Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 8. Juni 2014

Wellen 2, ich 0

Ein Freundschaftsspiel zwischen den brasilianischen Wellen und dem deutschen Urlauber endete heute an der Copacabana mit einem leistungsgerechten und letztlich ungefährdeten 2:0-Sieg für die Lokalmatadoren. Nach einer spannenden ersten Halbzeit im kühlen Nass ging es beim Spielstand von 0:0 zum Pausentee. Der Pausentee wurde, wie bei dem deutschen Urlauber üblich, durch Bier ersetzt.

Kurz nach Wiederanpfiff um 11 Uhr wurde der Urlauber auf dem rechten Flügel überrumpelt und trug bei einem Wellenreitmanöver brutalstmögliche Hautabschürfungen in der Nähe des Knies davon. Gegen Ende des Spiels warf der Urlauber alles nach vorne, was dazu führte, dass nicht mehr er die Wellen ritt, sondern die Wellen ihn. Unmittelbar danach gab der Urlauber auf.

Wir waren gestern natürlich viel zu früh am Flughafen in Zürich, konnten aber trotzdem schon einchecken und setzten uns nach Durchlaufen der Sicherheitskontrolle gemütlich in ein Terminal-Bistro. Eineinhalb Stunden später wurde uns das Gate bekanntgegeben, sodass wir uns auf den langen Weg von den A- zu den B-Gates machten.

Christusstatue von der Dachterrasse unseres Hotels aus
Das Boarding ging fix, und wir konnten auch bald abfliegen, sodass wir in den Genuss eines für die Alitalia sicherlich nicht alltäglichen Satzes kamen: "Siamo puntuali." Wir waren tatsächlich vor der geplanten Ankunftszeit in Rom gelandet.

Wir wanderten in Richtung der Ausreisekontrolle, an der wir wieder auf eine Riesenschlange auf der einen Seite bei den "tutti passaporti" und eine Nichtschlange bei den EU-Bürgern trafen. Natürlich wählten wir die EU-Bürger-Reihe und waren schnell durch.

Auch das Boarding in Rom ging relativ schnell, nur saßen wir dann eine Stunde im Flieger bei nervtötender Jazzmusik (ich mag ja Jazz ganz gerne, aber dieses Gedudel hat nur aggressiv gemacht, was die Stewardess nach einem Blick in die Augen der Umsitzenden offenbar auch gemerkt hat. Verwunderlicherweise fiel sie daraufhin nicht tot um, sondern stellte die Musik aus. Brav.)

Der Flug ging, mit Hilfe einer Schlaftablette, 12 Years A Slave und Rush, relativ schnell vorbei, sodass wir nach weniger als elfeinhalb Stunden Flug in Rio de Janeiro einschwebten.

Für die schnelle Ausreise aus Italien erhielten wir bei der Einreise nach Brasilien die Quittung: Unsere Schlange war nicht nur gefühlt (das ist sie ja immer), sondern auch tatsächlich die langsamste, sodass meine Mutter gegen Ende am anderen Schalter stand, weil der seine Schlage schon abgearbeitet hatte. Die eigentliche Einreise in mein 90. Land war erwartet unproblematisch, auch wenn sie beim Zoll ein bisschen einen Hindernisparcours eingebaut haben, der aber auch bewältigbar ist.

Copa-...
Wir kamen in die Schalterhalle und waren ob der Ruhe, die dort herrschte, völlig beeindruckt: Da waren durchaus viele Menschen, aber es kamen keine 827 Taxifahrer auf einen zugestürmt mit dem Hinweis, dass man das beste und billigste Taxi zum Zuckerhut hätte. Während die Abwesenheit von aufdringlichen Taxifahrern also durchaus angenehm war, war die völlige Abwesenheit von Geldautomaten in der Ankunftshalle weniger erfreulich. Nach endlicher Suche ließ ich meine Ma (in Absprache mit ihr!) stehen und ging weiter auf Jagd. Auch auf der Abflugsebene gibt es keinen Geldautomaten, aber in der Ebene darüber wurde ich glücklicherweise fündig. Das "Night Limit" betrug aber 300 Reais, etwa 100 Euro: Mehr kann man also nachts nicht abheben, was es dem Expressentführer wohl erschweren soll, fette Beute zu machen. Beruhigend.

Der Bus, den wir benutzen wollten, kam tatsächlich ungefähr zur erwarteten Zeit, der Schaffner lud unser Gepäck ein und ich zeigte dem Fahrer die Adresse unseres Hotels, welche er sich aufschrieb. Wir fuhren über das Terminal 2, den Busbahnhof, den Inlandsflughafen und diverse Umleitungen in einer guten Stunde in Richtung Copacabana. Wir hatten gehofft, dass uns der Busfahrer möglichst nahe bei unserem Hotel rausließe: Er ließ uns direkt am Hotel raus.

Copacabana
Wir konnten - um 7.30 Uhr - schon aufs Zimmer, wo wir ein wenig auspackten und uns umzogen, denn es sollte schnell an den Strand gehen. Davor guckten wir uns aber noch die Dachterrasse unseres Hotels an. Von da sieht man ein paar Kilometer weiter eine 38 Meter hohe Statue von so 'nem Kirchenfuzzi mit ausgebreiteten Armen. Bevor ich jetzt böse oder fragende Kommentare ernte: Es geht um die Christusstatue, die man von unserem Hotel aus sehen kann. Wow.

Noch wowiger ist der Strand der Copacabana, zu dem wir unglaubliche sechs Minuten zu laufen haben. Wow. Achso, hab ich schon geschrieben. Weißer Strand, Fußballfelder, superfreundliche Menschen, die Brandung des südlichen Atlanktik: Herz, was willst du mehr? Bier! Ja, Bier gibt's auch.

Erstmal aber begab ich mich ins Wasser, in dem mir die durchaus zwei, drei Meter hohen Wellen große Freunde bereiteten: Die Strömung ist zum Glück sehr schwach, sodass man, wenn man sich klug anstellt und nicht mitten in die Welle hüpft, da schön entspannt baden kann.

Wir setzten uns - schließlich hatten wir Durst - morgens um 9 Uhr an die Strandbar und waren nicht die Ersten, die heute ein Bierchen zischten. Und wir waren auch nicht die Ersten, die um 10.30 Uhr das vierte Bier bestellten. Danach bekamen wir aber ein bissschen Hunger und aßen lecker Kabeljau-Bällchen (ein wenig salzig) und Fischfinger. Sehr lecker.

Alle Rettungsschwimmer werden sich jetzt - leider mit Recht - an den Kopf greifen, aber wir machten uns gleich nach Alkohol- und Speisenkonsum wieder auf den Weg zum - und ins - Wasser. Dass dann in der großen Welle mein Kopf Bekanntschaft mit einer wasserförmigen Faust und dem sandförmigen Boden machte, lag aber (wirklich) nicht am Alkohol ...

Aber keine Sorge: Die drei Schrammen werde ich überleben, und Spaß gemacht hat's allemal.

Um 12 Uhr ging's zurück ins Zimmer, duschen, Wunden lecken (oooooooooooh). Meine Ma bemüht sich gerade redlich, den doch nicht üppigen Schlaf der letzten Nacht nachzuholen (es ist früher Nachmittag hier), aber ich werde mich bemühen, sie gleich noch in eine Rodizio-Kneipe (All-you-can-eat-Fleisch mit Bedienung, wenn ich das richtig verstanden habe) zu locken.

Ich gewinne in der Regel innerhalb der ersten Stunde in einer Stadt oder einem Land einen Eindruck, ob mir die Gegend gefällt. Rio de Janeiro gefällt mir außerordentlich gut, gerade der Architekturmix in der Innenstadt ist hochinteressant. Ich freue mich sehr auf die nächsten Tage in Rio. Ich denke, wir werden hier relativ zeitig aufstehen, weil die Sonne schon um 6.30 Uhr auf- und um 17.30 Uhr untergeht, und im Dunkeln muss man dann ja vielleicht doch nicht die nächstgelegene Favela erkunden. Wobei, heute Morgen auf der Busfahrt sind um halb sieben Unmengen von Menschen auf den Straßen unterwegs gewesen. Keine Ahnung, wo die alle herkamen. Das Nachtleben könnte man sich ja dochmal angucken.

Aber ganz bestimmt nicht heute Abend.

Samstag, 7. Juni 2014

Barry Manilow

... sang "Copacabana" oder vielmehr "Copa-Copacabana" ... Und wenn ich unseren Schweizer Freunden gestern Abend nicht immer den Ton heruntergeregelt hätte, hätte die ganze Gaststätte an unserem Trip an die Copacabana und darüber hinaus Anteil gehabt - mehr oder weniger freiwillig.

Jedenfalls haben wir gestern Abend - wer diesen Blog regelmäßig liest, wird nicht übermäßig überrascht sein - schön unseren Urlaub und unsere hoffentlich gute Heimkehr begossen.

Heute haben wir dann nach leichter körperlicher Betätigung im Schwimmbad - Gerüchten zufolge wurde ein Walross gesichtet - gut zu Mittag gegessen.

Gleich um 15 Uhr bringt unser Nachbar uns zum Flughafen nach Zürich, wo wir genügend Zeit zum Einchecken haben sollten, ehe dann unser Alitalia-Flug nach Rom um 18.45 Uhr starten wird. In Rom werden wir aus dem Schengen-Raum ausreisen und gegen 21.45 Uhr oder so gen Rio de Janeiro starten.

Morgen werden wir gegen 4.15 Uhr in Rio de Janeiro ankommen (9.15 Uhr deutscher Zeit) und uns erstmal auf den Weg ins Hotel machen. Ich bin aber recht zuversichtlich, dass wir morgen Vormittag brasilianischer Zeit schon mal unsere Astralkörper in die südatlantischen Fluten eingetaucht haben werden.

In Rio soll's nicht viel heißer (eher ein wenig kühler) als hier sein, sodass das für mich genau passt ... Der Sonntag wird wahrscheinlich einfach aus Akklimatisieren an Sonne, Strand und Essen bestehen, während wir an den regnerischeren Tagen danach uns mal die Christusstaue und andere Sehenswürdigkeiten Rios angucken. Mal sehen, wir werden das sicherlich relativ entspannt und spontan machen.

Es ist immer noch ein bisschen unwirklich, aber in 19 Stunden oder so sind wir schon im meinem 90 Land ...

Wir werden berichten.

Sonntag, 4. Mai 2014

Bischkek - Istanbul - Frankfurt - Schwarzwald

Achja, wir sind gestern Abend - wieder einmal - gut von einer Tour nach Hause gekommen.

Nach dem Aufstehen zu einer unguten Uhrzeit (1.30 Uhr Ortszeit, 21.30 Uhr des Vorabends in Deutschland) holte uns unser Taxi pünktlich um 2.30 Uhr ab und brachte uns sicher zum Flughafen.

Dort wurde zweimal unser Gepäck gecheckt, bevor wir überhaupt einchecken durften. Der Flughafen Manas ist es bisschen eng: Es gibt zwei Sektoren zum Einchecken, vor deren Eingängen staut sich alles, aber die Anzahl der Check-in-Schalter und der Raum drumherum ist so klein, dass es gar nicht anders geht.

Jedenfalls konnten wir problemlos einchecken, die Ausreise war ebenfalls ohne Schwierigkeiten, auch wenn unser Grenzer allgemein ziemlich langsam war, sodass wir - leider auch wie immer - viel zu früh am Gate saßen.

Von diesem Gate (es gibt insgesamt nur drei) ging vor uns ein Flieger nach Moskau, ehe wir dann dran waren.

Der Flug war ereignislos abgesehen davon, dass ich mir bei den erfolglosen Versuchen, länger als Sekunden zu schlafen, den Nacken verrenkt habe.

Nach der Ankunft in Istanbul war der Eingang in die Sicherheitskontrolle zum Transitbereich sehr, äh, unorganisiert. Von links und von rechts drängelten die Leute in die Schlange, bis es dem Typen, der aufpasst, dass nur Transitpassagiere in den Bereich kommen, zu bunt wurde und er die Leute mal ein wenig zusammengestaucht hat. Danach ging's, und ich konnte den zwischenzeitlichen Plan, formal einzureisen und dann über die Flughafenhalle (mitsamt formaler Ausreise) in die Sicherheitskontrolle zu gehen, fallenlassen.

Die Securityleute waren ganz eindeutig überfordert. Als ich durch die Schleuse ging, guckte gerade keiner hin, ich meinte sogar, bei mir piepte es (jaja, ich weiß, bei mir piept's ganz bestimmt), aber das interessierte keinen ... (Achja, in Bischkek hatten wir zwei volle Ein-Liter-Flaschen zu trinken im Gepäck, das hat keinen interessiert.)

Am Flughafen frühstückten wir bei Burger King und lasen dann eine türkische Oma auf, die auf dem Weg nach Frankfurt zu Kindern und Enkeln war, auf dass wir sie ein wenig beim Boarding und bei der Einreise unterstützten.

Das Boarding ging ein wenig verspätet los, aber am Ende des ziemlich angenehmen Fluges kamen wir pünktlich im kühlen Frankfurt an. Bei der Einreise unterstützten meine Ma und eine junge Deutschtürkin unsere Oma nach Kräften, sodass der Grenzer, der vorher eine andere Dame ziemlich intensiv befragt hatte, sie durchließ.

Über Skyline, S-Bahn und Bus ging es zum Park-and-Ride-Parkplatz nach Wiesbaden, und von dort mit einem kleinen Stau in Richtung Schwarzwald.

Wir hatten schon vor der Reise für den gestrigen Abend in einer der Gaststätten in meinem Heimatort einen Tisch bestellt, und dort aßen wir sehr gut mal wieder deutsch: also kein Hammel ... Nach dem Essen war ich satt und hundemüde, sodass wir aufbrachen und ich binnen Minuten ins Bett fiel.

Scheene war's.

Kasachstan ist in der obigen Karte jetzt wieder grau, da wir dort nun offenbar nicht eingereist sind (und ob ich mich wegen des kurzen Transits auf der Schnellstraße bei der Grenzziehung auf Google Maps verlassen sollte, bezweifle ich fast ein bisschen).

Damit bin ich nun (wenn man die baltischen Staaten dazuzählt) in elf der fünfzehn Republiken der UdSSR gewesen: eben in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen, in den drei anderen osteuropäischen Republiken Weißrussland, Ukraine und Moldau, in den drei kaukasischen Republiken Georgien, Armenien und Aserbaidschan, natürlich in Russland und nun im zentralasiatischen Kirgisien.

Von den fünfzehn inzwischen unabhängigen Staaten fehlen mir nun noch Kasachstan (die die Visumpflicht für diesen Sommer aufheben wollten, es aber für uns nicht rechtzeitig taten), Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan.

Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind aber reich an ungelösten Konflikten, und auch wenn ich die Krim nicht als Land zähle (sie ist unumstritten nicht unabhängig, sondern - je nach Sichtweise - Bestandteil der Ukraine oder Bestandteil Russlands), zähle ich vier weitere "Staaten", die ebenfalls auf dem Gebiet der früheren UdSSR liegen: Transnistrien (völkerrechtlich zu Moldau, 2010 besucht), Abchasien (völkerrechtlich zu Georgien, noch nicht besucht), Südossetien (völkerrechtlich ebenfalls zu Georgien, noch nicht besucht) und Berg-Karabach (völkerrechtlich zu Aserbaidschan, 2013 besucht).

Zugegeben, Kirgisien macht es Touristen leicht (Einreise visumfrei, keine Registrierung, keine Zollschikanen zumindest bei uns), aber die Erfahrung dort hat mir schon Mut gemacht, die übrigen Staaten in Zentralasien mal zu besuchen; vielleicht folgt Kasachstan bald den Kirgisen und hebt die Visumpflicht auf, vielleicht kommen dann irgendwann auch mal die anderen hinterher.

Es ist noch einiges zu tun bis zum Land 207.

Freitag, 2. Mai 2014

Ein paar tausend Kilometer weiter westlich

... werden wir zum einen morgen schon wieder sein. Aber auch kulinarisch haben wir uns heute mit georgischen Köstlichkeiten vergnügt, die ebenfalls sehr schmackhaft sind.

Nach einigemaßen späten Aufstehen machten wir uns mit der Marschrutka auf dem Osch-Basar und schauten uns dort - endlich, nach sechs Tagen Aufenthalt in Kirgisien - ein wenig um: Frische Früchte, viel Gemüse, Salat, Schuhe und noch vieles mehr gab es dort zu erstehen.

Nach dem Rundgang suchten wir den kleinen Busbahnhof, der sich südlich des Osch-Basars befinden sollte, um von dort zum Ala-Artscha-Nationalpark zu fahren. Wir suchten und suchten und suchten, die Anzeigen in Google Maps wie im Reiseführer waren irreführend, wir liefen wieder durch den Osch-Basar an Schneidern und Jeans-Händlern vorbei, ehe wir das ganze Unternehmen schließlich aufgaben und ein kleines Kaffee gingen, um etwas zu trinken.

Dort entschieden wir uns, dass wir heute Ala Artscha Ala Artscha sein lassen würden und stattdessen noch ein wenig durch Bischkek bummeln würden. Wir erwischten einen Bus und stiegen schließlich wieder am Ala-Too-Platz aus, weil wir in den Eichenpark in der Bischkeker Innenstadt wollten.

Unterwegs entschieden wir uns allerdings um und fuhren zurück ins Hotel, um dort auf der Terrasse ein wenig unseren Urlaub zu verbringen. Einen Jerry Cotton später waren wir wieder so hergestellt, dass wir ans Aufbrechen und frühe Abendessen dachten.

Der Trip Advisor spuckte ein georgisches Restaurant aus, das wir schließlich mit einem Taxi ansteuerten. Der Taxifahrer sprach ein wenig Deutsch und beschimpfte den vor uns einscherenden Fahrer als "Schwein", worauf wir herzlich lachten.

Das georgische Restaurant war ebenfalls richtig gut, wenn auch ein wenig teurer als unsere bisherigen kirgisischen Lokale, weshalb wir am Ende nach einigen Chinkali und anderem Happahappa fast 28 Euro auf den Tisch legen mussten ...

Wir ließen uns mit dem Taxi wieder zurückfahren, nahmen noch einen Absacker in der Hotel-Bar und beglichen unsere Rechnung.

Morgen geht es um 2.30 Uhr zum Flughafen. Unser Flug geht um 5.30 Uhr, sodass wir um 14 Uhr (deutscher Zeit) wieder in Frankfurt sein werden.

Ein erstes kurzes Fazit: Kirgisien war sehr, sehr schön. Wir haben uns hier bei den sehr freundlichen Menschen und dem gutem Essen sehr wohl gefühlt. Die Landschaft ist atemberaubend. Kirgisien ist sicherlich infrastrukturell noch nicht auf Massentourismus eingestellt (und vielleicht ist das ganz gut so), aber es werden in der Zukunft hoffentlich ein paar mehr Touristen in dieses spannende und faszinierende Land kommen.

Over and out, morgen Abend sind wir wieder in Europa.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Burana

So, heute waren wir am Burana-Turm, dem letzten richtig sichtbaren Überbleibsel der ehemaligen Seidenstraßenhauptstadt Balasagun.

Nach einigermaßen Ausschlafen und dem Frühstück hier im Hotel liefen wir zwei Querstraßen hoch zu einer der Hauptverkehrsstraßen von Bischkek. Dort setzten wir uns in eine Marschrutka, die uns für 10 Som, etwa 13 Cent, zum östlichen Awtowoksal (Busbahnhof) brachte. Dort stand schon die Überland-Marschrutka, die uns für 60 Som, etwa 80 Cent, die Stunde nach Tokmok brachte.

Wir hatten nur noch großes Geld und machten zunächst vorsichtige Schritte in Richtung "Innenstadt" von Tokmok, ehe wir uns besannen und zurück zum Busbahnhof gingen. Dort nahmen wir ein Taxi für die 13 Kilometer nach Burana (und zahlten für Hin- und Rückfahrt mit einer Stunde Wartezeit viel Geld: 600 Som, acht Euro).

Der Taxifahrer sprach zwar kein Deutsch, dafür aber ständig von Saarbrücken und rief schließlich eine deutsche Nummer an. Es stellte sich heraus, dass seine Frau als Deutschlehrerin in Kirgisien arbeitet und zur Zeit mittels eines Stipendiums in Deutschland weilt. Zufälle gibt's.

Der Burana-Turm ist höchst beeindruckend. Nicht nur er selbst, ein in der Mitte abgebrochenes Minarett, sondern auch die umgebende Stadt (von der man nicht mehr viel sieht) und noch mehr die umgebende Landschaft sind atemberaubend.

Atemberaubend ist aber - aus zweierlei Gründen - auch die Treppe nach oben: Diese ist einerseits extremst steil, andererseits aber auch so eng, dass man nicht ausweichen könnte, wenn vor einem jemand eine Stufe verfehlte und rücklings herunterstürzte. Ich wollte mir beim Auf- und Abstieg darüber aber keine großen Gedanken machen, aber man braucht in jedem Fall gute Nerven, um die 25 Meter nach oben zu steigen.

Der Ausblick von oben ist natürlich noch fantastomanischer als von unten.

Weniger fantastomanisch war die Streitigkeit zwischen zwei Schülern oben, die in dem gegenseitigen Bespritzen mit Coca-Cola und einer Beinahe-Prügelei gipfelte ...

Einem kurzen Rundgang über die Reste der Zitadelle und ein Feld mit Steinfiguren (alle mit Teetassen abgebildet) folgte ein kurzer Einkaufsbummel in einem Souvenirstand in einer Jurte und ein Gespräch mit Deutsch-Studentinnen. Die Stunde war fast genau um, sodass wir den Rückweg nach Tokmok antraten.

Die Rückfahrt nach Bischkek verlief noch schneller als die Hinfahrt (weniger Verkehr), nur wollte meine Mutter noch mit mir bei Rieker vorbeigucken. Den Laden mit deutschen Schuhen hatten wir auf dem Hinweg zum Busbahnhof erspäht, und so machten wir uns vom Awtowoksal in die Richtung auf. Naja, wir versuchten es. Unser Bus bog (für uns) "falsch" ab, und so landeten wir an der Post, an die wir aber ohnehin wollten, um noch ein paar Postkarten zu erstehen. Danach fuhren wir wieder mit dem Bus, und den Rest liefen wir.

Die Schuhe in dem Laden kosten selbst heruntergesetzt und in nicht unbedingt bombiger Qualität für kirgisische Verhältnisse ein halbes Monatsgehalt, für unsere Verhältnisse praktisch so viel wie in Deutschland. Wir kauften dort also keine Schuhe, und wir beide waren zufrieden ...

Zwecks Abendessen kehrten wir wieder im Fakir ein, gerieten diesmal an eine Bedienung, die ganz gut Englisch sprach, und aßen und tranken wieder einmal vorzüglich.

Im Reiseführer ist ein deutsches Brauhaus angegeben, und so entschieden wir uns, mal heimatliche Gefühle anzustreben. Naja, das Bier ist ganz okay, der Roman Herzog war auch schon da, aber ansonsten würde ich mir ein deutsches Brauhaus ein bisschen uriger vorstellen, nicht unbedingt mit gefliestem Boden und großen freien Flächen. Ist ein netter Versuch, aber auch nicht mehr.

Die Heimfahrt ins Hotel verlief wieder mit dem Taxi, nun sind wir im Zimmer und rechtschaffen müde.

Morgen ist schon unser letzter richtiger Tag in Kirgisien; es ist, mal wieder, unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.
Burana-Turm mit Landschaft

Steinfigur mit Teetasse

Lecker Essen (Lasuro zum Beispiel)

Mittwoch, 30. April 2014

Belohnung

Nach dem eher bescheidenen Wetter gestern haben wir heute die Belohnung für unser Durchhaltevermögen bekommen: Strahlend blauer Himmel und Temperaturen jenseits der 20 Grad Celsius, sodass mir (jaja, man kann es mir nicht rechtmachen) fast schon wieder zu heiß war.

Wir checkten heute Morgen aus, nachdem wir - dieses Mal Knoblauchwurst und Käse sowie - Spiegelei gegessen hatten. Wir bekamen von unseren Gästehaus-Gastgebern noch zwei Tassen mit einer Abbildung des Gästehauses geschenkt (wir hatten zuvor ihre Kindermit Gummibärchen geschmiert) und stiegen dann in das Taxi, das sie uns bestellt hatten.

Das Taxi brachte uns zum Awtowoksal, zum Busbahnhof, und dort stand bereits ein Bus nach Bischkek. Der Fahrer lud unser Gepäck ein und wir standen noch ein wenig in der Gegend herum, als plötzlich unser Taxifahrer wieder auftauchte: Wir hatten alle gemeinschaftlich vergessen, dass der Zimmerschlüssel abzugeben war ...

Wir bestiegen unser Gefährt, das die obligatorische gesprungene Windschutzscheibe hatte; insgesamt käme kein hiesiges Taxi auch nur ansatzweise durch den TÜV, und bei den meisten Privatautos hätte ich auch größte Zweifel; meist sind die Ganghebel ebenso notdürftig geflickt wie die Scheiben.

Die Busfahrt war heute teurer als die Hinfahrt, denn wir mussten statt 250 Som (3,30 Euro) wucherhafte 300 Som (4 Euro) für die sechsstündige Fahrt von Karakol nach Bischkek bezahlen. Noch dazu haben sie dabei die Steuer beschissen, die Kassiererin und unser Fahrer, denn beide hatten nur eine Fahrt computertechnisch verarbeitet und dann handschriftlich die zweite Person draufgebucht: Uns war's wurscht.

Während der Fahrt klingelten ständig Handys, und wir waren durchaus überrascht, dass die älteren, relativ traditionell gekleideten Damen ebenso versiert ihre Geräte ans Ohr hoben wie die junge Garde.

Wir fuhren durch die Landschaft und waren von den relativ nahen hohen und schneebedeckten Bergen sehr angetan; der Konstrast aus Berglandschaft (rechts) und Issyk Kul (links, dahinter wieder andere Berge) war seeeeehr schön. Wir fuhren an wartenden Männern vorbei, die hier nicht - wie im Rest der Welt - stehend die Wartezeit verbringen, sondern an der Hocke.

Die Polizei scheint hier nebenberuflich mit dem Eintreiben der "Straßenbenutzungsgebühr" beauftragt zu sein, denn regelmäßig wurde unser Bus angehalten. Da man der Polizei offenbar ohnehin unter allen Umständen zu schnell ist, zahlt man einfach, und gut is.

Wir fuhren durch die grüner werdende Hochebene vor Bischkek und möglicherweise auch ein kurzes Stück durch Kasachstan, jedenfalls seeehr nah an Kasachstan vorbei, ehe wir - nach langwierigerem Umgehungsstraßenverkehr - am Busbahnhof in Bischkek ankamen.

Die Taxifahrer versuchten, uns wieder einmal dezent übers Ohr zu hauen, was nur ansatzweise gelang, sodass wir nicht völlig entreichert an unserem Hotel ankamen. Unser Koffer stand schon bereit, und wir marschierten wieder in den dritten Stock ins Zimmer.

Dort hielten wir uns nicht wahnsinnig lange auf, sondern gingen gleich wieder auf Pirsch in Richtung der deutschen Botschaft, der wir einen Besuch abstatteten. Nach einem kurzen Rundgang durch Diplomatenviertel und vorbei am Poschtamt (heißt wirklich so) suchten wir eine weitere der empfohlenen Bischkeker Kneipen auf: das Fakir.

Wir "suchten" es wirklich auf, denn es liegt sehr versteckt hinter einer Einkaufspassage, in der es auch eine "Schwarzwald Baeckerei" gibt. Nachdem wir zunächst ignoriert wurden (es stellte sich heraus, dass die Bedienungen erst auskaspern mussten, wer sich traute, uns zu bedienen), bekamen wir leckeres Bier (mit Strohhalm, bäh!) und noch leckerereres Essen: Lazuro (Rindfleisch mit Paprika), wieder einmal leckeres Lagman und dann noch einen Kasan-Kebab, kleine Rindfleischspießchen mit Zwiebeln. Essenstechnisch sind wir immer mehr von Kirgisien begeistert, denn uns hat es bisher überall sehr gut geschmeckt.

Die Heimfahrt bewältigten wir mit einem Taxifahrer, der 1981 in Jüterbog in Brandenburg als sowjetischer Soldat im Einsatz war und daher ein wenig Deutsch sprach. Derartige Deutschkenntnisse mussten mit einem Trinkgeld belohnt werden ...

In der Hotelbar nahmen wir noch einen Kyrgyzstan-Cognac zu uns (nicht ganz so mein Fall) und sind nun bereits in der Heia. Wie immer funktioniert das WLAN an sich tadellos, auch wenn es nicht superschnell ist. Aber trotzdem finde ich es sehr beeindruckend, dass auch die Kirgisen es gebacken kriegen, WLAN im Hotel anzubieten, was bei uns in Deutschland leider nicht immer so selbstverständlich ist.

Ala-Too-Platz in Bischkek

Siegesplatz in Bischkek

Manti (links) und Lagman

Deutsche Spuren in Bischkek

Die Dungan-Moschee in Karakol

Die Dreifaltigkeits-Kathedrale in Karakol

Unterwegs von Karakol nach Bischkek

Blick auf den Issyk Kul

Getrockneter Fisch in Baliktschi

Unser Gefährt

Dienstag, 29. April 2014

Schneeregen am Strand

Nunja, sagen wir, wir haben es uns gestern sehr gutgehen lassen, sodass wir heute in vielerlei Hinsicht nicht ganz unsere Topform erreicht haben ...

Das Frühstück mit Spiegelei, Brot und Marmelade sowie Tee war ganz lecker, aber als wir das Hotel verließen, fing es gerade an zu regnen. Insgesamt war es heute ungemütlich: ungemütlich kalt, ungemütlich regnerisch, ungemütlich windig. Das ist jetzt zugegebenermaßen bei einer Höhe von 1.780 m nicht völlig überraschend, sodass wir unsere Notfallwetterjacken auspackten und uns so auf durch die Gegend machten.

Wir erkundeten einige Parks hier in Karakol, schauten noch einmal bei der Touristinfo vorbei (die Karte gab's noch nicht, dafür bekamen wir eine Fotokopie), fanden sehr verspätet die Aschliamfu-Kneipe, die wir gestern gesucht hatten (und waren nicht ganz unglücklich darüber, sie gestern nicht gefunden zu haben; in jedem Fall entsprachen die hygienischen Umstände dort sicher nicht ganz den Vorstellungen des Gewerbeaufsichtsamtes München-Nord), schlenderten über den Basar (ein Händler: "Sprechen Sie Deutsch?") und guckten uns die Kathedrale an, in der gerade Brot gesegnet wurde ...

Wir fanden die Marschrutka zum Prestan-Strand nicht, und nahmen nach endlichen Überlegungen ein Taxi, das uns dorthin fahren sollte. Es goss und schüttete, das Tor zum Strandabschnitt war zugesperrt, aber im Zaun waren Löcher, durch die sogar ich passte, und der Strand war zu dieser Jahreszeit nichts wirklich Aufregendes: Da standen ein paar Pferde in der Gegend herum, ein paar Hunde bewachten die Pferde, außer uns war da fast niemand, insgesamt nicht so toll.

Wir kehrten bald um, und da wir kein Taxi im Ort fanden, liefen wir die zwei Kilometer in Richtung Hauptstraße. Wir stellten uns unter einen Busunterstand in der Nähe des Friedhofs und hatten Glück, dass ein Taxifahrer gerade einen Beerdigungsgast dort auslud und uns postwendend einlud.

Nach der Rückkehr in unser Hotel lernten wir die neue Hotelangestellte kennen, die als Au-pair in Stuttgart war und ziemlich gut Deutsch spricht, ehe wir uns wieder in die Stadt aufmachten, die Post einwarfen, im einsetzenden Schneeregen drei der vier von unserer Hotelmadame empfohlenen Restaurants fanden und am Ende in dem landeten, in dem wir gestern waren (das war eines der vier empfohlenen).

Wir aßen dort auch heute wieder sehr gut, beließen es aber bei zwei Bier und sind jetzt gegen 19 Uhr schon fast bettfertig.

Morgen geht es ja wieder zurück ins warme Bischkek. Auch das Wetter auf der Fahrt soll morgen besser sein, fast schon sonnig.

Auffällig ist, dass hier an ganz vielen Stellen Rosensträuche gepflanzt sind, die sicherlich irgendwann demnächst (ich Rosenexperte, ich) ausschlagen werden.

Montag, 28. April 2014

Clara Zetkin ist ab 8. März im Urlaub

Das, oder etwas ganz verwandt Ähnliches, hat uns der alte Mann heute im Minibus von Bischkek nach Karakol erzählt. Ich schwöre.

Naja, jedenfalls sind wir heute sehr früh aufgestanden: Ich hatte den Wecker auf 2 Uhr (deutscher Zeit), also 6 Uhr, gestellt. Nach ein bisschen Kuscheln bin ich schließlich um 6.45 Uhr aufgestanden.

Wir waren früher als erwartet fertig und gingen runter zum Frühstück, das aus Blini mit Sauerrahm und Spiegelei mit Wurst (also scrambled eggs [sic!] with sausage) bestand.

Wir fragten unseren Rezeptionisten, was ein Taxi nach Karakol kosten würde. Nach seiner Auskunft ("200 Dollar") nahmen wir rasch von dieser Option Abstand. Dafür brachte er uns - er bekam ein extragroßes Trinkgeld - zum Awtowoksal, also zum Autobahnhof, vielmehr zum Busbahnhof. Dort vermittelte er uns an einen Schlepper, der uns den Koffer schleppte und uns in Richtung Minibusse nach Karakol führte. Dafür bekam er ebenfalls ein Trinkgeld, womit er wenig anfangen konnte. Behalten hat er die 100 Som trotzdem.

Wir waren um 8.45 Uhr am Minibus, der Fahrplan zeigte 9.30 Uhr. Ich war nicht ganz sicher, wie ernst diese Zeitangabe zu nehmen war, aber wir setzten uns schon einmal in das Gefährt. Es kamen immer mehr Leute dazu, auch ein geistig leicht behinderter Mensch wollte ein bisschen Geld erbetteln, und als er dieses nicht bekam, begann er, die auf dem Beifahrersitz sitzende Frau abwechselnd zu beleidigen und durch Geheule zu erweichen zu versuchen. Beides half nix.

Mit wenigen Minuten "Verspätung" fuhren wir los, 18 Mann oder so in unserem Gefährt.

Kurz nach der ersten Tankstelle sprach der alte Mann meine Ma und mich an, auf Russisch. Als die Beifahrerin ihm sagte, wir seien Deutsche, meinte er "Guten Morgen" und "Hände hoch". Sehr beruhigend ... Danach verwickelte er uns in ein Gespräch, zählte von eins bis zehn: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, neun, zehn. Als meine Ma ihn darauf hinwies, dass dazwischen die 8 fehlte, fing er an vom "acht Marz" zu erzählen und von Rosa Luxemburg und Clara Zetkin. Kurz darauf suchte er das deutsche Wort für праздник, bis ihm der Fahrer erläuterte, dass das zumindest auf Englisch "holiday" hieß. Damit war für uns "Urlaub" gemeint. Und da Clara Zetkin am "acht Marz"
праздник, hatte also Clara Zetkin ab dem 8. März Urlaub. (Später fiel uns auf, dass "holiday" auch Feiertag heißen kann, der 8. März der Weltfrauentag ist und Clara Zetkin den maßgeblich mitbegründet hat, aber da war es schon zwei Stunden später, sodass wir das Gespräch nicht neu beleben wollten ...)

Stundenlang ging es durch das kirgisische Bergland, vorbei am wunderbaren Issyk Kul, der fast zwöf Mal so groß wie der Bodensee ist, vorbei an Radieschen- und Besenständen, unterbrochen nur von gelegentlichen Aus- und Zustiegen in unserem Sprinter. Für die Sechs-Stunden-Fahrt bezahlten wir - pro Person - 250 Som, also etwa 3,30 Euro. Auch wenn die Sprachbarriere nicht zu unterschätzen ist (unser Russisch ist wirklich quasi nicht-existent), spüren wir, dass die Menschen sehr (gast-)freundlich sind und wirklich interessiert an den bekloppten Ausländern scheinen, die ihr Land bereisen.

Gegen 16 Uhr kamen wir in Karakol an. Unser Taxifahrer versuchte uns, schön übers Ohr zu hauen, was wir aber abwehren konnten, indem wir statt 2,60 Euro nur 1,30 Euro für die Fahrt zahlten, was immer noch ein deutlicher Ausländerpreis war.

In unserem Hotel wurden wir - ohne unsere Pässe zu zeigen oder sonstwas - schon erwartet und aufs Zimmer geleitet. Das Zimmer ist sehr ordentlich, wir zahlten 54 Dollar (etwa 40 Euro) für die beiden Nächte ...

Anschließend gingen wir in Richtung "Innenstadt", fielen über die von der US-Entwicklungshilfe finanzierte Touristinformation, in der uns gut (und in sehr gutem Englisch!) geholfen wurde (auch wenn die Stadtpläne gerade aus waren) und liefen weiter in Richtung Dungan-Moschee und Basar.

Die Dungan-Moschee (Eintritt: wucherhafte 30 Cent pro Person) ist eine sehr interessante Moschee: Sie ist in einem dezidiert chinesischen Stil gehalten und von außen und innen sehr bunt. So eine Moschee habe ich noch nie gesehen. Hochinteressant. Der Moscheewächter enttarnte uns sofort als Deutsche. Woran das wohl liegt?

Der Basar war heute schon fast wieder im Schließen begriffen, sodass wir sowohl den Basarbummel als auch das Aufsuchen des Lokals, das uns empfohlen war, unterließen (naja, das Lokal fanden wir nicht ...). Überall waren wir "Langnasen" ein spannendes Besichtigungsobjekt.

Wir spazierten zurück in Richtung Hotel und blieben an einem "Kafesi" hängen. Da das Ding auch als "Bar" beschildert war, gingen wir rein, schließlich wollten wir ein Bierchen trinken.

Naja, aus dem Bierchen wurden vier, danach kam eine Viertelliterflasche Wodka (für 2,50 Euro), ein Teechen und ein bisschen Saft, dazu die (gar nicht soooo) scharfe kalte Nudelsuppe, Lagman, Beschbarmak und nachher zum Alkoholbekämpfen noch ein Schaschlik-Spieß. Am Ende zahlten wir 24 Euro für ein mittelprächtiges Gelage.

Karakol soll nicht so supersicher sein, vor allem im Dunkeln, aber die Gefahr lauert wohl eher in Pfützen und fehlenden Kanalisationsdeckeln denn in bösen Verbrechern. Jedenfalls fühlten wir uns bei dem Spaziergang zurück ins Hotel keineswegs unwohl.

Meiner Ma fällt auf, dass die jungen Leute westlich gekleidet sind und alle (auch die Älteren) ein Handy am Ohr haben. Die Infrastruktur (Straßen, Wohnblocks, Autos) wirkt manchmal noch wie in den Westler-Vorstellungen vom Ostblock, auch wenn schon deutlich mehr moderne deutsche und japanische Autos auf den Straßen unterwegs sind als Ladas und Moskwitschs. "Deutsche Autos" kann hier auch mal heißen, dass von der "Bäckerei Stamm" in sowieso oder vom Reisebüro Schlagmichtot in Südtirol noch Aufschriften auf den Gefährten prangen. Scheint ein Qualitätsmerkmal zu sein ...

Wir gehen nun, es ist Mitternacht hier, ins Bettchen. Morgen geht es vielleicht auf einen Ein-Tages-"Trek" ins Gebirge. Mal sehen. Erst einmal aber: gute Nacht!

Sonntag, 27. April 2014

Eine Woche unterwegs

Naja, eigentlich war heute der erste Tag in Kirgisien, aber trotzdem fühlen wir uns, als ob wir schon eine Woche hier wären ...

Also, wir fuhren dann mit beiden Autos (nachdem ich beim Friseur gewesen war) hoch zum Park-and-Ride-Parkplatz und wartetetn dort eine halbe Stunde auf den einzigen Bus, der zum Hauptbahnhof fuhr. Schließlich saßen wir in der S-Bahn mit einem Menschen, der mit seinem Gebrabbel die ganze Bahn unterhielt, aber zum Glück schon in Mainz ausstieg.

Nach der Fahrt mit der Skyline zum Terminal 2 konnnten wir sehr fix einchecken und passierten die Grenzkontrolle. Der Russe vor uns wurde aus der EU-Bürger-Schlange verjagt, das chinesische Pärchen wurde aber durchgewinkt. Tja, liebe Russen, das habt ihr jetzt davon, dass ihr die Krim annektiert habt ...

Nach einem guten Mittagessen beim Flughagen-Japaner ging es durch die Sicherheitskontrolle und zum Gate. Das Boarding begann ein wenig verspätet, und als alle drin waren, mussten wir noch mal warten. Da half es auch nicht viel, dass wir mit Karacho vom Terminal bis zur Startbahn düsten: Wir hatten über eine Stunde Verspätung. Unser Anschlussflug ging planmäßig eine Stunde und 15 Minuten nach unserer Landung in Istanbul, sodass es so langsam eng wurde

Der Flug selbst war recht entspannt, neben uns saß eine 78 Jahre alte Dame, die mit Freundinnen nach Istanbul fuhr und die locker als Anfang 60 durchgegangen wäre. Entsprechend erzählten meine Ma und sie sich gegenseitig von ihren Reisen ...

Natürlich machte ich dann in Istanbul ein wenig Hektik und regte mich ein ganz klein wenig über einen englischsprachigen Vollidioten auf, der so tat, als würde er zum ersten Mal durch eine Sicherheitskontrolle laufen. Er telefonierte sogar, bis ihm einer der Security-Leute das Handy fast aus der Hand riss. Ebenso natürlich erreichten wir das Gate und waren im Nachzügler-Bus unter den Ersten; nach uns kam noch eine kirgisische Reisegruppe (da war ich wenigstens sicher, dass wir im richtigen Bus saßen) und zwei Bulgarinnen.

Der Flieger war recht leer, sodass wir uns breit machen konnten; wir schliefen zwar nicht viel, aber die Flugshow mit der Flugroute über das Schwarze Meer und Georgien, das Aussparen von Aserbaidschan und Usbekistan und schließlich der Landeanflug auf Bischkek waren Unterhaltung genug.

Etwas vorfristig kamen wir in Bischkek an; die Schlange bei der Einreisekontrolle war zwar ein wenig langwierig, dafür war unsere Einreise völlig problemlos. Das Gepäck kam auch  bald, der Zoll wollte auch nix von uns, dafür aber gaaaanz viele Taxifahrer. Wir brachten uns erstmal in Sicherheit, hoben ein bisschen Geld ab und ließen uns dann von einem Schlepper anheuern. Da ich ein bisschen verhandelte, war ihm das am Ende nicht genug, sodass er uns an einen Subunternehmer weitervermittelte. Das Taxi war zwar formal offiziell, wäre aber selbst von einem volltrunkenen TÜV-Prüfer schlagartig außer Betrieb genommen worden: Die Windschutzscheibe war einmal quer gerissen und der Achszapfen (darin habe ich inzwischen Erfahrung) war überall außer in der richtigen Stellung, sodass das Taxi wie ein waidwunder Bollerwagen schlingerte und kaum rechtzeitig bremsen konnte.

Überraschenderweise kamen wir heil im Hotel an und konnten auch gleich aufs Zimmer: Eine Dusche tat wahre Wunder. Dennoch waren wir um sechs Uhr wieder aus dem Hotel draußen und auf dem Weg zum Osch-Basar. Da bauten die Leute aber erst auf, sodass wir den nächstbesten Bus nahmen, hinten einstiegen (das macht man hier so) und am Ala-Too-Platz ausstiegen (Fahrtkosten: acht kirgisische Som, etwa 10 Cent, pro Person). Der Alo-Too-Platz ist so etwas wie der Hauptplatz der kirgisischen Hauptstadt, und auch hier waren selbstverständlich Freiwillige dabei, den Platz zu fegen.

Wir liefen ein wenig über den Platz, zum Freiheitsdenkmal und zum Museum, zur Lenin-Statue und zu einem im Aufbau befindlichen Markt dahinter, ehe wir in die Frunse-Straße einbogen und zwecks leichtem Frühstück nach einigem Weg im Hyatt Regency einkehrten. Selbst in der dortigen Lobby war das Frühstück aus Kaffee und Wasser bzw. Cola sehr gut bezahlbar, sodass wir mit noch vorhandenen Barmitteln in Richtung Siegesplatz liefen.

Der Siegesplatz mit einer überdimensionalen Jurte und einem ewigen Feuer erinnert an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Für uns fast noch spannender war aber das fantastische Panorama auf die Tian-Shan-Berge, die sich scheinbar direkt hinter der Stadt schneebedeckt auftürmen. Wunderbarer Ausblick!

Nach einigen Wirren über die Busverbindungen nahmen wir schließlich ein Taxi zu unserem Hotel, schliefen zwei Stündchen und machten uns dann auf einem der von beiden Reiseführern empfohlenen kirgisischen Restaurants.

Bischkek ist eine sehr grüne Stadt, mit breiten Boulevards und vielen Alleen. Gerade im Regierungsviertel gibt es viele Parks, sodass man sich hier durchaus wohlfühlen kann. Ins Auge stechen die Gegensätze zwischen einigermaßen verfallenen Mietskasernen und hochmodernen neuen Apartment-Gebäuden in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Straßenverhältnisse sind im Allgemeinen nicht schlecht, auch wenn die eine oder andere Nicht-Durchgangsstraße auch mal vor Schlaglöchern strotzt.

Das "Faiza" wird als sehr beliebt bei den Kirgisen beschrieben, und was das bedeutete, merkten wir schnell: Es war proppevoll. Wir bekamen dennoch kurz nach Ankunft einen Tisch und beobachteten erst einmal, wie das hier so mit der Bestellung geht. Am Ende ist das dann doch wie in Deutschland: Man setzt sich an den Tisch seiner Wahl (wenn man denn eine Wahl hat), wartet auf die Karte (die hatten hier auch eine englischsprachige Karte; kein Wunder, wenn man in jedem Reiseführer lobend erwähnt wird), bestellt, isst und bezahlt. Wir dachten zunächst, man müsse am Ausgang bezahlen, doch eine Kellnerin stellte sich uns einigermaßen grimmig in den Weg, sodass wir diese Schnapsidee schnell fallenließen.

Als Essen gab es Manti (Teigtaschen mit Hammelfüllung), Lagman (eine Art Nudelsuppe mit reichlich Fleisch und Gemüse als Beilage), Blini (russische Pfannkuchen mit Sauerrahm). Dazu tranken wir Kefir (eine Mischung aus Buttermilch und Ayran) und Tee. Das Ganze war sehr reichhaltig, sehr lecker und seeeehr günstig: Insgesamt zahlten wir sechs Euro zusammen.

Wir liefen durch ein paar Wohngebiete und wollten eigentlich auf den Osch-Basar. Meiner Ma ging es aber magentechnisch nicht ganz so gut, sodass wir uns ein Etablissement zur Einnahme eines therapeutischen Wodkas suchten. Wir fanden das Metro Pub, eine Expat-Kneipe direkt am Chui-Boulevard. Aus dem Wodka (und meinem Bier) wurde eine zweite Runde, danach gab es noch ein Bierchen und möglicherweise noch eins, weil wir uns einfach verquatschten. Sehr schön, so soll Urlaub sein, und meiner Ma ging es nach der Aufnahme der Arznei wesentlich besser.

Wir ließen den Osch-Basar Osch-Basar sein und liefen zurück in Richtung Hotel. Wir hatten schon wieder ein kleines Hüngerchen und suchten daher eine ebenfalls in Reiseführern empfohlene Gaststätte auf, die aber leider ziemlich zu aussah.

Am Ende landeten wir wieder im "Faiza", aßen noch etwas und gingen dann aber wirklich zurück ins Hotel. Nun ist es hier halb neun, wir sind definitiv bettfertig, zumal es morgen in Richtung Issyk-Köl und Karakol geht. Wir lassen uns vom Taxi abholen und zum Busbahnhof fahren und schauen dann mal, ob wir noch ein Gefährt für die sechsstündige Fahrt hoch in die Berge und am See entlang finden.

Bischkek gefällt uns bisher, nach diesem ersten Tag, ziemlich gut. Die Menschen sind sehr freundlich und um Hilfe bemüht, das Essen schmeckt hervorragend, es gibt kaum Hektik in dieser Stadt. Doch, schee ...

Fotos bei besserer Verbindung.

Samstag, 26. April 2014

Auf nach Osten

So, gerade laufen die letzten Reisevorbereitungen: Der Kulturbeutel wird gepackt, ich gehe gleich noch kurz zum Friseur. Danach stellen wir die Autos auf den Park-and-Ride-Parkplatz und fahren von dort mit Bus und S-Bahn zum Frankfurter Flughafen.

Um 15 Uhr geht unser Flieger nach Istanbul Sabiha Gökçen, wo wir um 19 Uhr türkischer Zeit ankommen (eine Stunde Zeitverschiebung). Schon eine gute Stunde später, gegen 20.15 Uhr, sitzen wir dann im Flugzeug von dort nach Bischkek, wo wir gegen 4 Uhr morgens ankommen werden (nochmal drei Stunden Zeitverschiebung, also gegen Mitternacht deutscher Zeit).

Wir werden uns ein Taxi suchen, unser Gepäck an unserem Hotel abladen und uns dann in den Sonntagmorgen in der kirgisischen Hauptstadt stürzen.

Wir sind sehr gespannt, weil wir beide nicht so recht wissen, was auf uns zukommt und wie das alles funktionieren wird, aber das ist ja nicht unsere erste Abenteuerreise. Und bisher galt: Et hätt noch immer jut jejange ...

Gestern saßen wir beim Abendessen hier in Wiesbaden und haben unsere ersten großen Auto-Reisen, die Nordlandtour 2000 und die erste große Balkantour 2004, Revue passieren (oder, wie mancher Fußballer sagen würden: Paroli passieren) lassen. Oblast Kaliningrad 2000 oder Albanien 2004, viel schlimmer wird es in Kirgisistan schon nicht werden ...

Wir werden berichten, und vorbehaltlich einer guten Internet-Verbindung wird das schon morgen Nachmittag deutscher Zeit sein, wenn wir vom Sonntag in Bischkek berichten.

Sonntag, 13. April 2014

Karakol und Bischkek

Heute haben wir Hotels in Kirgisien gebucht und dementsprechend auch schon die Reiseplanung ein bisschen vorangetrieben.

Nachdem wir ja am Sonntag Morgen ankommen, bleiben wir eine Nacht im Hotel in Bischkek und können uns also am Sonntag in Bischkek umschauen. Da wird sicherlich der Osch-Basar einen Besuch von uns abgestattet bekommen.

Am Montag fahren wir dann, wenn er fährt, mit dem langsamen Zug durch landschaftlich schöne Gefilde, wenn der Zug nicht fährt, dann halt mit Bus und Marschrutka hoch an den Issyk Kul. Von dort fahren wir dann mit Marschrutka oder Bus oder im Zweifel dem Taxi weiter nach Karakol, dabei haben wir immer den See zur Seite.

In Karakol gibt es angeblich einige schöne Sachen zu sehen, darunter eine Kathedrale und eine Moschee, vielleicht machen wir aber auch einen kleinen Ausflug noch ein bisschen weiter in die Berge.

Am Mittwoch geht es dann zurück nach Bischkek in unser dann schon altbekanntes Hotel. Von Bischkek werden wir dann den einen oder anderen Tagesausflug machen, zum Burana-Turm in der Nähe von Tokmok zum Beispiel oder in den Ala-Artscha-Nationalpark.

Am Samstagmorgen schließlich fliegen wir dann schon wieder gen Heimat.

Osch lassen wir also aus: Meine Ma will nicht mit den kirgisischen Kleppern fliegen (und ich verstehe sie da), und die Zehn-Stunden-Fahrt mit dem Auto durch die schöne Landschaft lassen wir dann auch bleiben, wenn wir schon sechs Stunden mit dem Zug hoch nach Baliktschi fahren.

Und vielleicht ist das nicht der letzte Aufenthalt in Zentralasien (naja, ziemlich sicher nicht, ich will ja alle Länder der Welt besuchen), sodass man später vielleicht mal nach Osch kommt ...

Dienstag, 25. März 2014

El Schalom

"Schalom" heißt "Frieden" und "El Schalom" heißt "Elfriede".

Der Witz hat so einen Bart, aber er fiel mir gerade ein, als ich nach einem Einstieg für die Buchung suchte, die wir gestern getätigt haben: An Heiligabend geht es mit El Al, der israelischen Fluggesellschaft, nach Tel Aviv und am 28. Dezember zurück. Ein Hotel, direkt gegenüber der US-Botschaft in Tel Aviv, haben wir auch schon gebucht. Ich freue mich sehr auf die Tour, auf Tel Aviv, auf Israel, auf die Sicherheitskontrollen in Frankfurt, ehe wir überhaupt zum Check-in vorgelassen werden ...

Gleichzeitig haben wir gestern entschieden, Kasachstan fallenzulassen. Das Auswärtige Amt schreibt, dass aufgrund der Visumfreiheit für Kirgisistan die Sonderregelung für Süd-Kasachstan nicht mehr gelte. Das müsste man noch einmal genauer untersuchen, aber erst einmal präzisiere ich: Kasachstan wird fallengelassen, wenn die Kasachen nicht noch rechtzeitig ihrerseits die Visumfreiheit einführen. Und das wiederum ist nicht nur frommer Wunschtraum, sondern nach Medienberichten für diesen "Sommer" durchaus im Bereich des Möglichen. Mal sehen, wann die Kasachen den Sommerbeginn definieren, vielleicht am 1. Mai, denn das würde noch reichen ... Aus diesem Grund bleibt Kasachstan auch erst einmal in orange eingezeichnet.

Und überhaupt: "Schuss ins Knie" wäre auch eine gute Überschrift gewesen. Ich habe zwischenzeitlich zum Zeitvertreib natürlich auch mal ein wenig nach Flügen gesucht, Ostern, Himmelfahrt, wann auch immer ... Leider gibt es für ein paar Tage keine (preislich) vernünftigen Reisen in unbesuchte Länder (Israel zählt da nicht, weil ich einfach mal wieder nach Tel Aviv will). Und die Länder, die relativ in der Nähe wären, machen einem den Besuch so schwer, wie etwa Algerien, das nicht nur ein Visum verlangt, sondern mit auch mit israelischem Stempel die Einreise verweigert. Insofern schießen sich zum Beispiel die Algerier durchaus ins Knie, denn ich wäre ja durchaus bereit, meine sauer verdienten Eurodevisen in Nordafrika auszugeben, aber ich bin halt nicht so richtig bereit, dafür 150 Euro nur für Formalitäten extra zu bezahlen. Vielleicht überlegen die sich das auch mal, denn Algerien klingt durchaus spannend.

Dienstag, 18. März 2014

Wieder daheim

Bin wieder in Deutschland. Ein bisschen traurig bin ich ja schon, denn Istanbul war - mal wieder - sooo schön.

Heute Morgen haben wir gefrühstückt, dann gepackt und noch ein bisschen mit dem Hotelinhaber diskutiert, weil wir uns ja während des Aufenthalts zimmertechnisch umentschieden hatten. Am Ende hat er so abgerechnet wie vereinbart. Immerhin.

Der Taxifahrer beschiss uns dafür heftig, aber diesmal können wir nichts dafür. Der Taxameter war manipuliert, sodass die Fahrt vom Hotel zum Flughafen 20 Euro statt 15 Euro kostete. Ärgerlich, aber am Ende nicht die Welt.

Unser Check-in-Mensch war dafür außergewöhnlich freundlich, und auch die Pass- und Sicherheitskontrolle ging fix. Am Gate spielten wir noch ein wenig Backgammon und wurden dann in den relativ leeren Flieger gelassen, sodass wir entspannt sitzen konnten.

D.s Nebenmann wollte nochmal an sein Gepäck, obwohl wir schon auf der Rollbahn standen, was dem Steward, der ihn auf seinen Platz zurückbringen sollte, eine Schimpftirade einbrachte. Am Ende ging aber auch dort alles gut.

Ein entspannter Flug folgte, und nach einem kurzen Abendessen bei KFC fuhr ich in Richtung Wiesbaden zurück.

Achja, was soll ich sagen? Istanbul ist einfach toll (wenn man von den Taxifahrern absieht ...). Das Fahren mit den Fähren über den Bosporus ist immer wieder beeindruckend, wie ich finde. Die Blaue und die Rüstem-Paşa-Moschee sind sehr schön, aber in die Suleimaniye bin ich immer noch nicht gekommen. Nächstes Mal ... Vielleicht ist nächstes Mal auch die Hagia Sophia wirklich gerüstfrei. Vielleicht buche ich nächste Mal das Hotel mal wieder in Asien, dann habe ich wenigstens jeden Tag Fährefahren inklusive ... Die einzige Frage, die sich also im Zusammenhang mit dieser fantastischen Stadt stellt, ist: Wann bin ich wieder da? Mal sehen ...

Und noch ein paar Fotos:
In der Marmaray-Station mit einem Wandbild über die U-Bahn

Die Hagia Sophia von innen ...
... und von außen

In der Blauen Moschee


Yerebatan-Zisterne

Teil des Areals im Topkapı-Palast

In der Rüstem-Paşa-Moschee

In der Chora-Kirche

Montag, 17. März 2014

208 und Chora

Heute ist einer der weltgeschichtlich bedeutsamen Tage, an denen ich den Titel dieses Blogs umschreiben müsste: "Unterwegs nach Land 208" müsste es ab heute heißen. Wer in den Seitenkopf guckt, sieht aber, dass ich immer noch "nach Land 207" unterwegs bin, obwohl heute Russland, ein UN-Mitgliedsstaat, die Republik Krim als unabhängig anerkannt hat. Damit erfüllt die Krim die Anforderung für eine Anerkennung als "Land" für meine Zwecke. Warum benenne ich den Blog nicht einfach um und schreibe stattdessen hier so viel Zeugs? Weil ich immer noch erwarte, dass Russland die Krim annektieren wird, und dann könnte man zwar darüber streiten, ob die Krim völkerrechtlich zur Ukraine oder zu Russland gehört (siehe etwa die Golan-Höhen), aber jedenfalls wird die Krim nach meinem Verständnis der Situation ihre ausgerufene Unabhängigkeit in den nächsten Tagen schon wieder verlieren. Sollte es wider Erwarten zu einer Abchasien-Situation kommen (und es bei der formalen Unabhängigkeit der Krim bleiben), werde ich allerdings die 208 auch einfügen ...

Heute war ein wunderbarer Tag in Istanbul: Nach Aufstehen und Frühstück fuhren wir mit zwei Straßenbahnen in Richtung Chora-Kirche. Wir fanden sie auf Anhieb, obwohl sie ja ein wenig versteckt liegt, und besichtigten die fantastischen Mosaike und Fresken dort. Der Naos-Raum, also der Hauptraum der Kirche, ist zwar zu Renovierungszwecken geschlossen, aber nichtsdestotrotz bleibt die Chora-Kirche einer der schönsten Sakralbauten, die ich je gesehen habe.

Der Rückweg runter nach Balat ans Goldene Horn erwies sich als einfach. Dort wollten wir in die Goldenes-Horn-Fähre steigen und zumindest mal bis Eminönü runterfahren. Mir scheint jedoch, dass die Fähren dort (im Moment?) nicht fahren, sodass wir über die - neu angelegte und recht schöne - Horn-Promenade in Richtung Galatabrücke wanderten.

Dort kehrten wir bei dem Frankfurter Gesellen, der uns neulich so erfolgreich über den Haufen gequatscht hatte, ein. Wir bestellten eine (teure) Fischplatte und bekamen zwei, aber die waren so lecker, dass wir dieses "Missverständnis" bzw. diesen Betrug gut sein ließen. Mmmh, ich war zwar danach in einem Stadium akuter Platzangst, aber ich musste alles aufessen, weil es so lecker war ...

Wir entschieden uns dann, in Richtung Prinzeninseln zu fahren, was in der untergehenden Sonne eine wunderbare Ausfahrt war. In Büyükada, der letzten und größten Prinzeninsel, blieben wir auf dem Schiff, weil wir bzw. ich vermuteten, dass es zurück über die anderen Prinzeninseln dorthin fahren würde, wo wir herkamen. Pustekuchen war's, wir landeten in Bostancı, immerhin auf dem Festland, aber ziemlich im Südosten von Kadiköy.

Die Vorortbahn, die überall eingezeichnet ist, fanden wir nicht (was womöglich daran liegt, dass die ja gerade die ganzen Eisenbahnstrecken umbauen), jedenfalls entschieden wir uns dann, mit dem Taxi zurück zum Fähranleger in Kadiköy zu fahren. 23 Lira ärmer (der Taxifahrer war sehr ehrlich, was vielleicht auch daran lag, dass ich mit meinem Handy prüfte, ob er richtig fuhr ...) und um eine Istanbul-Taxi-Erfahrung reicher, so landeten wir in Kadiköy (Bostancı ist übrigens ein ziemlicher hübscher Stadtteil mit vielen Lokalitäten, da kann man ruhig mal hinfahren, absichtlich natürlich!).

Wir fuhren rüber nach Eminönü, liefen die Straße hoch nach Sultanahmet und kehrten dann in der Nähe unseres Hotels zum Abendessen ein. Obwohl ich mir geschworen hatte, heute nichts mehr zu essen, verdrückte ich eine Vorspeise in Form von gegrilltem Thunfisch und ein Tiramisù. Der Fisch war sehr lecker, Tiramisù esse ich in Italien lieber ...

Nach einem kleinen Absacker sind wir nun im Bettchen und ein wenig traurig ob der Tatsache, dass es morgen schon wieder heimgeht.

Die Tage in Istanbul sind viel zu schnell vergangen, ich muss bald wieder zurückkommen. Richtiges Fazit morgen, wenn ich wieder in Wiesbaden bin. Gute Nacht!

Noch so ein Tag ...

... der viel zu schnell vorüberging.

Heute Morgen trafen wir uns schon ein wenig früher zum Frühstück und bekamen unsere übliche Zusammenstellung aus Ei, Oliven, Marmelade, Käse, Brot und Tee. Unsere Madame war heute ein bisschen weniger aufmerksam als gestern, sodass wir, nachdem H. sich selbst und dem Freund noch eine Tasse Tee selbst gezapft hatte, aufbrachen.

Das Wetter meinte es heute nicht ganz so gut mit uns: Es regnete und war noch ein bisschen weniger angenehm kühl als gestern. Dementsprechend verzogen wir uns erst einmal in die Yerebatan-Zisterne: Wie immer war diese sehr beeindruckend, auch wenn mir an diesem regnerischen Tag die Scharen von Touristen, die halt - wie ich - die Medusae fotografieren mussten, ein klitzekleines bisschen auf die Nerven gingen. Aber hallo, ich bin im Urlaub ...

Nach dem Besuch der Zisterne gingen wir um die Hagia Sophia herum in Richtung Topkapı-Palast. Inzwischen haben sie dort schicke neue Ticketautomaten aufgestellt, die nur leider nicht funktionieren, wenn man dort die Eintrittskarte für Palast und Harem kaufen möchte. H. und D. standen daher in der Schlange an und kauften eine Eintrittskarte für mich mit.

In der wunderschönen Anlage, die mit Sonnenschein sicher noch schöner gewesen wäre, besichtigten wir diverse Audienzhallen und Schatzkammern (mit einem Monsterdiamanten und viel Schmuck), genossen den Blick auf Goldenes Horn, Bosporus und Asien und erfreuten uns an vielen kleinen Hallen mit wunderschönen Keramikkacheln als Wandschmuck.

Wir bekamen so langsam wieder Hunger und guckten uns daher den Harem (ebenfalls viele, viele kunstvolle Kacheln an den Wänden) einigermaßen im Schnelldurchlauf an.

Unser Mittagessen war nicht ganz billig, aber lecker mitten in Sultanahment. Wir entschieden uns vorläufig gegen ein Mittagsschläfchen und für den Besuch der Rüstem-Paşa-Moschee, die wir praktisch auf Anhieb fanden, obwohl ich die Karte las ... H. hatte auf diesen Besuch gedrängt, und zwar völlig mit Recht: Heute war der Tag der Keramikkacheln, denn auch in dieser Moschee gab es etliche (und auch ein dauerklingelndes Handy ...). Sehr schön. Der Eingang liegt ein wenig versteckt in einer Seitenstraßen neben dem Gewürzbasar; man muss dort eine Treppe hochgehen, damit man in die Moschee im ersten Stock kommt.

Es folgte ein kurzer Einkaufsbummel im Gewürzbasar, in dem D. Safran, Kaffee und Tee kaufte, während ich mich an Muskatnüssen versuchte und erfolgreich einige erstand.

Nun ging es aber wieder mit der Straßenbahn gen Sultanahmet und schnurstrackstens in die Zimmer, um sich ein wenig von dem Tag zu erholen.

Großzügige zwei Stunden später marschieren wir nach Sirkeci runter und über die Galatabrücke, fuhren im Tünel hoch zur Istiklal und fanden dort auch ein modernes türkisches Restaurant, in dem wir gut aßen und uns anschließend in einer Diskussion über die ungarische Innenpolitik wiederfanden.

Heimwärts ging es danach zu Fuß bis nach Eminönü und dann mit einem betrügerischen Taxifahrer (am Ende zahlten wir vier Euro, also kein Beinbruch, aber es geht ums Prinzip) zu unserem Hotel.

Ab ins Bett, gute Nacht, morgen letzter richtiger Tag in Istanbul, die Zeit geht viel zu schnell vorbei ...

Samstag, 15. März 2014

Zweimal Asien und zurück

Das war heute ein schöner, spannender, aber immer noch einigermaßen entspannter Urlaubstag.

D. kam irgendwann in der Nacht an, aber davon bekam ich nicht sehr viel mit. Erst als ich morgens aufwachte und das Badezimmer aufsuchte, merkte ich, dass wir jetzt zu dritt im Zimmer waren. Nach einem weiteren Schlafversuch ließ ich die beiden schlafen und machte mich nach dem Duschen auf ins Gewühl.

Ich schlenderte in Richtung Hagia Sophia und setzte mich einfach in Ruhe auf eine Bank und genoss den Anblick. Naja, ich versuchte es zumindest, denn alle paar Minuten kam so ein Held auf mich zu und wollte mir irgendwelchen Müll verkaufen. Ich ging zurück in Richtung Hotel, frühstückte dort in Ruhe (und allein) und dachte dann, dass die beiden vielleicht noch ein Weilchen bräuchten. Deshalb entschied ich mich, in Richtung Eminönü, also der Bootsanlegestelle, zu gehen. Auf dem Weg - die Strecke zwischen Sultanahmet und dem Sirkeci-Bahnhof ist wahrscheinlich die touristischste von ganz Istanbul - kam ich an vielerlei Nippesläden vorbei. Ich nahm die alte Abkürzung hinunter zum Bahnhof, als mein Blick auf das "Marmaray"-Schild fiel.

Die U-Bahn, die von Europa nach Asien fährt, hielt also dort und ich machte mich auf den Weg nach unten, über drei Stockwerke, bis ich schließlich am Gleis stand. Die Fahrt, nunja, war jetzt nicht so monsterbeeindruckend an sich (kein Feuerwerk an der Grenze zwischen Europa und Asien, wie H. vorschlag), aber als ich dann in Üsküdar wieder am Sonnenlicht war, war der Blick auf die europäische Seite Istanbuls durchaus nicht schlecht.

Irgendwann mussten die beiden ja aber trotzdem einmal wachwerden, also ging ich fix wieder in Richtung Fährhafen und begab mich auf die Fähre von Üsküdar nach Eminönü. Auf der Fähre erreichte mich dann eine SMS von H., dass sie nun fertig seien, worauf ich meinen Standort angab und darum bat, mir zu schreiben, wo sie denn zum Frühstück gingen.

Von Eminönü fuhr ich mit der Straßenbahn hoch nach Sultanahmet und dann durch Hintergassen zu unserem Hotel. Eine SMS hatte ich zwar noch nicht bekommen, aber ich hatte einen guten Tipp, und tatsächlich saß H. dort schon in der Sonne. Vis-a-vis von der Zisterne haben sie irgendeinen alten Block plattgemacht, und auf dem dort entstandenen Platz (mit traumhaftem Blick auf die Hagia Sophia) gibt es nun eine Café.

Die Ober dort waren zwar ein bisschen unfähig, aber wenigstens nach der zweiten Bestellung kam alles, was wir bestellt hatten. Nach dem Frühstück ging ich nochmal ins Hotel zurück, um meine Adonisbirne einzucremen, und ich tat gut daran (sonst wäre ich jetzt im Bett wahrscheinlich noch roter als ohnehin schon).

Die Schlange an der Hagia Sophia war nicht so superlang, und so gönnten wir uns - mal wieder - diese einstige Kirche und Moschee, die inzwischen ein Museum ist. Entgegen mancher Versprechungen stehen zwar immer noch Gerüste in der Hagia Sophia, aber trotz allem ist das einfach extremst beeindruckend, in diesem fast eineinhalb Jahrtausende alten Gemäuer zu stehen. Nach einem Rundgang vorbei an wunderbaren Mosaiken machten wir uns dann auf den Weg zur Blauen Moschee.

Leider war die im Begriff, für Touristen zu schließen, sodass wir uns erst einmal auf dem Hippodrom niederließen, die Obelixe (jaja, ich weiß ja, dass das Obelisken sind, keine Sorge), den Schlangenbrunnen und den Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisbrunnen anzugucken, ehe wir eine Stunde später in die Blaue Moschee konnten. Auch diese ist - wie jedes Mal - sehr beeindruckend, und zwischen uns entspann sich eine Diskussion, ob die Außen- oder die Innenarchitektur am faszinierendsten sei. Ich persönlich kann mich da nicht so recht entscheiden.

Ein kurzer Spaziergang führte uns zum Großen Basar, in dem die gestern schon besichtigten Souvenirs nun erstanden wurden ... Wieder ging es - schon im Dunkeln, und selbst ich trug meine Strickjacke - runter nach Eminönü, denn wir hatten uns entschlossen, heute Abend wieder in Asien in der schönen Fischrestaurantgasse zu essen.

Auf die Idee waren allerdings auch Heerscharen anderer Menschen gekommen, sodass sich die Leute aneinandervorbei durch die enge Gasse schoben. Wir erwischten eine hübsche Kneipe mit in der Gaststube stehendem Grill, wo wir aber keinen Fisch, sondern alle ein vernünftiges Stück Fleisch aßen. Sehr lecker. Und dazu gab es für mich ein "richtiges" Efes, nämlich eine Tulpe mit 0,7 Litern Inhalt ...

Die Fähren von Kadiköy nach Eminönü fahren nur bis 20.30 Uhr, und so mussten wir um 21 Uhr die Fähre an das andere Ufer des Goldenen Horns, nach Karaköy, nehmen. Das macht aber nicht wirklich was, weil die Straßenbahn, die wir ohnehin angestrebt hatten, von Karaköy über die Galatabrücke nach Eminönü und von dort weiter nach Sultanahmet fährt.

Meine Istanbulcard, mit der wir alle drei fahren, ist sehr praktisch: Normalerweise scheint eine Fahrt 3 Lira zu kosten (etwas unter einem Euro), egal womit und wie weit man fährt. Mit der Istanbulcard kostet die Fahrt 1,95 Lira, und Anschlüsse sogar nur 1,40 Lira, sodass man die Kosten für die Karte ganz fix draußen hat.

In Sultanahmet gönnten wir uns dann noch einen Absacker in Form von Brownie und Bieren, ehe wir in unserem Hotel nachfragten, ob wir zwei Zimmer haben könnten. Wir haben uns keinesfalls zerstritten, aber ich verstehe die beiden, wenn sie ein wenig Zweisamkeit im Urlaub haben möchten, und über ein Einzelzimmer werde ich mich ebenfalls ganz gewiss nicht beklagen.

Mal sehen, wohin es morgen geht, es stehen der Topkapı-Palast und vielleicht die Rüstem-Paşa-Moschee an. Aber erstmal wird in Ruhe gefrühstückt ...

Fotos gibt es irgendwann, wenn mein Rechner wieder will. Gute Nacht!

Freitag, 14. März 2014

Ein Schluck von Yusuf

Nach dem Aufstehen und einem ganz genießbaren Frühstück mit Oliven, Käse, muslimischer Wurst, Nutellaimitat, Marmelade, Ei, reichlich Brot und reichlich Tee liefen wir in Richtung des Großen Basars und verliefen uns - wie sollte es anders sein - dort gründlich. Auf dem Weg durchs Gewirr kamen wir an einigen Spieleständen vorbei (H. wollte ein Backgammon-Brett kaufen), aber natürlich gab es von Pashmina-Schals über Keramik und allerlei Nippes bis hin zu Teppichen und Shishas alles, was das (Touristen-)Herz begehrt. Die Händler waren nicht übertrieben aufdringlich und insgesamt erscheint uns Istanbul nicht so richtig überfüllt, was wir der Jahreszeit und der spontanreisenfeindlichen Berichterstattung über Unruhen hier in der Türkei zuschreiben.

Danach gingen wir durch den eher für Einheimische gedachten Basar und kamen schließlich in Eminönü raus, am Fähranleger für die Fähren nach Asien. Wir verpassten unsere erste Fähre, weil ich Goldenes Horn und Bosporus verwechselte und H. auf die falsche Seite der Galaterbrücke zu führen im Begriff war. Wir verpassten unsere zweite Fähre, weil wir uns unter der Galaterbrücke von den Schleppern ansprechen ließen, auch der Kollege aus Frankfurt war natürlich - auch hier: wie sollte es anders sein - hinter uns her. Wir verpassten die dritte Fähre nicht, obwohl wir noch eine Flasche Cola kauften, auf der natürlich nicht "Dietrich" oder "Hannelore", sondern "Yusuf" als Namen gedruckt war.

Blick auf Galata
Die Fähre schipperte rüber nach Kadiköy, und an diesem Vormittag war es uns nicht ganz unrecht, dass wir nicht komplett im Freien saßen: Der strahlendblaue Himmel gleicht die nicht gerade hochsommerlichen Temperaturen zwar ganz gut aus, aber wenn man im Schatten oder im Wind sitzt, ist es nicht so richtig warm (auch abends ist es nicht gerade warm, aber durchaus erträglich, in Hemd und Unterhemd, auch wenn die Türken mich für bekloppt halten).

In Kadiköy suchten und fanden wir die Fischrestaurantgasse und H. entschied für uns, eine schöne Gaststätte in einer kurzen Seitengasse anzusteuern. Die hatten zwar nicht so richtig viel Fisch, aber das machte nichts, weil die baulich verbunden waren mit einem Fischrestaurant, das auf der "richtigen" Gasse lag. Somit bekam sie ihr Menü, das sie für sich entdeckt hatte, und ich bekam meinen Fisch: Wir waren beide begeistert, zumal uns das Ganze zusammen mit zwei Bier und Trinkgeld sowie Nachtisch und Tee vom Haus 55 türkische Lira, umgerechnet etwa 17 €, kostete.

Blaue Moschee und Hagia Sophia mit gerade gefütterten Raubvögeln
Wir spazierten noch ein wenig in Asien herum, ehe wir wieder mit der Fähre rüber nach Europa aufbrachen, diesmal nach Karaköy. Wir nutzen die Tünel-Bahn, um uns den Aufstieg zur Istiklal zu ersparen und schlenderten dann gemütlich in Richtung Taksim-Platz. Die Istiklal war ziemlich gut besucht, auch die Straßenbahn tauchte öfter vor und hinter uns auf, aber den Weg zum Taksim überstanden wir gut. Taksim! Hilfe! Unruhen! Wasserwerfer! Naja, einen Wasserwerfer sahen wir, und auch das Polizeiaufgebot ist höher als sonst, aber ansonsten war zumindest heute Mittag alles ruhig.

Über eine steile Straße ging es hinunter in Richtung Bosporus, vorbei an vielen durchaus wohlgenährten Katzen. Wir saßen unter am Meer noch ein wenig in einem kleinen Park, ehe wir uns zur Straßenbahn aufmachten. Die führte uns zurück zum Großen Basar, wo H. dann ihr Backgammon-Brett erstehen konnte. Trotz abermaliger Verirrung fanden wir unseren Ausgang und spazierten zum Hotel zurück.

Unterwegs schauten wir uns etliche Gaststätten fürs Abendessen an, und ich denke, dass wir da irgendetwas für uns finden werden. Im Moment aber täuscht H. vor, mit geschlossenen Augen ihr Buch zu lesen. Es war halt wenig Schlaf letzte Nacht und durchaus viel frische Luft heute ...

D. kommt heute Nacht an, er wird wohl ein Taxi vom Flughafen nehmen, da es dort genügend gibt, wie wir gestern gesehen haben.

Heute war ein ganz entspannter Ankommenstag in Istanbul ohne große Sehenswürdigkeiten, aber mit viel Genießen der Atmosphäre. Morgen wird es dann touristischer ...

Notfall-Upgrade

So, wir sind gut in Istanbul angekommen, zumindest zwei Drittel unserer Reisegruppe. Unser Ungar muss ja morgen leider noch ungeplant arbeiten, obwohl der Urlaub schon genehmigt war, und kommt dann morgen Abend nach Istanbul eingeflogen.

H. und ich trafen uns auf Anhieb am Frankfurter Flughafen und halfen einem unschlüssigen Ehepaar, das nicht so recht wusste, ob es sich aus dem Aufzug am Gleis heraustrauen sollte oder nicht, in die richtige Richtung. Der Check-in ging ebenso problemlos wie die Sicherheitskontrolle, auch wenn ich mal wieder piepte ... Zum Glück hatten wir völlig ausreichend Zeit und konnten deshalb ganz entspannt sein.

Wir tranken noch ein Bierchen und noch ein zweites (jedenfalls ich), ehe wir ganz entspannt zum Gate gingen und dort auf unseren Einstieg warteten.

Kaum in der Luft war es aber mit der Entspannung ziemlich vorbei ... Zwei Frauen waren zunehmend unruhig, und irgendwann kam die Durchsage, ob ein Arzt an Bord sei. Ich stand schon und ließ H. vorgehen. Der Dame ging es dann dank H. bald wieder gut, aber zur Beobachtung wurde sie in die Business Class vorverlegt, was dazu führte, dass H. sie in der Business Class beobachtete und ich hinterherziehen durfte. So schnell kommt man zu einem Notfall-Upgrade.

Die Damen und Herren in der Business Class waren sehr freundlich, und auf einmal kam die Sprite sogar im Glas anstatt im Plastikbecher. Auch leckere Pralinen gab's für uns. Ich habe schon zu H. gesagt, dass ich in Zukunft öfter mit ihr fliege ...

Die Abholung hier am Flughafen klappte auch. Ein Abholbeauftragter holte einen ganzen Schwung Menschen ab und verteilte sie auf verschiedene Autos. Unser Fahrer fuhr zunächst auf der Schnellstraße, danach aber über verschlungene, zum Teil unbeleuchtete Schleichwege zu unserem Hotel.

Das Hotel ist okay, es ist sicher kein Fünf-Sterne- und auch kein Vier-Sterne-Haus, aber es hat Betten und ein Bad, und vor allem der Ausblick auf Hagia Sophie und Blaue Moschee von der Dachterrasse ist fantastisch. Aber das wird morgen ausgiebig erkundet.

Erstmal geht es jetzt schlafen. Gute Nacht.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Zum dritten Mal in Folge

Es gibt einige Dinge zu berichten:

Der Istanbul-Aufenthalt vom 14. bis 18. März, den wir schon früh im letzten Jahr gebucht hatten, ist jetzt auch hotelmäßig gebongt. Wir werden von einem Fahrer unseres Hotels in der Innenstadt (zweinhundert Meter zur Hagia Sophia) nach unserer Ankunft um 2.05 Uhr abgeholt. In Istanbul haben wir dann ein Dreierzimmer. Wenn ich die Bilder vom Zimmer richtig interpretiere, ist das sogar ein kleines Apartment mit zwei Schlafräumen. Wäre nicht schlecht ...

Wegen Kasachstan habe ich jetzt noch einmal bei der Konsularabteilung der Botschaft um eine schriftliche Bestätigung in kasachischer Sprache (damit es dem Grenzer unter die Nase halten können) gebeten, ob/dass wir mit einem kirgisischen Einreisestempel auch visumfrei nach Südkasachstan einreisen können. Egal, ob wir diesen Wisch kriegen oder nicht, der Weg von Bischkek zur Grenze ist nicht so weit, sodass ich davon ausgehe, dass wir es auf alle Fälle probieren; mal sehen, wie weit wir kommen ...

Hotels habe ich in Kirgisistan noch nicht gebucht, weil meine Ma und ich uns noch nicht so genau über die weitere Planung unterhalten haben, zumal das Ganze ja von Kasachstan und den dortigen Grenzern abhängt, und deren Verhalten lässt sich schlecht im Voraus planen.

In puncto Brasilien im Juni gibt es eine frohe Botschaft: Wir haben die Karten ... Am 26. Juni werden wir uns die Partie von Jogis Jungs gegen Klinsis Jungs angucken. Wir werden also beim dritten Fußball-Großturnier mit deutscher Beteiligung in Folge live im Stadion dabeisein.

Das Ganze wird in Recife stattfinden, wo wir ja auch hin- und von wo wir wieder zurück nach São Paulo fliegen. Die Busse von Recife nach João Pessoa und andersherum fahren angeblich jede Stunde (für etwa sieben Euro ...), und sobald es Busse zu buchen gibt (zwei Monate im Voraus), werde ich die Strecken Recife-João Pessoa-Recife-João Pessoa-Recife buchen.

Gebucht habe ich allerdings jetzt schon die Fähre von Buenos Aires nach Montevideo und zurück am 14. bzw. 15. Juni. Es geht morgens um halb acht in Argentinien los, und am darauffolgenden Tag abends um 22.15 Uhr wieder zurück, sodass wir praktisch zwei volle Tage in Montevideo haben. Das wird schön ...

Im Oktober bin ich nach gegenwärtiger Planung dann in Rom. Eine gute Freundin von mir scheint ein wenig Angst zu haben, dass ich sie unterwegs fresse, sodass sie fragte, ob wir nicht noch ein paar Leute mitnehmen wollen. Gerne, mal sehen, wer mitmag. Irgendwann müssen wir dann halt mal Flüge buchen.

Und schließlich ist der Plan ja, über Weihnachten nach Israel zu fliegen. Tel Aviv ist einfach schön. Mal gucken, von wo aus man gute und günstige Flüge kriegt ...

2014 wird ein reisereiches Land, so soll es sein.

Montag, 3. Februar 2014

Zwischen Afghanistan und Siberien

"Ach du Sch..." Tja, das hätte sich meine Mitreisende früher überlegen oder mich vorher fragen müssen, wo genau Bischkek jetzt eigentlich liegt. Jetzt hat sie den Salat und fliegt mit mir am 26. April nach Kirgisistan. Nachdem sie mich jahrelang durch die Welt geschleppt hat, will ich mich dieses Mal revanchieren und meine Frau Mama zu der Reise einladen.

Wir hatten uns überlegt, ob wir vielleicht nach Georgien und dann weiter nach Abchasien reisen, auch Irland war in der Verlosung. Am Ende war der Flug nach Bischkek aber noch günstiger als vor ein paar Wochen, und somit habe ich jetzt gebucht.

Am 26. April fliegen wir von Frankfurt über Istanbul nach Bischkek, wo wir am 27. April früh morgens ankommen. Mal sehen, wie wir dann in der Gegend herumgurken, wahrscheinlich werden wir uns mal den Issyk Kul angucken, einen Hochgebirgssee östlich von Bischkek. Die Fahrt dorthin mit dem Zug oder dem Minibus wird sicherlich lustig werden ...

Es gibt wohl ein Abkommen, dass man mit einem kirgisischen Visum (als Deutscher braucht man kein Visum mehr für Kirgisistan, ich hoffe, ein Einreisestempel tut's auch ...) visumfrei nach Südkasachstan einreisen, unter anderem nach Almaty/Alma-Ata. Angeblich kennt allerdings kaum ein Grenzer dieses Abkommen, und die Anfrage bei der kasachischen Botschaft hat auch noch nichts ergeben. Naja, mal gucken, jedenfalls sollte ja nix schiefgehen, selbst wenn die Kasachen uns nicht einreisen lassen, da wir immer wieder zurück nach Kirgisistan können sollten.

Am 3. Mai geht es dann jedenfalls zurück nach Frankfurt und von dort aus dann in Richtung Schwarzwald ...

Ich bin sehr gespannt auf Zentralasien. Meine Russisch-Kenntnisse sind zwar ausbaufähig, aber bisher hat es immer irgendwie geklappt, und irgendwie wird es auch diesmal hinhauen.