Meine Länder

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Freitag, 3. April 2026

Je ne suis pas américain (immer noch nicht)!

So ähnlich, nur in meiner Version der Lautschrift einer der westafrikanischen Sprachen, die die Menschen in Benin und Togo gesprochen haben, hatte ich das schon im September 2017 ausgerufen, und musste es heute auch wieder tun.

Mein Französisch ist natürlich, das weiß die geneigte Leserin und der geneigte Leser, nicht das Allerbeste (wobei viele Burkiner auch etwas Englisch können, und ein bisschen komme ich mit meinen brockenhaften Französischkenntnissen auch klar), und gerade angesichts meiner schlanken Figur kann ich den Menschen fast keinen Vorwurf machen, dass sie denken, ich wäre Amerikaner, aber ich bin's halt einfach nicht - und gerade für Burkina Faso wäre es richtiggehend (ganz besonders) schlecht, US-Amerikaner zu sein, denn die sind seit Ende 2025 von der Visumerteilung für Burkina Faso ausgeschlossen. Das nennt man wohl Gegenseitigkeit, Monsieur Trump ...

Als ich dann bekanntgab, dass ich allemand sei, aus Allemagne oder der Einfachheit halber Germany, wurde mir mindestens einmal bon pays zugerufen, also "gutes Land". Ist mir nicht zum ersten Mal unterwegs passiert und hoffentlich auch nicht zum letzten Mal.

Passiert ist das alles auf dem Grand Marché (oder Marché Central) von Ouagadougou, nachdem ich den zunächst vergeblich gesucht und erst nach Kontaktaufnahme mit einem Polizisten gefunden hatte (retour et à droite oder so). Den Großen Markt wollte ich mir nämlich als Erstes anschauen, weil der laut Google ziemlich in der Nähe meines Hotels war (und in Wirklichkeit ist er noch näher).

Ich hatte heute Morgen ausgeschlafen und wachte erst gegen halb neun auf. Das war vielleicht dem leckeren Bier geschuldet, vor allem aber der Tatsache, dass ich im Flieger nicht so arg viel geschlafen hatte. Ich hatte in der Nacht den Ventilator noch von Stufe 3 auf Stufe 1 heruntergeschaltet, weil es mir schon arg ins Gesicht blies, dann war alles bestens und ich schlief wirklich gut durch.

Halb neun war insofern zu spät, als dass die Zeremonie an dem Mogo-Nabha-Palast, die anzuschauen ich mir mal vorgenommen hatte, schon um 7.15 Uhr angefangen hatte; mithin hatte ich diese verpasst. Schade, aber ich habe mir ja vorgenommen, hier wirklich Urlaub zu machen, deswegen war das auch okay so (dementsprechend bin ich, aber ich greife vor, heute auch nach relativ kurzem Ausgang wieder ins Hotel zurück, um ein wenig Siesta zu machen, während der ich ja traditionell gerne am Rechner herumschraube - und nein, ich betätige mich natürlich nicht wirklich als Handwerker, sondern ich surfe dabei ein bisschen im Internet herum - der Guardian ist hier übrigens aus dem WLAN nicht aufzurufen, aus dem Funknetz dagegen schon, verstehe, wer will - und lese mich in das Land ein, in dem ich hier bin, das mache ich ja immer gerne vor allem vor Ort). Ich ließ mir Zeit, duschte nochmal und ging dann so gegen 10 Uhr aus der Bude raus.

Mein Verkäufer, der zehn Meter neben dem Eingang zum Hotel seinen Stand hat, passte mich wieder ab, ich sagte ihm, dass ich mich heute mal umgucke und dann vielleicht heute Abend was kaufe. Nun also lief ich zunächst falsch auf der Suche nach dem Grand Marché und landete am Rathaus; da wollte ich wirklich nicht fotografieren, zumal da viel Polizei steht, aber die Statue im Kreisverkehr sah schick aus. Ich sprach also den Polizisten an und wurde nicht sofort festgenommen, sondern recht freundlich zur Umkehr bewegt.

Ich lief ein paar Schritte zurück, vorbei an modernen Gebäuden, aber auch vorbei an vielen einfachen Verkaufsständen, guckte, dass ich nicht über den Haufen gefahren werde (viele Menschen laufen hier rechts auf der Straße, aber das ist mir zu gefährlich, weil ich es einfach nicht gewohnt bin, dass die Motorräder auch recht knapp an einem vorbeifahren und mir nicht zutraue, jedes Mal daran zu denken, bevor ich einen Ausfallschritt nach links mache; daher laufe ich in aller Regel gleich links, so wie man es auch beigebracht bekommt im Rechtsverkehr) und lief schließlich auf eine Menschenmasse zu, die fast nur der Markt sein konnte.

Hier fahren viele, sehr, sehr viele Motorräder in der Gegend herum - und nicht so brutal arg viele Autos. Dementsprechend wuselig ist es hier, weil auch noch das eine oder andere Fahrrad und die eine oder andere Lastkarre sich den Straßenbereich mit allen anderen, einschließlich uns Fußgängern, teilen, sodass ich öfter stehenblieb und andere vorbeiließ, weil es halt sonst eng werden kann, auch weil die Motorräder nur meistens auf der rechten Straßenseite fahren.

Hinter dem Tor zum Grand Marché fahren aber wenigstens keine Motorräder und andere motorisierte Fahrzeuge, aber ruhiger ist es trotzdem nicht, weil da jede Menge (und ich meine jede Menge) Menschen in der Gegend herumlaufen, -sitzen, -stehen. Ich werde - américain halt - oft angesprochen, "boss" mag ich nicht so, "big boss" schon gar nicht, "capitaine" hat mir mehr gefallen, und am häufigsten ist einfach "monsieur", und das beziehe ich wahrscheinlich gar nicht immer auf mich, auch wenn ich gemeint bin.

Die geneigte Leserin und der geneigte Leser weiß, dass ich überhaupt nicht gerne - jedenfalls nicht mit Gewinnerzielungsabsicht - gegen meinen Willen angefasst werde, das klappt hier aber in Ouagadougou ziemlich gut, bis auf ein bettelndes Mädchen und eine Almosensammlerin (ich kam später zufällig nach dem Mittagsgebet an der Großen Moschee vorbei) hat mich niemand bedrängt. Was aber häufig stattfindet, ist einfach ein Handschlag - die Burkiner legen großen Wert auf das Grüßen und Gegrüßtwerden, das liest man überall in den einschlägigen Reiseführern, daher versuche ich das auch zu machen, und das klappt ziemlich gut.

Ich war heute - ähnlich wie in Bangladesch - in Probierlaune und ließ mich daher von einem immer größer werdenden Rudel halbwegs Englisch sprechender junger Männer zu einem Hemdenladen begleiten. Die hatten wirklich hübsche Dinge da, aber ich fing an, mich ein bisschen unwohl zu fühlen, weil die (neugierige) Menge immer größer wurde - am Ende standen da acht, neun Mann um mich herum. Da war überhaupt nichts Aggressives dabei, nullkommanull, aber doch ein bisschen mehr Überzeugungsversuche als mir lieb waren, insbesondere dann, wenn ich nicht im Zweifel (und das war immer noch weiter davon entfernt, notwendig zu werden!) schnell "flüchten "kann. Noch einmal: Niemand hat da einen Fehler gemacht, niemand war in irgendeiner Weise böswillig, die waren alle nur neugierig und völlig akzeptabel verkaufsorientiert, aber es war mir halt zu crowded (viele Menschen), und das sagte ich dem einen Typen dann auch. Das Resultat war, dass ich sofort in einen angrenzenden Laden gelotst wurde, und dann ließen die mich auch alle in Ruhe. Wunderbar!

Normalerweise ist es in nicht ganz so reichen Ländern sowieso das Problem, dass die Verkäufer keine Sachen haben, in die ich reinpasse. Hier war der Händler aber zuversichtlich, etwas zu finden, das ich tragen kann, und jetzt hatte ich mich - angesichts der Preise war das nicht völlig verantwortungslos - schon in so eine Lage manövriert, dass ich zwar immer noch hätte Nein sagen können, aber das eigentlich nicht mehr wollte. Am Ende erstand ich tatsächlich ein ganz hübsches Hemd mit langen Ärmeln, allein durch Zeitablauf beim Anprobieren (höhö) wurde das von 15.000 auf 10.000 Franc (etwa 15 Euro) "heruntergesetzt", immer noch viel zu viel sicherlich, mal sehen, ob ich das mal irgendwann wirklich trage, ansonsten ist es halt ein schönes Souvenir ...

Ich machte noch einen kleinen Spaziergang durch die engen Gassen des Großen Marktes, und natürlich ist es so, dass (nur) in den allermeisten Fällen da nichts passiert und ein Idiot reicht, der dich beklaut, aber ich fühlte mich da überhaupt gar nicht unwohl, sodass ich die relativ intensiven Warnungen gerade vom dem Grand Marché nicht so ganz nachvollziehen kann. Ja, klar, ich bin nicht ganz klein, dafür aber recht breit, ja, ich bin ein Mann, und, ja, ich hab sowas schon öfter gemacht und stand nicht wie ein Reh im Scheinwerferlicht panisch in der Gegend herum und signalisierte "Ich bin hilflos, beklaut mich!", ja, klar, ich hatte sehr bewusst heute keinen Rucksack dabei, den Pass in einer durch Knopf gesicherten Hemdtasche und Handy und Geldbeutel in der relativ engen Jeans direkt am Mann, aber das, so ein Markt, liebe Leute, das ist Afrika, das muss man sich angucken, wenn man wissen will, wie die Menschen hier leben (wobei ich die Lebensmittelabteilung gar nicht gesehen habe ...).

Von der Kochschüssel bis zur Jeans, vom Koffer bis zum Handy, im Grand Marché gibt es alles, was man braucht, das war sehr beeindruckend. Fotos habe ich im Grand Marché allerdings nur eines gemacht, die Burkiner sollen nicht so glücklich sein, wenn man sie fotografisch abschießt (wer ist das schon?), das Auswärtige Amt warnt auch vor der Polizei, die dich festnimmt, wenn du Fotos jedenfalls von sensiblen Objekten machst, da wollte ich nicht viel riskieren, zumal man das Geschehen auf dem Markt nicht fotografieren kann, ohne Menschen (und insbesondere Frauen, bei denen das Fotografieren noch kritischer ist) relativ prominent zu erwischen.

Ich lief ein paar Schritte weiter - es ist immer noch heiß, ich schwitze, klar, aber es ist soooo viel angenehmer, hier bei 35 Grad unterwegs zu sein als bei 28 Grad in schwülen Gefilden - und marschierte in Richtung Bahnhof. Von dort gehen Züge ab in Richtung Elfenbeinküste, ein- oder zweimal die Woche, da stand aber viel Polizei in der Gegend herum, so richtig offen sah der Bahnhof auch nicht aus, also lief ich nicht bis direkt dorthin, sondern drehte um.

Nun wanderte ich durch eine schöne Allee, dort hatten die Schuhverkäufer ihr Domizil, denn ein Schuhverkaufsstand nach dem anderen bot seine Waren feil. Manchmal wird man in Westafrika, so auch hier, so angezischt, um deine Aufmerksamkeit zu erhalten, das mag ich überhaupt gar nicht und wird von mir bewusst ignoriert, aber einer der Schuhverkäufer sprach mich an (mit Worten, also akzeptabel), und ich überquerte die Straße, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das ergab nicht wirklich Sinn, denn Schuhe wollte ich wirklich nicht kaufen, und so zog ich dann auch nach kurzer Zeit von dannen.

Ich war jetzt eine Straße hinter dem Zugang zum Maison du peuple, also zum Volkshaus, herumgelaufen und wollte mir dieses Gebäude doch einmal aus der Nähe ansehen. Joa, das sieht ein bisschen heruntergekommen aus, ich ging näher heran, da sah es auch nicht so richtig einladend aus, viele Türen geschlossen, dunkel, da soll es auch Verkaufsstände mit Essen und so etwas geben, aber so richtig überzeugt war ich nicht, das Ding zu erkunden, also ließ ich es sein und wanderte stattdessen - nach längerer Wartezeit schaffte ich es, eine der Hauptstraßen zu überqueren, weil ich doch noch nicht so eiskalt bin wie die Burkiner und mitten in den Verkehr reinlatsche - durch eine kleine Straße in Richtung meines angedachten Mittagessenslokals.

Ein Verkäufer sah, dass ich auf die schönen Holzfiguren und -masken schaute, die er anbot, und stand schneller bei mir, als ich "bonjour" sagen konnte. Auch er sprach, obschon etwas älter, ein bisschen Englisch, und am Ende kaufte ich bei ihm sogar ein kleines Souvenir (für wahrscheinlich auch zu viel Geld, aber zumindest ein bisschen hatte ich gehandelt ...). Und das kostet ja hier alles kaum fünf oder zehn Euro, da sehe ich es inzwischen fast nicht mehr ein, ernsthaft zu handeln, auch wenn ich damit die Preise ein bisschen kaputtmache und ("viel") zu viel zahle; andererseits sind hier so wenige offenkundige Ausländer unterwegs, und wenn sie da an jedem zwei, drei Euro Übergewinn machen, ja mei, dann ist es halt so - ich zahle etliche hundert Euro, um in ihr Land zu kommen, soll es mir da wirklich auf ein paar Euro ankommen? Und die Einheimischen kennen die reellen Preise ja sowieso, denen mache ich die Preise nicht kaputt.

Ich marschierte - ich hatte heute Morgen natürlich noch nix getrunken und war schon etwas dehydriert - weiter, immer weiter in Richtung meines angestrebten Mittagessenslokals, während ich kurz mit der Heimat telefonierte. Ich war schon fast da, als ein Mann Wasser ausspuckte und dabei fast meine die Schuhe traf, der hatte mich wirklich nicht kommen sehen, und es war ja alles gutgegangen ...

Mein Mittagessenlokal war leer, nur ein einzelner Herr saß in einem etwas sterilen Gastraum, die Bedienung kam und sprach wirklich gar kein Englisch, sodass ich nicht ganz verstand, ob es die längere Liste an Sachen, die sie aufzählte, nun gab oder gerade nicht gab. Natürlich hatte ich sie missverstanden und zog mich auf gegrillten Hähnchen als Essenswahl zurück, dazu gab es eine große Flasche Wasser und "World Cola", eine in Burkina Faso gebraute Cola (die ziemlich gut schmeckt!). Bier hatten sie nicht, war vielleicht auch besser so, und das Essen war durchaus lecker, auch die (sehr) scharfe Soße, die es in einem Schälchen dazu gab, war gut - aber es war gut, dass es die im Schälchen gab, weil ich sie wirklich nur sparsam verwendete ...

Am Schluss musste ich 15 Euro bezahlen, über die 2 Euro Trinkgeld freute sich die Bedienung wirklich sehr, ich gucke mal, ob ich da wieder hingehe, denn sooooo begeistert war ich jetzt auch wieder nicht, dass ich nicht noch andere Restaurants in Betracht ziehen würde.

Ich wanderte zurück, nahm diesmal die Hauptstraße und überquerte diese, denn ich wollte über den Umweg bei der Großen Moschee noch einmal zum Grand Marché, weil der eh auf dem Heimweg lag. An der Großen Moschee war gerade das Freitagsgebet vorbei, entsprechend strömten Menschen aus dem Gebäude, ich wagte mich an ein Foto, natürlich lief mir eine Frau direkt vor die Flinte, aber da konnte ich jetzt wirklich nix für. Ich lief in die Seitenstraße hinein, da standen etliche Frauen und sammelten Almosen (das Almosengeben ist ja, wenn ich es richtig verstehe, eine der fünf Säulen des Islam), ich gab nix, sondern bog am Ende der Seitenstraße in eine andere Straße ein und musste mich erst einmal orientieren.

Ich wollte die Chance nutzen, vielleicht ein Foto von der Empore des Grand Marché zu machen, also lief ich eine Treppe hoch und kam in einen kleineren Markt, in dem Touristen jetzt wirklich nicht oft vorbeikamen, denn hier wurde ich deutlich interessierter von allen Menschen beäugt. Wichtig ist ja immer, dass man zumindest so tut, als wisse man, wo man hinwill, also latschte ich da durch, bog ab - und wusste dann, wo ich war, denn ich kam die Stufen zum Haupteingang hinunter, durch den ich heute Morgen auch gekommen war.

Ein Schlepper war jetzt etwas motivierter, wurde aber abgewimmelt, denn ich suchte den Treppenaufgang zur Empore; dazu musste ich aber erstmal wieder aus dem Markt raus, dann fand ich die Freitreppe auch. Ich hatte ja schon gegessen, sonst wäre ich womöglich in das Restaurant dort oben rein, denn das sah recht appetitlich und auch vergleichsweise geräumig aus dort.

Ich war immer noch in Kauflaune, denn ich ließ mich wieder anquatschen. Ein Händler hatte Magnete, davon kaufte ich ein paar als Mitbringsel (ein paar Damen im Umkreis meiner Ma freuen sich immer darüber) - und die Preise dort waren deutlich besser als bei meinem Verkäufer am Hotel, der sich also verpokert hatte mit seinem Einstiegsangebot bei mir, zumal ich den Verkäufer hier im Großen Markt auch noch pro forma um 1,50 Euro herunterhandelte für das Gesamtpaket.

Ich musste 5.000 Franc bezahlen (7,50 Euro), habe aber nur 10.000er-Scheine, also drückte der Händler einem anderen Verkäufer die 10.000 Franc in die Hand, er sollte wechseln gehen. Weg war er! Auch das hatte ich schon öfter erlebt, auch hier kam der Typ irgendwann wieder und brachte dem Verkäufer die zwei 5.000-Franc-Scheine, von denen ich einen zurückbekam, alles bestens. Ja, auch da verstehe ich, dass der (Afrika-)Anfänger da womöglich Panik bekäme, wenn plötzlich das Geld weg ist, aber andererseits hätte ich dem Typen im Zweifel alle Schand gesagt, mir noch was ausgesucht und wäre dann davonmarschiert - wäre vielleicht ein Geschäftsmodell für ihn, aber kein wirklich gutes ...

Kaum hatte ich ihm das Geld gegeben, zeigte er mir etwas Hübsches, das vielleicht als Geschenk für meine Ma durchgehen könnte. Sie liest mit, also verrate ich nicht, was es ist - normalerweise bringe ich ihr nichts mehr mit, außer - und so ist es hier hoffentlich - es ist etwas, das sie wirklich gebrauchen kann und das nicht herumsteht und verstaubt. Den Preis fand ich ein bisschen hoch (natürlich ist mir für meine Mutter nichts zu teuer, aber trotzdem ...), da nahm meinem Verkäufer ein anderer Verkäufer die Tasche aus der Hand und nahm mich zu seinem Stand mit. Bei dem anderen Verkäufer kaufte ich dann die Tasche des ersten Verkäufers (nachdem der zweite Verkäufer noch einmal um zwei Euro mit dem Preis heruntergegangen war), sodass ich jetzt definitiv wusste, dass der immer noch viel daran verdient hat ...

Auch hier musste ich mit einem großen Schein bezahlen, auch hier wurde ein Läufer losgejagt und ich zu einem dritten Stand vertröstet, auch hier kam mein Wechselgeld zurück, aber am dritten Stand kaufte ich jetzt nix mehr. Einkaufsbummel beendet!

Ich lief noch ein Stück durch die Empore des Großen Marktes, auch hier war viel los, aber in Burkina Faso ist es nicht so wie in touristischeren Ecken in Ostafrika, etwa in Kenia oder Tansania, wo dir alle Naselang ein Kind mzungu hinterherruft. Die Kinder sind hier sogar ziemlich zurückhaltend und die Erwachsenen sowieso - klar, gegrüßt wirst du oft, klar, sie wollen Waren bei dir an den Mann bringen, aber dieses Begaffen wie etwa auch in Bangladesch habe ich hier noch gar nicht erlebt.

Jetzt war ich - erstens - nahe beim Hotel und - zweitens - ein bisschen durch. Das Ganze soll Urlaub sein, aber damit es das auch ist, war es jetzt erst einmal genug. Natürlich ist es für den Geist anstrengender, hier auf der Straße zu laufen und zu gucken, dass dich keiner umfährt (bzw. du keinem Gefährt in den Weg läufst), es ist anstrengender, sehr genau zu gucken, wo man hinläuft, denn da kann schonmal so eine Kanalabdeckung fehlen, natürlich sind die Eindrücke hier wahnsinnig vielfältig, von den Essensgerüchen (fast immer sehr lecker, aber ich bin inzwischen halt auch ein bisschen vorsichtiger geworden, einfach an einem Straßenstand was zu essen, auch wenn ich ein, zwei Mal kurz davor war) über die durchaus andere Abgassituation hier bis hin zu den zwar meist asphaltierten Straßen, die dann aber doch von staubigen Banketten gesäumt werden. Natürlich ist es aus dem deutschen Alltag ungewohnt, so oft angesprochen zu werden (das geht den Burkinern allerdings auch nicht anders, aber die sind das tagtäglich gewohnt, ich bin gestern und heute zum ersten Mal seit acht Monaten [so lange ist Malawi her!!!] wieder in einer afrikanischen Stadt unterwegs gewesen), und daher war ich jetzt durch und lief ins Hotel, nicht ohne mir bei einem Inder eine Cola und eine große Flasche Wasser zu kaufen.

Mein Verkäufer am Hotel wird sich schon gedacht haben, dass das nix mehr wird, denn jetzt bot er mir die Magnete zu einem günstigeren Preis an als gestern, aber immer noch teurer als im Grand Marché; als ich ablehnte, wusste er endgültig, dass er sich verspekuliert hatte. Joa, Kollesch, hätte klappen können ...

Jetzt habe ich gute zwei Stunden in meiner Bude verbracht, ich war ja richtig schreibwütig heute. Ich hoffe natürlich, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt habe und also morgen nicht beklaut, überfallen und anschließend festgenommen werde, nachdem ich das heute alles so verharmlost habe, aber ich muss wirklich sagen, dass es mir hier echt gut gefällt. Und auch mein Hotel gefällt mir immer besser, die Klimaanlage ist gut, der Ventilator ebenso, Strom ist auch da, mein Handy funktioniert auch wieder (das hat mir gestern wieder mal olympiaähnliche Sorgen gemacht). Und ich denke, ich esse heute Abend wieder hier im Hotel, da ist der Weg nicht weit, und gerade im Dunkeln muss man aus diversen Gründen nicht mehr unbedingt durch die Gegend laufen, gerade wenn man ein bisschen Brakina, burkinisches Bier, das übrigens auch sehr lecker ist, intus hat.

Morgen allerdings könnte es passieren, dass ich in einem kleinen Café hier um die Ecke zu Mittag esse, die haben anscheinend ein paar Sachen der einheimischen Küche im Angebot (das kriegt man in den gehobeneren Restaurants wie etwa hier im Hotel meist gar nicht), das sah von außen ganz gut aus, und da saß heute auch ein Weißer, der nicht so aussah, als ob er zum ersten Mal da wäre.

So, einige wenige Fotos von heute kommen auch:

Wirklich viele Motorräder hier - wie auf dem Parkplatz beim Großen Markt

Blick auf den Grand Marché

Große Moschee (mit ein bisschen Straßenszene davor)

Volkshaus

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