Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 4. April 2026

Drei Identitätsfeststellungen und eine kurzzeitige Festnahme

... habe ich heute erlebt. Dass ich das mal schreibe, hätte ich nicht erhofft, vielleicht aber erwartet, allerdings nicht unbedingt in diesem eigentlich so wunderbaren Land ... Aber im Regierungsviertel waren sie echt nervös, alle miteinander ... (Und, naja, obwohl, eigentlich war das in Abchasien auch so eine Art Festnahme, da bin ich auch nicht sicher, ob ich mich einfach so wieder hinter die Grenze hätte verziehen können ...)

Ich schlief auch heute Morgen ganz gemütlich aus und machte mich mich fertig, sodass ich gegen - ich glaube - 10 Uhr aus der Bude kam. Ich lief schon mehr oder weniger altbekannte Wege, am Grand Marché vorbei, links herum, rechts durch eine hübsche Allee, wieder links in Richtung Staatsrat und dann auf der Avenue de l'Indépendence in Richtung Präsidentenpalast, nachdem ich mir in einer Tankstelle etwas zu trinken gekauft hatte.

Auch auf der Avenue fahren sehr viele Motorräder, aber insgesamt ist die Straße dort breiter, es ist alles luftiger, da sind auch viele Ministerien, vor dem Parlament (das eine echte Baustelle ist, da ist viel abgerissen worden ...) stand ein Pritschenwagen mit Lafette, also mit Maschinengewehr, hinter dem auch einer Wache schiebt. Da lief ich schön weiter und machte keine Fotos ...

Vor dem Präsidentenpalast muss man abbiegen, ich bog nach links ab, marschierte weiter durchs Regierungsviertel, die Abkürzung, die ich im Auge hatte, wäre mitten durch irgendein Ministeriumsgelände gegangen, also lief ich außen herum und über die Avenue du Capitaine Thomas Sankara, eine Ausfallstraße, benannt nach dem 1987 ermordeten Präsidenten des Landes, zu dessen Mausoleum ich sowieso noch wollte.

Ich war gerade an der Botschaft von Ghana vorbeigekommen, als ein Motorradfahrer neben mir anhielt und mich in ein Gespräch verwickelte. Er sprach ein bisschen Englisch und fragte noch meinen Dokumenten. Der Mensch war in zivil, also fragte ich erstmal, wieso - er sagte, er sei Polizist. Joa, dann möge er mal bitte seinen Dienstausweis herausrücken, meinte ich. Das tat er tatsächlich, jedenfalls zeigte er mir ein Kärtchen, auf dem dick "POLICE" stand - joa, dann blieb mir wenig übrig als ihm meinen Pass in die Hand zu drücken. Er guckte ein bisschen darin herum und gab ihn mir wieder zurück. Das fand ich noch ziemlich schräg.

Es wurde aber schräger: Ich bog bald darauf rechts ab, überquerte die Avenue du Burkina und latschte in die Nebenstraße hinein, in der die deutsche Botschaft war. Da stand sie, aber kaum stand ich davor, kam schon der Soldat, der in der Nähe im Schatten auf einem Plastikstuhl gesessen hatte, auf mich zu - gleichzeitig sprach der Pförtner in seine Sprechanlage, sodass ich gar nicht wusste, wem ich zuerst antworten wollte. Der Soldat sprach kein Englisch, also tippte ich in Google Translate (das mir heute gute Dienste leistete!) ein, dass ich doch nur die Botschaft meines Landes habe sehen wollen. Auch der Typ wollte meinen Pass sehen, bekam er, dann durfte ich wieder gehen - so richtig verstanden hat er mein Anliegen, glaube ich, nicht, aber ich war froh, den wieder los zu sein. Und natürlich habe ich kein Selfie vor der Botschaft gemacht ...

Ein paar Schritte weiter ist das Mausoleum von Thomas Sankara, der sich 1983, öhm, zum Präsidenten des Landes gemacht hatte und 1987, als sein Nachfolger sich zum Präsidenten machte, ermordet wurde. Ich zahlte fünf Euro Eintritt und bekam einen Guide verpasst, der sehr sympathisch war, aber nur Französisch zu sprechen vorgab (in Wirklichkeit sprach er ein bisschen Englisch, bat aber zwischenzeitlich eine andere Guidin, mir ein paar Sachen auf Englisch zu erläutern); verstanden habe ich trotzdem ein bisschen was, auch wenn es sich definitiv auszahlte, dass ich gestern noch ein bisschen was zur burkinischen Geschichte in der Wikipedia gelesen hatte.

Er zeigte mir die Statue Sankaras in diesem erst 2025 eingerichteten Komplex, führte mich dann zu dessen Büro, vor dem Sankara getötet wurde, und das sich noch im Originalzustand befinden soll, und schließlich ist das wirklich sehr schöne Mausoleum Sankaras und der zwölf Mitstreiter, die ebenfalls bei dessen Tötung umgebracht wurden. Das Mausoleum wurde übrigens von einem deutsch-burkinischen Architekten geplant, von Diébédo Francis Kéré, der 2022 den offenbar renommierten Pritzker-Preis erhalten hat (die Guidin nannte das den "Nobel Prize of Architecture"); Herr Kéré lebt anscheinend schon seit 1985 in Deutschland, und ich muss gestehen, dass ich von ihm noch nie gehört hatte ...

Das Mausoleum fand ich wirklich sehr schön, auch wenn das Fotografieren im Inneren, wie auch im Büro des getöteten Präsidenten, nicht erlaubt ist; draußen durfte ich hochoffiziell Fotos machen ... (Und bei dem Säulengang um das Mausoleum wurde ich das Gefühl nicht los, dass Herr Kéré schonmal im Berliner Olympiastadion gewesen sein muss ...)

In die jüngere Geschichte Burkina Fasos muss ich mich noch (weiter) ein bisschen einlesen, weil das mit "Sankara panafrikanisch, marxistisch, antiwestlich" wahrscheinlich ein bisschen zu kurz gesprungen ist, vielleicht fasse ich da noch einmal etwas zusammen, aber eher erst, wenn ich wieder zu Hause bin, vermute ich ...

Jetzt hatte ich mit Botschaft und Mausoleum mein Minimalprogramm für heute erfüllt und stand noch eine ganze Weile in der Gegend herum, auf der Suche nach einem Plan für den Rest des Nachmittags. (Achso, auf dem Mausoleumsgelände waren auch zwei Deutsche unterwegs, er schien Botschaftsangehöriger zu sein, aber angequatscht habe ich sie nicht, weil es sich gerade nicht ergab.)

Schließlich entschied ich mich, in Richtung des Parc Bangr Weogo zu wandern, einer Art Stadtpark. Ich hatte viel zu wenig getrunken und war zudem auf der falschen Straßenseite unterwegs, aber da hinten kam zum Glück einer Fußgängerüberführung. Die watschelte ich hoch und eruierte oben dann auf dem Handy, ob sich der Park lohnen würde oder ob ich eine der Gaststätten dort in der Nähe besuchen sollte.

Das Eruieren dauerte wohl ein wenig zu lang, denn plötzlich kam ein Polizist angeschlurpt (diesmal in Uniform) und wollte meinen Pass sehen. Er meinte, ich hätte da oben fotografiert. Joa, hatte ich glücklicherweise wirklich nicht, aber so kann's halt gehen ... Er bedeutete mir mitzukommen und lief die Treppe runter und in ein Kabuff, vor dem ich warten sollte. Zwei, drei Minuten später wurde ich hereingerufen und mir bedeutet, ich solle mich hinsetzen.

Per Google Translate ging nun die (nicht ganz so peinliche) Befragung los, zunächst war ich aber zwei, drei Minuten alleine, in denen ich die Bilder, so ich denn verbotenerweise welche gemacht hätte, auch hätte löschen können. Das war mal wieder so eine Situation, bei der ich nicht verstand, wieso Politiker und Polizeifunktionären behaupten können, dass man Polizisten auch mal ein bisschen gesunden Menschenverstand unterstellen könne ...

Er fragte mich, ob ich fotografiert hätte, ich sagte (wahrheitsgemäß) "nein", er wollte die Bilder auf meiner Handy-Galerie sehen, ich zeigte sie ihm, da war natürlich nix, er meinte nochmal, dass das Fotografieren da oben verboten sei (wieso auch immer?!), ich sagte nochmal, dass ich ja gar nicht fotografiert hätte, dann durfte ich gehen - und ich Dussel sagte auch noch au revoir, also "auf Wiedersehen" ...

Joa, da hatte jetzt keiner die Knarre im Anschlag, und im ersten Moment überlegte ich, was mich das jetzt kosten würde, aber erstens schien der Typ tatsächlich nur seine Anweisungen etwas übereifrig zu befolgen, und zweitens hatte ich ja wirklich nichts gemacht (und drittens wäre ich auch ziemlich bescheuert gewesen, da oben zehn Minuten herumzustehen, wenn man für Fotos ein paar Sekunden braucht, aber siehe oben: gesunder Menschenverstand, fehlender), sodass ich das jetzt im wahrsten Sinne des Wortes aussaß und schließlich nach ein paar Minuten wieder meiner Wege gehen durfte.

Der Versuch, eine Flasche Wasser zu kaufen, ging schief, weil ich in meinem Übermut dem Guide im Mausoleum ein ordentliches Trinkgeld gegeben hatte und daher kein Kleingeld mehr hatte, also lief ich ziemlich durstig weiter in Richtung Parkeingang.

Ich hatte jetzt - ehrlich gesagt - keine rechte Lust mehr auf den Park und wirklich Durst, ich beobachtete zwei Männer, wie sie am Rand der dreispurigen Straße anhielten und einfach in den Kanal pinkelten (das scheint hier nicht unüblich zu sein), und entschied mich, eine der Gaststätten hier in der Nähe aufzusuchen, und zwar die, die Dromedar auf der Karte hatte.

Das Dromedar war mir ja bereits in Dschibuti entwischt, weil ich da gar nicht hinkam, und auch heute war es mir nicht vergönnt, ein Stück dieses Tiers zu verspeisen: Dromedar war alle. Da hatte ich aber schon längst meinen Hydrationsdreiklang bestellt und auch die Cola schon fast verspeist, der Kapitänsfisch (Nilbarsch) war hier in Spießform verfügbar, also bestellte ich die.

In der Form war mir dieser Fisch noch fast lieber als unter dem Haufen Zwiebelsauce hier im Hotel vorgestern Abend, das war richtig großartig. Auf den Schreck trank ich noch ein zweites und, öhm, ein drittes Bier, aß noch mit Rum flambierte Bananen (auch sehr lecker) und wagte dann noch einen zweiten Versuch mit dem LetsGo-Elektro-Uber.

Auch dieser Fahrer fragte - wie es mir schon in Kamerun mit Yango ergangen war - erstmal per WhatsApp nach, ob er auch kommen solle; ich antworte dank Google Translate in eloquenten Französisch, zumal ich ja auch nicht sicher sein konnte, wie das hier läuft. Die App zeigt den Anreisefortschritt des Taxis nur sehr unregelmäßig an, aber ich passte das Taxi fast genau ab: Als ich aus dem Restaurant kam, war es noch genau 80 Meter entfernt und ich sah es schon kommen.

Wir fuhren eine Viertelstunde oder so durch den Ouadadougouer Stadtverkehr, das war schon auch interessant, nicht nur auf den Straßen zu laufen, und am Ende bekam der Fahrer - ich hatte ja immer noch kein Kleingeld - ein ordentliches Trinkgeld. Mir ging es schon recht gut, also rettete ich mich jetzt ins Zimmer und werde mich noch weiter in die Lebensgeschichte von Thomas Sankara einlesen.

Das Abendessen gestern Abend hier im Hotel war übrigens auch sehr lecker: Ich versuchte die Köfte, die lecker waren, und danach den Avocado-Burger, der sehr, sehr lecker war. Nicht unbedingt typisch burkinische Küche, ich weiß, aber halt wirklich lecker - und die Avocado kommt von hier und war grandios. Beim Abgang dachte ich, dass nur noch ein Schluck im Bierglas sei, es waren aber mehrere Schlücke (das konnte ich wegen der Werbung auf dem Glas nicht sehen, ehrlich!) und dementsprechend schüttete ich mir das Bier volle Kanne ins Gesicht, auf mein Hemd und auch auf meine Hose. Mann, ey! Hat zum Glück keiner gesehen ... Hoffe ich.

Das Café, in das ich eigentlich heute Mittag wollte, vertröste ich jetzt im Moment auf morgen, mal gucken, was das wird; einen richtigen Plan habe ich noch nicht für morgen, der entwickelt sich vielleicht heute beim Abendessen. Ich vermute, dass ich im Stadtzentrum bleibe, da sind die Polizisten und Soldaten deutlich entspannter; aber genau weiß ich es noch nicht ...

Fotos habe ich überraschenderweise heute dann doch ein paar gemacht:

Sankaras Jeep

Mausoleum

Säulengang

Sankaras Büro

Sankara und die ermordeten Mitstreiter

Platz der Vereinten Nationen

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