Feierabend für heute.

Beim Surfen im Internet fiel mir auf, dass die Internetseite der Süddeutschen Zeitung ebenfalls - natürlich nur aus rein technischen Gründen - gesperrt ist. Spiegel und FAZ gehen aber, sehr interessant.

Die sonst so beliebte Bierkunde fällt aus (naja, fast: es gibt hier überall alkoholfreies Holsten-Bier - pfui Teufel). Zu berichten gibt es trotzdem ein bisschen was: Coca Cola oder Pepsi bekommt man hier völlig problemlos in jedem Straßenkiosk; was man auch gut bekommt und was - mir - gut schmeckt, ist Doogh. Das ist so etwas Ähnliches wie das türkische Ayran, nur dass das hier - soweit ich es bisher kennengelernt habe - mit Pfefferminz verfeinert wird. Also lecker. Tee gibt es in allen Variationen, auf Kaffee habe ich - naturgemäß für mich - nicht so geachtet.

Achso, heute Morgen beim Telefonieren fiel mir eine Weltkarte im Stock obendrüber ins Auge. Natürlich musste ich gucken, wie sie die Situation in Nahost darstellen: Also, das Westjordanland gehört zum Oman (soll Jordanien sein, klar), und das Land dazwischen heißt "Palästina". Ich zitiere Pippi Langstrumpf: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Morgen geht es vielleicht nach Qom, mal sehen, wie früh ich wach bin. Denn übermorgen soll das Wetter ganz toll sein (es war auch die letzten beiden Tage viel blauer Himmel) und da will ich mal sehen, ob ich mir einen Blick von oben aus den Bergen auf Teheran gönne. Naja, und am Donnerstag habe ich ja noch einen halben Tag, ehe es dann wieder an den Flughafen und nach Kuwait geht.

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Azadi
22. Februar 2015

So, die Fahrt zum Flughafen war wie immer relativ ereignislos und beim Check-in guckte die Dame nicht mal nach, ob ich irgendetwas dabei habe, ein Visum oder fürs Visum nötige Unterlagen oder was auch immer. Wenn ich bedenke, was mitteleuropäische Fluglinien da für ein Geschiss machen, gute Güte ... Ich bekam zwar meine Bordkarte für den Flug nach Istanbul nach Teheran noch nicht, aber das lag eher daran, dass ich so früh dran war und längeren Aufenthalt in Istanbul hatte als alles andere.

Der Check-in war im C-/D-Riegel am Flughafen, sodass das Gate sowohl eine C- als auch eine D-Bezeichnung hatte. Das sorgte für einige Verwirrung, weil am C-Gate vorher noch ein Lufthansa-Flug abgefertigt wurde (wo sich das Bodenpersonal über einige Dinge deutlich hörbar nicht immer einig war ...), aber ausnahmsweise blieb ich in der Situation ruhig und fing nicht an, wie Rumpelstilzchen von Bodentante zu Bodenonkel und zurück zu springen.

Ich beobachtete unseren Flieger bei seiner (verspäteten) Landung, also bei Flightradar und live, und stellte dabei fest, dass es sich bei den Radardaten zumindest für Pegasus tatsächlich um Echtzeitdaten handelte. Schick. Das war so ein "5, 4, 3, ... da isser"-Moment ...

Auf dem Istanbul-Flug verjagte ich eine Mutter vom Fensterplatz, aber den wollte dann schon ich haben, wenn ich den unter Aufwendung letzter Internetkörner schon erobert hatte. Da wir aber im Landeanflug auf Istanbul eine weite Schleife übers Marmarameer flogen, brachte mir der Platz auch nicht so viel. Naja, hab Istanbul ja schon bei Nacht gesehen.

Am Transferdesk herrschte mal wieder Chaos, aber ich bekam, als ich dann endlich dran war, sehr schnell und unkompliziert meine Bordkarte ausgedruckt. Ich speiste ein deliziöses Abendessen im Flughafen-Burger-King und setzte mich dann zwei Stunden vor Abflug ans Gate. Das blöde Flughafen-WLAN beschiss mich: Es hat zwar jetzt meine Kreditkartendaten und bucht bestimmt die drei Euro nochwas ab, aber von meinen zwei Stunden gebuchten Internet hatte ich exakt null Sekunden etwas. Helden der Steinzeit, also wirklich. Wenn die das wirklich abbuchen, mache ich mal wieder Terz ...

Der Abflug verzögerte sich etwas, weil sich drei Familien wegen ihrer Sitzplätze in die Haare bekamen, aber die Stewardessen bekamen es nach endlicher Zeit geregelt. Sehr schön. Der Flug nach Teheran war kurz, ich konnte nicht schlafen, aber hey, was soll's?

Ich stiefelte in Teheran nun also zum Visaschalter, bekam einen Zettel mit der Aufschrift "60 €" und wurde drei Meter weiter zur Bank geschickt. Dort drückte ich das Geld ab und stellte mich gerade soeben vor einer größeren italienischen Reisegruppe wieder in die Schlange für die Visa. Vor mir war nur ein Franzose gewesen, und nach jeweils 30, 40 Minuten bekamen wir unsere Pässe mit hübschem Visum zurück. Da hängt zwar ein großer Zettel von wegen Krankenversicherungsnachweispflicht neben dem Visumschalter, aber bei uns Europäern war das den Iranern egal (den einen Araber haben sie zum Schalter geschickt, verstehe, wer will).

Die Einreise selbst gestaltete sich langwierig, weil ich Depp mich natürlich in die "Foreigner"-Schlange einreihte. Die ganzen Chinesen standen in allen möglichen Schlangen, einschließlich der für Iraner, und wurden anstandslos und sogar schneller als wir abgefertigt. Saftl... Oh, ich muss da ein wenig aufpassen, denn hier wird zensiert. Meinen Reiseblog kann ich nicht aufrufen und also vom Iran aus nicht führen, daher kommen diese Reiseberichte an meine Verwandten per E-Mail und für alle anderen werten Leser in Kuwait oder spätestens nach meiner Rückkehr gesammelt in den Blog, wie angekündigt und versprochen.

Auch ein wenig aufpassen sollen hätte der Typ vor mir, der nämlich lustig in der Einreiseschlange alles Mögliche fotografierte, wahrscheinlich sogar das groß und breit an den Grenzerhäuschen angepappte Schild "No photos". Der wurde gleich mal aus der Schlange gezogen und einer Sonderbehandlung unterzogen. Ich denke aber, er wird es - nach Löschung des Fotos und einem persischsprachigen Rüffel - überlebt haben. Ich hoffe es für ihn, jedenfalls.

Mein Gepäck stand schon auf dem Gepäckband. Die Zöllner waren sich uneins, ob ich es auf den Scanner legen müsste, und entschieden sich schließlich dagegen, um 5.30 Uhr oder so war ich in die Islamische Republik Iran eingereist. Mein 96. Land. Yabadabadooo ...

Ich wechselte - nach Tipp des Franzosen, den ich den ganzen Abend (oder Morgen) immer wieder sah - auf der Abflugebene Geld (zu einem um etwa 30 % besseren Kurs als dem offiziellen ...) und ließ mich dann mit dem Taxi ins Hotel fahren. Der Taxifahrer fuhr bei Geschwindigkeitsbegrenzung 50 teilweise 130 (!!). Mindestens einmal war es wirklich richtig knapp, weil er und sein Nebenmann in (nicht "vor", "in" der Ausfahrt) sich noch jeweils umentscheiden wollten. Der Nebenmann war natürlich der Dubbel ... Und auch sonst passen ab und zu mal keine 500-Blatt-Packungen Papier zwischen zwei Autos. Manchmal haarsträubend, wenn man es überstanden hat, aber auch lustig.

Im Hotel konnte ich gleich einchecken (obwohl ich ausdrücklich von "leave my bags here" sprach, wenn die da noch eine Nacht berechnen wollen, werde ich doch noch zum Rumpelstilzchen) und ins Zimmer. Für die Lebenshaltungskosten hier ist das Einzelzimmer ziemlich überteuert, aber es ist noch erträglich.

Ich habe neulich eine Folge CSI gesehen und da wurde davon gesprochen, dass nach sieben Wochen irgendwie neun verschiedene DNA-Spuren auf dem Deckbett eines Hotelzimmer gefunden wurden. Hier sind sicherliche einige Dutzend menschliche, nicht menschliche, unmenschliche und - wegen der zwischenzeitlichen Evolution - nicht mehr menschliche DNA-Spuren auf Deckbett und Teppichboden zu finden. Da bin ich doch ausnahmsweise froh, dass es im Hotel so Schläppchen gibt ...

Ich machte mich um 6.30 Uhr auf in die Stadt, lief zur nächsten U-Bahn-Haltestelle und geriet natürlich voll in die Rush hour.

Liebe Teheraner, ihr macht es den Touristen ja schon relativ leicht, sich in der U-Bahn zurechtzufinden: Die Beschilderungen sind alle auf Englisch (die Ansagen nicht, aber es gibt oft Anzeigen im Zug und immer die Anzeigen an den Bahngleisen, in welcher Station man ist). Aber wenn ihr eine U-Bahn-Station "Azadi" und die andere "Azadi Square" nennt, müsst ihr euch nicht wundern, wenn manche Touristen, die zum Azadi Square wollen, bei der Station "Azadi" aussteigen (zumal der Azadi Square auch in Übersetzung nicht übersetzt wird und "Maydane Azadi" oder so ähnlich heißt ...)

Da die U-Bahn aber spottbillig ist (13 Cent pro Fahrt und etwa 50 Cent für so eine aufladbare Karte, die man nicht zwingend braucht, die ich aber als Andenken haben wollte), stieg ich halt wieder runter in die übrigens topmodernen und auch künstlerisch nicht unanspruchsvollen Katakomben und fuhr nun zum Azadi Square.

Auf dem Weg von der U-Bahn-Station zum richtigen Azadi Square muss man einen Mega-Kreisverkehr überwinden, und inzwischen weiß ich, dass es eine fünfte Stufe der Straßenüberquerung gibt:

Stufe 1: Überqueren der Straße in einem Örtchen im Schwarzwald - es kommt eh kein Auto, du gehst über die Straße
Stufe 2: Überqueren der Straße in einer Großstadt in Deutschland - du wartest, bis kein Auto kommt und gehst über die Straße
Stufe 3: Überqueren der Straße in China (zumindest 2001) - du läufst los, spielst Gott, hältst mit ausgestrecktem Arm alle Autos an und gehst über die Straße
Stufe 4: Überqueren der Straße in Istanbul - du läufst los, läufst gleichmäßig, die Autos halten an, wenn sie dich sonst überfahren würden, du gehst über die Straße
Stufe 5: Überqueren der Straße in Teheran - du läufst los, eins, zwei, drei, Walzerschritt, hinter dem gerade vorbeigefahrenen Auto vorbei, läufst weiter, eins, zwei, dreeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee - hup, quietsch - du bleibst abrupt stehen, weil das Auto dahinter auch vor dir vorbeibraust, das Auto hinter dem schert aber aus und fährt - mit einem Affenzahn - hinter dir vorbei, du läufst weiter und bist - wenn du Glück ist - bald auf der anderen Straßenseite.

Das Positive an Stufe 5 ist: Man lernt das schnell oder gar nie mehr ... Außerdem scheinen die Teheraner Autofahrer auch nicht so erpicht darauf zu sein, Fußgänger abzuschießen. Sehr beruhigend.

Als ich dann die andere Straßenseite erreicht hatte, genoss ich erstmal den Blick auf die Berge. Ich hatte heute Morgen Glück, die Smogwolke war noch nicht so dicht, sodass die Berge sich in einer unwirklichen Nähe vor mir auftürmten. Dieser Blick in Kombination mit dem Blick auf den Milad Tower (einen der höchsten freistehenden Türme der Welt) und den Azadi Tower (architektonisch durchaus - und nicht abwertend gemeint - interessant): ein Traum. Wow. Wirklich toll.

Der Azadi Tower wird gerade umgebaut, deswegen konnte man nicht rein. Ich umrundete den Tower, genoss nochmal den Blick auf die Berge und setzte abermals mein Leben aufs Spiel, um wieder zur U-Bahn-Station zu kommen (Ma, ich übertreibe ...).

Ich fuhr zurück - die Rush Hour war noch nicht vorbei, stieg irgendwann aus (J., Mexico City kann nicht schlimmer gewesen sein!), weil es mir zu voll war (da gab es wirklich Druckmassage, Sauna und Aromatherapie für 13 Cent all inclusive, und zur Aromatherapie habe ich wahrscheinlich nach den Stunden im Flieger durchaus aktiv beigetragen), ließ ein paar Züge fahren und landete schließlich in der Nähe des Basars. Dort ließ ich mich einfach treiben, vorbei an Schmuck-, Teppich-, Stoffhändlern noch und nöcher, das eine oder andere Perserteppichmuster kam mir bekannt vor, und landete schließlich in einer vom Online-Reiseführer empfohlenen iranischen Gaststätte direkt gegenüber einer wunderschön gekachelten Moschee (überhaupt sind die Moscheen, die ich hier gesehen habe, außergewöhnlich schön; leider soll man manchmal nicht fotografieren).

Das Essen war in Ordnung, und ich merkte, dass die Iraner schon lustige Sachen mit ihrem Geld machen: Die Währung heißt Rial, und offiziell ist ein Euro etwa 30.000 Rial wert. Selbst am Flughafen bekommt man aber für einen Euro fast 40.000 Rial. Schwarzmarkt ist mir ja seit Algerien kein unbekannter Begriff mehr, dass das auch in den Wechselstuben offiziell so ausgeschildert wird, habe ich aber auch noch nicht erlebt. Das Spannende ist jetzt aber, dass kaum ein Iraner den Rial als solchen verwendet; vielmehr benutzen die die Einheit "Toman", das sind 10 Rial. Wenn also ein Saft mit "3.000" ausgeschildert ist, sind das 3.000 Toman, also 30.000 Rial, die wiederum offiziell einen Euro, in schwarzmarktecht aber nur 75 Cent wert sind. Alles klar?

Nach dem Essen suchte ich noch eine Caféstraße, fand sie nicht und entschied dann, Feierabend zu machen. Nun sitze ich um kurz nach 16 Uhr iranischer Zeit in der "Etagenlobby" und schreibe diese Zeilen. Ich habe schon geduscht, schreibe gleich noch zwei, drei E-Mails und gehe dann schlafen. War ein langer Tag seit gestern Morgen.

Achja, so ein bisschen zur Kultur wollte ich ja noch schreiben: In Istanbul kamen 80 % der Frauen ohne irgendeine Kopfbedeckung zum Gate, in Teheran stiegen 100 % der Frauen mit einer solchen aus. Das sieht gerade bei den Westlerinnern schon sehr nach Verkleidung aus, sodass ich mich manchmal schon sehr zusammenreißen muss, nicht zu grinsen. Die Iranerinnen, zumindest die meisten jungen, stehen den westlichen Frauen aber in puncto Mode in nichts nach: Und dass das Haar wirklich bedeckt sein muss, halte ich für einen Mythos, weil so viele Frauen da pro forma den Hinterkopf mit einem Tuch bedeckt haben, aber das Haupthaar ganz gut zu sehen ist. Da wird anscheinend zwischen der Jugend und der Religionspolizei gelegentlich mal um Zentimeter gefeilscht. Sachen gibt's ...

Es gibt aber nicht nur jüngere Frauen, die viel Haar (und Jeans oder so) zeigen, es gibt auch ein paar - sagen wir - mittelalte Damen, die das auch machen. Ich habe heute zwar gesehen, wie sie einen Mann festgenommen haben, aber das war nicht die Religionspolizei und hatte mit Religion auch wahrscheinlich gar nichts zu tun. Es ist also keineswegs so, dass an jeder Straßenecke ein Mullah mit Rohrstock steht und auf die Frauen eindrischt, die es wagen, ein Kopfhaar unter dem Tschador hervorlugen zu lassen.

Morgen geht es wahrscheinlich noch mal in die Stadt, ich will den Golestan-Palast bewundern, immerhin ein Weltkulturerbe. Iranisches Essen wird weiter gekostet und morgen setze ich mich dann gewiss auch wirklich mal in ein Café und gucke den Menschen beim Leben zu.

Samstag, 21. Februar 2015

سَلام

Salâm, hi, hallo.

Ich weiß noch nicht genau, ob ich das dem iranischen Grenzer entgegenschmettern werde oder eher ein förmliches "صبح بخیر" oder ob ich anfangs auf jeglichen Versuch, Persisch zu sprechen, verzichte. Man muss ja niemanden provozieren ...

Jetzt sitze ich wieder einmal an einem Samstagmorgen vor meinem Rechner und bin voller Vorfreude auf den Iran und auf Kuwait. Ein bisschen Bauchgrimmen habe ich aber tatsächlich, gar nicht mal aus Sicherheitsgründen, sondern weil ich einfach nur endlich mein iranisches Visum im Pass haben und am Grenzer vorbeisein will. Und das dauert noch ein paar Stunden ...

Ich habe gestern Abend schon eingecheckt und sitze auf dem Flug nach Istanbul sogar am Fenster. Pegasus weist einem einen Sitzplatz zu und wenn man einen anderen haben will, muss man zahlen. Pustekuchen. Nicht mit mir. So sitze ich auf dem Flug nach Teheran dann in der Mitte. Für drei Stunden werde ich das überleben.

Sicherheitshalber will ich vorwegschicken, dass ich nicht genau weiß, ob mein Hotel in Teheran WLAN hat. Das könnte man möglicherweise überbrücken, indem man in ein Internetcafé geht. Ich weiß aber auch nicht, ob die iranischen Behörden die Blogspot-Domain komplett zensieren oder nur einzelne irankritische Blogs. Es kann also sein, dass es die nächsten Tage (bis Donnerstag Abend, in Kuwait sollte ich dann laut Buchung WLAN haben, und ich hoffe mal, die Kuwaiter blockieren nicht auch diese Seite) keine Einträge hier im Blog gibt.

Ich würde in dem Fall der Sperrung versuchen, die eine oder andere E-Mail an besorgte Mütter, Schwägerinnen und Brüder zu schreiben, damit die nicht jeden Tag beim Auswärtigen Amt nachfragen müssen, ob die was von diesem bekloppten Deutschen wissen, der seit mindestens mehreren Stunden im Iran verschollen ist. (Die E-Mails würden dann später gesammelt hier als Mahnung an die Nachwelt im Blog erscheinen.)

Apropos Kuwait: Ein Shuttle meines Hotels holt mich am Donnerstagabend freundlicherweise vom Flughafen ab und bringt mich am frühen Samstagmorgen auch wieder hin. Jedenfalls haben sie mir das so bestätigt. Und das Ganze ist auch noch kostenlos. Schick.

Jetzt gehe ich erstmal duschen und dann geht's ab zu meinem Leib-und-Magen-Flughafen ...

Freitag, 13. Februar 2015

San Pietro

Ja, in der Nähe von San Pietro, also des Petersdoms, werde ich im Hochsommer ein paar Tage verbringen. Die Freundin, der ich letztes Jahr im Oktober schweren Herzens absagen musste, hat nun endlich ihre Tour bekommen. Heute Abend haben wir gebucht.

Wir fliegen mit der Alitalia non-stop hin und mit Air France zurück, dabei steigen wir in Paris um. Ein wenig ärgerlich ist, dass - obwohl ich Gepäck bei der Suche erwähnt hatte - nun für den Air-France-Flug das Gepäck nicht dabei ist. Vor allem hat mir die Buchungsseite das erst mit der Flugbestätigung angezeigt. Saubande. Aber das werden wir überleben.

Rom im Hochsommer wird heiß und hoffentlich ein bisschen leer. Wir wohnen wenige hundert Meter vom Vatikan entfernt, und sicherlich werden wir die vatikanischen Museen ein bisschen unsicher machen.

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In acht Tagen um die Zeit sitze ich schon wieder im Flieger von Istanbul nach Teheran. Ich bin sehr gespannt auf Teheran und dann auch auf Kuwait. Das wird sehr interessant werden, hoffe ich. Aber ich mache drei Kreuze, wenn das mit der Einreise in den Iran geklappt hat.

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In Sydney machen wir am 23. Mai einen richtigen Sporttag. Wer mich kennt, weiß, dass das passiver Sport sein wird: Wir gucken uns erst ein Australian-Rules-Football-Spiel an, um 14.10 Uhr im Sydney Olympic Park, und dann um 19.30 Uhr eine Rugby-Partie. Das wird die Wiederholung des letztjährigen Finales der internationalen Liga, die aus Teams aus den drei rugbybegeistersten Ländern der südlichen Hemisphäre, nämlich Australien, Neuseeland und Südafrika, besteht. Wir zahlen jeweils gut 25 € für die Karten. Ich bin auch hier sehr gespannt.

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Ich bin immer noch ein bisschen unsicher, ob es über den 1. Mai irgendwohin gehen soll. Ich blase im Moment ziemlich viel Geld durch mein Kreditkartenkonto, sodass es gut sein, dass ich die zwei Tage Urlaub, die ich vor und nach dem 1. Mai habe, noch ein bisschen nach hinten schiebe.

Soviel zum Mid-Februar-Catch-up ...

Sonntag, 1. Februar 2015

Volver

Zurückkehren, nach Mexiko und nach Mexiko-Stadt, das möchte ich ganz gewiss. Es wird wahrscheinlich nicht dieses Jahr werden und vielleicht auch nicht eines der bald folgenden, aber es gab hier so viel zu sehen, was ich nicht gesehen habe, so viel zu erleben, was ich nicht erlebt habe (und ich habe eine Menge erlebt!), so viel zu entdecken, was ich nicht entdeckt habe, dass mir gar nichts anderes übrig, als in nicht zu ferner Zukunft hier mal wieder aufzuschlagen.

Heute Morgen waren wir noch in San Ángel, einem Künstlerviertel, auf dessen Samstagsmarkt dementsprechend viele Maler und Kunsthandwerker ihre Werke anboten. Von naiver Malerei bis zum Expressionismus der besseren Sorte (soweit ich das beurteilen kann) war alles dabei, ebenso von übelstem Nippes bis hin zu durchaus schickem Schmuck.

Wir frühstückten dort in einem schönen Lokal im Freien. Und auch wenn Nachos und Hühnchen zum Frühstück (vielleicht war es auch eher ein Brunch) ein bisschen gewöhnungsbedürftig sind: Lecker war es allemal.

Nach letzter U-Bahn-Fahrt und letzter Fußstrecke vom U-Bahnhof Polanco hoch zum Hotel duschte ich noch kurz, weil ich doch ein wenig geschwitzt hatte und das meinen Mitreisenden im Flieger nicht antun wollte.

Der Fahrer holte mich um 17 Uhr ab, und die Horrorstorys von wegen zwei Stunden im Stau bis zum Flughafen kann ich nun (am Samstag Nachmittag) wirklich nicht bestätigen: Um 17.20 Uhr war ich am Flughafen, um 17.45 Uhr durch Check-in und Sicherheitskontrolle durch und hatte auch schon den vom Reiseführer von vorgestern empfohlenen Tequila eingekauft.

Jetzt sitze ich hier viel (mehr als zwei Stunden!) zu früh am Gate, werde mir sicherlich noch ein oder zwei Bierchen reinpfeifen und dann mal sehen, ob ich eine oder doch zwei Stunden im Flieger schlafen kann.

Ohje, jetzt ist die Woche schon wieder vorbei. Es war schön, es war toll, es war faszinierend, es war lecker, es war anstrengend, es war viel Verkehr, es gab ausschließlich leckeres Bier (gestern Abend habe ich das Negra Modelo für mich entdeckt, ein schwarzes Modelo, aber eigentlich kann man - außer vielleicht Corona - alle mexikanischen Bieren sehr gut trinken). Ich habe mich in Mexiko-Stadt immer sehr sicher gefühlt, weil J. mir da am ersten Abend gleich den Wind aus den Segeln genommen hat, als wir nachts um elf noch einen Spaziergang durch Polanco gemacht haben (zugegeben, Polanco ist mit Sicherheit eines der besten Viertel von Mexiko-Stadt, das mag drüben im Osten der Stadt wegen der dort größeren Armut ein wenig anders sein).

Highlights? Klar, die Pyramiden von Teotihuacán waren atemberaubend. Puebla und Cholula haben mir auch sehr gut gefallen, ob es nun der Ausblick auf die Vulkane oder die vielen schönen Kirchen waren. Der Zócalo von Mexiko-Stadt selbst ist in seiner Leere (da ist nichts außer der Riesenfahne) jetzt nicht so toll, aber die Gebäude drumherum, die Kathedrale, der Nationalpalast, selbst der Templo Mayor, aber auf alle Fälle die vielen kleinen Sträßchen in der Nähe, die sehr gepflegt und zum Teil Fußgängerzone sind, sind auf alle Fälle empfehlenswert.

Eine Woche ist für Mexiko-Stadt und Umgebung definitiv zu wenig, auch weil man eigentlich zwischendurch mal ein paar Tage an den Strand (vier, fünf Stunden Strecke) fahren sollte, um mal so rein gar nichts zu tun. Es gibt so viel zu sehen in dieser Stadt, dass man sich kaum traut, einfach mal einen Nachmittag in einem Straßencafé zu sitzen und die Leute zu beobachten.

Vom Bier habe ich schon geschwärmt, aber auch vom Essen kann man getrost begeistert sein. Klar muss man an den Straßenständen ein bisschen aufpassen, und das habe ich auch getan (man kann sich ja entscheiden, dass man an Ständen isst, die an einem Haus sind und also Wasseranschluss haben sollten), aber Moctezuma hat sich weder nach dem Konsum der torta am Straßenstand gestern noch sonstwann so wirklich bösartig gezeigt. Die Tacos (die ich übrigens bis gestern Nachmittag immer falsch gegessen habe; man legt die nämlich nicht so wrapartig zusammen, sonst presst die beiden Enden aneinander und isst dann so) sind fantastisch, egal ob mit Zwerchfell, Hühnchen, Steakfleisch oder anderem Rindviech, und die Schärfe kann man oberhalb eines Grundrauschens auch selbst bestimmen, weil man sich auf die Tacos noch Jalapeños und anderes mehr oder minder scharfes Zeug legen kann oder es aber lässt. Sehr schmackhaft und sehr günstig, wenn man nicht unbedingt ins Touristenlokal geht.

Es war, wie immer toll, aber dieses Mal fand ich es besonders anstrengend, was sehr gut daran liegen kann, dass Mexiko-Stadt auf über 2.000 m Höhe liegt. Die Erkältung, woher auch immer die gekommen sein mag, war sicher auch nicht hilfreich, aber ist auch schon fast wieder weg. Ich freue mich - wie immer - dann doch schon wieder ein bisschen auf Deutschland, auch wenn ich den Mexikanern wirklich nicht versprechen kann, dass ich sie in Zukunft von einem Besuch von mir verschont bleiben. Da unten im Südosten soll es noch ein Pyramidenkomplexchen (Chichén Itzá) geben, was man sich ja - vielleicht in Kombination mit (einer Teilmenge aus) Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras - mal angucken könnte.

Samstag, 31. Januar 2015

Tarantula

Eine Spinne habe ich mir heute im Zoo von Mexiko-Stadt über die Hand laufen lassen. Kein unangenehmes Gefühl ...

Heute habe ich es richtig geruhsam angehen lassen. J. musste bis Mittag arbeiten, während ich erst
Monster-Torta
um 10 Uhr aus dem Haus ging. Ich ging die Horacio runter, machte ein "hübsches" Foto an der deutschen Botschaft, kaufte mir Zeitung und dann eine torta. Das ist ein Sandwich mit ein paar Sachen aus Fleisch, Ei und sonstwas dazwischen. Ich konnte natürlich nicht genug kriegen und bekam für 3,50 € eine torta cubana con un poco de todo (mit ein bisschen von allem). Boah, die erste Hälfte von dem Teil habe ich geschafft, aber als ich die zweite anfing, überkam mich ein nicht sehr angenehmer Reiz, sodass ich das Ding dann schweren Herzens wegwerfen musste.

Ich lief zu J.s Arbeitsstelle und wartete, bis sie Feierabend hatte. Danach gingen wir in ein Sträßchen, in dem immer am Freitag Mittag verschiedene Buden auf haben, und dort aßen wir formvollendet Tacos. Sehr lecker, aber danach war ich richtig satt.

Wir machten einen kurzen Zwischenstopp am Hotel und gingen dann in Richtung Chapultepec-Park. Dort setzten wir uns an den dortigen See und ließen Jesús einen guten Mann sein. Wir bummelten durch den Park, vorbei an Straßenverkäufern von Essen, Spielzeug und allerlei sonstigem Nippes, ehe wir im Zoo eintrudelten. Nur für die Schmetterlings- und Spinnenschau musste man ein paar Pesos Eintritt zahlen, die sich allein für die tarantula auf der Hand vollständig lohnen.

Die Pandas hatten heute frei, sodass wir gegen 17 Uhr aus dem Zoo gebeten wurden, weil sie schließen wollten. Wir spazierten noch zum Castello de Chapultepec, das aber schon zu war, und machten uns dann wieder in Richtung Horacio auf.

Hier aßen wir in einem mexikanischen Franchise-Restaurant sehr gut und recht günstig zu Abend, ehe wir jetzt im Bett liegen.

Das wird meine letzte Nacht in Mexiko-Stadt, da kann man schon ein wenig traurig werden. Aber es hilft ja nichts. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Rex Gildo zitieren würde:

Adio, adio Mexiko
Ich komme wieder zu dir zurück


Aber mit meinem Sombrero grüße ich trotzdem nicht. Gute Nacht.

Freitag, 30. Januar 2015

Baño

... ist eine öffentliche Toilette, und die brauchte ich gestern ziemlich häufig. Nein, nein, nicht Montezuma oder vielmehr Moctezuma hatte mich erwischt, vielmehr bekämpfte ich meine Erkältung mit dem übermäßigen Konsum von Wasser. Naja, und dann muss man halt mal.

Und um dem Ganzen formal eine hygienekulturelle Betrachtung zu geben, ein kurzer Überblick zur Toilettenkultur: Es gibt hier in Mexiko sehr wenige öffentliche Toiletten, aber dafür seeeeehr viele private. Oft bieten Restaurants und Hotels ihre baños zur Benutzung an, oft aber auch irgendwelche Verkaufsstände am Straßenrand. Der Preis liegt immer so zwischen 4 und 7 Pesos (30-50 Eurocent). Dadurch bekommt man zwar nicht immer eine Toilettenbrille präsentiert, aber wenigstens ist es in der Regel ziemlich sauber.

Gestern war ich dann so k.o., dass ich selbst den Blog habe hintenrunterfallen lassen. Um 21.15 Uhr war ich im Bett, um 21.16 Uhr schlief ich.

So, wir kämpften uns gestern also mal wieder durch den Straßenverkehr von Mexiko auf dem Weg zu dem Hotel, wo wir auf die einzelnen Ausflugsbusse verteilt wurden. Die Mexikaner fahren schon so, wie man sich das vorstellt, es wird gehupt (nicht so viel wie in Indien), es wird gedrängelt, es werden die Spuren gewechselt, man hält einfach am Straßenrand an und hält noch ein Schwätzchen mit dem Fahrer, auch wenn man die Straße blockiert. Es hilft am Ende alles nichts, man muss entspannt bleiben, was nicht immer ganz so einfach ist (s. baño, el).
Indígena-Kirche in Cholula

Die Mexikaner sind allesamt sehr freundlich. Wenn man zum Beispiel niest, kommt von allen Seiten (auch von den Peruanern, der Kolumbianerin und dem Deutschvenezolaner gestern im Bus) ein herzliches ¡salud! (Gesundheit!). ¡Gracias!

Heute ging es also in Richtung Puebla, der fünftgrößten Stadt Mexikos. Puebla ist - nicht zuletzt wegen VW, das sich dort angesiedelt hat - eine Industriestadt, aber die Altstadt ist sehr schön. Zunächst machten wir aber einen Zwischenstopp in Cholula, in einer sehr schönen Kirche, in deren Inneren man aber auf Wunsch der indigenen Bevölkerung nicht fotografieren darf. Das wiederum ist sehr schade, denn so eine Kirche habe ich noch nie gesehen: Innendrin ist dieser Sakralbau quietschbunt, mit Tieren, Menschenköpfen, Meerjungfrauen (!) und allerlei anderen Sachen. Wenn man mal für die filmische Darstellung des Schlaraffenlandes eine Kirche braucht, sollte man die indígenas fragen, ob man ausnahmsweise in der Kirche filmen darf. Unfassbar ...


Pyramide von Cholula
Ebenfalls in Cholula liegt die - nach dem Volumen - größte Pyramide der Welt. Nicht gewusst? Ich vorher auch nicht. Sie ist 105 Meter hoch und heute im Wesentlichen von Vegetation überwachsen. Ganz oben auf der Pyramide thront eine von den Spaniern erbaute Kirche. Das haben die Spanier im Übrigen ganz gerne gemacht: Als Zeichen ihres Sieges über die Azteken wurde auf den Tempeln der Azteken eine Kirche gebaut. Sehr subtil ...

Links der Popocatépetl, rechts der Iztaccíhuatl
Wir stiegen allerdings nicht die 105 Meter hoch, sondern nur etwa 30 und hatten von dort einen tollen Blick nicht nur auf die Stadt Cholula, sondern auch auf die Zwillingsvulkane Popocatépetl und Iztaccíhuatl. Unfassbar schön. Wir hatten zwar schon unterwegs nach Cholula auf der Autobahn angehalten und den Ausblick genossen, aber von dort auf 30 m der Pyramide von Cholula wurde das noch einmal übertroffen.

Nun fuhren wir wirklich nach Puebla rein und aßen erst einmal zu Mittag. Wieder einmal gab es das unvermeidliche Touristenbuffet, das aber diesmal ganz okay war, ehe wir zur Kathedrale von Pueblo aufbrachen. Leider darf man auch darin nicht fotografieren (das wurde zwar von unserem Fremdenführer ignoriert, bis er zum zweiten Mal darauf hingewiesen wurde, aber als braver, Regeln befolgender Deutscher hielt ich mich natürlich an das Verbot), denn auch diese Kirche ist sehr schön. Sie ist zwar ein bisschen schlichter als die in Cholula (was so ziemlich jede Kirche der Welt ist), aber auch so sehr ansehnlich.

Zócalo von Puebla
Es folgte ein Spaziergang über den hiesigen Zócalo und durch die Gassen der Altstadt. So wie hier in Cholula und Pueblo habe ich mir "Mexiko" vorgestellt: Bunte Häuser, viele Menschen, viele Kirchen, angenehm warm. Doch, da könnte man leben. Insgesamt muss man auch sagen, dass Mexiko sehr sauber ist. Ich habe mein Kosovo-Trauma ja immer noch nicht verwunden, aber überall stehen Mülleimer herum, die auch in der Regel benutzt werden, und wenn man man den Mülleimer, sagen wir, verfehlt, kommt regelmäßig ein Straßenkehrer vorbei und behebt das Malheur.

Capilla del Rosario
Nach einem kurzen Rundgang über einen Markt ging es in das Kloster Santo Domingo und die dortige Kirche mit der Capilla del Rosario. Da darf man fotografieren, und man sollte es tun. Das Ding ist zwar vor lauter Vergoldung nicht so bunt, aber genauso überschwänglich dekoriert wie in die Kirche in Cholula (einschließlich Meerjungfrauen!). Wahnsinn.

Schließlich ging es noch einer kurzen Vorbeifahrt an den Austragungsorten verschiedener Schlachten zurück nach Mexiko-Stadt. Die Stadtgrenze erreichten wir schnell, nur bis zu unserem Hotel brauchten wir nochmal zwei Stunden. So einen Verkehr habe ich wirklich noch nicht gesehen. Ich habe den Eindruck, dass die vielen Verkehrspolizisten das Chaos eher noch verstärken, aber sei's drum.

Gestern gingen wir nicht mehr essen, weil ich nur noch ins Bett wollte. Wird vielleicht heute nachgeholt, mal gucken.

J. muss heute einen halben Tag arbeiten, sodass ich mich heute entschieden habe, ganz geruhsam zu machen. Vielleicht mache ich gleich noch einen kleinen Spaziergang, vielleicht nicht.

Ich habe schon früh in diesen Tagen gemerkt, dass eine Woche viel, viel, viel zu wenig ist, um auch nur die Hauptsehenswürdigkeiten von Mexiko-Stadt und Umgebung anzugucken. Okay, wir haben viele Ausflüge gemacht und ich war eineinviertel Tage in der Innenstadt zu Gange, aber ich werde mir wahrscheinlich weder das Anthropologische noch irgendein anderes Museum hier angucken. Ich war auf keinem der Türme hier in der Stadt, ich bin nur durch den Bosque de Chapultepec durchgefahren, aber trotzdem habe ich, glaube ich, einen ganz guten ersten Eindruck von Mexiko-Stadt bekommen.

Heute und morgen werden J. und ich ein wenig in den angesagten Stadtteilen, in Condesa, in Roma, in der Zona Rosa herumurlauben, da ein bisschen was essen, dort ein bisschen was trinken, einmal mal ein bisschen Urlaub nach dem Sightseeing-Programm, das ich hier in den fünf Tagen durchgezogen habe. Wird auch schön.

Naja, und in 48 Stunden bin ich, wenn alles gut geht, fast schon wieder auf dem Weg nach Wiesbaden. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Clumsy

Also tollpatschig war ich heute aber mal richtig unterwegs. Liegt vielleicht daran, dass ich mich irgendwo ein bisschen erkältet habe ... Ich werde es überleben. Hoffe ich.

Ich war überpünktlich unten am Eingang des Hotels und wartete dort, wo der Bus uns an den letzten beiden Tagen auch abgeholt hatte. Es wurde 8.30 Uhr, 8.45 Uhr, 9 Uhr, 9.10 Uhr, ehe ich an der Rezeption mal nachfragte, ob sie mich denn vergessen hätten. Nö, hatten sie nicht, der Fahrer war nur um 8.30 Uhr zum Hintereingang rein und fand mich natürlich nicht. Argh. Ich wurde dann mit dem Taxi zu einem anderen Hotel gefahren, aber dort war der Van auch schon weg. Die Rezeption rief für mich bei der Firma an, und dann kam ein Fahrer und holte mich ab.

So kam ich unverhofft und ungeplant zu einem Einzelausflug, denn ich hatte den Fahrer für mich allein. Er sprach zwar nur Spanisch, aber ich war überrascht, dass ich 80 % von dem verstand, was er erzählte, und darunter waren viele interessante Sachen.

Wir fuhren erst zum Frida-Kahlo-Museum, das um 11 Uhr öffnen sollte und um 11.15 Uhr öffnete. Das Museum ist ganz interessant, ist jetzt aber auch nicht so der totale Brüller. Der Garten ist ganz hübsch und die Ausstellungen okay, für fünf Euro Eintritt macht man da am Ende nicht viel falsch.

Weiter ging es vorbei am Olympiastadion und nach Xochimilco. Dieser Spreewald Mexikos ist sehr interessant, bunt bemalte Boote fahren da über eine Seenlandschaft, Mariachi-Musiker, Essens- und Schmuckverkäufer kommen auf die Boote zugepaddelt, man kann ein Bierchen trinken. Ich kann verstehen, dass da am Wochenende öfter mal voll ist.

Die Tour war damit zu Ende, und der Fahrer fuhr mich in Richtung Zócalo. Kurz vorher ließ er mich auf meinen Wunsch raus. Ich hatte mich zwar mit der Richtung vertan (wir kamen von Süden statt von Westen), aber trotzdem fand ich zufällig ein sehr nettes Speiselokal, in dem ich einen Alambre verspeiste (sowas Ähnliches wie ein Taco mit Geschnetzeltem).

Anscheinend schaute ich mir den Templo Mayor an, der auch ganz interessant ist. Die Ausgrabungsstätte mitten in der Stadt und auch das Museum haben schon beeindruckende Ausstellungsstücke. Das kann man sich für vier Euro schonmal angucken,.

Mit der U-Bahn ging es heim, wir trafen uns wieder am Intercontinental und aßen dann lecker Fondue zu Abend.

Schöner Tag, auch wenn ich nicht ganz fit war ...
Frida-Kahlo-Museum

Xochimilco

Nochmal auf dem Zócalo

Templo Mayor

Mittwoch, 28. Januar 2015

Rechnung

Wow.

Ich bin ziemlich kaputt, aber sehr zufrieden mit dem heutigen Tag.

Plaza de las tres culturas
Der Fahrer war früher als abgesprochen am Hotel! (Ja! Hier! In Mexiko!) Somit musste mich die Rezeption nach unten klingeln ...

Der Fahrer fuhr wieder in der Gegend herum, bis wir am Zócalo unseren Reiseführer und noch ein paar andere Gäste aufnahmen.

Den ersten Zwischenstopp machten wir an der Plaza de las tres culturas, die einen alten Aztekentempel, eine Kirche aus der Zeit der spanischen Eroberer und ein Museum für im Jahr 1968 von der Geheimpolizei abgeknallte Studenten beherbergt. Auch schon sehenswert.

Auf der Autobahn ging es raus aus dem Bundesdistrikt und rein in den Bundesstaat Mexiko.

Dort fuhren wir wieder an einem Souvenirladen vorbei, wo ich mir weder Pulque, einen leicht alkoholischen Agavensaft, noch einen Tequila entgehen ließ. Gekauft habe ich nichts.

Danach ging es zu den Pyramiden von Teotihuacán. Schon aus größerer Entfernung sieht man die hoch aufragende Sonnenpyramide. Das Ding sieht schon beeindruckend aus, vor allem, wenn man daran denkt, dass man die 65 m jetzt gleich hochkraxeln wird.

Da auf die Sonnenpyramide soll ich hoch?
Unser Reiseführer war ein wenig kleiner als ich, aber von ähnlicher Statur, und ich glaube, er hatte echt Schiss, dass ich auf 2.300 Höhenmetern (die er ja im Gegensatz zu mir gewohnt ist) von der Anstrengung umklappe. Er fragte auf jeder der vier, fünf Teiletappen, ob bei mir alles okay sei ... Ja, hombre!

Für den Blick auf die Mondpyramide lohnt es sich.
Ansonsten war der Typ total cool. Er fand eine, wie ich finde, sehr gute Dosierung der Information, die er vermittelte, sodass man viel erfuhr, ohne von Zahlen und Daten völlig erschlagen zu werden.

Der Ausblick von der Sonnenpyramide auf die Mondpyramide und die Straße der Toten ist absolut beeindruckend und wir nur noch vom Blick von der (niedrigeren) Mondpyramide auf die Sonnenpyramide und die Straße der Toten getoppt. Absolut sehenswert. Absolut begeisternd. Absolut anstrengend, zumal die Stufen der Mondpyramide mit Sicherheit nicht DIN-genormt und TÜV-geprüft sind ...

Blick von der Mondpyramide auf die Sonnenpyramide und die Straße der Toten
Unsere Reisegruppe war bunt gemischt und bestand aus einem costaricanischen Ehepaar, zwei Panameñas, einem französisch-englischem Paar und mir. Beim Essen gab es ein lustiges Sprachgemisch aus Spanisch und Englisch, weil wir irgendwie alle ein bisschen von beiden Sprachen konnten ... Während des Gesprächs ging es auch darum, wie die cuenta in verschiedenen Sprachen heißt.

La cuenta. Rhythmus. L'addition. Musik. The bill. Auch noch okay. Die Rechnung. Panzer. Gelächter am Tisch ...

Links die Antigua Basilica de Guadelupe
Der dritte Teil des Ausflug bestand aus dem Besuch der Basiliken der Muttergottes von Guadelupe. Dieses Bild, an dem man zur Vermeidung von Gedränge (heute war leer) auf dem Rollband vorbeifährt, riss mich jetzt nicht wirklich vom nicht vorhandenen Stuhl, und auch die Nueva Basilica ist halt ein riesengroßer Zweckbau aus den 1970er-Jahren. Aber die Antigua Basilica ist vor allem von außen eine der schöneren Kirchen, die ich so gesehen habe, auch wenn sie den Eindruck vermittelt, dass sie bald umfällt, so wie sie vor lauter Erdbeben in der Kurve hängt.

Wir fuhren zurück, J. bekochte ihren Kollegen und mich in ihrem Apartment, und dann ging es nach einem kurzen Spaziergang heute mal früh ins Bett. Naja, jetzt ist es auch schon wieder halb elf.

War toll heute.

Dienstag, 27. Januar 2015

Zócalo

So, gestern hat mich mein Latein aber mal gründlich im Stich gelassen, sodass ich schön Spanisch und Latein verballhornt habe. Es hätte natürlich "ecclesiae et argentum" (oder "iglesias y plato") heißen müssen, aber wahrscheinlich hat's eh keiner gemerkt.

Heute fuhr ich dann in einer nicht ganz übervollen U-Bahn mit einmaligem Umsteigen zur Plaza de la Constitutión, die hier einfach nur Zócalo genannt wird. An den Seiten dieses drittgrößten Platzes der Welt steht die Kathedrale und der Nationalpalast.

Ich marschierte erst einmal über den Platz und ging in die Kirche hinein. Es war gerade Gottesdienst, sodass ich nicht so richtig in die Kathedrale rein konnte. Ich lief ein paar Meter weiter und stieg dann in den Turibus. Für acht Euro bekam ich eine veritable zweistündige Stadtrundfahrt vorbei an allen Sehenswürdigkeiten des Distrito Federal: Es ging vorbei am Finanzdistrikt von Mexiko-Stadt, am Bellas-Artes-Gebäude, an diversen Museen, am Unabhängigkeitsdenkmal: Sehr schick.

Ich guckte nach Wiederkunft nochmal in die Kathedrale rein, die durchaus beeindruckend ist. Ich aß ein paar Tacos in einem schönen Restaurant und fuhr dann relativ bald zurück nach Polanco. Dort bummelte ich ein wenig über die Haupteinkaufsmeile, ehe wir uns dann im Intercontinental trafen und sehr lecker zu Abend aßen.

Bin müde, deswegen relativ kurz. Sorry.
Blick vom Zócalo auf die Kathedrale

Bellas Artes

In der Kathedrale

Montag, 26. Januar 2015

Iglesiae et argentum

Kirchen und Silber haben wir uns heute angeguckt, gefolgt von einem Stau in für Mexiko-Stadt absolut angemessenen Dimensionen ...

Nach frühem Wachwerden und nicht wirklich langem Schlafen standen wir heute Morgen um 6.30 Uhr und verließen die Wohnung um kurz vor 8.30 Uhr. In der Lobby trafen wir zwei Kollegen von J., mit denen wir den heutigen Tag verbrachten.

Relativ pünktlich kam ein Fahrer und brachte uns, mit einmaligem Umsteigen zu dem Sammelpunkthotel für diesen Reiseveranstalter. Dort stiegen wir in unseren Kleinbus um, der uns mitsamt einer buntgemischten Schar aus vielen Lateinamerikanern und einem Chinesen nach Cuernavaca und Taxco brachte.

Cuernavaca ist etwa eine bis anderthalb Stunden von Mexiko-Stadt entfernt und trägt den Beinamen einer Stadt des ewigen Frühlings. Schön war's und frühlingshaft war's auch. Wir guckten uns eine der ältestens Kirchen Mexikos an. Diese vergoldeten, mehrere Meter hohen Altare sind immer wieder sehr beeindruckend. Sehr interessant war, dass über dem Portal der Kirche ein Totenkopf, ein traditionelles Symbol der Zeit vor der Eroberung durch die Spanier, eingebettet war.

Danach ging es weiter in Richtung Taxco. Dort guckten wir uns zunächst einen mit ein bisschen Information verbrämten Silververkaufsladen an, in dem wir aber nichts erstanden. Danach folgte ein Stadtrundgang durch die engen Gassen von Taxco hoch zur Kirche, die wir besichtigten. Ebenfalls sehr schön.

Wir aßen in einem "typisch mexikanischen" Lokal Spagetti und Lasagne vom Büffet, hatten aber wenigstens vom Balkon des Lokals einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Berge.

Überhaupt, die Berge: Mexiko-Stadt liegt auf etwa 2.300 Metern, auf dem Weg nach Cuernavaca kamen wir auf 3.100 Metern, danach bis auf unter 1.000 Meter, und am Ende in Taxco waren wir auf 1.800 Metern. Dementsprechend ist die sehr grüne Landschaft sehr hügelig. Auch einen Blick auf den Popocatépetl konnten wir heut erhaschen.

Nach dem Essen in Taxco schauten wir noch einem Jugend-Volleyball-Spiel vorbei, ehe wir nach dem Einkauf von ein wenig Bier in den Bus stiegen und uns auf den Weg nach Hause machten. Die Fahrt wurde lang und länger, weil wir ab gefühlt zwei Stunden vor Mexiko-Stadt im Stau standen. Jedenfalls kamen wir etwa eineinhalb Stunden verspätet am Hotel an, aßen noch im Zimmer zu Abend und ab ging es in die Heia.

Morgen wird J. arbeiten müssen, während ich mal die Innenstadt von Mexiko-Stadt unsicher machen werde.
Kapelle in Cuernavaca

Altar in Taxco

Die Kirche in Taxco

Sonntag, 25. Januar 2015

Über Grönland nach Mexiko

So, guten Morgen!

Nach entspanntem Aufstehen gestern Morgen fuhr ich zum Flughafen, checkte ein (nachdem der Check-in-Apparat meine Handy-Bordkarte nicht erkannt hatte), stand relativ lang in der Sicherheitskontrollschlange und durchlief dann erstmals die elektronische Passkontrolle. Cool ... (nur dass dahinter doch noch zwei Grenzer sitzen, die - auf Aufforderung - kontrollieren können, führt das ganze Konzept ad absurdum).

Über Grönland

Anflug auf Mexiko-Stadt
Diesmal verpasste ich das Boarding nicht und stieg als einer der Letzten in die 747 ein. Der Mexikaner auf Platz 43C hatte ebenso Glück wie ich, da der 43B frei blieb. Sehr entspannt ...

Wir flogen über Großbritannien und Grönland (fantastische Ausblicke), ich schaute drei oder vier Filme, und als es dunkel wurde, schwebten wir gerade über dieser Riesenstadt Mexico City ein: Nur Stadt, wohin das Auge blickt.

Die Einreise dauerte ewig, aber es erwartete mich schon der Chauffeur, der mich zu J. brachte, die uns schon erwartete. Nach dem Konsum meines ersten mexikanischen Bieres (lecker) und Nachos mit Guacamole machten wir noch einen Spaziergang an der deutschen Botschaft vorbei. Ich wäre trotz der gehobenen Gegend nicht mehr so ganz unbedingt im Dunkeln in der Gegend herumgelaufen, aber das war völlig entspannt. Um 23.30 Uhr waren wir im Bett und sind jetzt um 6.30 Uhr vom Wecker aus dem Bett geschmssen worden.

Heute geht es nach Cuernavaca und Taxco. Ich bin gespannt.

Samstag, 24. Januar 2015

Bedingt abflugbereit

... sitze ich jetzt hier vor meinem Rechner und muss noch ein bisschen packen. Aber das wird schon.

Gegen 10 Uhr will ich im Bus zum Hauptbahnhof sitzen, um eine S-Bahn zu erwischen, die so gegen 11 Uhr am Flughafen ankommt. Ich habe zwar schon eingecheckt und brauche wahrscheinlich keine zweieinhalb Stunden (Abflug 13.35 Uhr) zum Abgeben des Koffers am Automaten, zum Durchlaufen der Sicherheits- und Passkontrolle und zum Erreichen meines Gates, aber sicher ist halt sicher, und den Flieger nach Mexiko möchte ich ungern verpassen.

Es wird toll. Die Freundin, die ich besuche, hat schon alles organisiert, vom Transport zwischen Flughafen und Hotel bis zum ersten Ausflug morgen. Meine tolle neue Kreditkarte ist inzwischen auch gekommen, sodass ich keine Auslandsgebühren mehr bezahle. Juchhe.

Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass es grandios wird in Mexiko-Stadt und Umgebung ...

Das Auswärtige Amt hat nach dem Hinweis von mir, dass die iranischen Generalkonsulate in Frankfurt und München die Visumbeantragung am Flughafen in Teheran empfehlen und auch die deutsche Botschaft in Teheran in jüngster Zeit keine Schwierigkeiten mehr mitgeteilt bekommen hat, tatsächlich seine Reisehinweise geändert und macht jetzt nicht mehr so ganz viel Panik wie vorher. Ich hoffe jedenfalls, dass das Ganze bei mir klappt. Ich werde berichten, aber erst nach Mexiko.

Nächster Eintrag aus Mexiko.

Dienstag, 13. Januar 2015

Oh Teheran, oh Visa

So, jetzt bin ich mal gespannt, was das wird mit dem iranischen Visum.

Meine Ma war so lieb und hat, während ich gearbeitet habe, öfter beim iranischen Konsulat in Frankfurt und dann auch in München angerufen. Sie fragte, ob ich unter den Umständen meiner Reise (Anreise aus Frankfurt/Istanbul, Weiterflug nach Bahrain/Kuwait) mit einem Transitvisum durchkomme (so würde ich mir diese bekloppte Referenznummer ersparen, die man für ein Touristenvisum braucht). Der Typ beim Konsulat sagte aber mehrfach, ich könnte mein Visum am Flughafen in Teheran beantragen.

Das Auswärtige Amt ist in seinen Reisehinweisen ziemlich deutlich und empfiehlt die vorherige Einholung eines Visums. Nun stand ich da: Die Deutschen in Berlin sagen, man solle zu den Iranern im Konsulat gehen, welche wiederum sagen, man solle sein Visum in Teheran am Flughafen beantragen.

Schließlich fragte ich bei der deutschen Botschaft in Teheran nach. Die antworteten (zweimal ...) ähnlich, dass es nämlich in letzter Zeit keine Schwierigkeiten bei der Visumbeantragung am Flughafen gegeben habe. Argh.

Nun denn, ich habe heute Abend ein Hotel in Teheran gebucht und hoffe, dass mir die Hotelbestätigung dann tatsächlich bei der Visumbeantragung in Teheran reicht. Die Fluggesellschaft müsste auch mitspielen, hoffe ich. Ich werde berichten, wenn ich da am Flughafen in Teheran stehe und nicht einreisen kann. Wird schon schiefgehen ...

In Kuwait ist das dann anscheinend überhaupt kein Problem mit der Visumerteilung am Flughafen ...

Ansonsten sieht es so aus, als ob ich im Hochsommer ein paar Tage in Rom wäre. Wird sicher auch schön, wenn auch heiß. Aber dann ist Rom wenigstens leer ...

In elf Tagen um die Zeit bin ich wahrscheinlich schon über dem amerikanischen Kontinent und lande in ein paar Stunden in Mexiko-Stadt. Die Freundin, die ich besuche, freut sich schon so sehr wie ich auf die Tage in Mexiko, meinem 95. Land. Sie hat sogar schon U-Bahn-Tickets und Reiseführer für mich besorgt: Ich sehe also einer Rundumversorgung entgegen. Und auf mexikanisches Essen freue ich mich auch schon sehr. Wird toll ...

Samstag, 3. Januar 2015

2014, Trier, Singapur, Kapverden

Von hinten nach vorn: Meine Ma hat jetzt unsere Nachbarin beauftragt, mal nach Kapverden-Reisen im September oder so zu schauen, so über meinen Geburtstag. Daher ist jetzt dieses kleine Inselgrüppchen westlich des afrikanisches Kontinents orange eingefärbt. Gebucht wird aber diesmal wirklich erst frühestens Anfang Februar ...

Heute habe ich auch noch unsere Hotels in Singapur gebucht. Das dürften mit die teuersten sein, die wir auf der Reise habe, aber hey, das ist Singapur. In viereinhalb Monaten ist es ja schon soweit ...

Über Silvester waren wir in Trier und waren sehr beeindruckt von dieser schönen Stadt. Leider war die Stadt auch ziemlich kalt, sodass ich mich gründlich verkühlt habe. Um 18 Uhr war ich im Bett und unterbrach meinen Schlaf nur notgedrungen, als ich gegen Mitternacht von dem Geböllere wach wurde. Trier, du wirst nochmal in einem Frühjahr oder Sommer unsicher gemacht, dann geht es mir bestimmt besser.

Auf der Heimfahrt machten wir einen kleinen Abstecher nach Luxemburg-Stadt, wo es aber auch neblig war, sodass wir durchstarteten und - nach einem Zehn-Minuten-Abstecher ins französische Apach samt Grenzsteinbesichtigung und damit ich gleich mal 2015 in drei Ländern war (nein, ich spinne ganz bestimmt nicht!) - stattdessen zügig nach Wiesbaden zurückfuhren.

Ja, 2014 war - wie die meisten der letzten Jahre - ein reisereiches Land:

Schon der 1. Januar 2014 mit dem Besuch an den Schlachtfeldern um Verdun war außerordentlich beeindruckend. Dann kam Istanbul, meine Lieblingsstadt, und die erste Fahrt unter dem Bosporus hindurch. Kirgisien war eine echte Abenteuerreise mit tollen Landschaften und freundlichen Menschen. Südamerika war so reich an Eindrücken, ob an der Christusstatue, am Zuckerhut oder an der Copacabana in Rio, auf dem Mercado del Puerto in Montevideo, in der Innenstadt von Buenos Aires, natürlich an den Iguazúfällen, beim Fußball in Recife und bei den abschließenden Strandtagen in João Pessoa. Von der Entwicklung im Kosovo war ich sehr angetan, auch wenn wir fast den Flug verpasst hätten. Und schließlich, als finales Highlight des Jahres, Algerien mit Tipasa, wo ich mal wieder staunte und den Mund nicht mehr zu kriegte.

Meine armen Mitmenschen, denen ich jetzt noch mehr erzählen werde, wenn sie denn so unklug sind, mich ins Reden kommen zu lassen. Die Ärmsten ...

So, noch ein paar statistische Daten: 2014 waren das sechs neue (Kirgisien, Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Algerien) bei insgesamt 16 besuchten Ländern auf vier Kontinenten (Europa, Asien, Südamerika und Afrika). Erstmals seit 2008 war ich in einem Kalenderjahr nicht in den Vereinigten Staaten, erstmals seit 2006 in einem geraden Kalenderjahr nicht in der Ukraine.

2014, du warst schön. 2015, ich komme ...