Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 12. April 2025

... nur schlechte Kleidung

Jo, die hatte ich heute, weil ich irgendwie beim Gedanken an Andalusien, an Südspanien beim besten Willen nicht an Regenwetter gedacht habe. Fahrlässig? Ja, klar! Dementsprechend verzichtete ich auch dann auf den Kauf eines Regencapes, als ich die Möglichkeit dazu hatte, denn: Ein bisschen Strafe muss sein. Außerdem war ich zu dem Zeitpunkt eh schon nass, also war es grad egal, ob ich meine Nässe jetzt noch bedecke oder nicht mehr. Am Ende des Tages wechselte ich in Ardales Hemd und Unterhemd komplett, dann war mir schlagartig wieder warm ...

Der Wecker heute Morgen hätte nicht runtergehen müssen, denn ich war schon kurz vor 5 Uhr wach. Ich duschte, ging runter, holte den Schlüssel zum Hinterhof, wendete in ungefähr 28 Zügen mein Auto, fuhr dann aus dem Tor raus, stellte mein Haus ab, gab Hinterhof- und Zimmerschlüssel ab und fuhr zu.

Wahrscheinlich kommt man selten im Leben so unproblematisch aus Sevilla auf die Autobahn, und auf selbiger blieb ich eine Dreiviertelstunde. Die Straße chargierte zwischen perfekt und ... bäng! Schlaglöcher gab es gerade auf der rechten Spur etliche.

Es war noch dunkel, als ich auf kleine Sträßchen in Richtung Caminito del Rey abbog; auf diesen verbrachte ich noch einmal eine gute Stunde. Mein Auto meckerte zunehmend, dass ich zu wenig Sprit hätte, aber es kam keine geöffnete Tankstelle ...

Erst in Ardales, kurz vor dem Caminito del Rey, war etwas geöffnet; dementsprechend tankte ich dort (meine Mutter hätte mich längst erwürgt gehabt), danach ging es - im leichten Regen - zum Besucherzentrum des Königswegleins ...

Der Regen wurde nicht weniger, als ich dort ankam, aber wenigstens bekam ich sofort meinen Parkplatz; auch der Bus fuhr zeitnah, ich kam sogar noch in der ersten Charge mit. Unterwegs fing es stärker an zu regnen, mein Sakko war schon feucht, aber mir war alles egal.

Als einer der wenigen (Vernünftigen) nahm ich den empfohlenen Weg durch einen Tunnel, aber trotzdem musste ich bis zum offiziellen Eingang noch ein ganzes Stückchen wandern, und es regnete weiterhin.

Am tatsächlichen Einlass war noch alles zu, die Menschen verzogen sich unter die wenigen Dächer, die es da gab, ich am Ende auch, aber mein Sakko war jetzt schon ziemlich durchnässt. Irgendwas war komisch, denn es wurde keiner reingelassen, ich hoffe/denke, dass sie Sorge vor einem Gewitter hatten, aber die Informationspolitik war ziemlich unterirdisch, denn kein Mensch wusste, was los war ...

Meine Eintrittszeit war schon fast vorbei, als irgendwelche Schlangen eingerichtet wurden, die aber dann doch maximal semi eingehalten wurden, aber irgendwann - kurz nach meiner Eintrittszeit - wurde ich vorgelassen. Ich bekam meinen Helm (das Foto von mir mit Helm sorgt auf WhatsApp für größere Heiterkeit ...) und durfte endlich den Camino betreten.

Es war relativ voll, weil zwei oder drei Ladungen Menschen kaum verzögert losliefen, aber als wir auf den eigentlichen Pfad kamen, war alles Chaos, aller Ärger komplett vergessen: wow, einfach nur wow!

Du läufst da über (wunderbar gesicherte und konditionell nun wirklich nicht anstrengende) Holzbohlen, unter dir geht es zig Meter runter, die Schlucht ist atemberaubend - und wie üblich kann ich das gar nicht so richtig beschreiben. Mehr als einmal machte ich ein vertikales Panoramabild (was Jessi mir beigebracht hat), weil man diese atemberaubende Schlucht selbst mit Weitwinkelkamera nicht vollständig darstellen kann, unglaublich, wirklich unglaublich.

Nach zwanzig Minuten ist man - vorbei an der königlichen Brücke, über die einst - hoch, hoch, hoch oben - der König marschiert sein soll; heute ist diese Brücke längst gesperrt - durch den ersten Abschnitt durch, und wenn man nicht so gut informiert ist - wie ich heute - und denkt, dass es das war, dann wäre es den Eintrittspreis immer noch massiv wert gewesen ...

Es ging nun einen weniger spektakulären Weg entlang (mit immer noch fantastischen Ausblicken auf die grandiose Landschaft), bis ich zum zweiten Schluchtabschnitt kam, und der hatte es ganz brutal in sich ...

Auch hier läuft man hundert, hundertzwanzig Meter über dem Fluss auf Holzbohlen entlang, an etlichen Stellen kann man den alten Camino sehen, auf dem die Verrückten bis 2010 noch gelaufen sind, gefühlt ohne Sicherung, und das Schluchtpanorama war noch beeindruckender als vorher, unglaublich - das muss man wirklich gesehen haben, selbst bei Nieselregen und kaltem Wind, es war unfassbar schön ...

Ganz am Schluss, wenn man meint, es schon geschafft zu haben, kommt noch eine Brücke über die Schlucht, in schwindelerregender Höhe, mit Gitter unter den Füßen - da muss man entweder sehr schwindelfrei oder sehr besoffen sein, um da sorglos drüberzumarschieren ...

Also, Leute, wenn ihr halbwegs schwindelfrei seid, kommt zum Camino del Rey, möglichst an einem schönen Tag, notfalls auch an einem Schietwettertag wie heute, es lohnt sich, definitiv!

Nach dem Ausstieg aus dem Schluchtpfad marschierte ich schnellen Schrittes voran, denn ich wollte möglichst noch den 11.30-Uhr-Bus kriegen, denn um 13 Uhr sollte ich ja schon beim Bier-Tasting sein, und ganz idealerweise wollte ich da schon mein Auto bei meiner Unterkunft geparkt haben.

Die Strecke wurde immer, auch die Haltestelle war verlegt worden, sodass ich gegen 11.31 Uhr am Bus eintrudelte, schwitzend, klar - da stand aber noch ein zu drei Vierteln gefüllter Bus, in den ich einsteigen durfte, und so kam ich sehr pünktlich wieder am Parkplatz an. Jetzt kam natürlich blauer Himmel raus - Petrus, du wirst demnächst verprügelt!

Ich fuhr nach Ardales und in Richtung meiner Unterkunft. Liebe Leserin, lieber Leser, Ardales ist ein wunderschönes Örtchen, aber a) eng und b) steil. Von Parkplätzen konnte keine Rede sein, ich würgte beim Berganfahren mehrfach mein Auto ab (dass es nicht nach unten gerutscht ist, war alles!), sehr schnell entschied ich mich, irgendwo im Tal zu parken und das Auto dort stehen zu lassen, boah, ey!

Als das Auto stand, wechselte ich erstmal Unterhemd und Hemd, weil es jetzt doch recht kühl wurde, packte um, damit ich später nur meinen Rucksack würde mitnehmen müssen, und spazierte dann zur Brauerei. Ich war jetzt natürlich eine geschlagene Viertelstunde zu früh da, die spätere Englisch-Führerin kam auch gerade und meinte, sie wären in fünf Minuten so weit, kurz darauf kamen zwei Leutchen, mit denen ich mit unterhielt, bis wir merkten, dass er Deutscher und sie Niederländerin war, die völlig (völlig!) akzentfrei Deutsch sprach.

Am Ende landeten wir mit einem kanadischen Pärchen am Ausländertisch, María erklärte uns in ihrem sehr spanisch gefärbten Englisch den Brauprozess, und dann bekamen wir endlich die Biere. Es wurden ein Weizenbier, ein Irish Ale, ein American Ale und ein Stout (Letzteres wurde mir zugeschustert, weil ich das als Einziger mochte) konsumiert, wir diskutierten über Gott und die Welt (und über die politische Weltlage) und am Ende verabschiedeten wir uns mit Umarmung - es war richtig schön!

Ziemlich bedüdelt lief ich zum Auto zurück, holte meinen Rucksack und begab mich zu Fuß, den steilen Berg hoch, in die (wunderschöne) Innenstadt. In der einen Kneipe trank ich ein Bier aus der Brauerei von eben und aß Schweinebäckchen, dann wurde ich dort rausgeschmissen und zog zwanzig Meter weiter ins Pub. Dort ließ ich es mir weiter gutgehen, bis ich schließlich auch dort auszog und weitere zwanzig Meter in meine - wunderbare, geräumige, großartige - Ferienwohnung ging.

Jetzt bin ich kurz davor, ins Bett zu gehen, denn der Wecker klingelt um 2.45 Uhr. Brrrr ... Aus diesem Grund: gute Nacht und bis morgen!

Schweinebäckchen

Bierausbeute heute

Da geht's runter

... da drüber

Blick von der Brücke

Alter Caminito

Weitwinkelkamera

War leider ...

... gesperrt

Der Caminito

... mit Schlucht

Blick auf die Landschaft

Königliche Brücke von hinten ...

... und von vorn

Eng war's manchmal

... aber sehr schön

Freitag, 11. April 2025

También en inglés

Die eine Leserin oder der andere Leser wird vielleicht das Meme kennen, das einen Tankwagen in einem arabischen Land zeigt, auf dem in dicken lateinischen Buchstaben "NO SMOKING IN ARABIC" ("'Nicht rauchen' auf Arabisch") steht. So ähnlich war das heute auf dem Hinweisschild in der Tapasbar, die als Geheimtipp auf Google stand (ja, das ist schon ironisch, ich weiß), das auf Spanisch darauf hinwies, dass der Durchgang und Zutritt zur Küche nicht öffentlich sei - und darunter stand - auf Spanisch - "auch auf Englisch" ("también en inglés") ... Fand ich lustig ...

Ich schlief heute fast einmal aus und machte mich ganz gemütlich fertig, wohl auch deswegen, weil kurz nach dem Öffnen der Balkontüre ein Wolkenbruch über Sevilla hereinbrach, bei dem ich froh war, geschützt zu sein ... Ich verließ erst spät, so gegen 9.30 Uhr, die Bude, der erste Bus ließ nur Fahrgäste aussteigen, aber der zweite Bus, so gegen 10 Uhr, fuhr dann wirklich in die Stadt. Das Bezahlen mit der Kreditkarte funktionierte auch wunderbar, und so stand ich die fünfzehnminütige Fahrt in dem Bus, bis wir am Prado ankamen.

Als erste Station hatte ich die Plaza de España auserkoren. Auf dem Weg dorthin versuchten etliche Frauen, mir irgend so ein vermeintlich heiliges Kraut anzudrehen, aber bei solchen Leuten packe ich schon lange nicht mehr den Geldbeutel aus.

Ein, zwei Minuten später stand ich auf dem - riesigen - Platz und kriegte fast den Mund nicht mehr zu, kein Wunder, dass hier auch ein Teil eines Star-Wars-Films gedreht wurde (Szenen, die auf Naboo spielen, wurden hier wohl gedreht), weil das wirklich total beeindruckend ist. Die Sonne stand nicht ganz so praktisch - hinter dem Gebäude -, sodass die Fotos nicht ganz so grandios geworden sind, fürchte ich.

Ich lief einmal um das Gebäude herum, ein britisches Pärchen bat mir an, mich zu fotografieren, aber das lehnte ich dankend ab, ich guckte mir die Kachelmalereien für viele spanische Städte an und war dann schon einmal sehr glücklich, gerade weil zum Beispiel die Laternenmasten fast wie von Gaudí entworfen aussahen.

Danach lief ich in Richtung Altstadt, schaute unterwegs, ob ich noch Karten für den Alcázar (nicht "Alcatraz", wie die Schwäbin, die ich später traf, meinte, aber so eine Verballhornung ist mir auch schon mehr als einmal passiert) bekomme, den königlichen Palast in Sevilla. Ich hatte Pech, was zum einen natürlich an mangelnder Vorbereitung lag und daran, dass ich vergesse hatte, dass das hier eine Touristenhochburg ist, aber zum anderen auch daran, dass ich mich ungern zeitlich so in Abhängigkeiten begebe, gerade im Urlaub, weil man oft noch andere Sachen sieht, die dann nicht mehr in den Zeitplan passen.

Nun denn, schade, aber nach Sevilla werde ich schon noch einmal kommen, denn insgesamt gefällt es mir hier ziemlich gut. Für die Kathedrale mitsamt dem Glockenturm namens Giralda bekam ich überraschend noch eine (teure) Karte (und ich mag es ja nicht so gern, für Gotteshäuser Eintritt zu zahlen, gerade wenn man dann so sieht, was für Reichtümer die katholische Kirche da so aufgehäuft hat), hatte aber noch eine gute Stunde Zeit.

Also marschierte ich nach einigem Hin und Her in die eingangs beschriebene Casa Moreno. Das ist ein kleiner Verkaufsladen mit Verzehreinrichtung hintendran, man spricht nur Spanisch, aber ich mag es ja eigentlich, so blind zu bestellen, gerade in Europa, wo nicht soooo viel schiefgehen kann.

Ich bestellte also - neben einem Bierchen - Morcilla de Hígado, das ist eine Blut-Leber-Wurst, interessant, nicht so ganz arg mein Fall, und ein Solomillo de atún, also ein Thunfisch-Filet, das definitiv mein Fall war, vor allem mit dem Olivenöl obendruff. Das alles war so lecker, dass ich mir eine zweite Runde genehmigte, diesmal mit Chorizo picante con queso cabrales - also scharfer Wurstaufstrich mit Ziegenkäse, toll! - und Pringá, laut Google-Übersetzung des englischen Wikipedia "ein in Andalusien beliebtes spanisches Gericht, das aus Roastbeef oder Schweinefleisch, Wurstwaren wie Chorizo ​​und Morcilla sowie Rind- oder Schweinefett besteht, das viele Stunden lang langsam gegart wird, bis das Fleisch leicht zerfällt." Klingt komisch, sieht komisch aus, schmeckt gut ...

Ich wurde mit Handschlag - trotz Androhung meiner baldigen Wiederkehr - verabschiedet, und nachdem ich zwischenzeitlich - um Punkt 12 Uhr - Panik gehabt hatte, dass ich den Termin versaubeutelt hätte (ich dachte kurzzeitig, mein Ticket wäre für 11.55 Uhr gültig, aber es war für 12.55 Uhr gültig), lief ich gemütlich in Richtung Kathedrale.

Mein Einlass klappte, die Sicherheitskontrolle war maximal oberflächlich (ein Metalldetektor wurde so ungefähr in meine Richtung gehalten, das war's), und erstmal marschierte ich die 35 Rampen hoch auf die Aussichtsplattform in 70 m Höhe. Jo, der Ausblick auf Sevilla ist schon toll, aber da oben ist es so gerammelt voll, dass man das gar nicht genießen kann, zumal das Fanggitter auch das Fotografieren erschwert. Schön schon, aber jetzt nicht das absolute Highlight dieser Reise ...

Das dachte ich grundsätzlich von der Kathedrale auch, aber nachdem ich diese - schon etwas ermattet von der Wärme und vom Essen und Trinken - gemächlich ein bisschen genauer in Augenschein genommen hatte, musste ich den allerersten Eindruck korrigieren: Der Hochalter ist schon spannend, und das Grab von Christoph Kolumbus ist schon auch hübsch, kunstgeschichtlich ist das natürlich alles phänomenal, völlig klar ...

Nach dann doch eineinhalb Stunden verließ ich - über den Orangenbaumhain - die Kathedrale und suchte mir - auf längeren Umwegen und nach dem Kauf von dringend benötigten Getränken - eine schöne Tapasbar, in der ich früh zu Abend (oder spät zu Mittag, wenn das in der anderen Tapasbar Frühstück war) aß.

Hier gab es Chicharrón Sevillano, Schweinebauch, dazu Gambas al ajillo, also Garnelen in Knoblauch, und Solomillo ibérico al whisky, sprich Schweinesteak mit Whisky-Sauce, alles sehr lecker. Zum Dessert überredete die Bedienung mich, noch eine Spezialität der bald anbrechenden semana santa, der Osterwoche, zu probieren; auch wenn ich das jetzt nicht mehr identifizieren kann, war das ebenfalls sehr lecker. (Die Vorbereitungen auf die Osterwoche sie hier überall zu sehen ...)

Ich zahlte, lief noch ein Stück am Guadalquivir entlang und am Goldtorm (torre del oro) vorbei, stieg dann in die U-Bahn (die es in Sevilla auch gibt, wenn auch nur mit einer Linie) und lief dann noch zehn Minuten zurück in meine Bude, in der ich jetzt sehr, sehr zeitig angekommen bin.

Morgen klingelt um 5 Uhr der Wecker, um 8.30 Uhr will/muss ich am Besucherzentrum des Camino del Rey sein, und ich muss ja noch das Auto aus dem Hinterhof bugsieren (der Schlüssel hängt am Schlüsselbrett, ich muss nur daran denken, am Ende alles in den Briefkasten einzuwerfen ...). Zwei Stunden Fahrt sagt Google voraus, wenn ich um 6 Uhr wegkomme, sollte das hoffentlich reichen.

So, jetzt aber Foti, Foti:

Torre de oro und Guadalquivir

Goldturm

Schöne Banküberdachung

Stierkampfarena

Osternachtisch

Schweinesteak mit Whisky-Sauce

Garnelen in Knoblauch 

Schweinebauch

Glockenturm (ehemals Minarett)

Kapitelsaal

Hochaltar

Chor

Kolumbus' Grab 

Im Glockenturm

Blick von oben ...

... auf den Orangenbaumhain

... und die Kathedrale

Stierkämpfer-Tapasbar

Vorfreude auf die Semana Santa

Portal der Kathedrale

Kutschen über Kutschen 

Augustus-Büste in der Universität 

Laternen an der Plaza de España

Selbige im Panorama

... von oben

Hauptportal

... und Turm

Donnerstag, 10. April 2025

Der Kollege hatte absolut recht

Der Kollege wird (fast) nicht glauben, dass ich das öffentlich kundtue (wir frotzeln öfter mal miteinander), aber mit der Empfehlung und Erinnerung, dass Ronda in der Nähe meiner Reiseroute liegt, lag er goldrichtig - ich war zwar nur kurz in Ronda, aber die Stunde, die ich da war, war ganz grandios - und Gibraltar war auch schön, aber ganz schön windig ... Jetzt sitze ich am Ende des Tages in einer kleinen Straßenbar im Osten von Sevilla, hier spricht keiner Englisch, aber mein Spanisch ist passiv noch einigermaßen vorhanden und aktiv, naja, bisher habe ich immer gekriegt, was ich wollte, auch die cerveza morena (das dunkle Bier) anstelle des Pils.

Verschlafen habe ich heute Morgen auch noch, weil mein Handy komplett ausgestiegen war - das ist mir noch nicht passiert, und das sollte übermorgen und am Sonntag definitiv nicht passieren, aber ich hoffe noch, dass das ein einmaliger Ausrutscher war. Am Ende waren es aber nur zehn Minuten, um die ich verschlafen habe, meine innere Uhr ist inzwischen ganz gut, und als ich den Vorhang zurückzog, der mein Zimmer verdunkelte, sah ich das erste Mal - nach der zweiten Nacht im Hotel - das Meer bei Tag vom Balkon. Herrlich!

Jetzt war die Sonne im Begriff, durch die Wolkendecke zu stoßen, und ich wollte an der Costa del Sol mal gucken, was das Mar so macht, also warf ich mich in Badehose und Flipflops (und das Hemd vom Anreisetag) und marschierte - durch die mit Zimmerkarte zu öffnende Tür - zum Strand. Ein paar Jogger waren zu sehen, sonst niemand, und am Strand war sowieso keiner. Ich ließ die Flipflops stehen und ging mit dem Wunsch, vielleicht wirklich schwimmen zu gehen, ans Wasser. Meine Füße und Knöchel wurden gerade vom Salzwasser umspült, als ich von dem Wunsch absah - es war jetzt nicht eiskalt, aber schon kalt, sodass ich mit den Füßen im Wasser stehen konnte, aber nicht weiter reinwollte ...

Die Duschen am Strand waren leider nicht angeschaltet, aber die Fußwäsche des Hotels funktionierte, sodass ich mit sauberen, wenn auch nassen Flipflops zurück aufs Zimmer marschierte. Die Dusche war wunderbar (zumal ich gestern Abend doch nicht mehr geduscht hatte), ich packte und ging zum Frühstück. Dort verspeiste ich - wenn ich schonmal in Spanien bin - Serrano-Schinken auf Brötchen, und gegen 9.30 Uhr checkte ich, nachdem ich mein Gepäck geholt hatte, aus.

Ich entschied ich, zuerst nach Ronda und danach nach Gibraltar zu fahren, und wegen einer Streckensperrung musste ich einen kleinen Umweg machen, sodass ich direkt an meinem Hotel auf die Autobahn in Richtung Málaga fuhr. Nach einer, ich weiß nicht, Dreiviertelstunde fuhr ich von der Autobahn ab, ab da ging es über kleine Sträßchen durch das ländliche und überraschend grüne Andalusien.

Kurz vor Ronda hatte ich ein spanisches Auto vor mir, aber die fuhren wie Deutsche (am Ende, in Ronda, stellte sich raus, dass das - natürlich - wirklich Deutsche waren). Woran merkte ich das? Nun, die Spanier stellen jede Menge Verkehrsschilder auf (gefühlt noch mehr als in Deutschland!), meinen die aber nicht wirklich ernst (sonst würden da keine 40-km/h-Schilder auf völlig freier Strecke stehen, nur weil von rechts eine gute einsehbare Einmündung kommt). Wir Deutschen sind es aber halt gewöhnt, dass unsere Straßenmeistereien nur Schilder aufstellen, die sie auch ernstmeinen, und also fuhren die Deutschen bei Schild 40 stur auch 40 (oder 45). Und weil die Straßen halt verwinkelt waren, konnte ich die auch nicht gut überholen ...

In Ronda mussten wir uns erstmal in die Innenstadt vorkämpfen, das klappte, auch ein Parkticket bekam ich (und wurde namentlich begrüßt, weil ich die App heruntergeladen und mit meinem Kennzeichen verknüpft hatte). Das Parkhaus war brutal eng, ich musste zum Kurvenfahren öfter als einmal nochmal zurücksetzen, aber am Ende fand ich einen wunderbaren Parkplatz.

Ich stieg empor auf die Plaza del Socorro - und war schon gleich einmal begeistert, weil das ein richtig schönes Plätzchen ist. Ich lief in Richtung eines Aussichtspunktes, verfehlte diesen vor lauter Quatschen (am Telefon mit meiner Bonusoma und meiner Ma), landete am Ende an der Puente Viejo, der Alten Brücke, und hatte einen grandiosen Blick auf die Schlucht, die Teil von Ronda ist. Mir fehlte aber noch der Blick auf die Brücke, die die beiden Seiten der Schlucht verbindet und die ich von Ronda vor Augen hatte, also marschierte ich den steilen Anstieg hoch zurück in die Stadt - und wurde von Touristen erschlagen. Unfassbar, was da heute los war. Ein paar Schritte die Straße runter kam ich aber zum - richtigen - Mirador und, voilà, da war auch die Brücke mit dem hohen Bogen, die ich unbedingt sehen wollte.

Ich kämpfte mich durch die Menschenmassen, machte ein paar Fotos und lief dann über ebendiese Brücke wieder in Richtung Auto. Ich kaufte kurz Getränke ein (dringend nötig) und ging dann - nach kaum einer Stunde in Ronda, ich komme wieder, ehrlich! - zurück zum Auto.

Gestern in Algeciras (bei einer anderen Parkhausgesellschaft) hatte das mit der App wunderbar geklappt, da wurde beim Ausfahren (nachdem ich das geschnallt hatte) mein Kennzeichen gelesen und ich durfte ausfahren. Hier in Ronda versuchte ich das Gleiche - und scheiterte kläglich. Am Ende stellte sich heraus, dass ich trotzdem mit der App das Parkticket hätte scannen und dann noch explizit bezahlen müssen. Das wusste ich halt nicht (diese Regelung in an sich sinnvoller als die von gestern, gerade für Mietwagen, weil da nicht versehentlich ein Nachbesitzer auf den Vorbesitzer Parkgebühren abdrücken kann, wenn Letzterer vergisst, sich abzumelden), also stand ich vor verschlossener Schranke. Der Aufseher erklärte mir das Problem - ich verstand das meiste, dankte ihm dann für die - angesichts der Umstände - wirklich relativ freundliche Erklärung, verabschiedete mich mit Handschlag von ihm und machte, dass ich wegkam.

Ich machte drei Kreuze, als ich aus Ronda draußen war, weil das da schon eng ist und man, wenn man nicht aufpasst wie ein Schießhund, schnell mal Fußgänger auf die Schippe nehmen könnte. Jetzt ging es über die Carretera del montaña oder so, und da war regelmäßig 40 oder maximal 50 ausgeschildert. Freunde, so wird das nix, zumal ich selbst mit 20 über der Begrenzung ein Verkehrshindernis war ..., äh, halt, stopp, gewesen wäre natürlich ...

Nachdem mich ein Abschleppdienst überholt hatte, hatte ich aber die Strecke zunächst fast für mich allein, fuhr an wunderschön aussehenden kleinen Bergdörfern wie Atajate und Benadalid vorbei, die mit ihren weißen Häusern und ihrem Kopfsteinpflaster in einem anderen Leben eigenständige Touristenziele wären. Problem an der Strecke war, dass da auch der eine oder andere Lkw fuhr, und die zu überholen war schwierig. Einmal hielt ich an einem Aussichtspunkt hat, hatte aber dann das Pech, dass die Leutchen, die unmittelbar vor mir an dem Punkt standen, dann auch unmittelbar vor mir weiterfuhren - waren, glaube ich, auch Deutsche ...

Am Ende landete ich aber wohlbehalten nach einer wunderbaren Fahrt auf der Autobahn in Richtung Süden und fuhr bald darauf ab in Richtung La Línea de la Concepción.

Nach ein bisschen Gegurke konnte ich am Stadion kostenfrei parken und stieg aus. Fast wurde ich umgepustet, denn das Wetter war umgeschlagen: Hatte ich in Ronda noch wunderbarstes Wetter gehabt, war es auf der Fahrt immer weiter zugezogen, und in La Línea stürmte es fast bei bewölktem Himmel. Mir war's wurscht, ich lief am Meer entlang in Richtung Grenzübergang und kam dort nach vielleicht 20 Minuten Spaziergang an.

Die spanische Ausreise funktioniert elektronisch (und den Grenzern ist da anscheinend vieles egal), die gibraltarische Einreise ist ein einziger Witz: Du läufst mit Pass - auf der Fotoseite geöffnet - im Anschlag an den Grenzern vorbei, ohne anzuhalten, die richten einen flüchtigen Blick auf dein Dokument (wenn du Glück hast), und schon bist du in Gibraltar eingereist. Halleluja! Zum ersten Mal seit fast 27 Jahren (ja, so alt bin ich schon!) war ich in dieses britische Überseegebiet eingereist.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass sie auch für Fußgänger einen Tunnel unter der Flughafenlandebahn gebaut hätte, aber davon sah ich nix, denn wir liefen - in Scharen! - bald nach der Grenze über den Flughafen. Eine British-Airways-Maschine war kurz vor meiner Ankunft gelandet, aber davon bekam ich beim Überqueren der Landebahn schon nichts mehr mit. Menschenmassen bewegten sich nach Gibraltar hinein, und an der dritten Ampel wählte ich einen anderen Weg als die anderen (war natürlich mehr oder weniger ein Fehler). Jedenfalls kam ich nicht auf dem allerdirektesten Weg am Grand Casemates Square an, aber ich kam an.

Und da, liebe Leserin, lieber Leser, ist das pralle Leben der Touristenfallen, es ist herrlich. Ich schnorrte mir ein kostenfreies WLAN und guckte nach schönen Kneipen, dann lief ich die Fußgängerzone ein bisschen hoch und in eine Seitengasse rein, denn da befindet sich die angeblich älteste Bar Gibraltars. Ich setzte mich an den Tresen, die Chefin - ich meine, eine Polin - war sehr umtriebig, die spanische Barkeeperin nicht ganz so, aber ich bekam mein Bier und konnte auch - ich war schließlich in einem britischen Überseegebiet - Fish & Chips bestellen.

Holla, die Waldfee, das war eine Portion Fisch, von der eine ganze britische Garnison satt geworden wäre (und ich tatsächlich auch!), auch wenn die Erbsen - handgezählt 28 - und die Chips nicht ganz so umfangreich waren. Das tat dem Genuss aber keinen Abbruch, denn der Fisch war wunderbar. Ich rechnete ein bisschen wegen des Alkohols herum, entschied mich, noch ein in Gibraltar gebrautes Bier zu verspeisen, und verließ dann geraden Schrittes das Etablissement.

Es ging weiter die Fußgängerzone hoch, vorbei an vielen Geschäften, die man in jeder britischen High Street sieht (Marks & Spencer darf nicht fehlen!), vorbei am Rathaus und dem gibraltarischen Parlament, bis hoch zum Gouverneurspalast. Dort drehte ich um, marschierte - unter gelegentlicher Einnahme einer Sitzbank - wieder runter zum Grand Casemates Square und folgte diesmal den vielen anderen Fußgängern zum richtigen Durchgang.

Es ging wieder zur Landebahn, über selbige hinweg, eine gibraltarische Ausreise gibt es nicht, die spanische Einreise war wieder elektronisch, um 17.26 Uhr war ich wieder in Spanien und gegen 18 Uhr - wieder gut durchgepustet (ich hatte zwar ein Sakko dabei, trug das aber auf dem Arm mit mir herum, während viele Gibralter und Spanier dick eingepackt waren ...) - am Auto. Ich entschied, dass genug Zeit zwischen Alkohol und Abfahrtszeitpunkt war, fuhr durch den Stadtverkehr von La Línea in Richtung Autobahn, fand unterwegs auch endlich den Tempo-Limiter, sodass ich auf dem Gaspedal bleiben konnte und meinen Fuß nicht so anwinkeln musste, dass ich fast einen Krampf kriege, und rollte so die verbleibenden zwei Stunden über meist gute, manchmal aber brutal schlaglochbehaftete Autobahnen in Richtung Sevilla.

In Sevilla war die Hölle los, ein bisschen Stau, ein Spurwechsel funktionierte nur mit Reindrängeln und Hand-zum-Dank-Heben, aber irgendwann bog ich recht ab, fuhr geradeaus, nahm keine Fußgänger auf die Schippe und bekam die Ansage "Sie haben Ihr Ziel erreicht". Jo, gute Frau, das mag schon sein, aber da fand ich beim besten Willen keinen Parkplatz. Ich drehte einmal im Karrée, fand vor einem Mülleimer einen guten Platz (Rückwärtseinparken mit Kamera ist schon gut) und lief die verbleibenden 100 Meter zu meiner Unterkunft.

Der junge Chef spricht nur Spanisch, aber das bekamen wir hin, er meinte, es gäbe einen Privatparkplatz, also holte ich das Auto, fuhr über einen Bordstein zwischen zwei parkenden Autos hoch auf den Gehweg (war alles eng und knapp, aber erfolgreich), und nun steht das Auto im Hinterhof meiner Unterkunft, was mir nach den Erfahrungen aus St. Étienne sehr recht ist.

Er zeigte mir mein Zimmer, das einfach ist, aber alles hat, was man braucht, das passt sehr gut. Vom Balkon rief ich meine Ma an und lief dann in Richtung der Bar, die der Chef mir empfohlen hatte. Eigentlich wollte ich kein großes Abendessen mehr einnehmen, aber die kleinen Tintenfischtuben lachten mich einfach an, sodass ich die bestellte. Für 9 Euro bekam ich eine sehr vernünftige Portion, trank - window shopping - ein am Nebentisch gesehenes Ale und studierte dann doch noch einmal die Karte. Ich googelte ein paar Bezeichnungen - und war dann neugierig/verfressen/verrückt/sucht es euch aus, sodass ich noch ein Salmorejo, eine kalte Tomatensuppe, und einen Kabeljau in süßer Kürbiscreme probierte. Der Kabeljau war lecker, die Kürbiscreme sehr lecker, aber der Salmorejo war ernsthaft fantastös - unglaublich, unfassbar, monstermäßig lecker. Nam, nam, den esse ich nochmal (obwohl das wohl aus Córdoba kommt und nicht aus Sevilla, aber das war grad egal).

Jetzt sitze ich hier - um 23 Uhr - immer noch völlig entspannt draußen, genieße mein - versprochen! - letztes Bier und werde morgen versuchen, wirklich ein bisschen auszuschlafen.

Auch heute war ein ganz grandioser Tag in einem bisher ganz grandiosen Urlaub, das macht richtig, richtig Spaß ...


Kabeljau in Kürbiscreme

Salmorejo

Tintenfisch

Kneipe in Sevilla

Landebahn in Gibraltar 

Fußgängerweg

Very British 

Lokales Bier

Lokale Speise

Grand Casemates Square 

E. T. nach Hause ... (kennt noch jemand den Film)

The Rock

Leben am Limit

Ronda

Auch Ronda

Tor in Ronda

Kirche in der Nähe der Alten Brücke 

Plaza del Socorro 

Good morning, Costa del Sol