Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 2. November 2024

Mit Metro und Rikscha

... bin ich heute Morgen in Dhaka unterwegs gewesen, denn heute wollte ich mir noch ein, zwei Sachen in Central Dhaka anschauen.

Auch wenn ich gestern schön sehr früh ins Bett gegangen war, war der Wecker heute Morgen einigermaßen grausam. Ich war um 4 Uhr schon wach gewesen, konnte nicht sofort wieder einschlafen, schlief dann doch wieder ein und wurde dann aus süßen Träumen gerissen.

Nach ein bisschen Kuscheln stand ich schließlich auf, duschte und zog mich an. Heute verließ ich ohne Frühstück das Hotel, weil ich nicht wusste, wieviel Zeit ich benötigte und ich mit so unnötigen Sachen wie Kuscheln schon genug getrödelt hatte ...

Ich marschierte - inzwischen weiß ich auch, wie man Straßen überquert, ohne mehrfach umgefahren zu werden, nämlich so wie überall auf der Welt, Augen auf, dann gleichmäßig laufen, so fahren alle um dich herum ... - in Richtung der Metrostation Motijheel. Dort endet derzeit die Metrostrecke, sodass ich nach dem Kauf einer Fahrkarte am Automaten (geht aber nur mit Bargeld) die Rollstrecke zur Metro hochfuhr und in den Eiskasten einstieg, denn die (moderne) Metro wird massiv klimatisiert, da fror sogar ich ... (Achso, und ich hatte mir noch einen kleinen Anpfiff eingehandelt, weil ich an die Sperre zu den Gleisen angelehnt stand - man darf zwar, das steht dort auch, nicht über die Sperre hinaus die Arme ausstrecken - logischerweise! -, aber offenbar heißt das auch, dass man die Sperre selbst nicht berühren soll, verstehe das, wer will - und kann ...)

Die U-Bahn wurde schon früh gerammelt voll, und ich erwischte einen jungen Mann dabei, wie er guckte, schnell wegguckte, als ich ihn anschaute, wieder guckte, nachdem ich den Augenkontakt beendet hatte, wieder wegguckte, wieder guckte und dann ließ ich ihn aber in Ruhe ... Insgesamt hatten meine beiden Gauner gestern schon recht, in Dhaka selbst wird man nicht sooooo häufig angesprochen wie in der dörflichen Struktur Süd-Dhakas.

An der Haltestelle Farmgate stieg ich aus (die Fahrt kostete 25 Cent) und lief in Richtung Parlamentsgebäude. An der Zufahrtsstraße steht viel Militär, mit denen wollte ich mich jetzt nicht unbedingt unterhalten, also lief ich zurück zur Hauptstraße und machte von dort aus über den Zaun hinweg ein Foto vom recht hübschen Parlamentsgebäude ...

Ich lief die Strecke zurück, die ich gekommen war, und stieg am Farmgate wieder in die Metro. Diesmal fuhr ich - nachdem die erste Bahn so gerammelt voll gewesen war, dass ich mich nicht mehr reinquetschen wollte - zur Dhaka University. Erst einmal lief ich in die falsche Richtung, aber dann hatte ich den Dreh raus, kam zufällig noch am Mausoleum der drei Staatsführer vorbei, aber ich wollte zur Curzon Hall, einem architektonisch sehr ansehnlichen Bau, der früher das Rathaus werde sollte, inzwischen aber von der Uni genutzt wird (das mathematische Institut suchte ich übrigens vergebens ...).

Nun war es aber irgendwie auch schon 11 Uhr, sodass ich mich - diesmal ganz klassisch - mit der Fahrradrikscha aufmachen wollte zurück zum Hotel. Der erste Verhandlungsversuch schlug fehl, weil der Fahrer überhaupt kein Englisch sprach und auch insbesondere mein Ziel nicht verstand; ein paar Meter weiter verstand mich ein anderer Fahrer aber, tippte auch einen angemessenen Preis (70 Taka, etwas mehr als 50 Cent) in mein Handy, und wir waren uns einig ...

Jo, man muss sich daran gewöhnen, dass so ein Rikschafahrer mitten auf der Kreuzung absteigt und sein Gefährt anschiebt, aber das ist hier in Dhaka komplett normal, klar hupt jeder deswegen, aber als Warnung, nicht aus Wut.

Jetzt sitze ich wieder im Restaurant meines Hotels, um 12 Uhr kann man noch nicht zu Mittag essen, erst ab 13 Uhr - so lange warte ich jetzt ab. Nach dem Essen gehe ich aufs Zimmer, dusche, packe meine sieben Sachen und dann geht es um 15 Uhr zum Flughafen.

Der heutige Blogeintrag wird zwei- oder dreigeteilt sein, je nachdem, ob ich am Flughafen hier ein freies WLAN aufgetan kriege.

Ich muss in jedem Fall zum Check-in, weil ich eine physische Bordkarte benötige, aber das ist nicht schlimm, denn ich werde genug Zeit haben. Ich müsste so gegen 16 Uhr am Flughafen sein, mein Flieger geht um 18.50 Uhr (13.50 Uhr deutscher Zeit), und erst einmal machen wir einen kurzen Positionierungsflug nach Chittagong, wo wir um 19.50 Uhr ankommen (wobei ich davon ausgehe, dass ich schon in Dhaka ausreise). Um 20.50 Uhr (15.50 Uhr deutscher Zeit) geht es dann weiter nach Dubai; dort kommen wir planmäßig um 0.30 Uhr emiratischer Zeit (21.30 Uhr deutscher Zeit heute Abend) an.

Ich bin sehr gespannt, ob ich das Terminal wechseln muss (laut Auskunft meines Reisebüros eher nicht), aber das evaluiere ich dann am Flughafen in Dubai - klappen müsste das so oder so. Um 5 Uhr Dubai-Zeit (2 Uhr deutscher Zeit) geht es dann weiter nach Istanbul; dort komme ich um 9.05 Uhr türkischer Zeit (7.05 Uhr deutscher Zeit) an. Weiter geht es um 11.55 Uhr (9.55 Uhr), und in Zürich lande ich um 13.10 Uhr - wenn alles glattgeht.

Ich habe eigentlich nicht vor, (erneut) in Dubai einzureisen, aber es kann sein, dass ich einreisen muss, weil bisher weder mein Reisebüro noch ich online einchecken konnten. Und wenn ich dort an den Check-in muss, dann geht das natürlich nur, wenn ich eingereist bin - wir werden sehen ...

Jetzt wird aber erstmal gleich gegessen, und dann geht es zum Flughafen ... 

Ich habe überlegt, ob ich heute noch einmal etwas zu gestern schreibe (die armenische Kirche habe ich übrigens in der Tagesbeschreibung vergessen, scheint mich nicht so wahnsinnig beeindruckt zu haben), aber ich glaube, das mache ich morgen oder übermorgen, wenn ich ausgeschlafen und noch ein kleines bisschen reflektiert habe. Aber dass man für solche erlebnisreichen Tage das Reisen erfunden hat, das kann ich schon jetzt sagen ...

Mein Rikscha-Fahrer

Auf dem Gefährt auf dem Heimweg

Curzon Hall

Mausoleum der drei Staatsführer

Parlamentsgebäude

Metro (sehr modern)

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So, jetzt sitze ich am Flughafen in Dhaka, hier ist es schön kühl.

Das mit dem Mittagessen ging ein bisschen in die Hose, weil die mich dann vergessen hatten, und als ich endlich bestellen konnte, bekam ich so ziemlich das Gleiche wie gestern. Das war nicht Sinn der Sache, aber satt machte es trotzdem, und das Trinkgeld fiel halt entsprechend ein bisschen mauer aus als üblich bei mir.

Ich ging aufs Zimmer, duschte gemütlich, packte und zog mich an, sodass ich um 14.50 Uhr unten an der Rezeption aufschlug. (Bei der Heimkehr vom Spaziergang hatte ich Sorge, dass ich meine Zimmerkarte unterwegs verloren hätte, aber ich hatte sie zum Glück nur im Zimmer vergessen - und da es nur einen einzigen Ausländer im Hotel zu geben scheint, den alle kennen, wusste der Housekeeper auch gleich, welches Zimmer meines ist ...)

Der Check-out klappte vorzüglich, die Fahrt zum Flughafen ging dank der Schnellstraße statt in zweieinhalb Stunden (wie früher) nur zwanzig bis dreißig Minuten, dafür bekam der Fahrer mein letztes bangladeschisches Geld als Trinkgeld ...

Auch der Check-in war schon offen (mehr als drei Stunden vor Abflug) und ging schnell, sodass ich dann auch zügig - nach Ausfüllen eines Ausreisezettels, seufz - in der Schlange zur Ausreise stand.

Ich wurde ein paar Mal umgeroutet, was ich nicht verstand, bis der Grenzer mir sagte, dass sein Passlesegerät nicht funktioniere, und ohne dieses kann er mich wohl nicht ausreisen lassen im System. Beim anderen Grenzer durfte ich mich - amtlich angeordnet! - vordrängeln (obwohl ich viel Zeit hatte), das dauerte ein Weilchen, plötzlich ging der Grenzer weg, kam aber drei Minuten später wieder, drückte mir den Pass und die Hand und jagte mich hinfort ... Keine Ahnung, was da los war.

Ich kaufte noch (wenige!) Souvenirs und sitze nun - mir das instabile WLAN einer Lounge schnorrend - im Wartebereich, bis ich endlich gleich in den Gatebereich kann.

Im Moment scheine ich nur für den Flug Istanbul-Zürich eingecheckt zu haben, für Dubai-Istanbul klappte das (bisher) nicht. Es sieht im Moment also so aus, als ob ich in Dubai doch noch einmal einreisen und am Schalter einchecken müsste, aber ich probiere nach Ankunft in Dubai noch einmal aus, ob das nicht doch noch klappt ...  

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Das Boarding war ein bisschen ungewöhnlich in Dhaka, denn obwohl schon lange "Gate open" (Gate offen) angezeigt wurde, war das Gate gar nicht offen ... Erst als ein älterer Herr die Pässe anfing zu kontrollieren, waren die Sicherheitsleute auch bereit. Bei meinem Pass fragte er: "Dubai no need visa?" Ich verneinte, weil ich kein Visum brauche, dann war's auch gut - nun denn ... Die Sicherheitskontrolle war oberflächlich, und bald darauf ging es tatsächlich an Bord.

Der kurze Hüpfer von Dhaka nach Chittagong dauerte kaum 30 Minuten; der Flieger war sehr, sehr leer, und als westlicher Ausländer sorgte ich sogar bei der einen Flugbegleiterin für Nervosität! In Chittagong (das inzwischen offiziell Chattogram heißt) stiegen Leute aus (ich vermute, dass die auf einen anderen Auslandsflug umstiegen, der - ebenfalls - ab dort verkehrte, sonst wäre es ja ein bisschen Overkill, weil die ja auch durch die Ausreisekontrolle mussten), aber es kamen noch mehr Leute an Bord, sodass in meiner Dreierbank auch alle drei Plätze besetzt waren.

Kaum war das Boarding beendet, kamen zwei Flugbegleiter auf mich zu und meinten, ich könne mich da vorne hinsetzen, da sei frei. Sooooo eng war es auch wieder nicht, auch nicht mit mir und für mich, aber natürlich nahm ich diese Anweisung der Flugbegleiter ganz besonders gerne wahr. So saß ich da vorne mit viel Beinfreiheit und ohne direkten Nebenmann, das war praktisch - nicht ganz so praktisch war, dass ich das Entertainment-System erst nach dem Start verwenden konnte und vor der Landung wieder verstauen musste.

Aber überhaupt: Meine Ma und, wenn ich ehrlich bin, auch ich hatten bei der Buchung mit Biman Bangladesh ein bisschen Bammel, zumal der Wikipedia-Artikel die Gesellschaft auch nicht als ganz so großartig hinstellt. Mein Flieger heute Abend war aber ganz wunderbar - das Entertainment-System hatte neueste Filme im Angebot (ich guckte "Dune 2"), selbst das Essen war sehr lecker (heute entschied ich mich für Beef, weil ich nicht schon wieder einen Hähnchenschlegel riskieren wollte ...), das war richtig, richtig gut - und die Flugbegleiter waren auch sehr lieb (aber das überrascht den regelmäßigen Leser nach den zwei Tagen bei einer bangladeschischen Fluggesellschaft wahrscheinlich auch eher nicht mehr ...). Nur der Typ neben mir telefonierte noch während des Starts so laut, dass ich ihn zweimal in meiner unnachahmlich passiv-aggressiven Art von der Seite anstarrte, dann gab er auch Ruhe - zum Glück!

In Dubai ließ ich mir Zeit, zumal ich mir gestern ein paar Blasen gelaufen habe, guckte noch, ob ich doch noch für den Dubai-Istanbul-Flug online einchecken kann, konnte ich nicht (zumal die AJet-Website ziemlich verwirrend ist ...), also fuhr ich - wie auf der Hinreise vor ein paar Tagen, höhö - zur Einreise. Das Smartgate war überhaupt nicht smart, denn es erkannte meine Birne erst beim fünften Anlauf, aber da blieb ich so lange stur, bis das System mich entweder endgültig abweisen oder mich eben durchlassen würde - am Ende hatte ich gewonnen ...

Jetzt warte ich auf den Check-in von meiner letzten Fluggesellschaft dieser Reise, aber das Abenteuer erzähle ich dann morgen ...

Freitag, 1. November 2024

Genug Storys für ein halbes Jahr

... kann ich von heute erzählen, aber vorweg: Es geht mir gut und ich habe nicht zu viel Idiotensteuer bezahlt ...

Das Zweite vorweg (Triggerwarnung): Am Ende dieses Blogeintrags werde ich - wie immer - Bilder posten, und zwar heute eine ganze Menge. Die allerletzten Bilder - vom Markt - werden einigermaßen brutal sein (und zum Glück gibt es kein Geruchsblogging), sodass ich bitte, diese nur mit starkem Magen anzugucken ...

Ich bin selbst gespannt, ob dieser Blogeintrag heute die innere Logik einer Rede von Donald Trump hat oder doch ein bisschen strukturierter wird. Jetzt langt es aber mit den Vorbemerkungen!

Um 8 Uhr klingelte mein Wecker, ich wollte ja was vom Land sehen, Mann ey! Um 8.30 Uhr stand ich auf, ging - noch einmal - duschen und begab mich dann zum Frühstück. Das bestand aus einer Mischung aus westlichem und bangladeschischen Speisen, ich aß einen leckeren (scharfen) Kartoffelauflauf, ein bisschen Gemüse, das wie Sojasprossen aussah, aber keine waren, ein bisschen Reis mit Hühnchen und trank einen Orangensaft und Tee.

Danach verließ ich das Hotel und empfand den Morgen als vergleichsweise kühl. Keine Ahnung, ob ich mich schon ein bisschen akklimatisiert habe, oder ob ich einfach vollends verrückt geworden bin. Ins Schwitzen kam ich aber natürlich trotzdem, als ich die VIP Road hochlief und hielt mir schließlich ein CNG, also ein Tuktuk, an ... Es war kurz vor 10 Uhr, das Lalbag-Fort öffnete um 10 Uhr, und ebendort wollte ich hin.

Ich erläuterte dem Tuktuk-Fahrer meinen Zielort und fragte nach dem Preis: Er hielt drei Finger hoch und sprach Bengalisch mit mir. Also tippte ich auf mein Handy "30", er nickte, und los ging's. Am Morgen des freien Tages war der Verkehr noch nicht so bestialisch wie gestern Abend, aber dafür ging es nach einem längeren Stück auf den recht guten Straßen von Zentral-Dhaka dann ins Gassengewirr der Altstadt. Der Fahrer brachte mich ordnungsgemäß zum Eingang, und ich wollte ihm 40 Taka geben, was etwa 35 Cent sind.

Nun fing er an zu protestieren und meinte, der Preis seien 300 Taka gewesen, ungefähr 2,50 Euro. Ich wollte eigentlich stark bleiben, aber ein paar hinzugezogene Bangladescher, von denen einer einigermaßen Englisch sprach, meinten zu mir, der Fahrer könne wirklich keine Zahlen lesen, denn 300 Taka sei ein fairer Preis. Hmpf, jetzt war mir das Gleiche passiert, was mir schon einmal in Guinea passiert war, als der Taxifahrer auch keine Zahlen lesen konnte. Nun geht es mir - natürlich - nicht um die zwei Euro, sondern um die Verbindlichkeit einer vertraglichen Vereinbarung, sodass ich trotzdem ein bisschen sauer blieb, aber der Fahrer bekam sein Geld und ich stiefelte von dannen.

Am Lalbag-Fort stehen die Eintrittspreise dran (Ausländer zahlen deutlich mehr, aber andererseits auch wirklich kein Vermögen, ein paar Euro), da zahlte ich und betrat die größere Parkanlage, in der - nach dem Gewusel der Altstadt - sehr angenehme Ruhe herrschte. Ich guckte mir das eigentliche (?) Fort mit den Gräbern von irgendwelchen Menschen an und dann den Hamam, in der mir der Wächter ein bisschen zu aufdringlich die Sachen erklärte, die auch so auf den - englischsprachigen - Hinweisschildern zu lesen waren. (Da war meine Deckung noch gut ...)

Ich verließ den Hamam und fing an, mich ein bisschen wie ein Prominenter zu fühlen, denn hier kamen zum ersten Mal erst ein angehender ITler im Portugal-Trikot und dann fünf junge Männeken in muslimischer Kleidung auf mich zu, begrüßten mich, fragten, wo ich herkomme (diese Frage habe ich heute zigmal - ungelogen, wirklich mindestens 20, 30 Mal - beantwortet), auch wie ich heiße (die Frage kam nur unwesentlich seltener), und dann wurden Selfies mit mir gemacht. Das war bisher fast wie in Jakarta, und es wurde nur noch mehr ...

Ich setzte mich kurz auf ein Bänkchen, lief aber bald weiter, weil die Sonne immer höher stand (sowas auch!) und ich nicht mehr als unbedingt nötig in der Mittagshitze laufen wollte. Ich verließ das Lalbag-Fort und stürzte mich ins Abenteuer "Fußgänger in Bangladesch". Der Fußgänger ist hier vollwertiger Verkehrsteilnehmer, deswegen laufen Fußgänger links - wie alle Verkehrsteilnehmer im Linksverkehr. Jo, und dann wirst du angehupt, einmal erwischte mich das Schutzblech einer Fahrradrikscha leicht an der Hand (nix passiert), und mehr als einmal ermahnte ich mich, dass ich nicht unvermittelt nach rechts ausscheren dürfe, ohne vorher zu gucken, ob hinter mir etwas kommt - denn die Rikschas und CNGs fahren sehr (!) knapp an einem vorbei, klar, bei den engen Gässchen.

Ich wurde ab und zu ein bisschen arg lang angeguckt, ein Rikschafahrer drehte sich mehrfach nach mir um, sodass ich Angst hatte, der fährt irgendwo rein, aber ich marschierte ungerührt weiter, und irgendwann hat man auch den Trick raus, wann man einfach zuläuft und wann man die Fahrzeuge hinter einem vorbeilassen sollte ...

Unterwegs sah ich einen "Water ATM". Für uns Deutsche ist "ATM" ja ein englisches Wort für "Geldautomat", aber an sich bedeutet das ja "Automatic Teller Machine", also "automatische Ausgabemaschine". Und so eine automatische Ausgabemaschine gab es hier eben für Wasser - mit Kartenzahlung und allem drum und dran, hochspannend!

Auf dem Weg zum Pink Palace, dem Ahsam-Manzil-Museum, bog ich eins zu früh links ab und kam in eine - wirklich! - schöne Textileinkaufsstraße, da war ein Stoffhändler nach dem anderen, mit wunderschönen Stoffen - hier hätte meine Mutter sich wohlgefühlt - im Rest Dhakas vielleicht eher nicht so, denn es ist halt nicht nur heiß und schwül, sondern auch ziemlich viel Müll auf den Straßen. Die allermeisten Haupt- und größeren Nebenstraßen sind geteert (wenn auch mit Schlaglöchern), sodass ich auch mit meinen Alltagsschühchen gut durchkam, aber manchmal ist die Unterlage halt auch Müll und nicht Asphalt.

Achso, Frauen: Du siehst hier zwischen Nikab (schwarzer Umhang mit Augenschlitz) bis hin zu wunderschönen Saris und Punjabis an unverhüllten Frauen jegliche einigermaßen verhüllende Bekleidung - ja, niemand trägt Minirock, aber es ist keineswegs so, dass hier jedefrau ein Kopftuch trägt (und das sind mehr als die 10 % Hindus, die es in Bangladesch gibt).

So, zurück zur Textilstraße: Ein Verkäufer sprach mich (wahrheitsgemäß) an, dass das die falsche Straße zum Pink Palace sei, fragte aber natürlich auch, wo ich herkomme, wollte auch ein Selfie machen und brachte mir dann bei, wie man "Ich liebe Bangladesch" auf Bengalisch sagt. Großes Gejohle der umstehenden Verkäufer, als ich ihm das erfolgreich nachgesprochen hatte ...

Dann machte ich mich auf zum Pìnk Palace, obwohl ich wusste, dass der erst um 15 Uhr öffnet. Unmittelbar vor dem Eingang sprach mich ein Typ an und lief mit mir zum Sadar Ghat, dem Fährhafen, zu dem ich ohnehin wollte. Mir war schon klar, dass das ein selbsternannter Guide ist, aber erstens kriegte ich ihn nicht richtig abgeschüttelt und zweitens war auch der sehr freundlich. Am Sadar Ghat liefen wir auf die Landungsbrücke (mit Blick auf den Buriganga, in dem jede Menge Wasserpflanzen aus dem Wasser ragten) und auf einmal beorderte ein Boot zu sich. Am Ende gesellte sich ein zweiter "Guide" zu uns, und irgendwie war mir heute alles egal, ich lief einfach den beiden hinterher auf ein Schiff und von dort auf das kleine Bötchen.

Ich fragte natürlich, was das kostet, bekam keine richtige Antwort ("When you're happy, we're happy", bla, bla, "Wenn du glücklich bist, sind wir glücklich."), hatte irgendwo was von 1.000 Taka die halbe Stunde vom zweiten Guide aufgeschnappt, aber als ich jetzt auf dem Bötchen saß und nochmal nachfragte, war's eh schon zu spät ...

Soll ich den Spannungsbogen jetzt aufbauen oder die Story von hinten aufzäumen?

Es folgte auf jeden Fall einer der spannendsten Spaziergänge in meinem Leben: Wir stiegen in Süd-Dhaka aus dem Bötchen aus und liefen erst einmal in Richtung des "Shipyards", das hier als Recycling-Werft fungiert - die zerlegen dort, natürlich ohne jede Sicherheitsvorkehrung, aber TÜV-Prüfer würden hier eh binnen Sekunden an einem Herzinfarkt sterben, alte Schiffe oder renovieren sie, auch ich wurde kurz rekrutiert und durfte mit einem Hämmerchen Farbe vom Schiff abhauen. Ich dürfe überall Fotos machen, wurde mir gesagt, ich wurde als Cricket-Spieler fotografiert (hab den Ball natürlich nicht getroffen, seufz), es ging durch das ganz, ganz, ganz dezidiert untouristische Riesendorf dort, die Männer liefen mit mir durch enge Gassen und hießen mich in Häuser reingucken (und fotografieren, tat ich natürlich nicht!), wir guckten fremden Menschen beim Kochen zu, aber überall waren die Menschen unfassbar freundlich, fragten natürlich auch hier, wo ich herkomme und ich wie heiße, ich stand für etliche Selfies zur Verfügung, es war unglaublich, wirklich unglaublich spannend.

"Enge Gassen", bei der Vorankündigung, bei dem Spannungsbogen?! Ich hatte bei den beiden trotz der Gaunerei, die sie am Ende abzogen, kein schlechtes Bauchgefühl, jedenfalls nicht in der Hinsicht, dass sie mich überfallen oder meucheln. Dass das teurer wird als zehn Euro, das war mir schon klar, aber um das Geld zu kriegen, mussten sie mich erstmal wohlbehalten wieder zurückbefördern.

Vorläufig genoss ich also die Einblicke, die du als Tourist sonst selten bis nie bekommst, lief hinter den beiden her über eine sehr wacklige Brücke über ein zugemülltes Flussbett, besuchte mit den beiden - über Stock, Müll und Stein - die Siedlung der Hindus mitsamt Tempel (und Selfies!) - auch hier überhaupt kein Problem, auch wenn das Auswärtige Amt da gerne warnt - und natürlich etliche Märkte.

Freunde der Sonne, das ist schon heftig - die Fischmärkte sind grandios, auch wenn da natürlich viele Fliegen unterwegs sind, aber die kommen in der Regel vom Fleischmarkt, wir waren auf zwei, drei Märkten, beim Fleisch musste ich jedes Mal leicht bis mittelschwer würgen - erstens aufgrund des Geruchs, zweitens aufgrund der Fliegen und drittens, als die beiden mich einmal auf den auf dem Tisch vor mir liegenden (vollständigen) Kuhkopf hinwiesen, den mein Gehirn in weiser Voraussicht bis dahin ignoriert hatte, dann aber nicht mehr ausblenden konnte. Holla, die Waldfee! (Der Gemüsemarkt ging gut ...) Und der Kuhkopf kommt erst nach der Triggerwarnung, keine Sorge.

Auf alle Fälle ist da sehr viel Gedränge, aber auch da hatte ich nur Sorge vor Dieben, denn - ich wiederhole mich - die Menschen sind unglaublich freundlich.

Meine beiden Gauner (dass ich das so fast liebevoll schreibe, liegt daran, dass die beiden ihr Gaunertum auch eher fast unbeholfen veranstalteten, Spannungsbogen!) führten mich - nach einer kurzen Rikschafahrt - dann am Hafen vorbei und einmal im Kreis (ich verfolgte die Route ein wenig), aber die Eindrücke, bei einem Kumpel von denen im Laden zu sitzen, unter dem Ventilator (herrlich) und dort von einer Traube von Teenagern - jetzt aber wirklich - regelrecht begafft zu werden (natürlich wurden auch hier Selfies gemacht!), das hast du halt in auch nur einigermaßen touristischen Ländern schon aufgrund der schieren Anzahl von Touristen nicht mehr, hier aber dafür ständig ...

Unterwegs kamen wir auf Deutschland und - unvermeidlich in längeren Gespräch auf dem indischen Subkontinent, scheint mir - auf Hitler zu sprechen. Bei "Hitler is Germany" oder so protestierte ich dann doch entschiedener, davon ließen sie sich dann überzeugen - "just joking" ... Haha, nö!

Am Ende des Rundgangs - es waren jetzt doch zwei, zweieinhalb Stunden geworden - marschierten wir durch einen - am Freitag, dem islamischem Feiertag - leeren Markt zurück zum Ufer des Flusses und fuhren mit einem noch kleineren Bötchen als vorher wieder zurück nach Old Dhaka.

Hier nun eröffnete mir Noel, oder wie er heißt, dass sie gerne 200 Dollar von mir hätten. Na sicher, Freundchens! Ein großes Stück war ich ernsthaft empört, ein bisschen habe ich auch geschauspielert, ich machte ihm (und mir) schwere Vorwürfe, dass ich den beiden getraut hätte, sagte das den zwei Schurken auch, und schon ruderte Noel wieder zurück und bat mehrfach um Entschuldigung. Das Ding saß ich jetzt aus, bis ich drüben und wieder auf festem Ufer war.

Dort sagte ich den beiden alle Schand (ohne Beleidigungen!), schalt mich selbst, dass ich den beiden getraut hätte, drückte dem einen 50 Euro in die Hand und jagte die beiden davon. Ganz ehrlich: Wenn die mir vorher "Hör zu, Jüngelchen, wir machen jetzt zweieinhalb Stunden Rundgang durch Süd-Dhaka, du siehst Sachen, die du sonst nie gesehen hättest, und das Ganze kostet dich 50 Euro." gesagt hätten, ich hätte das wahrscheinlich von vornherein gemacht und mit den Eindrücken, die ich gewonnen hatte (das wusste ich vorher natürlich nicht), sogar sicher gemacht (und ich hätte denen noch 10 Euro Trinkgeld gegeben). So, mit diesem "You happy, we happy"-Gelaber und dem ganzen Kehricht war ich echt sauer (ja, zu einem gut Teil auch auf mich selbst, und zurecht, ich weiß). Und ja, ich weiß, 50 Euro sind hier ein Wochenverdienst - aber mir wäre der Spaziergang und die Einblicke und die Erfahrungen und Erlebnisse das auch ohne die Gaunereien absolut wert gewesen, denn der Spaziergang war absolut fantastisch und spannend und interessant!

Die beiden schienen mit dem Wochenverdienst aber auch glücklich zu sein, denn die zogen ohne größeren Protest (naja, ganz kleinlaut wurde noch nach 1.000 Taka - acht Euro - für den Bootsführer gefragt - "no!") von dannen und unterhielten sich auf dem Weg zurück - hundert Meter vor mir - ganz angeregt über den gemachten Gewinn ...

War das jetzt Idiotensteuer? 150 der 200 Dollar wären Idiotensteuer gewesen, aber so rechne ich mir das schön, dass ich 50 Euro für eine online gebuchte Tour (auch in Dhaka!) locker bezahlt hätte und keineswegs dermaßen viele und unerwartete Eindrücke gewonnen hätte. Also nein, keine Idiotensteuer, aber ich war froh, dass die beiden schnell von mir abließen - meine schauspielerische Leistung in Verbindung mit meinem Körpergewicht hilft manchmal, höhö ...

Jetzt war ich aber auch wirklich fertig, wollte mir aber den Pink Palace noch anschauen, und praktischerweise waren wir gegen 14.45 Uhr wieder in Old Dhaka. Ich saß noch ein paar Minuten auf einer Absperrung, dann sah ich, dass sich eine längere Schlange gebildet hatte. Die war mir erst zu lang, ich ging noch ein paar Schritte durch einen dunklen Gang zurück zur Hafenstraße, um ein Bild von hinter dem Zaun des Palastes zu schießen, ging dann doch wieder zurück und stellte mich in die Schlange, die einigermaßen schnell ging.

Nach ein paar Minuten stupste mich ein Wachmann an, bedeutete mir mitzukommen, drängelte sich für mich vor, kaufte mir eine Ausländer-Eintrittskarte und führte mich dann so lange bis zum Eingang, bis er endlich seinen Dollar Bakschisch bekam - herrlich! (Und für die Bangladescher war das völlig okay, unglaublich!)

Im Pink Palace war die Hölle los, fast ausschließlich Bangladescher, aber ich sah tatsächlich ein paar (ostasiatische) Touristen - wir Touristen sind ganz einfach daran zu erkennen, dass wir Einzige vor den englischsprachigen Tafeln stehen. Auch hier wurden Gespräche angefangen, "which country", "what's your name", der Sohn eines älteren Herrn fotografierte uns sogar beim Gespräch, ein Mann wollte ein Bild von seiner Nichte mit mir haben (die Nichte war eher nicht so begeistert), aber ich war so fertig, dass ich die Schönheiten der Ausstellung nicht mehr so richtig wahrnahm. Achtung, Fotografieren ist überall - teilweise streng - verboten, dran halten tut sich keine alte Sau, es ist so lustig zu sehen ... (Und auch insgesamt erinnert das Ganze in seiner ganzen Aufmachung sehr an den Dolmabahçe-Palast in Istanbul, nur dass dort das Fotografierverbot sehr viel strenger durchgesetzt wird.)

Ich lief die Freitreppe hinunter, sah viele Bangladescher da im Gras des Parks sitzen und machte mich auf nach Hause. Unterwegs begegnete mir noch mein Transferfahrer von gestern, sein Kumpel wollte mir eine weitere Reiseführertätigkeit aufs Auge drücken, aber jetzt hatte ich endgültig genug.

Ich lief noch ein paar Schritte, dann nahm ich mir eine Moto-Rikscha (die ist deutlich billiger als ein CNG, obwohl es nicht schneller und für den Fahrer auch nicht anstrengender ist) für 150 Taka (gut einen Euro), navigierte den Fahrer durch den - jetzt aber endgültig noch einmal - absolut wahnsinnigen Verkehr - die fahren kreuz und quer, wirklich kreuz und quer, es ist unfassbar, aber durch das quasi ständige Hupen funktioniert das alles ziemlich gut ...

Er ließ mich am Hotel raus, kriegte ordentliches Trinkgeld, ich ging - über die Straße!!! - ins Zimmer und sitze jetzt mit Blick auf den Verkehr im Hotel-Restaurant, denn hier fühle ich mich wohl, hier ist es kühl, hier hoffe ich, dass die Hygiene einigermaßen okay ist, denn Magen-Darm im Flieger möchte ich möglichst vermeiden.

Ich hatte jetzt einen (kleinen) Fisch, der sehr lecker war, jetzt esse ich noch ein Biryani (hatte ja kein Mittagessen), und dann geht es unter die Dusche und dann heute früh ins Bett, denn das war ein sehr intensiver Tag, aber auch einer, den ich mein Leben lang hoffentlich nicht vergessen werde. Und für Freunde und Bekannte wird der heutige Tag einen weiteren Strauß wilder Geschichten zur Folge haben, die ich ihnen gefragt und ungefragt erzähle ...

So, jetzt Fotos, mal gucken, was das wird ...

Stele an der Armenischen Kirche

Armenische Kirche

Water ATM

Am Fluss

Stadtbild

Lalbag-Fort

Landungsbrücken Sadar Ghat

Moschee in der Altstadt

Blick auf den Buriganga

Ein paar Boote

Werft


Enten zu verkaufen

... oder Ziegen

Wieder Boote

Vogelmarkt

Fischmarkt

Getrocknete Fische

Fischmarkt

Gleich geht's zum Ziegenmarkt

Hinduistischer Tempel

Über diese Brücke bin ich gegangen - wackel, wackel

Hühnermarkt

Blick voraus!

Heimfahrt I

Heimfahrt II

Pink Palace

Blick aus dem Pink Palace auf den Fluss

Pink Palace in seiner ganzen Schönheit

Biryani (im Reis ist ein Hühnchenschlegel und ein Ei versteckt)

Bangladeschischer Fisch

Aus der Rikscha aufgenommen

Skulptur auf der Verkehrinsel


Gleich kommt die Triggerwarnung - wer nicht Vegetarier werden will (oder es wahlweise schon ist), nicht weiterscrollen ...























Triggerwarnung


3, 2, 1 ...

Jo ...

Donnerstag, 31. Oktober 2024

Plötzlich lag eine Frau im Gang

Der jungen Frau geht es (wieder) gut, aber es war ein ziemlich belämmerndes Gefühl, als ich aus meinem Halbschlaf aufschreckte, weil jemand gegen meinen Fuß trat. Ich wollte mich schon aufraffen, die Person anzumeckern, als die Frau sich schon von selbst im Gang längs machte - und dabei sehr unsanft und noch Stunden später sichtbar auf die Nase fiel. Ich bin den Flugbegleitern sehr dankbar, dass sie wussten, was zu tun ist, denn wir Passagiere saßen erstmal ziemlich starr um die Szenerie herum und machten allesamt genau gar nichts ...

Der Flugbegleiter tätschelte ihr ein paar Mal nicht ganz saft auf den Kopf oder ins Gesicht, dann kam die Frau wieder zu sich - das war wohl einfach ein Kreislaufkollaps gewesen, aber einer, der sich gewaschen hatte. Kurz vor der Landung sah ich sie - sie saß zwei oder drei Reihen schräg vor mir -, als sie sich im Handy-Selfie-Vorschaubild mal ihre Nase anschaute - da war ganz schön viel rot ... Aber sonst ging es ihr offenbar gut.

Am Gate in Berlin saß ein Mann, den ich von irgendwoher kannte - meine erste Eingebung "Boxer" erwies sich als richtig, als mir gerade eben im Bus in Dubai der Name des Sportlers einfiel: Arthur Abraham war das, der mit seiner Frau in die Emirate flog. Der war aber am Kollaps der jungen Frau unschuldig, glaube ich ...

Wir starteten um 23.07 Uhr in Berlin und landeten um 8.38 Uhr Ortszeit (6.38 Uhr deutscher Zeit) in Dubai. Ich entschied mich, doch mal kurz in die Stadt zu fahren, aber dazu musste ich einreisen: Als wir nach längerem Fußmarsch an die Einreisekontrolle kamen, wurden alle - jedenfalls verstanden das alle - Passagiere an die SmartGate-Kontrolle, also an die elektronische Einreise, geschickt. Erst kurz vor dem Gerät wurde den Erstlingen (ich war zwar schon in Dubai gewesen, aber das war 2013 und daher war ich nie für dieses Smartgate registriert) gesagt, dass sie doch durch die persönliche Einreisekontrolle müssten - das ist Mist, Freunde, das kann und muss man besser kommunizieren! (Und ich hatte doch keine Zeit!)

Am Fahrkartenautomaten vor mir trödelten die Herrschaften auch rum, aber dann war ich dran, kaufte für 1,50 Euro meine Fahrkarte und fuhr mit der Metro mit einmaligem Umsteigen zum Gold-Souk. Den Gold-Souk fand ich nicht, dafür aber den Creek, also den Meeresarm, an dem Dubai liegt - ich sah allerdings kein Wasser, weil ein Dhau am anderen lag und das ganze Areal auch abgesperrt war. Trotzdem machte ich schnell kehrt, denn ich musste zum Terminal 2, das etwas abgelegener ist (und insbesondere ohne Metrostation und nur mit dem Bus zu erreichen). Ich wusste nicht, wie schnell und gut und pünktlich ich das schaffe, außerdem war mir heiß (mit meinem Rucksack) und zudem hieß es, dass das Terminal nicht ganz so modern sei und längere Schlangen habe.

Die Wahrheit liegt natürlich auf dem Platz, auch dieses Terminal ist wunderbar, auch wenn es das vermeintliche Billigflieger-Terminal ist, aber vorher wollten mir zwei Leute vom Busunternehmen verklickern, dass ich meine Metro-Fahrkarte nur einmal und nicht im Bus benutzen könne. Freunde, ich hatte die drei Minuten vorher in der Metro aufgetoppt, das ging natürlich, und erst als der Busfahrer meine Karte gegen den Kartenleser hielt und der nicht meckerte, glaubten die beiden mir - mehr oder weniger ... Sachma, Leute, da muss ich euch eure Ticketstruktur beibringen, oder wie?

Die Fahrt zum Flughafen war wunderbar, ich sah mehr vom "richtigen", nicht so glitzernden Dubai, das mag ich ja insgesamt sehr, und hier in Dubai ganz besonders, das war nämlich 2013 auch schon sehr interessant, mit dem Bus zu fahren. Die Ausreise und Sicherheitskontrolle war gähnend leer, diesmal klappte die Smartgate-Ausreisekontrolle, die Anweiserin sprach sogar ein bisschen Deutsch ("Guten Morgen" und "Auf Wiedersehen"), sehr schön! (Und dass man Leute mit einem gefälschten deutschen Pass damit aus dem Konzept bringt und das Ganze damit auch eine Sicherheitsmaßnahme ist, braucht man ja gar nicht zu erwähnen ...)

Jetzt sitze ich hier nach einem leckeren, scharfen, teuren Asia-Hähnchen-Baguette und einer Cola (das kleine Bier kostet 10, das große 15 Euro, das war mir dann doch des Guten zu viel) und warte auf das Boarden - achso, die Steckdosen hier in der Kneipe gehen aber nicht, das ist ärgerlich, deswegen tippe ich schnell, bevor der Akku des Rechners schlappmacht ...

Den zweiten Teil des Blogs gibt es dann nach Ankunft in Dhaka, ich glaube, das mit dem Livebloggen mache ich jetzt ab und zu mal, das ist nämlich schön - und dann ist der erste Blogteil schon einmal für die Nachwelt gesichert, auch wenn ich verschüttgehe. Höhö ...

Ich war wirklich in Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten

Wie, das sind gar keine Dhaus? Mir doch wurscht!

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Das Boarding klappte recht gut, auch wenn ich es immer hasse, wenn sie den Final Call machen, wenn noch 100 Man anstehen. Von den 100 Mann waren 90 Bangladescher, und von denen mussten 30 nachzahlen, weil ihr Handgepäck zu schwer war. Ich ließ es gar nicht darauf ankommen, grinste den Kontrolleur nur schief an mit meinem Rucksackchen und lief zu, ohne meinen Rucksack auf die Waage zu stellen - er grinste zurück, klappte ...

Am Gate wurde noch kontrolliert, ob ich auch ein Rückflugticket habe (weil ich nur dann ein Visum bei Anreise bekommen würde), das hatte ich natürlich dabei - sogar ausgedruckt, weil mehrfach irgendwo stand, dass man das ausgedruckt haben soll. Dann war alles in Ordnung und ich konnte boarden.

Auf meinem Fensterplatz saß einer, der am Gang sitzen sollte; ich überlegte hin und her, ob ich ihm den Fensterplatz überlassen sollte, zumal der Mittelplatz frei blieb, aber am Ende pennte ich, sodass sich die Sache zunächst erledigt hatte. Blöderweise kam die Purserin kurz darauf und drückte mir so einen Einreisezählzettel in die Hand, den füllte ich erstmal aus, dann schlief ich nicht mehr ...

Es ging über den Indischen Ozean und Indien, die Leute im Flieger - sowohl die Flugbegleiter als auch die Mitreisenden, auch wenn die ein bisschen unruhig waren für meine deutschen Augen - waren echt lieb, und um 20.31 Uhr Ortszeit erreichten wir bangladeschischen Luftraum. Unterwegs gab es übrigens - das hatte ich wohl so gebucht, was weiß denn ich  - für mich auch eine Mahlzeit, einen Murgh Kashmiri, Reis mit Hühnchen, überraschend lecker. Aber danach war ich dann so vollgefressen, dass ich heute Abend in Dhaka nichts mehr esse.

Wir landeten um 20.54 Uhr und wir standen noch nicht richtig - und natürlich waren die Anschnallzeichen noch an -, als der gesamte Flieger aufstand, naja, der gesamte Flieger außer mir. Die Köfferchen wurden schon herausgeholt, die Flugbegleiter versuchten gar nicht, die Bande zu mäßigen, aber dafür ging es dann, als die Türen geöffnet wurden, erstaunlich schnell, den Flieger zu räumen ...

Ich umkurvte viele Menschen, weil ich möglichst vorne in der Schlange fürs Visum sein wollte, aber bei der Einreise war gähnende Leere. Ein anderer Deutscher, der auch gestern Abend in Berlin eingecheckt hatte und also genauso flog wie ich, war etwas schneller bei den Polizisten, nachdem wir beide den dick und fett "Visa on arrival" beschrifteten Schalter übersehen hatten.

Ich ließ ihm dann auch den Vortritt, konnte aber dadurch schon vor ihm das Visum bezahlen, sodass ich am Ende mein Visum schon vor ihm hatte und auch nicht mehr in der Einreisekontrolle hätte stehen müssen, da hatte ich aber eh nur eine Minute "verschwendet". Der Zoll war auch harmlos, und dann war ich um 21.20 Uhr, nur 26 Minuten nach Landung - wie ich gerade sehe -, in mein 161. Land eingereist. Das ging wirklich gut los ...

Auch die Abholung funktionierte bestens, der Head of Protocol oder wie der sich schimpfte, stand schon am Ausgang, er erkannte mich auf Anhieb (so viele Westler kommen im Moment wohl nicht hierher ...), der Fahrer wurde gerufen und kam schnell, und dann ging es auf das Gewimmel, das sich Verkehr in Dhaka schimpft.

Eins vorweg: Der Fahrer fuhr wunderbar, der wird für die Rückfahrt wieder gebucht. Aber, Freunde der Sonne, da fahren Lkws, Autos, CNGs (Tuktuks), Fahrradrikschas, Motorräder kreuz und quer, wirklich kreuz und quer, durch die Gegend, es wird gehupt, was das Zeug hält, Fußgänger queren auch noch die Straße, ich bin ja wirklich Verkehr gewohnt, aber ich dachte einige Male: "Ach du Scheiße!" Unfälle gab's aber keine, und nach kurzer Zeit waren wir im Hotel ... (Achso, die Schnellstraße, auf der nur Autos fahren dürfen, ist ganz wunderbar! Aber danach kommt man wieder ins Getümmel, und ohje ...)

Hier ist eine Bullenhitze, halt noch schwüler als in Dubai, aber mein Zimmer, das völlig in Ordnung ist (und für das ich keine 30 Euro pro Nacht zahle!), ist schön kühl, es gibt einen abnehmbaren Duschkopf - was will ich denn mehr?

Meinen Fahrer sollte ich an der Rezeption in bar bezahlen, das reichte aber noch morgen, sagte der Rezeptionist, aber ich wollte das aus der Welt haben (und meinen guten Willen zeigen, weil ich ja einen Plan für Samstag hatte), also machte ich noch einen kleinen Spaziergang, um zu gucken, ob ich einen Geldautomaten finde.

"Ohje", denkt der Leser womöglich, wenn er ähnlich vorurteilsbehaftet ist wie der Autor, Geld abheben in einer zwar schon belebten, aber nicht der Hauptstraße, bei einer Feld-Wald-und-Wiesen-Bank in einem Schwellenland, "das wird nicht gutgehen". Pustekuchen, ich konnte für etwa 80 Euro Geld abheben, das klappte auf Anhieb, ich zahlte noch nicht einmal Gebühren - davon können sich die São Tomés und Príncipes und Türkeien (ist das der Plural von "Türkei"?) und Kroatiens und Albaniens der Welt sich mal eine gehörige Scheibe abschneiden.

Ansonsten ist es hier halt schon staubig, laut, hektisch, aber ich wusste ja einigermaßen, was auf mich zukommt, und irgendwie bin ich sehr, sehr angetan von Bangladesch, das muss ich sagen. Ja, klar, das wird auf absehbare Zeit vielleicht keine Stadt sein, in der man über Übertourismus jammert, aber die Menschen hier sind wirklich sehr, sehr freundlich - vielleicht etwas neugierig auf den verrückten Westler, der gerade in diesen etwas unruhigen Zeiten in ihr Land kommt, aber eben umso erfreuter, dass der eine oder andere kommt.

Ich zahlte meine Abholung beim Rezeptionisten, der war fast erschüttert, dass ich mich, um gleich zu bezahlen, im Dunkeln nach draußen gewagt hatte, aber ich wollte ja gerne den Fahrer für Samstag buchen, und da mein Flug erst um 18.50 Uhr geht und ich erst um 15 Uhr weg will vom Hotel, wollte ich auch gerne versuchen, einen Late Check-out herauszuschlagen, sodass ich um 14.30 Uhr noch duschen und dann frisch die Reise zum Flughafen antreten könnte.

Das war überhaupt kein Problem, er war fast ein bisschen beleidigt, als ich nach dem Preis fragte, jo, so ist das alles doch eine Win-win-Situation, der Fahrer kriegt steuerfrei sein Geld, der Rezeptionist seine fette Provision, und ich einen wunderbaren Transfer und das gute Gefühl, frisch geduscht zum Flughafen zu fahren ... (Ich habe natürlich für diese Aktion ein Hemd und ein Unterhemd zu wenig dabei, und meine Hose wird, wenn ich sie am Sonntag im Schwarzwald ausziehe, vor Dreck und Schweiß stehen, aber das ist halt der Preis, wenn man mit Rucksack eine Interkontinentalreise macht ... Und das heutige Hemd ziehe ich morgen - ohne Unterhemd - nochmal an, dann habe ich das auch wieder raus ...)

Jetzt sitze ich im Café des Hotels, trinke meinen zweiten Granatapfelsaft und freue mich gleich auf die Dusche, bevor ich ins Bett gehe ...

Das war natürlich eine nicht ganz unanstrengende Reise, aber ich muss wirklich sagen, ich bin bisher sehr positiv überrascht von Bangladesch ...

Morgen geht es nach Old Dhaka, mal sehen, ob im CNG/Tuktuk oder zu Fuß, schwitzen werde ich so oder so, wir werden sehen ...

Schnappschüsse aus dem Taxi I

Schnappschüsse aus dem Taxi II

Schnappschüsse aus dem Flieger I (Dubai)

Schnappschüsse aus dem Flieger II (Dubai)

Schnappschüsse aus dem Taxi III


Mittwoch, 30. Oktober 2024

Mindestens zweifach bekloppt

... war die Begründung, wieso ich für meinen Flug von Berlin nach Dubai zum Check-in dackeln musste.

Mein Reisebüro hat das grundsätzliche Versprechen, für die bei ihnen gebuchten Flüge einzuchecken; für den zweiten Flug von Dubai nach Dhaka klappte das von Anfang an nicht (daher machte ich das selbst), und heute Nacht bekam ich eine Mail, dass ich für den ersten Flug zwar eingecheckt sei, aber meine Bordkarte nicht ausgedruckt werden könne, sodass ich doch an den Check-in-Schalter müsse. Schöner Mist, da brachte meine wunderbare vorab gebuchte Sicherheitskontrollzugangszeit nix, weil bis dahin der Check-in noch nicht erfolgen sein würde ...

Es stellte sich heraus, dass meine Buchung tatsächlich eine quasi durchgängige ist, und die Condor-Leute meinten, dass sie meine Dokumente für Bangladesch prüfen müssten (ich bin ziemlich sicher, dass ich der erste Fluggast war, der mit einer durchgehenden Buchung mit denen nach Bangladesch fliegt ...). Das war erstens bekloppt, weil ich die Bordkarte für den (vermeintlich kritischen) Flug Dubai-Dhaka schon online hatte besorgen können, und zweitens, weil ich überhaupt nichts in der Hand hatte (außer meinem Reisepass, joa), was beweisen würde, dass ich ein Visum für Bangladesch habe, weil ich selbiges Visum ja erst in Dhaka bei Ankunft erwerben will und werde.

Wenigstens waren die Leutchen am Check-in freundlich, und die Sicherheitskontrolle war auch sehr leer, die Ausreise ging fix (nachdem ein Haufen Britinnen an mir vorbeigelatscht war, aber die müssen ja dank Brexit in die Ausreisekontrolle beim Grenzer, während ich in die elektronische Ausreise konnte), und jetzt sitze ich bei einem Alpenbier (in Berlin!) im fast gähnend leeren Non-Schengen-Bereich und warte aufs Boarding in etwa einer Stunde. (Das wird dann auch der letzte Flug vom BER heute sein; insgesamt ist der Flughafen hier wirklich hübsch - ich fliege ja erstmals hier ab ...) 

Mein Rucksack, bei dem man sehr hätte drücken müssen, um dessen Ausdehnung auf der einen Seite unter 10 cm zu drücken, ging anstandslos durch beim Check-in, sodass ich jetzt sehr zuversichtlich bin, gut boarden zu können. (Eine Interkontinentalreise nur mit Rucksack habe ich auch noch nicht gemacht, glaube ich ...)

Nun denn, um 22.50 Uhr geht es jedenfalls mit Condor nach Dubai; dort komme ich morgen früh um 9 Uhr Ortszeit (6 Uhr deutscher Zeit) an. Mal sehen, ob ich einreise und kurz mal an den Creek oder so fahre (das Online-Buchen der Fahrkarte klappt nicht so richtig), denn um 12.55 Uhr soll ich schon wieder zurück sein am Gate: Mein flydubai-Flug verlässt planmäßig um 13.55 Uhr (10.55 Uhr deutscher Zeit) das Gate und kommt um 20.40 Uhr bangladeschischer Ortszeit (15.40 Uhr deutscher Zeit) in Dhaka an. Ich bin hoffnungsvoll, dass das mit der Abholung durch das Hotel klappt (die kostet mehr als die Hälfte des Zimmerpreises pro Nacht - also 18 Euro ...), sodass ich dann hoffentlich so gegen 22, 23 Uhr Ortszeit (17, 18 Uhr deutscher Zeit) im Hotel bin. Die bangladeschische Einreise soll dauern, zumal ich mir ja noch das Visum kaufen muss (den einen Dollar, der mir noch zum Visumpreis von 51 Dollar fehlte - ich könnte auch in Euro bezahlen, aber Dollar hatte ich noch halbwegs übrig, sodass die erstmal verbraucht werden ... - hatte mir meine Mutter vor ein paar Tagen besorgt, weil ich nicht sicher war, ob die bei der Einreise wechseln können/wollen), aber irgendwann werden sie mich hoffentlich mein 161. Land reinlassen.

Der nächste Blogeintrag kommt dann wahrscheinlich aus Dubai oder - noch wahrscheinlicher - final aus Dhaka, aber das wird erst morgen entschieden.

Jetzt wünsche ich mir erstmal einen guten Flug nach Dubai, ich werde mich morgen verfluchen, dass ich meinen Anorak aus Deutschland wirklich mitgenommen habe, weil ich den in der Hitze in der Gegend herumschleppen muss, aber vielleicht brauche ich den in Zürich am Sonntag ja wieder ...

Sonntag, 20. Oktober 2024

Für norddeutsche Verhältnisse angegrinst

... hat mich der Flensburger Busfahrer, als er mich gestern Morgen wieder eingesammelt hat, zehn Minuten, nachdem ich in Kruså in Dänemark aus dem Bus ausgestiegen war ... Ich konnte also ganz eindeutig erkennen, dass sich sein Mundwinkel um mindestens einen Millimeter nach oben bewegt hatte, als er sah, dass ich tatsächlich vorhatte, wieder in sein Gefährt einzusteigen. Hab ich ihm also am frühen (naja, nicht mehr ganz so frühen) Morgen eine Freude gemacht, sehr gerne!

Ich hatte mit meinem Chef vereinbart, dass ich am Freitag nur einen halben Tag arbeite, und also machte ich mich schon um kurz nach zwölf Uhr auf den Weg zum Hauptbahnhof in Hannover. Die Zugfahrt ging natürlich in die Hose, weil in Hamm die Lok eines Güterzuges brannte und wir umgeleitet wurden, sodass ich später als geplant in Dortmund ankam.

Am Freitag folgte ich dem Schweizer Kumpel, weil er sich deutlich besser in Dortmund auskennt als ich, und er führte mich in die Gastronomie am Markt. Ich kam mir - ohne BVB-Trikot, nur mit Schal - richtig underdressed vor, denn 80 % der Kundschaft und 100 % der Bedienungen trugen ein solches.

Ich bestellte eine Dortmunder Spezialität, einen Salzkuchen, ein würziges (viel Kümmel) Brötchen, und machte mich fast zum Brot, weil ich nicht sicher war, ob die drei Zutaten allesamt oder nur einzeln auf dem Brötchen sein soll. Am Ende bestellte ich einen solchen Salzkuchen mit Schwartenmagen - war lecker, das nächste Mal probiere ich das Ding mit Mett. Die Hauptspeise in Form eines Westfälischen Schnitzels war auch sehr genießbar, und dazu wurde Bier konsumiert.

Vom Stadtgarten aus ging es in Richtung Stadion, die Straßenbahnen waren voll, aber zahlreich (auch wenn nicht so angezeigt), sodass wir zwar getrennt wurden, ich aber zwei Minuten später mit der nächsten Bahn hinterherkam.

Durch die Menschenmassen ging es - unter Konsum eines Bieres noch außerhalb des Stadions, mit dem man aber problemlos ins Stadion kam - auf die Süd. Und ja, es ist atemberaubend! Erst einmal war ich von der steilen Tribüne des Atems beraubt, aber dann auch von Blick und Stimmung. Das "You'll never walk alone" in Mainz ist ja schon auch schick, aber in Dortmund auf der Südtribüne, das ist schon noch einmal eine ganz andere Nummer.

Die ersten zwanzig Spielminuten gehörten zum Intensivsten, was ich in meinem Leben erlebt habe, der Gesang, die Enge, die Idiotie mancher Fans, bei einer Videoüberprüfung, die zu deinen Gunsten ausgeht, "Ihr macht unseren Sport kaputt" zu singen (wenigstens ist es konsequent ...), das war hochspannend ...

Der BVB war besser, aber nicht wirklich zwingend, sodass es die ganze Zeit spannend blieb. Ich klopfte meinem Kumpel bei beiden Tore auf den Kopf - sorry! Und am Ende war alles gut, denn der BVB hatte gewonnen, hervorragend.

Wir machten einen längeren Fußmarsch, fuhren dann mit der zweiten (deutlich leereren) Straßenbahn zurück zum Stadtgarten, fielen noch in eine Kneipe ein (in deren Toilette es streng roch, und ich hatte ein bisschen arg viel Bier erwischt, ich musste mich sehr zusammenreißen) und dann marschierte ich zu meinem ICE nach Hannover, der um 0.33 Uhr abfahren sollte.

Den Zug erwischte ich, ich hatte auch gut Platz, ich penne ein, wir kamen mit einer Stunde Verspätung an, weil es wohl einen Notfall gegeben hatte, den ich gar nicht mitbekam, aber mit der Stunde Verspätung war mir fast recht, denn es hätte so oder so nicht mehr zur kurzen Heimfahrt gelangt, und so musste ich nur wenige Minuten am Hauptbahnhof totschlagen.

Natürlich fuhren auch etliche St.-Pauli-Fans mit zurück nach Hamburg, aber auch im Metronom war es nicht übertrieben voll. In Hamburg erwischte ich auch noch fast entspannt die Regionalbahn nach Flensburg (auch wenn die auf dem falschen Gleis stand und das erst sehr spät korrigiert wurde), und in Flensburg erwischte ich völlig problemlos den Bus nach Dänemark.

An der deutsch-dänischen Grenze kontrollieren die Dänen, der Busfahrer wurde auch befragt, aber da ich der einzige Fahrgast war und schlimmstenfalls müde, aber in jedem Fall harmlos aussah (und weißer Hautfarbe bin), durfte der Bus passieren.

Ich stieg aus dem Bus aus, stand ein bisschen in der Gegend herum, der Bus wurde von einem der Linie 1 zu einem der Linie 7, war aber ansonsten der Gleiche, und nach exakt 11 Minuten und 15 Sekunden fuhren wir wieder am Grenzstein vorbei, sodass ich wieder in Deutschland war.

Auf der Rückfahrt musste ich am ZOB von Flensburg umsteigen, kam aber pünktlich zur Bahn, die stand auch schon da, fuhr aber wegen verspäteter Bereitstellung trotzdem zu spät los, und so verpasste ich in Neumünster um wenige Minuten meinen ICE nach Freiburg. Unterwegs hatte ich diesmal den Nord-Ostsee-Kanal gesehen (den hatte ich auf der Hinfahrt verpennt, obwohl ich Rampe hoch und Schleife runter wahrgenommen hatte), und so fuhr ich jetzt nach Hamburg durch.

Am Dammtor stieg ich aus, nahm den Bus zur Reeperbahn, lief in Richtung Landungsbrücken und nahm mir an meiner Stamm-Fischbude zwei Fischbrötchen mit. Über Altona machte ich mich zurück zum Bahnhof Dammtor und verspeiste da mein Backfisch- und mein Matjesbrötchen.

Der Zug war einigermaßen leer, ich hatte meine Ruhe, schlief öfter mal ein, biss mir während eines Traums offenbar auf die Zunge (aua!) und wurde um 21.15 Uhr freundlicherweise von meiner Ma in Freiburg eingesackt, was mir zweieinhalb Stunden Gegurke mit Ersatzbus und S-Bahn ersparte.

Jo, und heute Mittag gab es dann um 12 Uhr Frühstück - schön war's. Heja BVB, hej Danmark, ein bisschen ärgere ich mich nur, dass ich nicht doch bis Basel durchgefahren bin - an einem Tag in Dänemark und in der Schweiz gewesen zu sein (über Land), wäre schon schick gewesen ...

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Sehr viel weniger schick ist das Geschäftsgebaren von Air China.

Ich hatte ja vor Monaten unseren Flug über Weihnachten nach Macau gebucht, aber gestern bekam ich eine Mail von meinem Reisebüro, dass Air China den Flug nicht nur storniert hätte, sondern auch keine Alternative angeboten hätte. Daher bliebe nur die Stornierung.

Ich schrieb nochmal mit dem Reisebüro, bekam aber noch immer keine befriedigende Antwort, also blieb mir jetzt wenig anderes übrig als der Zurückerstattung des Fluges zuzustimmen (und ich hoffe, die Kohle kommt dann auch bald!). Zum Glück habe ich die Hotels in Macau und Shanghai stornierbar gebucht, aber das Ganze ist maximal ärgerlich.

Air China bekam auch eine geharnischte Mail von mir, denn auch wenn ich schon ein paar Mal umgebucht wurde, in Europa und den USA, so habe ich praktisch immer - jedenfalls von größeren Fluggesellschaften wie Air China es auch ist - eine vernünftige Alternative angeboten bekommen. Dass Air China das - jedenfalls nach Auskunft des Reisebüros, dem ich da allerdings auch nicht so hundertprozentig traue - nicht hinbekommt, sorgt dafür, dass ich auch Air China in Zukunft meiden werden - so ein Saftladen!

Ich bin jetzt jedenfalls gespannt, wo wir jetzt Weihnachten landen - die Vereinigten Arabischen Emirate stehen hoch im Kurs, vielleicht auch Tunesien, vielleicht die Kanaren, das gucken wir in den nächsten Tagen, denn billiger wird's natürlich wahrscheinlich nicht mehr ...

Und irgendwann komme ich schon noch einmal nach Hongkong und Macau, wobei es ja auch nur noch 23 bzw. 25 Jahre sind, bis die komplett in China einverleibt werden dürfen und dann wahrscheinlich auch ihren ISO-Sonderstatus verlieren ... Dann bin ich 65 bzw. 67, also hoffentlich noch voll reisefähig - aber trotzdem, die beiden Gebiete würde ich schon gerne vorher noch besuchen ...

Dänische Einreisekontrolle - Blick aus Dänemark

Beweisfoto

Heja BVB!