Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Auf nach St. Petersburg

Heute waren wir die erste Teiletappe unserer zweiten Großetappe von Odessa nach St. Petersburg in Angriff genommen. 450 km führten uns auf kerzengeraden, teils nebligen, selten auch einmal noch ungeräumten Straßen in die ukrainische Hauptstadt, nach Kiew. Nachdem wir sehr früh aufgestanden und losgefahren waren, kamen wir trotz einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt gegen 13 Uhr an unserem Hotel Rus an.

Die Stadtrundfahrt war unfreiwillig, weil hier in Kiew anders als in Odessa erstens kaum Straßennamenschilder vorhanden sind und die Stadt auch nicht ganz so einfach zu erfassen ist wie das kleinere und schattbrettartig angelegte Odessa.

Trotz der Warnung im Online-Reiseführer, dass der Service "sowjetisch" sei, wurden wir sehr freundlich empfangen, konnten unser Zimmer begutachten, es für gut befinden und bald in die Innenstadt aufbrechen.

Immer wieder beeindruckend sind die extrem tiefen U-Bahn-Schächte ehemaliger Sowjetstädte, so auch in Kiew, da die U-Bahn-Schächte auch als Luftschutzbunker dienten. Bei unserer Station waren die Drehkreuze kaputt bzw. entfernt, aber dennoch bezahlte fast jeder seinen zugegebenermaßen nicht allzuhohen Obolus von umgerechnet 20 Cent pro Fahrt. Nach einer Station Fahrt kamen wir in der Nähe des Stadtzentrums aus dem Untergrund hervor, spazierten eine Weile auch am Sophienkloster vorbei und aßen schließlich in einer "ukrainischen Gaststätte im Sowjetstil" spät zu Mittag. Das Essen war ganz in Ordnung, beim Bier haben sie uns leider abgezockt, aber in Zukunft werden wir halt auch hier genau schauen, was das Bier kostet, auch wenn die Essenspreise akzeptabel sind. Nach dem Ablassen einer Beschimpfungen ("Gauner", "Betrüger") spazierten wir ein Stückchen weiter, ließen uns in die Nähe des Maidanplatzes in einer Brauereigaststätte nieder und tranken wieder ein (oder mehrere?) Slawititsch-Biere.

Gut müde brachen wir auf, fuhren abermals mit der U-Bahn, verliefen uns einmal im Gewirr der Umsteigebahnhöfe, fanden aber schließlich den Ausstieg und auch unser Hotel, wo wir nun im Zimmer liegen, ein bisschen ZDF gucken und auch schon zuhause angerufen haben.

Auch wenn der Beschiss nicht so toll war, ist die Ukraine sehr schick und auch Kiew wird ein guter EM-Gastgeber in zwei Jahren sein. Die Kneipe, in der wir heute zum Schluss waren, wird mit Sicherheit voll sein zur EM-Zeit, zumal das Bier sehr lecker schmeckt.

Wir haben eben gemerkt, dass das Stadion, das 200 m von unserem Hotel entfernt liegt, das Nationalstadion ist, in dem 2012 das EM-Finale ausgetragen wird. Sicher werden die Hotelpreise dann nicht so annehmbar sein wie sie es zur Zeit sind ...

Heute Abend geht es früh ins Bett, damit wir morgen die Stadt gut erkunden können.

Erste Fotos vom Sophienkloster und vom Maidan:


Montag, 20. Dezember 2010

Milder Sonnentag am Schwarzen Meer



















Man beachte auch die heut
e hochgeladenen Fotos der letzten Tage.

Fotos oben: Die Oper, die Potemkin'sche Treppe, eine Skulptur am Hafen und ein Weihnachtsbaum im Stadtzentrum.

Heute haben wir endlich einmal einigermaßen ausgeschlafen. Dennoch waren wir nach einer Nacht in einem sehr warmen Hotelzimmer (trotz Fensteröffnung) schon gegen acht Uhr wach. Der Plan lautete, die Altstadt von Odessa zu erkunden und unsere gestern Abend bereits gewonnenen Erkenntnisse zu erweitern. Dazu machten wir uns in einem ausgedehnten Spaziergang auf in Richtung Bahnhof, um dort die Touristinformation nicht zu finden. Da unsere Google-Karte aber einigermaßen okay war, wanderten wir zurück in die Nähe unseres Hotels und der Hauptsehenswürdigkeiten Odessas wie der Oper und des Hafens mit der Potemkim'schen Treppe. Etliche der früher hochherrschaftlichen und später verfallenen Gebäude sind heute wieder saniert oder in Sanierung begriffen, das zu sehen ist durchaus schön. Wir haben Dresden vor zwanzig Jahren gesehen, und auch wenn es in Odessa wahrscheinlich etwas länger dauern wird, so haben wir Hoffnung für diese Stadt, in die wir uns beide auf Anhieb verliebt haben.

In dem Steakhouse (СТЕЙКХАУС), das uns unser Hotelier gestern Abend schon empfohlen hatten, aßen wir sehr gut zu Mittag (eine Auswahl von verschiedenen Rindersteakarten) und machen wir uns dann kurz auf ins Hotel, um uns davon etwas zu erholen. Nach etwa einer Stunde begannen wir, unseren Stadtrundgang zu beenden und gingen in Richtung Oper, Potemkin'scher Treppe und Hafenpier. Dort wehte uns ein kühler Wind um die Ohren, die nicht so ganz zu den 6° C (plus!) passte, die wir in der geschützten Altstadt erlebten. Nach einem Zwischenstopp im Café Mozart, in dem uns flüssiger Schokopudding als "heiße Schokolade" serviert wurde, und einem Abstecher in unser Pub von gestern Abend machen wir jetzt um 19.30 Uhr Feierabend für heute, da es morgen Früh relativ bald in Richtung Kiew gehen soll.

In Odessa gibt es überraschend viele italienische und japanische Restaurants (Italiener fast an jeder Straßenecke); für uns freudig überraschend haben die allermeisten Lokalitäten eine englischsprachige Speisekarte (unser Ukrainisch/Russisch ist leider nicht das Allerbeste ...).

Odessa ist toll und immer eine Reise wert.


Fotos aus der Südwest-GUS































Erst einmal wieder ein paar Fotos aus den letzten Tagen (von links oben nach rechts unten):
Straßenverhältnisse in der Westukraine, in Ostmoldawien und kurz vor Transnistrien (Letzteres zum Glück nur ein kurzes Stück); Lenin-Statue und Medwedew-Smirnow-Plakat jeweils in Tiraspol (Transnistrien); schließlich unser Hotel in Odessa (Ukraine)

Sonntag, 19. Dezember 2010

A small gift for my friend

Bitte Nachtrag von gestern unter heutigem Datum beachten. Wir haben es gestern wegen fehlender Internetverbindung nicht geschafft ...

Nach kalter Dusche sowie kurzem und schmerzlosen Frühstück in Bălţi in Moldawien sind wir heute über Transnistrien nach Odessa in der Ukraine gefahren. Selten war ich so froh, wieder in der Ukraine zu sein ...

Die Dusche heute Morgen funktionierte nicht so wie wir wollten: Jedenfalls kam trotz der Versicherung unserer Rezeptionistin, alles geprüft zu haben, nur kaltes Wasser heraus. Danach waren wir aber auf alle Fälle extremst erfrischt ...

Die ersten etwa 100 Kilometer der Fahrt gingen über festgefahrenen oder schon freigefahrenen Schnee in Ostmoldawien. Die Straßen sind extrem breit, meist vierspurig, auch wenn nur zwei Spuren freigefahren sind, in der Regel kerzengerade, manchmal ist es eine mittlere Berg- und Talbahn. Unserem Auto tat es gut, einmal keine Straßenbahnschienen in der Stadt zu haben wie in Lemberg oder in der Vorstadt von Odessa und über ziemlich sauber asphaltierte Straßen zu brausen, zum Teil mit 120 km/h. Um Chişinău herum konnte man relativ viele Weinreben entdecken, vielleicht hätte man mal moldawischen Wein probieren sollen; eventuell beim nächsten Mal.

Wir fuhren so durch Moldawien und wussten, dass so langsam mal die Grenze kommen musste, als auf einmal ein Stopp-Schild in der Landschaft stand. Es handelte sich um den "internen moldawischen Zoll", der uns auf eine Räuberpiste in Richtung Transnistrien schickte. Unterwegs ließen wir uns von russischen Friedenstruppen, transnistrischen Grenzern (die die Zolleinfuhrerklärung nicht ausfüllen wollten) und einem moldawischen (oder transnistrischen?) Bewohner einer früheren Polizeiunterkunft erläutern, wo wir zu einem "richtigen" Grenzübergang mit Zollerklärung kämen. Dort landeten wir, mussten mehrmals den Kofferraum öffnen, eine Migrationskarte ausfüllen, den Pass abgeben, uns zehn Stunden Aufenthalt (bis 20.53 Uhr in meinem Fall!) in Transnistrien erlauben lassen, dann zum Zoll fahren, dort eine Zollerklärung (wenigstens auf Englisch!) ausfüllen, eine Zollgebühr/Steuer/Versicherung (oder gar Bestechung) in Höhe von 134 moldawischen Lei bezahlen (wir gaben 150 Lei, etwa 10 Euro, und bekamen nitschewo [=0] zurück ...), bis wir schließlich auf den gar nicht so schlechten transnistrischen Straßen unterwegs waren.

Nach geschätzten 500 m kamen wir an eine Polizeikontrolle: Der Polizist wollte Papiere und Führerschein sehen, gab uns alles zurück und ging dann weg, weshalb wir weiterfuhren (ich weiß nicht, ob das schon das Ende der Kontrolle war, auf alle Fälle kam *kein* Blaulicht hinter uns her ...). Nach einem weiteren Checkpoint der russischen Friedenstruppen kamen wir schließlich ins Stadtzentrum von Tiraspol, der "Hauptstadt" von Transnistrien. Wir fuhren ein paar Mal auf der Hauptpromenade auf und ab, machten Fotos und parkten dann kurz unser Auto, um einen Spaziergang zu machen. Wir sahen Sonntagsmärkte und Frauen, die in dem Stadtpark Kleidung verkauften, sahen eine schöne orthodoxe Kirche und eine Bettlerin, der wir unsere restlichen moldawischen (ausländischen?!) Lei gaben. Nach nicht allzulanger Zeit brachen wir ob der Unsicherheit über die Dauer des transnistrisch-ukrainischen Grenzübertritts wieder auf und hatten richtig kalkuliert:

Die Einfahrt in die transnistrische Ausreise ging fix, danach wollten wir durch den grünen Kanal, wurden trotzdem eifrigst vom Zoll inspiziert (inclusive unseres Weckers und des Wick Vapurup) und kamen dann zur transnistrischen Ausreisegrenze. Wir sollten mal wieder am Rand parken und es passierte - nichts. Dann kam der Grenzer zu mir, bat mich in ein Kabuff und wir unterhielten uns ein wenig mit Händen und Füßen über unsere Reisen; leider ließ er nicht locker und wollte weiterhin ein Bestechungsgeld, weshalb er nach einiger Zeit einen etwas Englisch sprechenden Kollegen hinzuholte; wir erzählten weiter über unsere Reise und meine berufliche Zukunft, ehe der Englisch Sprechende endlich anfing, von einem "small gift to my friend" zu sprechen, woraufhin ich fünf Dollar auspackte, er zwanzig verlangte und ich ihn dann "I'm a student, come on!"-mäßig auf zehn Dollar herunterbekam. Endlich hatten wir unsere Pässe wieder, auf Nimmerwiedersehen ... Die ukrainische Einreise ging etwas schneller, auch wenn hier ebenfalls das Problem des fehlenden moldawischen Ausreisestempels begutachtet wurde und auch die Motorblocknummer genauestens geprüft wurde. Schließlich waren wir in die Ukraine eingereist, fuhren noch eine gute Stunde und fanden dank - ja, Google Maps - unser Hotel sehr schnell. Nach Einchecken und Parken gingen wir ein wenig in die Innenstadt, beschauten die Oper und die Potemkin'sche Treppe und aßen schließlich in dem vom Rezeptionistin empfohlenen Restaurant sehr, sehr gut. Nach einem (bzw. zwei) Absackern in einem Pub, das irischer aussah als jedes irische Pub (einschließlich eines Kilt tragenden Obers) stolperten im vereisten Odessa in unser Hotel, sitzen nun hier und schreiben diese Zeilen.

Die erste Großetappe haben wir bestens geschafft, morgen steht ein Stadtspaziergang auf dem Programm, da wir Odessa bisher noch überhaupt nicht kennen, ab übermorgen geht es auf die zweite Großetappe über Kiew, Minsk, Riga nach Sankt Petersburg.

Ein paar kulturelle Beobachtungen: Der Weihnachtsschmuck hier ist sehr bunt, in allen Farben, von rot über weiß bis blau, durchaus anders als in Deutschland. Es sind viele "West"-Autos unterwegs, aber darunter mischt sich durchaus mal der eine oder andere Lada (der dann nicht vom Fleck kommt!). Hinzu kommen viele Kleinbusse, die Anhalter aufnehmen und zu ihrem Ziel fahren, so wie fast überall auf der Welt. An den Straßenrändern sind manchmal kleine Sandberge aufgehäuft, deren Sand dann in Abständen von Helfern auf die Straßen geworfen werden, sodass die Straße nicht ganz so glatt ist. Sehr löblich.

Bier-/Wodkakunde: Heute gab es ein leckeres Bier, das mit "Sla" anfängt, den Rest habe ich vergessen, und einen Kuranets-Wodka (angepriesen als "Honey with Pepper", naja). Bier in der Ukraine durchaus süffig, und die Wodkas machen einen auch nicht blind.

Viel Schnee, darum keine Schlaglöcher

Wir haben das Glück, dass uns die Sonne seit drei Tagen verwöhnt; wir sind vor dem Wintereinbruch, der Deutschland und Westpolen lahmgelegt zu haben scheint, einfach weggefahren. Seit drei Tagen haben wir keine Schneeflocke gesehen, dafür hat die Sonne uns von Aufgang bis Untergang begleitet. Der Straßenzustand pendelt zwischen von den Autos freigefahren und geschlossener und festgefahrener Schneedecke, sodass wir auf allen Unterlagen bisher, toi, toi, toi, sehr gut und oft auch ziemlich zügig vorangekommen sind. Heute sind wir zwar das erste Mal ein wenig gerutscht, aber das haben wir auch gut abfangen können.

Nachdem sie bei unserem Hotels bei unserer Ausfahrt erst mal kurz die Schranken heruntergelassen haben, ehe sie uns rausließen, und im Anschluss an eine kurze unfreiwillige Stadtrundfahrt in Lemberg kamen wir über Umwege nach Ivano-Frankiwsk und von dort über Tschernowitz an die Grenze. Die ukrainische Ausreise ging einigermaßen schnell, die moldawische Einreise wäre auch zügig gegangen, wenn nicht die Bankdame, bei der ich die 4 € Straßenbenutzungsgebühr für Moldawien einzahlen musste, bei der Zigarettenpause oder sonstwo gewesen wäre ... Dieser Grenzübergang markierte einigermaßen genau auch den Grenzübergang zwischen Österreich-Ungarn und dem russischen Zarenreich bis 1917/18/19; heute ist es halt die Grenze zwischen der Ukraine und Moldawien. Die letzten beiden Nächte haben wir in ehemalig österreichischen Städten verbracht, nämlich Krakau und Lemberg; von "Ostblock" kann hier Gott sei Dank in weiten Teilen nicht mehr die Rede sein.

Danach fuhren wir noch eine ganz schöne Strecke in der Abenddämmerung, bis wir hier in Bălţi in Zentralmoldawien ein schönes und preisgünstiges Hotel gefunden haben (25 € für eine Übernachtung in einem schönen Doppelzimmer) und auch hier im Hotel zu Abend gegessen haben. Es gab zwar nicht so ein Festmahl wie gestern Abend, aber wenn hat Hunger hat, schmeckt ein schönes Schweineschnitzel auch in Moldawien sehr lecker ...

Zur Bierkunde: In Krakau haben wir das unvermeidliche und auch schmackhafte Żiwiec getrunken, in Lemberg ist natürlich das L'vivska (Lemberger) relativ weitverbreitet, auch wenn wir dort das Hausbier unser "Mons-pius"-Kneipe getrunken haben. Hier in Bălţi gab es Bier der Marke Chişinău in der Form Aurie, das goldgelb aussieht und ebenfalls durchaus trinkbar ist.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Wir ließen Krakau und Lemberg nicht einfach links liegen, sondern hatten diese Städte ja schon vor Jahren besucht; auf dieser Tour ist der erste Zwischenstopp mit zwei Nächten ab morgen Abend in Odessa geplant; wir hätten es heute Abend vielleicht noch ganz gerne nach Chişinău geschafft, aber dazu war es dann einfach zu dunkel, zumal wir morgen keine solche Monsteretappe vor uns haben (heute waren es knapp über 500 km). Für unser eigentliches Reiseziel, Sankt Petersburg, sind wir ganz schön weit ab vom Schuss, aber das ist durchaus in Ordnung so.

Heute Abend wollte meine Ma einem hilfreichen Tankwart die ersten Schnäpschen der diesjährigen Tour übergeben; er nahm sie einfach nicht an ... Wer nicht will, der hat schon. Bei unseren letzten Reisen, wie etwa 2000 nach Nordosteuropa, war das alles noch gegangen, naja ...

Wir sind gespannt auf Transnistrien, ein "Land", das in Deutschland kaum eine Sau kennt, und sehen der womöglich notwendig werdenden Entrichtung von Bestechungsgeldern wohlwollend entgegen.

Freitag, 17. Dezember 2010

Toller Blick auf Lemberg

Wir beenden unseren Tag im neunten Stock unseres Hotels "Dnister" in Lemberg in der Nähe des Ivan-Franko-Parkes mit einem fantastischen Blick auf das hell erleuchtete Lemberg.

Nach einem sehr feudalen in unserem sehr guten Hotel Kossak in der Nähe der Krakauer Innenstadt brachen wir gegen 7.30 Uhr auf in den Kampf gegen den Krakauer Stadtverkehr, kamen aber nicht wirklich weit. Die Brücke, über die wir gemusst hätten, war gesperrt, sodass wir uns durch den Berufsverkehr am Freitag Morgen quälen mussten, dabei aber eine mittelprächtige Stadtrundfahrt samt Fahrt um und Blick auf den Wawel als Entschuldigung erhielten. Irgendwann fing dann in den Außenbezirken Krakaus die Autobahn an (Temperatur: -19,5 °C), die aber leider auch nur weniger Kilometer vorhanden war, ehe man auf eine relativ gut erhaltene Nationalstraße kam. Da diese leider einspurig war und geschätzte Millionen von LKWs die gleiche Strecke in Richtung Ukraine unternahmen, kamen wir entsprechend langsam, manchmal furchtbar langsam, voran. Dafür entschädigten die gut bis sehr gut geräumten Straßen im "winter wonderland".

Dafür ging der Grenzübertritt in die Ukraine relativ schnell: Auf polnischer Seite konnten wir zum Glück die EU-Bürger-Spur benutzen und viele ukrainische Autos überholen, die in der "All-passports"-Spur ausharren mussten. Die Grenzabfertigung auch bei der Einreise in die Ukraine war problemlos. Keine Spur mehr von den drei Stunden Wartezeit von vor zwei Jahren, als das Computersystem der ukrainischen Grenzer am ersten Einsatztag ausgestiegen war und nichts mehr ging.

Meine Mutter fuhr die Strecke bis Lemberg weiter (ich bin auf dieser Tour bisher noch überhaupt nicht gefahren, da wir uns bisher als Fahrerin/Kartenleser gut ergänzen), wo wir sogar noch bei hellichtem Tageslicht das Kopfsteinpflaster mit eingelassenen oder hervorstehenden Straßenbahnschienen hinter uns bringen konnten. Nach kurzer Verwirrung meinten wir zu Recht, einige Straßenzüge zu erkennen, die wir 2008 schon gesehen hatten, als wir unser Auto bei dem Hotel parkten, in dem wir heute wohnen würden, und fanden schließlich zügig unser Hotel. Der Check-in ging sehr fix. Das Zimmer ist vielleicht nicht ganz so der Hammer wie unser Hotel letzte Nacht in Krakau, aber dafür deutlich preisgünstiger und immer noch sehr akzeptabel.

Dennoch hielten wir uns nicht lange im Zimmer auf, sondern spazierten eine Viertelstunde in die Altstadt, begutachteten den örtlichen Weihnachtsmarkt und fanden uns schließlich in einer sehr urigen, aber auch sehr leeren "Beer-and-meat"-(Bier-und-Fleisch-)Gaststätte wieder. Eine der Bedienungen sprach recht gutes Englisch und die Karte war ohnehin auf Englisch verfügbar, sodass wir anders als vor zehn Jahren in Russland nicht auf die Speisekarte Dart spielen mussten. Wir bestellten Lachstartar und Rinderzunge als Vorspeise und Entenbrust bzw. ein Timberloin-Steak als Hauptspeise. Selten haben wir so gut gegessen wie heute Abend: Das Lachstartur wurde mit Honig und einer Joghurt-Soße serviert, die Rinderzunge in Barbecue Sauce und mit Haselnüssen bestreut. Wahnsinn! Ein Geschmackserlebnis der ganz seltenen Art: Eines, wo man "Das kann doch nicht zusammenpassen!?" sagt, aber dann eines Besseren belehrt wird. Die vorzügliche Entenbrust und das hervorragend gebratene Steak konnten da nur noch mithalten. Zusammen mit dem hausgebrauten sehr schmackhaften Bier für 1,20 € für ein 0,4-Liter-Glas war das ein rundum gelungener Abend bei einem Gesamtverzehr von 37 €.

Danach fuhren wir mit dem Taxi über das nicht geräumte und noch verschneite Kopfsteinpflaster zurück zu unserem Hotel, sitzen nun der WLAN-Verbindung wegen in der Bar im 9. Stock und schreiben diese Zeilen. Die Ukraine macht sich, neuerdings klappt sogar die Einreise! Das macht Hoffnung für die EM 2012, zu der wir, falls Deutschland womöglich hier spielt, durchaus gerne nach Lemberg zurückkehren würden. Lemberg ist eine Stadt, die zu jeder Jahreszeit ihren ganz besonderen Charme und der Bereisung bedarf.

Morgen geht es in Richtung Südosten gen Moldawien. Wir hoffen, dass wir eine gute Strecke nach Moldawien hinein in Richtung Chișinău zurücklegen können, damit wir übermorgen dann in Ruhe das besondere Abenteuer Transnistrien angehen können ...

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Krakauer Käse

Heute sind wir nach 720 Tageskilometern von Jena über Dresden, Görlitz und Breslau bis nach Krakau gefahren. Das Wetter war hervorragend; die Sonne stand voll hinter uns. Die Autobahnen in Deutschland und in Polen waren so geräumt wie man es erwartet, da könnten sich die Jenaer eine Scheibe abschneiden. Apropos Scheibe: Heute Morgen gab es für meine Studis noch einen Stollen, danach fuhren wir um 9.51 Uhr gen Osten ab.

Es ist und bleibt einfach schön, wenn man die Grenze zwischen zwei EU-Staaten nur mehr erkennt, wenn man auf die Form der Leitpfosten und die Schriftart der Straßenschilder achtet.

Gegen 17 Uhr kamen wir mit Google-Ausdruck und Navigationssystem sehr schnell zu unserem sehr schönen Hotel unweit der Altstadt von Krakau. Nach einem kurzen Spaziergang landeten wir auf dem Marktplatz, auf dem ein kleiner Weihnachtsmarkt unseren Besuch verzeichnen konnte. Dort kauften wir Krakauer Käse und machten uns dann in ein Kellerrestaurant auf, in dem wir in Krakau regelmäßig (also 2004, 2008 und dieses Jahr) dinieren. Dort gab es neben Oliven und einer altpolnischen Suppe mit Ei und Wurst Schweinebraten und Schweineschnitzel, angeblich typisch polnisch, was auch sehr lecker schmeckte. Nach einem Roggen-Wodka der Marke Żubrówka spazierten wir den kurzen Weg zurück ins Hotel und hoffen, dass unser Hotel-Safe, der heute Abend spinnt, uns morgen dann unsere Pässe und sonstigen Wertsachen wieder ausspuckt.

Morgen geht es dann über die polnisch-ukrainische Grenze nach Lemberg, wo wir ja schon 2008 waren. Wenn uns die Zeit reicht, werden wir wieder auf Litschakiwski-Friedhof fahren, weil uns dessen parkartige Anlage mit den Grabskulpturen sehr beeindruckt hatte. Danach geht es weiter über Moldawien und dessen abtrünniges Gebiet Transnistrien nach Odessa, das den ersten Extrempunkt unserer Reise darstellen wird: Weiter südlich kommen wir auf dieser Tour nicht mehr. Während Krakau etwa auf der geografischen Breite wie Frankfurt am Main liegt, ist Odessa auf der Höhe von Graz oder Maribor in Slowenien. Sankt Petersburg, das unser nördlicher Extrempunkt sein wird, liegt dagegen ziemlich genau auf der Höhe von Bergen oder Oslo.

Unser Foto zeigt die verschneite polnische Landschaft vor dem Sonnenuntergang.

Montag, 22. November 2010

Russisches Visum da - hoffentlich richtig ...

Man beachte den Nachtrag.

Heute hatte ich einen Benachrichtigungszettel der Post im Briefkasten, dass ich ab morgen ein Einschreiben abholen könne. Im Aufzug heute Abend sah ich dann, dass die Benachrichtigung schon am Samstag eingeworfen worden war und ich sie nur noch nicht bemerkt hatte ... Also machte ich mich im Vollsprint auf zur Post, um dort kurz vor knapp (18.29 Uhr bei Schließung um 18.30 Uhr) das Einschreiben abzuholen.

Unsere Pässe waren drin mitsamt Visa. Jetzt habe ich nur folgendes Problem: Auf dem Visum steht nichts von "Autoturist", obwohl das russische Konsulat auf seiner Homepage sagt, dass das notwendig sei, um dann mit dem Auto nach Russland einreisen zu können. Ich hatte das aber in meinem Anschreiben an den Visumdienst erwähnt (im Fettdruck). Jetzt habe ich denen vom Visumdienst eine Mail geschrieben, um das aufzuklären. Ich hoffe, die Russen haben das in der "004", die hinter dem Reisezweck "Turism" steht, versteckt, sonst haben wir ein kleines Problem ... Ich werde weiter berichten. Aber jedenfalls sind jetzt beide Visa da. Juchhe.

Nachtrag vom 23. November: Habe heute Morgen eine E-Mail bekommen von dem Visaservice. Die sagen, dass seit dem 1. Juni 2008 die Nennung des Autos beim Visumantrag (und dementsprechend wohl auf dem Visum) nicht mehr notwendig sei. Hoffen wir mal, dass das alles so stimmt. Jedenfalls habe ich jetzt eine Bestätigung schwarz auf weiß, dass wir das nicht brauchen. Ich freue mich schon drauf, wenn wir an der Grenze stehen und nicht durchkommen ...

Donnerstag, 4. November 2010

Weißrussland-Visum da

So ... Unser Weißrussland-Visum ist endlich da: Vom 23. bis 24. Dezember 2010 dürfen wir uns in Lukaschenkos Reich aufhalten ... Ich erhielt letzten Mittwoch (Mittwoch letzter Woche) noch einen Anruf der Konsularabteilung in Berlin, dass ich doch bitte einen Nachweis erbringen möge, dass wir das Transitvisum wirklich brauchen (z. B. Fahrkarte [ist schlecht, wenn man mit dem Auto fährt]) ... Die Dame und ich einigten uns darauf, dass es ausreichte, wenn ich die Hotel-Buchung in Kiew vom 21. bis 23. Dezember einreiche. Klar, ich beantrage ein Transitvisum und zahle Geld dafür, wenn ich es gar nicht brauche! Oh, ihr Weißrussen.

Die Russen, bei denen das nächste Visum beantragt werden muss, sind auch lustig. Seit 1. November fordern sie (abgesehen davon, dass man persönlich beim Konsulat auftauchen muss oder aber einen kostenpflichtigen Visumdienst in Anspruch nimmt), dass man seine Rückkehrwilligkeit ins Heimatland (sprich, nach Deutschland) nachweist. Ja, liebe Russen, ich verstehe, dass ihr euch ärgert, dass die Schengen-Länder das von euch verlangen, aber es ist wohl doch ein Unterschied, ob ich als Russe im Schengen-Gebiet bleiben bin oder als EU-Bürger in Russland. Ich bin fast geneigt zu sagen, das ist lächerlich ... Aber gut, meine Mutter und ich werden Rentenbescheid und Arbeitsvertrag einreichen und dann hoffentlich das Visum kriegen ...

Jedenfalls sind mein Pass und ich wieder vereint, aber nicht für lange, da hoffentlich am Samstag das Einschreiben an den Visumdienst rausgeht ... Aber meine Ma und ich freuen uns schon auf die Tour ...

Montag, 25. Oktober 2010

Auf nach Osteuropa

Heute ging der Brief an die weißrussische Botschaft heraus mit unseren Anträgen für ein Transitvisum, das am 23. und 24. Dezember 2010 gültig sein soll, damit meine Mutter und ich auf unserer Osteuropatour über Weihnachten und Silvester von Kiew (Ukraine) nach Vilnius (Litauen) durchstarten können, ohne großartig um Weißrussland herumzufahren ... Das Visum kostet 20 Euro und ich hoffe, dass es Ende dieser, Anfang nächster Woche bei mir ankommt.

Abgeschickt hat es meine Mutter, weil sie versehentlich meinen (und ihren) Pass mitgenommen hatte, als sie nach der Südamerika-Tour mit bei mir war. Ich fahre zwar in eineinhalb Wochen nach Hause, aber da wir ja noch das russische Visum beantragen müssen, ehe wir am 16. Dezember abreisen, wollte ich zeitlich auf der sicheren Seite sein.

Zwischenzeitlich haben wir auch schon Hotels gebucht: in Krakau, in Lemberg, in Odessa und in Kiew. Zwischen Lemberg und Odessa haben wir noch einen Tag Aufenthalt, voraussichtlich in Chisinau in Moldawien, von Kiew geht es dann über Minsk ins Baltikum, von dort nach Sankt Petersburg und dann Anfang 2011 zurück nach Deutschland. Vilnius, Kaunas, Riga und Warschau dürften auch eine Stippvisite von uns erleben.

Ich werde berichten, sobald die Visa da sind ...

Samstag, 23. Oktober 2010

Fotos


Hier noch ein paar Fotos: Machu Picchu, ein Lama dort, die Serpentinen bis zur Ruinenstadt, Fußball in La Paz mit Mauermarkierung, Strand in Arica/Nordchile, World of Coca Cola, CNN Center

Samstag, 16. Oktober 2010

Wieder daheim

So, ich bin wieder gut zuhause angekommen.

Nach einem Spaziergang durch Santiago de Chile, auf die Plaza de armas und den Zentralfriedhof ging ich gegen 16 Uhr (chilenischer Zeit) am Donnerstag zurück zu meinem Hostel und surfte dort noch ein wenig im Internet. Ziemlich genau um 17.30 Uhr kam mein Bus, das Einchecken ging einigermaßen langsam, aber war zu überleben, sodass ich dann auf meinen Flug wartete. Ziemlich pünktlich flogen wir ab und landeten sehr pünktlich in Atlanta um 6 Uhr morgens.

Zu dieser frühen Stunde war noch wenig los, sodass die Einreise recht zügig ging und auch der Zoll und die Sicherheitskontrolle war schnell hinter mich gebracht, auch wenn die Tatsache, dass ich ohne Gepäck reiste, bei gleich zwei Zöllnern zunächst für hochgezogene Augenbrauen sorgte, was sich aber recht schnell aufklärte.

Ich fuhr mit MARTA, der U-Bahn, in die Innenstadt. Ein obdachloser Schwarzer sprach mich an, was ich suchte, und führte mich dann in Richtung World of Coca Cola. Unterwegs erzählte er mir, dass er schon zweimal wegen des Übertretens einer roten Fußgängerampel für jeweils 30 Tage im Knast gesessen habe, weil er die 200 Dollar strafe nicht habe aufbringen können. Er erzählte etwas von der Bibel und von guten Menschen und war trotzdem ungehalten, als ich ihm für seine Dienste nur einen einzigen Dollar, mein letztes Dollar-Bargeld, zahlen konnte. Pech gehabt ...

Die World of Coca Cola war noch zu, sodass ich einen Rundgang durch den Centennial Park zum CNN-Gebäude und wieder zurück machte, bis um 9 Uhr die World of Coca Cola öffnete. Die Wachleute kannten mich bereits vom Warten, sodass ich die insgesamt doch eher für Kinder gemachte Ausstellung zügig betreten konnte. Ich war überrascht ob der doch relativ vielen (und alten) deutschsprachigen Werbeschilder ... In der Probierabteilung, wo ich herausfand, dass Mezzo Mix eine in Deutschland ansässige Marke ist, übertrieb ich es ein wenig, aber zu gut schmeckte manche Brause aus Paraguay oder Uganda. Im Shop kaufte ich natürlich ein wenig ein und marschierte dann herüber ins CNN-Gebäude, wo ich eine Führung, die durchaus interessant war, mitmachte.

Nach kurzem Überlegen, ob ich in der Stadt etwas esse, entschied ich mich dagegen, verlief mich kurzzeitig und fuhr dann aber wohlbehalten zurück zum Flughafen. Wieder wurde ich zum Nacktscanner herausgezogen, wieder ging alles glatt. Ich kaufte mir dann zum Zeitvertreib noch ein Time Magazine und wartete auf den Heimflug.

Der ging recht pünktlich, ein ereignisloser Flug neben einem sympathischen in den USA lebenden Deutschen, bis ich gegen 8 Uhr heute Morgen in München ankam. Dort gingen Einreise und Gepäckausgabe leidlich schnell, sodass ich meine Mutter bald in meine Arme schließen konnte. Die Rückfahrt nach Jena war ebenfalls unproblematisch bis auf den Regen, und jetzt sitze ich in meiner Wohnung und schreibe diese Zeilen. Gleich geht es zum wohlverdienten Mittagessen.

Das war's mit Südamerika und Atlanta.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Letzter Eintrag aus Amerika

So, guten Morgen! Bin gerade wachgeworden, hier ist es jetzt kurz nach acht morgens. Ich werde mein Gepäck hier im Hostel unterstellen und dann noch ein wenig durch Santiago marschieren, ehe ich dann gegen 17 Uhr zum Flughafen will, weil mein Flug um 21 Uhr (2 Uhr morgen deutscher Zeit) geht. Um 6 Uhr morgen (12 Uhr deutscher Zeit) werde ich in Atlanta ankommen und um 16.40 Uhr (22.40 Uhr deutscher Zeit) geht es von dort weiter, sodass ich am Samstag Morgen um halb acht oder so in München ankomme und dort hoffentlich von meiner Ma in Empfang genommen werde.

Ich werde meinen Rechner ins Gepäck geben, sodass ich in Atlanta völlig frei bin und nichts herumzuschleppen brauche. Ich bin gespannt, ob ich nochmal einen US-Stempel in den Pass gedrückt kriege ...

Also, der letzte Post zu dieser Reise kommt dann schon wieder aus Deutschland.

Letzte Vorbereitungen

So, heute habe ich nach gemütlichem Frühstück gegen 11.30 Uhr den Weg nach Valparaíso angetreten. Für die Busfahrt dorthin habe ich in einer Sonderaktion genau 1.000 Pesos (1,50 €) gezahlt, für eine zweistündige Busfahrt!

In Valparaíso bin ich wieder im "Anita" essen gewesen, auch meine Bedienung hat mich wiedererkannt. Es gab wieder lecker Fisch und drei Bier. Danach wartete ich darauf, dass Hannah sich meldet, bis ich sie dann anrief und wir uns trafen. Nach einigem Geplauder ging es dann zurück nach Santiago, wo ich jetzt wieder im Hotelbett liege und früh ins Bett gehe.

Heute also nicht viel passiert, morgen (14.) Abend geht es heim. Inzwischen freue ich mich wieder auf mein eigenes Bett und deutsches Essen ...

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Bild des Tages

Bitte auch den Artikel im Post davor lesen.

Wer unter Flugangst leidet, sollte das folgende Bild bitte nicht angucken.









Das war bei der Zwischenlandung in Antofagasta. Das Teil geht dann nachher wieder zurück und ist nur Teil des Bremsvorgangs (ich vermute, damit die Luft aus der Düse nach oben und nicht nach hinten geleitet wird), aber als ich das gesehen habe, ist auch mir im ersten Moment nicht klar gewesen, ob das alles seine Richtigkeit hat ...

Endgültig auf dem Heimweg

Heute Morgen wollte ich eigentlich einigermaßen ausschlafen, bin aber doch schon um kurz vor acht wachgeworden. Ungewaschen schlüpfte ich in mein "Strandhemd", das gestern dazu bestimmt worden war, und schlurfte zum Strand. Es waren zwar etliche Menschen schon unterwegs (vor allem Soldaten vom chilenischen Heer), aber keiner im Wasser. Das hatte auch durchaus seinen Grund: Das Wasser war einigermaßen kalt. Nach ein paar sehr erfrischenden Minuten verließ ich vorläufig das letzte Mal den Pazifik und begab mich zurück zum Hostel.

Dort duschte ich, frühstückte durchaus gut und setzte mich dann in den Aufenthaltsraum, weil ich erst um 13 Uhr zum Flughafen fahren wollte. Meine Hausherrin besorgte mir einen (zwar teuren, aber dafür sehr freundlichen) Transferfahrer, fragte zum Abschluss noch, ob ich denn schon gezahlt hätte (hatte ich gestern schon), nachdem sie insgesamt einen etwas, ähem, vergesslichen Eindruck gemacht hatte. Am Flughafen wartete ich erstmal ewig und wurde erstmals an einem Flughafen unsicher, wann mein Flug ginge, weil die entweder in der Anzeigetafel Abflüge und Ankünfte verwechselt hatten oder was weiß ich. Jedenfalls sollte mein Flug um 15.10 Uhr gehen, schlussendlich hieß es am Bag Drop 16.20 Uhr oder so.

Jedenfalls begab ich mich durch die Sicherheitskontrolle und setzte mich hin. Ich fand eine Steckdose und auch einen HotSpot und surfte mit SkypeAccess, was mich aber beschiss, ein wenig, damit ich wenigstens wusste, wie Deutschland gespielt hatte. Der Flieger kam aber erst gegen 17 Uhr und Abflug war erst 17.30 Uhr, sodass wir erst um 18.20 Uhr oder so in Antofasgasta landeten.

Das Ein- und Aussteigen ging schnell und wir waren schon vom Gate weggerollt, als ein Passagier sich mit der Stewardess anlegte. Das bekam seinen Reiseplänen nicht gut, da wir zurück ans Gate rollte, der Passagier aus dem Flieger geholt wurde und es erst danach gen Santiago ging, wo wir um 21 Uhr statt um 18.30 Uhr wie geplant ankamen ...

Der Rest des Weges ging problemlos, mit dem Bus in die Stadt, mit der U-Bahn bis in die Nähe meines heute Vormittag gebuchten Hostels, dann zu Fuß weiter. Als ich ankam, wurde ich auf Deutsch angesprochen: Der Chef hier ist Deutscher. Sehr schön, mal wieder heimatliche Klänge zu hören ...

Bei einem Bier sitze ich jetzt hier und verfolge die Rettung der Bergleute in Copiapó, aber ich werde dabei voraussichtlich nicht alt werden.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Schwimmen im Südpazifik

Heute habe ich zum ersten Mal im Südpazifik gebadet (im Nordpazifik war ich schon 2001 bei meinem Besuch bei unserem chinesischen Austauschschüler in Qingdao).

Aber von Anfang an: Sehr früh aufgestanden heute in La Paz, den Nachtwächter geweckt, von dem noch eine Rechnung in die Hand gedrückt bekommen (hatte gestern schon gezahlt), dann zum Taxi, das vor dem Hotel wartete. Nach einer kurzen Fahrt gegen 5.20 Uhr am Terminal terrestre angekommen, nach kurzem Herumfragen auch an den Schalter für den Bus nach Arica gekommen. Für 80 Bolivianos (8 €) habe ich dann meine Fahrkarte erstanden. Abfahrt, wie eigentlich immer pünktlich (anfangs überraschend für mich), um 6.00 Uhr. Nach Aufladen von einigen Passagieren in El Alto (hoch gelegener Vorort von La Paz) und entlang der Strecke ging die Fahrt über den Altiplano, das andine Hochland. Den bolivianischen Stempel bekommt man erst, wenn man schon kilometerweit in Chile ist: Aussteigen, Ausreisestempel Bolivien holen, einsteigen, der Bus fährt zehn (!) Meter weiter, aussteigen, Gepäck rausholen, Einreisestempel Chile abholen, durch Zollkontrole (Einfuhr tierischer und pflanzlicher Produkte nach Chile streng reglementiert), Zeug in Bus einladen, weiterfahren.

Ich hatte vorgestern den Pass auf 4.338 m zum "Höhepunkt" meines Lebens erklärt. Das ist schon wieder hinfällig ... Der Lago Chungará, an dem wir vorbeifuhren, liegt auf 4.570 m. Und wir fuhren nach ein bisschen höher auf der Straße. Landschaft im Altiplano wie auf der nun folgenden Abfahrt bizarr-schön. Auf etwa 600 Metern fängt dann plötzlich entlang eines Flüsschens ein Grünstreifen an, durch den man fährt. Sehr, sehr schön.

Achso, die Bahnstrecke zwischen La Paz und Arica ist wirklich, wirklich, wirklich eingestellt. Die Gleise sind schon zum Teil überwuchert, da ist schon lange kein Zug mehr gefahren ...

Dann Ankunft in Arica am Busbahnhof, in das Hotel, das von beiden Reiseführern (Chile und Peru/Bolivien) euphorisch gelobt wird, Zimmer noch frei gewesen für 15, 16 Euro mit eigenem Bad. Beim Ausfüllen des Meldezettels auch Abfrage nach Reiseführern. Mit "Riesse Know How" war wohl mein Reise-Know-How-Führer gemeint ...

Unmittelbar danach an den Strand, der etwa fünf Minuten vom Hostel weg ist. Ein wenig kühl, aber sehr erfrischend (heute Morgen auf viereinhalbtausend Metern brauchte ich erstmals wirklich meinen Anorak, danach wurde es tiefer werdend immer heißer). Danach in Strandnähe ein Bier getrunken (ein südchilenisches Austral, die Brauerei wurde von einem deutschen Braumeister namens José Fischer gegründet). Ins Hostel, geduscht und auf in die Stadt. Zu Fuß 20 Minuten oder so, war ein schöner Spaziergang am Pazifik entlang.

Arica ist in der Tat ein wenig verschlafen, wenn auch nicht so heruntergekommen, wie es der Reiseführer schreibt. Die Verschlafenheit rührte vielleicht auch daher, dass heute Feiertag war (wenn ich das richtig verstanden habe): Der 12. Oktober ist eigentlich der Feiertag (Entdeckung Amerikas durch Kolumbus), aber da man überlange Wochenenden (Freitag bis Dienstag mit Brückentag Montag) vermeiden will, verschiebt man in Chile manche Feiertage wie diesen einfach auf den Montag davor, also auf heute. Das hatte zur Folge, dass heute nur ganz wenige Gaststätten aufhatten (dafür praktisch alle Drogerien ...). Anstatt Fisch am Meer ging ich dann also nach langem Suchen in eine Kneipe, die in ungefähr das Flair des Cheers in Jena hat: Viele Plakate (hier in etwa gleichviele von Filmen wie von Sportereignissen), viel Bier, deftiges Essen. Dort wieder eine Chorrillana gegessen und zwei große Bier getrunken (es bleibt dabei, chilenisches Bier schmeckt nicht so wirklich ...) und am Ende mit Trinkgeld 11 Euro gezahlt.

Der Spaziergang zurück ins Hostel kam mir schneller vor als der Hinweg ...

Morgen Früh werde ich wahrscheinlich nochmal schwimmen gehen, dann das berühmte all-you-can-eat-Frühstück hier genießen und dann gegen 13 Uhr zum Flughafen fahren.

Achso, und nebenbei. Das Gendermainstreaming (furchtbares Wort, unnötiger Inhalt) scheint auch in den spanischsprachigen Ländern so langsam um sich zu greifen. Allerdings haben die Bolivianer das durchaus kreativ gemacht: Während "niños" herkömmlich sowohl "niños" (Jungs) wie "niñas" (Mädchen) einschließt, wurde das dann am Nationaltheater in einem Plaket einfach als "niñ@s" geschrieben ...

Fotos: Der den Lago Chungará überragende Vulkan Sajama (6520 m), meine vom höheren Luftdruck in Meereshöhe deutlich eingedrückte Wasserflasche und der Blick auf den Strand in Arica

Montag, 11. Oktober 2010

Die Stadt des Friedens

Man beachte bitte den ausgebauten Artikel zu gestern .

Friedlich habe ich heute in La Paz (paz heißt auf Spanisch "Frieden") erst einmal einigermaßen ausgeschlafen, bis ich dann gegen 8.30 Uhr bolivianischer Zeit aufstand, duschte und dann ins Hotelrestaurant zum Frühstücken ging. Es gab sogar ganz schmackhaftes Brötchen mit Marmelade, Orangensaft und den unvermeidlichen mate de coca. Heute war das aber wirklich sinnvoll, da ich doch ein paar Schritte gehen wollte und der Reiseführer ganz doll arg vor der Höhenkrankheit warnte.

Danach verließ ich das Hotel und ging erst einmal in die falsche Richtung, nämlich nach oben, obwohl ich zum Prado wollte, der Hauptstraße von La Paz. Ich merkte meinen Fehler glücklicherweise relativ schnell, hatte aber schon einen Indígena-Markt begutachtet, auf dem frisches Gemüse verkauft wurde. Wechselstuben fand ich hingegen leider keine, sodass ich dann doch an den Geldautomaten ging und umgerechnet für 50 Euro Bolivianos abhob; hoffentlich sind die Gebühren nicht mindestens genauso hoch ...

Danach ging ich wieder die paar Schritte runter zur Plaza San Francisco und betrat auch die dort gelegene Kirche. Da gerade der Gottesdienst anfing, konnte ich keinen allzugroßen Rundgang machte, aber was ich gesehen habe, war toll. Nicht ohne Grund spricht der Reiseführer von einer der schönsten Kirchen von La Paz.

Danach lief ich ein wenig den Prado hinunter zum Reiterstandbild von Simón Bolívar. Hm, ja, ganz hübsch. Anschließend lief ich zur Plaza Murillo, an dem das Parlament und der Präsidentenpalast liegen (obwohl La Paz offiziell nicht Hauptstadt von Bolivien ist). Dort spielte gerade eine Polizeikapelle, auch schick ... Anschließend wanderte ich noch ein wenig in der Altstadt und im Indígena-Viertel herum, ehe ich essen ging.

Diesmal verirrte sich ein Lama auf meinen Teller, zum ersten Mal ein richtiges Steak, medium gebraten, sehr lecker, wenn auch ein wenig zäh, aber das kann auch an dem schlechten Messer gelegen haben ... Dazu gab es Bier aus La Paz, was wenig überraschend Paceña heißt. Durchaus trinkbar.

Auf diese Weise überbrückte ich den Regen, und als der Regen aufgehört hatte, ging ich ein wenig auf die Jagd nach Mitbringseln. Ich habe, glaube ich, ein paar ganz akzeptable, zum Teil auch lustige Sachen gefunden ...

Eigentlich wollte ich danach auf mein Zimmer und den Tag sehr früh ausklingen lassen, aber dann entdeckte ich gegen 14.30 Uhr, dass um 16 Uhr ein Fußball-Erstligaspiel hier war. Schnell wieder angezogen fragte ich erst einmal den Concierge, wo denn das Spiel heute sei, denn der Club Bolívar spielt manchmal in einem, manchmal in einem anderen Stadion. Da ich deiner Antwort nicht so ganz traute, kaufte ich mir eine Zeitung, und siehe da, das Spiel fand in dem anderen Stadion stand, im Estadio Hernando Siles Zuazo, einem der höchstgelegenen Stadien der Welt. Also machte ich mich mit dem Colectivo auf den Weg zum Stadion, wo ich gegen 15 Uhr ankam. Da ich nicht unbedingt in die Kurve wollte, ging ich einmal ums Stadion herum zur Gegentribüne, wo ich eine Karte für 20 Bolivianos (2 Euro) erstand, wobei mich der Kassierer bescheißen wollte: Ich hatte ihm einen Hunderter gegeben und er gab mir ein Bündel Scheine zurück, an dem außen Zwanziger waren. Ich zählte aber nach, und siehe da, in der Mitte war nur ein Zehner. War natürlich ein Versehen ...

Ich war kaum im Stadion, als es wieder anfing zu regnen. Ich kaufte mir für 50 Cent einen Regenschutz und verfolgte das Vorspiel zwischen zwei Reservemannschaften. Ich wartete darauf, dass die Mannschaften zum Aufwärmen kämen, aber Pustekuchen; die schienen sich außerhalb des Stadions aufgewärmt zu haben.

Der Schiedsrichter kam fünf Minuten vor Spielbeginn auf den Platz, von den Spielern keine Spur. Der Schiedsrichter wurde interviewt (!), keine Spieler da. Dann, allmählich, kamen die Spieler von Bolívar auf den Platz, ein paar Minuten später auch die gegnerische Mannschaft von Guabirá.

Interessante Sachen: Zuallererst natürlich das Spray, mit dem der Schiedsrichter den Freistoßpunkt und den Mauerabstand markierte. Ich hatte schonmal davon gehört, aber das mit eigenen Augen zu sehen, war schon sehr lustig. Das Spiel an sich war sehr unterhaltsam (4:2 am Ende für Bolívar, nachdem Guabirá 1:0 und 2:1 geführt hatte), mit zwei Elfmetern (einem verschossenen) für Bolívar, unzähligen gelben, aber nur einer gelb-roten Karte in der 90. Minute. Es gab teilweise katastrophale Fehlpässe, aus denen ein oder zwei Tore und nochmal ein oder zwei Riesenchancen entstanden; Schauspielerei, Rudelbildung und Blutgrätschen am laufenden Band. In Deutschland wären in dem Spiel wahrscheinlich fünf Leute vorzeitig vom Platz gegangen. Vom Niveau her vielleicht dritte Liga, aber so katastrophale Fehlpässe in Serie spielt selbst Carl Zeiss Jena nur in schlechten Tagen. Der Schiedsrichter wurde zur Halbzeit von Polizisten mit Helm und Schild in die Kabine eskortiert!

Danach lief ich das Stück nach Hause in der Dämmerung, gut behütet mit einer Bolívar-Schildmütze, die ich für 15 Bolivianos, also 1,50 €, erworben hatte ...

Jetzt sitze ich in der Hotellobby, weil hier die Verbindung besser ist, und trinke heute wahrscheinlich doch kein Bierchen mehr. Mal sehen.

Kleine ÖP(N)V-Kunde Südamerika: Das Bussystem ist sehr gut ausgebaut, man kommt (zumindest national) völlig problemlos von A nach B, und fährt oft in modernen bis modernsten Bussen, mit Schlafsitzen, Videoprogramm und allem drum und dran. Auch international klappt das mit den Bussen meistens ganz gut (hoffentlich morgen auch nochmal, wenn ich von La Paz zurück nach Arica) fahre. Züge sind in Südamerika eher selten, und wenn, dann sauteuer.
Im Nahverkehr gibt es natürlich Taxis, die sogar einigermaßen günstig sind. Dazu kommen Colectivos und Micros, das sind Taxis und mehr oder weniger kleine Busse, die eine feste Strecke abfahren, einen festen Preis verlangen und bei denen man entlang der Strecke beliebig auf- und abspringen kann. Die Dinger gibt es eigentlich überall auf der Welt, in der Türkei heißen die Dolmuş, in anderen Ländern wieder ganz anders. Es ist nicht unbedingt die bequemste Art zu reisen, da man recht eng gequetscht sitzt, vielleicht nicht die sicherste (die wenigstens sind angeschnallt, und gestern in La Paz ging es ganz schön steil runter, sodass ich meinem Vordermann ziemlich wörtlich im Nacken hing; größeres Gepäck wird auf das Gefährt geschnallt), aber wohl die ziemlich günstigste (gestern für die Zwei-Stunden-Fahrt von Desaguadero nach La Paz 15 Bolivianos, 1,50 €).
In Puno habe ich sogar Fahrrad- und Moto-Rikschas gesehen (weiß nicht, wie die in Peru heißen), mit denen kann man dann kurze Strecken fahren, atmet aber auf alle Fälle die Abgase der anderen ein ...

Fotos, wenn die Verbindung besser ist bzw. bei Facebook für meine Freunde.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Höhepunkte ...

Dieser Post wurde am Tag danach ein wenig erweitert.

So, ich bin sehr müde und geschafft, weil heute ein anstrengender, zudem stressiger Tag war und weil die Mückenstiche immer noch jucken. Aber: Ich habe heute auch sehr viel Schönes gesehen und bin schlussendlich gut in La Paz, Bolivien, gelandet. Bolivien ist mein 67. Land ...

Nach frühem Aufstehen heute Morgen holte mich meine Reisebürotante vom Hotel ab und trug mir den Koffer schneller ins Taxi als ich gucken konnte ... Danach fuhren wir zum Busterminal, wo sie sich um meine Fahrt kümmern sollte. Natürlich fiel meine Fahrt um 7.15 Uhr aus, weil der Motor des Busses kaputt war. Immerhin buchte sie mir einen Ersatzbus, der aber erst um 8 Uhr fuhr.

In den stieg ich nun ein (war gar nicht mal so furchbar schlecht) und wir fuhren nicht gerade superschnell in Richtung Puno. Dabei hatte hatte man eine sehr schöne Aussicht auf den Altiplano, das Hochland zwischen Peru und Bolivien, mal wieder ein ganz andere Landschaft, aber auch durchaus faszinierend. Während der Fahrt erreichten wir auch den höchsten Punkt meiner Reise in Abre La Raya mit 4438 m. Ich glaube, so hoch war ich in meinem Leben an Land noch nie. In gewisser Weise war das also ein Höhepunkt meines Lebens ... Man merkte deutlich, wie die Gespräche mit laufendem Anstieg immer mehr abnahmen, die Leute mehr tranken, mehr husteten. Selbst der dauerlabernde Amerikaner auf der Sitzreihe neben mir hörte auf zu erzählen und machte seiner Freundin damit eine große Freude ...

Von vier verschiedenen Leuten waren mir fünf verschiedene Grenzschließungszeiten genannt worden, und als wir um 14 Uhr immer noch nicht in Puno waren, wurde ich so langsam kribbelig, weil die Angaben über die Grenzschließungszeit zwischen 17 Uhr und 19 Uhr schwankten und von Puno mindestens noch einmal zwei Stunden Fahrt zum Grenzort Desaguadero eingeplant werden mussten.

Jedenfalls kamen wir ziemlich genau 15 Uhr an, mein Gepäck war natürlich ganz hinten im Kofferraum und Busse fuhren auch keine mehr. Ich machte mich also auf den Weg nach den Collectivos, die diese Strecke noch fahren sollte. Dank der freundlichen Mithilfe eines Punoers (?) fand ich relativ zügig das Collectivo-Terminal und sogar einen Collectivo zur Grenzstadt, der auch halb gefüllt war.

Der Collectivo füllte sich und gegen 16 Uhr fuhren wir los. Unterwegs gab es wirklich grandiose Ausblick auf den Titicaca-See. Toll! Ich hatte natürlich den größten und langsamsten Collectivo von ganz Südamerika herausgesucht, sodass wir erst so gegen 18.45 Uhr in Desaguadero ankamen. Von dort war es wenigstens nur ein kurzer Weg zur Grenze. Und, Gott sei Dank war noch auf, und zwar bis 19.30 Uhr (peruanischer Zeit).

So eine Grenze habe ich nie gesehen: Wenn du das willst, kannst du einfach über die Grenze laufen, weil keine Absperrungen, kein gar nichts da sind, nur ein Schild am Straßenrand, dass man sich doch gefälligst zur Einholung von Aus- bzw. Einreisestempeln bei den Grenzern melden soll. Zoll? Nichts zu sehen.

Ich holte mir den peruanischen Ausreisestempel, schlenderte über die Grenze und wurde ums Zollgebäude herumgeschickt (auf meine Frage hin!), um meinen Einreisestempel abzuholen. Entgegen der Auskunft des Auswärtigen Amtes musste ich doch einen dieser bürokratischen Meldezettel ausfüllen, den kein Grenzer der Welt genauer anschaut, aber sei's drum.

Ein paar Meter weiter standen schon die Collectivos, doch durch Zeitumstellung war es schon 20.10 Uhr (bolivianischer Zeit) und außerdem dunkel, sodass keine Wechselstube mehr auf hatte. Mir wurde empfohlen, zurück nach Peru zu gehen und dort zu wechseln, aber das war mir dann wirklich zu heiß. Natürlich, das hätte keine Sau gemerkt, aber am Ende drehen sie dir einen Strick mit illegaler Einreise draus.

Ich ging zu den Collectivos hin und fragte, ob sie auch Pesos oder Dollar annehmen, als sich ein Amerikaner (wie ich dachte) einmischte. Er nahm mich unter seine Fittiche und wir kamen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er als Sohn eines Peruaners und einer Bolivianerin (oder andersherum) in La Paz geboren wurde, aber mit 19 nach Boston zum Studium ging und letztes Jahr zurück nach Südamerika kam, um hier zu arbeiten und der Liebe wegen.

Er und seine Frau nahmen mich dann auch (im Taxi) zu meinem Hotel mit; und er wird möglicherweise morgen im Hotel anrufen, damit wir eine Tour durch La Paz machen. Sehr sympathisch, dieser Mensch. Auf dem Weg nach La Paz hatten wir von der "Vorstadt" El Alto einen fantastischen Ausblick auf die hell erleuchtete Stadt. Leider bekam ich meinen Blitz am Fotoapparat nicht so schnell ausgeschaltet, als dass ich das hätte einfangen können. Schade.

Mein Hotel wurde in meinem Uralt-Reiseführer (2004) noch empfohlen, inzwischen liegt zumindest das Bad hart an der Grenze zur Ekelhaftigkeit. Aber ich wollte um 22.30 Uhr nicht noch durch La Paz marschieren, und das Bett ist wenigstens sauber, wenn auch hart. Aber zwei Nächte hier werden mich hoffentlich auch nicht umbringen, zumal ich nur sieben Euro pro Nacht zahle.

Samstag, 9. Oktober 2010

Unbeschreiblich

Gestern haben mich die doofen Mücken in dem Thermalbad doch ganz schön zerstochen, aber ich habe das erst gemerkt, als ich auf dem Weg ins Bett war und mein Unterhemd auszog. Viecher! Dennoch hoffe ich, es zu überleben.

Heute Morgen bin ich dann mal wieder sehr früh aufgestanden (4.45 Uhr) und habe nach kleinem Frühstück den Weg nach unten zur Busstation angetreten. Gegen 6.10 Uhr fuhr ein Bus, den ich prompt nahm, sodass ich gegen 6.30 Uhr oben am Eingang nach Machu Picchu war. Ich begab mich natürlich, wie es der Reiseführer empfiehlt, direkt zum Aussichtspunkt. Und, äh, naja, halleluja! Der Blick vom Aussichtspunkt auf Machu Picchu und den Berg Waynapicchu ist einfach fantastisch. Klar, man hat vorher hundertmal das Bild gesehen, das von dort oben gemacht wird, aber wenn man selber da oben steht und den Blick genießen kann, ist das nochmal eine ganz andere Kategorie. Überwältigend, in der Tat ... Ich stand sicher zwanzig, dreißig Minuten da oben und konnte mich nicht satt sehen, zumal dann kurzzeitig auch Nebel aufzog, die Ruinenstadt verdeckte und man dann, als der Nebel sich wieder verzog, nochmal einen ganz neuen Blick bekam. Toll!

Danach begab ich mich hinunter zum Sonnentor, besuchte den Palast des Inkas und die diversen Tempel der Oberstadt, ging zum Heiligen Felsen und machte mich auf den Rückweg durch die Unterstadt, den Bereich der mehr oder weniger "einfachen" Einwohner Machu Picchus. Den Aufstieg zum Waynapicchu ließ ich sein, da der Reiseführer davor warnte, dass am Ende hin zum Gipfel 30 Meter mehr oder weniger leiterartig nach oben gehen. Da ich schon nasse Hände kriege, wenn ich Kletterer im Fernsehen sehe, und außerdem ein Schulkamerad vor nicht allzulanger Zeit in den Bergen abgestürzt ist, hatte ich doch zu große Skrupel. Nicht, dass ich zu faul gewesen wäre, den zweistündigen Aufstieg um 300 Höhenmeter auf mich zu nehmen ...

Es ist einfach beeindruckend, wie gut die Mauern fast 500 Jahre nach dem Untergang des Inka-Reiches noch erhalten sind, wie die Terrassen immer noch halten. Machu Picchu ist schwierig zu beschreiben, weil es zu faszinierend ist, dort oben, mitten in den Bergen, unter den Wolken, zu stehen und herumzulaufen, sich vorzustellen, wie hier vor 500, 600 Jahren die Leute gelebt, gearbeitet, religiöse Feste gefeiert haben. Schlicht und einfach krass.

Ich hatte extra nur die Fahrt mit dem Bus nach oben gebucht, weil ich den Rückweg zu Fuß gehen wolte: Es gibt einen Fußweg zwischen Aguas Calientes und Machu Picchu, der Reiseführer schreibt von etwa 1750 Stufen. Das wollte ich mir aufwärts definitiv nicht antun, aber nach unten wollte ich es wagen. Wie so oft hatte ich aber die Länge des Weges, die Wärme und die Luftfeuchtigkeit unterschätzt, sodass ich schon nach einer halben Stunde nassgeschwitzt war. Wie soll es bloß dem Kerl gegangen sein, der mir auf dem Weg nach oben entgegenkam?! Jedenfalls war ich froh, gegen Mittag dann wieder in Aguas Calientes anzukommen. Dort holte ich mein Gepäck im Hotel ab und begab mich in ein Lokal, deren Inhaberin mir zusagte, das EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen die Türkei zu zeigen. Dazu kam dann extra ein Mann, der einige Mühe hatte, den Fernseher einzurichten, aber schlussendlich klappte es. In Aguas Calientes gibt es häufig Tourist Menus für 15 Soles plus Tax, ungefähr 4 Euro. Dazu genehmigte ich mir eine Happy Hour, wo es vier Getränke (Pisco Sour, aber auch einige Cocktails und auch Biere "chicas", also 330 ml) für 20 Soles (ungefähr 5,50 Euro) gibt. Am Ende kam ich mit Essen und fünf Bier auf 47 Soles (13 Euro). Das ist, denke ich, erträglich, zumal der Alpaka-Braten wieder einmal sehr lecker war.

Danach ging ich einigermaßen aufrecht hinunter zum Bahnsteig, wo mein Zug pünktlich abfuhr. Es ist lustig, wie unkompliziert hier alle Touristen ihre Plätze tauschen, damit die, die zusammengehören, auch zusammensitzen können ...

Bin dann nach langer Fahrt in Poroy angekommen, habe mir mit zwei Deutschen und zwei Kolumbianern das Taxi geteilt und bin gut wieder in meiner Unterkunft angekommen. Die Dame vom Reisebüro war gerade da; sie holt mich morgen um 6.40 Uhr ab. Ist nur recht so, weil sie ein gutes Geschäft mit mir gemacht hat ... Es gab nur ein kleines Problem beim Bezahlen des Hotels: Ich hatte nicht mehr genügend US-Dollar; den Euro haben sie zwar erst komisch angeguckt, als ob es die Währung von Dschibuti wäre, aber dann doch angenommen ...

Bilder bei Facebook und später.

Freitag, 8. Oktober 2010

Aguas Calientes

So, ich bin heute Morgen um 5.15 Uhr aufgestanden (die Viertelstunde Kuscheln habe ich mir gegönnt) und habe geduscht, sodass ich ziemlich genau um sechs Uhr fertig war. Mit meinem Gastwirt hatte ich schon besprochen, dass ich mein Gepäck beim ihm lassen kann, und heute Morgen war sein Sohn oder so da, der mich auscheckte. Nach kurzem Suchen des Schlüssels (ich fand ihn dann in meinem Gepäck ...) verließ ich mit Laptop-Tasche und zwei Plastiktüten (!) bepackt das Hostel. In der einen Plastiktüte war der Reiseführer und was zu trinken, in der anderen Wechselunterwäsche und mein Kulturbeutel. Man braucht ja nicht viel für eine Übernachtung.

Nach erfolgreichem Suchen und Besteigen eines Taxis fuhr mich dieses, unterbrochen von einem Umweg, weil die Straße gesperrt war, zum Bahnhof in Poroy, wo ich noch gut Zeit hatte, da mein Zug erst um dreiviertel acht (7.45 Uhr für Nord- und Westdeutsche) fuhr. Im Zug, von dem man in den dreieinhalb Stunden Fahrt durchaus interessante Aussichten in die Gegend hat, kam ich mit einem offenkundig frisch verliebten, mittelalten US-peruanischen Pärchen ins Gespräch, das mir von ihren Problemen mit der Höhenkrankheit erzählte. Er war gestern sogar in der Klinik, und der Besuch von Machu Picchu stand auf der Kippe, bis er sich nach 15 Minuten Sauerstoff doch noch erholte ... Sie neckte ihn ab und zu mit so einem spöttischen "America is great", worauf er, der Ironie durchaus mächtig, knochentrocken zurückgab: "Yep, America's perfect". Sehr sympathisch, zumal er den Trip heute vor allem deswegen mitmachte, um nicht seinen Schwiegereltern (in spe) sagen zu müssen: "Ja, wir waren in Peru, aber nicht in Machu Picchu, weil ich zu krank war ..."

Nach relativ kurzem Suchen den Berg hinauf fand ich mein Hostel in einer Seitengasse: Sehr schön, sehr sauber, so neu, dass der dritte Stock noch im Bau ist (was man aber nicht merkt!). Frühstück zwischen 4 und 8 Uhr, Check-out bis um 9 Uhr, das habe ich so auch noch selten erlebt, aber ist nachvollziehbar, weil ja doch die meisten, die in Aguas Calientes übernachten, dann morgens früh hoch zum Machu Picchu gehen, wenn die ganzen Tagestouristen noch nicht da sind (und was auch ich so halten werde).

Nach meinem Mittagessen (in der Karte steht 38 Soles für mein Alpaka-Steak, die Schlepperin vor dem Lokal sagt 20 mit Wein, am Ende sind es 20 mit Wein, aber auch mit Steuer, also etwa 24 Soles, weniger als sieben Euro, auch nicht dramatisch schlimm) ging ich dann mit kurzem Stopp im Hotel zwecks Badehoseholen zu den dem Ort den Namen gebenden Aguas calientes, den heißen Quellen. Für 10 Soles Eintritt (plus 3 Soles Handtuchmiete) kriegt man sieben kleine, aber feine Becken, die unterschiedliche Temperaturen haben (ein saukaltes, drei, vier lauwarme, zwei ziemlich warme) und (außer den ganz warmen) nicht wirklich überfüllt sind. Als sich dann aber nach eineinhalb Stunden Genießen in den 30 Quadratmetern des (größeren!) warmen Beckens grob geschätzt ebensoviele Menschen aufhielten, wurde es mir dann doch zu voll, sodass ich nach einem Abstecher in die Bar (die auch durchaus Getränke an den Beckenrand bringt) die fünf Minuten zurück zu meinem Hotel lief.

Ich brachte meine Badehose zurück ins Hotel, ging zum Abendessen (wieso muss man hier in Aguas Calientes immer um die Steuer verhandeln [!], während in Cuzco und Arequipa die Steuer ganz selbstverständlich mit im Preis drin ist?) und trank ein Absackerbier und sitze nun in meinem Zimmer, da ich morgen ja doch früh rauswill.

Als Gruß in die Frauengasse eine kleine Bierkunde: In Chile habe ich bisher nur Escudo (hm, ist ein Lager, aber nicht gerade süffig, eher wässrig) und ein Kross (schwarz, kleine Brauerei, durchaus genießbar) getrunken. Hier in Peru sind die Biere Arequipeña und Cusceña (ich springe zwischen "Cuzco" und "Cusco" immer hin und her, wie man merkt) doch sehr lecker. Ein kleines Bier (330 ml) heißt übrigens "chica", also "Mädchen", das mittlere mit dem krummen Volumen von 620 ml heißt dann "mediana" oder "personal" und das große mit einem Liter oder so, hm, das heißt dann halt "grande". Manchmal, und gerade im Sprechen, ist mit "grande" aber auch das "mediana" gemeint, aber das kriegt man schon hin ...

Bilder: Blick aus dem Zug von Poroy (Cuzco) nach Aguas Calientes (Machu Picchu); Blick aus meinem Hotelzimmer

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Cuy bueno

Nein, nicht "cui bono", sondern "cuy bueno", also "Meerschweinchen gut". Das war es nämlich durchaus, als ich heute zum ersten Mal den großen Bruder des europäischen Hausmeerschweinchens verdrückt habe. Sieht, nunja, gewöhnungsbedürftig aus, manche Innereien schmecken auch sehr gewöhnungsbedürftig, aber alles in allem keine Erfahrung, die ich bereue. Freunde werden der cuy und ich aber trotzdem nicht mehr, dafür hat er sich zu sehr dagegen gewehrt, von mir aufgegessen zu werden, unter Aufbringung aller Knöchelchen und Sehnchen. Da lob ich mir das Alpaka-Geschnetzelte, das mein Mittagessen heute dargestellt hat. Schneiden, und gut is.

Aber von vorne: Nach guter Fahrt mit tatsächlich fast 180°-Liege (habe nur mit der Toilettentür gekämpft und den Bussteward fast gewürgt, als er gegen 22 Uhr, als ich schlafen wollte, mit Bingo - ja, Bingo! - anfing) kamen wir überraschend früh heute Morgen gegen 5.30 Uhr in Cuzco an. Mein mate de coca, also Coca-Tee, hatte durchaus eine beruhigende Wirkung, weil ich sogar mal zwei Stunden am Stück geschlafen habe. Ist trotzdem nicht ganz so angenehm wie im Flugzeug, weil ja der Bus ständig bremst und sich auch mal auf eine Kurvenfahrt einlässt, die man dann mitbekommt beim Schlafen, aber zu überleben ist es allemal.

Ließ mich dann von einem Taxifahrer zur Kirche Santa Teresa fahren, weil hier mein Hostel sein musste, was ich aber nicht wirklich fand. Nach einigem Herumirren und Polizisten- und Taxifahrer-Fragen resignierte ich schließlich und setzte mich auf die Plaza de armas. Dort nutzte ich die Internet-Verbindung eines noch nicht geöffneten Lokals und fand dann mit einiger Verspätung doch mein Hotel. Zum Glück war mein Zimmer schon frei, die sehr rührigen Hauseigentümer sprechen zwar kaum Englisch, aber mit meinem grauenhaften Spanisch können wir uns doch verständigen ... Dann war erstmal der Gang unter die Dusche angesagt, zumal mir zu allem Überfluss auch noch ein Vogelviech auf den Kopf ...

Danach Stadtrundgang, und, naja, wow. Allein die Plaza de armas ist toll mit der Kathedrale und, mal wieder, der Iglesia de la compañia, also der Kirche der Jesuiten, deren Altar so zwanzig Meter hoch und komplett golden/vergoldet ist. Auch interessant sind die Überbleibsel der Inka-Kultur. Auf dem zweiten Bild sieht man den berühmten zwölfeckigen Stein, der fugenlos in die Mauer integriert ist (da stehen dann alle davor und fotografieren, ich also auch). Auch die Qoricancha, der Sonnentempel der Inka hier in der Hauptstadt der Inka, war sehr beeindruckend, auch wenn Teile davon in der Santo-Domingo-Kirche verbaut worden sind, sodass heute ein eigenartiges Nebeneinander von Inka- und spanischer Kultur hier rumsteht.

Nach dem erwähnten Alpaka-Geschnetzelten in einer kleinen Kneipe etwas außerhalb des Touristengegend ging ich erstmal heim ins Hotel, weil ich einfach platt war: Mangel an Flüssigkeit in der Höhenlage hier (3.400 Meter) und Wärme waren zuviel für mich. Nach ein, zwei Stunden Pause ging es aber weiter.

Auf dem Rundgang kam mir ein Peruaner entgegen, der mich auf einmal nach einem Blick auf meinen Reiseführer auf Deutsch ansprach, woher ich denn käme. Als ich antwortete, dass ich aus Süddeutschland sei, nicht weit weg von der Schweizer Grenze, fing er an, feinstes Schweizerdeutsch zu parlieren. Ich hab mich schier weggeschmissen vor Lachen ...

Die Inka-Cola hier schmeckt so wie der Reiseführer sagt: nach flüssigen Gummibären. Und damit lecker.

In Südamerika (zumindest ist mir das sowohl in Chile als auch in Peru aufgefallen) scheint es so zu sein, dass an oder in den katholischen Kirchen die Landesflagge und die des Vatikans hängt. Sehr lustig ...

Ich bin jetzt eine Woche unterwegs und habe schon soviel gesehen: Atlanta, Valpaíso, Viña del Mar, einen kleinen Teil von Santiago, die Atacama, Arequipa und jetzt Cuzco. Und es kommt ja noch Einiges!

Apropos: Meine Busverbindung nach La Paz am Samstag wird lustig. Ich habe jetzt erst einmal ein Ticket nach Puno am Titicaca-See und muss dann gucken, dass ich weiterkomme, bevor die Grenze zwischen Peru und Bolivien schließt. Wird schon schief gehen ...

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Beinahe noch ein Fehler ...

Dieses Mal hatte ich Glück, dass meine Busgesellschaft Cruz del Sur, bei der ich mittlerweise fast Stammkunde bin und es zu bleiben gedenke, wenn alles so weiterläuft wie bisher, heute Morgen keinen Bus nach Cuzco im Angebot hatte, deswegen "musste" ich in Arequipa bleiben, obwohl ich hier nur wenige Stunden eingeplant hatte.

Ich bin trotzdem heute Morgen sehr früh aufgestanden, da ich gestern dann doch ebenfalls recht früh ins Bett gegangen und außerdem noch im meinem Hotel ein mittelprächtiger Knall alle Gäste aufweckte, ich vermute mal, dass es sich um einen Wasserrohrbruch handelte, da in meine Dusche dann auch Wasser lief ...

Jedenfalls machte ich mich dann zeitig zur Plaza Principal (war ja nur einen Block weg, und das für 18 Euro in einem Einzelzimmer mit Bad), wo schon um acht Uhr Einiges los war, nicht so wie Hannah das aus Chile erzählt. Ich guckte mir dann die Kathedrale von Arequipa an, die ebenfalls sehr schön ist (siehe Fotos), vor allem, wenn man dahinter den Blick auf die Berge um Arequipa hat.

Danach setzte ich mich noch ein wenig auf die Plaza Principal, die sehr schön grün und einladend und überhaupt war und setzte mich dann in Bewegung, um den Stadtrundgang meines Reiseführers mehr oder weniger abzulaufen. Ich kam an der Jesuitenkirche vorbei (die noch zu war, aber später war ich dort), der Domikanerkirche und der Franziskanerkirche. Auffällig hier ist das Vulkangestein, aus dem die meisten dieser Gebäude sind, weil es offenbar dermaßen zum Bildhauen geeignet ist, dass selbst eine Bank und das Theater eine Fassade mit sehr detaillierten Bildhauerarbeiten haben ...

Ich war unsicher, ob ich in das Kloster Santa Catalina gehe, das erst 1970 von den Nonnen zur Besichtigung geöffnet wurde, aber die 35 Soles (knapp unter 10 Euro) haben sich absolut gelohnt: Das Kloster ist wirklich eine Stadt in der Stadt, mit Straßen (die auch Straßen heißen), einem Brunnen, einem Waschplatz, einem Friedhof und so weiter. Das kommt halt davon, wenn man so ein großes Kloster braucht (im 16. Jahrhundert), dass man einfach einen Teil der Altstadt ummauert ...

Danach ging mein Rundgang weiter, unter anderem über den Markt, wo ich aber die Essensstände nicht fand und dafür dann einer Chifa (chinesisch-peruanisches Restaurant) ein paar Meter weiter aß. Ich wollte mir noch ein Bierchen gönnen, aber der (deutsche) Biergarten, der auch peruanisches Bier im Angebot hatte, war leider noch zu, sodass ich in ein Restaurant ging. Halb aus Verlegenheit, halb aus Verfressenheit probierte ich eine der peruanischen Nationalspeisen: Ceviche, roher Fisch (oder Meeresfrüchte) in Zitronensoße. Sehr lecker, aber das war mir dann alles viel zu viel. Aber ich hatte mein Bier: Arequipeña, besser als die chilenischen Lager.

Ich kaufte und schrieb Postkarten auf der Plaza Principal und ging dann gegen 17.30 Uhr zurück ins Hotel, nahm mein Gepäck entgegen, wartete 20 Sekunden auf ein freies Taxi (Unmengen hier!) und fuhr zum Terminal Terrestre, dem Busbahnhof. Jetzt habe ich ein VIP-Ticket für 122 Soles (ca. 31 Euro) mit einem Sitz, der sich angeblich zum Bett machen lässt, mal gucken, wie das wird. Morgen Früh komme ich in Cuzco an.

Ich habe von denen auch den Zugang zum Wifi bekommen: An meiner bisher ziemlich täglichen Berichterstattung kann man erkennen, dass das hier regelmäßig unproblematisch ist. Überhaupt muss ich sagen, dass ich mir Südamerika, mal wieder, falsch vorgestellt habe: Ich hätte es mir (bisher) etwas, nun, unorganisierter erwartet, aber (bisher!) hat alles wie am Schnürchen geklappt.

Arequipa nicht zu besuchen wäre also ein großer Fehler gewesen, es könnte sogar sein, dass das eine der Städte ist, in die ich mich verliebt habe ...

In einer der Kirche heute war ein Aushang (auf Spanisch, natürlich): "Schalte dein Handy aus. Der Herr möchte mit dir sprechen."

Fotos: Plaza Principal mit Kathedrale (in meiner unfassbaren Weisheit natürlich so fotografiert, dass die Palmen die Kirchtürme fast verdecken, sorry), Portal der Jesuitenkirche, kleine Straße im Kloster Santa Catalina und einige der Arequipa umgebenden Vulkane (im Vordergrund das Kloster nochmal)

Dienstag, 5. Oktober 2010

Der Mars. Oder vielleicht doch Peru?


Was ich die ganze Zeit noch hatte erwähnen wollen: Zwei Leute vor mir in der Schlange zur Einreise in die USA war Mario Theissen, der Motorsportchef vom BMW oder so ähnlich. Es war interessant zu sehen, dass er genauso die Fragen des US-Grenzers beantworten und Fingerabdrücke abgeben musste wie ich :-)

Heute Morgen früh aufgestanden, dann mit dem TransVip-Bus für 6.000 chilenische Pesos, etwa 9 Euro, zum Flughafen. Nach einigem Suchen den Check-in-Schalter gefunden, alles problemlos. Flug war auch in Ordnung, auch wenn ich leider in der Mitte saß und keinen Blick auf die Anden hatte. Muss mal gucken, ob ich beim Rückflug schon vorher einchecken kann, das hatte ich hier vergessen.

Die Vegetation in Arica im nördlichsten Zipfel Chiles war dann (natürlich) ganz anders als in Zentralchile um Santiago: Wüste, wohin das Auge blickt. Zum zweiten Mal in meinem Leben war ich so richtig in der (Sand-)Wüste. Hab mich dann am Flughafen von einem geschäftstüchtigen Taxifahrer anquatschen lassen (ich verstehe zumindest die elementaren Aussagen dann auch auf Spanisch) und bin dann mit ihm direkt nach Tacna gefahren (18 Euro für eine Strecke von, naja, 50 Kilometern mit zwei anderen im Taxi) anstatt billiger, aber umständlicher erst nach Arica in die Stadt nach Süden und dann wieder nach Norden nach Tacna. Außerdem hat er meine ganzen Ein- und Ausreisepapiere fertig gemacht und uns durch Grenze und Zoll gelotst; ich meine, das hätte ich auch selbst hinbekommen, aber so war es halt bequemer und nur mit vier Mann im Auto ging alles auch schneller, selbst wenn die Grenzkontrollen bei weitem nicht so mühsam waren wie meine beiden Reiseführer behaupten. So bin ich heute gleich in zwei Ländern auf der Panamericana unterwegs gewesen.

Sehr rührend fand ich, wie der Taxifahrer die zwei oder drei Male an Gedenksteinen für die auf der Straße Verunglückten kurz zum Gruß gehupt hat. Einmal waren die Eltern des Verunglückten gerade am Stein beschäftigt, da wurde besonders lange und laut gehupt, bis der Vater sich bedankte.

Das war aber das Einzige, was ich von der Fahrt mitbekam, da ich sonst fasziniert auf die Gegend hinausschaute: Kein Strauch, kein gar nichts, soweit das Auge blickt, und am Horizont ein paar Hügel, hinter denen sich wiederum die Anden vermuten lassen. Ganz anders als Valparaíso, aber nicht weniger beeindruckend. So stelle ich mir den Mars vor, jetzt abgesehen von der Straße und Strommasten.

Mein Taxifahrer brachte mich dann in Tacna zum Busbahnhof, wo er mir auch eine Busgesellschaft empfahl für meine heutige Fahrt nach Arequipa. Obwohl ich durch den Grenzübertritt eine Stunde gewonnen hatte, musste ich dann eineinhalb Stunden, um meinen Bus zu kriegen, aber Busfahren in Peru ist ein Erlebnis: Einchecken fast wie am Flughafen, und vor dem Einsteigen gibt's eine Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor, während man in die aufgestellte Kamera gucken muss. Nach Abfahrt kommt der Steward nochmal durch und filmt nochmal alle ...

So, jetzt bin ich nach doch längerer Fahrt (sechseinhalb Stunden oder so) in Arequipa angekommen. Es wurde leider schon recht früh dunkel, aber vielleicht war es auf den Gebirgsstraßen, die zwar gut ausgebaut (schließlich die Panamericana!), aber halt doch kurvig waren, auch besser so. Nach kurzer und günstiger Taxifahrt fand ich mein angesteuertes Hotel nicht, dafür ist hier relativ in der Nähe eine ganze Menge anderer Hotels, wo ich jetzt ein schönes gefunden habe. Einzelzimmer mit eigenem Bad, aber leider kein abnehmbarer Duschkopf, aber das werde ich hoffentlich überleben ...

Vielleicht mache ich gleich noch einen kleinen Stadtbummel (es ist jetzt 20.30 Uhr hier), aber vielleicht gehe ich auch früh ins Bett heute ...

Montag, 4. Oktober 2010

Zeiten ändern sich

Heute war eigentlich ein relativ ruhiger Tag. Nach gemütlichem Aufstehen und Frühstück ging es zu Hannah, um dort meine Sachen unterzubringen. Danach gingen wir hoch auf einen Aussichtsplatz, von dem man abermals ganz Valparaíso ganz gut sehen konnte. Nach einigen Wirren fanden wir den Friedhof, auf den wir es abgesehen hatten, und waren ob der Vielzahl der deutschsprachigen Grabinschriften überrascht: Deutsch und Englisch ungefähr gleichauf, deutlich vor Spanisch ... Sehr interessant, wenn man aus den Grabaufschriften und ein weniger spanischer Namenskunde ganze Familiengeschichten aufrollen kann.

Danach ging ich zum Busbahnhof, fuhr problemlos nach Santiago, hier in der U-Bahn in das gestern gebuchte Hostel, checkte ein und machte mich dann auf den Weg zum Fußball. Leider hatte ich übersehen, dass der Kicker die Anfangszeiten natürlich in deutscher Zeit angibt und ich daher, als ich um 17.30 Uhr am Stadion ankam, das Spiel um knappe fünfeinhalb Stunden verpasst hatte. Intelligenzbestie, ich!

Danach bin ich halt in die Innenstadt von Santiago gefahren, hab mir den Präsidentenpalast, die Moneda, angeguckt und bin danach in das Ausgehviertel Santiagos, wo mich ein Kellner dann angelabert hat, irgendwas was von Berlin, Frankfurt am Meno etc. erzählte, sodass ich mich dann dort niederließ und, erste Mahlzeit seit dem Frühstück, dort eine Churrillada (Pommes, oben drauf Fleisch, oben drauf zwei Spiegeleier, lecker) aß und einen Liter Bier trank. Danach zurück zum Hostel, weil mein Flughafentransfer morgen (heute) schon um fünf Uhr morgens geht. Gute Nacht!

Sonntag, 3. Oktober 2010

Ja, hier ist Frühling ...

... und deshalb habe ich nach einem schönen, sonnigen Tag bei 23-25 Grad jetzt einen lecker Sonnenbrand auf meiner so üppig bewachsenen Kopfhaut. Ärgerlich und doof, aber morgen werde ich das, was ich vergessen habe, Hut und Sonnencreme, einkaufen und dann geht's hoffentlich klüger weiter.

Heute waren wir zunächst hier im Cerro Alegre, einem der besonders weltkulturerbewürdigen Cerros (Hügel) dieser Stadt, zum Frühstück. Nachdem wir dann endlich zahlen konnten, haben wir einen kurzen Spaziergang durch die Stadt gemacht, mir einen Adapter gekauft (im Supermarkt, aber eben auch da die Sonnencreme vergessen) und sind dann mit der Metro, der S-Bahn zwischen Valparaíso und Viña del Mar, eben nach Viña gefahren. Während Valpo (Valparaíso) eine, wie H. richtig sagte, authentische Stadt ist, ist Viña eher Touristenhochburg, kein Wunder bei dem schönen Strand. Nach einem längeren Rundgang fuhren wir dann zurück in Richtung Valpo und aßen hier neben einem anderen Fischmarkt (als dem gestern) wieder sehr, sehr gut. Heute habe ich meinen ersten Pisco getrunken. Kann aber sein, dass wir nicht die allerbesten Freunde werden, der Pisco und ich ... Unter Flucht vor den letzten Sonnenstrahlen ging es dann nach und durch Valparaíso, wo wir an einem Straßenstand noch einen Nachtisch aßen. Jetzt haben H. und ich uns für zwei Stunden getrennt, ich sitze im Hostel und habe gerade ein wenig meine Rübe gekühlt, um 20 Uhr treffen wir uns zum Abendbierchen mit einem deutschen Kumpel von ihr.

Morgen geht es dann morgens/mittags zu H., da ich mein Gepäck bei ihr unterstellen darf, dann abends nach Santiago, weil übermorgen mein Flug nach Norden ja schon recht früh geht.

Was fällt einem hier in Chile bzw. in Valparaíso auf? Viele Flaggen hängen an Häusern, Autos und überall, wo sonst noch Flaggen hängen können, fast wie in den USA (wobei das auch damit zusammenhängen kann, dass hier vor zwei Wochen der 200. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung gefeiert wurde). Viele Straßenhunde sind auf den Straßen unterwegs, manche durchaus lieb guckend, andere, die, naja, wie Straßenköter aussehen. Knutschende und fummelnde Pärchen an allen möglichen und unmöglichen öffentlichen Orten, weil sie das zuhause offiziell nicht dürfen (aber in der Öffentlichkeit habe ich bisher niemanden gesehen, der diese Paare schief angesehen hätte).

Ein paar Bilder: Aus dem Flugzeug ein Blick auf den nicht so grünen Teil Chiles, ein Ascensor (ein Freiluftaufzug, von denen es hier in Valpo etliche gibt), und der Strand in Viña del Mar.

Freitag, 1. Oktober 2010

Angekommen in Valparaíso

So, bin sehr gut hier in Valparaíso angekommen, habe auch fast auf Anhieb mein Hostel gefunden. Die Dame dort spricht zwar nur Spanisch, obwohl das Hostel angeblich von Deutschen geführt wird, aber naja, macht nichts. Mehr macht mir aus, dass das Internet dort nicht funktioniert. Das ist ärgerlich, deshalb sitze ich jetzt hier in einem Internet-Café, in dem Skype nicht funktioniert und der Rechner ziemlich langsam ist ...

Aber zu gestern: Bin dann einigermassen betrunken zurück zum Flughafen gefahren und habe dort festgestellt, dass die Sicherheitskontrolle am Ausgang (siehe Eintrag von gestern) vielleicht doch nicht ganz so doof ist: Es gibt naemlich nur eine Sicherheitskontrolle am ganzen Flughafen von Atlanta, und der gilt für alle Flüge. Und wenn man aus dem Ausland kommt, kann man fast verstehen, dass die einem nicht trauen. Bin dann dort einen Körperscanner geschickt worden, tut nicht weh ...

Flug ging pünktlich und war problemlos, war so müde, dass ich sogar ein wenig schlafen konnte! Ankunft dann hier in Chile ohne Probleme, Einreise auch (musste ja als Deutscher anders als die Amis, Kanadier und noch ein paar andere keinen "Reciprocity fee" zahlen, da Deutschland von Chilenen kein Visum verlangt). Mein Pass scheint gesponnen zu haben, da der Grenzer die Daten händisch eingegeben hat, aber das wird schon passen. Geld abheben hat im zweiten Versuch geklappt, dann mit dem Bus zum Busbahnhof, von dort völlig problemlos in den grossen Bus hier nach Valparaíso, hier schon nach 80 statt 120 Minuten angekommen. Dann längeren Stadtrundgang gemacht (erst, weil ich nach dem ganzen Sitzen ein wenig laufen wollte, dann, weil ich das Taxi-System hier noch nicht so ganz verstehe), schliesslich mit dem Aufzug (davon gibt es hier etliche, weil die Stadt so am Hügel liegt) in mein Stadtviertel (alles noch mit Koffer ...) und dann eingecheckt im Hostel und ersteinmal geduscht. Sehr angenehm.

Danach erleichterter Spaziergang durch die Stadt, am Fischmarkt sehr gut gegessen (Meeresfrüchte-Suppe, Riesenportion für vier Euro, danach aus Verfressenheit noch einen Fisch für fünf Euro, Bier und Sprite je 1,50 Euro), dann weiterer Aufzug mit fantastischem Blick auf Stadt, Bucht und Hafen.

Danach zurück ins Hotel, Fotos gesichert und jetzt halt im Internet-Café. Heute Abend treffe ich mich vielleicht/hoffentlich noch mit H. Deswegen bleibe ich jetzt wach, bin todmüde, aber es ist halt erst kurz vor 18 Uhr hier ...

Fotos, wenn das mit dem WLAN mal wieder klappt.