Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Dienstag, 17. Juni 2014

Foti, Foti

Nach diesem Post folgt der Bericht vom 16. Juni.

Jaja, ich war schluderhaft mit dem Einstellen von Fotos. Sorry. Ich bin nur die letzten Tage heilfroh gewesen, zumindest etwas halbwegs Sinnvolles als Tagesbericht zu schreiben, dass ich die Bilder habe hintenrunter fallen lassen. Hier nun eine Auswahl:

In Puerto Iguazú

Zusammenfluss von Paraná und Iguazú, links oben ist Paraguay, rechts oben Brasilien, im Vordergrund Argentinien

Soso, die Malvinas (Falkland-Inseln) sind argentinisch ... Das werden die Briten anders sehen.

Casa Rosada, der Präsidentenpalast, in Buenos Aires

Sonnenaufgang auf der Fähre von Buenos Aires nach Montevideo

Im Mercado del Puerto in Montevideo

Plaza de Independencia in Montevideo

Da kommt nur noch die Antaktis ...

Straßenszene in Buenos Aires

Congreso Nacional in Buenos Aires

Congreso Nacional in Buenos Aires und Denkmal für zwei Nationalversammlungen in den 1810er-Jahren

Verbummelt

Sehr erfolgreich haben wir heute den Tag in Buenos Aires verbummelt.

So langsam gewöhnen wir uns offenbar an die Zeitverschiebung, denn wir wurden beide erst relativ spät - gegen 8 Uhr - wach. Nach gemütlichem Aufstehen und Duschen (ich hatte, glaube ich, noch gar nicht erwähnt, dass wir hier im Hotel einen abnehmbaren Duschkopf haben - großes Lob für die NH-Hotels!) gingen wir lecker frühstücken mit verschiedenen Säften und Leckereien (neben den üblichen Sachen wie Rührei etc.).

Wir machten einen Spaziergang über die Plaza de Mayo und entschieden uns spontan, ein paar Stationen mit der U-Bahn zu fahren. Die U-Bahn von Buenos Aires ist wirklich sehr schick: Die Stationen sind sehr schön gestaltet, und die U-Bahn an sich ist sehr sauber und sogar sehr wohlriechend.

Wir stiegen am Congreso Nacional aus und bewunderten das Parlamentsgebäude Argentiniens. Über die Avenido 8 de Mayo gingen wir zurück in Richtung Casa Rosada, dem Präsidentenpalast. Buenos Aires erinnert uns an gepflegte Stadtteile von New York oder Boston, wunderbare Hausfassaden, alter Baumbestand, sehr schick.

Das Deutschland-Spiel um 13 Uhr machte uns natürlich den ganzen Tag insofern kaputt, als wir uns die äußeren Bezirke von Buenos Aires nicht wirklich angucken konnten. Die Kneipe, die wir fürs Spielgucken anvisiert hatten, öffnet leider erst um 17 Uhr, sodass wir Plan B suchen mussten. Am Schluss landeten wir in einem Pub, das anfangs leer war, aber so langsam voll wurde. Wir, und speziell ich, waren ein bisschen die Volksbelustigung, weil ich bei wichtigen Deutschland-Spielen durchaus ein wenig, ähm, angespannt bin.

Nach dem wunderbaren Spiel machten wir noch einen weiteren kurzen Spaziergang und kamen wieder in der Gaststätte unter, in der wir den ersten Tag in Buenos Aires auch schon geblieben waren. Unser Ober erkannte uns wieder, wir tranken ein Weinchen und aßen Tintenfischringe.

Danach gingen wir - gut gestärkt - ins Hotel und gucken nun in aller Ruhe das USA-Spiel gegen Ghana. Heute waren wir einfach platt und wollten gar nicht mehr weitere Stunden Buenos Aires erkunden. 2030 ist hier (und in Uruguay) ja womöglich WM, da wollen wir allerspätestens wiederkommen ...

Erst einmal gute Nacht. Morgen kommt der Bericht dann schon wieder aus Brasilien, sofern alles gut geht ...

Montag, 16. Juni 2014

Adiós, Montevideo

Heute sind wir - beide! - erst um 6 Uhr wachgeworden, obwohl heute Nacht noch so ein Horst an der Zimmertür geklopft hatte, weil er sich im Zimmer irrte.

Nach entsprechend spätem Frühstück machten wir einen Bummel entlang der Ramblas, der Hafenpromenade von Montevideo. Es ist ein spannendes Gefühl, am (bisher) südlichsten Ort seines Lebens zu stehen und zu wissen, dass, wenn man nach Süden guckt, nur noch die Antarktis ist.

Ansonsten machten wir einen ganz entspannten Urlaubstag ohne viel Sightseeing, dafür guckten wir bei einem E-Jugend-Spiel irgendwelcher Teams aus Montevideo zu (und ich betätigte mich gelegentlich als Balljunge). Entweder habe ich damals nicht alles so richtig mitgekriegt oder wir haben damals in der E-Jugend wirklich nicht so viele Übersteiger, elegante Ballmitnahmen und was weiß ich noch alles draufgehabt - ich sowieso nicht, aber auch bei meinen Mitspielern kann ich mich an derlei Sperenzchen nicht erinnern.

Danach gingen wir wieder zur Plaza de la Independencia, guckten uns das Mausoleum von José Artigas, dem Helden des uruguayischen Vaterlandes, an (zwei Soldaten halten daneben Ehrenwachen, die armen Säue, heute kam wenigstens mal einer ...) und ließen uns dann in einer Gaststätte zum Mittagessen und Fußballgucken nieder. Die Schweiz  gewann glücklich, aber nicht unverdient, und wir gingen wieder zurück in Richtung Hotel und Mercado del Puerto. Dort setzten wir uns diesmal an die Bar unserer Kneipe (per Handschlag begrüßt von Oberkellner und Kellner) und guckten dem Fleisch beim Braten zu - das ist wirklich abartig, was da alles in der Spanne eines Fußballspiels an Fleisch verarbeitet wird.

Nach dem zweiten Spiel, leider gewann Frankreich, gingen wir wieder den kurzen Weg zu unserem Hotel, holten unser Gepäck aus der Aufbewahrung und liefen die wenigen Schritte zum Fährhäfen. Wieder mussten wir an der "Identifiquen-se"-Schranke vorbei, aber die Frage nach dem "Buquebus", unserer Fährgesellschaft, bejahten wir einfach und wurden durchgelassen. Interessantes Hafensicherheitskonzept ...

Wir waren wieder viel zu früh, konnten nach endlicher Zeit einchecken und nach kurzer Wartezeit auch offiziell aus Uruguay aus- und nach Argentinien einreisen. Das mit den gemeinsamen Grenzkontrollen läuft hier ziemlich entspannt ab. Bei der Ausreise aus Argentinien hatten wir Fingerabdrücke abgeben müssen, bei der Einreise nicht - das verstehe auch, wer will.

Ich versuchte, einen Livestream des Argentinien-Spiels zu organisieren, was mir - im Gegensatz zu einigen anderen - nicht gelang, als es schon ans Boarden ging. Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, aber auf dem Schiff ging wenige Minuten nach dem Auslaufen Ton und Bild an, sodass wir den 2:1-Sieg von Messi & Co. unter lauten Jubelschreiben der Argentinier mitverfolgen konnten.

Es ist spät geworden heute, unsere Fähre, auf der ich diese Zeile (vor-)schreibe, wird um 23.15 Uhr in Buenos Aires ankommen, vor 0.30 Uhr werden wir wohl nicht im Bettchen sein.

Montevideo hat uns beiden sehr, sehr gut gefallen, und ich denke (wie so häufig), ich werde nicht das letzte Mal in Uruguay gewesen sein. Wir sind aber beide schon sehr gespannt auf den vollen Tag in Buenos Aires morgen, auch wenn wir zwischendurch natürlich Fußball gucken werden. Wir werden eine Sportkneipe suchen (und hoffentlich finden) und sehen, dass wir den Argentiniern nicht zu arg auf den Senkel gehen ...

Gute Nacht. Hasta mañana.

Sonntag, 15. Juni 2014

Stimmung im Eimer

Joa, nach dem 1:3 von Uruguay gegen Costa Rica waren die Leute im Mercado del Puerto, dem Hafenmarkt, hier in Montevideo, der inzwischen eine Fressmeile ist, nicht mehr so gutgelaunt wie vor dem Spiel und nach dem 1:0 ihrer Helden ...

Meine Ma war schon um 1 Uhr wach und hatte schon angefangen, alle Sachen in unseren Koffern umzuräumen und noch einmal Kleidungsstücke durchzuwaschen, als der Wecker um 4.00 Uhr klingte. Ich kuschelte noch ein bisschen, aber stand dann doch auf.

Gegen 5.00 Uhr waren wir - pünktlich - fertig, auch wenn ich, nachdem ich in der Dusche weggerutscht war und beim Abfangen die Glaswand zwischen Badewanne und Rest des Badezimmers verschoben hatte, den Kulturbeutel meiner Ma unter Wasser setzte, weil die Glaswand gerade so schwang, dass sie den Wasserhahn am Bidet, in dem der Kulturbeutel stand, aufschob. Wenn man das Ganze hätte nachstellen wollen, hätte man sicher 100 Versuche benötigt. Zum Glück war aber alles halb so schlimm ...

Der Check-in ging fix und die Taxifahrt zum Fährterminal ebenfalls. Natürlich waren wir - zwei Stunden vor Abfahrt sollte man da sein, zwei Stunden vorher waren wir da - viel zu früh. Dass das Terminal schon geöffnet war, grenzte an ein Wunder. Die Argentinier guckten mich komisch an, weil ich im Gebäude meine Jacke auszog (war ja schließlich warm), während sie mit Mütze und Schal vor sich hin froren.

Wir checkten ein und bekamen praktischerweise schon vorausgefüllte Ausreisezettel. Für irgendwas muss es ja gut sein, wenn man das ganze Zeug schon bei der Buchung angeben muss. Ausreise aus Argentinien und Einreise nach Uruguay fanden gleichzeitig statt, sodass wir schon nach Uruguay eingereist waren, als wir noch in Buenos Aires auf das Boarding warteten.

Die Fähre war ziemlich leer heute, und als wir im Dunkeln losfuhren, schnarchten manche vor sich her. Der Sonnenaufgang über dem Meer war sehr beeindruckend zu sehen, und nach sehr kurzweiligen drei Stunden kamen wir sehr pünktlich im Hafen von Montevideo an. Wir liefen ein paar Schritte in Richtung Altstadt und kamen an unserem Boutique-Hotel an, in dem wir sogar schon einchecken konnte. Unser Rezeptionist war sehr freundlich und erläuterte uns gleich den Weg ins Stadtzentrum.

Den vorgeschlagenen Weg nahmen wir auch und liefen an der Kathedrale und dem Verfassungsplatz vorbei zur Plaza de la Independencia, dem Unabhängigkeitsplatz.

Auch Montevideo gefällt uns sehr gut. Auch hier gibt es etliche alte Kolonialbauten, und dieses Gebäude im Art-Deco-Stil, das man vom Unabhängigkeitsplatz aus sieht, ist auch sehr interessant. Nach diesem ersten Stadtbummel liefen wir wieder zurück in Richtung Hotel und, vor allem, Mercado del Puerto, weil wir - nach einem nicht gar so üppigen Frühstück heute Morgen - doch ein wenig Hunger hatten.

Wir suchten uns ein Kneipchen und setzten uns dann in den ersten Stock in diesem Marktgebäude, dessen Konstruktion ein wenig an den Eiffelturm erinnert und sogar einen Glockenturm vorweisen kann. Dort schauten wir das Spiel Kolumbien - Griechenland mit leckeren Vorspeisen (gebackene Fischlein für meine Ma, Blutwurst und Bratwurst für mich), während danach die riesigen Steaks auf uns warteten. Wieder einmal seeeeeehr lecker. Zu Beginn des Spiels Uruguay - Costa Rica aßen wir dann noch einen Nachtisch, ehe wir uns dem Spiel und dem Beobachten unseres sehr nervösen Kellners zuwandten.

Als Uruguay das 1:0 schoss, war die Stimmung noch sehr gut, sie kippte nur während des Spiels und war vollends im Eimer, als die Partie schließlich 1:3 zu Uruguays Ungunsten endete. Arme Urus ...

Unsere zwei Ober verabschiedeten uns dennoch mit Handschlag, und wir fanden den Weg in unser direkt gegenüber gelegenenes Hotel recht gut.

Wieder einmal, auch in meinem 92. Land, sind wir früh im Bettchen. Ob ich es schaffe, England - Italien zu Ende zu gucken, bezweifle ich ein wenig, weil ich echt kaputt bin. Gute Nacht!

Samstag, 14. Juni 2014

Gute Lüfte

Naja, gute Lüfte oder auch buenos aires hatten wir heute im Flieger von Puerto Iguazú nach Buenos Aires eher nicht. Aber von vorne:

Nach wieder einmal frühem Wachwerden frühstückten wir recht gut in unserem Aparthotel in Puerto Iguazú. Wir waren viel zu früh, um schon zum Flughafen zu fahren, sodass wir einen Spaziergang zum Zusammenfluss von Paraná und Iguazú machten. Dort fließt der (braune) Iguazú in den saubereren Paraná, was gleichzeitig das Dreiländereck zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay bildet.

Nach einigen Fotos machten wir uns - im wieder einsetzenden Regen - zurück ins Hotel. Um 9 Uhr ließen wir uns vom Taxi an den Flughafen fahren. Der Check-in war problemlos, das Pre-Boarding (Bordkartenkontrolle vor dem Gatezugang) war ein wenig ungewohnt, weil an dem gleichen Gate zwei Flieger abgefertigt wurden.

Unserer kam übrigens - apropos argentinische Pünktlichkeit - ein bisschen verspätet.

Der Flug entschädigte für die leichte Verspätung, allerdings auf eine Weise, die vielen Fluggästen eher nicht gefiel: Es rumpelte und knallte gelegentlich, insgesamt war das ein ziemlich unruhiger Flug. Aber wir haben es ja offenbar überlebt.

Nach der Ankunft am Aeroparque in Buenos Aires machte ich mich auf die beschwerliche Suche nach einem funktionierenden Geldautomaten: Den ersten Automaten setzte ich - versehentlich - außer Gefecht, aber am zweiten bekam ich wenigstens ein bisschen Geld.

Unser Taxifahrer hatte einen - ähem - komischen Taxameter, der wilde Sprünge vollführte und plötzlich binnen Sekunden um mehrere Stufen nach oben sprang. Verdächtiges Teil, aber richtigen Betrug konnten wir ja - wie immer - nicht nachweisen, sodass wir es bei dem alles in allem ja akzeptablen Preis beließen, zumal uns der Typ wirklich bis vors Hotel fuhr.

Unser Hotel ist sehr gut und liegt nun tatsächlich monsterzentral eine Minute von der Plaza de Mayo und der Casa Rosada, dem Präsidentenpalast, entfernt.

Wir hielten uns aber nicht sonderlich lange hier auf, sondern suchten uns eine Gaststätte, die drei Bedingungen erfüllen sollte: gemütlich, typisch buenos-aires-k und fußballzeigend. Gleich ums Eck fanden wir La Puerto Rico, wo wir uns - bedient von einem, sagen wir, gewöhnungsbedürftigen Ober - niederließen. Wir aßen - wir sind in Argentinien - sehr leckeres Steak. Weil ich nicht mehr so viel vom Bierkonsum schreiben will: Heute tranken wir Wein, leckeren argentinischen Rotwein.

Nach dem Spiel Spanien - Niederlande ging meine Ma ins Hotel, während ich einen kurzen Spaziergang durch das spätnachmittagliche Buenos Aires machte: Buenos Aires ist toll, es gibt viele Kolonialbauten, und man merkt eine sehr eigentümliche und spannende Mischung aus jungen Leuten (ein Bau der Universität ist in unserer Straße) und älteren Herrschaften (wie in unserem Café). Heute war es - zumindest für die Porteños, die Einwohner von Buenos Aires - ziemlich kalt: Bei 15°C gingen fast alle in Jacken und Mäntern druch die Straßen.

Wir sind nach diesem ersten Eindruck sehr gespannt auf unseren vollen Tag hier in Buenos Aires, denn morgen und übermorgen sind wir ja erstmal in Uruguay.

Morgen geht tatsächlich mal ein Wecker, weil wir - angeblich - schon um 5.30 Uhr am Fährhafen sein sollen, um für die Fähre einzuchecken.

Bis morgen!

Freitag, 13. Juni 2014

Ahora hablamos español

... porque estamos en Argentina.

Vor dem eigentlichen Start in den Tag haben wir noch für den Abend des 21. Juni einen Flug von Rio nach São Paulo gebucht, weil wir auf der einen Seite das Deutschlandspiel an dem Tag sehen wollten (wir kommen um 15 Uhr von den Iguazu-Fällen an und fliegen schließlich um 19.30 Uhr weiter, das Spiel ist um 16 Uhr), zum anderen aber auch nicht das Hotel in São Paulo umbuchen wollten.

Danach packten wir unser Zeug zusammen, gingen frühstücken und ließen uns dann relativ zeitig mit dem Taxi zum Flughafen fahren. Das mit dem "zeitig" war sehr gut, denn wir standen sicher eine gute Stunde im Stau. Andererseits ging der Check-in und auch die Sicherheitskontrolle am Flughafen überraschend schnell, sodass wir doch wieder zu früh am Gate waren. Es wurde noch eine WM-Baseballkappe erworben, danach ging es ins Fliegerlein.

Mit wenigen Minuten Verspätung flogen wir ab, es ging zunächst übers Meer, dann landeinwärts über den Urwald. Wir kamen vorzeitig an und durfen übers Rollfeld laufen. Unser Gepäck kam auch schnell, wir hoben noch ein bisschen Geld ab (Erläuterung gleich) und ließen uns dann nach einem gescheiterten Versuch, den Taxifahrer herunterzuhandeln, von demselben über die brasilianisch-argentinische Grenze zu unserem Hotel im argentinischen Puerto Iguazu fahren.

Die Ausreise aus Brasilien war unproblematisch (auch wenn wir zu Fuß in die Grenzstation gehen mussten), die Einreise nach Brasilien ebenfalls (einfach am Fenster die Pässe der Grenzerin geben). Nur der argentinische Zöllner zog uns zur Stichprobe raus, weil wir den Fehler gemacht hatten, dass ich aus dem Taxi ausstieg anstatt meiner Ma, denn die hätte womöglich einen Frauenbonus bekommen.

Naja, also schleppten wir unsere Koffer zur Röntgenanlage, einmal durch, alles gut, Grenze erledigt.

Unser brasilianischer Taxifahrer kannte sich in Puerto Iguazu nicht so gut aus und musste zweimal nachfragen, wo denn unser Hotel lag. Mit Google Maps hätte ich ihm helfen können, aber beide Male hatte er schon Leute angequatscht, da wollte ich ihm nicht in die Quere kommen.

Unser Hotelele ist schön, frischer Anstrich von außen, Pool im Hof, innendrin sieht man schon die eine oder andere Gebrauchsspur, aber das ist okay. Man kann nicht mit Kreditkarte zahlen, sodass wir nach einer Wechselstube fragten. Die Rezeptionistin schickte uns zur Bank zum Wechseln oder zum Geldautomaten.

Nun hatte ich gelesen, dass es in Argentinien einen offiziellen und einen Schwarzmarkt-Wechselkurs gibt mit deutlichen Kursunterschieden. Zudem sollten, laut Reiseführer, die Wechselstuben zumindest hier in Puerto Iguazu auch näher am Schwarzmarkt-Wechselkurs liegen als am offiziellen. Daher hatte ich noch in Brasilien Geld abgehoben, um dieses möglichst gewinnbringend in argentinische Pesos anzulegen.

Da aber die Wechselstuben, die wir hier erblickten, noch schlechter wechseln als der offizielle Wechselkurs, ließen wir es zumindest hier in Puerto Iguazu mit dem Wechseln sein und hoben ganz normal mit der Kreditkarte Geld ab. Nun haben wir ein bisschen viele brasilianische Reais im Geldbeutel, aber die kriegen wir in Brasilien dann schon wieder los.

Wir machten einen Stadtbummel durch Puerto Iguazu, das - gerade im Vergleich zu Rio de Janeiro - eine verschlafene kleine Provinzstadt ist und suchten eine der im Reiseführer empfohlenen Kneipen. (Mindestens) einmal auf jeder Reise führe ich meine Reisebegleitung souverän in der Pampa (Achtung, Wortspiel, Pampa in Argentinien, haha) herum, und heute war es halt hier soweit.

Unser angestrebtes Lokal lag beim besten Willen nicht noch näher am Fluss, denn im Grenzfluss zu Brasilien befindet sich definitiv keine Gaststätte. Also gingen wir die Straße, die uns zum Fluss geführt hatte, wieder hoch und ließen uns schließlich in einer groß mit einem schlechten deutschen Bier beworbenen Kneipe nieder.

Wir tranken natürlich argentinisches Bier (in Ein-Liter-Flaschen) und aßen ordentliche argentinische Steaks, ehe wir uns zusammen mit ein paar Argentiniern und Kroaten das Eröffnungsspiel anguckten.

Danach gingen wir, es war wieder Schlafensgehenszeit für uns, schnurstracks zurück ins Hotel, bezahlten unsere Rechnung und suchten unser Quartier auf.

Morgen geht es zu einer einigermaßen christlichen Zeit vom argentinischen Flughafen weiter nach Buenos Aires.

Land Nr. 91, du wirst einige schöne Sachen mit uns erleben (hoffe ich!) ...

Mittwoch, 11. Juni 2014

Pão de Açúcar


Auf dem Zuckerlaib, wie der Zuckerhut im Portugiesischen und auch im Englischen heißt, waren wir heute.

Zuckerhut mit Zuckerguss
Auch wenn das Wetter heute noch immer nicht so ganz berühmt war, war es doch deutlich besser als gestern. Deswegen konnten wir auch an den Strand gehen. Das Badevergnügen war allerdings ein wenig dadurch getrübt, dass Ebbe war und die Wellen deshalb sehr viel Sand aufwirbelten, sodass ich mal wieder total versandet war. Naja, eine gute Dusche kann viel Abhilfe schaffen.

Nach dem wie immer leckeren Frühstück machten wir uns an unsere angestammte Bushaltestelle und warteten auf den Bus 511, der uns von der Copacabana zur Talstation der Zuckerhut-Seilbahn bringen sollte. Der Verkehr heute Morgen war sehr stark, und zu allem Überfluss sperrte die Polizei plötzlich auch noch die Straße. Das Hupkonzert brachte wenig, erst als der englische Teambus an der Kreuzung vorbeigefahren war, durften wir weiterfahren. So macht man sich keine Freunde in Rio de Janeiro, liebe Engländer ...

Die Engländer wiesen uns aber trotzdem den Weg, denn ihre Trainingsstätte liegt direkt unterhalb des Zuckerhutes.

Der Andrang an der Talstation war sehr gemäßigt, sodass wir ganz fix in die erste Gondel, die uns auf die Zwischenstation bringen sollte, einsteigen konnten - kein Vergleich zur einstündigen Wartezeit für den Corcovado. Der Ausblick aus der Gondel und auch von der Zwischenstation auf Rio ist wirklich phänomenal: Die Christusstatue war heute zwar größtenteils im Nebel versteckt, aber manchmal konnte man sie erspähen, der Blick auf die Innenstadt und den Inlandsflughafen, auf die Copacabana und den Jachthafen, auf die Brücke rüber nach Niterói, auf die Inselchen vor Rio und die Hügel in der Stadt - das ist ernsthaft beeindruckend.

Die wenige Minuten dauernde Fahrt von der Zwischenstation auf den Zuckerhut selbst steigert die Faszination noch einmal - obwohl das eigentlich gar nicht geht, sollte man meinen. Die Flugzeuge im Landeanflug auf den Inlandsflughafen zu sehen, die Hubschrauber, die über der Stadt umherfliegen, den Engländern beim Training zuzugucken - das ist Rio, wie man es sich vorstellt, und es ist einfach toll.

Downtown Rio
Auf dem Zuckerhut begegneten uns Fußball-Fans aus aller Welt, die Australier und Kolumbianer sind besonders stark vertreten, aber auch die Kroaten (alle im Trikot), die Argentinier, die Bierturm bauenden Deutschen (nicht wir!), die Mexikaner, etliche US-Amerikaner, ein paar Franzosen und Italiener, der ein oder andere Spanier, rotgesichtige Engländer, alle sind sie da. Einigen Leuten (zwei, drei Franzosen zum Beispiel) waren wir vorgestern schon an der Christusstatue begegnet, die Welt ist klein, und die Zahl der absoluten Top-Attraktionen in Rio nun auch wieder nicht so unüberschaubar riesig, dass so etwas nicht passieren könnte.

Danach ging es wieder an die Copacabana, beim Schreiben von Postkarten genossen wir den Saft einer Kokosnuss, ehe wir wieder das Rodízio-Lokal ansteuerten, wo wir vorgestern waren. Breiten wir den Mantel des Schweigens darüber, ein Wort reicht: vollgefressen.

Copacabana von oben
Die Schwärmerei von Rio hat nur einen richtigen Haken: Morgen ist es schon wieder vorbei, denn morgen geht es in Richtung Iguazufälle, in Richtung Argentinien, auch wenn wir immer noch nicht genau wissen, wie wir das mit dem zweiten Koffer machen (im Hotel, in das wir nach dem Argentinien-Trip einkehren, abstellen oder mitnehmen) und wo wir das Eröffnungsspiel gucken (in Brasilien oder schon in Argentinien). Wir werden, wie so oft, spontan entscheiden.

Schlechtes Wetter

Heute war schlechtes Wetter, heute Morgen regnete es wie aus Kübeln.

Wir ließen daher das Schwimmen heute Morgen sein und gingen gleich zum Frühstück. Mangos, Papayas, Ananas, Melonen - so mag ich Frühstück, vor allem, wenn es daneben auch noch Salamibrötchen gibt ...

Danach machten wir einen kurzen Spaziergang zur nächstgelegenen U-Bahn-Haltestelle und fuhren ins Zentrum von Rio de Janeiro. Dort fing es wieder an zu gießen, und zu allem Überfluss führte ich uns in die falsche Richtung. Nachdem der Fehler bemerkt war, gingen wir in die richtige Richtung, und das war in Richtung der Candelária-Kirche.

Die Kirche ist von außen nicht unansehnlich, aber auch kein besonderes Schmuckstück. Von innen sieht das allerdings doch ein bisschen anders aus. Hier ist die Candelária schon ganz schick anzugucken. Allerdings fehlte im Inneren die für Südamerika übliche Kombination aus National- und vatikanischer Flagge. Komisch.

Wir bummelten noch ein wenig durch das abtrocknende Rio de Janeiro, guckten uns den Paço Imperial, den alten Kaiserpalast, an, der tatsächlich atemberaubend bescheiden ist und machten uns dann auf den Rückweg.

Am Ipanema-Strand stiegen wir aus und guckten uns ein bisschen um. Auch wenn es heute regnete, konnte man sehr gut erahnen, dass der Ipanema-Strand bei Sonne mindestens so schön wie die Copacabana ist.

Wir fuhren zurück zur Copacabana, zogen uns Badeklamotten an und gingen zum Strand: Wir waren nämlich völlig platt. Das Schwimmen im Meer war heute nicht ganz ungefährlich, weil die Wellen gefühlt noch höher waren als die letzten Tage. Jedenfalls hatte ich wieder Sand in der Hose, als wir zurück ins Hotel kamen.

Heute Abend fanden wir die Gaststätte, die wir gestern noch verfehlt hatten, und aßen lecker Fleisch. Viel Fleisch. Sehr viel Fleisch. Lecker. Hmmm. Das Restaurant war völlig leer, weil wir um 17 Uhr zu spät fürs Mittagessen und viiiiel zu früh fürs Abendessen waren. Uns ist es wurscht, wir sind kaputt, jetzt geht's gleich ins Bett.

Es ist uns jetzt schon ein paar Mal passiert (nachdem wir uns als Deutsche geoutet haben), dass wir von Obern angesprochen wurden, dass Miroslav Klose ja womöglich Ronaldo in der Rangliste der besten WM-Torschützen überholen könnte. Das scheint die Brasilianer echt zu beschäftigen.

Morgen geht's wahrscheinlich auf den Zuckerhut, und dann heißt es ja fast schon wieder Abschiednehmen von Rio de Janeiro ...

Fotos gibt's heute nicht, bin zu faul.

Dienstag, 10. Juni 2014

Viele Möpse

Joa, ich habe meine Ma gestern noch herumgekriegt: Wir sind in diese Rodizio-Kneipe marschiert. Die Rechnung wies am Ende 51 Minuten Aufenthalt aus, aber die hatten es in sich. Etwa alle zweieinhalb Minuten kam so ein Kellner und bot uns irgendein Stück Fleisch vom Spieß an. So viel
Christus der Erlöser
Blick auf den Zuckerhut

Das Maracanã-Stadion
leckeres Fleisch in so kurzer Zeit habe ich in meinem Leben noch nie gegessen. Der Salat und die zwei Stücke Sushi dazu hätten gar nicht sein müssen, und das nächste Mal futtern wir nicht nur die relativ (relativ!) weniger berauschenden Stücke am Anfang, sondern lassen die aus und essen die Filetsteaks satt ...

Auf dem Heimweg wurde wir exakt null Mal überfallen. Alles überlebt.

Heute Morgen waren wir um etwa 4 Uhr wach. Um 6.30 Uhr (ja, ich um 6.30 Uhr, ich Vollhotze) verließen wir das Hotel (im Hellen) und liefen in Richtung Strand. Polizei war sogar schon da, sodass wir völlig unbesorgt an der Copacabana entlangschlenderten. Meine Ma wollte nicht so recht ins Wasser, aber ich genoss das Wellenreiten (heute allerdings in der Light-Version). Schee.

Sowohl am Strand als auch auf dem Weg zurück ins Hotel begegneten uns etliche Möpse - und diverse Hunde ...

Nach dem Duschen und dem leckeren Frühstück mit Salamibrötchen, Papaya und Mango ging es zur nächstgelegenen Bushaltestelle. Wir warteten recht lange (zwischendurch fragte uns wieder einmal eine sehr freundliche Brasilianerin, ob sie uns helfen könnte), aber schließlich kam unser Bus 583 zum Corcovado.

Wir wurden von einem Taxifahrer begrüßt, der uns offenbarte, dass die nächste erreichbare Bahn hoch zur Christusstatue erst in einer Stunde führe - er sagte die Wahrheit. Dies hielt uns nicht davon ab, uns ein Ticket für ebendiese Fahrt zu kaufen und die Wartezeit unter Genuss eines kühlen Bieres zu überbrücken. Dabei wurden wir von einer älteren Dame angequatscht, die ziemlich gut Deutsch sprach und sich als Schlepperin für ein Juweliergeschäft betätigte.

Die Fahrt hoch zur Statue führte durch einen mittelprächtigen Urwald und bot tolle Ausblick auf Rio de Janeiro.

Oben an der Statue war die Hölle los: Normale Menschen und Fußballfans aus aller Welt legten sich auf den Boden, um die Christusstatue in voller Pracht zu fotografieren, einige Vollidioten stellten sich auf die Brüstung, um ein besonders tolles Bild zu erhaschen. Als ob die Aussicht von dort oben auf Zuckerhut, Copacabana, Ipanema und Maracanã nicht schon toll genug gewesen wäre.

Nach einer Stunde intensiven Guckens fuhren wir wieder runter und ließen uns von einem Bus ins Zentrum bringen. Dort stiegen wir in eine U-Bahn zum Maracanã-Stadion. Wir umrundeten das Stadion zunächst zur Hälfte, ehe meine Ma eine Volunteerin ansprach, ob man denn das Stadion und das darin gelegene Museum besichtigen könnte. Die Volunteerin lud uns auf ihren Caddywagen auf, und so fuhren wir - unter Beäugung diverser anderer WM-Touristen - eine weitere Viertelrunde um das Stadion, bis wir schließlich erfuhren, dass aufgrund der WM das Stadion komplett geschlossen ist. Schade.

Nach der Vollendung der Stadionumrundung gingen wir wieder zur - bestenfalls - just in time fertig werdenden U-Bahn-Station und fuhren zur Copacabana zurück. Nach einem kurzen Bummel von der U-Bahn-Station zum Strand aßen wir mit Blick auf die Copacabana sehr leckeres Steak (das Rodizio-Restaurant, das ich anstrebte, fand ich leider nicht - nächster Versuch morgen) und ließen uns zum Absacker noch unterwegs in einer Straßenkneipe nieder. Zwei Caipirinhas und zwei Cuba Libres wurden geschlürft, und nun sind wir beide äußerst bettfertig.

Gute Nacht, morgen soll es wohl regnen. Vielleicht geht es trotzdem zum Zuckerhut, wir werden sehen.

Sonntag, 8. Juni 2014

Wellen 2, ich 0

Ein Freundschaftsspiel zwischen den brasilianischen Wellen und dem deutschen Urlauber endete heute an der Copacabana mit einem leistungsgerechten und letztlich ungefährdeten 2:0-Sieg für die Lokalmatadoren. Nach einer spannenden ersten Halbzeit im kühlen Nass ging es beim Spielstand von 0:0 zum Pausentee. Der Pausentee wurde, wie bei dem deutschen Urlauber üblich, durch Bier ersetzt.

Kurz nach Wiederanpfiff um 11 Uhr wurde der Urlauber auf dem rechten Flügel überrumpelt und trug bei einem Wellenreitmanöver brutalstmögliche Hautabschürfungen in der Nähe des Knies davon. Gegen Ende des Spiels warf der Urlauber alles nach vorne, was dazu führte, dass nicht mehr er die Wellen ritt, sondern die Wellen ihn. Unmittelbar danach gab der Urlauber auf.

Wir waren gestern natürlich viel zu früh am Flughafen in Zürich, konnten aber trotzdem schon einchecken und setzten uns nach Durchlaufen der Sicherheitskontrolle gemütlich in ein Terminal-Bistro. Eineinhalb Stunden später wurde uns das Gate bekanntgegeben, sodass wir uns auf den langen Weg von den A- zu den B-Gates machten.

Christusstatue von der Dachterrasse unseres Hotels aus
Das Boarding ging fix, und wir konnten auch bald abfliegen, sodass wir in den Genuss eines für die Alitalia sicherlich nicht alltäglichen Satzes kamen: "Siamo puntuali." Wir waren tatsächlich vor der geplanten Ankunftszeit in Rom gelandet.

Wir wanderten in Richtung der Ausreisekontrolle, an der wir wieder auf eine Riesenschlange auf der einen Seite bei den "tutti passaporti" und eine Nichtschlange bei den EU-Bürgern trafen. Natürlich wählten wir die EU-Bürger-Reihe und waren schnell durch.

Auch das Boarding in Rom ging relativ schnell, nur saßen wir dann eine Stunde im Flieger bei nervtötender Jazzmusik (ich mag ja Jazz ganz gerne, aber dieses Gedudel hat nur aggressiv gemacht, was die Stewardess nach einem Blick in die Augen der Umsitzenden offenbar auch gemerkt hat. Verwunderlicherweise fiel sie daraufhin nicht tot um, sondern stellte die Musik aus. Brav.)

Der Flug ging, mit Hilfe einer Schlaftablette, 12 Years A Slave und Rush, relativ schnell vorbei, sodass wir nach weniger als elfeinhalb Stunden Flug in Rio de Janeiro einschwebten.

Für die schnelle Ausreise aus Italien erhielten wir bei der Einreise nach Brasilien die Quittung: Unsere Schlange war nicht nur gefühlt (das ist sie ja immer), sondern auch tatsächlich die langsamste, sodass meine Mutter gegen Ende am anderen Schalter stand, weil der seine Schlage schon abgearbeitet hatte. Die eigentliche Einreise in mein 90. Land war erwartet unproblematisch, auch wenn sie beim Zoll ein bisschen einen Hindernisparcours eingebaut haben, der aber auch bewältigbar ist.

Copa-...
Wir kamen in die Schalterhalle und waren ob der Ruhe, die dort herrschte, völlig beeindruckt: Da waren durchaus viele Menschen, aber es kamen keine 827 Taxifahrer auf einen zugestürmt mit dem Hinweis, dass man das beste und billigste Taxi zum Zuckerhut hätte. Während die Abwesenheit von aufdringlichen Taxifahrern also durchaus angenehm war, war die völlige Abwesenheit von Geldautomaten in der Ankunftshalle weniger erfreulich. Nach endlicher Suche ließ ich meine Ma (in Absprache mit ihr!) stehen und ging weiter auf Jagd. Auch auf der Abflugsebene gibt es keinen Geldautomaten, aber in der Ebene darüber wurde ich glücklicherweise fündig. Das "Night Limit" betrug aber 300 Reais, etwa 100 Euro: Mehr kann man also nachts nicht abheben, was es dem Expressentführer wohl erschweren soll, fette Beute zu machen. Beruhigend.

Der Bus, den wir benutzen wollten, kam tatsächlich ungefähr zur erwarteten Zeit, der Schaffner lud unser Gepäck ein und ich zeigte dem Fahrer die Adresse unseres Hotels, welche er sich aufschrieb. Wir fuhren über das Terminal 2, den Busbahnhof, den Inlandsflughafen und diverse Umleitungen in einer guten Stunde in Richtung Copacabana. Wir hatten gehofft, dass uns der Busfahrer möglichst nahe bei unserem Hotel rausließe: Er ließ uns direkt am Hotel raus.

Copacabana
Wir konnten - um 7.30 Uhr - schon aufs Zimmer, wo wir ein wenig auspackten und uns umzogen, denn es sollte schnell an den Strand gehen. Davor guckten wir uns aber noch die Dachterrasse unseres Hotels an. Von da sieht man ein paar Kilometer weiter eine 38 Meter hohe Statue von so 'nem Kirchenfuzzi mit ausgebreiteten Armen. Bevor ich jetzt böse oder fragende Kommentare ernte: Es geht um die Christusstatue, die man von unserem Hotel aus sehen kann. Wow.

Noch wowiger ist der Strand der Copacabana, zu dem wir unglaubliche sechs Minuten zu laufen haben. Wow. Achso, hab ich schon geschrieben. Weißer Strand, Fußballfelder, superfreundliche Menschen, die Brandung des südlichen Atlanktik: Herz, was willst du mehr? Bier! Ja, Bier gibt's auch.

Erstmal aber begab ich mich ins Wasser, in dem mir die durchaus zwei, drei Meter hohen Wellen große Freunde bereiteten: Die Strömung ist zum Glück sehr schwach, sodass man, wenn man sich klug anstellt und nicht mitten in die Welle hüpft, da schön entspannt baden kann.

Wir setzten uns - schließlich hatten wir Durst - morgens um 9 Uhr an die Strandbar und waren nicht die Ersten, die heute ein Bierchen zischten. Und wir waren auch nicht die Ersten, die um 10.30 Uhr das vierte Bier bestellten. Danach bekamen wir aber ein bissschen Hunger und aßen lecker Kabeljau-Bällchen (ein wenig salzig) und Fischfinger. Sehr lecker.

Alle Rettungsschwimmer werden sich jetzt - leider mit Recht - an den Kopf greifen, aber wir machten uns gleich nach Alkohol- und Speisenkonsum wieder auf den Weg zum - und ins - Wasser. Dass dann in der großen Welle mein Kopf Bekanntschaft mit einer wasserförmigen Faust und dem sandförmigen Boden machte, lag aber (wirklich) nicht am Alkohol ...

Aber keine Sorge: Die drei Schrammen werde ich überleben, und Spaß gemacht hat's allemal.

Um 12 Uhr ging's zurück ins Zimmer, duschen, Wunden lecken (oooooooooooh). Meine Ma bemüht sich gerade redlich, den doch nicht üppigen Schlaf der letzten Nacht nachzuholen (es ist früher Nachmittag hier), aber ich werde mich bemühen, sie gleich noch in eine Rodizio-Kneipe (All-you-can-eat-Fleisch mit Bedienung, wenn ich das richtig verstanden habe) zu locken.

Ich gewinne in der Regel innerhalb der ersten Stunde in einer Stadt oder einem Land einen Eindruck, ob mir die Gegend gefällt. Rio de Janeiro gefällt mir außerordentlich gut, gerade der Architekturmix in der Innenstadt ist hochinteressant. Ich freue mich sehr auf die nächsten Tage in Rio. Ich denke, wir werden hier relativ zeitig aufstehen, weil die Sonne schon um 6.30 Uhr auf- und um 17.30 Uhr untergeht, und im Dunkeln muss man dann ja vielleicht doch nicht die nächstgelegene Favela erkunden. Wobei, heute Morgen auf der Busfahrt sind um halb sieben Unmengen von Menschen auf den Straßen unterwegs gewesen. Keine Ahnung, wo die alle herkamen. Das Nachtleben könnte man sich ja dochmal angucken.

Aber ganz bestimmt nicht heute Abend.

Samstag, 7. Juni 2014

Barry Manilow

... sang "Copacabana" oder vielmehr "Copa-Copacabana" ... Und wenn ich unseren Schweizer Freunden gestern Abend nicht immer den Ton heruntergeregelt hätte, hätte die ganze Gaststätte an unserem Trip an die Copacabana und darüber hinaus Anteil gehabt - mehr oder weniger freiwillig.

Jedenfalls haben wir gestern Abend - wer diesen Blog regelmäßig liest, wird nicht übermäßig überrascht sein - schön unseren Urlaub und unsere hoffentlich gute Heimkehr begossen.

Heute haben wir dann nach leichter körperlicher Betätigung im Schwimmbad - Gerüchten zufolge wurde ein Walross gesichtet - gut zu Mittag gegessen.

Gleich um 15 Uhr bringt unser Nachbar uns zum Flughafen nach Zürich, wo wir genügend Zeit zum Einchecken haben sollten, ehe dann unser Alitalia-Flug nach Rom um 18.45 Uhr starten wird. In Rom werden wir aus dem Schengen-Raum ausreisen und gegen 21.45 Uhr oder so gen Rio de Janeiro starten.

Morgen werden wir gegen 4.15 Uhr in Rio de Janeiro ankommen (9.15 Uhr deutscher Zeit) und uns erstmal auf den Weg ins Hotel machen. Ich bin aber recht zuversichtlich, dass wir morgen Vormittag brasilianischer Zeit schon mal unsere Astralkörper in die südatlantischen Fluten eingetaucht haben werden.

In Rio soll's nicht viel heißer (eher ein wenig kühler) als hier sein, sodass das für mich genau passt ... Der Sonntag wird wahrscheinlich einfach aus Akklimatisieren an Sonne, Strand und Essen bestehen, während wir an den regnerischeren Tagen danach uns mal die Christusstaue und andere Sehenswürdigkeiten Rios angucken. Mal sehen, wir werden das sicherlich relativ entspannt und spontan machen.

Es ist immer noch ein bisschen unwirklich, aber in 19 Stunden oder so sind wir schon im meinem 90 Land ...

Wir werden berichten.

Sonntag, 4. Mai 2014

Bischkek - Istanbul - Frankfurt - Schwarzwald

Achja, wir sind gestern Abend - wieder einmal - gut von einer Tour nach Hause gekommen.

Nach dem Aufstehen zu einer unguten Uhrzeit (1.30 Uhr Ortszeit, 21.30 Uhr des Vorabends in Deutschland) holte uns unser Taxi pünktlich um 2.30 Uhr ab und brachte uns sicher zum Flughafen.

Dort wurde zweimal unser Gepäck gecheckt, bevor wir überhaupt einchecken durften. Der Flughafen Manas ist es bisschen eng: Es gibt zwei Sektoren zum Einchecken, vor deren Eingängen staut sich alles, aber die Anzahl der Check-in-Schalter und der Raum drumherum ist so klein, dass es gar nicht anders geht.

Jedenfalls konnten wir problemlos einchecken, die Ausreise war ebenfalls ohne Schwierigkeiten, auch wenn unser Grenzer allgemein ziemlich langsam war, sodass wir - leider auch wie immer - viel zu früh am Gate saßen.

Von diesem Gate (es gibt insgesamt nur drei) ging vor uns ein Flieger nach Moskau, ehe wir dann dran waren.

Der Flug war ereignislos abgesehen davon, dass ich mir bei den erfolglosen Versuchen, länger als Sekunden zu schlafen, den Nacken verrenkt habe.

Nach der Ankunft in Istanbul war der Eingang in die Sicherheitskontrolle zum Transitbereich sehr, äh, unorganisiert. Von links und von rechts drängelten die Leute in die Schlange, bis es dem Typen, der aufpasst, dass nur Transitpassagiere in den Bereich kommen, zu bunt wurde und er die Leute mal ein wenig zusammengestaucht hat. Danach ging's, und ich konnte den zwischenzeitlichen Plan, formal einzureisen und dann über die Flughafenhalle (mitsamt formaler Ausreise) in die Sicherheitskontrolle zu gehen, fallenlassen.

Die Securityleute waren ganz eindeutig überfordert. Als ich durch die Schleuse ging, guckte gerade keiner hin, ich meinte sogar, bei mir piepte es (jaja, ich weiß, bei mir piept's ganz bestimmt), aber das interessierte keinen ... (Achja, in Bischkek hatten wir zwei volle Ein-Liter-Flaschen zu trinken im Gepäck, das hat keinen interessiert.)

Am Flughafen frühstückten wir bei Burger King und lasen dann eine türkische Oma auf, die auf dem Weg nach Frankfurt zu Kindern und Enkeln war, auf dass wir sie ein wenig beim Boarding und bei der Einreise unterstützten.

Das Boarding ging ein wenig verspätet los, aber am Ende des ziemlich angenehmen Fluges kamen wir pünktlich im kühlen Frankfurt an. Bei der Einreise unterstützten meine Ma und eine junge Deutschtürkin unsere Oma nach Kräften, sodass der Grenzer, der vorher eine andere Dame ziemlich intensiv befragt hatte, sie durchließ.

Über Skyline, S-Bahn und Bus ging es zum Park-and-Ride-Parkplatz nach Wiesbaden, und von dort mit einem kleinen Stau in Richtung Schwarzwald.

Wir hatten schon vor der Reise für den gestrigen Abend in einer der Gaststätten in meinem Heimatort einen Tisch bestellt, und dort aßen wir sehr gut mal wieder deutsch: also kein Hammel ... Nach dem Essen war ich satt und hundemüde, sodass wir aufbrachen und ich binnen Minuten ins Bett fiel.

Scheene war's.

Kasachstan ist in der obigen Karte jetzt wieder grau, da wir dort nun offenbar nicht eingereist sind (und ob ich mich wegen des kurzen Transits auf der Schnellstraße bei der Grenzziehung auf Google Maps verlassen sollte, bezweifle ich fast ein bisschen).

Damit bin ich nun (wenn man die baltischen Staaten dazuzählt) in elf der fünfzehn Republiken der UdSSR gewesen: eben in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen, in den drei anderen osteuropäischen Republiken Weißrussland, Ukraine und Moldau, in den drei kaukasischen Republiken Georgien, Armenien und Aserbaidschan, natürlich in Russland und nun im zentralasiatischen Kirgisien.

Von den fünfzehn inzwischen unabhängigen Staaten fehlen mir nun noch Kasachstan (die die Visumpflicht für diesen Sommer aufheben wollten, es aber für uns nicht rechtzeitig taten), Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan.

Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind aber reich an ungelösten Konflikten, und auch wenn ich die Krim nicht als Land zähle (sie ist unumstritten nicht unabhängig, sondern - je nach Sichtweise - Bestandteil der Ukraine oder Bestandteil Russlands), zähle ich vier weitere "Staaten", die ebenfalls auf dem Gebiet der früheren UdSSR liegen: Transnistrien (völkerrechtlich zu Moldau, 2010 besucht), Abchasien (völkerrechtlich zu Georgien, noch nicht besucht), Südossetien (völkerrechtlich ebenfalls zu Georgien, noch nicht besucht) und Berg-Karabach (völkerrechtlich zu Aserbaidschan, 2013 besucht).

Zugegeben, Kirgisien macht es Touristen leicht (Einreise visumfrei, keine Registrierung, keine Zollschikanen zumindest bei uns), aber die Erfahrung dort hat mir schon Mut gemacht, die übrigen Staaten in Zentralasien mal zu besuchen; vielleicht folgt Kasachstan bald den Kirgisen und hebt die Visumpflicht auf, vielleicht kommen dann irgendwann auch mal die anderen hinterher.

Es ist noch einiges zu tun bis zum Land 207.

Freitag, 2. Mai 2014

Ein paar tausend Kilometer weiter westlich

... werden wir zum einen morgen schon wieder sein. Aber auch kulinarisch haben wir uns heute mit georgischen Köstlichkeiten vergnügt, die ebenfalls sehr schmackhaft sind.

Nach einigemaßen späten Aufstehen machten wir uns mit der Marschrutka auf dem Osch-Basar und schauten uns dort - endlich, nach sechs Tagen Aufenthalt in Kirgisien - ein wenig um: Frische Früchte, viel Gemüse, Salat, Schuhe und noch vieles mehr gab es dort zu erstehen.

Nach dem Rundgang suchten wir den kleinen Busbahnhof, der sich südlich des Osch-Basars befinden sollte, um von dort zum Ala-Artscha-Nationalpark zu fahren. Wir suchten und suchten und suchten, die Anzeigen in Google Maps wie im Reiseführer waren irreführend, wir liefen wieder durch den Osch-Basar an Schneidern und Jeans-Händlern vorbei, ehe wir das ganze Unternehmen schließlich aufgaben und ein kleines Kaffee gingen, um etwas zu trinken.

Dort entschieden wir uns, dass wir heute Ala Artscha Ala Artscha sein lassen würden und stattdessen noch ein wenig durch Bischkek bummeln würden. Wir erwischten einen Bus und stiegen schließlich wieder am Ala-Too-Platz aus, weil wir in den Eichenpark in der Bischkeker Innenstadt wollten.

Unterwegs entschieden wir uns allerdings um und fuhren zurück ins Hotel, um dort auf der Terrasse ein wenig unseren Urlaub zu verbringen. Einen Jerry Cotton später waren wir wieder so hergestellt, dass wir ans Aufbrechen und frühe Abendessen dachten.

Der Trip Advisor spuckte ein georgisches Restaurant aus, das wir schließlich mit einem Taxi ansteuerten. Der Taxifahrer sprach ein wenig Deutsch und beschimpfte den vor uns einscherenden Fahrer als "Schwein", worauf wir herzlich lachten.

Das georgische Restaurant war ebenfalls richtig gut, wenn auch ein wenig teurer als unsere bisherigen kirgisischen Lokale, weshalb wir am Ende nach einigen Chinkali und anderem Happahappa fast 28 Euro auf den Tisch legen mussten ...

Wir ließen uns mit dem Taxi wieder zurückfahren, nahmen noch einen Absacker in der Hotel-Bar und beglichen unsere Rechnung.

Morgen geht es um 2.30 Uhr zum Flughafen. Unser Flug geht um 5.30 Uhr, sodass wir um 14 Uhr (deutscher Zeit) wieder in Frankfurt sein werden.

Ein erstes kurzes Fazit: Kirgisien war sehr, sehr schön. Wir haben uns hier bei den sehr freundlichen Menschen und dem gutem Essen sehr wohl gefühlt. Die Landschaft ist atemberaubend. Kirgisien ist sicherlich infrastrukturell noch nicht auf Massentourismus eingestellt (und vielleicht ist das ganz gut so), aber es werden in der Zukunft hoffentlich ein paar mehr Touristen in dieses spannende und faszinierende Land kommen.

Over and out, morgen Abend sind wir wieder in Europa.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Burana

So, heute waren wir am Burana-Turm, dem letzten richtig sichtbaren Überbleibsel der ehemaligen Seidenstraßenhauptstadt Balasagun.

Nach einigermaßen Ausschlafen und dem Frühstück hier im Hotel liefen wir zwei Querstraßen hoch zu einer der Hauptverkehrsstraßen von Bischkek. Dort setzten wir uns in eine Marschrutka, die uns für 10 Som, etwa 13 Cent, zum östlichen Awtowoksal (Busbahnhof) brachte. Dort stand schon die Überland-Marschrutka, die uns für 60 Som, etwa 80 Cent, die Stunde nach Tokmok brachte.

Wir hatten nur noch großes Geld und machten zunächst vorsichtige Schritte in Richtung "Innenstadt" von Tokmok, ehe wir uns besannen und zurück zum Busbahnhof gingen. Dort nahmen wir ein Taxi für die 13 Kilometer nach Burana (und zahlten für Hin- und Rückfahrt mit einer Stunde Wartezeit viel Geld: 600 Som, acht Euro).

Der Taxifahrer sprach zwar kein Deutsch, dafür aber ständig von Saarbrücken und rief schließlich eine deutsche Nummer an. Es stellte sich heraus, dass seine Frau als Deutschlehrerin in Kirgisien arbeitet und zur Zeit mittels eines Stipendiums in Deutschland weilt. Zufälle gibt's.

Der Burana-Turm ist höchst beeindruckend. Nicht nur er selbst, ein in der Mitte abgebrochenes Minarett, sondern auch die umgebende Stadt (von der man nicht mehr viel sieht) und noch mehr die umgebende Landschaft sind atemberaubend.

Atemberaubend ist aber - aus zweierlei Gründen - auch die Treppe nach oben: Diese ist einerseits extremst steil, andererseits aber auch so eng, dass man nicht ausweichen könnte, wenn vor einem jemand eine Stufe verfehlte und rücklings herunterstürzte. Ich wollte mir beim Auf- und Abstieg darüber aber keine großen Gedanken machen, aber man braucht in jedem Fall gute Nerven, um die 25 Meter nach oben zu steigen.

Der Ausblick von oben ist natürlich noch fantastomanischer als von unten.

Weniger fantastomanisch war die Streitigkeit zwischen zwei Schülern oben, die in dem gegenseitigen Bespritzen mit Coca-Cola und einer Beinahe-Prügelei gipfelte ...

Einem kurzen Rundgang über die Reste der Zitadelle und ein Feld mit Steinfiguren (alle mit Teetassen abgebildet) folgte ein kurzer Einkaufsbummel in einem Souvenirstand in einer Jurte und ein Gespräch mit Deutsch-Studentinnen. Die Stunde war fast genau um, sodass wir den Rückweg nach Tokmok antraten.

Die Rückfahrt nach Bischkek verlief noch schneller als die Hinfahrt (weniger Verkehr), nur wollte meine Mutter noch mit mir bei Rieker vorbeigucken. Den Laden mit deutschen Schuhen hatten wir auf dem Hinweg zum Busbahnhof erspäht, und so machten wir uns vom Awtowoksal in die Richtung auf. Naja, wir versuchten es. Unser Bus bog (für uns) "falsch" ab, und so landeten wir an der Post, an die wir aber ohnehin wollten, um noch ein paar Postkarten zu erstehen. Danach fuhren wir wieder mit dem Bus, und den Rest liefen wir.

Die Schuhe in dem Laden kosten selbst heruntergesetzt und in nicht unbedingt bombiger Qualität für kirgisische Verhältnisse ein halbes Monatsgehalt, für unsere Verhältnisse praktisch so viel wie in Deutschland. Wir kauften dort also keine Schuhe, und wir beide waren zufrieden ...

Zwecks Abendessen kehrten wir wieder im Fakir ein, gerieten diesmal an eine Bedienung, die ganz gut Englisch sprach, und aßen und tranken wieder einmal vorzüglich.

Im Reiseführer ist ein deutsches Brauhaus angegeben, und so entschieden wir uns, mal heimatliche Gefühle anzustreben. Naja, das Bier ist ganz okay, der Roman Herzog war auch schon da, aber ansonsten würde ich mir ein deutsches Brauhaus ein bisschen uriger vorstellen, nicht unbedingt mit gefliestem Boden und großen freien Flächen. Ist ein netter Versuch, aber auch nicht mehr.

Die Heimfahrt ins Hotel verlief wieder mit dem Taxi, nun sind wir im Zimmer und rechtschaffen müde.

Morgen ist schon unser letzter richtiger Tag in Kirgisien; es ist, mal wieder, unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.
Burana-Turm mit Landschaft

Steinfigur mit Teetasse

Lecker Essen (Lasuro zum Beispiel)

Mittwoch, 30. April 2014

Belohnung

Nach dem eher bescheidenen Wetter gestern haben wir heute die Belohnung für unser Durchhaltevermögen bekommen: Strahlend blauer Himmel und Temperaturen jenseits der 20 Grad Celsius, sodass mir (jaja, man kann es mir nicht rechtmachen) fast schon wieder zu heiß war.

Wir checkten heute Morgen aus, nachdem wir - dieses Mal Knoblauchwurst und Käse sowie - Spiegelei gegessen hatten. Wir bekamen von unseren Gästehaus-Gastgebern noch zwei Tassen mit einer Abbildung des Gästehauses geschenkt (wir hatten zuvor ihre Kindermit Gummibärchen geschmiert) und stiegen dann in das Taxi, das sie uns bestellt hatten.

Das Taxi brachte uns zum Awtowoksal, zum Busbahnhof, und dort stand bereits ein Bus nach Bischkek. Der Fahrer lud unser Gepäck ein und wir standen noch ein wenig in der Gegend herum, als plötzlich unser Taxifahrer wieder auftauchte: Wir hatten alle gemeinschaftlich vergessen, dass der Zimmerschlüssel abzugeben war ...

Wir bestiegen unser Gefährt, das die obligatorische gesprungene Windschutzscheibe hatte; insgesamt käme kein hiesiges Taxi auch nur ansatzweise durch den TÜV, und bei den meisten Privatautos hätte ich auch größte Zweifel; meist sind die Ganghebel ebenso notdürftig geflickt wie die Scheiben.

Die Busfahrt war heute teurer als die Hinfahrt, denn wir mussten statt 250 Som (3,30 Euro) wucherhafte 300 Som (4 Euro) für die sechsstündige Fahrt von Karakol nach Bischkek bezahlen. Noch dazu haben sie dabei die Steuer beschissen, die Kassiererin und unser Fahrer, denn beide hatten nur eine Fahrt computertechnisch verarbeitet und dann handschriftlich die zweite Person draufgebucht: Uns war's wurscht.

Während der Fahrt klingelten ständig Handys, und wir waren durchaus überrascht, dass die älteren, relativ traditionell gekleideten Damen ebenso versiert ihre Geräte ans Ohr hoben wie die junge Garde.

Wir fuhren durch die Landschaft und waren von den relativ nahen hohen und schneebedeckten Bergen sehr angetan; der Konstrast aus Berglandschaft (rechts) und Issyk Kul (links, dahinter wieder andere Berge) war seeeeehr schön. Wir fuhren an wartenden Männern vorbei, die hier nicht - wie im Rest der Welt - stehend die Wartezeit verbringen, sondern an der Hocke.

Die Polizei scheint hier nebenberuflich mit dem Eintreiben der "Straßenbenutzungsgebühr" beauftragt zu sein, denn regelmäßig wurde unser Bus angehalten. Da man der Polizei offenbar ohnehin unter allen Umständen zu schnell ist, zahlt man einfach, und gut is.

Wir fuhren durch die grüner werdende Hochebene vor Bischkek und möglicherweise auch ein kurzes Stück durch Kasachstan, jedenfalls seeehr nah an Kasachstan vorbei, ehe wir - nach langwierigerem Umgehungsstraßenverkehr - am Busbahnhof in Bischkek ankamen.

Die Taxifahrer versuchten, uns wieder einmal dezent übers Ohr zu hauen, was nur ansatzweise gelang, sodass wir nicht völlig entreichert an unserem Hotel ankamen. Unser Koffer stand schon bereit, und wir marschierten wieder in den dritten Stock ins Zimmer.

Dort hielten wir uns nicht wahnsinnig lange auf, sondern gingen gleich wieder auf Pirsch in Richtung der deutschen Botschaft, der wir einen Besuch abstatteten. Nach einem kurzen Rundgang durch Diplomatenviertel und vorbei am Poschtamt (heißt wirklich so) suchten wir eine weitere der empfohlenen Bischkeker Kneipen auf: das Fakir.

Wir "suchten" es wirklich auf, denn es liegt sehr versteckt hinter einer Einkaufspassage, in der es auch eine "Schwarzwald Baeckerei" gibt. Nachdem wir zunächst ignoriert wurden (es stellte sich heraus, dass die Bedienungen erst auskaspern mussten, wer sich traute, uns zu bedienen), bekamen wir leckeres Bier (mit Strohhalm, bäh!) und noch leckerereres Essen: Lazuro (Rindfleisch mit Paprika), wieder einmal leckeres Lagman und dann noch einen Kasan-Kebab, kleine Rindfleischspießchen mit Zwiebeln. Essenstechnisch sind wir immer mehr von Kirgisien begeistert, denn uns hat es bisher überall sehr gut geschmeckt.

Die Heimfahrt bewältigten wir mit einem Taxifahrer, der 1981 in Jüterbog in Brandenburg als sowjetischer Soldat im Einsatz war und daher ein wenig Deutsch sprach. Derartige Deutschkenntnisse mussten mit einem Trinkgeld belohnt werden ...

In der Hotelbar nahmen wir noch einen Kyrgyzstan-Cognac zu uns (nicht ganz so mein Fall) und sind nun bereits in der Heia. Wie immer funktioniert das WLAN an sich tadellos, auch wenn es nicht superschnell ist. Aber trotzdem finde ich es sehr beeindruckend, dass auch die Kirgisen es gebacken kriegen, WLAN im Hotel anzubieten, was bei uns in Deutschland leider nicht immer so selbstverständlich ist.

Ala-Too-Platz in Bischkek

Siegesplatz in Bischkek

Manti (links) und Lagman

Deutsche Spuren in Bischkek

Die Dungan-Moschee in Karakol

Die Dreifaltigkeits-Kathedrale in Karakol

Unterwegs von Karakol nach Bischkek

Blick auf den Issyk Kul

Getrockneter Fisch in Baliktschi

Unser Gefährt

Dienstag, 29. April 2014

Schneeregen am Strand

Nunja, sagen wir, wir haben es uns gestern sehr gutgehen lassen, sodass wir heute in vielerlei Hinsicht nicht ganz unsere Topform erreicht haben ...

Das Frühstück mit Spiegelei, Brot und Marmelade sowie Tee war ganz lecker, aber als wir das Hotel verließen, fing es gerade an zu regnen. Insgesamt war es heute ungemütlich: ungemütlich kalt, ungemütlich regnerisch, ungemütlich windig. Das ist jetzt zugegebenermaßen bei einer Höhe von 1.780 m nicht völlig überraschend, sodass wir unsere Notfallwetterjacken auspackten und uns so auf durch die Gegend machten.

Wir erkundeten einige Parks hier in Karakol, schauten noch einmal bei der Touristinfo vorbei (die Karte gab's noch nicht, dafür bekamen wir eine Fotokopie), fanden sehr verspätet die Aschliamfu-Kneipe, die wir gestern gesucht hatten (und waren nicht ganz unglücklich darüber, sie gestern nicht gefunden zu haben; in jedem Fall entsprachen die hygienischen Umstände dort sicher nicht ganz den Vorstellungen des Gewerbeaufsichtsamtes München-Nord), schlenderten über den Basar (ein Händler: "Sprechen Sie Deutsch?") und guckten uns die Kathedrale an, in der gerade Brot gesegnet wurde ...

Wir fanden die Marschrutka zum Prestan-Strand nicht, und nahmen nach endlichen Überlegungen ein Taxi, das uns dorthin fahren sollte. Es goss und schüttete, das Tor zum Strandabschnitt war zugesperrt, aber im Zaun waren Löcher, durch die sogar ich passte, und der Strand war zu dieser Jahreszeit nichts wirklich Aufregendes: Da standen ein paar Pferde in der Gegend herum, ein paar Hunde bewachten die Pferde, außer uns war da fast niemand, insgesamt nicht so toll.

Wir kehrten bald um, und da wir kein Taxi im Ort fanden, liefen wir die zwei Kilometer in Richtung Hauptstraße. Wir stellten uns unter einen Busunterstand in der Nähe des Friedhofs und hatten Glück, dass ein Taxifahrer gerade einen Beerdigungsgast dort auslud und uns postwendend einlud.

Nach der Rückkehr in unser Hotel lernten wir die neue Hotelangestellte kennen, die als Au-pair in Stuttgart war und ziemlich gut Deutsch spricht, ehe wir uns wieder in die Stadt aufmachten, die Post einwarfen, im einsetzenden Schneeregen drei der vier von unserer Hotelmadame empfohlenen Restaurants fanden und am Ende in dem landeten, in dem wir gestern waren (das war eines der vier empfohlenen).

Wir aßen dort auch heute wieder sehr gut, beließen es aber bei zwei Bier und sind jetzt gegen 19 Uhr schon fast bettfertig.

Morgen geht es ja wieder zurück ins warme Bischkek. Auch das Wetter auf der Fahrt soll morgen besser sein, fast schon sonnig.

Auffällig ist, dass hier an ganz vielen Stellen Rosensträuche gepflanzt sind, die sicherlich irgendwann demnächst (ich Rosenexperte, ich) ausschlagen werden.

Montag, 28. April 2014

Clara Zetkin ist ab 8. März im Urlaub

Das, oder etwas ganz verwandt Ähnliches, hat uns der alte Mann heute im Minibus von Bischkek nach Karakol erzählt. Ich schwöre.

Naja, jedenfalls sind wir heute sehr früh aufgestanden: Ich hatte den Wecker auf 2 Uhr (deutscher Zeit), also 6 Uhr, gestellt. Nach ein bisschen Kuscheln bin ich schließlich um 6.45 Uhr aufgestanden.

Wir waren früher als erwartet fertig und gingen runter zum Frühstück, das aus Blini mit Sauerrahm und Spiegelei mit Wurst (also scrambled eggs [sic!] with sausage) bestand.

Wir fragten unseren Rezeptionisten, was ein Taxi nach Karakol kosten würde. Nach seiner Auskunft ("200 Dollar") nahmen wir rasch von dieser Option Abstand. Dafür brachte er uns - er bekam ein extragroßes Trinkgeld - zum Awtowoksal, also zum Autobahnhof, vielmehr zum Busbahnhof. Dort vermittelte er uns an einen Schlepper, der uns den Koffer schleppte und uns in Richtung Minibusse nach Karakol führte. Dafür bekam er ebenfalls ein Trinkgeld, womit er wenig anfangen konnte. Behalten hat er die 100 Som trotzdem.

Wir waren um 8.45 Uhr am Minibus, der Fahrplan zeigte 9.30 Uhr. Ich war nicht ganz sicher, wie ernst diese Zeitangabe zu nehmen war, aber wir setzten uns schon einmal in das Gefährt. Es kamen immer mehr Leute dazu, auch ein geistig leicht behinderter Mensch wollte ein bisschen Geld erbetteln, und als er dieses nicht bekam, begann er, die auf dem Beifahrersitz sitzende Frau abwechselnd zu beleidigen und durch Geheule zu erweichen zu versuchen. Beides half nix.

Mit wenigen Minuten "Verspätung" fuhren wir los, 18 Mann oder so in unserem Gefährt.

Kurz nach der ersten Tankstelle sprach der alte Mann meine Ma und mich an, auf Russisch. Als die Beifahrerin ihm sagte, wir seien Deutsche, meinte er "Guten Morgen" und "Hände hoch". Sehr beruhigend ... Danach verwickelte er uns in ein Gespräch, zählte von eins bis zehn: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, neun, zehn. Als meine Ma ihn darauf hinwies, dass dazwischen die 8 fehlte, fing er an vom "acht Marz" zu erzählen und von Rosa Luxemburg und Clara Zetkin. Kurz darauf suchte er das deutsche Wort für праздник, bis ihm der Fahrer erläuterte, dass das zumindest auf Englisch "holiday" hieß. Damit war für uns "Urlaub" gemeint. Und da Clara Zetkin am "acht Marz"
праздник, hatte also Clara Zetkin ab dem 8. März Urlaub. (Später fiel uns auf, dass "holiday" auch Feiertag heißen kann, der 8. März der Weltfrauentag ist und Clara Zetkin den maßgeblich mitbegründet hat, aber da war es schon zwei Stunden später, sodass wir das Gespräch nicht neu beleben wollten ...)

Stundenlang ging es durch das kirgisische Bergland, vorbei am wunderbaren Issyk Kul, der fast zwöf Mal so groß wie der Bodensee ist, vorbei an Radieschen- und Besenständen, unterbrochen nur von gelegentlichen Aus- und Zustiegen in unserem Sprinter. Für die Sechs-Stunden-Fahrt bezahlten wir - pro Person - 250 Som, also etwa 3,30 Euro. Auch wenn die Sprachbarriere nicht zu unterschätzen ist (unser Russisch ist wirklich quasi nicht-existent), spüren wir, dass die Menschen sehr (gast-)freundlich sind und wirklich interessiert an den bekloppten Ausländern scheinen, die ihr Land bereisen.

Gegen 16 Uhr kamen wir in Karakol an. Unser Taxifahrer versuchte uns, schön übers Ohr zu hauen, was wir aber abwehren konnten, indem wir statt 2,60 Euro nur 1,30 Euro für die Fahrt zahlten, was immer noch ein deutlicher Ausländerpreis war.

In unserem Hotel wurden wir - ohne unsere Pässe zu zeigen oder sonstwas - schon erwartet und aufs Zimmer geleitet. Das Zimmer ist sehr ordentlich, wir zahlten 54 Dollar (etwa 40 Euro) für die beiden Nächte ...

Anschließend gingen wir in Richtung "Innenstadt", fielen über die von der US-Entwicklungshilfe finanzierte Touristinformation, in der uns gut (und in sehr gutem Englisch!) geholfen wurde (auch wenn die Stadtpläne gerade aus waren) und liefen weiter in Richtung Dungan-Moschee und Basar.

Die Dungan-Moschee (Eintritt: wucherhafte 30 Cent pro Person) ist eine sehr interessante Moschee: Sie ist in einem dezidiert chinesischen Stil gehalten und von außen und innen sehr bunt. So eine Moschee habe ich noch nie gesehen. Hochinteressant. Der Moscheewächter enttarnte uns sofort als Deutsche. Woran das wohl liegt?

Der Basar war heute schon fast wieder im Schließen begriffen, sodass wir sowohl den Basarbummel als auch das Aufsuchen des Lokals, das uns empfohlen war, unterließen (naja, das Lokal fanden wir nicht ...). Überall waren wir "Langnasen" ein spannendes Besichtigungsobjekt.

Wir spazierten zurück in Richtung Hotel und blieben an einem "Kafesi" hängen. Da das Ding auch als "Bar" beschildert war, gingen wir rein, schließlich wollten wir ein Bierchen trinken.

Naja, aus dem Bierchen wurden vier, danach kam eine Viertelliterflasche Wodka (für 2,50 Euro), ein Teechen und ein bisschen Saft, dazu die (gar nicht soooo) scharfe kalte Nudelsuppe, Lagman, Beschbarmak und nachher zum Alkoholbekämpfen noch ein Schaschlik-Spieß. Am Ende zahlten wir 24 Euro für ein mittelprächtiges Gelage.

Karakol soll nicht so supersicher sein, vor allem im Dunkeln, aber die Gefahr lauert wohl eher in Pfützen und fehlenden Kanalisationsdeckeln denn in bösen Verbrechern. Jedenfalls fühlten wir uns bei dem Spaziergang zurück ins Hotel keineswegs unwohl.

Meiner Ma fällt auf, dass die jungen Leute westlich gekleidet sind und alle (auch die Älteren) ein Handy am Ohr haben. Die Infrastruktur (Straßen, Wohnblocks, Autos) wirkt manchmal noch wie in den Westler-Vorstellungen vom Ostblock, auch wenn schon deutlich mehr moderne deutsche und japanische Autos auf den Straßen unterwegs sind als Ladas und Moskwitschs. "Deutsche Autos" kann hier auch mal heißen, dass von der "Bäckerei Stamm" in sowieso oder vom Reisebüro Schlagmichtot in Südtirol noch Aufschriften auf den Gefährten prangen. Scheint ein Qualitätsmerkmal zu sein ...

Wir gehen nun, es ist Mitternacht hier, ins Bettchen. Morgen geht es vielleicht auf einen Ein-Tages-"Trek" ins Gebirge. Mal sehen. Erst einmal aber: gute Nacht!

Sonntag, 27. April 2014

Eine Woche unterwegs

Naja, eigentlich war heute der erste Tag in Kirgisien, aber trotzdem fühlen wir uns, als ob wir schon eine Woche hier wären ...

Also, wir fuhren dann mit beiden Autos (nachdem ich beim Friseur gewesen war) hoch zum Park-and-Ride-Parkplatz und wartetetn dort eine halbe Stunde auf den einzigen Bus, der zum Hauptbahnhof fuhr. Schließlich saßen wir in der S-Bahn mit einem Menschen, der mit seinem Gebrabbel die ganze Bahn unterhielt, aber zum Glück schon in Mainz ausstieg.

Nach der Fahrt mit der Skyline zum Terminal 2 konnnten wir sehr fix einchecken und passierten die Grenzkontrolle. Der Russe vor uns wurde aus der EU-Bürger-Schlange verjagt, das chinesische Pärchen wurde aber durchgewinkt. Tja, liebe Russen, das habt ihr jetzt davon, dass ihr die Krim annektiert habt ...

Nach einem guten Mittagessen beim Flughagen-Japaner ging es durch die Sicherheitskontrolle und zum Gate. Das Boarding begann ein wenig verspätet, und als alle drin waren, mussten wir noch mal warten. Da half es auch nicht viel, dass wir mit Karacho vom Terminal bis zur Startbahn düsten: Wir hatten über eine Stunde Verspätung. Unser Anschlussflug ging planmäßig eine Stunde und 15 Minuten nach unserer Landung in Istanbul, sodass es so langsam eng wurde

Der Flug selbst war recht entspannt, neben uns saß eine 78 Jahre alte Dame, die mit Freundinnen nach Istanbul fuhr und die locker als Anfang 60 durchgegangen wäre. Entsprechend erzählten meine Ma und sie sich gegenseitig von ihren Reisen ...

Natürlich machte ich dann in Istanbul ein wenig Hektik und regte mich ein ganz klein wenig über einen englischsprachigen Vollidioten auf, der so tat, als würde er zum ersten Mal durch eine Sicherheitskontrolle laufen. Er telefonierte sogar, bis ihm einer der Security-Leute das Handy fast aus der Hand riss. Ebenso natürlich erreichten wir das Gate und waren im Nachzügler-Bus unter den Ersten; nach uns kam noch eine kirgisische Reisegruppe (da war ich wenigstens sicher, dass wir im richtigen Bus saßen) und zwei Bulgarinnen.

Der Flieger war recht leer, sodass wir uns breit machen konnten; wir schliefen zwar nicht viel, aber die Flugshow mit der Flugroute über das Schwarze Meer und Georgien, das Aussparen von Aserbaidschan und Usbekistan und schließlich der Landeanflug auf Bischkek waren Unterhaltung genug.

Etwas vorfristig kamen wir in Bischkek an; die Schlange bei der Einreisekontrolle war zwar ein wenig langwierig, dafür war unsere Einreise völlig problemlos. Das Gepäck kam auch  bald, der Zoll wollte auch nix von uns, dafür aber gaaaanz viele Taxifahrer. Wir brachten uns erstmal in Sicherheit, hoben ein bisschen Geld ab und ließen uns dann von einem Schlepper anheuern. Da ich ein bisschen verhandelte, war ihm das am Ende nicht genug, sodass er uns an einen Subunternehmer weitervermittelte. Das Taxi war zwar formal offiziell, wäre aber selbst von einem volltrunkenen TÜV-Prüfer schlagartig außer Betrieb genommen worden: Die Windschutzscheibe war einmal quer gerissen und der Achszapfen (darin habe ich inzwischen Erfahrung) war überall außer in der richtigen Stellung, sodass das Taxi wie ein waidwunder Bollerwagen schlingerte und kaum rechtzeitig bremsen konnte.

Überraschenderweise kamen wir heil im Hotel an und konnten auch gleich aufs Zimmer: Eine Dusche tat wahre Wunder. Dennoch waren wir um sechs Uhr wieder aus dem Hotel draußen und auf dem Weg zum Osch-Basar. Da bauten die Leute aber erst auf, sodass wir den nächstbesten Bus nahmen, hinten einstiegen (das macht man hier so) und am Ala-Too-Platz ausstiegen (Fahrtkosten: acht kirgisische Som, etwa 10 Cent, pro Person). Der Alo-Too-Platz ist so etwas wie der Hauptplatz der kirgisischen Hauptstadt, und auch hier waren selbstverständlich Freiwillige dabei, den Platz zu fegen.

Wir liefen ein wenig über den Platz, zum Freiheitsdenkmal und zum Museum, zur Lenin-Statue und zu einem im Aufbau befindlichen Markt dahinter, ehe wir in die Frunse-Straße einbogen und zwecks leichtem Frühstück nach einigem Weg im Hyatt Regency einkehrten. Selbst in der dortigen Lobby war das Frühstück aus Kaffee und Wasser bzw. Cola sehr gut bezahlbar, sodass wir mit noch vorhandenen Barmitteln in Richtung Siegesplatz liefen.

Der Siegesplatz mit einer überdimensionalen Jurte und einem ewigen Feuer erinnert an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Für uns fast noch spannender war aber das fantastische Panorama auf die Tian-Shan-Berge, die sich scheinbar direkt hinter der Stadt schneebedeckt auftürmen. Wunderbarer Ausblick!

Nach einigen Wirren über die Busverbindungen nahmen wir schließlich ein Taxi zu unserem Hotel, schliefen zwei Stündchen und machten uns dann auf einem der von beiden Reiseführern empfohlenen kirgisischen Restaurants.

Bischkek ist eine sehr grüne Stadt, mit breiten Boulevards und vielen Alleen. Gerade im Regierungsviertel gibt es viele Parks, sodass man sich hier durchaus wohlfühlen kann. Ins Auge stechen die Gegensätze zwischen einigermaßen verfallenen Mietskasernen und hochmodernen neuen Apartment-Gebäuden in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Straßenverhältnisse sind im Allgemeinen nicht schlecht, auch wenn die eine oder andere Nicht-Durchgangsstraße auch mal vor Schlaglöchern strotzt.

Das "Faiza" wird als sehr beliebt bei den Kirgisen beschrieben, und was das bedeutete, merkten wir schnell: Es war proppevoll. Wir bekamen dennoch kurz nach Ankunft einen Tisch und beobachteten erst einmal, wie das hier so mit der Bestellung geht. Am Ende ist das dann doch wie in Deutschland: Man setzt sich an den Tisch seiner Wahl (wenn man denn eine Wahl hat), wartet auf die Karte (die hatten hier auch eine englischsprachige Karte; kein Wunder, wenn man in jedem Reiseführer lobend erwähnt wird), bestellt, isst und bezahlt. Wir dachten zunächst, man müsse am Ausgang bezahlen, doch eine Kellnerin stellte sich uns einigermaßen grimmig in den Weg, sodass wir diese Schnapsidee schnell fallenließen.

Als Essen gab es Manti (Teigtaschen mit Hammelfüllung), Lagman (eine Art Nudelsuppe mit reichlich Fleisch und Gemüse als Beilage), Blini (russische Pfannkuchen mit Sauerrahm). Dazu tranken wir Kefir (eine Mischung aus Buttermilch und Ayran) und Tee. Das Ganze war sehr reichhaltig, sehr lecker und seeeehr günstig: Insgesamt zahlten wir sechs Euro zusammen.

Wir liefen durch ein paar Wohngebiete und wollten eigentlich auf den Osch-Basar. Meiner Ma ging es aber magentechnisch nicht ganz so gut, sodass wir uns ein Etablissement zur Einnahme eines therapeutischen Wodkas suchten. Wir fanden das Metro Pub, eine Expat-Kneipe direkt am Chui-Boulevard. Aus dem Wodka (und meinem Bier) wurde eine zweite Runde, danach gab es noch ein Bierchen und möglicherweise noch eins, weil wir uns einfach verquatschten. Sehr schön, so soll Urlaub sein, und meiner Ma ging es nach der Aufnahme der Arznei wesentlich besser.

Wir ließen den Osch-Basar Osch-Basar sein und liefen zurück in Richtung Hotel. Wir hatten schon wieder ein kleines Hüngerchen und suchten daher eine ebenfalls in Reiseführern empfohlene Gaststätte auf, die aber leider ziemlich zu aussah.

Am Ende landeten wir wieder im "Faiza", aßen noch etwas und gingen dann aber wirklich zurück ins Hotel. Nun ist es hier halb neun, wir sind definitiv bettfertig, zumal es morgen in Richtung Issyk-Köl und Karakol geht. Wir lassen uns vom Taxi abholen und zum Busbahnhof fahren und schauen dann mal, ob wir noch ein Gefährt für die sechsstündige Fahrt hoch in die Berge und am See entlang finden.

Bischkek gefällt uns bisher, nach diesem ersten Tag, ziemlich gut. Die Menschen sind sehr freundlich und um Hilfe bemüht, das Essen schmeckt hervorragend, es gibt kaum Hektik in dieser Stadt. Doch, schee ...

Fotos bei besserer Verbindung.

Samstag, 26. April 2014

Auf nach Osten

So, gerade laufen die letzten Reisevorbereitungen: Der Kulturbeutel wird gepackt, ich gehe gleich noch kurz zum Friseur. Danach stellen wir die Autos auf den Park-and-Ride-Parkplatz und fahren von dort mit Bus und S-Bahn zum Frankfurter Flughafen.

Um 15 Uhr geht unser Flieger nach Istanbul Sabiha Gökçen, wo wir um 19 Uhr türkischer Zeit ankommen (eine Stunde Zeitverschiebung). Schon eine gute Stunde später, gegen 20.15 Uhr, sitzen wir dann im Flugzeug von dort nach Bischkek, wo wir gegen 4 Uhr morgens ankommen werden (nochmal drei Stunden Zeitverschiebung, also gegen Mitternacht deutscher Zeit).

Wir werden uns ein Taxi suchen, unser Gepäck an unserem Hotel abladen und uns dann in den Sonntagmorgen in der kirgisischen Hauptstadt stürzen.

Wir sind sehr gespannt, weil wir beide nicht so recht wissen, was auf uns zukommt und wie das alles funktionieren wird, aber das ist ja nicht unsere erste Abenteuerreise. Und bisher galt: Et hätt noch immer jut jejange ...

Gestern saßen wir beim Abendessen hier in Wiesbaden und haben unsere ersten großen Auto-Reisen, die Nordlandtour 2000 und die erste große Balkantour 2004, Revue passieren (oder, wie mancher Fußballer sagen würden: Paroli passieren) lassen. Oblast Kaliningrad 2000 oder Albanien 2004, viel schlimmer wird es in Kirgisistan schon nicht werden ...

Wir werden berichten, und vorbehaltlich einer guten Internet-Verbindung wird das schon morgen Nachmittag deutscher Zeit sein, wenn wir vom Sonntag in Bischkek berichten.

Sonntag, 13. April 2014

Karakol und Bischkek

Heute haben wir Hotels in Kirgisien gebucht und dementsprechend auch schon die Reiseplanung ein bisschen vorangetrieben.

Nachdem wir ja am Sonntag Morgen ankommen, bleiben wir eine Nacht im Hotel in Bischkek und können uns also am Sonntag in Bischkek umschauen. Da wird sicherlich der Osch-Basar einen Besuch von uns abgestattet bekommen.

Am Montag fahren wir dann, wenn er fährt, mit dem langsamen Zug durch landschaftlich schöne Gefilde, wenn der Zug nicht fährt, dann halt mit Bus und Marschrutka hoch an den Issyk Kul. Von dort fahren wir dann mit Marschrutka oder Bus oder im Zweifel dem Taxi weiter nach Karakol, dabei haben wir immer den See zur Seite.

In Karakol gibt es angeblich einige schöne Sachen zu sehen, darunter eine Kathedrale und eine Moschee, vielleicht machen wir aber auch einen kleinen Ausflug noch ein bisschen weiter in die Berge.

Am Mittwoch geht es dann zurück nach Bischkek in unser dann schon altbekanntes Hotel. Von Bischkek werden wir dann den einen oder anderen Tagesausflug machen, zum Burana-Turm in der Nähe von Tokmok zum Beispiel oder in den Ala-Artscha-Nationalpark.

Am Samstagmorgen schließlich fliegen wir dann schon wieder gen Heimat.

Osch lassen wir also aus: Meine Ma will nicht mit den kirgisischen Kleppern fliegen (und ich verstehe sie da), und die Zehn-Stunden-Fahrt mit dem Auto durch die schöne Landschaft lassen wir dann auch bleiben, wenn wir schon sechs Stunden mit dem Zug hoch nach Baliktschi fahren.

Und vielleicht ist das nicht der letzte Aufenthalt in Zentralasien (naja, ziemlich sicher nicht, ich will ja alle Länder der Welt besuchen), sodass man später vielleicht mal nach Osch kommt ...