Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 5. April 2026

Я же не русский!

Nein, liebe (mutmaßlich) libanesische Supermarktinhaberfamilie, Russe bin ich doch auch nicht, das wäre ja womöglich noch furchtbarer als US-Amerikaner, dann könnte ich ja noch weniger reisen ...

Ich habe mich heute Morgen ein bisschen geärgert, weil ich eigentlich gestern zu einem Live-Musik-Abend hätte gehen sollen und müssen und wahrscheinlich auch können, aber nach den Ereignissen des gestrigen Tages hatte ich dann doch irgendwie keine rechte Lust mehr, und das Abendessen hier im Hotel war mit Tagliatelle mit Minze(!) und Fleischbällchen auch sehr lecker.

Ich guckte noch nach, ob heute was wäre, da ist auch eine Art Festival, bei der vornehmlich Künstlerinnen auftreten, aber das ist ein bisschen weiter weg, und ich weiß nicht, ob die Beschreibung auf den Facebook-Seite genau genug ist, dass ich das dann am Ende auch finde. Noch mehr dagegen sprach, dass ich nirgends gefunden habe, wann das Programm heute denn losgeht.

Also guckte ich mir heute Morgen zwei Bars/Kneipen/Gastropubs/wie auch immer aus, bei denen ich las, dass es da öfter Live-Musik gäbe - vielleicht würden die am Sonntag Mittag/Nachmittag schon was machen? Vielleicht, hoffentlich?

Also ließ ich mir sehr viel Zeit mit dem Aufstehen und Duschen und verließ erst gegen 11 Uhr mein völlig adäquates Hotel. Die Rezeption war zu, sodass ich noch nicht abklären konnte, wie genau das mit dem Zahlen funktioniert, aber das kriege ich gleich noch hin.

Ich verließ den Hotelhof - und war erstmal ein bisschen perplex. Ja, mein Händler war noch da, das ist ein Fixum hier in der Gegend, aber sonst war so gut wie komplett tote Hose auf der Straße. Ja, ein quietschendes Fahrrad wackelte mal vorbei, vielleicht auch das eine oder andere Auto, aber das war kein Vergleich zu gestern und erst recht nicht zu Freitag. Das hatte ich so nicht erwartet.

Ich lief ein paar Meter, denn ich hatte einen Friedhof entdeckt und wollte den mal in Augenschein nehmen. Ich kam an einer Art Lagerfeuer vorbei (da war es noch wärmer als ohnehin schon), aber der Friedhof war verrammelt und zu. Hm, schade ... Ich lief um den (soweit ich es sah) christlichen Friedhof einmal herum, fand zwar eine kostenpflichtige Toilette (die Männer pinkeln ja bekanntermaßen einfach gegen eine Mauer oder in einen kleinen Kanal), aber keinen Eingang und zog von dannen.

Ich machte noch einen kleinen Umweg zum Grand Marché und dann zur Großen Moschee, da war der erste Verkäufer (von Gürteln), der mir wirklich nachlief, ansonsten ist das hier alles ganz angenehm, der wurde auch abgewimmelt, und ich lief ein Stückchen bis zur Ecobank, denn ich wollte noch ein bisschen Geld abheben, um für alle Fälle gerüstet zu sein.

Von da lief ich ein bisschen weiter nach Süden, bis auf einfiel, dass ich mal eine (gehobenere, französische) Bäckerei in Augenschein nehmen wollte, die aber auch Mittagessen anbieten soll. Das sah schon sehr okay aus, aber ich wollte ja gucken, ob meine beiden Pubs offen haben und vielleicht schon Live-Musik läuft.

Von da entdeckte ich die Zentralmoschee der Sunniten ein paar Schritte weiter südlich, marschierte auch noch zu der hin, schoss ein Foto, wurde ausnahmsweise nicht verhaftet, und lief dann in Richtung der Bar "De Niro", die angeblich 24 Stunden offen haben sollte.

Joa, "24 Stunden" bedeutet hier "ab 17 Uhr, und montags geschlossen", aber schön aussehen tat die Bar. Ich marschierte weiter, entdeckte noch eher zufällig ein hochgelobtes dezidiert "afrikanisches" Restaurant - auch zu ... Die Bar im Einkaufszentrum hatte auch zu, kaum verwunderlich, das Einkaufszentrum war zu.

Ich weiß nicht, ob das jeden Sonntag hier so ist (was mich für ein mehrheitlich muslimisches Land fast wundern würde) oder ob es am Ostersonntag liegt (frohe Ostern übrigens allen, die das feiern!), aber irgendwie war alles zu, auch die zweite Kneipe, die ich anstrebte: Auch da stand ich vor verrammelter Tür. Hmpf.

So langsam bekam ich richtig Durst (ich hatte zwar eine angebrochene Flasche Wasser aus dem Zimmer mitgenommen, aber die war schon am Friedhof leer) und lief zu dem libanesischen Supermarkt neben dem "De Niro"; dort kaufte ich - als Russe getarnt - Mangosaft und Cola, verzehrte die gierig und fand schließlich Asyl in einer französischen Kleinkette, die ich auf dem Hinweg schon gesehen hatte.

Das Schawarma war lecker, und angesichts der Tatsache, dass hier offenbar doch einige Libanesen leben, geht das fast ja schon als "lokale Küche" durch, aber einmal so was typisch Burkinisches hätte ich ja doch mal essen wollen ... Wenigstens gab es Bissap, Hibiskusblütensaft, der war lecker (und gar nicht mal so billig) - und zum Nachtisch aß ich Fettuccine mit dreierlei Schokolade. Ja, liebe Leserin, lieber Leser, so habe ich auch geschaut, aber tatsächlich bekam ich keine Pasta mit Schokolade, sondern Pfannkuchenstreifen, die wie Nudeln aussahen, mit Schokolade - dass das saulecker war, muss ich wahrscheinlich nicht betonen.

Auch dieser Ober freute sich sehr über sein Trinkgeld, dann entschied ich mich, doch noch nach Hause zu laufen und - es war jetzt echt heiß bei 39 Grad - ein paar Stunden in der Kühle des Zimmers zu verbringen, bevor ich wahrscheinlich doch noch einmal zur De-Niro-Bar laufe.

Der Alternativtitel heute wäre "Robert de Niro's waiting" (von Bananarama) gewesen, und das "talking Italia", das ich immer hinterhergedichtet habe, stimmt tatsächlich fast (es heißt "talking Italian"). Es ist jedenfalls textgenauer als das bekannte "niemand kann da bezahle", das aus "mi manca da spezzare" in Neks Lied "Laura non c’è" gemacht wird. "Agathe Bauer"/"I've got the power" ("The Power" von SNAP!) und "Anneliese Braun"/"All the leaves are brown" ("California Dreamin'" von The Mamas and The Papas) gehören auch in die Kategorie. Wie? Flüssigkeitsmangel? Ich? I wo!

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So, eben in der Kühle des Hotelzimmers habe ich auch die Eintrittskarte für die Hockey-WM in Wavre, Belgien, für den 15. August gebucht - um 11.30 Uhr spielen die deutschen Frauen gegen Schottland, um 14 Uhr die deutschen Männer gegen Malaysia, und danach kommen noch um 17.30 Uhr Argentinien-USA bei den Frauen und um 21 Uhr Belgien-Frankreich bei den Männern, das wird ein voller Hockeytag.

Ich habe eine Karte auf der südöstlichen Stirnseite des Stadions gebucht (hoffe ich; aber die Längsseiten waren schon alle ausverkauft ...), sodass ich hoffentlich nicht zuuu viel Sonne abkriege. Vier Hockey-WM-Spiele, das wird gut.

Im Moment denke ich, dass ich am Freitag Abend aus Hannover nach Lüttich fahre, am Samstag Morgen von Lüttich nach Wavre (das liegt etwa 25 Kilometer südöstlich von Brüssel) und am Abend wieder zurück und schließlich am Sonntag Mittag wieder nach Hannover. Ein Hotel in Lüttich (oder sonstwo unterwegs) muss ich aber noch buchen ...

Das wird meine zweite Männer-Hockey-WM (nach der 2010er-WM in Indien) und die erste Frauen-WM sowie das dritte Hockey-Großereignis (nach der Indien-WM und der gemeinsamen Männer-/Frauen-EM in Mönchengladbach 2023), das ich besuche ...

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Jo, nach dem gemütlichen Nachmittag im Zimmer machte ich mich um 17 Uhr auf und ging zuerst an der Rezeption vorbei. Ich fragte, ob ich morgen um 6.15 Uhr bezahlen könne und man mir für 6.30 Uhr ein Taxi bestellen könne. Letzteres wurde bejaht, ich solle die Leute beim Frühstück bitten, mir ein Taxi zu bestellen, Ersteres wurde mit der Bitte beantwortet, doch jetzt zu zahlen.

Das machte ich, und ich will wirklich, wirklich hoffen, dass das einfach ein Denkfehler war, dass der Rezeptionist mir fünf statt vier Nächte abrechnen wollte. Ich hatte das schon gesehen, dass das komisch aussah, der Gesamtpreis war auch ein bisschen zu hoch, sodass ich das anmerkte und er zumindest peinlich berührt tat. Wie gesagt: Ich hoffe wirklich so sehr, dass das keine versuchte Abzocke, sondern einfach ein echter Fehler war ...

Ich lief bei immer noch 38 Grad die Viertelstunde zum "De Niro" - und tatsächlich, es war offen. Immerhin. Live-Musik gab es heute nicht, ohnehin habe ich den Eindruck, dass ich ein paar Sachen hier verpasst habe, aber vielleicht komme ich in ruhigeren Zeiten nochmal hierher, wenn die Polizisten und Soldaten auch etwas weniger nervös sind, denn - abgesehen von denen - hat es mir hier ziemlich gut gefallen ...

Ich entschied mich für Fassbier und - nach langer Suche - für die Rinderzunge in Soße. Die Bedienung, die übrigens einigermaßen gut Englisch sprach, kam nach längerer Zeit wieder und meinte, dass es keine Rinderzunge mehr gäbe, dafür Nierchen oder Hühnermagen. Jetzt war mir fast alles egal und ich entschied mich für den Hühnermagen, nur um am Ende doch die anscheinend sehr wohl noch vorhandene Rinderzunge zu kriegen.

Die Zunge war als Geschnetzeltes angerichtet, mit ein bisschen Gemüse, dazu Attiéké, einer couscousartigen Beilage aus fermentiertem Maniok, und einer scharfen Soße. Liebe Leute, das war richtig lecker, das Rezept kriegt meine Ma und wenn sie Lust hast, kann sie das sehr gerne mal nachkochen ...

Ich trank - um kurz vor 21 Uhr waren es immer noch 32 Grad, ich saß ganz entspannt draußen, ein paar Viecher um mich herum - zwei Cocktails, dann war ich aber - nach ein paar Bier vorher - auch einigermaßen bedient. Das war schön dort, das muss ich sagen ...

LetsGo wollte heute wieder nicht so wie ich, sodass ich den Buchungsversuch nach einigen Minuten abbrach und - unter den virtuellen Augen von zwei Freundinnen, die, wenn ich mich nach einer halben Stunde nicht gemeldet hätte, Alarm schlagen sollten - nach Hause lief. Das war komplett unproblematisch (meine "russische" Körperform ist da sicherlich nicht unhilfreich) und gegen 21.20 Uhr war ich daheim.

Der Wecker geht um 5.30 Uhr (7.30 Uhr deutscher Zeit), also ab in die Heia jetzt. Schön war's hier, alles in allem, aber jetzt freue ich mich - wie glücklicherweise fast immer am Ende einer Reise - auch auf Deutschland.

Ein paar Fotos gibt es auch:

 

Hibiskusblütensaft (Bissap)

Fettuccine mit dreierlei Schokolade

Rinderzunge mit Attiéké

Nachts im De Niro

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