Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Nairobbery oder Nairobeggary

Naja, erstmal und bisher ist es Nairobi, und erstmal und bisher habe ich das Erstere noch gar nicht und das Zweitere nicht so wahnsinnig oft erlebt.

Aber von Anfang an.

Ich stieg also gestern um fünf Uhr auf, war um sechs Uhr aus dem Hotel raus und ließ mich zum Bushof meines Fuhrunternehmens fahren. Dort war sogar schon jemand da, ich konnte meine Fahrkarte kaufen, das Gepäck wurde problemlos eingeladen, die Fahrt ging los in durchaus nicht unbequemen Sitzen.

Die Busfahrten hier finde ich immer wieder interessant. Zunächst einmal ist die Aussicht schön, zumindest, wenn man nicht im Stadtverkehr der großen Städte (oder kleinen Dörfer, denn Umgehungsstraßen gibt es nicht, dafür aber überall bösartigste solcher Schwellen, an denen der Bus bremsen muss und bremst und man trotzdem das Gefühl hat, dass man einen Meter in die Höhe geschleudert wird) festhängt, denn dieses Grün jetzt am Beginn der Trockenzeit ist einfach faszinierend.

In den Dörfern wird dieses Grün dann durch ein deutliches Braun ersetzt. Die von der doch ganz überwiegend asphaltierten Straße abbiegenden Straßen sind braune Staubpisten und auch die Häuser (Hütten) sind meist braun. In den Dörfern fallen die oft ganz neuen Coca-Cola-Schilder auf (zumindest in Uganda war das so), und die Häuser direkt an der Straße sind meist mit irgendwelcher Werbung bunt bestrichen.

Doch, das satte Grün der Landschaft hier ist sehr, sehr schön.

Der Grenzübertritt von Uganda nach Kenia war völlig problemlos, auch wenn man (vielleicht nicht unbedingt als Weißer, aber als Einheimischer durchaus, denke ich) da auch drüber kann, ohne sich Ein- und Ausreisestempel abzuholen, denn an dieser Grenze hat niemand kontrolliert, ob man sich schön seine Stempelchen abgeholt hat. Selbstverständlich habe ich mir meinen ugandischen Ausreisestempel und mein kenianisches Visum, auf das dann der Einreisestempel angebracht wurde, abgeholt. Wieder durfte ich 50 Dollar zahlen, dieses Mal musste ich sogar (aber nicht "meinem", sondern einem anderen Grenzer) meinen Impfpass zeigen. Komisch, die Einheimischen hat er nicht danach gefragt ...

Nach dem Einsteigen in den Bus kam nochmal einer der unzähligen Geldwechsler, aber ich verzichtete auf das Wechseln. Ich habe dann relativ schnell gemerkt, dass das Quatsch war, auf einen etwas besseren Kurs zu hoffen, weil ich so überhaupt kein kenianisches Geld mehr hatte: weder zum Essen- oder Trinkenkaufen noch zur Bezahlung meiner Taxifahrt nach Ankunft in Nairobi. Wieder Intelligenzbestie, ich.

Die Fahrt in Kenia wurde lang, länger und noch länger. Es war nicht sehr schön. Selbst und gerade für ostafrikanische Verhältnisse waren die ersten Stunden auf den kenianischen Straßen furchtbar, weil die Straßen so schlecht waren. Die letzten drei Stunden waren dann ganz kriminell, weil im Dunkeln. Da waren zwar die Straßen wenigstens in Ordnung, aber die Fahrweise, ohje, ohje. Ich werde immer wieder gerne auf Kenia verweisen, wenn irgendwann jemals wieder jemand an meiner Fahrweise zweifelt. Achja, einen Unfall haben wir gestern dann auch gesehen ...

Als wir dann in Nairobi ankamen, vermittelte ein Easycoach-Angestellter mich an einen Taxifahrer, der mich dann - für US-Dollar - in mein Hotel fuhr. Das Trinkgeld in Form von ugandischen Schilling wollte der Angestellte nicht annehmen, weil er damit in Kenia nix angefangen könnte. Tja, wer von Wechselstuben noch nie gehört hat, hat halt Pech gehabt.

In meinem Hotel war die Hölle los. Ich hielt den ganzen Verkehr auf, weil meine per Paypal bezahlte Buchung nirgends aufgetaucht war. Nach einem Anruf bei der Hauptstelle konnte mein im Übrigen wirklich außergewöhnlich freundlicher Rezeptionist dann aber Entwarnung geben. Mein Zimmer ist sehr in Ordnung, im fünften Stock (aber mit Aufzug!). Es gibt eine verschließbare Zugangstür zum Gang und dann eine doppelte Schlosssicherung an der Türe. Nun, Nairobi scheint kein so sicheres Pflaster zu sein, nicht wahr? Eine Sache ist ein kleines bisschen ärgerlich: Es gibt keinen abnehmbaren Duschkopf. Aber wahrscheinlich würde der zu oft geklaut, oder so ...

Sogar das Geldwechseln klappte hier im Hotel zu einem wirklich sehr akzeptablen Kurs, sodass ich gleich im Hotelrestaurant wieder ans Geldausgeben gehen konnte: Es gab Lammsteaks mit Ugali und Spinat, dazu ein mittelkaltes Tusker-Pils. Das Essen war in Ordnung, wenn auch gelegentlich etwas zäh, das Bier ging so. War aber okay, ich hätte sogar noch ein zweites getrunken, aber die Restaurantchefin war ein wenig ungehalten, weil es schon einigermaßen spät war, sodass ich halt kein zweites mehr trank. Das Trinkgeld war dann entsprechend ...

Achso, das Internet funktionierte leider nicht so richtig. Da mein Computerakku aber gerade spinnt und ich keinen Adapter hatte, konnte ich ohnehin nur mit dem Handy online gehen. Das Handy wiederum hat aber eine schwache Sendeleistung. Deswegen: Kein Adapter, kein Computer, kein WLAN, kein Internet.

Ich schlief sehr gut und war, obwohl ich hätte ausschlafen können, war ich recht früh wach. Ich ging duschen und machte einen ersten Spaziergang um den Block. Ich kaufte zwei Flaschen Wasser, eine Flasche Cola und ein halbes Kilo kleiner Süßbananen für umgerechnet 1,50 € (alles zusammen!) und frühstückte dann genüsslich die sehr leckeren Banänchen. Auch einen Adapter fand ich. Alles gut.

Dann brach ich zu einem Stadtspaziergang auf. Ich wollte ja schließlich noch meine Fahrt für morgen nach Arusha buchen. Akambusbus gibt es aber nicht mehr, jedenfalls war das Buchungsbüro in der Innenstadt, wiewohl noch beschildert, dicht und mittelprächtig verwüstet. Scandinavian Express fand ich am angegebenen Ort nicht, sodass ich wieder ins Hotel ging, um online was zu suchen. Online fand ich was und es stellte sich heraus, dass das Buchungsbüro von denen direkt um die Ecke des Hotels in einem Geschäftshaus war. Ich raus aus dem Hotel, rein ins Geschäftshaus, in den vierten Stock, Zimmer 1. Die Frau wusste von gar nix, vermittelte mich aber an einen anderen Typen den Gang runter. Bei dem habe ich jetzt 20 Dollar gezahlt und hoffe, dass er mich morgen um 7.30 Uhr am Hotel abholt. Die Quittung sieht offiziell aus, mal sehen. Im Zweifel sind 20 Dollar Doofensteuer auch noch erträglich, zumal es dann immer noch genügend Busse nach Arusha gibt, um pünktlich zum Fußballspiel an Ort und Stelle zu sein.

Nochmals ging ich in die Stadt und guckte mir das Regierungsviertel mit Kenyatta-Mausoleum an, das Parlament, den Sitz des Präsidenten und des Premierminister, das Außen-, das Finanz- und das Bildungsministerium. Ich fuhr für vier Euro auf den Turm des Konferenzzentrums hinauf und traf dort auf zwei Deutsche und Peter, den kenianischen Guide, der da oben verpflichtend ist (kein Mensch weiß warum, höchstens, weil man noch ein paar Treppen hoch muss und sich da nicht verläuft). Peter auf alle Fälle war toll: Er erklärte uns in seinem sehr afrikanischen Akzent und mit ausladenden Gesten die Geschichte Kenias, Nairobis und einzelner Gebäude. Als er am Ende auf ein gutes Trinkgeld spekulierte, kürzten die zwei deutschen Damen ihn ab, gaben ihm das Geld und verschwanden. Auch von mir bekam er ein Trinkgeld, aber auch die Frage, wie er zu den zwei Kenia-Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof steht, die, was ich schon vorher wusste, in Kenia ein ganz heißes Ding sind.

Dann ging es rund: Er erzählte, dass seine Eltern in diesen Gewaltausbrüchen nach den Wahlen Ende 2007 von Verbündeten des aktuellen Premierministers (Raila Odinga) getötet worden seien. William Ruto, der Hauptangeklagte auf der einen Seite, sei ein großer Verbrecher und der Premierminister gleich mit, während Uhuru Kenyatta ja den Opfern aus eigener Tasche geholfen habe und überhaupt unschuldig sei. Prinzipiell sei der bisherige Chefankläger Ocampo bestochen worden (vom Premierminister natürlich), und eigentlich hätten die anderen sich auch nur gewehrt.

Es war in jedem Fall einmal interessant, von einem mehr oder weniger einfachen Kenianer zu erfahren, wie er dazu steht.

Anschließend ging ich ins Thorntree-Café, trank ein teures Bier und aß teure Samosas (wenigstens war das Tusker-Bier jetzt wirklich eiskalt und damit gut trinkbar) und suchte anschließend den American Embassy Memorial Garden auf. An der Stelle der US-Botschaft, die 1998 von Terroristen zeitgleich mit der US-Botschaft in Daressalaam in die Luft gejagt wurde, ist nun dieser schöne Garten, in den sich vieler Nairobier (oder so) verzogen. Ich hoffe mal, die haben auch alle schön ihre 20 Cent Eintritt bezahlt. Zusätzlich gibt es ein Memorial Centre, das für 50 Cent Eintritt (als Student) noch einmal ein paar Einblicke liefert, aber alles in allem mehr auf die Tränendrüse drückt (und auch das nur mittelerfolgreich) als wirklich hochgradig informiert.

Danach trat ich den Heimweg ins Hotel an, in dem ich nun sitze. Ich werde jetzt gleich mal nach unten an die Rezeption gehen, mir eine Sportsbar empfehlen lassen (ich habe allerdings schon eine relativ nahe im Auge, nämlich die des Meridian Hotel) und mich dann dorthin kutschieren lassen. Denn wenn schon der Lonely Planet empfiehlt, auch kurze Strecken nachts mit dem Taxi zurückzulegen, dann tue ich das auch. Und um 19 Uhr ist es hier schon ziemlich dunkel.

Ich hoffe, ich werde morgen berichten, wie es mir in Arusha geht.

Dienstag, 19. Juni 2012

Viktoriasee

Heute war ich in Entebbe am Viktoriasee.

Zunächst noch ein kurzer Nachtrag zu gestern: Ich bin tatsächlich noch einmal rausgegangen und habe mir das Independence Monument hier angeguckt. Das Monument an sich ist schon komisch, ich vermute, es soll zeigen, dass aus den Verstrickungen der Vergangenheit (so interpretiere ich den "Rock" der Mutter) das neue Uganda (das von der Mutter hochgehaltene Kind) entstanden ist. Oder so. Dahinter ist jedenfalls eine Wand mit allerlei Malereien, die mir offiziell zu sein scheinen. Was Adolf Hitler allerdings dort verloren hat, hat sich mir überhaupt nicht erschlossen. Alles in allem habe ich das Monument durchaus verstört verlassen.

Ich aß in meiner Stammkneipe zu Abend und wagte mich an den Nile Perch, also den Nilbarsch, der bei uns öfter Viktoriabarsch heißt, heran. Der war sehr, sehr lecker. Fußball guckte ich dann aber zu Hause im Zimmer.

Heute Morgen schlief ich dann einigermaßen aus, verließ das Hotel und marschierte ein paar Minuten zum alten "Taxi park". Die Kleinbusse heißen in Uganda verwirrenderweise "taxis", während unsere Taxis den schönen Namen "special hire" tragen. Jedenfalls war ich in dem Gewusel dieses Kleinbusbahnhofs erstmal ziemlich verloren. Mein Stadtplan wies mir aber zusammen mit der Sonne den Weg Richtung Süden und tatsächlich, nach einmaligem Nachfragen hatte ich meinen Bus erwischt. Die knapp einstündige Fahrt nach Kampala im 14-bis-16-Personen-Kleinbus kostete 3000 Shilling (etwa 95 Cent), die Rückfahrt später komischerweise nur noch 2500 ...

Was einem hier in Afrika im Allgemeinen und in Uganda im Besonderen einfach auffällt, sind die vielen Handyläden und Verkäufer von Airtime, also aufzuladenden Guthaben für das Handy. Ganz, ganz viele, auch weniger gut gekleidete Ugander haben ein Handy. Telefoniert wird damit aber in angenehmer Lautstärke.

Als ich in Entebbe ankam und den dortigen Taxi park verlassen hatte, war auf einmal alles ganz ruhig um mich herum. Natürlich, Entebbe ist viel kleiner als Kampala, aber dennoch überraschte mich die Ruhe, zumal  der Hauptstadtflughafen hier ist. Ich hatte den Ausstieg in der "Innenstadt" verpasst, sodass ich ein paar Minuten bis dorthin laufen musste. Nach einer Stunde eingepferchtem Sitzen im Kleinbus war das aber eine Wohltat.

Ich wollte ins Uganda Wildlife Education Centre, das vom Reiseführer empfohlen war. Das Eintrittsgeld war deutlich erhöht worden und beträgt nun knapp zehn Euro, aber diese zehn Euro lohnen sich wirklich. Die Tiere dort wurden anscheinend allesamt von Wilderern oder Hehlern beschlagnahmt und leben dann in mehr oder weniger natürlicher Umgebung in mehr oder weniger großen Anlagen. Die Liste von Tieren ist wahnsinnig: Löwen, Leoparden, Hyänen, Schimpansen, Nashörner, etliche Vögel, Krokodile, Otter, Zebras, Strauße, Büffel und als Highlight hinten links die Giraffen. Achja, die Schlangen habe ich vergessen. Und bestimmt noch ein paar andere. Das ist wirklich eine schöne Anlage. Das Restaurant am Ufer des Viktoriasees hat eine wunderbare Aussicht auf selbigen, für die man zugegebenermaßen aber auch bezahlt. Der Verlierer des Kampfes zwischen mir und dem Fisch hat sich mit Gräten und Kiemen gewehrt, aber eben trotzdem nicht den Sieg davongetragen. Nach dem Essen ging ich noch einmal eine kleine Runde, diesmal über einen halb zugewachsenen (aber auf dem Plan ausgewiesenen) Waldweg. Dort kam ich richtig nah an eins der weißen Nashörner heran, von denen es auf der ganzen Welt angeblich nur noch 41 Stück gibt. Sehr schick. Habe natürlich auch Fotos gemacht, die ich aber wieder einmal nicht hochladen kann. Vielleicht ist das WLAN morgen besser.

Danach ließ ich mich zum Kleinbus fahren und landete gut wieder in Kampala. Diese Kleinbusse sind einfach praktisch, auch wenn sie natürlich nicht so wahnsinnig sicher sind und bequem sowieso nicht. Irgendwann im Gewühl in Kampala hielt der Bus, alle stiegen aus, also auch ich. Ich musste mich erst ein wenig orientieren, merkte aber dann recht schnell, wo ich war und lief zurück zum Hotel. Ich muss mich ziemlich doof anstellen, denn ich kriege es hier nicht gebacken, irgendwo ein paar Bananen einzukaufen. Ich sehe nirgends welche, zumindest nicht zum Kaufen. Und auch wenn ich einigermaßen genug trinke und durchaus auch esse (wenn auch weniger als zu Hause, was auch mal gut ist ....), Vitamin C kommt im Moment ein wenig kurz.

Im Hotel lasse ich es nun gut sein. Gleich kommt Fußball. Morgen geht es früh raus, in Richtung Nairobi. Dazu werde ich wohl um fünf Uhr aufstehen, damit ich um sechs Uhr irgendwo ein Taxi finde, schnell beim Busunternehmen meiner Wahl bin und dann noch ein gutes Ticket ergattern kann. Ich werde morgen Abend hoffentlich aus meinem 78. Land berichten. Morgen ist ja kein Fußball, das habe ich mir mal wieder clever gelegt ....

Montag, 18. Juni 2012

Don't panic, Mzungu

Hm, heute ist eigentlich bisher so alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte, aber das ist alles nicht wirklich schlimm ...

Ich habe mal wieder ausgeschlafen. Irgendwann rief das Zimmermädchen an und meinte, sie wolle jetzt mein Zimmer säubern. Ich sagte, das sei heute nicht nötig, was sie leicht verdutzt akzeptierte. Kurz darauf rief die Rezeption an und meinte, sie hätte ein billigeres Zimmer für mich. Anstatt 45.000 Schilling (14,35 €) könne ich jetzt in eins für 40.000 Schilling (12,76 €), weil ich ja eines für 40.000 reserviert hatte. Ich bin aber ganz zufrieden mit meinem Zimmer (bis auf die kalte Dusche, die aber durch Zimmerwechsel nicht besser würde), sagte ihr das auch und das war in Ordnung so.

Danach wollte ich zum Büro des Busanbieters Akambabus laufen, fand dieses aber nicht am angegebenen Ort. Danach wollte ich (nord-)ugandisch essen, aber auch dieses Etablissement hatte die Zeit zwischen Reiseführererscheinen und heute nicht überlebt. Schließlich fand ich ein anderes Lokal, das sehr einladend aussah. Da will man einmal vegetarisch essen, und dann gibt's das Essen nicht! Schade. Es wurde dann ein Chicken Boil mit Yams, es kamen zwei Teller: eine Suppe mit einem Hähnchenschlegel drin und ein Teller mit Yams drauf. Yams schmeckt trocken nicht so wirklich nach irgendwas, und der Hähnchenschlegel wollte in der Suppe nicht so wie ich ... Ich besiegte ihn in einem verlustreichen Kampf (unter anderem musste die Sauberkeit der Tischdecke dranglauben) und war gesättigt.

Eine amerikanische Unsitte gibt es hier in Uganda: Sobald man aufgegessen hat (oder noch während man isst!), bekommt man die Rechnung präsentiert. In den USA weiß man dann halt (oder auch nicht), dass man zum Nur-was-Trinken an die Bar gehen muss. Aber wenn das hier selbst in einem Pub passiert, weiß ich auch nicht ...

Ich wanderte danach am Parlament vorbei, kaufte Postkarten und schrieb diese in meinem Möchtegern-Pub von gestern. Dazu trank ich (zu früh am Tag) zwei Bier der Sorte Club. Schmeckt irgendwie auch nicht so richtig. Wenigstens die Aufzeichnung des Deutschland-Sieges ging gut runter.

Danach ging ich zur Post, kaufte unproblematisch Briefmarken, warf die Postkarten in den Briefkasten und wechselte noch mein restliches ruandisches Geld um. Ich ließ mich von einem Boda-Boda-Fahrer wieder zu Akambabus fahren, und siehe da: Dort war ich gewesen. Nur steht draußen "Easy Coach" anstatt "Akamba" dran. Naja. Jedenfalls konnte ich nicht buchen. Das ginge nur am Abfahrtag. Argh. Ich ließ mich wieder zu meinem Hotel fahren und ging von dort ein paar Meter durch den Hochbetrieb einer Handelsstraße zu einem anderen Busanbieter. Dort war man sehr freundlich, aber auch dort konnte ich nicht für übermorgen buchen. Es wird jetzt wohl so sein, dass ich mir für übermorgen um sechs Uhr ein Taxi bestelle bzw. eines suche, damit ich gegen 6.15 Uhr am Bus bin, wenn der um 7.00 Uhr ("sharp") abfahren soll.

Das Gewusel auf dieser Handelsstraße war aber sehr lustig. Nicht nur die Autos und selbst die Boda-Bodas standen im Stau, sondern sogar wir Fußgänger kamen nur mit Drängeln und Zwischen-zwei-LKW-Quetschen voran. Sehr lustig. Nicht ganz ungefährlich, aber sehr lustig.

Jetzt sitze ich im Hotel und überlege, ob ich heute zu den Abendspielen wieder in mein Pub fahre und vorher vielleicht noch ein bisschen in Kampala herumgucke. Kampala ist im Vergleich zu Kigali wahnsinnig viel lebendiger, hektischer, spannender, lauter, schmutziger, interessanter. Hier tanzt der Bär auf der Kampala Road, halleluja. Boda-Bodas, Matatus (Kleinbusse), große Busse, Autos und Fußgänger (sowie gelegentlich ein Fahrradfahrer) drängeln sich aneinander vorbei, es wird gehupt, und bisher habe ich keinen Unfall gesehen. Organisiertes Chaos halt.

Apropos Boda-Bodas: Gestern Abend saß ich auf einem und als der Fahrer an einer Kreuzung anhalten musste, stellte ich meinen Fuß auch auf den Boden, weil mir das Gefährt ob meines Gewichts nicht den Eindruck machte, dass es am Berg stehen bliebe, wenn ich nicht mitstütze. Prompt kamen zwei andere Boda-Boda-Fahrer heran und meinten: "Don't panic, Mzungu." ("Keine Panik, weißer Mann.") Es wird wohl besser sein, wenn ich den Fahrer seinen Job tun lasse und meine Füße auf dem Gefährt behalte.

Und eins muss ich noch korrigieren: Es war kein Zufall, dass mir gestern kein Zoll begegnet ist. Ich böser Eurozentrist hatte es natürlich nur bei uns für möglich gehalten, dass es eine Zollunion gibt. Nun gibt es aber hier die Ostafrikanische Gemeinschaft, die aus Burundi, Kenia, Uganda, Ruanda und Tansania besteht; und anscheinend ist die Zollunion, anders als die Währungsunion, die für 2012 geplant war, oder die Visumsunion, die für 2006 geplant war, sogar verwirklicht. Könnte also gut sein, dass ich das nächste Mal erst in Istanbul wieder in den Zoll komme. Schick. Erspart einem nämlich einen Haufen Wartezeit an den Grenzen.

Es wäre praktisch, wenn ich bis Arusha an einen Adapter käme, den ich natürlich wieder vergesse habe. Sonst kann ich mein Handy nicht aufladen und keine Fotos von der Safari machen. Das wäre wahrscheinlich suboptimal. Wird aber schon werden. Denke ich.

Ansonsten geht es mir gut. Einsam bin ich entgegen besorgter Nachfragen von Freunden keinesfalls, nicht zuletzt, weil WLAN hier in allen (zwei) Hotels bisher völlig problemfrei lief und ich so Kontakt mit meinen Lieben halten kann. Ich habe auch für die kommenden Hotels auf WLAN geachtet (wobei das fast Standard ist inzwischen); hoffentlich klappt das überall. Wo ich nicht mit WLAN rechne, ist die Safari. Es wird also am 23. und am 24. Juni wohl eher keinen Bericht hier im Blog geben. Dafür natürlich ausführlichst hinterher.

Sonntag, 17. Juni 2012

Boda-Boda

So heißen hier die kleinen Motorräder, mit denen die Leute durch die Gegend fahren. In Ruanda hatten wenigstens Fahrer und Passagier einen Helm, hier hat keiner einen. Laut Reiseführer ist das so aber besser als wenn nur der Fahrer einen hätte, denn ohne Helm fährt auch der langsamer ...

Heute Morgen frühstückte ich gemütlich einen Tee, ehe mein Taxi sehr pünktlich kam und mich sehr gut am Busbahnhof ablieferte. Das Einchecken in den Bus (mit Sicherheitskontrolle des Gepäcks!) ging sehr fix, sodass wir mit gerade einmal drei Minuten Verspätung abfuhren.

Es ging durch die grüne Hügellandschaft Ruandas, und der Reiseführer hat recht, wenn er Leuten, die schnell reisekrank werden, empfiehlt, Arzneimittel dagegen zu nehmen, ehe es in den Bus geht: Das liegt sowohl an der Strecke als auch an der gelegentlich ziemlich geisteskranken Fahrweise der Busfahrer.

Da wird auf einer Staubpiste überholt oder auf dem Bankett, das inzwischen in Form einer Staubpiste die asphaltierte Strecke Stück für Stück zurückerobert. Es wird zweireihig bei Gegenverkehr überholt und so, dass der Bus ziemlich ins Wackeln gerät. Ich kenne Leute, die wären nach zwei Minuten wieder ausgestiegen. Wenn man sich dran gewöhnt hat und ein bisschen Gottvertrauen an den Tag legt, klappt aber auch das.

Die Ausreise aus Ruanda und die Einreise nach Uganda waren unproblematisch. Der ugandische Grenzer will einfach 50 Dollar dafür, dass er dir einen Einreisestempel in den Pass gibt. So wirklich kontrolliert wird der Einreisestempel dann aber höchstens vom Fahrer, von einem Zoll war heute gar nix zu sehen. Der Bus fuhr, als er uns an der ruandischen Grenzstation abgeladen hatte, einfach (mit Gepäck) weiter nach Uganda, weder in Ruanda noch in Uganda nahm irgendjemand Anstoß ...

Nach neun Stunden kamen wir schließlich an, ich ließ mich von einem mehr-oder-weniger-eher-weniger-offiziellen Taxifahrer in die Stadt zu meinem Hotel bringen bzw. erst zu einem Geldautomaten. Im fünf Anlauf bei der zweiten Bank klappte dann alles. Argh.

Mein Hotel ist gar nicht so schlimm wie vom TripAdvisor teilweise behauptet, das einzige echte Problem ist, dass der Fahrstuhl (wohl schon seit geraumer Zeit) ausgefallen ist und ich meinen Koffer drei Etagen hochwuchten musste. Danach grinsten mich die Ugander an, ich sei wohl ein bisschen "red" im Gesicht ...

Das Deutschland-Spiel guckte ich dann in einem netten Versuch eines Pubs mit etlichen ugandischen Dänemark-Fans (Ugander trinken gerne Carlsberg ...). Der Sieg wurde allerdings mit Nile-Bier begossen, das Special ist nicht so prickelnd, was aber auch daran liegen mag, dass ich den ganzen Tag noch nix gegessen hatte.

Zurück ging es ebenfalls mit dem Boda-Boda, wobei der Fahrer 3.000 Schilling vorgeschlagen hatte, ich 2.000, er mich dann aufs Motorrad winkte und am Ende sauer war, weil ich ihm tatsächlich nur 2.000 gab. Hab mich die letzten Tage genug abzocken lassen, da musste es jetzt mal auf 30 Cent ankommen.

Jetzt gehe ich erstmal ins Bett. Bilder habe ich heute gar keine gemacht, weil im Bus so getönte Scheiben waren und wir sowieso erst bei Anbruch der Dunkelheit (es wird hier schon gegen 18 Uhr dunkel) ankamen. Gute Nacht! Und feiert schön den deutschen Sieg.

Samstag, 16. Juni 2012

Ein fauler Tag

Heute habe ich einen relativ faulen Tag eingelegt.

Nach Ausschlafen (obwohl ich gestern Abend so früh ins Bett gegangen war) fasste ich den Entschluss, heute vielleicht zum Lake Kivu nach Gisenyi zu fahren, eine etwa dreistündige Fahrt mit dem Bus. Um zum Busbahnhof zu kommen, ließ ich mich auf die Fahrt mit einem dieser Motorrad-Taxis ein, die unter anderem vor meinem Hotel herumstanden. Wenigstens scheint es hier üblich zu sein, dass der Fahrer dem Passagier einen Helm gibt, sodass man zumindest ein bisschen geschützt ist. Dass die Straßen (wenn sie nicht asphaltiert sind) ziemlich uneben sind, nahm ich in Kauf, weil mein Fahrer recht vorsichtig fuhr ...

Die Fahrt zum Busbahnhof war unproblematisch, nur am Busbahnhof fand ich keinen Bus nach Gisenyi. Die Busgesellschaft, die ich fand (und die auch eine Fahrt dorthin anbieten soll), schickte mich zu einem anderen Anbieter, der aber die Fahrt gar nicht im Programm hatte. Naja, nach endlicher Zeit entschied ich mich, das einen Wink zu Schicksals sein zu lassen und in Kigali zu bleiben. Möglicherweise war ich auch einfach zu spät dran.

Danach ließ ich mich zurück in die Innenstadt fahren, kaufte eine Limonade ein und aß früh zu Mittag in der Kneipe, die sich zu meiner Stammkneipe entwickelt hat. Anschließend entschied ich mich zu einer Siesta im Hotel und wanderte wieder den steilen Berg herunter zu meinem Hotel.

Dort las ich erstmal Nachrichten, buchte meine übrigen Hotels (alle außer in Daressalaam sind jetzt fix, und Daressalaam ist auch schon so gut wie bestätigt) und ließ meine Seele ein wenig baumeln. Jetzt sitze ich auf der Veranda, gucke ins Tal und werde demnächst meine Auffahrt ins Stadtzentrum in Angriff nehmen: wieder mit einem Motorradtaxi, wenn mir eines begegnet, wovon ich ausgehe. Heute Abend will ich schließlich dann doch Fußball gucken. Davor werde ich möglicherweise der deutschen Botschaft einen kleinen Besuch abstatten, sofern ich sie finde, weil Google und die Botschaft selbst unterschiedliche Orte angeben. Mal sehen.

Morgen muss ich dann einigermaßen gut zum Busbahnhof kommen, denn mein Bus geht um 9 Uhr und ich sollte um 8.30 Uhr spätestens dort sein. Mal sehen, wie das wird. Ich hoffe, dass mein Hotelboss mir ein Taxi ruft, denn mit einem Koffer auf dem Motorrad wird das wohl eher nix.

Die Fahrtzeit soll inklusive Grenze etwa acht bis neun Stunden betragen, sodass ich zuversichtlich bin, morgen das Deutschland-Spiel dann sehen zu können.

Ich Intelligenzbestie habe das Verbindungskabel zwischen Handy und Laptop vergessen, und die Verbindung fürs Handy ist zu schlecht, sodass ich heute erstmal keine Bilder einstellen kann. Bis morgen vielleicht, dann aus Uganda.

Freitag, 15. Juni 2012

Heute im "richtigen" "Hotel Rwanda"

Der heutige Tag stand aber sowas von im Zeichen des Völkermordes 1994 ...

Heute Morgen habe ich zunächst einigermaßen ausgeschlafen und habe dann kurz vor Toreschluss um 10 Uhr noch ein sehr kleines Frühstück eingenommen, nämlich einen Tee. Ich hatte gestern im Flieger so gut gegessen (äh, bzw.: so viel), dass ich davon heute noch satt war. Mein Hotelchef erklärte mir noch den Weg, und das war gut so. Ich wäre nämlich bergab gegangen, aber das Stadtzentrum von Kigali liegt auf dem Hügel. Ich wurde den ganzen Tag über meist freundlich, gelegentlich mürrisch als "muzungu" (oder in Variationen) begrüßt, also als "einer, der ziellos umherstreift" oder einfach "Weißer".

Ich war schon noch wenigen Minuten nassgeschwitzt, als ich oben am Place de l'unité nationale aufschlug und mich erst einmal orientierte. Ich lief ein wenig herum, wurde von Zeitungsverkäufern beschwatzt und tauschte 50 Euro um. Dann kaufte ich eine Ruanda-Flagge und suchte ein Taxi, das mich zum Kigali Genocide Memorial Centre brachte.

Ähm, ja. Das Ding haut einen um. Aber richtig. Klar, ich habe von meinen Eltern geerbt, nicht allzuweit vom Wasser gebaut zu sein. Darum ging es aber gar nicht. Ich war danach einfach und wirklich überwältigt, gar nicht mal in Tränen aufgelöst, sondern einfach nur sehr bedrückt. Die ganze Ausstellung geht relativ harmlos los mit einer Einführung in die ruandische Geschichte, in der nacheinander die Deutschen, die Belgier und die Franzosen ihr Fett wegkriegen. Danach kommen einige Ausstellungsabschnitte zum Völkermord 1994 an sich, die mit sehr drastischen Bildern und sehr tiefgehenden Schilderungen von Betroffenen unterlegt sind. Das ist schon heftig. Nachdem man durch diesen äußeren Ring gelaufen ist, kommt man in den Innenteil der Ausstellung. Erster Raum: Fotos von Ermordeten. Videos von Überlebenden. Zweiter Raum: Alltagskleidung. Dritter Raum: Schädel. Knochen. Schädel. Knochen. Heftig. Richtig heftig. Als Ausstellung heftiger als in Auschwitz, finde ich.

Im zweiten Stock geht es dann mit einer allgemeinen Geschichte des Völkermords im 20. Jahrhundert weiter, mit den Herero, den Armeniern, natürlich dem Holocaust, Kambodscha, Bosnien. Man denkt, man hat es hinter sich. Dann aber kommt ein sehr schlicht gestalteter Raum, mit einzelnen Kinderschicksalen. "Jean-Pierre. Acht Jahre. Charakter: Papas Liebling. Tod: Mit Machete zerstückelt." oder "Marie. Zwei Jahre. Lieblingswort: Tantchen. Tod: Gegen die Wand geworfen." (Diese beiden Beispiele stehen nicht so da, aber so ähnlich geht das Ganze.) Ja, danke schön auch.

Ich kam jedenfalls, nach einem Spaziergang durch ein paar Grabstätten, deutlich unentspannter als vorher wieder zu meinem Taxifahrer. Ich ließ mich zum Busbahnhof fahren, wo ich dann ein Busticket für die Fahrt von Kigali nach Kampala am Sonntag kaufte. Danach ging es zurück in die Innenstadt, wo er mir einen Dollar mehr abknöpfte als vereinbart, aber mein Gott, ein Dollar.

Ich ging etwas essen und probierte das ruandische Primus-Bier (naja). Auf einen Absacker ging ich dann an die Poolbar des Hotels Mille Collines, das Pate stand für den Film "Hotel Rwanda". Es ist schon ein komisches Gefühl, bei Jazzklavier-Musik am Pool zu sitzen, sein Bierchen zu süffeln und darüber nachzudenken, was für Szenen sich hier vor nicht einmal 18 Jahren abgespielt haben mögen. Dass es hier um Leben und Tod ging. Heute wurde gelacht, weil eine Deutsche zu ihrem Mann meinte, die Spanier spielen schon wieder, dabei war das nur eine Wiederholung. Achso, das Mützig-Bier ist auch nicht so der Brüller.

Danach war ich seelisch wie körperlich platt und ging ins Hotel. Leider ist im Hotel der Fußball-Sender nicht verfügbar, der sonst überall läuft, aber es ist auch ganz okay so. Ich habe jetzt noch bei ein paar Hotels angefragt, weil ich in Kampala, Nairobi und Arusha schon ganz gerne unmittelbar nach Ankunft einen Anlaufpunkt hätte. Hoffentlich antworten die zügig.

Aber offenbar habe ich bei dem Regenchaos in der Ukraine nicht so viel verpasst bisher. Apropos Regen: Hier ist es mild bis warm, ein klitzekleines bisschen zu feucht für meinen Geschmack, aber sehr gut aushaltbar. Abends wird es angenehm kühl. Alles gut.

Morgen habe ich überhaupt keinen Plan. Ich denke, ich werde wieder ausschlafen und dann weitersehen, was ich mache. Ist ja schließlich Urlaub ...

Bilder wollen nicht ganz so wie ich. Vielleicht morgen.

Hotel Rwanda

Während des Fluges nach Kigali geschrieben

Mein sechster Aufenthalt in Afrika beginnt.

Meine Ma und meine nunmehr einzige verbliebene Ersatz-Oma brachten mich heute Morgen zum Flughafen in Zürich. Abgesehen davon, dass schengenrechtswidrig und entgegen der Auskunft des Landratsamtes an der Grenze immer noch eine 20-km/h-Begrenzung auf deutscher Seite verblieben ist, verlief die Fahrt völlig aufregungsfrei. Diesmal wurden wir nicht einmal umgeleitet.

Ich war zweieinhalb Stunden vor dem Abflug am Flughafen und marschierte schnurstracks zum Baggage-Drop-Off. Die Dame war ein wenig überfordert mit meiner Online-Kreditkarten-Buchung und dem Neuausdrucken meiner Bordkarten. Wenn ich mich nicht getäuscht habe (das fiel mir aber erst im Nachhinein auf), hat sie allerdings Kigali in der Türkei verortet anstatt in Ruanda, was mein Umsteigen in Istanbul zu einem Inlandsumsteigen in der Türkei gemacht hätte mit der Folge, dass ich möglicherweise in Istanbul durch den Zoll gemusst hätte. Jedenfalls trug sie mir auf, in Istanbul zu fragen, ob ich dort oder am Ankunftsort durch den Zoll müsse. Argh. Wenn ich mich nicht verguckt habe, hat sie sogar einen "Domestic transit"-Tag an mein Gepäck gemacht. Eben, als wir in Istanbul dann in Richtung Afrika abfliegen wollten, mussten wir auf Gepäck warten, das von einem Zubringerflug kam. Ich hoffe, dass mein Gepäck, ob verspätet oder nicht, mit in meinem Flieger ist. Alles andere wäre echt doof.

Der Flug an sich war völlig unproblematisch. Obwohl ich mir fast hundertprozentig sicher war, dass ich nicht durch den Zoll musste, fragte ich an zwei Stellen nach. Die Leute waren der englischen Sprache mindestens genauso unmächtig wie ich, sodass wir uns am Ende darauf einigten, dass sie (und ich) recht haben: Ich ging nicht durch die Passkontrolle und den Zoll, sondern in den Transitbereich. Dort hatte zwar irgendjemand vergessen, die Klimaanlage herunterzudrehen, sodass es ziemlich warm war, aber für drei Stunden war das auszuhalten. Unten in meiner Abflugebene, in die ich ging, als mein Gate endlich feststand, war es dafür etwas kühler.

Nach gehörigem Warten und Schmunzeln über zwei Reisende, die rennend zum Gate kamen und fragten, ob der Flieger schon weg sei, als das Gate noch gar nicht offen war, ging das Boarding dann los. Die Italienerin vor mir musste ihr Visum zeigen, während ich unbehelligt durch die Pass-/Visa-Kontrolle kam. Es hat manchmal echt Vorteile, einen deutschen Pass zu besitzen. Nun sitze ich im Flieger, es ist warm, aber sonst geht's mir gut. Der Turkish-Airlines-Service ist recht gut, ich habe eben sogar ein Efes getrunken, das aber noch ein wenig kühler hätte sein können. Leider gibt es im Flug nach Kigali anders als in dem von Zürich kein Entertainment-Programm pro Sitz und mein Audiosystem funktioniert auch nicht, aber die Schlafbrille, die Ohrstöpsel und die Socken, die wir eben bekommen haben, gibt's leider nicht mehr bei jeder Fluggesellschaft. Bisher war ich mit Turkish (mit der ich schon mit Andreas und Paul in Syrien war) wirklich zufrieden.

Nach Ankunft

So, jetzt bin ich gut in Ruanda angekommen. Es ist angenehm kühl hier abends, eine leichte Brise. Wunderbar. Die Einreise ging sehr fix, die Gepäckausgabe weniger, aber wenigstens war mein Gepäck da, und das, obwohl tatsächlich ein "Domestic"-Tag dranwar. Frau! Meine Abholung stand schon mit einem Schild, auf dem mein Name stand, bereit. Wir unterhielten uns während der Fahrt über Fußball, so bekam ich schnellstens die Ergebnisse von heute (gestern) Abend zugestellt. Die Straßen waren überraschend gut, nur der letzte Abschnitt war tatsächlich eine böse Rumpelpiste.

Mein Hotel ist ganz angenehm, ein wenig abgewohnt, aber ruhig, und ich glaube, es hat einen traumhaften Ausblick auf Kigali. Jetzt geht's ins Bett. Gute Nacht!

Montag, 11. Juni 2012

Olé, olé, Super-Deutschland, olé

Bin immer noch heiser ...

Also: Krakau war schön, aber voll. Alles Iren (habe kein "r" vergessen). Unser Hotel im jüdischen Viertel Kazimierz war ziemlich schnuckelig, meiner Ma hat es jedenfalls sehr gefallen.

In Krakau trafen wir noch Freunde von einem aus unser Gruppe, die über Prag und eben Krakau nach Lemberg reisten. Dieses Treffen fand zufällig statt, und das in einer völlig überfüllten Krakauer Altstadt ...

Meine Ma und ich waren nach dem Tag ein wenig geschafft und wollten so gegen 23 Uhr ins Hotel, um für die Fahrt am Tag darauf fit zu sein. Stefan und unser vierter Mitreisender, wir wollen ihn Matthias nennen, machten allerdings noch Krakau unsicher. Wenn ich die Erzählungen der beiden richtig verstanden haben, mischten sie noch einen polnischen Geburtstag auf, ehe sie unter die Iren fielen und um ein Haar in der Nacht 40 Kilometer mit dem Zug mit diesen Iren mitgefahren wären. Das mit der Abholung wäre dann ein wenig schwierig geworden, weil keiner ein Handy dabeihatte ...

Am Tag darauf ging es jedenfalls weiter in Richtung Südostpolen. Wir fuhren nicht mehr auf unsere geliebte Autobahn, sondern hatten ein paar Stunden polnische Landstraße vor uns. Zum Glück war nicht so wahnsinnig  viel los, sodass wir am frühen Nachmittag Zamość erreichten. Wow. Der Marktplatz ist wirklich sehr, sehr schön.


Nicht ganz so schön war das nach einer halbstündigen Fahrt über eine Waldstraße erreichte Ho(s)tel. Naja, okay, es ging, und für den Preis, den wir gezahlt haben, war das auch in Ordnung, aber toll war es halt wirklich nicht. In jedem Fall wollten wir das Eröffnungsspiel zwischen Polen und Griechenland sehen und machten uns auf den Weg in den Dorfkern. Wir folgten einer Prozession von Menschen und mussten feststellen, dass diese nur alle (!) zum Dorf-Supermarkt gegangen waren. Das Spiel guckten wir dann in einer Kneipe zusammen mit einem Dutzend Polen. Das Bier für 1,20 € (für den halben Liter) und die reichhaltig-billige Küche taten ihr Übriges, um uns am Ende satt und ein wenig angesäuselt auf den Heimweg ins Bett zu machen.


Nach einem ganz akzeptablen Frühstück ging es am nächsten Morgen auf die nicht so lange Reise nach Lemberg. Die Stunde Fahrt bis zur Grenze war in Ordnung, der Grenzübertritt ging überraschend extrem fix (Viertelstunde), die Stunde Fahrt ab der Grenze ging auf ebenso überraschend guten Straßen voran. In Lemberg selber kamen leider kein Park-and-Ride-Hinweis, sodass wir am Ende dann doch in der nach wie vor nicht so toll asphaltierten Lemberger Innenstadt landeten. Meine Ma weigerte sich dann, die Straße nach links über die Straßenbahnschienen zu nehmen, sodass wir notgedrungen die Straße nach rechts nahmen und uns am Ende einfach an den Straßenrand stellten und dort parkten. Um die Spannung vorneweg herauszunehmen: Das Auto war am Abend immer noch da und heile ...


Zu Fuß ging es dann unter freudigem Gehupe ukrainischer Fans in die Innenstadt. Nach einem kurzen Stadtrundgang tranken wir ein Bierchen im "Mons Pius", das wir immer noch wärmstens empfehlen können. Aus dem Bierchen wurde ein zweites, dann kam ein Hüngerchen dazu, dieses Amuse-Gueule machte aus dem Hüngerchen einen Hunger und am Ende kam noch ein Lindenwodka obendrauf. Naja, war halt lecker.

Wieder folgte ein kleines Verdauungsspaziergang. Ein weiteres Bierchen in einem Straßencafé mit überforderten Bedienungen ging noch, ehe es zum Stadion gehen sollte. Leider fuhr die angekündigte Straßenbahn 3A nicht an der uns genannten Haltestelle (später sahen wir einen Bus 3A auf einer anderen Route zum Stadion), dann standen die Shuttlebusse nicht da, wo die Fan-Botschaft sie verortet hatte. Naja ...

Wir fanden die Shuttlebusse und hatten nicht nur kostenlosen Transport, sondern auch kostenlose Sauna. Hm, Männerschweiß in altersschwachen Bussen mit Fans, die "Wer nicht hüpft, ist Portugiese" skandierten: Grenzwertig. Jedenfalls hielt der Bus irgendwann, die Türen gingen auf, wir strömten raus - und standen in der Pampa. 20 Minuten Fußweg zum Stadion auf einer gerade fertig gewordenen Straße, dann durften wir noch zwanzig Minuten bis zur Stadionöffnung warten.

Die, ähem, leichte Überforderung der Ukrainer in dem Stadion offenbarte sich schon beim Einlass. Zwar wurde der Oberkörper ziemlich genau untersucht, die Hosenbeine oder gar Schuhe wurden kaum abgetastet. Man ließ sich zwar die Taschen öffnen, gucke auch mal rein, aber das war es auch schon. Hm. Das Bier und die Cola an den Stadionständen waren spottbillig (1,60 € für das 0,5-Liter-Bier, 1,40 € für die Cola), die Einlassschleusen zu den Sitzplätzen waren ein wenig arg eng. Zum Glück waren wir schon drin, als der Wolkenbruch niederging.

Eineinhalb Stunden vor (!!) dem Spiel waren die Sandwiches alle; während der Halbzeitpause wurde jedes Bier neu gezapft und am Ende die Colaflaschen nicht mehr in die Becher umgefüllt, sondern so herausgegeben. Das war, naja, ein absolutes No-go, zumal die deutschen Fans ja so manche Sache zu Wurfgeschossen umfunktionierten. Zum Glück waren mit den Flaschen alle vernünftig.

Einem deutschen Fan wurde es zu bunt: Er kletterte über die Theke und schnappte sich sein Popcorn. Als niemand ihn zu Boden riss, gab er seinen Freunden noch ein paar Popcorn-Packs heraus. Als dann ein einsamer Security-Mensch kam, ging die Verhandlung los: Der Deutsche konnte im zweiten Versuch wieder über die Theke zurückklettern. Anschließend wurde er aber vom Security-Menschen zurückgehalten: Schließlich hatte er sein Popcorn vergessen! Unfassbar ...

Das Spiel selber war nicht so der Brüller. Unsere Steh-Sitzplätze waren aber ganz gut. Irgendwann in der zweiten Halbzeit fing die Party aber an: Irgendwer begann, "Olé-olé, olé-olé, Super-Deutschland, olé, Super-Deutschland, olé, Super-Deutschland, olé" zu singen. Nach der siebten Wiederholung dachte ich mir, dass der Block ziemlich lange durchhält. Am Ende waren es wahrscheinlich zwanzig Minuten. Der Wahnsinn. Der absolute Wahnsinn war dann aber, als das 1:0 für Deutschland fiel. Halleluja. Der Block explodierte. Sehr, sehr schick. Die Stimmung war fantastisch. Ein echtes "Heimspiel in Lemberg".

Nach dem Spiel ging es dann über einen chaotisch-effizient organisierten Shuttle-Konvoi zurück in die Innenstadt. Wieder Sauna, aber diesmal keine Gesänge, dazu waren alle zu kaputt. Ein schöner Spaziergang durch Lembergs Straßen (nachts um eins!) führte uns schließlich zu unserem Auto. Stefan leitete mich sehr gut aus der Stadt.

Jetzt hatten wir aber ein Problem: Geld. Und zwar zuviel davon. Wir hatten 1500 Hriwna abgehoben, ziemlich genau 150 €. Wir hatten gut gegessen und gut getrunken, und nun hatten wir zu viel Geld übrig. Wir tankten das Auto voll, aber das machte auch nur 200 Hriwna aus. Schließlich kauften wir vor lauter Verzweiflung neben Knabberware noch vier Flaschen Wodka und ließen das Kleingeld bei den sehr freundlichen Tankstelleninhabern. Zwar hatten wir dann immer noch 200 Hriwna übrig, aber das wenigstens in 100-Hriwna-Scheinen. Da wir wahrscheinlich mal wieder in die Ukraine reisen werden (sobald die polnische A4 durchgehend offen ist), ist das jetzt aber auch kein so großer Weltuntergang.

Der Grenzübertritt zurück nach Polen dauerte länger, weil die Polen unter Beobachtung einer Handvoll Schweizer Austausch-Grenzer alles sehr genau machten. Aber schließlich waren wir wieder im Schengen-Raum, verfehlten im ersten Anlauf unsere Straße, fanden eine Alternativroute durch zehn Dörfer und fuhren spaßeshalber eine Extrarunde im Dorf-Kreisverkehr, ehe wir gegen vier Uhr morgens wieder in Krasnobród ins Bett fielen.

Etwas später als sonst auf der Tour frühstückten wir am Sonntag und machten uns dann auf den beschwerlichen Weg in Richtung der polnischen Autobahn, die etwas östlich von Krakau anfängt. Nach fünf Stunden erreichten wir diese, ab da war alles gut, zumindest autofahrtechnisch. Wir aßen kurz hinter Breslau zu Abend, während wir das Spanien-Italien-Spiel schauten und waren gegen 23.30 Uhr in Jena. Nach einem finalen Guinness hatten wir endgültig die nötige Bettschwere.

Der Heimweg aus Jena in den Schwarzwald verlief ereignislos. Ich freue mich so sehr auf das Ausschlafen morgen.

Und am Donnerstag geht es ja schon wieder nach Afrika ...

Wie immer gilt: Osteuropa ist eine Reise wert. Sowohl die Polen als auch die Ukrainer sind sehr gute Gastgeber und überaus freundlich. Auch wenn die Ukrainer im Stadion nicht so perfekt organisiert waren, tat das der Freude überhaupt keinen Abbruch. Es war toll.

Bilder: Der Markt in Zamość, ein Brunnen in der Lemberger Altstadt, das Lemberger Stadion und deutsche Fans in demselben

Donnerstag, 7. Juni 2012

Krakau wie immer und doch nicht

Heute sind wir nach überraschend schneller Fahrt in Krakau angekommen.

Nach dem Frühstück in Jena ging es gegen 7.15 Uhr auf die A4, die bis auf Tankabstecher nicht verlassen wurde. Die Autobahnen waren recht leer, sodass wir schon um 14 Uhr in unserem schönen Hotel in Kasimierz einchecken konnten.

Es folgte ein Spaziergang in die Altstadt, an der Weichsel entlang und hoch zum Wawel. Alles schön wie immer. Nicht wie immer waren die lustigen Menschenmassen in der Altstadt.

Nach dem Abendessen liegen wir jetzt im Bett, das Internet will nicht ganz so wie ich, deshalb nur kurz. Bis morgen!

Mittwoch, 16. Mai 2012

Von Kigali nach Sansibar

Naja, eigentlich ist der Endpunkt der Reise dann wieder Daressalaam ...

Gestern habe ich jetzt endlich meine Belohnungsreise durch Ostafrika gebucht.

Am 14. Juni fliege ich von Zürich über Istanbul nach Kigali in Ruanda. Dort werde ich ein paar Tage bleiben, ehe ich in den Bus nach Kampala in Uganda steigen werde. Nach ein paar Tagen in Kampala soll es weitergehen nach Nairobi, Kenia. Der dortige Nairobi National Park könnte eins meiner Ziele werden. In jedem Fall geht es dann weiter nach Arusha. Möglicherweise werde ich dort eine klassische Touristensafari in den Serengeti-Nationalpark bzw. in den Ngorongoro-Krater machen. Das Problem ist allerdings, dass das Ganze nicht gerade billig ist. Naja, mal sehen, ob ich vor Ort eine schicke Safari kriege.

Wenn nicht, wird es dann nach Daressalaam gehen. Dar selbst soll nicht soo toll sein, deshalb wird es dann wohl ein paar Tage zum Abschluss nach Sansibar gehen. Sansibar! Allein der Name klingt nach tausendundeiner Nacht. Mal sehen, ob das Weltkulturerbe Stone Town tatsächlich so wahnsinnig ist.

Sei es, wie es sei, am 3. Juli geht es dann von Daressalaam über Istanbul zurück nach Stuttgart. In Istanbul habe ich mir acht Stunden Aufenthalt eingebaut, das sollte für einen Stadtbummel, einen Fischdöner und ein paar Stunden Müßiggang in meiner Lieblingsstadt reichen ...

Ich freue mich sehr. Erst einmal geht es jetzt aber auf Deutschland-Tournee über Stuttgart, Wiesbaden, Osnabrück, Hannover und wieder Stuttgart. Danach geht es dann Anfang Juni nach Polen und in die Ukraine. Ich freue mich auf diesen letzten Reisesommer vor der großen Arbeit.

Samstag, 14. April 2012

Vancouver, Sommer, Azawad

So, recht spät kommen noch ein paar Bilder aus Vancouver auf diese Seite, nämlich Fotos vom Harbour Centre mit Blick auf die Untertasse, die einen schönen Aussichtspunkt darstellt, die Skyline von Vancouver und zwei der lustigen Gesellen, die in der Nähe des Stanley Parks Leute beglücken sollen.

Eine Korrektur muss ich noch anbringen: Der Grey-Goose-Wodka ist natürlich ein Franzose, kein Kanadier. Man lernt nie aus. Warum die Kanadier jetzt vielfach unbedingt französischen Wodka im Angebot haben müssen, versteht aber auch keiner ...

Dieser Sommer wird reisereich werden ...

Auf der einen Seite stehen Urlaubsreisen an: Der Polen-Ukraine-Trip nimmt so langsam Formen an. Die Karten müssten irgendwann in den nächsten Wochen an meine Mutter geschickt werden. Für meine Ersatz-Oma, die leider hat absagen müssen, habe ich in einem Studienkollegen einen angemessenen Ersatz gefunden. Unser Restaurant in Lemberg, das wir so gut fanden, reserviert leider während der EM nicht, sodass wir gucken müssen, ob wir so einen Platz kriegen. Wäre schön, wenn das klappt. Voraussichtlich fahren wir doch mit dem Auto meiner Ma. Ich habe ihr aber versprechen müssen, dass wir in Lemberg den Stadtring nehmen und nicht durch die Innenstadt fahren ...

Danach geht es vielleicht/hoffentlich doch noch nach Afrika im Juni. Die Reisebegleiterin, die im Raum stand, findet offenbar möglicherweise doch noch Zeit (und Geld), um eine etwa zweiwöchige Tour so rund um den Victoriasee oder so mit mir zu machen. Wäre sicher lustig, wenn das klappen würde. Dazu sollten wir aber wohl bald mal in die Planungen einsteigen ...

Und schlussendlich habe ich für Ende Juli und Anfang August Flüge nach und aus Bulgarien gebucht und für eine Woche in diesem Zeitraum auch schon ein Hotel. Es geht mit einer Freundin nach Burgas, wo wir die Hochzeit einer anderen Freundin miterleben dürfen. Das wird auch schön. Vielleicht gibt es sogar einen kurzen Abstecher ins heiße Istanbul ...

Neben diesen Urlaubsreisen mache ich aber vielleicht/hoffentlich/möglicherweise auch demnächst einige Reisen in Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein. Ich fände es zumindest gut, wenn ich zum einen oder anderen Vorstellungsgespräch eingeladen würde. Der zweite Teil meiner diesjährigen Sommerreise durch Deutschland (der zweiten nach vergangenem Jahr, als ich in Bamberg, Berlin, Quedlinburg und in ein paar anderen Städten war und der zweite diesjährige Teil nach dem Konferenzaufenthalt in Mainz) führt mich ab morgen nach Bonn.

Ja, und der dritte Hinweis in der Überschrift heißt "Azawad". Ja, Azawad, der Nordteil Malis hat sich für unabhängig erklärt unter einer Touareg-Führung. Azawad wird sogar schon in der Liste der souveränen Staaten der englischsprachigen Wikipedia geführt. Ich persönlich werde allerdings noch ein wenig abwarten, bis ich Azawad als 208. Land anerkenne, da mir die Staatsgewalt dort noch, anders als in Somaliland, ein wenig undefiniert zu sein scheint (und auch noch keine Anerkennung erfolgte). Vielleicht ändert sich das demnächst, und dann wäre ich natürlich "unterwegs nach Land 208", aber im Moment bleiben wir erstmal bei 207.

Dienstag, 27. März 2012

Gute Heimkehr

Es ist immer schön, wenn man mal wieder einen Reisebericht mit dieser Überschrift beenden kann.

Am Sonntag Morgen wurden alle Beteiligten recht früh wach, sodass wir zeitig auschecken, unser Gepäck einschließen und dann zur S-/U-Bahn ein längeres Stück laufen konnten. Außer ein paar Joggern kam uns niemand entgegen, 20 Minuten Fußweg sind für Amerikaner halt schon ziemlich lang ...

Wir stiegen wieder an der University Street aus und gingen das kurze Stück runter zur Waterfront, um die meisten Geschäfte (noch) geschlossen vorzufinden. Wir liefen ein wenig herum, ehe wir dann Punkt 11 Uhr bei dem von uns ausgewählten Lokal auf der Matte standen. Es ist eine Schande, in einem Lokal, in dem Krabben Spezialität sind, einen Burger zu essen, aber ich hatte die letzten Wochen so viel Fisch und Meeresfrüchte gegessen, dass mir da einfach nach Fleisch zu Mute war.

Nach dem frühen Mittagessen fuhren wir wieder zu unserer Haltestelle, liefen zurück ins Hotel, ließen den Shuttleservice kommen und fuhren zum Flughafen. Nach kurzer Verwirrung um unseren dritten Pass (meine Mutter hatte mir nur zwei herausgegeben, hatte aber gemeint, dass es drei seien; es stellte sich heraus, dass sich der dritte Pass noch in ihrer Handtasche befand ...) checkten wir bei sehr freundlichen und entspannten Check-in-Angestellten ein: Einer hatte sogar Familie (Großeltern oder sowas) aus Dortmund. Wie hätte es anders sein können, bei denen vielen Kanadiern und Amerikanern mit Verbindungen nach Deutschland, die wir kennengelernt haben?

In Seattle am Flughafen war so früh noch nicht sehr viel los, sodass die Sicherheitskontrolle sehr schnell ging. Wir fuhren gleich raus zum Satelliten(-terminal) und tranken dort noch etwas, ehe unser Flug nach Island sehr pünktlich gegen 16.30 Uhr ging.

Nach wenig Schlaf landeten wir gegen 6.30 Uhr isländischer Zeit in Reykjavik und durften nochmal eine Sicherheitskontrolle über uns ergehen lassen (weil die Amis ja so lasch kontrollieren ...), ehe die Passkontrolle fix ging. Der angeblich so passagierfreundliche Flughafen in Reykjavik kann im ganzen Schlauch zwischen Passkontrolle und Gates nicht eine einzige Toilette vorweisen, sodass wir den ganzen Weg in den Food Court laufen mussten, um eine Toilette zu finden. Nach acht Stunden Sitzen war ein wenig Laufen aber natürich auch nicht das Allerschlimmste.

Der Flug nach Frankfurt ging sehr pünktlich raus und kam pünktlich an, unser Gepäck kam zügig, kein Zöllner hielt uns auf, der Shuttlebus kam schnell und schnell waren wir am Auto, das uns auch sehr zügig nach Hause kutschierte. Auf die gute Heimkehr (und weil wir großen Hunger hatten!) kehrten wir noch ein wenig ein.

Mein Handyakku ist noch nicht ganz taufrisch, deswegen kommen Bilder später oder die nächsten Tage ...

Sonntag, 25. März 2012

Wieder in den USA

Man könnte sagen, dass wir es heute in Seattle bis knapp unterhalb der Grenze "Zu viel" geschafft haben ...

Nach Frühstück und deutlich tränenreicherer Verabschiedung fuhren wir kurz nach neun Uhr in Vancouver ab und in Richtung der US-Grenze. Eine Stunde Wartezeit wurde durch einen (wie immer in den USA) freundlichen Grenzer beendet; der sprach sogar ein wenig Deutsch ...

In Seattle erlebten wir ein wenig Stau, ehe wir nach ein bisschen Verfahren (der Navi-Akku war alle) unser Hotel fanden. Nach dem Check-in luden wir das Auto am Flughafen ab und fuhren von dort mit der S-Bahn bis in die Innenstadt.

Dort besichtigten wir den Pike Place Market im Schnelldurchgang und versackten dann beim Fisherman mit wunderbarem Blick auf den Ozean und die Berge. Sehr leckere Garnelen, Muscheln, Red Snapper, Thunfisch und ein Garnelen-Meeresfrüchte-Spieß wurden von uns verspeist. Den Abschluss machten ein paar Biere und Whiskeys in einer schönen Kneipe, ehe wir uns wieder der dreiviertelstündigen Fahrt bis in die Nähe unseres Hotels samt anschließender Taxifahrt ins Hotel widmeten.

Es ist jetzt 21.23 Uhr hier und wieder liegen alle im Bett.

Gute Nacht!

Samstag, 24. März 2012

Leaving Vancouver's never easy ...

Heute haben wir von Vancouver Abschied gefeiert.

Unserer Kanadierin ging es heute Morgen nicht so gut, sodass meine Ersatz-Oma, meine Ma und ich etwas (für Kanadier) ganz Verrücktes gemacht haben: Wir haben uns ein Tagesticket für den öffentlichen Nahverkehr gekauft und sind mit dem Bus in die Innenstadt gefahren.

Von unserem Ausstiegspunkt an der Granville Street gingen wir ein paar Schritte zur Waterfront und nahmen den SeaBus, die Fähre von der Innenstadt Vancouvers nach North Vancouver. Dort liefen wir wieder ein paar Schritte durch den begeisternden Markt dort drüben, ehe wir wieder mit SeaBus, Skytrain (U-Bahn) und Bus zu unserem Hotel zurückfuhren.

Unserer Kanadierin ging es inzwischen besser, sodass wir in ihrem Auto (damit ich auch etwas trinken konnte) zum Fishhouse im Stanley Park fuhren. Dort aßen wir wieder einmal, wie eigentlich immer in Vancouver, sehr, sehr gut (mal wieder Lachs, Mixed Grill und Alaska-Kabeljau). Nach einem kurzen Abstecher an den Strand (ich war mit den nackten Füßen im Wasser: saukalt!) fuhren wir zurück nach Uptown, luden meine Ersatz-Oma und Ma an unserer ersten Kneipe vom Samstagabend ab und fuhren zurück ins Hotel. Von dort gingen wir die paar Schritte zu jener Kneipe, in der wir der Kellnerin vermittelten, dass der Deutsche, dem wir den kostenlosen Eintritt zum Vancouver Lookout zu verdanken hatten, morgen von uns zwei Bierchen spendiert bekommt. Wir aßen dort noch ein wenig zu Abend (u. a. superleckeren Thunfisch), ehe wir jetzt zu unserem Hotel zurückgingen und gegen 20.30 Uhr bettfertig sind. Kein Wunder, wenn man um 7 Uhr aufsteht ...

Noch etwas Derbes zum Abschluss: Meine Ersatz-Oma fragte uns heute beim Studium der Dessert-Karte, was denn mit "Lava-Kacke" gemeint sei. Wir mussten lachen. Als wir sahen, dass sie "Lava Cake" gemeint hatte, mussten wir erst recht lachen ...

Eine längere Zusammenfassung der angenehmen und unangenehmeren Seiten der kanadischen bzw. nordamerikanischen Ess- und Trinkkultur gibt es vielleicht nach unserer Heimkehr. Jetzt bin ich erstmal wieder müde.

Gute Nacht!

Freitag, 23. März 2012

Granville Island

Heute waren wir auf Granville Island, einer kleinen Insel, die heute ein Einkaufs- und Gallerieort ist.

Nach wieder einmal essbarem Frühstück fuhren wir die 20 Minuten nach Granville Island und fanden, weil wir recht früh waren, sogar einen guten Parkplatz. Wir liefen durch den Public Market und waren begeistert: Es gab Fisch, in den wir uns am liebsten hingelegt hätten, natürlich frische Früchte und Handarbeitswaren, aber auch jede Menge Käse und Fleisch. Besonders angetan haben uns die Bratwürste ("great for Sauerkraut") und der "Black Forest Ham", aber auch die "Landjaeger" und "Baurnschinken" sowie das "Bunderfleish" (Bündnerfleisch) sahen sehr lecker aus, vom Tomahawk-Steak, einer Waffe aus Fleisch gar nicht zu reden.

Nach einem längeren Rundgang, währenddessen wir überraschend wenig einkauften, aßen wir in einer Gaststätte mit Blick auf den Creek und die Skyline von Vancouver sehr lecker: Fish und Chips auf der einen Seite des Tisches, Linguine mit Meeresfrüchten auf der anderen. Sehr gut ... Und das Hefeweizen ("Heffeweisen") kriegen sie hier in Vancouver auch sehr gut hin, selbst wenn die Zitrone am Glasrand ein wenig gewöhnungsbedürftig ist.

Wir wollten gerade zum Fishhouse im Stanley Park fahren, als das Auto unserer kanadischen Freundin mitten in der Innenstadt streikte. Während sie auf den BCAA (das British-Columbia-Äquivalent zum ADAC) wartete, schickte sie uns fort: Wir gingen etwa 15 Blocks in Richtung Yaletown, tranken dort noch zwei Bierchen (eines davon mit deutlicher Kaffeenote ...).

Glücklicherweise war das Auto nicht hin, sodass wir uns dann im Hotel wiedertrafen, das Starbucks unsicher machten und erneut das "Whip" besuchten, wo wir gestern schon waren. Wir einigten uns auf die Nachos, die wie gestern sehr lecker waren, und ließen die "Black Forest Mussels" dafür sausen ...

Nun liegen wir fast schon wieder im Bett und nehmen traurig zur Kenntnis, dass morgen unser letzter (voller) Tag in Vancouver ist. Die Woche ging richtig schnell rum, es war sehr schön hier.

Bilder gibt es heute keine ...

Donnerstag, 22. März 2012

Olympisches Dorf

Bericht vom 21. März

Heute waren wir in Whistler, dem Dorf, in dem ein großer Teil der Olympischen Spiele 2010 ausgetragen wurde.

Nachdem ich einigermaßen ausschlafen durfte, fuhren wir (d. h.: fuhr ich) über die Lions Gate Bridge und West Vancouver in Richtung Squamish und Whistler: Die Strecke war toll, weil man vom Blick auf den Ozean und dem Blick auf die schneebedeckten Berge gleichzeitig angezogen wurde. Wieder einmal erwies es sich, dass das Autofahren in Nordamerika sehr entspannt ist. Tempomat rein und fertig ...

In Whistler machten wir einen kleinen Spaziergang durch das Dörfchen und aßen in einer Brauereigaststätte ziemlich gut zu Mittag (u.a. gut genießbaren Lachsburger), ehe wir uns wieder auf den Heimweg machten. Nach einem kurzen Abstecher in einer Totem Hall in Squamish kamen wir gegen 15 Uhr in Horseshoe Bay in North Vancouver an. Dort machten wir noch einen kurzen Spaziergang am Wasser mit Blick auf die majestätischen Berge und den Fähranleger, ehe wir nach Vancouver Uptown zu unserem Hotel zurückfuhren.

Google wies uns eine nette Kneipe in unserer Nähe aus, die, als wir kamen, leicht versifft erschien, aber im Laufe des Abends wesentlich besser wurde. Insbesondere das Essen war wirklich hervorragend: Wir teilten uns Nachos (mit Jalapeños, Oliven, Käse und Tomaten) und eine Portion Muscheln mit Speck-und-Apfel-Sud (superlecker!). Nach den obligatorischen Bierchen ging es dann die paar Blocks wieder in unser Hotel.

Bisher haben wir sowohl mit unserem Hotel hier in Vancouver als auch mit unseren Gaststätten fast ununterbrochen Glück gehabt. Die Kneipe auf der Main Street hier in Uptown am ersten Abend mit dem deutschen Tourismusangestellten, der uns die Freikarten für den Vancouver Lookout verschaffte, war ein wenig laut, aber das Essen war ziemlich gut. Das Cactus Club Café, eine Restaurantkette, war sehr lecker, wenn auch ein bisschen teuer. Das Abendessen nahmen wir in einer Kneipe neben unserem Hotel ein, das war das einzige Mal, wo weder das Essen noch der Service besonders toll waren. Am Montag waren wir im Teahouse im Stanley Park: Sehr lecker (Lachs, Kohlenfisch), aber, naja, auch teuer, liegt aber auch an der Lage. Den Abend verbrachten wir im Lamplighter in Gastown, einem schönen Pub, wenn auch ein wenig laut ... Gestern, am Dienstag, aßen wir Sushi zu Mittag im Gen Sushi in der Lonsdale Avenue in North Vancouver, sehr lecker und extremst bezahlbar. Der Abend in der Tempest Lounge, in der wir die einzigen Gäste waren, war auch schick, meine Mädels sagen, dass ihre Burger geschmeckt haben. Ja, und heute waren sowohl das Brewhouse in Whistler als auch das Whip in der 6th Avenue hier in Uptown lecker bzw. extrem lecker.

Die Biere hier sind durchaus genießbar, wenn auch die meisten, besonders die Ales, ziemlich cremig sind. Das ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, lässt sich aber ganz gut ertragen. Die Lager (also unsere Pilsner) sind auch lecker, wenn auch ein wenig wässrig. Heute habe ich im Whip ein Wheat Ale, also ein Weizenbier, getrunken, das hervorragend war.

Die Wodka-Kultur ist hier jedoch nicht sehr ausgeprägt: Man bekommt die Wodkas entweder lauwarm oder on the rocks, wobei Letzteres im Zweifel vorzuziehen ist. Der kanadische Grey Goose schmeckt sogar ganz gut, wenn man ihn denn der Temperatur wegen herunterkriegt.

Man merkt, wir genießen unsere Tage hier in Kanada.

Bilder: Ausblick vom Highway 99 auf die Strait auf Georgia, Olympic Square in Whistler und Blick auf die Horseshoe Bay

Mittwoch, 21. März 2012

Ein Waldtag

Heute waren wir zweimal im Wald ...

Nach dem leckeren Frühstück fuhren wir, heute mit unserem supertollen schwarzen Dogde, rüben nach North Vancouver. Dort suchten wir die Capilano-Hängebrücke auf. Der Eintritt ist zwar nicht billig (30 Dollar für den Normalsterblichen), aber den Eintritt durchaus wert. Der Weg über die 150 Meter lange und 70 Meter hohe Brücke ist schon mal schick. Dahinter gibt es einen Naturpfad und einen Hängebrückenpfad, von denen aus man tolle Ausblicke auf die Capilano-Schlucht und auf den (im wahrsten Sinne des Wortes) Regenwald dahinter hat. Auf dem Rückweg kauften wir ein wenig ein und gingen dann über den Cliffwalk, einen Wanderweg über dem Wald in etlichen zig Metern Höhe, der nur durch ein paar Verankerungen in der Felswand gesichert wird. Die zwei Glasböden sind zwar nicht so richtig glasig, sodass man nicht gut hinuntersehen kann, aber das wird den vielen Angsthasen geschuldet sein, die Bedenken hätten, richtig transparentes Glas zu betreten.

Danach fuhren wir ein paar Kilometer, bis wir in North Vancouver ein heute Morgen für gut befundenes Sushi-Restaurant fanden. Dort aßen wir einen "Party Tray" und waren hinterher glücklich und satt -- es war extrem schmackhaft dort!

Anschließend wollten wir zur Horseshoe Bay, aber die Straße dorthin war gesperrt, sodass wir nun zum Lighthouse Park etwas südöstlich davon fuhren. Aber was heißt "nur": Vom dortigen Strand hat man einen wahrhaft fantastischen Ausblick auf Vancouver, den Stanley Park und die Lions Gate Bridge. Wow ...

Den Nachmittag verbrachten wir schließlich Starbucks und in einem kleinen Pub, in dem wir wieder einmal Bier und Wodka (und dazu Burger) verzehrten. Das Main Street Pilsner ist sehr lecker, auch die Granville-Island-Biere sind ganz gut zu trinken (vielleicht mit Ausnahme des sehr zimtlastigen Winter Ales) ... Der einheimische Grey-Goose-Wodka wurde leider ein wenig zu warm serviert, aber im zweiten Anlauf (on the rocks im Shaker) wurde es dann leidlich besser.

Nun sind wir wieder einigermaßen zeitig im Bett und lassen den Tag ausklingen.

Bilder: Die Capilano Suspension Bridge, unser Sushi-Schiffchen und der Blick auf Downtown-Vancouver vom Lighthouse Park aus

Dienstag, 20. März 2012

Gut gehen lassen ...

Bericht vom 19. März

... haben wir es uns heute, aus gegebenem Anlass.

Mal wieder viel zu früh war ich wach, und gleich wurde meine Mutter aktiv, damit ich dann mich gegen acht Uhr auch ins Bad begeben konnte. Das Frühstück war ganz okay, wie immer. Danach fuhren wir zum Vancouver Lookout, einem 181 Meter hohen Aussichtspunkt mitten in der Innenstadt. Wider Erwarten war der Name meiner Mutter tatsächlich Türöffner zum Lookout, weil der Deutsche, den wir am Samstag Abend in der Bar getroffen hatten, tatsächlich unseren Namen hinterlegt und dafür gesorgt hatte, dass wir kostenfrei dort hinauf wollten. So sparten wir über 50 Dollar ...

Der Blick über Vancouver und das umgebende Wasser war schon sehr schick, muss ich sagen. Unterlegt wurde der Blick häufig mit weiterführenden Informationen vom Aussichtspunkt aus, sodass das Ganze rundweg informativ war.

Nach einem kurzen Bummel durch die Innenstadt und einer kleinen Rundfahrt durch Gastown kamen wir relativ zeitig bei dem Lokal an, in dem wir feiern wollten. Es gab sehr leckeren Lachs bzw. den nur im Pazifik vorkommenden Kohlenfisch. Mit großem Vor und Zurück verließen wir das Lokal rund vier Stunden später.

Nächste Station war das Vancouver Aquarium, das ebenfalls sehr beeindruckend ist. Höhepunkte waren die Beluga-Wale, die Delphine und die Robben, die man über und unter Wasser beobachten konnte. Der tropische Bereich war tropisch warm und mir daher natürlich deutlich zu warm ...

Den Tag beendeten wir mit einer kleinen Stadtrundfahrt und zwei Bierchen (der Marke Granville Island, also so lokal wie möglich) in einem hübschen Pub in Gastown. Wieder einmal war das Granville Island sehr süffig, wenn auch das Winter Ale ein bisschen arg nach Zimt schmeckt. Das Pale Ale und auch das Lager dagegen waren sehr gut.

Auf dem Heimweg begegnete uns zum dritten Mal ein Schnorrer, der uns schon im Foodcourt unter dem Vancouver Lookout und auf dem Weg zur Kneipe aufgelauert hatte. In allen Fällen bekam er aber nüscht.

Es ist hier gerade mal 21 Uhr und wir sind schon extremst bettfertig.

Bilder des Tages: Blick vom Vancouver Lookout auf Downtown, Stanley Park und North Vancouver; Fischotter im Vancouver Aquarium (danach war leider der Akku alle ...).

Montag, 19. März 2012

Stanley Park

Bericht vom 18. März 2012

Heute war der große Tag, auf den wir seit Wochen gewartet hatten: Meine Ersatzoma traf zum ersten Mal nach 48 Jahren ihre Grundschulkameradin wieder. Unerwarterweise flossen gar nicht einmal so viele Tränen, nicht einmal bei mir ...

Nach frühem Wachwerden und spätem Aufstehen gingen wir frühstücken. Wieder einmal waren wir überrascht vom, naja, Wegwerfgeschirr zum Essen. Gegen zehn Uhr waren wir mit Cornflakes und Toast mit Marmelade geschafft und gingen in die Lobby, um dort auf diese Grundschulkameradin meiner Ersatzoma zu warten. Ich ging zwischendrin mal Wasser und einen Adapter kaufen, bis meine Ersatzoma gegen 12.30 Uhr ihre Freundin in die Arme schließen konnte.

Anschließend gingen wir nach einem mittelprächtigen Uptown-Spaziergang in einem sehr guten Lokal essen; wir aßen Lachs (die eine Hälfte von uns) und Spare Ribs (die andere Hälfte), beides war sehr lecker. Den Heimweg bewältigten wir auch, und weil wir noch Zeit hatten, fuhren wir (mit dem Auto der Schulfreundin) nach Vancouver downtown. Der Stanley Park dort unten (für Eishockey-Fans: ja, der Stanley vom Cup) ist sehr schön. Wir fuhren mit geringem Tempo den Rundkurs ab und hielten am Aussichtspunkt auf North und West Vancouver sowie die Lions-Gate-Brücke, die von Vancouver zu diesen beiden Ortschaften führt. Beeindruckend.

Nach der Rückfahrt machten wir ein wenig Siesta, ehe wir dann hier bei uns im Hotel eine Kleinigkeit (wirklich eine Kleinigkeit!) zu Abend aßen. Kanada ist schon schick ...

Ähem, peinlicherweise nimmt auch die nächste Reise schon sehr deutliche Züge an: Wir fahren nach Polen und in die Ukraine, um am 9. Juni das EM-Spiel zwischen Deutschland und Portugal in Lemberg zu sehen. Gestern Abend kam die E-Mail ...

Bilder heute: Blick vom Stanley Park auf downtown Vancouver und Blick vom Aussichtspunkt auf West Vancouver und die Lions-Gate-Brücke

Sonntag, 18. März 2012

Ein langer Tag

Heute war ein sehr langer Tag, hier ist es jetzt 2 Uhr nachts, und der Tag hatte 31 Stunden ...

Nach seeehr frühem Aufstehen und kurzer Morgentoilette gingen wir die paar Schritte zu dem anderen Apartmenthaus, von dem aus wir abgeholt werden sollten. Wir waren ein wenig früh dran und standen uns von 8.40 Uhr bis 9.25 Uhr die (kalten) Beine in den Bauch, ehe unser Bus kam und uns zur Blauen Lagune chauffierte.

Nach einer dreiviertelstündigen Fahrt durch die von Schnee bedeckte Lavalandschaft Islands kamen wir an einem recht schmucklosen Parkplatz an, von wo ein kleiner Fußweg zur Lagune führte. Um es kurz zu machen: Toll!

Nach dem Umziehen trafen wir uns im warmen Wasser, ließen uns von einem (warmen!) Wasserfall massieren, saßen im richtig heißen Wasser unter Geysirgerüchen, die nach faulen Eiern schmeckten, tranken ein kühles Bierchen, während wir im warmen Wasser saßen. Einfach klasse!

Gegen 13 Uhr (unser Bus sollte um 14 Uhr fahren) machten wir uns auf den Weg nach draußen, waren gut rechtzeitig fertig und warteten auf den Bus; der kam ziemlich verspätet, war aber trotzdem kein Problem, weil das Einchecken in Reykjavik extrem entspannt war. Wir waren also unsere fünf Gepäckstücke los, tranken noch ein Bierchen und aßen eine Kleinigkeit, ehe wir auf den Flug gingen.

Der Flug an sich war, naja, halt lang (siebeneinhalb Stunden über Grönland und Nord-Kanada incl. Rocky Mountains nach Seattle), aber erträglich. Ich habe sogar ein wenig geschlafen ...

Die Einreise in die USA war, wie immer, ein langwieriges Schlangestehen, bis die Amis alle Amis abgefertigt hatten. Dann ging die ganze Sache fix. Unser Gepäck mussten wir vom Satellitengebäude zum Hauptgebäude des Flughafens nochmal aufs Band legen, aber nach einigem Umweg fanden wir dann auch den Leihwagenschalter ....

Wir nahmen einen etwas größeren Wagen und fahren nun mit einem Dodge-Schlachtschiff durch die USA und Kanada ... Bei unserem Gepäck ist das aber auch ein wenig angemessen.

Nach drei Stunden Fahrt und einer halben Stunde Wartezeit an der Grenze kamen wir, endlich (weil meine Fahrweise nicht mehr den allersichersten Eindruck machte), an unserem Hotel an. Ein ultraknappes Einparken in der Hoteltiefgarage erlaubt uns Sorglosigkeit in Bezug auf unser Auto.

Wir liefen gegen 22 Uhr los auf der Suche nach etwas zu essen und fanden eine irische Kneipe, die zwar laut, aber schick war. Wir tranken ein "Main Street Pilsner" und aßen, unterbrochen von einem sehr hilfsbereiten Deutschen, den wir dort trafen, Thunfisch-Tartar, Lachs-Frühlingsrollen und (ich) einen ganz leckeren Burger.

Vancouver ist schick, jetzt geht es aber ins Bett. Eins noch: Ich war gerade am Autoausladen, als ein Passant mir die Hoteltüre aufhielt und sogar einen Koffer in die Lobby reinstellte. Verblüffend freundliche Leute hier ...

Bild heute (bis die Strom- und USB-Probleme gelöst sind): Blaue Lagune in Island

Samstag, 17. März 2012

Velkomin heim

Ein langer, nicht ganz unanstrengender, aber sehr schöner Tag geht zu Ende.

Schon um fünf Uhr heute Morgen war ich wach, meine Ma hätte mich aber ohnehin um 5.30 Uhr geweckt. Nach dem Duschen und dem endgültigen Kofferpacken holten wir um 6.30 Uhr meine Ersatzoma ab, gingen noch ein paar Brötchen kaufen und fuhren dann in Richtung Frankfurt bzw. Flörsheim. Gegen 10.30 Uhr kamen wir wie vereinbart am Parkplatz für den Flughafen an, parkten das Auto, stiegen um ins Flughafen-Shuttle und wurden schließlich zum Flughafen gefahren.

Der Check-in ging gut, auch wenn die Dame wollte, dass meine Ersatz-Oma auf der einen Seite und meine Ma und ich auf der anderen Seite getrennt einchecken, offiziell aus Sicherheitsgründen ... Wir gingen schnell durch die heute recht strenge Sicherheitskontrolle und tranken noch ein Bierchen, ehe wir zügig in die Maschine einsteigen können. Heute flogen wir mit der "Eyjafjallajökull"; die Maschine ist nach dem Gletscher benannt, der mit seinem darunterliegenden Vulkan 2010 für heillose Verwirrung im europäischen Luftraum gesorgt hatte ...

Das Ganze war trotzdem kein schlechtes Omen, weil wir gut in Island ankamen, auch wenn es im Flugzeug sehr bis unerträglich warm war ... Mein 75. Land begrüßte mich mit Schneeregen. Der Transfer zum Hotel ging mit Warten auf den Zweitbus und Umsteigen (und Umräumen) am Busbahnhof in Reykjavik leidlich schnell. Unsere Ferienwohnung für eine Nacht ist ganz in Ordnung, auch wenn wir unsere fünf (!) Gepäckstücke eine kleine Treppe hochwuchten mussten ... Nur das Schloss bzw. die Schlüssel spinnen regelmäßig, aber das kriegen wir auch noch hin.

Nach kurzem Einrichten unserer Wohnung ging es in die Reykjaviker Innenstadt und von dort nach kurzem Fußmarsch in die Gaststätte, die uns der Enkel meiner Ersatzoma empfohlen hatte. Dort aß ich eine isländische Spezialität, fermentierten Hai, zur Vorspeise. Ich habe selten etwas Furchtbareres gegessen (unser Hauswirt meinte nach unserer Rückkehr, man brauche etwa 20 Jahre, um sich an den Geschmack zu gewöhnen). Jedenfalls ließ ich den Großteil der Portion entgegen meiner Gewohnheit zurückgehen.

Das als Hauptspeise gereichte (Greenpeace-Aktivisten müssen jetzt ganz stark sein!) Walpfeffersteak war hingegen hervorragend. Ich weiß jetzt, wieso die Isländer noch Wale jagen; die schmecken einfach zu lecker ... Auch meine Ersatz-Oma und meine Ma waren mit ihren Essen sehr zufrieden. In der Gaststätte namens "Þrír Frakkar" nahmen wir noch einen Aquavit, ehe wir unter Einbeziehung einer netten Bierkneipe den Rückweg in unsere Ferienwohnung bewältigten.

Reykjavik gefällt uns.

Die isländischen Biere, wir haben die Marken Víking und Gull probiert, sind ganz gut, wenn auch ein wenig, ähm, ölig. Wir haben keineswegs nach dem ersten Bier aufgehört ...

Morgen geht es in die Blaue Lagune, dann zum Flughafen, dann nach Seattle und von dort mit dem Mietwagen nach Vancouver: eine Monsteretappe. Aber dann sind wir sieben Tage in Vancouver ...

Bild des Tages ist der Blick aus dem Flieger auf die verschneite isländische Landschaft.

Sonntag, 4. März 2012

Restaurants und noch 12 Tage

In der Leiste im rechten Seitenrand findet man jetzt die Rubrik "Restaurants". Das ist meine sehr subjektive Liste von empfehlenswerten Restaurants, in denen ich schon gespeist habe. Es fehlen, wie man leicht sieht, komplett Lokale in West- und Mitteleuropa. Das liegt darin, dass ich jetzt erstmal die Lokale eingetragen habe, die mir spontan in den Sinn gekommen sind. Die Liste wird sicher noch erweitert, sowohl durch neue Reisen als auch durch alte Lokale, die mir neu in den Sinn kommen. Vielleicht überarbeite ich die Liste auch noch, um sie etwas nutzerfreundlicher zu gestalten.

Ein paar Geschichten dazu:
Das Restaurant in Griechenland, der "Schnauz I", war der zweite Zwischenstopp auf der großen Balkantour, die meine Eltern und ich 2004 unternahmen. Der Schnauz I heißt so, weil der griechische Chef, der weder Englisch noch Deutsch sprach, einen mächtigen Schnurrbart sein eigen nannte. In dem (im März zur Nebensaison) fast leeren Gastraum servierte der Schnauz uns mächtige Portionen vorzüglicher Speisen, wobei er sowohl Fleisch als auch Fisch sehr gut zubereiten konnte.

Die Fischlokale am Grenzfluss zwischen Montenegro und Albanien haben wir zweimal, auf unseren beiden Balkantouren 2004 und 2005, aufgesucht. Für einen sehr humanen Preis bekommt man dort ganze Fische, hervorragende Fischsuppen und alles andere, was mit Fisch zu tun hat, kredenzt. Wenn man den Ort denn findet. Man muss von Ulcinj in Richtung Südosten fahren und immer weiter, bis es irgendwann scharf nach rechts geht. Dann ist man auf der richtigen Spur. Im Zweifel muss man fragen. Übernachtet haben wir beide Male bei einer sehr fürsorglichen Familie an der Ausfallsstraße, sehr nette Menschen.

Das Frida in Slowenien besuchen wir regelmäßig, wenn wir auch nur in der Nähe sind. Sehr gerne essen wir dort die Froschschenkel und die Tintenfische, aber auch die Nachspeisen sollen sehr gut sein (sagte mein Vater). Nicht schwer zu finden, direkt am Grenzübergang zwischen Italien und Slowenien.

Wenn man in Istanbul ist, sollte man auch mal rüber nach Asien fahren. Wenn man in Kadiköy landet, geht man ein paar Schritte den Berg hoch, bis man dann schließlich in einen nicht sehr touristisch geprägten Teil von Istanbul kommt: Hier aber gibt es eine ganze Straße, die morgens von den Fischern, abends von den Fischessern bevölkert wird. Sehr lecker, auch wenn manche Toilette nicht europäischer Bauart ist.

Zu den anderen Lokalen in der Liste habe ich in den einzelnen Reiseartikeln schon das eine oder andere geschrieben.

Womöglich kommen auch schon Restaurants in Island, in Vancouver und Umgebung oder in Seattle dazu. Jedenfalls sind es noch 12 Tage bis zu unserem Abflug. Ich bin sehr gespannt.

Montag, 13. Februar 2012

Planungen

So, der Februar wird ein Monat der harten Arbeit, damit ich dann irgendwann mal fertig bin und zwei Buchstaben vor meinen Namen setzen kann ...

Im März geht es aber erst einmal nach Vancouver. Da ich schon in Kanada war, wäre für mich nichts an Ländern dabei herausgesprungen, wenn meine beiden Mitreisenden, meine (eine) Ersatz-Oma und meine Ma, nicht so lieb gewesen wären, den Umweg über Island zu akzeptieren. Island wird mein 75. Land. Ich war so unvorsichtig, den beiden Damen eine Einladung an diesem Abend zu versprechen. Das wird nicht ganz billig ...

Somit werden wir am 16. März von Frankfurt nach Keflavik in Island fliegen, in Reykjavik die Nacht verbringen und am Tag darauf erst in der Blauen Lagune baden, danach zum Flughafen gefahren werden. Am Nachmittag des 17. März fliegen wir dann in Keflavik wieder ab und landen schon eine Dreiviertelstunde später (naja, die Zeitumstellung verschluckt die restlichen sieben Stunden des Fluges) in Seattle. Dort werden wir unser Mietauto übernehmen und die drei Stunden oder so nach Vancouver fahren.

Wir treffen eine Schulfreundin meiner Ersatz-Oma, die 1951 mit ihren Eltern nach Kanada ausgewandert ist. Die beiden haben sich also seit über 60 Jahren nicht mehr gesehen, wenn sie auch regelmäßig Briefkontakt hatten und in letzter Zeit auch telefoniert haben. Ich bin sehr gespannt ...

Nach einer Woche werden wir, nach einer Nacht in Seattle, den Heimflug antreten und Ende März wieder in Frankfurt aufschlagen.

Im Sommer, wenn ich dann hoffentlich meine Dissertation abgegeben habe, will ich natürlich auch noch mal eine größere Reise machen, ehe es ins Berufsleben geht. Heute hat mir meine Reisepartnerin, mit der ich durch Ost- und Südafrika touren wollte, mehr oder weniger endgültig abgesagt. Schade. Wahrscheinlich geht es jetzt alleine oder mit einem anderen Reisepartner, der noch gefunden werden müsste, nach Südostasien. Aber auch die alte Afrikastrecke oder Mittelamerika will ich noch nicht ganz ausschließen.

Das Ganze wird auch ein wenig davon abhängen, ob wir EM-Karten bekommen: Ich habe für das erste EM-Spiel Deutschlands gegen Portugal in Lemberg in der Ostukraine Karten bestellt. Vielleicht haben wir ja Glück und kriegen noch Tickets. Dann würde wieder im Mons Pius in Lemberg gespeist. Hotelzimmer habe ich schon gebucht, für Krakau auf der Hinfahrt und in Krasnobród in Südostpolen, zwei Stunden von Lemberg entfernt, da Zimmer in der Stadt selbst unbezahlbar teuer waren.

Mal sehen, wo es mich diesen Sommer hinverschlägt, ich werde berichten.

Sonntag, 1. Januar 2012

Wenn einer eine Reise tut ...

Wir sind gut wieder angekommen und haben das alte Jahr zu einem guten Ende gebracht.

Gestern Morgen sind wir ziemlich zeitig aufgestanden und waren dann fast zu früh fertig. Ich brachte unser Gepäck in den Innenhof unseres Ferienhauses, holte das Auto, hielt mitten in den engen Dorfgassen, um das Gepäck einzuladen, und schon waren wir auf dem Weg zum Flughafen.

Das Auto stellten wir einfach auf dem Parkplatz des Vermieters ab, da um sechs Uhr noch keiner auf dem Parkplatz wartete, um das Auto in Empfang zu nehmen. Zum Glück war am Flughafenschalter schon einer, dem ich die Autoschlüssel in die Hand drücken konnte.

Der Automaten-Check-in für unseren Flug ging nicht, wir wurden zum Check-in-Schalter verwiesen. Als wir dort endlich an der Reise waren, meinte die Dame dort, dass unsere Flüge von Athen nach Zürich und von dort nach Berlin "cancelled" seien, und dass ich bitte beim Handling auf der anderen Seite der Schalterhalle nachfragte.

Die dortige Dame fiel mir ständig ins Wort, meinte aber, die Tickets seien alle okay und die am Check-in sollten sie anrufen. Wir stellten uns also wieder in die Check-in-Schlange und erläuterten der Dame unser Problem. Die versuchte x-mal, bei der anderen Frau anzurufen, die aber nicht ranging: Clever, erst sich anrufen lassen wollen und dann nicht rangehen ...

Nach einigen Rückfragen bei der Check-in-Chefin und meiner Bekräftigung, dass SWISS auch eine Star-Alliance-Fluggesellschaft sei, wurde aber unser Gepäck nach Berlin durchgecheckt, und auch die Bordkarten erhielten wir.

Unser Flug sollte um 8 Uhr gehen. Danach kamen regelmäßig Ansagen: 8.20 Uhr, 8.40 Uhr, 9 Uhr, 10 Uhr. Argh. Da hätten sie uns gleich den alten Flug um 10.10 Uhr lassen können. Wenigstens bekamen wir von Aegean Airlines einen Zettel, der uns einen Freiflug für einen internationalen Flug auf deren Streckennetz zusagt. Naja, ob wir im nächsten Jahr nochmal mit Aegean fliegen werden, ist fraglich ...

Der Flug an sich war in Ordnung, bei der Ankunft in Athen wurden wir aber beim Versuch, den Transitbereich zu betreten, vom dortigen Grenzer abgewiesen und zum anderen Ausgang geschickt. Das war aber der Ausgang zum Gepäckband und raus aus dem Flughafen. Die griechischen Grenzpolizisten scheinen ähnliche Kompetenz zu besitzen wie die griechischen Steuereintreiber in den vergangenen Jahren ... Argh. Jedenfalls mussten wir nochmal durch die Sicherheitskontrolle, ich war stinksauer und schrieb dem Flughafenbetreiber auch gleich am Flughafen eine geharnischte E-Mail (wenigstens waren 60 Minuten W-Lan kostenlos ...).

Unser SWISS-Flug nach Zürich war ebenfalls ohne Probleme. Dass die SWISS im Flieger immer (sehr leckere) Schokoloade verteilt, verdient großes Lob ... In Zürich gingen wir zügig zum anderen Gate, weil im Flieger unser Verbindung als "close connection" angegeben war und wir "immediately" zum Gate gehen sollten. Naja, am Ende warteten wir noch eine gute halbe Stunde am Gate, eher wir in den Flieger gelassen wurden.

In Berlin kamen wir gut an, erhielten unser Gepäck, wurdem vom Shuttle abgeholt und ausnahmsweise, weil wir die einzigen Gäste waren, gleich zum Auto gefahren ... Von da ging es auf die (außer direkt in Berlin) unfassbar leere Autobahn, ehe wir um 21 Uhr in der Tiefgarage standen. Unsere Silvesterfeierlichkeiten konnten beginnen ...

Freitag, 30. Dezember 2011

Letzter Tag, volles Programm

So, an unserem letzten richtigen Tag auf Zypern haben wir noch einmal alle drei Hoheitsgebiete auf dieser Insel besucht.

Wir ließen uns heute Morgen Zeit und fuhren erst relativ spät in Richtung Osten nach Protaras und nach Agia Napa. Naja, zu dieser Zeit des Jahres sind diese Ortschaften, die im Sommer mit großer Wahrscheinlichkeit aus allen Nähten platzen, wahre Geisterstädte. Wir fanden gerade noch so einen Supermarkt, der von einem im Liegestuhl liegenden Besitzer und seiner kläffenden Fußhupe bewacht wurde, um ein paar Postkarten zu kaufen.

Da unsere Versuche, dort im Osten zu essen, also fehlschlugen, weil kein ansprechendes Restaurant geöffnet war, entschieden wir uns kurzerhand, nach Nikosia zu fahren und in der Gaststätte vom letzten Sonntag (im Norden der Stadt) mal wieder Fleisch zu essen. Der Stadtverkehr in Nikosia war diesmal, ähem, etwas stärker als letzten Sonntag, aber mit einem kleinen Schlenker fanden wir unser Parkhaus von neulich.

Der Grenzübertritt nach Nordzypern war diesmal ein wenig vertrackt: Ich stand in einer Schlange, und zwei Leute vor mir ging der Grenzer einmal weg. Auf verdutzte Nachfrage machte sein Kollege uns mit Fingerzeigen klar, dass er wohl essengegangen sei. Argh. So macht man sich bei Touristen nun wirklich nicht beliebt ...

Das Essen bei unserer Wirtin war dafür so lecker wie immer, nur leider vergaß sie hinterher den bestellten Tee. Naja, auch nicht so dramatisch.

Wir fuhren aus Nikosia raus, fuhren nach Hause, verabschiedeten uns von unserer Hauswirtin (Google sei Dank verstand sie uns diesmal einigermaßen ...), weil wir morgen recht zeitig rausmüssen, und gingen dann noch zu George (Schnauz III). Nach den obligatorischen zwei Bier verabschiedeten wir uns (abermals mit Google-Unterstützung) von ihm und bekamen noch eine Flasche des Dorfweines geschenkt.

Jetzt sind wir wieder in unserer Wohnung und bettfertig.

Was wir noch erwähnen wollten: Es gibt hier auf Zypern, bedingt durch Krieg und Besatzung, eine fast babylonische Sprachverwirrung. Die Hauptstadt, die auf Englisch "Nikosia" heißt, ist hier fast nur als "Lefkosia" bzw. "Lefkoşa" ausgeschildert. Die Küstenstadt im Norden, die bei den Türken "Girne" heißt, heißt bei den Griechen "Kyrenia"; und die Küstenstadt im Süden heißt auf Englisch "Limassol" und auf Griechisch "Lemesos". Man kriegt das alles hin, aber erstmal denkt man: Hä?

Insgesamt hat es uns hier auf Zypern sehr, sehr gut gefallen, und zwar im Norden wie im Süden. Wir haben (im Norden) eifrig Stempel gesammelt, weil wir fast jeden Tag "drüben" waren. Die Landschaft, das Essen und auch das Bier waren auf beiden Seiten sehr schön bzw. lecker. Wir haben die letzten Tage dann wirklich Urlaub gemacht und nicht die ganzen übrigen kulturellen Sehenswürdigkeiten, die es noch zu besichtigen gegeben hätte, besucht, weil wir ja ein wenig ausspannen wollten.

Zypern, wir kommen wieder ...

Donnerstag, 29. Dezember 2011

In britischen Hoheitsgewässern

Ja, heute haben wir einen ganz ruhigen Tag gemacht. Naja, "ruhig" für unsere Verhältnisse.

Wir haben einigermaßen lange geschlafen und sind dann in Richtung Limassol und darüber hinausgefahren. Wir wollten heute mal die Strände dort erkunden. Der Pissouri-Strand fand nicht so ganz unsere Zustimmung, aber ein paar Meter weiter gab es einen anderen Strand, der bereits in der Sovereign Base Area Akrotiri lag.

Nach eineinhalb Stunden Sonnenbad (der zyprische Angler war dick eingepackt und zeigte uns und den Russen, mit denen wir den Strand teilten, im Verborgenen einigermaßen sicher den Vogel) wagte ich mich in die (saukalten) Fluten. Zum ersten Mal in meinem Leben badete ich in britischen Hoheitsgewässern ...

Anschließend fuhren wir zurück, nahmen einen kleinen Abstrecher zum Salzsee auf der Akrotiri-Halbinsel und verließen schließlich die SBA. Wir suchten in Zygi, dem unserem Dörfchen am nächsten gelegenen Küstenort, eine schöne Fischkneipe und fanden das Zygiana. Dort aßen wir Fisch-Meze, die zwar nicht billig war, aber ihren Preis durchaus wert: Ein knappes Dutzend verschiedene Arten von Fischli und Meerestieren (Oktopus, Sardinen, Sprotten, Tintenfisch fritiert, Muscheln, Garnelen, Dorade und allerlei anderes Getier, was wir nicht detailgetreu identifizieren konnten), dazu Pommes, Salat, Brot, Dips etc. Sehr lecker!

Der Abend wurde heute bereits am frühen Nachmittag eingeläutet, die zwei Bier bei Schnauz III waren wie immer lecker. Danach gingen wir in die Wohnung und liegen schon wieder im Bett.

Fotos gibt's heute keine: War zu faul ...

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Verrückt

So, wie gestern angekündigt, waren wir heute sehr verrückt.

Nachdem wir wieder einmal mit Tee und ein paar Weihnachtsplätzchen gefrühstückt haben, fuhren wir in Richtung Agia Napa. Auf dem Weg entschieden wir uns dann, heute doch den Grenzübertritt nach Nordzypern noch einmal in Angriff zu nehmen, zumal unsere Haftpflichtversicherung nur noch heute gültig war. Am fünften von uns benutzten Grenzübergang (insgesamt gibt es sechs auf Zypern) war ebenfalls der Hund begraben. Die Dame stempelte versehentlich meinen Pass zweimal und den meiner Mutter nicht, bis ich sie auf diesen Fehler aufmerksam machte. Der überflüssige Stempel in meinem Pass wurde als "iptal" (ungültig) gebrandmarkt, wir durften weiterreisen.

Wir fuhren über gut ausgebaute Straßen, sogar über eine sehr neue, noch nicht ganz fertige Autobahn irgendwo im Nirgendwo. Wir erreichten nach gut zwei Stunden die Gaststätte auf der Karpaz-Halbinsel, die wir vor zwei Tagen schon einmal besucht hatten. Heute gab es für mich die ganze Portion Oktopus, während meine Ma eine Art Tintenfischeintopf verspeiste, sehr lecker. Mit den diversen Vorspeisen, die wir (kostenfrei) vorher bekamen, waren wir schon fast satt, ehe das eigentliche Mittagessen kam. Sehr schön!

Danach fuhren wir zurück, gerieten an einen (nach Aussage meiner Ma) leicht angetrunkenen britischen Marineoffizier, der als Grenzwächter der Sovereign Base Area fungierte und uns sogar den Kofferraum öffnen ließ. Er fand außer den kurz zuvor gekauften Mandarinen nichts, sodass wir weiterfahren durften.

Wir stoppten in Agia Napa und nach ein bisschen Überlegung ging nicht nur meine Ma, sondern auch ich ins einigermaßen kalte Wasser. Trotzdem nicht unangenehm ...

Das leichte Abendessen nahmen wir in Zygi, dem unserem Dorf am nächsten gelegenen Küstenort, ein, ehe wir die obligatorischen zwei Bier (heute sogar drei ...) bei "Schnauz III" bei uns in Kalavasos einnahmen ...

Fotos: Der Reiseführer warnt: Fotografieren in der UN-Pufferzone oder der Sovereign Base Area kann Einzug des Fotofilms nach sich ziehen (bei einer Digitalkamera, hähä ...).

Dienstag, 27. Dezember 2011

Drei Tage, sechs Stempel

Heute waren wir wieder in der "Türkischen Republik Nordzypern", diesmal in Girne (Kyrenia).

Nach kurzem Frühstück fuhren wir heute Morgen ins Troodos-Gebirge. Durch zum Teil enge Straßen und verwinkelte Ortschaften mitten im Gebirge ging es in Richtung einer Kirche, die zum Weltkulturerbe gehört. Wir verfuhren uns erst ein wenig und fuhren dann an der unscheinbaren Kirche vorbei, bis ein Pope uns während eines Handy-Gesprächs den Weg zeigte ...

Das Innere der Kirche war sehr beeindruckend, über und über Fresken, sehr toll. Mehr als zwanzig Minuten konnte man sich dort aber beim besten Willen nicht mehr Neues angucken, und so fuhren wir weiter in Richtung Astromeritis und von dort über die "Grenze" nach Nordzypern. An diesem westlichsten Grenzübergang zwischen Süd- und Nordzypern liegt aber wirklich der Hund begraben. Das Erscheinen unseres Autos löste größten Trubel unter dem halben Dutzend herumstehender Grenzpolizisten aus; die Einreise verlief aber wie gehabt unproblematisch.

Wieder ließen wir uns die Pässe stempeln. Das ist nicht nur dem Stempelsammeln geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass wir zu faul sind, das Einlegevisum immer wieder auszufüllen (und ich auch Angst habe, das Ding zu verlieren ...). Jedenfalls stellen die Stempel im Pass kein Problem mehr für die (Wieder-)Einreise nach (Süd-)Zypern oder nach Griechenland dar, von daher alles gut.

Wir fuhren ein wenig in der Gegend herum in Richtung Girne (griechisch Kyrenia). Der dortige Hafen ist, wie der Reiseführer richtig sagt, malerisch; die Festung war leider schon geschlossen ... Wir aßen wieder einmal Meze (ca. sieben bis zehn kleine Tellerchen mit Vorspeisen, dazu Brot) mit sehr leckerem Fisch. Ich stellte mit Erstaunen fest, dass Efes auch ein Schwarzbier im Angebot hat, das ebenfalls sehr gut schmeckt!

Noch im Hellen fuhren wir aus Girne heraus und fanden in Nikosia schnell wieder den Grenzübergang, den wir gestern noch hatten suchen müssen. Inzwischen wussten wir auch, wie es dort läuft: Einfach ranfahren, meine Ma springt raus, geht Pässe abstempeln (dass ich nicht vor dem Grenzbeamten stehe, ist wurscht), danach geht es in Richtung Südzypern, Pässe nochmal vorzeigen, und schon ist man (wieder) eingereist.

Der Rest des Tages war ganz üblich: Stadtautobahn, Autobahn, Auto abstellen, in unsere Stammkneipe bei George (alias "Schnauz III", nach den beiden anderen schnauzbärtigen Männern, die uns 2004 in Griechenland bekocht hatten), zwei Bierchen, ins Bett.

Unsere Versicherung für Nordzypern gilt morgen noch, vielleicht sind wir so verrückt und fahren nochmal zum Essen in die Gaststätte auf der Karpaz-Halbinsel, in der wir gestern so gut gegessen hatten ...

Bilder: Außen unscheinbar, innen tolle Fresken: Die Weltkulturerbe-Kirche Panagia Asínou im Troodos-Gebirge; Hafen und Festung in Girne